Ausgabe 
15.7.1935
 
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Die Hundertjahrfeier der deutschen Eisenbahn in Aiimberg.

Oie weltumspannende Kraft der Schiene ift ungebrochen."

Gin Ehrenmal der gefallenen Eisenbahner.

Nürnberg, 15. Juli. (DNB.) Die Jahr­hundertfeier der Eisenbahn wurde am Samstagmittag durch einen Gedenkakt-für die gefallenen Eisenbahner im Der- kehrsmufeum eingeleitet. Die Wehrmacht, die eine Ehrenabteilung gestellt hatte, war durch Ge­neralleutnant Ritter von Schobert und durch Oberst Weißenberger vertreten. An der Feier nahmen neben Oberbürgermeister Liebel zahl­reiche Vertreter der Partei sowie eine Abordnung des Münchener Stadtrats und als Vertreter der ungarischen Bahnen Staatsrat Helvey teil. Nach der Ouvertüre zu BeethovensCoriolan" sprach der mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeich­nete Frontkämpfer Betriebsarbeiter Franz Taver Fand einen Prolog, der in das Gelöbnis der Eisenbahner ausklang, nach dem Vorbild der Ge­fallenen ihr ganzes Leben Volk und Vaterland zu weihen.

Der ständige Stellvertreter des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, Kl ein mann, erin­nerte in seiner Ansprache an die Taten des deut­schen Heeres im Weltkrieg und wies darauf hin, daß sich unter den 2 Millionen deutschen Gefallenen 25 573 Eisenbahner befinden. Adolf Hitler, der einfache Frontsoldat, habe die deutsche Freiheit und deutsche Ehre wiederhergestellt. So könnten wir sagen, daß unsere tapfere Helden nicht umsonst ge­fallen seien. Das Ehrenmal, das die Kameraden der Eisenbahndirektionen Würzburg und Nürnberg errichteten, gelte auch jenen Eisenbahnern, die in Erfüllung ihres Dienstes auf dem Ehrenfeld der Arbeit ihr Leben lassen mußten.

Anschließend wurde die Gedenktafel ent­hüllt. Sie ist vom Reichsadler gekrönt, der ein Hakenkreuz im Lorbeerkranz hält, und trägt fol­gebne Inschrift: .Unseren Eisenbahnkameraden, die im Weltkrieg 1914 bis 1918 fürs Vaterland fielen und für den Beruf ihr Leben ließen zum dauern­den Gedenken die Reichsbahndirektion Nürnberg." Präsident Geyer von der Reichsbahndirektion Nürnberg übernahm die Gedenktafel mit dem Ver­sprechen, im Geiste der Toten weiter zu arbeiten

Mit einem Sonderzuge der Deutschen Reichsbahn trafen über 100 Vertreter der deutschen und der ausländischen Presse in Nürnberg ein, um an der Eröffnung der A u s st e l l u n g10 0 Jahre deutsche Eisenbahnen" tellzunehmen. Die außerordentlich umfangreiche Ausstellung zeigt in eindrucksvollster Weise die außerordentlich wichtige Stellung, die die Deutsche Reichsbahn im neuen Staat einnimmt, sie zeigt die gewaltige technische Entwicklung eines Jahrhunderts. Eine fast unend­liche Fülle von Darstellungen aus wirtschaftlichen, sozialen, oerkehrstechnischen und allgemeinen Gebie­ten des Eisenbahnwesens gibt bereits die Jnnenaus- stellungDie Reichsbahn in Bild, Wort und Zahl". Personen- und Güterverkehr, Fürsorgeeinrichtungen und Wohlfahrtswesen der Reichsbahn sind zeichne­rische und statistisch erfaßt. Werkstättenwesen, Fern­meldewesen, Elektrifizierung, Motorisierung, Kraft­fahrwesen usw. werden durch Modelle und reich­haltiges Anschauungsmaterial erläutert. Eine große Fahrzeugschau, die sich über zahlreiche Gleise erstreckt, bildet den Glanzpunkt der Ausstellung. Hier finden die modern st en Verkehrsmit­tel, die großen Stromlinienlokomotiven und Wagen das größte Interesse; die stärkste Dampf­lokomotive entwickelt 3000 PS. Hier steht auch der modernste, noch nicht in Betrieb genommene Aus­sicht s w a g e n der Deutschen Reichsbahn, ein außerordentlich bequem ausgestatteter Triebwagen, der nur aus Glas und Stahlrahmen besteht und Aussicht nach allen Seiten und sogar nach oben bietet. Der Wagen führt drehbare Sitze. Er ist für eine der wichtigsten Gebirgsstrecken bestimmt.

für das Vaterland. Nach Kranzniederlegungen schloß die Gedenkfeier mit der Führerehrung.

Wiedereröffnung

des Verkehrsmuseums.

Dem Gedenkakt für die gefallenen und im Dienste ums Leben gekommenen Eisenbahner reihte sich die feierliche Wiedereröffnung des Ver­kehrsmuseums an. Der Präsident der Reicks­bahndirektion Nürnberg, Dr. Geyer, gab in sei­ner Begrüßungsansprache seiner Freude darüber Ausdruck, daß auch einige Eisenbahnvete­ranen der früheren Ludwigsbahn, dar­unter drei im Alter von über 80 Jahren erschienen waren. 100 Jahre nach der Eröffnung der Ludwigs­bahn könne festgestellt werden, daß das deutsche Eisenbahnwesen sich prächtig entwickelt und sich alle technischen Fortschritte dienstbar gemacht habe. 1835 sei die Ludwigsbahn 7 Kilometer lang gewesen, heute umfasse das deutsche Eisenbahnnetz über 60 000 Kilometer. Das gesamte Ausland schätze Deutsch­lands Eisenbahnen als Musterbetriebe. Anschließend gab Dr. Geyer eine kurze Schilderung der Ent­wicklung des Derkehrsmuseums. Angesichts der kom­menden Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahnen sei das Museum in allen seinen Teilen von Grund auf erneuert und durch weitere Ausstellungsstücke aus der neuesten Zeit erweitert worden.

Oberbürgermeister Liebel umriß die wechselvolle Geschichte der Stadt Nürnberg vom Ausgang des Mittelalters bis in unsere Tage. Einer der Höhe­punkte dieser Geschichte sei die Erbauung der Nürn­bergFürther Ludwigsbahn auf Anregung und tatkräftige Förderung des Bürgermeisters Schar­rer vor 100 Jahren gewesen.

Mit warmen Wünschen für das Gedeihen der Deutschen Reichsbahn und für die Vervollkommnung des Derkehrsmuseums schloß der Oberbürgermeister seine Ansprache. Hierauf erklärte Präsident Geyer im Namen der Deutschen Reichsbahn das Verkehrs­museum für wiedereröffnet. Anschließend besichtigten die Festgäste die Sammlunaen des Museums, die einen guten Ueberblick über die 100jährige Entwick­lung der deutschen Eisenbahnen geben.

Neben den neuesten Erzeugnissen der Gegenwart steht die ,Ludwigsbahn , eine getreue Nachbil­dung der vor 100 Jahren gebauten ersten deut­schen Eisenbahn, die die Strecke Nürnberg- Fürth mit der damalsStaunen erregenden" Ge­schwindigkeit von 16 Stundenkilometern befuhr. Die Ausstellung, die größte Schau seit dem Bestehen der deutschen Eisenbahnen, wird bis Mitte Oktober dauern.

Die große Reichsbahn-Aus ft ellung in Nürnberg wurde am Sonntagvormittag durch den Reichsverkehrsminister Freiherrn von E l tz - Rü­be n a ch feierlich eröffnet. Man sah neben den Vertretern der Reichsregierung, der NSDAP, und der Reichsbahn Abordnungen des Reichsheeres, der Landespolizei und der Wirtschaft.

Die Feier wurde eingeleitet mit dem Festmarsch von Richard Strauß. Dann hielt

Generaldirektor Or. Oorpmüller

die Begrüßungsansprache. Er führte u. a. aus: Es war an einem rauhen Dezembermorgen des Jahres 183», als eine aus England bezogene Lokomotive ihrenDienst auf der sechs Kilometer lan­gen Strecke Nürnberg Fürth aufnahm. Wer hätte damals geglaubt, daß in hundert Jahren 25 000 Lokomotiven auf 69 000 Kilometer Eisen­bahnen in Deutschland im Reichs- und Privatdienst laufen würden. Im kommenden Herbst soll eine großeJubel- und D a n k e s f e i e r" an diefen Segen erinnern, der von Nürnberg-Fürth ausging.

Die heutige Ausstellung soll ein Vorläufer sein für den kommenden Dankestag ganz Deutschlands.

Wir haben in den Ausstellungshallen alles zufam» mengetragen, was uns an die große Vergangenheit erinnert und hinzugefügt, was eine hundertjährige Entwicklung aus jenen ersten Anfängen geschaffen hat.

Die leider im Unverstand verschrottete erste Adler-Lokomotive haben wir getreulich nachgebildet wieder erstehen lassen. Aus ihren 40 PS, 4 0 Kilometer Höchstgeschwindig­keit auf der sechs Kilometer langen Strecke sind jene gigantischen Dampflokomottven von 3000 PS und Geschwindigkeiten von 175 Kilometerstunden ge­worden, die eine Laufttrecke von über 300 Kilometer ohne Halt durcheilen können. Den damaligen Preis von 35 000 Mark steht der Wert von 200 000 Mark unserer modernen Dampfriesen gegenüber, Zu den Dampflokomottven haben sich die elektrischen Loko­motiven mit 6000 PS Leistungsmöglichkeit gesellt. Dazu kommen noch Triebwagen diesel-elektrischer und diesel-hydraulicher Bauart, die den Ihnen be­reits bekanntenFliegenden Hamburger" schlagen.

Aber hinter all diefen Erfolgen steht der Mensch. Für ihn und seine Wohlfahrt zu sor­gen, ist die Hauptaufgabe jedes Unternehmens. Mit 20 Bediensteten fing die Ludwigsbahn NürnbergFürth an. Das war die U r z e l l e des neuen Berufsstandes der Eisen­bahner. heute hat die Reichsbahn einen ak­tiven Personalbestand von 6 6 0 0 0 0 Volks­genossen, dazu kommen 15 6 0 0 0 Eisen­bahnbeamte, die mit 1 80 0 0 0 ehema­ligen Eisenbahnarbeitern sich des Ruhestandes erfreuen. Nimmt man dazu noch etwa 50 000 Bedienstete bei den Privatbahnen, so stellt sich das Heer der von den Eisenbahnen besoldeten Deutschen auf 1,2 Millionen. Ein­schließlich ihrer Angehörigen erhalten also ewa 3 Millionen Deutsche ihr Brot direkt aus dem Eisenbahnbetrieb. Aber damit ist der Einfluß der Eisenbahnen auf die Per- sonalwirtfchast des Landes noch nicht erschöpft. Für uns walzen die Arbeiter in den Stahl­werken die Schienen, in Lokomotiv- und Wag­gonbauanstalten baut eine große Arbeiterzahl unsere Fahrzeuge, in den Bergwerken graben für uns die Bergleute unsere kohle usw. Ins­gesamt verschaffen wir jährlich für durchschnitt­lich 1,5 Milliarden M. unseren Volksgenossen Arbeit und Brot.

Anschließend hieß Oberbürgermeister Liebel die Gäste willkommen und legte dann ein leidensckaft- liches Bekenntnis zum deutschen Ar­beiter der Faust ab, ohne dessen Wirken sich die hundertjährige Entwickelung der Eisenbahn nicht so großartig hätte gestatten können.

Nach dem Oberbürgermeister sprach der Reichs- und preußische ÄerkehrS- minister Freiherr Elh-Rübenach.

Die Ausstellung, so erklärte der Minister, soll ein Bild davon geben, was in Deutschland auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens geleistet worden ist. Seiten wird sie dem Beschauer, was aus einer genialen Idee im Laufe der Zeit mit Tatkraft und Arbeitswillen entwickelt werden kann. Sie wird ihm die Erkenntnis vermitteln, daß die weltumspannende Kraft der Schiene noch nicht ge­brochen ist, daß der Verkehr nach wie vor ihrer Dienste dringend bedarf und daß auch heute noch die Eisenbahn die hervorragendste Stel­lung unter allen Verkehrsmitteln einnimmt. Uns allen soll die Ausstellung ein An­sporn sein, weiterzuarbeiten und alle Kräfte anzu­spannen für nützliche Arbeit zum Wohle unseres geeinigten Vaterlandes. Das wollen wir dem Füh­rer unseres Volkes und Vaterlandes geloben, in­dem wir seiner gedenken mit einem dreifachen Sieg-Heil!" Der Reichsverkehrsminister erklärte dann die Ausstellung für eröffnet.

DieAusstelluWMZchredeutscheEisenbchneli"

Rückkehr -er Habsburger um keinen preis

Oie Kleine Entente einig in der scharfen Ablehnung jeder Wiederherstellung der Habsburger-Monarchie in Oesterreich.

Paris, 14. Juli. (DNB.) Heber das Ergebnis der Besprechungen, die König Carol von Rumä- men und Prinzregent Paul von Südslawien in Sknaw hatten, schreibt der Bukarester Berichterstat­ter desPetit Parisien": Man habe die Unteil- barkeit der Kleinen Entente erneut be­kräftigt. Die Gemeinsamkeit der Anschauungen sei durch eine telephonische Unterredung zwischen Trtulescu und Benesch bestätigt worden. Man habe mit großer Genugtuung von der Erhaltung der englisch-französi­schen S o l t b a r 11 ä t und von der Unterstützung Kenntnis genommen, die beide Länder der euro« paschen Sicherheit gewähren. Die Informationen, die Titulescu aus London und Paris mitgebracht habe, würden durch die letzte Rede Sir Samuel Hoares im Unterhaus bestätigt. Man habe für den Fall, daß der Friede in Mittel- oder Osteuropa in Oesterreich oder anderwärts bedroht werden sollte daseinzuschlagendeVerfahren in Aus­sicht genommen, das sogar in einem bewaffne­ten Eingreifen bestehen könnte. Rumänien, Südslawien, die Tschechoslowakei und sogar Ungarn würden sich einer Rückkehr d e r Habs­burger widersetzen, die Wiederher st el- lung der Monarchie in Griechenland dürfte dagegen auf keine Bedenken stoßen.

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DiePrager Presse" weist mit Nachdruck ausländische Tendenznachrichten zurück, in denen behauptet werde, die Tschechoslowakei nehme angeblich keinen so entschieden ablehnenden Standpunkt zur Habsburger-Frage ein wie die beiden anderen Verbündeten der Klei­nen Entente. Diese Vermutungen entsprängen dem Bestreben, die öffentliche Meinung Westeuropas irrezuführen und Mißtrauen unter den Staaten der Kleinen Entente zu erwecken. Das Blatt stellt fest, daß nicht nur die Möglichkeit einer Wiederkehr der Habsburger für jeden der Staaten der Kleinen En- tente völlig unannehmbar sei, sondern ebenso auch jegliche Erörterung in dieser Richtung. Au dem Standpunkt der Kleinen Entente in der

Habsburger Frage habe sich seit Kriegsschluß nicht das Mindeste geändert, und die Wieder­kehr der Habsburger werde man um keinen Preis zulassen.

Auch die südslawische Presse beschäftigt sich ein­gehend mit der durch die Habsburger Gesetze in Oester­reich geschaffenen Lage. Die Belgrader Politika erklärte, daß der Legitimismus in Oe st er­reich zum staatlichen Programm er­hoben worden sei. Die Erklärung der Vaterländi- schen Front über die Möglichkeit, daß die Habsbur­ger Krone noch einmal europäische Bedeutung ge- winne, sei der beste Beweis für die imperia­listischen Absichten der österreichischen Mon­archisten. Man müsse damit rechnen, daß die Wie­ner Regierung versuchen werde, Europa vor vollen- bete Tatsachen zu stellen. Da die Habsburger b e i der österreichischen Bevölkerung kei­nen Rückhalt hätten, würden sie gezwungen sein, außenpolitische Abenteuer zu suchen, um ihren wankenden Thron zu stützen.

Die Agramer N o v o st i veröffentlichen zwei Auf- sötze gegen die Habsburger. Man müsse sich über die Wiener Regierung wundern, die die Welt für so ein­fältig halte, daß sie mit der Erklärung, die Habs­burger Frage sei n i ch t aktuell, hervortreten zu können glaube. Die Kleine Entente habe in Laibach beschlossen, daß jeder Restauratlonsversucy mit der allgemeinen Mobilisierung beantwortet werden solle, und es sei kein 713Elchen dafür vorhanden, daß dieser Be­schluß geändert worden sei.

Kondylis in Südslawien.

, J861grab, 1L Juli. (DNB.) Der stellvertre- tende gnechlsc^ Ministerpräsident und Kriegsmini- ster General Kondylis, der von Rom im slo- wemschen Badeort Selbes eingetroffen ist, hatte Sonntag eme Unterredung mit dem füb- flawlschen Ministerpräsidenten Sto- jandino witsch und wurde sodann von der Konlgin-Mutter in Audienz empfan-

Deutschland und Frankreich. BotschafterFran^ois Poncet über den Wert r ter deutsch-französischen Verständigung.

r 11 n, 14. Juli. (DNB.) Der französische Bot- , er Francois Poncet empfing in der sc..-;ösiscken Botschaft anläßlich des französischen Nationalfeiertages die französische Kolonie. In einer Ansprache verwahrte sich der Botschafter ge­gen die Behauptung, daß Frankreich im Abstieg be­griffen sei. Frankreich leide nur unter den frucht­bringenden Wehen des Neubaues. Frankreich mache gegenwärtig eine jener Phasen durch, die im Laufe feiner Geschickte stets das Vorspiel eines neuen Aufschwunges gewesen seien. Auf die Dauer dulde es keine Vergewaltigung seines Gleichgewichtsempfindens und feiner Humanitäts­ansprüche. Was gestern wahr gewesen sei, werde auch morgen bleiben. In dem jetzigen Wirrwarr lasse Frankreich seine Ideale nicht fallen.

Unsere Hoffnung, fuhr der Botschafter fort, daß Frankreich und Deutschland eines Tages zur Verständigung kommen werden, bleibt lebendig. Unsere Sorge, unsere wesentlichen Be- lanpe zu wahren und eine alte Erbschaft nicht gefährden zu lassen, verhindert uns nicht, den in­nigen Wunsch auszusprechen, daß endlich mit unte­rem großen östlichen Nachbarn die Beziehun- fl en gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung Zustandekommen, die d i e sicherste Grundlage des Friedens bilden Einige Anzeichen haben im Laufe der letzten Wochen den bewölkten Himmel etwas erhellt. Mit dem Bürger­meister von ßnon, der kürzlich eine Abordnung ehe­maliger deutscher Frontkämpfer empfing, begrüßen wir dieseerste Schwalbe" als Boten einer besonderen Jahreszeit.

gen. Am Samstag war er in Laibach mit dem südslawischen Kriegsminister Z ivko witsch zu­sammen 'troffen und hatte auch mit ihm eine längere Besprechung. Dienstag trifft Kondylis in Belgrad ein und wird vom Prinzregent Paul in Audienz empfangen werden. In politischen Kreisen nimmt man an, daß die Reise Kondylis nach Italien und Südslawien mit der be­absichtigten Wiedereinführung der Mon­archie in Griechenland im Zusammenhang steht.

SerLuiMnzugMAreml

Äon unserem B.-Äerichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Memel, 2. Juli 1935.

Memel und das ganze Memelgebiet stehen heutt im Zeichen einer riesigen, mit allen Mitteln ge­förderten Zuwanderung aus Groß­litauen. Man kennt die alte deutsche Stadt kaum wieder. Zwar wies das Memeler Straßen­bild schon seit Jahren in zunehmendem Maße Züge auf, die auf die ständige Litarttsierungspolittk hindeuteten: die litauischen Straßennamen, . die vielen Uniformen der fremden Soldaten, die jüdi­schen Händler und die Bettler von jenseits der alten russischen Grenze. Heute aber wird Memel förmlich überschwemmt von litauischen Eindringlingen, die wie weiland die Hunnen über Stadt und Land herfallen und buchstäblich alles zu vernichten drohen, was es im Memelgebiet noch an Kultur und Eigenleben gibt.

Man sieht es diesen Menschen, die bei der Landtagswahl am 29. September^ in Massen gegen die Memelländer ins Feld geführt werden sollen, schon von weitem an, daß sie einer ganz anderen und fremden Welt entstammen. Ab­gerissen, 3um Teil in Lumpen gehüllt, mit wirr ins Gesicht hängendem Haar, ungewaschen und mit struppigen Bärten, so lungern sie in den Stra­ßen umher. Man möchte Mitleid haben mit diesen Menschen. Ihre litauischen Verführer haben ihnen den Himmel auf Erden im Memelgebiet verspro­chen. Stellungen in Hülle und Fülle, guten Ver­dienst, menschliche Behandlung. Alles Dinge, die es in Litauen schon längst nicht mehr gibt und eigentlich auch nie gegeben hat, wo heute der Ar- bettslose buchstäblich verhungert, obwohl das Land in landwirtschaftlicyen Erzeugnissen erstickt. Man hat sie förmlich mit Gewalt hierhergebracht, weil es der litauischen Regierung auf jedeStimme' anko mm t, und nun stehen sie da ohne Arbeit und Geld, ohne Unterkunft und Ver­pflegung. Die Folge ist, daß das Bettelunwesen überhand nimmt, daß diese Menschen, vom Hunger getrieben, Ueberfäüe verüben, daß Arbeitslosen­unruhen an der Tagesordnung sind und ganze Horden zum Schrecken der Bauern plündernd und raubenb das Land durchziehen. Und diese man muß schon sagen neuzeitlichen Hunnen werden nun im Schnellverfahren z uBürgerndes M e m e I g e b i e t s'; gemacht, sie sollen bei der Wahl zur Volksvertretung über das Schicksal des deutschen Memellandes entscheiden! Ist denn ein größerer Hohn auf die feierliche Einleitung 3um Memelstatut überhaupt denkbar, in der von dem weisen Entschluß" der Mächte die Rede ist,dem Memelgebiet Autonomie zu verleihen, um die Kultur und die überlieferten Rechte feiner Bewoh­ner zu schützen"? ...

Die Litauer haben versucht, die Tausende von- Zugewanderten in die Arbeitslosenfür­sorge der Stabt Memel einzugliebern. Zum Teil find auch Unterstützungen gezahlt worden. Aber die Stadt Memel ist finanziell am Ende ihrer Kraft. Die Arbeitslosenunterstützungen müssen die Stadt ruinieren, ganz abgesehen davon, daß die Experimente des litauischenOberbürgermeisters" Simonaitis, der kürzlich durch den Großlitauer Gailius ersetzt worden ist, Hunderttausende gekostet haben. Wie lange wird es noch dauern, und es wird kein Pfennig Unterstützung gezahlt werden können, weder an die einheimischen noch an die zu- gewanderten Arbeitslosen. Dann ist die Kata­strophe da! Auch an diesem Beispiel wird wieder einmal die Rechtlosigkeit Memels sichtbar.

Als der Landtag vor Jahren ein Gesetz beschloß, das den Zuzug von Arbeitslosen aus Litauen e i n- schränken sollte, da wurde dieses Gesetz vom litauischen Gouverneur für nichtig erklärt. Eine entsprechende Polizeiverordnung des da­maligen Direktoriums Schreiber mußte auf litau­ischen Druck ebenfalls aufgehoben werden. Selbst das jetzige litauische Direktorium Bruvelaitis hatte Bedenken gegen die überstürzte Masseneinwande­rung und hotte die Zuzugseinschränkung wieder hervor. Die Folge war, daß Herr Bruvelaitis einen kräftigen Anpfiff vom Gouverneur bezog. Der Hunnenzug" geht seitdem unaufhaltsam weiter! In der litauischen Hauptstadt K o w n o aber dür­fen nur bie Arbeiter eingestellt werben, die minbestens brei Jahre in Kowno gewohnt haben. Kowno barf sich gegen ben Zu­zug unerwünschter Elemente schützen. Memel nicht! Das deutsche Memel ist trotz der feierlich garan­tierten Selbstverwaltung der litauischen Invasion schutzlos preisgegeben!

Trohalledem läßt bas Eingreifen der Memelgaranten weiter auf sich warten. Dor mehr als 14 Tagen wurde in der Auslandpreffe eine neue, diesmal energischer gehaltene Note der Unterzeichner des Memelabkommens angekündigt. Verschiedene Blätter wollten sogar ausführlich über den Inhalt der Note berichten können: Litauen solle vor bie Frage gestellt werden, entweder bedingungs­lose Wiederherstellung und Erfüllung der Memel- autonomie, oder aber Abänderung des Memel­abkommens zu Hngunften Litauens. Man hat von dieser Note nicht mehr viel gehört. Wie es heißt, sollen bie Verhandlungen zwischen England, Frank­reich und Italien noch nicht abgeschlossen sein. Mit andern Worten: die Mächte können sich offenbar wieder einmal nicht einigen, dem Recht zum Siege zu verhelfen, weil dieses Recht Deut­schen zugute kommen solle. Kein Wunder, wenn die Litauer sich sehr schnell von dem Schreck, den die Ankündigung der Note ausgelöst hatte, erholt haben und nun erneut Rechtsbruch auf Rechtsbruch fügen; wenn sie außer den Massen­einbürgerungen von Großlitauern und der Aus­bürgerung von Memeldeutschen auch noch ein ent­sprechendesWahlgesetz" zur Verfälschung der Wahl herausjugeben beabsichtigen; daß sie mit der Auf­lösung der Memeler Stadtverordnetenversammlung drohen; den memelländischen Beamten widerrecht­lich die litauische Sprache aufdrängen und ihnen die Ausreise nach Deutschland verweigern; daß das Vermögen ländlicher Kreditanstalten beschlagnahmt und dadurch das Bauernelend noch vergrößert wirb.

Kein Wunder auch, wen nach dem Muster des Kownoer Schandprozesses, dessen Opfer immer noch auf Erlösung warten, eine Reihe neuer p o litischer Prozesse man spricht von rund 200! in Vorbereitung ist, um auf Grund irgend- welcher Denunziationen litauischer Spitzel, die sich zu Hunderten im Gebiet herumtreiben, rechtschaffene Memelländer vor Gericht zu schleppen. Gegen 20 dieser Prozesse haben bereits dieser Tage in Me- mel vor der litauischen Appellationskammer statt- gesunden. Selbst dieses übrigens zur Aburtei- lung von Mernelländern gar nicht zuständige (Be­richt mußte in den meisten Fällen auf Frei­spruch erkennen, da sich die Beschuldigungen als frei erfunden herausstellten. Den Spitzeln mar es nur um die für jede Anzeige ausgesetzte Belohnung zu