Ausgabe 
15.11.1774
 
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z6r Wochenblatt.

an, wett er sie für das beste Mittel hielte seine Seele von irrdischen Ge­sinnungen abzuhalren. Seine Bücher sind noch alle vorhanden, ob sie aber durch die Reihe von Jahren unverfälscht geblieben sind; ist eine Frage, die ich nicht entscheiden mag. So viel ist gewiß, sie enthaltensehr viele schöne Sachen, aber auch viel Böses. Du Halde schätzt vielleicht die Schriften des Laokyun zu hoch; ich wenigstens mag ihn nicht für den gesunden Kopf halten, wofür ihn doch Du Halde ausgiebt. Wir wollen sehen, ob seine Lehren, die er vorgetragen hat, gesunden Men­schenverstand verrathen oder nicht. Seele und Körper, sagte er, sind einerlei-, die Gottheit sey etwas körperliches. Eine Lehre die höchst abge­schmackt und mit der gesunden Vernunft nicht zu reimen ist. Seine Mo­ral kam der des Epikurs ziemlich nahe. Er sowohl, als seine Anhänger wollten die Menschen überreden, ein Geheimniß erfunden zu haben , wel­ches das menschliche Leben verlängern sollte; Ja, sie trieben ihre Raserei) und Tollheit soweit, daß sie die Menschen durch einen gewissen Trank un­sterblich machen wollten. Diese Versprechungen kamen dem Volke wich­tig vor; und eine unübersehbare Menge bekannten sich zu seiner Lehre. Die Anhänger des Laokyun rühmen sich, den Stein der Weisen zu besi. tzen, und mit den Geistern in geheimer Verbindung zu stehen. Alle Nach­folger des Laokyun führen den Titkel der großen Mandarinen. Ihre Be­schwörungen sind gemeiniglich mit einem schrecklichen Geheule begleitet.

Dich mag genug seyn um sich von den drey Hauptsekten in China einige Vorstellungen zu machen. Ich habe mich bemühet nur das Inte­ressante von einer jeden Sekte beyzubringen. Diejenigen welche etwas mehr zu lesen wünschen, können das große Werk des Du Halde, des P. Le Comte Kirchers China illuft. u a. nachlesen.

Itzt komme ich auf diejenige Religion, welche zwar in China gedul­det, aber doch auf gewisse weise unterdrückt wird.

Es ist noch eine Streitfrage der Gelehrten, wenn die mohammcha- mfche Religion in China eingedrungen und sich festgesetzt habe. Einige behaupten, und geben es für gewiß an, daß dich Religion Hundert und sechs und dreyßig Jahr nach Christi Geburt daselbst sey eingeführt wor­den. Andre hingegen geben das Tausend Ein Hundert und zwanzigste Jahr für die rechte Zeit der Niederlassung an- Aus dieser Verschieden-