Ausgabe 
8.5.1943
 
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Nr. 106 Zweites Blati

Aus der Stadt Gießen.

Rosmarin und Thymian.

©o, wie es Freundschaften gibt, tue im Luftschutz­keller entsetzen flibt es auch Freundschaften, die auf benachbarten Laikoncn blufjen. Sie beginnen mei­stens beim Frutziahrsrein-machen, das zum ersten­mal diesen kleinen ammerlichen Ertzalunqsslecken wieder in das Betatigungsseld der chaussrau mit oinbezietzt und bet dem sich oft auch ein Blick ein Wart nach nebenan ergibt; sie festigen sich, wenn die Blumenkasten herausgestellt und mit grünem oder buntem Schmuck bepslanzt werden, und sie bewahren sich, wenn über dichte Geranien- ober Petunienreihen hinweg freundliche Gesprüche hin- über- und herübergehon.

Auch für den kommenden Sommer werden sich solche Freundfchcrften knüpfen, nur eines wird oft wegsallen: die Geranien oder^Zetunien. Viele Haus- ftauen werden nämlich in diesem Frühjahr in ihre Balkonkasten keine Blumen, sondern Gewürzkräuter pflanzen, durch die sie manche Mahlzeit mit wert­vollen Vitaminen bereichern und besonders schmack­haft machen können. Die Petersilie, dicht gesät ver­wandelt den Kasten schnell in ein frisches, grünes Beet, das so hübsch anzusehen ist, daß man getrost auf Blumenschmuck verzichten kann. Sollte es dn Samen fehlen, kann man Schnittsellerie nehmen, der keine Knollen bildet und dessen feingekrauste Blätter ein ähnliches Aroma hoben, wie das der Petersilie Auch Kerbel eignet sich für den Balkonkasten Vos, worin und Thymian und natürlich der unentbehr­liche Schnittlauch.

Es wird jeder Hausfrau viel Freude machen, ihr Kewurzgärtlein im Blumenkasten grünen und ge­deihen zu sehen; und in den Gesprächen, die in die­sem Jahr von Balkon zu Balkon gehen, wird nicht selten von garnierten Platten, würzigen Tunken und herzhaften Kräutergerichten die Rede sein. G. R.

KdF. für unsere Soldaten.

NSG. Wer wochen- und monatelang nur auf di« Umgebung weniger Kameraden angewiesen ist, an die längst bekannte Landschaft der engeren Um­gebung oder sogar an das Lazarettbett gebannt ist oder auch sonst nur wenig Abwechslung während seiner soldatischen Dienstzeit genießt, für den ist die Truppenbetreuung der RS.-GemeinschaftKraft durch Freude" mit ihrer ungemein vielseitigen Ver- onstaltungsfolge stets ein besonderer Freudenquell.

Auch das Programm des Monats Mai beweist wiederum, daß man, wie auch sonst immer, mit viel Bedacht und Sorgfalt für unsere Soldaten an der vorbereitenden Arbeit war. Aus der reichen Ver­anstaltungsfolge des Gaues feien hier einige beson­ders erwähnenswerte Programmpunkte herausge­griffen.

Da ist zunächst eine Darbietung, die sich unter dem MottoFrühlingsklänge" ganz und gar der Jahreszeit onpaßt. Leichte Werke klassischer Meister werden in ihr zu Gehör gebracht. Und da Soldaten säst ausnahmslos Tierfreunde sind, werden sie sich auch, von der Veranstaltung, die unter dem Thema Vom Tier" läuft, besonders angesprochen fühlen. In Musik und Worten wird in ihr des Tieres, das sich in. der mannigfaltigsten Form der Freundschaft des Menschen erfreut, gedacht.Klingende Herzens- angelegenheiten" werden natürlich soldatischen Wün­schen und Träumen ebenfalls Rechnung tragen. In derMusik aus drei Nationen" sind deutsche, ita­lienische und ungarische Weisen zu hören. Besonders unterhaltsame Stunden versprechenKlang und Wort" undLeicht beschwingt".

Daß die Rhein-Mainische Landesbühne auch dies­mal wieder von Lazarett zu Lazarett unterwegs ist, daß die einzelnen Landsmannschaften ihr ganzes Können in den Dienst der Truppenbetreuung stellen, daß mit Tonfilmvorführungen aller Art genau wie mit den anschaulichen Weiterbildungsoeranstaltungen der Abteilung Deutsches Volksbildungswerk viel Lehrreiches und Interessantes geboten wird, und daß "Vortrüge der verschiedensten Art das Gesamtbild der Veranstaltungsreihe für den Monat Mai abrunden, ist bereits selbstverständlich. Der stets wiederholte Wunsch der betreuten SoldatenKommt bald wie­der!" ist Künstlern und Veranstaltern gleichermaßen schönster Dank und beste Anerkennung.

0er Bezug von Schulbüchern.

Die Versorgung der Schuljugend mit Schulbüchern ist für das kommende Schuljahr sichergestellt. Wie der Reicherziehungsminister hierzu in einem Erlaß an die Schulverwaltungen ausführt, sollen im In­teresse der kriegsbedingten Rohstoffersparnis nach Möglichkeit gebrauchte Schulbücher weiter benutzt werden. Es ' wird angestrebt, möglichst die Hälfte des Bedarfs auf diese Weise zu decken.

?ür den restlichen Bedarf werden an die Schüler, sobutd die Versetzungen feststehen, Bestellzettel aus- gegeben werden. Sie werden in der Schule ausge- siillt, von den Erziehungsberechtigten unterschrieben und nach Prüfung durch den Klassenlehrer mit dem Schulstempel versehen. Die so ausgefüllten Bestell­zettel müssen dann von den Schülern vor den Som­merferien in den Buchhandlungen abgegeben wer­den, damit die zum Herbst benötigten neuen Schul­bücher bei Schulbeginn rechtzeitig vorhanden sind. Bei allen Neuaufnahmen wird der Bestellzettel bei der Anmeldung bzw. Ausnahme ausgefüllt. Für die Schulatlanten ist eine besondere Regelung in Aus­sicht genommen.

Kein Schulgeld für Luftwaffen- und Marinehelfer.

Der Reichserziehungsministcr hat im Emoerneh- wen mit den übrigen beteiligten Ministerien ange­ordnet, daß für die als Luftwaffen- und Marine- Helfer eingesetzten Schüler der höheren und ^nittle- ren Schulen Schulgeld nicht erhoben wird, soweit die Gewährung der Geschwifterermaßigung davon obhückgig ist, daß die Kinder nicht ein bestimmtes eigenes Einkommen haben, wird die den Helfern gewährte Entschädigung nicht berücksichtigt. Die we- schwisterermäßigung entfällt also nicht wegen der den Luftwaffen- und Marinehelfern gewahrten Be­züge.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 8. Mai. Auf dem heutigen Wochen, markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM Matte 30 W, Käse, das Stück 8, Kartoffeln, 5 kg 58, Wirsing % kg 18, gelbe Rüben 14, Spinat 11 bis 17, Römischkohl 20, Unterkohlrabl 8, Schwarz, wurzeln 35, Rhabarber 15 bis 18 35^ Ra-

Lauch, das Stück 5 bis 10, Rettich 30 bis 35, Ra dieschen, das Bund 20 Rpf.

6iefcntt Anzeiger lSeneral-Anzeiger fA Sderhetzen)

S./9. mal 1013

Theater der Universitätsstadt Gießen.

Friedrich Bethge:Annke von Skoepen".

Der Dramatiker Friedrich B e t h g e , Chefdrama- turg und stellvertretender Generalintendant der städtischen Bühnen in Frankfurt, wurde uns hier vor Jahren zuerst mit seinem KriegsdramaReims" bekannt. Von den historischen Schauspielen, mit Denen Bethge sich die Gestaltung deutschen Schick­sals im Osten vorsetzte, schließtAnnke von Skoepen" innerlich an dieRebellion um Preußen" (mit Heinrich von Plauen im Mittelpunkt) an, während ein Kopernikus-Drama demnächst uraufgeführt werden soll. InAnnke von Skoepen", spielend in Marienburg um 1422, sind die ins Historische proji­zierten Grundlinien sehr übersichtlich, die Fronten unmißverständlich abgegrenzt: es stehen hier ein­ander gegenüber Deutschtum und Polen tum, Volks­tum und landfremde Geistlichkeit, starre Ordens­regel und freie, vaterländische Entschließung, römi- Iches Priestertum und preußisches Krieger'tum, unb der alte Gegensatz zwischen Vater und Sohn trägt dazu bei, den politisch-nationalen Konflikt vom Menschlich-Persönlichen her zu verschärfen.

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Der Hochmeister Mick>ael Küchmeister von Stern­berg hat den Altmeister Heinrich von Plauen, der aegen den Polenkönig Jagiello zu Felde zog, ge­fangengesetzt. Küchmeister, an einen ewigen Frieden und die Möglichkeit der Verständigung mit dem Nachbarn im Osten glaubend, muß indessen erleben, daß nicht der Friede ewig ist, sondern das Schwert. Indes Heinrich von Plauen, Marienburgs Retter, am Frischen Haff eingekerkert ist, fallen die pol­nischen Horden in das Land ein. Küchmeister, vom Bischof Vogelsang von Heilsberg übel beraten und in seinem Friedenswahn bestärkt, sieht tatenlos zu, wie die Landfremden siegreich und unmenschlich unter den Seinen hausen. Er Hämmert sich an die Satzung, aber das gequälte Volk greift zur Selbst­hilfe: Annke von Skoepen, eine Landesedlenwaise, deren Vater und Brüder schon im Kampfe gegen die Polen gefallen sind, stellt sich, eine preußische Jungfrau von Orleans, wider Küchmeisters Befehl den Londfeinden aus dem Osten streitbar entgegen und wird deshalb vom Hochmeister zum Feuertode verdammt, während er feinen gleich Annke für die Freiheit kämpfenden Sohn mitstrenger Ordens­buße" davonkommen lassen will: so zwiefach sich ins Unrecht setzend, der Stimme des Volkes, des not­leidenden Landes, der geisterhaften Erscheinung des verbannten Plauen und den Mahnungen fei"= n«s Feldobristen taub, wird Küchmeister, in der höchsten Not auch vom fliehenden Bischof verlassen, schrecklich berichtigt und geschlagen, indem er Annke dem Scheiterhaufen entrissen, den Sohn aber, den er

retten wollte, zu Tode gestürzt vor sich erblicken muß.Ein Don Quijote seines Friedens- und römischen Satzungswahns", dankt Küchmeister, ein müder und gebrochener Mann, als Dreriundfünfzig- jähriger ab und stirbt 1422, sieben Jahre vor Hein­rich von Plauen.

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Die Tragödie, in einem Akt, ohne Pause und ohne Schauplatzwechsel in rhythmisch gesteigerter Sprache ablaufend, wurde von Herrn Sauer- land in Szene gesetzt, dessen offenbar fleißige Regiearbeit auf großzügig statuarische Haltung und dialektische Gliederung bedacht war, ohne auf sinn­fällige theatralische Wirkung zu verzichten. Einige Kürzungen, besonders gegen Ende hin, wären zu empfehlen. Als ausgezeichnete Leistung erwies sich das von Herrn Löffler entworfene Büh­nenbild, das die strenge Backsteinarchitektur der Burg mit einem hohen, fahlen Himmel überwölbte und mit dem Ausblick in das weite, flache, wehrlos preisgegebene Ordensland begrenzte.

Jofefine Le n z e n spielte die Annke mit richtigem Gefühl und wohl im Sinne des Dramatikers durchaus ohne die visionäre Entrückung einer Jean ne d'Arc, vielmehr als ein ganz irdisches, krie­gerisch und patriotisch entflammtes Landmädchen *mit einer gewissen trotzigen Wildheit, die Küch­meistersSatzung" gar nicht begreift. Dieser, von Herrn Zeppenfeld gespielt, war die dramatisch interessanteste und belebteste Figur, eine machtvoll herrenhaste Erscheinung, aber schwach, schwankend, irregeleitet, feiner Verantwortung und Entschei­dung innerlich gewachsen. Herr C. B. Schmidt gab instinktsicher den Bischof von Ermland: kühl, salbungsvoll und fanatisch im gleichen Atem. Herr Funke war der sehr geradlinig gezeichnete Obrist, ein rauher, unkomplizierter, soldatischer Söldner­führer. Bianca Blacha spielte Annkes Amme Barbara, eine urpreußische Sibylle, mit ekstatischer (aber auch theatralischer) Steigerung, organisch stellenweise schon etwas übersteigert. Herr Fischer sprach die mahnenden, übrigens ganz ungeister­haften Worte der Erscheinung Heinrichs von Plauen. Mit jugendlich-männlicher Intensität der Empfin­dung setzte sich Herr K ö ch l i n g für den Ordens­ritter Ulrich ein; Herr Volck lieh deni Franzis­kaner Bruder Donatus eine milde und menschliche Stimme.

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Die Hörer dankten zuletzt mit starkem Beifall. Hans Thyriot.

Semester-Eröffnungs-Appell der Universität.

Am gestrigen Freitagvormittag fand in der Aula in Anwesenheit von Ehrengästen aus Partei, Staat und Wehrmacht der Semester-Eröfsnungs- Appell statt. Der Appell wurde mit einem Musik­vortrage eingeleitet. Hierauf erhob sich der

Rektor Professor 0r. Brüggemann

ZU einer Begrüßungsansprache, in der er zunächst die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht so­wie die Studierenden willkommen hieß und dann u. a. folgendes ausführte: Es kommt heute im tota­len Krieg darauf an, daß man feinen Dienst da tut, wohin man befohlen wird. Wir alle möchten aern an der Front stehen und für unser deutsches Volk kämpfen, so denkt jeder anständige deutsche Mann. Wenn Sie als junge Soldaten jetzt hier in der Heimat sind und nicht kämpfen, sondern studieren sollen, so hat das seinen guten Grund. Das deutsche Volk und auch das kämpfende Heer brauchen eben auch Volksgenossen, die nicht kämpfen, sondern die einen Berus ausüben ober erlernen müssen, der kriegswichtig ist. Wir brauchen vor allem Aerzte, Veterinäre, Ingenieure, Physiker und Chemiker. Diese Berufe sind kriegswichtig, und die Männer, die für diese Berufe bestimmt sind, haben die Pflicht, ihre Ausbildung als Kriegsdienst anzusehen.

Schon vor dem Kriege sah der Student es als eine große Bevorzugung an, eine Hochschule be­suchen zu dürfen. Eine Bevorzugung vor den an­deren Volksgenossen, die in hohem Maß? dem deut­schen Volke gegenüber verpflichtete. Er fühlte die Verpflichtung, sich danz dafür einzusetzen, das, was ihm die Hochschule bot, auch auszunutzen und so schnell wie möglich ein gutes Examen zu machen. Uebrigens möchte ich hervorheben, daß auch schon früher vor der Machtergreifung viele Studenten diese Auffassung hatten. Aber jetzt wurde sie direkt verlangt, und das mit Recht. Der Student soll wäh­rend seiner Studienzeit in wissenschaftlicher und charakterlicher Beziehung erzogen werden und sich selbst erziehen. Im Kriege hat sich diese Auffassung noch wesentlich verschärft. Für die militärisch ein- gezogenen Studenten gibt es heute nur ein Dienst­studium, d. h. das Hören von Vorlesungen und das Arbeiten zu Hause ist militärischer Dienst genau so wie der Dienst bei der Truppe.

Aber auch der Zivilstudent, dem aus irgendeinem Grunde es nicht mehr vergönnt ist militärisch zu dienen, und die Studentinnen haben Verpflichtungen. Auch ihr Studium ist heute Dienst, und zwar Dienst am Volke. Wer diesen Dienst nicht ernst genug nimmt oder nicht erfüllt, soll heute nicht weiter­studieren. Hinzu kommt für die zivilen Studenten und die Studentinnen, daß sie außer dem Studium in jedem Falle eine gewisse Zahl von Stunden in der Woche ihre Kraft der Allgemeinheit zur Verfü­gung stellen- und wenigstens an einigen Tagen Ar­beitsdienst verrichten müßen. Es ist eine Ehrenpflicht jedes zivilen Studenten und jeder Studentin, um dadurch auch äußerlich ihre Volksverbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Der militärisch eingewgene Student wird zu diesem Arbeitsdienst nicht heran­gezogen. Er ist dafür in einer Kompanie, wo er feinen militärischen Dienst neben dem Studium zu, versehen hat.

Im totalen Krieg muß jeder seine ganze Kraft da zur Verfügung stellen, qpo er eingesetzt ist. Die deutsche studentische Jugend soll hier ein leuchtendes Vorbild geben. Auch Ihr Studium ist kriegswichtig. Arbeiten Sie entsprechend, setzten Sie sich ganz ein, denn auch Ihre Arbeit dient schließlich nur der Er­langung des Endsieges

Gaustudentenführer Balon

nahm dann die Verabschiedung des bisherigen und die Einführung des neuen Studentenführers vor.

Er gedachte des Kampfes von Professor Brügge­mann um die Freiheit des deutschen Geistes gegen artfremde Einflüsse, stattete dem scheidenden Stu­dentenführer Stein seinen Dank für die geleistete Arbeit ab und begrüßte den neuen Studentenführer Feldwebel Ruckeishausen, der allen ein guter Kamerad und ein Vorbild sein werde. Das Stuoium sei heute kriegswichtig, und es gelte heute für uns, bereits in der Heimat als Studenten eine Schlacht Zu schlagen.

Gtudentenführer Ruckelshausen wies in feiner Ansprache u. a. darauf hin, daß ihm mit seinem neuen Amte eine schöne und arbeits­reiche Aufgabe zugefallen fei. Er freue sich, in Gau­studentenführer Salon einen echten Aktivisten be­grüßen zu können. An Schlageters Todestage solle der Gleiberg als alte Studentenburg wieder in den Mittelpunkt unseres studentischen Lebens gesteift werden. Unter der tatkräftigen Leitung des scheiden­den Studentenführers Stein hätten sich die Gie­ßener Kameradschaften als lebensfähig erwiesen. Gleichgültigkeit sei das größte Uebel in der Stu­dentenschaft. 1817, 1848, im ersten und in diesem Weltkriege habe der deutsche Student echten Aktivis- mus bewiesen. Neben die Bewährung im Frontein­satz trete der Kriegsdienst in der Heimat. Aber es sei klar, daß das Studium vor dem Semestereinsatz den Vorrang habe. Im Sport sei dem Studenten Gelegenheit jur Entspannung gegeben, in den Ka­meradschaften werde er zur selbständigen politischen Persönlichkeit erzogen.

Professor 0r. von Herrath hielt dann einen Vortrag über das ThemaLei­besübung Persönlichkeit G em e i n- schaf t". Seinen Darlegungen ist u. a. folgendes zu entnehmen: Handlungen, die mit freier, selbstgewon­nener Einstellung und Haltung, mit Liebe, Freude und Begeisterung getan werden, wirken auch auf dem Sportplatz, wie überall im Leben, oft beispielgebend fort. Nur aus Liebe und Begeisterung wächst ein besonderer Leistungswille. Die auf solcher Grund­lage erfolgende besondere körperliche Leistung hat u. a. physiologische Ursachen. Denn die innere Be­reitschaft zu einer Leistung beeinflußt die Quantität und Qualität der inneren Organe meßbar, d. h. be­stimmt das Organwachstum mit. Schon insofern ist es immer der Geist, der sich den Körper formt. Biologisch-konstitutionelle Persönlichkeit und geistige Persönlichkeit bedingen einander weitgehend.

Ohne Persönlichkeitsentwicklung ist daher ttotz bester körperlicher Veranlagung niemals höchste kör­perliche Leistung möglich. Für das Fortwirken in der höheren Gemeinschaft kommt die Leibesübung we­sentlich in dem Maße zur Auswirkung, in dem Herz und Geist sie -erfüllen. Ueber reinen amerikanischen Leistungsmechanismus in der Leibesübung, der die Athleten ausnützt und fortwirft, find wir Deutsche unter der Führung unseres kürzlich verftorbenen Reichssportführers deshalb längst hinausgewachsen. Wir mußten das, denn die Leibesübung ermöglicht und fördert das Wachstum von persönlichen Eigen­schaften, die die Gemeinschaft immer, zumal heute, von uns fordert.

Das Vermögen zur Steigerung der körperlichen (aber auch geistigen und seelischen) Leistung wird durch die Leibesübung in besonders eigenartiger Weise, die auf dem Rhythmus, mit dem alle wich­tigen Lebensäußerungen des Organismus ablaufen, aufbaut, ermöglicht und gesteigert. DasUeber-sich- selbst-Hinauswachsen", die größte Leistungssteige­rung, hat u. a. reale physiologische Grundlagen und Ursachen. Die Möglichkeit, auch im vierten Kriegs­jahr systematisch Leibesübung betreiben zu können, ist deshalb das vornehmste Geschenk der kämpfenden

Front an uns, weil die Leibesübung fast allein es uns auch heute ermöglicht, unter harmonischer Entwick­lung der Persönlichkeit in eine Leistungssteigerung hineinzuwachsen, deren die Gemeinschaft'gerade jetzt bedarf.

Mit der Führer-Ehrung uyib den Liedern der Na« tion wurde bann der Appell geschlossen.

Siehen-Wieleck.

Unser Mitbürger Heinrich Weller XII., Land« wirt, wird morgen 80 Jahre alt Der alte Herr, bet lange Jahre bem Aufsichtsrat der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft angehörte, ist kör­perlich und geistig noch sehr rüstig. Er hilft noch eifrig in der Landwirtschaft. Dein Jubilar unferq herzlichen Glückwünsche.

Verdunkelungszeit:

8. Mai von 21.58 bis 5.08 Uhr.

9. Mai von 22.00 bis 5.06 Uhr.

** Grüße aus dem Felde seiden durch uns die Soldaten Helmut Adolph und Wilhelm En* z i n g e r aus Gießen. Die Heimat erwidert dis Grüße in herzlicher Verbundenheit.

** E i n Siebzigjähriger. Regierungsbau­inspektor Ludwig Kögel, Goethestraße 61, kamt am morgigen Sonntag, 9. Mai, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag begehen. Unseren herzlichen Glückwunsch.

** Offizierlaufbahnen der Wehr« macht und Waffen-^. Das Oberkommando der Wehrmacht veröffentlicht in unserer heutigen Ausgabe eine Bekanntmachung über die Offizier­laufbahnen aller Wehrmachtteile einschließlich Was« fen-^H auf die besonders hingewiesen wird.

** Gau-Fürsorge verband Rhein« Main. Die Errichtung des Gau-Fürsorgeverbandes Rhein-Main, Körperschaft des öffentlichen Rechtes, mit dem Sitz in Darmstadt wird im heutigen An­zeigenteil bekanntgegeben.

** Gewerbesteuer an das Finanzamt zahlen! Wie mir von der Stadtverwaltung hören, wirb trotz bet- Mitteilung, daß bie Gewerbesteuer ab Rj. 1943 vom Reich, b. h. also von ben Finanz» kaffen erhoben wirb, in zahlreichen Fällen die Ge­werbesteuer noch an bie Stadtkasse überwiesen. Die Gewerbesteuer, soweit sie ben Zeitraum ab Rj. 1943 umfaßt, ist in allen Fällen an die zuständige Fi- n a n z k a s s e zu bezahlen.

x** Gießener Konzertring. Die Reihe der Solistenkonzerte im Gießener Konzertring 1942/43 beschließt am 16. Mai ein Kammermusik-Abend, für den das Wendling-Quartett gewonnen wurde. Don der gesamten Fachpresse wird diese Künstlervereini- gung als eine der besten bezeichnet. Diese Einschät­zung verdankt sie vor allem ihrem Zusammenspiel, das an Genauigkeit und Ausgeglichenheit schwerlich übertroffen werden kann.

** Vorsicht m i V dem elektrischen Bügeleisen? In einem Hause in Leih« gestern ereignete sich gestern morgen ein Zimmer­brand, der durch ein versehentlich nicht ausgeschal­tetes elektrisches Bügeleisen verursacht worden roar< Die Hausbewohner hatten, als sie zur Arbeit fuh­ren^ das kurz zuvor noch benutzte Gerät abzuschal, ten vergessen; während sich niemand mehr in der Wohnung befand, entwickelte sich ein Brand, der ben Tisch, mehrere Stühle, Gardinen und Klei­dungsstücke erheblich beschädigte und leicht noch weiteren Schaden hätte anrichten können, wenn nicht Hausnachbarn, durch bie Rauchentwicklung aufmerksam gemacht, schnell entschlossen eingegriffen und das Feuer gelöscht hätten. Der Vorgang mag erneut eine Warnung zur Vorsicht im Umgang mit elektrischem Gerät fein; abgesehen von der verwerf­lichen Stromverschwendung können empfindliche Schäden und gerade heute unersetzliche Verluste durch Unachtsamkeit oder Vergeßlichkeit entstehen!

G. A -Sport.

Dom Fußball.

Tv. Heuchelheim 1. Jgd. Tv. Lich 1. 3gb.

Arn kommenden Sonntaa fährt die 1. Jugend von Lich zu einem Freundschaftsspiel nach Heuchelheim. Beide Mannschaften treten in starker Ausstellung an; mit einem harten Kamps und einem knappen Sieg der Platzbesitzer ist zu rechnen.

Handball.

Mtv. Gießen Holzheim.

In einem Freundschaftsspiel stehen sich diese Mann­schaften auf dem Mtv.-Platz gegenüber. Die Platz­besitzer müssen sich vorsehen, um keine unliebsame Ueberraschung zu erleben.

Wirtschaft

Don der Börse.

Aktien unverändert, Industrie-Obligationen gefragt

Frankfurt a. M., 7. Mai. Die Aktien­märkte erfuhren in der Berichtswoche keine Ver­änderung. Vereinzelt traten noch Kurserhöhungen infolge des Dioidendenauffchlags ein. Kleine Um­sätze waren für Miag zu 193 (letzter Kurs 191), Vereinigte Strohstoff zu 90,50 (91) zu verzeichnen. Sonst wurden zu unveränderten Kursen die frühe­ren variablen Werte zumeist repartiert. Westdeutsche Kaufhof hatten zum Kurse von 96 weiterhin vollen Ausgleich.

Am Renten markt zogen Reichsaltbesitz an­fangs auf 175 an, doch verloren sie am letzten Tage der Berichtswoche den Gewinn wieder und gingen bis auf 174 zurück, desgleichen Dekosama I, die bis auf 180,75 nachgaben. Von festverzinslichen Rentenwerten konnten sich Steuergutscheine I wieder auf 102,75 befestigen. Stadtanleihen lagen still und kursnzäßig unverändert. Industrie-Obligationen waren weiterhin gefragt bei anziehenden Kursen, so Metallgesellschaft, die mit 107,65 schlossen.

Am Aktienfreiverkehr stagnierte das Ge­schäft vollkommen. Elsaß-Baden-Wolle zogen auf 152 an, während sich sonst kursmäßig keine Ver­änderungen ergaben.

Frankfurter Schlachlvlehniarkt.

Frankfurt a. M., 8. Mai. (Dorbericht.) Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen 38 bis 47, Bullen 36 bis '45, Kühe 25,50 bis 45, Färsen 37 bis 46, Kälber 40 bis 59, Lämmer und Hämmel 45 bis 54, Schafe 46, Schweine 63,50 bitz 73,50. Marktverlauf: zugeteilt.