immerhin, die Tschechen würden intelligent genug sein, um nach der ihnen erteilten Abfuhr wenigstens in Ruhe zu überlegen, wie man durch entsprechende Taten das verloren gegangene Ansehen wieder reparieren .könnte. Wir haben uns getäuscht. Statt die Polemik abklingen zu lassen, duldet es die Prager Regierung, daß in den tschechischen Blättern neben dummdreisten Entschuldigungen und Ausflüchten neue hetzerische Angriffe gegen das benachbarte Reich gerichtet werden.
Wenn beispielsweise die „Prager Presse", das deutschgeschriebene Organ des tschechischen Außenministers sich zu der Behauptung versteigt, die Deutschen im Reich genössen heute nicht so viel Rechte wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei, so weiß man wirklich nicht, was man mehr bewundern soll, den Mut zur Lüge, oder die Mißachtung des aesunden Menschenverstandes bei jenen, die diesen Unsinn lesen und glauben sollen. Freilich, wir Deutschen im Reich haben nicht das Vorrecht, bei jeder Aeußerung unseres Lebenswillens bedroht, eingekerkert oder erschossen zu werden, wir haben
auch nicht das Vorrecht, von einer Polizei, die in Wirklichkeit nur eine uniformierte Räuberbande ist, geschlagen, schikaniert und drangsaliert zu werden, und wir genießen auch im Gegensatz zu unseren sudetendeutschen Volksgenossen nicht den Vorzug, wegen unserer politischen Ueberzeugung einer unausgesetzten Verfolgung und Mißhandlung ausgesetzt zu sein. Ja, nicht einmal die vielen tausend Tschechen, die auf deutschem Reichsgebiet leben, erfreuen sich dieser Vorrechte. Oder kann die Prager Regierung den Namen auch nur eines einzigen Tschechen nennen, der in Deutschland beleidigt, geschlagen oder irgendwie geschädigt worden sei? Nein, der Terror, die blutige Unterdrückung der primitivsten Menschenrechte, ist nun einmal eine Spezialität des Prager Regimes, die offenbar aus dem verbündeten Sowjetrußland übernommen wurde.
Die „Prager Presse" hat es dem Führer auch übel genommen, daß er die Tschecho-Slowakei als einen Vorposten des Bolschewismus hingestellt habe, aber sie ist natürlich nicht imstande, den Gegenbeweis anzutreten. Der kommunistische Abge
ordnete im Prager Parlament, I. S l a n s k y , hat es ja klar ausgesprochen: „Die Kommunistische Partei der Tschecho-Slowakei stellt vor dem Proletariat die Perspektiven und das Ziel auf, die Tschecho- Slowakei zu einem festen Bollwerk der Sowjetunion, zum Bollwerk und Brennpunkt der proletarischen Revolution in Mitteleuropa zu machen." Wir haben aber nicht gehört, daß diesen famosen tschechischen Kommunisten deshalb von der Prager Regierung ein Verweis erteilt oder der Prozeß gemacht worden wäre. Im Gegenteil, die Prager Regierung hat öffentlich und heimlich immer dafür gesorgt, daß die bolschewistischen Agenten ungestört ihre Hetze aus dem tschechischen Staatsgebiet entfalten konnten. Die Tatsache allein, daß ein Militärbündnis zwischen Prag und Moskau besteht, genügt, um die offenbar halbamtliche Auslassung der „Prager Presse" als ein verlogenes Machwerk zu charakterisieren. H. Evers.
Starkes Echo im Ausland.
Ministerbesprechungen in London.
London, 13.Sept. (Europapreß.) Die Ministerbesprechungen über die Rede des Führers wurden fortgesetzt. Außer dem Ministerpräsidenten nahmen daran teil: Lord Halifax, Sir John Simon und Sir Samuel Hoare und der diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert Vansittart. Vormittags hatte Ministerpräsident Chamberlain Besprechungen mit den Oppositionsführern, Major A t t l e e und Sir Archibald Sinclair.
Die Forderung der Opposition auf Einberufung des Parlaments soll Ministerpräsident Chamberlain in einem an Attlee gerichteten Brief a b g e l e.h n t haben. Der Zusammentritt des Parlaments werde von Chamberlain im gegenwärtigen Augenblick als unzweckmäßig bezeichnet. Zugleich habe der Ministerpräsident jedoch erklärt, falls die Lage nach Ansicht des Kabinetts eine Einberufung des Parlaments vor Beendigung der Parlamentsferien nötig machen sollte, würde er sofort dem Wunsche der Opposition Rechnung tragen.
Die Ministerbesprechungen in der Downing Street sind kurz von 18 Uhr zu Ende gegangen. Voraussichtlich werden einige der beteiligten Minister in den Abendstunden erneut zusammenkommen, um zu den ständig im Außenamt einlaufenden Berichten über die Entwicklung Stellung zu nehmen. Zu den Nachmittagsbesprechungen wurde auch noch Kolonialminister Macdonald zugezogen. Kurz vor 19 Uhr erschien der Luftfahrtminister, Sir Kings
ley Wood, in der Amtswohnung des Ministerpräsidenten. Nach ihm trafen dort der Kriegsminister Hore-Belisha, Marineminister Duff- Cooper, Verteidigungsminister Sir Thomas Jnskip und weitere Kabinettsmitglieder ein. Der Chef des Generalstabes, Lord Gort, des Chef des Admiralstabes und der Chef des Stabes der Luftstreitkräfte waren ebenfalls in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten gerufen worden. Die Besprechungen waren um 19.45 Uhr vorläufig beendet.
Wie am Vortage hatte sich eine große Zuschauer- menge in der Downingstreet angesammelt und konnte nur durch Polizei in Schach gehalten werden. Vorübergehend erwies es sich als nötig, einen Teil der Downingstreet zu räumen.
Der vollständige Text der Führerrede ist in London eingetroffen, jedoch dürfte die Stellungnahme der Regierung hierzu vor der für Mittwochnachmittag anbexaumten Kabinetts- sitzung kaum bekannt werden. In politischen Kreisen rechnet man für Mittwoch oder Donnerstag mit einer neuen Regierungserklärung zur Lage. Inzwischen wird von zuständiger Stelle jede Erklärung abgelehnt und lediglich betont, man sehe keinen Grund, warum die Vermittlung Lord Run- cimans nicht zu einem Erfolg führen sollte. Diese Zuversicht wird allerdings getrübt durch den ersten Bericht des in Eger befindlichen militärischen Beobachters der englischen Regierung in der Tsche- cho-Slowakei, Major S u t t o n - P r a t t. Anscheinend befürchtet man, daß das Vorgehen der Tschechen zu einer Erschwerung der Lage führen
versagen könnte. Selbstbestimmung, das Recht jedes' Volkes, seine eigene Regierungsform zu wählen, fei im Wesen demokratisch. Das Blatt weist dann darauf hin, wie überall bereits durch Volksabstimmungen wichtige Entscheidungen in angrenzenden Gebieten Deutschlands herbeigeführt worden seien. In Versailles habe man gerade bet der Tschecho-Slowakei, als diese künstlich geschaffen worden sei, die Völker nicht gefragt. Man habe sie, ob sie es wollten oder nicht, in den neuen willkürlich zusammengesetzten Staat hineingeworfen mit der zweifelhaften Sicherheit eines Minderheitenvertrages, der, wie die Ereignisse zeigten, nicht loyal ausgelegt worden sei. Jede Forderung auf ein Plebiszit oder jeder andere Plan, der die Minderheiten in den Stand setze, über ihre eigenen Rechte zu bestimmen, sollte auf das Stärkste beachtet werden.
Der „Daily Telegraph" fühlt sich bemüßigt zu sagen, daß kein Wort der Rede als Hilfe für den Frieden angesehen werden könne. Das entscheidende Wort über die Tschechei sei nicht gefallen. Hitler sei weiter gegangen, als die deutsche Presse es getan habe, als sie erklärte, daß die Mehrheit der Sudetendeutschen unterdrückt, mißhandelt und ihrer Rechte beraubt würde. Nachdem das Blatt dann von den drohenden Schatten der deutschen Macht spricht, meint es, von der unmittelbaren Gefahr eines Krieges könne man sich erholen. Es sei ein unerträglicher Gedanke, daß Europa möglicherweise auf Monate hinaus voller Spannung gehalten werden solle. Dqs sei eine Lage, die voll Gefahren jeder Art sei, in der Europa in Waffen stehen werde. Es sei eine einigermaßen klare Verständigung notwendig, wenn die vertagte Katastrophe endgültig vermieden werden sollte. — Der marxistische „Daily Herold" sogt, es werde zur Zeit keinen europäischen Krieg geben. Hitlers Redeweise sei drohend gewesen, seine Worte bitter, er habe aber keine Tür zugeschlagen und behalte sich freie Hand vor. Während die ganze Welt die Erholungspause willkommen heißen werde, die das Fehlen jeder weiteren Forderung zur Folge haben werde, würde es doch närrisch [ein, die künftigen Gefahren zu ignorieren. Man müsse die Frage stellen, was Hitler mit, den Worten „Selbstbestimmung" genau meine. — Dos liberale „News C h r o n i c l e" sogt: Die Lage bleibe die gleiche wie früher, aber ihr Ernst sei unterstrichen worden. Die RedS sei unzweifelhaft drohend und beunruhigend. Wenn man zwischen den Zeilen lese, so scheine Hitler die Absicht zu haben, eine Volksabstimmung in den sudetendeutschen Gebieten zu verlangen. Seine häu- .figen Bezugnahmen auf die Notwendigkeit der Selbstbestimmung für die Sudetendeutschen ließen hierauf schließen. Die Reoe dürfe keinerlei falschen Optimismus bei den demokratischen Mächten hinterlassen.
Regierung hat die Ausfuhr von Rohstoffen für die Herstellunavon Kriegsmaterial wie Wolle, Häute, Seide, Hanf, Jute, Alt- eisen, Stahl usw. untersagt. An der nordfranzösischen Grenze sind zahlreiche Lastkraftwagen, die mit derartigen Stoffen beladen waren, angehalten worden. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, hat Finanzminister Marchandeou erklärt, daß ' hinsichtlich der Abhebung von Guthaben durch die Privatkundschaft die Regierung keinerlei ein- s ch r ä n k ende Maßnahmen getroffen hat. Seit einigen Tagen werden auf den Sparkassen und Banken starke Geldrückziehungen der privaten Kundschaft beobachtet. Der Finanzminister erklärte, daß die Bonk von Frankreich und das Schatzamt über genügend flüssige Mittel verfügen,
um allen Anforderungen gerecht zü werden. Die Pariser Börse war am Dienstag etwas schwächer. Während'die Renten nur leicht obbröckelten, waren bei den französischen und den internationalen Jndu- ftrieroerten zum Teil bedeutende Kursdifferenzen nach unten festzustellen.
Die der M o r g e n p r e s s e bei Redäktionsschluß vorliegenden Meldungen gehen nicht über die Nichterfüllung der Forderung der Sudetendeutschen hinaus. Eine Erklärung, Die Ministerpräsident D a ° lädier beim Verlassen des Kriegsministeriums 'Pressevertretern abgegeben hat, wonach die Dinge sich zu arrangieren schienen, bildeten den Schlußpunkt der in der Presse verbreiteten Nachrichten. Nach der radikalsozialen „R6publique" hat Daladier hinzuge-fügt, daß er an die Tschechen einen Appell zur Mäßigung gerichtet habe, der, wie er hoffe, befolgt werden würde. „Ordre" fordert, so schnell wie möglich eine internationale Polizei in den sudetendeutschen Gebieten an Stelle der tschechischen einzusetzen. Das Matt schreibt, in Berlin herrsche vollkommene Ruhe. In solch einem Augenblick sei die Kalt- blütigkft mehr denn je nötig. Pjan dürfe auch nicht an der Aufrechterhaltung des Friedens zweifeln. „Exelsior" schreibt, eine Aenderung der tschechoslowakischen Verfassung scheine noch immer besser zu sein, als sich zu einem Bruch treiben zu lassen. Ein Volksentscheid müsse, so sagt „Exelsior", von den Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Im sozialistischen „Populaire" wiederholt Leon Blum mit größter Inständigkeit als je zuvor seinen Appell an die Ruhe und Kaltblütigkeit feiner Freunde.
„Epoque" meint, man stehe heute vor einem diplomatischen Verdun und habe die Pflicht, den Heroismus der Verteidiger Verduns wieder zu finden. „Matin" erklärt, daß Tschechen und Sudetendeutsche an einem .Punkte angelangt seien, wo es menschlich fast unmöglich sei, sie Zusammenleben zu lassen. Dos sei dos erstemal in der Geschichte zweier Völker verschiedener Rasse, Sprache und Kultur. Die Geschichte zeige, wie es in Mazedonien und Irland gewesen sei. Sie zeige ebenfalls, wie es heute in Palästina sei. Unter allen Umständen werde Frankreich für eine innere Angelegenheit eines anderen Landes keinen Krieg führen. Juristisch zwinge keine Verpflichtung Frankreich dazu, und das französisch-tschechische Abkommen vom Jahre 1924, das man so häufig zitiere, laute in fernem ersten Artikel: Die französische und die tschecho-slowakische Reaierung verpflichten sich, sich in den Fragen der Außenpolitik zu einigen, die geeignet sein könnten, ihre Sicherheit zu gefährden. Das aber schließe die innenpolitischen Fragen aus. Traditionsmäßig könne Frankreich eines feiner geschichtlichen Prinzipien nicht verleugnen, nämlich das Prinzip des Selbstbesttm- mungsrechtes der Völker. Dieses Prinzip habe Frankreich für das Saarland gelten lassen. Es werde aber nicht einen Tropfen für ein Prinzip des Gegenteils ^ergeben.
Prager Verlogenheit.
Prag, 13. Sept. (DNB.) Die „Prager Presie", das in deutscher Sprache geschriebene Organ des Prager Außenministeriums, erlaubt sich zu der Kundgebung des Führers und Reichskanzlers „Feststellungen", deren Verlogenheit wir in unserem heutigen Leitartikel gebührend gekennzeichnet haben. Das Blatt schreibt: „Ohne auf Ton und Form dieser Rede einzugehen, die jedenfalls nicht den Gepflogenheiten zwischen Staaten, die miteinander noxmale Beziehungen unterhalten, entsprechen, muß festgestellt werden, daß die Rede des deutschen Kanzlers auf falschen Voraussetzungen beruht. Die Regelung der Nationalitätenfrage ist eine innere Angelegenheit der Tschecho-Slowakei. Die Tschecho-Slowakei regelt diese Frage nach ich r e n eigenen Bedürfnissen, ihren eigenen Anschauungen und eigenen Ueberzeugungen so, wie sie sich auf Grund ihrer demokratischen Prinzipien darüber entscheidet." Das Blatt eptblödet sich auch nicht, weiter zu schreiben: „Die Tschecho-Slowakei hat niemals jemanden unterdrückt, und sie unterdrückt niemanden. Mit ruhigem Gewissen kann sie sagen, daß die Deutschen im Reich heute nicht so viele Rechte genießen wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei. Drei Jahre lang bemüht man sich, die Tschecho-Slowakei als ein „bolschewi- siertes Land", als einen „Vorposten des Bolschewismus" hinzustellen. Die Tschecho-Slowakei will Ruhe und Frieden. Sie hat nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, mit ihrer Innen- und Außenpolitik jederzeit den Willen bewiesen, mit allen in Freundschaft zu leben. Sie muß heute feststellen, daß ihr Wille zum freundschaftlichen Zusammenleben seine Antwort findet in den Reden, wie sie Göring, Heß, Goebbels und der Führer und Reichskanzler in Nürnberg gehalten haben. Auf diesem Wege der Drohung, der unwahreß Beschuldigung kann die Unterlage für einen dauernden und ehrenhaften Frieden nicht geschaffen werden."
Das Prager „Tagblatt" behauptet: „Der Kanzler hat ein ganz überholtes Bild der Tschecho-Slowakei im Sinne, das nach den großen Zugeständnissen der Parlamentsmehrheit nicht mehr zutreffend ist." Das volkssozialistische „C e s k e Slovo" stimmt in seinem Kommentar die alte Heuchelei an und behauptet, die Tschechen hätten immer in guter Nachbarschaft mit den Deutschen leben wollen. Deshalb seien die scharfen Worte unnötig gewesen, die der Reichskanzler sicher auch nicht gebraucht hätte, wenn er „von seiner Umgebung richtig informiert" (!) gewesen wäre. Das Blatt versteift sich zu der kühnen Feststellung, es habe in der Tschecho-Slowgkei keine
London, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten sehr ausführlich über die gestrigen UeberfäUe im sudetendeutschen Gebiet. An der Art der Aufmachung der Meldungen sieht man jedoch deutlich, für welche Partei die Zeitungen eingestellt sind. So scheut sich „Daily Expreß" nicht, einen „Sonderkorrespondenten" zu Worte kommen zu lassen, der die Dinge einfach auf den Kopf stellt, indem er von dem „Versuch der Entfesselung einer Henlein-Revo- l u t i o n" faselt, ohne auch nur mit einem Worte die brutalen tschechischen Gewalttaten zu erwähnen. — Die „Time s" schämt sich nicht, die unglaubliche Behauptung aufzustellen, daß ebensoviel Tschechen wie Deutsche getötet worden seien, ja vielleicht mehr Tschechen (!!!). Das Blatt verschweigt weiter, daß Henlein durch die tschechischen Maßnahmen außerstande gesetzt ist, auf die schwer beunruhigte Bevölkerung einzuwirken. Das Blatt hält es einfach für ein Märchen, daß die deutsche Minderheit in Böhmen stündlich ihr Leben und Eigentum zu fürchten habe. Das Blatt muß jedoch zugeben, Adolf Hitlers Forderung auf Selbstbestimmung sei grundsätzlich gerecht und vernünftig. Sie fei d i e einzige Basis, auf Grund deren Europa in diesem Zeitalter des Nationalismus hoffen könne, Frieden und Sicherheit zu haben. Aus diesem Grunde würde es schwächlich und irreführend fein, im voraus irgendeine Lösung abzulehnen, die mit diesem Grundsatz vereinbar sei ober sich aus ihm ergebe. Die Weltmeinung werde, kurz gesagt, den Appell an die Selbstbestimmung weder ablehnen noch ausschließen, und der tschechische Staat fei der letzte, der es sich leisten könne, ihn zu ignorieren. Verhandlungen zwischen den Hauptmächten könnten eine Vertragsrevision erreichen und eine ruhige Entwicklung Europas sichern. Hitlers Erklärung in Nürnberg habe den Verhandlungen in Prag keinerlei Hindernis in den Weg gelegt. Das Blatt verlangt dann eine neue Formulierung der sudetendeutschen Forderung und stellt anschließend die Einwände auf, die seines Erachtens gegen eine Volksabstimmung zu machen seien. Sie habe an der Saar gut funktioniert. Wer solle nun die oberste Kontrolle im sudetendeutschen Gebiet übernehmen; wer könne einen Waffenstillstand nach innen und außen garantieren? Das direkte und unmittelbare Interesse Deutschlands an der Entwicklung Osteuropas sei offensichtlich, fährt die „Times" fort. Die britische Politik bestehe nicht darin, daß sie natürliche Proteste, die sich in diesem Gebiet abspielten, vereiteln wolle.
„Daily Mail" stellt fest, die tschechische Regierung habe die Pflicht, sich aller provokatorischen Erklärungen und Maßnahmen zu enthalten. Hitler habe in feiner Rede keineswegs die Sudetendeutschen zur Gewalt aufgerufen. Eine Forderung auf Volksabstimmung fei derart, daß keine Demokratie sie
Die Auffassung in Paris
Paris, 13. Sept. (Europapreß.) Der französische Außenminister Bonnet hat Dienstag den englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s , sowie den polnischen Botschafter Lukasiewicz empfangen. Auch Ministerpräsident Daladier hatte nachmittags eine lange Besprechung mit Bonnet sowie dem englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s und verschiedenen Parlamentariern, wie Fl and in und Herriot. Senator Caillaux besprach sich mit Außenminister Bonnet. Die Nachrichten über den tschechischen Terror im sudetendeutschen Gebiet und die von den Spätabendblättern gemeldeten Zahlen von Toten und Verwundeten haben in Paris stärkstes Aufsehen erregt. Bonnet empfing in den späten Abendstunden den tschechoslowakischen Gesandten Osuski. Die französische
konnte.
Die Londoner -reffe zu den letzten Ereignissen.
Vergewaltigung der Minderheiten gegeben, ebenso keine Vernichtung ihrer politischen und wirtschaftlichen Existenz. Für die Tschecho-Slowakei bedeuten die Worte des Reichskanzlers, so schließt das Blcttt, keine Aenderung ihrer bisherigen Politik.
Die „Zeit" stellt das Erscheinen ein.
Protest gegen die'verschärfte tschechische Zensur.
Prag, 13. Sept. (DNB.) Das sudetrndeutsche Tagblatt „Die Zeit" hat heute nach dreijährigem Bestehen aus Protest gegen bi€_neuen verschärften Zensurmaßnahmen sein Erscheinen e i n g e st e l l t. Das Blatt ist am Dienstag das letztemal erschienen. Cs veröffentlicht folgende Mitteilung an ihre Leser: „Angesichts der abermals verschärften Zensuranweisung, die eine wahrheitsgemäße Berichter st attung über die Entwicklung der innerpolitischen Lage vollständig unterbindet, wird „Die Zeit" ihr Erscheinen einstellen. Für diese Pause verweisen wir unsere Leser als Nachrichtenquelle auf den Rundfunk." Einen ähnlichen Entschluß veröffentlichen die übrigen in Prag erscheinenden Organe der SDP., die „R u n d s ch a u" und die „Sudetendeutschen Pressebrief e".
Aus reichsdeutsches Gebiet geflüchtet.
In der Gegend von Waldmünchen sind 120 Sudetendeutsche vor dem Terror der tschechischen Staatspolizei auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet. Wie sie mitteilen, sei in Haselbach und Umgebung fein Deutscher mehr seines Lebens sicher. Staatspolrzisten und Finanzwachbeamte lägen überall an den Straßen und auf den Höfen und beschössen ohne Warnung jeden, der sich außerhalb der Ortschaft sehen lasse, so daß auch die Einbringung der Ernte unterbrochen werden mußte. Auch das Melken der Kühe auf den Wiesen sei dadurch unterbunden worden. Finanzwachbeamte seien auch in zahlreiche Häuser eingedrungen, hätten die Bevölkerung terrorisiert und wild in die Wände- und Decken geschossen. Sie hätten dabei erklärt, daß jetzt der Tag der Vernichtung des Deutschtums auf böhmischem Boden gekommen sei. „Jetzt werdet ihr alle a u 5 g e r o t f e 11", „23 o n euch darf nicht einer am Leben bleiben!" hätten die Staatspolizisten erklärt. Die oerqngftigte und verschüchterte Bevölkerung habe sich schließlich nicht mehr zu helfen gewußt, und in Der Dämmerung sei es dann einem Zuge von 120 Personen gelungen, über d i e nahe Grenze auf reichsdeutsches Gebiet zu gelangen. Unterwegs fei der Zug mehrfach beschossen worden.
Schöffe auf Major Sutton proff.
London, 14. Sept. (DNB.) ®ie Reuter aus Prag meldet, ist Major Sutton-Pratt, der als Beobachter der britischen Gesandtschaft in Prag z u g e t e i 11 ist, um ein Haar von einem tschechischen Beamten erschossen worden. Major Pratt weilte am Sonntag i n (Eger. Plötzlich feuerte ein tschechischer Pottzei- beamter ohne jeden Grund einen Schuß auf ihn ab, der jedoch glücklicherweise sein Ziel verfehlte.
Auflösung des polnischen Parlaments.
Warschau, 13. Sept. (DNB.) Der polnische Staatspräsident hat durch Sondererlaß die Auslösung des Sejms und des Senats der beiden Kammern des polnischen Parlaments verfügt. In dem Erlaß heißt es: Seit den letzten Parlamentswahlen (im Herbst 1935) hätten sich im innenpolitischen Leben Polens so wichtige Aenderun- gen vollzogen und habe sich in den breiten Massen der Bevölkerung das Verständnis für die Notwendigkeit aktivster Mitarbeit am Staate so entwickelt, daß eine Neuzusammensetzung der Kam- mern geboten erscheine, damit die im Volk vorhandenen Strömungen vollkommener in ihnen zum Ausdruck gelangen. Von den neuen gesetzgebenden Kammern werde eine Stellungnahme zu der Frage der Wahlordnung erwartet. Zum Sejm werden die Wählen am 6. November und zum Senat am 13. November beginnen. Bekanntlich sind gerade die Auflösung des Parlaments und die Ausschreibung von Neuwahlen nach einer neuen Wahlordnung die beiden Hauptforderungen der in der Opposition stehenden Parteien.
Schwedische Herbstmanöver.
Stockholm, 13. Sept. (DNB.) Die diesjährigen großen schwedischen Herbstmanöver beginnen am Freitag. Sie finden in der südostschwedischen Provinz Smaland an der Grenze von Schonen statt und stehen unter Führung König G u- staf V. mit dem Armeechef Generalleutnant Sylvan als Stellvertreter. Insgesamt werden bei den Manövern mehr als 24 000 Mann, 1000 Kraftwagen und 3000 Pferde teilnehmen. Das Hauptaugenmerk soll auf die Beweglichkeit der Truppen mit den motorisierten Einheiten in Wald- und Paßgelände nach dem neuen Felddienstreglement gelenkt werden. Die deutsche Wehrmacht wird durch General der Infanterie B l a s k o w i tz , Kommandierenden Generals des II. Armeekorps, Major.v o n Wedel vom Oberkommando der Wehrmacht, sowie von dem Militärattache an der deutschen Ge- sandschaft Oberst von Uthmann vertreten fein.
Höchste spanische Auszeichnung für Göring.
Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) General Espb nosa b e l o s M o n t e r o s überreichte Generalfeldmarschall Göring in feinem Nürnberger Quartier im Auftrage des spanischen Staatschefs Generalissimus Franco die höchste spanische Auszeich- nung, die Große Ordenskette des im vierzehnten Jahrhundert begründeten und von Generalissimus Franco neu gestifteten Ordens der Roten Pfeile. In der Delegation befand sich der Generalsekretär der Falange, F a n g u I, und der zweite Kommandant des Alkazar von Toledo, Major Menbegparada.


