ttr. 199 Erster Blatt 184. Zahrgang Montag, 27.Augustl9Z4 Erlchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Bellagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Krantsurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und §teindruckerei R. Lange in Sieben. 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Schon in den frühen Morgenstunden aes Sonntag hatte sich das Stadtbild völlig verändert. Ueberall sah man an den Häusern reichen Flaggenschmuck. Mit frischem Tannengrün waren die Häuserfronten verkleidet. In den Hauptstraßen, die vom Flughafen zum Kölner Messegelände führten, hatten die Parteigliederungen Ausstellung zum Absperrdienst genommen. Auf dem Flughafen traf um 9.05 Uhr der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ein. In elegantem Schleifenflug setzten dann um 9.15 Uhr die beiden weiteren Regierungsmaschinen zur Landung an. Als der Führer dem Flugzeug entstieg, t) rauften laute Jubelrufe über das weite Flughafengelände. Zu einem wahren Triumphzug gestaltete sich die Fahrt des Führers zu dem auf der rechten Rheinseite gelegenen Messegelände. Ganz Köln war auf den Beinen, um den Kanzler zu sehen und zu begrüßen. Vor der Messe. Ein ungemein farbenprächtiges und überwältigendes Bild bot sich auch auf dem Messegelände, wo in den riesigen Hallen die Ausstellung „Deutsche Saar" untergebracht ist. Weithin grüßt das Hakenkreuz über das ganze Gelände hinweg und über den Rheinstrom, wo zahlreiche mit Wimpeln und Fahnen geschmückte Schiffe kreuzen. Rings um die steinernen Messehallen flattern an hohen Masten die Fahnen. Bon der anderen Seite des Rheines grüßen die Kirchtürme und der hoch hinausragende Dom herüber. röte steigt allen Deutschen ins Gesicht bei dem Gedanken, daß solches ungehindert und ungestraft vor sich gehen kann in einem Land, das uns gehört und nur durch die Sinnwidrigkeit eines Friedensdiktates aus dem deutschen Raum herausgeschnitten worden ist. Niemand kann es uns verwehren, uns mit der ganzen Kraft und Empörung gegen diese Elemente zu wenden. Es sind asoziale, wurzellose Existenzen, die nirgendwo zuhause sind und sich nur der deutschen Sprache bedienen, um der deutschen Ehre Abbruch zu tun. Aber sie irren, wenn sie glauben, damit das deutsche Volk der Saar irgendwo kopfscheu machen zu können. 3e länger man sie gewähren läßt, um so dringender und unwiderstehlicher wird in allen deutschbewußten Menschen des Saargebietes der Wunsch lebendig, einen naturwidrigen Zustand beendet zu sehen, und wieder zurückzukehren in den Bestand des Reiches. Die Welt soll wissen und sehen, daß deutsches Volk heim will zum deutschen Volk, und daß, wenn man im Januar des nächsten Jahres diese Menschen an die Wahlurne ruft, sie geschlossen ihr Bekenntnis zum Reich ablegen werden, da ja die Emigrantenelemente sowieso als Landfremde keine Wahlberechtigung haben. Sinn und Zweck der Ausstellung, die wir hier eröffnen, ift, in unwiderleglichen Zeugnissen die Zugehörigkeit des Saargebietes zu Deutschland zu manifestieren. Hier sprechen nüchterne Tatsachen über die tausendjährige Geschichte des Deutschtums an der Saar bis auf den heutigen Tag zur Weltöffentlichkeit. Diese Ausstellung widerlegt die Legende vom überwiegend französischen Einfluß im Saargebiet. Es war notwendig, das einmal der Welt mit aller Klarheit vor Augen zu führen. Volk gehört zu Volk! Und Volk läßt nicht von Volk. Mit der ganzen Kraft unserer nationalen Zusammengehörigkeit umspannen wir Saarvolk und Saarland. Wenn fast 200 000 Menschen dieser urdeutschen Erde heute nachmittag in Koblenz zusammenstromen, um aus dem Munde des Führers die Botschaft des neuen Reiches zu vernehmen, so soll die Welt an dieser spontanen Aeuherung saardeutschen Volkswillens erkennen, was recht und unrecht ist, und wohin dieses Land nach Natur und Ueberlieferung gehört. Deutschland will nur sein Recht. Es will nicht mehr als dies, es will sein Recht in Frieden behaupten, aber e s läßt nicht davon ab. Das deutsche Volk geht fernab jedem Revanchegedanken seiner täglichen Arbeit nach. Der Führer und seins Mitarbeiter hoben so viele Aufgaben im Innern zu lösen, daß es ihnen an Zeit und Lust ermangelt, vor Uebermut und Willkür die Welt in Sorgen ^u stürzen. Aber was uns gehört, daß muß auch uns gehörig fein. Und so öffnet das ewige Deutschland seine Arme, um getrenntes Land wieder an fein Herz zurückzunehmen. Unermüdlich soll von nun ab über eine Grenze, die Unverstand und Rachsucht gezogen hat, von hüben und drüben und von drüben nach hüben der Ruf erklingen: „Deutsch die Saar immerdar!" Verstummen aber wird er erst, wenn er Erfüllung gefunden hat. In diesem Sinne eröffne ich die Deutsche Saarausstellung in Köln. Als er geendet hat, zeigt der ungeheure Beifall, wie er aus dem Herzen aller gesprochen hat. Noch einmal singt dann der Männergesangverein ein Lied „Wo gen Himmel Eichen ragen". Mächtig klingt es am Sckluß des Chors auf: „Deutschland, mein Vaterland . Spontan reißt es die Anwesenden zu begeistertem Beifall hin. Gauleiter Staatsrat G r o h ö spricht jetzt die Schlußworte. Begeistert nimmt die Menge, die sich von ihren Plätzen erhoben hat, das Siegheil auf und stimmt ein in das Deutschland- und Horst- Wessel-Lied. Die Eröffnungsfeier ist beendet. Der Führer und Reichskanzler, Reichsminister Dr. Goebbels und die Herren der Begleitung begeben sich zu einem Rundgang durch die Ausstellung. Beim Verlassen des Saales werden dem Führer wieder stürmische Ovationen dargebracht. In unaufhörlichem Zuge strömen in die große Festhalle der Messe die zur Eröffnungskundgebung geladenen Gäste. Der architektonisch so überaus wirkungsvoll gestaltete Hof unter dem Presfa- türm ist in den leuchtenden Schmuck der Fahnen getaucht. In großen silbernen Lettern ruft es in den Saal hinein: „Zurück zum Reich, die Saar ist deutsch." Allmählich füllt sich die Halle mit einer erwartungsfrohen Menge. In tief gestaffelten Reihen nehmen die Fahnenabordnungen zu beiden Seiten auf dem Podium Aufstellung. Die Spannung in der Halle ist aufs höchste gestiegen. Jeden Augenblick kann der Führer und Reichskanzler eintreffen. Heilrufe künden das Erscheinen des Führers an. Die Kapelle intoniert den Badenweiler Marsch. Eine ungeheure Welle der Begeisterung brandet dem Führer entgegen, als er mit Reichsminister Dr. Goebbels, dem Saarbevoll- mächtigten Gauleiter B ü r ck e l und den Herren feiner Begleitung den Saal betritt. Die Erössnungsmndgebung. Der Meister der Orgel Pros. Bachem spielt zunächst das Orgelkonzert Nr. 1 in O-Moll von Händel. Dann singt der Kölner Männergesangverein das Lied „Deutschland" von Heinrich Zöllner, das unter der Stabdirektion von Musikdirektor Brach in vollendeter Weise zu Gehör gebracht wyr4)e. Der Landesleiter der Deutschen Front P i r r o nimmt jetzt das Wort zu einer kurzen Begrüßungsansprache. Als nun Reichsminister Dr. Goebbels die Rednertribüne besteigt, schallen ihm tausendfältige Heilrufe entgegen. Erst nach Minuten kann er mit feiner Rede beginnen, die mehrmals von stürmischem Beifall unterbrochen wird. Nach einem Bekenntnis zum Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erinnerte der Minister daran, daß die Bevölkerung des Rheinlandes wie selten anderswo Leid und Qualen um ihre Zugehörigkeit zum Reich habe erleiden müssen. Darum sei die Freude und Genugtuung über den Besuch des Führers doppelt groß. Der Minister hob dann den deutschen Charakter des Rheinlandes hervor und kam auf das Saargebiet zu sprechen, das wider Recht und Blut aus dem Körper des Reiches herausgerissen und einer fremden Verwaltung untergeordnet worden sei. „Mit Schmerz und Entrüstung hat das deutsche Volk in den vergangenen Wochen feststellen müffen, wie eine nichtswürdige Kumpanei von land- und volksfremden Emigranten in ihrem blinden Parteihaß gegen die national- sozialistische Idee und Bewegung selbst nicht davor zurückgefchreckt ist, in dieser deutschen Provinz vor den Augen ihrer deutschen Bevölkerung das Anden- ken des weit über Deutschlands Grenzen in der ganzen Welt verehrten Herrn Reichspräsi- deuten und G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l s in einer Art und Weise herabzuwürdigen und zu besudeln, die jeder Beschreibung spottet. Die SchamDes Führers RHeinfahrl. Bon Menschen schwarzumsäumte Ufer, festlich geschmückte Boote, bekränzte Uferstraßen der Meinstädte begrüßen den Führer am deutschen Strom. Als kurz vor 12 Uhr der Führer die Saaraus- fteUung in der Kölner Messehalle verließ und hinunterschritt zur Bootanlegestelle, zeigte sich ihm ein Bild von unvergleichlicher Schönheit. Sämtliche Ufer st raßen Kölns zu beiden Seiten des Rheins waren auf zehn Kilometer Länge vollkommen mit Menschen überfüllt. Selbst auf den Dächern der Straßenbahnen hatten sich Hunderte, ja Tausende niedergelassen. Sämtliche Fen st er und Dächer der Häuser waren dicht besetzt. Fahnen und Wimpel wurden geschwenkt. Selbst in den zarten Filigranen der Kölner Domtürme bemerkte man Schaulustige. Auf dem Rhein lagen zahlreiche Personendampfer und Motorschiffe, dichtbefetzt mit festlich gestimmten Menschen, die mit echt rheinischem Temperament ihrer Freude Ausdruck gaben. Run begann eine Fahrt d e n Rhein hinauf, die von wahrhaft historischer Bedeutung ist. Der Führer Deutschlands am freien deutschen Rhein, der Führer Deutschlands auf der Fahrt zu Hunderttausenden jener deutschen Brüder, die, noch ihrer Freiheit beraubt, unter fremder Hoheit schmachten. Heil-Rufe grüßen überall und Böllerschüsse. Ein ganz besonderes Erlebnis waren die riesigen Flottillen von Paddelbooten, Seglern und Motorbooten. Es verband sich hier Schwur und Huldigung mit Freude und sommerlicher Beschwingtheit. Vorbei geht nun die Fahrt am Handelshafen mit seinen Lastkähnen, auf denen Schiffer und Arbeiter mit erhobenem Arm stehen. Flaggen werden gehißt, und auch die Besatzungen der holländischen, französischen und belgischen Rheinschiffe ehrten Deutschlands Führer durch Erheben des rechten Armes. Viele dieser Schiffe führten am Bug die Hakenkreuzflagge, eine Ehrung für Deutschlands Staatsoberhaupt. Aus den großen Verladekranen der Braunkohlengrube Weßling und auf den Schiffen im Umschlaghafen haben sich viele hundert Arbeiter versammelt. Durch das Siebengebirge. Bald grüßen Bonns Türme von weitem und links: die Waldgipfel des Siebengebirges. Man sieht Königswinter und Godesberg, wo der Dolksjubel ganz besondere Ausmaße annimmt. Hier sind die Ufer aufs festlichste geschmückt. Aus jedem Hotelfenster hängen Fahnen, Girlanden bekränzen die Fassaden. Ein Donner von Böller- schüsfen empfängt hier das Motorboot. Der Führer läßt das Tempo des Bootes verlangsamen und in die Nähe des Ufers fahren, um den begeisterten Rheinländern aus der Nähe zu danken für ihre Treue. Auch die Brücken, die wir durchfahren, sind schwarz von Menschen. Nun sind wir am Ro- landsbogen vorbei. In N e u w i e d ist die lange Front der neuen Hochwasserschutzmauer mit dichten Menschengirlanden besetzt. Dann kommt Vallendar in Sicht und rechts darüber die wuchtigen Mauern der Festung Ehrenbreit- stein, von der riesige Hakenkreuzfahnen herniedergrüßen. Die letzten Kilometer vor Koblenz sind die Ufer wie ausgeftorben. Hier sind die Einwohner fast bis auf den letzten Mann hinaufgeströmt zum Ehrenbreitstein. Das Deutsche Eck bietet sich uns als gewaltige Menschentraube dar. Der weite Platz, Die langen Kais, alle Stufen des Monumentes, jedes verfügbare Eckchen ist dicht mit Menschen besetzt. Hier allein haben sich über 50 000 eingefunden, die auf dem Ehrenbreitstein keinen Platz mehr finden konnten, um nun durch Lautsprecher hier am Deutschen Eck an einer für Deutschlands Geschichte historischen Stätte die Worte des Führers zu hören. Langsam fährt unser Boot an dem Ufer entlang, damit jeder Gelegenheit hat, den Führer zu sehen, und damit der Führer auch die, die nicht zu ihm auf den Ehrenbreitstein kommen konnten, grüßen kann. Durch die geöffnete Schiffsbrücke hindurch fahren wir bis zur Pfaffendorfer Brücke, dann wendet unser Boot, und nun geht es wieder rheinabwärts nach Vallendar, wo die Wagen zur Fahrt auf den Ehrenbreitstein bereit« stehen. Die Tatsache, daß der Führer in Vallendar landen würde, war geheimgehalten worden. Trotzdem aber hatten pfiffige Rheinländer die Vorbereitungen in Vallendar richtig gedeutet, und als die Wagenkolonne des Führers anfuhr, waren bald Taufende am Ufer versammelt, um den Führer bei Betreten des Ufers zu empfangen. Nur wenige Minuten Fahrt, dann sind wir auf dem Oberehrenbreit ft ein, dann liegt vor uns im gleißenden Sonnenlicht die weite Fläche, die ein weites, kaum übersehbares wogendes Meer von begeisterten Männern und Frauen barfteUL Herzliche Begrüßung der Saarländer in Koblenz. Die Saarkundgebung auf dem Oberehrenbreitstein hat begonnen. Alle Erwartungen, die man hinsichtlich der Beteiligungsziffer hatte hegen können, sind bereits am Vormittag des Sonntags weit übertroffen. In ununterbrochener Folge rollten während der Nacht zum Sonntag und am Sonntagvormittag selbst die Sonderzüge von der Saar und aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes an und brachten Tausende und Abertausende von Volksgenossen nach Koblenz. Besonders eindrucksvoll ist immer wieder die Ankunft der Saar-Sonderzüge. Noch auf dem Bahnhofsoorgelände schallt nach jeder Zug- ankunft, einem ernsten Gebet und feierlichem Schwur gleich, das Deutschlandlied zum Himmel. Es ist ergreifend zu sehen, mit welcher Andacht die deutschen Brüder von der Saar unsere Hymne mitleben, die sie so frei und unbekümmert in ihrem Heimatgau nicht fingen können. In der Stadt war die Nacht über Riesenbetrieb. Schulter an Schulter drängt und schiebt sich die Menge durch die Straßen. In den Lokalen der Stadt hält es schwer, ein Plätzchen zu ergattern. Freundschaften werden hier geschlossen. Die Saarländer stehen überall im Mittelpunkt der allgemeinen Freude. Ernst werden die Mienen der Zuhörer nur bann, wenn die Gäste von ihren Leiden und Bedrückungen erzählen, wenn sie davon sprechen, was sich die art- und landfremden Peiniger des Saarlandes Tag für Tag zuschulden kommen lassen an Quälereien, Denunziationen, heimtückischen Angriffen auf alles, was im Saarland deutsch fühlt und deutsch ist. Aber die Freude, endlich einmal — und sei es auch nur für einen oder zwei Tage — aus all dem Kummer und Leid herausgenommen worden zu fein, überklingt doch immer wieder alle schweren und ersten Gedanken. Hinauf zum Ehrenbreiissein. Die Zugänge zur Feste Ehrenbreitstein und zum Festplatz selbst sind schon in der Nacht fast verstopft. Endlose Kolonnen von Saarländern marschieren die kurvenreiche Bergstraße empor, sich Plätze zu sichern und das erhabene Bild des im Glanze der Uferlichter dahinfließenden deutschen Stromes tief da unten zu erleben. Zahllos grüßen die freundlich blinkenden Lichter von Koblenz, Ehrenbreitstein und all den anderen größeren und kleineren Orten herauf zur Feste. Der Regen hat schon am Frühabend des Samstag aufgehört. Die Sicht ist überraschend und erfreulich klar. Auch der leichte Frühnebel am Sonntag verschwindet bald vor der Gewalt der Sommersonne, die sieghaft zur Kundgebung durchbricht. Zehntausende sind schon oben und immer neue Massen strömen hinzu. Aber so beschwerlich auch der Aufstieg ist, die Stimmung der Massen könnte nicht besser sein. Ein hier und da auffliegendes Scherzwort läßt auf dem langen Weg die Mühsale vergessen, die lange Wanderung freudig ertragen. Der „Hilfszug B ayern" ist oben eingesetzt und versorgt schon am Vormittag hungrige Mägen. Die Fe bügeln, dämpfen u. auffrischen g per Anzug Reichsmark 1.80 g, Reparaturen billigst. Abholen g und Zusenden kostenl. Tel. 2503 „Wie Neu“ Bügelanstalt Gießen, Wolkeng. 23, Inh.: L. Pitz, Schneider TORPEDO nur RM. 188.- schon für ““u 7.90 monatlich Alleinverkauf Niederhausens Co. Bahnhofstraße gefienöb.Botel Schütz 6eschäftsdmcksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl, Schulstr. 7 Nie Amtsenthebung Brückers. Berlin, 25. Aug. (DNB.) Nachdem der Stabsleiter der obersten Leitung der PO. den Direktor Brücker seiner Aemter in der NSBO. und der Deutschen Arbeitsfront enthoben hat, hat der Reichsarbeitsminister den dem Direktor Brücker erteilten Auftrag zur Führung des R e i ch s o e r b a n d e s der Ortskrankenkassen und sonstiger Kassenvereinigungen und Gesellschaften mit sofortiger Wirkung widerrufen. Die Habsburger an der Arbeit. Der Familienrat von Mariazell. Paris, 27.Aug. (DNB. Funkspruch.) Der „Ex- celsior" bringt Einzelheiten über einen Familienrat der Habsburger in Mariazell, der unter dem Vorsitz des Erzherzogs Eugen stattfand. Es fei dabei beraten worden über die Verheiratung des Erzherzogs Otto (vorzugsweise mit einer italienischen Prinzessin), die Wiedererlangung des Familienvermögens der Habsburger in Oesterreich und die Möglichkeit einer W i e d e r b e st e i g u n g d e s Thrones. Herzog Otto habe in den ungarischen Legitimistenkreisen Anhänger verloren, da er neuerdings die Thronanwartschaft allzu „österreichisch aufziehe. In Budapest denke man daher jetzt an eine Anwartschaft des Sohnes des Erzherzogs I o - f e p h, der während des Weltkrieges die ungarischen Truppen befehligte. Eine solche Anwartschaft würde angeblich von der Kleinen Entente zugelassen werden. In Wien fliegen die Aussichten des Erzherzogs Otto von Tag zu Tag. Bundespräsident Miklas soll seinen Posten gern zugunsten des Erzherzogs Eugen als Reichsverweser räumen wollen. Das würde eine Art Uebergangsstation zugunsten der Thronbesteigung der Habsburger sein. Die Habsburger genössen übrigens die tätige Unterstützung d e s früheren Königs Alfons von Spanien, der in allen Wiener Kreisen für die Wiedereinsetzung der Habsburger werbe. Nach einer Meldung der „Wimer Stunde" wird der König im Laufe des nächsten Monats zu einem Besuch in Bukarest eintreffen, um mit König Karol über die Möglichkeit einer Wiedereinsetzung der Habsburger Besprechungen zu pflegen. Eunsl und Wissenschaft Dyhrenfurlh'Expedilion auf dem Rückmarsch. — Eine Frau ersteigt einen 7400-INeler-Gipfel. Der Leiter der internationalen Himalaja- Expedition, Professor Dyhrenfurth, meldet in einer Botschaft an die „Civil and Military Gazette", daß sich die Kletterpartie der Expedition nunmehr auf dem Rückmarsch befindet. Nur die Filmoperateure seien noch in den Klöstern von Klein-Tibet beschäftigt. In dem Bericht wird weiter mitgeteilt, daß die Mitglieder der Expedition gesund sind und daß die Expedition trotz großer Schwierigkeiten, die vor allem in heftigen Schneestürmen bestanden, die besten Erfolge hatte. Die Frau des Professors Dyhrenfurth stellte einen bemerkenswerten Bergbesteigungs- reforb für Frauen auf. In Begleitung ihres blick zum anderen ausbrechen. Der Duce übte alsdann Kritik an den Manövern und erklärte im Anschluß daran: Ende Juli war eine unvorhergesehene Lage eingetreten, ähnlich der von 1914. Wenn wir keine Divisionen an die Grenze geschickt gatten, wären Verwicklungen erfolgt, die nur durch die Summe der Geschütze hätten gelöst werden können Man muß für den Krieg nicht etwa morgen, sondern schon heute bereit sein. Wir müssen eine militärische und sogar militaristische, ja, ich kann hinzu- fügen, kriegerische Nation werden. Das politische, wirtschaftliche und geisttge Leben der Nation muß sich auf diesen militärischen Notwendigkeiten Mussolini bezeichnete alsdann den Krieg als die höchste gerichtliche Instanz zwischen den Volkern und sagte: Da gewisse Nationen auffteigen und andere im Absteigen begriffen sind, bleibt die Tendenz bestehen, daß trotz allen guten Willens, trotz aller Konferenzen und Protokolle der Krieg im Laufe der Jahrhunderte mit dem Schicksal der Nationen verbunden sein wird. Das gesamte Volk ist heute bereit, wie ein einziger Mann im Notfälle zu antworten. Schließlich wandte sich Mussolini in französischer Sprache an die ausländischen Offiziere mit folgender Erklärung: Sie haben einige Tage unter unseren Truppen zugebracht. Ich hoffe daß Sie einen guten Eindruck mtt- nehmen und daß Sie nach Rückkehr in Ihr Land sich mit Freude der Tage, die sie bei uns verbracht j haben, erinnern werden. i Witwe m. 2K in d. PÜnktl.MielzahL sucht zum 1. 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Aussichten für Dienstag: Heiter, zeitweise auch leicht wolkig oder dunstig, tagsüber warm, nachts frisch, trocken. Aussichten für Mittwoch: Im wesentlichen Fortdauer der Wetterlage. Lufttemperaturen. Am 26 August: mittags 23,9 Grad Eelsius, abends 13,1 Grad; am 27. August: morgens 14,5 Grad; Maximum 24,5 Grad, Minimum 11,1 Grad; Sonnenscheindauer 9,6 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 26. August: abends 19,0 Grad; am 27. August: morgens 15,5 Grad Celsius. Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Öen übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VH. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerel R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Wegen WM billig z. verkauf. lBis.Bvttm.Rotz- 6aarmatr.,lBett- tisch l verstellb.), 1 Wohlmalh-App., 1 Brlk. • Danerbr.- Ofen, 1 klein. 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Er ging heim im festen Glauben an seinen Erlöser und in der lebendigen Hoffnung aut die nahe Auferstehung. Die trauernden Hinterbliebenen: Louise Walger, geb. Pabst Buchhändler und Antiquar Eduard Scriba und Frau Hedwig, geb. Walger Pfarrer Theodor Knodt und Frau Irmgard, geb. Walger Diplom Landwirt Georg Albrecht Scriba und Frau Gertrud, geb. Walger Apotheker Dr. Wilhelm Weber und Frau Adelheid, geb. Walger Leutnant des Marine-Ingenieurwesens a. D. Erwin Venz und Frau Margot, geb. Walger Gerichtsassessor Burkhard Freiherr Schenck zu Schweinsberg und Frau Marie Luise, geb. Walger und 4 Enkelkinder Darmstadt (WittMannstrabe 19), Leipzig, Ober-Klingen i. Odw., Frankfurt a. M., Berlin, Lorsch (Hessen), den 24. August 1934. Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. August, um 14l , Uhr, zu Darmstadt auf dem Alten Friedhof (Nieder-Ramstadter Strabe) von der Friedhofskapelle aus statt Abschluß der italienischen Herbstmanöver Unentschieden abgebrochen. - Eine Hede des Duce. 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Die Starts unserer hiesigen Mannschaften auf auswärtigen Regatta- plägen werden seltener werden. Mit dem Gießener Rudersport im Jahre 1934 kann man sehr wohl zufrieden sein. Es ist viel Aufbauarbeit geleistet worden Und wenn es nicht immer lauter erste Siege gab, so sah man doch immer wieder, daß sich die Gießener Ruderer tapfer einsetzten und ehrenhaft ihre Rennen bestritten Mit besonderer Freude wurde sicherlich allgemein die Bildung der Renngemeinschaft (GRG. und Verein Rudersport) begrüßt worden sein. Der Regatta ging am Samstagabend ein Begrützungsadend dann die Gießener das Tempo und ließen der Mannschaft der „Amicitia" den zweiten Platz. 1. „Borussia" Frankfurt 2:04,9 Min, 2. „Amicitia" Frankfurt 2:11,0 Min., 3 RK Hassia Gießen 2:11,5 Min. Erster Lahn - Vierer: Ein Lokalkampf GRG. gegen Renngemeinschaft GRG. lag bei 1000 Meter eine Länge vor und behielt den Vorsprung fast bis ins Ziel. Auf den letzten 150 Meter gab es auf die Jntiative der Mannschaft der Renngemeinschaft hin einen scharfen Endspurt, die GRG behielt aber doch die Oberhand Die Renngemeinschaft hielt sich sehr tapfer und ließ dem Gegner nur etwa eine halbe Länge Vorsprung. 1. GRG. 6:38,8 Min.; 2 Renngemeichchaft Gießen 6:40,1 Minuten Den Jung mann - Einer machten, nachdem fünf Meldungen vorlagen und die übrigen im Vorrennen ausschieden, der Krefelder Deuten und der Gießener S ch ö n d o r f unter sich aus. Deußen siegte. Schöndorf, der nicht viel trainieren konnte, voraus. Der Führer des Vereins Rudersport, Herr Levermann hieß alle Teilnehmer herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt den Gästen von der Saar, etwa 15 Ruderern, die sich eingefunden hatten. In seiner kurzen Ansprache betonte er, daß die Ruderer von der Saar zu den treuesten Gästen der Herbstregatta m Gießen zählten. Es sei besonders erwähnenswert, daß es sich die Saar-Ruderer nicht nehmen ließen, an der Regatta teilzunehmen, obwohl sie alle auch sehr gerne zur Saarkundgebung in Koblenz gewesen wären. Der Wunsch aber, die sportliche Tradition ohne Pause aufrechtzuerhalten, habe die Gäste veranlaßt, nach Gießen zu kommen. Das stelle ihrer sportlichen Auffassung ein höchst ehrenvolles Zeugnis aus. Nachdem sich der Redner noch in wenigen Worten mit der hohen Bedeutung des gegenwärtigen Ringens um das Saarland beschäftigte, schloß er seine Ansprache mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer. Der Abend, der in feinem weiteren Verlauf der kameradschaftlichen Unterhaltung gewidmet war, brachte allen Teilnehmern einige anregende Stunden. Zur Regatta am Sonntag herrschte ideales Wetter. Am Vormittag wurden die notwendigen Vorläufe ausgetragen, die flott durchgeführt wurden. Der Nachmittag brachte die Hauptrennen. Klarer Sonnenschein lag über dem landschaftlich schön gelegenen Platz des Vereins Ruderfvort. Vor dem Klubhaus herrschte reges Leben. Allmählich hatte sich eine stattliche Anzahl Zuschauer eingefunden. Der Besuch hätte allerdings etwas stärker sein dürfen. Die Rennen begannen sehr pünktlich und wurden auch ohne wesentliche Verspätungen durchgeführt. Musik, durch Lautsprecher übertragen, unterhielt die Gäste während der Pausen. Durch ständige lieber- mittluna der Rennverlaufes wurden die Zuschauer unterrichtet. Das sportliche Ergebnis der Regatta hätte etwas bester sein dürfen Die Organisation der Regatta ließ'nichts zu wünschen übrig. Ergebnisse der Hennen Lahn - Jungmann - Vierer: Die Wetzlarer holten sich den Sieg. Die Mannschaft der GRG. machte den Eindruck, als wollte sie sich etwas schonen. RK Hassia gab leider auf Wetzlar siegte mit klarem Vorsprung. 1 Wetzlarer RK 1880 6:10,4 Minuten 2. GRG. 6:23,0 Min.; Hassia auf- gegeben. Zweiter Vierer: „Saar" übernahm zunächst die Führung und lag bei 1000 Meter etwa eineinhalb Längen' vor Mainz-Kastel. Dann drängten die Kasteler und holten auf. Auf den letzten 100 Meter gab es einen schönen Endspurt. „Saar" landete den Sieg nur mit knappem Vorsprung. Die Bochumer lagen weit zurück. 1. „Saar" Saarbrücken 5:57,4 Min; 2 Mainz-Kasteler RG 5:59,4 Min.. 3. RV. Bochum 7:00,0 Minuten. Im Jugend-Gig-Vierer gab es zunächst zwei Fehlstarts (1000 Meter). Nach dem dritten Start lagen die Boote zunächst gut zusammen. Allmählich fiel die Mannschaft von „Amicitia" Frankfurt zurück Die „Borussen" führten mit etwa einer Länge vor RK Hassia Gießen. Leider unterbrachen . >..... Das idyllisch gelegene Bootshaus des Vereins Rudersport 1913. lag etwa drei Längen zurück. Deußen fuhr einen sehr ansprechenden Stil. 1. Krefelder RK. 1883 6:45,1 Minuten; 2 Schöndorf, Verein Rudersport Gießen, 7:00,4 Minuten Für den Iungmann - Dierer meldete GRG. ab. RG. Wiesbaden-Biebrich verzichtete auf den Sieg und startete dafür im Zweiten Jungmann- Vierer. Der H e r d st - V l e r e r sah Limburger RK. 1907, RD. Bochum und RV. Eltville im Kampf. Eltville gab vorzeitig auf. RV. Bochum siegte mit + 3,4 Sekunden vor Limburg. Den Junior-Vierer gewann die Renn- gemeinschaft Gießen vor dem Vierer der GRG. Die Renngemeinschaft führte bei 1000 Meter mit zwei Längen. GRG. holte dann auf, zum Siege reichte es aber nicht. Die GRG.er schienen etwas matt zu rudern. Zeitunterschied 1,5 Sekunden. Herb st-Einer: 1. Deußens zweiter Sieg! 1 Krefelder RG. 1883; 2. Medard, Mainz-Kasteler RG., + 5 Sekunden. r „ Herb st-Vierer, Kurz st recke500 Meter: „Saar" favorisierte hier. Die Mannschaft hielt besser durch. Man sah einen schönen Endspurt. 1. Saar" Saarbrücken 2:55 Min.; 2. Wetzlarer RK 1880 2:56 Min. v . Herbst - Achter : Leider gab der Achter der Renngemeinschaft 500 Meter vor dem Ziel auf so daß Bochum unangefochten mit 5:54 Minuten den Sieger stellen konnte. Der Zweite Jungmann - Vier er war das spannendste Rennen des Tages. RV. Wiesbaden- Biebrich Wetzlarer RK. und GRG bestritten den Kampf und lägen während der ganzen Strecke dicht bei ammen. Bei 1000 Meter hatten die Wiesbadener vorübergehend eine halbe Länge gewonnen, die Wetzlarer, heftig angefeuert van ihren Anhängern, holten in tadellosem Zwischenspurt wieder auf. Die GRG -Mannschaft hatte aufgegeben. Aus den letzten 300 Meter gab es einen fanatischen Kampf, den die Wiesbaden-Biedricher nur mit einer Zehntelsekunde Unterschied für sich entscheiden konnten. 1 RV Wiesbaden-Biebrich 6:08,4 Min; 2. Wetz- lärer RK. 1^0 6-085 M- Den Ermunterungs-Vierer entschied der Vierer von Mainz-Kastel vor Wetzlar für sich. Eltville gab auf. 1. Mainz-Kasteler RG. 6.15 Min; 2. Wetzlarer RK. 1880 6:22,9 Min. Mit großem Interesse sah man dem Kampf im Großen Achter entgegen. GRG. stand gegen Renngemeinschaft. Der Derbandsachter, auf einigen Plätzen neu besetzt, erwies sich als die härtere Mannschaft. Sie erhöhte von Meter zu Meter den Vorsprung. Alle Anstrengungen des Achters der Renngemeinschaft muhten vergeblich bleiben. Beachtenswert war aber, mit welcher Energie die Mannschaft der Renngemeinschaft ruderte. Sie ist einem starken Gegner würdig unterlegen. 1. GRG. 5:43 Min.; 2. Renngemeinschaft Gießen 5:49 Min. Der Schlußachter sah die Saarbrückener Mannschaft einen klaren Sieg gegen den RV. Bochum landen. Die Bochumer konnten nie gefährlich werden. Erwähnenswert ist, daß mit dem Sieg in diesem Rennen der Trainer von „Saar" Saarbrücken, R e i f f i n g e r (Saarbrücken), die von ihm geführten Mannschaften des Vereins zum 91. Male im Zeitraum von fünf Jahren siegreich sehen konnte. Reissinger wirkte während dieser fünf Jahre nur für „Saar" Saarbrücken als Trainer. Der Erfolg des bewährten Mannes ist sicherlich nicht alltäglich. Die Preisverteilung beschloß in würdiger Weise die Regatta. Gaarlarid-Treuestaffel passiert Gießen ... Die Gießener Turnerschaft und mit ihr eine Reihe von Turnern und Turnvereinen unserer oberhessi- schen Heimat und der angrenzenden preußischen Gebiete stand in der Nacht zum Sonntag in lebhafter Erwartung des Hauvtlau^s II her Saarland-Treuestaffel. Die Gießener Turnerschaft hatte alle Vorbereitungen auf das sorgfältigste getroffen G"^'iM" Z"it vor hr’m erwarteten (Eintreffen d->r Staffel standen die Läufer bereit. Der Hauptlauf II wurde von Lauterbach her, über Grünberg, durch das Busecker Tal und Wieseck nach Gießen geführt. Bis zur Einmündung des Lichtenauer Weges auf die Marburger Straße hatten die Wiefecker Turner den Köcher zu tragen. Dort übernahm ihn die Gießener Turnerschaft, und zwar die Turner des Mtv. Das Gewitter, das in den Abendstunden des Samstags niederging, war varübergezogen, nur von den Bäumen fielen noch schwere Tropfen. Der Lauf wurde in unserem engeren Bezirk von dem Unroefh’r N'cht mehr beeinträchtiat. An her Marburger Straße sollte der Nebenlauf von Kassel erwar- t-'t werden d-'r aber erst, sicherlich infolge des schweren Reaens, etwas foäter p'ntraf. D' Männerturner brachten daher den Köcher zunächst zum Marktplatz, kehrten dann wieder auf ihre Posten zurück und erwarteten nunmehr den Nebenlauf von Kassel. Als dieser Lauf nach etwa 10 Minuten ein- oetroffen war, wurde auch diese Urkunde zum Marktplatz aebracht Der großartige Staffellauf erreichte gegen 2.38 Uhr unsere Stadt. Aus dem Marktplatz, wo dem Köcher die Treue-Urkunde der Stadt Gießen zu ©anr und Führer beiqegeben wurde, fand sich eine verhältnismäßig stattliche Anzahl von Volksgenossen ein. Ueberall öffneten sich auch die Fenster der umliegenden Häuser, und mit Interesse verfolgte man allgemein den Verlauf dieses außerordentlichen sportlichen und organisatorischen Ereignisses. Oberturnwart Paul hielt ein kurze Ansprache, in der er besonders darauf hinwies, daß die Stadt Gießen die erste Stadt fei, die dem Köcher eine besondere Urkunde beifüge. Er würdigte in kurzen Worten die Bedeutung des großen Laufes und erinnerte an die Notwendigkeit des Einstehens für unsere Brüder an der Saar. Sodann gab er auch die inzwischen etnqetroffenen Urkunden der Neben- läufe von Kassel, von Vilbel und vom Hoherodskopf ^'tztere über Friedberg geleitet) dem Köcher bei, und die Läufer, nunmehr die Mitglieder des Turnvereins 1846 Gießen, setzten den Staffellauf bis kurz vor Heuchelheim fort. Dort übernahmen die Heuchelheimer Turner den Köcher und brachten ihn ihr Teil auf der großen Strecke weiter. Für den Staffellauf hatten sich die hiesigen Turner, wie auch die Turner der an der Strecke Liegenden Ortschaften mit großer Begeisterung zur , Verfügung gestellt. Die Läufer selbst gehörten allen ! Altersklassen an. Die jüngsten der Teilnehmer wa- | ren 14 Jahre alte, die ältesten über 50 Jahre. Verschiedene aktive Läufer hatten größere Strecken zu bewältigen. Erwähnenswert ist, daß unser Gießener Turner Karl Reuter, nachdem er seine Strecke innerhalb unserer Stadt gelaufen hatte, die Fahrt mit dem Wagen der Leitung des Staffellaufes fort- fetzte, um dann in Koblenz als letzter Läufer des Hauptlaufes II den Köcher zu übergeben. Die Durchführung des Laufes in unserer engeren Heimat vollzog sich völlig reibungslos. Im Verlauf einer guten halben Stunde (einschließlich der vorgesehenen Pause von 10 Minuten auf Marktplatz) war die Staffel im Bereich unserer Stadt vorwärts getragen worden. Der glatte Verlauf war insbesondere der ausgezeichneten Organisationsarbeit zu danken, die hier geleistet worden war. Die Leitung im Gau oblag dem Gauoberturnwart Paul- Gießen, für die Leitung im Bezirk zeichnete Bezirksturnwart Paul Schüler- Wetzlar verantwortlich und für die örtliche Leitung in Gießen hatten sich die Oberturnwarte H u ß k e (MTV.) und Erb mit bestem Erfolg eingesetzt. Gießener Leichtathleten siegen beim Olympia-Werbesportfest in Kastei. Eine groß aufgezogene Leichtathletikveranstaltung ging gestern in Kassel vonstatten. Eine Reihe Spitzenkönner aus dem Reich, insbesondere auf läuferischem Gebiet, sowie die besten Leichtathleten des Gaues Nordhessen hatten sich zum Olympia- Werbesportfest auf der Hesfenkampfbahn eingefunden. Infolge der starken Regengüsse am Samstag wies die bekannte Bahn nicht die Schnelligkeit von sonstigen Tagen auf; um so höher einzuschätzen ist daher die von dem KTV. Wittenberg gestern mit 7:40,1 Min. aufgestellte deutsche Höchstleistung in der 3 X 1000-Meter-Staffel. Welche Rolle die Gießener Leichtathleten bei dieser Veranstaltung spielen würden, war nicht vorauszusehen. Es erwies sich, daß sie die ihnen zugedachte Aufgabe glänzend lösten und fünf erste, einen zweiten, einen dritten und einen vierten Sieg an ihre Fahnen hellen konnten. In den Laufkonkurrenzen waren Baumstieaer (1900), P e - t e r 5 (1900) und Holzapfel (MTV.) am Start. Die Gießener präsentierten sich in ausgezeichneter Form. Der MTV.er feierte einen schönen Sieg im 10000-Meter-Lauf in 34:14,7 Min. Dieckmann (Hannover) einst zur deutschen Elite gehörend, oob in diesem Rennen auf. In einer sehr auserlesenen Gesellschaft befand sich Peters im 800-Meter- Einladungslaus. Gegen Dessecker (Stuttgart), Mertens (Wittenberg) und Danz (Kassel) m^r natürlich nichts auszurichten, der 1900er hinllrii-tz jedoch mit seiner Zeit von 2:02.6 Min auf h-m vierten Platz einen recht guten Eindruck Bäumst i e g e r (1900) bestritt die 1500 Meter offen Bei etwa 1000 Meter (gelaufen in 2:48,9 Min.) hcllte er sich an die Svitze des Feldes gefetzt und gewann die Streck» nach einem fast 100 Meter hauern^n Brust-an-Bpust-Kampf mit Brnck (Rotenburg) Die Gießener Werfer Luh (VfB-Reichsbahn) "nb Unterfeldwebel Gugel 1./15. (1900) machten ihre Sache ebenfalls ausgezeichnet. Nachdem der 1 W»r im Werferfünfkampf noch bis zur letzten Konkurrenz geführt hatte, sicherte sich Luh mit d-m .Hammerwerfen den Siea mit der beachtlichen Punktzahl von 3434.30 Punkten. Gary (Marburg), ein Hammerwurfspezialist, konnte sich zum Schluß ebenfalls noch vor den Spielvereinigunas- mann schieben. Unterfeldwebel Gugel kam iehach im Diskuswersen (Einladuna) zu einem schönen Sieg mit 42,05 Meter. Im Kuaelstoßen lagen die beiden Gießener auch stets in Front. Das belfere Ende behielt diesmal Luh für sich. Die beiden Kontrahenten trennte allerdings nur ein einziger Zentimeter. lieber die einzelnen Ergebnisse berichten wir noch. Fußball Eraebniste des Gonntaa^ 1900 I. verlor in Biedenkopf mit 3:1 Toren 1900 II. — Nidda I. 0:2; 1900 III. — Wißmar l 10; 1900 I. Jugend — T"utonia Watzenborn-Steinberg Jugend 2:1; 1900 Schüler — Großen-Buseck Schü- (er 4:0. Gckmelina besteai Aen'er. Die Hamburger Dirt-Track-Bahn bei Lokstedt hatte am Sonntag einen ganz großen Tag. Fast 100 000 Zuschauer waren gekommen, um den Aus- scheidungskampf für die Boxweltmeisterschall im Schwergewicht zwischen den beiden Deutschen Walter N e u s e l und Mar S ch m e l i n g zu sehen Im Kampf zeigte sich Schmeling als besserer und erfahrenerer Boxer. Schon von der vierten Runde an machte sich die Ueberlegenheit Schmelings bemerkbar. In der achten Runde war N-ufel bereits fo angeschlagen, daß er, als die neunte Runde anae- läutet wurde, den Kampf aufqab. Schmelinq wurde für feinen Sieg durch technischen k. o. von den Zu- schauermassen stürmisch gefeiert. Kurze (Sportnofüen. Einen neuen Weltrekord stellte der amerikanische Automobilrennfahrer Joe Kenkins auf. Er legte in 24 Stunden 4913,568 Kilometer zurück, was einem Stundendurchschnitt von 204,732 Kilometer entspricht. * Zwei neue deutsche 21 u t o f i e g e gab es beim Großen Autvpreis der Schweiz. In der großen Klasse der Rennwagen siegte Hans Stuck auf Auto-Union in 3:37:51,6 Stunden vor feinem Stallgefährten Momberger und dem französischen Bugatti-Fahrer Dreysuß. ♦ Exweltmeister Lacquehay siegte am Sonntag bei den als „Weltmeisterschafts-Revanche" aufgezogenen Radrennen in Paris in 1:23:21 Stunden vor dem Kölner Krewer, der 7 Meter zurück als Zweiter einkam. Weltmeister Metze wurde hinter W a m b ft und Paillard Letzter. Deutsche Strammei st er im Schwimmen wurden bei den in Bremen ausgetragenen Titelwettbewerben der Breslauer Schubert bei den Herren und Gerda Stegemann - Magdeburg bei den Damen. 1. Kreisfest der Turnerinnen in Gründers Großes Reit« vnd Fahrturnier in Lich gestrigen 13. Heinrich Hofmann, Reiterfturm 5 (Hungen); :chen der 4. Ernst Brückmann, Reitersturm 5 (Hungen); erzwang. Nun folgten nach gemeinsamen Liedern die turnerischen Vorführungen verschiedener Vereine des Kreises. Den Reigen ~ o- ii genommen werden, die bann, wenn fic greifbare Resultate zeigen, in einer großen Versammlung den Bürgern vorgelegt werden müßten. Eine bessere Zeit zur Errichtung dieses Denkmals der einfachen Pflicht gegen unsere gefallenen Söhne und Brüder gibt es nicht. Ist doch unser ehrwürdiger Herr Generalfeldmarschall von Hindenburg von uns gegangen und wäre doch Gelegenheit, eir Werk zu schaffen, das den größten Soldaten des Welt- Am vergangenen Samstag und am Sonntag war unser sonst so stilles Städte Austragungsort eines großen SA.-Reit- und Fahr- turniers. Dank der vorzüglichen Propaganda- und 5. Heinrich Brückmann, Reiterverein Friedberg. Schaufahren (Zweispänner, Sonderklasse für schwere Pferde): 1. Preis Heinrich Erk, Reitersturm 9 (Nidda). Jagdspringen Klasse A: 1. Preis Egon Weyl, Universitäts-Reitinstitut Gießen, Zeit 63,1 Sek.; 2. SA.-Reiter Strauch, Reitersturm 10 (Reichelsheim), 72,3 Sek.; 3. Adam Euler, Reiter- sturm 6 (Gießen), 83,2 Sek.; 4. Otto Büchsenschütz, Reitersturm 5 (Hungen), 91,4 Sek.; 5. Walter Buß, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal), 92,3 Sek.; 6. Otto Petri, Reitersturm 4 (Rabenau), 105 Sek.; 7. Karl Hofmann, Reitersturm 5 (Hungen), 67,1 Sek. Jagdspringen Klasse B: 1. Preis Heinr. Schudt, Reitersturm 4 (Rabenau), Zeit 71,1 Sek., 0 Fehler; 2. Eugen Dietz, Reitersturm 11 (Butzbach- Wettertal), 75,5 Sek., 0 Fehler; 3. Paul Buß, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal), 79,1 Sek., 0 Fehler; 4. A. Lupp, Reitersturm 9 (Nidda), 78,3 Sek., 8 Fehler; 5. Eugen Dietz, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal), 90,3 Sek., 7 Fehler; 6. Ernst Mann, Reitersturm 9 (Nidda), 98,3 Sek., 8 Fehler. Schaufahren (Einspänner): 1. Preis Ludwig Walz, Reitersturm 5 (Hungen); 2. Heinrich Schudt, Reitersturm 5 (Hungen); 3. Walter Weber, Reiterturm 11 (Butzbach-Wettertal); 4. Heinrich Drückmann, Reiterverein Friedbera. Mehrspänner (Vierspänner): 1. Preis Heinrich Schudt, Reitersturm 5 (Zungen); 2. Reinhold Eifer, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal) Abführen der Handpferde: 1. Preis Abmarsch Krug des Reitersturm 4 (Rabenau); 2. Schar Ober-Hörgern, Reitersturm 11 (Butzbach- Wettertal); 3. Abmarsch Reitersturm 9 (Nidda); 4. Abmarsch Meß, Nachrichtensturm 2/147. Patrguillenspringen : 1. Preis Trupp 2 Lich, Reitersturm 5 (Hungen), Führer Ludwig Walz; 2. Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal), Führer Heinrich Jäger; 3. Reitersturm 9 (Nidda), Führer Ernst Mann; 4. Reitersturm 10 (Reichelsheim), Führer Hugo Hahn; 5. Reitersturm 4 (Rabenau), Führer W. Krug. So denkt sich auch der Einsender, daß das künftige Kriegerdenkmal sein soll. Es soll erstehen aus den kleinen und kleinsten Beiträgen, denen sich gewiß kein Gießener entziehen wird. Es müßte ein Ausschuß bestimmt werden, der Listen auflegt und Zeichnungen entgegennimmt. Die Vorarbeiten könnten von einer Anzahl Bürger in Angriff " ' sie greifbare % licher Reife. ,x , An die eindrucksvolle Morgenandacht schloß sich der Wettkampf, geleitet von Kreisfrauenturn- wart Schneider (Wetzlar) und einem Stab von Kampfrichtern und Führerinnen, an. Auf dem Turnplätze an der Turnhalle und dem nahen Sportplätze der Stadt entwickelte sich das gewohnte Bild des Wettkampfes. Geturnt wurde von Turnerinnen- Oberstufe, Turnerinnen-Unterstufe und Jugendtur- nerinnen-Oberstufe je ein Sechskampf, bestehend aus zwei Geräteübungen, zwei Hebungen der Körper- unb Bewegungsschule und zwei volkstümlichen Hebungen. Die Jugendturnerinnen-Hnterstufe bestritt einen Fünfkampf in drei Geräte- und zwei volkstümlichen Hebungen. Neu waren Mannschaftskämpfe, (Singefondt (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Aufruf. Es wundert sich jeder, der das schöne Gießen besucht, daß Gießen eine der wenigen Städte ist, das noch kein Denkmal für seine Gefallenen besitzt. Wohl hat das Regiment 116 für seine ehemaligen Kameraden ein Erinnerungsmal von großer Schönheit gesetzt, aber für alle, die ihr junges Leben für uns hingegeben haben, ist noch kein dankbares Zeichen für ihre Treue in Gießen vorhanden. Es wäre doch nun an der Zeit, daß man auch diesen die Ehre gibt, die sie so sehr verdient haben. Es ist dem Einsender vollkommen bewußt, daß das deutsche Volk gegenwärtig noch andere, sehr große Aufgaben und Pflichten an Lebenden zu erfüllen hat, aber dies darf die Pflicht der Dankbarkeit nicht aufhalten. / Gießen ist berühmt durch feinten bürgerlichen Opfer- und Gemeinsinn. Man braucht nur unser Theater anzusehen und die Worte über dem Portale zu lesen: „Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns." • Oer Sonntag — Kampftag. Nach regenreicher Nacht fand früh 7 Hhr bei strahlendem Sonnenschein, der auch den ganzen Tag anhielt, auf grünem Plane eine erhebende Morgenfeier statt. Pfarrer Matthaus verstand es, an die Herzen seiner jugendlichen Hörer zu klopfen und Widerhall zu finden. Neben der religiösen Mahnung empfahl er den Turnerinnen die Pflege der Leibesübungen als Mittel zu fttt- eine beachtliche Höhe. Oer Festzug nach den Hnterkreifen geordnet, bot durch die Fahnenschwingerinnen und die jugendlichen Turnerinnen im weißen Festkleide ein schönes Bild. Er bewegte sich vom Neustädter Tor aus durch die mit vielen Fahnen und Wimpeln festlich geschmückte Stadt nach der Turnhalle. Hier fand auf dem Turnplätze anschließend ein Kürturnen am Barren der ersten Siegerinnen aus jeder Stufe statt. Daran reihten sich Keulenübung en und allgemeine Freiübung en an, zu denen nur die Sechskämpferinnen verpflichtet waren; es traten Vorbereitungsarbeiten (für die Oberscharführer Erich Hofmann, Rodheim, verantwortlich zeichnete) funktionierte die gesamte Organisation ausgezeichnet. Für die bereits am Samstagvormittag eintreffenden SA.-Reiter waren in anerkennenswerter Weife von verschiedenen Bürgern der Stadt Freiquartiere für Reiter und Roß zur Verfügung gestellt worden. An dem Turnier nahmen teil mehrere Reiter- und andere Stürme der SA.; der Reiterverein Friedberg und der Reiterverein Lich waren ebenfalls vertreten. Eingeleitet wurde die Veranstaltung am Samstagmittag mit einer Vielseitigkeitsprüfung, der sich ein Geländeritt anschloß. Am Sonntag herrschte im Gegensatz zum Samstag das herrlichste Spatsommerwetter, so daß schon am frühen Morgen die Straßen stark belebt waren. Dieser Hochbetrieb am Morgen war wohl auch die Hrsache, baß die Bevölkerung so zahlreich auf die Straßen und zu den Veranstaltungen auf dem Turnierplatz gelockt wurde. Die Stadt selbst prangte in schönstem Flaggenschmuck. Gegen 9 Hhr begannen auf dem Turnierplatz hinter der Turnhalle die Vorprüfungen für das große Reit- und Fahrturnier. Schon gleich zu Beginn hatten sich eine große Anzahl Zuschauer eingefunden, die mit großem Interesse die beachtlichen Leistungen der braunen Reiter verfolgte. Die Vorprüfungen nahmen den ganzen Vormittag in Anspruch. Nach der Mittagspause nahmen sämtliche Teilnehmer des Turniers Aufstellung auf dem Bahn- Hofsplatz zum Ritt durch die Stadt zum Turnierplatz. Mit einem zackigen Vorbeiritt sämtlicher Teil- nehmer wurde die Hauptveranstaltung eingeleitet. Der Zustrom der Besucher aus der näheren und weiteren Hmgegend wurde immer größer, so daß bald eine dichtgedrängte Menschenmenge den Turnierplatz umsäumte. Wettkämpfe der mannigfachsten Art kamen sodann zur Austragung. In ber Viel- unb Riegenführer in ihre Arbeit ein. Die Begrüßung burch bie Stadtbehörbe konnte nicht wie geplant vor dem Rathaus auf dem festlich geschmückten Marktplatz erfolgen, sonbern mußte bes ftrömenben Regens wegen in ber Turnhalle des Turnvereins erfolgen. Der stattliche, mit ben Reichs- fahncn schön geschmückte Raum macht dem vevhält- nismäßig kleinen Verein alle Ehre. Der Begrüßungsabend bilbete einen roürbigen Auftakt für bie gesamte Veranstaltung. Nach einleitenben Musikvortragen begrüßte ber Dereinssührer, Lehrer Wenzel, bie Turnerinnen unb Kampfrichter, sowie bie übrigen Gäste, die bie geräumige Halle bis auf ben letzten Platz füllten. Sein befonberer Gruß galt bem Vertreter ber Stabtverwaltung, Bürgermeister Dr. Milbner, bem Vertreter ber politischen Organisation, Ortsgruppenleiter Rechtsanwalt L i n b , unb dem Turnkreisführerstab (Daupert, Schneider, Zöller, Dr. Römer). Der Redner kennzeichnete den Wert des Turnens allgemein unb ben Des Frauenturnens im besonberen, ba bie Turnerinnen bie Mütter eines gefunben Geschlechtes werben sollen. Turnfeste sind Volksfeste, babei Feste ber Arbeit unb Feste ber Freube. Bürgermeister Dr. Milbner begrüßte im Namen ber Stabt Grünberg alle Gäste, im besonberen bie Turnerinnen. Der Höhepunkt seiner Ansprache lag in ber Anerkennung ber wertvollen Arbeit, bie bie beutsche Turnerschaft bem beutschen Tolke baburch leiste, baß ihre Tätigkeit unserem Volke in hohem Maße biene. Auch ber Ortsgruppenleiter ber NSDAP., Rechtsanwalt Linb, begrüßte bie Turnergäste. In einem fein burchdachten Rückblick auf bie Geschichte ber Deutschen Turnerschaft schilberte er Frixbrich Lub- wig Jahn als ben großen Erzieher ber beutschen Turner zu Manneszucht, Manneskraft, Kamerab- schaft unb Daterlanbsliebe. Falls Jahn in ber Gegenwart lebte, wäre er gewiß ber beste Gefolgsmann unseres großen Führers Abolf Hitler, benn beiben leuchte als einziges Ziel ihres Lebens vor: Deutschlanb unb nur Deutschland Der Rebner schilberte bann bie Saarsrage als deutsche unb europäische Schicksalsfrage. Die Rebe klang aus in bem Gebauten: „Die Saar ist beutsch unb wirb es ewig bleiben!" In bas „Sieg-Heil" auf Führer unb Daterlanb stimmte bie Menge lebhaft ein unb fang begeistert bas Deutschlanb- unb bas Horst-Wesfel- Lieb. Im Anschluß an biese Begrüßungsansprachen übergab ber Vereinsführer bas Turnfest an ben Turnkreissührer Daupert (Wieseck). Daupert bankte allen Rebnern für ihre freunblichen Worte, im besonberen auch ben Bürgern ber Stabt Grün- berg für bie gastliche Aufnahme ber JEurnergäfte. Seine Ausführungen zwangen alle Zuhörer in ihren Bann unb gipfelten in bem Gedanken: Hnsere Turnerarbeit gilt dem nationalsozialistischen Deutschland, dem Deutschland der Größe, ber Ehre unb der Freiheit. Wir können nicht Jahn ehren, ohne Hitler zu bienen! In bas „Gut Heil" bes Kreisvertreters auf Führer unb Reichskanzler Abolf Hitler unb bas beutsche Vaterlanb stimmte bie große Versammlung begeistert ein. Nicht wenig trug zu ber großen Feststimmung bei, baß in allen Ansprachen bie ganze Seele ber Rebner mitschwang unb bie Zuhörer in ben Bann ber großen Gebauten seitigkeitsprüfung, in zwei Jagdspringen unb beim Ein-, Zwei- unb Mehrspännerfahren zeigten Roß unb Reiter überzeugende Proben ihres gediegenen Könnens, die nicht nur großen Fleiß, sondern auch viel Hingabe an die Sache verrieten. Während hierbei mehr die Leistung des Einzelnen in den Vordergrund trat, gab das Patrouillespringen dem verständnisvollen Zusammenarbeiten einer Mannschaft schönsten Ausdruck. Die gesamten Darbietungen bewiesen vorbildlichen Eifer und gediegenes Können. Als Richter fungierten die Herren Chefreiterführer Roeder Freiherr von Diersburg (Londorf), Standartenführer Leipold (Gießen), Graf zu Solms - Laubach (Laubach), Hermann Fil- finger (Reinhäuserhof), Heinrich Deith (Reichelsheim), Sturmbannführer Bender (Hungen), Ludwig S ch ö m b s (Gießen). Den Ausklang des Turniers bildete die Preis- Verteilung unb ein Ball in der Turnhalle, der bie Teilnehmer unb Besucher noch lange in kamerabschaftlichem Beisammensein einte. Die Ergebnisse. Vielseitigkeitsprüfung a: 1. Preis Heinrich Schubt, Reitersturm 4 (Rabenau); 2. Ernst Brückmann, Reitersturm 5 (Hungen); 3. Hermann Lotz, Reitersturm 5 (Hungen); 3. Werner Weiß, i Reitersturm 5 (Hungen); 4. Paul Buß, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal); 4. E. Büttner, Reitersturm 6 (Gießen); 5. Heinrich Schubt, Reitersturm 5 (Hungen); 6. Fritz Meß, Nachrichtensturm 2/147; 7. Lubwig Walz, Reitersturm 5 (Hungen); 8. Eugen Dietz, Reitersturm 11 (Butzbach-Wettertal). Vielseitigkeitsprüfung b: 1. Preis Egon Weil, Hnioersitäts-Reitinstitut Gießen; 2. Otto Weckmann, Reiterfturm 11 (Butzbach-Wettertal); 3. H. Zoll, Reiterfturm 9 (Nibba); 3. Walter Buß, Reiterfturm 11 (Butzbach-Wettertal); 4. Abolf Weber, Reiterfturm 4 (Rabenau); 5. Heinrich Petri, Reiterfturm 4 (Rabenau); 6. Wilhelm Wagner, Reiterfturm 4 (Rabenau); 7. Hugo Kammer, Reiterfturm 5 (Hungen). ' j . Schaufahren (Zweispänner): 1. Preis Reinholb Eifer, Reiterfturm 11 (Butzbach-Wettertal); 2. Lubwig Walz, Reiterfturm 5 (Hungen); öffnete Turnverein Wieseck von 1862, ihm folgten die Turnvereine Großen-Linben, Gießen 1846, Krof- borf, Wetzlar, Niebergirmes, MTV. Gießen unb Grünberg. Alle Darbietungen ftanben auf hoher Stufe unb würben von ben Zufchauern mit bank- barem Beifall gcroürbigt. Es war auch ein herrlicher Anblick, biefe jugenblichen Menschen zu sehen, ganz ihrer Turnerarbeit hingegeben. Das Frauenturnen hat burch seine fließenb'en Bewegungen bes jugenblichen Körpers im langen weißen Feftgewanbe ober im blauen Turnkleibe seinen besonberen Reiz. Wenn so überaus Schönes vor unserem Auge abläuft, bann ist ein Festabenb, wie ber zu Grünberg, ein ästhetischer Genuß. Die ganz im Banne ber Vorführung stehenben Gäste jpenbeten begeisterten Beifall. Der zweite Teil des Abends stand unter dem Leitspruch: Deutsch ist die Saar. Kreisdietwart Dr. Römer schilderte in treffenden Worten die Verbundenheit der Saar mit dem deutschen Daterlande. Das Saarland bekennt sich einmütig zum Deutschen Reich unter des Führung des Reichskanzlers Adolf Hitler. Darum: Deutsch ist die Saar und soll es ewig bleiben. — Don Begeisterung getragen erschallte das Saarlied durch die weite Halle. Damit hatte der Begrüßungsabend seine Ende erreicht. Saarland-Turnstaffel in Srünberg. Gegen 2 Hhr nachts durcheilte unter der Führung des Gau-Oberturnwarts Paul (Gießen) die Saar staffel des Hauptlaufes II die Fest- stadt Grünberg. Von der Festleitung wurde der Staffel ein Gruß der Turnerinnen mit folgendem Wortlaut mitgegeben: „Dom ersten Frauenturnen des Turnkreises Lahn-Dill (Gau Nordhessen) entbieten beu- deutschen Gruß 300 Turnerinnen und Tarn- kreisführung." Das Kreisfest der Turnerinnen im neuen DT.- Kreis Lahn-Dill wurde vom Männerturnen abge- sondert durchgeführt. Grünberg, im Unterlreis Gießen, hatte das Fest zugerichtet und seine überaus gastliche und turnfreundliche Bevölkerung nahm an allen Veranstaltungen regsten Anteil. Es arbeitete olles Hand in Hand, um der Schwierigkeiten, die immer mit einer größeren turnerischen Deranstal- tung an kleineren Orten verbunden sind, zu überwinden. Stadtbehörde, politische Organisation, Bür- gerschqft und Ortsverein, sie alle leisteten ihr Bestes. Dazu erstrahlte vom Sonntagfrüh an der Himmel in reinstem Blau. Unb nun liegt das Fest mit all seinen Erfolgen, seinen Freuden und allem Schönen hinter uns, aber noch schwingt alles in uns mit und noch stehen wir ganz im Banne des Gebotenen, noch schaut unser Auge im besonderen die herrlichen Bilder, die der Begrüßungsabend den Gästen schenkte. Die Nachmittagsstunden des Samstag brachten eine Schar Turnerinnen und Kampfrichter von Dill und Lahn, von der Schwalm und her Ohm nach Grünberg. Flotte Marschmusik geleitete sie in bas Städtchen unb in die Quartiere. Von 19.30 Uhr bis 20.15 Uhr führte im Gasthaus zum „Hirsch" i Kreisfrauenturnwart Schneider (Wetzlar) bie | . Schar ber weiblichen unb männlichen Kampfrichter - bestehenb aus Hinbernisturnen am Reck, einer Ball- ..-k ........... «in > staffel am Barren unb einem Hinbernislauf über einen 7 Meter langen Balken, auf einem Barren aufgelegt. Die Mannschaftskämpfe würben in brei Stärkeklassen burchgeführt. Die turnerischen Leistungen waren fast burchweg gut, erreichten sogar bei einer nicht geringen Zahl von Turnerinnen hierzu 15^ TurnAn. Den b?r Turne*1 rischen Vorführungen bilbete ber Tanz „Wogen urtb Walzen", ausgeführt in acht Tanzkreisen mit je einer Fahnenschwingerin in ber Mitte. Reicher Beifall ber Zuschauer lohnte bie einzelnen, überaus ansprechenben Vorführungen. Oie Siegerehrung burch Kreisfrauenturnwart S ch n e i b e r unb Kreisvertreter Daupert führte nochmals zu einem Höhepunkt. Die' Rebner bankten allen, die zum guten Gelingen des Turnfestes beigetragen, im besonderen ben Familien, die ben Turnergästen ihr Haus gastlich geöffnet hatten. Kreisvertreter Daupert mahnte die Turnerinnen mit allem Willen weiter- zuarbeiten, denn sie seien bie Träger beutscher Zukunft unb ihre turnerische Arbeit sei hoher Dienst an Volk unb Vaterlanb. Die Schlußrebe klang aus in einem „Gut Heil!" auf Führer, Volk und Vaterlanb. Mit bem Deutschlanb- unb bem Horst-Wessel- Lieb enbete bas erste Frauenturnen des Kreises Lahn-Dill. Z. Nachstehend bie ersten Siegerinnen: Einzelwettbewerbe. Turnerinnen-Ober stufe: 1. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 109 Punkte; 2. Ria Philipp, 46 Gießen, 105 P.; 3. Erna Freud, Tv. 1847 Wetzlar, 101 P. Turnerinnen-Hnter stufe: 1. Gerda Schäfer, Tv. Niederscheld, 99 P.; 2. Liesel Kopp, Tv. 1891 Sinn, 97 P.; 2. Margret Weyel, Mtv. Gießen, 97 P. Jugend-Turnerinnen-Ober stufe: 1. Eri Schneider, Tv. Wetzlar 1847, 106 P.; 2. Ruth Winterlin, 1846 Gießen, 103 P.; Marie Heidt, To. Lang-Göns, 99 P. Jugend - Turnerinnen-Hnter st ufe: 1. Hildegard Huisgen, Tv. 1847 Wetzlar, 97 P.; 2. Gretel Kreiling, Tv. Heuchelheim, 94 P.; 3. Else Seim, Mtv. Gießen, 92 P. Die Mannschaftskämpfe. Klasse I (7 Vereine mit je 6 Teilnehmerinnen): 1. Tv. Niederscheld 19 P.; 2. Tv. Dillenburg 14 P.; 3. Tv. Alsfeld 13 P.; 4. Tv. Herborn 12 P. Klasse II (5 Vereine mit je 8 Teilnehmerinnen): 1. Großen-Linden 13 P.; 2. Mtv. Gießen 10 P.; 2. Tv. Heuchelheim 10 P- Klasse III ( 4 Vereine mit je 12 Teilnehmerinnen): 1. Tv. Wetzlar 11 P.; 2. Tv. Krofdorf 8P.; 3. Tv. Wieseck 6 P. krlea-? ttn^er fe’nen Ztela? ’färttf weder der Marschall, noch feine Getreuen geehrt werden. . Selbstverständlich soll dies nur ein Hinweis fein, benn dem schaffenden Künstler soll und darf kein- Vorschrift über die Ausführung gemacht werden. Sollte mein unmaßgeblicher Vorschlag auf guten und fruchtbaren Boden fallen, so bitte ich die Bürger aus allen Berufsständen, sich zur Verfügung zu teilen. Es genügt, wenn diejenigen, die Interesse an der Sache haben und bereit sind, ehrenamtliche Arbeit zu leisten, ihre Anschrift mir mitteilen. Von hier aus werden dann bie nächsten Schritte getan werden. Es muß ein Mahnmal werden aller für alle. Gewidmet ben Toten unb den Lebenden. Valentin Frey, Gießen, Kaiserallee31. ^unbfunfprogramm. Dienstag, 28. August. 5.50 Hhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.25: Werbekonzert. 9.45: Eigene Sendung. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge ür Küche unb Haus. 11.50: Sozialbienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saarbienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus bem Senbebezirk. 13.20: Mittaaskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Nachrichten. 14.40: Stunbe ber Frau. 15.35: Wirtfchaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Der Goethepreisträger bes Jahres 1934. 17.45: Lieber von Hugo Wolf. 18: Bericht von einer Reife burch Spanien. Ein Gespräch. 18.15: Aus Wirt- chaft unb Arbeit. Kurzberichte. 18.25: Italienischer Sprachunterricht. 18.50: Griff ins Heute. 19: Don Gießen: Hnterhaltungsmusik. Ausführung: Städti- ches Orchester Gießen. Leitung: Fritz Cuj6. 20: Nachrichten. 20.10: Sübwestbeutfche Schiffahrt. Wirtschaft unb Aufbau. Funkfolge. 20.50: Bunte Stunbe. 22.20: Nachrichten. 22.35: Nachrichten aus bem Senbebezirk. 22.45: Kleine Unterhaltung. 23: Nachtmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Gewinnauszug 5. Klasse 43. Preußisch-Süddeutsche (269. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden _____________Abteilungen I und II_____________ 16. Ziehungstag 25. August 1934 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 20000 M. 22055 12 Gewinne zu 5000 M. 29120 45183 143784 354121 390612 8 Gewinne zu 3000 M. 37769 77423 318451 26 Gewinne zu 2000 M. 16344 65662 115413 145130 201543 206447 244960 322905 326599 348804 391568 36 Gewinne zu 1000 M. 10991 18174 47831 61045 59254 102555 106429 222060 224340 226378 270498 283999 318535 341612 394975 76 Gewinne zu 500 M. 13360 28562 35581 35759 38661 43115 60788 62018 76544 77361 98256 121405 126250 142877 148020 156224 156573 177367 203311 216750 245542 258935 270651 291399 297580 303517 321100 332159 341866 361282 389546 393585 392 Gewinne zu 300 M- 277 3771 4036 21508 22158 27887 29125 31325 43947 45050 46720 47119 47207 47343 49108 53508 61126 61583 61961 62726 62748 70263 71984 72593 74122 74960 76715 78287 82790 83509 85758 86786 93735 98248 98898 101947 101964 103377 110453 111457 112422 114597 115908 119712 119990 120533 121662 122532 132634 134803 139662 140230 144648 146721 149726 150553 151882 153625 157284 159439 159689 160993 167593 169300 169350 173041 174107 178044 179448 180267 192721 194589 194641 198704 199175 199279 199740 201356 205571 205597 292410 209488 214441 217198 219403 220453 221723 221844 225613 227386 228651 228971 231315 232999 233206 234466 236638 238100 239695 240431 241204 241219 241588 242515 243932 251035 251192 253688 256139 257194 257236 259322 259565 264400 264843 265259 270645 271190 272157 274141 276275 278710 280069 282880 289060 290552 291598 293758 300435 301518 301687 304038 306161 307526 308124 309286 309500 309701 312388 313324 319685 321969 323394 326970 327208 329138 335762 338043 345064 348401 353898 358025 369345 375976 376864 377601 378422 378543 380375 389328 389982 390892 395486 399058 77657 147481 77600 254489 29727 206645 292787 32773 62532 141055 179941 279341 332369 13123 44187 50704 67064 76769 97345 107688 117243 123039 146301 155403 168185 179030 196477 205135 215528 225094 231770 238453 242076 255350 262869 271303 282676 295569 307057 310321 326928 342225 370248 379016 397075 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 M. 72009 266919 167363 19617 20762 49297 51567 64837 70116 70900 77383 310 Gewinne zu 3Q0 M. 20 Tagesprämien. 26351 227896 299993 273464 111039 45857 234974 343506 165559 145673 37416 351175 16073 185947 294185 131490 167545 223772 289677 351263 111229 150993 207272 266412 296873 381061 123363 131988 143748 154971 174388 189600 199443 217184 233507 247961 261334 279616 305251 320820 335948 356111 367724 384294 390876 27441 95879 142345 205293 258868 29°534 355985 24924 37697 52239 67148 94004 116240 151008 212913 271732 313817 382226 135075 195208 246149 292000 353490 124195 134369 145637 155347 175990 189721 210482 222740 234187 248557 261755 279845 308378 321256 341356 356908 369615 385952 394441 22435 34943 48327 64613 88465 106675 124950 136061 ■ 148380 156350 176075 191353 214557 223537 244008 250036 262485 280618 309081 323505 346582 357300 371222 386465 395003 23063 37695 51672 65486 92097 1 111467 128132 136674 149336 156803 181935 191429 215542 223754 244451 251486 264475 288318 313284 326491 348990 361524 373177 386898 396287 116099 130990 142076 153350 173161 188858 192090 216809 229167 245479 260519 272654 299954 316751 334855 355135 365825 381089 389892 129017 157101 215964 280688 331905 55638 60775 61430 61465 73023 77807 79532 84500 128464 140769 150048 163674 182117 191879 216275 228975 245149 255376 267358 295123 313614 333312 350465 365743 375899 388397 398967 94964 97747 105313 105914 112642 ------ ------ ------ . ------ 3753 15383 19471 26733 29453 32706 32836 39770 40261 45261 47985 2 Gewinne zu 5000 M. 4 Gewinne zu 3000 M. 14 Gewinne zu 2000 M. 214820 233181 300841 34 Gewinne zu 1000 M. 117390 137292 163595 249647 264461 291956 376427 396971 84 Gewinne zu 500 M. Im Gewinnrade verblieben: 280 TageSprämien zu 1000 M. ferner 2 Gewinne zu 1000000, 2 zu 300000, 2 zu 50000, 2 zu 80000, 4 zu 20000, 18 zu 10000, 94 zu 5000, 180 zu 8000, 410 zu 2000, 880 zu 1000, 2150 zu 500, 8590 zu 300 M. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 29541 126837 127458 139644 185127 212227 228879 235866 246908 287389 Nr. (99 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)Montag, 27. August MH Aus der Provinzialhauptstadt Medizinalrat Ar. Wataer t Kinder zu betreuen. Muß das Kind unterwegs umsteigen, wird vorher von der Bahnhofsmission Nachricht zum Umsteigebahnhof gegeben. Die betreffende Bahnhofsmission wartet dort schon auf das Kind, und setzt es in den richtigen Zug. Telegramme werden für das Kind aufgegeben, Fahrkarten, Zuschläge, Schlafwagenplätze gelöst. Für die Gepäckbeförderung wird Sorge getragen, das Kind von einem Bahnhof zum anderen gebracht, verpflegt, wenn es nötig ist. Wenn es einen Anschluß verpaßt hat, schläft es im Heim der Bahnhofsmission. Alles das ist freie Liebestätigkeit. Es kostet nichts. Die Kinder betrachten die Damen und Herren setzt. Nach 14jähriger segensreicher Tätigkeit kam er von dort im Dezember 1914 als Medizinalrat nach Gießen, wo er Nachfolger des Geh. Medizinalrats Dr. Haberkorn wurde. Hier wirkte er als Leiter des Gießener Kreis-Gesundheitsamtes, ferner war er Gerichts- und Gefängnisarzt und medizinischer Gutachter in zahlreichen Prozessen. Am 1. April 1927 trat er nach Erreichung der Altersgrenze >n den wohlverdienten Ruhestand, wobei ihm von der Regierung für seine dem Hessischen Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste volle Anerkennung ausgesprochen wurde. Medizinalrat Dr Walger stellte als junger Kreisassistenzarzt in Gedern als einer der ersten erfolgreiche Heilversuche mit menschlichen Rekon- oaleszentenserum bei akuten Infektionskrankheiten, lichen Beigeordneten L u l e y ehrenamtlicher Beigeordneter unserer Stadtverwaltung. Ab 1. Januar 1934 war er kommissarischer Beigeordneter, mit Wirkung ab 1. Mai 1934 war er vom Gießener Stadtrat zum Beigeordneten gewählt und vom loren... Auf diese unerlaubten Globetrotter ist die Bahn- hoismission vorbereitet. Sie kennt ihre Ausreden: „Wohin willst du denn, mein Kind?" — „Ach, der Vater erwartet mich." Ja, wirklich, der Vater kommt. Aber unerwartet. Die Bahnhofsmission hat ihn benachrichtigt. Mit der Weltreise aus Bahnsteigkarte ist es für die nächsten zehn Jahre mit dem Krümel aus. Die Bahnhofsmissionen sind die besten Kindermädchen. Nur wissen es die meisten Mütter nicht. Täglich stellen Mütter dieselbe ängstliche Frage: „Ist es möglich, mein Kind allein reisen au lassen? Meine Schwiegermutter würde es abholen." Das Kind muß allein fahren. Mutter muß sparen. Kleine Kinder sind noch keine vollkommenen Globetrotter. Mutter und Großmutter ängstigen sich. . Schon dreijährige Knirpse gehen allein aus Wanderschaft. Meistens kommt die Mutter zur Bahnhofsmission und sagt, sie hätte kein Geld und keine Zeit, ihr Kind selbst an den Bestimmungsort zu bringen. Die Bahnhofsmission übergibt das Kind dem Schaffner. Mit einem kleinen Erkennungsschild um den Hals, mit möglichst genauer Anschrift. Das Kind wird in das Dienstabteil des Schaffners gefetzt. Die Schaffner sind gute Pflegeväter, die oft zu Hause auch Kinder haben. Sie sind in Hebung, Beigeordneter Bartholomäus kommissarischer Oberbürgermeister von Worms Der Gießener Beigeordnete Heinrich Bartholomäus wurde, wie wir zuverlässig erfahren, zum kommissarischen Oberbürgermeister von Worms bestimmt. Kommissarischer Oberbürgermeister B a r t h o l o- mäus, der am 1. April 1900 in Eschwege (Bezirk Kassel) geboren wurde, war von Ende Juli 1933 bis 1. Januar 1934 als Nachfolger des ehrenamt- Hosenmatz als Globetrotter Kleine Abenteuer am Schienenstrang. sechs Jahre alt. Sind die Kinder „auf Besuch" gewesen, so erzählen sie den Missionsdamen genau, wieviel sie zugenommen haben. Bis aufs Gramm. Babys von einem halben Jahre reifen oft in Begleitung des kleinen Schwesterchens. Hier hat der Schaffner heimlich ein „mütterliches" Auge auf beide. Eine Mutter kam zur Bahnhofsmission, kündigte die genaue Ankunft ihres Söhnchens an und bat, es abzuholen. Der kleine Junge wurde für Während des Weltkrieges beteiligte er sich in Gießen in reger Weife an der Lazarettbehandlung unserer Verwundeten, ferner führte er erfolgreich den Kampf gegen Kriegsseuchen und gegen die Infektionskrankheiten überhaupt. Dabei hatte er mit vielfältigen Schwierigkeiten, veranlaßt durch starken Mangel an Materialien der verschiedensten Art usw., zu kämpfen. Dennoch gelang es ihm, den Stadt- und Landkreis Gießen von schlimmen Seuchen freizuhalten und überall, wo Herde von Flecktyphus, Pocken, Ruhr usw. sich zeigten, diese sofort zu ersticken. Neben der Aerztefchaft im allgemeinen erwarb sich Medizinalrat Dr. W a l g e r im besonderen Heimat. Als frommer Protestant widmete er in hingebungsvoller Weise seine Kraft außerdienstlich allen Aufgaben, die der Förderung der evangelischen Kirchensache dienten. Er war seinerzeit Mitglied des Verfassunggebenden Landkirchentags; in dieser Eigenschaft hatte er wesentlichen Anteil an dem Zustandekommen der Hessischen Kirchenverfassung. Als Abgeordneter des Evangelischen Landeskirchentags stellte er seine reichen Erfahrungen auf kirchlichem Gebiet ständig in den Dienst der evangelischen Sache. In Gießen wirkte er segensreich als Mitglied der Kirchengemeindevertretung der Jo- hannesgemeinde zum Besten der evangelischen Kirche, die in ihm einen Mann von tiefster Religiosität und heiligstem Glaubenseifer besaß. Als Mensch von großer Freundlichkeit und Hilfs- mie Typhus, Scharlach und krupöser Lungenentzündung an, deren Ergebnisse er in den Jahren 1898 und 1902 im „Zentralblatt für Innere Medizin" veröffentlichte. Während seiner Tätigkeit in Erbach stellte er sich besonders in den Dienst der sozialen Fürsorge, wobei es ihm gelang, das in der Nähe von Erbach bei Langen-Brombach gelegene Genesungsheim der Mainzer Ortskrankenkasse, die ihn zum Leiter dieses Heims bestellte, zu hoher Blüte zu bringen. Ferner stellte er eingehende Erhebungen über die Wohnungsverhältnisse und das Wohnungselend auf dem Lande, besonders in seinem Odenwälder Amtsbezirk, an, die er nach besten Kräften zu verbessern bestrebt war. Gemeinsam mit dem damaligen Kreisrat S ch l i e p h a k e des Kreis- amts Erbach schuf er eine großzügige Organisation der Haus- und Krankenpflege, die den ganzen Kreis Erbach bis in die entlegensten Gebirgsgemeinden mit einem Netz von Kranken- und Hauspflegestatio- nen überzog, die eine außerordentlich segensreiche Tätigkeit entfalteten. ten. Er erzählt den Damen sehr wichtig: „Mutti holt immer das Geld vom Nachweis". — „Die Jacke hier habe ich aus dem Waisenhaus." Dann machte er emsig Zeichnungen. Reiseeindrücke. Kleine Häuser, Landschaften. Aber besonders schien ihm — die Schwiegermutter zu imponieren und zwei kleine Mädchen, Erna und Else. Die zeichnete er immer wieder. Ganz groß. Die Augen hatten sogar Pupillen und Augenbrauen. Die Beine waren leider etwas verschnörkelt. Die Zähne sahen aus wie Bretter. Nur die Schwiegermutter hatte Arme. Schwiegermutters Arme waren dafür aber so groß wie Bäume und die Nägel an ihren Fingern sahen aus wie Kleiderhaken. Horst, der Künstler, war An der Sperre eines großen Bahnhofs. „Der Vater kommt nach, Mutter hat noch nicht fertig gepackt." Ein kleiner Junge, etwa fünf Jahre alt, mit großen, munteren blauen Augen, blonden Haaren, auf dem Kopfe eine Zipfelmütze, ohne Mäntelchen, steht da. An einer alten Wäscheleine hält er einen zerzausten, struppigen, grauen Hund. „Herr und Hund" sehen mit hocherhobenem Haupte von unten her die Dame von der Bahnhofsmission an. „Der Vater kommt nach, Mutter hat noch nicht iertig gepackt." Der kleine Junge und der kleine truppige Hund gehören zu den vielen „Abenteurern •es Schienenstranges". Täglich sehen die Kinder in den kleinen Dörfern den Zug auf dem Bahnhof halten. Sehen wie „die Großem einsteigen, abfahren und lustig winken. Kinder wollen, wie Aeffchen, alles nachmachen. Knirpse nehmen sich Bahnsteigkarten oder flitzen hinter dem Mantel einer „fremden Tante" durch die Sperre. Erwachsene, die mit in dem Abteil sitzen, denken das Kind gehört dem Gegenüber- sitzenden oder ins Nebenabteil. Kinder sind meistens klüger, wenn es sich um ihren Spaß handelt, als die Erwachsenen glauben. Kommt der „Onkel Schaffner", verschwindet der Krümel irgendwohin. Erst wenn alle Erwachsenen aussteigen. Dann steigt der Globetrotter auch aus. Die neuzeitlichen Rettungsengel dieser Kinder sind die Vertreter der Bahnhofsmissionen. Sie haben auf den großen Bahnhöfen ihre Dienstzimmer und gehen abwechselnd zu jedem einlaufenden Zuge. Die Mission betreut natürlich nicht nur die Kinder, aber diese sind ihre Lieblinge. Die Missionstanten und »onkels kennen die schwarzen und die weißen Schäfchen. Da gibt es drei Sorten: die Ausreißer, die Verirrten und die von der Mutter oder Großmutter allein auf Reifen geschickten Schäfchen. In einem Jahr half die Mission 5582 alleinreisenden Kindern. Hauptsächlich waren es Mädchen im Alter Bahnhofsfürsorgerin spricht ihn noch einmal vor- Am Freitagabend verstarb in Darmstadt, wo er sichtig an, um sein Ehrgefühl nicht zu verletzen, im Ruhestand lebte, der frühere langjährige Kreis- Aber da fließen auch schon die Tränchen: „Ich will zu meiner Mutti." Der Globetrotter hat auf dem großen Bahnhof den Mut für die Weltreise Der» von drei bis fünfzehn Jahren. Ein tragikomisches Kapitel sind die Ausreißer. Da steht ein etwa vierjähriger Knirps mit einem (großen Pappkarton an der Sperre. Die Bahnhofs- ürforgerin fragt ihn, wie er heißt. Er ist sehr ...... elbstbewuht und antwortet nur: „Meine Mutti Ministerium bestätigt worden, holt mich!" Nach einer halben Stunde ist noch keine Mutti da, und der kleine Held wird weinerlich. Die der Bahnhofsmission immer als „Tante" und „Onkel". Sie fühlen sich sofort heimisch. Die kleinen Mädchen sind meistens sehr keck. Aber die Jungens sind täppisch. Man kann froh sein, wenn sie an ihr Gepäck denken. Alle Kinder aber fühlen sich, wenn - - -- - v v. ... v fie allein reifen, sehr interessant, und erzählen gern p^ania aufgehoben. Kinbergepackabgabe. Familiengeschichten. Ein kleiner Junge „Horst" Lo Beyer, hatte auch längere Zeit im Dienstzimmer zu war-1 -------- arzt des Kreises Gießen, Medizinalrat Dr. Ernst Walger im 73. Lebensjahre. Medizinalrat Dr. W a l g e r war am 29. Dezember 1861 in Pfungstadt geboren. Nach dem Besuch des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt, wo er die Reifeprüfung bestand, und nach dem Studium der Medizin erwarb er sich im Jahre 1885 in Berlin die Approbation als Arzt und den Doktorgrad. Hierauf war er mehrere Jahre aktiver Militärarzt, dann wirkte er in freier ärztlicher Tätigkeit, im Iahe 1895 trat er in den hessischen Staatsdienst als . . Kreisassistenzarzt in Gedern ein. Im Jahre 1899 warb sich Medizmalrat ■ kam er als Kreisassistenzarzt nach Mainz, im Herbst damals schon größte Verdienste um unsere engere 1900 wurde er als Kreisarzt nach Erbach i. O. ver- 400 Jahre deutsche Bibel. W Anläßlich der Luther-Festspielwoche, die zum 400- jährigen Jubiläum der deutschen Bibel vom 25. August bis 2. September in Wittenberg veranstaltet wird, wurde diese Luther-Medaille geschaffen. Sie zeigt eine Wiedergabe des Luther- kopfes am Katharinen-Portal der Luther-Halle. Zum Jubiläumsfest, das im ganzen Reiche am Reformationstage gefeiert wird, wird sie von der Deutschen Evangelischen Kirche als Festabzeichen übernommen. bereitschaft für jedermann, von starkem sozialen Empfinden und strengstem Gerechtigkeitssinn, mit edelsten Charaktereigenschaften ausgezeichnet, erwarb er sich weit über den Kreis seines Wirkens hinaus größte Wertschätzung als Arzt, Beamter und Volksgenosse. Das Andenken an diesen vortrefflichen deutschen Mann wird in dankbarer Anerkennung seines Wirkens in Gießen und im Kreise Gießen allezeit in hohen Ehren fortleben. Prof. Dr Heinrich Weber f Am 24. August verschied unerwartet in Leutkirch im Allgäu, wo er zur Erholung weilte, der ordentliche Professor der Forstwissenschaft, Dr. Heinrich Weber an der Universität Freiburg. Heinrich Weber wurde am 24. November 1868 zu Londorf in Oberhessen geboren und studierte von 1887 bis 1890 Forstwissenschaft an der Universität Gießen. Nach mehrjähriger praktischer Betätigung in großen Privatforstverwaltungen und im Staatsforstdienst wurde er 1904 als planmäßiger außerordentlicher Professor an die Landesuniversität berufen, wo er Forstpolitik, Forstverwaltungs- lehre und Forstgeschichte vertrat. Nach dem Weggang von Geheimrat Dr. H e ß im Jahre 1908 übernahm Weber auch noch das Gebiet der forstlichen Produktionslehre, im Jahre 1910 rückte er in das Ordinariat ein. In Gießen entfaltete Hch. Weber eine rege wissenschaftliche Tätigkeit. Bekannt ist vor allem sein umfangreiches Werk über „Die Besteuerung des Waldes" geworden, das 1909 erschien. Zum 1. Oktober 1920 nahm Hch. Weber einen ! Ruf an die Universität Freiburg i. B. an. Weber übernahm nach dem Tode von Geheimrat Wim - m en au er die Schriftleitung der altangesehenen Allgemeinen Forst- und Jagdzeitung. Große Verdienste erwarb er sich durch die Herausgabe der Forstlichen Rundschau, die Sammelberichte über das forstwissenschaftliche Schrifttum der ganzen Welt bietet. Die Neuherausgabe des großen Handbuchs der Forstwissenschaft lag ebenfalls in seinen Händen. Die letzten Lebensjahre Webers waren leider getrübt durch schwere Sorgen um seine Gesundheit. Mit unerschütterlichem Lebenswillen hat er dagegen angekämpft und in der Arbeit Trost gesucht. Verheiratet war H. Weber mit Anna Thurn, mer wieder in das Haus sich der So Nicht gerade einladend, aber deutlich sagt ein Spruch aus der Gegend von Hildesheim: „Blieb mi irarbuten, ober ek fla dek up de ©nuten!" Der fromme Spruch ist beliebt und naiv-primitiv: Nürnberg im Sprichwort Mit keinem anderen deutschen Ort hat sich „O Maria, Jungfrau mein, laß uns ewig bei dir sein! Beschütz' unser Haus und Rinder und die Ochsen und die Kinder!" Gesundes Selbstbewußtsein kehrt häufig diesen Haussprüchen deutscher Landleute: „Gottes Segen und des Bauern Hand erhält das ganze Vaterland." nichts Schlechtes: Wellst du sein ein guter Christ, Bauer, bleib auf deinem Mist. Laß die Narren Freiheit fingen. Düngen geht vor allen Dingen!' schäft nicht fern. Da mahnt dann solch Vers die liebe Jugend zur Tugend: „Bienen holen für ihr Haus Honig heim aus Blum und Bluth, Und du trage hier heraus weise Lehr und gute Sitt'!" (Schwandorf, Oberpfalz.) Kaum aber hat sich der sündige Mensch von Schule und Kirche abgewandt, so liegt gewiß das Wirtshaus inmitten des Dorfes vor seiner Nase. Da ist ja Wandplatz genug für manchen gutgemeinten Reim, wie z. B in einem holsteinischen Dörflein: „Hier in de olle Liese, hier geiht bat no be olle Wiese, De Wert (Wirt), be [tippt bat Beste: Prost, mine leoen Gäste!" Sprichwort so beschäftigt, als mit Nürnberg, ber alten Pegnitzstabt, bie eine Schatzkammer beutschen Kulturgutes ist. Da ertönt mannigfaches Lob über bie Heimat Dürers, und wenn zuweilen auch solche Losungsworte, die sich zum Preise fast jeder Stadt bilden lassen, vom Lokalpatriotismus der Verfasser gefärbt sind, so ist im Nürnberger Lobspruch nur der Wahrheit bie Ehre gegeben. „Nürnberg ist ber Mittelpunkt Deukschlanbs und Europas." „Nürnberg ist Deutschlands Schmuckkästchen" und „Es gibt nur ein Nürnberg". Dieses Dreigestirn von Lobworten wirbt in der ganzen Welt für den Besuch dieser alten deutschen Stadt, und Tausende und aber Tausende von Besuchern kommen von nah und fern, um Nürnbergs Straßen zu durch- wandeln, seine Kirchen zu betreten und in seinen alten Bürgerhäusern einen tiefen Eindruck von deutscher Vergangenheit zu gewinnen. Herzhafter und humorvoller klingen die Aussprüche, die zu den verschiedensten Zeiten von den Nürnbergern selbst ober ihren Nachbarn, Freunben unb Neibern, geschaffen worben finb. Auf den Reichtum Nürnbergs und das üppige Leben in Bamberg beutet das Sprichwort: „Wenn Nürnberg mein wäre, so wollt' ich's zu Bamberg verzehren". Berühmt ist noch heute bas Wort, bas aus jenen Raubritter- zeiten stammt, ba sich ber berüchtigte Strauchbieb Eppelein von Geilingen nach ber Sage aus den Händen der Nürnberger befreite: „Die Nürnberger hängen keinen, sie Haven ihn denn". Ein etwas bedenkliches Licht auf bie Rechtspflege wirst das Sprichwort: „Nach Nürnberger Recht behält ber die Schläge, der sie hat!" Ehefeinblichen Personen beiderlei Geschlechts ruft der Volksmunb zu: „In Nürnberg müssen bie alten Jungfern mit den Barten ber alten Junggesellen ben weißen Turm fegen . Etwas wie Spott auf bie vielseitige Nürnberger Bauerngedtcht - knapp, klar und schlicht XSon Werne» Lenz Natürlich benkt ein rechter Bauersmann auch an fein Vieh. Deshalb empfiehlt sich ihm solch Wirts- wohl, baran zu lesen ist: ,.Wohltun unb fröhlich sein ist bas beste auf ber Erbe. Hier bekommt man Bier unb Wem unb auch Futter für die Pferde. Leiber hat nun nicht ber Wanberbursche ober sonstige Reisenbe bar Gelb bei sich ®tn solcher kann sich vielleicht vor dem Hausspruch des niedersächsischen Gastwirts erschrecken, ber ba schreibt: „Die ohne Gelb hier gehen ein, breche ber Teufel Hals unb Bem! Aber ein rechter Wanberbursche finbet schon etwas für seinen Durst - unb wenn es auch nur „Pumpenheimer" ist den man ahne Pump sich selber pumpt; las er boch kürzlich auf einem Dorfbrunnen Jnbustrie klingt aus dem Satz: „Was macht man nicht zu Nürnberg ums Geld?" Viel erwähnt wird der „Nürnberger Witz", von dem es heißt: „Nürnberger Witz unb künstliche Hanb finbet Weg burch alle Lanb". Ein im Mittel- alter altbekannter Spruch lautet: „Hätt* ich Venedigs Macht, Augsburger Pracht, Nürnberger Witz, Straßburger Geschütz unb Ulmer Gelb, so wär' ich der Reichste von der Welt!" Mit diesem „Witz" ist die Klugheit der Nürnberger gemeint, von der in Alt-Bayern einschränkend gesagt wird: „Zu Nürnberg ist auch einer, der nicht alles weiß." Diesen Witz erlangt man aber am besten durch den berühmten „Nürnberger Trichter". Das Wort stammt bekanntlich von dem Titel eines Buches, das der Begründer des Pegnesischen Blumenordens, der Dichter Georg Philipp Harsdörfser 1648 zu Nürnberg ohne Namen erscheinen ließ: „Poetischer Trichter, die Deutsche Dicht- und Reimkunst in sechs Stunden einzugießen". Die Redensart kommt jedoch schon sehr viel früher vor, so z. V. in der Sprichwörtersammlung Sebastian Franks von 1541. Abgeleitet davon sind die Sprichwörter wie: „Hier hilft kein Nürnberger Trichter" oder „Es will ihm nicht hinein, man muß den Nürnberger Trichter holen". Um den „Erfinder" dieses Instruments spann sich bann ein ganzer Sagenkreis, der noch 1786 in einem „Biographischen Ehrengebächtnis" gesammelt ist. Die „Heberklugheit" der Nürnberger ist vielfach der Gegenstand satirischer Schilderung: so heißt es in einem Volkslied des 18. Jahrhunderts von den Nürnbergern: „Ihre Eier tragen / Statt einem zween Dotter in ihrem Kragen". Viel verspottet wurden die Nürnberger Kaufleute in der Ritterszeit als „Pfeffersäcke" und „Feigensäcke". Der Name „Herrgottsschwärzer", der ihnen beigelegt wird, ist ihnen aber zu Unrecht angehängt worden. Ein acht Zentner schwerer erzener Christus am Kreuz, der von Hermann Vischer dem Aelteren gearbeitet sein soll, gab hierzu die Veranlassung. Der Sage nach war dieser „Herrgott" aus Silber und wurde mit schwarzer Farbe überzogen, um ihn der Habgier der Soldaten im Dreißigjährigen Kriege zu ent» ziehen. In Wirklichkeit ließen im Jahre 1642 zwei fromme Brüder Krone und Schweißtuch der Chri- ftusfigur vergolden; mußten jedoch auf Anordnung des Kirchenherrn beides wieder „schwärzen und austun". „Sandhasen" heißen die Nürnberger schon zur Zeit des Hans Sachs, wie er in seinem Schwank „Vexation ber 24 Länder und Völker" betont: „Die Nüremberger alle stunden / Werden genennet die Sandhasen, / Weil sie bauen aller meß straßen." die Trostworte: . , „Deswegen bin ich worben graben, daß man einen füllten Trunk kann haben, und mag mich trinken ahne Gorgen, flat man kein (Selb, fo tue t ch borgen! Auf den fflute, und Bauernhäusern findet manches Aufschlußreiche. Auch hier mahnt sich sparsame Bauer gern zu weiterer Sparsamkeit! hießt es auf einem Heidebauernhofe: Verzehr nicht mehr als du erroerbft, fünft du im Grund gar bald verderbst!" Im Westfälischen rät diese alte Hausinschrift auch deutschen Kulturleben gewann Kirche und Kirchhof liegen dicht beim börslichen Gasthause; unb zum vornehmsten der bäuerlichen Gutshöfe pflegt es auch nicht weit von der Dorfes- mitte aus zu (ein. Dorthin überall, aber auch 'N den bescheidensten flos hinem lohnt dann der Weg dessen der solche Bauernweisheit oon uraltem fflerat oon Toren oder Dachbalken ablesen will — Eben hat die erzene Glocke angeschlagen. Der Küster weist uns gern das ehrwürdige Klanggerat, das seck Jahr- Hunderten die Gemeinde zusammenfuhrt. Wir lesen diesen alten Glockenspruch auf ihm: An einer Glocken kann man spüren die Ding, so einem Prediger gebühren. Gott loben! Und führen zu rechter Lehr. Das Volk versammeln und bie Schaar zur Kirchen und zu aller Zucht: bas bringt Exempel unb gut Frucht! Die holperige Dichtart ist Zeugnis daß ungelehrter ungekünstelter, bäuerlicher Geist hier Pate ftanb zum guten Werke. Das Friebhofstor gibt natürlich Gelegenheit zu allerlei Nachbenken. Im Hannoverschen .st an solcher Stätte zu lesen: „Hier ligget unse leimen Dien Herr, lat se bi fien wohl besohlen. Denn — wenn fe sollben meber uppstahn, jau müßten mi alle van Hus un Hof gähn!" Im Oldenburgischen steht bieser menschlich-rührenbe Svruch über einem Kirchhofsportal: „O-! emich ist so lanck!" Unb im Rosegger-Dorflein Kneglach ftel)t eine eben erst fünfzigiähnge Inschrift auf einem Grab: Beter Gutschelhofer heiß ich, in ein bess'res Jenseits reis' idy Der ganzen Welt sag' ich gut* Nacht! Ich will sehn, mas Jesus Christus macht." mir nun von biesem feierlichen Orte ein Stück weit«, 10 ist gewiß da- Schulhaus der Ort. Weil sich ber Bauer vorzugsmeife selbst bie sten Handreichungen in Werktag unb Feieravend macht, jo ichmückt er sich auch fein Haus am liebsten mit den bescheidenen Kunstwerken eigner Handfertigkeit und Phantasie. Daraus wurde dann die Bauernkunst, bie eine anerkannte Bebeutung im w An« alten hessischen Forstmannsfomille entstammt. Der überaus glücklichen Ehe entstammen drei Söhne und eine Tochter. Mit Weber ist ein vortrefflicher Forstwirt und Gelehrter, ein ausgezeichneter Mensch und ein treuer Sohn Oberhessens dahingegangen. Die Uebertragung der Jührer-Nede von Koblenz. Am gestrigen Sonntagnachmittag hörten die Gießener SA.-Reserve unter dem Kommando des mit der Führung des SA.-Reserve-Sturmbanns Gießen zur jeit beauftragten Truppführers 5) e ß und eine stattliche Menschenmenge vor dem Kreis- amtsgebäude auf dem Landgraf-Philipp-Platz die Uebertragung der Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler bei der Saar-Treuekundgebung in Koblenz-Ehrenbre-itstein. Mit großem Interesse lauschte die Versammlung zunächst der fesselnden Reportage von diesem gewaltigen Erlebnis am deutschen Rhein, anschließend wurde mit größter Spannung die eindrucksvolle Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler angehört. Der während dieser Rede in Ehrenbreitstein sehr häufig einfetzende stürmische Beifall fand in den Herzen der Gießener Zuhörer lebhaftesten Wider- hall, wie man an Mienen und Gebärden der Volksgenossen und Volksgenossinnen deutlick erkennen konnte. Nach der Rede des Führers, Die in einwandfreier Uebertragung überall auf dem Plaüe klar zu hören war, huldigte die Menge — die SA. stillgestanden — freudig dem Führer und Reichskanzler und dem deutschen Vaterlande beim Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes. Hierauf rückte die SA.- Reserve geschlossen ab, auf dem Kreuzplatz erhielt der Sturmbann das Kommando zum Wegtreten. Die Menschenmenge brachte auch bei diesem Aufmarsch der SA. starke'Sympathie entgegen. NS.-Irausnschatt Äießen-Mitte. Erstmalig nach den Ferien hatte die NS.-Frauen- schast Gießen-Mitte ihre Mitglieder am Freitagabend in das Haus der Deutschen Arbeitsfront zusammengerufen. Für die zur Zeit beurlaubte Ortsfrauenschaftsleiterin Pg. Frl. H o ch st ä t t e r begrüßte die mit der Vertretung beauftragte Pg. Frau D i n g l e r die Erschienenen und betonte, daß die Frauenschaft nach wie vor vor große Aufgaben gestellt sei, die nur restlos gelöst werden könnten durch Einigkeit in den eigenen Reihen, Hilfsbereitschaft und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den Schwesterortsgruppen des Kreises Gießen. Ihre weiteren Worte galten dem Andenken unseres großen Toten, des allverehrten Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg, dessen Gedenken der Abend in Ehrfurcht, Dankbarkeit und Stolz gewidmet sein solle. Hierauf erklang unter Leitung von Frau Minna Schäfer, vom Frauenchor gesungen, das von echter Vaterlandsliebe getragene Lied: „Vaterland, du magst wohl gleichen deinen sturmgewohnten Eichen, die im Wetter nur noch fester wurzeln in der Erde Grund." Der trostreiche und hoffnungsfreudige Schlußvers: Mag noch manche Wolke dräuen, Gott, der Herr, wird sie zerstreuen. Dann vor allen wirst du strahlen, heißgeliebtes Vaterland" leitete über zu dem von Pg. Frl. Gisela Fritz gehaltenen Vortrag „Aus dem Leben Hindenburgs". Die Vortragende ließ noch einmal die unvergeßlichen Ereignisse der letzten Wochen an unserem geistigen Auge vorüberziehen, gedachte der erhebenden Trauerseier, die der Deutsche Reichstag dem Gedächtnis des toten Präsidenten hielt und der Beisetzung im Tannenbergdeükmal, wo er inmitten seiner schlummernden Grenadiere seine letzte, wohlverdiente Ruhe gefunden hat. Wenn wir noch einmal kurz den Lebensweg dieses getreuen Ekkehard unseres Volkes überschauen, so war es nicht allein das Gefühl der Bewunderung für diesen großen Feldherrn und die Dankbarkeit für den Retter des Vaterlandes, sondren auch sein einfaches, gerades, sich selbst immer treubleibendes Wesen, das die Herzen aller Deutschen und der ganzen Welt ihm in Liebe und Ehrfurcht entgegenfchlagen ließ. Um» rahmt und durchdrungen von tiefer Frömmigkeit, Oer Benzingast. Von Martha von Zobeltih. „Hier steht: Benzingast gesucht. Was ist ein Benzmgast?" fragte mich jüngst eine blaublonde Unschuld. „Der Benzingast, mein Kind", erwiderte ich, ,chat nichts mit der eigentlichen Gastfreundschaft zu schaffen, der die Befriedigung des Magens und fein endlicher Ruin obliegt. Er ist überhaupt kein Gast. Er genießt weder das Recht der Wegbestimmung, noch der Zeiteinteilung. Er ist praktisch ein Autozubehör, psychologisch die Folge unzureichender Geldmittel des Kraftwageneiaentümers, und nicht etwa seines Geselligkeitsbedürfnisfes. Unsere Zeit ist in die Schnelligkeit verliebt und deshalb vom Tausendpferdiaen machtvoll angezogen, teils ohne ihn erwerben, teils ohne den einmal Angezahlten ausreichend ernähren zu können. Was liegt näher, als die Schöpfung eines Ausgleichs, einer Stelle, wo Kraft und Stoff sich treffen, wo also der Benzinwirt seinen „zahlenden Gast" findet? Eine ganz simple geschäftliche Angelegenheit an sich und dennoch voller romantischer Möglichkeiten." „Warum?" fragte Blaublond. „Ja, nehmen Sie mal an, ein Jüngling möchte sich seine Fahrt nach Aachen verbilligen, und es findet sich dazu eine Maid, die in Köln für eine Mark Johann Maria Farina kaufen will. Da ist doch mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß die beiden bereits in Halle befreundet, in Kassel so gut wie verlobt sind. Zwischen Olpe und Kreuztal gibt es den ersten Streit und kurz vor Mühlheim Versöhnung. Es ist anzunehmen, daß nunmehr auch der Jüngling in Köln Station macht." „Warum?" fragte die Unschuld. „Wahrscheinlich wegen des Doms. Oder jemand muß schnell nach Bremen, ohne den Mann an der Bahnsperre zu bemühen. Eiaenlich muß er noch viel weiter, aber das braucht der andre, der seinen Wagen nach dem Weserhafen steuert, nickt zu wissen. Dieser andere sitzt mit genau den gleichen Hintergedanken am Volant, und deshalb reden die beiden von Norderney, was auaenblicklich keinen von beiden interessiert. Sie drücken sich vor dem Ratskeller abschiednehmend die Hand — und treffen sich an Bord des Uebersees unerwartet wieder. Aber da erkennen sie einander nicht." „Warum nicht?" „Sie sind weitsichtig geworden, Fräulein Blaublond! Oder nehmen wir mal an, der fremdsprachig stark behinderte Herr Schnurz hat in Livorno Wich- Hochbetrieb im Gießener Bahnhof 3m Dienste der Saarkundgebung passieren 38 Sonderzüge unseren Bahnhof. Die große Saarkundgebung in Koblenz wirkte beim Verkehrswesen in weitem Kreise. Viele Verkehrsmittel mußten eingesetzt werden, um den Zu- trom der deutschen Volksgenossen nach Ehrenbreit- tein zu bewältigen. Der Gießener Bahnhof hatte ein gerüttelt Maß im Rahmen dieser Arbeit zu bewältigen. Als Knotenpunkt der Reichsbahn in unserem heimatlichen Raume waren die Anforderungen, die gestellt wurden, so groß, wie kaum jemals bisher. Schon am Samstag, 25. August, begann die außerplanmäßige Arbeit. Zunächst mußten fünf Güterzüge, die sonst auf der Rheinstrecke verkehren, über die Umgehungsbahn bei Klein-Linden geführt werden. Drei Sonderzüge fuhren am Samstag bereits nach Koblenz. Zwei „Kraft-durch-Freude"- Züge passierten ebenfalls den Gießener Bahnhof. Den hauptsächlichen Ansturm brachte aber der gestrige Sonntag. In den ersten Stunden des gestrigen Tages fuhren 18 Sonderzüge mit je 12« bis 1500 Volksgenossen nach Koblenz. Die Sonderzüge verkehrten sämtlich über Gießen. Die Züge hatten zum großen Teil Aufenthalt, damit den Fahrtteilnehmern Gelegenheit zur Verpflegung gegeben war. Diese Sonderzüge fuhren gestern abend und in den Nachtstunden zum Montag wieder zurück. Eine zusätzliche Belastung bedeutete für den Gießener Bahnhof die Umleitung von 32 Güterzügen, die über die Umgehungsbayn über Siegen nach Köln und in das Ruhrgebiet geführt werden mußten. Es galt, die Strecken nach Koblenz für den Personenverkehr freizuhalten. Am heutigen Montagvormittag wurden drei Zuge von der Rundfunkausstellung über Gießen nach Wiesbaden bzw. Frankfurt a. M. zurückgeführt. Weitere sieben Sonderzüge von Koblenz werden am 31. August und am 1. September über Gießen zurückfahren. Schlichtheit und Bescheidenheit hat er feine Mannen- treue auch in Deutschlands schicksalsschwerster Stunde niemals preisgegeben und in seinem festen, unerschütterlichen Glauben an Deutschlands Wiedergeburt unser Volk auch in seiner tiefsten Not niemals verlassen. Er soll uns in allen Zeiten ein Symbol der Treue sein, denn „Wer seinem Volke so die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen sein!". Nachdem der Frauenchor das Lied: „Ich halt' einen Kameraden" und alle gemeinsam „Ich hab' mich ergeben" gesungen hatten, las Pg. Frl. Fritz nach einer kurzen Pause noch das Vermächtnis Hindenburgs vor. Sodann gab Pg. Frau Dingler bekannt, daß am Montag, 3. September, 20 Uhr, im Caf6 Leib zusammen mit der Ortsgruppe Nord ein Verpflichtungsabend der NS.-Frauenschaftsmitglieder stattfinde. Mit einer dringlichen Aufforderung, sich recht rege an den für das Winterhilfswerk vorgesehenen Näharbeiten, die jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr in der Alten Klinik, Liebigstraße, ausgegeben werden, zu beteiligen, dem Deutschlandlied und einem dreifachen Sieg-Heil! auf unseren Führer Adolf Hitler klang der Abend aus. Appell des NSOFB. (Stahlhelm). Don der Pressestelle des NSDFB. (Stahlhelm) in Gießen wird uns berichtet: Am Freitag fand im Caf6 Leib der erste Appell des NSDFB. (Stahlhelm), Ortsgruppe Gießen, nach dem Sommerurlaub unter Leitung des Ortsgruppenführers, Kamerad Oberstleutnant a. D, Loppe, statt. Der große Saal vermochte kaum die sehr zahlreich erschienenen Kameraden zu fassen, die froh waren, nach dem Sommerurlaub wieder zu gemeinsamem Dienst zusammen sein zu können. Der Kamerad Ortsgruppenführer L o p p e ging in seiner Ansprache auf die großen Ereignisse ein, die in den letzten Wochen für unser Volk und Vaterland von einschneidender Bedeutung gewesen sind. Er würdigte in zu Herzen gehenden Worten den Lebensgang und das Wirken des verewigten Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg, des hochverehrten ersten Ehrenmitgliedes des Stahlhelm B. d. F., des großen preußischen Soldaten und Feldherrn, des weisen Staatslenkers, des Mannes, dem Pflichterfüllung für fein Vaterland bis zum letzten Atemzuge eine Selbstverständlichkeit war. Kamerad L o p p e ging näher auf die Beteiligung des NSDFB. (Stahlhelm) an den Trauerfeierlichkeiten für den großen Toten ein und berichtete, daß an dem einstigen Gefechtsstand des Generalfeldmarschalls in der Tannenbergschlacht, bei Frögenau, die Bundesführung mit den Landesführern und ein starkes Ehrenbataillon den Trauerzug erwarteten, daß bei der Beisetzung im Tannenberg-Denkmal das Ehrenbataillon im Ehrenhof mit dem linken Flügel am Eingang zum Feldherrnturm stand, in dem das deutsche Volk dem Generalfeldmarschall von Hindenburg fein würdiges Grab bereitet hat. Kamerad Gauführer Dr. Dehner sprach dann eingehend über die Abstimmung am 19. August. tiges persönlich zu erledigen. Auf Inserat meldet sich Doktor Achso, der Gegend und Sprache voll beherrscht und bald auch Herrn Schnurz. In einem Lande, wo die alten Meister nur so über- und untereinander hängen, wird man doch nicht die bemalte Leinwand wegen der gewebten, die Schnurz in Hemdenform verkaufen möchte, unbesichtigt lassen! Herrn Schnurz fallt es auch nicht weiter auf, daß man zwischen Mailand und Livorno auf Florenz stößt, er nimmt diese Stadt, sowie den Rückweg über Rom als gegeben hin und ist schließlich noch stolz darauf, daß er auf einer gewinnbringenden Geschäftsreise so viele alte Klamotten, die irgendwie mit Kunst bezeichnet werden, mitnehmen kann. Fragen Sie bloß nicht wieder: Warum? Fräulein! Kennen Sie Lappke, den Sohn vom alten Lappke aus Schöneberg? Nein? Schade. Also der hat mit seinem Benzingast richtiges Pech gehabt. Nichts war ihm recht. Es zog, und das Chassis wackelte. Mal gmgs um die Kurven zu schnell, mal in der Geraden zu lanasam. Und kriegte ihr Ducklackhand- kaffer keine Schrammen! Und wo würde endlich Kaffee getrunken? Schließlich passierten sie Jngol- stadt. ,Em greulicher Wagen!' sagte die Dame laut, als sie vor dem »Hotel grüner Bär' hielten. Der Portier, der Hausknecht, der Liftjunge, der Ober, der Unter und sieben tatenlose Fremde hörten es Da ergrimmte Lappke junior. Er fuhr seinen be- schimpften Liebling zur Tankstelle und auf der andern Seite wieder hinaus und los wie Blücher auf das Salzburgifche zu. Und wenn sie nicht ge- ftorben ift, fitzt die Meckerliese noch heutigen Tages im ,Grünen Bären' zu Ingolstadt und wartet." Fräulein Blaublond öffnete ihr unschuldiges Mäulchen zu einer Frage, aber ich winkte ab und fuhr eilig fort. , /-Sie sehen, wieviele romantische Möglichkeiten in solchem Benzingasttum liegen. Es vereint auf Tage und Wochen Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hatten und die fick nie wieder zu sehen wünschen. Da gibt es Mitfahrer, die sich bloß mal dick tun wollen, und andere, die sich bescheiden in Öen Fond verkriechen, obwohl sie bezahlt haben, und dabei noch den empfindlichen Photokasten des Benzinwirts auf den Knien schaukeln. Mitfahrer, die sich nach Marke und Geschwindigkeit, Preis und Rollsckeiben erkundigen, nur nicht nach dem Menschen, dem sie sich anoertrauen." ,Zch möchte mal nach Köln mitfahren!" bemerkte die blaublonde Unschuld träumerisch. „Warum?" fragte ich. Aber sie schwieg. Es fei für jeden Kameraden des NSDFB. (Stahlhelm) eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß er dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler fein freudiges „Ja" gegeben habe. Der Führer verkör- pere ja im besten und wahrsten Sinne die hohen Ideale des Nationalfozialismus, dessen Ziele mit denen des früheren Stahlhelm B. d. F. und jetzigen NSDFB. (Stahlhelm) voll übereinftimmten. Daß die Kameraden unseres Bundes unentwegt im Sinne des Führers handeln würden, fei eine Selstverständ- lichkeit. Die 10 Prozent Neinstimmen, fo geringfügig sie an sich feien, bedeuteten aber eine ernste Mahnung an jeden, der im öffentlichen Leben an führender Stelle zum Wirken berufen fei, fein Handeln in jeder Hinsicht nach dem Willen und Beispiel Adolf Hitlers einzurichten. Zum Schluß des dienstlichen Teils nahm der Kamerad Ortsgruppenführer die feierliche Verpflichtung einer großen Anzahl neuer Kameraden, darunter der Stahlhelmkapelle, vor. Sie leisteten ihren Eid der Treue für den Führer Adolf Hitler, den Bundesführer, den nationalsozialistischen Staat und unseren Bund angesichts der Bundesfahne, die mit einer Trauerschleife versehen bleibt, solange bis die uns durch das Schanddiktat von Versailles entrissenen deutschen Gebiete wieder in das Reich zurückgekehrt sein werden. Dem dienstlichen Teile des Appells folgte noch ein kurzes kameradschaftliches Beisammensein. Die bei einem derartigen Appell unvermeidlichen Pausen wurden durch musikaliscke Darbietungen unserer trefflichen Stahlhelmkapelle ausgefüllt. Samifienfonferetw des Bezirks Gießen-Land des NSLB. Am Samstagnachmittag fand auf der Bergschenke eine Familienzusammenkunft der Lehrer des Bezirkes Gießen-Land mit ihren Angehörigen statt, die sehr gut besucht war. Rektor Siegfried- Grotzen-Linden, der Obmann des Bezirkes, sprach herzliche Begrüßungsworte, in denen er auf die Bedeutung solcher Familientage hinwies. Nach schwerer, aufopferungsreicher Arbeit sollten alle für einige Stunden im geselligen Kreise sich finden und näher kennenlernen. Die Ausführungen klangen in einem „Heil!" auf den Führer des Dritten Reiches aus. Darauf wurden die beiden Nationallieder gesungen. In einer späteren Ansprache gedachte Rektor Siegfried sodann besonders der Frauen im Lehrerhaus. Aus der Fülle der Darbietungen seien besonders heroorgehoben die Lieder, die Lehrer Kraushaar - Heuchelheim, begleitet von Chormeister Blaß- Gießen, vortrug. Alle Zuhörer waren begeistert von der schönen Stimme des Sängers. Für den Humor sorgte der bekannte Heimatdichter Georg Heß- Leihgestern. Er trug eigene Gedichte in oberhessischer Mundart vor und erntete reichen Beifall. Bei gemeinsamen Gesang und Tanz verliefen die Stunden in angenehmster Unterhaltung. Bornoti,r.en. Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Bei der blonden Kathrein". Wer hat die Photographie erfunden? Seit am 7. Januar 1839 der französische Astronom A r a g o seinen berühmten Vortrag über Daguerre und dessen Vorläufer und Mitarbeiter N i e p c e gehalten hat, gilt der französische Maler Daguerre als der Vater einer Erfindung, die wir uns längst als selbstverständlich anzusehen gewohnt sind. Wie so oft in ähnlichen Fällen hat ein anderer Mann um dieselbe Zeit auf verwandten Wegen das gleiche Ziel erreicht: der englische Phy. fiter Talbot. Seine Verdienste um die Lichtbild- kunst würdigt Dr. Egon Caesar Conte C o r t i in einer umfangreichen und mit Inkunabeln der Photographie geschmückten Abhandlung, die V e l - Hagen & Klasings Monatshefte im Septemberheft veröffentlichen. Als Talbot Aragos Rede las, beschloß er, vor Erregung zitternd, die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Königlichen Sozietät in London vorzulegen. Gleichzeitig richtete er bezüglich der von Daguerre angekündigten Erfindung eine förmliche Prioritätsreklamation an die Pariser Akademie. Er konnte dies noch mit Aussicht auf Erfolg tun, denn Daguerre und Arago hatten nur von der Tatsache der Erfindung, nicht aber von dem Wie und Warum und von dem Wege gesprochen, der dazu führte. In der nach Paris gesandten Prioritätserklärung bemerkte Tal- bot, daß er damit insbesondere die Erfindung der zwei Hauptpunkte meine, nämlich Fixierung der Bilder der Camera obscura und die nachfolgende Erhaltung der Bilder, so daß sie das volle Sonnen- licht vertragen. Talbot machte sich augenblicklich daran, diesen Bericht an die Königliche Sozietät mit gleichzeitiger Schilderung feines Verfahrens ab- zufassen. Er schilderte genau, wie er auf feinem durch chemische Einwirkungen höchst lichtemvfindlich gemachten, einfachen Schreibpapier auf dunklem Grunde weiße Bilder der Gegenstände herstelle, die die Negative bildeten, von denen auf dem heute noch geübten Wege beliebig viele Positive genommen werden konnten. Er legte gleichzeitig feinem Berichte eine große Anzahl von fo erzielten Bildern bei und bewies damit, da ja das Geheimnis des Daguerreschen Verfahrens noch nicht veröffentlicht war, daß feine Forschungen gänzlich unabhängig von jenen in Paris erfolgten. Dies betonte er auch in einem neuerlichen Briefe an die Pariser Akademie, welche auf das Prioritätsverlangen, das Talbot an sie gerichtet hatte, scharf anmortete. Arago batte Talbots Brief der Pariser Akademie vorgelegt und betonte, das Niepce schon 1826 Bilder her- gefteUt habe, die in gewissem Maße der ferneren Einwirkung der Sonnenstrahlen nach der ersten *♦ Dom Skadkkheakör. SybMe Evelyns Flemming verläßt — wie man uns schreibt — nach Ablauf dieses Monats das Gießener Stadttheater, dem sie zwei Jahre angehörte. Sie ist als Erste und Singende Salondame und Liebhaberin nach Dresden (Albert-Theater) verpflichtet. Ihrs Dresdner Antrittsrolle ist die Lotte Lenz in „Dis Frau ohne Kuß". ** Das Fest der silbernen Hochzeit feiert am Dienstag, 28. August, das Ehepaar Bahnarbeiter August Sauer, Friedensstraße 28. ** Unglücklicher Sturz. Das fünfjährige Söhnchen des Straßenwärters Werner Klos von hier, Ludwigstraße 47, kam fo unglücklich äu Fall, daß es einen Oberschenkelbruch erlitt und durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zugeführt werden mußte. ** Kinderfest im Walde. In der Waldeslust am Flughafen fand dieser Tage ein öffentliches Kinderfest statt. Bei großer Beteiligung nahm es den besten Verlauf. Die Veranstaltung wurde ein- geleitet durch einen Aufmarsch der Kinder unter Dorantritt der Musikkapelle. Dann nahmen die Kleinen am Kasperltheater Platz, und es war eine Helle Freude zu sehen, wie die Kinder die Vorführungen miterlebten. Sackhüpfen, Reigen, Spiele, Eierlaufen usw. hielten die Kleinen in Atem bis das Wurstschnappen mit feinen drolligen Szenen den Abschluß bildete. Mit vergnügten Gesichtern, den Luftballons in den Händen, machten sich die Kleinen auf den Heimweg. ** Sonntagsrückfahrkarten gum Deut- scheu Pfarrertag in Frankfurt. Zu dem in der Zeit vom 4. bis 6. September in Frankfurt a. M. stattfindenden Deutschen Pfarrertag gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Bahnhöfen im Umkreis von 200 Kilometer um Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten gegen Vorlage einer Teilnehmerkarte aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 4. September 0 Uhr bis 6. September 12 Uhr und zur Rückfahrt vom 4. September 12 Uhr bis 6. September 24 Uhr (spätester Antritt der Reise). Oberbeffen. Eine Dorfschulwoche in Kaulstoß bei Schotten. In der Zeit vom 16. bis 22. September d. I. findet in Kaulstoß (Kreis Schotten) eine Dorf- schulwoche statt. Daran nimmt aus jedem Kreis der Kreisfachschaftsleiter oder an dessen Stelle ein für Dorfschulfragen besonders interessierter Kollege teil. Die Kollegen aus dem preußischen Teil des Gaues werden dringend gebeten, die Teilnahme ebenfalls zu ermöglichen. Urlaub für diese Zeit ist bei dem zuständigen Schulamt zu erwirken. Die Teilnehmer finden bei der Bevölkerung Unterkunft. Die Gebühren, die sich zusammensetzen aus 10 Mk. für Verpflegung und Bahnfahrt, gehen zu Lasten des betreffenden Kreises. Kollegen, die Musikinstrumente besitzen, werden gebeten, diese mitzubringen. Bis spätestens 10. September sind von den Kreisfachschaftsleitern Namen und Anschrift der Teilnehmer dem Gaufachschaftsleiter, Pg. Schäfer (Offenbach, Hindenburgring 55), zu melden. Fehlbericht (betr. nur den preußischen Teil) erforderlich. Kaulstoß, am Fuß der Herchenhainer Höhe, liegt etwa anderthalb Stunden von der Bahnstation Gedern an der Strecke Frankfurt—Vilbel—Stockheim —Lauterbach entfernt. Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: An ber konkreten Situation eines kleinen Vogelsbergbauern- dorfes mit einer einklassigen Schule sollen die Fra- aen der Landschulreform aufgerollt werden. An den Nachmittagen wird der Versuch der Gesamtdarstellung des Dorfes Kaulstoß geaeben. Die Vormittage gehören der Schule mit anschließenden Besprechungen. Begonnen wird morgens mit Frühsport. Die Abende vereinigen die Teilnehmer zum Teil mit der Bevölkerung, zum Teil dienen sie der Pflege der Musik und des Kameradschaftsgeistes. Außer einem Märchen» abend ist ein kleines Freilichtspiel geplant. In einem leeren Bauernhaus wird für die Dauer der Woche eine Ausstellung der einschlägigen Literatur stattfinden; eingehende Kenntnisnahme ist dadurch gesichert. Belichtung durch entsprechende Behandlung entzogen wurden. Die großen Verbesserungen Daguer- res, welche insbesondere in der Schnelligkeit des ganzen Vorganges beständen, und die Bilder, die er jedermann gezeigt habe, bewiesen genug die Priorität der in Frankreich gemachten Erfindung. Man antwortete also seitens der Akademie auf die Reklamation, daß Daguerre bereits seit mehr als vierzehn Jahren unausgesetzt mit diesen Forschungen beschäftigt sei und Herrn Arago schon seit Jahren unter Vorzeigung von Bildern in seine Untersuchungen eingeweiht habe. Wie Rembrandts „Nachtwache entstand. Das weltberühmte Meisterwerk Rembrandts wurde von ihm für das Zunfthaus der Schützen, die sich nicht des Bogens oder der Armbrust, sondern der Gewehre bedienten, geschaffen worden. Das Schützenhaus, das neuerbaut worden war, sollte einen reichen Bilderschmuck erhalten, und fo erging an eine ganze Reihe von Malern der Auftrag, Porträtgruppen der Schützen zur Ausschmückung des Hauses zu schaffen. Unter diesen Meistern befand sich auch Rembrandt, der damals schon „einer der berühmtesten Maler des Jahrhunderts" genannt wurde. Die von ihm gemalten Schützen stammen alle aus dem zweiten Stadtteil unter den zwanzig Bezirken, in die Amsterdam damals eingeteilt war. Der Hauptmann, der sie anführte, und dessen Gestalt mit der des Leutnants zusammen die Mitte des Bildes darstellt, war Franz Bannig Coua, ein angesehener Mann, der später den Bürgermeisterposten von Amsterdam bekleidete; der Leutnant führte den Namen Wilhelm von Ruytenburch. Der Preis, den den Maler für das Bild erhielt, wird in späteren Urkunden gelegentlich erwähnt; Rembrandts Frau Saskia starb nämlich im Jahre der Vollendung des Werkes (1642) und im Verlaufe der Verhandlungen über den Nachlaß kommt auch der Preis der „Nacht- w°che" zur Sprache. Im Prinzip sollte jeder der sechzehn porträtierten Schützen hundert Gulden beitragen, doch richtete sich der Preis in der Praxis oanach, was für einen Platz der einzelne auf dem 451106 erhielt; diejenigen, die in ganzer Figur abge- bildet wurden, mußten mehr zahlen als die, von denen nur die Gesichter zu sehen waren. Der Preis betrug im Ganzen 1600 Gulden, eine Summe, die im zserbaltnis zu anderen Honoraren Rembrandts ziemlich gering war. b' Landkreis Gietzen. QJ Großen-Linden, 25. Aug. Seit einigen Tagen ist man damit beschäftigt, die Ortsdurch. fahrt der Straße Gießen—Frankfurt in einen dem starken Verkehr entsprechenden Zustand um- zuwandeln. An den Stellen, an denen es möglich ist, die Straße zu verbreitern — so an dem nord, lichen Ausgang — ist man eifrig tätig, den Gefahren einer unübersichtlichen Kurve entgegenzutreten. Vielen Arbeitslosen wird durch den Umbau lohnende Beschäftigung gegeben, ebenso den Landwirten, die Sand und Steine heranbefördern. y. (Staufenberg, 25. August. Heute feierte unsere Mitbürgerin Anna Maria Schmitt, geb. Kern, Witwe des Kriegsoeteranen I. Heinrich Schmitt II., ihren 9 0. Geburtstag. Es ist wunderbar, d'ie große geistige und körperliche Frische an der Jubilarin zu beobachten. In edlem Wetteifer und innerer Verbundenheit haben die hiesige Frauenfchaft und die evangelische Frauenhilfe der hochbetagten Jubilarin an ihrem Ehrentag passende Geschenke überbracht und dabei zwei religiöse Lieder gesungen. A Lumda, 25. Aug. Unser neuer Bürger- meister Eduard Schultheiß wurde jetzt in sein Amt eingefuhrt. Stützvunktleiter Kauß eröffnete die Versammlung, zu der die ganze Gemeinde er- schienen war. Es sprach der frühere Kreisleiter Dr. H a r t h in längeren Ausführungen über Amts- führung und Aufgabe eines nationalsozialistischen Bürgermeisters. Dann ergriff der neue Bürger- meister das Wort. In seiner Ansprache gelobte er, mutig die verantwortungsvolle Aufgabe zu über- nehmen und sie schlicht und gerade im Geiste unseres großen Führers zu meistern. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer, Volk und Gemeinde schloß er seine Ausführungen. Anschließend verbrachten die Versammelten einige gemütliche Stunden als Gäste des Bürgermeisters. ch Lauter, 25. Aug. Dieser Tage weilte eine Wanderbühne in unserem Dorfe. Im Saale von Wirt Hock bereitete sie durch ihre Aufführung den Einwohnern einige genußreiche Abende. — Durch den Herrn Reichsstatthalter wurde unser Stützpunktleiter Hrch. Schmidt IV. zum kom- missarischen Beigeordneten unserer Gemeinde ernannt. Der seitherige Beigeordnete Hrch. Mahr hatte dieses Amt 15 Jahre inne. — Die Dreschmaschine, die seit einigen Wochen in unserem Dorfe weilt, wird diese Woche die Dreschzeit beenden. Der Körnerertrag war zufriedenstellend. — Nachdem unsere Kirche außen soweit renoviert worden ist, solle sie jetzt auch im Innern neuhergerichtet werden. Ein Teil der Kosten soll durch eine Haussammlung gedeckt werden. Kreis Alsfeld. * Maulbach, 26. August. Hier geriet der 25 Dahre alte Knecht Peter Braunroth mit der Hand in die Häckselmaschine. Der bedauernswerte junge Mann erlitt dabei eine schwere Sehnenverletzung, die seine sofortige lieber» führung in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machte. Kreis Schotten. # Vom Vogelsberg, 26. Aug. In Anbe- tracht des günstigen Wetters in diesem Jahre wähnte man, daß der Bestand an Rebhüh- n e r n diesmal sehr gut sei. Dem scheint jedoch nicht so zu fein. Die Zahl der Völker ist in manchen Gemarkungen ziemlich klein. Außerdem trifft man noch ganze Völker an, von denen nur die beiden alten Hühner schußreif sind, während die Jungen noch geraume Zeit der Ruhe bedürfen. Der Hase n b e st a n d ist befriedigend. Preußen. Kreis Wcklar O Wetzlar, 26. Aug. Die diesjährige Kern- obsternte kann als gute Mittelernte be- zeichnet werden. Zum ersten Male seit langer Zeit ist an Aepfeln unb Birnen kaum Schorf zu Ke« merken. Die vielfach durchgeführten Spritzungen haben sich gut bewährt, insbesondere auch bei den Zwetschendäumen. Die Trockenheit hat den Bäumen nicht allzusehr geschadet. Die Qualität des Obstes ist ausgezeichnet. Hinsichtlich des Zeitpunktes der Obsternte hat der Landrat auch in diesem Jahre <£ Bad-Nauheim, 26. Aug. Unser hessi- sches Weltbad stand am Samstag und' heute im Zeichen des 2 8. Provinzial-Feuerwehr- t a g e s. Die Straßen prangten zu Ehren der aus der Provinz Oberhessen zahlreich herbeigeeilten Feuerwehrleute in reichem Flaggenschmuck. Das Straßenbild wurde von den Wehrmännern im blauen Uniformrock und den messingbeschlagenen Helmen beherrscht. Die Tagung nahm ihren Anfang mit einer Abgeordneten-Versammlung m der Turnhalle der Bad-Nauheirner Turnge- meinbe. Provinz-Verbandsführer, Stadtbranddirektor Braubach (Gießen) eröffnete die Versammlung und hieß die Kameraden und Ehrengäste herzlich willkommen. Der 28. Verbandstag, so führte er weiter aus, sei ursprünglich für den 6. bis 8. August festgesetzt worden, habe aber wegen des Ablebens des allverehrten Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls von Hindenburg und wegen der Volksbefragung am 19. August verschoben werden müssen. Die Mitglieder des Provinzialverbandes der Freiwilligen Feuerwehren erblickten in dem verstorbenen Feldmarschall stets das leuchtende Vorbild eiserner Pflichterfüllung und Treue zu Volk und Vaterland, und sie seien bestrebt, allezeit seinem hehren Beispiel nachzueifern. Zum Gedächtnis des großen Toten, sowie zum Andenken an die im letzten Jahre verstorbenen Kameraden der Wehr erhoben sich die Versammelten von den Plätzen. Während das alte Soldatenlied vom guten Kameraden erklang, gedachte die Versammlung in ehrfürchtigem Schweigen der Verstorbenen. In seinen weiteren Ausführungen gab der Pro- vinzial-Verdandsführer Braubach feiner Freude darüber Ausdruck, daß er 156 stimmberechtigte Vertreter der Kreisfeuerwehrverbände der Provinz Oberhessen begrüßen konnte. Die Tatsache, daß der kreis Gießen 25, Kreis Schotten 5, Kreis Bübingen 10, kreis Friedberg 28 unb der Kreis Lauterbach 40 Vertreter. entsandt hatten, dürfe als Beweis dafür angesehen werden, welche Bedeutung die Kameraden dem 28. Provinzialtag in Bad-Nauheim und damit der Feuerwehrsache überhaupt beilegten. Sein weiterer besonderer Gruß galt den Ehrengästen Kreisdirek- tor Dr. Straub (Friedberg), Kreisbirektor B e k - f er (Bübingen), Regierungsrat Schwan (Schotten), Regierungsrat und Standartenführer Lut- t e r (Bad-Nauheim), Beigeordneten Kissel (Bad- Nauheim, Stadtbaumeister M a l k m u s (Alsfeld), Vertreter der dortigen Kreisleitung der NSDAP., Bürgermeister unb Major a. D. Moller (Wöllstein), Branddirektor N o e h l (Mainz), Kreisfeuer- wehrinspektor W e r n h e r (Oppenheim), Kreisfeuer- wehrinspektor Schweighardt (Nieder-Jngel- heim), Kreisfeuerwehrinspektor Kunz (Buchschlag) und nicht zuletzt Kreisfeuerwehrinspektor und Landesverbandsführer K n a u p p (Birkenau). Ebenso herzlich begrüßte der Redner die Vertreter der Presse, die die Feuerwehrsache stets mit besonderem Nachdruck unterstützt habe. Die Taguna sei insofern von besonderer Bedeutung, als sie bie erste größere Zusammenkunft der Feuerwehrleute der Provinz seit Errichtung des Dritten Reiches sei. Der nationalsozialistische Staat habe auch der Feuerwehr die Stellung eingeräumt, bie ihrer Bebeutung für bie Volkswohlfahrt ent- wieder eine Verfügung erlassen, die sich gegen zu frühes Abernten des Obstes wendet. Kreisoostbau- Inspektor Kilp ist angewiesen, den Ortsbürger- meistern den Zeitpunkt der Obstreife ohne Anfrage mitzuteilen. Gemeindeobstversteigerungen dürfen vor diesem Termin nicht stattfinden. spreche. Die Eingliederung in bas Dritte Reich habe bie Feuerwehr besonbers freubig begrüßt, weil sie von jeher bie nationalsozialistischen Grundsätze über Gemeinnutz und Volksgemeinschaft praktisch betätigt habe. 3m neuen Staate stehe die Feuerwehr treu zum Führer Adolf Hitler und gelobe, in seinem Sinne zum Dohle des Ganzen Aufbauarbeit leisten zu wollen. (Lebhafter Beifall.) Kreisdirektor Dr. Straub (Friedberg) dankte dann im Namen des Kreisamtes für die freundlichen Begrüßungsworte und gab der Feuerwehr erneut die Versicherung, daß die staatlichen Behör- den und auch die Parteidienststellen stets die Belange der Feuerwehr nach besten Kräften fördern wollten. Gerade die Feuerwehr, deren Mitglieder sich aus allen Bevölkerungskreisen zusammensetzten, habe stets den Gedanken der echten Volksverbundenheit durch die Tat verwirklicht. Heute, unter einer zielbewußten Regierung, werde sich das Feuerwehrwesen noch viel gedeihlicher entwickeln können, weil manche Hindernisse der früheren Zeit nun fortgefallen seien. Mit den besten Wünschen, auch im Namen der Brandversicherungskammer, für einen erfolgreichen Verlauf der Tagung beendete Kreisdirektor Dr. Straub feine Ausführungen. Im gleichen Sinne sprachen noch Beigeordneter Kissel für die Stadtverwaltung Bad-Nauheim und Major a. D. Moller- Wöllstein, der die Grüße und guten Wünsche der rhein-hessischen Kameraden überbrachte. Provinz-Verbandsführer Braubach dankte allen Rednern und gab in großen Zügen einen Ueberblick über den Geschäftsbericht. Aus feinen Darlegungen ging hervor, daß die Belange der Wehr innerhalb des Provinzialverbandes erfolgreich wahrgenommen wurden und daß die einzelnen Wehren mit Stolz auf ihre Tätigkeit im Dienste des Nächsten auch im verflossenen Jahr zurückblicken können. Branddirektor Fisch- Bad-Nauheim erstattete bann den Rechenschaftsbericht des abgelaufenen Jahres, der ein Bild von der geordneten Finanzlage des Provinzialverbandes gab; dem Rechner wurde einstimmig Entlastung erteilt. Von der Bei- tragsleistung wurden die Ehrenmitglieder und die inaktiven Mitglieder befreit, von den aktiven Kameraden wird auch weiterhin ein Betrag von fünf Pfennig innerhalb der Kreisverbände eingezogen. Ferner wurde in der Vorftandsfitzung am Vormittag beschlossen, den Kreis-Verbänden eine Unterstützung durch den Provinzialverband für Instandhaltung und Ergänzung der Geräte zu gewähren. Die Entscheidung über den Tagungsort des nächsten Provinzialtages, der in drei Jahren fällig ist, wurde verschoben, weil man erst die Weiterentwicklung des Feuerwehrwesens abwarten will. Ferner gab Pro- vinz-Derbandsführer Braubach noch einen An- trag des K r e i s v e r b a n d e s Büdingen auf Fortfall der Entschuldigungen bei Dienstversäumnissen der Hilfswehrleuten bekannt. Der Antrag and in Uebereinftimmung mit den Vorschriften der hessiscken Feuerlösch-Ordnung seine Erledigung. Hin- ichtlich eines weiteren Antrages des Kreisver- bandes Büdingen über die Verwendung von nichtarischen Mitgliedern der Wehr wurde beschlossen, diese wenigen Mitglieder vom Dienste zu beurlauben. Nunmehr sprach der Verleger der Hessischen Feuer- wehrzeitung, Albin Klein- Gießen über die Zusammenarbeit der Feuerwehrverbande auch deni Verlag und über die Frage des Nachwuchses in den einzelnen Wehren. Seine Ausführungen wurden beifällig ausgenommen. Kamerad Kunz hielt dann einen kurzen Vortrag über die Methoden zur schwereren Entflammung von Holz bei Dachböden und Speichern, das er noch durch entsprechende Versuche besonders lebendig gestaltete. Nachdem Elektro-Jnstallateur N o a ck - Friedberg einen neuartigen Apparat für Feueralarm vorge» führt und erläutert hatte, wurden noch verschiedene Fragen aus dem Gebiet des Feuerlöschwesens und der Katastrophenverhütung behandelt. Den Führer- Kameraden wurde u. a. der Besuch von Luftschutz- kursen, sowie die Teilnahme an den Lehrgängen der Feuerwehr-Fachschule in Friedberg empfohlen. Ebenso wurde die Rolwendigkeii einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen den Dehren und der SA. und SS. betont. 3um Schluß dankte Landes-Feuerwehr-Jnspektor K n a u p p - Birkenau für die Einladung zur Tagung und die herzlichen Worte der Begrüßung. Seiner besonderen Freude gab er darüber Ausdruck, daß er der verdienten Kameraden Bernhard Klinkerfuß (Bad-Nauheim), Seif art (Grünberg) und R. Heinrich (Lollar) das Feuerwehr-Ehrenkreuz mit Urkunde überreichen könne; im Namen des Landesverbandes beglückwünschte er sie und bat sie, aucb weiterhin den jungen Kameraden ein leuch- tenbes Vorbild der Pflichterfüllung zu fein. Mit den gleichen Wünschen überreichte er Kamerad Bernhard Krause- Bad-Nauheim das staatliche Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste in der Wehr. Provinz-Verbandsführer Braubach dankte alsdann allen Kameraden und Ehrengästen für ihre Mitarbeit und ihre anerkennenden Worte und schloß die Sitzung mit einem begeistert aufgenommenen „Wehr Heil" auf den Führer Adolf Hitler. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes fand die Tagung ihren Abschluß. Am Abend sand in einem der großen Zelte auf dem herrlich gelegenen Waldfestplatz ein Festkommers statt, dessen Besuch leider durch das Gewitter und den heftigen Regen beeinträchtigt wurde. Nachdem die Wehren vom Gerätehaus aus in stattlichem Fackelzug durch die Straßen der Stadt marschiert waren, vereinigten sich alle Teilnehmer zum Frst- Kommers. Die Musik-Kapelle der Bad-Nauheimer Feuerwehr bot durch ausgezeichnete Vorträge den Festgästen eine angenehme, mit herzlichem Beifall bedankte Unterhaltung. Ebenso beifällig wurden die turnerischen und gymnastischen Darbietungen der Bad-Nauheimer Turner und Turnerinnen unter Turnlehrer Sinnwells erprobter Leitung begrüßt; auch die Vorführungen der Bad-Nau- heimer Radfahrer-Vereinigung begegneten starkem Beifall. ©er Sonntag. Der Sonntag wurde mit einer Ehrung der Gefallenen am Ehrenmal eingeleitet. Von 8 bis 10 Uhr wurde am Gerätebaus ein modernes Schnoidgerät „Erste Hilfe" vorgeführt. In der Zwi- chenzeit wurden die auswärtigen Feuerwehren am Bahnhof empfangen und mit Musik nach ihren Standguartieren geleitet. Von besonderem Interesse waren eine Schulübung der Bad-Nauheimer Wehr in der Trinkkur-Anlage und ein anschließend vorgeführter Brandangriff in der Adolf-Hitler-Straße. Beide Uebungen erbrachten den Beweis von der Schlagkraft und umsichtigen Führung der Bad-Nauheimer Freiwilligen Feuerwehr. Den Höhepunkt der Sonntagsveranstaltungen brachte der große F e st z u g, der am Nachmittag durch die reichbeflaggten Straßen der Stadt geführt wurde. Durch einige Festwagen wurde den 28.provmzial-Feuerwehrtag in IMMWiglWU Roman von Anny von panhuys. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Er trat an den Schreibtisck und betrachtete das gefundene Handtäschchen. Aus hellgrauem Leder war es und schon etwas abgeschabt. Er öffnete es und entnahm ihm ein noch unbenütztes, schneeweißes Taschentuch, eine winzige Geldbörse mit fünfzig Pfennig Inhalt und zuletzt ein Besuchskärtchen, auf dem gedruckt stand: Marielena Harnischfeger, Spillingsgasse. Die Hausnummer war durch einen Tintenfleck unleserlich geworden. Er setzte sich und sagte leise den Namen vor sich hin: Marielena Harnischfeger. Ein klangvoller Name war es, und doch schien es ihm, er paßte nicht zu dem schlanken, herben Mädel mit dem eigenartigen Profil. Aber das war natürlich Unsinn, belächelte er feinen Gedanken. Der Name war hübsch und gefiel ihm, und es war eigentlich auch ganz gleich, wie sie hieß, an die er so viel denken mußte. Er packte die kleinen Gegenstände wieder in das Täschchen zurück und schob es in ein Fach feines Schreibtisches. Dann ging er in das Nebenzimmer und begab sich zur Ruhe. Im Traume fand er sich wieder in den alten Bornheimer Gassen unter nächtlichem Himmel und hörte es Mitternacht schlagen, ein Schrei aus weiblicher Kehle drängte fid) in den zwölften Glockenschlag, und es war, als flüstere es ringsum: Marielena Harnischfeger! Zugleich war ihm ein schlankes Mädel nahe mit gemmenfeinem Profil — glückselig nahe. Er dachte im Traum: Neben mir geht ja die Fürstin Leonore, die der deutsche Meister Hartschuh vor dreihundert Jahren gemalt hat. Er wachte auf unb wußte mit einem Male, an wen ihn das Mädel erinnert. An das berühmte Bild der Fürstin Leonore. Ihr eigenartiges Profil war es, das in dem Profil Marielena Harnischfegers wieder auferstanden war. Das berühmte Bild hing in irgendeiner großen namhaften Galerie, und er kannte es von Reproduktionen, hatte es oft bewundert. Er lächelte nun froh, weil er nun das Rätsel des Profils gelöst hatte. Er frühstückte bann unten im Wohnzimmer mit feiner Mutter, bie schon am Tisch saß. Eine frische, große Frau war sie, bie selbst tüchtig in ber Gärt- nerei mitarbeitete. Sie war bie erste unb fleißigste Arbeiterin bes Betriebes. Sie war heute schon draußen gewesen in dem weiten Garten, hatte Aepfel aufgelesen und Blumen geschnitten, bie auf bem Markt feilgeboten würben. Auch auf dem Frühstückstisch stand eine hohe Vase mit leuchtenden Dahlien, und Frau Westkamp lächelte warm: „Ich hab dich ausschlafen lassen, Bub! Bist ja gestern spät genug heimgekommen. Sollst auch was von deinen Universitätsferien haben." Er biß in ein knuspriges Brötchen. „Wir waren sehr fidel gestern Abend, Muttel! Der Wein war gut — es wurde spät." „Na, so schlimm war's schließlich nicht", widersprach sie. „Wenn dein Vater zum Aeppelwoi ging, wurde es manchmal zwei Uhr und mehr, ehe er den Heimweg fand, unb ein tüchtiger Kerl war er trotzbem. Gott hab ihn selig." Er sah sie ernst an. „Ein Jammer, baß er so früh fort mußte! Aber du bist auch allein gut mit allem fertig geworden, Muttel: mit der Gärtnerei, mit mir halbwüchsigem Rangen unb mit bem Sonstigen. Du hast unser Lebensschiffchen, trotz ber oft hochgehenben, be- brängenben Wogen, zielbewußt unb nie ermübenb zu jeber Zeit gesteuert. Wir sinb nicht reich, nicht einmal wohlhaoenb, aber — so Gott will — bleibt uns ber Grunb unb Boben hier, auf bem schon seit Jahrhunberten unsere Vorfahren saßen, unb kann uns erhalten bleiben, bis ich braußen an ber Haustür bas Schilb befestigen barf: Dr. meb. Detlef Westkamp. Nur ein Stück Garten soll bann zurückbleiben, der zu unserem Haus gehört und daran erinnert, daß Vater und feine Ahnen bis weit zurück Sachsen, Häuser Gärtner gewesen sind. Vater wird es mir im Jenseits vergeben, daß ich kein Gärtner wurde, weil mich mein Herz zur Medizin zieht." In feine grauen Augen trat ein Leuchten. „Ich kann mir keinen schöneren und liebenswerteren Beruf denken, als den bes Arztes. Hab bas wohl von beinern Vater mitbekommen, Muttel — er war Ja ein so guter Arzt." Frau Lotte Westkamp nickte. „Er war ein Arzt, wie es nicht allzuviele gibt, unb wie sie eigentlich alle sein sollten. Einer, ber aus reiner Menschen- unb Nächstenliebe feinen Beruf erfüllte unb beshalb —" Sie brach ab, unb er vollenbete: „Unb beshalb als armer Teufel starb, weil er gelblofe Patienten umsonst behanbelte unb ihnen noch finanziell nach besten Kräften half." Frau Westkamp holte tief Atem. „Er war glücklich so, wie er war. Aber es schabet nichts, wenn bu später wenigstens ein ganz klein bißchen praktischer bächtest." Es klopfte. Ein berbes Mäbel mit rotbraunem Gesicht unb fettigem Blonbhaar melbete: „Der Herr Dinges ist bo — bärf er net in die Stubb?" Hinter ihr schob sich schon die kleine, breite Ge- statt von Detlefs bestem Freund vor. Karl Eberhard Dinges, stud. meb., im sechsten Semester wie West- kamp, war ein wohlhaoenber Bauernsohn aus Amorbach im Obemvalb. Er grüßte unb strahlte über bas ganze Gesicht. „Vater hat bepeschiert, ich soll bich mitbringen, Detlef! Also mach mir bie Freube —- begleite mich für eine Woche ober länger. Komm mit nach Amorbach! Erstens ift's ne famose Rabtour, zweitens lernst bu mal ne anbere Gegenb kennen unb —" Frau Westkamp nickte. „Nimm bie Einlabung an, Bub! Ich kann bich jetzt ein Weilchen entbehren — unb bir tut Ab- wechslung gut." Also brachte Detlef Westkamp sein Rab für bie weite Fahrt in Drbnung, unb mit bem Rucksack auf dem Rücken fuhren die beiden jungen Leute los. Aber am sechsten Tage war Detlef schon wieder zurück, mit blassem und traurigem Gesicht, als hätte er Böses erlebt. Seine Mutter saß allein im Wohnzimmer. Sie rechnete, als er eintrat, unb sah ihn erschrocken an. „Bub, was fehlt bir? Man könnt meinen, bu wärst schwerkrank" Er versuchte zu lächeln, aber es langte nur zu einem kümmerlichen Verziehen bes Munbes. „Bub! Detlef!" Sie war aufgesprungen unb ftanb nun bicht vor ihm. „Rebe boch enblich — bie Angst liegt mir ja schon wie eine Zentnerlast auf ber Brust. Was ist benn geschehen — um Gottes willen?!" Er bemerkte, wie es um ihre Munbwinkel zuckte, sah, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten. Er mußte benken, wie unmännlich es boch von ihm war, feine geliebte Mutter zu erschrecken, weil ein Erlebnis sein Herz oerwunbet, bas bie meisten Menschen wahrscheinlich nicht einmal als Erlebnis einschätzten. Er log: „Ich bin nur mübe von ber Strampelei auf bem Rab, Muttel! Aber mir fehlt sonst nichts — gar nichts. Beruhige bich!" Charlotte Westkamp strich ihr bunkles, leicht ergrautes Haar zurück, legte ihm bie Rechte auf bie Schulter. „Seit wann belügt mich mein Bub? Solltest aufrichtig unb wahr zu beiner Mutter fein!" Sie setzte sich auf ben nächsten Stuhl, unb ba brach bie hohe Gestatt bes Sohnes, wie von unsichtbarer starker Hanb niebergeriffen, vor ihr in bie Knie, unb er brückte seinen Kops in ihren Schoß, wie er es so oft getan als Junge, wenn ihn ein Schmerz zu sehr gequält — als ber Vater gestorben, unb als ein böser Nachbar ihm feinen kleinen Dackel erschossen. Frau Westkamp legte ihm sanft die Hand auf bas Haar, bas so blonb war wie bas seines verstorbenen Vaters. „Armer Bub!" Er hob das Gesicht unb sagte leise: „Mir ist eigentlich gar nichts geschehen, Muttel, unb jeber nüchtern benfenbe Mensch würbe mich auslachen." Er richtete sich auf. „Ich trauere einem Mädel nach, das ich nur ein einziges Mal in meinem Leben sah, mit dem ich kaum ein Viertelstündchen gesprochen habe." Er machte ein paar Schritte durch das Zimmer. „Uederspannt ift’s wohl, was ich dir jetzt erzählen will, Muttel! Aber ich kann nichts dafür, gepackt hat es mich, als hätte ich ein Mädel verloren, das ich feit Jahren liebe, und mit dem ich dicht vor ber Hochzeit geftanben, unb bas bann ganz jäh gestorben wäre." Seine Mutter sprach nicht, sie blickte ihn nur stumm fragenb an. Er lächelte trübe unb erzählte von seiner Begegnung mit bem Mäbchen auf nachtstiller Vorortstraße, fuhr fort: „Gestern mittag las ich bei Karl Eberharbs Ettern eine Frankfurter Zeitung unb fanb barin etwas, was mich so ergriff, baß ich es nicht mehr ertragen konnte in bem frohen Bauernheim, baß ich hierher zurück floh, ohne klar zu wissen, was ich hier wollte." Er entnahm seiner Brieftasche einen Zeitungsausschnitt, reichte ihn ber Mutter. Charlotte Westkamps Augen fanben eine breit umrartbete Traueranzeige, unb sie las*: Wir sagen allen, bie unserer geliebten, einzigen, viel zu früh verschiebenen Tochter Marielena bie letzte Ehre erwiesen, herzlichen Dank. Die tiefgebeugten Eltern: Josef Harnischfeger unb Frau. Bornheim, Spillingsgasse. Sie las noch bas Datum vom Tag zuvor und gab den Ausschnitt zurück. „Laß gut sein, Bub! Ich verstehe dich — aber glaube mir, deine Phantasie läßt dich alles viel stärker empfinden. Du kennst ja das Mädel gar nicht. Wenn du dich ein paarmal mit ihr getroffen unb sie ein bißchen besser tennengelernt hättest, wärest bu ihrer vielleicht sogar schon überbrüffig geworben. Verrenne bich nicht in Einbilbungen, Detlef, es paßt nicht zu bir. Denk an bas Mäbel zurück wie an eine Traumgeftalt." Sie hotte tief Atem. „Hab ich mich über bein Aussehen erschreckt, Bub! Ich bin nur froh, baß nichts Schlimmeres geschehen ist." Er zuckte bie Achseln. „Du kannst mich boch nicht verstehen, Muttel! Schau, es ist ja so fonberbar: ba begegnete ich einem Mäbel, bas mich gleich interessierte, ohne mir barüber klar zu sein, baß ich sie auf ben ersten Blick liebte. Unb jetzt, nun ich weiß, ich werbe sie nie wiebersehen im Leben, tut mir bas Herz weh, weil ich fühle, sie war mir bestimmt. Sie wäre bie Frau gewesen, bie mir bas ganz große Glück geschenkt hätte, wenn —" Er bebte vom Kops bis zu ben Füßen, als er rauh hervorstieß: „Wenn bas Schicksal nicht so erbarmungslos gewesen, so hart! Henkersarbeit hat es getan!" 1 (Fortsetzung folgt.) Zuschauern die gesamte Entwicklung des Feuerlöschwesens und der Feuerwehr eindrucksvoll vor Augen ^Auf"dem Festplatz entwickelte sich alsbald nach den Begrüßungsansprachen reges festliches Treiben, das den Charakter eines echten Volksfestes trug. So war der 28. Provinz-Feuerwehrtag in Vad- Nauheim der Ausdruck enger Verbundenheit zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und der Bevölkerung- er gab ein eindrucksvolles Bild von der Leistungsfähigkeit und den Zielen der Wehr und war darüber hinaus eine machtvolle Kundgebung wahrhafter Volksgemeinschaft. Die Einheitsbetveriung der Grundstücke nach dem Stande vom l.Zanuar 1935. Von Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Or. Brönner, Berlin. wieder berücksichtigt werden. Besondere Schadens- gefahren, wie Hochwasser- oder Erschutterungsscha- den, die bei den übrigen Gebäuden dieser Art und dem betreffenden Ortsteil nicht vorliegen, sind ebenfalls anzugeben. Die Schäden und ihre sichtbaren Wirkungen, z. B. Risse sind genau zu bezeichnen und die zur Beseitigung aufgewendeten Kosten nach- Die besonderen Umstande und Schadensgefahren sind nicht in der Hausliste selbst, sondern unter Be- merkungen in der A n l a g e zur H a u s l i st e anzugeben. Diese Anlage ist nicht, wie die Hausliste, an die Gemeindebehörde, sondern an das für das Grundstück zuständige Finanzamt bis zum 30. Oktober 1934 einzusenden. Die Anlage zur Hausliste enthält eine große Reihe von Fragen über das Grundstück. Sie beziehen sich auf die Art des Grundstückes, ben: GebSudebestand am 10. Oktober 1934, Baujahr, Baubeschreibung, besondere Einrichtungen, Verbesse« rungen und größere Instandsetzungen in den letzten vier Jahren, Gesamtfläche, bebaute Fläche, Fne- densfeuerkassenwert, Rechte, hypothekarische Be- lastungen sowie sonstige Lasten und Beschränkungen. Die hausliste als Steuererklärung. Die Hausliste und die Anlage gelten als Steuererklärung im Sinne der Reichsabgabenordnung. Ihre Abgabe kann daher durch Geldstrafen erzwungen werden; dnrichtige und unvollständige Angaben sind strafbar. In den Gemeinden, die von der Durchführung der Personenstands- und Betriebsaufnahme 1934 befreit sind, werden von allen Hauseigentümern statt der Hausliste besondere Mietnachweisungen gefordert, die entsprechende Fragen enthalten. Die neue Einheitsbewertung der Grundstücke nach dem Stande vom 1. Januar 1935 wird bereits in nächster Zeit durch die Ausfüllung der Hauslisten gelegentlich der diesjährigen Personenstands- und Betriebsaufnahme vorbereitet. Nach einer Anordnung des Reichsfinanzministers sollen in den Hauslisten, die von den Hauseigentümern nach dem Stande vom 10. Oktober 1934 aufzustellen sind, besondere Angaben über die Wohn- und Betriebsräume des Hauses gemacht werden Der Steuerpflichtige erspart auf diese Weise die Ausfüllung des besonderen „Anhang Gr" bei der Abgabe der Vermögenserklärung, die 1931 verlangt wurde. Die neuen Einheitswerte der Grundstücke werden für die Zeit vom 1. Januar 1936 bis zum 31. Dezember 1938 gelten. Neben der Vermögenssteuer werden sie von dem genannten Zeitpunkt an auch für die Grundsteuern aller Länder und Gemeinden maßgebend sein. Die Hauslisten enthalten zur Beantwortung der Fragen über die Wohn- und Betriebsräume besondere Spalten. Die Fragen beziehen sich, wie 1931, auf die Höhe der Jahresrohmiete, da die Grundstücke wieder regelmäßig mit einem Vielfachen der reinen Jahresrohmiete bewertet werden sollen. Die maßgebende Iahresrohmiele. Als I a h r e s r o h m i e t e ist die Miete maßgebend, die vom Mieter für das Kalenderjahr 1935 nach dem am 10. Oktober 1934 geltenden Vertrag oder nach den gesetzlichen Bestimmungen zu entrichten ist. Maßgebend ist die Miete, die nach dem Vertrag gezahlt werden soll (Sollmiete). M i e t - ausfälle, die für 1935 vom Eigentümer erwartet oder als möglich angesehen werden, sind hierbei außer Betracht zu lassen, insbesondere dürfen auch gestundete oder niedergeschlagene Haus- zinssteuerbeträge nicht abgezogen werden. Weiß der Hauseigentümer bei der Abgabe der Hausliste bereits, daß sich die I a h r e s r o h m i e t e mit Wirkung vom 1. Januar 1935 oder von einem früheren Zeitpunkt ab ändern wird, so ist außer der am 10. Oktober 1934 geltenden Jahresrohmiete auch die neue Jahresrohmiete (eingeklammert) einzutragen. Werden nach dem 10. Oktober 1934 Miet- anderungen vereinbart, so ist dies dem Finanzamt unverzüglich mitzuteilen. Mietänderungen, die erst nach dem 1. Januar 1935 (z. B. am 1. Februar oder 1. April 1935) wirksam werden, sind — im Gegensatz zu der Einheitsbewertung 1931 — jedoch nicht zu berücksichtigen oder mitzuteilen. Vielmehr ist in diesem Falle die Jahresrohmiete für das Kalenderjahr 1935 nach dem Stand vom 10. Oktober 1934 in die Hausliste einzusetzen. Auch am 10. Oktober leerstehende und zur Zeit ungenutzte Räume sind aufzuführen. Sind die Räume mit Wirkung vom 1. Jan. 1935 oder einem früheren Zeitpunkt ab vermietet, so sind die Spalten nach dem neuen Mietvertrag auszufüllen. Erfolgt die Vermietung nach dem 10. Oktober, so ist dem Finanzamt unverzüglich Mitteilung zu machen. Vermietungen für die Zeit nach dem 1. Januar 1935 bleiben jedoch auch hier unberücksichtigt. Die Miete für die vom Hauseigentümer selbst, dem Pförtner usw. genutzten Räume ist zu schätzen. Das gleiche gilt, wenn die lieber- lassung des Grundstücks oder von Räumen an einen anderen unentgeltlich oder wegen der verwandtschaftlichen oder wirtschaftlichen Beziehungen oder mit Rücksicht auf ein Dienstverhältnis zu einen um 20 v. H. hinter dem üblichen Mietzins zurück- bleibenden Entgelt geschieht. Auch für leerstehende, zur Zeit ungenutzte oder nur zu vorübergehendem Gebrauch überlassene Räume ist die Miete zu schätzen; regelmäßig ist die ortsübliche Miete für gleichartige oder ähnliche Räume zugrunde zu legen. Die tatsächlich entrichtete Miete ist in den genannten Fällen gegebenenfalls in Klammern anzugeben. Die Schätzung der Jahresrohmiete für eigen- gewerblich genutzte Grund st ücke und Räume bereitet in der Praxis häufig Schwierigkeiten. Sind geeignete Vergleichsobiekte vorhanden, die vermietet sind, so läßt sich ein Mietsatz für den Quadratmeter schätzungsweise ermitteln. Im allgemeinen werden die maßgebenden Jahresrohmieten von den letzten Einheitsbewertungen her bereits bekannt sein. Sie sind gegebenenfalls entsprechend den heutigen Verhältnissen zu berichtigen. Soweit die Ermittlung der Jahresrohmieten bei gewerblich genutzten Gebäuden besonderen Schwierigkeiten begegnet, kann auch der gemeine Wert als Anhaltspunkt herangezogen werden. Als gemeiner Wert sind nach früherer Anweisung des Reichsfinanzministers die tatsächlichen Herstellungskosten abzüglich einer etwaigen lieber- teuerung, die infolge des seit dem Baujahr eingetretenen Rückganges des Bauindex in Erscheinung tritt, sowie abzüglich der erforderlichen Absetzungen für Abnutzung des Gebäudes anzunehmen. Allgemein wird bei der Schätzung der Iahres- rohmiete für eigen-gewerblich genutzte Grundstücke und Grundftücksteile eine geringere Ja h r e s - r o h m i e t e anzusetzen sein, wenn das Grundstuck bzw. der Grundstücksteil infolge ungenügender Nutzbarkeit oder Unrentabilität nur einen entsprechend niedrigeren Mietwert besitzt. Es wird gegebenenfalls geltend gemacht werden müssen, daß auch bei einer Vermietung eine höhere Rohmiete nicht erzielbar wäre. . In der Hausliste sind die Angaben für leben einzelnen Mietfall, also für jede feld- tändige Einzelwohnung bzw. jeden Einzelbetrieb für sich zu machen. Haushaltungen und Betriebe sind getrennt zu behandeln. Ist z. B. ein Laden mit dazugehöriger Wohnung vermietet, so gehören die Angaben über die Jahres- rohmiete für die Wohnung in Abteilung I (Haushaltungen), die Angaben über die Jahresrohmiete für den Laden, in dem ein Gewerbebetrieb ausgeübt wird, in Abteilung II (Betriebe) der Hausliste. Räume, die an einen Angehörigen eines freien Berufes, z. B. an einen Arzt, Rechtsanwalt, ausschließlich oder überwiegend zur Ausübung seines freien Berufes vermietet find, find in Abteilung II (Betriebe) der Hausliste aufzuführen. Sind derartige Räume dagegen an einen Rechtsanwalt, Arzt als Wohnung vermietet, in der diese Mieter gleichzeitig ihre Praxis ausüben, so sind sie ganz als Wohnung zu bezeichnen und demgemäß in Abteilung I (Haushaltungen) der Hausliste aufzunehmen. Die Feststellung der reinen Iahresrohmiele. Bei der Bewertung wird die reine Jahres- miete (Spalte 8) zugrunde gelegt, die aus der Gesamtjahresrohmiete ermittelt wird. Zu diesem Zwecke wird die Gesamtjahresrohmiete (Sp. 5) um die umlegungsfähigen Grundsteuerbeträge (Sp. 6a), sowie die Vergütungen für Zentralheizung, Warmwasserversorgung und Fahrstuhl (Spalte 6b) verhindert, anderseits um die etwa sonst vom Mieter übernommenen Verpflichtungen (Spalte 7) erhöht. Anzugeben ist aus diesem Grunde zunächst die Ge- samtjahresrohmiete für die einzelnen Wohnungen und den einzelnen Betrieb. In die nächste Spalte sind die auf die Mieter umlegungsfähigen Grundsteuerbeträge, sowie Vergütungen für Zentralheizung usw. einzutragen. Die letzterwähnten Vergütungen beziehen sich jedoch nur auf die eigentlichen Betriebskosten. Es sind also von dem Fahrstuhl lediglich die Kosten für Strom, für die Warmwasserversorgung und Zentralheizung lediglich die Kosten für das Heizmaterial, dagegen nicht eine Amortisationsquote für die neue Anlage eines Fahrstuhls oder einer Zentralheizung auszuscheiden. Die nächste Spalte soll die vom Mieter übernommenen Verpflichtungen für Schönheitsreparaturen, nicht-umle- gungsfähigen Steuern usw. enthalten, die zuzurechnen sind. Berücksichtigung besonderer Umstände. — Anlage zur hausliste. Auch bei der neuen Grundstückseinheitsbewertung werden besondere Umstände hinsichtlich des baulichen Zustandes, des Alters ober der Einrichtung des Gebäudes, der Belastung mit Gebäudeentschuldungssteuer (Hauszinssteuer), der Lage ober ber Art ber Bebauung (z. B. Fachwerkbau, wo Massivbau gemeinnützlich ist, ober umgekehrt, Zugehörigkeit größerer unbebauter Flächen, wo solche Flächen normalerweise fehlen), bie von ben bei Grundstücken biefer Art unb Gegend üblichen Verhältnissen wesentlich abweichen. Wirischast. Industrie- und Handelskammern unter Aufsicht des Neichswirtschasts- ministers. Im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren hat ber Reichswirtschaftsminister verordnet, daß die Industrie- und Handelskammern der Aufsicht des Reichswirtschaftsministers unterstellt sind. Die Industrie- und Handelskammern, ihre Zweigstellen und öffentlich-rechtlichen Zusammenschlüsse werden nach dem Führergrundsatz geleitet. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden vom Reichswirtschaftsminister ernannt und abberufen. Der Vorsitzende bildet mit seinen Stellvertretern den Vorstand der Kammer. Zur Beratung und Unterstützung des Vorsitzenden unb bes Vorstanbes wirb ein Beirat gebilbet, besten Mitglieder von bem Vorsitzenben berufen unb vom Reichswirtschaftsminister bestätigt werben. Die gleichen Bestimmungen gelten sinngemäß für bie erwähnten öffentlich- rechtlichen Zusammenschlüsse. Diese Verordnung ist mit ihrer Verkünbung in Kraft getreten. Die Lan- besgesetze über bie Jnbustrie- unb Handelskammern treten insoweit außer Kraft, als sie ber Berard- nung entgegenstehen. Landesbauernschaft Hessen-Nassau. Anordnung. Aus Grund ber 2. Verordnung über die Regelung des Eiermarktes vom 3. Mai 1934 setze ich die E r • zeuger-Minde st preise für Eier mit Wirkung vom 23. August 1934 folgendermaßen fest: für das Gebiet der Landesbauernschaft Kurhessen sowie für den Bezirk 0 b e r t) e f f e n je kg auf 1,15 RM. für die übrigen Gebiete des Wirtschaftsbezirks Hessen je kg auf 1,20 RM. Der Bezirksbeauftrage des Reichskommissars für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft. Gez.: Patry. Neugliederung des gewerblichen Genossenschaftswesens Das Gaupres-seamt teilt mit: Am 6. August 1934 fand beim Reichs st and des deutschen Handwerks eine Besprechung mit den maßgeben, ben Vertretern ber Zentralstellen ber Handwerkergenossenschaften statt, in der die Frage der Neugliederung des gewerblichen Genossenschaftswesens erörtert wurde. Es wurde bekanntgegeben, daß der Reichsstand des deutschen Handwerks im Zuge der Neugliederung seinem Genossenschaftsreferat einen organisatorischen Unterbau geben wird. Die Handwerkergenossenschaften werden zu einer „Hauptgruppe Genossenschaften beim Reichs st and des deutschen Handwerks" zusammenge- faßt. Unter Führung dieser Stelle wird auch bie gesetzliche Revision vorgenommen werden. Die Hauptgruppe zerfällt in die drei Abteilungen Warengenossenschaften, Baugenossenschaften unb Lieferungsgenossenschaften. Die mit Waren handelnden Genossenschaften bilben gleichzeitig eine felbftänbige Untergruppe beim Reichsführer bes Handels mit Ausnahme der Einkaufsgenossenschaften der Bäcker, Fleischer und Konditoren, für welche die Querverbindung zum Reichsnährstand hergestellt wird. Die Führung der „Hauptgruppe Genossenschaften beim Reichsstand des deutschen Handwerks" wird ber Reichshanbwerksführer übernehmen. Die wirtschaftspolitische Betreuung wird bem Genossen- schastsreferat bes Reichsstandes übertragen werden, das bereits bei ben Vorgängern des Reichsstandes — Reichsverband des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag — bestanden hat. Es wird ferner ein Führerrat gebildet werden, dessen Zusam- mensetzung ber Reichshanbwerksführer noch bestimmen wirb'. Ziel ber Neuglieberung ist einerseits bie Intensivierung ber Revision daburch, baß die Re- visoren ständig die gleichen Fachgruppen revidieren. Für die Genossenschaften des Handels und die Kreditgenossenschaften erfolgt die Regelung durch die entsprechenden Hauptgruppen der Wirtschaft. Frankfurter Börse. TNitlagsbörse fester. Frankfurt a. M., 25. Aug. Die Samstags» börfe war unverkennbar lebhafter und freundlich. Der Börsenausfall an anderen Plätzen brachte hier größere Umsätze, vor allem ging auch die Banken- kundschaft mit Auswahl von guten Papieren stärker in das Geschäft. Farben blieben bei 146,50 etwa behauptet, Gold» schrnidt lagen 0,40, Rütgers 0,25 v. H. hoher. Metallgesellschaft gut gehalten. Arn Elektromarkt waren Rheag beachtet und zunächst 2 v. H. höher taxiert. Schuckert behauptet, Siemens 1,50, Felten 0,25 v. H. freundlicher, Gesfürel behauptet. Montanwerte zogen durchweg 0,25 bis 0,40 v. H an, lebhafter lagen wieder Ilse Stamm und Ilse Ge- nuy-Scheine. Buderus bei noch größeren Umsätzen Am 1J2. September trifft man sich in Frankfurt am Alain beim Gebietsaufmarsch der HI. HI. marschiert — f)3. stellt aus HI. treibt Sport — HI. spielt am 1J 2. September in Frankfurt a.Al. nach der vorangegangenen Steigerung 0,75 v. H. leichter. Don Schiffahrtswerten Hapag 0,50 v. H. gebessert. Im einzelnen Waldhof behauptet, Aschaffenburger 0,50, AKU. 0,13, Verkehrswesen 0,50, Reichsbahn-VA. 0,13 fester. Junghans verloren 0,50 v. H., eine Dividende wird für oas abgelaufene Jahr noch nicht verteilt, das Geschäftsergebnis und die Beschäftigung ist besser. Daimler etwa behauptet. Eine Sonderbewegung hatten weiterhin Westdeutsche Kaufhofsaktien, die auf Grund der Bilanzvorlage beim Umsatz von über 50 000 Mark um 1 v. H. auf 27,75 anzogen, dann aber wieder auf 27,25 v. H. nachgaben. Im Freiverkehr horte man Adlerwerke 39,50, Growag 60. Der Rentenmarkt lag stimmungsmäßig freundlicher. Späte Schuldbücher 94,65, Altbesitz 95,65. Reichsmarkobligationen 0,25 bis 0,75 v. H. höher. Stahlvereinsobliga- tionen gewannen 0,25 v. H. Variable Auslandrenten ohne Bewegung. Im Verlaufe blieb die Grundstimmung fest bei Kursbesserungen von nochmals 0,25 bis 0,50 v. H. bei verschiedenen Großwerten. Waldhof wurden mit 48, Aschaffenburger Zellstoff mit 66, also 1 v. H. niedriger, festgesetzt. Von Einheitswerten waren Eßlinger Maschinen und Konservenbraun 2 v. H. hoher. Am Rentenmarkt bestand Kaufinteresse, wobei man mit Spannung die Rede des Reichsbankpräsidenten auf der Leipziger Messe erwartet. Pfandbriefe und Kommunalobligationen zumeist 0,25 v. H. freundlicher, Frankf. Hyv. Liqui. 0,50 v. H. schwächer. Stadtanleihen ohne Anregung. Die Börse schloß gut behauptet. Tagesgeld 3 v. H. ivrnitfinrtc ~ 1 v c morft Frankfurt a. M., 27. August. Vorbericht. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1405 Rinder (437 Ochsen, 110 Bullen, 402 Kühe, 449 Färsen), 468 Kälber, 59 Schafe, 4115 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 23 bis 35 Mark, Bullen 23 bis 31, Kühe 12 bis 31, Färsen (Kalbinnen) 23 bis 34, Kälber 25 bis 44, Hümmel 30 bis 36, Schafe 20 bis 22, Schweine al) fette Speckschweine über 350 Pfund Lebendgewicht 51 bis 53, sonstige 40 bis 53 Mark. — Marktverlauf: Rinder ruhig, Kälber, Hümmel, Schafe und Schweine mittelmüßig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Relchsbankdiskoni 4 o H Lombardzinsfuß 5 o. H. Datum 0,95 35 26 146,65 147 o 0 90 89,75 89,5 I 68,51 104 I 127,5| 70,4 68,75 -a.ii.e. 89.75 89,5 90,4 89,9 90 90,5 93 93 93 93 47 27 27,75 ',25 9.13 25,25 183 Die hinler Den Papieren angeführten Ziffern beschloßenen Dividende an i, 24- 65,75 68,5 90,5 56,75 24,75 206 169,5 130 89,5 39,25 84,5 ü 0 0 0 0 85,4 115,5 61,75 107,5 70,5 104 '27,5 26,9 202 173 130 Schluß- rüTfl Schuckert & (Io Siemens & Halske Babmeoei S Lo 132 76,5 68,75 88,65 146,25 117,5 26,4 144,5 105 113 70,4 109 63,75 68,5 48,4 67 93 101,4 26,5 143,5 '00,25 113,5 70.75 109,5 101,5 90 145 118 85,4 115 61 108 72 170,5 131,75 76,13 8.65 174 '32,5 76 68,9 85,75 115,5 61 106 26,25 '43,5 >00,5 114 71 65 109,13 101 89,75 146,5 119.25 30,75 70 90,5 56,75 89.25 145,75 118 26,13 26 30,75 70 91 56,75 65,25 68 155,9 146,75 224 90,25 39 85 113,25 63,4 J8,75 48,25 66,75 125 47 55.25 79 24,5 205,75 170,5 129 93 101,4 93 101,4 65,25 68 155.5 26 25,25 114,5 63,75 69 48,25 67,25 124,75 47,4 58,75 80,5 26,25 203 173 129 93 101,4 85,9 115 61,13 107,5 72,13 170.75 132 76 90,25 39 85.25 Dresdner Bank . Reichebant 26 144,75 105 112,25 70,5 109,75 64,75 68 155,9 48,5 245,5 90,4 al ,25 14 126,5 >26,5 199 146,75 224 89,25 39,13 84 48,25 240,5 89,5 41 14 124,25 125 159 24-8 78 •0,25 67 91,25 56,25 7,05 9,9 7 9,13 47.25 58,5 Buderae Deutsche Erdöl BeHenftidwea harpener Hoesch Essen—Köln-Neu essen 3Ue Bergbau Jlje Bergbau «Lenüsse Klücknerwerke turs