Giesser Wochenk latt.
Neuntes Stück.
Dienstags den r8. Februar. -77f.
Mit Hochfürsil. Hessen Dqrmstädtischer gnadigfler Erlaubntß.
Der Vernünftler.
auch immer gewisse Leute sagen mögen, so ist doch gewiß keiner gleichgültig gegen'die öffentliche Meynung; jeder wünscht sich Hoch- achlung zu erwerben, und halt sich um so mehr derselben würdig, je nach dem er sich mehr oder weniger allgemein bewundert findet. Verachtung des Ruhms kann bloß durch die Verzweiflung ihn zu erhalten w geflößt werden.
Diese Begierde nach öffentlichem Veyfall ist nicht weniger vernünftig, als natürlich; denn es braucht nur wenig Nachdenken, unS zu überzeugen , daß weder die Meynung einzelner Menschen noch besondere Gesellschaften hinreichend ist, das Verdienst zu schätzen. Wer also seinen Werth genau zu wissen verlangt, kann ihn nur durch die Stimme des Publikums lernen, und sollte sich dessen Urtheil bloS stellen.
Um sich diejenigen Ideen zu erwerben, für welche sich das Publikum intcreßirt, ist es nothwendig zu Stille, Einsamkeit und Studieren seine Zuflucht zu nehmen: hingegen, um sich diejenigen Ideen zu erwerben, die besondern Gesellschaften, oder dem, was man die feine Welt nennt, 3 ange-


