Wochenblatt.
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erwartet, traut man kaum Eidschwüren mehr/ und der ehrliche Manndem auf fein Wort, ohne Hypothek niemand borgen will, hat wohl Ursache über schlechte Zeiten, oder vielmehr über die Klugheit seiner Mitbürger zu klagen.
' Sonst genoß noch mancher in der Stille einen kleinen Vortheil, den er bloß der Einfalt eines andern zu danken hatte, und den er verlor, sobald verändere klüger, und auf seinen Vortheil aufmerksamer ward. Die He- ringfischer in Holland hakten vermuthlich bessere Zeiten, ehe die Engländer klug genug wurden, um einzusehen, daß sie auch Heringe fangen könnten. Tausend Hände, die sich sonst damit nährten andere Länder die minder klug waren, mit ihren Produkten zu versorgen, sind außer Arbeit gesetzt, seit dem diese eben die Waaren selbst zu verfertigen gelernt haben. Wie viele Einwohner in Paris leben jetzt nicht noch von unserer Einfalt, und wie viele von ihnen würden hungern müssen, wenn wir gar einmal so klug würden, daß wir selbst Moden erfinden könnten, doch wer weiß, ob wir dabey gewönnen. Wir würden vermuthlich nützlichere Arbeiten darüber versäumen, und der Gebrauch entbehrlicher Sachen würde noch allgemeiner werden, wenn sie wohlfeiler würden. Viele Handwerke verderben einen Meister, und dieses ist auch bey manchen Ländern wahr geworden, die alles selbst haben verfertigen wollen. Sie haben schlechtere Waaren bekommen, und ihr ganzer Handel ist dadurch gestöhret, weil ihre Nachbaren unalücklichrrweise eben so klug geworden sind wie sie. Was m den ange- führten Fällen im Großen geschehen ist, das sehen wir auch bey einzelnen Bersonen Nur ein paar Beyspiele hiervon. Ein reicher Edelmann in mei- ner Nachbarschaft hatte ein ansehnliches Gut seit langen Jahren an einem alten ehrlichen Pächter für ein sehr billiges Geld verpachtet. Dieser lebte aut davon, bezahlte und speiste seine Bedienten so, daß sie nut Lust arbeit n>ten, verkaufte sein Korn um einen billigen Preis , und überließ einige Ländereven, die er wegen ihrer Entlegenheit nicht selbst nutzen konnte,ge- aen einen mäßigen Vortheil an andere. Unglücklicherweise fiel es dem Edelmann ein sich selbst auf die Oeconomie zu legen, lund die Landereyen und Auskünfte seines Gutes zu übernehmen, er entdeckte daß es weit mehr aus- drinaen konnte. Der alte Pächter wollte so viel nicht geben, und mach- ft einem andern Platz der sich dazu erbot. Dieser mußte täglich neue Mit- /erdenken, um das aufdie Hälfte erhöhete Pachtgeld heraus zu bringen.
suchte den Preis seines Korns aufs höchste zu treiben, gab seinen Bedienten kaum satt zu essen, veraftervachtete seine Ländereyen höher. Er entdeckte durch eine mühsame Nachforschung/daß die Mi Gute gehörenden


