Nr. WO Drittes Blatt
Geheuer Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, st. M^-938
Aus der Stadt Gießen.!
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Käse rollt durch die Stadt
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des
nne des Wortes junge Menschen
arbeit der Gliederungen der Nord.
Candida wird vor die Wahl gestellt, sich für einen der beiden Männer zu entscheiden, für den älteren, den starken, guten, gerechten ... oder für den jungen, hilflosen, weltfremden und romantischen. Und während man schon fürchtet, sie werde sich für den jungen, hilflosen entscheiden, wird man auf eine berückende Weise eines Besseren belehrt: sie bleibt bei dem älteren, bei Jakob, bei ihrem Mann, weil der nämlich zwar gut und gerecht, aber gar nicht stark, sondern noch viel hilfloser und hilfsbedürftiger ist als der Junge. Jakob wäre ohne Candida verloren, das weiß Candida, denn sie kennt ihn und liebt ihn, und deshalb bleibt sie, und ihre Begründung — wenn hier etwas mit Gründen zu tun oder zu lassen war — ist ebenso weiblich wie menschlich; sie ist unanfechtbar.
Herr Kühne hatte das Stück so inszeniert, wie es gespielt werden muß und eigentlich auch allein gespielt werden kann, zeitlos und ohne Seitenblicke auf die Jbsensche Problemattk, der es im Grunde fremd ist, so locker und schwerelos auch zunächst, wie es Shaws Dialogführung entspricht; der reine Gewinn des Abends waren die echten und ungetrübten Komödienszenen — Candida und Jakob; Candida und Eugen; Candida zuletzt zwischen, mit und über beiden. — Herr Löffler hatte für die Londoner Pfarre zu St. Dominik einen Raum geschaffen, der dem englischen Schauplatz wie der Morellschen Häuslichkeit angemessen schien.
** Oeffentliche Er st-Impfung in der Stadt Gießen. Auf die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters über die Erstimpfung der Kleinkinder aus dem Geburtsjahr (Kalenderjahr) 1937 und aus früheren Jahren, soweit Impfung noch nicht erfolgt ist, werden die Eltern und Pflegebefohlenen besonders hingewiesen.
wir beim Kern des Stückes angelangt, wo die Komödie zu spielen beginnt zwischen diesen dreien, und dann wird es, wie in jeder echten Komödie, wirklich ernst, dann handelt es sich nicht mehr um Figuren oder Personen, sondern um Menschen und menschliche Dinge und um eine Entscheidung, die ans Leben geht.
Im Laufe der nächsten Wochen wird am Nordende des Bahnhofs Gießen von der Unterführung an der Gabelsbergerstraße bis in die Höhe des Güterbahnhofsgebäudes gegenüber der Einmündung der Wieseck in die Lahn ein Erweiterungsbau in Angriff genommen, der die Schaffung einer neuen Zugangsstraße zum Güterbahnhof zum Ziele hat. Mit diesem Umbau wird eine Ber- legung des Wieseckbettes zwischen dem letzigen Bahnkörper und der Mündung in die Lahn verbunden sein.
Die neue Zufahrtstraße zum Güterbahnhof wird an d e r Stelle, an der jetzt von der Hammstraße her der Zugangsweg zum Elektrizitätswerk abzweigt, ihren Anfang nehmen und mit etwas südwestlicher Richtung nach dem Lahnbett zu bis auf einen Punkt führen, der etwa in der Höhe des Güterbahnhofsgebäudes annähernd 100 Meter westlich in der Nähe des Ufergeländes der Lahn liegt.
Das Gelände zwischen der neuen Zufahrtstraße zum Güterbahnhof und dem jetzigen Bahnkörper wird von der Kreuzung Gabelsbergerstraße/Hamm- straße, allmählich ansteigend bis zum Güterbahnhofsgebäude, derart aufgefüllt werden, daß es an seiner westlichen Seite (also an den Gebäuden vor dem Elektrizitätswerk vorbeiführend) die neue Zufahrtstraße hat, während das zwischen dieser und dem
Städten zu sehen sein. Sie sind neben den Schaufensterdekorationen der Einzelhandelsgeschäfte ein wirkungsvoller Teil der Käsewerbewoche, die gegenwärtig von den zuständigen Fachschaften und Einzelhandelsgeschäften durchgeführt wird. Es bleibt zu hoffen, daß diese Werbemaßnahmen auch zu einer Steigerung des Käseverbrauchs führen. — (Bild: NSG.)
jetzigen Bahnkörper neugewonnene Gelände für die Erweiterung der Betriebsanlagen am Nordende des Bahnhofs verwandt werden kann.
Diese Veränderung der Geländeoerhältmsse bedingt die Verlegung des Laufes der Wieseck von der jetzigen Unterführung am Bahnkörper gegenüber vom E-Werk bis zur Mündung. Während die Wieseck jetzt direkt neben der Güterbahnhofstraße nach Südwesten zu abzweigt, also das Gelände durchschneidet, das in Zukunft Bahnzwecken dienen muß, wird sie im Rahmen dieses Erweiterungsbaues ihr neues Bett zunächst noch ein kurzes Stück weiter westwärts bis in die unmittelbare Nachbarschaft des Elektrizitätswerks ziehend erhalten und dann neben der neuen Zufahrtstraße her in leicht südwestlicher Richtung nach dem Bett der Lahn führen.
Die Neugestaltung der Zufahrtstraße macht den Bau einer» neuen Brücke über die Wieseck, entsprechend der Verlegung des Flußbettes, erforderlich.
Weiter können bei dieser Umgestaltung die jetzigen Schrebergärten zwischen der Güterbahnhofstraße und dem Elektrizitätswerk nicht mehr beibehalten werden. Wie wir vor einiger Zeit schon meldeten, waren damals wegen dieses Geländes Ankaufsverhandlungen im Gange, die mittlerweile zum Abschluß gekommen sind. Mit der Beseitigung dieser Gärten ist für die nächste Zeit zu rechnen.
Tagung am Mittwoch, 18. Mai, nach Gießen eingeladen. Auf dieser Tagung sprechen Kreisobmann Pg. Katzemeier und Kreisberufswalter Pg. Beckmann über 1. „Der Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront" und 2. „Betriebsgebundene Be- rufserzieh'ung".«
NG.-Irauenschast (Dießen-Nord.
Am Freitagabend hatte die Frauenschaft Gießen- Nord einen größeren Kreis von Gästen ins Cafe Leib eingeladen, um einen Ueberblick über die Winterarbeit der Frauen zu geben. Ortsgruppenleiter Thomas mit den Politischen Leitern und ihren Frauen waren anwesend
Die Ortsfrauenschaftsleiterin Frau Stand fuß eröffnete den Abend mit einleitenden Worten über die frühere Frauenarbeit, sprach dann von der Gründung der Frauenschaft, ihren Aufgaben und Zielen, der Erziehung zur Volksgemeinschaft unter Zusammenschluß aller Frauen in notionalsozial'sti.
und Abzeichen für die Sammlung in Empfang nehmen. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls bei der NSV. Die Meldungen der Gruppenführerinnen auf den ihnen zugegangenen Formularen hat sofort nach der Sammlung bei dem Untergau zu erfolgen.
Betr.: Sportabend der Mädelgruppe 2/116 Giehen-Nord.
Morgen, Donnerstag, 12. Mai, um 20.15 Uhr, treten alle Mädel der Mädelgruppe 2/116 Gießen- Nord an der Schillerschule mit Sportzeug zum Sportabend an. Alle Beurlaubungen für den Sportabend sind an diesem Tage aufgehoben. Entschuldigungen werden nur vorher bei der Gruppensport- wartin angenommen.
die gute Zusammen- Ortsgruppe Gießen- F. K.
auf das Besondere. Die Spatzen sind für München nichts Besonderes, weit eher die Tauben, zumal die auf dem Odeonsplatz. Aber selbst die Tauben auf dem Odeonsplatz stellen das nicht dar, was die Besonderheit Münchens ausmacht.
Daher muß man, was München betrifft, von den Vögeln überhaupt absehen. Man muß an die Kunst denken. Kunst nach München tragen, das ist etwas Ueberflüssiges, obgleich ein kleines Bedenken dabei ist. Denn es kann nicht genug Kunst in München geben, und einer, der Kunst nach München bringt, bringt vielleicht eine so große Art dorthin, daß die schon bestehende unendlich bereichert wird. Also zu Ehren der Kunst: Kunst nach München bringen, ist weder überflüssig noch unsinnig.
Aber Bier nach München bringen, das wäre in der Tat höchst überflüssig. Bier nach München tragen heißt Eulen nach Athen tragen. Und wenn auch noch Edleres das Besondere dieser Stadt ausmacht, so wäre doch nichts so überflüssig wie Bier nach München bringen.
Außerdem aber kann man, wenn man der athenischen Eule überdrüssig ist, Kölnisch Wasser nach Köln, Wasser in den Rhein, Holz in den Wald, Sand in die Wüste oder Tulpen nach Holland tragen. Es ist ganz gleich, was man irgendwohin bringt, wenn man nur bedenkt, daß es erstens schon im Ueberfluß da sein und zweitens etwas Besonderes sein muß, das an den betreffenden Ort auch bekanntermaßen gebunden ist.
ununterbrochen bei der früheren Zigarrenfabrik Karl Emmelius tätig unb ist schon seit Jahrzehnten Mitglied des Führerrates des Kaufmännischen Vereins, dessen Geschäfte er als Rechner auch heute noch führt. Herr M o o tz erfreut sich noch der besten Gesundheit.
** 86 Jahre alt. Am morgigen Donnerstag, 12. Mai, begeht Frau Helene Pietsch, geb. Werner, Senckenbergstraße 25 wohnhaft, in guter Gesundheit ihren 86. Geburtstag. Die Jubilarin, dis täglich noch mit großem Interesse die Zeitung liest, ist im vorigen Herbst von Hungen nach Gießen zu ihrem Sohne verzogen.
** Maienblasen. Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr findet das Maienblasen vom Turm dec Stadtkirche mit folgenden Darbietungen statt. 1. Choral: „Wie groß ist des Allmächt'gen Güte"^ I. A. Freylinghausen, Halle 1704; 2. „Die Nacht", Franz Abt; 3. Volksweise: „Wenn's Mailüfterl weht von Kreipl.
Betr.: HI.-Theaterring.
Die letzte Vorstellung im Rahmen des HJ.° Theaterringes findet am Montag, 16. Mai, 20 Uhr, statt. Zur Aufführung gelangt „Scharnhorst". Die Karten sind bis spätestens Freitag gruppenweise auf der Verwaltungsstelle des Untergaues abzu- hol'en.
Tagung der Betriebsberufswalter in Gießen.
Die Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung in der DAF. hat die Betriebsberufswalter der Kreise Wetterau und Alsfeld/Lauterhach zu einer
Die sehr freundliche Aufnahme erwies die unverbrauchte Anziehungskraft des „Mysteriums" aus der Jbsenzeit. Hans Thyriot.
Spähen nach München.
Don Oskar Zancke.
In Athen gab es einst so viele Eulen, daß der etwas Ueberflüssiges tat, der nych welche dazu in die Stadt brachte. Daher kommt die schon im Altertum bekannte Redensart „Eulen nach Athen tragen", die Ueberflüssiges oder Unsinniges tun bedeutet. Mit einer Abwandlung von Redensarten muß man aber sehr vorsichtig sein, wie sich aus folgendem ergibt.
Es hieße Spatzen nach München tragen, so meinte kürzlich jemand, der es für überflüssig hielt, die Freuden des Münchner Faschings in allzu üppiger Weise auszumalen. Und er bedachte sehr richtig, daß es wohl möglich sei, Isar-Athen mit Athen zu vertauschen, und daß es Eulen in der berühmten Stadt München nicht gäbe. Aber er bedachte nicht richtig, daß man die Eule nicht so leicht mit einem beliebigen anderen Vogel vertauschen könne. Gewiß gab es viele Eulen in Athen, während es in München allenfalls Käuze gibt. Um diese Tatsache zu umgehen, kam er auf die Spatzen. Und damit trug er selber Eulen nach Athen, d. h. er tat etwas sehr Unsinniges.
Denn er vergaß den Sinn der Redensart, bei dem es wirklich nicht auf den Vogel ankommt, den man irgendwohin mitbringt. Schätzungsweise gibt es Spatzen genug in München, aber Spatzen find auch in London, Berlin, Paris, in allen Hauptstädten, Städten und Dörfern unseres Festlandes. Nicht darauf kommt es an, nicht auf den Vogel, den man hat und mitbringt, sondern auf den besonderen Vogel, der etwa zu einer Stadt gehört, ja nicht einmal auf den besonderen Vogel, sondern
AS.-Gemeinschafl „Kraft durch Freude". Theatervorstellung.
Samstag, den 14.2Uai 1938, 20 Uhr:
Große KdF.-Miete, Gruppe I (16. Vorstellung)
„S ch a r n h o r st"
Schauspiel von Gerhard Menzel.
Karten zu 90 Pf. und 1,— R7N. sind in der Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, erhältlich. 3235V
BOM- u. ZM.-Untergau 116, Gießen.
Betr.: Jugendherdergsfammlung am 14. il 15. 2Uai.
Die Gruppen- und Standortführerinnen setzen sich sofort mit ihren zuständigen NsV.-Amtsleitern in Verbindung, von denen sie die Sammelbüchsen
Ortsgruppenleiter Thomas sprach den Frauen seinen Dank aus für den schönen Abend und gab seiner Freude Ausdruck über ''
> in Frank- ngerfest foJJ rt unter M' volkstümlich«
Geiste. Sie erklärte dann die fünf Abteilungen des Deutschen Frauenwerks, in denen jede • Frau ein ihr zusagendes Arbeitsfeld finden kann
_ , gestern der Prokurist
Georg-M o o tz, Bahnhofstraße 41. Herr Mootz war von Jugend auf bis zum Eintritt in den Ruhestand
Elfe Monnard als Candida: die schöne strahlende Mitte des Spiels; sie gab, mit einer klaren, warnzen und festen Stimme, diese Gestalt, eine der reichsten und liebenswürdigsten, die Shaw geschaffen hat, genau so, wie man sie sich vorstellt und zu sehen wünscht: klug und empfindlich im Gefühl, ausgeglichen und ruhend in der Ueberlegen- heit, Reife und leisen Mütterlichkeit ihres fraulichen Wesens.
Herr Geißler als Morell entwickelte die Erscheinung dieses Mannes mit behutsamen Heben qängen aus einer zunächst unangreifbar scheinenden Position auf den kritischen Augenblick hm, der
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Zeitschriften.
— „Das innere Reich" (Herausgeber? Paul Alverdes; Verlag Albert Langen / Georg Müller, München) hat sein Mai-Heft als Sonderheft zur Heimkehr Oesterreichs ins Reich ausgestaltet und hat darin eine Fülle vortrefflicher Beiträge aus und über Oesterreich vereinigt, die insgesamt ein lebendiges Bild vom geistigen'und menschlichen Wesen unserer Ostmark vermitteln. Vom reichen Inhalt seien genannt neben Weinhebers einleitender „Hymne auf die Heimkehr" Bruno Brehms „Brief aus Wien", Franz Tumlers „Fahrt an die Grenze", Perkonigs „Letzte Tage" und Max Mells „Begebenheit aus den österreichischen Unruhen", Beiträge, die gleichsam als dichterische Augenzeugenberichte gelten können; Robert Hohlbaum liefert eine eindringende Studie über Conrad von Hötzendorf, Brehm schreibt über deutsch-österreichisches Soldatentum. Ernst von Dombrowski ist mit einer Reihe markanter Holzschnitte vertreten, die dem Heft einen charaktervollen Bildschmuck geben.
Neue Zugangsstraße zum Güterbahnhof
Verlegung der Wieseck-Mündung.
NSG. Ganz wörtlich darf man das zwar nicht nehmen. Denn es sind zwei große unb schön geschmückte Lastkraftwagen, auf deren Rädern die Werbung der Fachschaft Milch- und Sahneoerteiler für den Verbrauch von deutschem Käse geschmackvoll aufgebaut ist. Immerhin gab es aber beträchtliches Aufsehen, wo auch die „Käsewagen" erschienen. In großen Spruchbändern „Quark macht stark!", „Eßt mehr Käse!" usw. wenden sie sich an alle Verbraucherkreise. Auf dem einen Wagen sieht man u. a. einen riesigen Bottich mit Siebkäse, ein mächtiges
Rad Schweizerkäse, eine Milchkuh auf grüner Alm usw., während der andere in wirkungsvollem Aufbau die verschiedensten Käsesorten in ihren schönen und zweckmäßigen Verpackungen zeigt. Werbeschilder und Plakate an den Wagen tun ein übriges, um diesen Appell für die Steigerung des Käseöer- brauchs eindringlich zu gestalten.
Nachdem beide Wagen bis Dienstag durch Frankfurt a. M. liefen, werden sie nun auch in anderen
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ihn innerlich demaskiert und Candidas Entscheidung rechtfertigt. — Wolfgang Büttner von den Städtischen Bühnen in Frankfurt spielte a. G. den Marchbanks mit spürbarem Vergnügen an den Möglichkeiten der Rolle, mit aller knabenhaften Unfertigfeit, aller unklaren Romantik und dem heftigen Temperament der achtzehn Jahre. — Herr Volck gab, wie zuletzt vor Jecfjs Jahren, mit behäbigem Humor den Biedermann Burgeß; Frau Güngerich war die leicht schockierte, sanft komische Proserpina, Herr Paschen der unbeschwert-irdische Unterpfarrer Mill. —
Die Jugendgruppe war zahlreich vertreten und legte Zeugnis ab von dem jugendlichen Leben in der Frauenschaft. Die Leiterin Fräulein Münnich sprach über die Aufgaben und Pflichten der Gruppe, aber auch von ihrem frohen kameradschaftlichen Zusammenhalten. Vorträge von Liedern, Gymnastik- Übungen und Volkstanz sanden lebhaften Beifall.
Am Schluß des Abends zeigte die Arbeitsgemeinschaft Grenzland-Ausland Lichtbilder aus Oesterreich. Dabei sprach Fräulein Feder über die aeographische und geschichtliche Vergangenheit des Landes. Fräulein Fuhrckrug ein Gedicht von Anacker vor: Ein Volk, ein Reich, ein Führer.
Auf festlich geschmückten Tischen hatten die Leiterinnen der Arbeitsgruppen eine Ausstellung von Arbeiten aller Art zusammengestellt, die von den Gästen mit Interesse besichtigt wurde.
Gießener Gtadiiheaier.
Bernard Shaw: „Candida."
Wenn man die Petroleumlampe auf dem Kamin erblickt, die ja an sich überflüssig ist und außerdem im Widerspruch zu dem Kostüm steht, in welchem die drei Akte gespielt werden, könnte man glauben, sie sei symbolisch gemeint, und erinnert sich daran, daß diese Komödie von 1894 zu den frühen Stücken von Shaw gehört und bis in die Jbsenzeit zurückreicht. Man erinnert sich auch vielleicht, daß „Candida" damals, vor allem in England, so beziehungsvoll verstanden worden ist, daß man in ihr geradezu ein Gegen-Spiel zu „Nora" erblicken wollte.
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Und wenn man die Gespräche hört, mit denen das eigentliche Thema vorbereitet wird, wie da die soziale Frage und die Frauen-Frage auftauchen, die Ibsen so sehr beschäftigt haben, bann wird man solche Vergleiche verstehen, bie 1 überdies burch bie ähnliche Situation (ber Gleichgewichtsstörung in einer Ehe) nahegelegt werben. Aber Unterschiebe unb Abstänbe liegen ebenso offen zu Tage wie bie Aehnlichkeiten: Shaw wäre nicht, was er ist, wenn er nur ein Gegen-Stück geschrieben hätte.
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Man braucht auch Shaw nicht ernster zu nehmen, als er sich unb sein Publikum zeitlebens selber genommen hat: man sollte sich also roeber über ben offiziellen Untertitel — Mysterium in brei Akten — ben Kopf zerbrechen noch sich über eine spätere Aeußerung bes Dichters ärgern,, ber bieses Stuck als einen „weinerlichen Unsinn"' bezeichnete; son- bern man sollte sich an bie Menschen darin, an seine äußeren Tatbestände unb seine innere Entwicklungslinie halten unb bie echte Komöbie erkennen, die barüi steckt... ober sich versteckt, benn so leicht wirb es einem bei Shaw auch roieber nicht gemacht. Er hatte schon bamals seine Freube am Spott, an kleinen Bosheiten unb am Wiberspruch, unb er hat es von jeher geliebt, seine Zuhörer zu täuschen unb sich über sie luftig zu machen.
Aber wenn wir alles beiseite lassen, was nur Beiwerk unb Schnörkel ist, bie Diskurse unb Disputationen, bie Nebenfiguren ber ältlichen Sekretärin Proserpina, bes „schurkischen" unb geschäftstüchtigen Schwiegervaters unb bes weltlich - unbebeutenben Unterpfarrers Alexander Mill —: bann bleiben drei Menschen übrig, ber Pfarrer Jakob Morell unb ber junge Dichter Eugen Marchbanks und zwilchen beiden Jakobs Frau Candida; und bann sind
Hessen.
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Maienfreude.
3eber Mai, jeber Mai: Die Kerzen ber Kastanien. Gelang ber Männerchöre im Abenb. Mädchen an ben Fenstern. Ein Gespräch vor dem Tor Der Abendstern, glitzernd, groß. Uyd das Rauschen der Baume, wenn ein Windstoß kommt.
Die Beete voller Tulpen, unb* alle Hortensien blühen jetzt. Die Kapellen beginnen im Freien zu spielen, bie weitgewölbte Muschel trägt bie Töne ZU uns. Milchglaslampen sanft in ber Nacht. Da hat man boch schon einmal gesessen? Gestern? Ja, gestern, vor vierzehn Jahren unb boch gestern, weil die -Bäume biefelben sinb, weil bie Walzer biefelben I sind, wenn auch ber erste Geiger vielleicht nicht mehr lebt, unb der bitte, gemütliche Paukenmann auch nicht mehr, weil aber ber Wind der gleiche Wind ist, und alles zusammen, bas Wesen ber Hellen Nacht, basfelbe ist.
Heber Mai. „Wir sehen uns boch roieber?" Der Stolz ber neuen Kleiber. Die Sonntagskarte zum ersten Ausflug. Das Glücklichsein: wie warm schon die Erbe ist unb wie belaubt bis in bie Gipfel hinauf bie Buchen.
Unb blaue Lanbstraßen, schnurrende Motorräder, etwas Wehendes, etwas Weißes, ein Glück im Vor- beifliegen. Das leise Traurigsein über schwarze Burgruinen: in gotischen, zerbröckelten Fenstern steht em Himmel aus Azur. Vor ben alten Steinen fdjroanft bas junge Grün. Violett, schwer hängen Fliederbolben über bie Mauern. Es ist roieber so in jebem Mai.
Ein junger Mann steht bei einem jungen Mäb- chen. Er rebet und sie schweigt. Sre haben Streit miteinander, man'sieht es im Dorübergehen, aber sie lieben sich auch, obwohl sie es in diesem Augenblick nicht wissen wollen, nur wir Vorüberwandern- ben wissen es. Auch bas kehrt wieder. Jeden Mai.
Die weißen Fahnen ber Lokomotiven zerflattern Zwischen grauen Buchenstämmen. Gesang ist im Walb. In jebem Mai. r. k.
Bornotizen.
Tageskalenber für Mittwoch.
Stabttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Versprich mir nichts". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Kleiner Mann ganz groß." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Signal in ber Nacht" — Wettbewerb HJ.-Heim, Gießen: 16 bis 18 Uhr Ausstellung in der Dolkshalle (Empore). — Oberhessischer Kimst- verein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Maienblasen ab 19 Uhr von dem Turm der Johanneskirche.
Stabttheater Gießen.
Heute abenb erste Wieberholung ber Komöbie von Charlotte Rißmann „Versprich mir nichts" Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, Bühnen- bilber Karl Löffler. Die Vorstellung finbet gleich- e als 31. Vorstellung ber Mittwoch-Miete statt.
ng 19.30, Enbe 22 Uhr.


