Ausgabe 
18.1.1910 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Aus Ofenpest wird gcmclbct: Die Mini sterliste, die ,imAmtsblatt" veröffentlicht wird, lautet folgendermaßen: Prä­sidium: Gras Khun Hedervary, der auch das Ministerium des Innern leitet und interimistisch das Amt dcS Ministers für Kroatien und eines solchen des Mgl. Hoflagers bekleiden wird: Finanzminister: Ladislaus Luka cs: Handels Minister: Starl Hicronymi: Ackerbauminister: Gras Sereiryi: Justiz­minister: Kronanwalt Dr. Sz ekelt), der provisorisch auch das Kultusministerium übernimmt. Am 18. d. Mts. findet in Wien die Vereidigung der neuen Minister statt.

Aus London wird gemeldet: Das Ergebnis der Wahlen bis 1 Uhr früh (Dienstag) ist folgendes: Gewählt sind 92 Unio­nisten, 77 Liberale, 16 Mitglieder der Arbeiterpartei, 13 Na­tionalisten. Die Unionisten gewinnen 37 Sitze, die Liberalen 7, die Arbetterpartei gewann einen.

Der schwedisches Reichstag wurde vom König mit einer Thronrede eröffnet, welche die Beziehungen zu den aus- lvärtigen Mächten als gute bezeichnet und hervorhebt, daß der alte schwedisch-norwegische Grcnzstteit endlich durch Schiedsgericht geregelt sei. Ein Gesetzentwurf bctr. die Revision des Zoll­tarifs soll demnächst vorgelegt werden. Ungeachtet der großen Ersparnisse für 1911, in welchem Jahre die Gesamtsumme der Erfordernisse geringer ist als diejenige für 1910, würden neue Steuern notwendig sein, unter anderem die Erhöhung des 'Lingangszolles auf Kaffee, der Erbschaftssteuer, und ebenso der Einkommen- und Vermögenssteuer. Das Budget für 1911 bi­lanziere mit 229 411000 Kronen. Unter den bedeutendsten Er- tordernissetl befinde sich dasjenige fürBerkehrswegeiuHöhe von 13 313 000 Kronen.

21 ns Stadt uitö Land.

Gießen, 18. Januar 1910.

** Tageskalender für Dienstag, 18. Jan. Stadt- it he ater: Tantris der Narr. Anfang 8 Uhr.

Reichs gründungs feier, veranstaltet vom Alldeutschen Verband. .Abends 81/2 Uhr in Steins Garten.

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** Prinz Wald emar von Preußen kam heute vormittag 8 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof an, tvo er ein von Bahnhofsresbaurateur Niemann geliefertes Frühstück in seinem Salonwagen einnahm. Ter Prinz kam von Stiel und fuhr nach kurzem Aufenthalt nach Straßburg weiter.

* "' Aus dem Militär-Wochenblatt. Porath, Militär-Baumsp., technischer Hilfsarbeiter bei der Jntend. des Gardekorps, als Vorstand des Militär - Bauamts I nach 'Mainz, Dupont, Militär-Baumsp. in Mainz, als technischer Hilfsarbeiter zur Jntend. des GardekorpS, Peters, Jntcn- danturcat von der Intendantur deS 18. Armeekorps, zu der des 10. Armeekorps versetzt.

i "* Erledigte Lehrerstellen. Eine mit einem Katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu K'lein-Steinheirn. Ihrem Inhaber ,rönnen die Funktionen eines Hauptlehrers an dieser Schule gegen besondere Vergütung übertragen werden. Zwei mit eüang. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Ge- 'meindeschule zu W ö r r st a d t. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Bodenheim. Eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindoschule zu Ober- iS au lh eim.

* Nationalliberaler Verein Gießen. In der gestrigen Sitzung des hies. Natlib. Vereins im Cafs Ebel jljielt Herr Prof. Altendorf eine mit lebhaftem Beifall auf- benommene Rede über die Geschichte des Deutschen National- wereins. Er legte die Bestrebungen dieses Vereins in ihren fielen auf die Gründung eines nationalen Reiches dar, zeigte 'die Kämpfe, die jene Männer zu bestehen hatten, die Hoff­nungen, die man von der Einigung Deutschlands in geradezu prophetischer Weise erwartete, legte die noch bestehenden iMeinungsunterschiede betreffs dcS Endzieles ob groß­deutsch oder kleindeutsch und die Mißverständnisse gegen­über der Bismarck'schcn Politik dar, die erst nach 1866 eine Klärung fanden. Die Rede gab ein anschauliches' Bild von !der Mitarbeit des Nationalvcreins an der Bereitung deS !BodenS für die 1871 erfolgte Einigung unseres deutschen Vaterlandes. An die Rede schloß sich eine Ehrung des Stadtverordneten Ludwig Petri II. an, der von Anbeginn an Mitglied des Nationaloereins war. Der Nationalllberale Verein Gießen ernannte Herrn Petri zum Ehrenmitglied deS Vereins und zum lebenslänglichen Mitglied seines Vorstandes. Die Widmung wurde ihm in Gestalt einer Mappe mit entsprechender Inschrift vom Vorsitzenden über- reicht. Nach Dankesworten des Herrn Petri machte cr rmd einige Herren noch weitere interessante Mitteilungen über Vor- kommniffe jener Zeit. Hieran schloß sich eine Besprechung der hessischen Wahlrechtsreform. Sic hatte das Ergebnis, daß die neulich gefaßte Entschließung deS Vorstandes, die die praktische Politik der hessischen nationalllberalen Landtags­fraktion billigte, die volle Zustimmung der Versammlung fand. Dann folgten Mitteilungen über die Organisation in unserem Reichstagswahlkreise, die erfreuliche Fortschritte auf­wies und den leitenden Kräften warmen Dank seitens der Versammlung eintrug. Den Schluß bildete eine Reihe das Vereinsleben betreffende Mitteilungen.

Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte. Der zweite der geplanten Einzel­vorträge findet Freitag, 21. Januar, abends 8x/2 Uhr, im Hörsaal 2 der Universität statt. Privatdozent Dr. Lauben­heimer wird über ,Die Tuberkulose und ihre Be- kämpsung* sprechen. Eingeladen sind, wie wiederholt fest­gestellt sei, nicht nur die Teilnehmer an den Kursen, sondern alle Arbeiter und Unterbeamte mit ihren erwachsenen Familien­angehörigen.

* * Von der Straßenbahn. Vom 1.15. Jan. fuhren mit der elektrischen Straßenbahn 45 599 Personen vder im Durchschnitt jeden Tag 3040 Fahrgäste. Im ganzen bedienten sich des neuen Verkehrsmittels seit oer Betriebseröfsnung bis 15. Januar, also in 56 Tagen-, 204 457 Personen oder täglich im Durchschnitt 3671. Die Einnahmen der Straßenbahn betrugen vorn 20. bis Ende November 4722.77 Mk., im Dezember 10 777,46 Mk., vom 1.-15. Jan. 4438.08 Ml., im ganzen 19 938.31 Mk. (durchschnittlich jeoen Tag 356.11 Mk.). In dieser Summe ist der Betrag für verlauste, noch nicht benutzte Fahrmarten mit rund 600 Akk., die schon vereinnahmt wurden, nicht enthalten.

* * Opern gastspiel des Darmstädter Hostheaters. Die letzte Opernaufsührung dieses Winters findet am Mitt­woch, 26. Jan., statt. Zur Ausführung kommtMignon".

Turnerisches. Ter Gauanoschuß des Turugaues Hessen hielt am Sonntag hier eine Sitzung ab, in der u. a. der Gauturntag au, den 1 3. M u r z festgesetzt wurde. Er wird wieder hier in Steins CVarten staUfiuden. Mit der WhaUung des Gauturnfestes in Grünberg am 3. und 4. Juli eriiärie sich der Ausschuß grundsätzlich einverstanden. Er

gab aber dem Tv. Grünberg zur Erwägung anheim, ob sich nicht mit Rücksicht auf das Hoherodskopffest und das in Alsfeld geplante Radfahrerfest, für die die gleichen Tage in Aussicht genommen sind, eine Verschiebung auf den da­rauffolgenden Sonntag empfehle. Ferner wurde noch mit» geteilt, daß am 30. Januar zu Lauterbach, dem Geburts­ort von Adolf Spieß, eine Gedächtnisfeier aus An­laß des 100. Geburtstages des Begründers des deutschen Schulturnens stattfinden wird. Die Gauvereine sollen ge­beten werden, hierzu Abordnungen zu entsenden. Am Vormittag desselben Tages fand in der Halle des Mw. ein Turnen der geübteren Turner des Gaues statt, bei dem sehr gute und interessante Uebungen gezeigt wurden. Wie uns aus Schotten mitgeteilt wird, will der dortige Turnverein beantragen, in diesem Jahre wieder ein Be r g - wetturnen auf dem Hoherodswpf abzuhalten. Am 15. Januar erschien die 1. Nummer einerTurnzeitung für den Kreis Mittelrhein", die im Aufwage der Kreisleitung von Prof. Warn,er in Butzbach herausgegeben wird.

* * Im Kolosseum eröffnete gestern das Frankfurter Intime Theater, oas von Direktor Valle ausgezeichnet geleitet wird, vor fast ausverlaustem Hause sein hiesiges Gastspiel. Ohne uns in Einzelheiten zu verlieren, können wir feststellen, daß das Programm recht geschmackvoll zu- sammengestellt war und sich den lebhaften Beifall der zahl­reichen Zuschauer errang. Und dieser Beifall war, sowohl was die einzelnen wirklich guten Kräfte anbelangt, als auch für die Art und Weise der Darbietungen voll berechtigt. Neben den Damen Krautz und Marlor, die sich als gute Sängerinnen vorstellten Frl. Krautz ist von ihrem früheren Auftreten hier noch in bester Erinnerung, sanden namentlich der Bekannte ehemalige Charakterkomiler am Klavier von Wolzogens buntem Theater, der beliebte Fredy und derConsereneier" der Truppe Renard, der auch als Darsteller und Sänger sehr anerkennenswert war, sehr starken Beifall Sehr hübsch war au.cf) der Apachen­tanz und stürmische Hetterccit erregten die beiden luftigen Schwänke: Biedermeier und Frau und Der Geld­briefträger, die beide recht flott und graziös gespielt wurden. Auf die einzelnen Darsteller kommen wir dem­nächst noch ausführlicher zurück.

* Das Kaiserpanorama bringt eine prächtige Serie zur Ausstellung und zwar die Wartburg, Eisenach, das An n atal usw. In vorzüglichen und plastisch zur Wirkung kommenden Aufnahmen findet der Besucher die Wartburg, die neben der malerischen Alter­tümlichkeit der Burghöfe usw. besonders im Innern das Auge fesselt. Hier sieht man den Bankettsaal, das Land­arafenzimmer, die Sängerlaube, den Rüstungssaal, den Elisabethgang, das Zimmer, in dem Luther die Bibel über­setzte usw. Besonders schon ist der Ausblick auf Thüringen von der Wartburg aus. Von Eisenach werden der Nikolai- platz mit dem Lutherdenkmal, der Markt mit dem Schloß und dem Gcorgsbrunuen, das alte Lutherhaus, das charak­teristische Denkmal Sebastian Bachs, der moderne Pfarr­berg, das elegante NurhansFürstenhof", die Karolinen­quelle und die Reuter-Villa am Fuße der Wartburg gezeigt. Ganz entzückende Bilder Bieten die Trachenfchlucht, das malerische Annatal, der Ausblick vom Burschenschafts-Denk- mal, Friedrichsroda, die Burgruine Liebenstein u. a. m. Jedenfalls verdient die Serie regste Beachtung.

* * Eine Probealarmierung. Gestern abend wurde der hier Rationierte Hilfszug zur Probefahrt nach Bad-Nauheim alarmiert. Um 6 Uhr 22 Min. traf das Telegramm hier ein, um 6 Uhr 56 Min. fuhr der Hilfszug schon ab. Der Zug bestand aus Lokomotive, Arztwageu, Gerätewagen, Mannschaftswagen. Die er­forderliche Aufräumungsmannschaft, sowie die znm Sani­tätsdienst ausgebildeten Leute, letztere unter Führung des Bahnarztes, Sanitätsrat Dr. Zinßer begleiteten den Zug. In Bad-Nauheim wurde der Hilfszug von einigen Mit­gliedern der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. erwartet. Diese ließen einige Hebungen im Ein- und Ausladen, sowie im Verbrnden von Verletzten vornehmen unb sprachen zum Schlüsse ihre Befriedigung über das rasche Eintreffen des Hilfszuges, sowie die gute Ausführung der Hebungen aus.

** Dieb stah 1. Einem hie'igen Uhrmacher wurde gestern abend der an seinem Laden außen angebrachte Schaukasten zertrümmert und daraus zwei Uhren im Werte von 24 "Mk. gestohlen. Als Täter wurden bret Schuljungen im Alter von 11 bis 13 Jahren festgestellt. Die Uhren fanden sich in ihrem Besitz. Es sind dieselben Jungen, die in letzter Zett eine Anzahl Ladendiebstähle begingen.

** Ehrung eines Gießeners. Am 15. Januar hat der Großherzog von Baden dem Fabrilanten Karl Junker einem geborenen Gießener in Firma Junker u. Ruh in Karls­ruhe zu seinem 70. Geburtslage den Tnel als Kv mmerzien- rat verliehen, nachdem ihm schon vor Jahren hohe Ordensuus- ^£1(1)innigen zuteil geworden waren.

R. Annerod, 17. Jan. Pfarrer D. Dr. Diehl aus Darmstadt hielt am Sonntag auf Anregung des Ortsgeiftlichen Pfarrer Groth (Rödgen) in unserer Kirche einen Vortrag über den 3 0 jährigcn Krieg. In lebenbftildjen Bildern zog jene traurige Zeit an unserem geistigen Auge vorüber. Sie brachte unseren Vorfahren großes Leid: Hab und Gut ging verloren, ihre Ehre, d. h. ihr Bekenntnis, wurde geraubt, Pestilenz und teure Zeit machten das Leben unerträglich schwer. Schon in den ersten Kriegsjahren wurde das nördliche Oberhessen von den wilden Scharen des Herzogs Christian von Braunschweig ver­wüstet. Nach den ersten erfolgreichen Vorstößen der Kaiserlichen setzte die Gegenreformation ein, die viele hessische Protestanten, besonders im heutigen Starkenburg, zwangsweise wieder dem Katholizismus zuführte. Folgenschwerer für unsere Gegend war der Ausgang der Schlacht bei Nördlingen (1634). Den abziehenden Schweden folgten die siegreichen Heere der Liga durch unsere heimatliche Landschaft. Der Bauer floh vor den verwilderten Horden in die befestigten Städte (Gießen, Grünberg, Alsfeld usw.). Hier mangelte es bald den auf engem Raum zusammengepferchten Flüchtlingen an Nahrung und Obdach, und derschwarze Tod" hielt in ihren Reihen, besonders im Jahre 1635, furchtbare Ernten. Trotzdem verzagten die Leute nicht, auch in der allergrößten Not. Passende Lieder des Kirchen- und Schülerchores unter Leitung des Lehrers Euler umrahmten den Vortrag des Redners. Am Schlüsse dankte Pfarrer Groth allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten, besonders dem Vortragenden, für ihre Mühewaltung.

4 Lich, 17. Jan. Der Krieger verein hictt am Sams­tag abend unter dem Vorsitz von Metzgermeister Louis Heller im Holländischen Hos seine Generalversammlung ab. Der Rechenschaftsbericht und die Rechnungsablage ergaben eine günstige Entwicklung des Vereins. Es wurde u. a. beschlossen, den Ge­burtstag des Kaisers in diesem Jahre in größerem Maß stabe zu begehen und zwar am daraus lolgen. en Sonntag. Für den Nack>- mittag ist bereits die Kapelle des Leib-Dragoner-Regimenls Nr. 24 aus Darmstadt, für ein Konzert gewonnen. Avenos soll eine AtendunterhaUung lebenden Bildern und Ball veranstaltet werden.

Queckborn, 17. Jan. In der vorigen Woche tvurde der neue D ampfkesfel von Herrn Weinbrenner in Neuntirchen zur Erweiterung für'das der Stadt Gießen gehörige Wasser wert von unserm Bahnhof

an die Pumpstation gebracht. Er hat ein Gewicht von 320 Zentnern und der zu seiner Beförderung dienende Wagen wog 80 Zentner. Zum Transport waren 10 starke Pferde notig, die von Herrn Wilhelm Jost als Unter­nehmer der Fuhren in unserem Orte gestellt wurden. Als um ein Uhr die Pferde angespannt wurden, war dec Bahnhof von fast der ganzen Gemeinde besetzt worden, die mit großer Spannung der Sache zusah. Beim ersten Versuch, den gewaltigen Kessel abzufahren, gingen einige Zugketten entzwei. Beim zweiten Anfahren gelang es, ein Stück fortzufahren. Man brachte die Räder auf eiserne Platten, daß sie auf dem neuen Bahnhofsweg nicht hinunter­sanken. Mit großer Mühe kam man um 1/24 Uhr an Ort und Stelle an, ohne daß ein Unfall vorgekommen war. Die hiesigen Einwohner hatten in hilfsbereiter Weise durch Ziehen und Drücken den Pferden große Erleichterung verschafft.

X Aus Bern Lumdatal, 17. Jan. In bat letzten Jahren hat die Ueberschwemmungsgefahr der Lumda bedeutend abgenommen, da eine Anzahl Orte des Tales eine Re- gulterung des Flußlaufes durchführten. Neben der Besettigung der UebÄchwemmungsgefahr für die tiefgelegenen Aecker wurde auch durch den Wegfall der vielen Krümmungen Gelände ge­wonnen. Neuerdings hat die Gemeinde Mainzlar beschlossen, die Lumda an ihrer Gemarkung zu regulieren. Tie Kosten sind zu 12 000 Mk. veranschlagt.

x Von der oberen Nidda, 16. Jan. Die von einer Anzahl Orten im Vogelsberg gemeldete Masern- epidentie herrscht auch in Unter-Schmitten und EtchelSdorf. In letzterem Orte sind tue Schulen ge­schlossen. Tie Krankheit verläuft bis jetzt normal. Merk- rvürdigerweise ist das zwischen beiden Otten liegende Ober- Schmttten von der Krankheit verschont. Gegenwärtig tst ein sehr schlimmer Schädling der Beerensträucher und Stein­obstbäume an der Arbeit der Blutfink ober Dompfaff. Dieser so schon gezeichnete Vogel, tvelcher sich während des Sommers in den Wäldern gufhält, sucht, sowie die Knospen zu schwellen anfangen, paarweise die Gärten auf und beißt, ivas an Knospen vorhanden ist, ab. Stundenlang sucht cr Zweig für Zweig ab; unter den Bäumen liegt es grau und grün zerstreut von zerbissenen Knospen. 2)ian vertreibt ihn durch aufgel'lecfte Scheuchen; auch hängt man ausgeblasene Eier auf bte Beerensträucher. Das beste Mittel ist ein blinder Schuß. 9)Zan wendet es aber nicht gern an, weil dadurch auch nützliche Vögel, ioie die Meisen, verjagt werden. Letztere zieht man am besten in die Gärten durch atifgehängte Knochen, an denen etwas Fleisch ist; jedoch ist zu warnen vor Knochen mit gesalzenem Fleisch daran gehen die Meisen zti Grunde.

L. Bad Nauheim, 17. Jan. Die Arbeiten des Roh­baues der Kolonnade, des Cafes und Tennishauses sind so weit vorgeschritten, daß sie Mitte Februar beendigt jeiit dürften. Die Arbeiten zum inneren Ausbau sind bereits ausgeschrieben. So wird wohl bei Beginn der eigentlichen Saison ein prächtiger Neubau unseren Badeort Ziereii. Für das Easö soll bereits ein tüchtiger Restaurateur vorgesehen sein. Ende September wird mit beim Bau der neuen Trinkhalle und der Einlassung der drei Sprudel begonnen werden.

L. Friedberg, 17. Jan. Gegen Ende Januar werden einige Mitglieder des Saiauspielhaufes zu Frankfurt im Saale des Hotel Trapp ein Gaftsprel geben. Zur Auf­führung sollen kommen:Die sittliche Forderung" von Hart- leben,Das Abschiedssouper" von Schnitzler,Kurmärker und Picarde" mit einer Tanzeinlage.

Aud der Jüblichen Wettercru, 17. Jan. Die Nidda und ihre kleineren Zuflüsse haben wette Sttecken unter Wasser gesetzt. In der Nähe von Vttbel nttb der Gronauer Mühle steht der Bahndamm der neuen Strecke VilbelStockheim int Wasser. Doch werden Bett'iebsstönmgcn dadurch nickt verursacht. Die im vorigen Jahre gebaute elektrische Bahn Frank­furt a. M. -Hombttr g v. d. H., die auch die hessischen Orte Nieder- und Ober-Eschbach berührt und schon am 1. Januar dem Betrieb übergeben werden sollte, wird nun doch erst im April eröffnet. Die Erdarbeften sind beendet. Tie Strecke ist zwei­gleisig. Sie soll nachts auch von Güterzugen befahren taerbat.

F. C. Darmstadt, 17. Jan. Professor Albin Müller von der Künstlerkolonie ist von der Preußischen Regierung be­auftragt worden, die im Westerwald wett verzwcugte kera­mische Industrie durch Abhaltung von Borttägen, sowie; durch Anfertigung neuer Entwürfe und Modelle zu heben und in zeitgemäße Bahnen zu leiten. In den Hauptzentren der kera­mischen Industrie, in Höhr unb Grenzhausen, werden bereits Tonarbeiten nach den Angaben Müllers ausgeführt.

w. Marburg, 1 <. Xer trübere Letter der phhsi- kalisch-technischen Recchsanstatt, Geh. Rat Pvofessor Dr. Friedrich Ko hl rau sch, der seit 1905 in seiner hessischen Heimat im Ruhestaird lebte, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Die Arbeiten des in der ganzen Wett berühmten Gelehrten, hattet besonders das Gebiet der elektrischen Ströme zum Gegenstand.

() Marburg, 17. Jan. Nach dem heute veröffmllichten' vorläufigen Entwurf des städtischen H a u s h a 11 s e t a t s für 1910 stellt sich dieser in Einnahme und Ausgabe aus 1305 000 Mk. gegen 1196 000 Mk. im Vorjahr. Von den Nebenetats ist der der Gasanstalt der erheblichste; cr schließt in Einnahme und Ausgabe mit 337 600 Mk. ab.

F. C. Frankfurt a. M., 17. Jan. Hier starb in seiner Villa in der Sandhofstraße im 74. Lebensjahre der ehemalige Großh. Hess. Obersttammerherr Freiherr Karl Schenk zu Schweinsberg-Wäldershausen. Der Verswrbene lebte seit sieben Jahren hier. Der Agent Bohnert nebst Gattin bewohnen hier in der Böhmerstraße eine Villa, die das Ehepaar zu einem Äbsteiaequartier für Liebespaare eingerichtet hatte. Die Polizei bekam Wind von der Sache und stattete dem Hause vor einigen Abenden einen Besuch ab, der von Erfolg gekrönt war. Aus Wandschränken zogen die Schutzleute sechs Damen ein Fräulein und fünf verheiratete Frauen, sowie zwei verheiratete Herren, sämtlich derGesellschaft' angehörend.

Getreide-Wochenbericht

der Preisberichc^ctte ue-.s u,vuuu^n Lu.wwirtschastsrats vom 11. bis 17. Januar 1910.

Vom Auslande lagen in der Berichtswoche keine neuen An­regungen vor. Tie amerikanischen Prelsichwankungen sck)ün- bar eine Folge der Vorgänge auf dem Baumwollmarkte übten teilte sonderliche Wirkung, zumal Argentinien sich nur wenig ent­gegenkommender zeigte und Rußland an seinen Forderungen seß- hielt. Ebensowenig war in der Berichtswoche inlanoiicher Wftzen billiger zu befdjafien. Für das andauernd tttappe Jnlandsangebot bestand sowohl seitens der Mühlen als auch zum Export gute Nachfrage. Auf dem Lieferungsmarlte waren Abgeber angesichts der Tisparität gegenüber dem Weltmärkte sehr zurückhaltend, so daß mehrfach üorliegcnbe Kaufaufträge nur wenig billiger als in der Vorwoche ausgeführt werden konnten. Namentlich die Provinz hatte diesmal größere Kauforders nach Berlin ge­sandt, nach deren Erledigung eine mäßige Abichwächung eintrat. Ter Schluß war iy< bis 1 Mark niedriger als vor 8 Tagen. Fester als für Weizen war diesmal die Stimmung für Roggen, dessen im Vergleich ju Weizen niedriger Preisirand mehrsach Käufcr aitzog. Augerdem bietet Rußland nur wenig und mir zu sehr hohen Preisen an und so erklärt es sich, daß sowohl Skair- dinavien und Dänemark sowie Oesterreick) in stärkerem Maße auf deutschen Roggen zurückgreifen. .Sogar Nordrußlauo zieht