Ausgabe 
14.6.1938
 
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Nr. 136 Erster Matt

188. Jahrgang

Dienstag, l^.Zuni 1038

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Eine ernste Mahnung.

An dem Tage, da Konrad Henlein mit seinen Sudetendeutschen im dritten Schlußakt der Ge- meindewahlen einen Sieg davontrug, wie er bei­spielloser in der Geschichte der Demokratien über­haupt nicht verzeichnet werden kann, hat der Stellvertreter des Führers in Stettin eine Rede zur Lage gehalten, die weithin die stärkste Aufmerksamkeit findet. Rudolf Heß hat an die Adresse der Prager Regierung Worte gerichtet, deren Ernst und Nachdruck selbst von der schwäch­lichen oder böswilligen Regierung in Prag nicht übersehen werden kann, er hat die Nebel zerstreut, die eine verlogene Presse im Ausland durch Abblasen von Giftgasen über die wahre Lage legte, und er hat gebührend hervorgehvben, daß wir die Nächsten sind, die das Schicksal der Sudetendeutschen zutiefst berührt. Wir kennen die Hintermänner der Prager Provokateure; sie meinen mit Lüge und Gewalt den Sieg des Rechtes aufhalten und einen neuen Weltkrieg entfesseln zu können, der ja nur die Söhne aller Nationen in den Materialschlachten und Giftschwaden sterben läßt, während sie in be­quemen Sesseln fern der Kriegshölle darüber nach­denken möchten, welche Phrasen sie den Völkern vorsetzen wollen, um jie in dem selbstmörderischen Kampf verbluten zu lassen, und welche Ausgeburt ein noch teuflischeres Versailles zustande brächte.

Die Frontsoldate n", rief Rudolf Heß aus, wollen den F r ie d e n ". Sie sind aus dem Er­leben des Weltkrieges heraus, aus den Ungewittern der Schlachten, der Vernichtung ihrer besten Kame­raden zu der Erkenntnis gekommen, daß niemals wieder Europa in diesen Krater hineinrutschen darf, den die Unfähigkeit alter Diplomaten geöffnet hatte. Gerade die Staatsmänner, die Europa das Gesicht geben, vor allem der Führer, sind diesen Höllenweg nicht geschritten, um leichtsinnig oder ruchlos Mil­lionen, die im Glauben an die politische Leitung ihrer friedlichen Arbeit und ihrer Familie leben möchten, auf ben ,2IUar des Mars zu opfern. Die Welt weiß heute, daß der Versuch eines Angriffs auf Deutschland kein militärischer Spaziergang mehr ist, daß, wie Rudolf Heß weiter ausführte, das deutsche Volk das Recht auf seiner Seite weiß. Der Führer hat seine ganze Arbeit den Plänen gewidmet, die nur in langer Friedenszeit voll und ganz zur Tat erblühen und Früchte tragen können. Die eisernen Nerven des Führers haben in den letzten Wochen der Welt den Frieden ge­rettet. Diese Tatsache steht heute als geschichtliche Wahrheit fest.

Was ist heute die Tschechoslowakei? Sie ist ein Chaos der anarchischen Gewalten, erbaut auf einer Lüge, die immer deutlicher in Erscheinung tritt, nachdem die Prager Regierung statt der versproche­nen Selbstverwaltung der Nationalitäten die Macht dem tschechischen Pöbel auslieferte und dessen Wüten den Kampf aller Nationalitäten gegen Prag mit Naturnotwendigkeit hervorrief. Man läßt den tsche­chischen Säbel und den Gummiknüppel gegen Su­detendeutsche, Slowaken, Polen und Ungarn schran­kenlos walten, man hat das ganze Land in Kriegs­zustand versetzt, nur, um dadurch die Sudeten­deutschen abschrecken zu wollen. Die Prager Regie­rung provoziert und versucht, durch sanfte Worte die Provokationen vergessen zu machen, sie mobili­siert gegen ein Angstprodukt ihres eigenen Geistes und wundert sich dann, daß über diese Kriegsvor­bereitungen ganz Europa in Unruhe kommt.

Entweder ist die Prager Regierung nicht mehr Herrin der von ihr aufgestachelten und nun schran­kenlos wütenden Instinkte der Tschechen, die nie­mals vorher wußten, was Herrschen ist, dann ist sie fehl am Platze, oder sie ist der geistige Urheber dieser Methoden, die sonst nur im Sowjetparadies üblich sind, und dann ist sie doppelt schuldig. Allen Anfragen nach dem Ziel und Wesen chrer Politik ist sie mit leeren Phrasen ausgewichen, so daß kein europäischer Mensch heute weiß, was die Prager Regierung will. Es ist Zeit, daß ein sehr ernstes Wort die Prager Herren &um Entschluß bringt, denn wer glaubt, auf die deutsche Friedensliebe hin, auf die Dauer sündigen zu können, der kennt das deutsche Volk nicht; er würde eines Tages ein furcht­bares Erwachen erleben, wenn seine Provokation zum Erfolge geführt hätte. So hat Rudolf Heß in Stettin mit nachdrücklichstem Ernst gewarnt. D. S.

Tag der deutschen Arbeit" in Ostoberschlesien verboten.

K a t t o w i tz , 11. Juni. Am 15. Mai d. I. hatte die deutsche Volksgruppe den alljährlichenTag der deutschen Arbeit" begehen wollen. Eine Kund­gebung, die oon der Polizei genehmigt worden war, sollte im Stadion des 1. FC. Kattowitz vor sich gehen, aber der Besitzer des Platzes, die Verwal­tung der Interessengemeinschaft, früher Kattowitzer AG. und Der. Königs- und Laurahütte, untersagten die Abgabe des Stadion zu nichtsportlichen Zwecken. Es gelang, eine große eingezäunte Wiese ausfindig 3U machen, die für die Kundgebung geeignet er­schien. Die Iungdeutsche Partei setzte daraufhin die Feier auf den 12. Juni an. Am Donnerstag hat die ^olizeidirektion Kattowitz die Veranstaltung aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Sicher­heit" verboten. Das Verbot ist auch durch nichts gerechtfertigt; denn die feit 1936 alljährlich durch­geführtenTage der deutschen Arbeit" sind ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Es muß wie­der einmal festgestellt werden, daß sich die ört­lichen Instanzen in Ostoberschlesien nicht nur über die deutsch-polnische Minderheitenerklärung, sondern auch über die polnische Staatsverfassung Hinwegsetzen, die allen polnischen Staatsbürgern die Freiheit der kulturellen Betätigung zusichern.

Auf dem Wege zum Nationaltheaier des deutschen Volkes.

Reichsminister Dr. Goebbels proklamiert auf der Reichstheaterfeflwoche in Wien die Gründung einer Reichstheaterakademie.

Wien, 13. Juni. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels verkündete am Montagnachmitkig in der Wiener Staatsoper im Rahmen der jährlich stattfindenden Kundgebung der Reichs­theaterkammer die Gründung einer Reichstheate'rakademie. Dor der Dptr hatte sich eine dichte Menschenmenge eingefunden. Alles, was Irgendwie zum Theater gehört, war voll­zählig vertreten. Neben Reichsminister Dr. Goeb­bels sieht man in der Ehrenloge Reichskommissar Gauleiter B ü r ck e l, Reichsstatthalter Dr. Seyß - I n q u a r t und zahlreiche Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht. Unter der Leitung von Ge­neralmusikdirektor Böhm- Dresden spielt das Or­chester, der Wiener Philharmoniker das Concerto Großo Nr. 5 d-moll oon Händel. Dann tritt der Präsident der Reichstheaterkammer Körner an das mit prächttgen Blumen geschmückte Rednerpult und erklärt die Kundgebung der Reichstheaterkam­mer, die erste in der befreiten Ostmark, auf dem historischen Boden der Stadt Wien für eröffnet. Dann nimmt der Reichsminister für Volksaufklä­rung und Propaganda Dr. Goebbels das Wort.

Dr. Goebbels spricht.

Es ist das fünfte Mal", so sagte Dr. Goebbels, daß wir uns zu diesem festtichsten und repräsenta­tivsten Theaterereignis im neuen Reich versammeln. Jede der bisher abgehaltenen Reichstheaterfest­wochen hat dem deutschen Theaterleben mächtige und bestimmende Impulse verliehen. Wir sind nicht müde geworden, auf diesen größten Demonstratio­nen unserer Theaterkultur das deutsche Na° tionaltheater als Forderung und Ziel zu fixieren. Wir waren und sind der Ueberzeugung, daß Deutschland das Mutterland des Welttheaters überhaupt ist, und es erschien uns als unsere kul- tt^politische Aufgabe, ihm diese große theater­geschichtliche Mission auch für die Zukunft zu er­hallen. Die stärksten Impulse des Theaters kamen immer aus Deutschland." Dr. Goebbels deutete dar­auf hin, daß die Reichstheaterfestwochen in jedem Jahre eine stolze Rechenschaftslegung gewesen seren. Die Forderung im letzten Jahre sei ihrem Sein und Wesen nach eine soziale gewesen.Wir forderten damals die umfassende Altersversorgung aller Theaterschaffenden. In der Si^erstellung des Alters unserer deutschen Schauspieler sehen wir eine der wesentlichsten Voraussetzungen künstleri­scher Höchstleistung.

Wir haben mit einer fulfureUen Großtat ohne­gleichen der Welt ein Beispiel gegeben und da- mit den Demokratien des Westens, die vor allem kulturpolitisch so gern und so oft über uns zu Gericht sitzen, gezeigt, daß, wenn es nicht auf die Worte, sondern auf die Taten an­kommt, wir Wilden doch dsg besseren Men­schen sind.

Wir haben das Bühnenvermittlungswe- s e n reorganisiert. Wir haben die Bühnenschieds­gerichtsordnung für arbeitsrechtliche Streitigkeiten erlassen. Wir haben den Kulturgroschen ein­geführt zur Sicherung des Altersversorgungswer- kes. Das Aufkommen des Kulturgroschens beträgt vom 1. Januar bis 30. April 1938 schon über eine halbe Million Mark. Wir können mit Fug und Recht mit einem Gesamtaufkommen von jährlich 1,7 bis 1,9 Millionen Reichsmark rechnen. Dieser Kul­turgroschen kommt ausschließlich der Pflichtversi­cherung sämllicher berufstätigen deutschen Bühnen­künstler zugute. Wir haben durch Reform der Reichstheaterkammer eine entscheidende Drosselung der Verwaltungskosten vorgenommen. Es ist uns dabei möglich gewesen, eine Senkung der Beiträge oon 3 v. H. auf 1 v. H. als Höchstbetraa durch­zuführen. Erwerbslose deutsche Bühnenkünstler sind beitragsfrei. Für die SpendeK ü n st l e r d a n k" haben wir im Jahre 1936 zwei Millionen Mark aufgewendet. Im Jahre 1937 habe ich diese Summe noch einmal um 1,5 Millionen Mark erhöhen kön­nen. 400 bis 500 Künstler erhalten laufend Unter­stützung aus dieser Spende. Durch Zusammenarbeit mit dem Winterhilfswerk wurden oon der deutschen Künstlerschaft rund 700 000 Mark aufgebracht. In der nach mir benannten Stiftung für Bühnenschaf­fende ist das Stiftungsvermögen von 200 000 Mark bis heute auf rund eine Million Mark gestiegen. Eine ganze Reihe von schönsten Erholungs­heimen für die deutschen Bühnenschaffenden ha­ben wir eröffnet. Wir verzeichnen in Deutschland 96 Bühnen mit ganzjähriger Spielzeit, 26 Bühnen mit acht- bis elfmonatiger Spielzeit und 43 Büh­nen mit sieben- bis achtmonatiger Spielzeit. Da­neben laufen die großen, in der ganzen Welt be­rühmten repräsentativen Festspiele des deutschen Theaterschaffebs in Heidelberg, in Bayreuth, in Salzburg, in Berlin auf der Dietrich-Eckart-Bühne, die Theatertage der Hitler-Jugend und schließlich die jährlich veranstaltete Reichstheaterfestwoche. In Zittau und Dessau wurden zwei große, reprä­sentative Theater-Neubauten eröffnet. Das Schiller-Tbeater in Berlin ist umgebaut worden. Das vom Führer gestiftete neue Theater in Saar­brücken wird im Herbst eröffnet werden. Die Grenzland-Ga st spiele der Preußischen Staatstheater in Elbing, Beuthen, Kattowitz und Flensburg haben deutsche Theaterkunst bis in den fernsten Winkel unseres Reiches und über -eine Grenzen hinausgetragen. Großartig sind die Er.

folge, die deutsche Opern- und Schauspiel-Gastspiele in fremden Ländern errungen haben.

Die Theater sind wider gefüllt. Die vorhande­nen Räume reichen kaum aus, ein Volk auf­zunehmen, das ehedem dem Theater entfremdet, nun wieder theaterfreudig und theaterbegeistert geworden ist!"

Zu Millionen habe die Nationalsozialistische Ge­meinschaftKraft durch Freude" die deutschen Men­schen in die Theater hineingeführt. Arbeiter und Arbeiterinnen, die vordem niemals ein Theater oon innen gesehen hätten, seien in Massen in die Thea­ter hineingeströmt und hätten die Plätze besetzt, die eine überfütterte, blasierte Intelligenz und der fette, protzige Reichtum verlassen hatten.Man hat mir damals," so sagte Dr. Goebbels,als ich mit meinen neuen Plänen zum ersten Male vor die Oeffentlich- keit trat, die Befüchtung entgegengehalten, es könne das deutsche Theaterniveau durch die Rücksicht­nahme auf die jetzt neu dem Theater erschlossenen Massen mehr und mehr gesenkt mürben unb damit ber Ruf des beutschen Theaters in ber Welt nach unb nach an Klang verlieren. Das Gegenteil ist ber Fall gewesen. Niemals ftanb bie beutsche Theater­kultur- unb -Pflege, auch künstlerisch gesehen, so hoch wie heute."

Gewiß, bas Volk wolle klare und verständliche Kunst. Es liebe mehr die Hausmannskost als die überfeinerten Genüsse eines ästhetischen Intellek­tualismus. Auch die Unterhallung habe hier ihre völkische unb ihre nationale Berechtigung, zumal in

einer Zeit, die politisch unb wirtschaftlich so viele Sorgen mit sich bringt, baß ber arbeitende Mensch einen Anspruch darauf habe, am Abend durch bie Kunst nicht zu biefen Sorgen hingeführt, sonbern von biefen Sorgen abgelenkt zu werben.GerabL bas arme Volk will im Theater sehen, was es zu Haufe nicht zu sehen bekommt: Pracht unb Glanz der Ausstattung, Großzügigkeit unb Monumentali­tät ber technischen und dekorativen Mittel, ein Leben in königlichen Ausmaßen, Probleme, die zwar erschüttern, aber in ber Erschütterung auch roieber erheben. Wenn wir bamit roieber ange­fangen haben unb auf biese Weise bas Volk roieber ins Theater zurückführten, so haben wir uns in Wahrheit um die deutsche Bühne ein bleibendes Verdienst erworben. Ich glaube, damit auch die Gefahr überwunden zu haben, daß das Volk über­haupt aus dem Theater ins Kino abwan­derte und die Theater damit als unzeitgemäß gänzlich verschwänden.

Es ist nicht wahr, baß das Theater keine Zu­kunft mehr habe. Das Theater ist heute jung unb frisch wie am ersten Tage. Keine Zukunft mehr hatte bas Theater bes vergangenen Systems: denn es war nach ber führenden Gelbfchicht bes Systems ausgerichtet.

Ist nicht gerade das Wien-er Theaterlebett aus der jüngsten Vergangenheit ein klassisches Bei­spiel für die Richtigkeit dieser Beweisführung? Wie stand es denn um das Wiener Kunstleben, als Oesterreich dem Reich angegliedert wurde? Wie

Bilbao, 14. Juni. (DNB.) Der national» spanische Heeresbericht meldet die Einnahme der Stadt Castellon und ihres Hafens Grao. Die nationalen Galicien-Divisionen umgingen Ca­stellon, um aus südlicher Richtung den An­griff auf die Stadt zu unternehmen. Im südlichen Stadtviertel verteidigten sich die Bolschewisten hart­näckig in der Kaserne San Franzisco, die nach er­bittertem Kampf unter dem Einsatz von Kampf­wagen gestürmt wurde. Der Feind zog sich darauf

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in bie Stierkampfarena zurück, bie als neues Boll­werk ben Vormarsch ber eingebrungenen nationalen Divisionen aufhalten sollte. Schon währenb bieser Kämpfe würben von ber Zivilbevölkerung in ben anberen Stabtteilen weiße Fahnen gegeigt. Die nörblid) von C a st e l l v n operierende An­griffssäule bes Generals Aranda konnte bei ihrem Vormarsch auf Castellon bis auf vier Kilo­meter heranrücken unb den Badeort Benicaisim unb bie Bergwerke von Minas Piebras besetzen. Um bie Mittagszeit war bie Einkreisung Castellons durch die Truppen des Generals Aranda nahezu vollendet. Der Gegner hatte jede Baumgruppe und jeden Garten durch Maschinengewehrnester zu klei­nen Festungen ausgebaut, in denen er verzweifelten Widerstand leistete. Dank bes Eingreifens ber über­legenen nationalen Jagbflugzeuge, bie bie roten Widerstandsnester mit Maschinengewehren beschossen, konnten die nationalen Truppen rasch an Boden gewinnen. Z

Nach dem Einzug* der nationalen Truppen herrscht in den Straßen von Castellon Freude und Begeisterung über bie Befreiung von ber Bolsche­wistenherrschast. An vielen Häusern wehen Fahnen ober rot-gelb-rote Wimpel, bie von ben unaufhör­lich vorüberziehenden Menschenmassen mit erhobe­nen Armen begrüßt wurden. Ueberall hört man Heil-Rufe auf Franco. Noch am gleichen Abend trafen Lebensmitteltransporte des sozia­len Hilfswerkes der Falange ein, die vorschrifts­mäßig an die notleidende Bevölkerung verteilt wurde. In allen Städten Nattvnalfpaniens wurde die Eroberung Castellons gegen 24 Uhr durch den Rundfunk bekanntgegeben, Auch hier konnte man

überall trotz der vorgerückten Stunde große Men« schenmafsen beobachten, die Umzüge auf den Straßen bildeten und unter Absingen ber Nationalhymne unb Hoch-Rufen auf Franco ihrer Begeisterung Ausbruck gaben.

Große Bedeutung für Franco.

Burgos, 14. Juni. (DNB.) Nachbem es ben nationalen Truppen gelang, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Castellon zu erobern, be­finden sich nunmehr von 50 Provinzen Spaniens 37 im Besitz der national« spanischen Bewegung. Außer der Haupt­stadt Castellon mit etwa 50 OOO Einwohnern, sind bereits zwei Drittel der Provinz in den Händen ber nationalen Truppen. Gleichzeitig wur­den mit ben letzten militärischen Operationen bis Fronten u iw 60 Kilometer verkürzt. Bei bem noch nicht besetzten Teil ber Provinz Castellon hcmbelt es sich vorwiegend um ebenes Gelände, während das Gebirge fast völlig erobert werben konnte. Die Länge ber na« tionalspanischen Mittelmeerküste an biesern Abschnitt beträgt nunmehr über 100 Kilo­meter. Besonbers wertvoll erscheinen für National­spanien bie Mittelmeerhäfen Vinaroz und (t a ft e 11 o n ,als Stützpunkte im Kampf gegen bie bolschewistische Piratenschiffahrt. Auch ber nunmehr im nationalen Besitz befindliche Lufthafen süd­lich von Castellon, ber ben Bolschewisten bisher als Basis für Wasserflugzeuge biente, ist für bas na­tionale Spanien von großer Bedeutung. Die na­tionalen Truppen stehen nach ihren letzten Erfolgen etwa 60 Kilometer vor Valencia und 36 Kilometer von bem wichtigen Jndustrieort Sagunto entfernt, ber zur Zeit noch als bie große Waffenschmiebe ber Bolschewisten gilt.

General Franco hat nach ber Einnahme ber Stabt Castellon erneut eine Aussorberung zur frei­willigen Uebergabe an bie auf Seiten der Roten Eämpfenben Spanier gerichtet. General Franco weist auf diesen neuen praktischen Erfolg seiner Waffen hin und fordert die spanischen und sonstigen Frontkämpfer bes sowjetspanischen Gebietes auf, die Aussichtslosigkeit ihres Widerstandes einzusehen. Es heißt in der Aufforderung weiter, daß die nationalfpanischen Behörden für bie roten Frontkämpfer Straffreihe it gewähren wür­den, ba sie einzig unb allein ben Aufbau eines neuen Spaniens als ihr großes Ziel verfolgen.

Bestürzung in Valencia.

Saragossa, 14. Juni. (Europapreß.) Die Nachricht von bem Fall Castellons be la Plana hat im ganzen sowjetspanischen Restgebiet und vor allem in Valencia größte Bestürzung hervor- gerufen. Nach Meldungen französischer Blätter soll noch am Montagabend mit der Räumung Valen­cias durch die Zivilbevölkerung begonnen worden sein. Dabei soll es in den Straßen von Valencia zu schweren Ausschreitungen gekommen sein. Polizei soll im Verein mit sowjetspanischen Milizen dabei von ber Waffe Gebrauch gemacht, zahlreiche Personen verletzt unb einige sogar ge­tötet haben. Da sich bie Unruhe in Valencia nicht gelegt hat, burchfahren Panzerwagen die Stabt. Auch soll bereits mit ber Ueberfieblung ber Ver­waltungstellen von Valencia nach Murcia begonnen worben fein.