Nr. 258 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 3. November 1933
Aus der Provinzialhauptstadt
für
Len.
Schneider.
Pape.
Der Oberschulrat bei der Ministerialabteilunq Bildungswesen Dr. Rudolf Blank ist mit Wirkung vom 1. November ab zum Direktor der Hessischen Landesbibliothek in Darmstadt ernannt wor-
NSOAP.
In der Ortsgruppe Gießen-Nord findet em heutigen Freitag, 20.30 Uhr, im Parteilokal, Ederstraße 6, eine Sitzung sämtlicher Amtswalter ftatt.
In der Ortsgruppe Gießen-Süd treten sämtliche Parteigenossen morgen Samstagmittag 32.30 Uhr Ecke Frankfurter Straße/Friedrichstraße an zur Teilnahme an der großen Kundgebung auf dem Trieb. Jeder Pg. ist verpflichtet, teilzunehmen. Die Unternehmer werden gebeten, ihre Angestellten und Arbeiter entsprechend zu beurlauben. Die Vereine der Ortsgruppe Gießen-Süd schließen sich mit der Hakenkreuzfahne der Ortsgruppe an.
Sämtliche DH V. - Mitglieder treten zur Teilnahme an der Kundgebung Samstagmittag 12.45 Uhr an der Ecke Bleichftraße/Lonystraße an.
Ortsgruppe Gießen-Ost.
An die Amtswalter der PO. und der 715D.
Samstag, 4. November, 20.15 Uhr, bei Weber, Kaiserallee 52, Amtswalter-Appell wegen Sammlung der Novemberspenden zum Winterhilfswerk.
Der Ortsgruppenleiter: Der Ortsgruppenwalter:
Leiter der Abteilung für Junglehrerfragen (Junglehrer, Referendare, Assessoren).
Darmstadt, 2. November 1933.
Ringshausen, Gauobmann.
Oberhessischer Geschichtsverein.
Der Vorstand des Oberhessischen Geschichtsoereins teilt sein Programm für die Vorträge dieses Winters mit. Den ersten Vortrag hält am 16. November Dr. Hävernick vom Museum für Hamburgische Geschichte über: „Das mittelalterliche Münz- und Geldwesen im Rhein-Main-Gebiet", den zweiten Dr. Franz Paul Mittermaier am 14. Dezember über: „Territorienbildung im Rhein- Main-Gebiet". Am 25. Januar werden Professor Dr. R o l o f f und Professor Dr. Theodor Mayer „Zur Feier des hundertjährigen Bestandes des deutschen Zollvereins" sprechen und am letzten Vortragsabend, am 15. Februar, Universitäts- Bibliothekar Dr. W a l b r a ch über: „Das Rhein- Main-Gebiet als geschichtliche Einheit". Zu den Vorträgen werden die Mitglieder des Vereins und alle Freunde seiner Bestrebungen jeweils durch die Zeitungen noch einmal eingeladen.
Die Mitglieder werden gebeten, für die Begebungen des Vereins zu werben. Was der Verein will, entspricht durchaus den vaterländischen Zielen des Dritten Reiches, in dessen Dienst sich die Geschichtsvereine vorbehaltlos stellen.
Versammlung der GießenerMusiklehrer
Die Ortsgruppe Gießen des Reichskartells der Deutschen Musikerschaft hielt gestern abend im Restaurant Hindenburg in Verbindung mit dem Ka in pfbund für Deutsche Kul- t u r eine Versammlung ab, in der wertvolle und mannigfache Anregungen für die Förderung des Musiklebens unserer Stadt, insbesondere aber für die Förderung der musikalischen Ausbildung der Jugend gegeben wurden. Versammelt waren insbesondere die privaten Musiklehrer und -lehrerinnen, sowie verschiedene Musiklehrer der Schulen. Nach kurzen Ausführungen des Versammlungsleiters, Herrn K a ft e n , über den Tag der deutschen Hausmusik hielt Musiklehrer Franz Bauer jr. einen Vortrag über das Thema: „Wege und Ziele des privaten Musikunterrichts im neuen Staat". Das Wollen der Musikerzieher gehe immer, so führte er u. a. aus, auf den Dienst am Kunstwerk aus. Musiklehrer sein habe noch immer ernste Arbeit im Dienste der Förderung des Schülers bedeutet. Aus dem Musikerkartell solle demnächst die Musikerkammer heroorgehen, deren Mitglieder nach dem Nachweis einer gründlichen Vorbildung mit einer Lizenz ausgestattet würden, die mehr dem Schutze des Publikums dienen solle, als den wirtschaftlichen Interessen des Musiklehrers. In der Nachkriegszeit habe der Musiklehrer schwere Kämpfe um die Erhaltung der guten Musik gegene die Jazzmusik bestreiten müssen. Unter dem Einfluß der neuen Regierung komme glücklicherweise die gute deutsche Musik wieder zu Ehren. Nachdem der Redner kurz auf die Unterschiede der Betätigung des Musiklehrers in der Schule Und des privaten Musiklehrers hingewiesen hatte, betonte er, daß die Hauptarbeit des privaten Musiklehrers auf der Ausbildung im Instrumentalen liegen müsse. Dabei müsse er neben dem Handwerklichen auch das Künstlerische im Schüler ausbilden, denn der Schüler solle auch zur geistigen Erfassung des Kunstwerkes geführt werden, 'damit er wenigstens die grundsätzlichen Stilunterschiede in der Musik erkenne. Es komme nicht darauf an, ein schweres Stuck mittelmäßig zu spielen, vielmehr darauf, ein leichtes gut wiederzugeben. Der Musiklehrer müsse darüber hinaus Dienst am Konzertpublikum leisten, denn leider sei, was das Konzertpublikum anbetreffe, in den letzten Jahren geistig „abgerüstet" worden. Gegenwärtig sei die Jugend vielfach in Anspruch genommen, trotzdem gelte es aber, in der Jugend die Liebe zur Musik wachzuhalten und dabei besonders das gemeinschaftliche Musizieren zu pflegen. Die Ehrfurcht vor dem Kunstwerk zu pflegen und in die Herzen derSchüler zu verpflanzen sei weitere edelste Aufgabe des Musiklehrers. Es dürfe nicht mehr fein, daß ein Kunstwerk zerstückelt und nach Belieben abgewandelt werde.
Der Privat-Musiklehrer hoffe im neuen Staat seine bisherigen Zwecke und Ziele mit Hilfe des Staates energischer verfolgen zu können, als bisher. Die Kultur dürfe, bei aller wirtschaftlicher Not, nicht preisgegeben werden. Kultur allein schaffe bleibende Zeichen. Um eine fruchtbare Weiterarbeit zu sichern, bedürfe es engster Zusammenarbeit zwischen dem privaten und dem Schulmusiklehrer. Es gehe in Zukunft nicht mehr an, daß die „Aida"-Ouvertiire lediglich in Blasmusikbesetzung wiedergegeben und in kritischen Fällen das Oboe durch die Klarinette ersetzt werde, nur weil keiner da sei, der Oboe spiele. Noch weniger aber dürfe wieder der Fall eintreten, daß die Akademische Festouvertüre von Brahms einstudiert und zur Erleichterung der Wiedergabe für die Schüler 60 Takte einfach gestrichen würden, wie es in einer Nachbarstadt einmal geschehen fei. (In Gießen sei in dieser Hinficht erfreulicherweise zu einer Klage kein Anlaß.) Im Hinblick auf derartige Ausschreitungen müsse alle Verantwortlichkeit dem Kunstwerk gegenüber aufgerufen werden Er, der Redner, rege für die Zukunft an, einigen wirklich befähigten Schülern, deren Eltern das Geld für den Musikunterricht nicht aufbringen können, kostenlose Ausbildung zuteil werden zu lassen. Die ganze Arbeit der Musiklehrer müsse dem Ziele dienen, die Freude an der guten Musik wachzuhalten und nach Kräften zu fördern. Der Musik- lehrer sei ja auch von jeher immer mehr ein Idealist denn ein Kaufmann gewesen. Alle Arbeit solle aber der Jugend dienen, denn sie habe für die Zukunft bas Kulturgut der Musik fragen zu helfen. Deshalb müsse neben der an sich durchaus notwendigen körperlichen Ausbildung auch die kulturelle Ausbildung alle Förderung erfahren.
Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und löste eine rege Aussprache aus in der noch weitere wertvolle Anregungen gegeben wurden. Ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Volks- kanzler Adolf Hitler beschloß den Abend.
Bornot,;cn.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Minna von Barnhelm". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn am Sonn- tagabenb die Dorfmusik spielt" mit Maria Paudler und Harry Liedtke. — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die Frau im U-Boot". — Gießener Konzert- verein: 18 Uhr, Musikalisches Institut der Univer-
Oas arme Einkind.
Wenn es nach einem Wort der Heiligen Schrift schon nicht gut ist, daß der erwachsene Mensch allein sei, so gilt dies noch vielmehr von dem Kinde. Die natürliche Umgebung eines Kindes ist der Eltern- und Gefchwisterkreis, die natürliche Umwelt der Eltern ist die Kinderschar. Beide Teile leiden, wenn diese natürliche Umwelt durch die ebenso unnatürliche von Eltern und Einkind ersetzt wird. Es ist für das Kind gefährlich, die ganje elterliche Liebe und Sorge auf sich zu vereinigen, ebenso wie es für die Eltern gefährlich ist, wenn die machtvolle, natur- hafte Empfindung der Elternliebe, vor allem der Mutterliebe, kein ausreichendes Betätigungsfeld findet. Seele und Gemüt der Eltern werden doppelt leiden, wenn sie sich sagen müssen, daß sie aus eigenem Wollen heraus sich diese Beschränkung auferlegt haben. Das Kind aber wird geschädigt durch die Ueberbetreuung, es sieht sich ständig im Mittelpunkt und wird gewohnt, daß man ihm die Unbequemlichkeiten aus dem Wege räumt und ihm jeden berechtigt scheinenden Wunsch erfüllt. Sa bei der Beschränkung der Kinderzahl oft auch ein übertriebenes Geltungsbedürfnis der Eltern eine große Rolle spielt, so richtet sich dieses auf das Einkind, das nun natürlich auf keinem Gebiet versagen darf, on dem unablässig herumerzogen wird, weshalb so oft Einzelkinder einen sehr manierlichen, korrekten, ober unkindlichen Eindruck machen. Er wird dadurch bestärkt, daß das Kind infolge des ständigen alleinigen Verkehrs mit den Eltern altklug und frühreif erscheint. Es fehlen dem Einzelkind aber auch die Geschwister, die unersetzlichen Erzieher. Nicht durch Vorhaltungen, sondern durch die Wirklichkeit des Geschwisterkreises lernt das Kind Gemeinschaftsleben, das wir heute so hoch einschätzen. Gemeinschaftsleben mit feinen großen Werten: Sicheinfügen und Sichdurchsetzen. Für die Schule, für die Jugendbünde, für die Wehrverbände, für die Volksgemeinschaft kann das Kind nicht besser vorbereitet werden, als in der Gemeinschaft des Geschwisterkreises. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das Einzelkind wird später immer Hemmungen zu überwinden haben, wenn es sich um die Einfügung in einen größeren Kreis bemüht.
(Strengere Verfolgung der Tierquälerei
Der preußische Justizminister hat einen Erlaß an die Strafverfolgungsbehörden (Staats- und Amtsanwaltschaften, Polizei usw.) gerichtet, in dem er sie auffordert, in Strafsachen wegen Tierquälerei die in dem Erlaß enthaltenen Gesichtspunkte mit Nakdruck zur Geltung zu bringen und stets auf solche Strafen anzutragen, die wirklich geeignet sind, roher Mißachtung der Pflichten der Menschen gegen das Tier erfolgreich entgegenzuwirken.
Der Erlaß lautet: „Durch den § 145b des Strafgesetzbuches in der Fassung vom 26. Mai 1933 ist mit Gefängnis bis z u 6 Monaten oder mit Geldstrafe bedroht, wer ein Tier roh mißhandelt ober absichtlich quält. Durch Schaffung dieser Straf- Vorschrift hat die Reichsregierung der Erkenntnis Rechnung getragen, daß die bisherige Vorschrift des § 360 Nr. 13 StGB. — diese kannte nur Geldstrafe bis 150 Mark oder Haft bis zu 6 Wochen im Falle öffentlicher oder in Aergernis erregender Weise vorgenommener boshafter Tierquälerei ober roher Mißhandlung — einen wirksamen Schutz der Tierwelt nicht gewährleistet hat. Es konnte also hiernach eine Bestrafung wegen Tierquälerei nur dann eintreten, wenn sie vor Zuschauern geschah. Nicht um des Tieres willen wurde also die Tierquälerei bestraft, sondern zum Schutze der Gefühle zuschauender Menschen. Eine solche Auffassung kann Dem Empfinden der heutigen Zeit nicht entsprechen. Wie der Mensch, so ist auch das Tier ein mit Leben begabtes Wesen: feinem Leben, feinem Wohlbefinden gebührt Achtung, wie den gleichen Gütern des Menschen. Es erwächst daher dem Menschen als dem Stärkeren die Pflicht, das Tier vor unnötigen Qualen zu bewahren. Die vielfachen Dienste, welche die Tierwelt tagaus, tagein willig dem Menschen leistet, mahnen, dieser Pflicht mit besonderer Treue zu gedenken."
Die Fälle von Tierquälerei werden hiernach, wie mit Bestimmtheit zu erwarten ist, künftig weit höhere Strafen im Gefolge haben, als das — leider — bisher der Fall zu fein pflegte.
Oberschulrat Dr. Blaut
Direktor der hessischen Landesbibliothek.
NG.-Lehrerbund, Gau Hessen-Nassau.
1. Die ursprünglich für "Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, in Frankfurt a. M. im Restaurant „Zum Storchen" angefetzte Konferenz der Kreisobleute, ihrer Vertreter und der Gauarbeitsleiter wird wegen vordringlicher Propagandaarbeit für die Reichstagswahl erneut auf Sonntag, 19., November, 10 Uhr, verlegt und findet in dem oben angegebenen Lokal statt.
2. Hiermit ernenne ich Herrn Studienassessor Dr. Spalt in Darmstadt, Mathildenstraße 34, zum
fität, Zimmer Nr. 47, Generalversammlung. — Christliche Versammlung, Einhorn, 20.15 Uhr, Vortrag von August Schumacher aus Hahn.
— Aus Dem Stadtthe a t er büro wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr fünfte Vorstellung im Freitag-Abonnement das Lustspiel: „Minna von Barnhelm" von Lessing: Spielleitung: Wolfgang Kühne. Gewöhnliche Preise. Ende: 22.30 Uhr. — Samstag, 4. November, von 20 bis 22 Uhr^ erste Vorstellung für November „Deutsche Bühne", Samstag-Abonnement, das Volksstück: „Arbeit! Dienst! Pflicht!" von Heinrich Bartholomäus. Spielleitung: Hanns König. — Sonntag, 5. November, als Fremdenvorftellung außer Abonnement die Operette: „Wo die Lerche singt" von Franz Lehar. Ermäßigte Operettenpreise. Spieldauer von 19.30 bis 22 Uhr.
— Die Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung hält am Samstag, 4. November, 2ÖV2 Uhr im Vereinsheim, Restaurant H. Dippel, ihre Monatsversammlung ab. Hierbei wird Kolonialfreund Schmidt einen Vortrag halten über „Geschichtliches über Südwest-Afrika". Gäste sind willkommen.
** Morgen keine Sprech st unden des Staatsmini ft er s. Die Sprechstunden des Herrn Staatsministers Jung fallen am morgigen Samstag, 4. November, aus.
** Eine Semester-Eröffnungsfeier der Landesuniversität findet am nächsten Mittwoch, 8. November, 20 Uhr c. t, in der Neuen Aula statt. Bei dieser Feier wird Se. Magnifizenz der Rektor Herr Prof. D. Dr. Bornkamm über das Thema: „Die Sendung der deutschen Studentenschaft in der Gegenwart" sprechen.
** D i e Kranzniederlegung der Studentenschaft im Ehrenhofe der Universität am nächsten Donnerstag zu Ehren der am 9. November 1923 gefallenen Kameraden der Bewegung wird mit einer Gedenkrede von Herrn Professor Dr. D u f e n verbunden fein.
** Krippen-Ausstellung im Katholischen Vereinshaus. Der Katholische deutsche Frauenbund, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet vom morgigen Samstag bis zum Montag im Katholischen Vereinshaus eine Ausstellung von Krippen alter und neuer Meister. Die Schau umfaßt Krippen aus Oberammergau, ferner aus dem Besitz der Gemeinschaft der Krippenfreunde für das Rhein-
Verminderung von Gieuerrückstanden.
Die hessische Regierung hat sich an die Vevölkv, tung mit der Aufforderung gewandt, ihre laufenden Steuern pünktlich 3u bezahlen und die entstandenen Rückstände planmäßig zu tilgen. Sie hat zugesagt, in diesem Falle einen erheblichen Teil der Rückstände niederzuschlagen. Es wäre salsch, in diesen Maßnahmen eine UnterftüU jung derjenigen zu erblicken, die aus Böswilligkeit und Mangel an Pflichtgefühl ihre Steuern nicht bet zahlt Haden. Diese sollen und werden nicht berück« sichtigt werden. Gedacht ist an diejenigen, die infolge ihrer wi r t s ch a f t l i ch e n Lage nicht zahlen konnten, obgleich sie wollten. Ihnen ist nun die Möglichkeit geboten, sich zu entlasten. Wir erwarten von allen Volksgenossen, daß sie hiervon Gebrauch machen werden. (Es i st (Ehrenpflicht jedes Deutschen, dem Staate zu geben-, was ihm gebührt. Insbesondere wenden wir uns an die Bauernschaft. Sie ist durch Wegfall der Staatsgrundsteuer ab 1. Oktober d. 3. steuerlich so entlastet worden, daß es in kurzem keinen Bauer mehr geben darf, der mit seinen Steuern nicht int Reinen ist. Auch in diesem Punkte werden wir diS politische Zuverlässigkeit messen an der Bereitschaft, zu den Lasten der Allgemeinheit beizutragen.
Ge;.: Dr. Harth, Kreisleiter.
land und Westfalen, außerdem aus dem hiesigen Museum und wertvolle Krippen aus Privatbesitz. Die Ausstellung ist geöffnet am Samstag von 15 bis 20 Uhr, am Sonntag und Montag jeweils von 10 bis 20 Uhr. Auf die gestrige Anzeige sei befon« ders aufmerksam gemacht.
Klugtage der Deutschen Lustfahrt- Werbeaktion in Gießen.
Jedes neue Verkehrsmittel findet erst dann seine volle wirtschaftliche und politische Auswertung, wenn es ohne Scheu von den breitesten Volksschichten benutzt wird. Aber jedes neue Verkehrsmittel hat auch zunächst sehr stark gegen Widerstände anzukämpfen, die in den meisten Fällen auf reinen Vorurteilen beruhen. So ist es der Eisenbahn ergangen und dem Auto nicht minder. Heute lachen wir über Vorurteile, die sich ihrer Einführung in den Weg gestellt haben, und sind allzu häufig noch in dem gleichen Vorurteil gegenüber dem Flugzeug befangen! Die
An dieZugend in Stadl und Land!
Wir wissen, daß in der jungen deutschen Genera- tion großes Interesse für die Luftfahrt vorhanden ist. Viele Buben und Mädels haben den sehnlichen Wunsch, wenig st ens einmal fliegen zu können. Dieser Wunsch kann für manche in Erfüllung gehen, wenn sie in dem morgen erscheinenden
Preisausschreiben
des Gießener Anzeigers
durch richtige Lösung der Fragen über Ereignisse der deutschen Luftfahrt in die Reihe der erfolgreichsten Preisträger kommen. Line Anzahl F r e i s l ü g e stellen wir diesen Buben und Mädels zur Versügung. Andere Preisträger erhalten wertvolle Preise, die mit der deutschen Luftfahrt im Zusammenhang stehen. AlleBuben undMädels in Stabt und Land beteiligen sich an diesem
Kreistug-Wettbewerb desG.A.
meisten Menschen glauben immer noch, das Flugzeug sei gefährlicher als alle anderen Fortbewegungsmittel unseres Jahrhunderts. Obwohl alle Statistiken das Gegenteil beweisen, verharren sie in dieser falschen Vorstellung und begegnen dem Flugzeug mit Mißtrauen, nicht viel anders, als handele es sich um die halsbrecherischen Kunststücke von Zirkus- atrobaten.
Die Luftfahrt hat heute ebenso nationale Pionierausgaben wirtschaftlicher wie politischer Natur durchzuführen, wie in der großen Epoche der hansastädte die Schiffahrt. Diesen großen Aufgaben kann sie erst dann gerecht werden, wenn bas ganze Volk an ihnen teilnimmt. Es muh also zum Luftfahrtgebanken erzogen werben, damit Flugzeug und Luftverkehr etwas ebenso selbstverständliches werden, wie Auto und Eisenbahn.
Dieses Ziel hat sich die Deutsche Luftfahrt- Werbeaktion in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Luft-Hansa gesteckt und bereits in mehr als hundert Städten eine großangelegte Luftfahrt- Werbung durchgeführt, die in den nächsten Tagen auch in Gießen ihren Anfang nimmt.
In der Erkenntnis, daß, wer die Jugend hat, die Zukunft hat, richtet sich diese Aktion besonders an unsere Schulkinder. „Der DeutschenJugend" steht auf der Motorhaube des Flugzeugs, das dazu bestimmt ist, unsere deutschen Jungens und Mädels mit Hanseatengeist zu erfüllen, der heute die Lust erobern will, wie einst die unerschlossenen Meere. Ein beispielloser Erfolg hat den erzieherischen Wert und die nationale Bedeutung dieser Werbeaktion
erwiesen. Auf Empfehlung der Kultusministerien und aller maßgebenden Stellen haben sich meist sämtliche Schulen der Städte mit Hunderttausenden von Kindern geschlossen zu den Veranstaltungen eingefunden und waren begeistert von dieser Art der Werbung, die so gar nicht abstrakt ist, sondern lebendigste An« schauung übermittelt.
Die Kinder dürfen ;um erstenmal alles aus nächster Rahe milerleben, woran sie sonst nur aus respektvoller (Entfernung teilnehmen dürfen. Den um das Flugzeug versammelten Kin- dem wird in lebendigem Frage- und Antwortspiel erzählt, was es alles für Flugzeuge gibt, wie man fliegt und was der deutsche Luftverkehr und die Luft-hansa bedeuten.
Aber bei dieser bloßen Belehrung bleibt es nicht! die Kinder dürfen auch alle auf das Flugzeug steigen und die Kabine und den Führersitz mit all seinen Steuervorrichtungen und Instrumenten besichtigen. Jedes vierzigste der an Der Besichtigung teilnehmenden Kinder erhält eine Freikarte für einen Rundflug, und die Schulen veranstalten Wettbewerbe zum Luftfahrtthema, bei denen die besten Arbeiten (Aufsätze, Gedichte oder Zeichnungen) ebenfalls durch Freiflüge prämiiert werden. Um recht vielen deutschen Jungens und Mädels das unvergeßliche Erlebnis zu geben, einmal fliegen zu Dürfen, finD der Luftfahrt-Werbeaktion großzügige Stiftungen zur Verfügung gestellt worden. So entfällt auch auf unsere Stadt eine große Anzahl der Tausende von Freiflügen, die die JG.-Farbenindu- ftrie den deutschen Schulkindern schenkt. Und wem das Glück bei Der Verteilung nicht hold war, dem bieten sich noch andere Möglichkeiten, einen kosten« losen Rundflug über Die Heimat zu erringen.
Den fleißigen Rälselralern winken die Frei- flüge, Die Der Gießener Anzeiger als Gewinne in einem großen Luftfahrt-Preisausschreiben, das am kommenden Samstag veröffentlicht wird, verspricht.
Auch Der ReichsverbanD Des Deutschen Gartenbaues hat jeDer Schule eine Anzahl von Freiflügen gestiftet, Die mit ein wenig Geschick und Fleiß erarbeitet werden können. Sie sollen denjenigen zufallen, • die einen guten Aufsatz, ein launiges Gedicht oder eine hübsche Zeichnung anfertigen über unsere einheimischen Gartenbauerzeugnisse und ihre Verwendung. Auf diese Weise wird das Angenehme mit Dem Nützlichen verbunden: Der erfüllte Herzenswunsch einer flugbegeisterten Jugend mit der Werbung für einen der größten und lebenswichtigsten Zweige unserer Volkswirtschaft, Den deutschen Gartenbau. Die Tatsache, Daß wir täglich etwa zwei Millionen Mark für Früchte, Blumen und Gemüse, die unfern einheimischen Gärtnern zukommen sollten an Das AuslanD gehen lassen, zeigt zur Genüge, wie nützlich, ja notroenDig Die erzieherische Aufklärungsarbeit ist, die Das Flugzeug „Der Deutschen Jugend" Damit übernommen hat. — Fast 20 000 Kinder konnten sich so schon einen Freiflug erwerben. UnD wer nicht zu Diesen Glücklichen zählt, kann schon für 3 Mark (Erwachsene für 6 Mark, Lehrer, Angehörige der Reichswehr, SA., SS. und der Polizei für 5 Mark) an einem Rundflug von zehn Minuten Dauer teilnehmen, die einer Luststrecke von etwa 30 Kilometer entsprachen.
Geführt wird das Flugzeug von Flugkapitän Freiherrn v. A l t h a u s , der in seiner 15jähri- gen Fliegerlaufbahn Hunderttausende von Kilometern ohne Unfall geflogen ist.
Die mehr als 60 000 Menschen, die mit Dem „Flugzeug der deutschen Jugend" zum ersten Male einen Flug erlebten, waren alle begeistert, vor allem natürlich Die Jugend. Sie wird gewiß auch hier „ihr Flugzeug mit Jubel empfangen.
Die Werbeaktion Dauert vom 5. bis 12. November. Wir werden Näheres von ihrem Verlauf berichten«


