Aus der Provinzialhauptstadt
Be-
Kundgebung desReichsbundes derkindeneichen
Buntes Allerlei
Die Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes der Kinderreichen trat am Sonntag mit einer Kundgebung im Katholischen Vereinshaus an die Oeffentlichkeit. Die Veranstaltung war gut besucht.
Zunächst begrüßte der Leiter der hiesigen Ortsgruppe, Herr Schäfer (Gießen), die Versammlung, besonders den Vorsitzenden des Reichsbundes Herrn Konrad (Düsseldorf) und den Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen Herrn Heil (Offenbach a. M.). Letzterer übernahm sodann den Vorsitz und widmete allen Erschienenen herzliche Dankes- worte, namentlich den erschienenen Volksvertretern Landtagspräsident Prof. Dr. Werner (Butzbach), Tierarzt Dr. Harth (Mendorf a. d.Lda.), Krcis- lciter der NSDAP.; Landtagsabgeordneten Lenz (Büdingen) als Vertreter der SPD.; Landtagsabgeordneten Weckler (Rockenberg) als Vertreter der Zentrumsfraktivn, dem Vorkämpfer der Bewegung, Prof. Dr. Kuhn, und den Pressevertretern.
sodann sprach der Vorsitzende des Reichsbundes Herr Konrad über das Thema:
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement Wiederholung der Spielplanneuheit „Politik der Weiberröcke", Komödie von Aeil Grant (Spielleitung: Wolfgang Kühne). Gewöhnliche Preise. Spieldauer bis 22.15 Uhr. — Am Freitag, 13. Januar, Wiederholung des Schwankes „Stöpsel". — Zu Gunsten der Gießener Winternothilfe findet am Samstag, 14. Januar, im Stadttheater ein „Bunter Abend" statt. Dauer von 20 bis gegen 22.30 Uhr. Preise von 50 Pfennig bis 3 Marl. — Sonntag. 15. Januar, 15.15 Uhr, auf vielseitigen Wunsch Wiederholung des Weihnachtsmärchens „Aschenbrödel" |
— vielleicht nötiger als die Verschickung von Kin. dcrn in Erholungsstätten — fallen weg. Die Für- sorgemaßnohmen in den Schulen werden eingeschränkt. Die staatlichen Zuschüsse für den Wohnungsbau sind so eingeschränkt, daß die damit hauptsächlich zu fördernde Verbesserung der wohnlichen Unterbringung kinderreicher Familien, die sich zum großen Teil noch in unglaublichen Wohnungsverhältnissen befinden, unmöglich wird. Kinderreiche Familien, die angesiedelt worden sind, werden infolge der Unmöglichkeit, die Zinsenlasten bei verringertem Einkommen zu tragen, aus ihren Wohn- statten wieder vertrieben. Kein Wunder, daß die Familien immer mehr in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung versinken, daß sie kraftlos und mutlos werden oder daß sie in trotziger Empörung aufbegehren gegen den Staat, der sie, die ihre Pflicht für die Zukunft des Volkes erfüllten, immer weiter ins Elend versinken läßt, während er andere, die
Wenn die Fahrt der „Grace Darling" friedlichen Zielen dienen soll, so waren nicht immer alle Unternehmungen Jessica Borthwicks von dieser Art. Ihr Leben war erfüllt von den kühnsten und gefahrvollsten Abenteuern, die das Herz einer weniger tapferen Frau vor Furcht hätten stillstehen machen.
Taten für Mittwoch. 11 Januar.
1882: der Naturforscher Theoder Schwann, gründcr der Zellenlehre, in Köln gestorben.
Pornottzen.
| zu verbilligten Wärchenspielpveisen; 19 Uhr zum siebenten Male Wiederholung des Frontstückes „Die endlose Straße" von Graff und Hintze. Frem- denvorstellung zu ermäßigten Preisen, außer Abonnement. Dorzugsgutscheine haben zu dieser Vorstellung Gültigkeit. Spielleitung: der Inten- dant. Spieldauer bis 22.15 Uhr.
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** Der Kriegerverein Gießen veranstaltete am Samstagabend im Cafö Leib sein dies- lähriges Winterfest, verbunden mit dem 59. Stif- tungsfest, das — wie man uns berichtet — einen io zahlreichen Besuch an Mitgliedern und Gästen aufzuweisen hatte, daß der Saal und die Em- Poren voll beseht waren. Cs war ein sehr abwechslungsreiches Programm, das der rührige Vereinsrechner, Kam. Hugo Hartmann, zusammengestellt hatte. Musikstücke, ausgeführt von der Kapelle Weller, wechselten mit Tanz- und
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in Packungen oder Tüten von 1 Pfund erbittet in dieser Woche die
Pfundspende der Krauen-Winterhilfe
Die Zustellung der Pfundpakete wird auf Wunsch der Hausfrauen von den Lebensmittelgeschäften aus direkt an die Sammelstelle erfolgen.
Annahme: Alte Klinik, parterre, rechts, Montags, Mittwochs und Freitags, von 9 bis 12 Uhr.
Als Kapitän des „VolkslieiWffes" um die Welt.
Der abenteuerliche Reiseplan einer Engländerin.
Korea,öaS Paradies derGroßwildjäger
Seit vielen Jahrhunderten galt die Jagd auf den wilden Eber als ein bei furchtlosen Jägern in Europa, Indien und Nordafrika besonders beliebter und aufregender Sport. Aber der grimmige Eber, der diese Gebiete bewohnt, ist ein recht harmloser Geselle im Vergleich mit seinem weitaus stärkeren Vetter in den Tälern" und Bergen von Nordkorea. Deshalb sind in den letzten Jahren zahlreiche Großwildjagd-Expeditionen in dieses Gebiet veranstaltet worden. Sie werden geführt von Georg M. Jankowsky, einem Mann, der sich rühmen kann, den wilden Eber Koreas genauer zu kennen als irgendeiner der Eingeborenen. Jankowsky stammt aus Rußland und floh nach der Riederlage der Weißen Armee, der er angehörte, nach Korea. Während des letzten Jahres allein erbrachten die von ihm geleiteten Großwildjagden, bei denen er seine Begleiter auf gänzlich unbetretenen Pfaden führte, eine Deute von mehr als 200 Tieren, darunter neben Ebern auch Tiger, Leoparden, Grizzly-Bären, Luchse und Elche. Einstimmig wird von allen Jagdteilnehmern Nordostkorea als das Paradies der Großwildjagd gepriesen. „Diele meiner Gäste", so erzählt Jankowsky, „haben schon den europäischen Eber gejagt, der selten mehr als 200 Pfund wiegt, oder den Eoer Indiens, der es bis auf 300 Pfund bringt. Sie wollten es zuerst gar nicht glauben, daß sich hier in der Rordostecke von Asien Eber finden, die zweimal so groß sind wie die europäischen und deren Jagd viel mehr Gefahren in sich schließt". Diesein großen Jäger vor dem Herrn ist es einmal innerhalb von drei Jagdtagen mit Hilfe seiner Jagdhunde gelungen, acht wilde Eber zur Strecke zu bringen, von denen der kleinst« 360, der größte 510 Pfund wog. Um den letzteren unschädlich zu machen, bedurfte es dreier wohlgezielter Schüsse, da der wilde Geselle es sich in den Kopf gesetzt hatte, einige Menschen und ein halbes Dutzend von Hunden zu töten, bevor er seinen Geist aufgab. Ein andermal glückte es Jankowsky, einen 560 Pfund schweren Tiger einem seiner Jagdgenossen als Jagdbeute zu verschaffen, indem er sich selbst des Schusses enthielt. Daß es im hohen Rorden von Korea Tiger gibt, bedeutet eine pleberraschung für viele, da man geneigt ist, dieses Raubtier nur in den Wäldern heißer Gegenden zu suchen. Auch an Leoparden ist in Korea fein Mangel; sie treten hier so zahlreich auf, daß es nach den Worten Jankowskys innerhalb der nächsten zehn Jahre genügend geben wird, um die Leidenschaft aller Großwildjäger
„Die kinderreiche Familie und die Forderungen der Gegenwart."
fÜI)rte u. a. aus, daß uns die wirt- fchoftliche Not nicht zum Untergang zu führen brauche. Em Aufbau unseres Vaterlandes sei möglich, müsse aber in den Keimzellen, in den Familien, beginnen, und Zwar mit einer Wiederqesundung unseres Volkes und unseres Staates. „Volt" sei ein Jahrhunderte alter, gewachsener Organismus, eine Kette von Generationen, gebildet von den Maschen, den Familien. Ein Volk könne nur bestehen, wenn die Sterbeziffer nicht höher liege als die Geburten- Ziffer. Die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit ergeben den Beweis, daß unsere Geburtenziffer dauernd im Rückgang begriffen sei. Don den in den letzten fünf Jahren geschlossenen Ehen blieben 40 v H. kinderlos, 13 v. H. begnügten sich mit einem Kind, in Berlin betrage die Zahl der kinderlosen Ehen sogar 54 v. H. Daß wir heute in Deutschland noch Geburtenüberschuß feslstellen könnten, hinge damit zusammen, daß die Sterblichkeit infolge sanitärer Maßnahmen von 28,2 auf 11,2 vom Tausend gesunken sei. Unser Volk werde allmählich ein Volk ohne Jugend. Nach Feststellungen von Prof. Dr. G r o t i a n wäre es eine Torheit, zu glauben, mit dem Geburtenrückgang der Arbeitslosigkeit begegnen zu können. Der Gießener Gelehrte, Prof. Dr. Günther, hätte in einem Werk den Nachweis gebracht daß gerade der Geburtenrückgang die Arbeitslosigkeit vergrößere. Der Redner lehnte es entschieden ab, einer nur quantitativen Zunahme der Bevölkerung das Wort zu reden, sondern nur qua- litativen Menschen wäre es möglich, den Kampf ums Dasein mit Erfolg zu führen. Aufgabe des Staates fei es, das Volk zur körperlichen, geistigen und sittlichen Tüchtigkeit zu führen. Die Familie
diese Pflicht hohnlachend verweigern, schont und begünstigt!
Wir fordern in letzter Stunde: Anerkennung der völkischen, kulturellen und nationalpolitischen Lei- stung und Bedeutung der kinderreichen Familie; Achtung und Schutz besonders der kinderreichen Mutter; Ausgleich der Familienlasten zugunsten der kinderreichen Familie durch Gewährung von Erziehungsbeihilfen; wesentliche weitergehende Be günsllgung auf steuerlichem Gebiete; Erleichterung der Schullasten und Förderung der Begabten aus kinderreichen Familien; Mieterschutz und Bereit stellung öffentlicher Mittel zur Beschaffung gesunder und ausreichender Wohnungen, möglichst in Eigen Heimen und ländlichen Siedlungen, Erleichterung der Lasten für Eigenheime der Kinderreichen; Be- vorrechtung der Ernährer kinderreicher Familien unter gleichwertigen Bewerbern bei Vergebung von Arbeit, sowie bei Anstellung und Beförderung."
den Gefahren der Antarktis und ihren Stürzen hat die heute Fünfunddreißigjährige siegreich Trotz geboten. Aus der Schule, die sie in Deutschland be suchte, ist sie eines schönen Tages, sie zählte damals elf Jahre, entlaufen und schlich sich heimlich auf einem dänischen Fischerfahrzeug ein. Als der Kapitän sie entdeckte, ließ er sie auf dem Schisse und unterwies sie in allen Regeln der Schiffskunst. Seit jener Fahrt war sie „mit dem Meere verheiratet", ein Bündnis, für das sie nach ihren eigenen Worten niemals eine Scheidung geben wird. Während des Balkankrieges mußte die da mals 15jährige natürlich auch auf dem Schauplatz der Kriegsereignisse anwesend sein. Sie ernannte sich selbst zum halbamtlichen Kriegspho- t o g r aphen und fuhr die Donau hinab ins Aegäische Meer, eine Fahrt, die unter normalen Umständen drei Monate beansprucht. Oft ging ihr unterwegs das Geld aus; aber die junge Dame wußte sich zu helfen. Sie telegraphierte von dem nächsten Orte aus an eine der großen Londoner Zeitungen mit der Forderung, ihr Geld zu schicken, damit sie einen Kriegsbericht senden könnte. Immer wurde ihrem Wunsche entsprochen; wahrschein lich glaubte man in den Redaktionen, sie wäre im Auftrag des Blattes entsandt und dann ohne Mst tel gelassen worden. Immer aber dankte Jessica mit einem ausführlichen Bericht aus einer entlegenen Gegend, in die sonst kaum ein Kriegsberichterstatter sich verirrte. 2mhrend ihrer Wanderungen durch den Balkan wurde sie viermal ver w u n d e t.
Nach ihrer Heimkehr im Februar 1914 kaufte sie die „Grace Darling", einen alten Walfischfänger, sozusagen für ein Butterbrot. Sie setzte ihn instand, um mit ihm regelmäßig Fahrten nach Spitzbergen zur Versorgung des europäischen Kontinents mit billigem Renntierfleisch zu unternehmen. Aber auf ihrer ersten Reise geriet sie in Antwerpen mitten in den eben ausgebrochenen Krieg hinein. Später leitete sie Verwundetentransporte auf ihrer „Grace Darling" zwischen Flandern und England. Die folgenden Jahre sahen die unternehmungslustige Frau in den seltsam st en Berufen: sie gründete eine Puppenfabrik, in der 260 Verwun bete beschäftigt wurden; dann schloß sie Freund schäft mit Londons Bettlerwelt und zog selbst mit einer Drehorgel durch die Straßen der Stadt; während des Kohlenstreiks betrieb sie die Herstellung von Briketts aus Straßenabfällen; bann wie-
muffe bie Grunblage bes Staates bleiben. Anfänge, bie Familie zu schützen, seien im Staatsleben erfreulicherweise wahrzunehmen.
Dringenb nötig sei Einstellen ber Väter in bie Arbeit. An bie Stellen ber Mütter, bie in ber Fabrik tätig seien, müßten in erster Linie Väter tre- ten. Kein Gesetz bürse erlassen werben, ohne zu prüfen, ob es ber Familie schabe ober nütze. Der schütz für bie Gesunben sei genau so nötig wie für bie Kranken. Für alle Klassen unseres Volkes müsse ein Ausgleich ber Familienlasten (Erziehungsbeihitfen) erfolgen. Reicher Beifall lohnte ben Rebner für feine Ausführungen.
3n ber Aussprache versprach ßanbtagspräfibent ■prof. Dr. W e r n e r feine Unterstützung und kam noch auf die Kürzung der Kinderzuschläge in Hessen 3U sprechen. Er wünsche diese Erziehungsbeihilfen für alle Familien. Abg. Weckler (Rockenberg) grüßte im Namen der hessischen Zentrumsfraktion, berührte das Siedlungswesen und betonte, daß seine Partei stets bereit sei, Familie und Ehe zu schützen. Landtagsabgeordneter Lenz (Büdingen) überbrachte die Grüße ber sozialbemokratischen Lanb- tagsfraftion unb erklärte, es sei Pflicht bes Staates, helfend einzugreifen, um die Not zu lindern. Zum Schluß dankte der Landesvorsitzende der Kinderreichen, Herr Heil (Offenbach a.M.), allen Rednern unb verlas folgenbe, von ber Versammlung e i n ft i m m i g angenommene
Entschließung:
„Die heute in Gießen im Saale bes Katholischen Vereinshauses zu einer Knnbgebung bes Reichs- bunbes ber Kinberreichen Deutschlanbs zum Schutze ber Familie versammelten Väter unb Mütter haben 3« der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ber kinberreichen Familien Stellung genommen. Sie verkennen nicht bie allgemeine Notlage weitester Schichten bes Volkes, unb sie verkennen auch nicht bie Grenzen ber Leistungsfähigkeit bes Staates in dieser Notzeit. Aber sie können nicht verstehen, baß trotz der immer ernster werdenden bevölkerungspolitischen Gefahr, in der sich das deutsche Volk befindet, nicht mehr getan wird, um zu verhindern, daß gerade die kinderreichen Familien schwerer leiden als bie anberen.
Die Arbeitslosigkeit wirb in ben kinberreichen Familien in verstärktem Maße fühlbar; nicht selten finb vier, fünf unb mehr ©lieber einer Familie ohne Erwerb. Die Einkünfte finb immer geringer geworben. Umsatzsteuer unb Zollbelastung treffen ben Kinberreichen mit bem Mehrfachen besten, was ber Kinberlose unb Kinberarme zu tragen hat. Die Fürsorgesätze finb insbefonbere burch Abbau ber Kinderzuschläge gesenkt worden und reichen für die Erhaltung einer kinderreichen Familie nicht mehr aus. Der Abbau der Wohlfahrtspflege trifft überwiegend die Fürsorge für Mutter und Kind. Die geringen Ansätze einer planvollen Müttererholung 1
Theatervorführungen. Der Vorsitzende, Kam. Landgerichtsrat Trümpert, betonte in seiner Ansprache besonders die hohen Ziele der Kriegervereine, die neben der Pflege der Kameradschaft und Tradition, die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, die Kriegshinterbliebenen und alle sürsorgebedürftigen Kameraden zum Hauptzweck erhoben und in vorbildlicher Weise ausgebaut haben. Anschließend folgte ein patriotisches Zwiegespräch, ausgearbeitet von Kam. Hartmann, mit lebendem Tilde, bei dem auch ein Mitglied des Vereins ehern. Leibdragoner Rr.24, Llniv.-Reitlehrer Schömbs, als Dragoner zu Pferde mitwirkte. Großen Anklang sanden die Volkstänze des Bundes Deutscher Mädel. Mit großer Aufmerksamkeit wurden die Theaterstücke ausgenommen, bei denen sich besonders Frl. Hilde Wolfarth, Frl. Gertrud Donau und Herr Fritz Barke auszeichneten. Auch die Herren H. Weller, W. Hermes und H. Seitz seien lobend erwähnt. Mit künstlerischer Vollendung wurden von Frl. Helene Haase ein Spitzentanz und eine moderne Groteske vorgeführt. Auch der Girl-Tanz, den sie mit Frl. Mimmi R i k o l a i tanzte, fand großen Beifall. Frl. Erna Haase (Gesangschule Meyer) verschönte das Programm durch einige Lieder. Im Laufe des Abends wurden die Kameraden G. Schäfer, K. Dittmar und I. Klebe für 40jährige, und die Kam. Dr. G. Gail, W. Rink und Prof. Dr. Schmoll für 25jahrlge Mitgliedschaft ausgezeichnet. Nachdem der 1. Vorsitzende allen Mitwirkenden, der Kapelle Weller, besonders aber dem Kam. Hartmann für die aufgewandte Mühe gedankt hatte, kam die Jugend beim Tanz zu ihrem Rechte.
zu befriedigen. Die Mußestunden, die der aufregende Jagdsport dem russischen Emigranten übrig läßt, widmet er in seltsamem Gegensatz dem Sammeln von Schmetterlingen und Käfern für Gelehrte und Liebhaber. L. B.
Auffindung eines Aquarells von Dürer.
Ein feit hundert Jahren verschollenes Landschafts-Aquarell von Dürer, das aus der Wiener Sammlung von Grünling stammt, ist, wie in -Kunst und Künstler" berichtet wird, von dem Hannoverschen Museumsdirektor, Prof. Dörner bei der Durchsicht der Graphik-Mappe des Hannoverschen Künstlervereins aufgefunden worden. Es handelt sich um das von Dürer als „Trintperg" bezeichnete Blatt, auf dem. wie von seinem Neuentdecker festgestellt wurde, ber heutige Dosso di Trento, ein durch feine Form charakteristischer Bergrücken unmittelbar bei Trient, dargestellt ist. Das Blatt steht andern gleichzeitigen Arbeiten, wie dem Felsenschloß" der Bremer Kunsthalle unb bem „Welch Perg" in Oxford sehr nahe; cs wurde als Leihgabe der Hannoverschen Gemäldegalerie überwiesen.
120 Meter abgestürzt und doch am Leben!
Auf eine ans Wunderbare grenzende Weise entgingen zwei junge Menschenkinder in den bergen von Huntington, wie amerikanische Blätter aus New Hampshire melden, dem sicheren Tode. Jessie Whitehead, die Tochter eines Professors der Harvard-Aniversität. und ihr Deglei- ter Walter Sturgeh, ein Student dieser Hochschule, kletterten auf einem gefährlichen Pfad in einer Dergschlucht empor, als sie plötzlich den Boden unter den Füßen verloren. Sje stürzten zunächst etwa 90 Meter senkrecht in die Tiefe und rollten dann noch weitere 30 Meter über einen Abhang, der mit riesigen Felsblöcken bedeckt war, bevor eine dichte Gruppen von Gesträuch ihrem Fall Einhalt tat. Sie waren beide betäubt, aber nach 10 Minuten erwachte der junge Mann wieder zum Bewußtsein und rief um Hilfe. Eine andere Gruppe von Bergsteigern, die etwa 400 Meter entfernt war, vernahm die Rufe und eilte zu den Verunglückten. Nach fünf Stunden gelang es ihnen, die Verletzten zu erreichen und sie inS Tal zu tragen. Don dort wurden sie nach dem nächsten, 30 Kilometer entfernten Krankenhaus geschafft.
Tannenbei-g-Zilm.
Die Ereignisse des Jahres 1914 finb aus dem Bewusstsein unb ber Erinnerung ber miterlebenben Generationen längst in bie Geschichte eingegangen. Schon mehr als einmal haben wir, was vor noch nicht zwanzig Jahren welthistorische Gegenwart für uns bebeutete, in literarischer ober bilbmäßiger Gestalt roieber vor uns vorüberziehen sehen. In ber Reihe ber deutschen Kriegsfilme nimmt „lärmen» berg" insofern eine SonberfteUung ein, als er eine ber für uns entscheidendsten Begebenheiten ber ersten Kriegsjahre, bie unter Hindenburgs Oberbefehl siegreich beenbete große Schlacht in Ostpreußen nach ben authentischen Quellen zu rekonstruieren unternimmt. Heinz Paul, Paul Oskar Hocker unb Major a. D. Georg von Viebahn haben gemeinsam, sachkundig unb filmgerecht, bas Drehbuch geschrieben. Heinz Paul ist ein auf bem Spezialgebiet bes Kriegsfilms bewährter, befähigter Regisseur, ber sowohl in ber Bewältigung großer Massen, wie in ber wirkungsvollen Ausnahme prägnanter Einzelszenen auch hier eine glückliche Hanb beweist. Der historische Schauplatz wirb aus einer Reihe weiträumiger, malerisch photographierter ßanbfdjaftsbilber stimmungsmäßig erfaßt, — strategisch mit beweglichen Operationsskizzen übersichtlich abgesteckt. In bie sachliche 'Bilbreportage ber hinreichend bekannten, eigentlichen Kriegshanblung ist ein um einen ostpreußischen Gutshof gruppierter, kleiner Spielfilm hineinkomponiert, ohne baß bie großen Zusammenhänge burch vorbringliche Epi- foben privaten Charakters beeinträchtigt würben. Die Bilder vom russischen Vormarsch, von ber deutschen Aufklärung, von ber Flucht ber ostpreußischen Bevölkerung unb vom Russeneinfall, bie Szenen in ben beiben Hauptquartieren, bie Berufung Hinbenburgs zum Oberbefehlshaber, bie entscheidenden Operationen ber großen Umfassungsschlacht finb klar, sachlich, lebenbig unb fpannenb roiebergegeben, so daß Per nacfjerlebenbe Zuschauer ein eindrucksvolles Bild von ben ostpreußischen Kämpfen im August 1914 gewinnt. Aus ber großen Solobesetzung finb zu nennen: im beutschen Hauptquartier Karl Koerner (Hindenburg), Henry P l e ß (Lubeu- dorff), Hans M ü h l h o f e r (Hoffmann) — brei Köpfe von stellenweise überraschenber Porträtähnlichkeit; bei ben Russen: Begas-Sohn (Rennen- kamps), L o h b c (Samsonow), b e Kowa (Wol- goff) unb Ettel (Wachtmeister) mit gut umrissenen Gestalten; aus ber Spielhanblung: Hans S t r ü ro c, Käthe Haack, Hertha von Walther unb Franziska Äinz, schlicht unb ohne falsches Pathos. — Mit beherzigenswerten Worten bes bamaligcn Siegers, jetzigen Reichspräsidenten von Hindenburg wirb ber sehenswerte Film geschlossen; er läuft feit gestern im Lichtspielhaus.
®m kleines Schiff, bie „Grace Darling", wirb im Marz biefes Jahres von Englands Küste zu einer musikalischen Pilgerfahrt durch die Welt ausziehen. Eine Gesellschaft von 20 Sän. gern unb Schauspielern hat sich unter ber Leitung von Jessica Borthwick zusammengeschlossen, um oon Lanb zu Lanb zu fahren, überall Volksweisen 3" fingen unb Vorstellungen oon Volksspielen zu veranstalten. Die Leiterin biefes Unternehmens, bas im Dienste ber Völkerverständigung wirken soll, wirb selbst als Kapitän bas Schiff ber Lieber lenken, lieber ihre Vorbereitungen unb Ziele macht (ie interessante Mitteilungen in einer englischen Wochenschrift. „Es ist nichts unrichtiger, als an bem Geiste ber heutigen Jugenb zu zweifeln", sagte sie mit einem Hinweis auf ihren mit Briefen bebeef- ten Schreibtisch. „Ich erhalte täglich wohl 50 Briese von jungen Leuten, bie barauf brennen, an ber Fahrt ber „Grace Darling" teilnehmen zu bürsen. Neun von zehn bieten sich an, ohne Entgelt, nur für ben Lebensunterhalt zu arbeiten. Wir haben Englische, schottische, irische, b e u t s ch e, französische, italienische, chinesische unb russische Mitglieder — einen Völkerbund bes Gesanges. Mit unseren Gelbmitteln ist es nicht gut bestellt. Wer etwas hat, hilft ben anbern. Manche unserer Mitglieber finb einstweilen noch in Fabriken tätig, Zwei finb Schuhmacher, ein Mäbchen Mobistin. Sie finb heute noch über alle Länber verstreut, aber sie werben sich im Augenblick ber Abreise pünktlich emfinben. Ich habe währenb ber letzten elf Jahre auf meinen Reisen burch bie ganze Welt überall Volkslieder gesammelt. Ich fanb sie in entlegenen Dörfern, auf Schiffen, in Schifferkneipen — überall, wo bie Lieber eines Volkes gelungen werben. Ich reifte 5000 Kilometer burch Rußlanb unb fanb schließlich in einem kleinen, kaum 300 Einwohner zählenben Dorf einen fast Hundert- jährigen, ber eine wunbervolle Tenorstimme hatte unb ein Reportoire von 400 alten Volksliebern besaß. Viele von ihnen waren nur ihm allein unter allen heute ßebenben bekannt. Ich bat ihn, zu fingen unb zeichnete sie eiligst auf. Wenige Tage später st a r b ber Mann unb mit ihm wären diese Lieber verloren gewesen.
Unsere Reise in biefem Frühjahr ist als ein wahres Frieden swerk zur geistigen An- Näherung ber Volker gedacht; benn in ber Musik finben bie Volker am leichtesten ben Weg zueinanber."
ber gab es in ihrem Leben eine Periobe als Fensterputzerin unb als Kohlenträgerin — kurzum es gibt kaum einen noch so entlegenen, noch so oben- teuerlichen Beruf, mit bem es biefe Frau nicht versucht hätte. Aber ihre alte Liebe zur See ~ v । blieb stets in ihrer Seele lebenbig, unb so wirb
Der Cholera, Hungersnöten, femblichen Kugeln, sie auf ihrer „Grace Darling" ausziehen zu ihrer Unterseebooten, einer sechsmonatlichen Belagerung, I Fahrt im Dienste ber Volksmusik.


