Ausgabe 
28.2.1775
 
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66 Wochenblatt.

angenehm sind, ist es nöthkg sich mit der Menge zu vermischen, und sich in jede Scene der Zerstreuung und Lustbarkeiten zu stürzen ; welches un« möglich ist, ohne unsre Seele mit falschen und kindischen Begriffen atu zufüllen.

Ich sage: falsche» Begriffe»; weil jeder, der nur mit einer beson- dem Art zu denken bekannt ist , nothwendig die Denkungsart der Leute, mit denen er umgeht, als den Maaßstab , und diese Gesellschaft , oder Claffe von Menschen, als die vortreflichste in der Welt, betrachtet. Da­durch wird er verleitet, die verschiednen menschlichen Secietätenin derVer- achtung , weiche sie wechselseitig gegen die Sitten, die Religion und selbst gegen die verschiednen Kleidungen die sie von einander unterscheiden , äu­ßern, nachzuahmen; da ihnen alles lächerlich scheint, was sie nicht gewohnt find zu sehen, und sie also in Irrkhümer von der grösten Art verfallen.

Ein jeder, der an den kleinen Angelegenheiten besonderer Gesellschaf­ten einen warmen Antheil nimmt, muß nothwendig auf Kleinigkeiten einen zu großen Werth setzen. Ein solcher kann folgende Anekdote von einer Nonne in einem gewissen Kloster auf sich anwenden. Sie war bey einem Dtreie der Beyfteherin und ihre Superiorinn zugegen gewesen, und sagte zu dem ersten, den sie im Sprachzmrmer antrafr ffvf

Wissen Sie, daß Cacilia und Theresia sich eben gezankt haben?- n Aber Sie erstaunen l Ist es möglich, daß sie wirklich vondieserSa- che nichts wissen können? Wer sind Sie dann, oder von wannen kommen Sie?"

Wir alle sind, mehr oder weniger, diese Nönne, das , womit wir und unsre Gesellschaften sich beschäftigen , muß die Beschäftigung aller Menschen ftyn; und waö wir denken, glauben und sagen, muß von der ganzen Welt gedacht, geglaubt und gesagt werdm.

Der Höfling, welcher in einem ewigen Cirkel von Gesellschaft lebt, und in glanzenden Sälen, wo von nichts, als den Cabalcn und Intrigu- en des Hofs, von denen, die in Credit kommen, oder in Ungnadesallen, geredt wird; und der, in dem weitläuftigen Cirkel seiner Bekannten, kei­nen einzigen sieht, der sich nicht mehr oder weniger für eben drese Gegen, stände intereßirt; wie, sag' ich, kann dieser Höfling zum Beyspiel, um­hin,