Ausgabe 
20.1.1937
 
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selbständig bleiben, dürfte vielleicht auf der Welt­reichskonferenz im Mai d. I. erörtert werden.

Deutsche Minderheiten-Politik.

Es ist noch gar nicht so lange her und kommt auch jetzt noch zuweilen vor, daß eine gewisse polnische Presse über die Behandlung der in Deutsch­land, vor allem in Oberschlesien lebenden Polen Behauptungen aufstellte, die mit der Wahr­heit nichts zu tun hatten. Stets wurde darauf hin­gewiesen, daß der kulturellen Arbeit von feiten der deutschen Behörden große Hindernisse in den Weg gelegt werden, und besonders oft kehrte die Be­hauptung wieder, daß die Schulverhältnisse völlig unzureichend seien. Wir wissen, daß diese Darstellungen nicht im geringsten der Wahrheit entsprechen, denn mit peinlicher und genauester Ge­wissenhaftigkeit ist Deutschland bemüht, in der Frage der Minderheitenpolitik nicht vom geraden Wege obzuweichen.

Daß Deutschland es hierbei wirklich an nichts fehlen läßt, dafür haben wir soeben ein aufschluß­reiches Zeugnis und eine anerkennende Bestätigung, wie man sie sich nachhaltiger kaum denken kann, von polnischer Seite selbst bekommen. In einer ganzen Reihe polnischer Zeitungen hat der Sekretär des Oberschlesischen Polen-Bundes in Deutschland, Stefan M u r e k, Artikel veröffentlicht, in denen klipp und klar auseinandergesetzt wird, daß die Polen sich wirklich über nichts zu beklagen brauchen und daß alle Behauptungen von kultu­reller Unterdrückung usw. in das Reich der Fabel verwiesen werden müssen. Das Polentum hat, so legt der Verfasser dar, auf kulturellem und geisti­gem Gebiet keinerlei Beeinträchtigung erfahren. Die Jugendorganisationen, Theaterver­bände und Gesangvereine befinden sich in aufstei­gender Entwicklung, in den Turn- und Sportver­einen herrscht ein reges Leben, neue Schulbauten find in den letzten Jahren in Oberschlesien entstan­den.

Wir begrüßen es, daß damit allen Verdächtigun­gen, mag ihnen nun Absicht oder bloße Gedanken­losigkeit zugrunde liegen, ein für allemal die Spitze abgebrochen ist. Das neue Deutschland hat mehr als einmal mit allem Nachdruck erklärt, daß es nicht gewillt ist, in der Frage der Minderheitenpolitik Angehörigen anderer Nationen irgendwelche Ein­schränkungen aufzuerlegen, weil es fest entschlossen ist, mit den Völkern, die hinter diesen Minderheiten stehen, in Frieden und Eintracht zu leben. Im Sinne dieser Verständigungspolitik zwischen Deutschland und Polen können wir es nur begrüßen, wenn durch die Darstellungen Mureks allen weiteren Entstel­lungen der Nährboden entzogen worden ist. Wenn Deutschland seinen Verpflichtungen in so gewissen­hafter Form nachkommt, dann können wir aber auch erwarten, daß die Gegenseite den glei­chen Maß st ab bei sich anlegt. Leider ist das aber nicht immer der Fall. Wir möchten daher nicht verfehlen, mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß Minderheitenpolitik nur dann wirklich als er­folgreich und die Verständigung fördernd angespro­chen werden kann, wenn sie von beiden Sei­ten gleichmäßig betrieben wird. Daß Deutsch­land es an nichts hat fehlen lassen, zeigt das obige polnische Eingeständnis.

Prager Täuschungsmanöver.

Die bolschewistische Flugzeugbasis in der Tschechoslowakei.

Budapest, 19. Jan. (DNB.) Der Generalstabs­oberst i. R. Nyiry, der bereits mehrfach mit ein­gehenden Studien über den Einfluß Sowjetruß­lands in der Tschechoslowakei hervorgetreten ist, führt fetzt in dem katholischen ..Nemzety Ujsag" den Nachweis, daß der kürzlich von der teschechoslowa- kischen Regierung England gemachte Vorschlag, einen Untersuchungsausschuß in die Tsche­choslowakei zur Feststellung der angeblich nicht vor­handenen s o w j e t r u s s rs ch e n Flugstütz­punkte zu entsenden, nicht anderes sei als ein naiver Bluff zur Irreführung der öffentlichen Meinung. Nyiry sagt, die Tschechoslowakei würde zweifellos vor Eintreffen des Ausschusses aus der Umgebung der wichtigsten Stützpunkte, also M u n- kacs und Ungvar unter irgendeinem Vor­wand die Einwohner entfernen. In der Nacht würden dann heimlich aus den Flughäfen die sowjetrussischen Flugzeuge und die tschechoslo­wakischen Bombenflugzeuge mit der dazugehörigen Ausrüstung und den Waffen fortgeschafft werden. Als Ersatz würden dann harmlose Ver­kehrsflugzeuge mit Betriebsmaterial in den Flughäfen untergebracht werden. Der englische Un­tersuchungsausschuß würde darauf feststellen, daß keinerlei Stützpunkte für sowjetrussische Flugzeuge in der Tschechoslowakei vorhanden seien.

Ungarn müsse die Welt rechtzeitig auf diesen naiven Trick aufmerksam machen. Das ewig dro­hende Damoklesschwert werde nicht beseitigt. Sow­jetrußland habe sich mit seiner Luftwaffe trotz allem in den früheren ungarischen Gebieten der Tschechoslowakei eingenistet, um von dieser vorge­schobenen Stellung aus die europäische Kultur hin­wegzufegen. Durchaus zuverlässige Augenzeugen hätten besonders in den Ortschaften Munkacs und Ungvar auf den in Bau befindlichen tschechoslowa­kischen Flugplätzen uniformierte sowjetrus­sische Offiziere gesehen. Diese Offiziere hätten in öffentlichen Lokalen ungestört die Internationale gesungen. Geld habe bei ihnen keine Rolle gespielt. In der ungarisch-tschechoslowakischen Grenzstadt Ko morn habe man im Laufe des Sommers mehrfach sowjetrussische Bombenflug­zeuge beobachtet, als sie die tschechoslowa­kische Grenze entlangflogen und aller Wahrschein­lichkeit nach tschechoslowakischen Artillerieoffizieren von Komorn bei Schießübungen behilf­lich waren. Mit dem 8. April 1935 habe die Ein­nistung sowjetrussischer Luftstreitkräfte in der Tsche­choslowakei begonnen.

Oie neue Parade-Uniform der Polizei.

Berlin, 19. Jan. (DNB.) Durch Runderlaß des Reichsführers SS. und Chefs der deutschen Polizei wird die erstmalig auf dem Reichspartei­tag 1936 in Nürnberg gezeigte neue Paradeuniform der Polizei zum Tragen bei feierlichen Anlässen allgemein eingeführt. Da­nach tragen alle Polizeiofsiziere Feldbinden aus Aluminiumgespinst und das bereits eingeführte Feldbindenschloß, für Generale und Offiziere der Wasserschutzpolizei vergoldet, für die übrigen Polizeioffiziere aus Aluminium. Außer­dem wird ein Bandelier und eine schwarz lackierte Kartusche mit Hoheitsabzeichen ge­tragen. Bei Generalen besteht das Bandelier aus goldgelbem Metallgespinst, bei den übrigen Polizei- ofsizieren aus Aluminiumgespinst. Zur Feldbinde und zum Bandelier tragen die Polizeioffiziere am Tschako einen weißen Haar dusch.

issenschast und Vierjahresplan.

Berlin, 18. Jan. (DNB.) Zu ihren großen Aufgaben am Vierjahresplan bekannte sich die deutsche Wissenschaft auf einer eindrucksvollen Kund­gebung, die der NS.-Dozenten b und und der NS. -Lehrerbund in die Berliner Univer­sität einberufen hatte. Professor Dr. Thießen vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für physikalische und Elektrochemie erklärte dabei u. a. über Fragen der deutschen Rohstoffwirtschaft: Die Güter der Erde sind ungleichmäßig verteilt. Das wurde fühlbar durch die Störung der Weltwirtschaft, die die Bande zerriß, die durch die Erzeugung und Veredelung der Rohstoffe zwischen den Völkern ge­knüpft worden waren. Da dieser Zustand sich nicht so bald beheben läßt, ist es verständlich, daß Völker, denen bei hoher Kultur Rohstoffe in reichlichen Mengen versagt sind, sich bemühen, diesem Mangel aus eigener Kraft abzuhelfen. Deutschland hat dieser Notwendigkeit frühzeitig Rechnung getragen und darüber hinaus einen Antrieb f ü r tiefere und bessere Naturerkenntnis gewonnen. Denn dadurch können jenen Rohstoffen, die bestimmten Zwecken zunächst nicht zu genügen schienen, wertvolle neue Eigenschaften zugeteilt werden. Wir verfügen über Kohle, Kalk, Gips, Aluminium, Magnesium, Luft und Wasser, ferner über Zinnerze, magere Eisenerze und ver­streute Vorkommen von Kupfer, Blei und der­gleichen. Dieser schmalen Grundlage hat die deutsche Wissenschaft eine erstaunliche Fülle von hochwertigen Stoffen abgerungen, wie

Leichtmetall-Legierunaen, rostfreie stähle, Trieb- ftoffe, synthetischen Kautschuk, Zellwolle und zahl­reiche organische Kunststoffe. Diese sind keine Er­satzstoffe mehr, sondern sind heute schon unent­behrliche Werkstoffe mit verbesserten Eigen­schaften. Die aussichtsreiche Entwicklung beruht auf der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis und der verständnisvollen Förde­rung durch Staat und Wirtschaft.

Professor Dr. Bacher vom Reichswissenschafts­ministerium erklärte u. a.: Wenn der Wissen­schaftler das Volksganze begreift und bereit ist, fein Denken und Handeln, Fragen und Forschen alspolitischer Soldat" in den Dienst der Gesamt­heit zu stellen, dann ist die Hochschule als Mittel zur Durchführung des Bierjahresplanes wertvoll. Dieser ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Entwicklungszeitraumes. Daher muß auch diefreie Forschung" mitwirken, immer wieder neue Erkenntnisse bereitzustellen, denn auf der Wissenschaft von heute fußt die Technik von morgen. Professor Bacher sprach dann über die Maßnah­men, die zur Planung und Verstärkung der Forschungsarbeiten erforderlich sind, und forderte die Hochschullehrer auf, dem Rufe der politischen Führung Folge zu leisten und dadurch der Wissenschaft den Platz zurückzuerobern, der ihr im Rahmen des Volkes zukommt. Gleichzeitig be­tonte er, daß der Wissenschaft auch die nun einmal notwendigen F o r s ch u n g s mi tte l zur Ver­fügung gestellt werden müßten.

Irisch-britischer Wirtschastsfriede?

London, 19. Jan. (DNB.) Im Parlament gab der Dominion-Minister Malcolm Macdonald eine Erklärung über die Beziehungen zwischen dem Freistaat Irland und der englischen Regierung ab. Beide Länder sind übereingefommen, das Anfang vorigen Jahres abgeschlossene Wirtschaftsab­kommen vorbehaltlich einiger kleiner Aenderun- gen um ein Jahr zu verlängern. Die am vergangenen Donnerstag mit Ministerpräsident de Valera geführten Besprechungen seien infor­meller Natur gewesen Die britische Regierung sei übrigens bereit, jede Gelegenheit zu er­greifen, um zu einer befriedigenden Regelung der schwebenden Fragen zu gelangen. Auf eine Frage, ob die Unabhängigkeit Nordirlands erhalten bleiben würde, erklärte der Dominion-Minister, daß selbstverständlich jede Aenderung in den Beziehungen zwischen den beiden Regierungen Irlands der Zustimmung dieser Re­gierungen bedürften.

Die Briten haben im Kampf gegen Irland wirt­schaftspolitisch die Erfolge nicht erzielt, die sie bei Ausbruch des Kampfes erwarteten. Damals war Irland zum größten Teil von England abhängig. Irland lieferte nach der Mutterinsel Vieh und Fleisch, Käse, Butter und andere Milchprodukte. England war sein bester Kunde. Dafür bezog Ir­land von England hauptsächlich Kohle. Aber bereits unmittelbar nach seiner Machtübernahme im Jahre 1932 stellte de Valera ein Wirtschaftsprogramm auf, das von der Tatsache ausging, daß im Irischen Freistaat genügend Rohstoffe, Nahrungsmittel und Arbeitsmöglichkeiten vorhanden feien. Trotzdem war der Lebensstandard der irischen Bevölkerung ge­sunken. Die Erzeugung veredelter Agrarprodukte wie Schlachtvieh, Butter, Eier und Speck ging, wie gesagt, hauptsächlich nach England, dafür tauschte Irland aber fast sämtliche industriellen Produkte aus England ein, weil Irland selbst fast ohne jede Industrie war.

De Valeras Wirtschaftsprogramm war auf Aut­arkie gerichtet. Durch eine großzügige staatliche Planwirtschaft wurde die Entwicklung des Ackerbaues gegenüber der in Irland altherge­brachten Weidewirtschaft gefördert, vor allem zur Unterstützung der Kleinbauern für Geflügel und Eier. Ferner wurde der Rindviehbestand, der sich infolge des Handelskriegs mit England und der von England durchgeführten Einfuhrkontingentierung stark vermehrt hatte, verringert. Jährlich wurden etwa 250 000 Stück Vieh abgeschlachtet, wovon ein Teil für eine Fleischkonservenfabrik bestimmt war, ein anderer Teil zur kostenlosen Lieferung von Fleisch und Fleischprodukten für die irischen Ar- beislosen. Der Getreideanbau wurde verstärkt, in Thurles, Malkow und Tuam wurden neue Zucker­rübenfabriken errichtet. Der Tabakanbau wurde ge­

fördert und schließlich erlangte die Torfverwertungs­industrie eine größere Ausdehnung.

Im Kampfe gegen England ist durch diese Maß­nahmen die irische Landwirtschaft über alle Schwie­rigkeiten hinweggekommen, die Waffe der englischen Einfuhrkontingentierung gegenüber Irland richtete, je länger gebraucht, um so weniger Schaden an. Gleichzeitig wurde der Ausbau einer eige- nen irischen Industrie gefördert. Auf Grund einer vom Parlament angenommenen Akte legte die Regierung De Valeras Schutzzölle auf Jndu- strieprodukte hauptsächlich englischer Herkunft. Eine Unmenge von industriellen Betrieben wurde neu gegründet, die Mühlenindustrie wurde wieder auf­gebaut, die durch die Konkurrenz Großbritanniens zum Erliegen gekommen war, und in den letzten Jahren war der Freistaat in der Lage, seinen Mehl­bedarf auf eigenen Mühlen zu vermahlen. Gleich­zeitig wurden die reichen Wasserkräfte für die An­lage von Elektrizitätswerken ausgenutzt. Die Deut­schen sind hier führend gewesen, wie überhaupt Deutschland und Irland im guten Wirtschaftsaus­tausch stehen, so daß jetzt Deutschland durchweg die zweite Stelle in der irischen Handelsbilanz unmit­telbar hinter England einnimmt.

Erst zu Beginn des vorigen Jahres wurde ein Wirtschaftsabkommen mit England getroffen, das aber an der Kampfstellung, die die beiden Staaten einnahmen, nichts wesentlich än­derte. Vor dem Ausbruch des Wirtschaftskrieges war z. B. die englische Kohlenausfuhr nach Irland mehr als doppelt fo hoch als selbst nach dem Han­delsabkommen des Vorjahres. Der Handelskrieg betraf alle industriellen Produkte Englands. Die englische Zementindustrie z. B. setzte vor dem Han­delskrieg durchschnittlich jährlich 24 000 Tonnen nach Irland "ab, die Ziffer sank in den letzten Jahren unter 5000! England hatte gegenüber Irland das alte aus der Geschichte bekannte Spiel verfolgt, die Iren zu willenlosen Sklaven der britischen Inter­essen zu machen. Aus einem politischen Streit war hauptsächlich durch die Bestrebungen der eng­lischen Landwirtschaft, die irische Konkurrenz fern zu halten, dieser Handelskrieg entstanden. Man kennt aus der Geschichte die selbstische Art, in der England gerade Irland gegenüber handelte, so durch Verbot des Verspinnens der irischen Wolle, durch Ausschließungszölle gegenüber irischen Halb­oder ganz veredelten Milchprodukten. Irland sollte nur, und zwar nach einem von England bestimm­ten Maße, Rohstoffe nach England liefern. Im wesentlichen ist England gegenüber Irland dieser Tendenz freu geblieben. Aber der britische Wirt­schaftskrieg ist durch De Valeras Kampf um die wirtschaftliche Unabhängigkeit seines Landes iehl- gefchlagen, und jetzt möchte England von einem Kampf abftehen, den es selbst entfesselte. rt.

Hat Amerika wieder Hoffnung?

Von Dr. Friedrich Sohn.

ix.

Vodenzerflörung durch Wasser!

Auf der tagelangen Fahrt, die uns aus dem In­neren des Kontinents wieder zur amerikanischen Ostküste führt, haben wir häufig Gelegenheit, d i e zerstörende Wirkung des Wassers am Boden kennenzulernen. Vielfach hat man in An­passung an die Konturen der zumeist leicht gewell­ten Landschaft in bestimmten Abständen Erdauf­würfe, sogenannte Terrassen, geschaffen, um dadurch die Wegspülung des Bodens zu verhin­dern. Trotz dieser schützenden Maßnahmen, von denen bisher nur ein Teil des bedrohten Landes erfaßt wird, kann man beobachten, wie sich auf den Feldern Rinnen bilden, die wenn nichts ge­tan wird sich in kürzester Zeit zu mächtigen Einschnitten vergrößern und eine weitere landwirt­schaftliche Nutzung unmöglich machen. Es handelt sich hier um die schärfste Form der Bodenzerstörung durch das Wasser, die der Amerikaner alsRinnen­erosion" (gully erosion) bezeichnet. Gleichfalls ver­heerende Wirkungen wenn auch nicht in so auf­fallender Weise richtet die schwächere Form der Flächenerosion" (sheet erosion) an, die dem Far­mer die fruchtbare obere Bodenschicht weg- stiehlt, ohne daß er es vielleicht merkt.

Wenn wir uns hier so eingehend mit der Boden­zerstörung befassen, so wollen wir das nicht tun, ohne kurz auf die klimatischen Verhält­nisse dieses Landes einzugehen. Wie in jeder Beziehung, so ist Amerika auch im Klima ein Land der Gegensätze. Wir fahren Ende Oktober in der angenehmsten Reisezeit, imIndian Summer" durch den Mittelwesten, und es ist so heiß, daß wir uns den Rock ausziehen müssen. An der Nord­seite der Landstraßen Iowas stellt man aber schon Schutzwände auf, die Schneeverwehungen auf der Landstraße verhindern sollen. Man sagt uns, daß bereits Ende Oktober, bestimmt aber im

November d i e ersten Schnee stürme zu er­warten seien. In der Gegend von Chikago wird es im Sommer so heiß, daß es der Nordeuropäer kaum aushält, im Winter aber wird es ebenso un­angenehm kalt. In den letzten Jahren sind in Nord­amerika Ueberschwemmungen und Dürre­perioden eingetreten, die in ihrem Ausmaß und ihrer räumlichen Ausdehnung bei uns nicht ihres­gleichen finden. Die Regenfälle haben dort anderen Charakter, sie sind so heftig, daß wenn nicht Schutzmaßnahmen ergriffen werden in unebenem Gelände die größten Schäden angerichtet werden. Ich entsinne mich eines Erlebnisses, das ich vor einigen Jahren im Gebirge hatte. Mit zwei Kame- rabe befand ich mich auf großer Fahrt, wir hatten spät abends in Ermangelung anderer Möglichkeiten das Gelände war sehr zerklüftet in einem trockenen Wasserlauf geparkt und schliefen in dem besonders als Lagerstätte hergerichteten Wagen, als plötzlich ein heftiges Gewitter hereinbrach. Wir hat­ten, aus unseren Träumen unsanft geweckt, gerade noch Zeit, aus der trockenen Wasserrinne heraus­zukommen, die sich in kürzester Frist in einen rei­ßenden Wildbach verwandelte.

Die Bodenzerstörung durch das Wasser ist be­sonders stark im Süden, wo auch während der Wintermonate der ungefrorene Boden den heftigen Regengüssen ausgesetzt ist. Neben den Terrassen, die wir als Mittel zur Bekämpfung der Bodenzerstö- rung bereits kennenlernten, hat die Art der Bo­dennutzung einen gewaltigen Einfluß auf die zer­störenden Wirkungen. Auf einer Versuchsstation im Staate Missouri hat man z. B. festgestellt, daß auf einem Versuchsfeld, auf dem Mais ohne Unterbrechung angebaut wurde, in einem be­stimmten Zeitraum ein Bodenoer lüft von 74,09 Tonnen je Acre eintrat, während unter ähnlichen Bedingungen bei einer Fruchtfolge von Klee, Mais und Weizen der Bodenverlust nur 7,19 Tonnen betrug. Im ersten Fall flössen 24,59 v. H. der Nie­derschlagsmengen ab, ohne an Ort und Stelle das

Wachstum zu fördern, während im zweiten Fall der Wafferverlust nur 11,57 v. H. betrug. Zur Be. fämpfung der Bodenzerstörung bemüht sich die amerikanische Regierung neuerdings, die Landwirt­schaft vielseitiger zu gestalten und von der Mono­kultur zu gemischtwirtschaftlichen Be. tr iebsformen zu kommen. Es ist aber schwer, die Farmer, die nur auf den Erfolg des Augen, blicks eingestellt find und denen ein Denken in Ge. nerationen völlig fremd ist, zu einer pflegfamen Behandlung des Bodens zu erziehen. Im Südosten der Union erlebt man es z. B. immer wieder, daß die Baumwollkultur, welche die Erosion begünstigt, bei hohen Baumwollpreifen alle anderen Nutzungs- arten fast völlig zurückdrängt. Um fo stolzer kön­nen wir darauf fein, daß es die Angehörigen einer schon im 18. Jahrhundert ausgewanderten deutschen Volksgruppe, die Pennsylvania D u t ch, schon vor Jahrzehnten verstanden haben, wie in einem der letzten Jahrbücher des Amerikani­schen Landwirtschaftsministeriums bestätigt wird, auch ohne staatliche Unterstützung dieser Gefahr zu begegnen. Es handelt sich hier um Menschen, die stärker als die deutschen Auswanderer des 19. Jahr­hunderts an ihren alten Gebräuchen festhielten und in der Zeit der großen Westwanderung ungewöhn- lief) seßhaft blieben. Auch in Nordamerika können wir beobachten, wie sich bäuerliche Einstellung als Bollwerk gegen eine große nationale Gefahr, die Bodenzerstörung, bewährt.

lieber das Ausmaß und Tempo der Bodenzer- ftörung auf dem nordamerikanischen Kontinent sind in den letzten Jahren Untersuchungen angestellt worden. Die Ergebnisse sind so eindrucksvoll, daß ich sie dem Leser nicht vorenthalten möchte. Etwa 14 Mill. Hektar Land das ist die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands mür­ben durch Rinnenbildung völlig zerstört. Das ganz, lief) unbrauchbar gewordene Land bedeckt eine Fläche, auf der 280 000 Betriebe mit je 65 Hektar Land bestehen könnten. Auf weitere 50 Mill. Hektar ist die fruchtbare obere Bodenschicht ganz oder fast ganz weggewaschen worden. Es wird größter An­strengungen bedürfen, um eine weitere Bodenzer­störung zu verhindern. Eine Regierungskommission hat auf Grund eingehender Untersuchungen vor etwa 2 Jahren den Vorschlag gemacht, das Land von etwa 450 000 landwirtschaftlichen Betrieben allmählich a u f z u k a u f e n , die Farmer unter günstigeren Bedingungen wieder anzusiedeln ober anderen Berufszweigen zuzuführen. Man will unter Aufwendung großer staatlicher Mittel eine Land­nutzung erreichen, die weitere Zerstörungen am Boden mit der Zeit unmöglich macht. Mit den Arbeiten hat man bereits begonnen. Neben die Bodenzerstörung durch klimatische Einwirkungen tritt noch die Bodenverschlechterung, die durch eine ungenügende Düngung verur­sacht wird. Nach amtlichen Schätzungen beträgt der Nettoverlust in der Näbrstoffbilanz der amerifa- nischen Landwirtschaft jährlich 3,8 Mill. Tonnen Reinstickstoff, 1 Mill. Tonnen Reinphosphor und 28 Mill. Tonnen Reinkali. In USA. geht im Jahr neunmal soviel Stickstoff, zweimal soviel Phosphor­säure und vierunddreißigmal soviel Kali verloren, wie in Deutschland dem Boden durch die künstliche Düngung zugeführt wird.

Wir haben hier ein Problem angeschnitten, das vielleicht einmal d i e Schicksalsfrage Nord- a m e r i f a 5 sein wird. Noch für lange Zeit wer- den allerdings Uebererzeugung und für den Farmer unerträgliche Preise das drohende Gespenst der amerikanischen Landwirtschaft fein. Es stehen ja noch gewaltige Erzeugungsreserven zur Verfügung, die man in Anspruch nehmen kann, wenn weiteres Kulturland unbrauchbar wird. Allein 36 Mill. Hektar d. h. wesentlich mehr als die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland kön­nen durch Drainage mit verbältnismäßig geringen Kosten für die Erzeugung erschlossen werden. Trotz­dem ist aber auf lange Sicht gesehen die Zerstö­rung des Bodens das größte und schwierigste Agrarproblem Nordamerikas. Die Geschichte lehrt uns an vielen Beispielen, daß der Mensch durch eine falsche Behandlung des Bodens in verhältnis­mäßig kurzer Zeit die aufbauende Arbeit der Natur von Jahrmillionen zerstören kann, daß aber ander­seits auch mit den größten menschlichen Anstrengun­gen ein Wiederaufbau des einmal Zerstörten nicht möglich ist.

Meine voliiiscke Nachrichten.

In unterrichteten italienischen Kreisen verlautet, daß mit einer Anwesenheit italienischer Vertreter auf der nächsten Sitzung des Völ­kerbundsrates in Genf nicht zu rechnen ist.

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Ministerpräsident Göring empfing in Capri den Besuch des italienischen Kronprinzen. Das gemeinsame Frühstück in einem Restaurant an der Marina Grande wurde durch Volkstänze und Volks­lieder verschönt. Anschließend besichtigten der Kron- prinz und der Ministerpräsident verschiedene Aus­sichtspunkte der Insel. Ueberall wurden sie von der Bevölkerung herzlich begrüßt.

Im Rahmen des nationalpolitischen Lehrganges der Wehrmacht hielt Reichsminister Dr. Frick im Reichskriegsministerium einen Vortrag überGe­stalt und Aufbau des Dritten Reiches".

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Der bulgarische Geschäftsträger in Berlin über­reichte dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels als Geschenk des Königs der Bulgaren ein Gemälde eines namhaften bulgarischen Künstlers mit einem herzlich gehaltenen Handschreiben.

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Der bisherige Kommandant von Berlin, Generalleutnant Schaumburg, ist mit Wirkung vom 1. Februar d. I. zum Landwehrkommandeur Groß-Hamburg ernannt worden. An seine Stelle tritt der bisherige Kommandeur des Infan­terie-Regiments 67 Generalmajor Seifert als Kommandant von Berlin.

Kunst und Wistenschast.

Goefhe-TNedaille

für den Komponisten Professor Reifer.

Reichsminister Dr. Goebbels überreichte dem Kom­ponisten Professor Joseph Reiter die Goethe - Meoaille, die der Führer und Reichskanzler dem um die deutsche Musik verdienten Künstler und Träger des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP, verliehen hat. Dr. Goebbels sprach Professor Reiter, der am 19. Januar seinen 75. Ge­burtstag feierte, die Glückwünsche der Reichsregie­rung aus und übergab ihm ein Handschreiben des Führers folgenden Inhalts:

Sehr geehrter Herr Professor! Zu Ihrem 75. Ge­burtstag spreche ich Ihnen herzliche Glückwünsche aus. In Anerkennung Ihrer großen Verdienste um die deutsche Musik und Tondichtung verleihe ich Ihnen die von dem Herrn Reichspräsidenten von