Ausgabe 
20.11.1849
 
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An die Wähler des Wahlbezirks

Gießen.

Mitbürger in Stadt und Land!

Die Wahlen zum iandtagc stehen nahe tcror. Er ist wichtig, wie vielleicht keiner noch wegen der Verhältnisse, die für unser weiteres, wie unser engeres Vaterland geordnet werden müssen. Wir habeil schon einmal zu Euch gesprochen: wir wollen die Einheit, Freiheit, Macht utid Größe Deutschlands, für unser engeres Vaterland aber alle die Verbesserungen, welche der 6. März des vorigen Jahres uns verheißen hat. Aber alle Verbesserungen und allen Fortschritt auf gesetzlichem Wege. Wir wiederholen darum unsere Bitte, daß alle Wahlberechtigten, um die Zersplitterung der Stimmen zu vermeiden, keinem an­dern .ihre Stimmen zuwenden mögen, als den von uns schon einmal Empfohlenen.

Für die zweite Kammer:

Dr. Wilhelm Gottlieb Sold an,

Gymnasiallehrer zu Gießen/

Für die erste Kammer:

Dr. Friedrich Kraft,

Hofgerichtsrath zu Gießen.

Wir haben das Vertrauen, daß beide Männer in obigem Sinne wirken werden. Gießen den 20. Nov. 1849.

Das Wahleomite des vaterländischen Vereins.

2180) Gießen.

Aufruf an die Pewohner Gießens.

In immer fühlbarerer Weise thut sich, neben der gesteigerten Leselust und Lesefertigkeit in allen Ständen, der Mangel an Gelegenheit, dieselbe auf eine wahrhaft erhebende und den ganzen Menschen fördernde und veredelnde Weise zu befriedigen, hervor Besonders aber ist es die ärmere und ärmste Klasse unserer Bevölkerung, welche hierunter am empfindlichsten leidet. Darum erscheint es als die hei­lige Pflicht Aller, welche sich lclbst durch die göttliche Gnade jenen gegenüber als mit einem reichen Schatze des Wissens und der Bildung begabt erblicken, auch jenen Nichlbevorzugten diese Fülle und diesen Segen an geistigen Gaben, soviel an ihnen ist, zukommen zu lassen

; Dieser Mangel ist nun auch in der That kein unbekannter und unberücksichtigter geblieben, und auch hier in Gießen sind schon viele Schritte zu seiner Beseitigung geschehen. Aber indem dieö freudig und dankbar anerkannt werden muß, darf doch auch nicht verschwiegen werden, daß seine Beseitigung nur eine einseilige genannt werden kann. Denn in Allem, was sei,her geschehen ist, hat das höchste geistige Leben, wir meinen das religiöse und sittliche, auf welchem allein die wahre Freiheit sich erbauen kann, nur wenig Befriedigung und Vertretung gefunden, und auch sonst sind die politischen und socia­len Fragen ost so entschieden in den Vordergrund getreten, daß eine gründliche und allseitige Bil­dung unmöglich dadurch erzielt werden konnte. Dazu kommt aber noch, daß diese Ausbildung durch die Einrichtung jener Anstalten melst nur den erwachsenen männlichen Gliedern des Volkes zu Theil