Ausgabe 
7.12.1938
 
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nes Essen zu Ehren der deutschen Gäste statt. Daran nahmen u. a. die deutsche Abordnung mit ihren Da­men, neun Mitglieder des französischen Kabinetts sowie eine Reihe weiterer Persönlichkeiten teil. Die Trinksprüche, die von den beiden Ministern auf die Staatsoberhäupter der beiden Länder ausgebracht wurden, waren nicht von Ansprachen begleitet.

Das Programm für heute.

Paris, 7. Dez. (Europapreß.) Der Arbeitstag des Reichsaußenministers am Mittwoch ist reichlich ausgefüllt. Er wird in den Morgenstunden einen Kranz auf dem Grabe des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen niederlegen. Anschließend wird Herr von Ribbentrop dem Goethe-Haus und dem Haus der Deut- schen Gemeinschaft in Paris einen Besuch abstatten. Rach einem vom Comite France» A l l e m a g n e gegebenen Essen wird der Reichs­außenminister den Louvre besuchen. Am Abend findet dann in der deutschen Botschaft ein Empfang statt. Frau v. Ribbentrop wird am Mittwochnach- mittag einem der größten Kinderheim- am Boulevard Brun einen Besuch abstatten.

Die antifaschistischen Kundgebungen in Tunis.

R o m , 6. Dez. (Europapreß.) Die römischen Blät­ter bringen auch am Dienstag mtebn. lange Schilde­rungen der antifaschistischen Kundgebungen in Tunis. Darin kommt besonders die Entrüstung darüber zum Ausdruck, daß von französischer Seite, d. h. von kom­munistischer und marxistischer, im Einverständnis mit den Behörden nicht nur die Eingeborenen, sondern auch die Juden, die sich von vornherein ihrer Straflosigkeit bewußt seien, zu Ausschreitungen gegen die Italiener sowie zu Zerstörungen und Plünde­rungen italienischer Geschäfte und Gebäude auf- gehetzt worden seien. In den Berichten wird je­doch ausdrücklich hervorgehoben, daß sich die mo­hammedanische Bevölkerung von Tunis an den Kundgebungen gegen die Italiener nicht b e t e N i g t e. DasGiornale d'Italia" meldet, an der tunesischen Grenze gegen Libyen würden wieder, wie schon während der September­krise, in aller Eile Schützengräben ausge­hoben, Befestigungen angelegt und die Anlagen für den Küsten- und Luftschutz in Kriegsbereitschaft versetzt. In R o m haben am Dienstagvormittag Kundgebungen im Zusammenhang mit den Vorgängen in Tunis und Korsika stattgefunden. Der Versuch einer Gruppe von Studenten, vor die französische Botschaft zu ziehen, wurde durch die Polizei unterbunden.

Der Variser Gkobttn-prozeß.

Die Plewitzkaja hat gelogen.

. P aris 6- Dez. (Europapreß.) Der zweite Tag des Skoblin-Prozesfes brachte die ersten Zeuqen- vevhore. Die Angeklagte Plewitzkaja, die Frau des Generals Skoblin, folgte mit großer Gleich­gültigkeit der Verhandlung, obwohl diese schon bald einen sensationellen Charakter annahm. Der erste Zeuge, Roche, einer der leitenden Beamten der Pariser Kriminalpolizei, erklärte, daß die An- geklagte während der Untersuchung ge­logen habe. Sie habe bestauntet, daß ihr Mann an dem Tage der Entführung des Generals Miller sie von 11.50 bis 14 Uhr in feinem Wagen er- wartet habe, als sie selbst in einem Modesalon wellte. Diese Aussage sei falsch gewesen um ihrem Mann ein Alibi zu verschaffen. In Wirklich­keit habe General Skoblin während dieser Zeit mit

General Miller ein geheimes Stell, d i ch e i n gehabt. Der Präsident des Gerichtshofes richtete hierauf noch einmal einen Appell an die Plewitzkaja, den Angehörigen zu sagen, was aus General Miller geworden sei. Die Angeklagte erwiderte:Ich weiß nichts, ab­solut nichts. Ich kann der Frau des Generals Miller frei ins Gesicht sehen, besser als sie mir, nach allem, was ich erlitten habe."

Dann wurde die Angelegenheit des Last­wagens behandelt, der an dem Tag der Ent­führung des Generals Miller einen langen Gegen­stand auf den sowjetrussischen Frachtdampfer Marina Uljanowa" unter geheimnisvollen Um­ständen verladen hatte und der später in der Villa Boulevard Montmorenoy Rr. 43 voraefunden wurde, die von der sowjetru Ni schen Botschaft gemietet worden war. Bon dem Gericht wurden die Schwierigkeiten behandelt, die sich der Durchsuchung dieser Villa durch die Pariser Kriminalpolizei entgegengestellt hatten, da diese als exterritorialer Besitz galt. Kriminalinspettor Pignet bemerkte, daß die Spur nach Sow­jetruhland die einzig mögliche sei.

Krisenstimmung in Belgien.

Vertrauensvotum für Spaak. Trotzdem Rücktritt der Regierung möglich.

Brüssel, 6. Dez. (DRB.) Die belgische Kam­mer sprach am Dienstagabend nach einer sehr er­regten Debatte mit 111 gegen 49 Stimmen bei 21 Stimmenthaltungen der Regierung Spaak das Vertrauen aus. Da die meisten So­zialdemokraten gegen Spaak stimmten, ist es jedoch durchaus möglich, daß das Knbmett trotz des Vertrauensvotums der Kam­mer z u r ü ck t r i t t. Spaak hatte vorher erklärt, daß er sich der Entscheidung seiner Partei fügen und von der Regierung zurücktreten werde, wenn die Sozialdemokraten die Aufnahme von Beziehun» gen mit der spanischen Nationalregierung weiter­hin ablehnen würden. Für die Regierung stimmten die Katholiken, die meisten Liberalen und die ge­samte rexistische Partei (die sonst in der Opposition steht). Einige wenige Sozialdemokraten timmten für die Regierung, andere enthielten sich der Stimme. Der katholische Fraktionsführer Carton de W i a r t richtete scharfe Angriffe gegen den roten Barcelona-Ausschuß, der sich in die belgische Politik eingemischt habe, indem er durch Abberufung seines Vertreters in Brüste! einen Druck auf dis Sozialistische Partei und auf die Regierung auszuüben versuchte. Der rexistische Vertreter Daye begründete das Vertrauensvotum seiner Partei damit, daß die Rexisten die natio­nalen Interessen vor die Parteistrei­ti g k e i t e n stellten. Möglicherweise wird König Leopold das Parlament auflösen und die Regierung Spaak bis zu den Neuwahlen mit der Geschäftsführung beauftragen. Man spricht auch von der Bildung eines sog.G e s ch ä f t s k a b i - netts" aus Nichtparlamentariern.

Anschlag auf chinesischen Politiker in Hankau.

Schanghai, 6. Dez. (Europreß. Funkspruch.) Auf den Leiter des kürzlich in Hankau unter japa­nischer Zustimmung gebildeten Frledenserhaltungs- ausjchusses, T s ch i k u o s ch e n , wurde ein Dolch­anschlag verübt. Dabei wurden Tschikuoschen und seine Frau verwundet. Der Täter, dessen Person bis­her nicht festgestellt werden konnte, benutzte die durch den Kohlenmangel hervoraerusene Unterbrechung des elektrischen Stroms, um sich in der Dunkelheit Zu­gang zu dem Hause Tschikuoschens zu verschaffen.

mentalen Kamin aufgestellt ist, den die Uhr über­ragt, die dem Saal den Namen gibt. Hier ist schon so mancher diplomatischer Akt, besonders in der Nachkriegszeit, vollzogen worden. Hinter dem Schreibtisch standen zwei hohe Lehnsessel, auf denen der Reichsaußenminister und der französische Außen­minister Platz nahmen, umgeben von Botschafter Graf Welczeck, dem Generalsekretär 86ger und Botschafter Coulondre. Die deutsch-französische Er­klärung ist handschriftlich kalligraphiert auf creme­farbenem Pergamentpapier. Sie umfaßt nur eine Seite. Der Wortlaut ist umrahmt von einer ein­fachen in roter Farbe gehaltenen Leiste. Die Unter­zeichnung wurde mit dem auf dem Schreibtisch lie­genden goldenen Federhalter vollzogen. Das Schrift­stück ist in deutscher und französischer Sprache aus­gefertigt. Dementsprechend haben die beiden Mini­ster ihren Namen zweimal unterzeichnet. Auf dem französischen Woi-tlaut unterzeichnete zuerst Außen­minister Bonnet, auf dem deutschen Wortlaut zuerst Reichsaußenminister von Ribbentrop.

Die beiden Außenminister zogen sich dann zu einer zweieinhalbstündigen Besprechung in Beglei­tung des deutschen Botschafters in Paris, Graf Welczeck, und des Generalsekretärs des Quai d'Or­say, Leger, in das Arbeitszimmer Bon­nets zurück, nachdem zunächst eine Fühlungnahme in größerem Kreis in dem Rotundensaal, der an den Uhrensaal angrenzt, stattgefunden hatte. Die Bedeutung dieses Meinungsaustausches, der die Form eines allgemeinen Rundblicks hatte, bei dem naturgemäß die Einzelfragen nicht erschöpfend be­handelt werden konnten, ist auch in der gemein­samen Mitteilung und den Rundfunk-Ansprachen

der beiden Außenminister entsprechend zum Aus­druck gekommen.

Die amtliche Verlautbarung.

Das Communiqu6, das von Außenminister B o fi­ne t nach Schluß der Besprechungen verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Der Besuch des Reichsministers des Auswär­tigen in Paris am 6. Dezember hat Gelegen­heit zu einem ausführlichen franzö­sisch-deutschen Meinungsaustausch ge­boten. In den Unterredungen, die zwischen Herrn von Ribbentrop und Herrn Georges Bonnet statt­gefunden haben, sind die wichtigsten euro­päischen Probleme und insbesondere die Fragen, die die politischen und wirtschaf t- lichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland unmittelbar angehen, geprüft worden. Von beiden Seiten ist anerkannt worden, daß eine auf der formellen Anerkennung ihrer Grenzen beruhende Entwicklung der Beziehun­gen zwischen den beiden Ländern nicht nur den ge­meinsamen Interessen dienen, sondern einen we­sentlichen Beitrag zur Aufrechterhal­tung des Friedens darstellen würde. In die­sem Geiste haben die Außenminister der beiden Länder eine Erklärung unterzeichnet, die vorbehalt­lich der besonderen Beziehungen der beiden Regie­rungen zu dritten Mächten ihren Willen zum Aus­druck bringt, in gegenseitiger Ächtung friedlich zusammenzuarbeiten und die so einen wichtigen Schritt auf dem Wege der all­gemeinen Befriedung darstellt."

Eine neue Aera guter Nachbarschaft.

Eine Erklärung Ribbentrops zu dem Meinungsaustausch.

Reichsaußenminister von Ribbentrop gab darauf folgende Erklärung ah:

Mit der heutigen Erklärung sind Frankreich und Deutschland auf der festen Grundlage ihrer Freund­schaft mit anderen Staaten übereingekom­men, den jahrhundertelangen Grenz­streit zu beenden und mit einer gegenseitigen Anerkennung ihrer Grenzen auch einer beider­seitigen Anerkennung und Achtung ihrer nationalen L e h e n s i n t e r e s s e n den Weg zu ebnen. Als gleichberechtigte Partner erklären sich zwei aroße Nattonen bereit, nach schweren Auseinandersetzungen in der Vergangen­heit eine gute Nachbarschaft für die Zu­kunft zu begründen. Sie geben mit dieser Erklä­rung ihres Willens der Ueberzeugung Ausdruck, daß es zwischen ihnen in der Tat keine lebens­wichtigen Gegensätze gibt, die einen em« ft en Konflikt rechtfertigen können. Die wirtschaftlichen Interessen beider Länder ergänzen sich. Das deutsche Geistesleben ver­dankt Frankreich wertvolle Anregungen, wie um­gekehrt auch Deutschland das französische Geistes­leben befruchtet hat. Die Achtung, die das deutsche und das französische Volk als tapfere Gegner während des Weltkrieges für einander gewonnen haben, soll im Frieden ihre natürliche Ergänzung und Vertiefung finden durch die hervorragende Leistungsfähigkeit, die beide Völker in der Arbeit auszeichnet.

Ich bin daher überzeugt, daß die heutige deutsch- französische Erklärunb die geschichtlichen Vorurteile beseitigen Hilst, und daß die Entspannung unseres nachbarlichen Verhältnisses, die in ihr zum Ausdruck kommt, nicht nur die einmütige Zustimmung der Führenden, sondern auch der Völker unserer Heiden Staaten findet. Die Gefühle, welche das deutsche Volk gegenüber einer Neuausrichtung der zwischen­staatlichen Beziehungen hegt, kamen in dem alän- zenden Empfang zum Durchbruch, der dem fran­zösischen Ministerpräsidenten Edouard Daladier in München bereitet wurde. Die Sympattsie- kundgebungen, deren Zeuge i ch in den wenigen Stunden meines Pariser Aufenthaltes sein durfte, zeigen, in welch starkem Maße diese Ge'ühle auch von der Bevölkerung Frankreichs ge­teilt werden. So halte ich die Hoffnung für berech­tigt, daß die Erklärung eine neue Aera zwi­schen unseren beiden Völkern einleiten werde."

Gin Werk der Versöhnung und Zusammenarbeit.

Die Erklärung des französischen Außenministers.

Die Erklärung des französischen Außenministers Bonnet vor der Presse hat folgenden Wortlaut:

,Hch möchte zunächst den Herrn Reichsaußen­minister v. Ribbentrop begrüßen, den zu empfan­gen wir besonders glücklich sind, und dessen An­wesenheit die Wichtigkeit der Urkunde unterstreicht, die wir soeben unterzeichnet hoben. Die Bemühungen der französischen Regie­rung haben ebenso wie die aller ihrer Vorgänge­rinnen immer mit derselben Aufrichtigkeit die Auf­rechterhaltung und Organisation des Friedens angestrebt. Die Herstellung gutnach­barlicher Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland bildet ebenso wie der Ausdruck ihres gemeinsamen Willens, friedliche Beziehungen zu entwickeln, ein wesentliches Element dieses Vor­habens. Aus diesem Grunde freue ich mich beson­ders über die Unterzeichnung dieser französisch-deut­schen Erklärung^ welche die bestehenden Grenzen in feierlicher Form anerkennt und damit einen langen historischen Streit beendet, sowie den Weg zu einer Zusammenarbeit ebnet, die durch die Ueberzeugung erleichtert wird, daß zwi­schen den beiden Ländern kein Streitpunkt besteht, der geeignet märe, die friedliche Grundlage ihrer Beziehungen in Frage zu stellen. Diese Ueber­zeugung wird verstärkt durch die gegenseitige Wertschätzung des Geistesaustousches, der zwischen den beiden Nationen von jeher bestanden hat, sowie durch die gegenseitige Achtung, die sich zwei Völker schulden, die während des Weltkrieges ihren Hel­denmut gemessen haben und heute entschlossen sind, in einer Atmosphäre des Verständ- nisses und des Friedens zu arbeiten. Im übrigen zweiste ich nicht daran, daß diese gemein­same Erklärung einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Befriedung liefert, dessen voller Wert sich in der Zukunft erweisen wird; sie bildet einen wichtigen Abschnitt bei die­sem Werk der Versöhnung und der Zusammen­arbeit, für das Frankreich den heißen Wunsch hegt, daß alle Völker sich ihm beigesellen möchten."

Notlandung -esEondor" vor Manila.

Gesamte Besatzung wohlbehalten geborgen.

Berlin, 6. Dez. (DNB.) DasC o n d o r"- Flugzeug D-ACON, das am Montagabend von To­kio zum Flug nach den Philippinen gestartet war, mußte heute morgen kurz vor Erreichung seines Zie­les in der Bucht von Manila infolge eines Scha­dens an der Betriebsstoffzuführung auf dem Wasser niedergehen. Nach einem Funkspruch des an dem Flug teilnehmenden Vorstandsmitglie­des Junge der Focke-Wulf-Werke gelang es der Geschicklichkeit der Besatzung, die Maschine glatt auf das Wasser aufmsetzen. Sämtliche Insassen des Flug­zeuges sind wohlauf.

WieCondor" aus Manila (Philippinen) meldet, ist die gesamte B e s a tz u n g desCondor" von Fischern gerettet worden. Das Flugzeug ging etwa 200 Meter entfernt von der Küste bei Rosario

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Point auf das Wasser nieder und ist dabei g e - sanken. Die Flügel des Flugzeuges waren teil­weise noch vom Lande aus sichtbar. Fischer haben die Besatzung retten können, die auf dem oberen Teil des Flugzeuges saßen. Später sackte die Ma­schine ab. Direktor Junge hat dem deutschen Kon­sulat in Manila mitgeteilt, daß alle Mitglieder der Condor"-Besatzung bei dem Unfall unver­sehrt geblieben sind. Die Mannschaft werde die kommende Nacht im deutschen Konsulat verbringen. Der Zustand der Maschine erlaube ihre Zerlegung

und Verschiffung nach Deutschland. Das Flugzeug werde bei Ebbe geborgen.

Tokio, 7. Dez. (DNB. Funtspruch. Ostasien. dienst.) Aus den letzten Meldungen aus Manila läßt sich ein geschlossenes BW über den Unfall desCondor" gewinnen. Nachdem Flugkapitän Henke kurz vor dem Ziel einen Benzinrohr­bruch feftgestellt hatte, entschloß er ftch kurzer­hand zu einer Landung im seichten Küstenwasser. Mit eingezpgenem Fahrgestell setzte die Maschine ruhig an einer stachen Stelle auf das Wasser auf, so daß die Maschine bald auf Grund kam. Die Be- satzung konnte wohlbehalten an Land gebracht wer­den. Einzelheiten über die Ursache des Rohrbruches werden sich erst nach gründlicher Untersuchung fest- stellen lassen.

Der Rückflug desCondor" von Tokio nach Ber­lin hat bei Manila eine unvorstergesehne Unter­brechung erfahren, die zum vorläufigen Ver­lust des Flugzeugs führte. Wir sagen vorläufig, da mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, die Maschine wieder zu Hebern die von den Piloten so kunstgerecht auf die Wasserfläche aufgesetzt wurde, daß sie ohne jede äußere Beschädigung ein­fach wegsackte. Daß der so glänzend begonnene Flug mit diesem Unfall zunächst sein Ende fand, berührt uns besonders schmerzlich, da derCondor" schon auf seinem Rekordstug von Berlin nach Neu» york und zurück eine schlagende Probe seiner Lei­stungsfähigkeit und Tüchtigkeit lieferte. Die Ma­schine ist also in jeder Beziehung einwandfrei. Mit Störungen während des Fluges, auch mit Brüchen der Treibstoffzuleitungsrohre muß natür­lich bei jeder Maschine gerechnet werden. Diese Stö­rungen lassen sich nicht voraussehen, wie ja auch bei anderen Verkehrsmitteln überraschende Zwi­schenfälle niemals ganz ausbleiben. Es entspricht aber weder dem Wesen der deutschen Fliegerei noch dem Charakter der Männer, die immer wieder den Steuerknüppel in die Hand nehmen, Maschinen ein­fliegen und erproben, sie im Dauerdienst führen oder mit ihnen, wie das jetzt der Fall war, neue Strecken im Dienste der internationalen Verkehrs­fliegerei erkunden, wenn wir ups durch diesen Un­fall verleiten lassen würden, auch nur einen Augen­blick die Zukunftsaufgaben der deutschen Fliegerei außer Acht zu lassen. Leden heißt Kämpfen. Flie­gen heißt den Einsatz wagen auch auf die Gefahr hin, daß das Gesetz der Duplizität zu seinem Recht kommt und mehrere Unfälle zeitlich rasch aufein­ander folgen. Deutsche Konstrukteure haben sich durch Schicksalsschläge noch nie abhalten lassen, von dem als richtig erkannten Weg abzuweichen, und deutsche Flieger ebensowenig. Für beide gibt es nach jedem Betriebsunfall nichts anderes als die Parole: Nun erst recht!

-It!

as sagt man im Ausland?

Der Widerhall in Rom.

Rom, 6. Dez. (Europapreß.) Die Unterzeichnung der deutsch-französischen Erklärung wird von der italienischen Presse mit Interesse verzeichnet. Die faschistische Regierung sei über die vorausgegange- nen Verhandlungen von Berlin aus ständia in freundschaftlichster Weise auf dem laufenden gehalten worden. Daher seien die Auslassungen gewisser französischer Zeitungen, die von einer mit der Achse BerlinRom nicht ganz in Einklang zu bringenden Neuausrichtung der deutschen Außen- polittk phantasierten, Fehlspekulationen.Giornale d'Italia" bezeichnet die deutsch-französische Erklä­rung als eine Fortsetzung der langsamen Klärung der internationalen Beziehungen, die in München begonnen habe und als eine neue Bekundung der Friedenspolitik in Europa. Das Blatt gibt her 'Hoff­nung Ausdruck, daß im Interesse des europäischen Wiederaufbaues und der Gerechtigkeit Frankreich und England in offener Zusammenarbeit und mit Opfergeist die begründeten Rechte und berechtigten Interessen Deutschlands und Italiens anerkennen möchten.

Das Scho in London.

London, 6. Dez. (Europapreß.) In amtlichen Kreisen Londons enthält man sich vorerst noch einer eingehenden Stellungnahme zu der Unter­zeichnung des deutsch-französischen Abkommens. Es wird betont, das Abkommen sei einausgezeichneter Beitrag" zu der auch von England angestrebten und weiterzuführenden europäischen Befriedung. Es sei zu erwarten, daß der Besuch Chamberlains in Rom von der neu geschaffenen Lage im deutsch- französischen Verhältnis Nutzen ziehen möge. Daß der Besuch des Reichsaußenministers in Paris schon wenige Tage nach dem Scheitern des französischen Generalstreiks stattfinden konnte, wird als Anzeichen für eine fortschreitende Festigung der innenpolitischen Lage in Frankreich angesehen.

Die Presse beschränkt sich am Dienstagnachmittag zum großen Teil auf eine fast sensationell wir­kende Berichterstattung aus Paris.Evening Stan­dard" schreibt:Der heutige Besuch des Herrn von Ribbentrop in Paris ist ein Ereignis von euro­päischer Bedeutung. Er zerreißt die Gerüchte über

neue Unruhe und bildet eine feste Grundlage, auf der ein wirklicher Friede aufgebaut werden kann." Das Blatt verweist weiter darauf, daß die tschecho­slowakische Frage ohne Krieg habe gelöst werden können, daß die englisch-italienische Rivalität im Mittelmeer durch das englisch-italienische Abkommen geklärt worden sei, und daß Spanien für die Groß­mächte nicht mehr eine dauernde Gefahrenquelle darstelle. England habe jetzt eine Möglichkeit, sich der Unzahl von Problemen zuzuwenden, die sich in seinem eigenen Lande und in sei­nem Empire ergeben. Die neue Lage in Europa sollte es England ermöglichen, seine Energien in hoffnungsvollere Kanäle zu leiten.

Die beiden führenden konservativen Blätter, Times" undDaily Telegraph", begrü­ßen das Abkommen als eine Fortsetzung der in München begonnenen Freundschaftsverhandlungen. DieTimes" legt Nachdruck auf die Feststellung, daß die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England durch Verträge mit dritten Mächten keine Einbuße erleide.Daily Mail" sagt: Pakte zwi­schen Nationen seien wie Bremsen an einem Wagen. Abkommen wie die von München und Paris sorgten dafür, daß die englischen, deutschen und französischen Wagen nicht steuerlos dahin­brausten. Bonnet habe mit seiner Unterschrift der Kleinen Entente und all den kleinen Nationen den Abschied gegeben, mit denen die französische Politik ihren deutschen Nachbar umgeben wollte. Das alles sei nun vorbei, und dementsprechend auch der in Deutschland dieserhalb empfundene Unwille. Eng­land und Frankreich aber könnten sich nur freuen, daß dieses Kapitel der gewundenen Nachkriegspoli­tik ein Ende gefunden habe. Die Verpflichtungen Frankreichs in Osteuropa hätten für Enaland im­mer eine Gefahr dargestellt, daß England in einen Streit hineingezogen werde, mit dem es nichts 3U tun habe. Der französisch-deutsche Pakt verein­fache die Diplomatie Europas. Chamber­lain und das englische Volk begrüßten daher diesen Pakt voll und ganz.

Ein Sefieffen

zu Ehren der deutschen Gäste.

Paris, 6. Dez. (Europapreß.) Im französischen Außenministerium am Quai d'Orsay fand am Diens­tagabend ein von Außenminister Bonnet gegebe-