lieber bot kommerziellen Wiederau fbäU nach dem Kriege sagte er: Niemand könne sagen, welches die Grenzen der möglichen Abkommen wären. Kein Teil des Danses meine, daß das Werk des Wiederaufbaues dem Zufall überlassen bleiben könne. Niemand glaube, daß man eine Politik des laisser faire Verfolger: könne. Es sei gemeürsame Grimdanschauung^ daß die Regierung Helfen, organisieren, unterstützen und darauf sehen müsse, daß die wichtigsten Industrien erhalten blieben, und daß die Industrien, die man bei Kriegsausbruch nicht besessen habe, die aber von vitaler Wichtigkeit seien, rricht wieder zermalmt werden dürften, sondern erhalten werden müßten. soweit sie für das volle Lebest der Nation wesentlich seien. Weder jetzt noch zukünftig werde er sich genau an die Richtlinien gebunden erachten, die er vor dem, Kriege befürwortet habe. Er forderte das Haars auf, mit neuen! Gesinnungen an die neuen Probleme heranzutreten und sie ohne Vorurteil zu erwägen. Hinsichtlich der Pariser Konferenz lehne er es ab, eine- Erklärung abzugeben, doch versichere er dem Hause, daß die Vertreter der Regierung zu der Konferenz gehen würden, nicht gebunden durch irgendwelche starre Lehren der na- tionalökorr-omischeu Schule: sie würden hingehen, frei und nur, :n - der Absicht, zu sehen, icke die gemeinsamer: Interessen am besten gefördert werden und die Alliierten und Engländer selbst in Zukunft zusammenwachsen und gedeihen könnten. Ter hervorstechendste Zug des Budgets in diesen! Zusammenhang sei die Bereittvillig- keit, mit der es im Hause und im Lande ausgenommen worden se:. Der Minister fuhr fort: Wir hatten riesige Anstrengungen fiir Ilotte und Heer zu nrachen. Aber nicht weniger wichtig als diese, nicht allein für den Erfolg unserer Operationen, sondern auch für den Erfolg unserer Alliierten, war die finanzielle Stärke und die Beständigkeit der Hilfsquellen dieses Landes. Mer die deutsche Presse verfolge, werde sehen, daß sie in den finanziellen Hilfs- guellen Englands ein Maß für die Fähigkeit des Widerstandes der alliierten Nationen sehe. Ich glaube, schloß der Minister, daß bei dieser großen Last, die zu tragen war, die Bolksstimnrung die Möglichkeit gab, die Last mit solcher Bereitwilligkeit und gutem Willen zu tragen, und daß man nach fast zweijährigem Krieg verhältnismäßig leicht eine Steuerlast trägt, die irgend einem Schatzkanzler vor verhältnismäßig wenig Ialiren unglaublich vorgekommen wäre, und daß unsere finanzielle Lage, anstatt mit der Kriegs danch! schwächer zu werden, iminer stärker wird mit der Erfahrung, die wir gewinne, mit den: Vertrauen, das wir erworben haben und mit der Achtung, die wir durch unsere An streng urigen erlangten.
Neuwahlen in England?
London, 18. Mai. (WTB.) Der parlamentarische Korrespondent der „Daily News" meldet: Ein Ausschuß von liberalen und unionistiscki-en Parteimännern wurde vor einiger Zeit eingesetzt, um die Aufstellung einer ne neu Wählerliste vorzubereiten. Die Aufstellung neuer Wählerlisten, die jeden Sommer ftattfinbet, wurde in einem Gesetz des letzten Jahres hinansgeschoben. Der Korrespondent der „Daily News" bemerkt, die Arbeiten des Ausschuss^ seien notwendig, weil Neuwahlen des Parlaments ün Herbst nicht umnahrscheinlich seien.
England und Amerika.
London, 19. Mai. (WTB.) Die „Morning Post" meldet aus Washington: Die Eingriffe Englands in den Postdienst und die Zensur der Postsacken, namentlich in die Handelskorrespondenz, haben außerordentliche Erregung urtb Unwillen herv-orgerufen. Die letzte britisckie Note hat nichts zu ihrer Verminderung beigetragen. Eine Antwort aus die Note ist in Vorbereitung und wird ohne Verzug abgesandt werden. Die Note wird in: Ton schärfer [eia: ,und auf einer Aeuderung der jetzigen Praxis bestehen.
New Bork, 17. Mai. (WCB. Nichtamtlich.) Funkspruch vom Vertreter des WTB. Die den Alliierten freundlich gesinnte „New Y or ker Dribu ne" bespricht die bevorstehende amerikanische Note an England und sagt:
Es besteht eine seltsame Verwirrung in der britischen Auffassung über die hiesige Lage. England ftchlt, daß Amerika mit ihm als den Werterdiger Belchens sympathisieren sollte. Aber die Wahrheit U, daß kein großer Dell des amerikanischen Volkes diese Anschauung angenommen hat. Drei völlig verschiedene Teile des amerikanischm Volkes haben die Vorstellung, England kämpfe in selbstloser Weise für Belgien und die Menschlichkeit, abgelehnt, nämlich die Jrisch- uud die Den^ch-Amerikaner, sowie eingeborene Amerikaner revolutionärer Anschauung. Obwohl die Politik, das britische Volk zu reizen, stets povulär war, lehnten sie es doch ab-, einen Angriff aus Erfand zu unterstützen, solange der Streit mit Deutschland nicht beigelegt war. Aber jetzt betrachtet ein großer Teil dieser Elemente dre deutsche Angelegenheit für geregelt, und sie bestehen darauf, daß jetzt England an der Reihe ist. Englands Freunde sehen voraus, daß, wenn Deutschland jetzt auch nur einen Schimmer von Vernunft zeigt, die Gefahr einer Verwickelung mit England eittstehen würde, weil nicht genug Sympathie für Großbritaimien vorhanden ist, um Amerikas Rechte aufzugeben. Was jetzt geschieht, wurde schon im Februar 1915 eingetreten sein, wenn Deutschland auf seinei- Unterseebootspolitik bestanden hätte. Es wurde nur durch den „Lusitania"-Fall hinausgeschoben. Jetzt ist diese Frage infolge der deutschen Verlegung oder scheinbaren Beilegung nicht mir wieder ausgetauclst, sondern hat sich infolge derHinrichtungderiri- schen Ausständigen noch verschärft, die eine Strönmng im Volke erzeugte, Wilson bei dem Angriffe auf britische Methoden zu unterstützen. „Tribüne" zollt Deutschland Anerkennung dafür, daß cs die wirklich sehr beträchlliche englandfeindliche Stimmung in Amerika zu seinem Vorteil ausnutzt, und mißbilligt die britische Widerioilligkeit und Unsähigtett, den Amerikanern diese Tatsachen zu erklären.
London, 19. Mai. lWTB. Nichtamtlich.) Me „Morning Post" meldet aus Washington vom 17. Mai: Lansing wird von den Deutsch-Amerikanern und ihren Freunden heftig angegriffen. Sie erklären es für einen politischen Selbstmord, 'wenn die amerikanische Regierung nicht gegen die englische Blockade- volitik Vorgehen wolle. Wenn der Präsident das geringste Interesse an seiner Wiederwahl habe, solle er Lansing entlassen. Der .Korrespondent sagt weiter: Im .Kabinett hat es stets ein deutschfreundliches Element gegeben, das aber schwach an Zahl war und aus den wenig einflußreichen Mitgliedern .bestand. Diese missen ganz genau, daß in fast allen Wahlkreisen die demokratischen Kandidaten bei Kongreßwahlen von den Deutschen und Iren bekämpft werden.
Die Haltung des Papstes.
Berlin, 19. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Mgenr. Ztg." schreibt:
Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus hat Gr eh im llnterhause mitgeteilt, der«Vatikan habe in Deutschland Vorstellungen erhoben, um Deutschland zum Aufgeben des Unter seebootskrieges zu bewegen. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr hat der Papst, wie wir -von zuständiger Seite hören, Deutschland und den Vereinigten Staaten seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, in der Streitfrage zwischen beiden Regierungen zu v e r m i t t e l n. Der Kaiser hat dem Papst unter Hinweis auf die inzwischen an Amerika bereits erteilte Antwort für die guten Absichten gttcmkt
Die Sommerzeit in Norwegen.
Kristiania, 19. Mai. lWTB.) Tie Zweite Kammer hat heute die Einführung der Sommerzeit in Norwegen einstimmig angenommen. Der Beschluß wird noch heute von dem König gut- geheißen werden, woraus die neue Sommerzeit am Sonntag Abend in Kraft tritt.
Der Seekrieg.
Zum Untergang der „Tubantia".
Haag, 19. Mai. «WTB.- Amtlich teilt das Marineministerium mit: Tie Besprechungen des Kapitänleutnants Canters in Berlin über die Ursache des Untergangs de r ,,T u b a n t i a" haben zu keinem endgültigen Ergebnis geführt. Nach der Unter
suchung einiger Metallstucke, die in den Booten der „Tubantia" gesunden worden waren, gab die deutsche Admiralität zu, daß die Metallstücke Teile eines deutschen Torpedos seien, der der Bewaffnung eines deutschen Unterseebootes angehörte. Der Kommandant dieses Unterseebootes erklärte, daß dieses Torpedo nicht am 1V. Rijärz auf die „Tubantia", sondern am 6. März auf ein britisches Kriegsschiff abgefeuert worden sei, aber sein Ziel verfehlte. Die holländische Regierung wird auf eine eingehende Untersuchung dringen, mtt in die „Tnbantia"-Angelegenheit volle Klarheit zu bringen.
*
Stockholm, 19. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Die ententefterrndliche Zeitung „Sozialdemokraten" schreibt über die Torpedi-ernng der hrei deutschen Kohlendampfer:
Tie rücksichtslose Torpedierung ohne vorhergehende Warnung und infolgedessen mit Opfern an Menschenleben hat nahe her unseren Küsten stattgefunden. Diesmal waren es russische Unterseeboote, welche die von der ganzen zivilisierten Menschheit verurteilten Methoden angewandt haben. Tie gttvaltige Entrüstung, die derartige Ereignisse immer in den Ländern der Entente hervorgerufen haben mb die lebhafte Zustimmung zu den Forderungen Wilsons nach einer Menschlichen Kriegführung, die zwischen Kämpfer!! und Nichtkämpsern unterscheidet, legen eine bestimmte Ver- pflickffung auf.
H e l s i n g bo r g, 19. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der deutsche Dampfer „Tr ave" wurde gestern abend neuneinhalb Uhr auf der Höhe von Kulten von einem englischen U-Boot M- schossen, torpediert und versenkt. Die Besatzung von 17Mann wurde gerettet. Das englische U-Boot machte sich eines Flagge u m i ß b r a u chs schuldig, indem es die deutsche Kriegs flog ge hißte, um den Dampfer aus bat schwedischen Hoheitsgewässern herauszulocken.
Marseille, 19. Mai. (MTB. Nichtanttlich.) Meldung' der Agence Havas: Ter Dampfer „Harmonie" ist, von Oran kommend, am 17. Mai 20 Seemeilen von Kap Gaete mit dem italienischen Dampfer „Genova" z u sam me n gesto - ß e n. Die Mannschaft wurde gerettet. Fahrgäste befanden sich nicht an Bord.
Vas Uriegsgewinnsteuergesetz.
Berlin, 19. Mai. (WTB. Nichtamtl.) Zum Kriegs- gew inn ste ner ges etz wurde für die zweite Lesung in der Kommission ein gemeinsamer Antrag eingebracht. § 1 erhält unter Wegfall der in der ersten Lesung beschlossenen Erhebung eines abermaligen Wehrbeitrages nachstehende Fassung:^
Die in § 11 des Besitzstenergesetzes vom 3. Juli 1914 bezeichneten Personen, deren Vermögen am 31. Dezember 1916 gegen den Stand zu Beginn des Beranla.gungszeit- ranmes einen Zuwachs oder keine Bernlindernng um nttn- bestens 10 vom Hundert erfahren hat, haben zugunsten des Reiches eine außerordentliche Kriegs ab gäbe zu leiste::.
Weiter heißt es in § 7, der nrit § 8 vereinigt wurde:
Eine Abgabe vom Zuwachs wird nur erhoben, wenn der nach diesem Gesetz festgestellte Vermögenszuwachs den Betrag von 3000 Mark und das Vermögen vom 31. Dezember 1916 im Gesamtwert 6000 Mark übersteigt. Beträgt das Vermögen am 31. Dezenrber nicht mehr als 13 000 Mark, so unterliegt der nach Msatz 1 abgabepflichtige Bermögens- zuw-achs nur insoweit der Abgabe, als durch ihn ein Vermögensbetrag von 10000 Mark überschritten wird.
Im §3 ist dann die Skala für die Abgabe vom Vev- nrögenszuwachs, die zwischen 5 vom Hundert für die ersten 10 000 Mark des Vermögenszuwachses und 50 vom Hundert für mehr als eine Million schwankt, gegen die früheres Vorschläge abgeändert. Neu eingesügt ist hier, daß 1 vom 100 von dem nach dem Besitzfteuergesetz nach dem 31. Dezember 1916 festgestellten Vermögen erhoben wird, insoweit es vom Hundert des für den Beginn des Veranlagungszeitraums festgestellten Vermögens übersteigt und weder einer Besitz- steu-er nach einer Abgabe nach Nummer 1 (Vermbgcus- zuwachs) unterliegt. Von dieser Abgabe sind die Vermögen befreit, die 20 000 Mark nicht übersteigen. Abgabebeträge von unter 10 Mark werden nicht erhoben.
Der geimeinsame Antrag beschäftigt sich noch> werter mit den inländischen A kt ie n g e s se t l s cha f te n usw., was als Mehrgewinn, als Kriegsgeschästsjahr, als Geschäftsgewinn airzusehen ist, und wie der durchschnittliche frühere Geschäfts gewinn zu berechnen ist. Die Skala der Regierungsvorlage für die Mgaben inlärrdischer Gesellschaften wurde in einer abbeanderten Form wiederhergestellt. Schließlich wird bestimmt, daß die Kriegsabgabe von Einzelpersonen M einem Drittel binnen drei Monaten nach der Zustellung des Bescheides, das zweite Drittel bis zum 1. November 1917 und das letzte bis zirm 1. März 1918 zu entrichten ist.
Nach dem Schlnßp-aragraphen 42 s) ist die Einnahme aus der Kriegsadgabe ausschließlich zur Abminderung der Reichsschuld zu verwenden, sowett sie rächt nach dem Reichs- haushaltsetat für das Rechnungsjahr 1916 zum Ausgleich eines Ausfalles bei anderen EiirnahmeKapiteln erforderlich ist.
Aus Stadt rin- Land.
Sieben, 20. Mai 1916 . Sorrntagsgedanken.
Ein Krieg, und alle, wirklich alle an ihm beteiligt. Das bleibt das unvergängliche Schauspiel dieser Zeit. Und es ist mehr als ein Schmrstsiel, es ist reife Frucht, die vom Baum der Zeit fallt, es soll sein bleibender Gewinn in die Scheuern der Zukunst. Von Kriegszielen ja sollen wrr noch nicht schreiben dürfen. Geredet, glaub' ich, wird von ihnen um so mehr im vertrauten Kreise, wo wir ohne Sorge um ernsthafte Verantwortung Gedanken und Pläne keck ansspinnen und ausplaudern dürfen. Von einem Kriegsziel, scheint mir, wird da wenig gesprochen, von dem einen, das wir längst in fester Hand halten und das kein Teufel uns entreißen soll. Arndts Lied von des Deutschen Vaterland hat neuen Klcurg mrd Farbe erhalten. Das ganze Deutschland soll es sein, ein einig Volk irr Waffen, ein einig Volk von Brüdern. Wir danken es unserer Obersten Heeresleitung, daß sie immer wieder uns die einzelnen deutschen Stämme nennt, die den letzten Schlaa im Felde führten. Sie sollen daheim ihr besonderes Ruhmesblatt an die Helme ihrer Feldgrauen knüpfen dürfen, es zum Gedächtnis für Kinder und Kindeskinder in der engeren Stammesheimat anfbewahrerr. Das ist so recht deutsche Art: das ganze, große, weite Vaterland, aber in ihm die Färben der Stämme nicht verwischt, vergessen — alles Trikolore! —, sondern sie alle zu einen: bunten Farbenbündel ohnegleichen' vereinigt: wie leuchtet's in dieser Maiensonne, wie qrüßt's in deutsche Zukunst hinaus! Und es ist so doch anders als 1870/71. Wir haben es uns heute nerr erworben, was wir von rcnsern Vätern ererbt hatten. Und wir haben den Besitz vermehrt. Wir freuen uns über Oesterreichs Siege: steigt hinab von Tyroler Bergen in die alten Kampf- geländc Nord-Zlaliens! Wir teilen Oesterreichs wirtschaft
liche Sorgen Und Hoffnungen, kühn bilden sich mitten im Krieg die Pläne fite das Mittel-Europa des Friedens. Ist es nickt, als wäre wirklich nach langem, schwerem Bruderzwist oas ganze alte Deuffche Reich uns neu erstanden?, aber auch dieses nicht in gallisch-gleichmachender Einheit, sondern in stolzer Währung von Sonderart und Eigenleben, nach deutscher Weise 'in starker Verbundenheit und Treue.
Aber deutsche Geschichte soll, scheint es, immerdar die tief ihr ein gezeichneten Merkmale ihrer langen Vergangenheit bewahren. Mit uns Deutschen, hat Luther gemeint, ist nicht leichtlich etwas anznsangen, es treibe denn die höchste Not. Für alles staatliche Leben ist das eherne Wahrheit, die die Jahrhunderte bezeugen. Jrn härtester Bedrängnis ist uns der deutsche Staat erwuchsen; mit Blut und Eisen sind seine Glieder anernander geschmiedet worden. Und heute sollte es anders sein? Beinahe haben wir's uns so geträumt, als in jenen unvergeßlichen An sang s- monaten des Krieges die Welt-Entente deutsche HiÄe kennen lernte. Heute wissen wir, was Not heißt. Der Krieg hat sie heraufbeschworen, der schlaue Geschäftsmann über der See rechnet, wie er uns mit ihr bezwinge. Er soll sich verrechnet Huben.
Und wenn die Not nicht Eisen bricht,
Das Eisen bricht die Not.
Aber hier führen wir noch anderes Eisen in den Kampf, als in den Schützenlinien draußen. Wir selbst, das ganze Volk, eisenhart wollen wir nun werden. Bon kleinem und großem Mangel lassen wir uns nicht bezwingen. Nun erst führen wir alle, alle den Krieg, jedermann zur Stelle, jedernnann kampfbereit. Wie die draußen, so wollen wir's nun halten daheim: ein großer Haushalt für das ganze Volk. Dann wird das Brot reichen für unsere Millionen, und unsere Kinder sollen ttotz magerer Kost fröhlich dreinblicken. Dann werden wir uns zu schämen lernen jeder Klage und die Not preisen, die uns erst recht zu einem Volk von Brüdern im großen deutschen Hause verbinde:: will. Das ganze Deutschland soll es sein, alle, schlechthin alle an diesem Krieg beteiligt. Eck.
*
. Unter dem Titel „Eine Warnung vor .Schwärzte her ei" finden sich beachtenswerte Ausführungen von dem der- ze!tigen Rektor der Berliner Handels-Hochschule, Pros. Dr. Paul Ehtzbacher, in der „Kölnischen Zeitung". 9Laä).dem der Verla ist: die Ursack-en bergegenmärtigen Ernährungsschwierigkciten untersucht hat, kommt er auf die Aussichten für ein etwaiges drittes Kr!egsjahr zu sprechen. Er ist der Ansicht, daß auf das schickerige zweite K'riegsjahr nicht ein noch schwieriges drittes folgen werde, v!elmehr alle Tatsachen auf das Gegentell hiindeuten. Allerdings werden nur, wie der Verfasser meint, auch in das dritte Kciegs- jahr keine größeren Vorräte als in das zweite mit hineinnehmen können, insofern haben wir also keine Erleichterung zu ermatten. Dagegen sind wir berecküigt, mit einer sehr viel besseren Ernte zu rechnen. Die schlechte Errrte des verflossenen Jahres bernhte auf dem Russeneinbruch, dem Adangel an Stickstoff und der ungewöhnlick)en Dürre. Wir dürfen hoffen, daß. wie im vorigen ^ahre so auch m diesem Jahre unsere Heere den Feind von unseren halten werden. Die großen Mmgen von künstlichem Stickstoff, die unsere Industrie erzeugt, haben uns bei der dies- lahrigen Bestellung .für den fehlenden ausländischen Stickstoff emigermaßen Ersatz geliefett. Die Dürre des Jahres 1915 war nn so außerordentliches Ereignis, daß wir fite 1916 nicht mit emer W:ederholung zu rcckmeu brauchen^ bis jetzt ist sogar die ^bitterung außerordentlich chinstig. So eröffnen sich die besten Aussichten. Tbe Berrchte über den Saatenstand, die aus allen Teilen von Deutschland cknlanfen. lassen auf eine gute Ernte hoffen. Von der Balkauhalbinfel werden »ckr insvlge besserer Berbindunsen im dritten .Kriegsmhr größere Zufnhren erhalten. Auch die immer i^vcb vorbandenen Mängel der Organisation werden bvffeMlick endlich .beseitigt werden.
Nach dem ist also damit zu rannen, daß mir im d-rrtten Kriegs- whr reichlich m:t Brot, Kartoffeln, Zucker u,ü) Mich versorgt sein lnerden. M:t fleisch und Feltwaren werden wir uns auch künftig emrichten inulsen, aber es wird nicht mehr die Knappheit bestehn, d:e :etzt durch die schlechte >Ernte an IFutternntteln hervoweruftn wurde, w:r wetten unseren Verbrauch nur etwa auf das M-aß einschrauken müssen, wie es vor 40 Jahren üblich ,oar, und bei t^m gerrugenden Borliandensein cmderer Nahrungsürittel witt diese Einschränkung leicht zu ettragen sein.
Worte? ^ et ^ eT ,eine Ausführungen mit folgenden
„Während man bei Beginn des zweiten .Kriegsjahves die Zukunft zu günstig an,ah, ist man jetzt, vor Beginn des dritte:: eher geneigt, sie zu uncflinsttg zu betrachten. Man vergißt, daß die gegen- lvartigen Schwierigkeiten nicht das Ergeckris ckner ir.rmer mehr forte schreitenden Verschlechtern na unserer wittsck>aftlichen Lage sind, sondern die rttlge einer durch außerottentliche Verhältnisse l-ervor- gerufenen Mißernte. Daß wir dieses schwierige Jahr ckn-chmachen mutzteil. Ixte vielleicht sem Gutes gehabt. Erst in diesein Jahre haben w:r gelernt, wie viel !wir aus dein Gebiete der Volksernährnna leisten kömren und unter was für ungünstigen Verhältnissen mir dennoch imstande und, von dem Ertrage der einheimischen Landwirtschaft zu leben. M:r haben sozusagen unser Examen in Volksernährnna bestanden. Es besteht Nicht der geringste Grund zu der Annahme, daß die ungun,Ugen Verhältnisse des Jahres 1915 sich in diesem .mhre nnederholen und wieder eine so schlechte Grille zur Folge haben werden. In wenigen Wochen ist das Schlimmste überftcmden, und dann werden uns von Tag zu Tag reichlicher die erfottettichen Nahrungsmittel zur Versügimg stehen.
In den: Augenblick, wo oberflächlicher Bettachtung die Gefahr am größten scheint, können wir im Gegenteil auf eine schnelle:md sichere Erleichterung unserer Volksernährung zählen "
D:e Ausführiingeii Prof. Eltzbachers sind geeignet, in den Meiseii ivo sich btt der gegemoättigen Knappheit und Teirenma der wichtigsten LebenÄNittel eine geicksse Sorge eingestellt hat, ante klarend und beruhigend zu wirten.
Gesetzwidriger Graupen Handel.
Berlin, 15. Mai. Die Graupenzenttale teilt folgendes mitk
In letzter Zeit mehren sich in steigendem Maße die Angebote rn sogenannten beschlagnahme- und verkehrssreien Gerstengranpcn und Gerstengrütze zu, Wucher Preisen. Die .Herstelsimg von Graupen Mid Grütze aus Gerste ist nur den von der Reichsfuttermittelstelle kontingentrerteu Graupenmühlen gestattet und der Verkaufspreis der Mühlen auf 67 Mark für 100 Kilogramm einschließlich Sack testgesetzt. Nunmehr kommen in letzter Zett Angebote großer Mengen Graupen an den Väarkt mtt der ausdrücklichen Verkaufs- betiugung: „Verkehrs- und beschlagnahmeftei"; hierdurch soll cer Anschein erweckt werden, als ob die Ware aus bem Auslande ttngesührt worden sei. Die aus dem Auslande eingesührte Ware carf aber durch den .Handel nicksi in den Verkehr gebracht roerden, da laut Bmidesratsverottni-ing vom 4. März d. Js. Fabrikate aus Gerste, welche aus dem Auslande emgesührt werden, der Beschlagnahme für die Zentral-Einvaufsgesellschaft in Berlin unterliegen. Die Verkausspreffe der sogenannten beschlagnahmefteien Graupe:! und Grütze schwanken im ffteoßhandel zwischen 220 bis 300 Mark für 100 Kilogramm, gegeii den von der Reichssutter-. mittel stelle se,besetzten und von den kvnttngentietten Graupenmühlen emgehaltenen Höchstpreis von 67 Mark. Bon den Reichs- behördtti sind schon Nachforschungen angestellt, um diesem ungesetzliche,! Handel ein Ende zu machien. Tic Käufer derartiger „beschlakNiahmesrtter" Graupen sollten eine Bescheinigung von den Verkäufern fordern, ivelckse die Ware als vom AuHlaude du* Mührt glaubest macht. Da es unmöglich ist. eine solche Bescheinigung beizubringen, weil die vom Anslande ein^'sührt«


