Ausgabe 
11.7.1939
 
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fircnger als zum verschlossenen Tibet gehütet wird? v^nmitten von niedrigen und kahlen Bergen fließt die T o l a dahin. Auf dem rechten Ufer dehnt sich B o g d o Ta Kure, d. h. die Mongolenstadt, auf dem linken Ufer Mai Mai Chen, die Chinesen- st a d t. lieber den Häusern und Zelten schimmern die goldenen Dächer der beiden buddhistischen Klö­ster. Darüber erhebt sich die Bogdo Ol mit seinen Wäldern, in denen zur Zeit des Chutuktu, des dritten lebenden Buddha, unter Androhung der Todesstrafe kein Zweia gebrochen werden durfte. Es gibt in Ulan Bator heute dasGrand Hotel der Sowjets", auf dem ebenso wie auf dem Außen­ministerium die Sowjetfahne weht. Bor den roten Pallisaden der heiligen Tempel, im Schatten der gebogenen, vergoldeten Dächer und unter den im Winde klingenden Glöckchen sollen schreiende

Die Front verläuft durchweg drei Kilometer östlich des Chalcha-Flusses auf der mandschurischen Seite. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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eine Erziehungsausgabe.

Anregungen desInspetteurs derKriegsschulen für die Gestaltung des Unterrichts.

München, 10. Iulk (DNB.) Auf der Gau­tagung des Amtes für Erzieher, Gau Mün­chen-Oberbayern, sprach der Inspekteur der Kriegs­schulen des Heeres, Generalmajor Brand, über das ThemaDer Wall i m Westen ein Auftrag an die Erzieher". Nach einer Ver­fügung des Oberbefehlshabers des Heeres gehen die im Interesse der Landesverteidigung an die Sck)ule zu stellenden Forderungen in der Richtung einer den Bedürfnissen der Wehrmacht entsprechenden All­gemeinbildung und des Einbaues wehrkundlichen Stoffes in die Lehrpläne. Frühzeitiger Dis- z i p l i n b i l d u ng im Sinne des Aufbaues einer inneren Disziplin sei besonderer Wert beizulegen. DiePflichten des deutschen Soldaten" seien auch eine politische Richtlinie. Auch die Heranwachsende weibliche Jugend müsse frühzeitig sehen, daß auch sie im Ernstfall bestimmte Ausgaben zu erfüllen habe.

General Brand verwies dann auf den Gedanken, den Westwall zum Gegenstand einer Er- zlehungsaufgabe zu machen. Jeder wisse, was das Rheinland bedeute, daß an Rhein und Saar deut­sche Menschen leben, daß es sich um unentbehrliche Wirtschaftsgebiete handelt, die wir schützen müssen,

schließlich, daß damit die mitteleuropäische Lage unseres Vaterlandes befestigt werde. Es sei aus­drücklich zu unterstreichen, daß diese Befestigungen nur dann etwas wert seien, wenn in ihnen zum Kämpfen entschlossene Männer stünden. Es genügt nicht nur zu wissen, daß stärkster Eisen­beton den Volltreffer aushält, sonder man muß sich auch als Kämpfer, wenn Mann gegen Mann steht, überlegen fühlen. Es gibt sowohl in der Volks- und Mittelschule wie in der höheren Schule, ober auch in den Berufs- und Fachschulen kaum ein Unter­richtsfach, das nicht ,in eine Beziehung dazu zu fetzen ist. Der Deutsch- und der Geschichtsunterricht könne den Kampf um den Rhein in Verbindung mit dem Westwall bringen. MoltkesWestliche Grenz­frage" begründe geradezu die deutsche Westbefesti­gung. Aber auch im Mathematik-, Physik- oder Chemieunterricht, seien unschwer Beziehungen her- zustellen. Es gelte an das große technische In­teresse unserer Jugend anzuknüpfen, die zu be­greifen habe, daß hier eine Gemeinschofts- l e i st u n g einmaliger Art vorliege, eine Arbeits­gemeinschaft, die nicht anders als eine soldatische Kameradschaft bezeichnet werden kann.

Ausgaben einer künftigen Reichsbauordnung.

bunte Plakate aus Sowjetfilmen angebracht jein. Jedoch die Macht der Sowjets reicht nicht weit in die Steppen hinein. Schon 1931 hatte sich in Ulan Bator ein sogenanntes mongolisches Unab­hängigkeitskomitee gebildet, in dem sich die mongolischen Fürsten mit den Lamas und mit der jungen mongolischen Intelligenz verbanden. Send- linge dieses Komitees haben in Hsinking und in Japan Verbindungen angeknüpft und stehen auch mit der Inneren Mongolei in naher Berührung.

Damit erklärt es sich, daß auch von japanisch- mandschurischer Seite gerade jetzt der Mongolen- fraae eine erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird. Unter Leitung des Mongolenprinzen T e h - W a n g, der bisher an der Spitze einer lokalen Mongolen- reaierung stand, ist der Mongolenstaat Meng- Chiang gegründet, der auch Teile der chinesischen Provinzen Schansi und Chachar umschließt, ein Territorium, das größer als das Deutsche Reich ist. Da die Steppen dünn bevölkert sind und eine Volks­zählung noch nie stattgefunden hat, so lassen sich nur ungenaue Schätzungen über die Einwohnerzahl von Meng-Chiang angeben, die aber kaum eine Million übersteigen dürfte. Aufgabe des Prinzen The-Wang ist es, die Mongolen zu vereinigen und, wenn möglich, auch die etwa 300 000 Mongolen der Aeußeren Sowjetmongolei für die große mongolische Familie zurückzugewinnen.

Aus Hsingking, der Hauptstadt Mandschukuos, wird gemeldet, daß die mandschurisch-japanischen Truppen am Buir-Nor gegen die sowjetmongoli­schen Truppen zur Offensive übergegangen sind und sie aus ihren Positionen vertrieben haben. Moskau allerdings behauptet das Gegenteil, es will die Mandschuren vertrieben haben. Wie dem auch sein mag, dort am fernen Buir-Nor liegt ein neuralgi­scher Punkt im fernöstlichen Konflikt. Die Wiede r- aufrichtuny des Möngolenreiches neben Korea, neben der Mandschurei und Nordchina kompliziert die an sich schon verworrene Lage noch mehr. Man darf nicht vergessen, daß über die Monaolei auch die Verbindungswege nach Singkiang und in das sow­jetrussische Ostturkestan führen. Das tst der Weg, den einst Tschingis Khan auf seinem Eroberungs­zuge wählte. ' U. St.

Die letzten Kampfe an der sowjet- mongolisch-mandschurischen Grenze.

H a i l a , 10. Juli. (DNB.) In den letzten vier Tagen fanden sehr schwere Kämpfe zwischen japa-'

In Stuttgart hat Reichsarbeitsminister Seldte kürzlich einReichsbaugefetz und eine Reichs­bauordnung angekündigt, deren beschleunigte Fertigstellung im Reichsarbeitsministerium im Gange ist. Oberregierungsrat Dr. Goldammer macht nun im Reichsarbeitsblatt ergänzende Ausführun­gen über die Aufgaben, die das neue Reichsbau­recht zu lösen hat. Es stellt fest, daß es sich darum handelt, eine den heutigen und künftigen Anforde­rungen entsprechende Rechtsgrundlage zu schaffen, um die gesamte städtebauliche Entwicklung in Deutschland in eine planvolle und weli­sch a u e n d e Ordnung zu bringen, die den Bedürfnissen der Volksgemeinschaft und des einzel­nen Dolks-genossen, den Interessen der Wirtschaft, des Verkehrs, der Landesverteidigung, der Volks­gesundheit und Erholung voll Rechnung trägt. Ent­eignung dürfe auch künftig grundsätzlich nur gegen angemessene Entschädigung erfol­gen, wie sie nach nationalsozialistischer Auffassung recht und billig ist, grundsätzlich in Geld, in geeig­neten Fällen, besonders wenn Erbhofland in An­spruch genommen werde, aber auch als Landent­schädigung, möglicherweise auch in Form wieder- kehrender Geldleistungen für die Beschränkun-

nischen Truppen und mongolischen und sowjet- russischen Einheiten in der Gegend des Buirnor- sees statt. Der Kampf geht um das Dreieck, das gebildet wird durch den Kalkafluß als Grund­linie und begrenzt wird von dem K h o l st a i f l u ß mit der Spitze Nomenkhan, einen außen- mongolischen Brückenkopf, der in mandschurisches Gebiet vorgeschoben ist. Er ist besetzt von mongo­lischer Kavallerie, sowjetrussischer Infanterie, Artil­lerie und Tanks. Russische Gefangene geben an, daß der sowjetrussische Divisionskommandeur selbst anwesend sei. Es handelt sich um die sow.jetrussische Division, die in Ulan bator, der Hauptstadt der Außenmongolei, stationiert ist.

Begünstigt durch ein Gewitter, griffen die japa­nischen Truppen die feindlichen Hauptstellungen nördlich des Kholstaiflusses an. Zu gleicher Zeit hat eine andere japanische K.okönne, verstärkt durch mandschurische Truppen, den Uebergang über den Fluß bereits erzwungen. Die Sowjetmongolen sind überall im Rückzug. An der übrigen Front bis zum Buirnor etwa 200 km ist Ruhe eingetreten. Die Führung der Kwantung-Armee erklärt, daß ihr einziges Ziel die Säuberung des Mandschukuo-

gen des Eigentums, die sich aus der städte­baulichen Planung ergeben, gelte der Grundsatz, daß der einzelne sein Eigentumsrecht, namentlich in Bezug auf die bauliche Ausnutzung, nur insoweit ausüden könne, als es mit den Belangen der All­gemeinheit vereinbar ist. Daraus sich ergebende Eigentumsbeschränkungen seien in der Regel nicht zu entschädigen. Durch befristete Bausper­ren müsse die städtebauliche Entwicklung eines Ge­biets außerdem sichergestellt werden können. Für die B a u I ü rf e n f r a g e sei die Einführung eines Bau Zwanges für den Grundstückseigentümer zu erwägen. Bei der Neugestaltung des An sied- lungsrechts und des Anliegerbeitrags müsse eine finanziell befriedigende und wirtschaft­lich gerechte Verteilung der Ko st en gewähr­leistet werden. Höchst unbefriedigend sei die jetzige Regelung, daß der Anspruch auf Anliegerbeiträge erst mit der Bebauung des Grundstücks entsteht. Auch die Schaffung von Einheitssätzen für die Anliegerbeiträge werde geprüft. Schließlich müsse den Gemeinden die Möglichkeit eröffnet werden, in Wohngebieten und Kleinsiedlungsgebieten Stra­ßenbaukassen als gemeindliche Einrichtung zu gründen.

Gebietes sei. Es sei keine Offensive in die Sowjet­mongolei beabsichtigt.

London wartet.

Der Konferenzbeginn in Tokio noch immer nicht festgelegt.

London, 10. Juli. (Europapreß.) Dem eng­lischen Botschafter in Tokio, Sir Roben Craigie, ist es bisher noch nicht gelungen, von der java­nischen Regierung eine bindende Zusage über den Beginn der englisch-japanischen Gespräche zu er­langen. Sie sollten ursprünglich am 7. Juli be­ginnen und wurden dann um acht Tage verschoben. Es heißt, vor Freitag sei man bei den Japanern nicht in der Lage, in die Verhandlungen einzutre­ten. Mit der Hinauszögerung des Konferenzbeginns schwindet in London die Zuversicht auf einen er­folgreichen Abschluß. Man wird in dieser Beurtei­lung bestärkt durch neue englandfeindliche Kundgebungen, die in verschiedenen Städten der Provinz Schansi zur Zerstörung englischen Eigentums geführt haben. Dazu kommt heute die

Nachricht, daß der seit dem 26. Mai in japanischer Hast befindliche britische Militärattache in Chino, Oberst Spear, der wegen Spionage- Verdachts festgenommen worden war, vor ein j a panisches K r i e g s g c r i ch.t gestellt werde. Filmstreifen, auf denen sich Aufnahmen befinden, die Oberst Spear während einer Inspektionsreise an der nordchinesischen Front gemacht hatte, stel­len eines der Hauptbeweismittel der Anklage dar. Daily Telegraph" meldet ferner, daß die Japaner jetzt in Schanghai ähnlich vorgehen wie in Tientsin und drei britische Fabriken mit Stacheldraht umzäunt haben. Die eng­lischen Behörden der Internationalen Niederlassung haben Protest beim japanischen Oberkommando ein­gelegt. Die japanische Antwort soll gelautet haben: Es handle sich bei der Maßnahme lediglich um eine Erweiterung der militärischen Vorsorge.

Chamberlain über die Moskauer Verhandlungen.

London, 10. Juli. (Europapreß.) Ministerprä­sident Chamberlain bestätigte im Unterhaus in einer überaus zurückhaltenden Erklärung, daß die englische Regierung zur Zeit noch den Bericht ihres Vertreters in Moskau über den Inhalt der beiden letzten Unterredungen mit Molotow über­prüfe.Gewisse weitere Dorsch lüg e", so be­tonte Chamberlain,sind von der Sowjetregierung gemacht worden und werden zur Zeit erwogen. In anderen Punkten haben wir noch keine sow­jetrussische Antwort erhalten. Es ist die all­gemeine Politik der Regierung, die Integrität aller souveränen Staaten zu achten. Ins­besondere ist sie sich des Wunsches Finnlands und der baltischen Staaten bewußt, ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu bewahren. Da dies auch das Ziel der englischen Re­gierung ist, werden die Ueberlegungen jener Staaten natürlich in vollem Maße bei den augenblicklichen Verhandlungen (in Moskau) in Rechnung gezogen."

Das Parlament scheint im übrigen der ewigen er­gebnislosen Konferenzen in Moskau müde, zu wer­den und beginnt sie bereits lächerlich zu machen. So wurde Chamberlain, nachdem er erneut die Entsen­dung von Lord Halifax nach Moskau abgelehnt hatte, unter großem Gelächter des Hauses gefragt, ob er nicht Churchill nach Moskau entsenden wolle. Erneutes allgemeines Gelächter eryegte ein Zwischenruf des Abg. Thudle, der Ministerprä­sident habe Churchill ja bereits in d i e Wüste g c schickt.

Graf Ciavo in Barcelona.

Barcelona, 10. Juli. (DNB.) Um 17 Uhr traf Außenminister Graf Ciono an Bord des PanzerkreuzersEugenio di Savoia" begleitet von dem Generaldirektor der Mittelmeerabteilung Bot­schafter B u t i und dem Direktor für spanische An­gelegenheiten Graf Pietromorchi, im Hafen von Barcelona ein. Innenminister Serano S u n e r, Außenminister Graf Jordan« sowie der spa­nische Admiral Salvador Moreno begleiteten Graf Guano unter dem Jubel der Bevölkerung an Land, wo er von dem deutschen und dem ita­lienischen Botschafter, dem katalanischen Militärgouverneur General Orgaz, dem Führer der italienischen Freiwilligen General Gamdarra sowie von Vertretern der Falange und der Stadt Barcelona begrüßt wurde. Nach Abschreiten der Ehrenkompanie begab sich Graf Ginno zum Haus der Falange an der Paseo de Gracia, wo er am Gefallenendenkmal einen Kranz niederlegte und, einen Vorbeimarsch der Falange abnahm.

3Reid)6parftifog

vom 2. bis 11. September.

München, 10.3uli. (DltB.) Vie Reicheres!-- stelle der RSDAP. teilt mit: Der diesjährige Reichsparteitag der RZDAp. wird iri Nürnberg in der Zeit vom 2. bis einschtießtich 11. September abgehalten. Die Dauer des Reichsparteitages ist verlängert worden, doch wer­den die einzelnen Teile des Reichspartei-

Hirschberg, das Tor zum Riesengebirge.

Von Or. E. Altgelt.

Vom 13. bi? 16. Juli treffen sich Wanderer aus allen Gauen des Reiches in Hirschberg im Riesengebirge zum 48. Deutschen Wandertag. Im Anschluß an die Tagung unternehmen die Teilnehmer eine mehrtägige Schlesien-Sudetenfahrt, während Hirschberg seine traditionelle Riesengebirgswoche durch­führt.

Wer zum erstenmal nach Schlesien kommt, der ist gewöhnlich nicht wenig überrascht von der ab­wechslungsreichen Schönheit dieses vielseitigen und kontrastreichen Landes. Wie der Bewohner des Rie­sengebirges der lebensbejahenden, beweglichen Art des Schlesiers, seiner genügsamen Fröhlichkeit und seinem verschmitzten Humor in einem seltsamen Ge­gensatz schweren grüblerischen Ernst hinzufügt, den wir aus Gerhart Hauptmanns Dramen kennen, so trägt auch das Gebirge selbst in seinen Kammlagen einen ernsten, ausgesprochenen alpinen Cha­rakter. Der Blick vom Koppenweg etwa, der vom Kamm zur steil aufragenden Schneekoppe führt, hin­ein in den Melzergrund, oder auf der anderen Seite in den Riesengrund, ober von den Gründen hinauf zur Koppe läßt uns ebenso wie ein Abend auf den knieholzbestandenen Hängen um den Reif- träger oder im tiefen eiszeitlichen Felsenkar des Kleinen Teiches die ganze unnahbare Einsamkeit des Hochgebirges fühlen. Während das Gebirge aber nach Süden in vielfachen, sich allmählich ao- dachend.en Zügen ohne scharfe Abgrenzung in das böhmische Hügelland übergeht, fällt es nach Nor­den, auf der schlesischen Seite, jäh wie eine gewal­tige steile Mauer ab, die den weiten, lieblichen Hirschberger Talkessel eindrucksvoll abschließt.

Gleich einem inhaltsreichen Bilderbogen ist die Landschaft des Hirschberger Kessels ausge­breitet, durch tuppige Höhenzüge in einzelne, dicht mit Dörfern besiedelte, von Bergwässern durcheilte Täler gegliedert hell, heiter und vielfältig. Diese Täler sind später besiedelt worden. Ebenso wie die übrigen schlesisch-böhmischen Gebirge und Vorge­birge waren sie weder in vorgeschichtlich-germani­scher noch in slawischer Zeit bewohnt. Erst im Zuge der deutschen Wiederbesiedlung des Ostens sind sie im 13. Jahrhundert durch zumeist ostfränkische Bauern erschlossen worden. Nur schrittweise konnten die Kauern gegen das. fast undurchdringlich dicht-

bewaldete Gebirge Vordringen. Heute noch lassen sich die Waldhufendörfer des Hirschberger Kessels mit ihren Fachwerkhäusern und fränkischen Gehöft­formen deutlich von den Streusiedlungen der Block­häuser in den erst viel später besiedelten Hochtälern und an den Hängen des Gebirges unterscheiden.

1281 wird Hirschberg zuerst urkundlich er­wähnt: bald nach ihrer Gründung ist die Stadt der unbestrittene Hauptort des Riesengebirges geworden und bis heute geblieben. Schön liegt sie zwischen bewaldeten Kuppen an der nördlichsten und tiefsten Stelle des Talkessels, dem sie den Namen gegeben hat, überragt von den Höhen des Bober-Katzbach- gebirges, die den Kessel gegen Norden abschließen. Wie eine einzige unvergleichliche Aussichtsterrasse sind sie der Stadt vorgelagert. So hat auch Hirsch­berg die ganze Herrlichkeit des Vorgebirges vor Augen und die dunkle Kulisse des Riesengebirge­kammes im Hintergrund.

Ihre große Zeit hat die Stadt vom späten Mittel- alter bis ins 19. Jahrhundert hinein gehabt, als sie ein Mittelpunkt der schlesischen Lei­nen weberei war. Vor allem das hauchzarte Schleierleinen", dessen Herstellung der Schuster­geselle Joachim Girnth 1570 aus Holland nach seiner Vaterstadt brachte, trug ihren Bürgern An­sehen und großen Wohlstand ein, der freilich den armen Webern ringsum in den Tälern weit weni­ger zugute kam als den Handelsherren in der Stadt. Der Dreißigjährige Krieg konnte den Hirschberger Reichtum wohl zerstören, aber nicht für immer ver­nichten. Schweden und Kaiserliche haben die Stadt abwechselnd besetzt gehalten, ausgewogen und schließ­lich völlig in Asche gelegt, so daß man hier wie in so vielen deutschen Städten, denen es ähnlich er­gangen ist so gut wie keine älteren baulichen Zeu­gen der Vergangenheit mehr findet als die des Ba­rock. Desto prächtiger und schöner haben die Hirsch­berger ihre Stadt nach der langen Kriegszeit wie­der aufgebaut. Am Ring schließen die |tattlid>en Barockhäuser derSchleierherren" mit ihren stolzen Schaufronten und den für die schlesischen Leinen­städte charakteristischen, durch kräftige Pfeiler ge­stütztenLauben", die zusammen einen gedeckten Umgang ergeben, ein heiteres Viereck um das Rathaus in der Mitte, das, nach dem Zweiten Schlesischen Kriege erbaut, seinerseits die Schlicht­heit des preußischen Stiles verkörpert. Immer ist dieser Ring schön und stimmungsvoll: an hellen lichtüberstrahlten Sommermorgen, an denen sich unter seinen Linden neben demGabeljürge", dem plätschernden Neptunsbrunnen aus dem 17. Jahr­hundert, und in den Lauben ein buntes Marktleben entfaltet, an den Abenden, wenn Deckenlaternen

die niedrigen Laubenqänge erleuchten und aus den Fenstern der altmodifchen kleinen Weinstuben gol­dene Lichtoierecke auf das Pflaster des dunklen Rin­ges fallen und der Mond neben dem frideriziani- fchen Adler auf dem Rathausturm zu stehen scheint und auf die Giebeldächer heruntersieht.

Der Uebergang in preußische Hand hat seinerzeit Hirschberg mit der Einführung der Damaft- weberi eine neue wirtschaftliche Blüte gebracht. Meisterwerke des Gebildwebens, in dem es die schle­sischen Weber bald zur höchsten Fertigkeit brachten, werden noch heute in den Familien vererbt und in Museen aufbewahrt. Hirschberg selbst besitzt ein sehr lebensnahes kleines Heimatmuseum, das viel für die Erhaltung des bodenständigen Handwerks und Brauchtums im Riesengebirge getan hat und ihre Zeugnisse heute liebevoll weiterpflegt.

Noch ein Weiteres brachte Preußen den Hirsch­bergern: die Glaubensfreiheit. Von ihrem Kamps um das evangelische Bekenntnis zeugt die künstlerisch bedeutendeG n a d e n k i r ch e", eine der sechs Kirchen, welche die Habsburger in der ver­wickelten Konvention von Alt-Rahnstädt auf Be­treiben Karls XII. von Schweden den protestanti­schen Schlesiern bewilligen mußten, denen im West­fälischen Frieden mehr als 600 Kirchen genommen worden war. Für dieGnade", diese Kirche bauen zu dürfen, mußten die Hirschberger Kaufherren dem Kaiser 126 000 Gulden zahlen und ihm weitere 100 000 als Darlehen geben. Auch der Schweden­könig verlangte seinen Teil. Aber auch das konnte den Hirschberger Reichtum nicht erschüttern: über­aus prächtig wurde die Kirche aufgebaut; man wett­eiferte mit großartigen Stiftungen. Und wurde ein Schleierherr für immer aus seinem schönen Hause am Ring getragen, so fand er hinter dem kunst­vollen schmiedeeisernen Gitter einer der Grabkapellen rings um die Gnadenkirche eine stattliche letzte Ruhestätte.

So deutlich aber die Geschichte im alten Hirsch­berg ihre Spuren hinterlassen und damit der Stadt viele stimmungsmäßige Reize verliehen hat, so ist es doch ihr besonderer Vorzug, nicht in Erinnerun­gen versunken, sondern jung und lebendig ae» blieben zu sein. Bei der Erneuerung des Rathauses und des Ringes vor einigen Jahren hat auch die Gegenwart, zurückhaltend, ihren Beitrag zum Stadt­bild geleistet ebenso in der Ausgestaltung der am Kavalierberg schöngelegenen Jugendherberge und des Hitlerjugendheimes. Wandernde und sporttrei­bende Jugend erfüllt Stadt und Umgebung mit frischem Leben. Das nahe Bergdorf (Brunau im Bober-Katzbachgebirge ist seit Jahren eine der wich- Ugsteü StWey. dex deutschen. Segelfliegerei;

Bober und Zacken geben dem Paddler Gelegen­heit zu Wildwasserfahrten, die Berge zum winter­lichen Schilauf sind nah, so daß sommers wie winters um Hirschberg fröhlicher Sport eine Heim­statt hat. Darüber hinaus aber ist es das Ein- f a 11 s t o r zum Riesengebirge, das einen Besuch auf dem Wege in die Berge mit vielfälti­gen Eindrücken belohnt.

Hochschulnachrichten.

Wegen Erreichung der Altersgrenze wurden ent« pflichtet: der o. Professor der Katholischen Theo­logie an der Universität Tübingen Dr. Karl Bihl- rn e y e r : der o. Professor der Katholischen Theo­logie an der Universität München' Geh. Regierungs- rat Dr. Martin Srabmann; der o. Professor für Evangelische Systematische Theologie an der Universität Tübingen Dr. Karl Heim; der o. Pro­fessor der Katholischen Theologie an der Universität Wien Dr. Leopold Krebs: der o. Professor für Musikwissenschaft an der Universität Wien Dr. Robert Lach: der o. Professor der Astronomie an der Universität Wien Dr. Adalbert Prey: der o. Professor der Philosophie an der Universität Wien Dr. Robert Reininger; der o. Professor der Deutschen Sprache an der Universität Innsbruck Dr. Joses Schatz: der o. Professor der Romanischen Philologie an der Universität Graz Dr. Adolf Zauner: der o. Professor der Technischen Elektro­chemie an der Technischen Hochschule Wien Dr. Hein­rich Pawek; der o. Professor für die Geschichte der Baukunst an der Technischen Hochschule Berlin Dr. Daniel K r e n ck e r , der Professor an der Hochschule für Lehrerbildung in Kiel Dr. Wein- r o w s k y.

Der ord. Professor für Röm. und Bürger!. Recht an der Universität Rostock, Dr. Rudolf Henle, vollendete in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Henle war von 1919 bis 1923 außerordentlicher Professor an der Universität Gießen. Seitdem ist er in Rostock tätig.

Zum Honorarprofessor an der Universität Berlin ernannt wurde der Inspekteur des Sanitätswesens der Luftwaffe Generalarzt Dr. Erich H i p p k e.

Zum a. o. Professor der Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster ernannt wurde Professor Dr. Alfred Müller, Köln.

Zum a. o. Professor für die Geschichte der Medi­zin an der Universität München ernannt wurde Professor Dr. med. habil, et phil. Martin Müller.

Zum a. o. Professor der Philosophie an der Uni­versität Halle ernannt wurde der Dozent Dr. S p r i u fl m e g e l