Ausgabe 
14.9.1938
 
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immerhin, die Tschechen würden intelligent genug sein, um nach der ihnen erteilten Abfuhr wenigstens in Ruhe zu überlegen, wie man durch entsprechende Taten das verloren gegangene Ansehen wieder re­parieren .könnte. Wir haben uns getäuscht. Statt die Polemik abklingen zu lassen, duldet es die Prager Regierung, daß in den tschechischen Blättern neben dummdreisten Entschuldigungen und Ausflüchten neue hetzerische Angriffe gegen das benachbarte Reich gerichtet werden.

Wenn beispielsweise diePrager Presse", das deutschgeschriebene Organ des tschechischen Außenministers sich zu der Behauptung versteigt, die Deutschen im Reich genössen heute nicht so viel Rechte wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei, so weiß man wirklich nicht, was man mehr bewun­dern soll, den Mut zur Lüge, oder die Mißachtung des aesunden Menschenverstandes bei jenen, die die­sen Unsinn lesen und glauben sollen. Freilich, wir Deutschen im Reich haben nicht das Vorrecht, bei jeder Aeußerung unseres Lebenswillens bedroht, eingekerkert oder erschossen zu werden, wir haben

auch nicht das Vorrecht, von einer Polizei, die in Wirklichkeit nur eine uniformierte Räuberbande ist, geschlagen, schikaniert und drangsaliert zu werden, und wir genießen auch im Gegensatz zu unseren sudetendeutschen Volksgenossen nicht den Vorzug, wegen unserer politischen Ueberzeugung einer un­ausgesetzten Verfolgung und Mißhandlung ausge­setzt zu sein. Ja, nicht einmal die vielen tausend Tschechen, die auf deutschem Reichsgebiet leben, er­freuen sich dieser Vorrechte. Oder kann die Prager Regierung den Namen auch nur eines einzigen Tschechen nennen, der in Deutschland beleidigt, ge­schlagen oder irgendwie geschädigt worden sei? Nein, der Terror, die blutige Unterdrückung der primi­tivsten Menschenrechte, ist nun einmal eine Spezia­lität des Prager Regimes, die offenbar aus dem verbündeten Sowjetrußland übernommen wurde.

DiePrager Presse" hat es dem Führer auch übel genommen, daß er die Tschecho-Slowakei als einen Vorposten des Bolschewismus hin­gestellt habe, aber sie ist natürlich nicht imstande, den Gegenbeweis anzutreten. Der kommunistische Abge­

ordnete im Prager Parlament, I. S l a n s k y , hat es ja klar ausgesprochen:Die Kommunistische Par­tei der Tschecho-Slowakei stellt vor dem Proletariat die Perspektiven und das Ziel auf, die Tschecho- Slowakei zu einem festen Bollwerk der Sowjet­union, zum Bollwerk und Brennpunkt der proletarischen Revolution in Mitteleuropa zu machen." Wir haben aber nicht gehört, daß diesen famosen tschechischen Kom­munisten deshalb von der Prager Regierung ein Verweis erteilt oder der Prozeß gemacht worden wäre. Im Gegenteil, die Prager Regierung hat öffentlich und heimlich immer dafür gesorgt, daß die bolschewistischen Agenten ungestört ihre Hetze aus dem tschechischen Staatsgebiet entfalten konnten. Die Tatsache allein, daß ein Militärbündnis zwi­schen Prag und Moskau besteht, genügt, um die offenbar halbamtliche Auslassung derPrager Presse" als ein verlogenes Machwerk zu charakteri­sieren. H. Evers.

Starkes Echo im Ausland.

Ministerbesprechungen in London.

London, 13.Sept. (Europapreß.) Die Minister­besprechungen über die Rede des Führers wurden fortgesetzt. Außer dem Ministerpräsidenten nahmen daran teil: Lord Halifax, Sir John Simon und Sir Samuel Hoare und der diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert Vansittart. Vormittags hatte Ministerpräsident Chamberlain Besprechungen mit den Oppositionsführern, Major A t t l e e und Sir Archibald Sinclair.

Die Forderung der Opposition auf Einberu­fung des Parlaments soll Ministerpräsident Chamberlain in einem an Attlee gerichteten Brief a b g e l e.h n t haben. Der Zusammentritt des Par­laments werde von Chamberlain im gegenwärtigen Augenblick als unzweckmäßig bezeichnet. Zugleich habe der Ministerpräsident jedoch erklärt, falls die Lage nach Ansicht des Kabinetts eine Einberufung des Parlaments vor Beendigung der Parlaments­ferien nötig machen sollte, würde er sofort dem Wunsche der Opposition Rechnung tragen.

Die Ministerbesprechungen in der Downing Street sind kurz von 18 Uhr zu Ende gegangen. Voraus­sichtlich werden einige der beteiligten Minister in den Abendstunden erneut zusammenkommen, um zu den ständig im Außenamt einlaufenden Berich­ten über die Entwicklung Stellung zu nehmen. Zu den Nachmittagsbesprechungen wurde auch noch Ko­lonialminister Macdonald zugezogen. Kurz vor 19 Uhr erschien der Luftfahrtminister, Sir Kings­

ley Wood, in der Amtswohnung des Minister­präsidenten. Nach ihm trafen dort der Kriegsmini­ster Hore-Belisha, Marineminister Duff- Cooper, Verteidigungsminister Sir Thomas Jnskip und weitere Kabinettsmitglieder ein. Der Chef des Generalstabes, Lord Gort, des Chef des Admiralstabes und der Chef des Stabes der Luft­streitkräfte waren ebenfalls in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten gerufen worden. Die Be­sprechungen waren um 19.45 Uhr vorläufig beendet.

Wie am Vortage hatte sich eine große Zuschauer- menge in der Downingstreet angesammelt und konnte nur durch Polizei in Schach gehalten werden. Vor­übergehend erwies es sich als nötig, einen Teil der Downingstreet zu räumen.

Der vollständige Text der Führerrede ist in Lon­don eingetroffen, jedoch dürfte die Stellung­nahme der Regierung hierzu vor der für Mittwochnachmittag anbexaumten Kabinetts- sitzung kaum bekannt werden. In politischen Kreisen rechnet man für Mittwoch oder Donners­tag mit einer neuen Regierungserklärung zur Lage. Inzwischen wird von zuständiger Stelle jede Er­klärung abgelehnt und lediglich betont, man sehe keinen Grund, warum die Vermittlung Lord Run- cimans nicht zu einem Erfolg führen sollte. Diese Zuversicht wird allerdings getrübt durch den ersten Bericht des in Eger befindlichen militärischen Beobachters der englischen Regierung in der Tsche- cho-Slowakei, Major S u t t o n - P r a t t. Anschei­nend befürchtet man, daß das Vorgehen der Tsche­chen zu einer Erschwerung der Lage führen

versagen könnte. Selbstbestimmung, das Recht jedes' Volkes, seine eigene Regierungsform zu wählen, fei im Wesen demokratisch. Das Blatt weist dann darauf hin, wie überall bereits durch Volksabstimmungen wichtige Entscheidungen in an­grenzenden Gebieten Deutschlands herbeigeführt worden seien. In Versailles habe man gerade bet der Tschecho-Slowakei, als diese künstlich geschaf­fen worden sei, die Völker nicht gefragt. Man habe sie, ob sie es wollten oder nicht, in den neuen willkürlich zusammengesetzten Staat hineinge­worfen mit der zweifelhaften Sicherheit eines Min­derheitenvertrages, der, wie die Ereignisse zeigten, nicht loyal ausgelegt worden sei. Jede For­derung auf ein Plebiszit oder jeder andere Plan, der die Minderheiten in den Stand setze, über ihre eigenen Rechte zu bestimmen, sollte auf das Stärkste beachtet werden.

DerDaily Telegraph" fühlt sich bemüßigt zu sagen, daß kein Wort der Rede als Hilfe für den Frieden angesehen werden könne. Das ent­scheidende Wort über die Tschechei sei nicht gefallen. Hitler sei weiter gegangen, als die deutsche Presse es getan habe, als sie erklärte, daß die Mehrheit der Sudetendeutschen unterdrückt, mißhandelt und ihrer Rechte beraubt würde. Nachdem das Blatt dann von den drohenden Schatten der deutschen Macht spricht, meint es, von der unmittelbaren Ge­fahr eines Krieges könne man sich erholen. Es sei ein unerträglicher Gedanke, daß Europa möglicher­weise auf Monate hinaus voller Spannung gehal­ten werden solle. Dqs sei eine Lage, die voll Gefah­ren jeder Art sei, in der Europa in Waffen stehen werde. Es sei eine einigermaßen klare Verständi­gung notwendig, wenn die vertagte Katastrophe endgültig vermieden werden sollte. Der marxi­stischeDaily Herold" sogt, es werde zur Zeit keinen europäischen Krieg geben. Hitlers Redeweise sei drohend gewesen, seine Worte bitter, er habe aber keine Tür zugeschlagen und behalte sich freie Hand vor. Während die ganze Welt die Erholungs­pause willkommen heißen werde, die das Fehlen jeder weiteren Forderung zur Folge haben werde, würde es doch närrisch [ein, die künftigen Gefahren zu ignorieren. Man müsse die Frage stellen, was Hitler mit, den WortenSelbstbestimmung" genau meine. Dos liberaleNews C h r o n i c l e" sogt: Die Lage bleibe die gleiche wie früher, aber ihr Ernst sei unterstrichen worden. Die RedS sei unzweifelhaft drohend und beunruhigend. Wenn man zwischen den Zeilen lese, so scheine Hitler die Absicht zu haben, eine Volksabstimmung in den sudetendeutschen Gebieten zu verlangen. Seine häu- .figen Bezugnahmen auf die Notwendigkeit der Selbstbestimmung für die Sudetendeutschen ließen hierauf schließen. Die Reoe dürfe keinerlei falschen Optimismus bei den demokratischen Mächten hinter­lassen.

Regierung hat die Ausfuhr von Rohstof­fen für die Herstellunavon Kriegsma­terial wie Wolle, Häute, Seide, Hanf, Jute, Alt- eisen, Stahl usw. untersagt. An der nordfran­zösischen Grenze sind zahlreiche Lastkraftwagen, die mit derartigen Stoffen beladen waren, angehalten worden. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, hat Finanzminister Marchandeou erklärt, daß ' hinsicht­lich der Abhebung von Guthaben durch die Privatkundschaft die Regierung keinerlei ein- s ch r ä n k ende Maßnahmen getroffen hat. Seit einigen Tagen werden auf den Sparkassen und Banken starke Geldrückziehungen der privaten Kundschaft beobachtet. Der Finanzminister erklärte, daß die Bonk von Frankreich und das Schatzamt über genügend flüssige Mittel verfügen,

um allen Anforderungen gerecht werden. Die Pariser Börse war am Dienstag etwas schwächer. Während'die Renten nur leicht obbröckelten, waren bei den französischen und den internationalen Jndu- ftrieroerten zum Teil bedeutende Kursdifferenzen nach unten festzustellen.

Die der M o r g e n p r e s s e bei Redäktionsschluß vorliegenden Meldungen gehen nicht über die Nicht­erfüllung der Forderung der Sudetendeutschen hin­aus. Eine Erklärung, Die Ministerpräsident D a ° lädier beim Verlassen des Kriegsministeriums 'Pressevertretern abgegeben hat, wonach die Dinge sich zu arrangieren schienen, bildeten den Schluß­punkt der in der Presse verbreiteten Nachrichten. Nach der radikalsozialenR6publique" hat Daladier hinzuge-fügt, daß er an die Tschechen einen Appell zur Mäßigung gerichtet habe, der, wie er hoffe, befolgt werden würde.Ordre" fordert, so schnell wie möglich eine internatio­nale Polizei in den sudetendeutschen Gebieten an Stelle der tschechischen einzusetzen. Das Matt schreibt, in Berlin herrsche vollkommene Ruhe. In solch einem Augenblick sei die Kalt- blütigkft mehr denn je nötig. Pjan dürfe auch nicht an der Aufrechterhaltung des Friedens zweifeln. Exelsior" schreibt, eine Aenderung der tschecho­slowakischen Verfassung scheine noch immer besser zu sein, als sich zu einem Bruch treiben zu lassen. Ein Volksentscheid müsse, so sagtExelsior", von den Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Im sozia­listischenPopulaire" wiederholt Leon Blum mit größter Inständigkeit als je zuvor seinen Appell an die Ruhe und Kaltblütigkeit feiner Freunde.

Epoque" meint, man stehe heute vor einem diplomatischen Verdun und habe die Pflicht, den Heroismus der Verteidiger Verduns wieder zu fin­den.Matin" erklärt, daß Tschechen und Sudeten­deutsche an einem .Punkte angelangt seien, wo es menschlich fast unmöglich sei, sie Zusammenleben zu lassen. Dos sei dos erstemal in der Geschichte zweier Völker verschiedener Rasse, Sprache und Kultur. Die Geschichte zeige, wie es in Mazedonien und Ir­land gewesen sei. Sie zeige ebenfalls, wie es heute in Palästina sei. Unter allen Umständen werde Frankreich für eine innere Angelegen­heit eines anderen Landes keinen Krieg führen. Juristisch zwinge keine Verpflich­tung Frankreich dazu, und das französisch-tschechische Abkommen vom Jahre 1924, das man so häufig zitiere, laute in fernem ersten Artikel: Die franzö­sische und die tschecho-slowakische Reaierung ver­pflichten sich, sich in den Fragen der Außenpolitik zu einigen, die geeignet sein könnten, ihre Sicher­heit zu gefährden. Das aber schließe die innenpoli­tischen Fragen aus. Traditionsmäßig könne Frank­reich eines feiner geschichtlichen Prinzipien nicht ver­leugnen, nämlich das Prinzip des Selbstbesttm- mungsrechtes der Völker. Dieses Prinzip habe Frankreich für das Saarland gelten lassen. Es werde aber nicht einen Tropfen für ein Prinzip des Gegenteils ^ergeben.

Prager Verlogenheit.

Prag, 13. Sept. (DNB.) DiePrager Presie", das in deutscher Sprache geschriebene Organ des Prager Außenministeriums, erlaubt sich zu der Kundgebung des Führers und ReichskanzlersFest­stellungen", deren Verlogenheit wir in unserem heu­tigen Leitartikel gebührend gekennzeichnet haben. Das Blatt schreibt:Ohne auf Ton und Form die­ser Rede einzugehen, die jedenfalls nicht den Ge­pflogenheiten zwischen Staaten, die miteinander noxmale Beziehungen unterhalten, entsprechen, muß festgestellt werden, daß die Rede des deutschen Kanz­lers auf falschen Voraussetzungen beruht. Die Regelung der Nationalitätenfrage ist eine in­nere Angelegenheit der Tschecho-Slowakei. Die Tschecho-Slowakei regelt diese Frage nach ich r e n eigenen Bedürfnissen, ihren eigenen An­schauungen und eigenen Ueberzeugungen so, wie sie sich auf Grund ihrer demokratischen Prinzipien darüber entscheidet." Das Blatt eptblödet sich auch nicht, weiter zu schreiben:Die Tschecho-Slowakei hat niemals jemanden unterdrückt, und sie unterdrückt niemanden. Mit ruhigem Gewissen kann sie sagen, daß die Deutschen im Reich heute nicht so viele Rechte genießen wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei. Drei Jahre lang bemüht man sich, die Tschecho-Slowakei als einbolschewi- siertes Land", als einenVorposten des Bolschewis­mus" hinzustellen. Die Tschecho-Slowakei will Ruhe und Frieden. Sie hat nicht nur mit Worten, son­dern auch mit Taten, mit ihrer Innen- und Außen­politik jederzeit den Willen bewiesen, mit allen in Freundschaft zu leben. Sie muß heute feststellen, daß ihr Wille zum freundschaftlichen Zusammen­leben seine Antwort findet in den Reden, wie sie Göring, Heß, Goebbels und der Führer und Reichs­kanzler in Nürnberg gehalten haben. Auf diesem Wege der Drohung, der unwahreß Beschuldigung kann die Unterlage für einen dauernden und ehren­haften Frieden nicht geschaffen werden."

Das PragerTagblatt" behauptet:Der Kanzler hat ein ganz überholtes Bild der Tschecho-Slowakei im Sinne, das nach den großen Zugeständnissen der Parlamentsmehrheit nicht mehr zutreffend ist." Das volkssozialistischeC e s k e Slovo" stimmt in seinem Kommentar die alte Heuchelei an und be­hauptet, die Tschechen hätten immer in guter Nach­barschaft mit den Deutschen leben wollen. Deshalb seien die scharfen Worte unnötig gewesen, die der Reichskanzler sicher auch nicht gebraucht hätte, wenn ervon seiner Umgebung richtig informiert" (!) ge­wesen wäre. Das Blatt versteift sich zu der kühnen Feststellung, es habe in der Tschecho-Slowgkei keine

London, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten sehr ausführlich über die gestrigen UeberfäUe im sudetendeutschen Gebiet. An der Art der Aufmachung der Meldungen sieht man jedoch deutlich, für welche Partei die Zeitungen ein­gestellt sind. So scheut sichDaily Expreß" nicht, einenSonderkorrespondenten" zu Worte kommen zu lassen, der die Dinge einfach auf den Kopf stellt, indem er von demVersuch der Entfesselung einer Henlein-Revo- l u t i o n" faselt, ohne auch nur mit einem Worte die brutalen tschechischen Gewalttaten zu erwähnen. DieTime s" schämt sich nicht, die unglaubliche Behauptung aufzustellen, daß ebensoviel Tschechen wie Deutsche getötet worden seien, ja vielleicht mehr Tschechen (!!!). Das Blatt verschweigt weiter, daß Henlein durch die tschechischen Maßnahmen außer­stande gesetzt ist, auf die schwer beunruhigte Bevöl­kerung einzuwirken. Das Blatt hält es einfach für ein Märchen, daß die deutsche Minderheit in Böh­men stündlich ihr Leben und Eigentum zu fürchten habe. Das Blatt muß jedoch zugeben, Adolf Hitlers Forderung auf Selbstbestimmung sei grundsätz­lich gerecht und vernünftig. Sie fei d i e einzige Basis, auf Grund deren Europa in diesem Zeitalter des Nationalismus hoffen könne, Frieden und Sicherheit zu haben. Aus diesem Grunde würde es schwächlich und irreführend fein, im voraus irgendeine Lösung abzulehnen, die mit diesem Grundsatz vereinbar sei ober sich aus ihm ergebe. Die Weltmeinung werde, kurz gesagt, den Appell an die Selbstbestimmung weder ablehnen noch ausschließen, und der tschechische Staat fei der letzte, der es sich leisten könne, ihn zu ignorieren. Verhandlungen zwischen den Haupt­mächten könnten eine Vertragsrevision er­reichen und eine ruhige Entwicklung Europas sichern. Hitlers Erklärung in Nürnberg habe den Verhandlungen in Prag keinerlei Hindernis in den Weg gelegt. Das Blatt verlangt dann eine neue Formulierung der sudetendeutschen Forderung und stellt anschließend die Einwände auf, die seines Erachtens gegen eine Volksabstim­mung zu machen seien. Sie habe an der Saar gut funktioniert. Wer solle nun die oberste Kontrolle im sudetendeutschen Gebiet übernehmen; wer könne einen Waffenstillstand nach innen und außen garantieren? Das direkte und unmittelbare Interesse Deutschlands an der Entwicklung Osteuro­pas sei offensichtlich, fährt dieTimes" fort. Die britische Politik bestehe nicht darin, daß sie natür­liche Proteste, die sich in diesem Gebiet abspielten, vereiteln wolle.

Daily Mail" stellt fest, die tschechische Regie­rung habe die Pflicht, sich aller provokatorischen Er­klärungen und Maßnahmen zu enthalten. Hitler habe in feiner Rede keineswegs die Sudetendeutschen zur Gewalt aufgerufen. Eine Forderung auf Volks­abstimmung fei derart, daß keine Demokratie sie

Die Auffassung in Paris

Paris, 13. Sept. (Europapreß.) Der franzö­sische Außenminister Bonnet hat Dienstag den englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s , sowie den polnischen Botschafter Lukasiewicz emp­fangen. Auch Ministerpräsident Daladier hatte nachmittags eine lange Besprechung mit Bonnet so­wie dem englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s und verschiedenen Parlamentariern, wie Fl and in und Herriot. Senator Caillaux besprach sich mit Außenminister Bonnet. Die Nachrichten über den tschechischen Terror im sudetendeutschen Gebiet und die von den Spätabendblättern gemeldeten Zahlen von Toten und Verwundeten haben in Pa­ris stärkstes Aufsehen erregt. Bonnet empfing in den späten Abendstunden den tschecho­slowakischen Gesandten Osuski. Die französische

konnte.

Die Londoner -reffe zu den letzten Ereignissen.

Vergewaltigung der Minderheiten gegeben, ebenso keine Vernichtung ihrer politischen und wirtschaft­lichen Existenz. Für die Tschecho-Slowakei bedeuten die Worte des Reichskanzlers, so schließt das Blcttt, keine Aenderung ihrer bisherigen Politik.

DieZeit" stellt das Erscheinen ein.

Protest gegen die'verschärfte tschechische Zensur.

Prag, 13. Sept. (DNB.) Das sudetrndeutsche TagblattDie Zeit" hat heute nach dreijährigem Bestehen aus Protest gegen bi_neuen verschärften Zensurmaßnahmen sein Erscheinen e i n g e st e l l t. Das Blatt ist am Diens­tag das letztemal erschienen. Cs veröffentlicht fol­gende Mitteilung an ihre Leser:Angesichts der abermals verschärften Zensuranweisung, die eine wahrheitsgemäße Berichter st attung über die Entwicklung der innerpolitischen Lage vollständig unterbindet, wirdDie Zeit" ihr Erscheinen einstellen. Für diese Pause verwei­sen wir unsere Leser als Nachrichtenquelle auf den Rundfunk." Einen ähnlichen Entschluß veröffent­lichen die übrigen in Prag erscheinenden Organe der SDP., dieR u n d s ch a u" und dieSude­tendeutschen Pressebrief e".

Aus reichsdeutsches Gebiet geflüchtet.

In der Gegend von Waldmünchen sind 120 Sudetendeutsche vor dem Terror der tschechischen Staatspolizei auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet. Wie sie mitteilen, sei in Haselbach und Umgebung fein Deutscher mehr seines Lebens sicher. Staatspolrzisten und Finanz­wachbeamte lägen überall an den Straßen und auf den Höfen und beschössen ohne Warnung jeden, der sich außerhalb der Ortschaft sehen lasse, so daß auch die Einbringung der Ernte un­terbrochen werden mußte. Auch das Melken der Kühe auf den Wiesen sei dadurch unterbunden worden. Finanzwachbeamte seien auch in zahlreiche Häuser eingedrungen, hätten die Bevölkerung ter­rorisiert und wild in die Wände- und Decken ge­schossen. Sie hätten dabei erklärt, daß jetzt der Tag der Vernichtung des Deutschtums auf böhmischem Boden gekommen sei.Jetzt werdet ihr alle a u 5 g e r o t f e 11",23 o n euch darf nicht einer am Leben bleiben!" hätten die Staatspolizisten erklärt. Die oerqngftigte und ver­schüchterte Bevölkerung habe sich schließlich nicht mehr zu helfen gewußt, und in Der Dämmerung sei es dann einem Zuge von 120 Personen gelungen, über d i e nahe Grenze auf reichsdeutsches Gebiet zu gelangen. Unterwegs fei der Zug mehr­fach beschossen worden.

Schöffe auf Major Sutton proff.

London, 14. Sept. (DNB.) ®ie Reuter aus Prag meldet, ist Major Sutton-Pratt, der als Beobachter der britischen Gesandt­schaft in Prag z u g e t e i 11 ist, um ein Haar von einem tschechischen Beamten erschossen worden. Major Pratt weilte am Sonntag i n (Eger. Plötzlich feuerte ein tschechischer Pottzei- beamter ohne jeden Grund einen Schuß auf ihn ab, der jedoch glücklicherweise sein Ziel ver­fehlte.

Auflösung des polnischen Parlaments.

Warschau, 13. Sept. (DNB.) Der polnische Staatspräsident hat durch Sondererlaß die Aus­lösung des Sejms und des Senats der beiden Kammern des polnischen Parlaments verfügt. In dem Erlaß heißt es: Seit den letzten Parlamentswahlen (im Herbst 1935) hätten sich im innenpolitischen Leben Polens so wichtige Aenderun- gen vollzogen und habe sich in den breiten Massen der Bevölkerung das Verständnis für die Notwen­digkeit aktivster Mitarbeit am Staate so entwickelt, daß eine Neuzusammensetzung der Kam- mern geboten erscheine, damit die im Volk vor­handenen Strömungen vollkommener in ihnen zum Ausdruck gelangen. Von den neuen gesetzgebenden Kammern werde eine Stellungnahme zu der Frage der Wahlordnung erwartet. Zum Sejm wer­den die Wählen am 6. November und zum Senat am 13. November beginnen. Bekanntlich sind gerade die Auflösung des Parlaments und die Ausschrei­bung von Neuwahlen nach einer neuen Wahlord­nung die beiden Hauptforderungen der in der Op­position stehenden Parteien.

Schwedische Herbstmanöver.

Stockholm, 13. Sept. (DNB.) Die diesjähri­gen großen schwedischen Herbstmanöver beginnen am Freitag. Sie finden in der südostschwedischen Provinz Smaland an der Grenze von Schonen statt und stehen unter Führung König G u- staf V. mit dem Armeechef Generalleutnant Syl­van als Stellvertreter. Insgesamt werden bei den Manövern mehr als 24 000 Mann, 1000 Kraft­wagen und 3000 Pferde teilnehmen. Das Haupt­augenmerk soll auf die Beweglichkeit der Truppen mit den motorisierten Einheiten in Wald- und Paß­gelände nach dem neuen Felddienstreglement gelenkt werden. Die deutsche Wehrmacht wird durch General der Infanterie B l a s k o w i tz , Komman­dierenden Generals des II. Armeekorps, Major.v o n Wedel vom Oberkommando der Wehrmacht, so­wie von dem Militärattache an der deutschen Ge- sandschaft Oberst von Uthmann vertreten fein.

Höchste spanische Auszeichnung für Göring.

Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) General Espb nosa b e l o s M o n t e r o s überreichte Generalfeld­marschall Göring in feinem Nürnberger Quar­tier im Auftrage des spanischen Staatschefs Gene­ralissimus Franco die höchste spanische Auszeich- nung, die Große Ordenskette des im vier­zehnten Jahrhundert begründeten und von Gene­ralissimus Franco neu gestifteten Ordens der Roten Pfeile. In der Delegation befand sich der Generalsekretär der Falange, F a n g u I, und der zweite Kommandant des Alkazar von Toledo, Major Menbegparada.