Ur. 202 Erster Blatt 184. Jahrgang Donnerstag, 30. August 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatt-Vezugrpreir: Mtt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen postschecktonto: Stanffurt am Main 11686 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unioerfitatsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. 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Sie lag gewissermaßen in der Luft. Besonders seit dem Ausflug des französischen Außenministers B a r t h o u in die Hauptstädte der französischen Vasallenstaaten ergab sich für Ungarn immer dringender die Notwendigkeit, die neuerlichen Einkreisungsversuche Frankreichs zu durchkreuzen. Was lag da näher, als eine Festigung und Vertiefung der eigentlich schon historischen ungarisch-polnischen Freundschaft? Es ist ja eine alte Tatsache, die nur viel zu wenig berücksichtigt wurde, daß zwischen der polnischen und der ungarischen Nation schon seit jeher etwas wie eine Gefühlsfreundschaft bestand. Das hat sich besonders in der unganschen Geschichte gezeigt bei der Beteiligung polnischer Kreise an den ungarischen Freiheitsbestrebungen, das liegt aber auch begründet in der auffallenden Gleichheit der soziologischen Struktur dieser beiden Völker. Beide Staaten sind im Grunde Agrar st aaten, aber nicht im eigentlichen Sinne Bauernstaaten, sondern „ M a g n a t e n - R e i ch e ". In beiden Ländern liegt die politische Macht und der politische Einfluß im wesentlichen in den Händen einer Gentry-Schicht einer Adelsgruppe, neben der sich der Kleinbauer und der Arbeiter nur schwer durchzusetzen vermag. Gerade diese Aehnlichkeit der inneren Struktur darf bei zwei Völkern, die außerdem noch in ihrer Wesensart viel Parallelen aufweisen, nicht unterschätzt werden. Zu dieser, an sich gegebenen Gleichgerichtetheit der beiden Länder und Völker kamen nun noch andere Momente, die einen starken Einfluß ausübten auf die stärkere Betonung einer polnischen Orientierung der ungarischen Politik. Es war dies einmal das Anwachsen des polnisch-tschechischen Gegensatzes. Man muß, um dieses Moment richtig einzuschätzen, die ungarische Mentalität von heute kennen. Wer den Tschechen unfreundlich oder feindlich gegenübersteht, ist von vornherein für jeden Magyaren ein Freund Ungarns. Deshalb hat man auch die jüngsten Streitigkeiten zwischen Polen und der Tschechoslowakei in der ungarischen Öffentlichkeit mit liebevoller Breite und Ausführlichkeit behandelt. Dann aber kommt noch ein weiteres Moment hinzu, nämlich die Entwicklung des deutfch-polni- schen Verhältnisses und weitere Folge davon die ablehnende Haltung Polens gegenüber d e n französischen Ostpakt- p l ä n en. In Budapest mußte man naturgemäß die französischen Ostpaktpläne mit großen Sorgen betrachten, weil man ja in ihnen einen neuen Versuch erblickte, die in der letzten Zeit immer lockerer gewordenen Bande innerhalb der Staaten der Kleinen Entente und zwischen ihnen und Frankreich aufs neue zu festigen. Nun hat die Haltung Polens, besonders im Verein mit der Ablehnung Deutschlands, diese französischen Pläne durchkreuzt und jenen Ostpakt, selbst wenn er Zustandekommen sollte, stark entwertet. Diese Entwicklung war für die maßgebenden ungarischen Politiker ein Fingerzeig, in welcher Richtung sich die ungarische Außenpolitik orientieren müßte, wenn sie mit Erfolg versuchen sollte, die von Frankreich geschmiedeten Einkrei- jungsketten wirklich zu sprengen. So ergab sich eigentlich fast von selbst die Notwendigkeit einer direkten Fühlungnahme zwischen den ungarischen und polnischen Staatsmännern. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die geplante Reise des ungarischen Ministerpräsidenten und seines Außenministers nach Warschau durchaus nicht so von ungefähr kommt. So ist vielmehr schon vor längerer Zeit vorbereitet worden, nämlich durch den Besuch, den während des Winters der ungarische Ackerbauminister K a l l a y aus Anlaß einer der berühmten Jagdeinladungen in Polen abstattete Damals, und schon vorher bei einem Besuch polnischer Offiziersabordnungen zur Enthüllung eines Denf= mals für den polnischen General Bem, konnte man in Budapester Blättern Karikaturen finden in denen die Slowakei mit Stacheldraht umzäunt zu sehen war. Diesseits und jenseits des Stacheldrahtzaunes aber standen hier em Ungar und dort ein Pole, die sich vergebens bemühten, einander die Hände zu reichen. In dem Text zu dieser Karikatur war angedeutet, daß die Slowakei das einzige lästige Hindernis fei für eine ruhige und freundliche Nachbarschaft zwischen Polen und Ungarn. Man muß sich dieser Gedankengänge erinnern, wenn jetzt durch den offiziellen ungarischen Besuch in Polen wieder die Frage eine Intensivierung des polnisch-ungarischen Verhältnisses in den Vordergrund gerückt wird. Dabei ist noch eine andere Erwägung maßgebend. Nämlich die, daß man in Budapest doch allmählich einzusehen beginnt, daß es gerade für Ungarn in feiner schwierigen und für kriegerische Verwicklungen geradezu unmöglichen Lage aussichtslos erscheinen muß, die ungarischen Revisionsforderungen mit derselben Hartnäckigkeit und Intransigenz nach allen Seiten zu vertreten War schon der Abschluß des d e u t s ch - p o l- Nischen Nichtangriffsvertrages richtungweisend für eine wirklich friedliche, auf weite Sicht berechnete Revisionspolitik — leider wurde diese deutsche Politik bisher in Ungarn entweder Oie Grundsätze für die Erneuerung des Girasrechis. Reichsjustizminister Or. Gürtner berichtet über die Oieform des Strafgesetzbuchs. Oie Gemeinschaft Ausgangspunkt der Rechtspflege. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Die Uebernahme der Macht durch die Regierung des Dritten Reiches hat die Grundlagen geschaffen, um das Werk der Erneuerung des Strafrechts mit Aussicht auf Erfolg in Angriff zu nehmen. Die im Auftrage des Reichskanzlers berufene amtliche Strafrechtskommiffion hat einen den Anschauungen und Bedürfnissen des neuen Staates entsprechenden Entwurf eines Strafgesetzbuches ausgearbeitet. Ueber den, gegenwärtigen Stand der Strafrechtserneuerung berichtete Reichsjustizminister Dr. Gürtner am Mittwochabend bei einem Presse- empfang im Reichsjuftizministerium. Die dringendsten und wichtigsten Glieder der Gesamtreform seien von der nationalsozialistischen Regierung durch die Nooellengesetzgebung vorweggenommen, insbesondere der Kampf gegen die Gewohnheitsverbrecher sowie gegen Hochverrat und Landesverrat. Gleichzeitig seien die Vorarbeiten für die Reform des Strafgesetzbuches in Angriff genommen worden. Das neue Strafrecht habe vom Standpunkt der Gemeinschaft aus orientiert werden müssen. Am Ausgangspunkt standen die Lebensrechte, der Rechtsfriede, der Arbeitsfriede und das Wohl des Volkes. Das geltende Recht zwinge den Richter, den Versuch unter allen Umständen milder zu bestrafen als das vollendete Verbrechen. Dieser Grundsatz finde sich im kommenden Recht nicht mehr. Es werde die Gegenwirkung gegen den Verbrecher schon eintreten, wenn der verbrecherische Wille sich im Anfang einer Tat offenbare. Der Versuch sei grundsätzlich so zu bestrafen wie die Vollendung. Die Frage, ob der Versuch gelungen sei, könne allerdings bei der Strafbemessung eine Rolle spielen. In den Bereich der vollen Strafandrohung trete der Verbrecher jedenfalls schon bann, wenn er den verbrecherischen Willen durch Handlungen ausdrücke. Der bisherige Grundsatz, daß niemand bestraft werden könne, es fei denn, daß der Buchstabe des Gesetzes erfüllt werde, habe dazu geführt, daß es auch dem gerissenen Verbrecher gelingen konnte, durch die Waschen des Gesetzes zu schlüpfen. Es fei natürlich nicht möglich, alles vorher zu bedenken, was geschehen könne, und es werde immer Falle geben, auf die der Buchstabe des von erfahrenen Praktikern gemachten Gesetzes nicht anwendbar sei. Deshalb mußte man von der Einengung wegkommen, daß der Buchstabe des Gesetzes erfüllt sei. Der Vorschlag der Kommission sei völlig gemeinverständlich und einfach: Ist die Tat nicht ausdrücklich für straffrei erklärt, aber eine ähnliche Tat im Gesetz mit Strafe bedroht, so ist dieser Grundsatz anzuwenden, wenn der zugrundeliegende Rechtsgedanke den gesunden Volksanschauungen entspricht. Die Kommission sehe sich in bewußten Gegensatz zu dem geschriebenen geltenden Recht. Sie sehe sich aber nicht in Gegensatz mit dem normalen Rechtsempfinden des Volkes. Die Unfreiheit des Richters werde dadurch beseitigt, daß man ihm die Möglichkeit gebe, auch dann eine Strafe zu verhängen, wenn nicht der Buchstabe, sondern der Sinn des Gesetzes erfüllt werde. Das Strafrecht könne lediglich von dem Standpunkt aus betrachtet werden, das Gemeinfchaftsrecht des Volkes in eine gewisse Ordnung zu bringen. Die Forderungen der Sittlichkeit aber seien andere als die des Rechts. Die Kommission habe das Bestreben gehabt, auch die Form des Gesetzes dem Volke näherzubringen und ihm verständlich zu machen. Staatssekretär Dr. Freister sprach von den verschiedenen vergeblichen Versuchen in der verflossenen parlamentarischen Zeit, um ein neues Strafrecht zu schaffen. Er schilderte die umfangreichen Arbeiten, die in der Kommission, die er die Werkstatt des Rechts nannte, festgehalten worden seien, in der Wissenschaftler, Praktiker und Theo- Zwei kostbare Hmdenbmg-Vriefe Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht in Faksimilie zwei Briefe vom 12. August 1914 und vom 9. November 1914, die der damalige General her Infanterie von Hindenburg an den Generalleutnant und Ge- neralquartiermeifter von Stein gerichtet hat. Der erste Brief, den Pastor von Stein in Quedlinburg, der Sohn des ehemaligen Generalquartiermeisters, dem „Völk. Beobachter" zur Verfügung gestellt hat, hat folgenden Wortlaut: „Hannover, den 12. August 1914. Wedekind-Straße 15. Sehr verehrter Herr von Steint 3m Vertrauen auf unsere alte Bekanntschaft kur; eine Bitte: Denken Sie meiner, wenn noch im Laufe der Dinge irgendwo ein höherer Führer gebraucht wird! Ich bin körperlich und geistig durchaus frisch und war daher auch im vorigen Herbst trotz meiner Verabschiedung designiert. Fabeck kann Ihnen darüber Näheres berichten. Mit welchen Gefühlen ich jetzt meine Altersgenoffen ins Feld ziehen sehe, während ich unverschuldet zu Hause sitzen muh, können Sie sich denken. Ich schäme mich, über die Straße zu gehen. , Antwort auf diese Zeilen erwarte ich nicht. Sie I haben Wichtigeres zu tun. Ihre Rückkehr in den retifer, Männer mit revolutionären Gedanken und Männer, die mit Recht stolz auf ihre in Jahrzehn, ten gesammelten Erfahrungen feien, zusammenarbeiteten. Er hob mit besonderer Anerkennung die Arbeit des Reichsjustizministers Dr. Gürtner und des Reichsminifters Kerrl bei den Kommis- sionsarbeiten hervor. Das neue Strafrecht diene dem Zweck, einer Untat d i e Sühne folgen zu lassen, die Grundlagen des völki- schen Gemeinschaftslebens zu stützen und aufrechtzuerhalten-, es werde die Linie der Verteidigung weit Dortreiben gegenüber dem bisherigen Recht und so ein Ausdruck der bewußt kämpferi- schen Zeit fein. Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die bis- herigen Arbeiten der amtlichen Strafrechtskommif- fion zu gewähren, hat der Reichsminister der Justiz vor kurzem im Verlage Franz Vahlen unter Mitwirkung einiger an der Kommiffionsarbeit Beteiligten einen ausführlichen Bericht „Das kommende deutsche Strafrecht, Allgemeiner Teil", erscheinen lassen, in dem die wichtigsten Fragen erörtert wer- den. Gcueralslab habe ich mit aufrichtiger Freude begrüßt. Gott fei mit Ihnen! Stets in alter treuer Kameradschaft Euerer Excellenz fehr ergebener von Beneckendorff und von Hindenburg General der Infanterie ä la suite des 3. Garde- Regts. z.F." Der Generals Bitte wurde erfüllt, er wurde an die Spitze der in Ostpreußen kämpfenden 8. Armee berufen, mit der er die herrlichen Siege von Tannenberg und an den masurischen Seen erfocht. Der zweite, jetzt oeröfentlichte Brief an den General- quartiermeifter ist bald danach geschrieben und lautet: „Absender: Generaloberst von Hindenburg. Osiheer, 9.11.1914. Euerer Excellenz danke ist herzlich für Ihre freundlichen Zeilen vom 5. November, die mich heute erreichten. Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar dafür, daß Sie mich ausgegraben haben, und glücklich darüber, wieder etwas leisten zu können. Ihnen von Herzen alles Gute wünschend in alter treuer Kameradschaft Euerer Excellenz aufrichtigst ergebener von Hindenburg." Hindenburg will nicht zu Hause bleiben. Oer spätereGieger vonTannenberg bittet denGeneralquartiermeister vonStein, sich für seine Verwendung an der Front einzusetzen. falsch oder garnicht verstanden — so hat in den letz- ten Monaten die Haltung Bulgariens daß auch dieser, an der Revisionsfrage grundsätzlich ebenso wie Ungarn interessierte Staat denselben Weg wie Deutschland zu beschreiten entschlossen ist. Auch Bulgarien sucht jetzt die Verständigung mit einem Nachbarn, um so wenigstens an einer Stelle Luft zu bekommen. Ganz offensichtlich will nun auch Ungarn in ähnlicher Weise versuchen, seine Revisionspolitik auf eine vernünftige Grundlage zu stellen. Hier gibt ihm das besondere Vertragsverhältnis zwischen Polen und Rumänien einen Ansatzpunkt. Es scheint daher durchaus einleuchtend, wenn man in Budapester politischen Kreisen davon spricht, daß Ministerpräsident G ö m b ö s bei seinem bevorstehenden Besuch in Warschau versuchen will, zu sondieren, inwieweit es möglich wäre, daß Polen zwischen Ungarn und Rumänien vermittelt. In diesem Zusammenhang scheint es besonders bedeutungsvoll, daß nach Bekanntwerden des Reise- planes des ungarischen Ministerpräsidenten in dem regierungsoffiziösen Blatt „Budapesti Hirlap eine bemerkenswerte Aeußerung des ehemaligen rumänischen Ministerpräsidenten V a j b a B o j vod erschien, die in offenem Gegensatz stand Zu den in der letzten Zeit zahlreichen Angriffen gewisser rumänischer Stellen gegen Ungarn. In dieser Erklärung stellte Dajda Vojvod fest, daß unbedingt auch eine seelische Annäherung Zwischen Ungarn unö Rumänien angeftrebt werden müsse. 2n wirtschaftlicher Hinsicht könnte man ruhig ernsthaft eine Zollunion anstreben, durch die dann die ungarisch-rumänische Grenze sozusagen automatisch verschwinden würde. Damit würde auch die ungarische Revisionspolitik eine Lösung st"den, wahrenb man anderseits heute als ehrlicher Politiker verstehen müsse daß Ungarn auf diesem revisionistischen Standpunkt beharrt. Hier zeigt sich also auch von rumänischer Seite ein Weg, auf dem man sehr wohl zu einer Verständigung gelangen konnte, genau so, wie dies jetzt Bulgarien Südslawien gegenüber versucht und wie es Deutschland Polen gegenüber begonnen hat. Im Hinblick auf diese Gedankengänge und Möglichkeiten gewinnt zweifellos der bevorstehende Besuch der ungarischen Staatsmänner in Warschau besondere Bedeutung. Er ist nicht nur eine gegen die französischen Ostpaktpläne gerichtete Aktion, sondern darüber hinaus vielleicht auch ein erster ungarischer Versuch, die ungarische Revisionspolitik aus ihrer unleugbaren Stagnation herauszuführen. Damit aber würde man auf dem Wege zur Befriedung im Donauraum einen wesentlichen Schritt vorwärtskommen. Deshalb wird man auch deutscherseits hoffen und wünschen müssen, daß der politischen Begegnung von Warschau der bestmögliche Erfolg beschieden fei. Rußlands Aussichten für die Aufnahme in Genf. Französischer Druck aus noch zögernde Staaten. London, 30. Aug. (DNB.-Funkspruch.) „Daily Herald" schreibt, Anfang dieser Woche habe besonders in Paris die bestimmte Erwartung bestanden, daß der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund glatt oonftatten gehen werde. Jetzt aber glaube man zu wissen, daß es eine Anzahl feindlicher Stimmen geben werde. Die Schweiz werde höchstwahrscheinlich gegen die Aufnahme der Sowjetunion stimmen, Holland vermutlich auch. Andere Staaten, wie Kanada, Belgien, Ungarn und eine Anzahl mittelamerikanischer Staaten zögerten noch. Zwar seien in der Völkerbunds-Versammlung 18 ablehnende Stimmen notwendig, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu verhindern, die Zahl der gegnerischen Staaten erreiche diese Ziffer nicht. Es fei immerhin zweifelhaft, ob die Sowjetregierung das Risiko einer Ablehnung eingehen wolle. Ferner wäre es denkbar, daß starker Widerstand in der Versammlung Veranlassung zu Intrigen im Völkerbundsrat geben werde. Die britische Regierung und die französische Regierung faßten die Lage fo ernst auf, daß sie Schritte unternähmen, um die Haltung jedes noch unentschiedenen Staates genau festzustellen. „Journal d e Gsneve" fürchtet, daß die Taktik der Mächte, die unter Frankreichs Führung unbedingt die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund wünschen, dahingehen werde, die Dölkerbunbs- versammlung diesmal vor eine vollendete Tatsache zu stellen, um dadurch zugleich eine gründliche Aussprache zu vermeiden. Ebenso werde man versuchen, die vorgeschriebene Prüfung der Geeignetheit Rußlands für den Eintritt in den sechsten Ausschuß der Dölkerbundsversammlung nach Möglichkeit abzubiegen ober praktisch u n - wirksam zu machen. Zweifellos werde auch ein Druck a u f d i e Staaten ausgeübt, die mit „Nein" stimmen wollten. Außenpolitische Zusammenarbeit der drei baltischen Staaten. DNB. Riga, 29. August. Auf der Konferenz der Außenminister Lettlands, Estlands und Litauens wurde ein Abkommen paraphiert, das als Vorstufe zu einem baltischen Staatenbund angesehen wird. Das Abkommen sieht eine enge außenpolitische Zusammenarbeit der drei baltischen Staaten vor. Periodische Zusammenkünfte der Außenminister sind vorgesehen. Man will sich ferner laufend über mit dritten Staaten geführte Verhandlungen und abgeschlossene Verträge unterrichten. Außerdem soll in dritten Ländern gegebenenfalls eine gemeinsame Vertretung der baltischen Interessen erfolgen. Der Vertrag bezieht sich allerdings nur auf solche Fragen, die alle drei baltischen Staaten gleichzeitig berühren. Er erstreckt sich ausdrücklich nicht auf spezifische Fragen, die nur einen Staat angehen. Diese Ein* schränkung gilt für die nur Litauen berührenden Wilna- und Memelfragen. Hitler-Jugend und Elternhaus. Oer Dank des Reichsjugendführers. - Ohne den Vertrauensbeweis der deutschen Eltern ist die Arbeit der HL. undenkbar. — Ganz Deutschland Hilst mit, wenn es der Gesundheit unserer Lugend gilt. Baldur von Gchirach spricht im Rundfunk. Berlin, 29. Aug. (DNB.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches Baldur von Schirach wandte sich am Mittwochabend im Deutschen Rund- funkt mit längeren Ausführungen an die deutschen Eltern. Er führte u. a. aus: Bor wenigen Tagen erlebten wir den Abschluß des in der Nähe von Murnau gelegenen Hochlandlagers der Hitlerjugend. 6000 Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren haben dort vier Wochen lang ein Jungenleben geführt, wie es sich schöner und beglückender nicht denken läßt. Berge und Wiesen, Zelte und Lagerfeuer bildeten eine Erlebniseinheit, von der diese Jungen i h r ganzes Leben lang zehren werden. Ungefähr um die gleiche Zeit gehen nun alle großen Ferienlager der Jugend ihrem Ende entgegen. Allein im Monat Juli waren rund eine Million Jungen unter dem Zeltdach; im August wuchs diese Zahl noch um ein beträchtliches. Auch fanden große Mädelsportlager in allen Teilen des Reiches statt, kurz, ein großer Teil der deutschen Jugend hat einen Sommer in Freude und Gesundheit verbracht, einen Sommer, der für die deutsche Jugend ganz im Zeichen der weißgestreiften Jugendfahne gestanden hat. Wenn ich heute die Gelegenheit wahrnehme, um über alle deutschen Sender zu Euch, Ihr Eltern unserer Jungvolkpimpfe, BDW.-Wädel und Hitler-Jungen zu sprechen, so geschieht dies, weit ich das Bedürfnis habe. Euch meine Dankbarkeit für das große Vertrauen, das die deutsche Elternschaft der Hitler-Jugend entgegenbringt, auszusprechen. Ich weih, daß die Arbeit der Hitler-Jugend undenkbar ist oh ne den Vertrauensbeweis der deutschen Eltern, die, indem sie ihre Kinder der Hitler-Jugend anver- trauen, ihren ko st bar st en Besitz in die Hand der Jugendführer und Jugendführerinnen legen. Das erfüllt mich mit steter Dankbarkeit, und ich fühle mit Stolz die große und ernste Verpflichtung, die allen, die an der Jugend arbeiten, aus solchem Vertrauen erwächst. Drei große Faktoren müssen an der Gestaltung der jungen Generation in kameradschaftlicher Verbundenheit Mitarbeiten: Elternhaus, Schule und Hitler-Jugend. Dort, wo kein harmonisches Verhältnis zwischen diesen drei Stellen besteht, ist die Jugend selbst der leidtragende Teil. »Die Hitler-Jugend hat nicht die Aufgabe, die Jugendlichen dem Elternhause zu entfremden und sie in Gegensatz zur Schule zu bringen. Sie arbeitet auf einem ureigenen Gebiet, auf dem es keine Konflikte mit Schule und Elternhaus geben soll und geben darf. Der Hitler-Jugendführer erzieht seine Jugend nicht gegen, sondern für den Begriff der echten Autorität, und bei aller Ungebundenheit eines fröhlichen Jungenlebens muß und wird die Hitler-Jugend den tieferen Sinn ihrer jungen Erziehungsgemeinschaft in der Erringung einer Haltung suchen, die zugleich heroisch und ehrfürchtig ist. Indem die Hitler-Jugend die jungen Deutschen lehrt, daß sie von frühester Jugend an nicht sich selb st, sondern ihrem Volk gehören und ihre eigenen Wünsche dem Wohl oder Wehe der großen Gesamtheit unterzüordnen haben, unterbaut sie die Erziehungsarbeit der Familie und schafft die Voraussetzung für eine im höchsten Sinne sozialistische Nation. Die Hitler-Jugend hat bei allen Fehlern, die menschliche Einrichtungen immer aufzuweifen haben und die gerade ich als Jugendführer des Deutschen Reiches deutlicher und unerbittlicher sehe als mancher andere, eine Tugend, die alles Wangelhafte und Fehlerhafte übersieht: das ist ihre Einigkeit. Die Hitler-Jugend hat der Weisung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler gemäß getan, was in ihren jungen Kräften stand, um auch ihrerseits das große nationalsozialistische Einigungswerk durchzuführen. Wehr als 90 v. h. der gesamten Jugend sind in ihren Reihen vereinigt. Organisationen und Verbände, die vielleicht in ihrer Zeit ebenso richtig waren wie die Hitler-Jugend in dieser Zeit richtig ist, sind zugunsten der alle umfassenden Hitler - Jugendorganisation überwunden worden. Noch vor wenigen Tagen konnte ich in einer langen Unterredung mit dem Führer und Reichskanzler feststellen, daß das Prinzip der Freiwilligkeit der Zugehörigkeit zur Hitler-Jugend niemals preisgegeben werden wird. Wer zur Hitler-Jugend kommt, soll aus freiem Antrieb, ohne jeden Zwang, in unsere Gemeinschaft eintreten. Der Staat überwacht durch die Jugendführung des Deutschen Reiches den gesamten Dienst der Hitler- Jugend, aber er läßt es im übrigen jedem deutschen Jungen und Mädel frei, ob sie sich in die Hitler-Jugend einreihen wollen oder nicht. Denn der nationalsozialistischen Jugend kommt es darauf an, auch dadurch im Sinne einer Auslese zu wirken, daß nur solche zu ihr kommen, die das innere Herzensbedürfnis haben, an den Werken der Hitler-Jugend selbstlos mitzuarbeiten und damit bereits in jungen Jahren Pflichten und Opfer auf sich zu nehmen, deren ethischer Wert auf der Freiwilligkeit beruht, mit der sie erworben werden. Unsere Arbeit in der Zukunft gilt vor allem der Gesundheit der Jugend, der Freizeit des Jungarbeiters und der Ertüchtigung und Kräftigung aller in der Hitler-Jugend zusammengeschlossenen jungen Deutschen. So soll im Jahre 1935 jeder Hitler-Junge und jedes Hitler-Wädel einen mehrwöchigen Aufenthalt draußen in der Ratur, in Zeltstädten oder Jugendherbergen bekommen. Schon drei Wochen gesunden Lebens im Freien bei Spiel und Sport können Wunder wirken, das haben wir in diesem Jahre gesehen. Ganz Deutschland muh mithelfen. Es ist eine Ehrensache des deutschen Volkes, daß jeder Jugendliche gesund und frei heranwächst und endlich das, was früher als Privileg weniger Begüterter und Vermögender war, nämlich die Sommerreise, der Erholungsurlaub, endlich der ganzen deutschen Jugend zur Verfügung gestellt wird. Das ist nicht so schwer, wie es scheint, das können wir durcyführen, die wir schon Größeres und Schwereres haben durchführen können. Wer einig ist, kann alles. Wenn einige ausländische Sender und Zeitungen meinen, sie können das Aufbauwerk der deutschen Jugend dadurch stören, daß sie mich verleumden und diffamieren, mich für tot erklären und als Millionendieb bezeichnen, sollen sie es tun. Ich brauche für meine Arbeit nicht die Zustimmung der fremden Journaille, sondern die Zustimmung meines Führers, und die habe ich. Nach seiner Weisung werde ich weiterarbeiten und ihm so, wie in den vergangenen zehn Jahren, auch in Zukunft die Treue halten. HandinHand mit den deutschen Eltern und der deutschen Jugend wird die Hitler-Jugend weiterarbeiten. Tapfer und treu steht die junge Nation hinter ihrem Führer. Deutsche Eltern! Eure Kinder sind der höchste Stolz des neuen Staates. Das Deutsche Reich ist ewig durch die deutsche Jugend. Nie HL. ehrt ihren Führer. Die Berliner Hitlerjugend bereitete am Mittwoch dem Reichsjugendführer eine spontane Ehrung. Formation auf Formation eilte in den Abendstunden zum Funkhaus in der Masuren-Allee, wo, wie gemeldet, Baldur von Schirach über die Reichssender zu den deutschen Eltern sprach. Bald waren an 20 000 Jungen und Mädel in dichten Reihen in den Straßen um den Funkturm versammelt. Fackeln wurden von Hand zu Hand gereicht, und bald bildete die Masuren-Allee eine einzige Leuchtfeuerkette. Die Begeisterung stieg auf den Höhepunkt, als der Reichsjugendführer nach Beendigung seines Dortrages von einem Fenster des Rundfunkhauses aus zur Jugend sprach. die in einigen Teilen der Presse erschienen sind, einen irreführenden Eindruck von den Beratungen und von der Haltung des ökumeni« schen Rates hervorgerufen haben und versprach, eine öffentliche Erklärung abzugeben, in der er versuchen wird, einen objektiven Bericht über die Haltung und den Geist des Rates zu geben. Ein neues KirchengeseH über die Rechtsverhättnifs e derGeistlichen Berlin, 30. Aug. (DNB.) Das geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche hat ein Kirchengesetz beschlossen, in dem es u. a. heißt: Die landeskirchenrechtlichen Bestimmungen über die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Beamten der Landeskirchen, ausgesetzt und außer Kraft gefetzt durch die Kirchengesetze der Deutschen Evangelischen Kirche vom 16. November 1933 und 8. Dezember 1933 werden gemäß der Verordnung des Reichsbischofs vom 4. Januar 1934 und gemäß dem Kirchengesetz der Deutschen Evangelischen Kirche vom 13. April 1934 alswieder in Kraft getreten und weiter durchführbar geworden, bestätigt. Es handelt sich um die Gesetze, die die Bestimmungen des staatlichen Arierparagraphen auf die geistlichen und kirchlichen Beamten anwandten mit der Erweiterung, daß jeder Geistliche, der eine nichtarische Frau habe, in den Ruhestand zu versetzen sei; ferner daß Pfarrer, die die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht haben, in den Ruhestand versetzt werden könnten und Beamte in der gleichen Altersstufe in den Ruhestand versetzt werden sollten und schließlich, daß geistliche und kirchliche Beamte, die nationalpolitisch als nicht zuverlässig anzusehen seien, in den Ruhestand versetzt werden könnten. Baldiger Erlaß von Betriebsordnungen geboten. Berlin, 29. Aug. (DNB.) Bis spätestens 1. Oktober d. I. muß in allen Betrieben der privaten Wirtschaft, in denen in der Regel mindestens 20 Arbeiter und Ange- st e l l t e beschäftigt sind, eine den Vorschriften des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit entsprechende Betriebsordnung vom Führer des Betriebes nach vorheriger Beratung im Vertrauensrat erlassen sein. Der Reichsarbeitsminister teilt hierzu im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister mit, daß dieser Zeitpunkt, nachdem bereits einmal eine Fristverlängerung stattgefunden hat, unter keinen Umständen überschrit- t e n werden darf. Er empfiehlt daher, die gewährte Frist nicht voll auszuschöpfen, sondern da, wo noch keine den gesetzlichen Vorschriften entsprechende Betriebsordnung erlassen ist, unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen hierzu einzuleiten. Die Treuhänder der Arbeit sind angewiesen, auch in ihren Bezirken nochmals auf den beschleunigten Erlaß von Betriebsordnungen hinzuwirken und für die unbedingte Einhaltung der Frist Sorge zu tragen. Die Nichtbefolgung ihrer Anordnungen kann ehrengerichtliche Verfolgung nach sich ziehen. Flottentag in Kiel. Deutschland aus der ökumenischen Kirchenkonferenz auf Fand Kirche und Gemeinschaft der Nationen Iten, so erklärte nien, die mit Dr. Croßmann -Oxford wände sich gegen die vorher gemachten Ausführungen, daß man sich als Christ nicht verteidigen dürfe, selbst wenn Vater und Mutter getötet würden. Dies würde bedeu- schaft der Nationen", wobei Krieg und Weltfriede die größte Rolle spielten. Der englische Pastor Martin erklärte, man müsse einen Staat anstreben, der christlichen Gesetzen unterworfen sei. Ein ungenannter Redner führte u. a. aus, es gebe keinen Weg zum Frieden, wenn die Sicherheit im Vordergrund stehe. Man müsse den Frieden wagen. Mr. Urwin erklärte: Alle Regierungen hätten die Völker in der Abrüstungsfrage enttäuscht. Es scheine ihm unmöglich, daß die christliche Kirche für die Berechtigung eines Krieges eintreten könne. Das gelte auch der Verteidigung, die nur ein Deckmantel für Kriegsvorbereitungen geworden fei. er, daß d i e englischen Kolo- dem Schwert gewonnen und vertei- Lage in Deutschland. Wir können nur lächeln, wenn man glaubt, daß die persönliche Freiheit bei uns aussterben kann. Wir sind echte Germanen, wie die meisten von uns hier. Wir sind kein Volk, das unter die Räuber gefallen ist. Wir Deutschen stehen der ökumenischen Bewegung näher als andere. Friede und Gleichberechtigung find des deutschen Volkes Ziel. Der frühere Reichsgerichtspräsident Dr. Simons erklärte: Ich bin kein Nationalsozialist, ich bin zu Der frühere Reichsgerichtspräsident Dr. Simons erklärte, zur Verteidigung müsse der Staat Wacht anwenden; dies müsse die Kirche anerkennen und sich nicht einmischen, ganz gleich ob dies ein demokratischer oder autoritärer Staat fei. Deutschland falle es schwer, an der ökumenischen Arbeit teilzunehmen. Wann habe man denn während des Krieges und nachher die Stimme der ökumenischen K i r ch e für internationale Gerechtigkeit gehört? Rur Papst Benedikt fei für einen Verständigungsfrieden eingetreten. Es habe wohl Christen gegeben, die nur Gerechtigkeit wünschten, aber ihre Stimmen seien i m Waffenlärm untergegangen. Damals hatte die Kirche nicht ihre Stimme für Gerechtigkeit uns gegenüber erhoben. Run wendet man sich gegen uns mit der Forderung nach Gerechtigkeit. Er sei, so erklärte Dr. Simon weiter, gegen das Eintreten Deutschlands in den Völkerbund gewesen, und er habe dessen Austritt mit Freuden begrüßt, obwohl er der Ansicht sei, daß im Völkerbund an sich eine göttliche Idee liege. Staat und Kirche. Kopenhagen, 29. Aug. (DNB.) Die internationale Kirchenkonferenz auf der Insel Fanö beschäftigte sich am Montag mit dem Problem „Staat und Kirch e", zu dem Professor R u n e- st a m - Upsala einen einleitenden Vortrag hielt. Er führte u. a. aus, daß der Staat von heute im allerhöchsten Grade seine Macht aus bas ganze Volksleben ausgedehnt habe und dadurch mit den Forderungen der Kirche nicht Über- einstimme. Daß der Staat so weit gegangen sei, sei auf die allgemeine Autoritätskrise zu- rückzusühren, insofern als der Bedarf an Autorität die Entwicklung in der Richtung totaler Staaten fördere. Gegenüber dieser äußeren und auf Macht gegründeten Autorität müsse die Kirche die auf Offenbarung gegründete Autorität des göttlichen Wortes stellen. Sie müsse sowohl dem Staat wie dem Volksleben gegenüber positiv und kritisch eingestellt sein. Bischof Heckel-Berlin führte u. a. aus, daß der Staat nach dem Reuen Testament eine göttliche Ordnung darstelle. Gott habe dem Staat eine Aufgabe gestellt. Von einem christlichen Staat zu sprechen, sei sinnlos. Dagegen könne man von christlichen Staatsmännern sprechen. Das Dritte Reich vertrete den Gemeinschaftswillen des Volkes. Volk und Staat seien in Deutschland eins. Die totalitären Forderungen des Staates seien nicht gleichbedeutend mit Absolutismus. Vielmehr seien sie Ausdruck des Verantwortungsbewußtseins des Staates gegenüber dem Volk. Dieses Zweckes wegen müsse der Staat Zwang mit Freiheit verbinden. Der Staat erhalte die göttliche Ordnung aufrecht. Die Kirche müsse sich in die äußeren Rahmen des staatlichen und völkischen Lebens einfügen. Gleichzeitig habe die Kirche die besondere Verantwortung gegenüber dem ganzen Volke, Gottes Wort zu verkünden. Professor Geismar (Kopenhagen) erklärte, daß die Sünde auch im Leben des Staates sowie des Volkes herrsche. Zum Beispiel könne Volksegoismus und blinde Massensuggestion sich mit religiösem Idealismus verbinden. Dadurch könne ein gefährlicher Sprengstoff entstehen, was für die Kirche ein Martyrium mit sich bringen könne. Professor Titius-Berlin dessen Ausführungen auf die Versammlung einen starken Eindruck machten, sagte: Dir müssen lernen, Vertrauen zueinander zu gewinnen; man muh im Ausland vertrauen zu Deutschland haben. Wir dulden nicht, daß man sich in unsere schwierige Lage mischt. Fremde Hilfe kann jetzt keine Hilfe für uns sein. Wir können selbst die Aufgaben losen, die wir uns gestellt haben. Wir haben gerade mit der Evolution nach der Revolution begonnen, und sie müssen uns Zeit lassen. Wan sieht im Ausland verkehrt auf die ganze Wettrudern der Reichsmarine. Kiel, 29. Aug. (DNB.) Ganz Kiel ist heute auf den Beinen. Seit dem frühen Morgen sah man auf der breiten Hindenburguserpromenade, die sich zwischen Stadt und Holtenauer Schleuse an der Förde entlang streckt, Tausende, die die kleine, aber schneidige deutsche Flotte im Hasen sehen wollten. Ein Bild, das selbst für die Kieler recht selten ist. Nach der Nachtübung hatten, wie wir bereits kurz meldeten, alle Schiffe der Reichsmarine im Hafen an den Bojen und Brücken festgemacht. Ungeheuere Menschenmaffen, Automobile von nah und fern, aus den verschiedensten deutschen Gauen, aber auch aus dem Auslande, fanden sich am Hindenburguser ein, um am Nachmittag an den traditionellen Wettrudern der gesamten deutschen Flotte als Zuschauer teilzunehmen. Bei gutem Wetter nahm das Wettrudern, an dem sich etwa 60 Boote aller Gattungen der Reichsmarine beteiligten, einen glänzenden Verlauf. An Bord des Start- und Zielschiffes „U n • dine" befanden sich neben dem Flottenchef eine Reihe bekannter Persönlichkeiten. Das Bild war umwimmelt von Segelyachten, Schnellbooten, Zu- schauerdampfern und Ruderbooten. Große Heiterkeit erregten die Besatzungen der Kriegsschiffe, die wäh- rend der Rennen Freizeit hatten und nun von ihrem Schiss aus durch Mafsensprechchöre ihre Rennmannschaften anzupeitschen bemüht waren. Am Schlüsse der Wettkämpfe nahm der Flottenchef Vizeadmiral Förster an Bord des Flaggschiffes „Schleswig-Holstein" die Preisoertei» tung vor. Die wertvollen Preise waren auf einem mit der Kriegsflagge geschmückten Tisch unter dem 28-Zentimeter-Geschützturm aufgestellt. Freudig nahmen die Sieger ihre Preise entgegen, nachdem der Flottenchef in einer Ansprache die Matrosen aufforderte, stets, wie heute, die ganze Kraft in den Dien st des Vaterlandes zu stellen. Seine Worte klangen in einem dreifachen Hurra auf Vaterland, Führer und Reichskanzler aus. Die besondere Anerkennung des Flottenchefs galt den Mannschaften des Linienschiffes ,,Schlesien", die mehrere Preise errangen. Die Flotte wird morgen den Kriegshafen Kiel wieder verlassen, um ihre Hebungen fortzusetzen. Die Anrede im GA.-Dienst. München, 29. Aug. (DNB.) Der Chef des Stabes der SA., Lutze, sieht sich veranlaßt, unter Bezug auf eine Verfügung, die bereits am 7. Juli 1934 veröffentlicht worden ist, der breiten Öffentlichkeit folgendes bekanntzugeben: Im SA.-Dienst dürfen für sämtliche S A. - Führer nur d i e Dien st anreden der SA. verwendet werden, z. B. „Sturmführer", „Brigadeführer", „Gruppenführer" usw. Das bisher bei Ansprachen der Dienstgrade vom Gruppenführer einschließlich aufwärts vorzusetzende Wort „mein" fällt weg. Ebenso entfällt nach wie vor bei allen Dienstgraden die Anrede „Herr". Die Anrede an den obersten SA. - Führer lautet wie "sher: „Mein Führer". Meine Dienstbezeich- nung ist „Der Ches des Stabes", die Anrede lautet: „Stabschef". Unverfrorenheit ausländischer Kommunisten. DNB. Berlin, 29. August. Di- „Times» halt« („ft Dtln Berliner Korrespondenten melden Isen, daß eine Anzahl Ausländer verhaftet worden sei, als sie m der Nähe von Berlin badeten. Hierzu Prof. K o ch,. einer der deutschen Vertreter erklärte, daß der Nationalsozialismus das Volk nicht an Gottes Statt, sondern unter d i e Führung Gottes setze. Pastor W e n d l a n d - Heidelberg führte aus, daß die deutsche Jugend von dem positiven Gedanken der Gleichberechtigung des deutschen Volkes mit anderen Völkern auf friedlicher Grundlage erfüllt fei. Prof. Fischer-Wien, der die k ü r z l i ch e n Ereignisse in Oesterreich als Ausdruck für die verfehlte Politik in Europa bezeichnete, wandte sich besonders gegen den Wortbruch, d. h. den Unterschied zwischen den Wilsonschen 14 Punkten und den Friedensverträgen mit der Beschlagnahme von Privateigentum, wodurch Deutschland 10 und Oesterreich 2 Milliarden bezahlen mußte. Am Mittwoch befaßte sich die Tagung mit Entschließungen zu dem Thema „Kirche und Staat". Deutscher Protest gegen unwahre und einseitige Berichterstattung. Kopenhagen, 29. Aug. (DNB.) In der heutigen Sitzung des ökumenischen Rates gab die deutsche Delegation folgende Erklärung ab: „Die deutsche Delegation hät mit tiefer Empörung von der Art Kenntnis genommen, mit der in einem Teil der Weltpresse über die Tagung des ökumenischen Rates in Fanö sogar über vertrauliche Sitzungen, Bericht erstattet worden ist. Diese Berichterstattung ist nicht nur auf Sen- Nationen berechnet und einseitig in ihrer Stellung zu der deutschen kirchlichen und politischen Lage, sondern versucht zum Teil, die Ergebnisse der Konferenz au beeinflussen und eine Atmosphäre zu schaffen, die den Verhandlungen die unbedingt notwendige innere Freiheit nimmt. Die deutsche Delegation legt hiergegen schärfste Verwahrung ein und bittet den ökumenischen Rat und seinen Präsidenten, alles zu tun, um vor der Weltöffentlichkeit eine objektive Behandlung der Beratung sicherzu- stellen." Der Präsident des ökumenischen Rates ftimmte dem zu, daß Berichte über die Konferenz, alt, um Mitglied einer Partei zu fein und habe viele Jahre lang die unparteiliche Stellung eines Richters eingenommen. Aber viele meiner Wünsche sehe ich durch den Nationalsozialismus erfüllt, und ich bin bereit, dem Staat zu dienen, falls ich gerufen werden sollte. Die früheren Erzieyungsgrund- sätze schufen eine zersplitterte Jugend. Man muß den Gedanken des Dienens tragendes Prinzip der Erziehung werden lassen. Hitler will keinen Kulturkampf. Er ist der Kirche und der Familie gegenüber freundlich gestimmt. Die Kirchenkonferenz beschäftigte sich am Diens-Idigt worden seien, aufgegeben werden müßten; g mit dem Thema „Kirche und G e m e i n - dies würde Bürgerkrieg in Indien und unermeß- t'A h" ** liche Arbeitslosigkeit in England bedeuten. Zum Schrittmacher dieser Entwicklung ist d Volksempfänger VE 3 01 geworden. Na e r ch e der Neu! Enteignun- Da kommt in Anwen- und neunten Hunderttausend des Volksempfängers verkünden konnte, ist nun die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß diese 200 000 Volksempfänger auf der Funkausstellung bereits re ft los abgesetzt worden sind, so daß also innerhalb eines Jahres nationalsozialistischer Rundfunkgestaltung eine Gesamtauflage von einer Million Volksempfänger erreicht wurde. Ein weiteres Hunderttausend des Volksempfängers ist inzwischen noch vor Abschluß der Funkausstellung aufgelegt worden. Trotzdem ist die interessante und nicht minder erfreuliche Tatsache festzustellen, daß der hohe Absatz des Volksempfängers den Verkauf der größeren und teueren Geräte absolut nicht beeinträchtigt hat. Mancher von denen, die im vergangenen Jahre zunächst einen Volksempfänger erstanden haben, hat sich nun ein besseres weiterreichendes Gerät zugelegt. Die Nachfrage nach den Geräten in der Preislage von 200 bis 300 Mark ist noch erheblich höher als im vergangenen Jahre, das bereits eine ähnliche Tendenz gezeigt hat. Obgleich das endgültige Verkaufsergebnis noch nicht entfernt zu übersehen ist, hat eine vorsichtige Rundfrage ergeben, daß rund eine Million Empfänger vom Handel in Auftrag gegeben worden sind. Eine Reihe von Firmen sind für Wochen und Monate mit Aufträgen eingedeckt. Teilweise wird von einem verdreifachten Absatz gegenüber dem Vorjahr gesprochen. Mehr als erwartet ist auch das Ausland als Käufer aufgetreten. In einem Falle wird berichtet, daß ein Aussteller mit einem Auftrag 500 Superhet-Empfänger nach Frankreich verkauft hat. Menn auch einzelne Spezialgeräte besonders günstige Verkaufsergebnisse erzielen konnten, so verteilt sich im allgemeinen das Mehr an Aufträgen quemster und wirksamster Weise Anordnungen über das Verhalten auf Bahnhöfen mit kürzerem oder längerem Aufenthalt, Meldungen beim und vom Transportleiter und dergleichen bekanntgegeben werden. Somit ist also — nach der Einführung der Zug- telephonie — auch die Radioübertragung im führenden Eisenbahnzug kein Problem mehr. Auf die gleiche Weise, wie die Uebertragungen aus dem Zuge selbst, kann selbstverständlich jede andere Rundfunkübertragung von „draußen", also von jedem beliebigen Sender aus, erfolgen, wenn sie auch bei diesem ersten „Radiozug" noch nicht durchgeführt wurde, weil die Zeit zur Vorbereitung eines störungslosen Empfangs noch zu kurz war. Aber es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis der Wunsch in Erfüllung geht: „Reise mit Radio — reise mit Musik!" (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, August 1934. In dem gleichen Tempo, wie im Lande der Sow jets das kommunistische Vernichtungs^ werk an menschlichem Können, an freier bäuerlicher Initiative und an der Verbundenheit mit der Scholle fortschritt, entwickelte sich die Hungers- g e f a h r in diesem größten Agrarland, das einst die Kornkammer Europas war. Die unter dem Schlagwort des Kampfes gegen den Großbauern durchgeführte Enteignungsaktion gegen jeden bäuerlichen Besitz hat das arme und arbeitsträge Landproletariat an die Macht gebracht, das nichts von bäuerlicher Tradition, von Besitzgefühl und von Verantwortungsbewußtsein besaß. Es schwor erst auf die kommunistischen Fahnen, weil ihm Moskau reichen Landsegen versprach, und es schwenkte gerade so wieder von den Sowjets zu der großen bäuerlichen Front ab, als die Leiter im Kreml einen Schritt weitergingen und mit der Durchführung ihres großen Kollektivierungsprogramms begannen, das das ganze Land in eine einzige „landwirtschaftliche Fabrik" verwandeln sollte. Heute hat sich die Regierung auch die Sympathien dieser landarmen Bauern endgültig verscherzt, da diese sich sehr bald überzeugen konnten, daß die kommunistische Leitung unter „Kollektivierung" etwas ganz anderes verstand als sie selbst, und heute steht der Kreml einer einheitlichen großen Front der Bauern gegenüber. Die gegenwärtige Erntekampagne hat das A g - rarproblem in Sowjetrußland wieder in voller Schärfe aufgerollt. Die scharfen Maßnahmen der Regierung gegen alle Art „Saboteure" und „Staatsfeinde" überstürzen sich, die Alarmrufe der Presse füllen ganze Spalten des so eingeschränkten Raumes aus, und die Sorgen der Sowjetregierung um die diesjährige Ernte werden nicht mehr verheimlicht. Es ist wieder einmal „Ernte-Kriegszustand". Wer in den verflossenen Jahren beobachtet hat, wie die Regierung der drohenden Hungergefahr zu begegnen sucht, mit welch brutalen Mitteln ganze Dörfer, ja ganze Landstriche gestraft und welchen Drohungen die Bauern ausgesetzt werden, um ihr letztes Korn für den Staat, d. h. für die Ernährung der großen Städte, herzugeben, der kann sich ein Bild davon machen, welchen Grad der erbitterte Widerstand der Landbevölkerung angenommen hat und mit welch rigorosen Mitteln er zu brechen versucht wird. Von dem Kursker, dem Stalingrader und dem Ural-Bahnhof in Moskau werden fast täglich Sonderzüge abgelassen Sie sind vollbesetzt mit Komsomolzen, Vertretern der Jugendverbände, mit Beamten, Parteimitgliedern, ja Truppen der GDU. und der Roten Armee. Sie fahren nach dem Osten und dem Süden, wo der Zustand der Ernteeinbringung die Regierung zur Entsendung dieser Zugladungen von Kontrollbehörden, die zugleich Strafexpeditionen sind, veranlaßt hat. Wie Heuschreckenschwärme überfluten diese Leute, die : alle irgendwie „in amtlicher Eigenschaft" erscheinen, die alle mit Papieren versehen sind, die Stempel und Unterschriften tragen, und die alle auch ganz privatim auf ihre eigenen Kosten zu kommen hoffen, das Riesenland. Die Leitungen der Kollektivwirtschaften werden mit ihnen durchsetzt, , sie tauchen bei den Führern der st a a t l i ch e n Güter auf und nisten sich schließlich in jeden ; bäuerlichen H o f ein. Wo ihren Anordnungen : nicht Folge geleistet wird, werden „Verstöße gegen . Rechtsanwalt am Appellationsgericht von Fiume. Zu Mitgliedern der Kreisgerichte wurden ernannt: Als Richter ein Jugoslawe, ein Lette, zwei Holländer, ein Norweger, ein Schwede, ein Däne, ein Luxemburger; als stellvertretender Staats- a n w a l t wird den Kreisgerichten besonders zugeteilt der Italiener Mario Toribolo, stellvertretender Staatsanwalt beim Gericht in Treviso. Die Regierungskommsision zur Besichtigung der Arbeitsdienstlager eingeladen Saarbrücken, 29. Aug. (DNB.) In der Sitzung des Landesrates am Mittwoch wurde an die Regierungskommission die dringende Aufforderung gerichtet, selb st eine Besichtigung der deutschen Arbeitslager vornehmen zu lassen, bevor sie zu der einschneidenden Maßnahme eines Verbotes des FAD. im Saargebiet schritte. Nach Rückfrage beim Saarbevollmächtigten der Reichsregierung wurde festgestellt, daß das Reich gern bereit fei, in sämtlichen deutschen Arbeitslagern Beauftragten der Regierungskommission genauesten Einblick in die dortigen Verhältnisse zu gewähren. Die persönliche 'Kenntnis der deutschen Arbeitslager wird die Regierungskommission zu der Erkenntnis bringen, daß sie bei ihrem geplanten Verbot von falschen Voraussetzungen ausgeht. Eine fachliche Orientierung der Regierungskommission würde vielleicht vorschnelle Entschlüsse und unverständliche Maßnahmen verhüten. Keine Sterilisierung von Ausländern. Das Rassenpolitische Amt der NSDAP, teilt mit: In einem großen Teil der Auslandspresse wurde kürzlich in großer Aufmachung darüber berichtet, daß in Wiesbaden die italienische Staatsangehörige Rosa Labriola gegen ihren Willen zwangsweise steri- l i s i e r t worden sei. Die Blätter, besonders die italienischen, nahmen diese Meldung zum Anlaß, um in schärfster Weise gegen das deutsche Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und den Nationalsozialismus überhaupt Stellung zu nehmen. Die Nachprüfung dieser Meldungen hat ergeben, daß sie eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit darstellen. Das zuständige Erbgesund- heitsgericht Wiesbaden stellt amtlich fest, daß gegen die fragliche Italienerin allerdings ein Antrag auf Unfruchtbarmachung gestellt worden wahr und als bloße Stimmungsma gegen Deutschland erwiesen. Was neutrale Augen in Oesterreich sahen. Lodz, 29. Aug. (DNB.) Der Chefredakteur Lodzer „Republika" weilte in Oesterreich und Aus aller Welt. Zunehmender Zeppelinverkehr nach Südamerika. Aus einer von der Hamburg-Amerika-Linie veröffentlichten Statistik über die bisher nu dem Luffchiff „Graf Zeppelin" zwischen Europa und Südamerika beförderten Fahrgäste, Fracht- und Postsendungen geht hervor, daß die Zahl der Fahr- aaste gegenüber dem Vorjahre um 5 0 v. H. gestiegen ist. Das bedeutet im Durchschnitt eine etwa 70prozentige Ausnutzung der angebotenen Plätze, ein im überseeischen Personenverkehr äußer- gewöhnlich hoher Hundertsatz. Die Frachtmengen haben sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht. Die Post konnte eine Zunahme von etwa 40 v. H. verzeichnen. Diese Zahlen beweisen das wachsende Vertrauen der Welt zu unserem deutschen Zeppelin-Luftschiff. Zuverlässigkeit und pünktliche Durchführung aller angesetzten Fahrten haben dieses Vertrauen geschaffen. Der Zeppelin hat bei allen angesetzten Fahrten die vorgeschriebene Fahrtdauer von 72 Stunden, teilweise recht erheblich, unterboten und damit den Benutzern dieser ersten transozeanischen Luftverbindung die Möglichkeit einer 75prozentigen Zeitersparnis gegenüber den bisherigen Verbindungen nach Südamerika gegeben. Die nächsten Fahrten des Zeppelin am 1., 15. und 29. September sind schon jetzt stark belegt. Sie werden wahrscheinlich ausver» kauft werden. Voraussichtlich wird dieser erste deutsche Luftdienst nach Südamerika eine wesent- liche Erweiterung durch die für das kommende Frühjahr geplante Einstellung des neuen Luftschiffes „L. Z. 129" erfahren. Tagung des Floltenbundes deutscher Frauen. In Bad-Elster (Vogtl.) hielt der dem Reichsbund deutscher Seegeltung angeschlossene Flottenbund deutscher Frauen seine 16. Mitgliederversammlung ab. Der Jahresbericht der Bundesführerin Frau Maria Fröhlich, ergab einen klaren Ueberblick über die Verdienste, die sich der Verband durch seine Arbeit um Stärkung deutscher Seegeltung erworben hat. Staatsrat Admiral von Trotha entwickelte als seine Aufgaben die Zusammenfassung aller an deutscher See- und Weltgeltung mitschaffenden Kräfte im Dritten Reich. In die- sen Aufbau gehören Schiffahrt, Wirtschaft, See- städte, die alten Marineverbände sowie der Deutsche Flottenverein. Von dieser breiten Grundlage aus soll Sinn und Verständnis für Deutschlands Anteil auf dem Weltmeer geweckt werden. Hier wird auch der Flottenbund deutscher Frauen, mit seiner Arbeit einsetzen. Die Tagung wurde durch einen packenden Vortrag vom Admiral a. D. P r e n- z e l beendet. Trauriges Ende eines Menschenfreundes in USA. Der 50 Jahre alte John S o m n e r, der Sekretär der berühmten Bowery, eines Obdachlosenasyls des christlichen Vereins junger Männer, das eine Zu- Großer Erfolg der Berliner Iimkausstellung Mehr als 300000 Besucher. — Reiche Aufträge der Funkindustrie für Geräte in allen Preislagen. s”"' Oetker j vauernfleiß- Puddingpulver aua deutschen Rohstoffen in bewährter Detter.Qualität! vanille. o.Manücl-He/chmack -1 Päckchen 8 Psg. SEjS? Hungersnot im Brotland Son unserem ständigen N.-Äerichterstatier. Am Mittwoch wurden nach einer dreitägigen Verlängerung die Tore der 11. großen Funk- a u s st e l l u n g endgültig geschlossen. Die Ausstellung hat den st ä r k st e n Besuch aller bisherigen Funkausstellungen gehabt. Lieber 300000 Besucher konnten gezählt werden. 108 Sander z ii g e, überwiegend vom Reichsoerband deutscher Rundfunkteilnehmer organisiert, und mehrere hundert Gesellschaftsfahrten mit Bahn und Omnibus brachten die Ausstellungsbesucher aus allen Teilen des Reiches nach Berlin. Dieser schöne Erfolg bestätigt das immer noch wachsende Interesse aller Kreise der Bevölkerung am Rundfunk. Sie bestätigt auch erneut die Tatlache, daß das Rundfunkgerät kein technischer Luxus-Apparat mehr, sondern ein Bedarfsgegenstand des täglichen Lebens geworden ist. Rückkehr der amerikanischen Flotte in den Stillen Ozean. Washington, 2g. Aug. (DNB.) Die Flotten- leitung hat die Rückkehr der gesamten Hochseeflotte der Vereinigten Staaten vom Atlantischen in den Stillen Ozean auf den 29. Oktober angesetzt. Die Flotte wird nach mehrwöchigen Manövern in der Nähe von Kuba und des Panamakanals am 23. November in St. Diego erwartet. Marineminister S w a n s o n und der Chef für Seeoperationen, Admiral Stanley, haben die Empfehlungen des Marineamtes gebilligt, wonach in dem am 1. Juli 1935 beginnenden Finanzjahr 24 neue Kriegsschiffe auf Stapel ge- I c g t werden sollen. In dem neuen Programm sind zwei Kreuzer und ein Zerstörerflotillenführer mehr vorgesehen, als Admiral Stanley ursprünglich empfohlen hatte. Bücher führender Nationalsozialisten in Polen verboten. Thorn, 29. Aug. (DNB., Dos Thorner B u r g g e r i ch t hat in einem Urteil vom 24. August auf Grund des Artikels 170 des Strafoodex (öffentliche Verbreitung falscher Nachrichten, dis öffentliche Beunruhigung Hervorrufen können) eine Reihe von deutschen Büchern beschlagnahmen und o e r b t e t en lassen. An der Spitze dieser Liste steht das beste Buch über den Führer „Mit Hitler in die Macht" von Dr. Otto Dietrich, dem Reichspressechef der NSDAP. In Polen stehen schon seit einiger Zeit Hitlers „Mein Kampf" und „D e r M y t h o s d e s 2 0. Jahrhunderts" von Alfred Rosenberg auf der Verbotslifte. — Das Urteil des Thorner Burggerichts wird in Zeiten der deutfchpolnifchen Verständigung in Deutschland einiges Kopfschütteln Hervorrufen. Es kann jedenfalls festgestellt werden, daß in Deutschland keine Bücher über Marschall Pilsudski verboten sind. mandschurischen Grenze leben satte, zufriedene Menschen. Sie bilden den Stamm der kommenden Kriegsgeneration gegen d i e gelbe Macht. Ihnen geht es gut... Aber das übrige Land? In ihm hält der Todesengel mit geschwollenen Leibern, Hungertyphus und Erschöpfungstod schon heute reiche Ernte. schreibt darüber u. a.: Heute hat sich Oesterreich Italien zugeneigt. Trotz der neuen Orientierung hat Oesterreich nicht aufgehört, hitleristisch zu sein. In den Augen der bürgerlichen und bäuerlichen Massen in Oesterreich besitzt Herr von Papen, der deutsche Gesandte, einen viel höheren qualitativen Wert, als Schuschnigg und die ganze Regierung. Wenn sich in Oesterreich durch Zufall ein Hitlerblatt findet, so wird es im geheimen eifrig gelesen. Besonderer Sympathien erfreut sich Hitler-Deutschland unter der Jugend. Vor einigen Tagen wurden zwei Burschen wegen bewaffneter Teilnahme an der Revolte zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde durch den Strang d o II ft r e cf t. Als die beiden Verurteilten an der Richtftätte standen, trat an sie der Henker in Zylinder und schwarzen Handschuhen heran. Er reichte jedem von ihnen die Hand und sagte: „Verzeiht mir, ich erfülle nur meine Pflicht!" .. Beide zogen die Hand zurück. Der Priester begann ein Gebet zu sprechen, er erlitt einen Nervenanfall und brach das Gebet ab. Einer der anwesenden Polizisten stöhnte auf und fiel um. 8 Minuten später war Saurein tot. Nach weiteren 7 Minuten lebte auch Unterberger nicht mehr. Der Henker warf ihnen seine schwarzen Handschuhe vor die Füße ... Es ertönte das Geräusch eines auf die Erde fallenden Gewehrs. Einer der Soldaten war vor Aufregung ohnmächtig geworden. Gefängnispriester, Soldaten und Polizisten sind keine empfindsamen Menschen Sie haben wiederholt den Tod gesehen. Man kann aber daraus erkennen, daß sie im Grunde ihrer Seele mehr Sympathie für die Verurteilten empfinden als für die Gerichte, da sie diesen Verurteilten näher sind. Ob nicht das an den Galgen gehängt wurde, was die Verkörperung ihrer tiefsten und geheimsten Wünsche war? Und deshalb glauben wir nicht an Oesterreich. Oie Abstimmungsgerichie für das Gaargebiei Genf, 29. Aug. (DNB.) Das Völkerbundssekretariat gab die Namen der für die 21 b ft im- mungsgerichte ernannten Richter bekannt, mit dem Hinweis, daß die Richter ihre Tätigkeit schon am 1. September beginnen. Für bas 2lb ft immun gsober geriet sind ernannt worden: Als Präsident der Italiener B i n d o Galli, erster Präsident des Appellationsgerichts in Genua, als Vizepräsident der Irländer James Meredith, Rrichter am Obersten Gerichtshof Irlands; als Richter ein Portugiese, zwei Schweizer, ein Schwede, ein Spanier, ein Norweger; als Untersuchungsrichter der Luxemburger Jean Wester, Gerichtsrat am Obersten Gericht in Luxemburg; als Generalstaats- anroalt der Italiener Giuseppe Martina, früherer Vizedirektor der Rechtsabteilung in Oberschlesien und Staatsrat; als stellvertretender General st aatsanwalt der Luxemburger L6on Hammes, stellvertretender Generalstaatsanwalt in Luxemburg; als G e r i ch t s s e k r e t ä r der Italiener Pietro Barucci; als beigeordneter Gerichtssekretär der Italiener Umberto Cullotti, war, daß das Gericht ihn jedoch in der ordentlichen Sitzung vom 15. August — Aktenzeichen 4 XIII 108/34 — abgelehnt hat. Dem zuständigen italienischen Konsul ist auf feine Anfrage dieser Sachverhalt bereits amtlich mitgeteilt worden. Damit sind diese ausländischen Tendenzmeldungen als u n - Die Nachrichten vom Lande lauten von Mal zu Mal ernster. Mehrere Privatbauern haben da irgendwo gestreikt — und als Strafe muß nun die ganze Eigenbauernschaft 50 v. H. mehr Getreide ab liefern, als bisher vorgesehen war. Ob sie es kann — danach wird nicht gefragt. Sie muß! „Schon lange ist sie eine förmliche Plage für das Regime! Hält noch immer am Eigenen fest, wo schon längst nur noch der Kollektivitätsgedanke herrscht, hat einfach die Revolution verschlafen. Jetzt wird es ein Erwachen geben!" Denn diese Maßnahme bedeutet die endgültige Vernichtung der Privatbauernschaft, die mit ihrem Beispiel nur die anderen angesteckt hat. Und diese anderen? Die „Jswestija" sagen offen, daß die Leiter der Kollektiven, die Direktoren der staatlichen Farmen und die von der Regierung eingesetzten Leiter der Traktorenstationen gleichermaßen den Staat betrogen haben. In Mittelasien überwiegen die Verluste die an den Staat abzuliefernden Mengen, in der Ukraine wird der Drusch bewußt hinausgezogen, in Dnjeprope- trowsk wurden große Mengen an die Kollektiv- Mitglieder als „Vorschuß" verteilt, im Schwarzerdegebiet haben Dutzende von Staatsfarmen die Ernteerträge bewußt zu niedrig angegeben, im Kaukasus betragen die Verluste bis zu 40 v. H. der Erträge, im Charkvwer Gebiet fehlen 300 000 Säcke, im Bezirk Woronesch müssen die Bauern fünf Tage Schlange stehen, bis sie ihre Tribute an den Staat loswerden können, der weder für Wiegevorrichtungen, noch für ausreichende Speicher, noch für ine nötigen Abnahmebeamten gesorgt hat. — Und mit ähnlichen Berichten könnte man Seiten über Seiten füllen. Dqs Ernährungsproblem ist ernster denn je zuvor. Der Fleischbereitstellungsplan ist im ersten Halbjahr nur — zu 12,7 v. H. erfüllt worden, die Dürre hat überall unermeßliche Schäden angerichtet und mit ihren katastrophalen Folgen wetteifern Schlamperei, Unfähigkeit, Faulheit, Bürokratismus. Die Sowjets können mit ihrem Agrarproblem einfach nicht fertig werden. Und wieder werden deshalb Millionen Hungers sterben. Nur ein Gebiet ist von der allgemeinen Not um mehrere Stufen getrennt: der Ferne Osten. Dort merkt man nichts von dem Hunger im Brotland Europas. General Blücher, der Diktator des Fernen Ostens, hat sich von Moskau unabhängig gemacht. Er hat es verstanden, das beste Bauernmaterial, das aus dem Zentralgebiet aus- aewiefen wurde, nach O st f i b i r i e n zu ziehen. Dreijährige Steuerfreiheit, unentgeltliches Saatgut, zinslose Kredite, billige Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände und anderes mehr wird den Bauern zur Verfügung gestellt, die Blüchers Siedlungsprogramm durchführen helfen. Im Küstengebiet, am Baikal, am Amur und längs der ziemlich gleichmäßig auf alle Preislagen und auch über alle Teile des Reiches. Nach neuesten Feststellungen find heute etwa 32 v. H. aller deutschen Haushaltungen im Besitz eines Rundfunkgerätes. Gemessen an den Zahlen des Auslandes — sie lauten für England auf 48 und für Amerika auf 56 v. H. — wird die Aufnahmefähigkeit in Deutschland mit etwa 60 v. H. angenommen. Oer erste deutsche „Radiozug". Anläßlich der Berliner Funkausstellung hat soeben die Reichsbahn einen ihrer Züge für den Einbau von Lautsprecheranlagen frei- gegeben. Es sind die Funkwarte der bayrischen Ostmark gewesen, die diesen Zug für die Fahrt nach der Reichshauptstadt benutzten und ihn zu einem wahren Musikzug ausbauten. Dieser erste „Radio- zug" bestand aus vierzehn Personenwagen, dem man einen fünfzehnten anhängte. In diesen überzähligen Wagen wurden zwei Zwanzig-Watt-Ver- ftärfer eingebaut die Stromversorgung erfolgte aus Batterien und Umformern für jeden Verstärker getrennt. Von hier aus wurden die Leitungen nach beiden Richtungen durch den Zug gelegt. Und dann baute man in jeden der offenen Durchgangswagen Zwei Lautsprecher ein, die stark genug waren, um alle Fahrgeräusche zu übertönen. Das Mikrophon und einen Schallplattentisch hatte man in dem Verstärkerwagen — in der Mitte des Zuges — aufgestellt. Und nun begann es: zur Unterhaltung der Reifenden wurden während der Fahrt Schallplattenübertragungen veranstaltet; daneben rief man auch mitreisende Volkssänger und sonstige Künstler vor das Mikrophon. Diese Lautsprecheranlage im Eisenbahnzug hat sich glänzend bewährt. Der Verstärkerwagen wurde auch schon bald nach der Abfahrt des Zuges sozusagen zur Kommandobrücke der ganzen Reisegesellschaft; von hier aus konnten in be- erfahren wir, daß es sich bei diesen Festgenommenen um ausländische Kommuni st en handelt. Vier Engländer, zwei Franzosen und drei Spanier waren nach Berlin gekommen, um Thälmann zu besuchen. Dies wäre allerdings kein Grund zu ihrer Festnahme gewesen, sie hatten aber in ihren Koffern Werbe-Plakate und kommunistische Schriften mitgebracht und die Gelegenheit beim Baden benutzt, eine Anzahl dieser Plakate an den Bäumen im Grünewald aufzuhängen. Ein Teil dieser Plakate trug das Bild von Thälmann uifb war unterzeichnet: „Befreiungskomitee für Thälmann" ufro. 3 01 geworden. Nachdem Reichsminister Dr. Goebbels bei Eröffnung der Ausstellung am 17. August die Auflage des achten die Staatsgewalt" feftgeftellt, erfolgen gen, Einkerkerungen, Verbannungen, schließlich das „Höchstmaß der Strafe" ... düng: die „physische Vernichtung". Sie sind Untersuchungsrichter, Gericht und Vollstreckungsbeamte in einer Person — denn das Menschenleben gilt nichts, gar nichts mehr, wo es sich um die Frage dreht, ob GPU. und Rote Armee, Behörden und Partei, städtische Arbeiter und Angestellte im kommenden Winter zu essen haben werden. Wohlgemerkt: Um die 120 Millionen Bauern handelt es sich nicht im geringsten — nur um die Stadt, um die Anhänger des Regimes! weiter... iem Wettervoraussage. Die Sterbehause, Kornblumenstraße 44, aus statt. 5029 D Wer Brille trägt [Vermietungen"] 3 Reklame-Kaffees 1/4 Pfd. 1/4 Pfd. 1/4 Pfd. Reiseinspektor * Gießen, Mäusburg 5 50 10 V ao »Ile, Tellz. 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Gm.H., Gießen fluchtsstätte für Tausende von obdachlosen Neu- norkern bildet, ist auf traurige Weise ums Leben gekommen. Ein Restaurationsangestellter namens John Caig, der für die Nacht Unterkunft suchte, hatte an Mister Somner einen Dollar bezahlt. Er behauptete, er habe 50 Cent Wechselgeld zu wenig zurückerhalten. Es gab einen Wortwechsel, der in Tätlichkeiten überging; plötzlich krachten zwei Revoloerschüsse: Somner brach tot zusammen. Die Polizei erklärt, daß Caig zugegeben hat, die Schüsse abgefeuert zu haben. Verhängnisvoller Irrtum auf der Wildschweinjagd. Ein Landarbeiter versehentlich erschossen. In der Gemarkung der pfälzischen Gemeinde Carlsberg ereignete sich ein tödlicher Jagd- Unfall. Der verheiratete landwirtschaftliche Arbeiter Josef Wolf wurde von dem in Hertlingshausen wohnhaften Georg Noll, der sich auf der Jagd befand, durch einen Schuß tödlich getroffen. Noll spürte seit einigen Tagen einem Wildschwein nach. Als der Arbeiter Wolf am frühen Morgen in die Wiesen gehen wollte, um mit dem Mähen zu beginnen, glaubte Noll, das Wildschwein vor dem Gewehr zu haben. Wolf sank sofort tödlich getroffen nieder. Leichtsinniger Radfahrer tödlich verunglückt. Immer wieder wird davor gewarnt, daß sich Radfahrer, um schneller vorwärts zu kommen, a n La st wagen anhängen. Ein schwerer U n - glücksfall ereignete sich wieder durch diese Unsitte in Andernach am Rhein. Mehrere Jungens aus Bad Godesberg, die sich auf einer Ferienradtour befanden, hatten sich an den Anhänger eines Traktors angehängt. In Andernach bog der Lastzug an einer Straßenkuroe scharf nach rechts. Dabei wurde einer der Radfahrer, ein dreizehnjähriger Junge, gegen den Bordstein gedrückt. Er fiel so unglücklich, daß die Räder des schwer beladenen Wagens über ihn hinweggingen. Der Tod trat schon nach kurzer Zeit ein, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war. Verhängnisvolles Spiel mit dem Papierdrachen. — Drei siebenbürgifche Kinder ums Leben gekommen. In dem fiebenbürgischen Bergwerksort Petr o s z e n i ließ ein dreizehnjähriger Junge einen Drachen [teigen, der an einer Drahtschnur befestigt war. Der Draht/berührte eine Hochspannungsleitung. Der Junge und zwei Spielkameraden, die de« Draht in den Händen hielten, wurden vom Strom getötet. Personenauto rast gegen einen Baum. — Ein Toter, zwei Schwerverletzte. Auf der Staatsstraße Plauen—Oelsnitz in der Nähe von Oberlosa ereignete sich ein schwerer Kraftwagenunfall. Die Gattin eines Plauener Arztes war mit ihrem Kraftwagen in Begleitung ihres Schwagers, dessen Frau und eines Herrn aus Garmisch-Partenkirchen auf der Fahrt nach Bad Elster. Auf der nassen Straße kam der Wagen ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Die vier Insassen wurden auf die Straße geschleudert und drei von ihnen, darunter die beiden Damen, schwer verletzt. Der Schwager der Fahrerin ist inzwischen seinen schweren Verletzungen erlegen. Seine Gattin schwebt in Lebensgefahr. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Wringmaschinen mit 5 Jahren Garantie, sehr billig bei »essa J.B. Häuser i\ Am Oswaldsgarten I3k Gießen, Ruf Nr. 2145/2146 3% Rabatt i# Morbo« . ewigen.) I Giiler Meter sucht 3-4-Zimm.-Wohn. in guter Lage. Miete ev. voraus. Schrift!. Angebote unt. 4876V an den Gieß. Anzeig. Junger Radio-lechniker firm in allen Reparaturen/ bewandert im Umgang m d. Kundschaft von Grotz- bandlg. sof. ges. Schr. Ang. unt. 5Q18v a. d.G.A. KAI SERS Ä Photofreunde! Haben Sie Lust und Freude am Entwickeln und Kopieren? Dann machen Sie das ruhig selbt. Die Einrichtung bekommen Sie für wenig Geld bei mir und ich stehe Ihnen mit meinem fachmännischen Rat auch immer zu Verfügung. 5012A Verschiedene Entwickler, die besten Papiere, sowie auch Schalen, Kopierrahmen und Tankentwickler, alles zeige ich und erkläre es Ihnen gerne. 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Damit ist ein neuer entscheidender Schritt zur Verwirklichung des Zieles der Arbeitsfront, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit ihren auseinanderstrebenden Interessen zusammenzuführen, getan. Ist die Zeit der Bewährung der Rechtsberatungsstelle auch kurz, so haben die bisherigen Erfahrungen doch bereits die Möglichkeit und Richtigkeit dieses Weges voll bestätigt. Während bei früheren Streitigkeiten die Parteien sich auseinanderredeten und so die Gegensätze sich verschärften, sehen die Rechtsberatungsstellen ihre vornehmste Aufgabe darin, in ausgleichender Form nach Möglichkeit eine unmittelbare Bereinigung der Streitfälle zwischen den Beteiligten herbeizuführen. Die Erfolge sind so durchschlagend, daß ein großer Teil der Fälle, die früher vor den Arbeitsgerichten behandelt wurden, bereits durch die Rechtsberatungsstellen beigelegt werden. Die Rechtsberatungsstellen sind allein zuständig für alle Fragen, die das Arbeitsverhältnis oder Ansprüche an die Sozialversicherung betreffen. Sie beraten und vertreten vor dem Arbeitsgericht und den Instanzen der Sozialversicherung nur Mitglieder der Arbeitsfront, sei es, daß sie ihr korporativ oder als Einzelmitglieder angehören. Die Rechtsberatung erfolgt getrennt für Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder. Es find deshalb an fast allen Rechtsberatungsstellen besondere Rechtsberater für Betriebsführer (B.-Vertreter) und besondere Rechtsberater für Gefolgschaftsmitglieder (G.-Vertreter) vorhanden. Die beiderseitigen Rechtsberater find aber nach Möglichkeit räumlich zusammengefaßt, um jederzeit in gemeinsamen Bemühungen und durch Zusammenführung der Parteien in unmittelbarer Aussprache zwischen ihnen Streitfälle gütlich beizulegen. Der Betriebsführer ist also im gleichen Maße, wie die Gefolgschaft in der Lage, sich in den regelmäßigen Sprechstunden, oder in dringenden Fällen auch außerhalb der Sprechstunden bei dem für ihn zuständigen Rechtsberater Rat und Auskunft zu holen, oder sich von ihm vertreten zu lassen. Soweit vereinzelt an kleineren Orten Nebenstellen mit nur einem Rechtsberater für Arbeiter und Angestellte eingerichtet worden sind, werden die Betriebsführer dieser Orte von dem B.-Vertreter der nächstgelegenen Hauptstelle mitbetreut. Diese B.-Vertreter werden auch jederzeit die auswärtigen Betriebsführer auf Anruf gerne aufsuchen, um ihnen soweit sie nicht in der Sprechstunde erscheinen können, gleichfalls die Rechtsberatung zu erleichtern. Die Zusammenarbeit zwischen den Rechtsberatern Gesetzliche Gesellen-Prüfung -er Glaser-Lnnung Stadt und Kreis Gießen. Anmeldung bis zum 3. Sevt. 34 bei dem Unterzeichneten. Lehrvertrag und Prüfungsgebühren 6 RM. sind mitzubringen. 5015D Karl Luh, Gießen, Neuenweg 30 KAISER S. Haben Sie offene Füße Schmerzen ? Jucken ? Stechen ? Brennen ? Dann gebrauchen Sie dreseltUrzehntenvorzliglich bewahrte fchmerzstillende Heilsalbe ßenfütitt Erhältlich in den Z/^UIIUUII . Apotheken. 1026v für Betriebsführer und Gefolgschaft, wie auch ihre Schlichtungstätigkeit selbst hat sich so bewährt, daß in der Tat die Arbeitsgerichte nur noch in geringem Umfange in Anspruch genommen werden. Das gleiche ist im einzelnen von der hiesigen Rechtsberatungsstelle zu sagen. Betriebsführer wie Gefolgschaftsmitglieder bedienen sich ihr gleichermaßen mit vollem Vertrauen auf sachkundige Beratung und Vertretung. Die Geschäftsstelle befindet sich m Nieder- Ohmen, Kirschgartnerstraße 15, Telephon Mücke 57. Sprech st unden des Rechtsberaters Pg. Otto Hartmann: Montag bis Samstag, von 15.30 bis 19 Uhr, außer Mittwochs, wo dieselben von 15 bis 18 Uhr auf der Kreisleitung, Luther- straße, stattfinden. Sprech st unden der Geschäftsführun- gen: Montag bis Freitag von 8.30 bis 13 Uhr und von 15.30 bis 19 Uhr, Samstags von 8.30 bis 13 Uhr. In dringenden Fällen kann auch während der übrigen oben angeführten Geschäftszeit die Rechtsberatungsstelle jederzeit in Anspruch genommen werden. Die hiesige Rechtsberatungsstelle ist zuständig für die Kreise Alsfeld und Lauterbach. Ehe jedoch die Rechtsberatungsstellen in Anspruch genommen werden, muß zunächst grundsätzlich im Betrieb versucht werden, auftauchende Streitigkeiten zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft unter Hinzuziehung des Dertrauensraies zu bereinigen. Heil Hitler! Kreisrechtsberatungsstelle der DAF. des Kreises Alsfeld. Hartmann, Rechtsberater. Eine tapfere Frau. Seit zwei Jahren tobt in dem Gran Chac 0 - Gebiet Südamerikas wegen des dort vorhandenen Petroleums ein heftiger Krieg zwischen Bolivien und Paraguay. Eine deutsche Frau, die sich als Krankenschwester auf dem Kriegsschauplatz betätigte, hatte in einem der Blockhäuser, die in dem sogenannten Niemandsland errichtet waren, ein regelrechtes deutsches Feldlazarett eingerichtet, in dem Verwundete oder Kranke der beiden sich bekämpfenden Armeen ausgenommen und behandelt wurden. Eines Tags erschien ein bolivianischer Unteroffizier, der mit seiner Mannschaft das Blockhaus einfach besetzen wollte, obgleich es an der Roten Kreuz-Flagge als Lazarett zu erkennen war. Er brauchte es, wie er behauptete, als militärischen Stützpunkt gegen die Paraguayer. Als die deutsche Leiterin mit Verhandlungen ihn nicht von feinem Vorhaben abbringen konnte, bot sie ihm — vor seine versammelten Mannschaft — einige kräftige Ohrfeigen gn. Darauf war der Kriegsmann nicht gefaßt gewesen. Er zog stillschweigend mit seiner Truppe ab und seitdem wurde der Friede des Lazaretts nicht wieder gestört. „Bei den Dominikanern Es wird nicht nur gewalzt und Geige gespielt in Wien, unter den Praterbesuchern gibt es auch Leute, die keinen Pfennig in der Tasche mehr haben, und denen es von der schmeichelnden Musik irgendeiner Wiener Kapelle recht wehmütig ums Herz wird. Ein solch armer Schlucker konnte neulich abend den Hunger nicht länger ertragen, er tritt an einen Spaziergänger heran und fragt ihn bescheiden, wo man in Wien für umsonst essen kann. Der Angeredete weiß sogar Bescheid und schickt den hungrigen Mann „zu den Dominikanern". Der hungrige Mann folgt der weisenden Hand und wendet sich nach rechts, nach links, wie ihn der freundliche Herr geheißen hat. Richtig, bald steht er vor einem Schild: „D o m i n i k a n e r k e l l e r". Er wundert sich ein wenig über die vornehme Aufmachung, geht aber beherzt durch die prächtig ausgestatteten Räume und läßt sich an einem Tischchen nieder. Zwei Kellner bemühen sich um ihn, empfehlen ihm das Beste vom Besten, und der hungrige Mann sagt strahlend zu allem Ja. Er ißt Suppe, Forelle, Schweinskotelett und Salate, trinkt eine Flasche Rotwein und schleckert schließlich eine wundervolle Schlagsahnentorte herunter. „Alles für umsonst" denkt er, „die Dominikaner sollen leben!" Dann kommt allerdings ein Kellner und bringt d i e Rechnung. Der Gast protestiert heftig und beruft sich auf den Fremden im Prater. Der Kellner will den Mann aber nicht verstehen und läßt den „Zechpreller" kurzerhand verhaften. Bei der Verhandlung erklärt der Richter dem schwer Getäuschten, daß er d i e Haustüren v e r w e ch s e l t habe. Natürlich, die Dominikaner, nämlich die Mönche, geben täglich unentgeltlich an arme Leute Suppe und Brot aus. Er aber, der hungrige Mann, fei an ft att zum Kloster in das Speise- lokal gleichen Namens geraten, das zu seinem Unglück besonders exklusiv sei. Trotzdem sich der Angeklagte einmal satt gegessen habe, ohne etwas dafür zu bezahlen, solle er aber freigesprochen werden, denn er, der Richter, glaube ihm, daß es sich tatsächlich um eine Verwechsung gehandelt habe. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHI Gesucht 1.1. Sept. 2 möbl. Zimmer m.Küchenbenutz. von Ehepaar mit Kind.Wäsche vorhanden. Schriftl. Angeb. u. 5009V andenGieß.Anz. 111111111111111111111111111111 Und den Besitzer des „Dominikanerkellers" erinnert der menschenfreundliche Richter an das berühmte goldene Wiener Herz, das doch nicht eines unbezahlten Menus wegen einen Sprung bekommen soll und meint, der Betrieb bestünde ja wohl trotz- IZiumitKüche inderStadtmitte an ein». Person z.v. Schr.Ang.u. 04192 a.d.G.A. [ Kaufgesuche | Kaufe Geschäitshaas am Seltersweg. Schriftl. Angeb. v. Hausbesitzern unter 04191 an d. Gieß. Anzeig. 2 Fenster 2 Türen gebraucht,gut erhalten, zu kaufen gesucht. Schriftl. Angebote unter O4195 and. Gieß. Anzeiger erbet. [Verschiedenes] 4-Warzen a.läst.Haare, Leberfleck., Muttermal, Narben, Pickel, Sommerspross. usw. entf. u. Gar. f. immer. 12Jahre Praxis. Frau B. Gulden. Svrechst.^reitag Gießen, Binden- burgwall 15, 8—7 Uhr durchgehend. ZwecksBekümpsungoer Schwarzarbeit können Arbeits-Ange- bote von Handwerkern nur mit NamenSnen- nung u. unter Vorlage desGewerbenachweiseS ausgenommen werden. desGiebenerS?nzeigers iliiliiiiiiiiiiiililiiiiiiliiliillliilililiiiiiillillilillilii Ausnahme-Angebot I Solange Vorrat reicht: Schlutuper Bratheringe o.K., neue Ware l-Liter-Dose(6-8 St. Inh.) KK 5026D) anstatt 68 Pf., nur JJPf. Fr. Seefische, tägl. fr.Räucherwaren empfiehlt Mänsburg 15, Tel.3612 11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111 heiterung. Aussichten für Freitag: Dunstig und bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, mäßig warm, vereinzelt leichte Niederschläge. Aussichten für Samstag: Noch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 29. August: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 14,2 Grad: am 30. August: morgens 10,7 Grad. Maximum 20,2 Grad, Mini- mum 8,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. August: abends 17,5 Grad; am 30. August: morgens 14,8 Grad — Niederschläge 0,3 mm, —> Sonnenscheindauer 0,3 Stunden._______________ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Sange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Heute morgen 3% Uhr entschlief sonst nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Äruder, Schwager und Onkel Heinrich Lindenstruth II., Weißbindermeister im Alter von 74 Fahren. 3m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christine Lindensiruih, geb. Soffer. Wieseck, Gießen, den 30. August 1934. Oie Beerdigung findet Samstag, den 1. September, nachmittags 3 Llhr vom Friseuse alt., tüchtig, ges. zur evtl. Einhei- Tat.Off.u.F.G.lOO vostl. Cölbe bei Marburg. 04i85 Ordentliches Maten weg. Erkrankung d. jetz. Mädchens m eins.Haushalt sofort gesucht. Alter 18-21 Iah. 04198 Wartweg 98 Halötagsmädchen von 9-3 Uhr für Hausarbeiten gesucht. Schr. Angebote m. Lohn- ansprüchen unt. o021D an den Greß. Anz. erbet. Mietgesuche | 111111111111111111111111111111 3 Wohnungen zu 2V2-3 Zimm, und Küche zum 1. od. 15. 10. 34 gesucht. Preis br zu 50 RM. Schr. Ang. unt. 5025D an den Gß. Anz. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHI Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstraße 6 Tel. Nr. 3888. Schriften kostenlos Bei Nieren-, Blasen-und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker Frequenz 1 9 3 3: 1 7 200 lk. 202 Zweiter Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)Donnerstag, 30. August (93^ 19 Uhr: Aufstellung der 50 000 Hitlerjungen im Stadion. 20.30 Uhr: HI.-Großkundgebung. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach spricht. 1000 HJ.-Fahnen werden geweiht. Großer Zapfenstreich der 1000 Spielleute. 22.30 Uhr: Rückmarsch der 50 000 mit Fackeln zum Lager. 21 Uhr: Große Abendfeier der 50 000 Pimpfe im Jungvolklager. 23 Uhr: Der Reichsjugendführer im Jungvolklager. Sonntag, 2. September: 7 Uhr: Die ersten der 100 000 eröffnen den Vorbeimarsch vor dem Reichsjugendführer am Eisernen Steg. Ab 16 Uhr: Besichtigung der Ausstellung und Beginn des Rücktransportes. An alle Arbeitgeber der Hitler-Jugend des Gebiets 13. Die Gebietsführung der Hitlerjugend veröffentlicht folgenden Aufruf: „Am kommenden Samstag und Sonntag werden 100 000 Hitlerjungen in Frankfurt a. M. zu ihrem ersten Gebietstreffen aufmarschieren. Bereits am Freitag müssen die Jungens sich in Marsch setzen, um dem Aufmarschbefehl gemäß einzutreffen. Jeder der Jungens brennt darauf, an diesem einzigartigen Erlebnis teilzunehmen. Roch nie hat Deutschland einen derartigen Aufmarsch erlebt. Es darf keinen Arbeitgeber geben, der seinen Lehrlingen die Möglichkeit nicht gibt, nach Frankfurt zum Gebietstreffen zu kommen, auf daß die Losung des Tages der 100 000 in die Tat umgesetzt werde: Marschierender Wille! Junge Kraft! Sozialistische Tat! Wir erwarten, daß jeder Arbeitgeber seinen Lehrlingen für die Teilnahme an dem großen Gebietstreffen ausreichend Freizeit gibt. Denn keiner darf fehlen an dem lag des großen Bekenntnisses zur deutschen Schicksalsgemeinschaft." Den 100000 zum Gruß! LPD. Frankfurt, 29. Aug. Zum Gebiets- aufmarsch der HI. am kommenden Samstag und Sonntag erläßt Präsident Dr. Carl L ü e r folgenden Aufruf: Euch, Hitler-Jungens, die Ihr von nah und fern zur alten Reichs- und Krönungsstadt geströmt seid, rufe ich ein herzliches Willkommen zu. Das Wort von Pg. Dr. Goebbels: „W er die Zukunft hat, der hat die Jugend!" stellt Ihr durch Eure Tagung, die mir zu diesem Gruße Anlaß gibt, von neuem eindrucksvoll unter Beweis. Dafür gebührt Euch der Dank aller schaffenden Volksgenossen. Vermag doch keine Kraft der deutschen Wirtschaft stärkeren Auftrieb zu verleihen als die Gewißheit, daß die Besten unserer Jugend am Werke sind, des Reiches Neubau fortführen zu helfen und dereinst zu vollenden! Gez. Prof. Dr. Carl L ü e r , Präsident des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages, Reichsführer des Handels. Geleitwort des Landesbauerniührers. LPD. Frankfurt a. M., 29. August. Landesbauernführer Dr. Wagner veröffentlicht zum Gebietsaufmarsch der HI. folgenden Beitrag: In diesen Tagen, am 1. und 2. September 1934, wird die altehrwürdige Stadt Frankfurt widerhallen von den Marschtritten unserer Hitlerjugend. Disziplinierte Jugendkrast, beseelt von einem großen nationalen und sozialen Willen wird am Tage der Hunderttausend uns allen das stolze Bewußtsein geben, daß die deutsche Jugend aller Schichten und Stände aus Stadt und Land zum Segen unseres Vaterlandes den Weg zu der großen Gemeinschaft aller derer gefunden hat, die in starkem Verantwortungsbewußtsein heute das Schicksal der Ration auf den Schultern tragen. Noch nie hat im Laufe unserer deutschen Geschichte unsere Jugend so fest und so geeint dagestanden. Noch nie ist ihr junger Lebenswille so sehr über sich selbst hinausgewachsen zu dem Willen einer großen Schicksalsgemeinschaft, welcher als bewuhtgewordenes deutsches Blutsgefühl das Leben der Nation mit dem eigenen Leben auf immer verbinden und verketten will. Daß diese Kraft und dieser Wille nie mehr aus- sterbe, daß er vielmehr stets bewußter und überzeugender werde, möge allen denen, die am Tage der Hunderttausend das Gemeinschaftserlebnis deutscher Jugend haben dürfen, zum innersten und besten Eigentum werden. Der in den marschierenden Kolonnen verkörperte Gedanke von Blut und Boden als höchster symbolischer Ausdruck unseres Volkseins soll uns allen eine Mahnung sein, in gleichem Geist und gleicher Disziplin di- Mission unseres Volkes mit erfüllen zu helfen: Den Ausbau unseres nationalsozialistischen Dritten Reiches. Nie Ausstellung -er HZ. Frankfurt a. M., 29. Aug. (LPD.) Noch acht Tage wird auf dem Frankfurter Messegelände die große Ausstellung „Kampf und Sieg der H I." gezeigt. Aus der Gemeinschaftsarbeit von 30 Hitlerjungen entstanden, vermittelt die Schau einen überwältigenden Eindruck von dem unbedingten Willen zum Aufbau des neuen Reiches. In Geschlossenheit und Disziplin hat sich die Hitlerjugend hier ein beispielhaftes Zeugnis ihres Kampfes um die Gewinnung der ganzen deutschen Jugend geschaffen. lieber die Ausstellung urteilt der Gaupropagandaleiter Müller-Scheid: „Die Ausstellung „Kampf und Sieg der HI." habe ich mit wachsendem Interesse besichtigt. Die Ausstellung muß als mustergültig und erzieherisch unerhört wertvoll bezeichnet werden. Ich habe mit Staunen und tiefster innerlicher Genugtuung festgestellt, wieviel Fähigkeiten und schöpferische Kräfte in unserer Jugend lebendig sind. Ich beglückwünsche sie von ganzem Herzen zu diesem großen Erfolg." Gaupresseamtsleiter W o w e r i e s sagt: „Niemand komme und sage: „Ich weiß, was die HI. will!" oder „Ich kann mir denken, was eine Ausstellung der Hitler-Jugend bietet!" Lieber Volksgenosse! Nicht ich will deine bequeme Haltung und leichte Auffassung charakterisieren, denn du selbst wirst dich schämen und dein pharisäerhaftes Urteil bereuen, wenn du einmal durch die feierlichen Hallen dieser Ausstellung geschritten bist. Daß Jugend immer von himmelstllrmender Begeisterung erfüllt ist, gilt seit je für ihr gutes Privileg, daß eine Jugendgeneration aber ihre Ziele so fest völkisch-nationalpolitischer Zielsetzung stellt und sie zugleich so unübertroffen hoch in den Himmel eines neuen Volkes hängt, das ist neu, das ist das große Erlebnis dieser eindrucksstarken, von Fleiß und Fähigkeiten errichteten Sammlung des Gestern, Heute und Morgen unserer vom Verrat befreiten und durch solche ßeiftuna positiv denkbaren Jugend Adolf Hitlers. Zugleich spricht aus jeder Abteilung unbeabsichtigt, aber dem Einsichtigen erkenntlich, eine verdiente Anerkennung des rührigen Gebietsführers Kramer. Wohl tritt die Partei als Wegbahnerin zu all diesen herrlichen Möglichkeiten des neuen Jugendstrebens nur wenig in Erscheinung, fast etwas zu wenig, aber der Geist des Ganzen, der Gesamteindruck dieser nicht nur mit Fleiß und Fähigkeit, sondern auch mit Mut und Kraft zusammengestellten Sammlung ist eine erhebende Garantie des sicheren Weiterwachsens der Idee über Gräber und Generationen." Hiiler-Iugen- zeliei. „Prellen" — ein viel und gern geübtes Spiel. j > - < kz'M 3 v-. j D i 1 In diesem Sommer konnte man überall in deutschen Gauen die Zelte b er Jugend sehen. In schönen und schönsten Gegenden unseres deutschen Vaterlandes waren die braunen Spitzzelte errichtet, an Plätzen, wo die Hitlerjugend frisch und froh ihr Spiel trieb in körperlicher und geistiger Schulung. Diese Großtat sozialistischen Geistes der Reichsjugendführung, den deutschen Jungen für längere ober kürzere Zeit das Leben draußen in freier Natur zu ermöglichen, dieses Leben mit all feiner Schönheit, vermischt mit etwas Romantik, unabhängig von der Arbeit des Alltags, bot in diesem Jahr Tausenden und aber Tausenden deutscher Jungens Erholung. Der Lagerbetrieb wickelte sich in Zelten ab, denen selbst der stärkste Sturm oder Regen nichts anhaben konnte, die der nächtlichen Kälte widerstanden und gegen Bodennässe durch eine dicke Zeltplane geschützt waren. Die Zeltlager der Hitlerjugend bleiben noch bis in den Spätherbst hinein errichtet, die Lagermannschaft wird nach einer bestimmten Zeit abqelöft, so daß immer wieder anderen Jungens die Möglichkeit gegeben ist, in einem Zeltlager der HI. Erholung zu finden ober ben Urlaub unb bie Ferien zu verbringen. Eine wichtige Beschäftigung. Aufnahmen: Bildstellenleiter ber HI. Der Tag -er Hun-erttausen-. Am fommenben Samstag unb Sonntag steht Frankfurt im Zeichen ber Jugenb. 50 000 Jungvolk- jungen unb 50 000 Hitlerjungen kommen zusammen, um in einem riesigen Aufmarsch ber Welt bie Größe unb bie Macht ber deutschen Jugendbewe- gung zu zeigen, um im frieblichen Wettkampf bes Sports bie Kräfte zu messen, um in einer großen Kulturveranstaltung, an ber 2800 Jungen mitwir- fen, bie Schulungsarbeit ber HI. unter Beweis zu stellen unb um ben Reichsjugendführer Baldur von Schirach unb Gebietsführer Walter Kramer sprechen zu hören. Zwei Tage lang sieht Frankfurt einen Zelltagerbetrieb von solchen Ausmaßen, wie er im Gebiet Hessen-Nassau noch nicht beobachtet werden konnte. 3m Rahmen dieser ganzen Veranstaltung, dieses Bekenntnisses der Jugend an den Führer, dessen Namen sie trägt, sieht man auf dem Frankfurter Messestände die Ausstellung der jungen Generation: „Kampf und Sieg der Hitlerjugend", ein Argument des Kampfes, Den auch bie Hitlerjugend unter schweren Opfern ■ geführt hat. Reichsstatthalter Sprenger prägte : einmal das Wort: „Don ber Jugenb hängt es ab, □b bas ganze Volk, ob feine Besten als Ncllmnal- ivzialisten leben werden." Wir nehmen diese Worte auf als Symbol und Ausdruck unserer Haltung unb unseres Kampfes, immer eingebenf ber großen Aufgaben, bie uns gestellt find unb bie wir i,u erfüllen haben. Aus biefem Grunde wirb biefe Demonstration ber Jugenb am 1. unb 2. September burchgeführt, um zu zeigen, baß wir zu arbeiten verstehen, in Treue zum Führer. Deshalb fordern wir auch von jedem deutschen Volksgenossen, daß er dieser deutschen Jugend Verständnis entgegenbringt, daß er ihre Arbeit anerkennt und daß er mit ihr denkt und fühlt und dies darin zum Ausdruck bringt, daß er nächsten Sonntag in Frankfurt anwesend ist. Wer sich zur Jugend bekennt, bekennt sich auch zu Deutschland unb kommt beshalb zum „Tag ber Hunberttausenb", um sich ben Lagerbetrieb in ben beiben Zeltlagern am Ostpark unb Huthpark cmzu- sehen, um bie HI. zu sehen bei Spiel unb Sport im Stabion unb beim großen Fackelzug am Sarns- tagabenb. Die Führung bes Bannes 116. I. A.: Gez. Waag. Aufmarsch-Zolge für Öen Tag der 1OOOOO. Samstag. 1. September. 6 Uhr: Großes Wecken burch 3000 Spielleute in allen Stadtteilen. 8—11 Uhr: 1000 Hitlerjungen bei Sportwettkämpfen im Stadion. 11 Uhr: Eintreffen und Empfang des Reichsjugendführers 12.30 Uhr: 50 000 Hitlerjungen marschieren in drei Marschsäulen durch Frankfurt a.M. 16 Uhr: HJ.-Massensportfest im Stabion. Im Jungvolklager. Lagerleben ber 50 000 Pimpfe. Perfonaiveränberungen beim Gießener Gta-ttheater. Eine kleine Vorschau auf die kommende Spielzeit. Da in vier Wochen bie neue Spielzeit bes Gießener Stadttheaters beginnt, dürfte es interessieren, chon heute etwas über bie inzwischen eingetretenen Seränberungen im Ensemble unserer Bühne zu erfahren. Auf Grunb unserer persön- üchen Informationen bei ber Intendanz bes Stadt- ityeaters ergibt sich bas folgenbe Bilb: Der Spielkörper bes barstellenben Personals wirb durch eine Anzahl neuengagierter Kräfte lirgänzt, unb zwar würben verpflichtet: als Tenor jüir ben ausfcheibenben Herrn Fierment Herr Heinz Weiser vom Stabttheater Hanau für Oper unb Operette; an Stelle von Fräulein Maria Beling, He inzwischen zum Film überging, als Tanzsou- Hette Fräulein Hansi Salzmann vom Schu- nanntheater in Frankfurt a. M.; als Bariton für Oper unb Operette, sowie für bas Fach bes fingern ien Komikers Herr Franz V a 1t e n b e r g aus SBiesbaben; Fräulein Luise Decker aus Gießen, zuletzt in Heilbronn, für Oper unb Operette; als Bariton Herr Karl Tank aus Gießen, ber bereits in ber vorigen Spielzeit verschiebentlich im hiesigen Cnfemble mitwirkte Für bas Schauspiel würben neu verpflichtet: als jigendlicher Helb unb Liebhaber an Stelle von $ errn Michel Herr Will Q u a b f 1 i e g; als Bonvi- mnt an Stelle von Herrn Marcks Herr Karl Lud- dig ßinbt aus Schneibemühl, ber ein gebürtiger 2 armftäbter ist unb früher bereits an ben Bühnen im Darmftabt unb Frankfurt tätig war; als jugend- licher Komiker unb Chargenspieler Herr Heim Q ö b e l vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M. Mrsatz für Herrn Förderer); an Stelle von Frau Maria Koch als Charakterspielerin unb Helbin Frau ’Jiofe Stir! vom Schauspielhaus in Dresden; Frl. Lorie Pflug vom Schauspielhaus Frankfurt am Main, bie bereits in ber Freilichtaufführung von „ffias ihr wollt" als Viola auftrat, als muntere L ebhaberin unb Nawe. Bon ben aus bem alten Ensemble ausschei- benben Kräften würben verpflichtet: Frl. Sibylle Flemming nach Dresben; Fräulein Erna Renz nid) Berlin; Fräulein Hansi Stäbler nach Heil- bhonn; Herr Alfreb Fierment nach Neustrelitz; fi»rr Walter Michel nach ßanbsberg a. b. W.; fi-rr Heinz-Albrecht Marcks als Operettenbuffo mch Mainz unb Herr Dsmalb Förberer nach Ratibor. «Born alten Stamm werben demnach bie folgenden Darsteller auch in ber neuen Spielzeit tätig sein: Maria Perry, ßiesel Wiel and er, ßuise Schubert-Jüngling. Karl V o l ck, Wolfgang Kühne, Heinrich Hub, Gert Geiger, Kurt ß ü p k e, Karl ß ö \ e r , Peter Schorn, Anton Neuhaus Wilhelm Dieten, Paul Wrede, ber zum Oberregisseur für Oper und Operette ernannt wurde; ferner als Dramaturg Paul Nieren, als Jnspi-icnten bie Herren Wahlen unb Seitz, als Souffleure Frau Matzinger-Kar- b e n unb Herr Banbis; als Bühnenbildner mtrb wie bisher Herr Karl ß ö f f l e r tätig sein, wäh- renb Herr ßubroig Keim ben Beleuchtungsapparat betreut. — Das Stadttheater-Orchester ist etwas vergrößert worben unb umfaßt jetzt im ganzen 22 Personen. Als erste Vorstellung ber neuen Spielzeit 1934/35 ist angesetzt für Sonntag, 30. September, „Krach um Jolanthe" von August Hinrichs unter ber Spielleitung von Kurt ßüpfe; in dieser Aufführung wird sich bereits ein Teil der neu verpflichteten Kräfte vorstellen. Als erste Abonnementsvvr- stellung folgt am Dienstag, 2. Oktober, bie Operette „Der Zigeunerbaron". Günther und Ulla. Don Ernst penzolöt. Als Günther noch keine Sätze reben konnte unb alles, was sanft und zärtlich war (Watte, Febern unb vor allem Haare) summarisch „Häwi" nannte, pflegte er jeden Morgen stillvergmigt die neuen Worte wie memorierend vor sich yinzuplappern, ja sich sogar zu verbessern, wenn ihm eines nicht gelang. Denn er liebte wunderlicherweise besonders lange und schwierige Klanggebilde und zog Ausdrücke wie eventuell ober Oppositionsgeist schlichteren deutschen Worten vor. Früh schon erkürte er sich ein absonderliches Schimpfwort, nämlich: „Du Alkohol", worunter er etwas besonders Kränkendes empfinden mochte. Eines Sommernachmittags, da er mit der Gießkanne spielend im Garten saß, deutete er auf einmal nach oben unb sagte ganz beseligt: „Nane, Nane!" Wir konnten uns nicht denken, wo er plötzlich Bananen sehen wollte. Vielleicht war em Blatt über ihm im Baurn ungefähr so geformt. „Ja, ja, mein Bübchen, Nane", nickten wir freundlich. Aber er war es nicht zufrieden. „Nane", rief er beharrlich, „da oben Himmel dran", und nun sahens auch wir, hauchzart und weiß hing im Blau die frühe Frucht des Mondes. Denn nun sieht er Die Worte leibhaftig und spricht, als von einem Windhund die Rede war, im Bilde bleibend von einem ßuft- hund unb beim Anblick bes ersten Schmetterlings I feines ßebens ruft er: „Da fliegt ein Blümchen!" Er gibt ben Tannenbäumen die Hand unb fragt, auf eine Pfütze zeigend, ernsthaft: „Wird da einmal ein Ammersee braus?" Denn bie Natur, Gott, ja der Tob machen ihm zeitig zu schaffen. Er tröstet sich mit ber Ausflucht, baß bie tote Meise, bie wir im Garten begruben, sicher im Frühjahr roieber wachsen würde. Aber er fragt auch (und es ist nicht so leicht, ihm darauf zu antworten): „Wer hat den lieben Gott gemacht, und warum ist er lieb?" Das Märchen vom Storch, womit großmütterliche Schicklichkeit ihn zartfühlend auf die baldige Ankunft der kleinen Schwester vorbereitet, beschäftigt ihn sehr. „Ach, Mama", meint er sichtlich beunruhigt, „roenns bloß kein Störchle wird." Günther weiß, wie aus Sonne und Wasser der Regenbogen entsteht, er hat es an der Fontäne oft mit Entzücken beobachtet. Bald darauf finden wir ihn, wie er nackend im Sonnenschein mitten in der Stube steht, ein lebendes Brünnlein, fein sträfliches Tun mit den Worten erklärend: „Ich wollte einen Regenbogen machen, ist aber keiner worden". Auch nennt er das kochende Wasser zornig, und mein neuer Bademantel, darauf sich schwarze, braune und weiße Streifen kreuzen, ist für ihn ein Friedhof. Später, als er in die Schule geht, ungern, wie er uns täglich versichert, weil er nun keine Zeit xum „Arbeiten" mehr habe, belauschen wir ihn und seinen Freund, wie sie vor bem ßeiterroagen knien unb laut Gott anrufen, baß er ihnen beistehe, das zerbrochene Rad wieder fest zu machen. Und es gelingt ihnen zum Glück. Was soll man aber sagen, wenn er, als mir ihm für den ßehrer einen Blumenstrauß aus dem Garten mitgegeben hatten, ahnungslos erzählt, der liebensroüroige Fritz habe ihm die Mühe abgenommen und dem Herrn ßehrer die Blumen überreicht! Besonders schöne Schokoladentiere kann er sich lange nicht entschließen aufzuessen, und einmal weigert er sich, zu hygienischen Zwecken ein Papier zu benutzen, well darauf zufällig kleine Mädchen abgebildet waren. Seine kleine Schwester liebt er innigft. „Sie ist meine herzige Frau", sagt er, „können tut sie ja nicht viel, aber sie ist halt ein reizendes Ding." Er hält feine Kameraden an, ihr die Hand zu küssen. Denn er ist ebenso Kavalier, wie Ulla ein echtes Weibchen. Sein erstes Wort war das zärtliche „Häwi", fein erster Satz ein männliches: „Ich machet!" (das habe ich gemacht). Ihr erstes Wort war: „Nein". Ihr erster Satz: „Hofe hängt runter." Früh schon. fragt sie: „Was darf ich heute anziehen?" und als ihr Bruder zum erstenmal den kleidsamen Etonboy- > anzug anhat, meint sie bewundernd: „Du bist ein schicker Bursch!" Und einmal steht sie vor bem Spiegel unb ruft selig: „Mama, ich liebe mich!" Auch sie griff in bie weite Welt, als gäbe es keine Entfernungen: „Haben", sagt sie und meint ben Mond ober ben Flieger, ber über ben Garten zieht. Auch ein Kruzifix ist für sie ein Flieger. ßeiber fürchtet sie sich sehr vor Mäusen unb Gewittern. Das laute Donnern ist ihr arg, unb sie verlangt nachbrücklich: bie Frau liebe Gott soll doch ihrem Manne sagen, daß er mit dem Gerumpel aufhört. Die Frau soll ihrem Manne sagen, daß...! Ein anderes Mal erklärt sie: Nicht wahr, die Sonne ist der liebe Gott! womit sie auf ihre Weise den Ursprung ber Religionen zu deuten sucht. Recht bedenklich aber ist ein Gespräch zwischen den beiden, das wir durch Zufall erlauschen. Denn der Achtjährige sagt allen Ernstes: „Ich wäre froh, wenn ich nicht auf der Welt wär', erstens wegen ber Schul' und zweitens komm ich ja doch in die Höll'", worauf die Kleine elegisch antwortet: „Ich möcht' schon brav sein, aber es glückt mir halt nicht." Diese Worte bewegten die Eltern in ihren Herzen. Oochschulnacö richten. Als Nachfolger bes verstorbenen Professors Dr. Hans Seibel würbe ber Privatbozent und Oberassistent Dr. Hans Fliege zum ordentlichen Professor ber Zahnheilkunde unb Direktor bes zahnärztlichen Instituts an ber Universität Marburg ernannt. Das Extravrbinariat für vergleichend Religions- geschichte unb Religionsphilosophie in ber evangelisch-theologischen Fakultät ber Universität M a r - bürg ist mit Wirkung vom 1. Oktober b. I. ab in bie Philosophische Fakultät ber Universität Greifs- wa 1 b verlegt unb bem planmäßigen Extravrbina- rius unb persönlichen ordentlichen Professor Dr. Friebrich Heiler übertragen worden, der es bisher auch schon in Marburg innegehabt hat. Der Reichsstatthalter in Bayern J)at den o. Professor für Botanik an der Universität München Dr. Fritz v. Wettstein auf sein Ansuchen mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. unter Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen, dem ao. Professor für Zeitungswissenschaft an der Universität München Dr. Karl d ' E st e r die Amtsbezeichnung und die akademischen Rechte eines o. Professors verliehen, und den ao. Professor Dr. Hermann Groll in München zum o. Professor für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie an der Universität Würzburg ernannt; Professor Groll wirb dort Nachfolger von Geh. Hofrat Professor Martin Benno Schmidt. Aus der Provinzialhauptstadt. Oiepflege der Lippen und des Mundes. Von Or. med. Gert Losch. Bei der Lippenpflege ist zunächst daraus zu achten, daß die Lippen ein frisches, rotes, glattes Aussehen haben. Die prophylaktische Lippenpflege hat vor allem das Vermeiden des Aufspringens der Lippenhaut zum Ziel. Schädigend sind: Unbilden der Witterung, scharfe Speisen und Tabak. Man verwendet Lippenpomaden (Mischungen aus Wachs, Walrat und Mandelöl). Diese Pomaden haben nichts mit dem roten Lippenstift zu tun, der ein Kapitel für sich ist. Zu den wichtigsten Zweigen der Kosmetik gehört die Zahnpflege, weil die Zähne für den ästhetischen Eindruck der Gestalt von ausschlaggebender Wirkung sind. Schlecht gepflegte Zähne verderben jede sonst noch so vorteilhafte Erscheinung. Das Ideal ist: Lückenlosigkeit der Zahnreihe, keine Karies, die zur Zerstörung des Zahnschmelzes führt, und eine reine, weiße Farbe. Die Karies hat eine der wichtigsten Ursachen des schlechten Mundgeruchs, der in der Kosmetik als gefährlichster Entstellungsfaktor gilt. Menschen mit unangenehmem Mundgeruch leiden unter den schwersten beruflichen und persönlichen Schädigungen. Ursachen sind mangelhafte Säuberung, besonders bei Vorhandensein von Zahnlücken und kranken Zahngeweben, und Erkrankung des Zahnfleisches. Aber auch eine Anzahl anderer Erkrankungen, vor allem des Magens und des Darms, des Rachens und der Nase mit ihren Nebenhöhlen vermögen einen schlechten Geruch zu erzielen. Zur wichtigen täglichen Mundpflege gehört das mehrmalige Ausspülen des Mundes und das Gurgeln. Weder zu kaltes, noch zu heißes Wasser soll dabei Verwendung finden, das Wasser muß lau temperiert sein. Erst nach gründlicher Mundausspülung soll die Zahnbürste in Erscheinung treten. Die Bürste darf nicht zu groß sein. Die Bewegungen der Bürste müssen sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung und auf der Kaufläche mehrmals die vorderen und Hinteren Zahnreihen säubern. Die Bürste kann von mittlerer Härte sein. Gesundes Zahnfleisch darf bei der Behandlung mit einer mittelharten Bürste nicht bluten, im Gegenteil wird es durch den Reiz des Bürstens gefestigt und abgehärtet. Die Zahnbürsten für Erwachsene sind vierreihig, die harten aus Schweinsborsten, die weichen aus Dachshaaren. Eine neue Zahnbürste muß vor Gebrauch gut gereinigt und desinfiziert werden. Nach dem Putzen der Zähne erfolgt nochmals gründliche Waschung der Mundhöhle. Diese Säuberung muß mindestens zweimal täglich erfolgen. Als Grundsubstanz der Zahnpasten findet man fast immer Schlemmkreide oder gefällten kohlensauren Kalk, vermischt mit Glyzerin, Honig oder Tragantschleim, am häufigsten mit Pfefferminzöl aromatisiert. Die Benutzung von Zahnwässern hat außerordentlich zugenommen. Zur Desinfizierung der Mundhöhle ist es empfehlenswert, von Zeit zu Zeit Wasserstoffiuperoxyd (ein Eßlöffel auf ein Glas Wasser) zu nehmen. Was tatest du für die deutsche Luftfahrt? Versailles zerschlug die deutsche Fliegerei als Teil der deutschen Waffenrüstung, London und Paris verboten dem deutschen Staat und seinen Regierungen, eine Fliegerei zu betreiben und aus staatlichen Mitteln zu fördern! Wohl wurden 15 700 Flugzeuge und 27 757 Flugzeugmotore vernichtet, Werde Ühtglltd im deutschen Luftsport-verbooü l Das Deutsche Volk muß ein Volk f)trmann Goring vonZliegern werden! aber den Fliegergeist konnte nichts beirren! Unter unsäglichen Mühen und Opfern, getragen vom opferwilligsten Idealismus, erstand die deutsche Segelfliegerei und — erobert sich eine Weltstellung! Einst wird man dich, deutscher Volksgenosse, fragen, was du denn tatest für die deutsche Luftfahrt? Was bedeutet es dann, gemessen an den großen nationalen und sittlichen Aufgaben der deutschen Fliegerei und den Opfern ihrer Träger in den Jahren nach dem Großen Kriege, wenn du sagst, du hättest dann und dann einmal ein Ab- Ä gekauft, hättest auch gespendet! Nein, die . ,e Fliegerei will mehr von dir! Will, daß der Flieaergeist eiserner Bestand auch deines Denkens uno Fühlens wird, will, daß auch du zum Träger dieses Geistes wirst, des Geistes, der heute mit seinem Tatwillen auch deine und deiner Kinder Zukunft formt! Deutscher Volksgenosse! Dein Entschluß, Mitglied im Deutschen Luftsport-Verband zu werden, ist nicht abhängig von „Erwägungen"! Anmeldungen bei: Flieger-Ortsgruppe Gießen (Kreisamt), Fernruf 2951, 2952. Vereidigung in der Universität. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Nach seiner Vereidigung durch Staatsminister Jung vereidigte der Rektor der Landesuniversität Professor O. Bornkamm am Mittwoch, Dem 29. August, 11 Uhr, in der festlich geschmückten Aula der Landesuniverlität die Beamten der Universität mit einer kurzen Ansprache. NS. Hungen, 30. Aug. Nach Erreichung der Altersgrenze beabsichtigt unser Bürgermeister Fendt, der seit rund 30 Jahren die Geschicke un- serer Stadt leitet, in den wohlverdienten R u h e - st a n d zu treten. Bürgermeister Fendt kann am 17. September seinen 65. Geburtstag begehen, mit Wirkung vom 1. Oktober ab will er sich aus dem öffentlichen Dienst in das Privatleben zurückziehen. Mit Bürgermeister Fendt wird der an Lebens- und an Dienstjahren älteste Bürgermeister im ganzen Kreise Gießen aus dem Amte scheiden. Bemerkenswert ist noch, daß Bürgermeister Fendt der einzige Bürgermeister des Kreises Gießen ist, der s ch o n s e i t v o r 1 9 1 4 im Bürgermeisteramt ist. Unter seiner Leitung hat unser Gemeinwesen eine gute Entwicklung erfahren, insbesondere gelang es ihm, ungeachtet vielfacher Schwierigkeiten die Finanzen unserer Stadt in guter Ordnung zu halten. Kreis Büvingen. * Büdingen, 29. August. Die Gendarmerie verhaftete am Eingang unserer Stadt zwei junge Handwerksburschen, die in Glaube r g zwei Einwohnern die im dortigen Pfarrhof abgestellten Fahrräder gestohlen hatten und damit bis hierher gefahren waren. Den Diebstahl führten die beiden Burschen gegen 16 Uhr aus, kurz nach 18 Uhr wurden sie hier schon verhaftet und in Nummer Sicher gebracht, so daß ihre Freude an den Fahrrädern nur von kurzer Dauer war. Kreis Schotten. * Schotten, 29. Aug. Vom 5. September ab wird die Land st raße Schotten — Rainrod auf mehrere Wochen gesperrt werden, da der durch den Spießwald führende Straßenteil verbreitert, in den Kurven überhöht und zugleich mit Kleinpflasterung versehen werden soll. Während der Durchführung dieser Arbeiten erfolgt die Umleitung des Verkehrs über Wingershausen, Eichelsachsen und Eichelsdorf. CO Rainrod, 29. August. Schon vor langer Zeit hatte der hiesige Turnverein die Errichtung eines Schwimmbades vorgesehen. Das Vorhaben ist nun Wirklichkeit geworden. Der Arbeitsdienst, der nunmehr vereinigte Turn- und Gesangverein sowie andere Einwohner, insbesondere aber, die beiden hiesigen Schulklassen, hatten sich in uneigennütziger Arbeit zur Verfügung gestellt und mit Hacke, Spaten und Schippe mitgeholfen. Das Schwimmbad konnte am Sonntag eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Der vereinigte Turn- und Gesangverein, die Schüler mit ihren Lehrern und viele Einwohner des Dorfes zogen mit Gesang dem Bade zu. Diele Volksgenossen aus der näheren Umgebung fanden sich ebenfalls ein. Ein Chor der Sänger eröffnete den festlichen Akt. Lehrer Deubel hielt eine Ansprache, in der er den Werdegang des neuen Bades schilderte und allen jenen dankte, die dazu beigetragen hatten, das Werk zu vollenden. Mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer beschloß er die Ansprache und übergab das Bad seiner Bestimmung. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Licd beschlossen die Feier. Im Anschluß daran wurde reichlich gebadet und geschwommen. Das allgemeine Urteil über das Bad kam in bewundernden Worten zum Ausdruck. Es liegt am Weg. der am Mühlgraben entlang nach Launsbach führt. Das Badebecken hat eine Größe von 24 X 8 Meter. Es ist für Nichtschwimmer und Schwimmer unterteilt. Kreis Alsfeld. < Ober-Ohmen, 28. August. Die hiesige Ortsgruppe des Gesamtverbandes der A r b e i t s o p f e r in der Deutschen Arbeitsfront veranstaltete am Sonntag im Nachbarorte Groß- Eichen, als zentral gelegenem Punkt der verschiedenen Stützpunkte im Rahmen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ein gemütliches Beisammensein ihrer Mitglieder und deren Angehörigen. Der Raum war durch Blumen geschmückt. Gauführer Schneider sprach über alle das Organisationswesen berührende Fragen und fand dabei die Zustimmung seiner Zuhörer. # Aus dem oberen Ohmtal, 29. Aug. Noch in keinem Jahre wurden in hiesiger Gegend so lebhafte Klagen über das massenhafte Auftreten von Schnaken geführt, wie in diesem Sommer. Eine erfolgreiche Bekämpfung dieser nächtlichen Quälgeister ist nur dann gewährleistet, wenn man sie Brutstätten vermindert, wie faule Gräben, stille Tümpel usw. co Ruppertenrod, 29. August. Der hiesige Dreschmaschinenbesitzer hat erstmalig in diesem Jahr seinen Betrieb mit einem Elektromotor ausgestattet, eine Maßnahme, die allseits begrüßt worden ist. preutzen. Kreis Wetzlar. <£ Krofdorf, 29. Aug. Der Gemeinderat genehmiate in seiner jüngsten Sitzung einen Grundstückstausch zwischen der Gemeinde und den Eheleuten Ludwig S ch u p^p , ferner einen Grundstücksverkauf an Frau Seim. Weiter wurde einigen Baubestimmungen zugestimmt, die für den Fall der Bebauung des Grundstücks der Firma Rinn & Cloos, Heuchelheim, an der Gießener Straße Anwendung finden werden. Mit dem Anschluß des rechten Brunnens in Gleiberg an den Hochbehälter der Wasserleitung in Krofdorf erklärte man sich einverstanden. Genehmigt wurde auch ein Antrag, alljährlich einen Teil des Waldes einzufriedigen, um dadurch dem Wildschaden entgegenzutreten. 0 Atzbach-Dorlar, 29. Aug. Die hiesige Gemeinde feierte ihr diesjähriges M i f f i o n s f e st. Obwohl Die Hauptfeier in Atzbach stattfand, hatte auch die Gemeinde Dorlar am Vormittag Gelegenheit, eine Missionspredigt zu hören. Am Mittag sammelte sich dann eine zahlreiche Missionsgemeinde in der Kirche zu Atzbach. Der Kirchenchor unter bev Leitung von Lehrer Siegfried erfreute mit zwei Liedern. Missionar Brinkschmidt sprach über die Geschichte Abrahams. Wegen des drohenden Regens und der kühlen Witterung wurde die Nachfeier nicht im Freien, sondern in der Kirche gehalten. Zahlreiche Gäste aus den Nachbarorten Dutenhofen, Kinzenbach, Garbenheim und vor allem Dorlar hatten sich eingefunden. Dazu der Posaunenchor. Pfarrer Becker (Garbenheim) hielt eine eindringliche Ansprache. Dann betrat Missionar Brinkschmidt ein zweites Mal die Kanzel. Erschütternd war, was er erzählte von den ehemaligen Menschenfressern und Opiumrauchern auf Sumatra. Pfarrer An - thes (Waldgirmes) sprach von der Empore noch ein kräftiges Schlußwort. Mit Worten des Dankes an die Redner, den Kirchenchor und den Posaunen« chor schloß das Missionsfest. 0 Hörnsheim, 29. Aug. Am Sonntag wurdS hier das Missionsfest, gut besucht, gefeiert. Festpre« biger war der rheinische Missionar S a r t o r , der lange auf Nias gearbeitet hatte. Das einleitende Wort zur Nachfeier sprach Pfarrer Bremmer aus Klein-Linden. Er schilderte die Mission als Pflicht. Sodann gab der Missionar einen aufschlußreichen Bericht über feine Arbeit auf Süd-Nias unter den dortigen wilden Kopfschnellern. Das Fest ergab einen Gesamtbetrag von 737,80 Mark, und zwar 539,30 Mark in Dankopferbüchsen, 174,50 Mark Festkollekte und 24 Mark Schriften. SJl.-’SpOTt Amt 4: Handball im Reichsbund für Leibesübungen. Die Leitung im Gau Nordhessen. Nachdem nunmehr vom Reichssportführer das Amt 4: Handball errichtet und zum Reichsamtsleiter Gruppenführer Herrmann (München) bestellt worden ist, hat dieser nun seinerseits die vorläufigen Gauamtsleiter ernannt. Für den heimischen Gau XII Nordhessen ist dies der bisherige DT.-Gaufpielwart K. Denn (Kassel). Der neue Gauamtsleiter hat als Bezirksspielwarte für den Bezirk Kussel W. Willing (Kassel) und für den Bezirk Gießen Fritz Seibert (Wetzlar) emgesetzt und die diesjährige Runde ausgeschrieben. Meldeschluß ist der 31. August, Spielbeginn der 16. September. Die Gau- und Bezirksklasse melden an die Bezirksspielwarte, alle übrigen Mannschaften an die zuständigen Kreisspielwarte. Die Meldegebühren gehen alle an Denn. Die Bekanntgabe der einzelnen Staffeln in den verschiedenen Klassen geschieht nach Eingang der Meldungen. Leichtathletik der Ep.-Dg. 1900. Die Erfolge in Kassel. Wie bereits kurz berichtet, konnten sich die am Sonntag zu dem Olympiasportfest nach Kassel entsandten 1900er Leichtathleten, nämlich Unterfeldwebel Gugel (1/15), Baumstieger und Peters, ausgezeichnet zur Geltung bringen. Sie vermochten 2 erste, 1 zweiten, 1 dritten und 1 vierten Platz mit respektablen Leistungen zu belegen. Nachstehend die Ergebnisse im einzelnen: 15 0 0 Meter, offen: 1. Baumstieger (Gießen 1900) 4:16,5.; 2. Brack (Rotenburg) 4:16,8; 3. Bock (Kurhessen Kassel) 4:26,4; 4. Köpper (JR. 12/15) 4:27,3 Min. — Baumstieger, der schon bei den Gaumeisterschaften mit einer beachtlichen Zeit aufgewartet hatte, stellte erneut sein Können unter Beweis. Er zeigte auch Kampfkraft genug, den zum Schluß hartnäckig angreifenden Rotenburger Brack abzuschütteln. 800Meter, Einladung: 1. Dessecker (Stuttgart) 1:53,9; 2. Mertens (Wittenberg) 1:54,4; 3. Danz (Kassel) 1:59,8; 4. Peters (Gießen 1900) 2:02,6 Min. — Der 1900er konnte den „Kanonen" nicht gefährlich werden, seine in schönem Stil erlaufene Zeit sollte ihm jedoch Ansporn sein, bald unter 2 Minuten zu kommen. Diskuswerfen, Einladung: Unterfeldwebel Gugel 1/15 (Gießen 1900) 42,05; 2. Behrens (Hannover 78) 39,80; 3. Schocke (Göttingen) 38 Meter. — Unterfeldwebel Gugel bewies, daß er im Diskuswerfen in aufstrebender Form ist. Er gewann gegen seine Mitbewerber, die in dieser Saison auch schon verschiedentlich über 40 Meter kamen, sicher. Kugelstoßen, offen: 1. Luh (VfB.-Reichs- bahn Gießen) 13,82; 2. Unterfeldwebel Gugel (Gießen 1900) 13,81; 3. v. Hofe (Hessen-Preußen Kassel) 13,20 Meter. — Der 1900er sah schon auf Grund feiner Vorkampfleistung als sicherer Sieger aus, als es dem zweiten Gießener Vertreter beim letzten Stoß gelang, ihn um einen Zentimeter zu übertrumpfen. Werferfünfkampf (Kugel, Diskus, Stein, Schleuderball und Hammer): 1. Luh (VfB.-Reichsbahn Gießen) 3,432,36; 2. Gary (VfB. Kurhessen Marburg) 3,379,44; 3. Unterfeldwebel Gugel (Gießen 1900) 3,290.88 Punkte. — Gugel wartete hier im einzelnen mit folgenden Leistungen auf: Kugel 13,81, Diskus 39.57, Stein 8,95, Schleuderball 54,35, Hammer 26,06 Meter. Den Hammerwurf, den er mit Rücksicht auf eine frühere Knieverletzung nicht schnell genug ausführen konnte, kostete ihm nicht nur den Sieg, sondern drängte ihn sogar noch auf den 3. Platz zurück. 1909s Leichtathleten in Frankenberg. Sieben 1., vier 2. und drei 3. Siege. Die kleine Expedition, die 1900 nach Frankenberg schickte, war recht erfolgreich. Die Veranstaltung war hauptsächlich beschickt von Vereinen aus Fritzlar, Corbach, Frankenberg usw. Der Leistungsfortschritt dieser kleinen Vereine ist erstaunlich. Die Laufbahn war in einem fürchterlichen Zustand (ausgenommen die 100-Meter-Gerade), die Laufleistungen schlecht. Die beste Tagesleistung erzielte K e st r i ch für Frankenberg mit eine Speerwurf von 56,30 Meter. In den Staffeln mußten die 1900er sich mit undankbaren Plätzen begnügen, da Fr. Koch wiederum unter feiner alten Verletzung zu leiden hatte und schließlich ersetzt werden mußte. B. G o ß kam einmal mehr zu drei überlegenen Siegen, trotzdem er in einer höheren Klasse starten mußte. Die Ergebnisse. Klasse I: 100°Meter°Lauf: 1. Henkel Wallau 11; 2. Burchardt, Fritzlar 11,2; 3. K. Schmidt, 1900 11,4 Sek. Schmidt hatte einen außerordentlich harten Kampf gegen die drei Nichtplacierten zu bestehen. 1500-Meter-Laus: 1. Lohmann, Frankenberg, 4,41.3; 1. Koch, Gustav, 1900, 4,45.3; 2. Faul- seit, 1900, 4,47.8 Min. Wegen Behinderung durch den Frankenberger wurde G. Koch vom Kampfgericht mit auf den ersten Platz gewertet. 3000-Meter-Lauf: 1. Müller, Fritzlar, 9,58.4; 2. Faulseit, 1900, 10,04.3; 3. G. Koch, 1900, 10,05.3 Min. Dem Marathone Faulseit war die Strecke zu kurz. G. Koch auch hier stark verbessert. Kugelstoßen: 1. Rebscher (1.J.R.15), 1900, 11,50 Meter; 2. Bartoschick, Marburg, 11,30 Meter; 3. Dunke, Corbach 10,90 Meter. Rebscher kam zu einem verdienten schönen Erfolg. 4 mal 100-Meter-Staffel: 1. SpV. Vorbach 47,2; 2. 1900 Gießen 48,3; 3. SpVg. Fritzlar 49,1 Sek. 1900 mit Rebscher, Schmidt, Fr. Koch, Bepperling unterlag nach anfänglicher Führung knapper als die Zeit besagt. Schweden staffel: 1. SpV. 09 Corbach 2,07; 2. SpVg. Fritzlar 2,10; 3. SpVgg. 1900 Gießen 2,18 Min. Die Gießener mit Ersatz laufend, mußten sich klar geschlagen bekennen. Klasse II: 800-Meter-Lauf: 1. Bepperling, 1900; 2. Schank, Frankenau; 3. Runkel, Wallau. Bepperling lief sein Rennen unangefochten nach Hause. Kugelstoßen: 1. Rebscher, 1900, 11,55 Meter; Bartoschick, Marburg, 11,40 Meter; 3. Balke, Fritzlar, 10,75 Meter. Rebscher muß viel schneller werden dann folgen auch größere Weiten. 4 mal 100-Meter-Staffel: 1. SpV. Fritzlar 46,1; 2. SpVgg. 1900 Gießen 48,0; 3. Frankenberg 50,1 Sek. Wie in der Klasse I, so siegte auch hier die Mannschaft auf der Innenbahn überraschend. Jugend, Klasse B. 75-Meter-Laus: 1. Goß, 1900, 9,3 Sek.x 2. Schmidt, Frankenberg, 10 Sek.; 3. Freimuth, Frankenberg 10,1 Sek. Weitsprung: 1. Goß, 1900, 5,10 Meter; 2. Schmidt, Frankenberg, 4,80 Meter; 3. Freimuth, Frankenberg. Kugelstoßen: 1. Goß, 1900, 10,90 Meter; 2. Schmidt, Frankenberg, 8,50 Meter; 3. Pfuhl, Röddenau, 8,25 Meter. Handball-Blitzturnier in Groß-Rechtenbach. In einem, vorn Turnverein Groß-Rechtenbach, am vergangenen Sonntag durchgeführten Handball- Blitzturnier gab es recht gute Leistungen. Sieger wurden Tv. Münchholzhausen in der ersten Klasse, Turnverein Atzbach in der Kreisklasse I und Tv. Dorlar in der Kreisklasse II. Lützellinden — Heuchelheim 7:4. Die Mannschaft des Tv. Lützellinden konnte im ersten Spiel nach der langen Pause seinen Gast aus Heuchelheim klar mit 7:4 Toren abfertigen, trotzdem der Gast noch bis zum Wechsel mit 3:1 in Front lag. Tv. Pohlgöns Lützellinden 9:3. Im zweiten Spiel am vergangenen Sonntag mußte die Mannschaft, gegen ihren, eine Klasse höher spielenden Gegner eine hohe Niederlage hin- nehmen. Fußballabteilung des Tv. Kinzenbach. Waldgirmes Jugend — Kinzenbach Jugend 4:2. Zu einem fälligen Rückspiel weilte die erste Jugend des To. Kinzenbach am vergangenen Sonntag in Waldgirmes und mußte eine dem Spielverlauf nach nicht ganz gerechte Niederlage hinnehmen. Fernfahrt Berlin —Warschau beendet, lleberlegener. deutscher Gesamt-Sieg. Die letzte Etappe verlief für die Polen, die mit aller Anstrengung eine Verbesserung des Gesamtstandes zu erreichen versuchten, bedeutend günstiger. Bei trüben, regnerischem Wetter ging es von Lodz auf miserablen Straßen nach dem 142,9 Kilometer entfernten Ziel in Warschau. Die schlechten Straßen riefen zahlreiche Materialschäden hervor, von denen vor allem der viermalige Etappensieger Scheller betroffen wurde. Auf der Radrennbahn in Warschau erwartete eine vieltausendköpfige Menschenmenge die ersten Fahrer. Fünf Mann erreichten geschlossen die Bahn. Im Endpurt ließ der Düsseldofer Wierz den Polen Urbanik leicht hinter sich. Das Publikum verhielt sich hier durchaus korrekt und spendete der deutschen Mannschaft bet der anschließenden Siegerehrung den verdienten Beifall. Stehend wurden Deutschland- und Horst- Wessel-Lied angehört und unter den Klängen des Badenweiler Marsches verließen die Deutschen die Bahn. Kurze Sportuotizeu. Deutschlands Fußballelf gegen Polen spielt am 9. September in Warschau in folgender Aufstellung: Buchloh; Janes, Busch; Cielinski, Mün- zenberg, Bender; Lehner, Siffling, Hohmann, Sze- pan, Fath. * B e i der Internationalen Sechstage- fahrt der Krafträder, die sich in diesem Jahre durch besonders große Schwierigkeiten auszeichnet, sind nach der zweiten Etappe noch 158 Fahrer ohne Strafpunkte, 26 mit Strafpunkten belastet und 25 ausgeschieden. Im Kampf um die Internationale Trophäe biteben unsere Fahrer Henne, Mauermeyer und Stelzer ebenso wie die Italiener als einzige ftrafpunftfrei.* Marieluise Horn wurde bei den Polnischen Tennis-Meisterschaften in Warschau Meisterin im Dameneinzel und zusammen mit dem Wiener Artens Titelträgerin im Gemischten Doppel. Artens holte den Titel im Herreneinzel und mit Metaxa als Partner im Herrendoppel. * Tödlich verunglückt ist der bekannte rumänische Fliegerhauptmann Hubert, der zusammen mit seinem Landsmann Pappana 1933 in Oberschrei- berhau die Weltmeisterschaft im Zweierbob gewann. Hauptmann Hubert ist bei einer Flugveranstaltung abgestürzt. Die Ehrennadeldes Deutschen Leichtathletik-Verbandes wurde von Dr. Ritter von Halt den deutschen Meisterinnen und Weltrekordlerinnen Gisela Mauermeyer und Ruth Engelhard verliehen. Die gleiche Auszeichnung hat der Führer der Deutschen Beichtathleten auch dem Schweizer Altmeister Dr. Paul Martin zukommen lassen. * D i e deutschen Teilnehmer am Europa- Rundflug sind in Warschau eingetroffen. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter der polnischen Regierung wurde der Wettbewerb in feierlicher Weise eröffnet. Die sportlichen Wettbewerbe beginnen am Mittwoch mit den bis zum 6. September dauernden technischen Prüfungen. Der eigentliche Rundflug beginnt dann am 7. September. Oie neuen Ganmeister im Fechten. In Kassel wurden im neuen Turngau Nordhessen am Samstag und am Sonntag zum erstenmal die Fechtmeisterschaften ausgetragen. Die Kämpfe, von Gaufechtwart Reuter (Kassel) und DT.-Fechtwart Stassen (Hanau a. M.) gemeinsam geleitet, waren, wie wir schon in unserer Vorschau berichten konnten, äußerst stark besetzt, lagen doch im Florett Meldungen von 33 Turnerfechtern und 24 Frauen vor, im Säbel 24 und im Degen 11 Bewerbungen. Was dem ersten größeren Treffen der nordhessischen Turnerfechter eine besonders spannende Note gab, war die Tatsache, daß sich zum erstenmal gute Kräfte aus dem ehemaligen Mittelrheinkreis (Gießen, Wetzlar, Hanau, Bad-Nauheim) mit den besten Könnern des bisherigen Oberweserkreises (Kassel, Fulda) begegneten. Dabei ist als Ergebnis festzustellen, daß Kassel eine starke Konkurrenz an der Lahn und im Hanauer Lande erstanden ist. Wenn sich die Kasseler Fechter auch mit den Gegnern aus dem ehemaligen Mittelrheinkreis in die Siegerehren teilen konnten, auf dem Gebiete des Frauenfechtens ist die Vorherrschaft des Südens klar in Erscheinung getreten. Nur die Allerbesten der Kasselanerinnen konnten Plätze in der Sonderklasse belegen. Im Florett der Fechter wurde der Gaumeistertitel erst nach sehr hartem Kampf vergeben. Die Vor- und Zwischenrunden am Samstag siebten bereits die Aeltere Kasseler Tgm., den Reichsbahn-T. u. Spv. Bettenhausen-Kassel und den T. u. Fechtklub Fulda aus. Es blieb von den 33 Fechtern nur eine Endrunde von 9 Fechtern übrig. Von der Kasseler Tgm. setzte sich Has per in Führung. Jedoch wurde ihm sein letztes Gefecht gegen Mulch (Wetzlar) insofern zum Verhängnis, als dieser nach einem Stand von 4:1 für Hasper immer mehr aufkam, ihn schließlich 5:4 schlug. Damit kam der Gießener W. Gerhardt auf den ersten Platz. Er, der nur von Hasper seine einzige Niederlage 5:2 empfing, wurde so mit sieben Siegen Gaumeister im Florett. Den zweiten schönen Erfolg für Gießen brachte L. Gerhardt mit seinem dritten Platz heim, den er mit fünf Siegen (gegen Berlich 0,5, Mulch 2:5, Moll 3:5, Lengemann und Pfaff 4:5) errang. Mulch (Wetzlar) lag mit drei Treffern Differenz als Vierter hinter ihm. Im Säbel konnte Hasper ziemlich unangefochten die Gaumeisterwürde erringen; sein Vereinskamerad Pfaff fügte ihm die einzige Niederlage (5:4) zu. Die Degenkämpfe, zu denen der Süden kaum eine Meldung abgegeben hatte, waren nahezu eine reine Kasseler Angelegenheit, in der Wagner von der Kasseler Turngemeinde, dank seiner Reichweite, zum Siege kommen konnte. Die Teilnehmerinnen aus dem Süden zeigten im Frauenfechten — wie bereits oben erwähnt — eine merkliche Ueberlegenheit. Sie verfügten durchweg über eine größere Kampferfahrung und viel festere Klingenführung. Als nicht zu schlagende Meisterin des Gaues erwies sich Frl. Gröninger (Tgm. Bad-Nauheim), die über einen ganz ausgezeichneten Angriff bei weiter Ausnutzung ihres Ausfalls verfügt. Sie konnte aller ihrer Gegnerinnen Herr werden. Mit vier Siegen gegen Weber 1:5, Pritzfch und Mohr 3:5, Pause 4:5 wurde Frl. Wirth (Tv. 1846 Gießen) Dritte. Die Verlobung im englischen Königshaus!! Der vierte Sohn des englischen Königspaares, Prinz Georg, weilte seit einigen Tagen in Salzburg. Er stieg im Hotel L'Europe ab. Zur gleichen Zeit weilte auch Prinzessin Marina von Griechenland in Salzburg, die sich hier in aller Stille mit dem englischen Prinzen v e r l o b t e. In der Begleitung der Prinzessin befindet sich Prinz Paul von Jugoslawien, der Schwager der Braut. Die Fürstlichkeiten besuchten während ihres Salzburger Aufenthalts mehrmals die Festspiele und das Spielkasino. Dann begaben sie sich mit dem D-Zug nach Bled, dem Sommersitz des jugoslawischen Königs. Gerüchte wollen von einer in aller Stille bereits in Salzburg vollzogenen Vermählung des Prinzen Georg mit der Prinzessin Manina wissen, doch entsprechen diese Gerüchte nicht den Tatsachen. Wolkenbruch über Nackenheim LPD. Nackenheim, 29. Aug. lieber Nackenheim ging gestern gegen 5 Uhr zum dritten Male in diesem Jahre ein schwerer Wolkenbruch nieder. Sehr schnell wurden die Wassermassen zu einem reißenden Strom, der sich durch die Straßen des Ortes ergoß und die Gebäude und Fabrikanlage der Vereinigten Nackenheimer Kapselfabriken ü b e r s ch w e m m t e. Auch in den übrigen Teilen des Ortes wurden Gärten und Höfe, Keller und Scheunen im Nu von den Fluten, die teilweise einen Meter hoch in den Straßen standen, überschwemmt. Die erst vor einigen Jahren unter erheblichen Unkosten neuhergestellte Hermann-Göring-Straße wurde besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Wassermassen flössen nur langsam ab, da die mitgeführten Schlammengen, Feldfrüchte usw. die Kanäle v erst o p f t hatten. Die tiefer gelegenen Straßen des Ortes waren eine Zeit lang in erheblicher Gefahr. In den Weinbergen und auf Feldern wurde schwerer, vorläufignochnichtzu übersehender Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde bei ihren Abdämmungs- und Aufräumungsarbeiten von SA. und zahlreichen hilfsbereiten Volksgenossen tatkräftig. unterstützt. Der Bahnverkehr konnte während des Unwetters in vollem Umfange aufrechterhalten werden. Gegen 20 Uhr konnte in den Straßen der normale Verkehr wieder ausgenommen werden. Saarländer! 30. August letzter Termin Eurer Meldung! Beni Bosmarie Wir geben die glückliche Geburt eines Töchterchens bekannt Zfieni Äirnbaum, geb. Zansson-Pleit Oberleutnant z.S.Iriedrich Karl Äirnbaum Kiel (Moltkestraße 52), den 28. August 1934 502W Polstermöbel Federbetten Matratzen Metallbettstellen Kinderbettchen Fahrbettchen Gebr. Seelbach Gießen, Seltersweg 20. 5011 A Älta Anzeigen-Attiengesellschast Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gietzen / Gchulfivatze r Lichtspielhaus Gießen Heute Donnerstag bis Sonntag: Liane Haid k Victor de Kowa I in dem herrlichen Ufa-Film: Das Schloß im Süden ImitPaul Kemp, Max Gülstorff Jessie Virogh, Helke Jürgensen I Ein ganz herrlicher Film, welcher, von dem I bewährten Regisseur Geza v. Bolvary ope- B rettenhaft aufgemacht, die Zuschatier an die herrliche blaue Adria, in die Umge- | bung und in das Schloß Miramare führt! I Victor de Kowa, der strahlende Lieb- ■ ling aller Damen, umgeben von den riva I lisierenden Partnerinnen JLiane Haid | und Helke .Jürgensen, schwingt sich | an die erste Stelle der deutschen Liebes- ■ Darsteller imTonfilm. Pani Kemp bringt ■ eine überwältigend humoristische Rolle, welche l1/» Stunden brausende Lach I salven hervorruft. Max Gülstorff, 1 Paul Westermeier u. Erich Kestin B lösen Paul Kemp in der Eniledigung ■ humoristischer Einfälle unaufhörlich ab. ■ „Schloß im Süden“ ist für jeden Be- ■ sucher des Lichtspielhauses eine köstliche 1 Ablenkung u. wundervollste Unterhaltung. 1 Im Beiprogramm: 6008a I Vom Amselfeld zum Ochridasee I Ein inter. Kulturfilm aus Serbien 1 und die Ufa-Ton-Woche | Tapezier- ond Po sterarbei en schnell, sauber bei zeitgemäßen Preisen (l4i6o Franz Bock Tavezierermstr. Liebigstraße 93. 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Betr.: Konkurs über das Vermögen der Fa. Otto Dingel sen. in Gießen. Beschluß. Schlußtermin wird bestimmt auf 5016D Freitag, den 21. September 1934, vorm. 10% Uhr, Zimmer 101. Gießen, 28. August 1934. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. Am 4. September d. 3. findet eine Schweine- zwifchenzählung in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg statt. Die Schweinebesitzer haben den Zählern die notwendigen Angaben bezüglich ihrer Schweinebestände bereitwilligst zu erteilen Auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen, angeschlagen in den Aushängekasten der Stadt'Gießen, wird besonders hingewiesen. 50170 Gießen, den 29. August 1934. Bürgermeisterei Gießen. I.V.r Dr. Hamm, Bürgermeister. Nr. 202 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 50. August 1954 i V i.' w* Oie Familie Meier. Zur Geschichte des verbreitetsten deutschen Namens. Die statistischen Zählungen haben oft ergeben, daß in den Mreßbüchern der Name Meier in seinen verschiedensten Lesarten am häufigsten vorkommt. Das ist auch gar kein Wunder, wenn man die Geschichte dieses Namens kennt. Die Geschichte des Namens der Familie Meier ist e i n S t ü ck deutscher Geschichte schlechthin. Der Name Meier ist nicht einer der uralten germanischen Namen, sondern er entwickelte sich aus den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der Zeit der Merowingerkönige. Der Name hat seinen Stamm in dem lateinischen major, das ist der Aufseher oder Verwalter eines Landgutes, lieber die Geschichte dieses Namens gibt uns u. a. das Standardwerk von Heintze-Cascorbi „Die deutschen Familiennamen" Aufschluß, das, von Professor Dr. Paul Cascorbi herausgegeben, soeben in seiner siebenten, sehr verbesserten und veränderten Auflage in Halle, Buchhandlung des Waisenhauses G. m. b.H., erschienen ist. Es ist erfreulich, daß die immer weiter um sich greifende Sippenforschung auch für die Namensforschung viel Wertvolles im letzten Jahre gebracht hat. Aber es ist auch notwendig, gerade auf dem Gebiet der Namensforschung vor unwissenschaftlichen Erklärungsversuchen zu warnen. Wenn man nun einen wissenschaftlich begründeten Erklärungsversuch des Namens Meier unternehmen will, so muß darauf verwiesen werden, daß sich in Westfalen das Meier-Verhältnis etwa folgendermaßen entwickelt hat: Karl der Große, dessen Vater Pippin der major domus (Hausmeier) der Merowingerkönige, sich selbst zum Könige der Franken gemacht hatte, hatte die fränkische Einteilung des Bodens auch auf das Sachsenland übertragen. Der Haupthof bekam von dem Gutsherrn, wenn er selbst am Hofe oder als Krieger im Felde war, einen Aufseher, der den Herrn vertrat. Das war eben der major villicus. Dieser sich so entwickelnde Meier hatte auf größeren Gütern noch verschiedene Untermeier. Es entstand bei der Bemsierung eine Art Lehnsverhältnis, wobei der Herr gelobte, zu schützen, der Belehnte, treu und hold zu sein. Während der Landesherr durch Vögte und Gaugrafen richtete, bestand das Gemeindegericht auf dem Thing häufig daneben. Manche dieser Aufseher schwangen sich zu Rittern auf, zum Stande des niederen Adels und versuchten, sich von ihrem ursprünglichen Gutsherrn loszulösen. So entstanden in der Schweiz die Adelsnamen Meyer von Knonau und Meyer von Siggingen sowie andere. Als dann später der Haupthof gegen Pacht abgegeben wurde, bildete sich das eigentliche Meierrecht. Neue Höfe entstanden durch Waldrodung, Haupthöfe wurden in Kotten zersplittert, besonders seit dem 14. und 15. Jahrhundert. Diese Hofbesitzer hießen von nun an Meier. Schließlich war das Meierverhältnis allenthalben erblich; die Meier traten in Erbpacht und wurden dauernde Besitzer, wenn auch nicht Eigentümer der Höfe. Das Recht der Abmeierung, welches die Herren befaßen, war, abgesehen von besonderen Fällen, wo klare Gründe Vorlagen, eigentlich nur theoretisch noch vorhanden. So war die Entwicklung der Verhältnisse in Westfalen. In Süddeutschland ist sie im wesentlichen in der gleichen Linie verlaufen. Der Meier war hier zunächst der oberste Wirtschaftsbeamte im Großgrundbesitz des Adels und der Geistlichkeit, der meist auch Richter war. Zuletzt hatte jede größere bäuerliche Gutseinheit, d. i. jeder Hof, einen Meier als Wirtschafter im Dienst des Grundherrn oder als Pächter. Das Meiertum ist am reichsten entwickelt in Westfalen, Hannover, Bayern, Württemberg und der Schweiz. Von dort stammt die Fülle der Familiennamen. So werden im Hannoverschen Namenbuche von 1852 in der Stadt Hannover 234 einfache und 211 zusammengesetzte Meyer aufgezählt, während in dem Münchener Adreßbuch von 1892 schon 1307 selbständige Personen den Namen Meier in verschiedenen Schreibarten führen. Je häufiger in einer Gegend die Meierwirtschaft war, desto häufiger findet sich natürlich der Name. Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er in Hannover nirgends häufiger als im Hoyafchen und Osnabrückschen. Hier gehören die Meierhöfe meist zu ben größten, weil die Meier, das Land der Herren bewirtschaftend, leicht mehr hatten als andere freie Eigentümer, zumal, wenn sie Besitzer von Vollhöfen waren. Manche Meier hatten ganz hervorragende Rechte in ihrer Markgenossenschaft. In Ostfriesland dagegen, wo die Meier nichts als Pächter der freien Bauern find, haben sie vorwiegend die kleinsten Besitzungen. Was nun die Schreibweise des Namens anlangt, so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, was überhaupt mit so wenigen Buchstaben zu leisten war. An das ursprüngliche Major, das sich auch noch als Familienname findet, schließen sich die süddeutschen Familiennamen am nächsten an: Maser, Mayer, Mayr, Maier, Mair. In Norddeutschland findet sich am häufigsten die Form Meyer, außerdem Meier, Meyr, Maier, Meser. Im 19. Jahrhundert hat eine Familie Meser im Hildes- heimischen auch die Aussprache Meser angenommen, wohl um sich aus der allzugroßen Sippe besser auszusondern. Vielfach bleibt der Name unzusammengesetzt, bekommt aber von der Bauernschaft oder der Lage des Hofes einen Zusatz, der zum Namen gehört. Solche halbzusammengesetzten Namc,» gibt es im Osnabrückschen eine große Zahl, so z. B. Meyer zu Atter, Meyer zum Varwick (aus Vorwerk entstanden). Viele der Ortsnamen, die in diesen Bezeichnungen stecken, sind völlig von der Karte verschwunden. Aber der Name des Hofes bleibt, auch nachdem die größere Bauernschaft den Ortsnamen aufgesogen hat. Die Sattelmeier, die Besitzer der sieden Höfe in der Umgegend von Engem, mit Namen: Nordmeier, Ebmeier, Meier Johann, Barmeier, Ringsmeier, Meier zu Hücker, Meier zu Hiddenhausen, außerdem sieben etwas weiter wohnende Meier rühmen sich der Abstammung von Wittekinds Gefährten, der in Engem einst seinen Sitz hatte. Bei der Beerdigung eines dieser Meier wurde ein gesatteltes und gezäumtes Pferd vorangeführt. Die wirklichen Zusammensetzungen des Namens Meier mit anderem germanischen Sprachgut sind nun überaus zahlreich. Da ist erstmals die Zusammensetzung mit altdeutschen Personennamen, z. B. Brenninkmeier, dann mit kirchlichen Personennamen Clausmeier, Jürgensmeier. Dann sind weiter Zusammensetzungen nach der Beschäftigung: Schreibmeier, Zimmermeier; nach dem Oie Hebungen der deutschen Flotte In der Ostsee zwischen Warnemünde und Kiel fanden in Gegenwart von zehntausend begeisterter Zuschauer große Hebungen der Flotte statt, über die wir am Mittwoch schon berichteten. Unser Bild zeigt die Linienschiffe (im Vordergrund die „Hessen") in voller Fahrt. Wohnort, nach Flüssen, Bergen und allgemein nach der Lage des Hofes. Weitere Zusammensetzungen dieses Namens werden vorgenommen mit den Erzeugnissen des Bodens wie Habermeier, Kornmeier. Auch mit Blumen, Bäumen und Tieren sind Zusammensetzungen vorhanden, wie Rosenmeier, Distelmeier, Birkmeier, Eichmeier, Ebermeier. Interessant sind auch die Zusammensetzungen des Namens Meier mit gewissen Verpflichtungen, dis eben der Meier übernommen hatte. So besorgte der Schandelmeier die Kerzenabgabe an Altären (chandelle = französisch Kerze); der Strohmeier sammelte den Zehnten an Strohgarben ein. Die Träger des Familiennamens Meier haben zwar nicht einen einzig dastehenden Namen, aber sie dürfen die [Überzeugung haben, daß dort, wo ihr Blut rein geblieben ist, ihr Name in der deutschen Geschichte und in der Entwicklung des deutschen Volkes auch seinen Teil bedeutet. Hochzeit in Oberammergau l Zf —Miiä W > .M W - -w- . Ä'M ;/ ... M 'M .. "MM ■ ' z Dr. Anton Lang, der Sohn des früheren Christus» darstellers und jetzigen Prologfprechers Anton Lang, und die Magdalena-Darstellerin Klara Mayr haben den Bund fürs Leben geschlossen. Das junge Paar wird bereits Anfang September nach Amerika fahren, da Dr. Lang einem Ruf an die Universität Washington folgen wird. Daten für Donnerstag, 3Ü. August. 1844: der Geograph Friedrich Ratzel in Karlsruhe geboren (gestorben 1904); — 1856: der Nordpolfahrer John Roß in London gestorben (geboren 1777); — 1928: der Maler und Bildhauer Franz von Stuck in München gestorben (geboren 1867); — 1933 (bis 3.9.): Reichsparteitag der NSDAP, in Nürnberg. IM» MW WA Vornan von Anny von panhuys. Urheberrechtsschutz: Füns-Türme-Verlag, Halle (S.) 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Sechstes Kapitel Werner Olden strich erst das lang geschnittene, graue Haar mit gewohnheitsmäßiger Bewegung zurück und griff bann in die Tasten. Seine Frau war klein, unscheinbar und ältlich, nur ihre dunklen Augen waren jugendlich geblieben. Und manchmal brach es aus den Augen wie Flammen, die tief und heiß in ihrem Innern brannten, von denen aber ihr Alltag kaum etwas wußte. Sie hatte einmal Sängerin werden wollen. Ihre Stimme war alockenklar und stark gewesen; doch mitten in der Ausbildung — man prophezeite ihr eine blendende Zukunft — erkältete sie sich und verlor ihre herrliche (Bottesgnaöenftimme, die nie wiederkehrte. Kein Arzt konnte ihr wieder dazu verhelfen, kein Bad und kein noch so inniges Gebet. Einige Jahre nach dem großen Schiffbruch ihres Lebens heiratete sie den Mufiklehrer Werner Olden — und allmählich schloß sich die Wunde, die ihr das Schicksal geschlagen hatte. In der Liebe ihres Mannes und ihres einzigen Kindes genas sie allmählich; aber sie blieb eine stille, etwas scheue Frau, die, wenn sie sich auch in ihr Geschick hatte fügen müssen, doch nie und nimmer vergessen konnte und bis an ihr Lebensende einem Traum nachträumen würde, den ihr das Leben nicht erfüllt hatte. Frau Olden saß auf dem altmodischen Ledersofa, und Donata lehnte behaglich in einem tiefen Armstuhl; ihr Vater spielte ihnen sein neuestes Opus vor. Ein Werk mehr, das niemals gedruckt werden würde; so wenig wie die vielen anderen Kompositionen, die er in Schöpferstimmung auf dem Notenpapier festgehalten hatte. Aber immer sang und klang es in ihm, und er mußte die Töne einfangen, wie ein Junge im Netz schöne, leuchtend bunte Schmetterlinge einfängt. Die Hoffnung, daß feine Arbeiten je gedruckt würden, hatte er eingesargt. Er hatte viele Schüler, konnte leben und war schließlich zufrieden mit dem Beifall, den chm Frau und Tochter spendeten. Darüber vergaß er, daß er einmal den Beifall der ganzen Welt erhofft hatte. Er griff in die Tasten, und es stieg daraus hervor ein Sturm und Wetter; es knatterte und pfiff; es brauste und keuchte — die Hölle schien los zu sein. Es war der letzte Satz einer Symphonie, der wild und toll begann und sich allmählich in Frieden und Ruhe auflöste. In verhallenden Akkorden, die in Harfensaiten geboren schienen. Als Werner Olden fein Spiel beendet hatte, herrschte Schweigen; dann erhob sich feine Frau, und ihr blasses, leicht verfälteltes Gesicht schien von einem inneren Glück so eigen rosig, als liege der Schein eines offenen Feuers darüber. Ihre dunklen Augen aber leuchteten wie Edelsteine seltener Art. Sie trat zu ihrem Manne und legte ihm beide Hände auf die Schultern. „Werner, das war wundervoll, gar nicht zu sagen — wundervoll war das! Wie ein großes Erleben! Du mußt die Arbeit Verlegern vorspielen, du darfst nicht resignieren — das wäre eine Sünde. Fasse Mut! Versuche es noch einmal! Ich fühle, du wirst endlich Erfolg erringen." Sie stampfte mit dem Fuß. „Du mußt und sollst dock noch Erfolg haben, und diesmal ist er dir sicher.' Donata hatte auch das Empfinden, daß ihr Vater mit der Symphonie „Die wilde Jagd" etwas ungewöhnlich Gutes geschaffen hatte; aber sie erinnerte sich aud) gleichzeitig an die vielen vergeblichen Wege, die er seiner Kompositionen wegen schon gemacht, und erinnerte sich, wie oft er Arbeiten fortgeschickt, und wie die Post alles wiederbrachte mit einem beigefügten gedruckten Wisch, auf dem man las, daß sich der Verlag aus bestimmten Gründen leider zur Ablehnung des Werkes entschließen müsse. Donata erhoffte für den Vater nicht mehr viel; aber sie hätte wer weiß was dafür gegeben, wenn sie ihm zu dem von ihm heiß ersehnten Erfolg hätte verhelfen können. Aber sie war ja machtlos und wußte: sie verstand auch zu wenig von Musik, um ihres Vaters Arbeiten richtig zu beurteilen. Ihr Gefühl sah in ihm einen großen Künstler; aber ihr Verstand fand, die Verleger konnten doch nicht alle urteilslos fein. Es klingelte draußen, und Frau Olden ging öffnen. Eine Dame stand draußen und sagte bescheiden: „Ich hörte, hier wird Musikunterricht erteilt, und ich möchte gern Klavierstunden nehmen." Frau Olden ließ die Fremde in den Hausflur treten. Die Dame schien Ende der Zwanziger zu sein, war einfach gekleidet, trug einen grauen Regenmantel und eine weiße Mütze. Sie hatte ein hübsches Gesicht mit sehr hellen Augen unter platinblondem Haar. Auch die Augenbrauen waren so hell wie das Haar. Frau Olden hatte die Erscheinung der Fremden mit raschem Blick geprüft. Jetzt öffnete sie die Tür zu dem sogenannten Musikzimmer, in dem ihr Mann zu arbeiten und zu unterrichten pflegte, und ließ die Fremde vorangehen, rief dabei ihrem Manne ein paar erklärende Worte zu und zog sich zurück. Olden hatte sich schon erhoben und verneigte sich vor der Fremden. ,Sie wollen Klavierunterricht bei mir nehmen, mein Fräulein? Ich stehe zu Diensten. Bitte, setzen Sie sich, damit wir alles besprechen können." Donata verließ, ebenso wie es ihre Mutter getan hatte, das Zimmer. Die Fremde saß sehr bescheiden da und stotterte sogar vor Scheu, als sie erklärte: „Ich habe keine Ahnung vom Klaviersptel; aber mein Verlobter schwärmt so sehr für Musik, und da möchte ich ihn nach der Hochzeit gern mit Klavierspiel überraschen. Ich will heimlich Unterricht nehmen — und wenn ich's nur so weit brächte, ihm ein paar Volkslieder vorzuspielen, wollte ich schon zufrieden sein. Vor einem Jahr können wir ja nicht heiraten, und bis dahin lerne ich vielleicht noch ein bißchen, wenn ich mir große Mühe gebe." Sie sah Werner Olden fast bittend an. Er mußte unwillkürlich ein wenig lächeln. Aus was Verliebte doch alles verfallen! Er hielt im allgemeinen nicht viel von älteren Schülern; aber vielleicht war die hübsche, beinah weißblonde Person eine Ausnahme, die noch gut vorwärtskam. Und wenn nicht, würde es ihr wohl gelingen, innerhalb eines Jahres ein paar Volkslieder nach Noten spielen zu lernen. Ob sie Talent besaß oder nicht, konnte ihm gleich sein. Die wenigsten seiner Klavier- und Geigen-, Lauten- oder Celloschüler waren besonders begabt. Sie wollten ein Instrument erlernen — und wenn das Talent fehlte, freute er sich auch über ein Talentchen. Die meisten erlernten ihr Instrument wie ein Handwerk. Wegen Mangel an Begabung konnte er keinen Schüler abweisen, sonst hätte er verhungern müssen. Er erwiderte also freundlich: „In einem Jahr können Sie schon eine ganze Menge lernen, wenn Sie nicht gerade ungewöhnlich faul sind." Sie beteuerte: „Ich will sogar sehr fleißig sein. Wann darf ich anfangen? Je eher, desto besser." Meinetwegen schon morgen, Fräulein!" Er dehnte das Wort Fräulein, und es klang wie eine Frage. Sie lächelte, und es kamen dabei kleine, spitze Mausezähne zum Vorschein. „Ich heiße Betty Zolfmann und wohne im Prüfling. Wann darf ich morgen kommen?" Er entschied: „Um fünfzehn Uhr — wenn es Ihnen dann paßt!" Sie war einverstanden und wollte sich erheben. Er sagte: „Ich pflege für die Stunde eine Mark zu nehmen", und wunderte sich, daß sie bisher nicht nach dem Preis für die Unterrichtsstunde gefragt hatte. Eigentlich sah sie gar nicht so aus, als ob sie es besonders dick hätte — und er hatte auch ein paar Schüler, die weniger als eine Mark zahlten. Sie gab zurück. „Ich zahle gern eine Mark!" Er freute sich, denn dreimal in der Woche wollte sie zum Unterricht erscheinen. Die Zubuße würde dem Haushalt angenehm zugute kommen. Er brachte die neue Schülerin bis vor die Haustür, lief dann fast jungenfroh wieder ins Zimmer, wo Frau und Tochter ihn schon erwarteten. Er verkündete vergnügt: Die neue Schülerin bezahlt für die Stunde eine Mark und nimmt wöchentlich drei Stunden." Seine Frau nickte ihm zu: „Sehr erfreulich, wenn wöchentlich drei Mark mehr einkommen; aber ich habe von der Neuen den Eindruck, als wenn du ziemlich viel Arbeit mit ihr haben würdest." „Sie versprach, sich sehr viel Mühe zu geben", gab er zurück. „Schicke deine neue Symphonie an einen Verlag, Werner!" bat die schmalgliedrige, blasse Frau. „Vielleicht brauchst du dann bald gar keinen Unterricht mehr zu erteilen!" Werner Olden, der längst alle Zuversicht verloren hatte, als Komponist etwas zu erreichen, gab nach. „Ich will es noch einmal wagen, Steffi! Aber Hoffnung habe ich keine mehr." Am Abend mußte er aus dem Haufe gehen. Er dirigierte einen kleinen Bornheimer gemischten Chor, in einer Wirtschaft der oberen Bergerstraße. Dort nahm er sich das Adreßbuch und suchte den Namen der neu-'n Schülerin. Zolfmann war kein Durchschnittsname; aber er fand ihn nicht und vermutete daher, wahrscheinlich wohne die auffallend hellblonde Dame nur möbliert. Schließlich war das gleichgültig — jede Stunde wurde sofort bezahlt. Und um dieselbe Zeit trafen sich Erich Merten und Suse Beßler im „Hafenschlößchen". Das war eine Wirtschaft tief drinnen im Gewinkel des ältesten Frankfurt. Hier faß Merten am liebsten, hier fühlte er sich am wohlsten. Ein Grammophon sang einen sentimentalen Schlager — und die beiden stießen mit den Gläsern an, darin dunkler Rotwein glühte. Suse, die sich bei Olden „Betty Zolfmann" genannt, hatte Mantel und Kappe abgelegt und die Zu Hellen Augenbrauen wieder dunkel nachgezogen. „Ich habe ein bißchen den Trampel gespielt bei dem Herrn Musikus und Familie. Hoffentlich klappt bald alles; denn wenn ich mir ausmale, ich müßts wirklich längere Zeit Klavierftunden bei dem ©rau» fopp nehmen, wird mir flau." Er zwinkerte: „Wirft die Sache schon fingern, daß die Qual nicht zu lange dauert. Mach deine Sache gut — es lohnt sich für uns beide." Die Grammophonplatte schluchzte weinerlich: Nie werd ich dich vergessen, Herzensmädel, Weil ich nur dich, nur dich wahrhaft geliebt! „Blech!" lachte Suse. „Wahrhaft geliebt! So 'n Mumpitz! Es lohnt gar nicht, sich für einen Mann so anzustrengen — nicht wahr, Erich?" Er pfiff leicht durch die Zähne. „Tust es doch, Suse, strengst dich doch für mich an! Es soll dir aber auch gelohnt werden!" Sie goß ein Glas Wein hinunter und lachte dann: „Morgen mache ich Klimper, Klimper, Klimper! Eine ganz verdrehte Geschichte ist das." (Fortsetzung folgt.) Schweinemarkt in Friedberg. Wirtschaft mit 11 bis 14 Mark. Der Handel war sehr lebhaft. Frankfurter SchlachwreiMarkt. Eewinnauszug Nachdruck verboten Ohne Gewähr Briefkasten der Redaktion. 18. Ziehungstag 28. August 1934 93219 217261 116297 340916 32697 192568 255783 90 Gewinne zu 500 M. Abendbörse: ruhig. schaffen als Großhändler. 306235 163283 317025 318307 352548 283115 4041 14160 15853 20302 113882 Frankfurter Getreidebörse. 102383 102943 97897 Uundfurrkprogramm Freitag, 31. August. 20 Tagesprämien. Um» Frankfurter Börse. Mltagsbärse: Aktien etwas leichter. Frankfurt a. M., 29. Aug. Die Börse war Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse — Relchsbankdiskonl 4 o. $)., Lombardzinsfuß 5 o. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL Frankfuri a. 2)1. Berlin kurs börfc Datum | 28-8- 29-8. 28.8. 29-8. 95 95,65 79,5 93 48,25 95 95,5 92 92 89,25 89,25 90,25 90,25 I. ®. Aarven-Jndustrie Scheide anstall........ 148,5 148,25 96,5 97 97,5 97,5 89,9 89,75 I "I 73 72,5 73,75 o| 89,9 0 105,75 105,25 89,75 128,5 0 127,5 90 89,75 !beintsche >fe. . - Banknoten. 90,5 91 Berlin, 29-August 93 93 27,5 28 27 8 8 186 Die hmler den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuietzi beschloßenen Dividende an. 226658 372546 48,5 57,75 26,9 199,5 177 129,5 48,5 57,75 81330 129902 152171 212434 295080 366316 126306 301411 159706 234451 354538 48,5 244 91,5 41,5 14,25 127,5 127 164 64,25 71,25 48,4 65,25 87,5 41,5 88,5 106379 115334 138514 147189 163589 171174 178010 196562 212887 222093 231507 241182 252014 262670 278601 287152 298695 306822 315675 324543 343623 370243 381096 394025 89559 150539 178445 277752 375675 92983 104149 112361 133217 153314 170458 189520 195444 204637 229014 243274 251314 265977 287208 311713 323942 353397 366674 392480 97156 105233 118045 135382 160452 173349 190975 195705 208638 230279 243511 253613 268469 287634 313084 334174 357140 370949 399674 108937 158043 206478 295115 110812 158232 211715 318363 107109 126473 137033 161752 175457 193234 200008 220242 234363 248473 255611 270497 288496 313863 341873 359157 373288 10709 193400 350312 107522 128276 139957 162957 175767 193938 202006 223878 237321 249304 258876 270526 300718 315452 345676 364693 380120 110513 139510 177378 248936 351468 163719 255649 357345 11099 203647 353015 110924 129361 148314 165848 178439 194359 202510 224335 238318 250922 261943 285491 305123 318619 347001 365840 382798 79917 123484 149112 179654 286197 366176 114355 133760 146610 160798 168205 177628 191106 211631 221805 231451 240318 250653 261053 274998 286712 296654 306221 311881 323952 342580 367615 377266 393432 98756 241189 2000 TL 296242 1000 TL 114751 211112 320706 147,75 224,5 87,5 41,4 88 3966 26813 93 101,4 28,75 197 177 129,75 88,75 41,5 88,5 65,25 71 48 65 79,4 95,25 48,9 244,5 91,5 41,65 14,25 127 126,75 164,75 9925 34471 63496 83693 10409'5 112351 131125 149928 169455 187400 194717 203348 224678 241568 250936 264959 285922 309559 323529 349321 366664 387310 93 101,4 78,75 95,65 48,5 243 92.25 41,5 14 127 127 163,75 116 65,4 71,13 48 65,5 124,9 48,65 57,25 82,5 28,4 198 177 130,25 95673 137009 168838 221827 304955 379500 104381 139675 169022 246214 306508 387631 107146 124807 144264 153448 165817 171476 185549 202100 215672 228145 235749 243710 255860 266840 281214 291701 301179 309338 319259 334505 358323 374646 383184 108191 129900 145332 156301 167240 175970 189170 210209 218094 228704 238838 245366 256475 272276 285630 294122 303543 310365 322668 335996 359692 374764 385369 105358 138708 173099 247403 345709 399853 112705 131118 146440 158522 167326 176276 190718 210811 221445 231116 239732 249801 260073 272885 286418 296476 304806 311421 322818 339033 361626 375594 391115 9 0 0 0 Schlußkurs 115,75 64,25 71 48,5 65,5 124,75 49 57,5 82,5 27 199,65 178 130,25 91,75 41,5 14 126,75 127 164,5 7,1 6,85 7 9,75 106917 118912 140392 .147388 165357 171293 178127 197355 215630 223692 233533 241712 253182 263023 280721 290229 301110 307262 316008 332830 345847 370809 381633 394230 72254 145609 1720 0 267479 369285 Schluß!. Dl mag» börse 148,75 225/5 88,5 41,5 88 16 Gewinne zu 264880 280218 44 Gewinne zu 81718 91952 174267 208448 259972 290757 Goldschmidt ... Rütgerswerke ... MetaUgeiellschaft. 1690 2107 45400 46673 50135 55664 57236 60571 8 Gewinne zu 3000 TL 324323 8 Gewinne zu 2000 TL 359129 _ 28 Gewinne zu 1000 TL 100904 146207 149465 Malfelder Bergbau .. Koküwerke ........... Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen Rheinslahl ...... Bereinigte Stahlwerte. Olavi Minen ....... Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaltwerte Salzdetfurth 5147 20891 57158 71743 122572 163707 165298 222186 231191 243939 322034 323213 351850 7658 13166 13200 40243 34636 41844 43152 44550 60596 62058 68961 70332 75001 81821 82288 83077 8 Gewinne zu 5000 M, 227793 8 Gewinne zu 3000 TL 398785 •K% ehem. V/t% Rl Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldps ehem. 4y,% Franks Hyp^ Bank-Ltqu^Pfandortefe...... lKi% ehem. *yt% Rl •% Deutsche Reichsanleihe ö. 1927 •% ehem.7% Dl ReichSanl. o. 1929 bVt% Doung-Anleihe von 1980 .. Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ...... DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte...... •% eljem.8% Hess. Bolküstaat 1929 trückzahlb. 102%) ....... 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12 ....... 6H% Hess Landes-Hypotheken- bank Darmstadl Liaui ..... Oberheilei' Provinz-Anleih« mit AuSlos.-Rechten Deutsche Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bi» 1935 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bll 1986 jhUtpp Holz mann ... Zementwerk Heidelberg >wentwerk Karlstadt. - °l • o . 0 101 • 0 ,. 0 . 0 . 6 .. 5 1Vt\ nicht mehr so lebhaft, als an den Vortagen, da die Kaufaufträge etwas nachließen. Die beachtliche Stei> ~ 270 Gewinne zu 300 TL ---- 16047 17644 17709 17803 18545 6-y Sffif 4% Oesterretchtsche Goidrrnlr.... 4,20% Oesterreichtsche Stlberrrakr 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische StaatSrentt v. 1910 4y,% deSgl. von 1913 ......... 6% abgesl Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlethe von 1911 »Lrürttsch, Bagdadbah»Anleihe rung seit zwei Tagen 1,50 v. H. beträgt. Am Aktienmarkt waren Westdeutscher Kaufhof bis 28 erhöht. 27,25 I 27,25 I 27 I - 78 - ,751 185 I 184,25 1 5. Klasse 43. Preußisch-Süddeutsche (269. Preuß.) Staats-Lotterie Die Abendbörse war ruhig und im allgemeinen gut behauptet. Auf Glattstellungen zu Ultimo wurden vereinzelt die festen Schlußkurse der Mittagsbörse nicht ganz gehalten. Die Abschwächungen betrugen aber nur Bruchteile v. H. So bröckelten Farben um 0,50, Verkehrswesen auch 0,50 v. H. ab. Aku verloren gegen den Frankfurter Schluß 0,25 v. H. Gut gehalten lagen Montanwerte. Beachtet vor allem wieder AEG., die bei vergrößerter Nachfrage auf 28,75 anzogen und einen Tagesgewinn von 2,50 v. H. aufwiesen. Auch Verkehrswesen und Mannesmann etwas lebhafter. Renten sind sehr gut gehalten. Zinsvergütungsscheine zogen nochmals 0,25 v. H. an. Im weiteren Verlauf waren Daimler bei 48,75 bis 49 gefragt, also 0,25 v. H. höher. Auch Westd. Kaufhof stiegen um 0,50 v. H. Im übrigen lagen die Aktienmärkte ruhig. Am Rentenmarkt traten keine Veränderungen ein. Für Stadtanleihen war ohne große Kursverschiebungen etwas mehr Interesse vorhanden. Am Einheitsmarkt lagen Gebr. Adt mit 47,50 2,50 v. H. fester und wurde die Nachfrage mit 40 v. H. Zuteilung erfüllt. Ferner lagen Bankaktien gegen die bereits schon stark erhöhten Mittagskurse erneut je 1 v. H. fester (Dedi-, Commerz- und Dresdnerbank). Nachbörse nannte man Dedi- bank 71 Geld, Commerzbank 61 Geld, Farben 147,90, AEG. 26,65 Geld. Schlußkurse: Aku 65,25, AEG. 28,75 bis 28,50, Scheideanstalt 224,50, Eßlinger Maschinen 50 (min. 1 v. H.), Farben 147,75, Gesfürel 109,50, Holzmann 73, Lahmeyer 117,40, Metallgesellschaft 88, Rütgers- werke 41,40, Schlickert 91,50, AG.-Verkehr 73,75. Standpunkt durch ihre Erklärung im vollen fange als berechtigt anerkannt." 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6% ehem. 8% LandeSpfand» briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ebcm. 7% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuerautfch. BerrechnunaSkurS Frankfurt a. M., 29. Aug. Arn Frankfurter Getreidegroßmarkt vom Mittwoch waren die Umsätze gering. Das Angebot fand nicht genügende Aufnahme durch die Mühlen, dagegen wurde das Kleingeschäft an Roggen schlank ausgenommen. Hafer und Gerste war seitens der Landwirtschaft kam angeboten. Das Futtermittelgeschäft litt unter der allgemeinen Zurückhaltung, da noch verschiedene Fragen in der nächsten Zeit geklärt werden. Es erzielten: Weizen Festpreisgebiet W IX 197, do. W XIII 201, do. W XIV 205, Roggen Festpreisgebiet R IX 157, do. R XIII 161, do. R XV 165, Futtergerste Festpreisgebiet 6IX 159, do. 0X1162, do. XII164, Hafer Festpreisgebiet H XIII157, do. H XIV 159, Weizenmehl Festpreisgebiet W XIII 26,90 plus 50 Pf. Frachtausgleich, do. W XIV 26,90 plus 50 Pf. Frachtausgleich, Roggenmehl Festpreisgebiet R IX 23 plus 50 Pf. Frachtausgleich, do. R XIII 23,35 plus 50 Pf. Frachtausgleich, do. 23,75 plus 50 Pf. Frachtausgleich, Weizenmehl IV B bis Roggenkleie nicht notiert, Soyaschrot 15,80, Palmkuchen 15,70, Erdnußkuchen 17,20, Treber 17, Trockenschnitzel —, Heu 11, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3, do. gebündelt 3. Tendenz: ruhig. In Mühlenprodukten unterbleibt Notierung mit Rücksicht auf bevorstehende behördliche Regelung. gerung in der letzten Zeit löste gleichzeitig für manche Werte ein Realisationsbedürfnis aus, so daß die Aktienmärkte nicht mehr einheitlich fest, sondern zumeist etwas leichter lagen. Dazu kommen im spürbaren Ausmaß Tauschoperationen von Aktien (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Auch für AKU. bestand Interesse bei 0,75 v. H. Steigerung, Farben verloren 0,75 v. H. Im übrigen Chemiewerte ebenfalls nur knapp gehalten. Am Elektromarkt verloren Siemens 1,50 v. H., Gesfürel 0,75, Bekula 0,25, dagegen AEG. 0,40 v. H. freundlicher. Am Montanmarkt war die Haltung uneinheitlich um den Bruchteil eines Prozentes verändert. Beachtet waren wieder Mannesmann, gut gehalten blieben Schiffahrtswerte. Eine Sonderstellung nahmen wieder Bahnaktien ein aufgrund des gesteigerten Güterverkehrs. Verkehrswesen um 0,40, Allg. Lokal & Kraft 1 v. H. höher. Zellstoffwerte ruhig. Im einzelnen Bemberg 0,65 v. H. Deutsche Lino 0,25, Junghans 0,75 v. H. schwächer. Im weiteren Verlaufe traten am AEG.-Markt Käufer auf, wobei die schon alte Version einer milderen Sanierung wieder auftauchte. AEG. 26,50 bis 27,75. Daneben Verkehrswesen auf 73,50, also nochmals 1,13 erhöht. Im übrigen blieben Aktien ruhig. Am Rentenmarkt war Altbesitz mit 95,40 befestigt, das Hauptgeschäft hatten Zinsvergütungsscheine. Pfandbriefe bei langsam vermehrter Nachfrage unverändert. Kommunalvbligativnen zeigten wieder Neigung zu leichter Befestigung. Auslandsrenten, vor allem Mexikaner, im Gegensatz zum Vortag ruhiger und behauptet. Tagesgeld 3 v. H. Gießen. Im Fragefall kann aus Billigkeitsgründen die Aufwertung des früheren Sparguthabens Ihres Vaters aus den bei den preußischen Sparkassen eingerichteten Härtefonds erfolgen; da die Gründe, die zur Gewährung einer Aufwertung aus Billigkeitsgründen führen, in der Person des Gesuchstellers liegen müssen und eine bei diesem herrschende Notlage lindern ober beheben sollen, dürfte die an sich rechtlich zulässige Abtretung der Aufwertungsforderung wenig ratsam sein. Hat der Gesuchsteller anderweitige fällige Verbindlichkeiten, so kann ihm von dritter Seite die Aufwertungsforderung beschlagnahmt und gepfändet werden; tritt er, um dieser Gefahr zu entgehen, seine Forderung mit allen Rechten auch noch an eine nahe Verwandte ab, so können die Gläubiger diesen Abtretungsvertrag nach den Vorschriften des Anfechtungsgesetzes mit Erfolg anfechten und erreichen, daß wegen ihrer Ansprüche gegen den Zessionar (Tochter) vollstreckt wird; stellt die Aufwertungsforderung das einzige Vermögensstück des Gesuchstellers dar und wird es, um es dem Zugriff seiner Gläubiger zu entziehen, auf die Tochter übertragen, so giftet diese auch gemäß § 419 BGB. als lieber» nehmerin. Da die Kosten der in notariell und gerichtlich beglaubigter Form beizubringenden Erklärungen sowie die Kosten des Erbscheins nicht gering sein dürften, die Höhe der aus Billigkeitsgründen zu gewährenden Aufwertung diesseits nicht angegeben werden kann, weil der Goldmarkbetrag des früheren Sparguthabens diesseits unbekannt ist, dürfte sich fragen, ob aus praktischen Erwägungen die Aufrechterhaltung des Aufwertungsantrags überhaupt geboten erscheint. W. I. G. Aus Ihrer Anfrage ist nicht ersichtlich, ob die von Ihnen gemietete Wohnung unter Mieterschutz steht ober nicht; war sie nach bem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworben, ober beträgt bie Frie- bensmiete über 800 RM. jährlich, so hat bie von Ihrem Vermieter auf Grunb bes § 4 bes Mietvertrags ausgesprochene Kündigung Gültigkeit. Ziehen Sie nicht fristgemäß freiwillig aus, so kqnn ber Vermieter bie Räumung im Klageweg erzwingen; auf Ihren Antrag kann Ihnen vom Gericht eine angemessene Räumungsfrist (in ber Regel 4 bis 8 Wochen) gewährt werben. Handelt es sich aber um eine sog. Altwohnung, so ist bie ausgesprochene Künbigung bedeutungslos, da in diesem Falle Räumung nur im gerichtlichen Kündigungs- oder im Klageverfahren verlangt werden kann. Im Fragefall' kann der Vermieter auf Aufhebung des bestehenden Mietverhältnisses mit Erfolg nur bann klagen, wenn Sie mit einem Betrag im Verzug finb, welcher ben für bie Dauer eines Monats zu entrichtenben Mietzins übersteigt; bei einem ben Betrag für zwei Monate nicht erreidjenben Rück- ftanb ist bie Erhebung ber Klage erst zwei Wochen nach ber Fälligkeit zulässig. Die Aushebung ist je- boch bann nicht mehr zulässig, wenn Sie bis zum Ablauf von zwei Wochen seit Erhebung der Klage ben Vermieter wegen besten Mietforderung befriedigen. Schultheis Patzenhviel .....0 Atu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg .............0 ßellftoff Waldhof ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas .............. 7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum..... . .. 0 Orenstetn L Koppel .......... 0 Leonhard Tietz ....... 0 Thade......................10 Acrumulatorrn-Fabrü........ 0 lonti-