l./2. April lyZ9
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 7 8 Drittes Blatt
Aus der Stad« Gießen. Langemarckschule erstattet Jahresbericht
spielhäus (Bahnhofstraße): ,Lch verweigere die »UN lverem. ums a Aussage-. -NS.-Reichobund für Leibesübungen | »*■ « I“1$
Oswaldsgarten.
Geschichte zu
Der interessanteste der neuen Fälle ist der Bericht
hätte.
Hochschulnachrichten.
Dem
die sich wollen.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Gastspiel Kammersänger Franz Schuster, Karlsruhe.
Für die heute abend um 20 Uhr stattfindende Aufführung der Operette „DerRosenkavalier", Oper von Richard Strauß, wurde Kammersänger Franz Schuster vom Staatstheater Karlsruhe für die Partie des Ochs von Lerchenau als Gast verpflichtet. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Paul Walter, Spielleitung: Hans Geißler, Bühnenbilder:
fängerin erreichte.
Bon zwei Rittergutsbesitzern desselben Landkreises erhält der eine um die Jahrhundertwende auf der Reise ein verstümmeltes Telegramm, dem er den erfolgten Tod seines Nachbarn entnehmen zu müssen glaubt, und bestellt sofort einen Kranz mit Schleife und aufgedrucktem Datum. Der Nachbar lebt aber ganz vergnügt und hängt die Schleife des Freundes über seinen Schreibtisch, wo sie viele Jahre die Wand Ziert. Während des Krieges, 1915, starb er dann wirklich. Nach der Beerdigung seines Vaters fällt dem von der Front beurlaubten Sohne beim abendlichen Zusammensein der Familie ein, daß ja die alte Schleife ein Datum trage. Er holt sie und stellt mit einem leichten Schreck fest: es ist das
Bemerkung besonders wichtig ist, daß die Kriminalisten „in einem gewissen Sinne sogar mit eigenartigen Zufällen rechnen und daß ihnen richtig aus- genützte oder verwertete ,Anziehungskraft des Bezüglichen' schon Erfolge gebracht hat".
Dies ist der Fall, den er beisteuert: Der Beamte erhält aus Hannover den Auftrag, in Berlin nach einer Täterin zu fahnden. Ihm ist nur der Name der Schuldigen bekannt und daß deren gänzlich unbeteiligter Ehemann, der auch nur weiß, daß seine Frau nach Berlin geflüchtet ist, m Hannover
Fritz Peter Buch. Inszenierung Hans Geißler. Dienstag-Miete, 26. Vorstellung.
Mittwoch, 5. April, Anfang 19.30, Ende gegen 22.30 Uhr, zum letzten Male ,^Der fliegende Hollän- der", Oper von Richard Wagner. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim. Mittwo-Miete, 26. Vorstellung.
Freitag, 7. April (Karfreitag), Anfang 20, Ende 22.30 Uhr, zum letzten Male „Torquato Tasso", Schauspiel von Goethe. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Freitag-Miete, 26. Vorstellung.
Straftat ihrer Bekannten nichts wissen, da sie sonst deren Versteck wahrscheinlich nicht ausgeplaudert
Billard-Club: 14 Uhr, Rückspiel Kassel — Gießen. — Gießener Konzertverein: 17 Uhr in der Aule der Universität Klavierkonzert Wilhelm Backhaus. — Letzter Tag der Frühjahrsmesse (Schaumesse) auf
Fachamt Handball und Basketball: 20 Uhr in der Turnhalle in Heuchelheim, Vorrunde zur Deutschen Basketball-Meisterschaft. — Arttlleristenkamerad- schaft 1895: 20.30 Uhr „Hessischer Hof" Kameradschaftsabend. — Gießener Billard-Club: 16 Uhr Cafe Amend Rückspiel Kassel—Gießen. — Frühjahrsmarkt (Schaumesse) auf Oswaldsgarten.
Palast (Seltersweg): „Bel Ami": Früh-Vorstellung 11 Uhr „Tabu". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ich verweigere die Aussage". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr, Ausstellung Gießener -..... ~ ' 5 am Brand. — Gießener
Tageskalender für Sonntag.
NS.-Reichsbund für Leibesübungen, Fachamt Handball und Basketball: 14.30 Uhr in der Turnhalle in Heuchelheim Endrunde zur Deutschen Basketball-Meisterschaft. — Stadttheater: 19 bis gegen 22 Uhr „Der Vetter aus Dingsda". — Gloria-
'mH ftellte eben Sie Frage, ob Monatsdatum dieses Beerdigungstages das ihn und den Tisch legem Und schließlich: sie. durste °°« d<- solche Flasche von ganz allein zersplittern seine Geschwister in goldenen Buchstaben amtarrt
wohnt.
Lange bleibt alles Forschen vergeblich. Dann setzt ein Spiel mehrerer Zufälle ein und führt bald zu vollem Gelingen. Der Fahnder sitzt m einem Cafe. Zwei Damen betreten den Raum, von denen der Beamte die eine kennt, aber schon jahrelang nicht gesehen hat. Es kommt — wohl wegen der Fülle in dem Lokal — dazu, daß sich die Damen an seinen Tisch setzen und er der Begleiterin, die eben von Breslau in Berlin eingetroffen ist, vorgestellt wird. Nach üblichen gleichgültigen Gesprächen trennen sich die Personen wieder, ohne daß der Kriminalist ahnt, daß ihm hier die Losung des Rätsels zugespielt werden soll.
Einige Zeit später, während der er das vergebliche Forschen fortgesetzt hatte, trifft der Beamte die Breslauer Dame in dem gleichen Cafe wieder und wird wieder in ein Gespräch mit ihr gezogen. Da bittet sie ihn um die Besorgung einer Marke, indem sie gleichzeitig einen Brief auf den Tisch legt, der, wie der Fahnder mit einem raschen Blick feststellt, an den Ehemann der gesuchten Verbrecherin in Hannover gerichtet ist.
„Ach, kennen Sie Herrn soundso?
„Jawohl."
„Auch die Frau?"
„Gewiß. Sie soll übrigens jetzt hier m Berlin in der N.-Straße, ich glaube, Nr. 3E, wohnen."
Eine Stunde später ist die Gesuchte aufgefunden und festgestellt.
Wieviele Male mußte hktzr der Kobold Zufall richtig arbeiten, damit das Ergebnis erreicht wurde: Am Ankunftstage der Breslauerin mußte der Detektiv das Lokal 'aufsuchen und sie dort durch eine ihm bekannte Dame kennen lernen, mußte sie dann gerade an dem Tage wiedertreffen, als sie den Brief an den Ehemann der Täterin bei sich trug, sie mußte eine Marke erbitten und den Brief auf
Zeitschriften.
— „Hessenland", Heimatzeitschrift für Kur. Hessen, herausgegeben von Dr. C. Hitzeroth, Marburg (Lahn). — Im letzten Heft (50. Jahrgang, 1/2) lesen wir zu Beginn eine kulturgeschichtlich anziehende und lehrreiche Betrachtung des berühmten Göttinger Germanisten Edward Schröder über den Leumund der Hessen, vor allem über die ,chlinden Hessen". Albrecht Kippenberger berichtet an Hand zahlreicher guter Bildbeigaben über Volkskunst im Museum der Universität Marburg (4. Teil des Berichtes über Neuerwerbungen): es handelt sich diesmal um Schreinerarbeiten, wie Bettstatt-Bekrönungen, Wirtshausschilder, Haustüren, Truhen, Schüsselbänke usw. Ein ebenfalls bebilderter, ausführlicher Beitrag von Karl E. Demandt ist dem spätmittelalterlichen Silberschatze des hessischen Fürstenhauses gewidmet. Die Träger des im vorigen Jahre zum ersten Male verteilten Kurhessischen Kulturpreises werden eingehend gewürdigt. Aus dem übrigen Inhalt feien die Schwälmer Gespenster- Geschichten, die von Bernhard Martin betreuten Anfragen und Berichte zur hessischen Volkskunde, Personalien, Bücherschau und die Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde genannt.
Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 11. Vorstellung für den KdF.-Feierabendrmg statt. Ende nach 23.30 Uhr.
Spielplan des Sladllhealers vom 2. bis 10. April.
Am Sonntag, 2. April, findet die Erstaufführung der Operette „Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke statt. Die musikalische Leitung hat Joachim Popelka, die Spielleitung Gert Buchheim. Einstudierung der Tänze: Thea Maaß. Bühnenbild- Karl Löffler. Es wirken mit: Eva Eckert, Hilde Kneip, Lilly Sedina a. G., Gert Buchheim Kurt Haars Walter Kohlermann, Hans Seitz, Ernst August Waltz, Erich Weiland. Die Vorstellung findet außer Miete statt und beginnt um 19 Uhr, Ende gegen 22 Uhr.
Dienstag, 4. April, Anfang 20, Ende nach 22 Uhr, Erstaufführung „Ein ganzer Kerl", Komodie von
— Im Deutschen Verlag, Berlin, erschien das „Große Frühjahrsmvden - Heft" der „Moden- weit" mit über hundert meist farbigen Modellen — ein bunter Querschnitt durch die neue Mode. Es gibt darunter auch Vorteilhaftes für Vollschlanke, viel für Kinder, neue Handarbeiten und manches fürs Rad für Reise, Wanderungen, den Strand usw. Außerdem bringt das Heft schneidertechnische Winke, Handarbeits- und Bügel-Bogen und drei Schnittebogen mit „Schatten-Schnitt" für diejenigen, "' ihre Frühlings-Garderobe selber schneidern
Die Langemarckschule, Oberschule für Jungen, das i ehemalige Realgymnasium, hat einen umfangreichen ' Jahresbericht herausqebracht, der einen tiefen Ein- blick in das Wesen und in die geleistete Arbeit der -j Schule gestattet. Dem Jahresbericht sei nachstehend das Wesentliche entnommen.
Am 15. Mai 1938 betrug die Anzahl der Schüler 567. Im Laufe des Jahres traten 15 ein so daß die Gesamtzahl 582 betrug. Davon waren 531 evangelisch, 29 katholisch, und 6 gehörten anderen Religionsgemeinschaften an. 346 der Schüler waren aus Gießen, 126 aus anderen hessischen Orten und 95 aus nichthessischen deutschen Orten. Die nachstehende Uedersicht läßt erkennen, aus welchen ländlichen hessischen Orten die Schüler stammen: Allendorf (Lahn) 3,.Mendorf a. d. Lda. 4, Annerod 1, Burkhardsfelden 4, Saubringen 1, Dorf-Gill 1, Friedelhausen 1, Garbenteich 4, Großen-Buseck 1, Großen-Linden 9, ©rüningen 2, Harbach 1, Hausen 5, Heuchelheim 4, Hungen 4, Klein-Linden 2, Lang- Göns 7, Leihgestern 5, Lich 14, Lollar 16, Londorf 2, Mainzlar 3, Reiskirchen 2, Rödgen 1, Saasen 3, Staufenberg 1, Steinbach 2, Trais-Horloff. 1, Treis (Lumda) 1, Watzenborn-Steinberg 9 und Wiefeck 12.
Das Reifezeugnis erhielten im September 1938 nach einer Wiederholungsprüfung vier Schüler und im Februar 52. Während des Schuljahres gab es im Lehrerkollegium eine Anzahl von Veränderungen, auf die allerdings an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann. Aus wichtigen bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Gründen wurde die Schuldauer um ein Jahr verkürzt. Seit Ostern 1937 ist das Realgymnasium eine Oberschule mit acht Jahrgängen. Die Grundforderung der Schule ist dabei, die seitherige Bildungshöhe zu wahren, und zwar trotz der verkürzten Schulzeit. Dies muß insbesondere durch erhöhte Anforderungen in den Leistungen geschehen. Die Gesamtarbeit der Schule steht unter dem Gedanken für Volk und Staat, geistige, körperliche und charakterliche Werte der Schüler bestmöglich zu entwickeln.
Die Schule nahm in ihrer Gesamtheit am völkischen Leben und an den großen politischen Ereignissen regsten Anteil. Durch eigene Feiern, wie auch durch die Anhörung von Rundfunkübertragungen wurden die bedeutungsvollen Geschehnisse des Jahres 1938 unmittelbar nahegebracht.
Die Schule war bemüht, auch im vergangenen Jahr dazu beizutragen, die Schüler zur Volksgemeinschaft hinzu führ en. So wurden z.B. in 386 Arbeitstagen 85 Schüler als Erntehelfer eingesetzt. Auch in den Herbstferien kamen die Schüler zum Einsatz in der Landwirtschaft. Großes Interesse fanden die Ausstellungen des Oberhessischen Kunstvereins, die von den Oberklassen geschlossen besucht wurden. Der Pflege der Gemein- chaft zwischen Schule und Elternhaus diente eine R h e i n f a h r t, an der sich 600 Lehrer und Schuler und 200 Angehörige der Schüler beteiligten. Auch
Stadttheater: 20 bis nach 23.30 Uhr „Der Rosenkavalier". — Gloria-Palast (Settersweg): „Bel Ami": Spät-Vorstellung 23 Uhr „Tabu". — Licht-
ao. Professor Dr. phil. Walter Grüßet an der Technischen Hochschule Aachen wurde der Lehrstuhl für elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik übertragen. Professor Größer hat sich 1928 in Aachen habilitiert uni) wurde dort 1934 zum ao. Professor ernannt.
wurde.
Die Leistungen des S chu l o r ch e ste r s bewegen sich auf beachtlicher Höhe, es wäre aber erwünscht, wenn noch mehr Schüler die günstige Ausbildungsmöglichkeit benutzen möchten. Die Schule ist bestrebt, den S p a r s i n n zu fördern. Im Kalenderjahr 1938 wurden 781,60 RM. in die Schulsparkasse embezahlt. Sie jüngeren Schüler bringen ihre Spargroschen eifriger und regelmäßiger als die älteren. Mit Bann und Jungbann 116 wurde fruchtbare Zusammenarbeit gepflegt. Sie Sache des V DA. wird nach Kräften gefördert. Sie Schüler setzten sich bei Sammlungen für den VDA. tatkräftig em. Ser Jugendherbergspfennig wurde von allen Schulern entrichtet. Was den Gesundheitszustand der Schüler anbetrifft, so kann mitgeteilt werden, daß er im allgemeinen befriedigend ist. Sie Schülerunfallversicherung wurde in 51 Fallen in Anspruch genommen. Ser Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen traten auch im vergangenen Schuljahr alle Abiturienten bei. Ser Schule wurde auch in diesem Jahre wieder eine Reihe von Geschenken zuteil, die als Lehrmaterial wertvolle Sienfte leisten werden.
Ser Jahresbericht schließt mit der Bitte an die Eltern, zur Pflege der dauernden und fruchtbringenden Zusammenarbeit mit den Fachlehrern und der Direktion stets in Verbindung zu bleiben. Der überaus sorgfältig ausgebaute Jahresbericht laßt erkennen, mit welchem Verantwortungsbewußtsein in der Langemarck-Schule an der Ausbildung der Jugend für den Dienst unserer Volksgemeinschaft gearbeitet wird.
vier ostmärkische SA.-Kameraden waren dabei. Eine Anzahl Schüler nahm Landheim-Aufenthalt.
Große Bedeutung kam auch im vergangenen Jahre der Leibesübung zu. Es wurden Sommerkampfspiele durchgeführt, es wurde Fußschlagball gespielt, das Schwimmen wurde sehr eifrig betrieben, so daß die Anzahl der Nichtschwimmer verschwindend gering ist, während der größte Teil der Schüler auf diesem Gebiet mit ausgezeichneten Leistungen aufzuwarten vermag. Den Grund- bzw. Leistungsschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesell- schaft erwarben 36 Schüler. Im Besitze der Reichs- sport-Abzeichen befanden sich am Jahresende elf Schüler. 77 Schüler erwarben das Jugend-Sportabzeichen. Diele Schüler lassen es sich angelegen sein, das Leistungsabzeichen der Hitler-Jugend oder des Jungvolks zu erwerben. Auch die Jugend- bzw. die Leistungsabzeichen für Segelfliegen, Fliegen, Reiten und Radfahren wurden von einigen Schülern erworben. Rudern wurde bei der Gießener Rudergefell- schaft betrieben. Besondere Aufmerksamkeit galt wieder dem Flugzeugmodellbau. Einzelne Schüler erzielten mit ihren Modellen beim Vergleichsfliegen des NSLB. für den Kreis hervorragende Leistungen, so daß die Langemarck-Schule mit acht Siegen als die beste Mannschaft des Wettbewerbs gewertet
Launischer April.
Wenn man jemanden zum Besten haben will, braucht man ihn nur in den April zu schicken. Er ist dann auf alle Fälle hereingefallen und kann sich nicht einmal beklagen, denn ein wenig Schabernack gehört zum ersten April wie die Veilchen zum März und die Maienblüte zum Wonnemond. Wieso allerdings der April zu dieser besonderen Eigenschaft kommt, ist nicht eindeutig zu sagen. Manche leiten sie von dem römischen Narrenfest der Quirinalien her, andere vom indischen Huli- feft, der Geburtstag des Judas gilt ferner zur Erklärung und schließlich wird auch noch der Zusammenhang mit früheren Jahresanfängen geltend gemacht. Am richtigsten aber dürfte es wohl sein, den launischen und veränderlichen Charakter des April für den in der ganzen indogermanischen Welt gebräuchlichen Schabernack verantwortlich zu machen.
Denn launisch ist der April, so viel steht fe|t. „April — tut, was er will" lautet die Parole, unter der er sich in seinen kapriziösen Neigungen ergeht. Er kann mit dem herrlichsten Sonnenschein aufwarten und uns einen südlich blauen Himmel bescheren er bringt es aber auch fertig, plötzlich alle Winde loszulassen und Hagel und Schnee auf die frühlingsfrohe Erde zu schütten, als müßte er Frau Holle noch einmal Gelegenheit geben, ihre Betten wie bei einem Großreinemachen zu klopfen. Wir, die wir an dem Monat März in diesem Jahre schon unsere Enttäuschung erleben mußten, hegen allerdings keinen Drang, die winterlichen Erscheinungen auch noch im April zu genießen. Was mir dieses Mal vom Winter verspürt haben, genügt vollauf, weshalb unsere Hoffnung sich den sruhlingsschonen Tagen zuwendet, um die mir bis jetzt einigermaßen betrogen wurden. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird sich jedoch erst noch erweisen müssen.
Seit Karl dem Großen wird der April in deutschen Landen auch Ostermonat genannt. Und das österliche Ereignis, das er uns bringt, welches in Wirklichkeit ja nur die festlich frohe Verkündung des Frühlings ist, versöhnt uns auch wieder mit seiner Launenhaftigkeit. Denn mag dieser Monat auch ausgelassen sein und mit ftagel, Blitz und Sonnenschein ein hinterbuntes Spiel treiben — schließlich.gibt er uns doch die Gewißheit, daß alle diese Kapriolen dafür sorgen, daß demnächst der wunderschöne Monat Mai ins Land ziehen kann. Uebrigens liebt die Landbevölkerung im allgemeinen einen stürmischen April: „Wenn der April stößt in sein Horn, so steht es wohl um Heu und Korn." — „April kalt und naß, füllt Scheuer und Faß." — „Trockener April ist nicht des Bauern Will, Aprilregen ist ihm gelegen." Was uns der April aber auch bringen mag: einige schöne Tage sind hoffentlich dabei, damit wir endlich dem Vogelsang glauben können, der uns schon eine ganze Weile von den Wundern des Frühlings erzählt. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Reue merkwürdige Zufälle. !
X>on Wilhelm von Scholz.
Ich weiß nicht, wer einst gesagt hat: daß der Zufall im Grunde seines Herzens ein Kobold sei. Bei meinem Sammeln und Erforschen der Zufalle, ' der merkwürdigen Zufälle im menschlichen Leben, ist mir diese Kennzeichnung lange Zeit em wenig zu spielerisch, zu romantisch und zu „poetisch" vor- qekommen neben meiner ernst-wissenschaftlichen „Anziehungskraft des Bezüglichen", wie ich die im Zufall sich betätigende Kraft benannt habe.
Aber je mehr dank der freundlichen Mithilfe meiner Leser das „Archiv der Zufälle" bei mir wächst um so mehr scheint mir die Sache mit dem Kobold eine recht treffende Umschreibung der Wesensart des Zufalls zu sein. Seme umspringende Laune, sein Nett- und Häßlichseinkonnen, ja einfach feine Freude daran, „etwas anzustellen , durch komische Kuppelungen auf sich aufmerksam zu machen, einen zwecklosen Ulk zu treiben, bloß um des künstlichen Genusses an der Sache willen, zeigt wirklich Züge eines Kobolds; und ich konnte mir denken, daß die Alten einen seltsamen lachenden, aber nicht ganz ungefährlichen Gott, die Mlttel- atterlichen einen Elementargeist aus ihm gemacht hätten. Einen, dem es das höchste Vergnügen ist, die Menschen in Erstaunen zu versetzen und der dann auch hilfreich ist, wenn er seinen Zweck des Staunenmachens durch Helfen befjer erreicht als durch Schaden. Einen richtigen Rübezahl!
Eine ostpreußische Frau und Mutter erzählt mir, daß sie mit etwa zwölf Jahren einmal eins jener lange ungut nachwirkenden Kindheitserlebnisse hatte, an denen törichte Erzieher schuld sind. Da war in der Nacht vor einem sehr ersehnten Schulausflug des Mädchens eine mit Saftwasser gefüllte Flasche geplatzt, deren Scherben man am Morgen fand. An dies Platzen der Flasche ohne äußeren Anstoß wollten die Großettern, bei denen das Kind aufwuchs nicht glauben. Man zwang die Kleine, zu gestehen", sie hätte die Flasche zerbrochen, indem man ihr ohne dies unwahre Geständnis das Mit- fahren zu dem Schulausflug nicht erlauben wollte. An dieser Verlogenheit der ganzen Sache litt das Heranwachsende Mädchen noch lange so daß sich ihr das Erlebnis tief einprägte. Als sie Jahrzehnte nach diesem Vorfall von ihren Kindern einmal gebeten wurde, sie möchte doch etwas aus ihrer Kinderzeit erzählen, wollte ihr nichts als gerade das Erlebnis mit der Flasche einfallen, und sie berichtete es den aufhorchenden Kindern so, wie es damals geschehen war. Sie war kaum mit der
Sonntag, 9. April (1. Dfterfeiertag), Anfang 19, Ende nach 22.30 Uhr, zum letzten Male „Der Rosenkavalier", Oper von Richard Strauß. Musikalische Leitung: Paul Walter, Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete!
Montag, 10. April (2. Djterfeiertag), Anfang 19, Ende gegen 22 Uhr, „Der Vetter aus Dingsda', Operette von Eduard Künneke. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete!
Oberst z. O. Kock feierte Goldenes Militärdienstjubilcium.
Der seit 1926 in Gießen lebende und weit über Hessen-Nassau hinaus bekannte Oberst z. D. Reinhard Kock konnte in diesen Tagen sein 50jähriges Militärdienstjubiläum feiern.
Der geschätzte Offizier der alten Armee, aus Danzig gebürtig, trat am 22. März 1889 nach dem Besuch der Kadettenanstalt als Leutnant in das älteste preußische Regiment, das Grenadier-Regiment 4, „König Friedrich der Große", in Danzig ein. 1899 wurde er von Rastenburg aus, wo er in Garnison stand, entgegen dem üblichen Brauch des Besuches der Kriegsakademie zum Dienst im Generalstab kommandiert. Nach kurzer Verwendung in Magdeburg wurde er nach der inzwischen erfolgten Beförderung zum Hauptmann als Kompaniechef zum Jnf.-Rgt. 75 in Bremen versetzt. Infolge seiner militärifchen Fähigkeiten wurde er 1909 zum Konzessionsschulzen beim 4. Garde-Rgt. kommandiert und 1910 zum Major ernannt. Als Kommandeur des Füselier-Batl. des 4. Garde-Rgts. war er gleichzeitig außeretatsmäßiges Mitglied des Reichskriegsgerichtes. Bei Ausbruch des Weltkrieges rückte er als Kommandeur des 3. Batl. des vom 4. Garde-Rgt. aufgestellten Res.-Jnf.-Rgts. 93 nach dem Osten aus und wurde bereits im November desselben Jahres zum ersten Male verwundet. Nach seiner Genesung übernahm er wieder die Führung des 4. Füselier^ Batls des 4. Garde-Rgts., das in der Champagne kämpfte und bei dem er 1916 zum Oberstleutnant befördert wurde. Hierauf wurde er zum Regiments- kommandeur des Jnf.-Rgts. 55 ernannt und über* nahm nach abermaliger Verwundung die Führung der Regimenter 408 und 403. Anschließend wurde er zum Kriegsministerium nach Warschau kommandiert und am 15. 6. 1918 zum Oberst befodert. Infolge einer durch die Verwundungen hervorgerufe- 1 neu längeren Erkrankung nahm er 1920 seinen Ab- , schied und siedelte von Berlin nach Braunfels über. 1 Der im Krieg und Frieden verdiente Offizier, den 1 viele Kriegsauszeichnungen schmücken, nahm von i hier aus sofort den Kampf gegen das System auf. 1 Er beteiligte sich an den Abwehrkämpfen gegen die ' Separatisten, war im amtlichen Auftrag im Nach- ' richtendienst im besetzten Gebiet tätig und arbeitete • innerhalb der „Schwarzen Reichswehr". 1926 muhte er nach Gießen übersiedeln, da seine Tätigkeit auf 1 die Dauer nicht zu verheimlichen war und die Haussuchungen sich häuften. Neben der Ueberführung der Waffen aus den Händen der Marxisten an die , Reichswehr hatte er die Aufgabe, Zeitfreiwillige der
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könne, als es einen Knall auf dem Kuchenbufett —......~ . . ..
qab und eine einfach mit Wasser gefüllte Selters- eines Kriminalbeamten, in dessen Bries mir die flasche, wie es damals die für den Ausflug her- -- - ---- h,<% ®r,m,nnc
gerichtete gewesen war, zerbrochen am Boden lag — so die Wahrhaftigkeit der Erzählerin und ihrer Geschichte bezeugend. s „
Ein junges Brautpaar ist m Berlin, wo der Bräutigam beruflich tätig ist, die Braut sich nur kurz aufhält, bei Einkäufen für die Aussteuer Sie haben eigentlich erledigt, was bei diesem Gang angesehen öder angeschafft werden sollte, entschließen sich aber, noch in ein zufällig gerade entdecktes Musikgeschäft einzutreten, um sich Flügel vorfuhren zu lassen. Nachdem sie mehrere Instrumente probiert haben, läßt sich die Dame vom Geschäft aus telephonisch mit ihrer Pension verbinden, um mitzuteilen, daß sie nicht zu Tisch kommen wurde. Kaum hat der Geschäftsführer beim Telephonieren das Nennen ihres Namens gehört, als er einen Brief holt und ihr mit der Bemerkung überreicht: dieser Brief sei vor wenigen Minuten für sie abgegeben worden. Die Braut glaubt an eine Namensaleich- heit und Verwechslung, da ja niemand sie hier vermuten könne; sie hätten das Musikgeschäft bis eben gar nicht gekannt und seien nur zufällig em- getreten! Sie muß dann aber erstaunt erkennen, daß der Brief wirklich an sie selbst gerichtet ist: er lädt sie zum Abendessen bei einer befreundeten Familie ein. — Es ließ sich nachher mit den Gastgebern feststellen, wie dies seltsame Spiel der Anziehungskraft des Bezüglichen zustande gekommen war: Die Freunde wußten den Namen der Pension, aber nicht Straße und Hausnummer; sie schlugen deswegen im Fernsprechbuch nach, notierten aber versehentlich Ptraße und Hausnummer des nächsten Fernsprechteilnehmers, eine Zeile tiefer, eben des Musikgeschäftes, wo der Brief pünktlich die Emp-


