Ausgabe 
25.1.1878
 
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Serbien.

gewarnt, weil uns die Aufrichtigkeit des Verlangens nach Frieden nichts hin­reichend nachgewiesen erschien. Die englischen Biaubuch-Documente bestätigen unsere Auffassung, daß die Initiative der Pforte durch Lord Derby eingegeben war. nicht um den Kriegführenden ein Feld der Annäherung zu bieten, sondern um England von Anfang an die Einmischung in die Verhandlungen zu gestatten. Dieses diplomatische Manöoer ohne Präcedenz verdient allen Friedensfreunden signalistrt zu werden. Das Journal führt darauf ausführlich aus. der Waffen­stillstand könne nur nach Verständigung über die Friedenspräliminarien erfolgen und sagt dann: Nun erkläre das Londoner Cabinet nur einen mit Betheiligung Europas verhandelten Frieden zulaffen zu wollen. Hieraus folge, daß selbst bei Unterschrift der Pforte die Friedenspräliminarien werthlos seien, da die Zustimmung der Pforte unverbindlich, weil Europa si nichtig machen könne. Diese Situation werde noch verschärft durch die Erklärung der englischen Negierung, erst Rußlands Bedingungen abwarten zu wollen und dann^eine Geld­bewilligung vom Parlamente zu verlangen. Der Artikel schließt: So würde, wenn der gegenwärtige Versuch scheitern sollte, wiederum Englands Haltung den Waffenstillstand und den Frieden unmöglich machen und den Orient in verhängnißvolle Gefahren stürzen. Uns liegt der Gedanke fern, daß London dieses wünsche. Aber jedem Aufrichtigen und Unparteiischen wird die unan­fechtbare Logik unserer Ausführung einleuchten. Enropo möge urtheilen und es ist nöthig, daß vor dem öffentlichen Gewissen und vor dem Tribunal der Ge­schichte Jeder die ihm gebührende Verantwortung trage.

DieAgence Russe" nimmt Act von den Zeitungstelegrammen aus Gien, welche sagen, daß Oesterreich völlig beruhigt sei über die Wahrung seiner Interessen beim Friedensschlüsse. Sie meint, daß diese begründete Anschauung Oesterreichs nicht ohne Einfluß sei aus die in London eingetretene Besserung

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Konstantinopel, 22. Januar. Die Russen haben den griechischen Erzbischof zum Gouverneur von Adrianopel ernannt und Fassa Effendi die Civilverwaltung übertragen. Suleiman Pascha wurde angewiesen, die Vinte von Bulair zu vertheidigen. Es wurden Vorkehrungen getroffen, die Truppen Suleimans dorthin zu transportiren. Die Gerüchte von einem zweimonatlichen Waffenstillstand und dem Anrücken Der Russen haben noch keine officielle Be­stätigung gesunden. Aus Wan wird vom 18. d. gemeldet, daß die Russen in Korongh bei Musch angekommen sind. .

Konstantinopel, 23. Januar. Zur Unterstützung der Fluchtigen hat sich eine aus den Consuln und angesehenen Europäern bestehende internationale Commission gebildet. Es heißt, der Gouverneur von Gallipoli habe diese Stadt verlassen. r . , _ ,

Madrid, 23. Januar. Die königliche Trauung fand in Gegenwart der Volksvertreter, vieler großen Staatskörperschasten, der Aristokratie und des diplomatischen Corps statt. Die Vermählten begaben sich von der Kirche in das königliche Palais. ,

Berlin, 23. Januar. DieProv-Corresp." erblickt in ernsten erfolg­reichen Waffenstillstands-Verhandlungen zugleich die Wahrscheinlichkeit eines bal­digen Friedens. Der volle Abschluß des Friedens werde freilich nicht durch beide Kriegführende allein bestimmt. Die Lösung der in Betracht kommenden Fragen werde theilweise nicht ohne das Einverständniß und die Mitwirkung der europäischen Mächte erfolgen können. s2l6er. die bisherigen Beziehungen unter den Mächten schienen die Zuversicht zu begründen, daß es auch in diesem entscheidenden Augenblicke der orientalischen Verwickelungen gelingen werde, die Lösung unter voller Wahrung des Friedens zu erreichen. Hierfür schienen die Weisheit und Mäßigung des Kaisers von Rußland, seine innige vertrauensvolle Verbindung mit den Nachbarmächten und die neu bekundeten friedlichen Nei­gungen Englands Bürgschaft zu gewähren.

Madrid, 23. Januar. Der König und die königliche Familie haben sich heute Vormittag 10y2 Uhr vom Palast nach der Atocha-Kirchc begeben; die Infantin Mercedes, die ehemalige Königin Christine und die Familie Mont- pensier haben sich von Aranjuez ebendahin begeben. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte die Herrschaften mit lebhaften Zurufen.

Petersburg, 23. Januar. DasJournal De St. Petersbourg" sagt: Schon feit der ersten telegraphischen Nachricht von dem Wunsche der Pforte nach Verhandlungen, haben wir vor einem übertriebenen Friedens-Optimismus

der Situation.

Petersburg, 23. Januar. Offlciell. Nachdem Adrianopel von den regulären türkischen Truppen geräumt, drangen Basch'-Bozuks und Tscherkessen daselbst ein. Am 20. d. wurde die Stadt von russischer Cavallerie unter den Zurufen der Einwohner besetzt.

Em Telegrimm des Großfürsten Nikolaus aus Kazanlik vom 22. d. (rtelDet: General Strukoff hat am 20. oh ie Kampf Adrianopel besetzt und eine provisorische Verwaltung aus Einwohner verschiedener Nationalitäten ein­gesetzt. Die 30. Division sollte am 22. in Adrianopel sein. Der Großfürst verläßt Kazanlik an 24. und hofft an 27. in Adrianopel zu fein.

Karlsruhe, 23. Januar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kam­mer kam es zu einer sehr lebhaften Erörterung anläßlich der früheren Aeuße- ru ig des Staatsministers Turban, daß das Land eine ultramoatane Regierung nicht ertragen würde. Der Minister beharrte b.ü feiner Behauptung, indem er Den Ultramontanismas als verderblich bezeichnete. H erauf erhoben Die Kleri­kalen Protest unter der Erklärung, daß sie sich die Bezeichnung als Ultramon- tune nicht mehr gefallen ließen und aus der K immer austreten würden, wenn dieses Wort sortm noch gebraucht werden würde. Der Präsident wahrte da­gegen das Recht der Anwendung dieser überall gebräuchlichen B-zeichmng.

Petersburg, 23. Januar. Im kaiserlichen Palais sand heute in Gegenwart Der Mitglieder Der kaiserlichei Fmailie, Der hohen Würdenträger vom Cioil und Militär, sowie des diplomatischen Corps Die Taufe des Sohnes des Großfürsten Wladimir auf Die Namen Boris Wladimirowitsch statt. Der Kaiser, Kaiser Wilhelm, die Kaiserin und die Großfürstin Constantin vertraten , Pathenstelleu. Kaiser Wilhelm vertreten durch den Erbgroßherzog von Mecklen­burg-Schwerin.

Nom, 23. Januar. Der Papst ist von einem leichten Unwohlsein

Belgrad, 22. Januar. Der serbische Unterrichts-Minister^ hat sich nach dem Hauptquartier des Fürsten begeben, um in den von Den gerben be­setzten türkischen Gebietstheilen Die Oberleitung Der Verwaltung ju UDerneDmen. In Nisch ist eine aus 12 Christen und 4 Muharnedanern bestehende Gemeinde- Vertretung gebildet worden.

befallen.

Washington, 22. Januar. Das Repräsentantenhaus hat den An­trag angenommen, durch ein Comitö den Betrag des im Besitze Der Union befindlichen Goldes und Silbers, sowie Den Betrag Der gegen Baar verkauften Bonds feststellen, ferner andere geeignete Thatsachen ermitteln zu lasten, die das Haus informiren können, wann und durch welche Mittel es mit der öffent­lichen Wohlfahrt vereinbar sein würde, die Baarzahlungen wieder aufzuneh­men. Dem Requiem für Köniz Victor Emanuel wohnten Präsident Hayes, die Minister, Richter, Senatoren, Deputirte und die Diplomatie bei.

bedingungen stattgesunden habe, sei vertraulich gewesen, es könne darüber also keine d^tthellung^e so Dillwyn's anlangend, bemerkte Northcothe Fol­

gendes: Die Königin erhielt einen directen Appell vom Sultan und tcle- graphirte darauf aus den Rath der Minister an den Kaffer von Rußland, si- habe einen directen Appell vom Sultan erhalten, den st- nicht unbeantwortet lasten könne. Da der Kaiser ihren ernstlichen Friedenswunsch kenne, zögere sie nicht, ihm diese Thatsache mitzutheilen, in der Hoffnung, daß die Waffenstill­standsverhandlungen zu einem ehrenhaften Frieden fuhren möge und beschleunig» würden. (Beifall.) Die Antwort des Kaisers und der Appell des Sultans, jo schloß der Minister, seien nicht mittheilbar, weil diese Verlautbarungen ab­solut persönlicher Natur seien.

->n der Sitzung des Oberhauses erschien Lord Derby und wurde Herz- lich empfangen. Die Königin hat in üblicher Weise ihre Antwort auf Die ADresse Des Hauses übersenDen lassen. Am -Schluß Der Antwort heißt es. Sie Dürfen mit Vertrauen bauen aus meine herzliche Mitwirkung bei jeDern Be­streben, Die Wohlfahrt unD Sicherheit meines Volkes zu verbessern.

Aelgien.

Brüssel, 22. Januar, AbenDs. Bei Berathung Des Budgets Des In­nern in der Repräsentanten Kammer brachte Die Regierung einen Geschentwurs ein, betr. Die Bewilligung eines CreDites von 11/4 Mill. Frcs. hauptsächlich zur Anlage von Befestigungen an Der SchelDe.

Rußland.

Vermischtes.

Hanau, 19. Jan. In der Frage der Tabaksteuer beginnt unsere Stadt eine besondere Rührigkeit zu entfalten. In Der Sitzung der Handelskammer am ver­gangenen Montag wurde der Antrag gestellt, wie früher, so auch jetzt eine Eingabe an die betreffenden Behörden zu machen, jedoch beschloß man, die Angelegenheit in um­fassendere Behandlung zu nehmen. Es wurde also zum Zweck eingehender Orientirung auf Donnerstag eine Versammlung von Cigarren-Fabrikanten einberufed, in welcher beschlossen wurde, die Handelskammer zu ersuchen, daß sie die erforderlichen Schritte tbue, von der Tabaks Industrie die drohende Calamität abzuwenden. Zugleich wurde beschlossen, mit den übrigen Centralpunkten der Tabaks-Industrie, Offenbach, Mann­heim, Gießen, Würzburg u. s. w., in Verbindung zu treten und behufs Erzielung ge­meinsamer Schritte einen Fabrikantentag der betreffenden Interessenten nach Frankfurt a. M. einzuberufen. Die Verhandlungen dazu sind bereits eingeleitet.

In einem Heidelberger Blatte befindet sich folgendes originelle Inserat, da« wir mit Weglassung der vollen Namen hier wiedergeben:Zur Nachricht. Um Irr- thümern vorzubeugen theile ich mit, daß Ich es nicht bin, der s^auleiu L. S- von H. (meine frühere Geliebte) heirathet, sondern mein Vater, alt H. W- Backer in D- So­mit wird meine eigene Tochter meine Schwester. Heinrich W. jun., Eondttor in

Im Jnseratentheil desKladderadatschs la« man in den letzten Monaten fast in jeder Nummer eine Anzeige, durch welche der Premrerlieutenant a D. Karl Eugen von Alvensleben durch Vermittlung eines Agenten BorSdorf actio en Officieren und höheren Beamten Darlehen gegen Wechsel und Ehrenschein offerire. Ein autz- martiaer Kaoallerieofficier machte van dieser Offerte Gebrauch und schickte direkt an o. Aloensieben einen Wechsel von 2000 nebst Ehrenschein, erhielt aber von demselben nur 1500 J4, mit dem Bemerken, es sei augenblicklich nicht mehr-für den Wechsel an­zuschaffen. Damit war aber der Aussteller nicht zufrieden er verlangte vielmehr Wechsel und Ehrenschein zurück, und da v. Aloensieben das Geld berei s für sich verbraucht und den Wechsel anderweit verwerthet hatte, denunzirte der Officter den A. bei der dortigen Staatssnwalschaft wegen Betruges. In heutiger Sitzung der dritten Cri- minalbeputation beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten wegen Unter­schlagung eine viermonatige Gefängnißstrafe; der Gerichtshof erachtete es jedoch für eine ganz besondere Ehrlosigkeit, wenn sich ein gewesener OJftcier aut diese Weise zum Schlepper- mache, und erkannte auf acht Monate und einjährigen Ehrenverlust.

-Im Deutschen Reiche bestehen jetzt 5965 organistrte Feuerwehren: davon treffen auf das Königreich Preußen, mit 25 Millionen Einwohner nur circa 600 während Bayern, bei nur 5 M llionen Einwohnern, 3324 organistrte freiwillige Feuer^ wehren besitzt, Württemberg zählt 572 und Baden 273 organifrrtc Feuerwehren. Im Berhältniß zu Bayern müßte Preußen 16,600 Matt 600 Feuerwehren haben. Woher kommt es nun, daß der Norden so weit hinter dem Süden zurückgeblieben ist?

** Wir entnehmen derIndustrie-Zeitung" folgende Notizen Über das Vorkommen von Trichinen: Trichinen sind in Breslau, in Zibelle, ^urt Rothenburg O-L. und in Olbersdorf, Kr. Frankenstein, gefunden worden. In Niederzwehren

Petersburg, 22. Januar. Aus Kasanlyk vorn 19. toirD^amtlid) 1 aemelDet: Nachdem General Garko am 15. D. M- einen Th eil Der türklschen Armee von KaDiktvi unD Airanli nach Dermeudere zurückgeworfen hatte, setzte Derselbe seinen Angriff energisch fort, unD zwar am 16. bei Dermendere unD 17. bei Bellestizi unD Karagatsch, woDnrch er Die Türken endgulttg in Das Gebirge Despoto-Dagh hinter Enikioi unD Laskowo zurückwarf. Die Türken verloren in Diesen Kämpfen 49 Geschütze, 4000 ToDte; außerDem eine Maste Gefangene, bis jetzt über 3000. Die Türken flohen aufgelöst auf BergpfaDen. Der Weg nach Adrianopel über Chasktvi ist ihnen ganz abzeschnitten. Diese gläuzenDen Resultate sinD Der Tapferkeit unD Energie Der Generale Schinvaloff, Dandeville unD Krasnoff zu verDanken. Die Truppen legten in 6 Tagen 150 Werst auf zwei Der schwierigsten Pässe bei Bakarel und Trojanspforte, ohne auszuruhen, zurück, griffen sofort in Den Kampf ein unD übernachteten von Abend bis Morgen jeDesmal auf Dem Schlachtfelds Der Verlust Der Russen betrug gegen 500 Mann!, 5 Osficiere blieben todt, 15 wurden verwundet, 3 contusionirt. Am 18. wurde Die Verfolgung Des Feindes energisch fortgesetzt. Eine Colonne marschirte von Bellastinna auf Enikoi, eine andere von stani- makl auf Naretschin. Die Garde-Civallerie nächtigte am 17. und 18. in Tschatake, rückte am 18. auf der Chaussee nach Chaskioi vor und hatte bereits am 17. Fühlung mit General Skobeleff II. bei Tschirpan. General Skobeleffs Cavallerie wurde am 18. von Stanimaki ostwärts nach Ketenlik dirigirt. Kasanlyk, 19. Januar. General Skobeleff II. besetzte Semenli Ternowo, Gueterll, Hermanli und entsandte nach allen Richtungen Streiftruppen, welche am 18. in Mustaphapascha bei Adrianopel erschienen Ein Theil der türkischen Truppen wurde von Philippopel zurückgeworfen und erschien am 18. bei Has- kioi. Die türkischen Bevollmächtigten sind heute Abend in Kasanlyk eingetroffen.