Ausgabe 
24.10.1910 Erstes Blatt
 
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geführt, daß es iüoR inM angtljt, die Frau als geisteskrank zu erklären, denn dann würde dre Ehe nicht als rechtsgültig an­gesehen werden können und daran habe Herr A. O. Weber sicher­lich fein Interesse. Dieser Artikel ist wörtlich in dasDeutsche Lchrerblatt" übergegangen und aus diesem Grunde auch gegen den Redakteur Göbel die Privatklage erhoben worden. Auch hier beantragte der Reckftsbeistand des Privatklägers eine harte Strafe. Ter Gerichtshof erkannte auf F r e i s p r e ch u n g.

^uflschiffahrt.

V m u i d e n, 23. Okt. Der BallonHildebrand t", der gestern abend 4 Uhr 10 Min. in Berlin aufgestiegen war, ist in der Nordsee verunglückt. Die Insassen des Ballons, A. Nikolai, H. Berliner und G. Gebauer wur­den von einem Lotsendampfer gerettet, der Ballon wurde durch den SchleppdampferCyclop" geborgen.

New York, 22. Okt. In Gegenwart einer riesigen Menschenmenge begann heute auf dem benachbarten Bel­mont-Parkgelände die internationale Flieger­woche, die bis zum 30. Oktober dauert. Es sind Geldpreise im Gesamtbeträge von 80 000 Dollars ausgesetzt.

vom Gordon-Vennett-Rennen.

Von den drei vermißten Luftschiffen sindA z u r e a" und -,Düsseldorf" inzwischen gelandet,Amerika" ist noch ver­schollen. Nach einer Mitteilung des bekannten Luftschiffers, des schweizer Obersten Schaeck ist das Schlimmste zu befürchten. Wir erhielten folgende Drahtnachrichten:

Azurea und Düsseldorf gelandet.

Berlin, 22. Okt. Wie aus Newyork berichtet wird, ist der BallonAzurea" im Distrikt von Algoma in Kanada ge­landet. Ueber das Schicksal des BallonsDüsseldorf" und Amerika" sind noch keine Nachrichten eingelausen.

St. Louis, 22. Okt. Als die Insassen des Ballons -,A z u r e a" B i s c o t a r i n g erreichten, sandten sie ein Tele­gramm an den Aeroklub Ametiko, sie hatten drei Tage und eine Nacht dazu gebraucht, die Wälder zu durchqueren. Sie wären gezwungen gewesen, einen See, der ihnen den Weg ver­sperrte, zu durchschwimmen. Die Temperatur betrug nachts nur 11 Grad Fahrenheit.

St. Louis, 23. Okt. Der BallonDüsseldorf" ist am Mittwoch mittag in der Nähe von K i s k i s i n k (Quebec) gelandet; sein Führer behauptet, 1240 Meilen zurückgelegt zu haben.

America gestrandet.

Montreal, 23. Okt. Oberst Schaeck, der Führer der Helvetia", berichtet, er habe beim Kreuzen des Huronsees einen fallenden Ballon gesehen. Die Beleuchtung war schlecht. Er habe daher durch das Fernglas weder das Fahrzeug bestimmen noch erkennen können, ob es bemannt gewesen sei. Der heftige Wind machte eine Hilfeleistung unmöglich.

Washington, 23. Okt. Die Zollkutter und sonstigen Regierungsdampfer auf dem Huronsee sind angewiesen worden, die Nachforschungen nach dem BallonAmerika" zu unter­stützen.

*

Germania Sieger?

Newyork, .22. Okt. Die Beamten des Lustschifferklubs Amerikas äußerten ihre persönliche Ansicht dahin, der Ballon Germania" habe mit der zurückgelegten Strecke von 1200 Meilen einen neuen Weltsieg aufgestellt und sei als S i e g e r des Gordon- Bennett-Rennens zu betrachten. (Wenn die Angaben des Führers desD ü s s e l d o r f" stimmen, wird Germania" nicht als Sieger zu betrachten sein. D. Red.)

vermischte».

f * Schwerer Zusammenstoß mit der Polizei. Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen einer Bande von 30 bis 40 halbwüchsigen Burschen und zwei Schutz­leuten kam es in der Nacht zum Sonntag nt der Weber­und Büschingstraße zu Berlin. Als ein Bursche auf einen der Schutzleute a n l e g t e, kam ihm dieser zuvor und feuerte einen Pistolenschuß ab. Der Getroffene brach zusammen, wurde aber von seinen Genossen weg­geschleppt, so daß er nicht fest gestelltwerden konnte. Die Hügel des Schutzmannes traf noch einen Bier­fahrer, der sich in der Nähe befunden hatte und nach dem Krankenhaus am Friedrichshain verbracht, wurde. Bereits am Sonntag wurden 10 der Hauptbeteiligten er­mittelt und verhaftet. Auch für heute werden noch Verhaftungett erwartet.

* D er Regenwurm im Haushalt der Natur. Schon Darwin hat festgestellt, welchen Anteil die Regenwürmer an der Bildung der Feinerde haben, durch die die Fruchtbarkeit des Bodens bedeutend gesteigert wird. Nach einer Beobachtung, die ein amerikanischer Physiologe gemacht hat, scheint es aber auch, daß die Regenwürmer an der Besiedelung der Erde durch Pflan­zen geradezu mitschaffen. In einem Park zu Baltimore wurde beobachtet, daß Regenwürmer geflügelte Früchte des Silberahorn oft bis zu fünfzig Stück in ihre Bohrlöcher geschleppt

hatten. In jedem Häuflein waren die Früchte durch die Erde und durch einige tote Gräser miteinander so verbunden, daß sie die Bohrlöcher völlig verschlossen. Während nun die auf der Erde umherliegenden Früchte nicht ausgetrieben waren, standen von den in die Erde hineingegrabenen die meisten bald in voller Keimung In dieser Weise also tragt der Regenwurm zur Ver­besserung der Erde und zur Verjüngung des Waldes bei.

* Eine Hausschjlachtung. Junge (zum Krämer):Ich möchte 10 Pfund Salz und ein halbes Pfund Pfester." Krämer: Ihr habt gewiß Schweineschlachten; welcher Fleischer schlacht' denn bei Euch?" .Junge:Gar feener, das Schwein is ganz alleene gestorben!"

* Schöner Vergleich.Ist es aber auch ein sicherer Gaul?" Pferdeverleiher:So sicher wie 'ne erste Hypothek!" Kleine Taqeschronik.

Ter Fuhrwerksbesitzer Blankenburg aus dem Berliner Vor­ort Stolpe geriet in der Trunkenheit mit einem Nachtwächter, der seinen Wagen anhielt, in Streit. Dabei riß Blankenburg! seinem Gegner den Säbel weg, und stieß ihn sich in den Unter­leib. (?) Er ist lebensgefährlich verletzt und wurde in die Charite eingeliefert.

Auf Schloß Friedenstein bei Gotha wurden außer Bil­dern auch Altertümer und Meißner Porzellan ent­wendet; ein Diener, sowie ein vielfach vorbestrafter Kellner wurden verhaftet; bei auswärtigen Althändlern wurde be­reits ein Teil der gestohlenen Sachen beschlagnahmt.

Der älteste Sohn der Erbpächters Boldt zu Wöbbelin erschoß seinen Vater und seinen jüngeren Bruder in ihrem Betten. Der Mörder erhängte sich dann im nahen Walde. Er sollte wegen Leichtsinn der Erbschaft des Gehöftes verlusttg gehen.

In Adelsberg wurden heute nacht durch Groß­feuer acht Häuser eingeäschert. Eine 80jährige Frau kam in den Flammen um, mehrere Familien sind obdachlos. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

Nach einer Meldung aus Rio de Janeiro ist der DampferW ally" bei Para aescheitert. Fünfzig Per­sonen sollen ertrunken sein.

Der Direktor des Staatsarchivs Malagola in Ve­nedig, gegen den in den Blättern die Anklage schwerer Unregelmäßigkeiten erhoben worden war, hat sich durch einen Revolverschuß getötet.

Nach einer Lloydmeldung aus Havana ist das kubanische KanonenbootCespedes" bei den Colorados gescheitert. Fast die gesamte Mannschaft ist ertrunken.

Markte.

fc.Frankfurt a.M. 93 i e b h oi- 'Di a r f t bericht vom 24. Okt. AuÜrieb: 1527 Rinder, darunter 465 Ochsen, 31 Bullen, 1031 Kühe, 350 Kälber, 423 Schale, 1979 Schweine.

Tendenz: Kälber anfangs lebhaft, dann flau, bleibt etwas Uebersland, Schafe ruhig, alles abgefetzt, Schweine mäßig, bleibt Ueberstand. Preis pro 100Psd.

Lebend- Schlacht­

gewicht

Ochsen. Mk. Mk.

Dollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht­

wertes, höchstens 6 Jahre alt .... . 5056 8997

Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete............ 4449 8088

Mäßig genährte junge und gut genährte ältere 4244 7779

Bullen.

Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 4851

vollfleifchige, jüngere..........4346

Färsen, Kühe.

Vollfleischige ausgeni. Färsen höchst. Schlachtw. 4348

Vollfleischige ausgemäsleteKühe höchstenSchlacht-

wertes bis zu 7 Jahren ........ 4346 Aeltere ausgemästele Kühe und wenig gut ent­

wickelte jüngere Kühe und Färsen .... 3442

Mäßig genährte Kühe und Färsen.....2325

Kälber.

80-85

71-76

77-86

80-83

71-81

4654

Feinste Mast-(Vollmilchmast) u. beste Saugkälber 6064 100100 Mittlere Mast- und gute Saugkälber .... 5359 93100

Geringere Saugkälber......... 5054 8592

Schale.

Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . 3438 7578 Aeltere Masthammel und gut genährte Schafe 3233 6972

Schweine.

Vollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebendgelvicht........ 56.5057.50 70.0072.00

Vollftelschige Schweine über 21/, Zentner

Lebendgelvicht........ 56.0058.00 71.0073.00

Fettschwelne über 3 Ztr.Lebendgew. . 56.0057.50 71.0074.00

Fleischige Schweine...... 56.0057.50 72.0074.00

ic. Frankfurt a. M., 24. Okt. (Orig.-Telegr. desGieß. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Welzen Mk. 20.0000.00, Kurhess. Mk. 20.0020.25, nordd. 00 Mk., La Plata Kansas Mk. 00.0000.00, Roggen (hiesiger) Mk. 15.25 bis Mk.15.40,Gerste (Wetterauer) '1)^.16.0016.50, Gerste Franken Pfälzer Ried Atk. 16.0517.00, Kleie Mk. 00.00- 00.00, Hafer Mk. 15.25 bis Mk. 16.00, Mais Mk. 14.00-14.25, Weizenmehl 0 Mk. 30.00

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fc. Frankfurt a. M., 24. Okt. (Orig.-Telegr. desötcfez Anzeigers".) Kartoffelmarkt. Man notierte: Frühkartoffeln tit Waggons Mk. 6.506.60, im Kleinhandel Alk. 7.50-7.15 für je 100 Kg.

ßanöeL

Wien, 22. Okt. Die österreichisch-ungarische Bank erhöhte den Diskont uoit 4 auf 5 Prozent.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffenlliche Wetterdienststelle Gießen.

Verlauf der Wülerung seit gestern früh: Tas Hochdruck- gebiet über der Ostsee besteht fort, während ein Tiefdruckgebiet über der Biskaya lagert. Daher wehen m ganz Deutschland östliche Wmde, die zeitweise heiteres, trockenes Welter bedingen. In der Nacht trat infolge Ausstrahlung strichweise Rei'bildung ein. Es ist eine Zunahme der nächtlichen Erkaltung in Aussicht.

Wetteraussichten in peilen am Dienstag dem 25. Oktober 1910: Nachl'rolt, heiter, trocken, Ostivind.

Der König von Siam t

Bangkok, 23. Ott. Der König Chulalongkorn ist nach kurzer Krankheit gestorben.

Als T o d e s u r s a ch e des Königs wird Urämie angegeben. Der Kronprinz wurde zum Könige proklamiert.

König Chulalongkorn von Siam hat ein Alter von 57 Jahren erreicht. Er folgte seinem Vater König Paramindo Maha Mongkut am 1. Oktober 1868 auf dem Throne. Bekannt sind die erfolgreichen Bemühungen Chulalongkorns, der europäischen Kultur in seinem Lande Eingang zu verschaffen. Unter seiner Regierung trat Siam dem Weltpostverein bei.

Der KronprinzMahaWajirawudh,der am 1. Jan. 1911 30 Jahre alt wird, ist am 17. Januar 1895 zum Kronprinz- Thronfolger erttärt worden, nachdem der anfänglich zum Thron­erben besttmmt gewesene Prinz Maha Vajirunhis, der eine vor­zügliche europäische Erziehung genossen hatte, gestorben war. Ter neue König hat seine Ausbildung in England erhalten.

(DriginabDra^tmclöuugen.

Das Befiadeu des Ministers Braun.

R. B. Darmst ad t, 24. Okt. Ter Minister des Innern Braun verbrachte die Nacht auf Montag ruhig. Sein Schlaf war ruhig. Bei der heute um 10 Uhr durch den behandelnden Arzt, Sanitätsrat Dr. Hoffmann, Dor» genommenen Untersuchung wurde langsam fortschreitende Besserung und ein verhältnismäßig günstiges Allgemein­befinden festgestellt.

Tie türkische Kabinettskrise.

Athen, 24. Okt. Der König erklärte Venizelos, das Nichtvorhandenfein einer beschlußfähigen Zahl von De- putterten bedeute keineswegs einenMangel anVertrauen und bestand daraus, das Kabinett solle morgen wieder in der Nattonalversammlung erscheinen. Venizelos wird seine Ant­wort morgen vormittag geben. Ein Zugvonungesähr 20000 Personen übergab in Abwesenheit des Königs dem Kammerherrn eine Adresse, in der der Monarch gebeten wird, das Reformkabinett Venizelos zu unterstützen. Der König telephonierte aus Tatoi, daß er wünsche, Veni­zelos möchte die Gewalt behalten. Der Zug marschierte dann vor dem Hause Venizelos vorbei, der vom Balkon eine Ansprache hielt, in der er erklärte, die Machenschaften der Reaktionäre würden vereitelt werden dank der Zu­sammenarbeit von König und Volk zur Verwirklichung oes Reformprogramms. Die Menge brachte Venizelos wieder­holt Huldigungen dar. Die Ruhe wurde nicht gestört.

*

Havanna, 24. Okt. Bei dem Orkan sind' ins­gesamt 100 Personen ums Leben gekommen.

Tokio, 24. Ott. Ministerpräsident Katsura er­klärte, daß das neue Budget an neuen Ausgaben nur 70 Millionen Yen für Flotten so rderungen ent­halten werde, die auf 6 Jahre verteilt werden sollten. Die durch die Ueberschwemmungsschädcm entstandenen Ausgaben und die durch die Annexion Koreas erwachsenen .Lasten- beeinflussen den Voranschlag nur unwesentlich.

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Samstag den 29. Oktober, abends 8l/i Uhr

Winter-Bcrgniigcii mit M in der Turnhalle am Oswalds- g art en. v"/,®

Sonntag, 30. Okt., nachm. 3 Uhr,

AMugnach Der Liebigshiihe.

Freunde und Bekannte will- kommen.______Der Vorstand.

Hospizj^

evang. Schwesternhaus,

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