Ausgabe 
20.8.1771
 
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Wochenblatt. 179

hatte i^ocoo Dukaten Einkünfte. In dicsem Wohlstand aber laae der .Keim seines Untergangs. Bey ganzen Socretäten verhält es sich nicht ttl allem wie bey Privatpersonen, obgleich in denmchrcsten Stucken die größ­te Aehnlichkeit jiatr findet. Einzelne Personen werden zwar beneidet wer­den; aber zur Zeit der Verfolgung dürfen sie nur etwas von ihren Mit­teln verwenden, so können sie sich entweder mächtigere freunde machen, oder ihre Fcinde stillen. Sie haben nichts weiter zu thun um sicher zu feyn als sich vor Lastern zu hüten, die sich mehrentheils an das Glück na­he anlagern. Eine ausgebreitete Gesellschaft aber, wie dieser -Orden, wird nicht wie jene von einzelnen beneidet, sondern von ganzen Völkerschaften. Dagegen setzen sie Reichthümer nicht sicher. Kommen nun Last.r hinzu, sie mögen gros oder weniger beträchtlich seyn, so geben diese den Feinden wenigstens ein scheinbares Recht in die Hand, ihren?Fall zu beschleunigen. Das wäre die Lage dieses Ritterordens. Ihr aUMühender Wohlstand, ja ihr Ueberfius erösnete der Wohlluft die Thür. Diese wäre so beschrien, daß die Welt bald davon ein Sprüchwort machte: Er ist und rrmkt wie ein Tempelherr Dieses Sprüchwort ift ein deutlicher B^we-S, daß die Wohlluft das erste Laster dieses Ordens wurde Aus dies rfürchter- lichen Quelle mögen, wo nicht in allen doch in vielen Glied-rn liches Or­dens, mancheandere lasterhaften Thaken entsprungen sinn Es fo ntenicht fehlen, daß gegründete Beschuldigungen gmug einen Vorwand abaaben, der eben das Recht sollte Eführen, dessen sich in der Fabel der Wolf gegen das Lamm anmaßete. In der Tdat aber wäre es eben dieses Ver­hältnis, welches in gedachter Fabel vorgestellet wird.

Philippus Pülcher König in Frankreich wäre ein Freund voll ande­rer Güter. Die Tempelherrn hatten in seinem Reich ansehnliche Besitzun­gen. Diese erregten seine Begierde, und ein Nachfolger des h. Putu mußte solche durch göttlich gehaltene Aussprüche unterstützen.

Der heilige Petrus hatte zu Ende deS dreizehnden und Anfang des vierzehnden Jahrhunderts an Bonifacio dem V Hl. einen Nachfolger, der mit den Schlüsseln des Himmels allein nicht zufrieden wäre, londern auch das Schwerdt an die Seite steckte Er verlangte die Herrschaft über Kö­nige mit grosem Ungestüm ; er schriebe insbesondere an Ph 1 ppum sehr hochmüthig und deutete ihm an, daß er nicht nur in RUigionssachen, ftn- dern auch in weltlichen Dingen dem Papst unterworftnseyn sollte; und wcr an-

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