England.
London 8. April. Heute Morgen ist hier abermals eine Verhaftung erfolgt, Der Verhaftete ist ein junger Irländer aiiö Amerika, fein Name ist noch nicht bekannt.
Cork, 8. April. Von der Polizei ist eine Partie Nitroglycerin mit Beschlag belegt worden, die von Glasgow hier angekommen mar; auch eine in der Nähe der Stadt versteckt gewesene Quantität von Sprengstoffen ist von der Polizei ausgefunden morden.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bureon.
. Berlin, 9. April. Reichstag. Bet der fortgesetzten Dedatk. über die Abänderung der Gewerbeordnung werden mehrere vorhergehende Artikel bet Artikel 10, betreffend Beschränkung des Hauffrbetrtebs (88 55 bi5 33) zurückgestellt und dann § 55 (Ein- Mrung des Wandergewerbcscheins) in der Fassung der Commission angenommen.
Debatte betheiligten sich Baumbach, v. Kleist-Retzow, Büchtemann, Boedtker, Günther, Meyer (Jena), Kochhann (Landsberg). Nach den Vorschlägen der Commission wurden bre Nummern 1 bis 9 des Paragraphen 56, betreffend das Verbot des Ankaufs und FeUbtetens gewisser Gegenstände angenommen. Bei Nr. 10 (Colportagehandel) beantragte Hertltng dre Wiederherstellung der Regierungsvorlage und sagte, das Centrum wtste wohl, daß diese Bestimmung auch gegen das Centrum angewendet werden könne, stimme aber doch den Vorschlägen als dem kleineren Uebel zu. Günther und v. KUtft- Retzow waren ebenfalls dafür, Munckel und Schott sprachen sich gegen jede Vermehrung der Poltzetgewalt aus. Bundescommissar Boedtker empfahl die Annahm, auf das Wärmste; es handle sich hier um die höchsten Interessen der Nation. Das Haus nahm jedoch den Antrag Vaumbach an, nur solche Druckschriften von der Colportaae auszuschließen, welche mittelst der Zusicherung von Prämien vertrieben werden sofern diese nicht in Schriften oder Bildwerken bestehen. Nr. 10 wurde so in namentlicher Abstimmung (141 gegen 127) verworfen, die letzte Nummer des § 56 wurde aaxu gestrichen. Fortsetzung morgen. 6
Stuttgart, 9. April. Der König hat zwar die vergangene Nacht weniger ruhig verbracht, die krankhaften Erscheinungen treten aber allmälig zurück.
Christiania, 9. April. Bei der heutigen Berathung des Odelsthing über den Antrag des Protokoll-Comitös, die Mitglieder des Staatsrathes in Anklagezustand zu versetzen, wurde der Vorschlag eingebracht, die Verhandlungen zu verschieben und dem Storthing zu empfehlen, einen Ausgleich in der Angelegenheit in Erwägung zu ziehen. Der Vorschlag fand keine Unterstützung und wurde zurückgezogen.
London, 9. April. Das Unterhaus nahm die Bill, betreffend die Fabrikatton und den Verkauf von Sprengstoffen in allen Lesungen unverändert und ohne Abstimmung an. Bei Einbringung der Bill hatte Harcourt erklärt, die Männer, gegen welche die Bill gerichtet sei, müßten wie Piraten behandelt werden, welche keiner Nation angehören. Gegenwärtig sei die Gefahr sehr groß. Man müsse ihr sofort und mit starker Hand begegnen. Er bitte daher um schnelle Erledigung. Die Bill geht sofort an das -Oberhaus.
— Ein Sonntag hier verhaftetes Individuum, sich Angburgh nennend, wurde der Thetlnahme an der Dynanntverschwörung angeklagt und heute dem Gerichte in Bowstreet vorgeführt. Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt. Die Polizei glaubt, Ansburgh sei nicht der richtige Name des Verhafteten.
' 0. April. Die Proceßverhandlung gegen die des Mordes NN Phomxpark angeklagten Personen hat heute früh vor dem Schwurgericht
ohne dieselbe durchzukommen, weil gerade die am schwersten aufzufindende Einnahmequelle, die (Kapitalrenten, durch Einführung der Declarationspflicht bei dieser festgestellt werde und weil sie fürchtete, die Declarationen seien wenig brauchbar und führe das ganze Verfahren zu einer ungeheuren Geschäftsvermehrung des Steuercom-issars-
Der Ausschuß konnte sich nicht von der großen Bedeutung dieser Gegenstände überzeugen. Wenn auch das Einkommen aus Kapitalien in Zukunft leichter getroffen werden kann, so gibt es doch noch sehr viele andere, die ebenso schwer zu finden sind, z. B. dasjenige der großen Fabrikanten, der größeren Kaufleute und Anderer. — Die Mangelhaftigkeit der seitherigen Declaration kann ebenfalls nicht in die Wagschale fallen, da dieselbe seither eine freiwillige und straflose gewesen ist. In Zukunft sind die Declaranten in einer vollständig anderen Lage. Der Pflichtige ist gehalten, richtig zu declariren, wenn er sich nicht schweren Nachtheilen aussetzen will. Und was endlich die Geschäftsvermehrung anbelangt, so ist allerdings eine solche in den großen Städten sicher zu erwarten; in den Landbezirken dagegen beträgt die Zahl der Pflichtigen kaum 100 in den besseren Gegenden, in anderen bleibt sie oft weit unter dieser. Eine so geringe Anzahl von Selbftdeclarationen kann die Arbeitslast der Stcuercommissäre kaum vermehren- — Diesen Bedenken gegenüber erscheint der Vortheil der richtigeren Veranlagung der Steuer so bedeutend, daß der Ausschuß den Antrag der Declarationspflicht für die Einkommen der ersten Abtheilung stellen zu sollen glaubt"
Berlin, 7. April. In der ersten Sitzung der Holzzoll-Commission wurde zunächst beschlossen, von einer besonderen Genrealdiskussion Abstand zu nehmen. Nachdem sodann zum Referenten über die etngegangenen Petitionen der Abg. v. (Soler und zum (Korreferenten der Abg. Dirichlet bestellt worden, trat man in die Verhandlung des $ 1 der Vorlage ein. Seitens der Regierungsvertreter wurde zunächst einzelnen Einwänden, die von den Gegnern der Holzzölle bei der Plenarverhandlung gemacht worden, entgegengetreten. In dieser Beziehung unterzogen dieselben die gegen die Erhöhung der Holzzölle erschienenen Broschüren, denen jede Sachkenntniß, weil nicht aus Fachkreisen herrührend, abgebrochen wurde, einer Kritik. Dem gegenüber wurde von liberaler Seite darauf hingewiesen, daß bei Beurtheilung der Vorlage eine forsttechnische Ken« tniß nur insoweit in Frage komme, als es sich um bte Beurteilung der allein entscheidenden Frage, ob ein Wald-Nothstand vorliege, ob die Waldrente in der That eine ungenügende sei, handle. Die hierzu erforderlichen Grundlagen seien in der Regierungsvorlage, speciell in der Dankelmann'schen Waldschutzschrift, enthalten; auf Grund der hierin enthaltenen Zahlen fei die Entscheidung allein nach volkswirthschaft- lichen Grundsätzen, die von der speciellen Forfttrchnik unabhängig seien, zu treffen. Die Diskussion drehte sich sodann weiter darum, ob die Steigerung der Reinerträge der letzten drei Jahre die Annahme eines Nothstandcs ausschlösse ober nicht. Die Diskussion wurde abgebrochen und die Fortsetzung der Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Zugleich wurde beschlossen, Anträge nicht mündlich, sondern schriftlich, so weit sie sich auf die Hauptfrage beziehen, in der Commission einzubringen.
Berlin, 8. April. Die „Berl. Polit. Nachr." schreiben: Der Petar- benunfug dehnt sich auch nach Spanien aus. In dem königlichen Garten zu Madrid ist ein Explosivkörper unter heftiger Detonation zerplatzt, ohne indeß Personen- oder Sachbeschädigung zu veranlassen. In Arcos glauben die Behörden endlich Den Chef der Bande der sog. „Schwarzen Hand" erwischt zu haben. Uebrigens ist die Ruhe in Andalusien, wenigstens äußerlich, wieder hergestellt und ist es gelungen, das Uebergreifen der Bewegung in die Nachbar- Provinzen zu verhindern, so daß die innere Situation Spaniens momentan einen leidlich befriedigenden Status aufweist.
Aesterreich.
Pesth, 8. April. Die Nachricht des „Nemzet", daß die wegen Verdachts der Ermordung des Präsidenten Mailath verhafteten drei Individuen die That cmgestanden haben, bestätigt sich nicht, dieselben beharren vielmehr beim Leugnen. Die Recherchen nach dem vierten Verdächtigen, Spanga, sind bis jetzt erfolglos geblieben.
— Die wegen Des Mordes im Phönixpark Verhafteten werden einer nach dem andern abgeurtheilt. Der Gerichtshof begann heute die Verhandlung gegen Joseph Brady. Der Rechtsbeistand desselben verlangte zu Gunsten des Angeklagten Vertagung und erklärte, die Zeit zur Vorbereitung der Vertheidigung sei unzureichend gewesen. Der Gerichtshof lehnte den Antrag ab.
London, 9. April. An Bord des heute von Hamburg angekommenen Dampfers „Rainkow" wurden beim Ausladen zwei Packete Sprengstoff, dessen genaue Natur noch unbekannt, entdeckt und nach Woolwich behufs technischer Untersuchung abgefchickt. Die Packete, welche keine Adresse hatten, waren als Papier enthaltend eingeschrieben.
Madrid, 9. April. Die Verhandlungen zwischen hier und Berlin über den zu erneuernden Handelsvertrag sind nunmehr wieder in vollem Gange, und findet gegenwärtig ein lebhafter Depeschenwechsel statt.
Lokale-.
Gietzen, 10. April. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 12. April 1883, Nachmittags 4 Uhr.
1. Den allgemeinen Bauplan insbesondere über den Hamm betr.
2. Straßenausbau zwischen Neuenweg und Wallthor.
3. Gesuch des Kaufmanns Konrad Jung dahier um Ellaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.
4. Gesuch des Kaufmanns I. M. S ch u l h o f dahier um Erlaubniß zur Anlegung von Lichtschächten.
5. Gesuch der Gebrüder Oppenheimer dahier um Erlaubniß zur Anlegung eines Röhrenkanals.
6. Die Anlegung von Flur- und Gewanngrenzen und von Entwässerungsgräben im Neustädter Feld.
7. Reparaturen in dem städtischen Schulhaus in der Neustadt.
8. Die Bedienung der Gießiässer im Jahre 1883
9. Das Germanische National Museum in Nürnberg betr.
10. Rechnung der Realschule vom Jahre 1881/82.
11. Voranschlag der Realschule für das Jahr 1883/84.
12. Kostendecreturen.
** In dem gestrigen Referate über das Wikhelmj-Concert ist durch die Schuld des Setzers der folgende Passus ausgelassen worden: „Mck der Zugabe des Schubert'schen Ave Maria beschloß der (Konceitgeber, tn lubtndmürbiger Werse der stürmischen Aufforderung der Hörer entsprechend, seine Vorträge."
S t t Mi i f 4 t
Marburg. Am 1. Mai b. I. wird dahier das 600. Jubelfest der Vollendung der St. Ellsabetdenklrche, des vollkommensten Bauwerkes altgothischen Stiles mit besonderem Glanze gefeiert.
Bei dieser Gelegenheit wird bet hiesige akademische Concerlverein unter Leitung feines vorzüglichen Dirigenten, des Herrn Universitäts-Musikdirektors Freiberg, unterstützt durch Mitglieder des Gießener akademischen Gesangvereins das Liszt'sche Oratorium „die heilige Elisabeth" zur Aufführung bringen.
Die Solo-Partien liegen in den Händen bewährter auswärtiger Künstler ersten Ranges. Da die Gesammtzahl der Mitwirkenden sich auf über 250 beläuft und die Leistungen des Vereins als vorzüglich bekannt sind, dürfte der Zudrang außerordentlich stark werden, zumal da der Altmeister Fr. Liszt persönlich diesem musikalischen Ereignisse beizuwohnen gedenkt.
Reservirte Platze zu der Aufführung können vom 15. April an in Oscar Ehr- hardt's Universitäts-Buchhandlung in Marburg gegen Einsendung des Betrages von 3 v*L belegt werden.
Alsfeld, 6. April. In der bekannten Strafsache gegen Leopold Wallach in Alsfeld und Consorten wegen Beleidigung durch die Presse halte das Landgericht zu Gießen auf die Verhandlung vom 10. November v. Js. sämmtliche Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen. In Folge der Seitens des als Nebeni lager aufgetretenen Amtsrichters Wahl in Alsfeld gegen dieses Unheil erfolgten Revisionsbeschwerde hat das Reichsgericht zu Lcipjig dmch Erkenntniß vom 19. v M. das angefochtene Urtheil, soweit es die Angeklagten Leopold Wallach m Alsfeld und Pfarrer Rechel in Badenheim frelspricht, wieder aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zu Mainz vei wiesen.
— Die Katastrophe bei dem Weichsel-Eisgang, die in der Freitag Nacht cin- getreten, ist bereits telegraphisch gemeldet- Nehrung und Werder in ber Nähe der Mündung sind von dem Hochwasser Überschwemmt. Viele Bewohner der überschwemmten Ortschaften sind bei Zeiten nach ber Stadt Danpg geflohen, viele Menschen aber mußten Rettung auf den Dünen suchen, von wo aus man sie mittels Pontons zu retten sucht. Allem Anschein nach hat sich das Wasser mit großer Schnelligkeit ver- breitet. Durch Eismassen, die sich an der Mündung der Weichsel und an anderen Stellen festgesetzt, wurden die Finthen aufgestaut, ergossen sich an mehreren Punkten über die Dammkrone und durchbrachen schließlich trotz der ungeheuersten Anstrengungen seitens des Militärs, die Dämme zu halten, diese an einer Stelle. An der Einfahrt der Elbinger Weichsel haben sich ebenfalls Eisversetzungen gebildet und es soll auch dort Gefahr vorhanden sein. Eine weitere Eisstopfung steht bei Thorn und es ist auch dort die Lage fortgesetzt eine sehr bedrohliche. Die Eismassen haben sich stellenweise haushoch zusammengeschoben, die Bewohner haben zum Theil ihre Wohnungen geräumt, Militär ist zur eoent. Sprengung von Dämmen ftationirt. Von der Brücke über die polnische Weichsel sind Theile roeggeriffen. Die Niederung an der polnischen Weichsel, durch welche die Strömung geht, ist Überschwemmt-
SchiffSbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 6. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Weser, Capt. H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Marz von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Zur geft. Beachtung.
nuv ÄS L5T-n
C^entbcilißen Slbmacbunflen^troffen »urÄn-inV
Handel unb Verkehr.
den 10. April Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund Hühnereier per Stuck 4-o Käse per Stück 5-8 Käsematte 3
L /er Liter 22^ Linsen 30 4, rauben per Paar 1.00, Hühner per ?$tei}npea JL 1.^0-2.oo, Enten per Stück 2-2.50, p>r M^d 66—70 Kuh- und Rindfleisch 56—60 Kalbfleisch 50 bis
50 (Str. M. 41. Branntwein cff. ohne Faß M. 46 6 ® 6 5 f’ ln S|3art6tcn 0Dn
Jtni8 Schlachtgewicht^ ^-50- Kalber 1. Qual. M 58-63, 2. Qnal.
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