Ausgabe 
7.9.1933 Erstes Blatt
 
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Aus der Provinzialhauptstadi

In den 30. Juli

Jagd auf den Thunfisch.

.Ich habe Großwild in Llganda, Tanganjika, Kenja, im Belgischen Kongo und in Indien geschos­sen, aber nun habe ich einen noch aufregenderen Sport im Angeln von Großfischen gefunden, und zwar nicht in fernen Meeren, sondern auf den Wo­gen der Rordsee." So beginnt eine englische Sport­dame, Lady Broughton, einen Aufsatz, in dem sie ihre Hoffnung ausspricht, eilten Thunfisch von 10 Zentner Schwere zu erbeuten. ^Jch sammelte meine ersten Erfahrungen", fährt sie fort,auf der Jagd nach Grohfischen im Stillen Ozegn an der Kalifor­nischen Küste. Hier fing ich den schweren Barsch und den Schwertfisch, aber kein Fisch räht sich an Gröhe mit dem Aiesenthunfisch Vergleiches, der kürzlich mit den Heringszügen in der Aähe unserer Küsten er­schienen ist. Die Geschichte dieses neuen Angelsports beginnt im Jahre 1929, als ein Fischdampfer in der Umgebung von Scarborough zwei gstoße Fische har­punierte, die als rote Thunfische Erkannt wurden. Wie diese Tiere zu uns kamen, ist jnicht ganz klar. Die Gelehrten glauben, dah der rote Thunfisch an den Küsten von Spanien laicht, vfvn dort westlich

des September.

Hessische Personalien.

Das Hessische Personalamt teilt mit:

läuft, gejagt von Mensch und Hund, in Todesangst den Weg ...

September Spätsommer Altweibersommer. Mild und lind wie alte, zärtliche, mütterliche Frau­enhände streicht sein Odem über die Erde, wie ab­schiednehmend und noch einmal alle Liebe gebend. Nimm, o Mensch, solange es dir noch vergönnt ist, aus dieser gütigen Hand: es ist ruhegebend für alle

in den Golfstrom kommt und dadurch nach dem Aorden von Schottland und an jenen Teil unserer Aordküste gelangt, an dem der Golfstrom entlang- flieht. Man vermutet, dah der Thunfisch einen be­stimmten Salzgehalt und eine bestimmte Wärme des Wassers braucht und dah er deswegen niemals südlich von Flamborough Head gefunden wird, wo der Golf-Strom östlich nach Dänemark abzweigt. Seitdem find eine Menge gewaltiger Fische dieser Art gefangen worden, und den Rekord stellte Oberst Peel auf, der einen Thunfisch im Gewicht von 798 Pfund erbeutete. Die Sachverständigen find aber der Ansicht, dah es Exemplare gibt, die 1000 Pfund und mehr wiegen, und es ist mein Sehnsuchtstraum, einen solchen Rekordsisch zu fangen. Die Saison ist kurz. Bisher ist noch kein Thunfisch vor der zweiten Wo­che im August gefunden worden, und infolge der schlechten Witterung muh das Angeln im September aufgegeben werden. Mit dem Eintreffen der grohen Heringszüge naht die richtige Zeit. Es ist eine schwe­re und gefährliche Arbeit, in einem kleinen Boot die Angel nach diesen Riesen mitten im wilden Ge- woge der Rordsee auszuwersen. In aller Morgen­frühe muh man im offenen Flscherboot herausfahren und den Heringszügen folgen. Die Heringsfischer sind die ganze Rächt an der Arbeit und ziehen ihre Rehe kurz vor Sonnenaufgang ein. Wenn es Thun­fische in der Rähe gibt, so nehmen sie diese Gele­genheit wahr, um die Heringe zu erschnappen, die aus den Retzen fallen. Das ist die beste Gelegenheit zum Fang. Man springt in ein kleines Boot, das hinter dem Motorboot festgemacht ist, läht sich mit Seilen auf dem Sih festbinden, eine notwendige Borsichtsmahregel, da man mit dem Riesenfisch einen ingrimmigen Kampf ausfechten muh, und wirft dann den Angelhaken aus. Der Fisch verschlingt gewöhn­lich den Köder im Angesicht des Anglets und wendet dann alle seine Kräfte an, um sich wieder loszu- reihen. Das kleine Boot wird kilometerweit fortge­zogen, hin» und hergeworfen und man gerät in große Gefahr. Manchmal muh man die Leine abschneiden, den Zisch aufgeben und rasch in das größere Doot klettern, besonders wenn ein Sturm die Situation noch schwieriger macht. Riemals springt der Thun­fisch aus dem Wasser, und in dieser Beziehung ist die Thunsischjagd kein so romantischer Sport wie das Angeln nach Schwertfischen. Aber er ist noch abenteuerlicher und aufregender, und wenn man Glück hat, wird man mit einer gewaltigen Beute belohnt."

Daß Sie während meines nächtlichen Besuches erwachten, war natürlich nicht im Programm vor­gesehen. Ich verlor deshalb rasch ein bißchen den Verstand, behielt aber noch soviel übrig, um meine Aufgabe erfolgreich zu Ende zu führen.

Auf das Attest verzichte ich: es würde sich, wie ich vermute, auch kaum mit ihrer Diagnose decken."

Professor P. übergab den Zettel der Schweizer Polizei und reiste am selben Mittag noch Basel, wo ihn Freunde erwarteten. In Zürich wird man ihn so bald nicht wiedersehen: die nächtliche Be­gegnung im Hotel Neapel hat ihm, wie man be­greifen kann, den Aufenthalt in dieser Stadt fürs erste verleidet.

Ruhe st and versetzt wurde am 1933 auf Grund von § 6 des Gesetzes zur Wieder-

Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront

7000 Arbeiter und Arbeiterinnen in der Gießener Volkshalle.

und Arbeiterinnen gewesen sein und grüßte mit dem deutschen Gruß die Fahnen und die einmar­schierende SA. Die Standartenkapelle der Stan­darte 116 in starker Besetzung spielte zu diesem feierlichen Einzug den Badenweiler-Marsch.

Der Verbandskreisleiter des Fabrikarbeiter-Ver­bandes im Verbandskreis Gießen, Pg. Bartho­lomäus, eröffnete die Kundgebung, gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß so Viele dem Rufe gefolgt seien und erteilte sofort dem Redner des Abends

pg. Görres-Hannover

dem stellvertretenden Bezirksleiter des Bezirks Han­nover der Deutschen Arbeitsfront, das Wort. Dieser führte u. a. aus:

Was man noch im vorigen Jahre für unmöglich gehalten habe, sei Wirklichkeit geworden. Der 30. Januar, der Tag, an dem der Kanzler berufen worden sei, habe die Schicksalswende für das deutsche Volk bedeutet. Seit dieser Zeit sei schon vieles erreicht worden. Vieles sei aber noch zu tun.

Roch sei der Kampf nichk zu Ende. Roch ruhe man auf den Lorbeeren nicht aus. Aber: je

genehmes, zum mindesten um etwas belanglos All­tägliches handelte.Ich will weder Geld noch Pre­tiosen, sondern nur das Zeugnis eines der berühm­testen Psychiater des Kontinents, daß ich geistig nicht normal bin."

Professor P, der den ersten Schrecken inzwischen überwunden hatte, mochte wohl ein erstauntes Ge­sicht machen, was sich in der Dunkelheit allerdings nicht feststellen ließ. Jedenfalls konstatierte er eine merkwürdige Tatsache oder vielmehr, fachlich aus­gedrückt, einen interessantenFall": Der nächtliche Eindringling war kein gewöhnlicher Einbrecher, sondern ein Wahnsinniger, der selber von seinem defekten Geisteszustand überzeugt war. So etwas war ihm in seiner langjährigen Praxis noch nicht vorgekommen, die Regel war vielmehr, daß ein Geisteskranker sich selbst für normal und die ganze Welt für verrückt hielt.

Worauf stützen Sie Ihre Annahme?" fragte er vorsichtig.

Der Irrsinnige lachte schrill auf, machte eine kleine Pause und lachte wieder, diesmal ganz leise, fast kläglich. Dann sagte er merkwürdig ruhig und sachlich:

Sehen Sie, am Tage merke ich ja nichts, doch mit der Dämmerung des versinkenden Tages kom­men regelmäßig auch jene geheimnisvollen Schat­ten, die den Weg zur klaren Erkenntnis ver­schließen und meinen Geist verwirren. Wie leicht könnte es sein, dah ich in diesem Zustande gegen die Gesetze verstoße, ohne im wahren Sinne schul­dig zu sein. Um mich gegen die etwaigen golden zu schützen, habe ich Sie ausgesucht. Schicken Ste mir morgen ein Attest, daß ich verrückt bin. Ich werde Ihnen meine Adresse aufschreiben."

Entschuldigen Sie die Störung!"

Der Fremde hatte sich an den Tisch gesetzt und kritzelte im Schein einer elektrischen Taschenlampe etwas auf einen Zettel. Den nahm er und legte ihn in die Nachttisch-Schublade.

»Nochmals, verzeihen Sie die Störung", sagte er verbindlich, jetzt schon an der Tür stehend,und dann, nicht wahr---das Attest."

Lautlos, wie er gekommen, war der unheimliche Gast gegangen. Nun herrschte wieder tiefe Stille.

Professor P wisckte sich den Schweiß von der Stirn und sann über den merkwürdigen Vorfall nach, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Ihn be- schäftigte unablässig die Frage:

War nun dieser Mann verrückt oder nicht?...

*

Die diesjährigen Vorträge und Demonstrationen werden in den ersten drei Tagen auf die Probleme der Vererbung und Rassenhygiene, weiterhin auch besonders auf die Unfallbegutachtung eingestellt fein. Am Mittwoch findet ein Ausflug nach Bad» Nauheim mit dortigen Vorträgen bzw. Demon. strationen statt. Zur Deckung der Unkosten wird von jedem Teilnehmer der Betrag von 10 Mark erhoben: weitere Kosten entstehen nicht. Prospekte und Anfragen durch Herrn Professor Georg Her. zog, Pathologisches Institut, Klinikstraße 32g.

** Vorträge im Werkmeister-Ver. band Gießen. Seit der Gleichschaltung des Deutschen Werkmeister-Verbandes in die Deutsche Arbeitsfront erfreuen sich die regelmäßigen Mo­natsversammlungen der Ortsgruppe Gießen eines so vollzähligen Besuches seitens ihrer Mitglieder, daß sich das langjährige Versammlungslokal im Kaufmännischen Vereinshaus als nicht mehr aus­reichend erwiesen hat und die Hauptversammlungen in Zukunft ins Gewerkschaftshaus verlegt werden müssen. Lediglich die Fachgruppenversammlungen der einzelnen Berufszweige werden noch im seit­herigen Versammlungslokal abgehalten. Der jetzige erste Vorsitzende der Ortsgruppe, Heinrich Bar- t h o l o m ä u s , läßt es sich aufs eifrigste angelegen sein, seinen Kollegen aus dem Werkmeisterstand neben der Erledigung der Verbandsangelegenheiten stets einige besonders genußreiche Stunden durch Gewinnung geeigneter Persönlichkeiten zu belehren- den Vorträgen zu bereiten. So sprachen bis jetzt Rektor N e b e l i n g überWerkmeister und Volks- erziehung" und Professor Dr. Bötticher über Arbeitsrecht". Beide Porträge wurden mit leb­haftem Beifall entgegengenommen.

** Deutsche Jugend. Man schreibt uns: Als Anlieger der Bahnhofstraße genieße ich seit einigen Tagen ein wunderscyönes Bild. Ein Trupp kleiner Jungen und Mädels im Alter von 4 bis 8 Jahren, noch die kleinsten Knirpse, ziehen durch die Straße. Voran der Tambour (Vaters alter Stock hat Verwendung gefunden als Stab mit Troddel), Trommler und Pfeifer, letztere immer den gleichen Ton abgebend, geht es im Gleichschritt. Eine Hakenkreuzflagge und weiß-rote Fahnen wer­den mit Stolz getragen. Anschließend kommt das übrige Fußvolk mit allem Möglichen bewaffnet. So­gar ein kleines Mädchen, das kaum zu laufen an­gefangen hat, trägt mit Stolz fein Gewehr. Diesen kleinen Zug zu sehen, ist wirklich eine Freude für jeden Erwachsenen. Das Herz lacht in der Brust, wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die Kleinen bei ihrer Sache sind. Man sieht mit Be­friedigung, daß unsere Jugend wieder auf dem rechten Wege ist und der deutschen Jugend die Zu­kunft gehört. Deutschland, voran unsere Jugend, ist erwacht, neues Leben, neue Kraft und Treue zum Führer sichern unser Vaterland für alle Zukunft.

G. H.

Nein, er war nicht verrückt! Das stellte sich am anderen Morgen einwandfrei heraus, als Professor P nach der Uhr sehen wollte. Die Uhr war nicht mehr da, und auch die Brieftasche war verschwun­den. Auf dem Zettel aber, den der Gauner zurück- gelassen hatte, stand folgendes zu lesen:

Jeder Berus stellt seine Anforderungen. Unser Fach verlangt Energie, Gewandtheit und Geistes­gegenwart, Eigenschaften, die ich wie Sie mir zugeben müssen hinreichend an den Tag gelegt

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Der Versailler Vertrag logische Konsequenz ' Politik seit 187L

Dem deutschen Doll Industriegebiete genom es im Ausland tontun Absatzkrise, Ueberprob Vernichtung d- schäft habe systemati tiges Werkzeug zu bi rismus gewesen: e sich trennenb zwischen habe. Der UJlaqismus betrug bar, bem je ein ' Karl Marx sei nie Prc yMus habe aber den d nativnalen Proletarier bedeute eine Nendsü jeder denkende Arbeite Wunden am Körper offengehalten vorder einen Zukunftstaat d< der Marxismus hab diese Utopie gekämpf

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Auch in Rußland he, d e s Proletariats, so Proletariat. Noch nie jo schlecht gegangen, nach dem Weltkrieg« . Der Nationalsozia einmal, gegen Deutschland bereit, das gleiche auch im taaten um Deutschla bewaffnet. Deutschlos aus Wehrha ti nehmen. 91 '

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Herzen.

Nach der sengenden Glut, der Sommersonne legt sich die Kühle eines Septemberabends erquickend über die heiße Stirn, und die Ruhe unterm schüt­zenden Baum vor der Haustür gibt den Frieden getaner Arbeit, erfüllter Tagespflichten. Rauschen­des Blut ist ruhiger geworden, und dankend neh­men wir aus unseres Gottes Hand den Frieden M.Gr.

** E i n Achtzigjähriger. Der Gründer der Seifenfabrik M ö b s , Gießen-Aßlar, Herr Peter Josef M ö b s, wohnhaft Mühlstraße 34, kann am morgigen Freitag, 8. September, in großer geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag feiern.

** Fortbildungkurs für Aerzte. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen ver­anstaltet vom 15. bis einschl. 21. Oktober für prak­tische Aerzte einen allgemeinen Fortbildungskurs.

Nächtliche Begegnung.

Von Heinz Erich platte.

Nachdem Professor Ppsilon (sein wirklicher Name tut nichts zur Sache) in Zürich angekommen war, fuhr er sogleich ins Hotel Neapel, das man ihm als komfortabel und preiswert empfohlen hatte. Die Strapazen der weiten Reise, die späte Stunde und ferner oer Umstand, daß er bereits im v-Zug zur Nacht gegessen hatte, veranlaßten ihn, alsbald feine Zimmer aufzusuchen und sich zur Ruhe zu legen.

Genau um die Mitternachtsstunde vom Turm einer Kirche hallten eben zwölf dumpfe Glocken­schläge durch die sternenklare Nacht erwachte der Schläfer. Noch auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, vermutete er ein Geräusch, als er aber vollends erwacht, mit scharfen Sinnen in die Dunkelheit lauschte und nichts als den schwin­genden Rhythmus seiner pochenden Pulse vernahm, glaubte er an eine Täuschung, warf sich auf die andere Seite und versuchte wieder einzuschlafen, wobei er sich eines bekannten Mittels bediente: Er schloß die Augen und begann zu zählen: Eins, zwei, drei, vier, fünf...

Als er bei hundertachtzig angekommen war, wurde ihm eine unangenehme Ueberraschung zu- teil: Von einem der Fenster her hörte er ganz deutlich das schlurfende Geräusch von Schritten, die sich langsam feinem Bett näherten. Er kam aber nicht mehr dazu, das Licht einzuschalten und nach seinem Browning zu greifen, denn das Ent- fetzen raubte ihm sekundenlang jede Entschlußkraft, so daß auch der Schrei um Hilfe nur ein gurgeln­des Stöhnen blieb, den unartikulierten Lauten eines Träumenden vergleichbar, den ein Alpdrücken quält.

Der fremde Menfch, der im Zimmer war, trat an den Nachttisch, steckte den Browning zu sich und drehte die Glühbirnen ab.

So", sagte er, indem er einen Stuhl heranzog, wir können beginnen."

Meine Uhr liegt hier in der Nachttisch-Schub­lade", stotterte der immer noch zu Tode Er­schrockene.Dort am Kleiderhaken, in der rechten Tasche meines Rockes, finden Sie die Brieftasche."

Wir verstehen uns noch nicht", meinte der un­heimliche Fremde in einem so ruhig heiteren Tone, als ob es sich bei dieser Begegnung um etwas An-

Die Deutsche Arbeitsfront, der Deutsche Fabrik­arbeiter-Verband im Gesamtoerband Deutscher Fabrikarbeiter, Verbandskreis Gießen, hatte für gestern abend zu einer großen öffentlichen Kundgebung in der Volkshalle aufge­rufen. Taufende von Arbeitern und Arbeiterinnen aus Stadt und Land kamen, um in der Volkshalle erneut zu erleben, daß die Gemeinschaft des deut­schen Arbeiters unter der Initiative des National­sozialismus eine lebendige Gemeinschaft ist.

Vor der Volkshalle flatterten auf hohen Masten die Flaggen des neuen Reiches: der Saal war mit Fahnen geschmückt. Die SS., die den Saalschutz und die Verantwortung für die Ordnung im Saale übernommen hatte, marschierte schneidigen Schrit­tes lange vor Beginn der Kundgebung an. Einige Stürme der Standarte 116 nahmen mit ihren Fah­nen teil, während die Arbeiter selbst die Fahnen ihrer Betriebszellen der NSBO. mitbrachten und dadurch der Kundgebung eine feierliche Note gaben. Eindrucksvoll gestaltete sich

die Einbringung der Fahnen

in den Saal. Wie ein Mann erhob sich die riesige Menschenmenge es mögen etwa 7000 Arbeiter

Herstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 die Handarbeitslehrerin i. e. R. Johanna Schellen fchläger in Worms mit Wirkung vom 1. November 1933 ab.

Auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederher­stellung des Berufsbeamtentums wurden aus dem hessischen Staatsdienst ent­lassen: der Polizeischulrat Karl S ch a a b zu Darmstadt mit Wirkung vom'29. August, der Re­gierungsrat Johann Stürmer in Darmstadt, der Polizeiwachtmeister Wilh. Trumpfheller in Offenbach a. M., der Polizeioberleutnant Fried­rich Götzinger in Darmstadt, der Polizeiober­leutnant Heinrich K r a u t h in Darmstadt, der Polizeiwachtmeister Paul Gerhardt in Worms, der Polizeihauptmann Franz Bayer in Darm­stadt, sämtlich mit Wirkung vom 21. August 1933.

Der Polizeihauptwachtmeister Heinrich Ehr­hardt zu Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. August 1933 zum Polizeimeister ernannt.

Der Polizeimeister Johannes Hübner zu Offenbach a. M. tritt mit Wirkung vom 1. Sep­tember 1933 auf Grund des Art. 14 des Polizei­beamtengesetzes vom 31. März 1928 in den Ruhe­stand.

In den endgültigen Ruhestand versetzt wurde Bauinspektor i. e. R. Georg Meyer zu Darmstadt auf Grund von § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 mit Wirkung vom 1. Dezember 1933. Marine-Zugendsturm der SA. Gießen.

Ich bin mit der Leitung des Marine-Jugendstur­mes der SA. Gießen beauftragt worden. Alle jungen Leute im Alter von 15 bis einschließlich 18 Jahren, die Lust und Liebe für Marine und Kolonialwcsen haben, wollen sich am Sonntag, 10. September, vor­mittags 10 Uhr, im Hause Schiffenberger Weg 38 melden. Den Angehörigen des Marine-Jugendsturms ist Gelegenheit gegeben, zur Schiffahrt zu kommen.

Der Führer

des Marine-Jugendsturms der SA. Gießen: Karl Gräfingholt.

NSDAP. Gießen.

Die NS. - Frauenschaft Gießen-Mitte, Zelle 11, hält am heutigen Donnerstag, 20.30 Uhr, in derStadt Mainz" ihren Zellenabend ab.

NS.-Lehrerbund, Kreis Gießen.

Der Obmann des NS.-Lehrerbundes, Kreis Gie­ßen, Kreis- und Stadtschulrat Dr. H e n ß, ist von der Reichsleitung des NSLB. mit der Führung des auf der diesjährigen Tagung der deutschen Auslands­lehrer gegründeten GauAuslanddes NS.-L e h- rerbunöes beauftragt worden. Im Rahmen die­ser neuen Gauorganisation sollen Länder- und Sachreierate geschaffen werden, für die geeignete und interessierte Lehrer als Mitarbeiter in Betracht kommen. Am morgigen Freitag, 15 Uhr, werden alle diejenigen Lehrer aus Gießen, die an dieser Aufgabe Mitarbeiten wollen, zu einer Besprechung im Kreisschulamt zusammenkommen. Dazu werden auch diejenigen Lehrer erscheinen, die sich für die Arbeitsgemeinschaft für Grenz- und Ausland­deutschtum" gemeldet haben.

Die Lleberreichung des Ehrenbürgerbriefes für den Führer.

Wie wir in unserer Ausgabe vom vorigen Mon­tag bereits berichteten, haben als Vertreter des Gießener Stadtrats der Sturmführer S o l- d a n und der Truppführer Kurz, beide vom 621.= Reservesturm 116 in Gießen, am Sonntagvormit­tag dem Adjutanten des Führers und Volkskanz­lers Adolf Hitler, Sturmführer Bormann, in Nürnberg den Ehrenbürgerbrief der Stadt Gießen für den Führer überreicht.

Wie wir zu diesem feierlichen Ereignis noch er­fahren, wurde der Ehrenbürgerbrief dem Adjutan­ten des Führers Pg. Bormann vom Sturm­führer Pg. S o l d a n mit einer Ansprache ausge­händigt, bei der Sturmführer Soldan sagte: Ich habe die hohe Ehre, im Namen der Stadt Gießen unserem Führer den Ehrenbürgerbrief zu über­reichen.

Wir Gießener wissen die hohe Ehre zu schätzen, unseren Führer als Ehrenbürger der Stadt Gießen zu begrüßen, und wir werden dafür Sorge tragen, daß jeder Bürger unserer Hei­matstadt Gießen unserem verehrten Führer in seinen Eigenschaften nacheifern wird und un­seren Führer sich als Vorbild nimmt.

Wir wünschen und hoffen, daß Gott der Allmäch­tige unserem geliebten Führer noch viele, viele JahreKraftundGesundheit verleiht zum Wohle der deutschen Volksseele, zum Wohle des deutschen Volkes und zum Wohle des deutschen Vaterlandes.

Der Adjutant Pg. Bormann erwiderte, daß er dem Führer die Grüße der Stadt Gießen über­mitteln werde. Die Bestätigung des Führers werde der Stadt Gießen schriftlich zugehen. Pg. Bor­mann bedauerte, daß die beiden Vertreter der Stadt Gießen, Sturmführer S o l d a n und Trupp­führer Kurz, vom Führer leider nicht persönlich empfangen werden könnten, aber der Führer sei so überlastet, daß er trotz größter Anstrengung in Nürnberg fast in jeder Nacht bis gegen 4 Uhr zu arbeiten habe. .

September-Herrlichkeit. /

Der erste Monat mit dem Dreiklang der Sllben führt uns wieder der lichtarmen Zeit entgegen. Den Langschläfern fällt es nun nicht mehr so schwer, mit der Sonne aufzustehen, denn auch sie verläßt ihr Wolkenbett schon um Stunden später.

Die Füße gehen durch erstes welkes Laub, und leise klingt in dem Rascheln die Melodie vom Scheiden. Der Sommer will uns verlassen. Wir sahen das Werden des Frühlings, das erste Sprießen aller Keime, des vollerblühten Sommers Pracht, und durften ernten, was zu unserem Nutzen heran­reifte: das tägliche Brot. Wohlgeborgen liegen die Garben in den Scheuern und warten auf den Drusch. Die Speisekammern füllen sich mitEin­gemachtem", und Herbstsonne reift noch bas Obst. Für die Mutter Erde kommt nun bald die Ruhe­zeit. Unseres Herrgotts Domchor, die Singvögel, suchen die warmen Länder auf, und die Gärten ziehen ihr Herbstkleid an.

Wie wunderschön ist doch die Natur im Sep­tember! Es ist nicht der Monat, in dem man wandermüde heimkommt, sondern die Zeit, in der die Luft würziger, herber, die Sonne weniger ?lutend und doch wärmend scheint. Durch die Luft liegen die Fäden der Wanderspinne, weiße Ge­spinste, die sich mit beharrlicher Zähigkeit an die Hüte und Kleider der Fußgänger heften.Alt­weibersommer", nennt man diese Fäden im Volks­mund, oder auchSchleier verlassener Bräute". Ein frohes Wandern ist es durch die Wälder. Das Sonnenlicht glitzert im bunten Laub, spritzt durch das Geäst der Nadelbäume auf den weichen Moos­boden und läßt das Fell eines springenden Eich­hörnchens hell aufleuchten. Kaum daß man es ge­sehen, ist es schon fort, in sein Nest hoch oben am Gipfel einer stattlichen Fichte. Wie spöttisch wippt der buschige Schwanz auf dem Geäst. Man möchte meinen, daß das Tierchen schadenfroh hinunter­schaut auf die verdutzten Gesichter der Menschen. Ein Hase, schwer an seinem vollen Bäuchlein tra­gend er hat sich am Kohl gütlich getan hüpft feinem Schlupfwinkel zu; nicht mehr lange und er

Bis spätestens zum 8. September müssen die rückständigen Beiträge für das 3. Quartal auf das Postscheckkonto von Dr. H e n ß , Frankfurt a. M., Nr. 35110 eingezahlt werden, falls man be­sondere Einziehungskosten vermeiden will. Für das 4. Quartal 1933 (Oktober bis Dezember) beträgt der Vierteljahresbeitrag 3 Mark für beschäftigte Lehr­kräfte und Pensionäre, 1,50 Mark für unbeschäf­tigte Lehrkräfte. In diesem Betrag ist der Kreis­zuschlag enthalten. Die Beiträge sind bei der Kreis­oersammlung am 16. September in Gießen an die Bezirksobleute bzw. deren Kassenwarte zu bezah­len. Bis zum 25. September müssen die Bezirks­obleute die Beiträge für das 4. Quartal abgeführt haben.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 7. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 10, Wirsing (grün), das Pfund 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 18, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün und gelb) 15 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 18 bis 20, Zwiebeln 7 bis 10, Kürbis 6, Kartoffeln 3 Pf., der Zentner 2,30 bis 2,50 Mark, Frühäpfel 10 bis 25, Falläpfel 5, Pfirsiche 35 bis 40, Brombeeren 20 bis 25, Preißelbeeren 30 Birnen 10 bis 25, Zwetschen 10 bis 12, Mirabellen 12 bis 15, junge Hähne 80, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 40 bis 50, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 5 bis 15, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 7, Lauch 5, Rettich 5 bis 15, Sellerie 5 bis 25, Radieschen, das Bund 10 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender f ü r Donnerstag: Bergschenke, 20 Uhr, Künstler-Konzert. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Siegfrieds Tod".

Große Zinnsoldaten-Truppen- schau in den Palast- Lichtspielen. Vom 8. bis 18. September, täglich von 9 bis 21 Uhr, werden im Saal der Palast-Lichtspiele am Kirchen­platz über 10 000 Zinnsoldaten aller Waffengattun­gen gezeigt werden. Dargestellt sind insbesondere die Kaiserparade 1913, die Feldgrauen im Kampfe, die Marine in Flandern usw. Außerdem ist auch das Modell eines Torpedobootes zu sehen. Auf die heuttge Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.