Gresische wöcheirtlrch-gemeinnützigeAttzergerr
Verbindlichkeit, und wenn wir gewahr werden, daß eine Lebensregel nicht mit tüchtigen Gründen bestättiget worden, so ergreifen wir die Gelegenheit begierig, sie ganz und gar zu verwerfen. Verfchiedne moralische Schriftsteller meinen Wunder, was siegethan hatten, wenn sie nur Regeln aus Regeln häufen, die Tugenden und Laster vervielfältigen, die Zahl der erlaubten Handlungen vermindern, und alles was sie vorbn'ngen, mit einer Fluth von Bewegungsgründen vor oder wider die Sache'überschwemmen. Wein es kommt gar nichts auf die Menge der Gründe an, wenn sie mcht zu gleicher Zeit bündig sind. Weil es bey den Predigern, insonderheit vor.dieftm, die Gewohnheit war, sich mehr um die Menge von Beweißen, als um deren Richtigkeit zu bekümmern, so hat man dergleichen Gründe homilet.sche Beweiße genennt, und man tadelt dieselbige nicht mit Unrecht, ob man schon dergleichen noch oft angeführt findet. DaS Tanzen will man zum Beyspiel gern zur Sünde machet?. Unter sehr vielen seichten Beweisen beruft man sich auf die Stelle eines alten Schriftstellers, welcher behauptet, daß nicht leicht jemand tanze er müste denn truncken oder wahnsinnig seyn.' Was thut dieses zur Sache? Em andrer hat den artigen Einfall: May betrachte eine Gesellschaft tanzender Personen, und halte dabey die Ohren zu, um die Musick nicht zu hören. Wird man nicht alsdenn die Leute, Vie so wunderlich durch einander springen, für Rasende ansehen müssen, Zst dieses richtig, wie steht es mit folgender Geschichte ? Ich käme in eine sehr gross Kirche auf einen Ort zu stehen, der sehr weit von den? Prediger entfernt war. Der Mann machte eine ziemliche Anzahl Geberden, ich konnte aber wegen der Entfernung nicht das geringste von seiner Stimmt vernehmen. Die Lebhaftigkeit derselben bewegte mich, eine andre Stelle zu suchen, und ich fand an ihm einen Mann, der eine vomefiiche Rede hielte, wobey ich die Geberden, die mir vorher oft lächerlich geschienen, der Sa* che ganz genau angemessen sand. Hätte ich Recht gehabt, wem? ich die* sm Mann auf dm ersten Anblick, und ohne eine weitere Untersuchung vor- zunehmer? für eine Pantomime oder gar für wahnwitzig gehalten hatte ’ Wie man bei) dem Tanzen schließt, so verfährt man auch in Ansehung de6 Spiels. Spielen soll durchaus Sünde seynr und womit beweißt man es? Das Geld, das veripielt wird, sagt man, hatte man besser anwenden, und zum Exempel denen Armen geben können. Wenn dieses richtig ist, so darf man keinen Wein mehr, als höchstens zur Stärkung in Kranckhch teu, so darf man weiter nichts als einige wenige Speisen geniessen, nicht Spatzmn fahren, kein gutes Kleid tragen, noch tausend andre Dinge mehr thun.


