Ausgabe 
7.11.1880 Erstes Blatt
 
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Prei» Vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Gefunden: 1 Gießkanne, 10 Pfennige, mehrere Schlüssel, 1 Bohle und sonstige Holzstücke, anscheinend von einem Steg (in der Lahn gelandet).

Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer Hund.

Die gefundenen Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Wetdengasie 93) aufbewahrt.

G^ßen, den 5. November 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

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Deutschland.

Darmstadt, 5. Novbr. Seine Königliche Hoheit der Großherzoa haben Allergnäd'gst geruht:

Am 27. Octbr. den provis. Director des Landeszuchthauses, Major a. D. Ludwig Kattrein, zum Director des Landeszuchthauses zu Martenschloß, au dems. Tage den Hülfsgertchtsschretber bet dem Landgerichte der Provinz Rhein- heffen, Dr. Hermann Lahr, zum Staatsanwalt bet dem Landgerichte der Provinz Oberhesien zu ernennen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht:

Am 27. Octbr. den Lehrer an der Realschule zu Gießen, Ludwig Wil­helm Bayrer, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

m. Darmstadt, ö. November. (Zweite Kammer der Stände. 54. Sitzung.! heutiger Sitzung interpellirte zunächn Abg. Schröder die Regierung dahin: Beabsichtigt die Großh. Regierung, wie sie für den besonderen gesetzlichen Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen kleinen Kinder fast zuerst in Deutschland Sorge trug nicht auch für die Errichtung von Erziehungs- und Besserungsanstalten für verwahr­loste Kinder Schritte zu thrrn, etwa durch Vorlage von Vorschlägen für Errichtung einer solchen Anstalt bei diesem oder dem nächsten Landtage?" Die Abgg. Schröder und Theobald reichen die Interpellation ein Wird Großh. Regierung im Verfolg des Vertrags vom 21. December 1875, die Uebertragung des Eigenthums der Ober­hessischen Bahnen darauf bedacht fein, die Anwendung der für die verschiedenen Kate­gorien der Großh. Civildiener bestehenden Bestimmungen auf die übernommenen Be­amten und Bediensteten der Oberhessischen Bahnen bald zu ermöglichen? Eine Interpellation der Abgg. Schröder, Möllinger, Theobald, Osann, Kugler Scriba und Stephan (Osthofen) geht dahin: Hat Großh. Ministerium des Innern und der Justiz nicht die Absicht, dem überhaupt, besonders aber in der Nähe der Landesgrenze zunehmenden Bettler- und Landstreicherwesen (Vagantenthum) in be­sonderer Weise entgegenzutrcten, auch mit dem Hinweis an alle zuständigen Behörden in solchen Fällen unter Anwendung des § 362 des Reichsstrafgesetzduchs Arbeitszwang eintreten zu lassen? Em Antrag der Abgg. Ellenberger, Grünewald, Jöckel Sturmfels, Theobald, Wadsack und Hanstein betrifft den dermaligen Winter­fahrplan der Oberhessischen Eifenbabnen und wiid an den vierten Ausschuß verwiesen. Ersten Berathungsgegenstand bildet der Antrag des Abg. Racke auf Revision der rm Großherzogthum geltenden Bestimmungen über Besteuerung des Hausnhandels. Nach sehr eingehender Debatte, an welcher sich außer dem Antragsteller die Abgg. Schröder, Betz, Grünem ald, Küch ler, Freiherroon Nordeck zur Rabenau Böhm, Baur, Osann, Wolz, von Wedekind, sowie Ministcrialrath Mül'ler und der Berichterstatter Möllinger betheiligen, wird der Antrag Racke mit 24 gegen 14 Stimmen abgelehnt. liebet1 den weiteren Berathungsgegenstand: 1. die Vor­stellung der Gewerbebank in Gießen, deren Besteuctung betreffend, 2. die Vorstellung des Spar- und Creditvereins Osthofen, eingetragcne Genossenschaft, Heranziehung zur Gewerbesteuer betreffend, und 3. die Vorstellung Hessischer Creditgenossenschaften, gleichen Betreffs, entsteht eine sehr weitläufige Debatte, in welcher zunächst Ministerialrath Müller die Stellung der Regierung zu den Anträgen des Ausschusses präcisirt welche dahin gehen, die Regierung wolle: 1. biejenigen Erwerbs- uud Wirthschaftsgenosfen- schaften, welche unbeschadet der Freiheit, auch von Nichtmitgliedern Einnahmen entgegenzunehmen ihre GeschäitSthätigkeit statutenmäßig auf die Vereinsgenoffen beschränken, zur Gewerbesteuer nicht zuziehen; 2. die vorliegende Besteuerungsfrage sobald als thunlich gesetzlich regeln. Mit pos 1 deS Antrages erklärt sich die Re­gierung einverstanden und gelangt dieselbe auch einstimmig zur Annahme; pos. 2 gegen welche die Regierung 'm Hinweis auf die bevorstehende allgemeine Reform der directen Steuergesetzgebung Bedenken erhebt, wird mit 22 gegen 15 Stimmen angenommen. An der Debatte über diesen Gegenstand betheiligen sich die Abgg. Hanstein Wolfs- kehl, Stephan (Osthofen). Scriba, Grünewald, Schröder, Frhr. v. Nord eck zur Rabenau Metz Böhm, Falk, Büchner, der Berichterstatter Heinzer- 5dn0'-fJTe L^lldent Kugler - Die Gesetzesentwürfe, das Rechnungsjahr für den Gemeindehaushalt betreffend, und das Rechnungsjahr für den Haushalt der Provinzen und der Kreise betreffend, werden hierauf ohne Debatte angenommen. - Der Antrag der Abgg. Schröder, Seriba, Jöckel und Weith auf Erhöhung der Dotation für die Ackerbau,chulen. resp. deren Neuorganisation wird mit Rücksicht auf eine dem­selben entsprechende Erklärung der Regierung abgelehnt

lra0 rbe8 3Ib0- Wolz, sowie ein Abänderungsontrog des Abg. Schroder, Maßregeln gegen den Wncher betreffend, scheint zu eingehenden Debatten Veranlassung geben zu wollen. Der Ausschuß beantragt, beide Anträge durch die in­zwischen erfolgte Reichsgesctzgebung für erledigt zu erklären. Abg Wol, hält die ergriffen-n Maßregeln nicht für ausreichend und empfiehlt ff-stsegung eine« bestimmten Zinsfußes und Beschränkung dec Wechselfahigkeit auf Kaufleute.

Fortsetzung der Berathung morgen.

Berlin, 3. November. Aus sicherer Quelle verlautet, daß die auswärtigen Angelegenheiten unserm Reichskanzler in Friedrichsruh jetzt mehr als bisher zu schaffen machen. Wir brauchen nicht zu sagen, daß eS besonders die Uederstürzunaeu der Glad- stone'schen Politik sind, deren Abwehr ibn in Anspruch nehmen muß. Der Pefther Lloyd" bringt soeben einen Artikel gegen Herrn Gladstone, worin die heftigste Sprache geführt und der englische Minister ein Tollhäusler genannt wird, der gegen Oesterreich wüthe, weil dieses ihm die Zwangsjacke anlegen wolle. Sein neuester Plan soll eine Unabhängigkeitserklärung Albaniens fein. Daß selbst Rußland f*r die Ansprüche der Griechen nicht sehr lebhaft eintritt, kann man sich leicht erklären: befremdlich ist es indessen, daß derBereg", welcher manchmal officisse Mittheilungen enthält die Ueber- elnstimmung Rußlands mit Oesterreich in der orientalischen Frage betont und so weit 3vlaßen' Oesterreich sei von den deutschen Interessen, welche die Erhaltung des osmanischen Reiches erforderten, abgegangen und die Zeit stehe nahe bevor wo man

in Wien zu der Erkenntniß kommen werde, daß es besser sei, in der Türkei sich mit Rußland zu verbünden. In ähnlichem Sinne heißt es in einer Petersburger Corre- spondenz derPost", Oesterreich und Rußland seien in der orientalischen Politik jetzt vollkommen einig. Wie es scheint, war diese Uebereinftimmung namentlich groß in der Zeit vom 3. bis 11. Ortober. Oesterreichs Eroberungssucht ist gereizt, und wenn es neuerdings die Vertheidigung seiner Interessen hervorhebt, so versteht es unter diesen Interessen möglicherweise einen neuen Landeszuwachs.

Berlin, 4. November. Ein soeben austauchendes Gerücht, daß der Cultvsminister Puttkamer seine Entlastung zu nehmen gewillt sei, dürfte auf die Thatsache zurückzuführen sein, daß der Plan deffelben zu einer Reform der Realschulen 1. Ordnung und zur völligen Umgestaltung dieser Anstalten in Real­gymnasien, die bereits im April k. I. zur Durchsührung gelangen sollte, höheren Ortes nicht die Billigung gefunden hat.

Amerika.

New-Uvrk, 4. November. DieNew-Dort Times" berechnet die künftige Stärke der Parteien in dem Repräfentantenhause auf 149 Republi­kaner, 140 Demokraten und 4 Greenbacker. DemNew - Jork Herald" zufolge beträgt die Majorität der Republikaner in dem Repräsentantenhause 12 Stimmen. DieTribüne" behauptet indeß, die Majorität der Republi­kaner betrage 13 bis 25 Stimmen. Nach den jüngsten Nachrichten dürften die Demokraten eine geringe Majorität im Senate erlangen. Die Legislatur von Nevada wird voraussichtlich, anstatt des bisherigen Republikaners, einen Demokraten zum Senator wählen.

Telegraphische Depeschen.

Wagrrer'S telegr. Correfpoudenz-Bureau.

Berlin, 5. Novbr. Heute begannen unter dem Vorsitze des Ministers Dr.. LuciuS commisiarische Berathungen über die durch die Ueberschwemmung in Oberschlesien herbeigeführten Mißstände und die Mittel, denselben dauernd abzuhelfen, woran Vertreter mehrerer Ministerien und verschiedene mit den Verhältniflcn des Landes hervorragend bekannte Beamte aus Schlesien thetlncbmen.

Paris, 5. November. Heute Vormittag hat hier die AuSsührung der Märzdecrete gegen die Dominikaner, Franziskaner und andere Kongregationen stattgesunden. Ueberall wurde passiver Widerstand geleistet und lebhafte Pro­teste eingelegt. Zur gewaltsamen Oeffnung der Thüren waren Pompiers requirirt. Einige Personen wurden verhaftet. Unter den Civilisten, welche den Dominikanern von Saint Honort zur Sette standen, war auch der Herzog v. Broglie. Dte Ordenshäuser der Ausgewtesenen sind noch immer von Men- schengrupprn umgeben.

Dte Ausführung der Märzdecrete erfolgte heute Vormittag außer gegen dte Kapuziner, Dominikaner und Maristen auch noch gegen die Redemp­toristen vom heiligen Herzen, die Cordelters, dte Augustiner und Oblaten; im Ganzen wurden 11 klösterliche Niederlassungen in Paris geschloffen. Diese Maßregeln gaben Anlaß zu Protestattonen und einigen Menschenansammlungen, doch kam es zu keinerlei Zusammenstoß. Die Zahl der Verhafteten übersteigt nicht 40 und sind mehrere bereits wtedes sretgelaffen. In der heutigen Sitzung des ConflictS'Gertchtshofes erklärte Bosviel, Advocat der Jesuiten, Angesichts der Vormittags in Paris stattgehabten Executionen erachte er fortan jede advocatortsche Thättgkeit als nutzlos und verzichte darauf, den vergeblichen Protest des Rechtes vernehmbar zu machen in einem Lande, wo die Devise der Regierung sei: Gewalt geht vor Recht.

Bet den Dominikanern befanden sich zur Zeit der Ausführung der Märzdecrete außer Broglie auch noch Buffet, Depeyre und Cochtn. Der Polizeipräsect ließ den Kapuzinerpater Arsene verhaften, welcher ihn excommu- ntcirt hatte. Dte verhafteten Civilpersonen sind wieder sretgelaffen. Ferner sind dte^zdecrete heute ausgeführt in Clermont-Ferrand, Arras, Le Mans, Orleans und Poitiers. Ueberall erfolgten lebhafte Proteste und laute Kund­gebungen ; ernstliche Ruhestörungen sind indeß nicht vorgekommen. Neuerdings haben wiederum mehrere richterliche Beamte ihre Entlaffung genommen.

New-Uork, 5. November. Wettere Meldungen bestätigen, daß die Republikaner in dem neuen Repräsentantenhause eine Majorität von 12 stim­men haben werden.

Paris, 5. Novbr. Zahlreiche Telegramme constatiren die allgemeine Ausführung der Märzdecrete, welche dem Vernehmen nach morgen beendigt sein wird. Alle ntchtautoristrten Männer - Congregationen sind aufgelöst, mit Ausnahme der Karthäuser und Trappisten. Der englische Botschafter hat, wie dieAgence Havas" meldet, den Minister des Innern ersucht, den eng»