Gl'esische wöchemlich- Kememnützige Attzergen
köäne, daß die Mütter nicht alles wissen müssen, und dergleichen schöne Sachen mehr, die ein junges Frauenzimmer eben nicht zum besten empfehlen. Wir wollen nach der christlichen Liebe urtheilen. Lucinde ist vielleicht wmckstch nicht so schlimm, als es das Ansehen hat. Es sind falsche Begriffe dre sie von der Artigkeit hat, und welche sie in einer Frechheit'seht, die nach demjUttherl andrer Leute fteylich nicht viel von der Freyheit unter- , schieden ist. Es rst Unbesonnenheit, daß sie das angefangene Gespräch fortfuhrt. Sie fällt immer tiefer drein, und weiß sich nicht rnehr rmück- zuzlehen. Patte sie ein wenig mehr Uederlegung gehabt, so würde sie die Gedancken ihres Herzens ohne Mühe verborgen, und sich nicht bei) andern Frauenzimmer verhaßt gemacht haben, welche sich ihres Umgangs ihrer ausschweifenden Geschwätze halber schämen. Der Schwätzer Frontin plaudert m einem fort um zu plaudern. Weil er nichts überlegt, so beleidigt er alle ^cute die um ihn sind. Das Gespräch lenckt sich auf eine abwesende Person. Den Augenblick ist er mit feinem Urtheil ungcbetner Weise fertig. Er macht die Person crufdas abscheulichsteherunter, wie er dann würcklich die Gabe hat, alles nachzuahmen und auf einer lächerlichen Seite vorzustellen. Er sieht sich um und erschrickt, weil er niemand lachen sieht. Aus einmal wird er gewahr, daß der Mann der neben ihm sitzt, dernäch- ste Anverwandte von der Person ist, die er so mishandelt hat. Nun sieht er die Ursache, warum niemand lachen wolte. Er hatte dieses so gut als die übrige in der Gesellschaft gewußt: aber der Unbesonnene hatte nicht daran gedacht, und sich den Haß eines angesehenen Mannes und die Verachtung der übrigen Mitglieder der Gesellschaft zugezogen. Auf ein andermal führt ihn das Gespräch auf eine gewisse Materie, die noch streitig ist. Er ist sogleich bet) der Hand, packt seinen Kram aus, und beweißt mit vielem Geschrey, daß die Meinung, die er geäussrt, richtig sey. Ein Anwesender ist ganz andrer Meinung, und zu allem Unglück einer von denjenigen, die alle die Leute Nicht.vertragen können, die in den geringsten Kleinigkeiten anderst dencken. Er schweigt; Aber wenig Tage darauf kommt Frontin, und sucht, weil er ein Mann von Gewicht ist, um seine Hülfe an- Er verspricht sie ihm mit einem solchen KÄtsinn, daß Frontin bald merckt, daß er fein Freund nicht mehr sey. Er sinnt hin und her, und kann nicht begreifen, wodurch er seine vorige Freundschaft verschertzt hat. Wäre er klug, so hätte er leine Meinung zurückgehalten, und nichts eher zur Sache geredet, als bis er die Gedancken andrer Leute gehört hätte, die er alsdenn entweder besiätkigen oder doch wenigstens mit Stillschweigen hätte anhö-
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