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Anzeige bei den Oberen des Corps zu machen, vom Exerzierplatz. Begreifen kann ich nicht, wie Sie als Theolog die Humanität so- ganz hintansetzen konnten; ebensowenig aber kann ich begreifen, wie Ihnen eine große Zahl der Bürgergardisten sogleich und so entschieden beistinimen konnte, und endlich kann ich die Inkonsequenz nicht begreifen, mit der Dr. Ettling das Wort entzogen wurde.— Daß oben beregte Bitte ein Zug der Humanität des Obrist Schon ist bezeigt sein Anerbieten, daß er ebensowohl für die Badenser sammeln würde. Vorstehendes möge manchen Bürgergardisten (auch Hrn. Fischer) zu einiger Beherzigung dienen.
Herr Rettig! wir wollen keine Parallele ziehen zwischen Ihrer patriotischen Gesinnung und der des Herrn Schön, wir wollen nicht prüfen, wer für die Freiheit des Volks am thätigstcn ist und wollen nicht richten wen von Ihnen am meisten Tadel trifft.
Drei Freunde.
Novelle von Theodor Mügge. (Fortsetzung.)
Während er dieser Art scherzte, führte er seinen schweigenden Begleiter auf einem breiten mit Bäumen eingefaßten Wege mitten durch den ziemlich großen Garten. Das Leuchten des Schnees machte es hell genug, um an Spalieren, Hecken und gesäuberten Pfaden entdecken zu können, daß man Sorgfalt auch in der rauhern Jahreszeit darauf verwende und als die beiden Wanderer in die Nähe des Wohngebäudes gelangten, bemerkte Aurel ein großes schönes Gewächshaus, das stch an jenes lehnte und den Lichtglanz in seinen zahlreichen dunkle» Scheiben widerspiegelte. — Zu gleicher Zeit war es ihm als höre er die Stimmen mehrerer Menschen, welche laut sprachen, er hörte dazu die Klänge eines schönen Flügels, welche einen Gesang begleiteten, doch es war keine weibliche Stimme, sondern ein voller tiefer Baryton, der ein Lied vortrug, das den Jubel der Zuhörer erregen mußte.
Indem er nach der Ursache dieser auffallenden Dinge fragen wollte, rief Richard aus: „Wir kommen da zur rechten Zeit, wie ich vernehme. Sara hat Gesellschaft, man musicirt und weiß zu leben."
„Aber es muß nahe an Mitternacht sein," sagte Aurel.
„Was schiert uns die Nacht, Freund'" erhielt er zur Antwort, „wenn uns Becher winken, die wir leeren können? Sind die Tage nicht mächtig kalt und
todt genug, um sie mit der Nacht gern zu vertauschen und liegt nicht jenseits dieses zum Leben berufenen Staubes eine lange ewige Nacht, wo wir Zeit genug zum Schweigen und zur Ruhe finden?
Aurel erwicderte nichts und Richard führte ihn rasch durch die Thüre ins Haus, das ein ziemlich langes, einstöckiges und einfaches Gebäude war. Doch es zeigte sich, wie sein Besitzer schon gesagt hatte, schon im Vor,aale behaglich und gut eingerichtet. Eine Lampe beleuchtete hell die sechs Stufen, welche zu der Höhe des Stockwerkes führten, in welchem die Reihe der großen und hohen Gemächer dicht geschlossen lag. Der ganze Flur und Vorsaal war mit warmer Luft geheizt, die aus deni Souterain aufstieg, in welchem stch Küche und Dienerschaft befanden, und überall standen blühende und grünende Gewächse, Blumen und schöne Pflanzen, die aus Vasen und Töpfen träumerisch ihr fremdartiges Geblätter ausbreiteten.
steichard stieß eine der Flügelthüren auf und zog Aurel durch den matterhellen Raum. Er ließ ihm nicht Zeit zum Verweilen, beantwortete seine Fragen nur mit Lachen und führte ihn weiter, indem er endlich den Sträubenden fast gewaltsam fvrtriß, bis sie zuletzt sich dicht bei der Gesellschaft befanden, die im Nebengemache wild durcheinander lärmte.
„Laß mich nur einen Augenblick los, um den Mantel abzunehmen," sagte Dahlberg.
„Tritt im Mantel ein und zeige Dich, wie Du bist, sagte Richard, „Niemand wird Dir darum zürnen Wir kennen hier keinerlei Zwang" und wie er dies sagte, öffnete er die Thüre und drängte seinen Begleiter hinein, auf den das volle Licht einer großen Astrallampe und mehrerer Kerzen fiel, die von glänzenden Armleuchtern den schönen Raum tageshell überstrahlten.
Nicht ohne Verlegenheit verbeugte stch Aurel vor den vier oder fünf Herren, die mit bewillkommendem Rufe ihnen entgegeneilten, und welchen Richard die Hande drückte, indem er seinen Begleiter vorstellte. Es waren für Dahlberg völlig fremde Gesichter und Namen, aber ihr ungezwungenes Wesen, ihre scherz- fynft.it und witzigen Neven, wie die Fröhlichkeit, welche hier herrschte, ohne zudringlich zu sein, machten einen guten Eindruck. Es schien in der That aller Zwang verbannt aus diesem Kresie. Ein Paar der Herren rauchten; weingefüllte Gläser und die Neste eines splendiden Mahles standen auf dem Tsiche, aber vergebens forschte Aurel mit flüchtigem Blicke nach der Dame umher, die hier als Herrin schalten sollte. —
(Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


