Cannstatt, 21. März. Heute Nachmittag hat Freiligrath's Beerdigung unter sehr zahlreicher Betheiligung stattgefunden; am Sarge waren viele Lorbeerkränze, theilweise aus weiter Ferne gesendet, niedergelegt. Ludwig Wa- lesrode und Carl Mayer hielten Gedächtniß-Reden; ein protestantischer Geistlicher sprach Gebet und Segen.
IranKreich.
Paris, 20. März. Die Gerbergeselleu von Paris stellten heute die Arbeit ein. Sie hatten eine Verringerung der Arbeitsstunden verlangt und die Gerber, welche die Forderung nicht gewähren wollten, schloffen, nachdem ein Theil der Gesellen die Arbeit eingestellt, ihre Gerbereien.
Paris, 22. März. Das amtliche Blatt veröffentlicht heute die bereits angekündigte Veränderung in der Besetzung einer Anzahl von Präfekturen; dieselbe erstreckt sich auf 24 Präfekten, welche theils versetzt, theils pensionirt oder zur Disposition gestellt sind. Darunter befinden sich u. A. die bisherigen Präfekten von Marseille, Nimes, Bordeaux, Toulouse, Orleans, Epinal und Tours; Nadaillac ist von Pau nach Tours versetzt.
Versailles, 21. März. Im Senate brachte Victor Hugo den Antrag auf Amnestie ein. Dufaure gab darüber folgende Erklärung ab: Der Präsi dent der Republik kann die Maßregeln der Milde rücksichtlich derjenigen Depor- tirten oder Geflüchteten, welche ihre verbrecherischen Ausschreitungen bereuen, vervielfältigen, aber unmöglich Milde walten lassen Personen gegenüber, welche Feinde unserer Gesellschaft bleiben, welche sinnreiche Mittel anwenden, um in Frankreich Schriften verleumderischen Inhalts gegen die Regierung und Gesell' schäft Eingang zu verschaffen. Schließlich ersucht der Conseils-Präsident die Kammer, die Vorlage als dringliche zu behandeln, denn man müsse eine schnelle Entschließung faffen über deratige Fragen, bei denen die Hoffnungen von Leuten erweckt würden, welche nicht auf Milde rechnen dürften. Die Dringlichkeit wurde demnächst einstimmig votirt. Der Senat trat heute auch über die Münzfrage in Berathung: Parieu erklärte sich für die einfache Währung, wo gegen Say und Rouland die Doppelwährung verfochten. Say legte einen Gesetz-Entwurf zur provisorischen Regelung der Doppelwährung vor, wonach der Finanzminister ermächtigt wird, durch einfaches Decret die Prägung von Fünf-Francs-Stücken zu beschränken.
Versailles, 21. März. In der heutigen Sitzung der Deputirten- Kammer brachte Raspail eine Vorlage ein, wonach eine allgemeine Amnestie der politischen und Preß-Vergehen erlaffen werden soll; dagegen legte Rouvier, welcher ebenfalls der radikalen Partei angehört, einen Gesetz-Entwurf über eine Amnestie vor, welche nur gereifte Kategorien umfaßt. Im Namen der Regierung erklärt sich der Minister des Innern Ricard sowohl gegen allgemeine Amnestie wie auch gegen eine solch?, welche ganze Kategorien in sich schließe; gleichwohl richte er an die Kammer das Ersuchen, obige Vorlagen als dringliche zu behandeln, man müsse dieselben ohne Verzug erörtern, da sie geeignet wären, aufregend aus die Gemüther zu wirken. Raspail und Brisson bekämpfen die dringliche Behandlung, jedoch wird diese nahezu einstimmig von der Kammer beschlossen. Demnächst legte der jüngere Raspail. den Antrag vor, daß der Regierung das Recht auf Ernennung der Maires entzogen werde. — Der „Agence Havas" zufolge wird morgen das amtliche Blatt die Personal-Veränderungen in den Präfekturen veröffentlichen: es würden zehn Enthebungen und zwölf Versetzungen von Präfekten verfügt werden.
Belgien.
Brüssel, 21. März. Die belgische Bank erklärte vor dem Handelsgericht, sie werde binnen acht Tagen die veruntreuten Depositen ersetzen. Ein Consortium von Bankiers wird ihr mit 16 Mill. Frcs. zu Hülfe kommen.
England.
London, 21. März. Im Unterhause erklärte der Unterstaats-Secretär Lowther gegenüber Jenkins, die Unterhandlungen wegen Abtretung des Gambia- Gebietes an Frankreich seien abgebrochen worden, weil Frankreich Bedingungen stellte, welche England die vollständige Controle über die Küstenschifffahrt entzogen haben würden. — Disraeli erklärte bei Berathung der Titelbill, die Königin würde keinesfalls den Titel Kaiserin in England annehmen. Das Gerücht, daß die Kinder der Königin „Kaiserliche Hoheit" heißen würden, sei unbegründet. Die Amendements, die dahin gehen, auszusprechen, daß der Titel Kaiserin lediglich localer Natur sei, wurden abgelehnt und die Bill angenommen. — Der „Times" geht aus Konstantinopel folgende Nachricht zu: Da die Pforte den ihr bewilligten Credit von 3 Millionen wett überschritten, so habe die Banque Ottomane dem türkischen Ministerium erklärt, sie müsse die Aus< zahlung der Summe für das diplomatische Corps der Türkei im Auslande beanstanden.
London, 21. März. Im Untcrhause sprach Lord Northcote die Hoffnung aus, daß der Wolff'sche Antrag aus Neutralisirung des Suez-Canals als gegenwärtig inopportun zurückgezogen werde. Der Antragsteller Wolff sagt dies zu. Lord Cochrane erklärt, er werde demnächst die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Besitz-Ergreifung Khokands durch Rußland lenken.
Türkei.
Konstantinopel, 20. März. Amtlicher Meldung aus Mostar zufolge ist der Jnsurgenten-Führer Pfarrer Giovane Mussich mit 80 Insurgenten auf österreichisches Gebiet gedrängt; derselbe wurde, wie die „Polit. Corresp." mit- theilt, in Metkovich von einer österreichischen Patrouille verhaftet.
Konstantinopel, 20. März. Achmet Muktar Pascha hat Gacko verlassen und ist in der Richtung gegen Piva ausgebrochen, bei welchem Orte sich Insurgenten gesammelt haben. Kiamil Pascha, ehemaliger Präsident des StaatSraths, ist zum Minister ohne Portefeuille ernannt.
Konstantinopel, 22. März. Von authentischer Seite wird die Nachricht des „Temps", die ottomanische Bank habe wegen beträchtlicher Ueber- fchreitung des der Pforte eingeräumten Eredits die Auszahlung der Summen für das diplomatische Corps der Türkei beanstandet, für vollständig unbegründet erklärt.
Men.
Aden, 20. März. Der Prinz von Wales ist gestern Abend auf dem „Serapis" hier eingetroffen und hat heute Morgen die Reise nach Suez fortgesetzt.
Vermischte-.
. ™ Berlin. (Arbeitslosizkeit.) Die Zahl derjenigen Arbeiter, welche seit Wochen I« Monaten, ohne Beschäftigung und Verdienst sind, uno mit ihren Familien im wabr- Iten Sinne des Wortes am Hungertuch nagen, mißt leider schon nach Tausenden und wird täglich durch die zunehmende Einschränkung der Thätigkeit unserer Fabriken in erschreckendem Grade vermehrt. So sollen in der Borsig'schen Maschinenbau-Anstalt wo früher stets mehr als 2000 Arbeiter beschäftigt waren, heute nur noch 500 in Tbä- t'gkeit sein, und diese obendrein noch bei sehr verringertem Lohn. Angesichts dieser Kalamität ist e5 denn freilich nicht zu verwundern, daß sich vor einigen Tagen in der Vorstadt Gesundbrunnen 5- bis 600 Fabrikarbeiter zusammenrotteten, nach dem Poliret- Lureau daselbst zogen und nach Arbeit verlangten. Der Polizeihauptmann v Drv- galski, mit der traurigen Lage dieser Leute längst bekannt, empfand ein menschliches Rühren, und anstalt den Haufen, wie es früher zu geschehen pflegte, durch Polirei- mannschaften auseinder treiben zu lassen, begab er sich selbst mitten unter sie, ermahnte sie in wohlwollendster Weise zur Ruhe und Ordnung, wodurch sie allein nur ihre Lage verbessern könnten, und brachte sie durch trostreichen Zuspruch zu einem friedlichen Auseinander gehen.
Newyork, 20. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff des Norddeutschen Lloyd Mosel ist heute 3 Uhr Nachmittag- wohlbehalten von Bremen hier eingetroffen.
Remscheid, 15. März. Folgende Schwindelgeschichte berichtet der hiesige An- zeiZer: „Ein zur Gemeinde Lüttringhausen gehörender Bürger, welcher von zwei fronenberger Sterbeauflagen Mitglied ist, wurde von seinem Sohne auf dem Standes- amte daselbst als gestorben angemeldet. Mit dem Todtenscheine begibt sich der Uefbe- tiübte Sprötzlnig zu dem Rendanten gedachter Auflagen und läßt sich das nicht unbedeutende Sterbegeld auszahlen, um es in dulci jubilo zu vergeuden. Einige Freunde des angeblich Dahingeschledenen finden sich zum Liichenbegängniß ein, aber siehe da der theure Verblichene erfreut sich der besten Gesundheit."
Literarisches.
Kirchengeschichte beider Hessen von Dr. Heinrich Heppe. Erste- Heft- Marburg 1876.
Der Referent hat niemals eine neue literarische Erscheinung mit größerer Spannung in die Hand genommen, als dieses Werk unseres wissenschaftlich so hochverdienten Landsmannes. Denn welcher Hesse, ber nur eine Ahnung davon besitzt, daß unser Volksstamm w:e in politischer, so auch in kirchlicher Beziehung eine bedeutende und höchst eigenthumliche Vergangenheit durchlebt hat, und daß eine Kenntniß davon unbedingt für Jeden geboten ist, der die Grundlagen, auf denen die kirchliche Gegenwart unseres Vaterlandes beruht, kennen lernen will, sollte dasselbe nicht mit Freuden begrüßen, zumal wir noch keine auf den Ergebnissen streng wissenschaftlicher Forschung und Kritik beruhende Geschichte unserer Landeskirche besitzen. Des Werkes, mit dem Herr Professor Heppe uns beschenkt hat, können wir uns inniglich freuen. Denn es ist das Werk eines Mannes, der wohl geschult ist in historischer Wissenschaft und allen ihren Anforderungen zu entsprechen weiß, der mit unermüdlichem Fleiß und unerloschener Liebe seit mehr als 30 Jahren alle Quellen und Archive durchforscht und alle auf Hessen bezüglichen Thatsachen gesammelt und kritisch geprüft hat, und darum wie fein Anderer zu einem solchen Werke ausgerüstet und berufen war. Und wer dabei bedenkt, daß der Herr Verfasser diesem mühevollen Werke so manchen Tag und so manche Stunde geopfert hat, und zugleich in der ganzen Darstellung das Streben erkennt, daß das Große und Herrliche, das unsere Väter in ihrer Treue gegen das Evangelium geschaffen und die Siege, die sie in seiner Kraft errungen haben, belehrend, erweckend und bekräftigend auf die Gegenwart wirken möchten oer muß in demselben nicht nur ein gelehrtes Werk, sondern auch eine patriotische That erblicken. Der Herr Verfasser hat sich daher die Aufgabe gestellt, ein genaues und lebensvolles Gesammtbild von der Entwickelung der hessischen Kirche bis auf die Gegenwart zu geben, in dem fein irgendwie bedeutungsvoller Moment fehlt, ein Bild, das überall getragen ist von den Quellen und den Specialforschungen, das umrahmt ist von den eingreifen« den Thatsachen der politischen Geschichte, und wobei derselbe, wie ein Führer durch einen Ahnensaal, uns jeden weniger bekannten Zug deutet. Zu besonderem Danke sind wir demselben aber dadurch verpflichtet, daß er durch die Angabe der Quellen und der literarischen Nachweise den Leser in den Stand setzt, selbst zu prüfen und Lust in ihm erweckt, weitere Studien anzustellen.
Von diesem trefflichen, auf 40 Bogen berechneten Werke, das auch schon in weiteren Kreisen gerechte Anerkennung gefunden hat, liegt uns bti jetzt die 1. Lieferung vor, welche die Geschichte der hessischen Kirche bis zum Schluß der Homberger Synode behandelt. Um sich den Boden zu schaffen, auf dem das Ganze sich bewegt, gibt uni ber Herr Verfasser zuerst in großen, aber durchaus klaren und bestimmten Zügen eine Darstellung von der allmähligen Entwickelung Hessens auS der Gaugrafschaft zu dem Fürstenthum, wie es unter Landgraf Philipp bestand, und das denselben Umfang hatte, wie einst das alte Chattenland. Dann schildert er die Einführung des Christenthums in Hessen, wobei er uns namentlich eine Darstellung des BonifaciuS gibt, wie wir eine solche prägnanter und schärfer noch nirgends gelesen Haden- Dem folgen die Kämpfe der hessischen Fürsten mit den Erzbischöfen von Mainz und deren Erfolge für Hessen, womit das eigentliche Leben der hessischen Kirche beginnt, und es erfreut da jedes Hessen- Herz zu lesen, wie die trefflichen, streitbaren Landgrafen mit ihrem treuen Volke im heißen Kampfe Leben und Gut daran setzen, die Mainzer Bischöfe auf das Haupt schlagen und das Land von deren Uebergriffen befreien. Nachdem uns sodann der Herr Verfasser eine völlig erschöpfende und höchst inftructive Darstellung von den kirchlichen Zuständen Hessens int Mittelalter: ber Diöcesaneintbeilung, den kirchlichen Associationen, Verbrüderungen zc, sowie von den reformatorischen Bewegungen in Hessen vor der Einführung der Reformation gegeben, beginnt er den zweiten Abschnitt „Vom Anfänge der Kirchenreform bis zum Jahre 1539" mit einer Schilderung des Landgrafen Philipp des Großmüthigen und deS Anschlusses desselben an die Reformation, führt unS bann dessen Polizeiverordnung vom Jahre 1526 vor, aus ber sofort erhellt, daß es diesem Landgrafen wie allen seinen Nachfolgern vor Allem um die Besserung des christlichen Wandels zu tbun war, und geht darauf zu Lambert von Avignon und ber Synode zu Homberg über
Unter den deutschen Zeitungen gibt es gegenwärtig keine, die in typographischer und künstlerischer Ausstattung neben der bekannten leipziger „Jllustrirten Zeitung" sich mit der „Jlluftrirten Frauen-Zeitung" messen dürfte. Wie erstere sich vor allen übrigen derartigen Unternehmungen des In- und Auslandes vortheilhafi auszeichnet, gibt es auf der ganzen weiten Erde kein, den Frauen gewidmetes Blatt, das. abgesehen von der vorzüglichen Leitung des Modeiheiles, in seinem Aeußeren und seinen künstlerischen Illustrationen mit der „Jllustrirten Frauen-Zeitung" gleichen Rang einnehmen könnte. Papier, Druck und Format sind ganz ebenso, wie bet der bekannten Leipziger „Jllustrirten Zeitung"; der Inhalt des Modenblattes ist derselbe wie der der „Modenwelt", die bekanntlich die weitaus verbreitetste Moden-Zeitung ist; das Unter halungsölatt fetzt sich aus Beiträgen der ersten Schriftsteller und Künstler Deutschlands jusammen und bildet ein Werk von bleibendem Werthe; die Modenkupfer lassen die französischen entschieden hinter sich zurück, und endlich die zur sogenannten großen Ausgabe gehörigen Kostümbilder, historische und Volkstrachten darstellend und nach Aquarellen von Künstlerhand sorgfältig in Stahl gestochen und colorirt, geben ein Album der interessantesten und werthoollften Art.
Der Preis des alle acht Tage erscheinenden Blattes (mit jährlich 12 Kupfern) ist dabei nur 2,50 Mark, für die „Ausgabe mit allen (jährlich 60) Kupfern" 4,25 M Das Ganze ist, zumal gegenüber diesem äußerst billigen Preise, eine Leistung, aui welche deutsche Kunst und Industrie mit Recht stolz fein dürfen, da, wie gesagt, weder in Deutschland noch im Auslande etwas Gleiches exiftirt. _
Nachdem beinahe jedes Fach feine Fachzeitung hat, so liest jeder intelligente Gerber seine Gerberzeitung, jeder Gärtner seine Flora u f. w. Nur der Capitalist und Aklionär erspart zu seinem eigenen Schaden die 12 Psg. wöchentlich, um welche er sich ein vollständiges, feit Jahren bewährtes Finanzblatt halten könnte.
Wir erinnern hiebei an das „Neue Finanz- und Verloosungsblatt" von A- Davit in Stuttgart (8000 Auflage), »/»jährlich M 1. 75., welches in jeder Nummer 7 Origt- nalberichte von verschiedenen Börsenplätzen, mehr als 800 Course und die pünktlichsten Verloosungs- und Restantenlisten aller verlooSbaren Effecten bringt. Eine einzige Notiz darin kann schon das ganze Abonnement decken.
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Samstag de von Vormi vklen 75 Aepselstä dien, 50 Kirscbei Ztwelschenitäin nicht faße auf dem Ma !«use dahier meistb Die Herren Bürg Orte werden ersucht tefannt machen zu Wen, am 21.
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