Aufsehens, das vor nicht langer Zeit die Aufhebung seiner Verlobung mit einer russischen Großfürstin machte. Seine Braut, Prinzessin Marie Luise- ist am 11.Oktober 1879 als älteste Tochter des Herzogs Ernst August von Cumberland geboren, ihre Mutter Thyra ist eine geborene Prinzessin von Dänemark und Schwester der Kaiserin-Mutter von Rußland und der Prinzessin von Wales. Diese von wütendem Deutschenhaß beseelte weibliche Verwandtschaft, deren Einfluß auf die europäische Politik vormals sehr bedeutend gewesen ist und bei dem hohen Alter der Königin Viktoria möglicherweise bald wieder seine frühere Bedeutung gewinnen wird, läßt die angebahnte Verbindung nicht ohne einige Besorgnis betrachten. Ob die offiziöse Beschwichtigungssentenz, daß der Herzog von Cumberland seine Einwilligung nicht gegeben haben würde, wenn er sich nicht noch weiter und eutschiedener mit der gegenwärtigen Gestaltung der Verhältnisse in Deutschland ausgesöhnt hätte, einen erheblichen Wert und ob sie überhaupt irgend einen Wert hat, darf bezweifelt werden. Eine etwas bessere Bürgschaft als diese Erwägung liegt in der That- sache, daß die Verlobung unstreitig nicht ohne Zustimmung des Kaisers vollzogen worden ist. Ebenso wird der Großherzog von Baden (der bekanntlich mit der einzigen Tochter des Kaisers Wilhelm I. vermählt ist), ein Fürst von erprobter vaterländischer Gesinnung, niemals seine Einwilligung zu einer Verbindung geben, gegen die er von nationalen Gesichtspunkten aus Bedenken hätte. Und dies um so weniger, als Prinz Max bei der Kinderlosigkeit der Ehe des Erbgroßherzogs präsumtiver Thronerbe des badischen Landes ist.
— Bischof v. Anzer ist gestern hier angekommen. Im Laufe des heutigen Nachmittags sollte der Bischof vom Staatssekretär Grafen Bülow und vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe empfangen werden. Vor etwa drei Wochen war Bischof v. Anzer in Rom und wurde auch vom Papst in längerer Audienz empfangen.
— Wie das „Berl. Tgbl." meldet, haben die Kronprinzessin Stephanie und ihr Gemahl in Syrakus Wohnung bestellt. Vorher besucht das neu vermählte Paar Rom und Neapel.
Ausland.
Paris, 26. März. Graf Christiani, der neulich begnadigt wurde, hat sich nach dem Süden begeben. Während seiner Gefangenschaft war ihm erlaubt, Civilkleider zu tragen. Des weiteren war ihm gestattet, seinen Schnurrbart zu behalten, auch brauchte er keine Arbeit zu verrichten. Seine Zeit füllte er mit Lesen und Malen aus. Es verlautet, Präsident Loubet habe ihn bereits früher begnadigen wollen; einige seiner Minister wären jedoch damit nicht einverstanden gewesen.
Paris, 26. März. Die „Libre Parole" wurde vom Abgeordneten Joseph Fabre um 100 000 Franks Schadenersatz verklagt wegen eines Artikels, in welchem Fabre beschuldigt wurde, 26 Aktien einer von Arton gegründeten Finanzgesellschaft gekauft und nicht bezahlt zu haben unter dem Hinweis auf seine Eigenschaft als Parlamentsmitglied.
Paris, 26. März. Der Zustand des in Fontainebleau an Lungenentzündung erkrankten Exbotschafters Grafen Benedetti ist hoffnungslos.
Lokales und Provinzielles.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen«)
Gießen, 27. März 1900.
•• Realschule. Unter dem Vorsitz des Herrn Direktors Dr. Rausch fand gestern die mündliche Abgangsprüfung statt. Es unterzogen sich derselben 12 Schüler, welche sämtlich bestanden. Fünf waren von der mündlichen Prüfung vollständig befreit. Die Namen der Bestandenen, mit Angabe des von ihnen gewählten Berufes, sind: K. Am end (Kaufmann), A. Bötz (Kaufmann), W. Gorr (Techniker), K. Kahle (Lehrer), W. Linkmann (Elektrotechnik), A. Jakob (Kaufmann), I. Rinn (Geometer), A. Rücker (Chemie), I. Schäfer (Postfach), H. Schüttler (Mili- lär), H. Borbach (Techniker), H- Wolf (Pharmazeut).
Der erfreulicherweise andauernde Abonnenten- zuwachs darf als sprechender Beweis dafür gelten, daß der „Gießener Anzeiger" den Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen versteht. Er wird auch weiter ebensowenig Kosten als Mühe scheuen, seinen Beruf als größte Tageszeitung Oberhessens zu erfüllen nnd jede Gelegenheit ergreifen, die Interessen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahrzunehmen. Die „Gießener Familienblätter" wahrhaft unterhaltend und belehrend zu gestalten, den „Hessischen Landwirt" zum zuverlässigen Berater zu befähigen, und durch die „Blätter -für Hessische Volkskunde" den Sinn für hessische Eigenart zu erhalten, gilt uns daneben als vornehmstes Ziel. — Daß mit der zunehmenden Verbreitung des Gießener Anzeigers seine Wirkung als Jnsertionsorgan immer nachhaltiger wird, werden die ihn benutzenden Jnserenten- kreise mit Genugthuung erfahren haben. Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen balbgefl. aufgeben zu wollen. Neu- sfinzutretende hiesige Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis 30. März den Anzeiger kostenfrei zugestellt, Wie wir auch gerne bereit sind, Probe-Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weiter senden nnd den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, Zolls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
.Verlag des „Gießener Anzeiger".
th. Die Dahrlehnskafseu haben ohne Frage volkswirtschaftlich viel Gutes. Daß aber, wo viel Licht ist, es auch an Schatten nicht fehlt, wird so recht bei einem kürzlich in Niedergemünden ausgebrochenen Konkurs über das Ver
mögen eines Viehhändlers illustriert. — Der Gemeinschuldner verfügte bis in die letzte Zeit vor seiner bei Gericht angemeldeten Zahlungseinstellung häufig über große Geldmittel; er schleppte zwar bei seinen Zahlungen etwas, doch machte er selbst bei bedeutenden Posten, wenn er einmal zahlte, stets reinen Tisch, so daß seinen Geschäftsfreunden der Konkurs ganz unerwartet kam. Alle die Leute, welche dem Viehhändler beim Handel häufig große Kredite gewährt hatten, konnten dessen Fallissement einfach nicht begreifen, da ihnen bekannt war, daß keine großen Schulden für Vieh vorhanden waren. Im ersten Prüfungstermin vor Gericht wurde das Rätsel gelöst. Von den vorhandenen 51000 Mark unbevorrechtigter Schulden waren nämlich 33000 Mk. gegen Bürgschaft verschiedener Personen bei Darlehnskasien kontrahiert, und zwar sind dabei nicht weniger als 4 oder 5 derartige Kassen beteiligt. Selbstverständlich verlieren diese bei dem Bankerutt nicht einen Heller, wohl aber diejenigen, welche diese Kredite durch die leichtsinnig übernommene Bürgschaft ermöglicht haben. Leider befinden sich unter diesen Bürgern Leute, welche durch den Verlust schwer betroffen werden. — Auch in Gießen sind in den letzten Wochen eine Anzahl kleinerer Geschäftsleute in gleicher Weise schwer hineingefallen. Es kann gar nicht ost genug vor diesen sogenannten Gefälligkeiten gewarnt werden. Der dieselben Gewährende denkt dabei oft nicht daran, daß er eventuell dabei zu Verlust kommen kann. Bei diesen Bürgschaften und Wechsel-Verpflichtungen wird besonders von Handwerkern und kleineren Geschäftsleuten geradezu unsinnig draus losgeschrieben.
□ Aus dem Lahuthal, 25. März. Das Bohren von Brunnen wird in hiesiger Gegend immer mehr gebräuchlich. Seither waren es hauptsächlich die tiefer gelegenen Orte Mainzlar und Ruttershausen, welche mehrere Brunnen bohren ließen. Nun ist man auch in dem viel höher gelegenen Staufenberg der Sache nähergetreten, indem der Besitzer des dortigen Sägewerks, Herr Heinrich Geißler, kürzlich einen solchen bohrtzp ließ. Das Ergebnis war, daß dieser Brunnen in einer Tiefe von 33 Meter soviel Wasser liefert, daß er den an ihn zu stellenden Anforderungen im vollsten Maße genügen dürfte. Auch die v. Rabenauische Nachlaßverwaltung läßt soeben in der Nähe des Herrschaftssitzes Friedelhausen einen Brunnen bohren, und ist man, da man dort die Arbeiten erst vor einigen Tagen ausgenommen hat, noch zu keinem Enderesultat gekommen. Wie man hört, haben sich derartige Brunnenanlagen in Mainzlar, wo man schon vor mehreren Jahren bohren ließ, nur bewährt. Auch zeichnen -sich dieselben vor den gegrabenen Brunnen durch eine viel billigere Herstellung aus.
x Aus dem Lumdathal, 25.- März. Im kommenden Sommer sollen in unserem Thale viele Männerchöre erklingen. Das diesjährige Sängerfest des Ohm-Lumdathal- Sängerbundes wird im Juli zu Kesselbach abgehalten. Der Gesangverein „Liederkranz" in Treis feiert am 17. Juni sein 25jährigeS Stiftungsfest, wozu bereits die Brudervereine der Umgegend eingeladen sind. Ein weiteres Sängerfest findet im Juli zu Mainzlar statt.
P. Friedberg, 26. März. Wir machen darauf aufmerksam, daß am nächsten Montag den 2. April ein achttägiger Kursus für Obstweinbereitung an der Gr. Obstbau- und landw. Winterschule beginnt. Vormittag von 9 bis 12 Uhr finden Vorträge, Nachmittag voni 3 bis 5 Uhr Uebungen und Demonstrationen im Laboratorium und Keller statt. Anmeldungen hierzu nimmt die Direktion der Anstalt, die zu jeder gewünschten Auskunft bereit ist, entgegen.
§§ Crainfeld, 24. März. Zur Ergänzung des kürzlich gemeldeten Brandes einer großen Bauernhofraite dahier, muß mitgeteilt werden, daß es der Gendarmerie in Grebenhain gelungen ist, den Anstifter des Brandes zu finden und zwar in der Person des 18jährigen Dienstknechtes des Abgebrannten Konrad Prächter, Johannes Ortwein von Bolkartshain (Kreis Schotten). Nachdem derselbe etwa 3 Stunden vor der Gendarmerie im Verhör war, hat er die Thal eingestanden. Der Brandstifter soll ein sehr verwegener Bursche sein und die That aus Rache begangen haben. Seine Dienstherrschaft hatte ihm an dem betr. Tage zur Tanzmusik 5 Mark gegeben, darnach hatte er noch weiter 2 Mark verlangt, welche er jedoch nicht bekam, und dürfte dies der Grund zur That gewesen sein. Der Thäter hat seiner Dienstherrschaft schon mehrmals Schaden an Vieh u. s. w. zugefügt.
§ Aus dem Kreise Alsfeld, 26 März. Recht unangenehme Erfahrungen machten zwei Züchter reinen Rassengeflügels aus unserem Kreise auf Geflügelausstellungen. Der eine von beiden hatte einen Stamm Hühner auf die Geflügelausstellung nach Köln geschickt. Ta ihm der wertvolle Stamm unverkäuflich war, so hatte er den Verkaufspreis mit 150 Mark notiert. Hierbei war aber ein Versehen unterlaufen, nämlich nach dem Hunderter war ein Komma gekommen, so daß der Preis mit 1,50 dastand. Der Ausstellungsvorstand, der die Verkaufsabteilung über sich hatte, sah allerdings ein, daß in der Preisangabe ein Versehen unterlaufen war, und korrigierte den Preis mit 15 Mark. Da aber der Stamm schon mehrmals mit den ersten Preisen auf Ausstellungen prämiiert worden war, und der Hahn des Stammes allein 30 Mark wert war, so hätte die Verkaufsabteilung wissen müssen, daß ein Aussteller für einen solchen Stamm nicht einen solchen Spottpreis nimmt. Andernfalls mußte er auch naturgemäß erst. vor dem Verkauf der Hühner bei dem Besitzer derselben wegen der Preisangabe anfragen. Daß ein solch billiger Stamm bald Liebhaber findet, läßt sich leicht denken, und der Stamm ging für den Spottpreis ab., Zü^ seiner nicht geringen Ueberraschung erhielt der Aussteller für seinen Stamm erstklassiger Rassehühner den Verkaufspreis mit 15 Mark zugesandt. Der Ausstellungsvorstand, der den Fehler begangen, mußte Entschädigung zahlen. — Ein anderer Züchter hatte die Geflügelausstellung zu Wetzlar
mit entern Stamm Rassenhühner, bestehend aus einem Hab» und Dter Hennen, beschickt. Statt an ihren richtigen'Bestimmungsort in unserem Kreise gingen die Hühner durch einen Irrtum nach Hanau. Nach dieser Irrfahrt kamen sie auf der rechten Bahnstation in einem Zustande an, dec ihren Besitzer nichts weniger als befriedigte. Tiefe' Unzufriedenheit steigerte sich aber noch vielmehr, als bei Aussteller beim Oeffnen des Korbes das Fehlen des besten Huhnes von deut Stamme bemerkte. Ta die Oeffnung in der «Anwesenheit von Zeugen geschehen, so wandte ji* der Besitzer unter deren Angabe sofort an den Ausstellunas- vorstand. Die Sache hat bis jetzt noch nicht ihre Erledigung gefunden. Solche Vorkommnisse liegen ja wohl im Bereiche des Zufalls, aber sie müssen doch mit allen Mitteln zu vermeiden gesucht werden, sollen anders nicht die Aussteller die Lust am Ausstellen verlieren.
(-) Worms, 26. März. Die neue Straßenbahnbrücke über den Rhein wurde heute mittag mit außerordentlichen Festlichkeiten dem Verkehr übergeben. Zu der Feier trafen der Großherzog nebst Gefolge, sowie Staatsminister Roth« und mehrere Ministerialräte um 12,45 Uhr auf der Station Rosengarten ein und fuhren in offenem Wagen über die alte Schiffbrücke nach der linksseitigen Brückenrampe, wo der Großherzog zunächst eine Ehren-Kompagnie abnahm. An dem Wormser Brückenturm wurde sodann der Groß- Herzog von dem Staatsminister Rothe und den Behörden empfangen und begrüßt, worauf von dem Sängerbund Worms ein Weihegesang vorgetragen wurde. Nach dem machte der Chef der Bauleitung, Oberbaurat Jmrat, dem Großherzog die Meldung, daß der Brückenbau vollendet, und die Betriebsübergabe erfolgen könne. Sodann brachte Ministerialrat v. Biegeleben eine Urkunde des Großherzogs, welche später von dem Landesfiirst mit dem üblichen Spruche in den Schlußstein der Brücke eingefügt wurde, zur Verlesung, worauf Staatsminister Rothe in Vertretung des noch etwas leidenden Finanzministers eine längere Ansprache hielt, in welcher der Staatsminister in großen Zügen die Geschichte der neuen Brücke, deren Entstehung und bereit Bedeutung für das Hessenland, als neuen Verbindungsgliedes zwischen den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg, schilderte. Nach Einfügung des Schlußsteines durch den Großherzog taufte sodann Staatsminister Nothe namens des Letzteren die Brücke „Ernst Ludwigs-Brücke" und übergab dieselbe unter lebhaftem Böllerschießen und dem Geläute sämtlicher Glocken der Stadt dem Verkehr. Während der nun folgenden Besichtigung der Brücke fetzte sich eine unterhalb Worms vor Anker gelegene Flotte von zirka 25 großen und kleinen Dampfern in Bewegung und fuhr in reichem Flaggenschmuck und unter lautem Böller- getöne durch die Brücke, dem Großherzog salutierend. Tie zahlreichen, reichgeschmückten Schiffe gewährten mit den dicht von Menschen besetzten Ufern von der hohen Brücke herab besehen, ein prächtiges, farbenreiches Bild. Nach der Besichtigung der Brücke begab sich der Großherzog zunächst zu Freiherrn von Hehl und dann zur Festtafel in das Rathaus. Zu dieser Festtafel hatte die Presse feinen Zutritt, mithin ist auch keine Möglichkeit vorhanden, über Reden und sonstiges bei der Tafel zu referieren.^ Um 5 Uhr fand sodann Festvorstellung im städtischen Spiel- und Festhaus statt, unb wurde als solche die einaktige komische Oper von Leyen und A. von Beauplan „Die Nürnberger Puppe" gegeben. Der Oper voraus ging eine Begrüßungshymne, ein von Fräulein E i ch e l s h e i m gesprochener Prolog und der Huldigungsmarsch von Richard Wagner. Mit Einbruch der Dunkelheit fand nach der Fest- oorstellung Beleuchtung des Lutherdenkmals, des Ludwig- denkmals, des Domes, des Rheinufers und der Liebfrauen- • kirche statt. Besonders effektvoll war die Beleuchtung der Ufer mit der sich im Rhein spiegelnden Liebfrauenkirche. Zahlreiche Privatgebäude waren auch sehr nett beleuchtet, wie überhaupt ganz Worms heute ein Sonn- und Feiertagsgewand angelegt hatte.
m. Borken (Hessen), 26. März. Ter Gewerkschaft Arnsbach zu Kassel ist auf Grund präsentierter Mutung uttter dem Namen „Eduard" das Bergwerkseigentum in in einem Felde in den Gemeinden Borken und Gombeth (Kreis Homberg) znr Gewinnung der dort vorkommenden Braunkohlen von dem Königlichen Oberbergamt Klaus thal verliehen worden. Das durch Sitnationsriß des näheren bezeichnete Feld hat einen Flächeninhalt von 2171 412 Quadratmetern.
[] Homberg (Bez. Kassel), Ein sehr bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Sonnabend nachmittag auf der Straße zwischen Reddingshausen und Remsfeld. Der feit einer Reihe von Jahren bei dem Herrn Oekonomen Pfeiffer zu Mardorf in Dienst stehende, aus Uttershausen gebürty Knecht hatte eine Fuhre Reisholz im Walde geholt. Än einer abschüssigen Stelle der Straße mit dem Hemmen dcs Wagens beschäftigt, kam dieser ins Rutschen und traf bin Fuhrmann so unglücklich, daß derselbe infolge der hierbei erlittenen Quetschungen seinen sofortigen Tod sand. Ter hart geprüften, in Mardorf wohnhaften Familie des ver- unglückteit wurde dann am Abend der treu sorgende Gatte und Vater als Leiche ins Dorf gebracht. — Ein weiterer Unglücks fall, der zwar nicht einen so schweren Ausgana nahm, aber doch ernste Folgen mit sich brachte, trug sich am selbigen Tage in der Nähe hiesiger Stadt zu. Em Schreinergeselle fuhr mit einem beladenen Handwagen du Bahnhofsstraße herunter und hatte, wie dies leider oft im Gebrauche ist, bei stark abfallender Straße sich auf das Wägelchen gesetzt, demselben nur hin und wieder soviel als möglich die Richtung gebend. An einer Kurve aber verlor der junge Mann die Macht über sein dahinrollendes Fuhrwerk, stürzte mit demselben die Böschung hinab und zog sich hierbei einen Beinbruch zu. — _____
Vermischtes.
* Kempten, 24. März. Die Strafkammer verurteilte heute den Kaplan Ed. Schön von Seifriedsberg wegen fortgesetzter Verbrechen wider die Sittlichkeit, begangen an Konfirmandinnen, zu zwei Jahren Gefängnis. (Lex Heinze).
* Oberhof, 26. März. Der Hofmarschall der Königin Wilhelmina der Niederlande hat gestern im Hotel WUnscher tu Oberhof für die Zeit vom 15. Mat bis 15. Juni d. I. Quartier für die Königin bestellt.


