Ausgabe 
23.7.1771
 
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Giesser

WoGenölatt.

Dreysigstks Stück.

Dienstags dm r z. Julir 1771.

Mit Hochfü?stl. Hesscu Oarmstädtischer gnädigster Erlaubnis.

Folgendes ist emgefchrckk worden.

Zweyter Brief.

melde Ihnen also die Art und Weise wie ich zum erstenmahl in meinem Leben zum Fräulein geworden bin, ob ich gleich nicht gut dafür seyn kann, ob ich nicht einstens wieder in meinen bürgerlichen Stand, den ich doch angefangen mit einer ziemlichen Verachtung anzuse­hen, und noch mehr verachten würde, wenn Sie meine liebe Mademoi­selle nicht darinnen wären - doch getrost Vielleicht kann noch eben das aus Ihnen werden: wer hätte das von mir gedacht, als wir noch in un­fern! Vatterland beysammen waren? - zurück sinken werde.

So sehr mich rnein neuer Stand vergnügt, - denn welches Frau­enzimmer ist nicht eitel? - so demüthigend war der Abend, worinnen ick zum erstenmahl gnädiges Fräulein betittelt wurde, dennoch für mich Es hatten mich zwar die Bedienten bereits den Abend zuvor mit dieser Anre­de beehret: ich hatte es aber in der Bestürzung nicht bemerkt, sondern meine Französin hat mir es erst nach der jetzigen Begebenheit, die ick fo eben melden will, erzählt. J '

Wir bekamen unsre Wohnung in einem Hause, worinnen bereits ein angesehner Mann wohnte, der einige erwachsene Töchter hatte 4 a

war eben gesonnen ihnen den ersten Besuch zu machen, als sie mir mit lichkert zuvorkamen. Sie ließen sich durch die Magd die Erlaubnis auL bitten, mir aufzuwarten und sich zugleich entschuldigen, wenn fic h bem Negligee zu mir kämen- Ich glaubte so viel von der guten Lebensart ae-

«S lernt