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Aus -er provinzialhauptsta-i.
Schmückt die Kriegsgräber am Bockstrauertag 1933!
Der Zeitschrift „Kriegsgräbersürsorge" (Mitteilungen und Berichte vom Dolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. 03.) entnehmen wir folgenden Ausruf:
„Am Dolkstrauertage stehen wir in ernster De- sinnung und stiller Einkehr vor den schlichten Kreuzen, die sich wie ein Wall rings um unser Vaterland ziehen. Mit sehnsüchtigem Herzen wandern die Gedanken über die deutschen Grenzen zu dem Fleckchen Erde, das den Sohn oder den Vater, den Geliebten oder den Bruder birgt.
Es entspricht deutschem Wesen, diese Stätten am Dolkstrauertag zu schmücken. Wie die Gräber in der Heimat sollen auch die Stätten in fremder Erde an diesem Tage ein Zeichen dankbarer Liebe tragen.
Viele Gräber aber suchen wir vergebens! Hunderttausende sind aufgegangen im Sammelgrab. Hunderttausende sind unbekannt.
„Sie gaben nicht Blut und Leben nur, 3m Ringen — im blutigen, großen — Selbst ihres Romens schlichte Spur Hat verschlungen des Krieges Tosen —" Kann das Cinzelgrab von den Angehörigen durch die Vermittlung des Dolksbundes geschmückt werden, so soll für die Sammelgraber, die Kameradengräber, die Allgemeinheit sorgen. Auch diese Gräber sollen am deutschen Dolkstrauertag einen Gruß aus der Heimat erhalten. Helft uns dazul Wie für die anderen Völker das „Grabmal des unbekannten Soldaten" Symbol des Dankes für das Opfer ihrer Toten ist, sind für uns die Kameradengräber die Stätten, an denen wir unseren Gefallenen die ihnen gebührende Ehrung erweisen wollen. Das Kameradengrab ist Sinnbild der Gemeinschaft im Tode, Sinnbild der großen gemeinsamen Vaterlandsliebe unserer Brüder.
Wir bitten für den kommenden Dolkstrauertag Die in den Dorjahren um Spenden für die Ausschmückung der vielen großen Kameradengräber!"
Spenden für die Ausschmückung der Gräber der Kameraden werden an die Ortsgruppen und Der- bände, oder auf das Postscheckkonto des Dolks- bundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. D. Berlin NW 7, Rr. 816 48 unter der Bezeichnung .Sammelgräberschmuck" erbeten.
** Städtische Drennholzversteige- r un g. Aus den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart, wurden bei der gestrigen Drennholzversteigerung im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 1. Klasse pro Raummeter 8,80 Mk., Buchenscheiter 2. Kl 6,00 Mk., Eichenscheiter 1. Kl. 6,60 Mk., Duchennuhscheiter 1. Kl. 10,00 Mk., Duchenknüppel 6,00 Mk., Eichen- tnüppel 4,20 Mk., Eschen knüppel 6,00 Mk., Fichtenknüppel 3,50 Mk., Fichtenknüppel 2. Kl. (3 Meier lang) 5,50 Mk., Buchenstöcke 5,00 Mk. p. Rm., Eschenreisig 1. Kl. 3,00 Mk. p. Rm., Duchenreisig 3. Kl. 13,00 Mk. per 100 Wellen.
** Der Dogelsberger Höhen-Club, Zweigverein Gießen, der in diesem Jahre
auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken kann, hielt am Freitagabend bei gutem Besuch im Der- einsheim, Hotel Hopseld, seine ordentliche Haupt- Versammlung ab. Rach dem vom 1. Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht betrug der Mitglieder, stand am Schlüsse des Dereinsjahres rund 200. Der beiden durch Tod abgegangenen Dereins- mitglieder wurde ehrend gedacht. Die Wandertätigleit war recht lebhaft, wenn sie auch hinter der des Dorjahres etwas zurückblieb. Mehrere Vorträge im Laufe des Jahres belebten die innere Vereinstätigkeit. Recht rege war nach dem Bericht des Wandermeisters die Tätigkeit des Wegcbezeichnungsausschusses (WBA.). Dank günstiger Witterungsverhältnisse konnten diese Ar- be.ten im Dienste der Allgemeinheit flott ausgeführt und das Wegebezeichnungsnetz um Gießen größtenteils au^gefrischt bzw. erneuert wer- den. Der vom Rechner erstattete Ka^enbericht ergab ein günstiges Bild der Dereinssinanzen. Die Dorstandsämter blieben, mit einer Aenderung, in den Händen der seitherigen Inhaber. Der gegenwärtigen Rotzeit Rechnung tragend, wurde der Dereinsbeitrag von 6,00 auf 4,50 Mark ge- senkt. — Abweichend von der seitherigen Gepflogenheit, die Auszeichnung der fleißigen Wanderer anläßlich des alljährlichen Stiftungsfestes vorzunehmen, erfolgte diesmal der feierliche Akt im Anschluß an die Ianuarwanderung. Diese Wanderung führte am Sonntag, trotz Rebel und leichtem Regen, bei einer Beteiligung von über 60 Personen den Alten Steinbacher Weg entlang zur ersten Rast nach Steinbach und weiter über Oppenrod zum Endziel Großen-Buseck. 3m schön hergerichteten Saale der „Germani-a" wurde die Schlußrast abgehalten, die bei frohem Sang und Klang, sowie Tanz recht stimmungsvoll verlief. Einen breiten Raum nahmen die Auszeichnungen ein, die vom Wandermeister und einer DHE.-Schwester, begleitet von sinnigen Wanderlprüchen, an 19 Wanderer verliehen werden konnten.
** Feuerbestattung a l s letzter Wille. Dielfach müssen Angehörige Derstor- bener, die bei den Polizeibehörden die Genehmi» flung zur Vornahme der Feuerbestattung erbitten, abgewiesen werden, weil die gesetzlichen Voraussetzungen zur Feuerbestattung nicht erfüllt sind. Zur Genehmigung sind nämlich nach dem Feuerbestattungsgesetz folgende Unterlagen bei- xubringen: Amtliche Slerbeurkunde, amtsärztliche Bescheinigung über die Todesursache, Rach weis, daß der Verstorbene die Feuerbestattung feiner Leiche selbst angeordnet hat. Bescheinigung der Ortspolizeibehörde des Sterbeorts oder letzten Wohnortes des Verstorbenen, daß keine Bedenken gegen die Feuerbestattung bestehen. Der Rach- weis, daß der Verstorbene die Feuerbestattung selbst angeordnet hat, kann erbracht werden durch die lehtwillige Verfügung des Verstorbenen, die von einer zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigten Person als in ihrer Gegenwart abgegeben beurkundet ist. Letztwillige Verfügungen können nur berücksichtigt werden, wenn sie die g.fehlich vorgeschriebene Form (§ 2231 DGB.) haben.
Lugend in Not!—Helft sie lindern!
Ein beherzigenswerter Aufruf. — Gebt alle in Stadt und Land!
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Seit einigen Jahren zählt die Arbeitslosigkeit in Deutschland nach Millionen. Jeder sechste deutsche Junge ist arbeitslos, lieber eine Million junger Menschen zwischen 18 und 25 Jahren muß feiern. In ihrer Kindheit hat diese Jugend die Nöte des Krieges und der Inflation kennengelernt, und jetzt machen es ihr die Umstände unmöglich, zu arbeiten. Sie hungert!
Diele Jugend befindet sich in einer Notlage, die t>ie weiteren nicht kennengelernt haben. Der Herr Reichspräsident und die Reichsregie- ru n g haben deshalb am 24. Dezember 1932 zum Rotwerk der deutschen Jugend aufge- rufen, damit ihr durch die Vereinigung aller Gutwilligen gemeinsam geholfen wird.
Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft aller Teile der Bevölkerung sollen in diesem Rotwcrk zusammenwirken, um die arbeitslose Jugend körperlich und geistig gesund und lebenstüchtig zu erhalten.
Für Oberhessen ist das Arbeitsamt Kießen mit der Durchführung des Notwerkes beauftragt. Es stellt seine gesamten Einrichtungen in l»m Dienst dieses Hilfswerks und sorgt für eine svanvolle und zweckentsprechende Verwendung der jur das Notwerk zur Verfügung gestellten Mittel. Rach den bisherigen Anmeldungen ist mit rund 20 00 arbeitslosen Jugendlichen zu nchnen, die täglich beruflich, geistig und sportlich betreut werden müssen, und die täglich eine kräftige warme Mahlzeit erhalt e n sollen. Die hierfür zur Verfügung stehenden oissentlichen Mittel sind so gering, daß
das Rotwerk nur durchgeführt werden kann, wenn alle nach ihren Kräften zur Ertüchtigung und Gesunderhaltung unserer Jugend beitragen.
deshalb haben sich alle oberhessischen Körper- schäften, Jugend- und Wohlfahrtsbehörden, Berufs- jchulen, Lehranstalten, karitative, freie Wohlfahrts- mb Jugendpflege-Vereinigungen, die Winterhilfe, Geistlichkeit und Lehrerschaft und die Berufsver- bunöe und Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur gemeinsamen Hilfe im Notwerk vereinigt.
Es wurde ein Arbeitsausschuß gebildet, d> m angehören: Syndikus Münch, Gießen, Vor- fisenber; Gewerbeschulrat Dr. Bünnings, Gießt n: Regierungsrat Grein, Gießen: Pfarrer Kornmann, Laubach: Geschäftsführer Ottilie, Gießen: Frau Dr. Seid, Gießen: cand. theol. Seipp, Gießen: Fabrikant Pfeiffer, Wetzlar; £r. Bues, Gießen.
Das Jugend-Rotwerk wird in Oberhessen bezirksweise durchgeführt.
Für die einzelnen Nebenstellenbezirke des Art' ätsamts find Küchen- und Kontroll- Lommissionen gebildet, für die den Vorsitz I übernommen Haden für die Arbeitsamtsmeldebezirke Alsfeld: Bürgermeister Dr. Völsing, Altenstadt: Bürgermeister Wagner, Bad-Nauheim: Beigeordneter Kling, Büdingen: Bürgermeister Dieme r, Butzbach: Bürgermeister Dr. Scheller, Friedberg: Beigeordneter Dr. Leuchtgens, Gedern: Bürgermeister Müller,
Gießen: Bürgermeister Dr. Seid, Grünberg: Bürgermeister Dr. Mildner, Homberg: Bürgermeister Schweiker, Köddingen: Bürgermeister Rühl, Lauterbach: Bürgermeister Walz, Lich: Bürgermeister Geil, Londorf: Bürgermeister: Aumann, Nidda: Bürgermeister Rull mann, Okarben: Bürgermeister Kuhwede, Ruhlkirchen: Pfarrer Becker le, Schotten: Bürgermeister Menge!.
Der Arbeitsausschuß wendet sich an alle fireife der Bevölkerung mit der Bitte, das Rotwerk der deutschen Jugend zu unterstützen.
Geldspenden erbeten auf das Postscheck-Konto Nr. 55 047 Frankfurt a. 3)1., Notwerk der deutschen Jugend, oder unmittelbar an das Arbeitsamt Gießen (Notwerk), lieber Zuwendungen von Naturalien für die rund 20 Küchen, die in den nächsten Tagen eingerichtet werden müssen, nehmen Mitteilungen entgegen:
Arbeitsamt Gießen, Fernsprecher 2647—49 und die obengenannten Vorsitzenden der Küchen- und Kontroll-Kommissionen.
Für Abholung der Naturalspenden wird Sorge getragen.
Schnelle Hilfe tut not, denn es warten in Oberhessen 2000 Jugendliche auf die Verwirklichung des Rotwerkes.
Zur Hilfe bereit!
Unter dem Vorsitz des Direktors des Arbeitsamts Gießen, Regierungsrat Dr. B u e s , fand auf dessen Einladung gestern vormittag eine sehr zahlreich besuchte 'Versammlung im Studentenhaus statt, die der Ingangsetzung des Notwerkes galt. Zu den Verhandlungen waren Vertreter der Kreisämter, zahlreiche Bürgermeister, Geistliche aller Konfessionen, Vertreter von Verbänden, Bünden, Gewerkschaften und Vereinen, Mitarbeiter bei der Betreuung im freiwilligen Arbeitsdienst aus allen Gegenden der Provinz Ober- Hessen usw. erschienen, ferner die Vertreter der Gießener Presse zugegen.
Regierungsrat Dr. B u e s leitete die Beratungen mit einem aufschlußreichen und richtungweisenden Vortrag über den Sinn und Zweck des Notwerke ' ein. Seine Ausführungen, die sich inhaltlich mit dem vorstehenden Aufruf deckten, waren
ein starker, eindringlicher Appell an alle zur Mithilfe bei der Bekämpfung der Rot der deutschen Jugend.
Er erläuterte die zur Durchführung des Notwerks in Oberhessen geplanten hauptsächlichsten Maßnahmen in überzeugender Weise und rief Stadt und Land zu Spenden fürdieses Werk an unserer Jugend auf. Dabei wurde nicht verkannt, daß die Pot überall, besonders auch auf dem Lande, schon lange stark fühlbar geworden ist, es wurde auch nicht außer Acht gelassen, daß bisher schon viel an Spenden für hilfsbedürftige aufgebracht wurde: aber es wurde doch der Ueber- zeugung Ausdruck gegeben, daß
gerade für die notleidende Jugend noch immer Hilfsbereitschaft vorhanden sein werde.
Der Mahnruf Dr. B u e s' fand in der Versammlung erfreulicherweise allgemein verständnisvolle Aufnahme. In der Aussprache — es beteiligten sich daran Beigeordneter Dr. Leuchtgens (Friedberg), Beigeordneter Kling (Bad-Nauheim), Fabrikant Arthur Pfeiffer (Wetzlar) als Vertreter der Deutschen Turnerschaft, Dekan Vogel (Bruchenbrücken) und Bürgermeister Dr. Schel- l e r (Butzbach) — kam
unter voller Zustimmung der ganzen Versammlung die vorbehaltlose Bereitschaft zur Mitarbeit zum Ausdruck.
Vor allem kommt es jetzt darauf an, möglichst schnell und ausreichend Lebensmittel zur Beköstigung der jungen Leute zu sammeln. Aus diesem Gebiete werden die Küchen- und
Kontrollkommissionen sofort in Tätigkeit treten. Wenn diese Arbeit den Erwartungen entspricht, hofft man in 14 Tagen mit der Speisung beginnen zu können, die dann bis etwa Anfang April an dauern soll. Don den Stadtbewohnern werden Geld spenden erwartet. Weiter bestand in der Versammlung volle Uebereinftimmung darin,
daß das Rotwerk unter keinen Umstanden einen parteipolitischen Anstrich bekommen darf.
Alle Parteigegensätze sollen in dieser Sache zurücktreten und alle Tätigkeit nur aus reinem Idealismus für die deutsche Jugend und nur um der Sache willen geleistet werden.
Mit einem anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden des Arbeitsausschusses, Syndikus M und), fan den die Beratungen ihren Abschluß. Anschließend traten der Arbeitsausschuß und die Küchen- und Kontrollkommissionen noch zu internen Besprechungen zusammen.
Wilder Billeithandel und Echreibmaschinen-Automat.
Unpotifitoer Brief aus der Reichshauptstadt.
Brauchen Sie ein Billett?
Ein erleuchtetes Theater. Ununterbrochene Auffahrt der Privatautos, der- Taxis — Premiere des neuesten Stückes, des neuesten Films. An der Kasse das große Schild: A u s v e r f a u f t. Viele Menschen, die in letzter Minute noch eine Karte zu ergattern versuchen, müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Kaum sind sie aber drei Schritte vom Ausgang entfernt, da zerrt sie eine dunkle Gestalt am Aermel in den nächsten Hausflur. „W ollen Sie noch ein Billett?" Natürlich will man ein Billett. Ein teurer Logenplatz, ein Platz in der ersten Reihe — immer her damit, solange man das Geld dazu hat. Beseligt und mit Verspätung stürmt man in den Zuschauerraum. Und über der Freude, doch dem Schauspiel beiwohnen zu können, vergißt man meistens die Tatsache, daß man dieses Billett für beinah den doppelten Preis erstanden hat, als man an der Kaffe hätte bezahlen müssen.
Wer war denn der freundliche Herr, der einem sein Billett plötzlich abließ? War es ein Menschenfreund, der sich seine Menschenfreundlichkeit gut bezahlen ließ? War es einer, der an diesem Abend verhindert war und deshalb sein Billett in letzter Minute abgeben mußte? Kein Gedanke! Das war jemand, der diese Menschenfreundlichkeit als Profession ausübt. Er war sozusagen ein berufsmäßiger Verhinderter, der mit seinem Verhindertsein meistens noch eine hübsche Summe Geld verdient.
Im Ernst: seit Jahrzehnten floriert vor den Berliner Theatern, den Kinos, den Sporthallen das Gewerbe des wilden Billetthanöels. Es ist ein riskantes Gewerbe, denn in jedes Geschäft muß man im Vornherein Kapital investieren, wenn auch dieses Kapital meistens gute Zinsen trägt (in Form des Aufschlages), so besteht doch für die Billettverkäufer keine Garantie, daß sie sich nicht eines Tages grausam verspekulieren und auf ihren Karten, die sie im Vorverkauf erstanden hatten, fitzenbleiben.
Um das Geschäftsrisiko nach Möglichkeit herabzumindern, müssen sie nicht nur eine gute Nase, sondern auch eingehende Sachkenntnis haben. Wo ist etwas los? Welcher Schauspieler ist gegenwärtig der größte Publikumsliebling? Welches Stück zieht? Welcher Boxer ist im Aufstieg begriffen? Welcher Sport ist gerade in Mode? Das alles müssen diese Herren bis ins kleinste Detail beherrschen.
Die Stunde ihres Erfolges heißt: Samstag abend. Ihre großen Tage heißen: Weihnachten, Neujahr, Ostern. Ein Sechstagerennen, ein Meisterschaftskampf im Boxen und im Tennis, eine Premiere von Greta Garbo oder Hans Albers sind die Sensationen dieser Welt. Was stört es sie, daß sie alle vorbestraft sind? Was stört es sie, daß die Polizei sie immer wieder schnappt, ihnen eine Geldstrafe bis zu fünfzig Mark, eine Haftstrafe bis zu acht Tagen zudiktiert? Bei Sonne, Regen und Schnee, im tollsten Gedränge, im wüstesten Matsch sind sie immer wieder zu finden. Sie haben nur eine
stille Saison. Das ist der Sommer. Im Sommer sitzen sie meistens ihre Strafen ab.
Nun ist aber in unserem sattsam bekannten Krisenwinter das Elend aud; über diese wackere Branche hereingebrochen. Ein Theaterstück nach dem anderen fällt durch. Die Leute können sich keine Kunstbegeisterung mehr leisten — am wenigsten einen Enthusiasmus zu hochgeschraubten Preisen. Eine Clique nach der anderen wird brotlos. Das Zeitalter der großen Sensationen, die viel Geld kosten, ist unwiderruflich vorbei, heute nähren sich viele kleine Dunkelmänner noch davon, daß sie Eintrittskarten für Fußballkämpfe für 80 Pfennig im Vorverkauf erstehen, um sie vor der Abendkasse für eine Mark loszuschlagen ...
Wert Silben - einen Groschen.
Warenhäuser sind kein geruhsamer Aufenthalts ort, am wenigsten in diesen Tagen. Zur Zeit der nie wiederkehrenden Gelegenheiten, zur Zeit der Inventur drängt, schiebt und stößt sich ein Knäuel von Menschen durch alle schmalen Gänge, und kaum zehn Prozent von ihnen sind in der Absicht gekommen, etwas einzukaufen. Groß, dick und satt schweben die Fahrstühle nach oben. „Aufwärts! Zweite Etage: Geschirr, Kinderwäsche, Schreibwaren ..." Ganz hinten, am letzten Ende der letz- ten Abteilung steht dann der Automat, zu dem jeden Tag viele Menschenkinder hinpilgern, einen Groschen, vielleicht den letzten Groschen, in der Faust. „Schreibmaschinenautomat fi^r jedermann! Einhundert Silben zehn Pfennig!"
Warum stehen gerade vor diesem Automat so viele Menschen Schlange? Schreibmaschineschreiben ist doch ein Luxus, ein harmloser Luxus, nicht wahr? Nun, um dieses Gedränge ein wenig besser zu verstehen, muß man schon diesen Menschenkindern, die dort mit gebeugtem Rücken vor der Maschine sitzen, über die Schulter schauen. Sind es Liebesbriefe, die sie schreiben? Romane? Lyrische Gedichte? Oder schreiben sie ihr Testament? Langsam, unendlich sorgfältig drücken sie die- Tasten der Maschine herunter. Jede Silbe kostet sie Nachdenken, sie zögern, schreiben weiter, blicken wieder in die Luft. Was ist da nur los?
„Ich bin 34 Jahre alt, war bisher nur in ersten Häusern als Buchhalterin angestellt. Kann perfekt stenographieren — 120 Silben in der Minute —, bin auf der Schreibmaschine ausgebildet, verstehe Englisch und doppelte Buchführung. Wenn Ihre Wahl auf mich fiele, würden Sie mich aus meiner drückenden Notlage befreien. Ergebens! ..."
Ein Brief, der hundert Silben enthält, und nicht eine einzige mehr, will überlegt fein. Aber schon stehen die nächsten Anwärter da, drängeln, sind ungeduldig. Das Uhrwerk auf der Rückseite der Schreibmaschine schnarrt langsam ab. Nach der hun bertften Silbe wird es dem Menschen, der dort u m eine neue Existenz kämpft, nicht mehr möglich sein, auch nur einen einzigen Buchstaben zu Papier zu bringen. Er muß dann einen neuen Groschen opfern, wenn er noch einen in der Tasche hat ...
Buntes Allerlei.
Oie iemperamenivolle Schauspielerin.
Die berühmte französisch« Schauspielerin Cecile Corel, die eben mit der Direktion der Comedie Fran^aise in einer heftigen Fehde steht, weil diese sie nicht aus dem Kontrakt lassen will, ist zweifellos eine der temperamentvollsten und streitbarsten Damen der Bühne. 3n den letzten Jahren hat sie ihre Bewunderer durch die Umgestaltung ihrer Rase von der römischen zur griechischen Form, durch eine Reise um die Welt, auf der sie das Bett der Du Barry mit sich führte, und durch das Halten eines zahmen Löwen als Haustier überrascht. Sehr schlecht behandelt sie alle Leute, die Bilder von ihr Herstellen. So hat sie einmal einen Photographen, der sie ausgenommen hatte, der Fälschung beschuldigt und ist gegen den Verbreiter des Bildes gerichtlich borgegangen; ein andermal, als sie bei einer Ausstellung eine Karikatur von sich erblickte, war sie so wütend, daß sie sie von der Wand riß und vor aller Öffentlichkeit zerfetzte. Damit leistete sie freilich wider ihren Willen dem Künstler einen guten Dienst, denn er war für Monate der gefeiertste Karikaturenzeichner der ganzen Stadt.
Ein sechsbeiniger Frosch.
Abnormitäten unter unseren Haustieren, wie z. B. Fohlen, Kälber oder Geflügel mit mehreren Köpfen oder überzähligen Gliedmaßen sind nicht ganz selten. Dabei handelt es sich aber um Tiere, die in den meisten Fällen nicht lebensfähig sind, sondern sehr bald nach der Geburt sterben. Durch eine stärkere Lebensfähigkeit aber zeichnet sich ein sechsbeiniger Frosch aus, von dessen Auffindung der Lehrer R. Kosok aus Hindenburg in der bei Hugo Dermühler erscheinenden Zeitschrift „Der Raturforscher" berichtet, die auch sein Bild bringt. Dieser Frosch ist ein vollständig ausgewachsenes vorjähriges Tier, das sich in normaler Weise bewegt und ein lebhaftes Bedürfnis nach Rah- rungsaufnahme wie Regenwürmern, Mehlwürmern usw. zeigt. Aus dem Lande ist freilich die Fortbewegung durch die Ueberzahl der Hinterbeine — er besitzt nämlich neben den zwei Vor
derbeinen die Hinterbeine in der Vierzahl — etwas behindert, und seine einzelnen Sprünge reichen nicht so weit und folgen auch nicht so schnell auseinander wie bei einem vierbeinigen Frosch. 3m Wasser dagegen findet et sich mit seinen drei Paar Gliedmaßen sehr gut ab. Die überzähligen Deine befinden sich an der Unterteile der normalen Schwimmbeine. Trotz der vollkommenen Entwicklung aller vier Schwimmbeine ist doch die Muskulatur der überzähligen Beine schwacher entwickelt, so daß die Fortbewegung von den normalen Hinterbeinen allein vollzogen wird. Wenn der Frosch sitzt, werden die eigentlichen Schwimmbeine in normaler Weise unter den Körper gezogen, dagegen tagen die Rebenbeine nach rückwärts weit unter dem Körper hervor. Während des Schwimmens bleiben die überzähligen Deine ohne Bewegung, und sie werden von der Wasser- ftrömung übereinandergeschlagen.
Oer galante Victor Hugo.
Rach feiner Rückkehr aus der Verbannung pflegte der greife Dichter mit Vorliebe endlose Omnibusfahrten zu unternehmen. Fast nie hatte er dabei ein bestimmtes Ziel, er fuhr um des Fahrens willen und um all die verschiedenartigen Menschen zu beobachten, die da unausgesetzt das beliebteste Pariser Verkehrsmittel besteigen und verlassen. Oft kam es dann, daß er während der Fahrt sein Rotizbuch hervorzog und anfing, die Verse aufzuschreiben, die ihm einfielen. Sehr erstaunt konnte er dann aufblicken, wenn der Schaffner ihn nach stundenlanger Fahrt darauf aufmerksam machte, daß das Endziel erreicht sei. Einmal passierte es, daß eine junge Frau den Omnibus bestieg und an Victor Hugo vorbei mutzte, um den einzigen noch leeren Platz zu erreichen. Das Gefährt hielt plötzlich an, es gab einen heftigen Ruck, und die junge Dame fiel auf den Schoh des greifen Poeten, der gerade in seine Verse vertieft war. Verwirrt und errötend murmelt die Dame „Ich bitte Sie vielmals um Verzeihung." Mit einem galanten Lächeln aber erwidert der Dichter des „Hemani": „And ich, gnädige Frau, danke Ihnen sehr."


