Ausgabe 
12.8.1891
 
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-K. 185

Mittwoch den 12. August

1891

HraLisöeikage: Gießener Kamitienölätter

Alle Annonren-Mareaux de- Fn- und ÄnllenM nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- mtge,«.

Neueste Nachrichten.

WolftS telegraphisches Lorresporcdenz-Burecur.

Berlin, 10. August. DiePost" kann aus bester Quelle versichern, daß die während des Aufenthaltes des Kaisers in England verbreitete Nachricht, in der Unterredung des Kaisers mit Salisbury seien coloniale Frage berührt worden, jeder Begründung entbehrt und überhaupt keine Frage von solcher Bedeutung vorliegt, welche zu einer Aussprache darüber Anlaß gegeben hätte.

ton Anzeige« zu der Nachmittags für dm Maralen Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

§. 5.

(Zu §§ 100, 109 Absatz 2 und 3, 111 des Gesetzes und Nr. II. Ziffer 3 des Bundesrathsbeschlusses vom 27. No­vember 1890, § 8 der Bekanntmachung vom 30. Sep­tember 189Q.)

Diejenigen Versicherten, welche nicht in einem regel­mäßigen Arbeitsverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen (vorübergehend beschäftigte unständige Arbeiter) sind befugt, sofern durch das Statut der Versicherungsanstalt eine dem § 111 des Gesetzes entsprechende Bestimmung ge­troffen wird, die Versicherungsbeiträge statt der Arbeitgeber im Voraus durch Verwendung von Beitragsmarken selbst zu entrichten. m

Die Beitragsmarke ist in diesem Falle von dem Ver­sicherten spätestens bei Beendigung des ersten Arbeits- verhältniffes der Woche in die Quittungskarte einzukleben und zu entwerthen. Die Entwerthung der Marke geschieht dadurch, daß durch die Mitte derselben in die Hälfte ihrer Höhe ein schmaler schwarzer Querstrich gezogen, über denselben der Tag und unter denselben der Monat, in dem die Be­schäftigung stattgesunden hat, gesetzt wird.

Dem Versicherten, der auf Grund solcher Bestimmung den vollen Wochenbeitrag entrichtet hat, steht gegen denjenigen Arbeitgeber, der ihn zuerst in der Kalenderwoche in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeitsverhältniffe be­schäftigt, der Anspruch aus Erstattung der Hälfte des gelei­steten Wochenbeitrags in Gemäßheit des § 100 des Gesetzes zu.

§ 6

(Zu §§ 100, 109 des Gesetzes und Nr. II. Ziffer 3 des Bundesrathsbeschlusses vom 27. November 1890.)

Für die im vorhergehenden Paragraphen bezeichneten Versicherten, welche von der durch das Statut der Ver­sicherungsanstalt gegebenen Besugniß zur Selbstentrichtung der Beiträge keinen Gebrauch machen, hat derjenige Arbeit­geber, welcher dieselben zuerst in der Kalenderwoche be­schäftigt, die Beitragsmarke für die Woche (im Nennwerth des ganzen Wochenbeitrags) bei der Lohnzahlung zu verwenden und nach Maßgabe der im vorigen Paragraphen getroffenen Vorschrift zu entwerthen. Das gleiche Verfahren greift Platz, falls durch das Statut der Versicherungsanstalt eine Be­stimmung auf Grund des § 111 des Gesetzes nicht getroffen werden sollte.

im Mansionhousewegen Zeitmangels" ab gelehnt. Die Admiralität wies die Flottenbehörden an, dem Geschwader den Besuch in jeder Weise angenehm zu machen.

DieReichs-Correspondenz" erfährt aus maßgebenden Kreisen, von einem noch in diesem Jahre stattfindenden Be­suche des Kaisers in den Reichslanden sei nichts bekannt.

Berlin, 10. August. Wie derReichs-Corr." aus Petersburg gemeldet wird, soll tun 11. August ein Ausfuhr- Verbot erscheinen für Roggen, Roggenmehl und Roggenkleie, weil die Roggen-Ernte absolut unbefriedigend sei.

Berlin, 11. August. DieReichs-Corr." erfährt aus Bochum: Siegel und Schröter wurden in die deutschen Bergreviere behufs Agitation gesandt. Schröter in die Pro­vinz Sachsen, Siegel nach Schlesien und Königreich Sachsen.

DerNationalzeitung" wird von wohlunterrichteter Seite die Meldung von Handelsvertragsverhand­lungen Oesterreichs und Deutschlands mit Belgien bestätigt. Die Politik sei aus den Verhandlungen durchaus verbannt.

Frankfurt a. M., 10. August. Redacteur Fusangel sendet dem BureauHerold" folgendes Telegramm aus Vaales (Holland):Die in Berlin verbreitete Meldung, der todt aufgesundene Oberingenieur Steiger habe mir Material gegen Baare geliefert, ist unrichtig. Ich habe Steiger nicht gekannt und auch ihn durch meine, dem Untersuchungsrichter gegenüber gemachten Aussagen nicht belastet. Fusangel."

Köln, 10. August. DieKölnische Ztg." meldet aus Petersburg: Der König von Serbien entgegnete gestern einer Abordnung desVereins bulgarischer Emi­granten", er nehme keine Adresse an von Vertretern eines Volkes, dessen Regierung nicht im Einverständniß mit dem Willen des Czaren handle.

Halle, 11. August. Der hiesige socialdemokratische Frauen-Verein wurde polizeilich geschlossen.

Hamburg, 11. August. Der Verein der Petroleum­händler an der Hamburger Börse beabsichtigt eine Petition, betr. die Abschaffung des Faßzolles, an den Bundesrath er­gehen zu lassen.

Schwerin, 10. August. Das Allgemeinbefinden des Großherzogs ist u n v e r ä n d e r t. Die Asthma-Anfälle wieder­holen sich häufig, der Appetit ist ungenügend.

Wien, 10. August. Heute früh erschoß sich der Gene­ralstabshauptmann Franz Khuen von Khuenfeld, ein Neffe des ehemaligen Kriegsministers. Als Motiv wird die demselben durch Zurückbleiben im Avancement widerfahrene Kränkung vermuthet.

Budapest, 11. August. Ein der Ermordung Belt­schews Verdächtiger, Ilia Georgevo, wurde von der Gen­darmerie von Oedenburg nach Raab gebracht, von wo er nach Budapest befördert wird. Derselbe war früher Rechts­hörer in München, er wurde der ungarischen Gendarmerie von der österreichischen ausgeliesert.

Brüssel, 11. August. Die Theilarbeiten an der Maas- Befestigung kosteten bis jetzt 36 Millionen.

Nantes, 10. August. Als es bekannt wurde, daß der Bilanzausweis des Bankier Rousselot ein Deficit von zwei Millionen aufweise, suchten dessen Gläubiger ihn in seiner Wohnung aus und erschlugen ihn fast.

London, 10. August. Nach telegraphischen Berichten des Standard" aus New York verspricht die Ernte alle Er­wartungen zu übertreffen. Die geringste Schätzung der Weizenernte beträgt 600 Millionen Bushels, von denen 200 Millionen auf den Export kommen dürsten. In Chicago trifft siebenmal so viel Weizen ein als im vorigen Jahre, an Roggen das fünffache und an Gerste das zweifache Quantum. Man glaubt, daß die ausländische Nachfrage eine so starke sein wird, daß die Anhäufung der ungeheuren Vorräthe den stehenden Preis kaum drücken dürfte. Man schätzt, daß in Europa bereits für die Monate August und September 40 Millionen Bushels auf Lieferung gekauft sind. Die Waareneinfuhr nimmt erheblich ab. Die Juliberichte allein weisen ein Minus von mehr als 10 Mill. Dollars in der Einfuhr aus.

London, 10. August. Nach einerTimes"-Meldung aus Tirnowa erhielt Stambulow aus Odessa einen von Zankow, Rizow, Benderew und zwei Anderen unter­zeichneten Bries, worin die bulgarische Groß-Sobranje zur Wahl eines von Rußland gebilligten Fürsten emzuberusen aufgefordert wird. Im Weigerungsfälle würden alle Mittel zur Herbeiführung von Stambulows Sturze als gesetzlich betrachtet werden. Bulgarien verlange von Rußland die Auslieferung Rizows wegen Betheiligung an der Ermordung Beltschews.

Amtlicher Tbeil»

Gießen, am 7. August 1891.

Betr.: Ausführung deSJnvaüditäts- und Alters-Versicherungs- Gesetzes, hier die Versicherung der unständigen Arbeiter.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die örtlichen Jnvaliditäts- und Alters-

Bersicherungsstellen.

Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß die.Quittungs­karten der unständigen Arbeiter, d. h. solcher Arbeiter, welche nicht in einem regelmäßigen Arbeitsverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, vielfach von den örtlichen Stellen aufbewahrt werden, welche alsdann auch die Beitragsmarken einkleben und entwerthen.

Dieses Verfahren entspricht nicht den Bestimmungen der §§ 5 und 6 der Bekanntmachung betr. die Ausführung des Jnv.- und Alters-Versicherungsgesetzes vom lO.December 1890 (Regbl. Nr. 50) und gibt zu vielen Mißständen und Be­schwerden Anlaß. Wir bringen deßhalb diese Paragraphen hier nochmals mit dem Bemerken zum Abdruck, daß die un­ständigen Arbeiter die Quittungskarten stets selbst aufzubewahren und bezüglich Verwendung und Entwerthung der Marken das in den cit. Paragraphen vorgeschriebene Verehren einzuhalten haben. ,

Soweit die Qutttungskarten der unständigen Arbeiter noch in ihrem Besitze sind, wollen Sie dieselben unverzüglich den Berechtigten gegen Empfangsbescheinigung aushändigen.

I. V.: Jost.

Danzig, 10. August. Der hiesige Kauffahrtei-Schrauben­dampferElla" ist im bottnischen Meerbusen gestrandet und gilt als vollständig verloren, ein Maschinist ist ver­unglückt, die übrige Mannschaft wurde gerettet.

Helgoland, 10. August. Bei herrlichem Wetter sand heute die Enthüllung des Kaisersteins zwischen dem alten und neuen Leuchtthurm statt. Der Vorsitzende des Denkmalcomites, Panyens, hielt die Festrede. Die Weiherede sprach der Pastor Jans Kolbenbüttel. Der Gemeindevorsteher Michels übernahm alsdann dankend den Gedenkstein. Gesang leitete die Feier ein und schloß dieselbe. Das Denkmalcomite sandte an den Kaiser ein Huldigungstelegramm.

Kopenhagen, 10. August. Ritzaus Bureau veröffentlicht einen Rechenschaftsbericht des zurückgetretenen Cultus- ministers Scavenius. Der Minister sieht in den neuen Vertheidigungsmaßregeln eine Nothwendigkeit und Pflicht der Regierung, um die Selbständigkeit des Landes zu wahren, ohne Revanchegedanken, was eine Lächerlichkeit gegenüber dem mächtigen Deutschland wäre. Er protestire gegen die Be­hauptung, daß sein Rücktritt durch französische Sympathien veranlaßt worden sei. Er bewundere zwar die weitreichende Bedeutung Frankreichs aus geistigem Gebiete, werde aber nicht mit Frankreich aus Abenteuer gehen, selbst wenn es von Rußland unterstützt würde. Er sehe in der entente cordiale beider Länder die vielleicht beste Garantie des Friedens. Er spreche sich zu Gunsten eines Verteidigungsbündnisses mit Schweden und Norwegen aus, da sonst die nördlichen Reiche jedes für sich ihre Selbstständigkeit nicht behaupten könnten. Der Kamps für die Religion und gegen den literarischen Radicalismus dürste wesentlich nur mit den Waffen des Geistes gesührt werden.

Prag, 10. August. In der heutigen Versammlung von Delegirten des Verbandes der Bezirkskranken­kassen und der Arbeiterunfallversicherungsanstalt für Böhmen wurde nach heftigen Debatten ein Antrag der Deutschen be­treffend die Trennung des Verbandes in einen deutschen und czechischen mit 84 gegen 74 Stimmen abgelehnt. Die Mehrzahl der Deutschen verließ hierauf den Saal.

Paris, 10. August. Mehrere Morgenblätter fordern die Pariser auf, zu Ehren der Ankunft des Großfürsten Alexei ihre Häuser russisch zu beflaggen.

Paris, 10. August. Türkische Räuber haben am 7./8. in der Nähe des Ortes, wo Anfang Juni der Ueberfall auf den Orientzug stattfand, einen Franzosen Namens Raymond, den Inhaber einer Farm, sowie dessen Ver­walter Rusfie entführt. Letzterer wurde bald entlassen, um ein Schreiben Raymonds an den französischen Bot­schafter in Konstantinopel zu überbringen. Raymond bittet um 115 000 Francs Lösegeld, andernfalls er erschossen würde. Der Botschafter hat sofort eilige Schritte bei dem Sultan und der Pforte gethan, um den Gefangenen zu befreien.

London, 10. August. Der Congreß für Hygiene und Demographie wurde heute Nachmittag im großen Saale der St. James-Halle durch den Prinzen von Wales eröffnet. Etwa 2300 Delegirte, darunter hervorragende Ge­lehrte Europas, sind zu demselben erschienen. Nach der Er­öffnung des Congresses folgten Ansprachen der Vertreter der Nationen und zwar sprachen Roth-Dresden für Deutschland, Josef Koeroesi Noll für Oesterreich-Ungarn- beide spendeten England Lob für die übernommene Führung in allen Fragen der häuslichen Gesundheitspflege.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 10. August. DieNordd. Allg. Zt." meldet: Nach heute uns zugehender telegraphischer Meldung wurde die Reise des Kaiserpaares nach Stettin verschoben.

Berlin, 11. August. Während der hessischen Manöver wohnt das Kaiserpaar auf Schloß Wilhelmshöhe, die Kaiserin wird die ehemaligen Zimmer Napoleons III. einnehmen.

DieNat.-Ztg." erfährt aus sicherer Quelle, daß eine große Anlage für Fabrikation von Sprengstoffen geplant sei, an welcher in erster Linie hervorragende In­dustrielle des Oberbergamts-Bezirks Dortmund sich bethei­ligen, um die Zechen vom jetzigen Sprengstoff-Monopol un­abhängig zu machen. Diese Fabrik, deren Production der größten bis jetzt bestehenden gleichkommen soll, wird zwischen Deffau und Koswig erbaut. Die Concession ist bereits ertheilt. . f

DieVoss. Ztg." meldet aus Paris: Admiral Gervais soll in einer privaten Unterredung erklärt haben, daß ein förmliches Bündniß mit Rußland nicht bestehe, aber auch bei der herzlichen Freundchast beider Völker un- nöthig sei. t nY. . r

Dasselbe Blatt erfährt aus London, Admiral Gervais habe eine Einladung des Lordmayors zum Festmahle

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Arntr- und Anzeigeblatt für den Areir Gieszen