Ausgabe 
28.2.1775
 
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Giesser Wochenk latt.

Neuntes Stück.

Dienstags den r8. Februar. -77f.

Mit Hochfürsil. Hessen Dqrmstädtischer gnadigfler Erlaubntß.

Der Vernünftler.

auch immer gewisse Leute sagen mögen, so ist doch gewiß keiner gleichgültig gegen'die öffentliche Meynung; jeder wünscht sich Hoch- achlung zu erwerben, und halt sich um so mehr derselben würdig, je nach dem er sich mehr oder weniger allgemein bewundert findet. Ver­achtung des Ruhms kann bloß durch die Verzweiflung ihn zu erhalten w geflößt werden.

Diese Begierde nach öffentlichem Veyfall ist nicht weniger vernünf­tig, als natürlich; denn es braucht nur wenig Nachdenken, unS zu über­zeugen , daß weder die Meynung einzelner Menschen noch besondere Gesell­schaften hinreichend ist, das Verdienst zu schätzen. Wer also seinen Werth genau zu wissen verlangt, kann ihn nur durch die Stimme des Publi­kums lernen, und sollte sich dessen Urtheil bloS stellen.

Um sich diejenigen Ideen zu erwerben, für welche sich das Publi­kum intcreßirt, ist es nothwendig zu Stille, Einsamkeit und Studieren seine Zuflucht zu nehmen: hingegen, um sich diejenigen Ideen zu erwerben, die besondern Gesellschaften, oder dem, was man die feine Welt nennt, 3 ange-