Nr. 200 Erster Blatt 184- Jahrgang Dienstag. 28. August 1954 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im DUd - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrantsurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universttatr Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Den Nachsatz mit Augurenlächeln wegzwinkernd, fragten damals böse Zungen, wer von den beiden Donaustaaten nun wohl Mandschukuo und wer Jehol sei. Die Kleine Entente wurde etwas nervös und Frankreich wußte nicht, ob es angesichts dieser japanischen Entwicklung Rußland oder England spielen solle. Italien aber erklärte, daß es nur vom reinsten Idealismus beseelt fei und nichts als den Frieden und die Wohlfahrt im Donauraum im Auge habe. Heute, nach dem österreichisch-italienischen Abkommen, schreibt die italienische Presse noch offener, daß Italien nunmehr auch der militärische Garant Saarländer! 30. August letzter Termin Eurer Meldung! Höhe von 200 Millionen Schilling. Mit der letzten Anleihe von 300 Millionen sei schlecht gewirtschaftet worden. Der Februar-Putsch habe allein 100 Millionen und der Juli-Putsch wahrscheinlich dieselbe Summe verschlungen. Falls eine neue Anleihe überhaupt in Frage komme, müsse sie mit verstärkten Garantien für die Unabhängigkeit Oesterreichs und einer klaren Rückkehr zu den Genfer Protokollen von 1922 verbunden Berlin, 27. Aug. (DNB.) In der Reichskanzlei fand in feierlicher Form die Vereidigung der Beamten aufden Führer und Reichskanzler statt. Der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Lammers, hielt eine Ansprache an die versammelten Beamten, in der er einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Berufsbeamtentums gab. Er führte u. a. aus, daß das Berufsbeamtentum bis zum Novemberverbrechen von 1918 immer eng verknüpft gewesen sei mit der politischen und geschichtlichen Entwicklung des deutschen Staates, daß der Beamte in einem unlöslichen Treue- und Gehormsamsver- hältnis zum Monarchen und damit zum Staate gestanden habe. Der ärgste Feind dieses engen persönlichen Bandes sei der Liberalismus gewesen. Mit seiner Betonung der völligen Freiheit des Individuums habe er ablehnend gegenübergestanden der aus Unterordnung, Gehorsam und Treue bestehenden Lebensführung des Beamten. Im monarchischen Staat habe der Liberalismus den Beamten vom Monarchen zu trennen gesucht. Im republikanischen Staate seit 1918 habe er die Beamten teils als fachlich ausgebildete Handlanger, teils als parteipolitische Dien st knechte benutzt. Wenn er auch in Erkenntnis der Unentbehrlichkeit des Berufsbeamtentums sich mit ihm versöhnt und es verfassungsrechtlich garantiert habe, so wisse doch jeder, wie wenig die wohlerworbenen Rechte der Beamten im Parteienstaat von Weimar bedeutet hätten. Diese Staatsform habe ein richtiges Treue- und Gehorsamkeitsverhältnis mit den Beamten überhaupt nicht Herstellen, ja gar nicht ertragen können. Die Treue wurde „der Reichsverfassung" schworen, einem Schema von Paragraphen, über dessen Beachtung sich die jeweiligen Machthaber beliebig und reichlich hinweggesetzt hätten. Der nationalsozialistische Staat bejahe das Berufsbeamtentum als solches und strebe auch bewußt eine Stärkung des gereinigten Beamtentums an. Der seelenlose Eid der Weimarer Reichsverfassung mußte in dem autoritären Führerstaat, unserer heutigen Staatsform, verschwinden und ersetzt werden durch einen Eid, in dem die persönliche Treue» und Gehorsamspflicht zum Führer des Deutschen Reiches und Volkes, zu Anleihe gleichbedeutend sein mit der Vorbereitung jenes Krieges, den Mussolini „voraussage". Der Völkerbund könne nicht eine Politik unterstützen, die sich ohne feine Mitwirkung, ja gegen ihn und gegen den Völkerbundspakt vollziehe. Oie Freigabe des Habsburger Vermögens. Das Verufsbeamtentum im neuen Reich. Staatssekretär Lammers bei der Vereidigung der Beamten der Reichskanzlei. verlassen, was in Moskau als Zusammenbruch der Verhandlungen betrachtet wurde. Weiter hat die Sowjetregierung die Verhaftung owjet» russischer Beamter an der chinesi chen Ostbahn mit dem Mißlingen der mandschuri ch-sowjet- russich-japanischen Verhandlungen über den Ankauf der Bahn in Verbindung gebracht. Demgegenüber betont Japan, daß die Verhaftung von Sowjetbeamten von den mandschurischen Gerichtsbehörden angeordnet worden sei wegen Verletzung der' Interessen der mandschurischen Regierung an der chinesischen Ostbahn durch Ueberfälle, Sprengstoffanschläge usw., die nicht das Geringste mit dem Mißlingen der Verhandlungen zu tun haben. unserem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Ausdruck kommt. In seiner Person sei die nationale Idee wieder verkörpert, und im Dienst für die nationale Idee liege allein die Existenzberechtigung des deutschen Berussbeamtentums, liege auch seine historische Tradition. Selbstloser Dienst an der Nation habe das Berufsbeamtentum groß gemacht und ihm feine politische Bedeutung verliehen, nur selbstloser Dienst an der Nation könne ihm diese Bedeutung erhalten. Hindenburg sollte als erster das Frontkämpferkreuz tragen. DNB. Berlin, 27. August. Nachdem der inzwischen verewigte Herr Reichspräsident und Generalfeldmarschall von Hindenburg durch Verordnung vom 13. Juli d. I. das Ehren- kreuz für Kriegsteilnehmer und für die Witwen und Eltern gefallener Kriegsteilnehmer gestiftet hatte, hatte der Herr Reichskanzler seinerzeit in Aussicht genommen, den Generalfeldmarschall als den ober st en Führer im Weltkriege zu bitten, als er st er das Ehrenkreuz anzulegen. Dadurch wäre der Auszeichnung, die für alle Zeiten ein stolzes Erinnerungszeichen für die Streiter im Weltkriege, ihre Angehörigen und Nachkommen fein soll, d i e schön st e Weihe gegeben worden. Das inzwischen eingetretene Hinscheiden des Herrn Feldmarschalls hat die Ausführung dieser Absicht verhindert. Entsprechend dem Wunsch des Führers und Reichskanzlers befand sich jedoch auf dem Ordenskissen, das bei der Beisetzung des entschlafenen Generalfeldmarschalls dem Sarge vorangetragen wurde, neben den übrigen Kriegsorden des Verblichenen auch das Frontkämpferkreuz. Oer NS. Deutsche Frontkämpferbund auf dem Parteitag. DNB. Berlin, 27. August. Das Presseamt des NSDFB. teilt mit: An dem Parteitag in Nürnberg ist der NSDFB. (Stahlhelm) am 9. September 19 3 4 mit seinen Landesführern, einer Fahnenabordnung und einer Ehren- abteilung von 12 0 0 Kameraden beteiligt. Die Ehrenabteilung wird von den Landesverbänden Hansa, Nordsee, Westfalen, Mitte, Badea und Württemberg gestellt. Don unserem römischen E.-Korrespondenien. posten hätte, würde schon auf die Gebiete deutscher Zunge, auf Südtirol und den strategisch nicht minder wichtigen Landstrich südlich von Tarvis eine unheimliche Anziehungskraft ausüben. Der Drang zur Adria, nach Triest, wäre nicht aufzuhalten, und ein deutsches Triest würde die ganze ostpolitische Stellung Italiens zum Einsturz bringen. Ueberlegungen, die einem Italiener gegenüber mit Erfolg unmöglich bestritten werden können, denn hier spricht das mit Dernunftgründen nicht zu fassende Gefühl aus ihm, der Sicherheitsinstinkt. Er ist gerne bereit, dem ungefährlichen Oesterreich eine Freizone in Triest, Ungarn einen Freihafen in Siume einzurichten, niemals aber dürfte er nach seiner Rechnung der übermächtigen deutschen Wirtschaft die Hand bieten. Wir stoßen hier auf die gleichen Erwägungen, die schon zum Siechtum des Dreibundes und zum Anschluß an die Entente führten; um wie viel lebhafter müssen sie da heute sein, wo an Stelle der Doppelmonarchie eine Bresche zurückgeblieben ist, in die Italien hineinstoßen muß, wenn es nicht den Erben des Doppeladlers, den schon an sich recht unbequemen Adrianachbaren Jugoslawien dazu reizen will. Ein.Schul- beispiel für die Zwangsläufigkeit geopolitischer Entwicklungen. Akut wurde der Fall in dem Augenblick, wo sich in Rom die Ueberzeugung verbreitete, Deutschland versuche nach der Enttäuschung über die mangelhafte Unterstützung Italiens in den großen Tagesfragen der europäischen Politik eine Annäherung an Belgrad. Damit war die Achillesferse der römischen Vertragspolitik getroffen. In unbebeuienben Äußerlichkeiten, wie der Deutschlandfahrt serbischer Journalisten, erblickte man in Rom schon den Beweis einer groß angelegten Propaganda und sah — das Drautal gefährdet. Wollte man den ganzen gegenwärtigen Wirbel um Oesterreich aus die kürzeste Formel bringen, so könnte man sie vielleicht folgendermaßen fassen: Man sagt Oe st erreich, meint aber d i e Karawanken. Um Frankreich nicht mit dem Ausschelten seines serbischen Schützlings vor den Kopf zu stoßen, wird das Pressefeuer auf Deutschland gelenkt. Ob das nun zutrifft oder nicht, jedenfalls war die Taktik richtig: die italienischen Divisionen konnten aufmarschieren, ohne daß sich Frankreich oder der Völkerbund aufregen durften, denn es ging ja scheinbar nur gegen Deutschland. Das Gebiet, um das es sich handelt, ist schon einmal von italienischen Truppen besetzt gewesen, kurz nach dem Weltkrieg, als die Kärtner das Drautal in den Abstimmungskämpfen verteidigten. Damals wurde es tatsächlich durch die italienischen Truppen für Oesterreich gerettet, und heute mehr noch als damals hat Italien Grund genug, es auch in seinem Interesse nicht in die Hand Jugoslawiens fallen zu lassen. Die Rechnung für Rom war also einfach: Sollte es zum Sieg der Nationalsozialisten in Oesterreich kommen, so konnte das die kleine Entente, vor allem Jugoslawien, zu einem Vorwand für den Einmarsch benützen; folglich müssen wir zuvor kommen. Nun, nach der Unterstellung Oesterreichs unter die militärische Garantie Italiens, wird die Unbehaglichkeit in Belgrad und Paris begreiflich. Auch England, das vor zehn Jahren über die Beschießung Korfus und die „Zupfropfung der adriatischen Flasche" die Stirne runzelte, das soeben sicherheitshalber doch lieber die Sprachenfrage auf Malta nicht nach den Wünschen Italiens regelte, hat beklemmende Ahnungen. Niemand aber in der Entente dürfte Italien einen Vorwurf machen, denn schließlich, was macht Mussolini anders als die andern, wenn er zuerst für seine „Sicherheit" sorgt? Er hat wieder einmal bewiesen, daß er ein Römer ist. Bis aus weiteres ist die italienische Vormachtstellung im Donauraum gegen Frankreich und die Kleine Entente gesichert. Und das war der Zweck der Hebung. .. Den politischen Akademien bleibt es natürlich unbenommen, in ihrem Abscheu vor der rauhen Wirk- lichkeit den Sinn der Ereignisse irt dem Schutz der kleinen Staaten zu erblicken und, wie vor zwanzig Jahren über die Unabhängigkeit Belgiens, so heute über die Unabhängigkeit Oesterreichs ergreifend zu dozieren. Wien bittet um internationale Wirtschaftsbeihiife. Der Völkerbund erwartet Garantien gegen ein italienisches Protektorat. Wien, 27. Aug. (DNB.) Die Presse fährt fort, von den europäischen Mächten wirtschaftliche Hilfe zu verlangen. Unter der tteberfcljrift „Em europäisches Interesse — eine europäische TZerpsllch- tung" schreibt das christlich-soziale „Neuigkeitswelt- blatt": Es ist nicht einzusehen, warum Oester- reid) allein mit seinen beschränkten Kräften und Mitteln dem großen und reichen Europa immer und immer wieder Tribut zah 1 e n soll. Ist die Unabhängigkeit und Freiheit Oesterreichs den euro- päischen Staaten so viel wert, wie es die internationale Oeffentlichkeit oft genug anerkannt hat, dann ist Europa zu kräftig em Dank Der» pflichtet, fo t)at es teilzunehmen an den L « st e n die in Oesterreich zu jener Kriegsbereitschaft notwendig waren, die den Frieden sichern mußte. * Das deutschfeindliche „Journal des Na- Hon" wendet sich scharf gegen eine von Oesterreich beabsichtigte neue Dölkerbundsanleihe tn Berlin, 27. Aug. (DNB.) Nach den hier vorliegenden Meldungen aus Moskau, Tschangtfchun (Mandschurei) und Tokio haben die Beteiligten an den Ostchinabahn-Verhandlungen Verlautbarungen über den Stand der Verkaufsverhandlungen veröffentlicht. e In einer Erklärung des japanischen Außenministeriums heißt es, daß die mandschurische Regierung den von Sowjetrußland geforderten Preis von 2 5 0 Millionen Rubel abgelehnt und ihrerseits 50 Millionen Pen geboten habe. (1 Yen = 0,75 RM.) Später sei die mandschurische Regierung auf 110 Millionen hinaufgegangen. Außerdem habe sie sich zur Zahlung verschiedener Verpflichtungen, insbesondere von Entschädigungen für die an der Bahn tätigen Sowjet- staatsangehörigen bereiterklärt. Die Sowjetreoie- rung habe die Vorschläge der mandschurischen Regierung abgelehnt. Der mandschurische Hauptvertreter bei den Perhandlungen, Ochaschi, hat Tokio Die japanische Regierung hat eine Vermittlung zwischen Mandschukuo und der Sowjetunion eingeleitet, um die Verhandlungen zu beschleunigen. Wenn die Sowjetregierung wirklich Interesse daran habe, sich mit Mandschukuo zu verständigen, müsse sie Maßnahmen zu schnellster Regelung der Ost- bahnfrage treffen. Auch die mandschurische Regierung betont, sie sei immer bestrebt gewesen, ein freundschaftliches Ueberein- kommen über die Ostbahn zu treffen. Die Verhaftung von Sowjetbeamten hätte nichts mit dem Mißlingen der Verhandlungen zu tun. Der Regierung seien Mitteilungen zugegangen, daß gewisse Organisationen beabsichtigen, Unruhen, Streiks usw. an der chinesischen Ostbahn hervorzurufen, um den mandschurischen Staat in eine politische und wirt' schaftliche Krise zu stürzen. Die Regierung habe sich bereiter Härt, 17 0 Millionen Y e n für die Ost- dahn zu zahlen und habe damit bewiesen, daß sie unter allen Umständen d i e Frage gütlich regeln möchte. Sie sei auch weiterhin bereit, mit der Sowjetunion zu verhandeln, wenn dieser wirklich an einer Verständigung gelegen sei. Eine Mitteilung der Sowjetunion nimmt auf die genannten 170 Millionen Yen Bezug und |agt, daß diese Zahl sich durch die Zurechnung der 50MillionenYen Abfindung sgel- der ergebe, die den Sowjet- und mandschurischen 2lnge ft eilten der B a h n im Falle ihrer Entlassung zu zahlen seien. Derartige Ausgaben tonnten aber auf keinen Fall in den Preis für die Bahn einbezogen werden, da für die Entlassung aber Nichtentlassung der Angestellten nach dem Kauf der neue Eigentümer zuständig fei. Oesterreichs sei und daß sich Oesterreich selber dieser militärischen Bürgschaft unterstellt habe. Die bösen Zungen warten jetzt nur noch auf die Inthronisierung des jungen Habsburgers, um ihr Man- dschukuobeispiel fortspinnen zu können. Für das Weltspießertum braucht man aber noch einen Prügelknaben, und wer könnte das besser sein als der deutsche Michel? Nur Deutschland bedroht die Unabhängigkeit Oesterreichs, heißt es, und damit basta. Alle politischen Stammtische nehmen die Botschaft hin und trinken sich zu: jetzt ist der Friede gerettet. Wirklich alle? Als vor einigen Wochen Mussolini den Marschbefehl zur Grenze erteilte und die italienische Presse plötzlich Deutschland so behandelte, wie es Frankreich seit vielen Jahren vergeblich ersehnt hatte, als Italien den Abfall von dem vermeintlichen Erstgeborenen des Faschismus vollzog und sogar gegen diesen Mißratenen, diesen eroberungssüchtigen Nationalsozialismus vom Leder zog, da schrieb ich wörtlich: Vielleicht schlägt die Freude in Paris bald um. Einmal hat sich inzwischen der Mond gerundet und schon sind wir so weit. Es bedurfte kaum des vorwurfsvollen Belgrader Augenausschlags, an der Seine kratzt man sich bedenklich hinter den Ohren. Wieso, tut jetzt die Boulevardpresse verärgert, wieso kommt Italien dazu, sich zum Protektor eines unabhängigen Staates aufzuwerfen? Ist Oesterreich denn ein Tripolis oder Albanien? Was will Italien? Jugoslawien legt schon einen scharfen Ton in die Frage. Pfeift der Wind daher? Die kleine Entente schaut nach dem Pulvervorrat. Still verhält sich nur der Prügelknabe, stiller, als es manchem lieb ist. Vielleicht wird rpan nun bald merken, daß es für die Unabhängigkeit eines Landes weit gefährlichere Dinge gibt als Flugblätter imb Papierböller. . Wir wollen nun aber einmal auch die Dinge von Rom aus betrachten und — gleichviel, wie man sich dazu in den angrenzenden Ländern stellen mag oder muß — den italienischen Standpunkt beleuchten. Mit dem scharfen Frontwechsel Italiens, der um so verblüffender wirken mußte, als er kurz nach den Tagen von Venedig erfolgte, hat auch das Bild der faschistischen Emh^spresse einen grundlegenden Wandel erfahren. Kein Wort mehr gegen Frankreich, kein Wort mehr für Deutschland. War bis gestern die Demokratie die Zielscheibe aller Zimmerschützen, so jetzt der Nationalsozialismus. Entsetzte man sich bisher über den österreichischen Galgen, so wird jetzt die tägliche Hängerei wie der tägliche Wetterbericht hingenommen. Brachten die Zeitungen bisher Spalten über Spalten aus Deutschland, so nun über Oesterreich. Man könnte meinen, das nationalsozialistische Deutschland sei ein Zwergstaat, Oesterreich eine Großmacht geworden. Und diese Umwertung erstreckt sich auch auf das kulturelle Gebiet. So wird der deutsche Film, der vor einigen Monaten noch als Gipfelleistung gepriesen wurde, heute als lou- wütiger Hund bezeichnet (nicht etwa m neidischen Konkurrenzblättchen, sondern zum Beispiel im ojjp ziösen Giornale d'Jtalia). Kurz, man glaubt sich in die schönste Kriegszeit versetzt. Und der Harmlose schüttelt den Kopf: Was ist denn nur los. Was soll das alles? Nun, man muß vor allem bedenken, daß die italienische Presse nicht nur „ein Werkzeug in den Händen des Duce und für die Revolution" ist, wie sie sich selber voll Stolz nennt, sondern auch, wie Tanks und Bomber, eine Waffe, einen Teil des Heeres bildet. Sie marschiert, wie und wohin sie befohlen wird. Und da sie den Feind für den Schutzstaat Oesterreich in Deutschland zu sehen hat, kann ihr gewiß niemand Mangel an eifriger Pflichterfüllung vorwerfen. Die italienische Presse verteidigt damit nur, so fagt fu tue Helgen Prinzipien des Friedens und der Unabhängigkeit Oester- ^Oesterreich muß als Pfufferstaat erhal- ten bleiben, kann man immer wieder Horen, Italien könnte den Druck eines Fünfundsiebzigmil- lionenvolkes nicht ertragen. Ein Deutsches Reich das heute am Brenner und am Kanaltal feine Bor- Wien, 27. Aug. (DNB.) Wie verlautet, rechnet man in legitimistischen Kreisen mit einer baldigen Lösung der Frage des in Oesterreich beschlagnahmten habsburgischen Vermögens. Man weist darauf hin, daß schon vor Monaten der Septembertermin dafür in Aussicht genommen worden sei. Verstärkt werden diese Vermutungen durch Äußerungen des Außenministers Berger-Waldenegg, der am Sonntag in einer Rede erklärte, er betrachte sich sein. In dem ganzen Artikel des der kleinen Entente nahestehenden Blattes spielt die Furchtvor einem einseitigen Einfluß Italiens —.....-o ... ------ - - - • - . - in Oesterreich offensichtlich die Hauptrolle. Wenn «noch an den Eid, den er dem Kaiser ge- sich eine Politik fortsetze, die das österreichische Pro- geben habe, gebunden. Er werde nicht ruhen blem immer mehr dem dafür vorantwortlichen Böl- und rasten, bis das den Habsburgern angetane Unterband entreiße, so könnte die Gewährung dieser!recht wieder gutgemacht worden sei. Das Echo von Ehrenbreitstein. pariser preffestimmen. Man sucht auszuweichen. Paris, 27. Aug. (DNB.) Die Pariser Presse verfolgt die marxistische Taktik, die Berichte über die Kundgebung in Sulzbach an erster Stelle zu veröffentlichen, um zu versuchen, die Bedeutung der Koblenzer Kundgebung herabzusetzen. Die Erklärungen des Führers haben jedoch großen Eindruck gemacht. Die Blätter nehmen nichtsdestoweniger eine sehr reservierte Haltung ein und erklären, daß man denWillen zur Verständigung zur Kenntnis nehme und nunmehr darauf warte, daß den Worten Taten folgten. Man versucht den Eindruck zu erwecken, als ob Frankreich an der Saarfrage nur insofern interessiert sei, als es eine ehrliche Durchführung der Volksabstimmung wünsche. Der Führer habe also nicht ganz recht, wenn er von der Saar als von dem einzigen Hindernis einer deutsch-französischen Annäherung spreche. Der „T e m p s" (Kons.) schreibt dazu, man sehe nickt reckt, wie Frankreich seine Haltung ändern solle, diese Haltung bestehe ausschließlich darin, die Achtung vor den im Versailler Vertrag niederge- legten Bestimmungen über die freie Abstimmung zu respektieren. Man werde aber die Erklärungen des Führers gern zur Kenntnis nehmen, um sie mit den Handlungen zu vergleichen. Frankreich habe keine territorialen Forderungen. Es werde stets bereit sein, alle Friedensworte anzuhören, sie aber erst dann ernstlich zu berücksichtigen, wenn sie durch Handlungen bestätigt würden. Journal des D e b a t s" (Liberal) sucht in gehässiger Weise die Aufrichtigkeit der Erklärungen des Reichskanzlers in Zweifel zu ziehen. Die wahren Gedanken des Führers seien in seinem Buche niedergelegt, das man heute noch allen Deutschen als die nationalsozialistische Bibel reiche. Die deutsche Taktik bestehe augenblicklich darin, gewisse Länder einzuschläfern. Die „Information" (Finanz und Börse) verzeichnet mit Genugtuung die Erklärungen des Führers über die französisch-deutschen Beziehungen. Wie man feststellen müsse, bedeuteten sie, daß die elsässische Frage nicht wieder aufgerollt würde. Das sei unbedingt ein Fortschritt, soweit Worte überhaupt nock eine Bedeutung hätten. Auch Frankreich wünsche sehnlichst, daß die Regelung der Saarfrage auf Grund der vereinbarten Bedingungen das Ende der ewigen deutsch-französischen Streitereien darstelle. Es sei aber auch zu hoffen, daß man aus Berlin nicht wieder Drohreden höre. Niemand in Frankreich sei verrückt genug, um eine ehrlick dargebotene Hand zu verweigern, niemand sei aoer auch dumm genug, das Mindestmaß von Einsicht aufzugeben, das die Verteidigung eines großen Volkes fordere, wenn sich in seiner nächsten Nähe Männer in der Staatsfüyrung ablösten, die zwar in ihren Methoden verschieden seien, aber gleichbleibend in ihren stolzen Träumen. „I o u r n a l" (Rüstungsindustrie) fragt, welche Saarpolitik Frankreich eigentlich verfolge. Jeder Franzose, der über die Saar noch am besten Bescheid wisse, fasse das Problem als Wirtschaftsfrage, als Kohlenfrage auf. In Wirklichkeit handele es sich aber um eine geistige Schlacht. Welche Waffen benutze Frankreich dabei? Und roa$ unternehme es überhaupt? Hltler mobilisiere die Seelen. Er arbeite Energien heraus, er erzeuge eine Art Heldenzustand. Sei Frankreich seinerseits bereit, den Kampf auf diesem Gebiete aufzunehmen? Man möge sich französischerseits hüten, zu glauben, daß nur ein paar Tonnen Kohle der Einsatz des Kampfes seien. Der Einsatz bestehe zu einem gewissen Teil im französischen Ansehen überhaupt. Oie „Gegenkundgebung" der Separatisten. DNB. Saarbrücken, 27. August. Die in der separatistischen Presse groß angekündigte „Antifa- Kundgebung" in Sulzbach, von der es vorher hieß, daß 50 000 Anmeldungen vorlägen, hat ein wenig rühmliches Ende genommen. Die Zahl der „Beteiligten" blieb nach den vorliegenden Berichten um ein Vielfaches hinter den angekündigten Anmeldungen zurück. Die „Saarbrückener Zeitung" meldet etwa 12 0 0 0 Teilnehmer, Frauen und Kinder eingerechnet. Wie bei derartigen Veranstaltungen üblich, waren wieder viele Elsaß-Lothringer über die nahe Grenze gekommen. Von den zunächst in Saarbrücken bestellten vier Sonderzügen mußten noch am Samstag zwei wieder ab- b e st e l l t werden. Den Ordnungsdienst versah der Emigrantenkommissar Machte. An mehreren Stellen soll es zu Schlägereien gekommen sein; angeblich infolge eines Zwischenfalles, der durch den Wurf einer Tränengasbombe verursacht worden sei. Der angebliche Werfer, ein Sulzbacher Einwohner, wurde auf dem Friedhof verhaftet. In der Versammlung, zu der Zutritt zu gewinnen unmöglich war, sprach als Hauptredner der Marxistenführer Matz Braun, der sich in den üblichen Hetzereien gegen Adolf Hitler und gegen das neue Deutschland erging. Unfreundliche Kommentare der englischen preffe. London, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Aus Koblenz veröffentlichen fast alle Blätter lange und anschauliche Berichte ihrer Sonderberichterstatter. In den Berichten der „M orning Poo st" (konservativ) und des „Daily Telegraph" (konservativ) wird einiges Wesen aus einigen bei solchen Massenkundgebungen selbstverständlich vorkommenden Ohnmachtsanfällen gemacht, aber trotz solcher und ähnlicher Bemerkungen bestätigen die Berichte die allgemeine, nicht zu dämpfende Begeisterung. Im Leitaufsatz des „Daily Mai l" (Rotherme-Konzern) wird wieder Protest dagegen erhoben, daß ein Engländer Vorsitzender der Saarkommission ist. Sein Vorschlag, 2000 Hilfspolizisten ins Gebiet zu bringen, wird als Wahnsinn bezeichnet. Das Saargebiet enthalte genügend Explosivstoffe. „News C h r o n i c l e" (liberal) und „Daily H e r a l d" (Labour) ergehen sich in ihren bekannten weltanschaulichen Vorurteilen gegen die nationalsozialistische Politik. „Daily T e l e - arap h" geht zu ähnlichen Ressentiments in einen Angriff auf Dr. Schacht über und sagt: In einem Augenblick, wo sich der Führer in beredten Worten bemühe, das Mißtrauen des Auslandes zu entwaffnen, habe Dr. Schacht eine Rede gehalten, die es eher verursachen könne. Dr. Schacht wolle dem deutsch-englischen Handelsabkommen keine Chance geben. Die Tür, die Herr Hitler der Saarbevölkerung öffne, werde von seinem Minister der Welt gegenüber ins Schloß geworfen. „M orning Poo st" macht sich zum Sprachrohr der Emigranten- und Separatistenpresse des Saargebietes." „Time s" (konssro.) ist nicht so unfreundlich wie die „Morning Poost" und „Daily Telegraph", wenn sie auch gelegentlich in einem etwas schulmeisterlichen Ton verfällt. Hitler und auch Dr. Schacht werden ermahnt, es nicht immer so hinzustellen, als ob Deutschland unter der Böswilligkeit einer feindseligen Welt leide. Die Rede auf dem Ehrenbreit- stein wird als geschickt, leidenschaftlich und aufrichtig bezeichnet. Die erneute Aeußerung des Friedenswunsches gegenüber Frankreich verdiene Anerkennung als eine weise und wertvolle Versicherung in einem unruhigen Europa. Aber Hitler scheine anzudeuten, daß eine friedliche Regelung von Frankreich ebenso abhänge, wie von Deutschland. Tatsächlich sei es nur Deutschland, das die Regelung zustande bringen ober verhindern könne. (?) Hitler und andere nationalsozialistische Führer stellten es in ihren Reden immer so dar, als ob Deutschland verfolgt und mißverstanden werde. Es sei an der Zeit, daß ein großes Volk, das sich mit Recht feiner Stärke rühme, darauf verzichte, sich als mißverstanden aufzuführen. Diese Haltung vergrößere die Schwierigkeiten der anderen Länder der Welt beim Verkehr mit Deutschland. „Times" wendet sich dann der Leipziger Rede Dr. Schachts zu, die sie ziemlich unfreundlich kommentiert. 4' v.V V K O 7 Ml E» k- W s U ■' x •' J '4 M f* ■ .Mr E Der Führer auf dem Wege zum Festplatz auf dem Ehrenbreitstein. DieLage der evangelischen Kirche Durch den Erlaß des Reichsministers des Jnneriß vom 17. August sind kirchenpolitische Erörterungen» soweit sie sachlich sind, wieder zugelassen worden« Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, über befl gegenwärtigen Stand der Neuorganisation bet Deutschen Evangelischen Kirche zu unterrichten. Et ist ber Reichskirchenregierung gelungen, ganz Nord* deutschland mit einer Ausnahme ber Reichskirchs einzugliebern. Zuletzt erfolgten die Eingliederung ber Babischen Landeskirche unb ber Kur* hessisch - Walbeckschen Lanbeskirche, sowie ber Eintritt ber Evangelischen San« beskirche Anhalt in bie Kirchenprovinz Sachsen ber Altpreußischen Union, wobei bie Anhaltischs Lanbeskirche zwar als Propstei Anhalt bem Bischof von Magbeburg-Halberstabt unterstellt würbe, jeboch ihr bie eigene Regelung einer Reihe wichtiger Fragen überlassen würbe. So waren Anfang August von ben 28 Lanbeskirchen, bie 1933 vorhanden waren, bereits 25 in bie Reichskirche aufgegangen. Starke Schwierigkeiten bestehen, abgesehen von ber Reformierten Lanbeskirche Hannover mit dem Sitz in Aurich, besonders in Süddeutschland, wo zwar die Badische und die Pfälzische Landeskirche ihre Eingliederung in die Reichskirche bereits vollzogen haben, jeboch mit der Bayerischen und Württembergi- schen Landeskirche eine Einigung noch nicht herbeigeführt werden konnte. Auf der National- s y n ode am 9. August hat Oberkirchenrat Breit (München) für die anwesenden Vertreter aus Württemberg und Bayern eine Erklärung abgegeben, der sich drei Vertreter der Reformierten Kirche Hannover sowie Professor Dr. Beyer (Greifswald) und Bischof Zänker (Breslau) angeschlossen haben. In dieser Erklärung wurde Einspruch gegen bie Zusammensetzung der Nationalsynobe erhoben, da von den Mitgliedern der bisherigen Nationalsynobe etwa 15 Abgeorbnete fehlten, darunter Professor Fezer unb etwa 10 Abgeorbnete, die auf Grund ber Anordnungen der Reichskirchenregierung aus der Nationalsynode verabschiedet waren. Es wurde in der Erklärung geltend gemacht, daß es Sinn und Würde der Nationalsynode, sowie das Vertrauen der Gemeinden gefährde, wenn ihre Zusammensetzung vor jeder Tagung geändert werden könne. Die Tagesordnung sehe wichtige und umstrittene Gegenstände zur Beratung vor, die den Abgeordneten kaum 24 Stunden vor Beginn der Tagung bekanntgegeben roor* den seien. Die Annahme von Vorlagen, deren Durcharbeitung den Mitgliedern der Nationalsynode nicht möglich war, könne ferner nur dann erwartet werden, wenn unbestrittenes Vertrauen zur Führung der Deutschen Evangelischen Kirche bestünde, sowie im Reichstag auf Grund des unbedingten Vertrauens zum Führer Gesetze ohne Aussprache angenommen worden seien. Schließlich hieß es in der Erklärung, daß auch die Opposition mit allem Ernst' eine geeinte evangelische Kirche erstrebe, diese müsse jedoch'aus den Kräften des Evangeliums im Geist der Wahrhaftigkeit gebaut werden und aus ber lebendigen Gemeinde herauswachsen. Inzwischen hat die L a n d e s s y n o Ä e der evangelisch-lutherischen Landeskirche Bayerns einen am Samstag bereits mitgeteilten Beschluß gefaßt, der es ab lehnt, die Eingliederung in bie Reichskirche unter ben gegenwärtigen Umständen zu vollziehen. Herbstmesse! schen Außenwirtschaft nunmehr bie Barzahlung i. Kein geringerer treten. Der Reichsbankpräsibent erinnerte in seiner MeAoüvendiMenderdeuWenAußenwUchast Herstellung des Gleichgewichts zwischen Ein- und Ausfuhr. Es handelt sich also nicht um ben mehr ober weniger großen Willen Deutschland zum Außen- hanbel. Der ist burch bie Leipziger Messe, bie bas wichtigste Verbindungsglied ber deutschen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft ist, genügend bezeugt, so daß er nicht mehr zur Diskussion steht. Vielmehr handelt es sich allein darum, wie weit man Deutsch- land die Teilnahme am Welthandel möglich macht. Der Verlust ber Golbreserven zwingt uns dazu, nur so viele Waren im Auslanbe einzukaufen, wie das Ausland von uns zu kaufen bereit ist. Dr. Schacht hat in Leipzig mit aller Schärfe und mit der Klarheit, die alle feine Reden auszeichnet, betont, daß uns nur der einzige Weg übrig bleibt, unsere Einfuhr in Ueb ereinftimmung mit unseren Zahlungsmöglichkeiten zu bringen. Das ist die erste und grundlegende Notwendigkeit der deutschen Außenwirtschaft. Der Reichsbankpräsibent bezeichnete das gegenwärtige Devise n-R e partierungssystem ausdrücklich als eine Uebergangsmaßnahme, die nicht länger aufrechterhalten werden könne. An ihre Stelle soll nun eine dauernde Regelung treten. Sie besteht, wie Dr. Schacht ausführte, darin, daß künftig nur derjenige Importeur, der im Besitze einer entsprechenden Devisenbescheinigung ist, damit rechnen kann, die zur Bezaylung Der Importe notwendigen Devisen zu erhalten. An die Stell« ber im internationalen Handel bisher üblichen Kreditwirtschaft wird in der beut- Die diesjährige Leipziger ist am Sonntag eröffnet worden, als der Präsident Der Reichsbank Dr." Hjalmar Schacht hat die Parole für die Herbstmesse 1934 ausgegeben. Das beweist augenfällig, wie großen Wert der Leiter des deutschen Zentralgeldinstituts, der nun bekanntlich auch die Geschäfte des Reichswirtschaftsministers führt, auf diese Messeoeranstal- tung legt. Man hat die Leipziger Messe einmal das Schaufen st er der deutschen Wirtschaft genannt. Sie ist heute aber noch mehr. Sie ist die stärkste Triebkraft zur Ausbreitung und Förderung des deutschen Außenhandels. Denn die Messe zeigt dem Auslande, soweit es sehen will, daß Deutschland gar nicht daran denkt, sich freiwillig in eine Isolierung hinein zu begeben, unter ber, wie Dr. Schacht mit Recht betonte, beibe Teile, bie beutsche Wirtschaft sowohl wie bas Auslanb, schwer leiden würden. Rede mit einiger Ironie daran, daß gerade die Länder, die bisher auf ihren Vorrang als internationale Handels- und Finanzzentren stolz waren, Deutschland zu diesem neuen System der „Einfuhr per Kasse" genötigt haben. Das ist also die Notwendigkeit der deutschen Außenwirtschaft, die von außen her zwangsläufig an sie herangetragen worden ist, und aus der sie die Folgerungen ziehen muß. Eine dieser Folgerungen roirb bartn bestehen, baß bie Reichsregie- runa bie Herstellung inländischer Rohstoffe mit allen erbenklichen Mitteln förbern wirb. Das roirb ben auslänbischen Probuzenten, bie bisher Deutschland mit biefen Rohstoffen belieferten, natürlich großen unb oauernben Schaben zu- fügen. Dr. Schacht wies in feiner Rebe unumwunden barauf hin, baß biefe Deutschlanb aufgezwungene Entwicklung zur Autarkie vom Stanbpunkt der Weltwirtschaft aus höchst bebauerlid) ist, weil bie neuen Investitionen, bie zur Herstellung ber Ersatzstoffe oorgenommen werben müssen, auch bei einer etwaigen künftigen Aenberung ber internationalen Hanbelsbeziehungen auf Ausnutzung brängen werben. Aber Deutschlanb investiert bieses Kapital ja'nicht freiwillig. Es muß biefe Produktion von Ersatzrohstoffen aufziehen, weil man ihm ben Ankauf genügenber Mengen aus- limbischer Rohstoffe unmöglich gemacht hat, unb weil es allein mit Hilfe dieser Rohstoffindustrien seinen Arbeitslosen Brot und Arbeit geben kann. Aber für die deutsche Wirtschaftspolitik bleibt die Rohstoffautarkie eine ihm aufgezwungene harte Notwendigkeit. Deutschland wird, soweit diese Notwendigkeit nicht vorhanden ist, auch weiterhin so viel Waren importieren, wie seine Devisenlage ihm nur irgend gestattet. Es wird sogar seinerseits die größten Anstrengungen machen, um mehr zu exportieren und dadurch auch wieder mehr importieren zu können. Dr. Schacht kündigte in Leipzig ausdrücklich an, daß die Reichsregierung nichts unterlassen werde, um den Deutschen Export zu fordern und um insbesondere die Qualität des deutschen Exports durch vorzugsweise Zuteilung von Rohstoffen an die Exportindustrien unvermindert aufrechtzuerhalten. Die ausländischen Käufer deutscher Fertigwaren brauchen also nicht zu befürchten, daß etwa die Qualität dieser Waren unter der Verarbeitung von Ersatzstoffen leiden werden. Diese kommt nur für die Befriedigung des Inlandsbedarfs, aber nicht für die des Exportbedarfs in Betracht. Die besondere Bedeutung der diesjährigen Leipziger Herbstmesse besteht nur darin, daß sie den ausländischen Besuchern Gelegenheit geben roirb, sich von ber unoeränberten Höch stquali - tät ber beutschen Exportwaren burch Augenschein zu überzeugen. Offenbar ist bas Be- bürfnis hierfür in weiten Kreisen ber auslänbischen Interessenten vorhanben. Wie bas Leipziger Messeamt mitteilt, hat sich bie Zahl ber auslänbischen Messebesucher biesmal um runb zehn Prozent erhöht unb beträgt bereits mehr als 4000. Das ist um so bemerkenswerter, als sonst bie Herbstmesse weit weniger als bie Frühjahrsmesse von ber Auslanbskunbschaft besucht zu werben pflegte. Das biesmal offenfunbig lebhaftere Interesse ber Auslanbsbesucher beweist, baß große Wirtschaftskreise bes Auslandes schon erkannt haben, wie wichtig es auch für sie ist, bie Hanbelsbeziehungen mit ber- aufftrebenben beutschen Wirtschaft nicht abreißen zu lassen. Diese Kreise werben ihren Einfluß in ihren Heimatländern vor allem in bem Sinne geltenb machen müssen, baß man Deutschlanb burch Aufnahme beutfcher Waren i n st a n b s e tz t, möglichst viel auSlänbische Rohstoffe zu importieren. Die Notwenbigkeit, bie ber beutschen Außenwirtschaft neue Wege weist, be» steht in ber Herste11ung bes Gleich» gewichts zwischen Ein- unb Ausfuhr. Von ber Haltung bes Auslanbes unb feiner Bereitschaft zur Aufnahme beutfcher Waren aber hängt es ab, baß biefes Gleichgewicht auf einem möglichst hohen Niveau hergeftellt roirb. Hier begegnen sich bie Notroenbigkeiten ber beutschen Außenwirtschaft mit benen ber Weltwirtschaft. Stunde der jungen Nation. B e r l i n, 27. Aug. (DNB.) Dix Stunbe der jungen Nation findet in dieser Woche am Mittwoch o o n 2 0 Uhr bi s 2 0.30 Uhr statt. Im Rahmen Dieser Sendung spricht der Reichsjugendführer Bal- Dur von S ch i r a ch von 20 Uhr bis 20.10 Uhr zur deutschen Elternschaft. Der Abtei- lungsletter Rundfunk der Reichsjugendführung ordnet hierzu Gemeinschaftsempfangfürdie gesamte Hitlerjugend an. Besondere An- orbnung ergehen wegen der Kürze der Zeit nicht. Abteilungsleiter K sowie die Formationsführer setzen sich nach Möglichkeit mit den Funkwarten der ’n Verbindung, um einen möglichst geschlossenen empfang zu garantieren. Es darf feinen Hit- lerjungcn und fein BDM.-Mädel geben, das am Mittwoch nicht den Reichsjugendführer hört. Internationale Konferenz für Agrar-Wissenschaft. In D a d Eilsen findet vom 26. bis 28. August eine interessante Tagung statt. Die internationale Konferenz für Agrarwissenschaft, die sich diesmal auf deutschem Boden versammelt, behandelt in Vorträgen bekannter Fachleute eine Reihe von Fragen, bie in ber landwirtschaftlichen Krise, die alle Länder umfaßt, von höchster Bedeutung sind. So sprach Prof. M. Gering einleitend über die Weltagrarkrise. Die Konferenz nahm bann zu bem ersten wissenschaftlichen Hauptthema über bie Krisen- befämpfung in ben einzelnen ßänbern zunächst Berichte aus den Zuschuß ländern mit intensiver Landwirtschaft entgegen. 1. P. Maxten (Oxford) stellte fest, daß die Standardisierung im allgemeinen allein in den Händen der Erzeuger liege, während die Einfuhr von der Regierung und der Handelskammer geregelt werden könne. Es feien gesetzliche Ermächtigunaen vorhanden, die eine fast vollständige Regelung Der Erzeugung und Vermarktung erlaubten. Der schweizerische Bauernführer Professor Dr. Baur berichtete über die besondere Lage der Schweiz. Alle Maßnahmen der Marktpolitik seien zugleich auf Qualitätsverbesserung und Konsumversorgung eingestellt, wobei auch die Marktregelung darauf verzichte, dauernd in den Einzelbetrieben einzugreifen. Andererseits seien Rechtsvorschriften zum Schutzs der Bauern und zur Verhinderung Der Neuverschuldung erlassen. Ebenso bemühe man sich um die kulturelle Förderung des Bauerntums. Das Vermögen des Prinzen von Pleß unter Zwangsverwaltung. Warschau, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wis die Polnische Telegrapyenagentur mitteilt, haben auf Grund des Antrages der Generalstaatsanwaltschaft Kattowitz, im Namen des Staatsfiskus dis Gerichte der Städte Kattowitz, Pleß, Nikolai, Schran und Myslowitz beschlossen, Daß gesamte Derrn ö g en desPrinzenvon Pleß einschließlich der Erwerbsunternehmen unter Zwangsverwaltung zu stellen. Dem Prinzen von Pleß wurde eine 1 4 tä g i g e Frist zur Zahlung der rückständigen Steuern gestellt, die vom Tage ber Bestimmung des Zwangverwalters •an, läuft. Die Gerichtsbehörden machen geltend, sie seien gezwungen, diese harte Vorbeugungsmaßnahme zu treffen, nachdem der oberschlesische Fiskus zahlreiche vergebliche Versuche gemacht hat, vom Prinzen von Pleß eine Zahlung der rückständigen Steuern oder wenigstens die notwendigen Garantien für eine spätere Zahlung zu erhalten. Es handelt sich um eine Summe, die an 11 Millionen Zloty heranreicht und die durch ein ordnungsmäßiges und vom obersten Verwaltungsgericht bestätigtes Verwaltungsverfahren festgesetzt worden ist. Von der Zwangsverwaltung werden außer 67 Betrieben wie Gruben, Ziegeleien und Sägewerken auch 30 000 Hektar Wald und 12 000 Hektar landwirtschaftlich genutzter Grundbesitz betroffen. Es wäre unrecht, wenn man nicht die praktischen Erfolge anerkennen wollte, die durch das deutsch- polnische Verständigungsabkommen bisher erzielt werden konnten. In der deutschen Öffentlichkeit sind seit einem halben Jahre die inneren Verhältnisse unseres östlichen Nachbarvolkes in bisher nicht bageroefenem Maße bekannt geworden, und auch in Polen hat man die schlimmsten und blutigsten Deutschlands Kampf um das Recht auf Arbeit it und Eis -eben und t r 3 r \< 4 iS Leider ist das die einzige Anekdote, die man von Herbert Bismarck kennt. ßle den alt' dis rau er- ?r' leß 10 die ers ?e V$)‘ ;kus polfl igen ran' haN' ien ngs' be- 5 rten and' L n« en )er er« ;en )ek iet* llle iuf in« er« in. r« ft ile al ir« !N, n« >ch ir- en n» af -n e- it, ’n Deutschen d i e Saar-Plakette tragen. Wer die Saar-Plakette trägt, zeigt den kämpfenden Brüdern an der Saar, daß sie in ihrem Ent- cheidungskampf bis zum Abstimmungstag nicht allein stehen. Die Brüder und Schwestern im Reich itehen mit dem Führer dafür ein, daß die Deutschen m der Saar Millionen helfende, sor- gend^deutsche Herzen im Reich finden. Kunst und Wissenschaft. 3000-TNark-Erzählerpreis 1935. Der von der Monatszeitschrift „die neue I i n i e" 1931 auf die Dauer von fünf Jahren ge- V iftete Erzählerpreis in Höhe von 15 OOO Mark kommt auch im nächsten Jahr zur Verteilung. <000 Mark sind für die besten deutschen Erzählungen ausgesetzt worden. Dem Preisgericht gehören en: Dr. Paul Fechter, Helene v. Rostitz, Dr. Qilhelm v. Scholz, Will Vesper, Dr. Bruno C. Werner. Das Septemberheft der Zeitschrift rsröffentlicht die näheren Bedingungen. konnte geborgen werden. Mit erfrorenen B e i n en wurde er in ein Krankenhaus nach Cha» monix übergeführt. Er erklärte, daß er alle nach ihm ausgeschickten Rettungskolonnen gehört habe; leider hätten sie aber seine Hilferufe nicht vernommen. Die älteste $rau Deutschlands gestorben. In Lenzkirch (Baden) verschied an Altersschwäche im Alter von 106 Jahren Frau Maria Schoepperle, die älteste Frau Deutschlands. Sie war am 6. Juni 1828 geboren. Von ihren Kindern leben noch drei; sie stehen im Alter von 77, 74 und 72 Jahren. Zwei Frauen durch einen explodierenden Kühlschrank schwer verletzt. In Berlin-Dahlem explodierte in der Küche einer Villa ein Kühlschrank in dem Augenblick, in dem er abgestellt wurde. Die Wucht der Entladung war so stark, daß der Kühlschrank vollkommen in Trümmer ging und kaum ein Gegenstand in der Küche ganz blieb. Die 62 Jahre alte Besitzerin der Villa und ihre Hausangestellte wurden von den umherfliegenden Splittern getroffen. Sie sind schwer verletzt. Auch die Einrichtung der Rebenräume hat unter der Auswirkung der Explosion stark gelitten. Einzelne Wände wurden eingedrückt. An der Front des Hauses ist kaum ein Fenster ganz geblieben. Zwei Tote durch Pilzvergiftung. Vor einigen Tagen waren der Jnvalidenrentner August Späth von Allach (Oberbayern) mit einer bei ihm wohnenden Frau und ihren zwei Töchterchen nach dem Genuß von Pilzen schwer erkrankt und mußten in das Pasinger Krankenhaus eingeliefert werden. Rach qualvollem Leiden ist das etwa vier Jahre alte Mädchen Gertrud Hipp gestorben, wenige Stunden später er- l a g Späth der Pilzvergiftung. Das Leben der ebenfalls schwer erkrankten Frau und des anderen Mädchens ist nach wie vor ernstlich gefährdet. „Korinthenkrieg" in Peloponnes. In den Städten des Peloponnes ist es wegen der amtlichen festzusetzenden Korinthenpreise zu Kundgebungen der Korinthenbauern gekommen. In Aegion versuchten Bauern, den Korinthenspeicher in Brand zu stecken. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Eine Person wurde getötet und zahlreiche Personen verletzt, davon drei schwer. 150 000 Saardeutsche sind freudig dem Ruf des Führers zur Saar - Treuekundgebung auf dem Ehrenbreitstein gefolgt. Weitere 320 000 Mitglieder der Deutschen Front, die aus politischen oder familiären Gründen nicht mitkommen konnten, sind an diesem Tage mit treudeutschem Herzen bei ihren Brüdern und Schwestern im Reich. Sie trennen die Ketten des Versailler Diktats noch vom Reich, illber über alle Schranken hinweg reichen sie allen Deutschen die Hand. Das ist eine innere Verbundenheit, die im Reich darin zum Ausdruck kommt, daß an diesem Tage bis zum 13. Januar 1935 alle Öen interessanten Mann. Dann begann am Tisch ein Geflüster. „Sprechen Sie ihn jetzt an!" riet man dem Freunde von allen Seiten, der aber erklärte: „Aber ein paar Minuten müssen Sie ihn doch erst verschnaufen lassen!" Ra, man ließ Herbert Bismarck „ein paar Minuten verschnaufen!" Aus den „paar" wurden viele Minuten, aber der Freund war ein rücksichtsvoller Mann, und es bedurfte vielerlei Zuredens und sogar des Drängens, wo nicht gar des Nötigens, bis der gute Mann, der fein so lange gehaltenes Renommee in unbestreitbar großer Gefahr sah, sich — Angstschweiß auf der Stirn — entschloß, das Wagnis zu unternehmen. Er erhob sich von seinem Platz, zog erst noch einmal seinen Rock gerade, wischte sich den Schweiß von der Stirn und stellte sich dem immer noch auf und abgehenden Herbert Bismarck entgegen mit der sonor und mit Brustton ertönenden Anrede: „Guten Abend", Herr von Bismarck! Was gibt's Neues in London?" Herbert Bismarck unterbrach feinen Spaziergang, blieb stehen und schaute den ihm völlig Unbekannten mit jenem Blick an, den man vom Alten so gut kannte, wenn der in Rage aeriet. Mit diesem Blick schaute er „feinen Freund" erst einmal so ganz langsam, dreimal, von Kopf bis zu Füßen an, — dann kam die Antwort: „Nebel!" und das klang schon ganz schön laut, und dann kam's zum zweiten Male: „Nebel!" Das klang wie die Posaune von Jericho, von deren Donner bekanntlich die Mauern dieser ansehnlichen Festung umfielen. Und zum dritten Male erklangs: „Nebel!" Und dieses drittemal soll, wie später die Zuhörer berichteten, sich angehört haben, wie ein phantasievoller Dichter sich etwa die Posaunen des jüngsten Gerichts vorstellen mag. Und dann drehte sich Herbert Bismarck ganz sachte um, legte die Hände wieder auf den Rücken und ging wieder mit großen Schritten im Warte- faalc auf und ab, bis der Stationsvorsteher kam und ihm meldete, daß fein Zug vorgefahren sei. //Sei der blonden Kathrein.^ Dieser Film beginnt mit einem Vorwort, in dem es heißt, es handele sich um eine Parodie auf das deutsche Studentenleben einer vergangenen Zeit; das Bild, das hier gezeigt werde, habe nichts gemein mit dem Wesen des deutschen Studenten von heute, dessen Leben der Arbeit und dem Dienst am Volke yehört. Als der Film bei der Uraufführung ohne diesen Hinweis erschien, erregte er einen geharnischten Protest der Berliner Studentenschaft und mußte abgesetzt werden. Später kam er dann mit der erwähnten Vorbemerkung wieder, wobei allerdings zu bedenken ist, daß eine Parodie nicht einfach dadurch entsteht, daß man einen Prolog vorausschickt, mit dem es sich die Hersteller etwas bequem gemacht haben. Die verschollene Studenten- romantik aus „Alt-Heidelberg" ist vom Regisseur Franz Seitz in die schöne Stadt Würzburg verlegt worden, wo bei der blonden Kathrein in der „Goldenen Gans" die Ereignisse mit geschwungenen Gläsern und gebrochenen Herzen, mit Gesang und Tanz, mit ehelichen Szenen und entsprechendem Katzenjammer ihren Verlauf nehmen. Von den vielen alten und neuen Melodien des Films hat sich die „Blonde Kathrein" bald selbständig gemacht und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Photographie ist im allgemeinen recht gut, doch hätte sich bei einem Film, der in Würzburg spielt, rein bildmäßig erheblich mehr aus dem berühmten Schauplatz herausholen lassen. In der Hauptrolle sieht man Liane Haid, die eine fesche und resolute Wirtin darstellt; von den übrigen sind in erster Linie Rolf v. Goth, Fred Hennings und Joe Stöckel zu nennen. — Im Beiprogramm bringt das Lichtspielhaus außer der neuen Wochenschau einen Kulturfilm „Deutsches Land — deutsches Lied" mit einer Menge schöner Aufnahmen; ferner eine groteske Szene des bekannten Münchener Komikerpaares Karl D a l l e n t i n und List Karlstadt.— Nach achttägigem Suchen ist es einer Hilfskolonne in den Alpen gelungen, einen französischen Ausflügler aufzufinden, der bei einem Aufstieg i n eine Gletscherspalte gestürzt war. Obgleich der Unglückliche acht Tage in Nacht verbringen mußte, war er noch am Lt um derjenigen willen, die ohne Arbeit dem Elend und der Vernichtung preisgegeben sind. Wir erkämpfen für das deutsche Volk das Recht auf Ar- beit in der Weltwirtschaft und wir erkämpfen das Recht auf Arbeit für jeden Volksgenossen. Solange die Arbeit beim Kapital betteln gehen muß, um leben zu können, solange ist der Kapitalismus noch nicht überwunden, auch wenn sich die Rechtlosigkeit der Arbeit und die Ausbeutung durch das Kapital in den verbindlichsten Formen vollziehen sollte. Der Staat muß eines Tages das Recht auf Arbeit verbürgen und feine buchstäbliche Verwirklichung für jeben Volksgenossen sichern. Das Recht auf Arbeit ist die unentbehrliche Voraussetzung für die Wiedergewinnung einer freien Wirtschaft. Es ist damit auch die Voraussetzung für die ununterbrochene Auslese zur höheren Leistung und zum Aufstieg jedes Tüchtigen. Wie soll der Tüchtige seine Ausbildung finden oder fördern, wenn er gehindert wird, überhaupt zu arbeiten. Wie soll er seine Leistung mit der anderer messen können, wenn er gar nicht dazu kommt, auch nur die geringste Leistung anzustreben. Auch die Frage der Frauenarbeit wird ein ganz anderes Gesicht bekommen, wenn das Recht auf Arbeit verwirklicht ist. Denn wenn erst der Weg zur Besitzbildung für jeden Volksgenossen freigemacht ist, bann gibt es auch für bie Frau wieber unzählige Ausgaben in ber Verwaltung unb Pflege dieses Besitzes, so baß sie roeber männlichen Kräften Wettbewerb bereiten, noch gar ihren natürlichen Aufgaben entfrembet ober für ihre Vollbringung geschäbigt werben muß. Wenn vorläufig anbere Völker in der Hörigkeit unter den Finanzherren der Weltwirtschaft durch Erschwerung der deutschen Einfuhr ihre eigenen Volksgenossen arbeitslos machen, so können wir sie nicht daran hindern. Aber niemand kann von uns verlangen, daß wir uns die Wirtschaftspolitik anderer zum Vorbild nehmen, bie ihren Volksgenossen nicht einmal bas primitivste Lebensrecht zu verschaffen wagen. Unb niemanb kann uns hindern, unseren eigenen Volksgenossen bas Lebensrecht, bas Recht auf Arbeit, zu erkämpfen. Mit seinem Bekenntnis zur politischen Führung hat bas Volk seinen Willen kunbgetan, daß es zwar geführt, aber nicht mehr durch Geld ober Kapital ober irgenbeine Wirtschaftsmacht bewirtschaftet werben will. gierung, wegen ber neuen Tarife zu verhandeln. Ueber diese Verhandlungen wurde von beiden Seiten strengstes Stillschweigen gewahrt, und bie beut- schen Großindustriellen, die an ben Dingen sehr interessiert waren, erfuhren zu ihrem Leibwesen nichts, was ihnen hätte von Nutzen sein können. Wohl aber brachten sie in Erfahrung, daß Herbert Bismarcks Salonwagen mit einem fahrplanmäßigen Zuge ankommen werbe und — ausgerechnet in Hörde abgehängt und an einen anderen, nach Berlin gehenden, Schnellzug angekoppelt würde. Danach mußte der Graf in Hörde eine Stunde Aufenthalt haben, und da ja in Hörde „fein Freund" wohnte, hoffte man, daß ber ihm so allerhand Würmer aus der Nase ziehen werde. Selten ist dieser Mann so umworben worden, wie an diesem Tage. Man bestimmte ihn, dem sehnlich Erwarteten entgegenzufahren, bereits einige Stationen hinter der Grenze in seinen Zug zu steigen und zu versuchen, bereits auf ber Fahrt einiges in Erfahrung zu bringen. So bringenbem Verlangen konnte sich Herberts Freunb nicht entziehen, unb er tat, was man von ihm wünschte. , Als Herberts Zug auf bem Bahnhof Hörbe ein- lief, standen bie Neugierigen in Mengen auf bem Bahnsteig. Der Graf stieg aus feinem Salonwagen, fein Freund aber entstieg zur Enttäuschung aller — einem der gewöhnlichen Wagen des Zuges. Vorwurfswolle Augen empfingen ihn. „Ja, leider hat er noch keine Zeit für mich gehabt!" war alles, was er zu erklären vermochte. Aber da der Aufenthalt eine Stunde dauern würde, war man guten Muts unb wartete der kommenden Dinge. Es war ein bitterkalter Abend. Der Salonwagen mußte rangiert werden. Deshalb war Herbert Bismarck ausgeftiegen. Aber die Temperatur auf dem Bahnsteig von Hörde war so, daß er sich schleunigst in den Wartesaal begab, und dort, die Hände auf dem Rücken, mit großen Schritten, gedankenvoll auf und ab ging. Die Industriellen und „der Freund" folgten ihm, nahmen an einem ber Tische Platz und beobachteten r-23™1!”' 25- Aug. Der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP., Pg. Bernhard Kohler, sprach vor den 15 000 Amtswaltern der Ortsgruppe Berlin der Reichsberufsgruppen der Angestellten über den Vormarsch oes deutschen Sozialismus. Er erklärte u. a.: Die ununterbrochene und niemals aufhörende nationalsozialistische Umwälzung bedeutet eine stete Auslese der besten Kräfte für die Aufgaben des deutschen Volkes. Nicht die Formen, aber die Grundsätze der politischen Auslese zur Führung werden sich auch auf anderen Gebieten durchsetzen, und zwar äußerlich sehr verschieden je nach der Eigenart des betreffenden Gebietes. Der Sozialismus ist nicht dann verwirklicht, wenn Arbeiter und Unternehmer geneigt sind, auf den Klassenkampf zu verzichten, sondern wenn jeder Klassenkampf überflüssig unb bamif unmöglich geworben ist. Es han- belt sich barum, eine Welt zu schaffen, in ber bie Achtung vor ber Arbeit unb bie Freiheit der Arbeit die Grundlagen des völkischen Lebens sind. Der Kapitalismus ist nicht etwa die Wirtschaftsform der freien Unternehmerinitiative. Kapital kann keine Initiative haben; nur die Arbeit setzt immer von neuem an zu erfinden, zu beginnen, zu leisten und zu.vollbringen. Kapitalismus tft der Egoismus des Kapitals, Sozialismus ist der Gemeinnutz der Arbeit. Das deutsche Volk hat erkannt, daß es in ber Arbeitsschlacht einen Kampf um seine wirtschaftliche Selbstbestimmung begonnen hat, unb es ist entschlossen, biefen Kampf siegreich zu Enbe zu führen. In mustergültiger Haltung nimmt bie deut- sche Arbeiterschaft bie Folgen ber gegnerischen Kampfhanblungen, Ausfuhrminberung, Einfuhrerschwerung, Rohstoffmangel auf sich. Unb von Tag zu Tag wächst bie Reihe verantwortungsbewußter Unternehmer, bie sich barüber klar finb, baß auch um ihre Sache hier gekämpft unb baß es enblich einmal zusammenzustehen gilt ohne Rücksicht bar- auf, ob ber einzelne Opfer bringen ober gar nur befonbere Anstrengungen auf sich nehmen muß. Denn solange bas beutsche Volk nicht völlig Herr über bie Anwenbung seiner Arbeitskraft ist, solange ist bas beutsche Volk nicht frei in seinen wirtschaftlichen unb sozialen Entschlüssen. Wir haben bie Arbeitsschlacht mit ber Inbesitznahme ber politischen Macht begonnen, nicht um berjenigen willen, bereu Geschäfte weniger gut gingen als früher, sondern folgungen der deutschen Minderheit, die früher an ber Tagesorbnung waren, eingeschränkt. Aber ge- rabe in ber Behanblung ber Minberheiten macht sich doch ein starker Unterschied bemerkbar. Während in Deutschland den hier wohnenden Polen von je her in ihren kulturellen Bestrebungen keine Hindernisse entgegengestellt wurden, fühlen sich polnische Behörden noch immer bemüßigt, den Unter- brückungsfeldzug gegen bie Deutschen in Polen fortzusetzen. Welche gefährlichen außenpolitischen Mißdeutungen baraus entstehen können, bas zeigt klar ber Fall Pleß. Die Helle Freude, die ber Antrag auf Zwangsverwaltung bes Pleßschen Besitzes in Paris hervorgerufen hat, sollte ber Warschauer Regierung zu denken geben. Fast eine Million Kraftfahrzeuge am 1. Juli. Berlin. 27. Aug. (DNB.) Die Zählung der Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich am 1. Juli 1934 hat folgenden Bestand an im Verkehr befindlichen und vorübergehend abgemeldeten Kraftfahrzeugen (zusammengenommen) ergeben: 983 994 Krafträder (im Vorjahre 896 000), darunter 542 849 Kleinkrafträder, 674 523 Personenkraftwagen (580 987) 191715 Lastkraftwagen (174169), 31970 Zugmaschinen (28 683) und 5430 sonstige Kraftfahrzeuge (5080). Sämtliche Fahrzeuggattungen hatten eine Bestandszunahme gegenüber bem Vorjahr aufzuweisen, biefe betrug bei ben Kraft- räbern 9,8 v. H., bei ben Personenwagen 16,1 v. H., ben Lastwagen 10,1 v. H. unb ben Zugmaschinen 11,5 v. H. * In Nummer 419/20 der „Frankfurter Zeitung" behauptet Professor M e l l e r o w i c z, baß ber Führer unb Reichskanzler einen vom Reichsverkehrsminister in Vorschlag gebrachten Gesetzentwurf, ber bie Beenbigung bes Kampfes zwischen Schiene unb Kraftwagen zum Ziele hat, a b g e l e h n t habe. Die Nachricht ist, wie bas Reichsverkehrsministerium mitteilt, unrichtig. Gs entfallen beshalb auch alle an biefe Mitteilung geknüpften Folgerungen bes Zeitungsartikels. Die Dienststellen des Stellvertreters des Führers vorübergehend geschloffen. München, 27. Aug. (DNB.) Die Dienststellen bes Stellvertreters bes Führers in München unb Berlin werben wegen der mit bem Reichsparteitag in Nürnberg verbundenen Arbeiten in der Zeit vom 31. August bis einschließlich 12. September geschlossen. In dieser Zeit können persönliche Besuche daher nicht angenommen werden. Da die Dienst- -stelleu des Stellvertreters des Führers ohnehin mit Arbeiten überlastet finb, können in biefen Tagen ■nur Schriftstücke von befonberer Wichtigkeit bearbeitet werben. Das Stabsquartier bes Stellvertreters bes Führers befinbet sich bis einschließlich 12. September in Nürnberg, Hotel „Deutscher Hof", Fernsprecher Nr. 26 551. jeder Deutsche eine Saar-plakette! Anekdote um Herbett Bismarck. Von Ludwig Hermann, GOS. II „Sagenumwoben" war der alte Bismarck nicht. Ct wurde bewundert und geliebt, gehaßt und bekämpft, — aber sein Leben und seine Wesensart jlcg so offenbar für alle Welt, daß für Geflüster jn djts übrig blieb. Anders war es mit Herbert, dem Cohn. Der war mißtrauisch und verschlossen, litt, wie immer „ber Sohn des großen Mannes" unter dr Größe bes Vaters gelitten hat, bie ihn im Schatten stehen ließ -unb verhinderte, daß bei aller dl deutenden Einzelleistung und Eigenleistung — er M den Augen ber Welt je mehr würbe, als eben r der Sohn. Aber gerabe diese Verschlossenheit gab fern Vielzuvielen unb den Ewigneugierigen Stoff fir ihr Geschwätz, und während der Vater von Anekdoten umwoben war, umwob ben Sohn die Gage. Soviel Unsinn, wie über den geschwatzt wurde, 's selten um einen Menschen zusammengesponnen wurden. Da man nichts von ihm wußte, „mut» wußte" man, unb wenn irgenbjemanb behauptete, er ,l2nne" Herbert Bibmarck, so genügte das, diesen /bekannten" in den Augen der Leute zum bedeuten- jm oder bedeutsamen Mann zu stempeln. Solcher- e „Bekannte" und „Freunde" — von denen er elöer nichts ahnte, ober die er nie im Leben ge- ehen hatte — besaß Herbert Bismarck erschrecklich Di. le. Geradezu berühmt aber, — wenigstens im 3i buftriegebiet — war ein Mann aus Hörde, ber le allen möglichen Gelegenheiten „Bescheid wußte, 6)(il sein Freunb Herbert Bismarck ihn informiert ! arte." Die Industriellen aus Rheinland und Westen betrachteten diesen Vertrauten als eine Art »lakel, und bei allen möglichen Gelegenheiten tnrbe sein Rat in Anspruch genommen. Manchmal itg’s gut, manchmal hatte „Herbert Bismarck sei- ev Freund nicht ausreichend informiert". Dann ik g's eben weniger gut. Nun ereignete es sich eines Tages, — daß wähl'der Zolloerhandlungen ber achtziger Jahre — fe'bert Bismarck als deutscher Bevollmächtigter 115) London fuhr, um dort mit ber englischen Ne- Großfeuer in den Viehhöfen von Chikago. In den Viehhöfen von Chikago brach ein riesiger Brand aus. Die ganze Umgebung war in dichte Rauchwolken gehüllt. Eine große Anzahl von Feuer- löschzügen begab sich zur Brandstelle, um das Feuer zu bekämpfen. Der Brand konnte nach Stunden gelöscht werden. Der Schaden wird auf 75 000 Dollar geschätzt. Dies ist der zweite größere Brand, der sich während der letzten vier Monate in den Viehhöfen ereignet hat. Im Mai dieses Jahres wurden, wie erinnerlich, die Höfe von einem riesigen Feuer heimgesucht, bei dem drei Personen den Tod fanden, 150 verletzt und 2000 obdachlos wurden. Tausende Stück Vieh gingen zugrunde. Der damalige Schaden betrug acht Millionen Dollar. Blutige Kämpfe zwischen Weißen und Negern in USA. In einem Stadtviertel von Niagarafalls (USA.) kam es zu schweren Kämpfen zwischen mehreren tausend Negern und Weißen. Die Zahl der Verletzten ist groß. Mehrere Personen haben sehr schwere Verletzungen erlitten. Den unmittelbaren Anlaß bildete die Abhaltung einer Versammlung zugunsten eines Negers, der angeklagt ist, ein weißes Mädchen angegriffen zu haben. Der tiefere Grund ist jedoch darin zu suchen, daß die Negerbevölkerung immer mehr in die bisher ausschließlich von Weißen bewohnten Stadtteile einbringt. Die Polizei befürchtet eine Wiederholung der Unruhen, die auch erheblichen Sachschaden verursachten. Brandstiftung aus Rache. — 28 Gebäude in Flammen. In der Scheune eines Bauern in Geisling bei Regensburg brach in der Nacht Feuer aus, das in kurzer Zeit auf Wohnung und Stallung Übergriff. Die Feuerwehr der benachbarten Ortschaft Friedheim war sofort zur Stelle und griff tatkräftig ein. Während sie noch mit den Löscharbeiten beschäftigt war, traf die Nachricht ein, daß es auch in Frieoheim brenne. Begünstigt durch heftigen Sturm nahm das Feuer in Friedheim sehr rasch riesige Ausmaße an. Als die Regensburger Feuerwehr am Brandherde erschien, standen fünf Wohnhäuser, neun Scheunen mit Erntevorräten und 14 Nebengebäude, also insgesamt 28 Gebäude, in Flammen. Die Wehren mußten sich auf die Rettung der von den Flammen noch nicht erfaßten Gebäude beschränken. Erst nach mehrstündiger angestrengter Tätigkeit der Löschmannschaften war die Gefahr beseitigt. Personen kamen nicht zu Schaden, das Vieh konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Die Erhebungen haben ergeben, daß das Feuer auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen ist. Ein Friedheimer wurde unter dem dringenden Verdacht, den Brand aus Rache angelegt zu haben, in Haft genommen. Schweres Unglück auf einer Achterbahn. — Zahlreiche Verletzte. Auf der in diesen Tagen stattfindenden altbekannten Beecker Kirmes bei Duisburg-Hamborn ereignete sich ein schwerer Unglücks fall auf der Achterbahn. Aus bisher noch ungeklärter Ursache blieb plötzlich einer der Wagen stehen und die nachfolgenden Wagen fuhren mit voller Wucht auf ihn auf, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden, während andere sich durch Abspringen retten konnten. Fünf Personen mußten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die übrigen wurden nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnung transportiert. Lin Weinhändler auf der Geschäftsreise ermordet. — Schrecklicher Selbstmord im Eiferfuchtswahn. Der Weinhändler Gottfried A rn p l a tz aus Klagenfurt fuhr dieser Tage mit bem Werkmeister Karl Lorenz auf eine Geschäftsreise. In der Nähe von Krumpendors am Wörther See wurde er offenbar von feinem Begleiter, der seither verschwunden ist, durch zwei Pistolenschüsse in die Wange und in den Hinterkopf getötet. Ein des Weges kommender Kaufmann fand den herrenlosen Kraftwagen mit der Leiche. Der Täter hat vermutlich 300 Schilling geraubt. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß ein politischer Mord vorliegt. Der Mord hatte noch ein trauriges Nachspiel. Die Erhebungen in diesem Kriminalfall führte der Gendarmerieposten - Kommandant von Krumpendors, Schlat t i. Als er, mit seiner Arbeit beschäftigt, spät nachts noch nicht nach Hause heimgekehrt war, ging seine kranke Frau in einem Anfall von Eifersuchtswahn in den Keller des Hauses, übergoß sich mit Benzin und Petroleum und zündete sich an. Der Gendarmeriebeamte fand sie bei seiner Heimkehr als verkohlte Leiche vor. Geistesgegenwart eines jungen Bergsteigers rettet die abstürzende Begleiterin. Die als gute Alpinistin bekannte Dr. phil. Hanna Schweikert aus Heidelberg unternahm mit ihrem Neffen, dem 18 Jahre alten Helmuth Dung aus St. Georgen, der trotz seiner Jugend ebenfalls ein tüchtiger Bergsteiger ist, eine Üeberfdjreitung der drei Schafalköpfe im Kleinen Walsertal. Bei ber Umgehung eines Zackens auf einem schmalen Band wurde die Touristin plötzlich von einem Schwin - delanfall befallen. Ihr Begleiter schlang augenblicklich das Seil um einen Felsenvorsprung, so daß die nach rückwärts stürzende Frau mit dem Kopfe nach unten auf einem Felsband liegen blieb. Dem jungen Bung gelang es, die Touristin in eine Fels- nische zu schleppen, wo er sie gut anseilte, dann auf den Gipfel stieg und Notsignale gab. Nur der Geistesgegenwart des jungen Touristen ist es zu verdanken, daß die Bergsteigerin nicht weiter in die Tiefe stürzte und dabei ihren Begleiter mitriß. Einer sofort aufgebrochenen Rettungskolonne aus dem Walsertal gelang es, am nächsten Morgen die verunglückte Bergsteigerin, die eine Gehirnerschütterung davontrug und das Bewußtsein verloren hatte, zu bergen und in das Krankenhaus nach Oberstdorf überzuführen. Acht Tage in einer Gletscherspalte. Oberheffen. 1. September einschließlich für den Kraftfahr- zeug- und Fuhrwerksverkehr polizeilich gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die neue Umgehungsstraße. L Landkreis Giebcu ♦ Lang-Göns, 28. Aug. Beim Transport einer Dreschmaschine geriet gestern abend der Dreschmaschinenarbeiter Albert Becker aus Krofdorf hier zwischen die Dreschmaschine und einen Traktor, der die Maschine fortziehen sollte. Dabei erlitt der bedauernswerte Mann eine Brust- Quetschung, die seine Ueberführung durch die Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik zu Gießen erforderlich machte. * G r ü n b e r g, 28. August. Gestern nachmittag wurde hier das 9 Jahre alte Töchterchen des Wilhelm H ä u ß n e r, als es sich auf dem Wege zum Garten befand, von einem Radfahrer umgefahren. Dabei stürzte das bedauernswerte Kind so heftig auf die Straße, daß es mit einem schweren Schädelbruch von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik in Gießen gebracht werden mußte cx) Langsdorf, 27. Aug. Bei der gestrigen Feuerwehrübung wurde die von der Gemeinde neuangeschaffte Motorspritze zum ersten Male erprobt unter großer Anteilnahme der Einwohner und zu allgemeiner Zufriedenheit. Unsere Gemeindeleitung hat damit ein dankenswertes Werk geschaffen. Denn da unsere Wasserleitung nicht über den erforderlichen Hochdruck verfügt, bestand die Befürchtung, daß sie bei einer etwaigen Feuersbrunst nicht ausreichen würde. Das war um so bedenklicher, weil im alten Kern unseres Dorfes, das in den engen Raum einer Befestigung gezwängt war, die Gehöfte geradezu ineinander geschachtelt sind. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, soll demnächst die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr erfolgen. Kreis Schotten. Z Schotten, 27. Aug. Heute 11 Uhr fand in der festlich geschmückten Turnhalle die Vereidigung der Beamten im Kreise statt. Rach einleitenden Ausführungen des Kreisdirektors Z ü r tz , in denen er die Bedeutung des zu leistenden Eides würdigte, nahm er die Vereidigung auf den Führer vor. Zur Eidesleistung waren sämtliche im Kreise seßhaften Staats-, Provinz-, Kreis- und Gemeindebeamten erschienen. Rur Reichsbeamte und Geistliche werden besonders vereidigt. ch Groß-Eichen, 27. August. Gestern fand hier der Eröffnungs-Gottesdienst für den Konfirmandenunterricht statt. Es ist diesmal eine stattliche Zahl Konfirmanden: elf Knaben und sieben Mädchen, darunter zwei Knaben aus Klein-Eichen. Kreis Büdingen. Nidda, 27. August. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des Beigeordneten Supp eine Gemeinderatssitzung statt, in der folgende Beschlüsse gefaßt wurden: In Abänderung des früher gefaßten Beschlusses wird die Erhebung einer Filialsteuer für 1934 in Höhe von 200 Prozent Zuschlag zur Gewerbesteuer beschlossen, einheitlich für alle Filialbetriebe. Als weiterer Ehrenfeldschütz wurde Oberzugschaffner i. R. Karl Müller II. bestimmt. Entsprechend dem Vorschlag des Kreisamts Büdingen und der Industrie- und Handelskammer wurde beschlossen, den Straßenhandel in Nidda für die Folge von der Erlaubnis des Kreisamts Büdingen abhängig zu machen Kreis Alsfeld. ll. Merlau, 27. August. Dieser Tage ereignete sich an einer hiesigen Straßenkreuzung ein Ver- k e h r s u n f a l l, der noch einigermaßen glimpflich ablief. Ein Viehtransportauto einer hiesigen Metzgerei sollte an der Straßenkreuzung nach Mucke umdrehen, als plötzlich ein SS.-Mann dagegenfuhr. Das Motorrad des Fahrers ging vollständig in Trümmer. Er selbst erlitt einige stark blutende Kopfverletzungen. Durch einen hiesigen SA.-Sanitäter wurde ihm erste Hilfe zuteil. preutzeu. Straßensperren im Kreise Wehlar. Die Ortsdurchfahrt Dorlar im Zuge der Landstraße Wetzlar —Garbenheim—Dorlar —Atzbach — Heuchelheim wird auf der Wegstrecke von Kilometer 5,5 bis 6,1 wegen Instandsetzung der Fahrbahn für die Zeit vom 3. bis 11. September für jealichen Kraftfahrzeug- und Fuhrwerksverkehr polizeilich gesperrt. Der Verkehr wird über die Orts- nebenftraßen umgeleitet. Wegen Instandsetzung der Fahrbahn wird die Strecke von Kilometer 3,3 bis 3,5 der Ortsberingstraße Hermann st ein im Zuge der Landstraße Wetzlar —Herborn vom 2 8. August bis Rundfunkprogramm. Mittwoch, 29. August. 5.50 Uhr: Gymnastik 1. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. Drei Jungens fahren an den Rhein. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst; Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten 14: Mittagskonzert III. 14.30: Dreimal 15 Minuten aus dem Sendebezirk. 15.35: Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Die sechs Bücher deutscher Dichtung. Zwiegespräch von Lily Biermer. 17.45: Stunde der Jugend. Pfälzer singen. 18.20: Mütter, erzählt euren Kindern wieder Märchen! Eine Plauderei. 18.35: Neue deutsche Dichtung: Hans Schwarz. 18.50: Griff ins Heute. 19: Abendkonzert. 19.45: Stegreiferzählung: Paul Laven. 20: Nachrichten. 20.10: Reichssendung: Unsere Saar. Den Weg frei zur Verständigung. 20.35: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. 21: Klaviermusik. Werke von Beethoven. 22: Reichssendung^ Ergebnis des Rundfunksprecherwettbewerbs. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du mußt wissen ... 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Volksmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Aus der Zeltstadt bei Hungen. Noch einmal sind die großen Rundzelte zu einem Dauerlager aufgerichtet worden. Schon einmal, vor etwa sechs Wochen, standen sie in der Nähe Hungens. Damals allerdings weiter draußen, auf einem Kopf vor Nonnenroth, unweit der Teiche. Einige Wochen lagerte dann das Jungvolk bei Friedelhausen, um nun zu seiner lieben und bekannten Lagerstelle bei Hungen zurückzukehren. Der Platz des Lagers ist besonders gewählt. Dicht dabei sind der Galgenberg und die Ruhestätte von Hunderten kaiserlichen Soldaten des Dreißigjährigen Krieges. Aber nicht allein der Platz und die Stadt haben ihre besonderen Vorzüge zum Zelten, sondern auch die Bevölkerung Hungens rechtfertigt jenen seltsamen Zug der Jungen zu dieser Stadt. All dem Beistand, der den Jungen und ihren Führer gewährt wird, gebührt voller Dank. Denn was ist da all an Notwendigem für Küche und Lager geopfert und zur Verfügung gestellt worden! Wir steuen uns über so viel Bereitwilligkeit der Verwaltungsstellen und der Privatpersonen! Wir spüren es, daß man da draußen weiß, wie notwendig und wie segensreich diese Jungenlager sind. Besonoeren Dank, das empfinden wir alle, schuldet das Jungvolk Frau Jockel in Hungen. Aber wir wissen es aus dem, was man uns sagt und was man uns ausrichten läßt, wir nehmen nicht allein, sondern wir geben auch. Den ganzen Tag über kommen Einwohner, um mal nach „ihren" Jungen zu sehen, um mal sich selbst von allem Wunderbaren einer Jungenzeltstadt zu überzeugen. Und jedesmal gehen sie weg mit dem Bemerken: „So hatten wir uns das alles nicht gedacht!" Und wirklich, es ist nicht zum Ausdenken, wie großartig in allem für die Jungen gesorgt ist! Da sind neuartige Zelte mit dickem Boden, in denen die „armen Buben" gar nicht mehr frieren können, wie oft gefürchtet wird. Da sind Lagerführer, die es wirklich verstehen, mit den Lagerjungen gut umzugehen. Freilich Zucht und Jungenhaftigkeit verlangt der verantwortliche Lagerleiter, Stammführer Weber, aber er ist allen der beste Kamerad, wenn er auch bereits zum „älteren Jungvolk" gehört. Da gibt es nahrhaftes "und reichliches Essen, von dessen Güte man sich gar oft überzeugt. Abends erweitert sich der Kreis ums Lagerfeuer lautlos. Man hört unseren Geschichten zu, die vorgebracht werden, man staunt über die vielen schönen Lieder. Und wir freuen uns, wenn es unseren Freunden bei uns gefällt, wenn sie mit uns eine Feierstunde froher Gemeinschaft erleben. Noch einmal gleitet ein Sommerhalbjahr mit seinen vielen Fahrten, mit seinen Lagern in Gespräch und Erinnerung vorüber. Immer wieder wird verglichen mit früheren Jungenerlebnissen. Ein ganz großes Erlebnis steht noch aus, von dem alle immer neues zu erzählen wissen: der Gebietsaufmarsch in Frankfurt, bei dem der Reichsjugendführer zugegen sein wird. Zwischendurch, mitten im täglichen Treiben, erscheint einer der Jungenführer Oberhessens, um sich nach dem Fortgang des Lagerlebens zu befragen. Oberbannführer Blumenröder, Oberjungbannführer D i ck e r h o f und der Jungbannführer Schuster waren schon oben auf dem Lagerplatz bei den Jungen. Es ist das letzte Lager 'so großen Umfanges in diesem Jahr, das eben für die Jungen Oberhessens gehalten wird. Mitte September wird es abgebrochen werden. Ein Sommer voll Sonne und Gesundung, den Tausende unserer Jungen in der Freiheit erleben durften, zum Segen für Zukunft und Volksgefamtheit, ist damit hingegangen. Die Kaufmannsgehilfenprüfung. Einer Zuschrift der Deutschen Ange stellten schäft, Unterbezirk Mittelhessen, entnehmen wir u. a.: Nachdem früher nur wenige Handelskammern die freiwillige Gehilfenprüfung erprobten, konnten im Frühjahr 1934 mehr als 10000 Kaufmannslehrlinge am Ende ihrer Lehrzeit geprüft werden. Im Rhein-Mainische n W ir ts ch a st s bezirk ist die Gehilfenprüfung bereits P f l i ch t p r ü f u n g; sie erfaßte rund 2300 Kaufmannslehrlinge, und die Erfahrungen waren so gut, daß der Hauptausschuß für Be- rufserziehung beim Rhein-Mainifchen Industrie» und Handelstag die allgemeine Einführung der Pflichtprüfung befürwortet. Zwei erzieherische Wirkungen sind deutlich er- kennbar: Der Ansporn für die Lehrlinge, in der Lehre selbst und in der zusätzlichen Berufsschulung Besseres zu leisten, und der Ansporn für die Betriebsführer, den Lehrlingen eine sorgfältigere und vielseitigere Ausbildung angedeihen zu lassen, als es bislang vielfach der Fall war. Aus den Ergebnissen der Prüfungen ergeben sich zugleich wichtige Anhaltspunkte dafür, welche Betriebe ihrer Art nach als Lehrbetriebe ungeeignet sind ober trotz Eignung die Ausbildung vernachlässigen (z. B. durch Lehrlingszüchterei), und welche Lehrlinge auf die Notwendigkeit eines Berufswechsels hingewiesen werden müssen. Es ist zu hoffen, daß die Kauf- mannsgehilfenprüfung sich nun schnell allgemeine Geltung erringen wird, und daß das Zeugnis über die bestandene Gehilfenprüfung bald eine ebenso selbstverständliche Voraussetzung für die Anstellung als Kaufmannsgehilfe werden wird, wie das Lehrzeugnis. Wettervoraussage. Obwohl der hohe Druck im Norden sich in seinem Kern noch weiter gekräftigt hat, arbeitet sich das Mittelmeertief immer weiter nördlich vor und wirkt sich störend auf unseren Witterungscharakter aus. Es kommt daher weiterhin zu wechselhafter Bewölkung, wobei vereinzelt auch mit gewittrigen Niederschlägen zu rechnen ist. Eine durchgreifende Wetterverschlechterung tritt jedoch vorerst nicht ein. Aussichten für Mittwoch: Dunstig und bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, vereinzelte Niederschläge, teils gewitterhafter Art. Aussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 27. August: mittags 23,2 Grad Celsius, abends 17,9 Grad; am 28. August: morgens 16,3 Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 11,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. August: abends 20,6 Grad; am 28. August: morgens 18,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9,4 Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Langs, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. im Alter von 57 Jahren. Gießen, den 27. August 1934. 4981 L> Vermietungen! 3. Mietgesuche 4982C zu tun. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. August, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt UZiOohn. auf dem Lande sofort vreiswert zu vermieten. Schriftl. Ana. u. 4978D a.d.G.A. 4 Losen). Lieferung von 160 cbm Basaltkleinschlag — Durchmesser 2—3 cm — und 40 cbm Splitt. Anfuhr des Kleinschlags und Splitts mit 2. In tiefer Trauer: Heinrich Keil, Wagen meister 1. R. Anni Keil Willi Keil und Familie. 1 größeres möbl. Simmet mit Schlafcoutch oder 2 kleiner.Z. mögl. m. 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Da gewisse Fristen und Formalitäten einzuhalten sind, ist es unbedingt erforderlich, daß sich die Betreffenden bei dem Kreisamt Schotten melden und nicht direkt bei ihrer früheren Heimatgemeinde. Da in wenigen Tagen die Frist abläuft, werden alle diejenigen, die sich bisher noch nicht gemeldet haben, aufgefordert, dies umgehend Damen-Altersvereinigung 1877/1878 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder vom Ableben unserer lieben Alterskollegin 04171 Frau Berta Keil in Kenntnis zu setzen. Der Vorstand. Die Trauerfeier ist Donnerstag, 30. Aug., nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Wir bitten um vollzählige Beteiligung. Dr. Metz ist wieder da 2 gebrauchte, reparaturbedürftige Herrenräder, ein Holz - Kinderbett, 1 Sofa und einige Chaiselongues, letztere auch auf Ratenzahlung billig abzugeben. LiebigsfraDe 93III. 4975 D Anläßlich unseres goldenen Hochzeitstages sind uns in ungeahnter Weise von lieben Freunden und Gönnern so zahlreiche Beweise liebevoller Verehrung zu- gegangen, daß wir alle bitten, auf diesem We.ie unfern tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen Otto Sperber u. Frau Käthe Gießen, den 28. August 1934 04166 Eingeführter WmlienWer zur Mitnahme eines vcrtentamt- lich geschützten, bestens äufge- genommenen Artikels gesucht. Tivl»-Ing. Stoll, ^kfm.-Höchst Leunastraße 42. m-v Stellengesuche! Verkäufe Wissenschafti. Werke Sondergebiet der Brühl’schen Druckerei Achtung! Bausparvertrag aus 1931 über 10000 RM. bei einer der größten vom Reichsauf- sichtsamt zugelassen. Bausparkasse, dicht vor der Auszahlung stehend, gegen Zahlung der gesparten Summe von etwa 30°/o sofortabzugeben. Schr.Angeb.unt. 04158 a.d.G.A. IllllllllllllllilllllllUIIII 19iähriges Mädchen sucht Stelle in Privat zur Erlernung d.Haus- halts.Schr.Ang. u.04165a.d.G.A. [ Kaufgesuche"] WM zu kauf, gesucht. 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ZweckSBekümpftmgoer Schwarzarbeit können Arbeits-Aage- bote von Handwerkern nur mit Tlomensnen- nung u. unter Borloge besGewerbenachweiies aulgenommen werben. Berlag desGtebenerÄnzefqer- Vereine V. H. C. Gießen Freitag,3lLlug. Monats- verfammlung. Sonntag,2.Sevt. Wanderung (siehe Aushänge) Anmeldung bis Donnerstag 18UhrimReife- büro. Her 27. August 1934 war der Entscheidungstag unseres Preisausschreibens. Von den vielen Einsendungen sind die Gewinner: Karl Nachtigall, Welkerstr. 6 Lina Zimmer, Reiskirchen bei Gießen * K. Httbener, Crednerstr. 22 Frau Schütte, Frankl. Str. 61 Gretel Hofmann, Bahnhofstr. 44 Josef Münch, Liebigstr. 74 F. H. Peter, Alsfeld, Junkergarten 6 Fran Job, Rühl, Dammstr. 42 A. Karnbach, Am Knoelberg 22 Frau Mia Wagner, Neuen Däne 3 Frau Dr. Lutz. Wernerwall 47 Frau Dehus, Wilhelmstr. 67 Fran Thea Schmahl, Bahnhofstraße 8 Frau E. Ohly, Hlndenburgw. 16 Anna Becker, Heuchelheim, Landwehrstr. 9 Margrit Dünke, Steinstr. 68 Herta Reitz, Steinstr. 82 Mathias Mandler, Neuen Weg 19 cand. phil. Karl Rausch, Reiskirchen, Schnlstr. 13 Elfriede Jung, Dammstr. 48 Frau Elsa Plank, Schottstr. 19 Frau Anna Schmitt, Hinden- burgwall 15 Frau Lehrer Kell, Wleseck, Marburger Str. 29 Karl Junker, Queckborn, Grünberger Straße 22 Fran Ida Hofmann. Wolkeng. 22 Karl Weller, Wolkengasse 22 Fran Anna Heller, Leihgestern, Hindenburgstr. 23 Fran Käthe Kaul, Bahnhofstr. 22 Frau Hosch, Wetzlarer Weg 80 Fran Frieda Schmitt, Horst- Wessel-Wall 28 Liesel Herrmann, Marburger Straße 100 Walther H. Zörb, Oberkleen, Dorfstr. 60 Ewald Zörb, Oberkleen, Hauptstraße 60 Wir danken allen Einsendern für die rege Beteiligung. Wir freuen uns über die vielen richtigen Lösungen. Die Gewinne gingen heute den Preisträgern zu Gießen, Bahnhofstr. 2-4 4983 A Vornehm 1 Geschmackvoll I Persönlich! 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Die uniformierte Polizei, sowie die Beamten der Kriminal- und der Verwaltungspolizei traten unter dem Kommando des Polizeioberinspektors Hoffmann in zwei Gliedern an. Rach der Meldung an den Ganze stand in erhebendem Einklang mit dem außerordentlich eindrucksvollen, in seiner Schlichtheit und Eindringlichkeit ans Herz packenden Verlauf des feierlichen Aktes. Zu den an der Vereidigung teilnehmenden Beamten des Kreisamtes, der Prooinzialdirektion, der Leiter von staatlichen Behörden von Gießen und der Gendarmerie — mit Ausnahme der Justizbehörde, deren Beamte von dem Landaerichtspräsi- denten Dr. Thüre um 14.30 Uhr im Zivilsitzungssaale des Landgerichtsgebäudes vereidigt wurden — sprach der Gauinspekteur, Kreisleiter und Kreisdirektor Klostermann folgende eindringlichen Worte: „Beamte des natio- nalsoziulistischen Staates! Nachdem im Verlaufe der Revolution die Geschäfte des Zu den Befugnissen des Reichspräsidenten, die tut, was nur immer in seinen Kräften steht, um Werke des Führers mitzuarbeiten. Der Allmächtige, Heute, Dienstag, um 14 Uhr, findet in der Aule Lehrer, Bürgermeister und Beigeordneten statt. Am 1./2. September trifft man sich in Frankfurt am Main beim Gebietsaufmarsch der HI.! den wir zum Zeugen unseres Eides rufen, wird ihn und uns dabei nicht im Stich lassen! Gauinspekteur Kreisleiter und Kreisdirektor Klo ft ermann beim Verlesen der Eidesformel im Sitzungssaale des Kreisamtsgebäudes; links im Bild die Schmuckdekoration zu dieser Feier. Tiefste in unser Verfassungsleben eingreift, liegt im Art. 4 des Reichsgesetzes vom 30. Januar d. I. Es Sie wissen, daß der Führer allein es nicht schaffen kann, wenn nicht das gesamte deutsche Volk mithilft. Das Vertrauen des gesamten deutschen Volkes zu dem Führer und zu der Regierung kann nur gewonnen werden, wenn jeder einzelne Beamte feine Pflicht tut und sich immer bemüht, sich das Vertrauen des Volkes und der kreise zu erwerben. mit denen er in Berührung kommt. Wenn noch 10 v. H. abseits stehen und sich nicht entschließen, für den Frieden und den Führer zu timmen, ihm ihr Ja zu geben, dann müssen wir uns in erster Linie fragen, ob wir nicht selbst Schuld daran haben, ob wir selbst alles taten, was notwendig ist, um dem gesamten deutschen Volke das Notwendige zu geben und die Verantwortung hierfür jedem einzelnen klar zu machen. Es ist mein Wunsch, im Geiste des Führers, im nationalsozialistischen Sinne zu arbeiten, nicht allein von dem Gesichtspunkt der Verwaltung der Stadt aus. sondern im Einvernehmen mit allen. Ich glaube, daß Sie die Ueberzeu- gung gewonnen haben, daß es bei mir am guten Willen nicht fehlt. Ich wünsche, daß zwischen uns ein vollkommenes Vertrauen herrscht. Getragen von diesem gegenseitigen Vertrauen werden wir die Aufgaben erfüllen, die wir im Interesse unserer Stadt und des Reiches zu leisten haben. Stellen Sie alle früheren trennenden Dinge, alle persönlichen Gegensätze zurück. Betrachten Sie immer ihre Aufgabe und erfüllen Sie sie im Geiste des alten preußischen Beamtentums, von dem die Welt immer gesagt hat. daß es das Fundament des Staates ist und daß auf ihm das Reich sicher und wohlbegründet steht. So wollen wir dem Führer diesen Treueid leisten, ihm persönlich unbedingten Gehorsam geloben und alles tun für unser deutsches Volk und Vaterland! Sache der Beamtenschaft ist es nun. dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Ich glaube, wir können das nicht besser tun. als dadurch, daß wir die Persönlichkeit des Führers uns zum Vorbild nehmen. Wöchle dabei von seiner Lauterkeit und Selbstlosigkeit und von seiner unerschöpflichen glühenden Hingabe etwas in unsere Arbeit hineinströmen und uns Beamte befähigen zum unermüdlichen, hilfsbereiten Dienst an jedem unserer Volksgenossen, mit denen uns unser Beruf zusammenführt. Bekennt sich damit doch der Führer immer wieder und für das ganze Volk vernehmbar zu dem hohen und hehren Gedanken des Rechtes, dem wir Juristen dienen. Adolf Hitler zeigt uns dabei aber zugleich, daß es sich bei dem Recht nicht um einen starren Formelkram handelt: Legalität ist für ihn zutiefst die Reberein- stimmung mit dem. was das deutsche Volk denkt. Das ist der Grund, weshalb er jenes vollkommen rechtmäßig erlassene und rechtsgültige Gesetz, das ihm die Befugnisse des Reichspräsidenten gibt, der Bestätigung durch die freie Abstimmung des deutschen Volkes unterworfen hak. Und sein deutsches Volk hat sich am 19. August in überwältigender Einmütigkeit zu ihm bekannt! nen des Dritten Reiches und mit dem Bilde des. der Universität durch den Kreisleiter und Kreis- Führers geschmückt, die Justizgebäude hatten ge- direktor K l o st e r m a n n die Vereidigung der flaggt. Lehrer, Bürgermeister und Beigeordneten statt. Landgerichtsppäsideni Thüre, der am Samstag von dem Herrn Staatsminister vereidigt worden war, eröffnete die feierliche Handlung mit folgender Ansprache: Meine Berufsgenossen! Nach dem Tode unseres unvergeßlichen Reichspräsidenten, des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, hat die Reichsregierung durch das Gesetz vom 1. August das Amt des Reichspräsidenten auf den Reichskanzler übertragen. Die Vollmacht zu diesem Gesetz, das aufs In der Hand des Führers wurde, die ganze Macht im Staate vereinigt. Sie alle kennen das lautere Wollen und den unerbittlichen Willen des Führers, dem deutschen Volke zu dienen, das deutsche Volk herauszuführen aus der Schmach und Schande des vergangenen Jahrzehnts und hinzuführen in eine bei muß ich von dieser Stelle aus auch an Sie einen Appell richten: unserer Polizeidirektion, Polizeidirektor Heine, entbot dieser den Polizeibeamten den Hitlergruß, den die Beamtenschaft in gleicher Weise erwiderte. Hierauf hielt Polizeidirektor Heine eine kurze Ansprache, in der er einleitend darauf hinwies, daß durch das Gesetz vom 1. August 1934 das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers in der Hand des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vereinigt wurde. Dann sagte er in seiner Rede u. a.: „Das deutsche Volk hat in seiner freien und geheimen Abstimmung mit überwältigender Mehrheit dem Gesetz seine innere Kraft gegeben. Sie, meine Herren Beamten, sollen heute dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler Treue schwören. Dieser Schwur ist freiwillig; er soll das Treue- gelöbnis eines aufrechten, deutschen Warmes und Beamten darstellen. Der Ernst dieser Handlung möge in uns alten den Willen bestätigen, dem Manne, auf den Sie heute den Lid leisten, nachzueifern in treuer Pflichterfüllung, in Einfachheit. Bescheidenheit und in der Liebe zum deutschen Volke." Hierauf forderte der Polizeidirektor die Beamten auf, die Hand zum Schwur zu erheben und ihm die folgende Eidesformel nachzusprechen: „Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe." Nach der Eidesleistung bestätigten die Beamten durch eigenhändige Unterzeichnung eines entsprechenden Formulars die eidliche Verpflichtung. Damit fand die feierliche Handlung ihren Abschluß. Oie Vereidigung im Kreisamt fand um 14 Uhr im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes statt. Der Saal war aus diesem Anlaß an der Stirnseite nach dem Landgraf-Philipp-Platz zu würdig und schön geschmückt. Ein großes Bild des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, mit den Fahnen des nationalsozialistischen Deutschland geschmückt, war rings umgeben von hohen Blattpflanzen, die in einem Halbkreis vor einer großen Hakenkreuzfahne aufgestellt waren. Das Blick auf die Eidesleistung der städtischen Beamten im Sitzungssaale des Stadthauses. Bergstraße. Oie Vereidigung der Iustizbeamien. Im Alten Gerichtsgebäude fand um 14.30 die Vereidigung der Justizbeamten statt (Landge- ser deutsches Volk und Vaterland und auf den Füh» richt und Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Notare, rer und R"«chskanzler Adolf Hitler. Amtsanwaltschaft und Landgerichtsgefängnis) Der Sitzungssaal der 1. Zivilkammer war mit den Fah- Jch fordere Sie nunmehr auf, die rechte Hand zum Schwur zu erheben und mir die Eidesformel gemeinsam nachzusprechen. Feierlich leisteten die Beamten den vorstehend im Wortlaut wiedergegebenen Eid. Anschließend folgte die handschriftliche Unterzeichnung der entsprechenden Urkunde durch jeden einzelnen Beamten. Der denkwürdige und packende Vorgang hatte damit sein Ende erreicht. Oie Eidesleistung der städtischen Beamten and um 15 Uhr im Sitzungssaale des Stadthauses Bergstraße statt. Dabei hielt Oberbürgermeister Ziffer olgende Ansprache: Meine Herren! Ich habe Sie hierher gebeten, um Sie gemäß der Verfügung der Reichsregierung auf den Führer zu verpflichten. Sie wissen, daß nach langem Ringen der nationalsozialistischen Bewegung der. Sieg zuteil wurde Darüber hinaus ist das Ziel des Führers bereits neunzigprozentig verwirklicht worden: das vertrauen des deutschen Volkes zu erringen! Reichspräsidenten auf den Kanzler übergegangen sind, das deutsche Volk in einer nie gekannten Einmütigkeit sich zu diesem Gesetz bekannt hat, dadurch Adolf Hiller, der Führer der nationalsozialistischen Bewegung zugleich alle Wacht in Deutschland in der Hand hat, werden alle Beamte Deutschlands auf ihn verpflichtet, nicht auf irgendeine Idee, nicht auf eine Verfassung, sondern a u f ihn, den Schöpfer und Gründer der nationalsozialistischen Idee. Damit ist die nationalsozialistische Revolution staatspolitisch zum Abschluß gekommen. Sie sollen ihm Treue und Gehorsam schwören. Treu zu ihm waren die, die er im Anfang eroberte, die mit ihm in die Gefängnisse wanderten, die ihn auch in schlechten Zeiten nicht verließen. Treu zu ihm waren die, die hinausgingen auf die Straße. Treu waren die, die überall in Deutschland zu ihm standen in guten und schlechten Tagen. Das wollen auch wir Beamte. Wir wollen ihm gehorsam sein. Gehorcht haben ihm alle Menschen, die treu und in vorbildlicher Haltung alle Befehle von ihm erfüllt haben. Wir wollen allen seinen Anweisungen gehorchen in weltanschaulicher, politischer und wirtschaftlicher Art. Für jeden muß es vornehmste pflicht sein, nicht zu sabotieren, sondern die Grundsätze sich zu eigen zu machen, die die politischen Leiter sich immer zu eigen machen muß. ten, die auf ihn geschworen haben und die immer bereit sind, das höchste Waß von Verantwortung zu übernehmen und ihm mit blindem Gehorsam nachzueifern. So sehen wir, daß durch diese feierliche Handlung der Eidesleistung wiederum ein Schritt weitergegangen wird, durch den die B e w e - gung und der Staat eins werden, daß der Leiter des Staates zugleich der Leiter der Bewegung und umgekehrt ist. So wollen wir die beiden großen Gedanken Staat und Partei verschmelzen. Dadurch soll erreicht werden, daß Deutschland nach Jahrtausenden endlich eine Ration wird. Zch hatte bisher nicht Gelegenheit, mit Ihnen Z , ... ..................... in einer so starken Zusammenkunft wie heute dar- damit auf den Führer und Reichskanzler übergegan- über zu sprechen. Heute habe ich die Gelegenheit, gen sind, gehört auch d!e Ernennung und Entlas- um Ihnen allen zu sagen, was mein Wunsch und fung der Beamten, sei es, daß er sie selbst ausübt, mein Wille ist: oder sie durch andere Instanzen ausüben läßt. Da- mit ist ein b e s o n d e r e s B a n d z w i s ch e n d e m Führer und der Beamtenschaft geknüpft worden, und die deutsche Beamtenschaft ist stolz darauf, daß sie dergestalt unter dem besonderen Schutze des Führers steht. Was der Führer von dem deutschen Beamtentum denkt und von ihm erwartet, das zeigen die Ausführungen in seinem Kampfbuch, die wir alle kennen. Und auch in diesen Tagen wieder, bei der Vereidigung der Beam- , ten der Reichsministerien, ist von berufener Seite die Beamtenschaft als eine der tragenden Säulen bezeichnet worden, auf denen der Neubau des nationalsozialistischen Staates errichtet wird. ist — am Jahrestag der nationalsozialistischen Revolution — vom Reichstag einstimmig beschlossen, vom Reichsrat einstimmig gebilligt, vom Reichspräsidenten ausgefertigt und verkündet worden. Mit Recht stellt deshalb der Vorspruch des Gesetzes ausdrücklich fest, daß die Erfordernisse oerfassungsändernder Gesetzgebung erfüllt seien. Sie fragen mich, was dieser Gesetzesmechanismus mit dem heutigen Tage zu tun hat? Nun, der Führer selbst hebt in seinen Kundgebungen immer wieder stolz und nachdrücklich hervor, das seine vergangenen Jahr- Macht auf der einwandfreiesten ge- bessere Zukunft. Da- ! e tz l l ch e n G r u n d l a g e ruht. Wir Männer der Justiz, vor allem wir Richter, als die vom Führer bestellten Hüter der Rechtsordnung, wissen das besonders zu würdigen. Ein Blick auf die Eidesleistung der Beamten im Sitzungsiaale des Kreisamtsgebäudes; ü.i Vordergrund von links nach rechts Provinzialrat Vogt, Kreislsiter z. b. V., Kreisinspekteur Gießen-Stadt Oberbürgermeister Ritter, stellv.Kreisleiter Hopsenmüllsr. Fest und markig klangen dann die Worte des ! Eides, von der gesamten Beamtenschaft nachgesprochen, durch den Saal. Der feierliche Akt fand seinen Uhr Abschluß mit einem brausenden Sieg Heil! auf un- Der Aufforderung des Oberbürgermeisters fol- , gend sprachen ihm anschließend die Beamten, stehend , 1 . m Ctbe aber, den wir nachher ablegen, wol- und mit erhobener Schwurhand, die Eidesformel *en ro,r erneut den festen Willen verbinden, daß ein nach. Mit herzlich erwidertem Ruf „Heil Hit- ! e d e r v o n u n s a l l e s u n d b i s z u m l e tz t e n l e r !" schloß der Oberbürgermeister dann die von t u t was nur immer in seinen Kräften steht, um starkem seelischen Eindruck erfüllte denkwürdige ™ seinem bescheidenen Teile an dem aewaltiqen Zusammenkunft ° ** no« Sfriinrora mtfutnrnotfon Tlor VIIImafhhno :ana= Dekan blüfji erbst Mispel (Amelanch gez. Jakob Sprenger, Gauleiter und Reichsstatthalter. Aus der Pwvinzialhauptstadt. Ein Gang durch die Gießener Anlagen. Der Einladung des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Orisring Gießen, zu einem Gang durch die hiesigen Anlagen waren am Sonntagoormittag etwa 20, meist Lehrerkreisen entstammende Teil- siebenbürgiiche Flieder mit großen Blättern (Sy- ringa Josikaea), ein aus China stammender gelb blühender Jasmin (Jasminum nudiflorum) und die erbsengroße Aepfelchen tragende kanadische Felsenmispel (Amelanchier canadensis). Bei einem japanischen Kaiserbaum (Paulownia imperialis), dem unser Klima anscheinend nicht recht qusagt, war die interessante Führung zu Ende. Der Ortsringführer dankte den Herren Universi- täts-Professor Dr. Funk und städtischen Gartenmeister Herrn Lange für ihre Bemühungen. Jeder Teilnehmer an dem Rundgang wird unseren Anlagen größeres Interesse abgewinnen als seither. mann (Lollar-Kirchberg) über- 5. Wiedereröffnung von vorübergehend geschlossenen Läden (z. B wegen Krankheit, Konkurs, neuer Herrichtung). Dagegen dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung nicht neu zugelassen werden: 1. Betriebe der unter 3 genannten Arten, in denen auch artfremde Waren verkauft werden (z. B. Zigarettenoerkauf in Friseurgeschäften). 2 Bahnhofsverkaufsstellen, Kellerläden, Etagenläden, Hofgeschäfte, Kioske, Tankstellen. 3. Ausstellungen auf Privatmärkten. Als „Neuerrichtung" einer Verkaufsstelle gilt nicht, wenn eine Kaufstelle unter Aufgabe der bisherigen Verkaufsräume in andere Räume des gleichen Gemeindebezirkes verlegt wird, wenn die Verkaufsstelle in den bisherigen Räumen von dem Inhaber mindestens ein Jahr betrieben worden ist und die neuen Verkaufsräume nicht mehr als ein Zehntel größer als die bisherigen find. Das Winzerfest in (Hießen. Wie uns von der NS.-Gemsinfchaft „Kraft durch Freude" geschrieben wird, sind die Vorbereitungen für das Winzerfest in der Volkshalle in vollem Gange. In der Ausschmückung der einzelnen Winzerhäuser und Heckenwirtschaften wird etwas ganz besonderes geboten. Wir hören auch, daß die Propaganda im ganzen Kreisgebiet sehr lebhaft betrie- F. d. R. gez. Willi Becker, Landesobmann d. NSBO. Bezirkswalter der DAF. Ich wende mich an alle Wirtfchaftsführer des Gaues Heffen-Naffau, den Zellenobmann und feine Stellung im Betriebe unter diesen klaren Gesichtspunkten anzusehen, und bitte, daß von allen drei Gruppen, d. i. dem Betriebszellenobmann, dem Wirtschaftsführer und dem Vertrauensrat, ein harmonisches Verhältnis entsteht, so, wie wir es in der Mehrzahl der Betriebe bereits in vorbildlicher Weise zu verzeichnen haben. Dies alles verbürgt, daß eine blühende Wirtschaft, ein gemeinsamer Geist und eine zufriedene Gefolgschaft entsteht. Darum vorwärts in diesem Geiste für unser Wirtschaftsgebiet Rhein-Main, dessen wirtschaftliche Aufgaben nicht nur von größter Bedeutung, sondern dessen Wollen und Entwicklung vorbildlich sein muß, sowohl in der sachlichen, als auch in der geistigen Betreuung der Menschen! Heil Hitler! Deutsche Arbeitsfront. An alle Wirtschaftsführer und Betriebszellenobmänner. Die Eröffnung von Ladengeschäften. Das Gaupresseamt teilt mit: Durch das Gesetz zum Schutze des Einzelhandels ist die Errichtung neuer Ladengeschäfte zunächst bis zum 31. Dezember 1934 verboten worden. Gegenwärtig ist also die Neueinrichtung von Einzelhandelsgescyäften nicht möglich. Eine Ausnahme hiervon machen lediglich: 1. Verkaufsstellen, die ausschließlich dem Derkau an Wiederverkäufer dienen. 2. Hilfsbetriebe anderer, z. B. handwerklicher oder landwirtschaftlicher Betriebe, die dem Verkau der dort yergestellten Waren dienen und mit dem Hauptbetrieb öffentlich verbunden sind. 3. Läden, bei denen die Vornahme gewerblicher Leistungen Hauptsache und der Warenverkau nur Zubehör ist, z. B. Friseurgeschäfte, Reparaturwerkstätten 4. Verkaufsstellen, die nur aus Kontorräumen bestehen und nur der Entgegennahme von Bestellungen dienen (Kohlenkontor, Kontore von Dersandgeschäften. Das Kind wird auf seinen Gesundheitszustand untersucht, denn krankhafte Kinder oder solche, die körperlich benachteiligt sind, werden nicht in Landpflegestellen gegeben, sondern kommen in die hierzu eingerichteten Heime. Der Lehrer wird aufaefordert, auf dem Personalbogen einen entsprechenden Vermerk des Betragens ufw. einzutragen. Dies ist deshalb wichtig, weil wir keine Kinder verschicken, die uns durch ihr schlechtes Betragen ein Weiterwerben von Pflegestellen unmöglich machen. Kinder, von denen wir Nachteiliges während ihres Ferienaufenthaltes hören, werden sofort zurückgeholt und somit einem weiteren bedürftigen Kinde Erholung gegeben. Gerade die Jugend muh heute nach außen hin ein Bild der Gemeinschaftlichkeit und der Vorbildlichkeit zeigen. Um all den Buben und Mädels, die wir verschicken und die nicht dem Jungvolk, oder dem BdM. angehören, einen Einblick in den Gruppenbetrieb zu geben, werden diese von den örtlichen Führern und Führerinnen zu den Heimabenden einqeladen. Hier kommen sie zusammen, diejenigen, die das Braunhemd tragen und die sich in ihrer frühesten Jugend dem Führer Adolf Hitler auf Tod und Leben verschrieben haben, und diejenigen, die noch nichts von all dem erfahren haben, was ihre Kameraden im Braunhemd bindet An der W a l l t o r st r a ß e machte Prof. Dr. Funk aus die im Schirmerschen Garten stehende, aus Nordamerika stamniende Sumpfzypresse (Taxo- dium distichum) — die Gattung Taxodium war im Tertiär auch in Europa weit verbreitet — und die in Südeuropa heimische Baumhasel (Corylus colurna), zwei Seltenheiten bei uns, aufmerksam. Als Gebüsch finden sich in den Anlagen Weichselkirsche und Amerikanische Traubenkirsche (Prunus mahaleb und americana). Die Linden, welche am 116er-Denkmal stehen, sind Krimlinden (Tilia euchlora). In der Nähe des Teiches am Hitler w a l l finden wir verschiedene Formen von bekannten Bäumen, so eine schlitzblättrige Roßkastanie, eine ebensolche Linde, sowie die weißbunte und hängende Form der Bergulme. Am Teich selbst stehen eine amerikanische Hickorynuß (Carya spec.?) und ein kleinblätteriger ostasiatischer Ahorn (Acer spec.?). Don Nadelhölzern sind hier orientalische Fichte (Picea orientalis), die aus Kanada stammende Hemlockstanne (Tsuga canadensis) und zwei Scheinzr>pressenarten vertreten. Hier und auch in der Nähe der Johanneskirche stoßen wir auf je einen, in China beheimateten Götterbaum (Ailan- tus glandulosa) mit großen gefiederten Blättern. Einigemal wies Prof. Dr F u n k auf die mehrmals vertretene Goldulme hin, eine Form der Bergulme, deren Blätter je nach der Belichtung eine mehr oder weniger goldgelbe Färbung aufweisen. Nahe der M o l t k e st r a ß e ist der aus Amerika stammende, in seiner Heimat Balsam liefernde Amberbaum (Liquidambar styraciflua), bei UNS eine Seltenheit, und in einem Vrivntgarten die kalifornische Flußzeder (Libocedrus decurrens) angepflanzt. In der Umgebung des Liebigdenk- mals stehen Eiben (Taxus baccata) verschiedener Form, Sanddorn (Hippophae rhamnoides) und mehrere Weißdorne, zum Teil amerikanischen Ursprungs. Auf dem Platz nach dem Theater zu sind Bastardeberesche, schlitzblättrige Erle und blutblätteri- aer Spitzahorn zu finden. Die auf der Westseite des Theaters stehende Libanon-Zeder (Cedrus Libani), eine weitere Seltenheit unserer Anlagen, hat sich von den Frostschäden des letzten strengen Winters wieder gut erholt. Neben nordamerikanischen Blaufichten (Picea puugens-glauca), einer Trauerform der Haselnuß, dem längere, gebogene Dornen tra- oenden nordamerikanischen Hahnensporn Weißdorn (Crataegus crus galli) und amerikanischen Zucker- Ahornbäumen (Acer saccharum) sind zwischen Theater und Johanneskirche noch verschiedene kleinere Sträucher bemerkenswert. So der 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 40, Tomaten 10 bis 12, Zwiebeln 12, Meerrettich 80 dis 100, Rhabarber 8 bis 10, Kürbis 8 bis 10, Pilze 40 bis 60, Kartoffeln, das Pfund 5 Pf., der Zentner 4,50 bis 5 Mark, Frühapfel, das Pfund 8 bis 20 Pf., Fall- apfel 4 bis 5, Pfirsiche 20 bis 35, Brombeeren 30 bis 35, Preißelbeeren 35 bis 40, Birnen 10 bis 25, Wetschen 8 bis 10, Mirabellen 15 bis 18, Reine- cumDcn 15, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner in li n en 90, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl l15 00, nalat 10, Salatgurken 15 bis 25, Ein- mad)gurfen (100 Stück) 70 bis 100, Endivien 10 °!5 }«' Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 nies 1(1 SanA*;« on u:, oe J nehmer gefolgt. Ortsringführer Dr. Michel begrüßte die Erschienenen, besonders aber Herrn Universitäts-Professor Dr. Funk, der sich wieder als Führer zur Verfügung gestellt hatte, und den städtischen Gartenmeister Herrn Lange, dem die Wartung der Gießener Anlagen anoertraut ist. Einleitend wies Prof. Dr. Funk darauf hin, daß die Anlagen im Zuge der ehemaligen Stadtbefestigung angelegt worden find. Ein kleiner, von Herrn Universttäts- garteninspektor t. R. R e h n e l t verfaßter Führer enthält das Wissenswerteste über die Anlagen, die ursprünglich wohl nach den Plänen der bekannten Gartenbaufirma Sießmayr (Frankfurt a. M.) er- richtet wurden. Gartenmeister iiange führt den unbefriedigenden Wuchs mancher Bäume auf zu dichte Bepflanzung zurück, deren rechtzeitiges Auslichten versäumt worden sei. An der Damm st raße beginnend, machte Prof. Dr. Funk auf die in den Anlagen reichlich vertretenen einheimischen Ahornarten, Berg- und Spitzahorn (Acer pseudoplatanus und platanoides) aufmerksam. Hier ist der Bergahorn in buntblättriger Form vorhanden. Die zierlich gefiederte Blätter besitzende „falsche Akazie^ (Robinia pseudacacia), aus Nordamerika stammend, ist in den Anlagen häufig und verschiedentlich auch als einblätterige Form vorhanden. Von Sträuchern fallen der im Herbst mit eigenartigen roten Rispen geschmückte, in Sudeuropa heimstche Perückenstrauch (Cotinus coggygria) und die klappernde Früchte in blasiger Hülle tragende amerikanische Pimpernuß (Staphy- lea spec.?) auf. Ein dornentragender schlanker Baum ist der aus Nordamerika stammende Christusdorn (Gleditschia triacanthos), dessen Zweige aber der nordamerikanischen Heimat wegen niemals zur Dornenkrone Christi Verwendung haben finden können. Oesterreichische Schwarzkiefern (Pi- nus austriaca) sind verschiedentlich angepflanzt. Eine dem Kaukasus entstammende Nordmannstanne (Abies Nordmanniana) zeigt schlechten Wuchs, der vielfach an in Städten gepflanzten Nadelhölzern festzujlellen und auf die hier verunreinigte Luft (sckwefliae Säure!), gegen deren Einwirkung die (schweflige Säure!), gegen deren Einwirkung Nadeln empfindlich sind, zurückzuführen ist. K« dische Pappel (Populus Canadensis) und Silberlinde (Tilia alba), letztere von der Balkanhalbinsel stammend, sind in den Anlagen nicht selten. Kirche und Schule. Missionssest der Inneren Mission im Dekanat Gießen. § Beuern, 27. Aug. Die Mi sionsfeste des Dekanats Gießen für Innere Mis ion erfreuen sich immer eines regen Interesses un erer evangelischen Bevölkerung, wie dies bei dem am Sonntag in unserer Gemeinde abgehaltenen Dekanatsmissionsfest erneut festgestellt werden konnte. Fast die gesamte Dorfgemeinde feierte das Fest mit; auch aus den umliegenden Orten waren zahlreiche Festbesucher erschienen. Schon vor Beginn des F e ft g o 1t e s b i e n ft e s hatte sich unsere Kirche, eine der geräumigsten des Dekanats und für solche Feste besonders geeignet, mit Besuchern gefüllt. Direktor Röhricht (Darmstadt) vom hessischen Landesverein für Innere Mission versah die Liturgie und hielt auch die Fest- predigt. Der Redner sprach von der Pflicht der Christen der Inneren Mission gegenüber und von dem Segen der Missionsarbeit. Er führte u. a. aus, daß in unserem deutschen Vaterland heute 34 700 Blinde, 38 500 Taubstumme, 404 600 körperlich gebrechliche und 194 000 geistig gebrechliche Menschen zu betreuen seien. Einzelne allein könnten die hier notwendigen Arbeiten nicht leisten, unsere Gemeinden müßten Missionsgemeinden werden und zu- ammenstehen in der Arbeit. Für nicht lebendig arbeitende Gemeinden gäbe es kein besseres Mittel lebendig zu werden, als sich mit der Arbeit der Inneren Mission zu beschäftigen. brachte die Grüße des Dekanats und schilderte die Arbeit der Inneren Mission als eine Arbeit der heilserfüllten an der heilsbedürftigen Gemeinde. Eine segenbringende Arbeit sei aber nur dann möglich, und unser Volk könne auch nur dann äußerlich genesen, wenn eine innere Umkehr jedes einzelnen Christen und Volksgenossen erfolge, wie sie auch unser Führer und Volkskanzler Adolf Hitler erstrebe. Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und Innere Mission wären beide gleich nötig. Noch treuer als seither mitzuarbeiten, sei die Pflicht aller. Der Kirchenchor, geleitet von Chormeister Sch o m- b e r, hatte die Feier mit einigen Chören umrahmt. Nach einer kurzen Kaffeepause, bei der die auswärtigen Festbesucher bei den hiesigen Gemeindegliedern zu Gast geladen waren, fand in der Kirche die Nachversammlung statt. Direktor Röhricht sprach über die Pflichten eines Christen, immer für seinen Mitmenschen zu leben nach dem Vorbild der großen Vorkämpfer auf dem Gebiet der Inneren Mission Johann Hinrich W i ch e r n , Vater Bodelschwingh u. a. Heute bestünden in Deutschland 26 Diakonissenhäuser, 45 000 Diakonissen und 4000 Diakone stellten ihre Kraft dem Werk zur Verfügung, in Hessen allein werden 80 Anstalten und Heime von der Inneren Mission betreut. Die Bilder, die der Redner aus unserer größten hessischen Anstalt Nieder-Ramstadt mit ihren 500 Insassen entwarf, lieferten den Beweis, wie groß die Not dort ist, zeigten aber auch, wie oft schöne Erfolge an den Seelen der Aermsten erzielt werden. Die besondere Aufgabe der Kirche sei es, die Seelen der Kranken, zu Gott zu führen. Pfarrer Bönning (Rödgen), der Vertrauensmann für Innere Mission im Dekanat Gießen, sprach über die Arbeit im Dekanatserziehungsverein, der im Jahre 1932 insgesamt 19 Jugendliche- 14 Knaben und 5 Mädchen, und in 1933 18 Kinder, 13 Knaben und 5 Mädchen, betreute. Die meisten der Kinder, meist Vollwaisen, stammten aus hessischen Kleinstädten. Die Unterbringung der Kinder in geeigneten Pflegestellen falle sehr schwer. Leider stünden von privater Seite keine Mittel zur Verfügung. Die Gaben der Inneren Mission aus den Dekanatsgemeinden beliefen sich im verflossenen Jahr auf zusammen 7418 Mark, worunter Gießen mit 3187 Mark an der Spitze steht. Pfarrer Bönning schloß mit einem herzlichen Aufruf zur Mitarbeit seine Ausführungen. Das Schlußwort sprach der Ortsgeistliche Pfarrer Schmidt. Er dankte den Rednern des Tages, ferner der Gemeinde und dem Kirchenchor, der auch die Nachversammlung mit schönen Chören ausgeschmückt hatte, und ermahnte zur Unterstützung des Werkes der Inneren Mission. und verpflichtet. Welch' ein Erlebnis für ein Großstadtkind, das vom Gemeinschaftsgeist, vom Kameradschaftsgeist noch nichts verspürt hat, nun mitten unter Kameraden zu sitzen und zackige Fahrtenlieder zu vernehmen, zu hören, wie der Führer erzählt, und zu fühlen, wie ein Band der Verbundenheit sie alle umschlingt. Dann verlangt das Kind nach dieser Gemeinschaft, es will eingereiht sein, will mitsingen, mitspielen, mitziehen, lachen und erzählen, das Braunhemd anziehen und hier mit allen anderen zeigen, daß es auch den Weg zu unserem Führer gefunden hat. Welch herrliches Erlebnis allein ist schon die Fahrt durch die deutschen Lande. Die Eindrücke, die hier gewonnen werden, sind für die spätere Entwicklung von außerordentlicher Bedeutung. Jeden Tag erleben dann diese zur Erholung weilenden Kinder etwas Neues. Jeden Tag zeigt sich ihnen draußen die Welt neu. Herzlich ist der Empfang und herzlich, aber auch schmerzlich dann der Abschied von den Pflegeeltern, wenn der Urlaub verstrichen ist und es wieder heimgeht zu Muttern. Glückliche Herzen senden ein noch glücklicheres Kinderherz wieder in seine Heimat. Da, wo es früher leer und öde aussah, da ist nun Sonnenschein und Glück. So wie wir Kinder in andere Gebiete hinaussenden, so nehmen wir auch Transporte in unserem Gaugebiet auf. So war im Laufe des Sommers ein großer Transport Schlefierkinder im Gaugebiet ausgenommen und untergebracht worden, ebenso Kinder aus dem Gau Thüringen. Die einen sanden Aufnahme im herrlichen Rhein- g a u, die anderen im Westerwald und im Vogelsberg. Ein anderer Teil fand in der fruchtbaren Wetterau Aufnahme. Ganz besondere Freude machte uns der Kinderzug aus dem Ruhrgebiet. Diese Kleinen, die in ihrem ganzen Leben noch nichts anderes gesehen hatten, als Schlote und Fabriken, die in Industriegebieten aufwachsen, die die Armut dort bitter schmecken müssen, leben in den von uns zur Verfügung gestellten Pflegestellen ordentlich auf. Die Kinder, die wir verschicken, stammen meist ans kinderreichen Familien. Da wo früher eine . Rote Hilfe" versagte, der alte Staat es nicht für nötig hielt zu helfen, da hilft die Organisation des Führers, die NS.-Volkswohlfahrt. Aus dem Fonds, der für das Hilfswerk „Blutter und Kind" der NSV. bestimmt ist. rocröen nach Prüfung einzelner besonders bedürftiger Kinder Neuanschaffungen von Schuhen, Kleidungsstücken usw. gemacht. Die Hauptaufgabe der NSV. ist, denen zu helfen, die schuldlos an ihrer Armut sind, aber den Glauben an eine bessere Zukunft, den Glauben an unseren Führer besitzen! Die strahlenden Kinderaugen im rotwangigen Gesicht sind unser Dank; sie verpflichten uns aber wieder zu neuen Taten, die der sozialistischen Gemeinschaft dienen. Deshalb rufen alle Helfer der Abteilung „Jugend- erholungspflege" dir zu: „hilf uns, daß wir noch mehr Gutes tun können. Du ermöglichst dies durch deinen Beitritt zur Nationalsozialistischen Volks- wohlfahrk." Kreisamtsleitung der NGV. Gießen. gez.: Willi H a i n b a ch , Kreispropaganda- und Pressewalter der NS.-Volkswohlfahrt. Das Gesetz zum Schutze der nationalen Arbeit sieht vor, daß der Wirtschaftsführer unter voller Verantwortung und Wahrung des Führerprmztps Führer der Wirtschafts-Gefolgschaft ist. Die natw- nalsozialistische Weltanschauung sieht aber nicht nur in der fachlichen Betreuung der Gefolgschaft eine vollkommene Regelung; sie will auch die Scl)asfung des Gemeinschaftsgeistes und der geistigen Betreuung der Menschen an den Stätten der Arbeit. Darum hat die Partei als Trägerin der NS.-Welt- anschauung bis in bas letzte Glied des deutschen Lebens auf diesem Gebiete ihre Amtswalter eingebaut Der Vetriedszellenobmann ist als solcher der letzte weltanschauliche Führer der Partei In dem Betriebe selbst. Als solcher ist er Führer der Vetriebsgemeinschaft. Wenn der Sellenobmann, soweit er nicht dem vertrauensrat angehört, nicht unter Kündigungsschutz steht, so wird dies ausgeglichen dadurch, daß er in seiner Stellung als Zellenobmann und Führer der Belriebsgemeinschaft unter bem Schuhe der Partei steht. Laufe des Sommers konnten wir immer einen Rekordbesuch feststellen. Die „Monte-Olivia"-Fahrer der Fahrt vom 11. bis 19. August, treffen sich zum Austausch von Bildern am Mittwoch, 29. d. M., 20.30 Uhr, im Hotel Hindenburg. n hi rttprcisc * Gießen, 28. Aug. Auf dem Jjeutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,35 bis 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klaffe S 10'/,, Klaffe A 10, Klaffe B 9V,, Klaffe C 9, Klaffe D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben Zugelaffene Sammlungen. Wie das Hessische Staatsministerium bekanntgibt, wurde die von dem Amt für Volkswohlfahrt für den 2. September vorgesehene Sammlung für das Hilfwerk „Mutter und Kind" auf öffentlichen Strafen und Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- und Vergnügungsstätten, ober an anderen öffentlichen Orten als Ausnahme von dem Sammelverbot zuge- lassen. Der Verkauf eines Abzeichens für das am 30. September auf dem Bückeberg stattfindende Erntedankfest wurde ebenfalls genehmigt. Das Abzeichen darf jedoch nur an einem Tag, und zwar zweckmäßig am Erntedankfest selbst, vertrieben werden. Verkauf von Haus zu Haus kann nicht zugelassen werden. BornoNzen. — Tageskalender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Bei der blonden Kathrein". ** Von der Landesuniversität. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Direktor des Balneologischen Universitäts-Instituts in Bad-Nauheim, Professor Dr. A. Weber, wurde aufgefordert, auf dem VI. Internationalen medizinischen Fortbildungskursus der Tomarkin Foundation (Rom) in Meran im September 1934 zwei Vorträge zu halten über 1. Die praktische Bedeutung der Herzschallregistrierung; 2. Die Kohlensäure-Bäderbehandlung der Kreislaufstörungen. ** Umfangreiche Straßenverbesse- runaen sind im Verlaufe der letzten Wochen im Südviertel unserer Stadt durchgeführt worden. Im Wetzlarer Weg, in der Crednerftraße, Hofmann- stratze, Mittelweg, Glaubrechtstraße, Buchnerstraße und Am Steg sind die Bürgersteige und Fahrbahnen in neuzeitlicher Weise mit guten und haltbaren Decken versehen worden, die nicht nur das Geräusch des Fährverkehrs erheblich mindern, sondern auch die Staubplage, uru, der die Anwohner chaussierter Straßen bekanntlich immer sehr zu leiden haben, beseitigen. Ferner wird durch diese Neuherrichtung der Straßen erreicht, daß künftig an den Straßen- reinigungs- und -Unterhaltungskosten ansehnlich gespart werden kann. Zu einem kleinen Teile sind die Arbeiten in diesem Stadtbezirk zur Zeit noch im Gange. Ferner ist in den letzten Tagen Der Bürgersteig vor dem Hauptpostamt bis zur Ecke Liebig- straße/Bahnhofstraße durch Herstellung einer guten Asphaltdecke in einwandfreier Weise neugestaltet woroen. Man kann sich nur freuen über diese vortreffliche Verbesserung unseres Straßennetzes. Der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt obliegt als der Organisation des Führers die Betreuung der deutschen Jugend. Zur Bewältigung dieser großen Aufgabe hat die NSV. sich in der Abteilung „I u g e n d e r h o 1 u n g s- pflege" ein schlagkräftiges und elastisches Instrument ausgebaut. Die gestellte Aufgabe der Verschickung der Stadt- und Landjugend ist außerordentlich groß, und es gehört zur Erfüllung derselben große Verantwortung; sollen doch Zehntausende erholungsbedürftiger Kinder der Großstadt und des Landes einen vierwöchigen Erholungsurlaub bekommen. Wir wollen die Kinder zu Blenschen bringen, die ihnen Freude und Glück schenken. Die deutsche Jugend, die unschuldig Zeiten größter Not mitgemacht hat, soll wissen, daß der Führer und mit ihm das ganze deutsche Volk für sie sorgt. Bei der Auswahl der Kinder wird nicht auf Konfession, oder auf die Zugehörigkeit zu einer Organisation gesehen. Der Führer hat den Befehl gegeben, allen zu helfen und sie zu gewinnen, auch den Kleinsten, für Deutschland. Der Führer baut dieses neue Deutschland auf mit allen Kräften, die freiwillig mit innerer Erkenntnis und mit einer sozialistischen Haltung und Gesinnung rnit- helfen wollen. Er fragt nicht: „Wo warft du?", sondern er prüft dich, ob du dich eignest und bewährst als Kämpfer für die Idee und die Gemeinschaft des Volkes. In vergangenen Jahren wurde die Verschickung der Kinder von Verbänden und Vereinen unter den verschiedensten Gesichtspunkten vorgenommen. Die einen wurden benachteiligt, die anderen bevorzugt. Diese Art der Verschickung von Kindern lehnen wir ab Deshalb hat die NS.-Volkswohlfahrt in diesem Jahre die gesamte Verschickung der erholungsbedürftigen Jugend übernommen. Das Ausfuchen der Kinder, die zur Verschickung in Frage kommen, geschieht jeweils durch den örtlichen Amtswaller der NSV. im Einvernehmen mit dem Führer bzw. der Führerin und dem Lehrer. ben wird, so daß man wohl an beiden Tagen mit einem Gesamtbesuch von 5000 bis 6000 Personen rechnen tann. Diese Zahl ist keineswegs zu hoch Ibis lih SellerieH bis rS^Radiescken^Bündeh'lO gegriffen, denn bet verschiedenen Veranstaltungen im । Pfennig. » -ö lü Nr. 200 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 28. August (934 W. Gerhardt, Gießen, Gaumeister im Florettfechten. Schöne Erfolge konnten die Fechter und Fechterinnen des Turnvereins 1846 bei den erstmals am Sonntag in Kassel zum Austrag gekommenen Gaumeisterschaften des Turngaues Nordhessen erringen. W. Gerhardt holte sich im Florett der Männer den Titel des Gaumeisters. Den Eintritt in die Gausonderklasse (früher Kreissonderklasse) des neuen Turngaues Nordhessen erkämpften sich mit ihm: im Florett L. Gerhardt; im Säbel W. Gerhardt; im Florett der Frauen Frl. Wirth und Frl. Mohr. Handball als selbständige Gportgruppe. Bei der Neuordnung der deutschen Leibesübungen, bedingt durch die Gründung des Reichsbundes für Leibesübungen, ist endlich dem deutschen Handballsport die Stellung zugewiesen worden, die er verdient und die er bisher nicht einnehmen konnte, weil mehrere Verbände Beschlag auf diese Sportart legten und beanspruchten, dieses Spiel in Erbpacht nehmen zu können. Der Reichssportführer hat erfreulicherweise diesem Streit ein Ende gemacht. Die Einrichtung des Fachamtes Handball und die Uebertragung der Leitung dieses Amtes an einen erstklassigen Fachmann und wirklichen Handballsportler, der von der Pike auf gedient hat, wird im ganzen deutschen Handballsport mit Befriedigung ausgenommen worden sein. Der neue Leiter des deutschen Handballspiels, Brigadeführer Herrmann (München), früher Oderleutnant bei der Hessischen Schutzpolizei und vor einigen Fahren einer der bewährtesten Schiedsrichter, hat als erste Amtshandlung nachstehende Verfügung erlassen: „Der Herr Reichssportführer hat das Amt 4, Handball, im Reichsbund für Leibesübungen errichtet. Damit ist die dringend notwendige Zusammenfassung aller Handballtreibenden erfolgt. Der Herr Reichssportführer hat mich zum Leiter des Amtes für Handball ernannt mit Schreiben vom 10. August: A l s aufgehoben gelten hiermit: 1. Alle bis zum heutigen Tage ergangenen Ausschreibungen für die Spielzeit 1934/35; 2. Alle Festlegungen für die Lehrtätigkeit in den Gauen (Spieler- und Schiedsrichter-Kurse). 3. Alle Ernennungen von Vertrauensleuten für die Spielerausbildung, Schiedsrichterausbildung, Olympiavorbereitung ufw. Die Ausschreibung für die Spielzeit 1934/35 lautet: Altersklassen für 1934/35: Männer 1916 und früher, männl. Jugend A 1917 und 1918, männl. Jugend B 1919 und 1920, Knaben A 1921 und 1922, Knaben B 1923 und später; Frauen: 1918 und früher, weibl. Jugend A 1919 und 1920, weibl. Jugend B 1921 und später. Die M e l d e g e l d e r für jede Mannschaft betragen: Juaendmannschaft: 1 Mark, untere Mannschaften 3 Mark, 1. Mannschaften Kreisklasse 10 Mk., 1. Mannschaften Bezirksklasse 15 Mark, 1. Mannschaften Gau klasse 30 Mark. Die Sätze gelten für Männer- und Frauenmannschaften. Ernennung von Gau-Handball-Leiiern. Der neue Führer der deutschen Handballer hat in einigen Gauen bereits vorläufige Ernennungen der sogenannten Gau-Amtsleiter für Handball ausgesprochen. Sie Schlußleuie der Saarland Treuestaffeln in Koblenz. Nach der Uebergabe der Köcher. Der Reichssportführer von Tschammer-Osten (im Vordergrund rechts) im Gespräch mit den Schlußleuten der Saarland-Treuestaffeln. Unter den Staffelläufern sehen wir auch unseren Gießener Turner und Turnfestsieger von Köln, Karl Reuter (in der ersten Reihe der Turner, der Zweite von links). Seine Brustschleife trägt die Aufschrift „Saarland-Treuestaffel, Lauf IV, Obersalzberg—Koblenz, Gau Nordhessen." (Aufnahme Photo -Pfaff). M dem Mn-Adler von Laucha nach Gießen. Landung eines Magdeburger Segelfliegers. Für das Klinikviertel gab es am Sonntagabend ein Ereignis, das vorübergehend eine freundliche Unruhe verbreitete. Ein Segelflieger war über Gießen erschienen, zog zunächst einige Kreise, suchte einen Landeplatz und fand ihn dann auch in der Nähe der Heilstätte Seltersberg auf einer leichtgeneigten Wiese. Das Flugzeug landete glatt und ohne jeden Schaden. Es handelte sich um eine Hochleistungsmaschine, um einen Rhönadler. Die Kunde, daß der Segelflieger auf der Wiese hinter dem Lupusheim und an Der Heilstätte Seltersberg niedergegangen war, sprach sich, soweit es nicht beobachtet war, schnell herum, und bald war der Segelflieger von vielen Menschen umringt, die ihm auch eifrig halfen, das Flugzeug sachgemäß abzubauen und zu bergen. Es wurde in den Hof des Lupusheimes gebracht. Der Segelflieger, ein stattlicher junger Mann, Robert Blancke, von der Fliegerortsgruppe Magdeburg (Leiter der Segel- fliegerabteilung der Ortsgruppe) hatte schnell ben Kontakt mit den Gießenern und mit den Insassen der nächsten Heilanstalt gewonnen und erzählte gern von seinem Flug. Er war am Sonntagmittag mit feinem Flugzeug mit mit einem Kameraden auf dem Segel* fluggelände bei Laucha (Unstruth) zu einem Paarflug gestartet, der im Rahmen eines hoch- teistungswetlbewerbes ausgeschrieben war. Blancke und sein Kamerad ließen sich durch ein Motorflugzeug auf 300 Meter Höhe bringen und schraubten sich dann, termische Aufwinde aus- nützend, bis auf etwa 1200 Meter Höhe. Nun gewannen sie Wolkenanschluß, Schiebewind kam ihnen zu Hilfe, die Thermik nützten sie außerdem nach besten Kräften aus, so daß es ihnen möglich wurde, auf Strecke zu gehen. Geraume Zeit flogen beide Segelflieger nebeneinander. Blancke, der hier in Gießen landete, weil der hereinbrechende Abend und das damit verbundene Aufhören der warmen Aufwinde dem Flug Halt gebot, hatte in der Zeit von etwa fünf Stunden insgesamt 2 3 5 Kilometer zurückgelegt. Sein Kamerad soll etwa 240 Kilometer geflogen sein. Allerdings war bis zur Stunde nicht zu erfahren, wo er landete. Der Flieger benachrichtigte, nachdem das Flugzeug geborgen war, sofort seine Kameraden in Laucha, die sich auch gleich mit dem Kraftwagen und dem angehängten Transportwagen auf den Weg machten. Am Montagmittag trafen sie hier ein. Das Flugzeug wurde aufgeladen und nachdem die letzten Formalitäten erledigt waren, konnte gestern nachmittag gegen 18.30 Uhr die Rückfahrt nach Laucha beginnen. Der Segelflieger will nach seiner Rückkehr weitere Streckenflüge unternehmen, ba der Hochleistungswettbewerb noch bis zum kommenden Sonntag dauert. Robert Blancke war, er berichtet begeistert und freudig darüber, in einer der Kliniken am Seltersberg mit überaus großer Freundlichkeit ausgenommen worden. Es fehlte ihm an nichts. Die Verpflegung war sehr ausgiebig und das Nachtlager so schön, wie er es sich nur wünschen konnte. Auch die Helfer, die aus Laucha hierhergekommen waren, wurden sehr gastfreundlich ausgenommen und für die Stunden ihres Aufenthaltes in unserer Stadt bestens verpflegt. Ungern sahen die Patienten und das Pflegepersonal die Flieger scheiden, die für einige Stunden Abwechslung in die Stille ihres Tages gebracht hatten. Spielvereinigung 1900 Gießen. DfC. Biedenkopf — Spog. 1900 3:1 (1:0). Wider Erwarten mußte die Liga aus Biedenkopf mit einer Niederlage heimkehren, doch war die Niederlage nicht verdient, vielmehr konnte die Spielvereinigung bei mehr Glück einen glatten Sieg erringen. Leider war kein neutraler Schiedsrichter da. Biedenkopf spielte sehr hart. 1900 trat mit der zur Zeit stärksten Vertretung an. Während des Spiels wurden einige Umstellungen erforderlich, bs sich die Mannschaft zu einer Einheit zusammen- fanb. Schlarb war nicht in gewohnter Form, Lippert brauchte erst einige Zeit, bis er ins Spiel kam. In der Läuferreihe war Heilmann überragend, Langsdorf und Hainbach waren im Zuspiel schwach. Im Sturm war die linke Seite produktiver als die rechte. Günther ist nicht ligareif. Bei Biedenkopf überragten der rechte Verteidiger, Mittelläufer und Halbrechte. 1900 konnte sich zuerst nicht mit Ball und Boden abfinden, und so hieß es schon nach zwei Minuten 1:0. Bei einem Angriff der Biedenkopfer versucht Langsdorf zurückzuspielen, schoß aber an Schlarb, der herauslief, vorbei an den Torpfosten. Ehe die verdutzten Gießener eingreifen konnten, hatte der Linksaußen eingeschossen. Nach zehn Minuten ging Heilmann als Mittelläufer, und schon war es mit der Ueberlegenheit Biedenkopfs vorbei. Das Spiel wird ausgeglichen, Erfolge bleiben aus, da sich die schwachen Stürmerreihen nicht durchsetzen konnten. Mit 1:0 für Biedenkopf ging es in bie Halbzeit. Nach Halbzeit war Biedenkopf bemüht, das Ergebnis zu verbessern, was ihnen auch gelang. Bei einem Eckball drückte sich der Mittelläufer an Lippert hoch und köpfte zum Tor, Schlarb sprang etwas zu früh, und durch die Sonne geblendet griff er daneben. 2:0. Durch diesen vermeidbaren Erfolg ließen sich bie Blau-Weißen nicht deprimieren, im Gegenteil, sie führten jetzt ein Spiel vor, wie man es lange nicht mehr von ihnen gesehen hatte. Der Ball wanderte nun von Mann zu Mann, Biedenkopf brachte fast kein Bein mehr auf den Boden. Bei einem schönen Angriff paßte Schmelz zu Hammer, der umspielte einen Verteidiger und schoß flach ein, eine Prachtleistung. Einen Kopfball von Schmelz holte der Verteidiger gerade noch aus dem leeren Tor. Weiter auch wurde eine Chance nach der anderen herausgespielt. Daß aber nicht mehr Erfolge fielen, lag teils an der Unentschlossenheit der Stürmer, teils an dem robusten und rücksichtslosen Spiel der Biedenkopfer Abwehr. Kurz vor Schluß gelang dem B. Linksaußen ein Durchbruch, der durch schönen scharfen Schuß zum dritten Tore führte. Einige weitere Angriffe der Blau-Weißen brachten nichts ein. Eines gelang der Spielvereinigung: sie fand in Biedenkopf eine gute Mannschaftsaufstellung. Wenn die Mannschaft so prächtig flach und genau zusarn- menspielt wie dort in der zweiten Halbzeit, wenn noch die Stürmer einen herzhaften Schuß mögen, kann 1900 ruhiger als voriges Jahr in die Ver« bandsfpiele eintreten. Kurze Sportnotizen. Reit- und Fahrturnier Li ch. In der Ergebnisliste des gestrigen Berichtes über das Reit- und Fahrturnier mußte der 1. Preisträger in der Vielseitigkeitsprüfung nicht Egon Weil, sondern Ekkehard W e y l heißen. WotrttiOiiBW Roman von Anny von panhnys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Frau Westkamp erschrak vor der Leidenschaftlichkeit, mit der ihr Sohn ein Erlebnis behandelte, das doch kaum höher eingefchätzt werden durfte als eine flüchtige, wenn auch traurige Episode. Sie erkannte aber: Vernunftgründe hatten jetzt keinen Sinn, und so tröstete sie ruhig-mütterlich: „Ich hoffe, die Zeit hilft dir über deinen Schmerz hinweg — die Zeit hilft immer am besten. Bub, lieber, lieber Bub!" Er sah sie dankbar an, aber ihm war es, als wären lange Jahre machtlos, als würde er den grausamen Schmerz sein Leben lang nicht verwinden, der ihm jetzt das Herz zerriß. Drittes Kapitel. Detlef Westkamp hatte durch Nachsuchen in den Frankfurter Zeitungen die Todesanzeige Marielena Harnischfegers gefunden. Sie stammte vom Tage, der jener spätabendlichen Begegnung gefolgt, und lautete: e In der vergangenen Nacht ging unsere herzliebe, einzige Tochter Marielena infolge Herzschlag in die Ewigkeit ein. Um stilles Beileid bitten Josef Harnischfeger und Frau. Bornheim, Spillingsgasse. Wie aus Stein gehauen saß Detlef Westkamp vor der Zeitung mit 8er Tobesanzeige. Also war das wunderhübsche, frische Mädel in jener Nacht, kaum daheim, gestorben. Um Mitternacht! Der Schrei fiel ihm ein, der Schrei aus Frauenmund. Er erhob sich von seinem Schreibtisch und verlieh, von einem Gedanken getrieben, das Haus, radelte über die „alte neue" Brücke hinüber nach Frankfurt. Der Abend sank schon herab, und wie dunkle Nebel schwebte es vom Wasser herauf. Er fror; ihm fiel jetzt erst ein: er hatte vergessen, eine wärmere Jacke anzuziehen. Aber was lag ihm daran! Er raste durch die große Stadt, raste hinaus nach der Vorstadt, fanb bie Gasse roieber, in ber er um Mitternacht ben Schrei gehört. Er las ben Namen ber schmalen Straße. Sie hieß Spillingsgasse! Er wußte nun, das schöne Mäbchen war es wirklich, dessen Schrei fith in den letzten Schlag der Mitternachtsstunde gedrängt. Er führte fetzt fein Rad, dachte nur immer: Herzschlag! Welch ein furchtbares und trauriges Wort war das! Wie fühlte man das Wort, wie schmerzlich tief! Langsam schob er das Rad ein wenig bergan, und sein Herz, in dem eine Liebe jäh erwacht war, die ihm ebenso jäh wieder entrissen worden, weinte in unsäglichem Jammer. Leute kamen an ihm vorbei — er achtete nicht darauf. Er entschloß sich, das Handtäschchen zu behalten. Er unterschlug den Eltern damit nicht viel, sie besaßen sicher viele Andenken an die Tochter, und er war so froh, wenigstens etwas zu besitzen, was sie in ihren Händen gehalten. Plötzlich schrak er zusammen: die Kirchenuhr jener Nacht schlug wieder, aber nur achtmal. Der Uhrenschlag tat ihm weh, und er ging schneller. „Hoppla!" klang eine helle Mädchenstimme auf. „Renne Se doch die Cent net um, un gucke Se als ä bißche vor sich!" Dann sahen ihn von ganz nahe zwei große, braune Augen an, weiße.Zähne blinkten, und die Schlanke, Herbe stand vor ihm, reichte ihm die Hand. „Wir kennen uns ja! Vater kürzte letzthin unsere Unterhaltung etwas ab. Aber was tun Sie denn hier in der Spillingsgasse?" Sie zeigte auf ein nahes Haus. „Da drüben wohnen wir." Das Herz schlug ihm bis zum Halse, und in seinen Ohren sauste und brauste es: Sie lebt, himmlischer Vater! Das Glück ist kaum zu ertragen — sie lebt! v o m Sie fragte: „Aber was ist Ihnen denn? Warum sind Sie denn so sonderbar? Kennen Sie mich nicht wieder, Herr Westkamp?" Sie lächelte, er sah es deutlich, als sie erklärte: „Sie stellten sich mir doch vor, und ich habe Ihren Namen behalten. Gut behalten — nicht wahr? Ich heiße Donata Olden.' Jetzt vermochte er endlich wieder zu sprechen. Er stammelte: „Ich glaubte, Sie hießen Marielena Harnisch- feger." Sie antwortete nicht sofort, sagte dann traurig: „Marielena Harnischfeger ist tot, f,e starb m der Nacht, als wir uns begegneten. Wie kommen Sie auf bie? Sie wohnte da drüben in dem ganz kleinen Hause neben uns." Er erzählte von dem gefundenen Täschchen und der Visitenkarte darin. In seiner Stimme verriet sich Erregung. Sie nickte. _ , ,, ,. Jetzt verstehe ich! Sie glaubten nun, ich wäre Marielena Harnischfeger und wäre gestorben." Er gab zu: „Ja, das glaubte ich! Sie fragte leise: „Und was führte Sie heute in die Spittingsgafse?" Da bat er: „Haben Sie nicht noch ein wenig Zeit für mich, Fräulein Donata? Ich möchte Ihnen nämlich vieles auf Ihre Frage erwidern." Der Name Donata kam seltsam weich aus seinem Munde, es war, als läge er in einem Kranz von geheimer Zärtlichkeit, wie in einem Kranz sanftfarbener Blumen gebettet. In ihrer Haltung drückte sich ein wenig das Verwundern aus, das ihr Mund nicht aussprach, und sie erwiderte: „Gut! Gehen wir nach dem Nußberg — ich habe noch etwas freie Zeit." Der Nußberg war nahe. Neue, moderne Straßen lagen hort, und wo sich der Berg senkte, waren Anlagen geschaffen, die dicht mit Blumen bepflanzt waren, und in denen Bänke standen, die zur Rast einluden. Der Schleier des Abends verhüllte den weiten Blick, den man von hier aus hatte. Verdeckt war der nahe Röderwald, ebenso wie die fernen Speffartderge, die durch klare Tage bis hierher grüßten, aber der milde Herbstabend trug den Geruch von Blumen durch die Anlagen, in denen so mancher vom Tagewerk müder Mensch ausruhte. „Hier ift's so schön am Tage", erzählte Donata Olden, „wunderschön! Ich war heute vormittag schon mit der Mutter hier. Der hohe Sonnenhut blüht so üppig und die Astern auch, der Rittersporn ist herrlich blau, und alles steht noch so sommerlich." Sie ließen sich auf einer Bank nieder, die ein wenig abseits stand, und Detlef Westkamp begann leise: „Lachen Sie über mich, Donata Olden! Aber glauben Sie mir, seit ich Sie für tot hielt, wußte ich, daß ich Sie liebe mit einer Liebe, die gleich groß und stark geboren wurde, und die heilig tief empfunden wurde auf den ersten Blick. So etwas gibt es. Ich glaubte bisher nicht daran, aber ich erfuhr es an mir selbst. Ich darf nicht hoffen, daß es Ihnen ebenso ergangen ist, aber ich möchte Sie fragen, ob Sie mir erlauben wollen. Sie wiederzusehen." Donata neigte den schmalen Kopf leicht zur Seite, es war, als lausche sie in sich hinein, und dann sagte sie fröhlich: „Natürlich können wir uns wiedersehen, Detlef Westkamp." Sie scheute vor dem Wörtchen „Herr" zurück, es schien ihr hier komisch in der Anrede eines Mannes, der ihr eben so eigen seine Liebe gestanden. Sie erzählte von daheim, von Vater und Mutter, und auch er erzählte von zu Hause, und dann gingen sie zurück. Donata hatte ihm versprochen, am nächsten Abend gegen sieben Uhr am Eingang zum Ostpark zu sein. Wie edn Trunkener fuhr Detlef Westkamp durch Frankfurt und über die Brücke nach Sachsenhausen, die man nach ihrem Umbau die „neue alte Brücke" nennt. In ihm war Jubel, der am liebsten laut geworden wäre. Doch zu Hause vermochte er sein Glück nicht mehr länger in sich zu verschließen. Frau Westkamp begriff nicht, was den Sohn jo rasch völlig hatte verwandeln können. Sie staunte sein strahlendes Gesicht an wie edn Wunder, und er jauchzte ihr entgegen: „Muttel, sie lebt, sie ist auferstanden von den Toten!" Jetzt erfuhr Charlotte Westkamp, daß sie, die ihr Sohn liebte, nicht Marielena Harnischfeger hieß, daß ihr Name anders, daß er wie ein dunkler, weicher Harmoniumakkord war. Sie lächelte mutterzärtlich und wiederholte den Namen langsam ’tnb bewegt. Die Fenster standen weit offen, die binde Abendluft nahm den Namen auf und trug ihn über die Gärten und Felder. Wie eine Liebkosung trug sie ihn fort bis empor zum Himmel, wo Mutterwünsche um das Glück ihrer Kinder bitten. Frau Charlotte wünschte Inbrünstig, daß sie ihres Sohnes Liebe eines Tages erwidern möchte, sie, die er liebte, um die er so schwer gelitten, sie, deren Namen wie tiefe Glocken aufklangen: Donata Olden! Viertes Kapitel. Schon etwas vor sieben Uhr marschierte Detlef Westkamp am nächsten Abend vor dem Eingang zum Ostpark auf uno ab, und plötzlich war Donata da, ohne daß er sie hatte kommen sehen. Sie lachte vergnügt: „Bis um halb neun Uhr darf ich wegbleiben." Sie saßen dann in dem kleinen Restaurant im Park, un8 er gab ihr das hellgraue Täschchen zurück. Sie sahen sich an, plauderten erst etwas befangen miteinander; genossen aber ein Glück, das nur junge Menschen kennen. Donata trug ein braunes Samtkleid mit kleinem, herzförmigem Halsausschnitt. Es stand ihr gut, und Detlef Westkamp fand sie berückend. Ihn störte an ihrem Kleid nur eine Brosche. Ein alter Taler, der etwas großmütterlich wichtig auf dem Goldbraun des ^amts saß. Er warf ein paarmal einen Blick auf die Brosche. Es fiel ihr auf. Sie erklärte: „Ich trage den Taler gern. Vater ließ einen für mich und einen für Mutter als Brosche umarbeiten." Sie fuhr ein bißchen wichtigtuen8 fort: „Das ist kein gewöhnlicher Taler, sondern ein Rätseltaler." Sie öffnete die Verschlußnadel und reichte ihm das kleine Schmuckstück. Er betrachtete es und fanb nichts Pesonberes baran. Es war ein Taler aus ber Zeit bes Alten Fritz. Nichts Alltägliches also, aber auch nichts Rätselhaftes. „Bitte, brehen Sie die Münze um!" forberte ihn Donata Olben auf. Er tat cs unb stutzte. Die Rückseite bes Talers war glattgefeilt, unb auf ber glatten Fläche war eine Inschrift eingraviert, in griechischen Buchstaben. Fünf kurze Buchstabenreihen ftanben untereinanber, schienen sinnlos. Er fragte: „Was sollen die Buchstaben bebeuten?" Sie lächelte: „Ich weiß cs nicht. Deshalb gebrauchte ich doch gerabe ben Ausbruck Rätseltaler." (Fortsetzung folgt) ' ' Dg 6 02 öeuWen Weins Vom grauen Altertum bis in die jüngste Gegenwart hinein hat die Geschichte des Weines und des Weinbaues die Geschichte der Menschen und Völker heiter und anmutig, tiefsinnig und ernsthaft begleitet. Wir wissen nicht, ob die große Kulturgeschichte der Traube und der Kelter, der Bacchusverehrung und der Trinkfreudigkeit durch die Jahrhunderte hindurch schon geschrieben ist —: es wäre eine lohnende Aufgabe und des Schweißes der Edlen wert. Aber wer es da genau nehmen und gründlich eindringen, ins Breite und Weite schweifend beschreiben und darstellen wollte, dessen Kraft, Phantasie und Forfcherfleiß müßten wohl erlahmen und mutlos werden vor der Fülle der Gesichte. Selbst wenn einer, was uns freilich am nächsten läge, sich auf den Kulturkreis der Deutschen beschränken würde, bliebe noch immer die Menge des Stoffes fast übermächtig für Blickweite und Gestaltungskraft Birtes einzelnen Mannes. Der Wein in Geschichte und Kulturgeschichte, in der bildenden Kunst und der Literatur, in Sage und Märchen und Volksglauben, in der Geschichte des Handels, der Wirtschaft und der Stände — da ist kein Anfang und kein Ende, und tausendfältig laufen die Beziehungen und Wechselwirkungen hin und wieder im weiten Umkreis menschlichen Denkens, Empfindens und Trachtens. Was für ein stattliches, würziges und zum Trinken anregendes Buch allein könnte der schreiben, der sich in die Geschichte der Poesie des Weines versenkte und zu diesem Ende allabendlich eine grüngolden funkelnde Flasche neben sein Tintenfaß rückte, auf daß die holden und lustigen Rebengeister ihn freundlich umschwebten und ihm Herz und Sinne stärkten zu löblichem Tun. ♦ Seit uralten Zeiten haben die Dichter, die großen und die kleinen, mit Andacht und Liebe den Wein besungen, die edle Kunst und den schwärmerischen Genuß des Trinkens verherrlicht. Es wäre ein aus- fichtloses Beginnen llrtb würde bald ins Uferlose führen, wollte man genau und gerecht die Poesie des deugchen Weines durch die Jahrhunderte ver- folgen. Wir brauchen nicht einmal ins Mittelalter Surückzuschweifen (von Anakreon und Horaz zu chweigen) — welch eine stattliche Reihe bekannter, a erlauchter Namen umspannt allein die Entwicklung von Lessing und Goethe, Novalis und Elan- dius über Hoffmann und Hauff, über Keller und Storm bis zu Binding und Schäfer. Oder — auf einer anderen Linie — von Scheffel bis Baumbach, Roquette und Johannes Trojan. Vom überschäumen- den „Ergo bibamus“ über eine riesige Kommersbuchliteratur bis zum „Roland»b-gen" und zum „rheinischen Mädchen beim rheinischen Wein". Schon aus dieser mehr als fluchtigen und zufälligen Aufzählung, die nicht den mindesten Anspruch auch nur auf annähernde Vollständigkeit erheben kann, mag einer ermessen, wieviel gute und herzerfreuende Dichtung ungefühlt, ungesckrieben und ungesungen geblieben wäre, wenn nicht eine gütige Gottheit das Land der Dichter auch mit dem Gnadengeschenk der Traube gesegnet hätte. Und wer sich in diesem Lande auch nur ein wenig den Wind um die Nase hat wehen lassen, der weiß, wie viele ehrwürdige Schenken und Trinkstätten ihren Ruf und Ruhm nicht nur dem gepflegten Aroma und Alter ihres Kellers, sondern auch dem Namen des Dichters verdanken, der da gesessen, getrunken und die Räume bis auf den heutigen Tag mit einem Hauch seines Wesens begabt und geadelt hat. * Wer dächte da nicht an den Bremer Ratskeller mit den zwölf Aposteln, der Frau Rose und dem steinernen Roland, wo der früh verstorbene Wilhelm Hauff sein „Herbstgeschenk für Freunde des Weines" phantasierte? Zu beklagen jeglicher Mann, der nie im Leben in die alten, dämmerigen Gewölbe des Kellers von Lutter und Wegner am Berliner Gendarmenmarkt hinabtauchte und dort, vom Figurenreigen Callotscher Gestalten rings an den Wänden umschwebt, mit Liebe und Ehrfurcht des Dichters Ernst Theodor Amadeus Hoffmann gedachte, der zugleich ein preußischer Kammergerichtsrat, auch Musiker und Zeichner war und mit seinen Freunden, dem Schauspieler Ludwig Devrient vor allen, hier viele Nächte seines unruhigen und genialischen Daseins verbracht hat. Ein Jammer, wenn einer, der in Würzburg war, tagsüber andächtig zu Gast bei Riemenschnoider und Balthasar Neumann, durch viele Kirchen, an vielen Madonnen, Heiligen und Bischöfen vorüber wandelnd — am Abend wieder heimgefahren ist, anstatt sich in den „Stachel" zu fetzen, wo lange vor ihm schon Götz von Berlichingen und Florian Geyer selig den Humpen geschwungen haben sollen: da wird er vollends gewahr werden, falls es ihm Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher Und trinkt ihn fröhlich leer. In ganz Europia, ihr Herren Zecher! Ist solch ein Wein nicht mehr. Er kommt nicht her aus Hungarn noch aus Polen, Noch wo man Franzmänn'sch spricht; Da mag Sankt Veit, der Ritter, Wein sich holen, Wir holen ihn da nicht. tzhn bringt das Vaterland aus seiner Fülle; Wir wär' er sonst so gut! Wie mär’ er sonst so edel, wäre stille Und doch voll Kraft und Mut! Er wächst nicht überall im Deutschen Reiche; Und viele Berge, hört, Sind, wie die weiland Kreter, faule Bäuche, Und nicht der Stelle wert. vorher noch nicht aufgegangen sein sollte, was das Frankenland für eine gesegnete Provinz ist, ... wenn er so mit Bedacht einen mild-feurigen Randersackerer aus dem runden Bocksbeutel in fein Glas und aus dem Glas langsam über die Zunge laufen läßt... Da hört einer, wenn er die Augen schließt, alle Würzburger Glocken auf einmal läuten, und wenn er Glück hat, vom Residenzgarten her ganz zart eine kleine Nachtmusik von Mozart, und wenn er über die alte Brücke heimwandelt, lächelt „der Winzer Schutzherr Kilian", her da oben so steinern unter den silbernen Junisternen auf seinem Sockel steht, mit Wohlgefallen hinter ihm her ... * Das mag wohl im Vorsommer gewesen fein, die Luft war weich, und der laue Nachtwind wehte dir ein Wölkchen Jasmin entgegen ... ein paar Monate später aber, wenn die Aepfel, die Nüsse und die Trauben reif sind, dann mußt du dich aufmachen und mit dem Schiff von Mainz den Rhein hinunter fahren, mitten hinein in die vom Wein berühmte und gesegnete Provinz des Vaterlandes, Hinter Bingen erst baut- sich die großartige und unver- wechfelbare Szenerie auf aus breitem Strom, schmalem Ufer und steilem Fels, aus kleinen Städten, alten Bur- gen und unabsehbaren Weinbergen. Gegen Abend mußt du irgendwo anlegen und aussteigen, wo sie ein Winzerfest feiern auf der dämmernden Rheinterrasse mit bunten Lichtern oder eine richtige Kerb in der „Landskrone". Schon von weitem hörst du aus den Hellen Fenstern das Gelächter der Fröhlichen und den stampfenden Dreivierteltakt der Tanzenden und zugleich Singenden: O du wunderschöner deut- Thüringens Berge zum Exempel bringen Gewächs, sieht aus wie Wein, Jst's aber nicht. Man kann dabei nicht singen, Dabei nicht fröhlich sein. Im Erzgebirge dürft ihr auch nicht suchen, Wenn Wein ihr finden wollt; Das bringt nur Silbererz und Kobaltkuchen, Und etwas Laufegold. Am Rhein, da wachsen unsre Reben; Gesegnet sei der Rhein! Da wachsen sie am Ufer hin und geben Uns diesen Labewein. So trinkt ihn denn, und laßt uns alle Wege Uns freun und fröhlich sein! Und wüßten wir, wo jemand traurig läge, Wir gäben ihm den Wein. Rheinweinlied Von Matthias Claudius. scher Rhein... Da mach dich hinein, misch dich dazwischen, geh vor Anker, kauf dir eine Flasche und ein Tanzbändchen, dann bist du geborgen, und den letzten Zug in Mainz bekommst du sowieso nicht mehr. Und wie du von Mainz hinunter gefahren bist, so mußt du von Koblenz her die Mojel hinauf fahren, mit oder ohne Liebeskummer, wie es der Dichter Rudolf G. Binding beschrieben hat, mit oder ohne Moselaal blau, darauf kommt es nicht so sehr an; aber aussteigen kannst du und .einkehren, um zu trinken, wo du willst, denn du machst, mit der Bahn, mit dem Auto ober zu Schiff, eine Fahrt nach der Weinkarte, und der „Bernkasteler Doktor" soll dir nicht minder gesegnet fein als die „Zeller schwarze Katz". Auf der Rückreise mag es dir bann wohl ergehen wie jenem, mit besten Beschreibung Binbing seine heiter - traurige „Moselfahrt" beschließt: „... Unb manchmal kommt eine kleine merkliche Erregung über ihn. Unb bann geschieht es, baß er, ohne Den Blick zu verwenben, in bie Westentasche greift unb fanft unb zärtlich einen Wempsropfen aus her Tasche nimmt, um ihn verzückt an bie Nase zu führen und ein Weilchen fromm daran zu riechen." ♦ Das mag nun alles gut und schon sein und soll auch so bleiben, aber wenn in diesen Tagen Deutschland im Zeichen des deutschen Weines steht, bann ziemt es sich unb ist her eigentliche unb ernste Sinn einer solchen Veranstaltung, nicht nur in heitere unb schwerelose Betrachtungen unb Erinnerungen sich zu verlieren, fonbern auch unb zu allererst an bie Schattenseite gleichsam her „golbenen Berge" xu denken: an bie harte Arbeit jahraus jahrein, an die Sorgen und die bittere Not her deutschen Winzer unb Weinbauern. Rheinreise unb Moselfahrt werben ihres romantischen Zaubers entkleibet, sobalb man hinter bem festlichen Glanz unb her gelösten Stimmung einer Ferienwoche ober eines Kirchweihabenbs im Weingau ben nüchternen Alltag gewahr wirb; wenn man in Gebauten etwa ben Weg unb Werbegang bes Weines zurückverfolgt von bem Glas, das einem her Wirt auf ben Tisch stellt, zur Flasche, von her Flasche zum Faß, vom Faß zur Kelter, von her Kelter zum Rebstock; — wer benkt babei an bie saure Arbeit am steilen Berg im glühenben Mittagsbranb, an bie enblosen Regengüsse, an Nachtfrost unb Hagelfchlag, an bie Peronospora und ben schweren Kupfervitriolkübel, ben her Winzer mehr als einmal auf bem Rücken in feinen Wingert hinaufgeschleppt hat, auf baß er vor Krankheit und Mißernte bewahrt bleibe, und die Mühe unb Sorge nicht ganz vergeblich gewesen sei. Daran soll jeher henken, her heute in Deutschlanb ein Glas Wein trinkt, unb jebes Glas soll man trinken mit bem Bewußtsein unb Willen, einem feines Volkes bamit zu helfen, her es bitter nötig hat: einem unbekannten beutfchen Weinbauern irgenbmo am Rhein ober an her Mosel. Hans Thyriot Deutscher Wein einVEssetrSns! 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Dampfschiss 0 Hansa-Dampfschif,.......... o Norddeutscher Lloyd ........ o A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz, und Prioat»Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconw» 11111 26,75 30,75 71,5 90,75 57,5 26 25,25 SO,25 67 91,25 56,25 26,75 25 30,75 71,5 91,25 57 25 Deutsche Komm Sammelabl. An- 97,5 Gejestschast....... y 65,75 64,75 leihe Serie 1 mit AuSloi.-Rechten 98 96,75 97,75 Dresdner Bank....... n 66 66 6% ehern. 8% Franks Hyp.-Bank 89,75 Neichsdank .......... 68,5 68 98,5 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 89,5 90,9 155,65 155,9 155,4 6% ehern. 7% Franks Hyp.-Bank 89.75 Ä C.»...................... 0 Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 89,5 —— 26 26,5 26,4 26,75 •y»% ehern. 4ft% Franks Hvp^ Bank-Liqu.'Dsandbriese lVx% ehern 4*/,% Rheinische 89,9 89,75 — — Bekula................... o Slekti. LieferungSgefellschafi... 6 Licht und Kraft ... 6 144,75 105 112,25 145,65 100,9 114,5 144,5 105 113 145,25 101,5 114,5 73,65 110 Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe 90,5 90,5 •— Felten & Guilleaume ..... o 70,5 73 70,4 <% ehern. 8% Pr. Landespfand» brlefanflalt, Pfandbriefe R. 19 93 93 93 93 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ....... 5 109,75 109,5 109 •% ehern. 7% Pr. Landespfand» Schuckert L Eo.............. 5 89,25 91 88,65 90,75 briefanflalt, Pfandbriefe R. 10 93 93 93 94 LiemenSS Halske............7 145,75 147 146,25 147 Steuergutich. (Berre dmunoStur» 101,4 WM 101,4 101,4 Lahme per S Lo............. 10 118 118,5 117,5 119 *% Oesterreichifche Goldrente. 27 27,25 _ — Buderus .......... 0 85,75 86,9 85,4 87 4,20% Oesterreichifche SUberrentr 1,1 1,1 7,1 1,1 1,13 Deutsche Erdöl ..... ...... < '15,5 115,5 115 115,9 4% Ungarische Goldrente 7,2 7,3 7,2 Gelsenkirchener-------------- 0 61 62,25 61 62 4% Ungarische ©taatdrente v. 1910 6,75 6,8 6,95 6,85 Harpener .............. ( 106 107,75 108 107,25 *y»% OeSgL non 1913 ......... 7 7 6,9 6,95 poesch Eisen—Köln-Neuessea .. 0 — — 72 72,9 5% abgest. Goldmexikaner von 99 9 9 ** 9.13 51|e Bergbau ..............( — 176,5 170,5 176 4% Türkische ZoNanleihe von 1911 ■* •— Ilse Bergbau Genüsse........( 132 132,5 131,75 132,4 Klöcknerwecke ........... < 76,5 76,25 76,13 76,4 'icritl................... 8 8 ■■ 8,65 70,75 Frankfurt a. m. Leriiy Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IN. Schluß- turd Gchlußk. Abend» börfe Schluß- turd Gchlußk mittag- börfe 26.August 27-August Amtliche Notierung (Selb | 25rte Amtliche Notierung Datum 26-8. 27.8- 26.8. 27-8. Geld Sric Mansfelder Bergbau.........0 Kokswerie 0 Phonir Bergbau............. 0 Rheinische Braunkohlen ..... 10 Rheinstahl 0 Bereinigte Stahlwerke........0 Otavi Minen 0 Kaliwerke Aschersleben........ d Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.....IVt 3. G. Färben-Industrie.......’ Meiallgesestschaft............. 0 Philipp Holz mann ...........® Zementwerk Heidelberg ..•••• 0 Lementwerk Karlstadt ........0 Schulthet» Patzenhofer .......0 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg 0 Helislosf Waldhos ............0 Zell stoss Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ......... 7 Daimler Motoren...... 0 Deutsche Linoleum ...........0 Oren stein & Koppel ..........0 Leonhard Tietz ..... 0 kbade .10 A«umulatoren»Fabr8 ........ 0 ionti-Gummi 0 Gritzn«.......... 0 77,75 48,25 240,5 89,5 41 14 124,25 125 159 146,75 224 89,25 39,13 84 68,5 104. 127,5 63,5 69 48,75 66 47 24,75 206 169,5 130 I 25,65 | ”15 80,5 48,75 247 91,25 42 14,25 127 127,25 161 148,5 224,5 90 41 86 74,25 105 127,5 65 70 48,65 66,5 47,75 58 27,5 203 177 I 26,25 77,5 1 186 77,9 93,25 47,5 241,5 90 40,75 14 123,5 125 158,5 147 89,5 39,25 84,5 68,75 113,25 63,4 .8,75 48,25 66,75 125 47 55,25 79 24,5 205,75 170,5 129 I 25,25 1 183 80,9 95,5 48,5 246,75 91 41,75 14,65 127 127,5 162 148,25 90,25 41 86 74,9 115,75 65 70,25 48,4 66,5 124,5 47,13 58 81 27,13 200,5 177,75 131 I 26 ! 184 Buenos Aires Brüssel ... Rio de Jan. Sofia .... Kopenhagen Danzig ... London... Helüngfors Paris .... Holland .. Italien ... Japan.... Jiigoflawien Oslo..... Wien..... Lissabon.. Stockholm. Schweiz .. Spanien.. Prag..... Budapest . Neuyork.. 0,681 58,90 0,184 3,047 56,22 82,02 12,59 5,554 16,50 169,73 21,61 0,747 5,664 63,26 48,95 11,435 64,89 81,67 34,32 10,44 2,477 0,685 59,02 0,186 3,053 56,34 82,18 12,62 5,566 16,54 170,07 21,65 0,749 5,676 63,38 49,05 11.455 65,01 81,83 34,38 10,46 2,481 Banknoten 0,683 58,87 0,184 3,047 55,94 82,02 12,525 5,529 16,50 169,73 21,60 0,744 5,664 62,94 48,95 11,38 64,59 81,67 34,32 10,44 2,478 0,687 58,99 0,186 3,053 56,06 82,18 12,555 5,541 16,54 170,07 21,64 0,746 5,676 63,06 49,05 11,40 64,71 81,83 34,38 10,46 2,482 Lerlin, 27-August Geld Lriet Amerikanische Rote».............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ............... Englische Noten ................. Französische Noten ............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten ...........' . Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten.............. Schwedische Note»............... Schweizer Noten................. 2,43 58,71 55,89 12,48 16,46 169,31 21,48 62,77 64,42 81,49 34,18 2,45 58,95 56,11 12,54 16,52 169,99 21,56 63,03 64,68 81,81 34,32 K^ftoerfe Höchst 0.8U- 4 süddeutscher Lucker.........1 Spanisch« Note» L»garijche