Freitag den 9 November
150. Jahrgang
Nr 263 Zweites Blatt
1900
Meßmer Anzeiger
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Der Krieg in China.
Gestern berichsteten wir, daß die „Alliierten" — damit find also wohl die Gesandten gemeint — sich an Li-Hung- Tschang gewendet hätten, um durch ihn die Bestätigung des von dem internationalen Kriegsgericht gegen den Schatzmeister der Provinz Tschili ergangenen Todesurteils von dem Kaiser von China zu erhalten. Wenn diese Melduitg richtig ist, so kann man in dem Schritt der Gesandten nur den Versuch sehen, den Kaiser selbst zur Beteiligung an dem Sühnewerk heranzuziehen und ihn dadurch den ersten entscheidenden Schritt in dieser 'Richtung machen zu lassen. Es hätte das, die Willfährigkeit des Kaisers vorausgesetzt, den Vorteil, daß der Thron sich dem Lande gegenüber auf den europäischen Standpunkt stellt. Unverkennbar bleibt freilich auch die Gefahr, daß der Kaiser durch eine solche — vorläufig unwahrscheinliche — Haltung sich in Gegensatz zu der vielleicht eingeschüchterten, aber doch starken fremdenfeindlichen Partei im Lande bringt und eine gegen ihn drohende Erhebung beschleunigt. Es ist etwas viel von dem Kaiser verlangt, daß er inmitten einer unruhigen und den Fremden feindlich gesinnten Bevölkerung ein Todesurteil gegen einen oder mehrere hohe Beamte unterzeichne, deren Verbrechen gegen die Christen in den Augen der Mehrheit des chinesischen Volkes selbstverständ- lich keine Verbrechen sind, sondern patriotische Thaten. Ob nun der Kaiser einfach ablehnt, oder sich mit chinesischer Schlauheit einer Beantwortung zu entziehen weiß, indem er Li-Hung-Tschang gar nicht gestattet, ihm diese Botschaft mitzuteilen, wir haben wohl ein Recht, als sicher anzunehmen, daß.die Verurteilten keinesfalls ihrer Strafe entgehen werden. Viele Fälle beweisen, daß die müitäri- ischen Kriegsgerichte der in China stehenden Truppen Todesurteile gefällt haben, die unverzüglich durch den jeweilig am Orte Kommandierenden bestätigt und vollzogen wurden. Es ist natürlich kein Schatten eines Grundes vorhanden, milder oder förmlicher gegen die Hauptschuldigen vorzugehen, und die Befugnis des Höchst- kvmmandierenden der europäischen Truppen, Todesurteile zu bestätigen, kann nach den erwähnten Vorgängen nicht a »gezweifelt werden, sie ist auch nicht angezweifelt worden. Milde gegen die Urheber der Verbrechen würde nur bedeuten, daß man den häßlichen Grundsatz des Hängens der kleinen Diebe und des Laufenlassens der großen nach China mitgenommen hätte.
Es sei hierbei erwähnt, daß den Deutschen schon mehrmals und jetzt wiederum, ohne Bezug auf obigen Fall, der Vorwurferbarmungsloser Härte, ja, der Ungerechtigkeit gemacht wird. Ein englischer Offizier soll den Generälen der verbündeten Truppen ein Äesuch eingereicht haben, um den Grafen Waldersee zu veranlassen, das deutsche Vorgehen gegen für schuldig gehaltene Chinesen einzustellen. Es widerspricht im allgemeinen deutschen Gepflogenheiten, aus Mordlust Unschuldige niederzumacl)en; wenn bei den Unternehmungen gegen die Boxernester schließlich viel Blut fließt und wenn »uch geringere Vergehen unnachsichtlich geahndet werden, so wird das durch die Umstände geboten sein. Damit können wir uns beruhigen. Im Gegensatz zu einer.anderen Nachricht derselben Quelle hebt übrigens die kürzlich mitgeteilte Depesche des Berichterstatters der „Times" aus Peking hervor, daß die anfängliche Scheu Ner Chinesen, in dem von deutschen Truppen besetzten Teil von Peking ihre Verkaufsläden wieder zu öffnen, jetzt'überwunden sei.
Die „Times" meldet aus Peking über Taku, 6. November : Die Vorbesprechungen der Gesandten schreiten langsam voran. Sie treten zweimal in der Woche zusammen und machen jedesmal ihren Regierungen Mitteilung über die Anträge, die in der Versammlung einaebracht wurden. Dadurch werden die Verhandlungen in die Länge gezogen. In der heutigen Versammlung hat der englische Gesandte einen Antrag eingebracht, dahingehend, daß der Präliminarvertrag eine Bestimmung ent^ halten solle, durch die China sich verpflichte, die Handelsverträge zu revidieren. Dieser Antrag bezweckt, China zu verpflichten, in Zukunft alle Hindernisse zu beseitigen, die gegenwärtig die Handelsfreiheit in China hindern. Obgleich China sich schon bereit erklärt hat, die Handelsverträge zu revidieren, hat der Antrag Englands heute Widerspruch erfahren und es ist zweifelhaft, ob diese Bestimmung in den Prälimniarvertrag ausgenommen wird. . ,, n , .
Nach Meldungen aus Shanghar soll es dem chrn e fische n Kaiser mit Hilfe von Freunden gelungen sem, seiner Bewachung zu e n t k o m m e n. Er befinde sich auf dem Wege nach Peking. Eine chinesische Meldung aus Langtschoufu, der Hauptstadt von Kanfu besagt, Prinz t ti a n sei dort durchgereist und habe Ninghsiafu am oberen Hoangho erreicht." Er soll als buddhistischer Priester arater dem Schutz des bekannten Generals Tungfuhstang tz-reist sein, der von der Kaiserin Witwe zwei Monate «vrlaub erhalten hätte. Ninghsiafu liegt an der Grenze
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Die Buren.
Ein von einer Maschine gezogener englischer Borratswagenzug, von Kimberley nach Boshof unterwegs, begleitet von 10 Mann vom Kimberley-Regiment, wurde 9 Meilen von Kimberley von 20 Buren angegriffen. Die Buren nahmen den Wagenzug ohne zu feuern und sprengten die Maschine in die Lust. „Daily Mail" meldet ferner in einem Telegramm aus Pietermaritzburg, daß die Buren einen Eisenbahnzug in der Nähe von Standerton zur Entgleisung gebracht haben. Dasselbe Blatt berichtet aus Lorenzo Marqurz: Die portugiesischen Behörden seien durch die Bewegungen der Buren an der Grenze derart beunruhigt, daß sie bei den als Burenfreunde bekannten Einwohnern Haussuchungen vornehmen ließen. Sie überfielen am Montag Abend die Quartiere der verheirateten Transoaaler, führten alle waffenfähigen männlichen Buren bis zu 14 Jahren weg und brachten sie in eine Kasern, wo sie bewacht werden.
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Wie von der Transvaal-Gesellschaft in Brüffel mitgeteilt wird, wird Präsident Krüger zwischen dem 12. und 14. November in Marseille landen. Ueber die weiteren Reisedispositionen, insbesondere darüber, ob Krüger Hamburg und Berlin besuchen wird, find noch keinerlei Fest- stelluugen getroffen.
Volttische Tagesschau.
Die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten Nordamerika läßt keinen Zweifel über den Ausgang zu. ist festgestellt, daß die Mehrheit der Wahlmänner auf Namen Mc Kinley gewählt ist; dieser hat mithin Sieg davongetragen. Die Stichproben zeigen, daß
Kinley diesmal überhaupt sämtliche Staaten behält, in denen er 1896 gesiegt hatte. Der Obmann des demokratischen Staatsausschusses für Maryland giebt die Niederlage Bryans in diesem Staate zu. Nord Carolina (11), Virginia (12) und Texas (15) sollen dagegen den Demokraten treu geblieben sein. Erst um 10 Uhr abends New- yorker oder 6 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit wurde mit Sicherheit der allgemeine Sieg Mc Kinleys verkündigt und von den Demokraten zugestanden. Um diese Stunde ließ der demokratische „World" eine Rakete auffahren, das angekündigte Zeichen für die Wiederwahl Mc Kinleys. In der Stadt Newyork war der Menschenandrang in den Straßen sehr groß und allenthalben spielten Musikkapellen.
Die Ziffern der Präfidentschaftswahl sind amtlich wie folgt: Von den abgegebenen 447 Stimmen haben erhalten: Mac Kinley 284, Bryan 163. Mac Kinley hat aber eine Majorität von 24 Stimmen im Senat unb eine solche von 47 Stimmen im Repräsentantenhaus. I« der Stadt Newyork selbst erhielt Bryan eine Majorität vou 28,000 Stimmen. Mac Kinleys Gesamtmehrheit in der Volksabstimmung wird 550,000 betragen.
Die „World" erklärt, das Freisilber-Programm sei ein Mühlstein um Bryans Hals gewesen. Das Volk habe es vorgezogen, den Silberschwindel für immer zu beseitigen und werde über den Imperialismus später richten. Die Goldwährung hat thalsächlich einen entscheidenden und endgiltigen Sieg erlangt und das Währungs- Problem dürfte nun aus der amerikanischen Politik beseitigt fein.
Der Ausfall der Wahl wird von den deutschen Blätter« im allgemeinen freundlich besprochen. Die „Post" rühmt es Mac Kinley besonders nach, daß er stets auf gute Beziehungen mit Deutschland gehalten und sich dadurch das Vertrauen der deutschen Regierung und Diplomatie erworben habe.
In verschiedenen Städten haben gelegentlich der Wahlen größere Ausschreitungen stattgefunden. Im Staate Colorado wurde ein Mann getötet und mehrere schwer verletzt. Im Staate Newyork hat Mc. Kinley eine Majorität von 155 Stimmen. Bryan hat erklärt, daß er angesichts der schweren Niederlage seine Kandidatur nicht wieder ausftellen werde.
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Neu! ^gemeldet, er.
Deulsches Kelch.
Berlin, 7. November. Bei der heute vormittag int Lustgarten mit großem militärischen Pomp vollzogene« Vereidigung der Rekruten der Berliner Gar- nifon hielt der Kaiser an die Rekruten eine längere Ansprache, in welcher er u. a. etwa folgendes sagte:
Ihr habt soeben Eurem König und obersten Kriegs-- <c^riL.^Iten heiligen Eid geschworen und seid nunmehr des Königs Soldaten geworden. Der Militärstand ist ein besonderer Stand und stellt besondere Anforderungeuj und Anstrengungen an Körper und Geist. Ihr mußt Euch insbesondere gewöhnen, Euch unterzuordnen. Euch einzufügen in ein Ganzes. Ihr habt Eurem Kriegsherrn den Eid der Treue geschworen. Eure Brüder jenseits des Ozeans haben bereits Gelegenheit gehabt, Proben ihrer Treue abzulegen. Jhrhabtden Feind niederzukämpfen, Ihr habt auch im Innern die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Euch übergebene Fahne ist unbefleckt, sorgt dafür, daß sie auch in Zukunft unbefleckt bleibt.
Telegramme deS Gießener Anzeiger-.
London, 8. November. Der Dampfer, mit dem General Buller nach England zurückkehrt, wird am Freitag iw Southampton erwartet.
Paris, 8. November. Wie verlautet, wird die englische Regierung Frankreich die offizielle Notifizierung bet Annexion Transvaals am Tage vor der Ankunft des Präsidenten Krüger in Marseille Mitteilen und somit die französische Regierung zwingen, den festlichen Empfang Krügers zu untersagen.
Paris, 8. November. Die Summe, die seinerzeit aufgebracht wurde, um dem Obersten Villeb ois einen Ehrendegen zu schenken, wird dazu verwendet werden, die französischen Freiwilligen, die sich in vaal befinden, in ihre Heimat zurückzubringen.
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der Mongolei. Von hier aus wird es dem Prinzen natürlich gelingen, sich so lange unsichtbar zu machen, als es ihm für seine Haut nötig erscheint. Selbst Major von Reitzenstein, dem es sonst an Unternehmungslust und Verständnis für schwierige Lagen nicht fehlt, würde ihn dort kaum auftreiben. — unglu zögere, sich nach Singanfu zu begeben, weil er sich vor der Rache der Boxer fürchte, welche ihn als Verräter bezeichnen. Die hiesigen Chinesen behaupten, Lutschuanlin, der frühere Gouverneur vou Kiangsu, der zum Präsidenten des Handelsamtes befördert worden ist, sei jetzt noch ein größerer Fremdenfeind, als Kangyi es gewesen.
Als erster Dolmetscher bei der deutschen Gesandtschaft in China ist vom Auswärtigen Amte der Sprachgelehrte Dr. Krebs aus Esdorf im Kreise Schweidnitz berufen worden. Dr. Krebs ist mit den Sitten und Gebräuchen der gelben Rasse wohlbekannt und wird sich schon in allernächster Zeit auf seinen neuen Posten begeben.
Ueber das Gefecht bei Thukungkwan meldet Generalfeldmarschall Graf Waldersee folgende Einzelheiten: Der Feind war etwa 2000 Mann stark. An Toten wurden bei ihm aufgefunden: 3 Offiziere und 78 Mann. Diesseitige Verluste. Major v. Förster leicht vertäu n de t, 4 Mann tot, 2 schwer, 3 leicht verwundet. Bei der Verfolgung wurde noch ein Schnellfeuergeschütz erbeutet.
Aus Peking wird gemeldet: Eine gemischte, aus Deutschen und Italienern bestehende Kolonne unter dem Befehle des Obersten Garioni ist von Paotingfu hierher zurückgekehrt. Die Kolonne, aus 350 Mann bestehend, griff mit großer Kühnheit die befestigte Stadt Kuanh- s i e n an, die von 1500 mit Gewehren bewaffneten Chi- nesssn und Artillerie verteidigt wurde. Nach heftigem Kampfe besetzte die gemischte Kolonne die Stadt, entwaffnete die chinesischen Soldaten und erbeutete 8 Kanonen. Von der Kolonne wurde ein Mann schwer, einige andere leicht verwundet.
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Telegramme des Giefieuer Anzeigers.
London, 8. November. Aus Peking wird berichtet, daß die französischen Truppen in der Nähe der Hauptstadt den Präsidenten des Finanzrates den Mandarinen Tsung-li, dessen fremdenfeindliche Gesinnung bekannt ist, gefangen genommen haben.
L v n d o n, 8. November. Aus Tientsin wird gemeldet: General Cambell ist hier eingetroffen. — Bei Ting-Liu explodierten eine Anzahl Granaten in dem Augenblick, als eine Bande Chinesen sie stehlen wollten. ZahlreicheChinesen wurden g e t öt et und verwundet.
London, 8. November. Aus Peking wird ohne Angabe des Tages über Taku telegraphiert: Die englische Kolonne unter dem Befehl des Kommandeurs Richardson verließ Paotingfu am 26. Oktober. Am 30. trafen sie den chinesischen General Fang an der Spitze von 500 chinesischen Soldaten. Beide Abteilungen teilten Kolonnen ein und setzten sich miteinander in Verbindung. Ein englischer Soldat beleidigte infolge eines Mißverständnisses den chinesischen General. Er wurde sofort verhaftet.
Taku, 8. November. Die Seesoldeten Haupt und Hartmann sind an Darm-Typhus gestorben.
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