Donnerstag
12. NovemberGießener Anzeiger.
Beilage za Nr. 264. -1891
errilleton.
Sie «nd ihr Vierteisvettrr-
Erzählung von I. Bonnet.
(3. Fortsetzung.)
Während die Herren, der dicke Major mit Löwenstimme voran, sich auf ihre Zimmer begaben, brach am Paddenteiche ein herzbewegliches Wehklagen los. Alle „die kleinen reizenden Padden" lagen mausetodt in der übrig gebliebenen schwarzen Brühe des Loches/ „Nicht mal der Storch wird sie mehr mögen," jammerte Alice händeringend.
„Na, sag mal, Kleine, Du bist ja rein weg von dem schmucken Hecht," neckte Onkel Ferdinand, seinen Arm unter den Ottiliens schiebend.
„Gewiß, Onkelchen," lachte sie keck, „er hat mich, als ich noch kurze Kleider trug, auch zuerst Sie und gnädiges Fräulein genannt."
„Also so muß man es ansaugen, um sich Eurer Huld auf die Dauer zu versichern," lachte nun Onkel Ferdinand.
„O, ich kann Dir noch mehr erzählen," sagte sie heiter. „Ich esse doch so furchtbar gern Pflaumen, sie find wirklich meine Schwäche. Eines Tages verführen sie mich auf dem Havelberger Markte, mir so ein halbes oder viertel Metzchen zu kaufen. Ich war nämlich zu Besuch in Havelberg, weißt Du, bei der Tante. Klärchen begleitete mich und verachtete die blauen Dinger auch nicht. Als wir sie gekauft hatten, fiel uns erst ein, daß es seine Schwierigkeiten haben werde, sie nach Hause zu schaffen. Denn im Taschentuche, das ging freilich nicht an. Wir thun sie also fürsorglich in unsere Sonnenschirme. Man denke! Und gerade, wie wir uns umdrehen mit unseren verrätherisch gespreizten Schirmen, wer meinst Du, daß ankommt? Herr Lieutenant Hecht! Mir wurde ganz schwarz vor den Augen. Ich wünschte in dem Augenblicke, er wäre es nicht. Aber es half nichts, er war es und geruhte, dem gnädigen Fräulein im kurzen Kleidchen seine unendliche Freude auszudrücken, ihm hier, wo er sich seines Bruders wegen aushielt, zu begegnen. „Süperb! Ganz süperb!" Ob er meinen Schirm mitinbegriff in sein „Süperb" weiß ich nicht,- ich weiß nur, daß ich abwechselnd roth und blaß wurde und sicherlich unverantwortlich dumm aussah. In die Erde hätte ich sinken mögen mit meinem unförmlichen Sonnenschirm."
„Dieser Hecht scheint mir ja einer der gefährlichsten seiner Spezies zu sein," brummte Onkel Ferdinand.
„Ein ganz himmlischer Hecht, Onkelchen, nicht?"
„Dann bildet er eine besondere Abart für sich."
„Ach, Süßholz zu raspeln verstehen sie alle, Edgar natürlich einbegriffen. Ich möchte einmal einen sehen, der | anders wäre."
„Da wäre zum Beispiel der Viertelsvetter," erwiderte Onkel Ferdinand ironisch, „er wägt ja wohl mit gerechter Waage, wie?"
Sie begegnete Roberts Blick und warf die Lippe auf, um dann mit libellenhafter Schnelle den Cousinen entgegenzueilen, mit denen sie Arm in Arm das Haus betrat.
Ein helles vielstimmiges Gelächter auf dem Hofe zog Tante und Nichten ans Fenster.
„Famos! Ganz entschieden famos!" rief der joviale Major, sich die Hüften haltend.
Alles stand und staunte auf die blumengekrönte Pumpe vor dem Pferdestaüe. Der Rittmeister wischte sich die Thränen aus den Augen. Robert lachte wie in lauter Unschuld mit.
„Enthusiasmirt, ganz entschieden enthusiasmirt über gnä. dige Aufnahme," kam der Major, vom Hausherr geführt, herein. „Nie so mit duftenden Blumen begrüßt, meine gnädige Frau, ganz enthusiasmirt!"
Lieutenant Hecht hatte seinen Platz neben Ottilie, die allerlei lustigen Schnickschnack mit ihm trieb. Er erzählte ihr, daß seine Versetzung nach Berlin im Werke sei, und versicherte, er freue sich schon jetzt capital auf den ersten Ball, wo er die Ehre habe, mit ihr als seiner Tänzerin im Tacte hinzuschweben. Edgar habe sich bereits für den ersten Winter« ball im väterlichen Hause sein Versprechen geben lassen. Er freue sich geradezu lächerlich daraus."
Ottilie, welche zu bemerken meinte, daß Robert wiederholt seine Blicke, und wie ihr bedünkte, nach Mentorart, aus sie richtete, setzte nun ihr Köpfchen darauf, alles, was der Lieutenant'sagte, mit Entzücken aufzunehmen. Das Schulmeistern, das der Viertelsvetter sich gestern erlaubte, wollte sie ihm doch ein- für allemal verleiden.
Wenn er überhaupt daran gedacht hätte, so wäre es ihm jetzt von selbst vergangen. Ihre Unterhaltung ließ ihn, wie in eine lichtstrahlende Höhe, in Verhältnisse blicken, denen sein Weg nebelfern lag. Er mußte sich das Leben Schritt für Schritt erobern. Was wollte er? Waren nach einem halben Jahre die Studien beendet, so mußte er bei irgend einem Gericht auscultiren, etwa durch literarische Arbeiten oder Stundengeben das Nöthige erwerben und warten, bis ihm als Assessor auch kein glänzendes Loos blühte. Klar sah er seinen rauhen Weg vor sich. Aber er fühlte Kraft in sich, Kraft zum Streben und Schaffen, wenn es ihn gleich
kaum jemals zu strahlenderen Höhen emportragen mochte' Illusionen machte er sich nicht. Es war ihm genug, starken Willen zu fühlen, um sich glücklich durchzuringen.
Nach dem Frühstück unternahmen die älteren Herren einen Ritt mit ihrem liebenswürdigen Wirth, die jüngeren mit den jungen Damen eine Kahnfahrt auf dem See, die vom herrlichsten Spätsommerhimmel begünstigt wurde.
Erst das Diner führte die ganze belebte Gesellschaft wieder zusammen. Major v. Eisenhart verfehlte nicht, einen Toast „auf unsere verehrte gnädige Wirthin" auszubringen. Der Kaffee wurde im Parke eingenommen, woraus die junge Welt einen Ausflug auf den Kapellenberg machte, nachdem in Eile eine Bowle gebraut, in Flaschen gefüllt und in Körbe gepackt worden war, welche Friedrich an Ort und Stelle besorgte.
Es lagerte sich allerliebst auf der Höhe, neben der Ruine, auf moosigem Grunde im Abendsounenschein. Lieutenant Gras Beerberg sand die Aussicht geradezu göttlich und schwang sich, als die Gläser aneinanderklangen, sogar zu einem Toaste in Knüttelversen auf, worin der herrliche Tag, die liebenswürdige Gastfreundschaft, die sagenhafte Ruine, die anmuthige Gegend und vor' Allem die jungen Damen eine Rolle spielten.
„Ah, Pardon, mein gnädiges Fräulein," sagte, nachdem der Beifallssturm verklungen war, Lieutenant Hecht zu Ottilie, die neben ihm saß, „da glaub ich etwas für Sie zu haben, wahrhaftig, man vergißt sich im Glück, hätte eher damit herausrücken sollen . . . haben gnädiges Fräulein vielleicht diesen Zettel verloren? Fand ihn aus dem Corridor im Schlosse- freilich, merkwürdige Zusammenstellung, weiß nicht, ob er Werth hat und Sie angeht —"
Ottilie hielt das Papier in der Hand und erglühte bis an die Schläfe.
„Merkzettel" stand oben und darunter „Erstes Gericht: Ottilie". Der Name war überradirt, aber noch wohl zu lesen. Robert hatte sich beim Radiren plötzlich seines Versprechens erinnert, rechtzeitig den Riesenstrauß aus dem Brunnen auszupflanzen und wahrscheinlich in der Eile, mit der er davonlief, den Zettel in der Hand behalten, um ihn unterwegs zu verlieren.
Ottilie schleuderte ihm unbemerkt einen zornigen Blick zu. Sie war empört über den Viertelsvetter, empört in tiefster Seele.
„O, es ist nichts, ein dummer Scherz," sagte sie, den Merkzettel der Tante in Fetzen reißend.
(Fortsetzung folgt.)
Vorkehrungen
gegen das Einfrieren der Wasserleitungen.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen über Anlage der Hauswasserleitungen zu Gießen, machen wir darauf aufmerksam, daß, um bei eintretender Kälte dem Einfrieren der Hauswasserleitungen vorzubeuqen, es erforderlich ist, die Hauswasserleitungen des Abends für die Dauer der Nacht mittelst des Hauptabsperrhahnes abzuschlietzen und mittelst des Entleerungshähnchens und obersten Zapfventils zu entleeren.
Das diesbezügliche Verfahren haben wir s. Z. allen Wafferabnehmern in einer gedruckten Anleitung mitgetheilt, welche auch wiederholt veröffentlicht wurde. Erforderlichenfalls sind wir zu weiterer desfallsiger Auskunfts- ertheilung bereit. _ . r „
Die Wassermesser sind während des Winters mit Stroh, Sacken, Filz oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte sorgfältig zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschlossen zu halten.
Durch diese Vorkehrungen wird dem Wasserabnehmer die Lieferung des Wassers möglichst gewährleistet, dem Hausbesitzer aber werden Beschädigungen an Leitung und Gebäude fern gehalten. — Wir empfehlen daher vorstehende Vorsichtsmaßregeln allen Betheiligten zur ganz besonderen Beachtung.
Noch besonders machen wir darauf aufmerksam, daß es nicht in das Bereich unserer geschäftlichen Obliegenheiten gehört, Reparaturen und Aufthauen von Hauswasserleitungen — soweit dieselben vom Waffermeffer ab innerhalb des Hauses liegen — vorzunehwen. Derartige Herstellungen werden am schnellsten von denjenigen Installations-Geschäften besorgt, welche die betr. Hauswasserleitungen s. Z» ausgeführt haben.
Gießen, 6. November 1891.
Z Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen.
Otto Bergen. 9871
Bekanntmachung.
Die verehrlichen Mitglieder der hiesigen Spar- und Leihkaffe werden zu einer Hauptversammlung auf Montag den 30. November I. I., Nachmittags 3 Uhr, in den Saal des alten Rathhauses auf hiesigem Marktplatze eingeladen mit folgender
Tagesordnung:
1) Vorlage der vorgeprüften Rechnung für das Jahr 1890.
2) Erstattung des Verwaltungsberichts für dasselbe Jahr.
3) Wahl des Stellvertreters des Directors.
4) Wahl in den Ausschuß.
5) Herstellung der Directorswohnung und Weitervermiethung der- derselbcn.
6) Neuanschaffung eines Sparherdes in der Rechnerswohnung.
7) Gehaltserhöhungen.
8) Unterstützungen.
Gießen, den 9. November 1891.
Die Direction der Spar- und Leihkaffe.
Langsdorfs.
Donnerstag den 12. Mr.,
Nachmittags 2J/4 Uhr anfangend, werden im Schützenhof, Grünberger- ftratze 32, aus dem Nachlaß der Frau Hudeler Wittwer
9S* 1 Billard von Vorfelder, seit drei Jahren in Gebrauch, 12 Queue-Stangen, 3 Kugeln u s.w-, ferner 1 Sopha, 3 gute Betten (wovon das eine dieses Jahr angeschafft wurde), mit Sprungfeder- und Seegrasmatratzen, Bettwerk, 1 Kleider«, schrank, 3 Wirthslampen, 2 Tafeltücher mit 24 Servietten u. s w. versteigert. [9992
Im Auftrag:
Louis Rothenberger, Gerichtstaxator.
IMgeSoLenes.
Universal - Raupenleim
empfiehlt billigst [9599
__________Emil Fischbach.
Gereinigten
ffledtciD.-leberthran
Gas-Cokes.
Infolge Stadtverordneten - Beschlusses vom 23. October 1891 festgesetzte Preise:
für dm Centner
ab Gaswerk
Stückeokes ..... Mk. 110.
Nuheokes in drei verschiedenen Korngrößen für
Stubenheizung zerkleinert und für alle Ofenschächte paffend:
Größe Nr. I., etwas größer als Anthracit . ,, 1.20.
Größe Nr. II., in der Größe des Anthracit . „ 1.25.
Größe Nr. III., kleiner als Anthracit . . ,, 1.25.
Die Anfuhr an das Haus erfolgt von dem Gaswerk aus bei l Abnahme von mindestens 5 Centner und werden für dieselbe 5 Pfg. für den Centner berechnet; von Herrn Emil Pistor werden auch geringere Mengen als 5 Centner zugeschickt.
Bei Entnahme von Wagenladungen von mindestens 35 Centner, welche einige Tage vor dem Bezug zu bestellen sind, tritt bei allen Sorten eine Preisermäßigung von 5 Pfg. für den Centner ein.
Bei Bezug von 200 Centner auf einmal tritt eine Preisermäßigung von 10 Pfg. für den Centner ein und empfiehlt es sich, diesbezügliche Bestellungen zeitig bei uns vormerken zu laffen. 9501
Stääüsedös Gas- und Wasserwerk Giessen.
empfiehlt [9600
Emil Fischbach.
Deutsche 96921
<flr6eiter=Seife
vorzüglich
zur schnellen Reinigung der Hände re.
Die Arbeiter - Seife reinigt die Haut schneller als jede andere Seife und wird deshalb vorzüglich von Personen gebraucht, die eine Beschäftigung treiben, welche die Haut schwärzt und verhärtet; sie sollte daher auf Comptoirs, in Expedittonen, Werkstätten, Officinen, Fabriken, Ateliers und in Küchen niemals fehlen.
Die Arbeiter-Seife eignet sich auch noch ganz besonders zur gründlichen Reinigung und zum Putzen aller Zinn-, Blech-, Messing- und Kupsergeschirre, sowie von Glas und Porzellan
Stück 10 Pfg.
Ru haben in der Drogenhandlung von _____ Otto Schaaf. Prima Schweinefleisch, ä Pfd. 60 Pfg.
9998 Neuenweg 33,
>5 Lahnkalk-Industrie
Aug. Gabriel jr. in Gießen.
Ringofenbetrieb. Große Production von Prima-Marmor- und hydraulischem Stückkalk. Regelmäßiger Sommer- und Winterbetrieb. Bahnanschluß Kinzenbach bei Gießen.
Analyse der Marmorkalksteine: ca. 991/2% 9806) kohlensaurer Kalk.
—~ Abgabe einzelner Fuhren nur gegen Baar, zz Mehrere Doppelwaggons Marmor-Abfallkalk (Kalkasche), vorzüglicher Dungkalk, ä Mk. 30.— pr. 10 000 Kilo franco Waggon Kinzenbach, gegen baar abzugeben. — Kalkasche geht zu billigem Frachtsatz.________________
Den Empfang sämmtlicher 9908
Winter-Schuhwaaren
beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen und empfehle solche in nur solider Waare zu billigsten Preisen.
Marktstr. 34, Justus Benner, Marktstr. $4.


