Freitag, 25. Mai 1934 Nr. U9 Lrster Blatt 184. Jahrgang Gietzener Anzeiger die Abrüstungsfrage solange z u ,v erfolgen, bis der Völkerbundsrat die Zeit für die Einberufung einer neuen großen Abrüstungskonferenz wieder für gekommen erachten 'werde. Auch englischerseits wurde man nichts unternehmen, um eine Fortsetzung der jetzigen Abrüstungskonferenz zu bewerkstelligen. Die Korrespondentin gibt auch Aufschlüsse über den englischen Vorschlag zu einem Luftab- rüstungsabkommen, er sei längere Zeit von Der Locarno-Pakt ist seinerzeit geschlossen worden, um Frankreich ein gewichtiges Sicherheitspfand in die Hand zu drücken. Doch Paris hat es verstanden, diesen Pakt durch seine enorme Aufrüstung sehr rasch zu entwerten, weil es damit zum Ausdruck brachte, daß es zu seinen militärischen Machtmitteln ein wesentlich größeres Z ut r a u e n habe als zu der feierlich ausgesprochenen italienischen und englischen Bereitschaft, es sofort zu unterstützen, falls seine Ostgrenze und damit seine Sicherheit irgendwie angetastet oder gefährdet werden sollte. Inzwischen hat sich nun bei den Garantiemächten, also Großbritannien und Italien, eine zunehmende Locarno- Müdigkeit bemerkbar gemacht. Denn in beiden Staaten ist man zu ber Erkenntnis gekommen, daß dieser Vertrag völlig entwertet wird, wenn Frankreich an seinem Aufrüstungstempo festhält und seinen Rüstungen Spitzen gibt, die nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen den englischen und italienischen Nachbarn gerichtet sind. Trotzdem haben sich die Regierungen in London und Rom bemüht, dem französischen Sicherheitsbedürfnis noch weiter entgegenzukommen, haben aber damit wegen der unerfüllbaren französischen Bedingungen Schiffbruch erlitten. Wie die Stimmung bei den Garantiemächten heute ist, geht wohl am besten aus einem Vortrag des Direktors der „Tribuna", Senator Davan- z a t i, hervor, den er vor einem ausgewählten Kreis in Brüssel hielt. Davanzati übte an den Genfer Methoden Kritik und warf dem Völkerbund insbesondere vor, daß er in der Vergangenheit fast ausschließlich ein Instrument von den zuständigen französischen militärischen Stellen geprüft worden, man halte ihn jedoch in französischen Regierungskreisen für kaum annehmbar. Nach dem englischen Vorschlag hatten die Hauptmächte die Verpflichtung übernehmen sollen, sich jedes F l u g z e u g b o m b a r d e m e n t s außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu enthalten, ohne daß jedoch die für den Jnlands- verbrauch bestimmte Flugzeugherstellung einge- schränkt worden wäre. Versailles gewesen sei. Es sei eine Tatsache, daß die Siegerstaaten weder zu Lande, noch zu Wasser, noch in der Luft abgerüstet hätten. Darum habe Mussolini erklärt, daß man Deutschland eine gewisse Aufrüstung zugestehen müsse. Wenn jetzt ein Avkommen auf dieser Grundlage nicht zustandekomme, so werde sich Deutschland als von jeglicher Verpflichtung entbunden ansehen und werde sich der Fesseln für seine Rüstungsverstärkung entledigen. Die Sicherheitsgarantien, die Frankreich fordere, könnten nur dann gewährt werden, wenn ein internationales Rüstungsabkommen zustande komme. Im anderen Falle müßten Endland und Italien sich die Frage vorlegen, ob sie die Sicherheitsgarantien, die sie im Locarno- vertrag übernommen hätten, noch weiter gewähren könnten. Senator Davanzati hat ganz gewiß nicht seinö private Meinung zum Besten gegeben. Infolgedessen kommt seiner Äeußerung besondere Bedeutung zu. Sie zeigt, daß die irrsinnige Aufrüstung Frankreichs das Gebäude des Locarnopaktes erschüttert hat und daß es durch Frankreichs Schuld nicht mehr als eine Bastion des Friedens angesprochen werden kann. Die Rede des Italieners dürfte ihren Eindruck gerade auf die belgischen Zuhörer nicht verfehlt haben, denn es ist bekannt, daß die belgische Außenpolitik in den Locarnoverträgen einen Grundpfeiler der Sicherheit Belgiens erblickt. „La Nation Belge" schreibt, diese Erklärungen des italienischen Senators seien eine Warnung, deren Ernst man nicht noch besonders zu unterstreichen brauche. Die Schweiz lehnt einen Eintritt Rußlands in den Völkerbund entschieden ab. Furcht vor der bolschewistischen Propaganda. beilsschlacht in den Veschäfkiglenziffera zum Ausdruck. Die Arbeilslosenzahl ist vom Jahresbeginn bis Ende April um 1 450 000 gesunken, die Veschäftigtenziffer hingegegen um 2 0 3 9 0 0 0 gestiegen. 3n keinem Jahre, auch nicht in dem konjunkturgünstigen Jahr 1929, ist die Beschäftigtenziffer in den er st en vier Monaten des Jahres in einem derartigen Umfange gestiegen wie im Jahre 1934. Die Zunahme der Veschäftigtenziffer war besonders groß im März (plus 720 000) und im April (plus 639 000), in dem die Arbeitslosenzahl um 574 000 und 190 000 gefallen ist. Insgesamt ist die Veschäftigtenziffer in diesen beiden Monaten u m 595000 mehr gc(Hegen als die Arbeitslosenziffer zurückgegangen ist. Oie Fahne der Deutschen Arbeitsfront Berlin, 24. Mai. (DNB.) Das Propaganda- und Presseamt der Deutschen Arbeitsfront gibt bekannt: Berechtigt, die Fahne der DAF. mit Spitze und Metallfchild ZU führen, sind bis auf weiteres spricht das den inneren Anlagen der beiden Völker. Die Ziele, an die sie beide zu gelangen hoffen, dürften nicht weit von einander entfernt liegen. Oie Zahl der Beschäftigten hat im April um 640000 zugenommen. Berlin, 24. Mai. (DRV.) Nach den neuesten Ergebnissen der von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bearbeiteten Krankenkassenmitgliederstatistik hat die Beschäftigtenzahl im April um rund 640 000 zugenommen. Damit ist ein Beschäftigtenstand von 15 326 000 erreicht, der um 2 628 000 über der Vorjahrsziffer vom gleichen Stichtage und von 3 839 000 über dem Tiefstand der Beschäftigung im Januar 1933 liegt Deutlicher noch als in der Entwicklung der Arbeitslosenzahl kommt der große Erfolg der Mr- So n b o n, 25. Mai. (DNB.-Funkbericht.) Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l b" veröffentlicht einen Aufsatz seines in Deutschlanb weilenben biplo- matischen Korresponbenten W. N. Ewer, ber beachtenswert ist, weil er sich in einem Blatt findet, bas seit 16 Monaten einen ununterbrochenen Kampf gegen bas neue Deutschlanb führt. Gegenstand) bes Aufsatzes bildet bie Frage ber beutschen Rüstungen unb bes sogenannten „politischen Militarismus". Der Verfasser hält es für unzweifelhaft, baß Deutschlanb aufrüste, glaubt aber, baß die Rüstungen unge- ähr den Richtlinien der britischen )enkschrift entsprechen. Andererseits tritt der Verfasser der Ansicht entgegen, daß das „Drillen" bei der SS., SA., in den Arbeitslagern und Schulen große militärische Bedeutung habe. Die Frage, ob Deutschland aus Krieg ausgehe, verneint er. Als treibende Kraft der ganzen Wehrpolitik Deutschlands bezeichnet er vor allem den leidenschaftlichen Wunsch nach gleicher Rechts st ellung. Der Durchschnittsdeutsche empfinde die seinem Lande auferlegten Sonderbestimmungen, die es von anderen Rationen unterscheide, als Schmach und habe das Gefühl, wie ein Verbrecher behandelt zu werden. Ferner fei es klar, daß Deutschland so gut wie wehrlos dastehe, sei es an den Grenzen doch von schwer bewaffneten Nachbarn umgeben. Man rufe Deutschland zu, daß niemand die Absicht habe, es anzugreifen, aber keine andere Regierung gebe sich bezüglich ihrer eigenen Politik mit einem solchen Argument zufrieden. Der Verfasser sagt: „Welche britische Regierung würde sich be- , reitfinden, auf den deutschen Stand abzu- rüsten, während die anderen Staaten bewaffnet blieben? Ist es überraschend, daß die Deutschen sich wegen ihrer Verteidigung gegen Luftangriffe aufregen und Zivilflugzeuge bauen?“ Schließlich behandelt der Korrespondent noch die Frage der angeblichen riesigen Propaganda für einen Rache- und Rückeroberungskrieg und sagt, wenn es eine solche Propaganda gebe, dann müsse sie so versteckt und geheim sein, daß sie nicht sehr wirksam sein könne. Er habe eifrig danach gesucht und habe nichts gefunden. Der Verfasser schließt: „Ich habe keine Spur von wütender und aufwühlender Kriegspropaganda gefunden, ich habe ein Land gefunden, das aufrüstet und das entschlossen ist, aufzurüsten, wenn seine Rachbarn nicht abrü- st e n. Ein schwer bewaffnetes Europa, ein Europa, das sich wieder den alten Wegen der Bündnisse und Intrigen, der Eifersüchteleien und Drohungen zuwendet, ist eine furchtbare Gefahr, aber es ist eine europäische Gefahr und ein europäisches Problem oder vielmehr ein Weltproblem. Wenn wir aber darin ein rein deutsches Problem sehen, wenn wir in deutschen Rüstungen und nicht i n den Weltrü st ungen die Gefahr erblicken, dann werden wir sicher nichts als Verwirrung anrichten.“ Die Mckverweisuna der Ab- rüsiungssraae an denVölkerbund Paris, 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die außenpolitische Korrespondentin des „Oeuvre" rechnet damit, daß der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund Ende dieses Monats in Genf für den Herbft angetün-- digt werde, und daß ein Ausschuß des Völkerbundsrates, dem auf alle Fälle Sowjetrußland und die Vereinigten Staaten angehören werden, beauftragt werde. Frankreichs Mungenbedrohendenlocarnopakt Oie Sarantiemächte werden stutzig. fterien unterbreitet werden muß, so läßt sich der außerordentliche regulierende Anteil erkennen, den sich hier die Gesamtheit gegenüber dem Individuum gesichert hat. Eine Gefahr, die der bisherige syndikalistische Aufbau manchmal nicht vermeiden konnte, nämlich die der Bürokratisierung, birgt auch die neue Ordnung. Sie besteht hauptsächlich in der außerordentlichen Kompliziertheit des Organismus und in den schwierigen Ueberschneidungen, die sich durch das Weiterbestehen der Konföderationen ergeben. Daß man sich auch in Italien darüber klar ist, wie viel vorn gesunden Willen der Beteiligten zu einer wirklich aufbauenden Arbeit abhängt, zeigen so manche Presfekommentare. Es bedarf, möchten wir sagen, eines neuen Menschen, eines neuen wirtschaftlichen Typus, um der korporativen Konstruktion Leben einzuflößen. Die deutsche Arbeitsgesetzgebung hat von Anfang an diese Notwendigkeit erkannt und versucht, die Grundlagen für ein neues Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen. Während man in Italien mehr von der logischen Konstruktion ausgeht, hat man in Deutschland mehr Gewicht auf die Revolutionierung des Menschen gelegt; und vielleicht ent- Oie Wahrheit Über Deutschland. Ein britischer Kronzeuge für die Aufrichtigkeit des deutschen Friedenswillens Das neue Arbeitsgesetz Italiens. Von unserem H. M.-Äerichierstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Rom, im Mai 1934. - Nach dem Korporationsgesetz vom 1 5. Februar, bas nur sehr allgemeine Richtlinien 1 für die Gründung und die Aufgaben der zukünftigen 1 Korporationen gewiesen hatte, war die Umsetzung dieser Richtlinien in die Praxis vom Korporations- ' minifterium in Zusammenarbeit mit anderen Mini- \ fterien und den bestehenden korporativen Organen, 1 — die syndikalistischer Natur waren — eingehend \ studiert worden. Das Korporationsgesetz überließ die Gründung der Korporationen einem Erlaß Mussolinis, und der jetzt vorliegende Plan, der durch diesen Erlaß in Kraft gesetzt werden wird, • ist wiederum ein Werk Mussolinis. Sehr widerstrei- ' lende Interessen hatten sich unterdessen gegeneinander gestellt, und auch heute noch ist der Streit zwi- 1 schen den Anhängern des Syndikalismus und ihren Gegnern, zwischen den Befürwortern der Kategoriekorporationen und der Korporation des Produktionszyklus keineswegs ausgetragen. 'Entschieden wird er nur durch das Machtwort des Duce. Der bisherige korporative Aufbau der italienischen Wirtschaft, wie er feit 1926 in die Wege geleitet war, beruhte im wesentlichen auf dem alten gewerkschaftlichen System. Die Syndikate waren nur faschistisiert worden und die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitergeber-Syndikaten wurden zwangsweise vom Staate geregelt. Irgend eine Ueberroinbung bes Klassengegensatzes war im übrigen gar nicht versucht worden. Der syndikale Aufbau gipfelte in den Konföderationen, deren Zahl dreizehn betrug. Bemerkenswert ist nun, daß mit der Gründung der Korporationen die Konföderationen nicht verschwinden wer- d e n, sondern daß lediglich ihre Zahl auf neun vermindert wird. Der Grund für ihr Weiterbestehen, das im Rahmen des sehr klaren Korperationspla- nes eigentlich gar nicht logisch ist, dürste einmal im Widerstand der Syndikate selbst gegen eine Auflösung zu sehen sein — man lese nur die Artikel des syndikalistischen Blattes „Lavoro Fascista" — zum anderen aber in ber Absicht, vorsichtig vorzugehen unb nicht Bestehenbes zu zerstören, bevor bas Neue seine Lebenskraft bewiesen hat. Denn es ist offensichtlich, baß ber bisherige „korporative" Staat in seiner synbikalistischen Form ben hohen Erwartungen nicht entsprochen hatte, bie man an ihn stellte. Er funktionierte nur, weil ber Saat stark war, nicht aber weil aus ben Synbikaten unb Konsöberationen selbst wirkliches Leben strömte. Mit ber ©rünbung ber Korporationen nun soll ein neuer Abschnitt beginnen, ber zwar von italienischer Seite als organisch im Zuge ber Entwicklung liegenb bezeichnet wirb, in Wirklichkeit aber einen anberen, einen neuen Versuch barstellt. Der Organisationsplan für bie Korporationen, wie er nun vorliegt, ist ohne Zweifel berounbersroert einheitlich unb klar burchaearbeitet. Genau wie wir Deutsche uns verfrühte Kritik an unserer Arbeitsgesetzgebung energisch verbitten mußten, so ist es auch bei ben Korporationen noch nicht an der Zeit, ein Loblieb anzustimmen ober abfällige Kritik zu üben. Es genüge baher bie Feststellung, baß bie korporative Konstruktion als solche geschlossen unb organisch auf bem Papier steht. Es wirb freilich sehr viel am guten Willen unb am tieferen Verstanbms ber Mitarbeiter liegen, wenn fruchtbares Leben daraus entspringen soll. 22 Korporationen in drei Gruppen werben gegrun- bet. Maßgebenb ist für bie Zugehörigkeit ble V er- tretung bes Probuktionszyklus, nicht Die Vertretung ber Kategorie, wie bas zuerst vorge- leben war — Was bebeutet bas? Orbnet man bie Menschen nach 21 r b e its f a tegor ien, so vereint man alle Fachleute unb Facharbeiter ohne Rücksicht barauf, wofür sie ihr Fach ausuben, b. h. lämtliche Chemiker, sämtliche Zmimerleute, samt- lliche Feinmechaniker, sämtliche Klemhanbler usw. Die Ordnung nach dem Produktlonszyk- IIus jedoch umfaßt in einer Korporation alle neue Arbeitnehmer und Ar b e 11 g e b e r, fcie ohne Rücksicht auf ihr eigentliches Spezialfach «oder Handwerk, an der Erzeugung eines bestimmten P r o d u k t e n k r e l f e s mitar» Leiten. So wird ein Chemiker nicht unbedingt xur 10 Korporation, ber ber Chemie, gehören Sten 'er kann ebensogut ber 2. Korporation zügelst fein bie sich bie bes Garten- Blumen- unb -Fruchtbaues nennt. In ihr ist nämlich auch bie In- tbuftrie ber Derivate unb Essenzen mit je Zwei Ar- Bbeitaebcrn unb Arbeitnehmern vertreten. Also eine ichemische Angelegenheit. Ebenso ist es für mele Uanbwerker, für viele Sozialarbeiter unb vor allem für b“Kaufleute, bie jeweils ber Korporation ange- liören bie ihren Probuktwnskreis vertritt. Die' tiefste Bebeutung ber Drbnung nach bem WroduktionMklu- scheint in dem Umstande zu «- qen daß aus diese Weise widerstrebende Intere en innerhalb der Korporationen zus°mm-ng°!°ßt stnd ä B'S'«Ä A »Sä bleicher Zahl vertreten gegenüber, fonbern mieberum Lch Arbeitnehmer mit gegensätzlichen wirtschaft- licken Interessen In der Textilkorporation z. B. sitzen meben ben Vertretern bes Rohstofshanbels b«- Vertreter ihrer Abnehmer, b. h. ber ^^^warenp Renten, unb die Getreidekorporation.umfaßt den Waner sowohl als seinen Abnehmer, ben Getreibe- tänbler. Da nun jeher ber 22 Korporationen brei -Vertreter ber faschistischen Partei °ugehören mb foer Staat seinen Einfluß baburch sichert, Daß oie Thefs ber interessierten Behörben Äut^ttsrecht h - iben unb bie Tagesorbnung ben betreffenben Mim- ginn einer großangelegten sowjetrussischen Propaganba in ber Schweiz. Selbst bie immer franzosenfreunbliche „G a • zette be Lausanne" gibt ben Franzosen zu bebenfen, baß ein Bünbnis Frankreichs mit Sow- jetrußlanb bie Englänber veranlassen könne, sich Deutschlanb wieber stärker zu nähern, was an sich bem Wunsche Macbo- nalbs entspreche. Auch bie mühsam verbesserten Beziehungen zwischen Paris unb Rom würben baburch von neuem in Frage ge• stellt werben. Das „Berner Tageblatt" roenbet sich ebenfalls mit großer Schärfe gegen ben Eintritt Sowjet- rußlanbs in ben Völkerbunb unb gegen bie Anerkennung burch bie Schweiz. Es befürchtet, baß man im Bunbeshaus in biefer Frage boch nicht fest genug bleiben werbe. Deshalb erinnert es an bie Gefahren, bie für bie Schweiz erwachsen würben, wenn erst einmal eine sowjetrussische Vertretung in Bern vorhanden sei. Die Sowjetgesandtschaft mit ihrer GPU.-Abteilung könnte in der Schweiz nach Belieben wühlen unb ihre Tätigkeit von hier aus nach anberen ßänbern Erscheint täglich, außer M aiwa?m* ®Ott SStÄÄX jT! A AA A 4A A. AAA EÄ'u”S=,.,. Gießener Familienblätter ® W W MP IST OW Grundpreise für 1mm hohe •ssä* ijiipkpupt ziii schäftsjahres aus- verm.Zu erfrag. Marburg. Str.iOp. Illlllllllllllllllllllllllllll für nachmittags gesucht. 3145D Llebrgftraße 66. | Mietgesuche | Schott. Studentin sucht ab 1. Nov. 1934 freundlich möbl. Zimmer Angeb. bis spät. l.Juni an Prof. I. H. Hamilton, v.Adr.Akad.Aus- landsst.,Ludwig- straße 1911. 3UUd nicht unter 17 Jahren, für Detail- Geschäft gesucht. Schriftliche Angebote sind unter 02710 an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu richten. Die Geschäftsguthaben sämtlicher Mitglieder haben sich im Laufe des Geschäftsjahres um3081,03 ^^vermehrt. Der Gesamtbetrag der Haftsummen beläuft sich auf 39900,— 51 JC, also 2700,— 51 JC mehr als am Ende des Vorjahres. Die rückständigen fälligen Mindestzahlungen auf dieGeschäftsanteile betragen am Schlüsse des Geschäftsjahres 19692,24 5JC. Gießen, den 21. Februar 1934. Der Vorstand Müller, Pauly, Münster, Wolf, Engel, verrnieten. oe,« Näh. Sehnbert- straße 2 II. oooooocdocoocoo Betriebskosten a) Besitzsteuern .. 4875,10 b) sonst. Betriebskosten einschl. Löhne u. sozialer Abgaben ... 2586,83 Jnstandhaltungskosten Zinsen Gewinn Reingewinn im Geschäftsjahr Am Freitag, den 1. Juni 1934, 17% Uhr, in dem Stadthaus Bergstraße, Zimmer Nr.6 Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht - 2. Rechnungslegung - 3. Wahlen 4. Verschiedenes DER VORSTAND Manz imb Gewinn- und Jekluffrechnmig des gemeinnützigen Sisenbahner-Seimstä'tten-Vereins e.s.m.b.s. Gi zum 31. Dezember 1933. Umlaufsvermögen Forderungen an Mitglieder des Vorstandes oder an die ihnen nach 8 33 d Abs. 4 des GenG, gleichgestellten Personen Rückständige Mieten, Gebühren, Forderungen Kassenbestand einschl. Guthaben bei Notenbanken und Postscheckguthaben Andere Bankguthaben Sonstiges Umlaufsvermögen 285,16 10697,46 5,— Gesetzliche Rücklage 15 257,08 Andere Vermögensrücklagen .... 66481,75 Rückstellungen Verbindlichkeiten Hypothekenschulden Spareinlagen............ Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen Gewinn Reingewinn im Geschäfts- rahr Gewinn- und Verlustrechnung Aufwendungen Wohngebäude und sonstige Gebäude - (Zugang:—,— Abgang : —,— 5JC; Abschreibung : 56 929,27 51 JC} Werkzeuge, Betriebs- und Geschäftsinventar (Zugang: 193,— 5 JC; Abgang : —,— 5UC-, Abschreibung : 904,60 51 JC} iiiniiiiihiiiuniiiuiiiiniiiiiiiuiiiiiiiiimiiiim IsSMÄWl handverlesene Industrie, jedes Quantum billigst! H. 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Die Vereinsson- sonderzüge am 27.Maiu.3.Juni verkehren wie folgt: owi» Gießen ab S.OOUhr Mainz an 9,66 „ Mainz ab 20.03 „ Gießen an21.55 „ Ter Vorstand. Waldsporlplalz 5onntag,27.5.34 vorm. 9 Ubr Staffeltag* Sdilageter* Gedächtnis Leichtathletik- abteilung am* V.t.B.-Reichsha6n AMM Gießen 3023D Samstag, 26.5" 20—22.30 Ubr Deutsche Bübne Reibe 2: Gerade Mitglieds > Nrn. u. freier Perkam 5lel$?inflfrorpei Eine Bayers Moritat v.Aüns Job. Lwpl- CH O Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Freitag, 25. Mai 1934 Die Stedinger. Zum 27. Mai 1934 Von Walter zur Llngnad. Zum siebenhundertsten Male jährt sich am 27. Mai der Tag von Altenesch, an dem im Jahre 1234 nach Willen und auf Geheiß des Erzbischofs von Bremen das Bauernheer der Stedinger Lande unter den Waffen der Kreuzfahrer verblutete, an dem das große Morden begann, durch das ein ganzes Volk vernichtet wurde, lediglich weil es sich weigerte, dem Landesherrn als anerkannte Freibauern Steuer und Grundzins zu leisten. Jahrhundertelang hat Bremen der Bestimmung Erzbischof Gerhards folgend, den Tag von Altenesch mit Prozessionen und feierlichem Gottesdienst jubelnd begangen als den Tag, an dem die Kirche obsiegte über widersetzliche Bauern — heute gedenkt vor versammeltem Reichsbauernrat der Reicbsbauern- führer der Männer und Frauen, die ihr Leben einsetzten, um für sich und die Ihren Ehre und F re i h e i t zu retten, die den gewissen Tod der Knechtschaft und Schande vorzogen. Dieser neue Sinn der heutigen Feier des Tages von Altenesch kennzeichnet wohl am klarsten die ungeheure Wandlung, die in der Bewertung deutscher Bauernfreiheit im Staat Adolf Hitlers eingetreten ist Bis zum Jahre 1100 war die Flußmarsch der Weser nördlich Bremens dauernd Ueberschwemmun- gen ausgesetzt, versumpft, unfruchtbar und unbewohnbar. Im Jahre 1106 aber kamen west- friesische Bauern, denen es daheim zu eng geworden war, die sich nicht fürchteten vor Sumpf und Hochflut. Und plötzlich hatte das Unland Wert: Nur gegen Zins und Zehnten gab Erzbischof Friedrich das öde Land zur Besiedlung her. Dennoch bliehen die Bauern, zogen Vettern und Freunde nach, bald waren Deiche geschüttet, Gräben gezogen, Saaten grünten, auf fetten Weiden gedieh prächtiges Vieh. Aber mit dem Wohlstand der Ansiedler wuchs der Neid der Nachbarn: zwei oldenburgische Burgen lagen an Stedin- gens Grenze, bei Linen und auf dem Lechtenberg, und die Chronik meldet: die Burgmannen erdreisteten sich jahrelang — Frauen und Töchter der Bauern, tiie festtags zu den einsam gelegenen Kirchen gingen, zu überfallen, um Lösegeld zu erpressen. Und der Graf von Oldenburg, des bremischen Erzbischofs Dienstmann, duldete das Treiben seiner Knechte, auch der Erzbischof tat nichts — es konnte ihm nur lieb sein, wenn seine Dienstmannen die Bauern unterjochten. Aber schließlich riß den Bauern die Geduld: vor Tau und Tag e r ft i e •; gen s i e die Burgen, erschlugen das Knechtsgesindel samt den Vögten und schleiften die Befestigungen so gründliche daß niemand sie wieder herzurichten oder gar gegen die Bauern selbst zu; ziehen wagte. Nun wußten die Bauern, daß sie von niemand Schutz zu erwarten hatten, da mochten sie wohl Zweifel haben, ob sie zu Recht Zins und Zehnten nach Bremen zahlten. Und sie hatten erkannt, daß, sie Macht hatten, wenn sie zusammen st an-, den. Und danach handelten sie. Erzbischof Hart-! wig aber, dem Ehre und Sicherheit seiner Landeskinder, dem der Kirchenfrieden seines Landes einen, Waffengang nicht wert gewesen war, führte ein Heer gegen die Bauern, um den rückständigen Zins und Zehnten einzutreiben! Da zahlten die Bauern, weil sie es nicht für wert hielten, um einer strittigen Geldsache willen, kostbares Blut zu vergießen. Nun hätte Friede werden können. — Aber im folgenden Jahr (1208) starb Erzbischof Hartwig, und es kam zu einer Doppelwahl: in Bremen saß Waldemar, in Hamburg Burkhard, und jeder wollte rechtsmäßig Erzbischof sein. Die Stedinger hielten zu Bremen, sie schützten jahrelang die Stadt, zogen für Waldemar zu Felde. Sie eroberten für Waldemar die feste Stadt Stade, sie brachen für ihn die Burgen Seehausen, Rhiensberg und Stodtel. Und damit waren sie freie Männer, niemand zinspflichtig, weil nach damaligem Recht reisiger Waffendienst und Zinspflicht nicht zugleich bestehen konnten. Als dann aber der Papst einen dritten Erzbischof für Bremen, Gerhard, zur Macht führte, mußte auch Waldemar sich fügen — und dem neuen Herrn waren die Stedinger nicht treue Waffengefährten, sondern Rebellen. Zunächst freilich ließ er sie in Ruhe. Als sich aber ein großer Teil der wehrfähigen Mannschaft außer Landes befand, weil die Stedinger Kaiser Friedrich II. Heeresfolge leisteten beim Kreuzzug ins gelobte Land, da schickt Erzbischof Gerhard e i n Ritterheer nach Stedingen, das den Bauern wieder seinen Willen aufzwingen, ihm die Anerkennung als Grundherrn wieder erkämpfen sollte, und zwar am Weihnachtsabend 1229 — fürwahr ein rechtes Weihnachtsgeschenk! Aber die Bauern schlugen das Ritterheer. Was nicht am Platze blieb, vergaß das Wiederkommen. Hatte das Schwert versagt, so griff Erzbischof Gerhard nun zu den Waffen der Kirche: in feierlicher Synode werden die Stedinger zu Ketzern erklärt — unbezahlte Kirchensteuer ist Ketzerei, totwürdiges Verbrechen: der Erzbischof mißbraucht sein Amt als Kirchenfürst, um sein vermeintliches Recht als Grundherr zu erzwingen, und das in demselben Jahre 1230, in dem Kaiser Friedrich II. den Ste- dingern Dank und Anerkennung beurkundet für ihre Treue und Tapferkeit im Kreuzzug! So findet denn auch des Erzbischofs Versuch, einen Kreuzzug gegen Stedingen zustande zu bringen, zunächst keinen Anklang. Aber er läßt nicht nach. Ueberall verkünden Priester und Predigermönche die Ketzerei der Stedinger — sie dienen dem Teufel, der als riesengroßer Kater bei ihnen erscheint und schließlich findet sich der Papst bereit, den Kreuzzug anzuordnen, verhängt Kaiser Friedrich die Reichsacht gegen die Stedinger. So zieht im Winter 1232/33 ein Kreuzheer gegen Stedingen. Aber die Bauern kommen ihm zuvor, überrennen die bischöfliche Burg Schlüt- terberg, bedrohen Oldenburg und Bremen, und der Erzbischof muß froh sein, daß er sich im eigenen Hause halten kann. Allmählich aber spielt sich der kirchliche Apparat ein, die umliegenden Bischöfe helfen nach, der Ablaß lockt viel Volk aus aller Herren Länder herbei, und im Juni 1233 fiel von zwei Seiten zugleich ein übermächtiges Heer über Oftstedingen her. Don Weststedin- gen aus war Hilfe nicht möglich, weil das Kreuzheer die Weser besetzt hielt, so unterlagen die Bauern von Oftstedingen der Uebermacht, und die Sieger verbrannten scharenweise Männer und Weiber, Greise und Kinder auf Scheiterhaufen, was das Schwert nicht fraß, faß das Feuer. Und ein Jahr darauf kam für West stedingen auch das Ende. Bei Altenesch stellen sich die Bauern zum Kampf, viele Frauen hatten sich bewaffnet den Männern angeschlossen. Aber alle Tapferkeit war vergebens gegen die Uebermacht, die Erzbischof Gerhard in aller Welt zusammengetrommelt hatte. Bis zum letzten Atemzuge wehrten sich die Bauern, kein Todesschrei kam aus ihrem Munde, aber sie nahmen zahllose Ritter und Kreuzfahrer mit in den Tod — so dicht lagen die Leichen, daß es unmöglich war, Freund und Feind zu trennen. Und dann ergoß sich das Kreuzheer sengend und mordend über das Land, diesmal errichtete man keine Scheiterhaufen, kurzerhand wurde niedergemacht, was man antraf, und der Chronist schreibt: auch der Kinder wurde nicht geschont, weil aus schlechtem Ei immer nur ein schlechtes Küken kommen kann. So opferte Erzbischof Gerhard von Bremen e i n ganzes Volk fleißiger, treuer, in Krieg und Frieden erprobter Bauern, weil er lieber Knechte als freie Männer in seinem Lande haben wollte, so dankte der Erzbischof den Bauern, die das Stedinger Land aus Sumpf zu blühender Flur gemacht hatten, denn dem Grundherrn waren Land und Leute nichts wert, wenn er nicht Zins und Zehnten von ihnen ohne Gegenleistung einheimsen konnte. Wir aber erkennen aus diesem Beispiel: Wenn die Bauern nicht untereinander und mit ihresgleichen von Landschaft zu Landschaft fest und treu z u - sammenstehen, dann sind sie immer verloren, sind die Bauern aber einig, dann gibt es nichts, was sie zu fürchten brauchten; denn der Bauer ist immer und Überall die Kraft und die Zukunft seines Landes Oer Glaube au bas Reich. Das volksdeutsche Bekenntnis zur gesamtdeutschen Erneuerung. Mit einer historischen Kundgebung auf den Ruinen von Mont Royal bei Traben-Trarbach hat das volksdeutsche Pfingstfest des VDA. an Rhein und Mosel seinen Abschluß gefunden. Durch mehr als ein Jahrhundert war diese Festungsruine vergessen. Einst die Zwingburg des größenwahnsinnigen Sonnenkönigs über der Mosel, 'war sie geschleift, als das Münster Erwins von Straßburg von dem seiner Macht und seiner Selbstachtung entkleideten Römischen Reich Deutscher Nation der französischen Gier überantwortet wurde. Gras und Bäume sind auf dem Schutt gewachsen. Die Enkel schon wußten nichts mehr davon, welchen Sinn dieser Berg einmal für das deutsche Moselland gehabt hatte. Heute ist der Königliche Berg wieder freigelegt, aus der Zwingfeste ist ein Heimatbollwerk geworden. Es ist uns ein Zeichen dafür, um wieviel beständiger Volkstum ist gegenüber der menschlichen Willkür. Wer sich so gegen das gottgewollte Volkstum versündigt, wie es Ludwig XIV. getan hat, hinterläßt allenfalls Ruinen als Denkmäler und bestätigt damit nur die ewige Kraft lebendig pulsenden Blutes. Das Erlebnis dieser Tatsache ist der Hauptinhalt der ganzen VDA.-Tagung gewesen. Mag es sich um die sachlichen Vorträge und die Lageberichte der verschiedenen deutschen Volksgruppen auf der Arbeitstagung in Mainz gehandelt haben, mögen es die Aussprachen der Jugend aus allen Ecken und Enden des deutschen Siedlungsgebietes in den Lagern und auf den Festwiesen um Trier gewesen sein, mag es sich um festliche Schauspiele, um Aufmärsche, um ernste Feierstunden und um rauschenden Freudentaumel im Fackelglanz und in den Heilrufen eines unübersehbaren Festzuges von 50 000 Buden und Mädels gehandelt haben, überall war das doch der Inhalt, der Sinn und das Ziel. Der Nationalsozialismus will nicht nur jeden Menschen im Reich erfassen, er will auch jeden deutschen Menschen voll in Besitz nehmen. Er ist nach dem geschichtlichen Wachsen der Bewegung und nach den gerade wieder in Mainz und Trier erneuerten Willenserklärungen im Sinne seines Ursprungs aus dem Volk der Hüter des volksdeutschen Gewissens. Aber die Staatsmacht des Dritten Reiches endet an den Grenzen dieses aus dem Zusammenbruch übernommenen Reiches. Außerhalb des Reiches steht aber noch ein ganzesDritt e l des deutschen Volkes. Gerade angesichts der heraufdämmernden Entscheidungen für die Saar sind die Erfahrungen und die Schlußfolgerungen, die sich daraus ergeben, von schicksalhafter Bedeutung. Für die Saar handelt es sich darum, das Recht zu erftreiten, das selbst der Vertrag von Versailles diesen 800 000 Deutschen gegeben hat, das Recht der Rückkehr unter die uneingeschränkte Staatshoheit des Reiches, allen Intrigen und Verdrehungen zum Trotz. Aber 30 Millionen Deutsche bleiben immer noch draußen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, hier mit seinen Mitteln einzugreifen. Wenn aber die Organisation des Volkstums im VDA. für die Erfüllung waren es nur em der ein Nie kehrst du wieder, goldue Zeit... Von Michael Kohlhaas zd wenn wir auch m unseren schrlftluy maren f^roardz und er hat es wiederholt gesagt, Haus- und Schulaufgaben der Jugendzeit all s eIeflante Welt sich nur schwarz kleide. Sem ordentliche Gute und Schone nachgeruhmt haben, jv n)ar unö magerz bas Haupthaar lehr aufgeschnappte Spruche, daiwn unser । ' 7 ^scheitelt; auch hat es einen hohen Wohlge- fete. Das hat ja nur die Tage auf ' ^brei et Nachdem er uns das Dorstellen von n "E? . Grund aus erklärt hatte, ist er zum „praktischen geben" übergegangen, wie er es nannte, indem er zum Dernauer Alois von Obing gesagt hat, daß er eine distinguierte Dame, und zum Steffinger Joses von Endorf, daß er ein feiner Herr lern müsse, der auf der Promenade hinter der Dame dreingeht. Die Dame verliert etwas, der feine Herr klaubt den Gegenstand auf, bringt ihn der Dame, stellt sich ihr dabei vor und verwickelt sie in vornehmes Gespräch. In der Mitte des Postsaales ließ demgemäß Dernauer Alois sein Sacktüchl fallen, das aber Fächer fein sollte; denn als Sacktüchl wäre es für eine Dame schon zu sehr strapaziert gewesen, weil es der Dernauer schon feit dem Sonntag tn Gebrauch gehabt hat und an jenem Abend bereits Samstag war. Der feine Herr hob es auf, lief dem Dernauer Alois nach und sagte: „Hochgeehrtes Fräuleun!" Man sage „gnädigstes Fräulein!" korrigierte der Anstandslehrer. „Gnädigstes Fräuleun! fuhr also der feine Herr fort, „mein Name ist Josef Steffinger aus Endorf." Der Dernauer Alois von Obing verneigte sich tief. „Sie haben, gnädigstes Fräuleun, soeben Jhner Schneuztüchl ober vielmehr Jhneren Fächer verloren." — „A so!" sagte der Dernauer Alois, nahm den Fächer und steckte ihn ein. Er müsse sich bedanken, sagte der Anstandslehrer. „Ich danke Ihnen ferrr," sagte der Dernauer. „Heut macht's wieder warm/ begann nun der Steffinger Josef das vornehme Gespräch, „mir rinnt der Schweiß grab so hinunter. „Mir auch," versetzte bie bistinguierte Dame. Der Anstandslehrer aber sagte, baß man vom Wetter unb vom Schweiß nie reben bürfe; sie foßen em anberes Thema wählen. Da begann ber Steffinger wieber: „Qnäbigftes Fräuleun! Sie finb ge- wih eine große Freunbin ber Natur, weil Sie Die Bäume da so anschaugen", unb er meinte bie zwei Fichtenftämmchen am Saaleingang. „Jawoll! sprach die Dame mit Nachbruck. ,Hch bin ja auf unb beshalb soll man sich beim Vorstellen ungeheuer zusammennehmen. Er hat es nun sehr ausführlich beschrieben, wie bie Sache am besten gemacht wirb, unb hat sich unter sehr feinen Verbeugungen halb bem unb halb jenem von uns vorgestellt. Wir haben ihn aber schon gekannt. Er hat Ebuarb Pracek geheißen unb hat gesagt, baß er nach Prag zustänbig ist. Es kann bies schon sein, sagten wir, aber gewiß wisse man es nicht. Seine Hose ist unten ausgefranst gewesen unb sein Gehrock hat einen Spiegel gehabt. Hose unb Rock Herz nichts rauf, bie Ferien hin gezahlt unb in s- . - an den angeblichen Schönheiten ber griechischen unb lateinischen Klassiker zu allerhanb Bockbe.nig- feiten gegenüber ben Professoren angetrieben. Viel- leicht war aber gerade dieses unholde Benehmen der Grund warum der Rektor unseres Gymna.lums eines Tages einen Herumreisenden Anstandsleyrer, ber sich bei ihm vorstellig machte, zugelassen hat. Auf einmal war nämlich auf ber Bekannt- mnrhimastafel ein gebrückter Zettel angeschlagen, Ä"mein frember Anstanbslehrer bie Herren Gtubierenben" einlub, im Saal bes Gasthofes „Zur Post" von ihm in vier Unterrichtsstunben den ge- tarnten Anstand zu erlernen. Weil der An.tands- Kr uns auf dem Zettel so ehrenvoll anredete und für die Stunde von einem jeden nur fünfzig ^ennia verlangte, was in Anbetracht des Gebote- enui6 9 Diel war, so fanden sich sehr ^eVuni/miAem besten Willen zum l-stg-Ietzten ^^Die""erste^Stunde verging mit Einsammeln des m.mes wobei einige erklären, daß ste es nachb.m- K'merben Diese schrieb der Anstandslehrer m gen werbe . » i ' nicht hatte anruhren >pr°ch- D-r chugler a.ye° @e[b bobei< Lnh c5 sä SMSM 3. S «SEoS«.**»’MÜ'UÄil* Aber — und das ist schon gleich der erste Zipfel jener Tragik, die auf Schritt und Tritt ins Leben hereinhängt, — wir haben sie nicht als golden erkannt. Blechern ist sie gewesen ja, und papieren und wenn wir auch in unseren schriftlichen dem Lande aufzogn morn. Aber ich liebe auch serr die Stadt. Wo sind Sie her?" — „Von Endorf", antwortete der feine Herr; „ich lebe jedoch schon seit sechs Jahren in dieser freundlichen Stadt, weil ich in derselben meine Studien betreibe." Und daraufhin hat der Steffinger Josef dem Bernauer Alois, während sie im Postsaal auf und ab promenierten, genau erzählt, was für Klassiker sie heute lesen im Griechischen und Lateinischen und wo sie jetzt im Französischen stehen und wo in der Mathematik. Der Bernauer Alois hat das aber ohnehin schon alles gewußt, weil sie miteinander in der gleichen Klasse gewesen sind. Endlich hat dann der Anstandslehrer in die Hände geklatscht, und es ist eine neue Nummer gekommen. Der Bernauer Alois und der Steffinger Josef aber haben ihre Studien in dieser freundlichen Stadt nicht bis zum Ende betrieben. Sie sind auf Hindernisse gestoßen und sind alle zwei Kapuziner geworden. In diesem Stande werden sie mit Fächern nicht mehr viel zu tun gehabt haben; was aber das Schnupftüchl anlangt, so ist das eine andere Sache. In der letzten Stunde, hat der Anstandslehrer getagt, werde er uns das Schwierigste des ganzen Anstandes vormachen: wie man nämlich ein Huhn ißt. Wir waren sehr gespannt darauf. Als wir dann in die letzte Unterrichtsstunde kamen, stand in der Mitte des Saales ein zierlich gedecktes Tischchen, und darauf war eine Flasche Wein zu sehen, ein Teller mit spitzig aufgerichteter Serviette, ein grünes Weinglas, Pfeffer und Salz sowie eine Semmel. Das sei wenig, meinte mehrere von uns, eine einzige Semmel; der Merkle Franz aber sagte, daß er gar keine brauchte, wenn er ein Huhn hätte. Wir haben uns um den Tisch herumgestellt, und ein jeder hat vorndran sein wollen. Nach einer Weile kam der Anstandslehrer, setzte sich sogleich an das Tischchen und entfaltete die Serviette. Gesagt hat er kein Wort, während er sonst immer vor dem praktischen Leben einen kleinen Vortrag hielt. Er hat nur schnell die Serviette in den Hals hineingesteckt, und dabei ist ihm der Hemdkragen ausgerissen, indem es ein sogenannter Papierkragen war. Das ausgerissene Kragenende ist über die Serviette herausgestanden, was ihn aber nicht geniert hat. Er prüfte nunmehr mit dem Daumen die Schneide des Messers, und sie war ihm schon recht. Dann brachte die Kellnerin auf einer geschmückten Platte das Huhn herein. Es war gebraten, wunderschön braun, und in zwei Hälften geteilt und ein sehr feiner Duft ist davon ausgegangen. Wir sogen ihn ein. Ich habe den Kurz Philipp leise gefragt, was ihm lieber wäre: der Wein oder das Huhn, und er hat gesagt, er könne es noch nicht sagen, und hat sich auf die I Zehen gestellt und den Hals in die Höhe gestreckt, I Ein Pionier der deutschen Lustfahrt. t «fc Geheimrat Professor Hugo H e r g e s e 11, der her« vorragende deutsche Meteorologe, feiert am 29. Mai seinen 7 5. Geburtstag. Als Mitarbeiter des Grafen Zeppelin und als langjähriger Direktor des Aeronautischen Observatoriums in Lindenberg hat er Hervorragendes für die Förderung der Luftschiffahrt geleistet. Namentlich die Konstruktion von Beobachtungsinstrumenten und die Verbesserung von Beobachtungsverfahren ist ihm zu verdanken. So kann er an seinem Lebensabend mit Stolz auf die Arbeit zurückblicken, die zu der heutigen Vervollkommnung der deutschen Luftschiffahrt wesentlich beigetragen hat. dieser volksdeutschen Aufgabe arbeitet, so hat das eben tatsächlich nichts mit der Staatspolitik zu tun. Wie die Reichsführung um die staatliche Gerechtigkeit im Konzert der Staaten kämpft, weil allein Gerechtigkeit den Frieden der Völker gewährleistet, so hat die volksdeutsche Kulturarbeit auch nichts mit einem Angriff auf fremdes Volkstum zu tun. Gerade im Verhältnis zwischen den verschiedenen Völkern, die im Siedlungsgemisch Europas ihren Lebensraum haben, wird es eine innere Befriedung und eine wirkliche gerechte Anerkennung jedes Volks- tums erst geben, wenn aus der anerkannten Selbstachtung und rücksichtslosen Selbstverteidigung des eigenen Volkstums auch die Achtung vor dem fremden Volkstum erwachsen ist. Sind wir uns dieser Unterschiede und Zusammenhänge bewußt, so wissen wir auch, daß die 30 Millionen Deutsche außerhalb der Grenzen in den vierzehn Jahren deutscher Schmach ihren verzweifelten Selbsterhaltungskampf um deutsche Ehre für uns geführt haben. Für unsere Zukunft haben sie gelitten. Im Vertrauen auf unsere Bewährung nehmen sie auch heute die Last auf sich, die sich für die deutschen Volksgruppen draußen als Reaktion der Neider aus der reichsdeutschen Erneuerung ergeben hat. Sie haben in den Zeiten der tiefsten Schmach an uns geglaubt, an bas Reich geglaubt. Ihnen dämmert heute die Gewißheit, daß der Glaube an bas Reich gerechtfertigt war. Für biese 30 Millionen, für biefes Drittel bes beutschen Volkskörpers, hat bie Pfingsttagung bes VDA. bie freudige Bestätigung bafür gebracht, baß bas volksbeutsche Bekenntnis zur gesamtdeutschen Erneuerung nun auch bas Echo im Reich gefunben hat, unb baß mit bem Fortschreiten ber Erneuerung im Reich in allen Schichten bes Binnenvolkes unb in erster Linie bei allen Formationen ber heranwachsenben Jugeni) das Wissen um bie Gesamtverantwortung für jebes einzelne Glieb bes beutschen Dolkskörpers in ber weiten Welt machtvoll wächst. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 W)t, *16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. weil vor ihm ber Neumaier geftanben ist unb ihm bie Aussicht oerborben hat mit seinem bicken Kopf. Der Wimmer von ber fünften Klasse flüsterte bem Kurz zu, baß ein Huhn gar nichts sei; an seinem Firmungstag habe er zwei unb ein halbes gegessen. „Sprecher!" sagte ber Kurz Philipp. Dann aber ist alles still geworben, unb man hat nur noch ben Anstanbslehrer gehört, heißt bas: sein Messer unb seine Gabel unb manchmal, wenn er sich einen Wein eingeschenkt hat, so ein angenehmes Glucksen in ber Flasche. Es finb uns biese Geräusche burch Mark und Bein gegangen, vor allem jedoch den Seminaristen, die nie genug zu essen bekommen haben. Nur einmal während dieses Unterrichts hat der Anstandslehrer etwas gesagt. „Man darf", hat er gesagt, „das Huhn nicht mit den Fingern anrühren, immer nur mit dem Besteck, — es geht so auch." Es ist auch gegangen, unb in einer Viertelstunde war alles weg: ber Wein, bas Huhn, bie Semmel, ja sogar ber grüne Schmuck auf ber Platte, alles, unb ber Anstanbslehrer hat sich erhoben unb hat gesagt: „So ißt man ein Huhn." Darauf ist er aus bem Saal hinaus. Wir haben noch eine Zeitlang gewartet, weil wir meinten, er würbe wieber hereinkommen unb noch einen Schlußvortrag halten. Aber er ist nicht mehr gekommen. Wir finb bann auch fort, und im Hinuntergehen über bie Stiege hat ber Merkle Franz gesagt, er wollt', er hält' fein Gelb wieber. Der Kurz Philipp bagegen, ber mir auch heute noch bisweilen begegnet unb mich bann immer fragt: „Wie geht's, wie fteht's?", ber sagt auf meine nicht allzu überschwenglich klingenbe Antwort regelmäßig: „Gebulb, mein Lieber! Wir haben vor ben meisten anberen Menschen immerhin eines voraus: — wir wissen, wie man ein Huhn ißt." So verschiebenartig wirkt bann und wann ein und dieselbe Unterrichtsmethode auf verschiedene Schüler. Das Zauberwort. Als Johannes Müller, der später hochberühmte Physiologe, als junger Gelehrter in Paris studierte, wollte er dem Zoologen Dumeril seine Aufwartung machen. Dieser war sehr schwer zugänglich und ließ sich nur selten sprechen. Als Müller sich nun anmeldete, erhielt er die Antwort, der Professor habe keine Zeit. Da steckte der junge Gelehrte, dem an der Bekanntschaft sehr viel lag, keck seinen Kopf durch die Tür und rief hinein: „Die Coelien haben in Der Jugend Kiemenlöcher am Halse!" Auf diese Bemerkung hin, die ein schwieriges zoologisches Problem enthüllte, sprang Du- möril wie elektrisiert auf, zog den eben Abgewiese- nen interessiert ins Zimmer, und rasch war eine angeregte Unterhaltung im Gange ... i - . t irischast das Der pfingstmarkt in Lich konnte. Deostenmarkt Berlin — Arankfurt o. Hl. 23.5. 24.5. 23-5- |24.5. 93,25 93,25 61 8,6 Grttzner ... 0| jRainlraftwerfe Höchst 4 tzüddeE« Sudti.........I] ,25 ,65! «erwecke . d,ß 95,25 99,8 91,25 95,65 17,7 94,5 90,75 94,75 99,8 91,13 95,9 17,6 95 G 4 0 0 64 62,5 28,75 64,75 85 48,25 53,25 59,5 150,25 133,9 63,4 40,5 80 60 134 63,25 40,4 102,5 56 64 45,75 41,9 121,5 46,65 58,75 62 17,13 164,5 169 151,4 58,32 56,69 12,66 16,46 169,11 21,17 63,67 0 G 0 0 4 0 0 0 12 V 0 0 0 24,75 133 97 103 55 95,25 94 87,75 132,5 115,5 73,75 114,9 60,4 90,65 71,5 136 110,75 64 6M 134,65 185,5 63 40,5 79,25 61 100 126 6,7 4,1 -o-lch Etfeu—LStn-Neuesseu .. 0 |l|e Bergbau ............. - Nie Bergbau ®enüf|e 4 65,37 81,12 34J5 94 98,25 23,25 1 6,95 6,85 6,8 8,25 28,75 64,5 84,75 48,25 53,25 59,5 150,13 30,4 23,25 95,25 99,7 90,65 95,9 17,7 94 90,75 90 95 92,9 90,5 90,5 90,25 90,5 94 94 98,25 23 1 7 6,6 6,75 8,4 6,75 6,6 24,4 133 97 103,25 54,75 95,5 94 88,5 132 115,25 73,5 114,75 60,5 90,5 24,65 134,13 95,25 102 55 95,13 93,4 86,5 132 115,25 73 114,65 60,25 89,5 71,25 110,25 64,25 61,65 24,5 134 95 102,25 54,75 95,25 93,75 87 131,5 115 72,75 114,5 60 89,9 133,9 185 62,5 40,75 79,25 60 100 126 28,4 65,5 84,75 49,25 53,25 59,5 150,25 6,7 4,2 3,65 30,4 | 23,25 95,5 1 99,7 91,25 95,65 17,65 93,5 90,75 90 94,9 92,9 90,75 90,75 90 90,65 94 94 98,25 23,4 0,90 6,9 6,5 6,6 8,4 6,75 6,85 3,5 30,5 23,25 22,75 28,26 65 84,75 49,25 53,25 59,5 150,65 3,5 30,25 23,25 | 65,63 81,44 •tf I. G. Farven-Industrie Scheideanstalt........ »vldschmtdt RütgerSwerke iReiallfldellfdiaft...... Vamtniig-emertta»‘Batet ..... Hamburg-Südam. Dampfschiff • Hansa-Dampfschiff........... Norddeutscher Lloyd 81.®. für Berkehrswesen ent. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz- und Prtoal-Bank ... Deutsche Bank und Disconto» «esellschast................ Dresdner Bank Reichs dank : ÄS.®....................... Bekula.....................0 «leite. LteferungSgefellschaft... 6 Licht und Kraft .......v Felten & Guilleaume 0 Gefellich.s.Elcktr.Unternehmung. 5 Rheinische EleküizitLl ....... 5 Schuckert L Co..............5 Siemens & Halste 7 Ladmev-r L To............. to *■ Lich, 24. Mai. Unsere Stadt stand gestern völlig im Zeichen des zweiten Tages des P f i n g st m a r k t e s. Herrlichstes Wetter begünstigte die Veranstaltung. Aus weitem Umkreis kam die Landbevölkerung und die Händlerschaft in unsere Stadt, so dah lebhaftes Treiben in den Straßen herrschte. Der zweite Tag (über den Verlauf des Schwoinemarktes am ersten Markttag berichteten wir bereits am Mittwoch an anderer Stelle) brachte den Zuchtvieh-, den . H a nd e l s v i eh - und den Z i e g e n m a r k t. Besonderes Interesse wandte sich den Rindvieh- und Ziegenprämiierungen zu. Außerdem wurde auch eine Bulke n s ch a u abgehalten. 0,75 v. H. m , £ Am Rentenmarkt lagen Neubesitz im Verlause schwächer und zwar gingen sie bis auf 17,35 nach vorübergehend 17,90 v. H. zurück. Auch Altbesttz bröckelten etwa 0,13 v. H. ab, im übrigen stockte Geschäft vollkommen. Der Pfandbriefmarkt ffrieF 2,473 58,56 56,91 12,72 16,52 169,79 21,25 63,93 Der Gesamtauftrieb betrug ungefähr 150 Stück Großvieh und 107 Ziegen. Für die Ziegenprämiierung wurden fast alle am Markt befindlichen Ziegen vorgeführt. Es waren hiersür Preise in Höhe von 450 Mark zur Verfügung gestellt worden, die sämtlich vergeben werden konnten. Die Richtung der Ziegen hatte der Kreisziegenzuchtverein Gießen übernommen. Es wurde sehr gutes Material vorgeführt. Für die Rindoiehprämiierung mürben etwa 100 Tiere der Fleckviehrasfe und 32 Tiere der Vogelsberger Rasse gezeigt. Das hessische Fleck- rren Dr. Schneider, Ueber das machen. Ausstellung von llebernahmescheinen für Eier. Die Reichsstelle für Eier veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Ausstellung von lieber» nahmefcheinen für Eier, nach der Eier nur in den Verkehr gebracht werden dürfen, wenn für sie ein Uebernahmefchein ausgestellt ist. Ausgenommen sind Eier, die aus einem, im Zollinland gelegenen Erzeugerbetrieb unmittelbar an den Verbraucher abgegeben werden. Den Antrag auf Stellung eines Uebernahmescheines können' Betriebe stellen, die Eier beim Erzeuger aufkaufen und in den Verkehr bringen wollen, sowie Einzelerzeuger, denen die Erlaubnis zur Kennzeichnung von Eiern erteilt ist und die Eier an andere als den Verbraucher ad- geben. Der Antrag muß bei dem Eierverwertungs- verband gestellt werden, dem der Betrieb angehört, oder in dessen Bezirk far Betrieb des Einzelerzeugers gelegen ist. Die Uedernahmescheine sind nicht übertragbar. Für die im Zollinland erzeugten Eier wird als Unterschiedsbetrag eine Gebühr von 1 Rpf. je Kilogramm ober nach Wahl der Reichsstelle für Eier oder des von ihr beauftragten - Eierverwertungsverbandes 0,06 Rpf. erhoben. Die Uebernahme- scheine sind nach Ablauf ihrer Gültigkeit vom Antragsteller an die Stelle, die sie ausgefertigt hat, zuruckzugeben. Es ist darauf zu vermerken, welche Mengen Eier auf Grund des Scheines in den Verkehr gebracht worden find. Die eingehenden Gebühren werden zur Marktreglung verwendet. Sie kommen damit der gesamten Eierwirtschaft und jedem einzelnen zugute'. Die Scheine werden erstmalig durch die Eierverwertungsverbände für die Zeit vom 1. bis 30. Juni 1934 ausgestellt. Später sind sie jeweils für drei Monate im voraus zu beantragen und auszustellen. Der Antrag auf Ausstellung eines neuen Uebernahmescheines ist 10 Tage vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des alten Scheines einzureichen. * Mannesmannröhren - Werke, Düsseldorf. Der Rohertrag stellt sich 1933 auf 55,50 (48,68) Mill. Mark, Handlungsunkosten auf 45,35 Amerikanische Notes.............. Belgische Notes...... Dänische Roten .. Englische Noten .. Französische Noten ... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten • • •••• • • Deutsch Oesterreich. 4 100 Schilling Rumänische Noten ............. Schwedische Note» Schweizer Noten (panische Note» ........... hatte denkbar kleinste Umsätze, wobei die Kurse gegenüber gestern kaum verändert waren. Stadtanleihen gaben zum Teil nach, meist blieben fie aber behauptet. Der Auslandsrentenmarkt lag ohne Interesse. Tagesgeld war zu 3,50 v. H. erneut um 0,25 v. H. leichter. Abendbörse: still aber freundlich. Die Nachricht von einem bevorstehenden Abschluß der Transfer-Verhandlungen im Laufe des fauligen Tages löste an der Abendbörse eine zuversichtliche und freundliche Stimmung aus. Allerdings blieb die Umsatztätigkeit weiterhin sehr klein, da man erst Näheres abwarten will. Vom Publikum lagen kaum Aufträge vor, nur tn Farbenindustrie beobachtete man noch kleine Käufe, die fan Kurs um 0,75 v. H. erhöhte. Auch die übrigen Papiere lagen gegen den Berliner Schluß zumeist um 0,25 bis 0,50 v. H. freundlicher. Im Verlaufe blieb das Geschäft klein. Farbenrndustne bröckelten leicht ab, und auch die Neubesitzanleche, die anfangs um 20 Pfennig höher lag, ging etwas zurück. Im übrigen lagen die Rentenkurse unver- ändert. Farben-Bonds konnten sich um 0,75 v. H. auf 120,75 v. H. befestigen. U. a. notierten: Neu- befitzanleifa 17,80 bis 17,70, Altbesitzanleihe 95,90, ßproz. Stahlverein-Bonds 72,75, Reichsbank 150,25, Buderus 73,50, Gelsenkirchen 60,50, Mannesmann 62,25 bis 62,50, Phönix 48, Rheinstahl 91,40, Aku 55,25, Bekula 133, Bemberg 64, Daimler 46,50, Scheideanstalt 185,50, JG.-Farben 134,75 bis 134,50 bis 134,63, Holzmann 61, Metallgesellschaft 79,25, Rhein. Elektro 94, Schuckert 88,50, Siemens 132, Nordd. Lloyd 28,40. Nächsten Montag keine Börse. Am Montag, 2 8. Mai, fallen anläßlich des 125jährigen Jubiläums der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. die Mittags- und A b e n b b ö r f e sowie der Getreidegrotz- markt aus. Frankfurter Schtachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 24. Mai. Auftrieb: Rinder insgesamt 63 (gegen 64 am letzten Donnerstagmarkt), darunter befanden sich 20 Ochsen, 8 Bullen, 14 Kühe und 21 Färsen; Kälber 459 (1608); Hämmel 13 (24), Schafe 3 (13); Schweine 612 (689). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mk.: Kälber: Sonderklasse —, andere a) 56 bis 58, b) 51 bis 55, c) 44 bis 50, d) 37 bis 43. Lämmer, Hammel und Schafe wegen des geringen Auftriebes nicht notiert. Schweine: al) —, a2) —, b) 37 bis 41, c) 37 bis 40, d) 34 bis 40, e) —, f) —, gl) — g2) —. Dm Preisvergleich zum letzten Donnerstagmarkt waren Kälber um 6 Mark teurer, Schweine gaben um 1 Mark nach. Marktverlauf: Kalber, Hämmel und Schafe rege, ausverkauft. Schweine schleppend, geringer Ueberftanb (88 Stück). F 1 eischgr 0 ßmarkt. Beschickung: 794 Viertel Rindfleisch, 126 ganze Kälber, keine Hämmel und Schafe, 612 Schweinehälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch! 54 bis 60, II 50 bis 54; Bullenfleisch 48 bis 55; Kuhfleisch II 36 bis 45, III 30 bis 36. Kalbfleisch II 75 bis 80, III 68 bis 75. Hammel- und Schaffleifch nicht notiert. Schweinefleisch I 60 bis 66. Geschäftsgang fas Fleischgroßmarktes: lebhaft. Die beiden Rassen wurden nach folgendem Plan prämiiert: 1. Bullen über 2 Jahre. 2. Bullen von 16 bis 24 Monate. 3. Kühe mit 3 und mehr Kälbern, erkennbar tragend. 4. Kühe fasgl. in Milch. 5 Kühe mit 1 bis 2 Kälbern, erkennbar tragend. 6. Kühe fasgl. in Milch. 7. Rinder erkennbar tragend. 8. Rinder über ein Jahr. 9. Familien. Die Prämiierungsliste. Vogelsberger Rasse: Klasse I: Prinz Frdr. Ldg. zu Solms-Lich, Mühlsachsen 2. Pr. c Klasse II: Graulich Philipp, Hattenrod, Anerkennung. Kl a s s e III :Prinz Fr. Ldg. z. S. H.-Lich, Muhlsachsen, Ehrenpreis; derselbe 2. Pr.; Pein Ernst, Nieder-Bessingen, 2. Pr.; Bötz Heinrich, Bersrod, 3 Pr.; Münch Heinrich, Großen-Buseck, 3. Pr.; Bötz Heinrich, Bersrod, A. Klasse IV: Fach Wilhelm, Nieder-Bessingen, 1. Pr.; Märle Karl Frdr., ßick 2 Pr.; Harbach Hch., Großen-Buseck. 2. Pr.; Prinz ftrbr Ldg., Mühlsachsen, 3. Pr.; derselbe 3. Pr.; Münster Heinrich, Hattenrod, A. K l a s s e V : Becker Ludwig II., Steinbach, 1. Pr.; Keblowski Karl. Nieder-Bessingen, 2. Pr.; Prinz Frdr. Ldg., Mühlsachsen, 3. Pr.; Fischer Karl Frdr., Lich, A. Klasse VI: Harbach Heinrich VIII., Großen- Buseck, 1. Pr.; Münster Hch., Hattenrod, 2. Pr.; Keblowski Karl, Nieder-Bessingen, 2. Pr.; Harbach Hch., Großen-Buseck, 2. Pr.; Pein Ernst, Nieder- Bessingen, 3.Pr.; Fach Wilh., N.-Bessingen, 3.P. <% Oestecrrtchtsche Gold reute... 4,20% Oesterreichtsche Sllberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische StaalSrente v. 1910 4H% betflL von 1918.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Düriische Zollanleihe von 1911 4% Türtisch« Ba-dadbahn»Anteihr Vieh wurde von Bopp und A l t 0 a t e r bewertet. Vogelsberger Vieh urteilten die Herren Fischer und Velten. Die Landesbauernschaft Hessen- Nassau machte sich ebenfalls um die Durchführung der Prämiierung verdient. Für die Rindviehprämi- ierungen stand ein Betrag von 800 Mark zur Verfügung, der ebenfalls restlos vergeben werden Steigender Treibstoffverbrauch. Der Verbrauch von Treibstoffen ist ebenso wie der von Kohle oder von elektrischer Kraft in erster Linie von der Beschäftigungskonjunktur der Gesamtwirtschaft abhängig. In zweiter Linie erzeugt aber die fortschreitende Motorisierung der Wirtschaft und des Verkehrs eine Zunahme des Treibstoffverbrauchs. Solange die deutsche Wirtschaft und mit ihr der Verkehr immer mehr abglitt, ging selbstverständlich auch der Treibstoffverbrauch ständig zurück. Er verminderte sich von 2,20 Millionen Tonnen im Jahre 1931 auf 1,97 Millionen Tonnen im Jahre 1932, also innerhalb eines Jahres um 10,7 Prozent. Im Jahre 1933 trat zum ersten Male eine Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft auf Grund der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsaktion ein. Infolgedessen erhöhte sich auch der Treibstoffoerbrauch wieder auf fast 2,07 Millionen Tonnen. Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint diese Zunahme des Verbrauchs um 5,2 Prozent angesichts der schnell fortschreitenden Automobilisierung als ziemlich gering. Man muß aber berücksichtigen, daß infolge der in den vergangenen Jahren eingetretenen Verarmung Deutschlands auch die auf sparsamsten Betriebsstoffverbrauch gerichteten Bestrebungen bedeutende Erfolge erzielt haben. In Vieser Richtung liegt auch der Uebergang des Automobilverkehrs zur Benützung von Kleinautos. Bemerkenswert ist ferner, day der Verbrauch von Gasöl infolge des Vordringens des Dieselmotors um 21,7 Prozent gestiegen ist. Auf diese Zunahme des Gasöloerbrauchs entfällt sogar die gesamte Steigerung des Treibstoffverbrauchs, die im Jahre 1933 festzustellen ist, so daß also der Verbrauch der leichten Treibstoffe infolge der sparsameren Bewirtschaftung überhaupt nicht gestiegen ist. Der Verbrauch ausländischer Benzine ist erfreulicherweise abermals zurückgegangen, ebenso der von Benzol ausländischer Herkunft. Dagegen hat der Verbrauch von deutschem Benzol erheblich zugenommen und bereits wieder den Stand des Jahres 1931 erreicht. Auch die inländische Erzeugung von Benzin ist um 16,4 Prozent gestiegen. Trotzdem entfallen von dem fast 1,08 Millionen Tonnen betragenden Benzinverbrauch des Jahres 1933 erst 174-000 Tonnen auf die Jnlandserzeugung, während der Benzolverbrauch zu 88 Prozent und der Spiritusverbrauch restlos aus der Jnlandserzeugung gedeckt wird. Von dem 584 000 Tonnen betragenden Gasölverbrauch stammen 110 000 Tonnen aus der inländischen Erzeugung, während 474 000 Tonnen eingeführt sind. Offensichtlich hat die Deckung des deutschen Treibstoffverbrauchs aus inländischer Produktion im Jahre 1933 befriedigende Fortschritte gemacht, wenn wir auch noch weit von dem Ziele entfernt sind, unsere Treibstoffversorgung vom Auslande völlig unabhängig zu (42 02) Mill Mark. Abschreibungen werden in Höhe von 8,05 (9,82) Mill. Mk. vorgenommen so daß sich ein Reingewinn von 2 098 423 ergibt (1. D. 3,17 Mill. Mark Verlust, der sich durch den Gewinnvortrag auf 1,21 Mill. Mark ermäßigte). Nach Abzug dieses Verlustoortrages bleibt ein Reingewinn von 883 786 Mark. Der GV. am 27. 6. in Berlin wird vorgeschlagen, nach Zuweisung von 0,44 Mill Mk. an die gesetzliche Rücklage die Dividende auf die Vorzugsaktien Lit. A und B für 1932 (Fehljahr) und 1933 auszuschütten und 112 674 Mark vorzutragen. Frankfurter Börse. Mttagsbörse: etwas freundlicher. Frankfurt a. M., 24. Mai. Die Börse lag noch sehr ruhig, war aber allgemein etwas freundlicher, vor allem am Rentenmarkt. Da die Transferverhandlungen im Grunde abgeschlossen seien, wobei die Börse auch schon einen bestimmten Inhalt des Abkommens kennen wollte, neigte die Kulisse zu Meinungskäufen. Seitens der Bankenkundschaft lagen noch wenig Aufträge vor. Immerhin wurden kleine Käufe gegen Sperrmark und für Rechnung der Stillhaltegläubiger beobachtet. Etwas lebhafter waren Staatsanleihen. Hier gewannen Altbesitz 20 Vf., Neubesitz ebenfalls 20 Pf., nur späte Reichsschuldbuchforderungen lagen knapp behautet. Reichsmark-Obligationen waren geschäftslos. Am Aktienmarkt lagen Farbenindustne bet 133,65 v. H. etwa behauptet, die übrigen Chemie- werte sehr still und kaum verändert. Der Elektromarkt tendierte etwas fester, wobei Siemens 1,25 0. H., Licht und Kraft 0,75 v. H. und Schuckert 0,50 v. H. gewannen, nur AEG. setzten noch 0,13 v. H. dichter ein. Montanaktien notierten bei kleinster Veränderung uneinheitlich; etwas leichter mären Harpener, Mannesmann, Phönix und Rheinstahl, dagegen fester Stahlverein und Klöcknerwerke, letztere um 0,75 d. H. Zellstoffwerte wurden etwas stärker beachtet, Aschaffenburger um 1,50 vH., Waldhof um 0,50 v. H. befestigt. Reichsbankanteile zunächst 149,50, dann bis 150,25 v. H., also leicht über Vortagskurs. Von Schiffahrtswerten blieben Hapag gehalten, Nordd. Lloyd gaben 0,50 v. H. nach. Im einzelnen eröffneten Daimler 0,65 v. H. freundlicher, unverändert lagen Continental Gummi, Bemberg und Gement Heidelberg. Die Nebenmärkte lagen sehr still. . , v In der zweiten Börsenstunde stagnierte das Geschäft vollkommen, das Kursniveau erwies sich aber als sehr widerstandsfähig, wenn auch eine gewisse Uneinheitlichkeit bestehen blieb. Am Montanmarkt konnten einige Anfangsrückgänge ausgeglichen werden, Farbenindustrie erhöhten sich auf 133,75 v. H., ferner gewannen Elektr. Lieferungen 2 v. H., Deutsche Linoleum 0,25 v. H., andererseits bröckelten ! Nordd. Lloyd weiter etwas ab und AKU. verloren 103 55,75 63,5 45,5 40,5 123 46,13 58,25 61,75 17,25 164,9 169,75 151,75 I Datum 4% betfll. Serie li ............. 5% Stu mihi, vereinh. Rente v. 1903 4H%RumLn.oereinh.Rentev.i9l3 4% Rumänische vereinh. Reute .. ,%% Anatolier .............. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. angeführten Zistern geben Oie Hohe Oer zuletzt beidiloflenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0. H., Lombardztnsfuß 6 v. H. 55,25 63,75 45,75 40 45,65 58 17,25 164 169,5 152 Klbckn erwecke .......... 0 62, Wauutimaan-RMm v 61, Deutsche «rMI Gelsenkirchen« barpener ... 94,25 94 8,25 l 55,25 64 46,25 41,5 46,5 58,5 17,25 164,5 168,75 151,5 22,5 1 22,5 72 72 175,25 175,5 Philipp Holzmann ...... 01 Zementwerk Heidelberg •••••• Ol »entwert Radttabt.........O| Schul theiS Patzen!wj er .. 0 Wu (Allgemeine Kunstselde) .. 0 Bemberg...................0 Hellstoff Waldhof 0 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Da» ...............1 Daimler Motoren 0 Deutsche Linoleum ........0 vrenftein & Koppel 0 Leonhard Dietz ..............0 Lhadr......................10 S Stadt 'wurde musiziert und getanzt. Einige Jux« ' geschäfte boten allerlei Kurzweil. Erst am späten . Abend machte man sich auf den Heimweg. ■Datum •% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 •% ehem.7°/«» Dt.ReichSanl. 0.1929 6Ki% Doung-Anlelhe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablüs.-Schulv mit AuSlos.-Rechlen ........... DeSgl. ohne Auölol.-Reckte...... t% ehern.8% Hess. BoUSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 6% Heff. Landesbank Darmstadt ®olb M. li............... 6y«% Heff. LandeS-Hypotheken- 5ant Darmstadt Ötqiri......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten.......... Deutsche Komm. Sammelabl. An- lethe Serie 1 mit AuSlof.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hhp.-Bank gloldpfe. 15 unkündbar bis 1935 1% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bunk Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 •%% ehem. 4V,% Franks. Hyp.- Vank-Ltqu.-Pfandortese....... ehem. Rheinische Hhp.-Bank-Llliu.-Äoldpfe. ... «% ehem. 8% der Treppe befindet, und anstatt in eine Art Vorraum zu kommen, wie man vielleicht gedacht hat, kommt man in ein großes Zimmer, den sogenannten Billardraum. Hier pflegt der König sich zuweilen nach dem Essen eine Stunde mit den Bällen zu vergnügen. Mein Blick fällt auf die schweren antiken Möbel. Zahlreiche Fauteuils und Stühle laden zum Sitzen ein. Es gibt so viel zu sehen, daß man fast vergißt, weshalb man hier ist. Die Wände sind vom Fußboden bis zur Decke mit den wunderbarsten Jagdtrophäen bedeckt. Alles Erinnerungen an die eigenen Jagdfahrten des Königs. Besonders zahlreiche Geweihe von Hirschen und Elchen sind vorhanden, auch einen Wildschweinskopf und ein Krokodil gibt es. Bestimmt eine Sammlung, die auch einem Nichtjäger imponieren kann. Und erst in dieser Umgebung versteht man richtig, was die Jagd für den König bedeutet. Auf dem einen riefenlangen Tisch steht ein nahezu phantastischer Rauchaufsatz mit den ausgesuchtesten Rauchutensilien, und besonders interessant ist ein gigantischer Aschenbecher auf einem echten Elefantenfuß, desgleichen eine Riesenstreichholzschachtel. Die meisten Herren befinden sich im Frack und sind geschmückt mit den Orden, deren Verleihung der Anlaß zur Danksagungsvisite war. Man kann fast sicher sein, daß von zehn Zivilpersonen acht hier sind, um sich für irgend eine Auszeichnung oder einen Orden persönlich zu bedanken. Das gleiche trifft bei den Militärs zu. Unmittelbar nach den jeweiligen Beförderungen wimmeln daher die Empfänge des Königs von Paradeuniformen. Dazwischen sieht man auch zwei ober drei Menschen im einfachen Straßenanzug. Denn die Audienz scheitert nicht daran, daß einer keinen Frack besitzt. Nein, jeder Anzug ist hier willkommen. Ost findet sich auch ein einfacher Bauer in feinem sauber gedürsteten Werktagsanzug ein, wenn er keinen Sonntagsanzug besitzt, oder in der Tracht seines Heimatortes. Fast beneidet man die Herren vom Hofstaat, die sich fo sicher und zu Hause in dieser Umgebung fühlen. Sie haben kein Lampenfieber und sprechen ungeniert miteinander, wenn sie die Stimme auch etwas dämpfen. Endlich wird die Tür zum nächsten Raum geöffnet, und unfreiwillig zuckt man zusammen. Jetzt? — Keinesfalls. In diesem Gemach, genannt der Rote Salon — es ist alles rot oder rotgetönt, von den Teppichen dis zu den Gardinen und allem anderen — wartet der wachthabende Kammerherr, dessen Aufgabe es ist, die Besucher nach dem Anlaß ihres Audienzwunsches zu fragen. In den meisten Fällen wird die Audienz bewilligt. Es sind natürlich unzählige, die sich an den König wenden, um Hilfe für ihre schwere wirtschaftliche Lage zu erbitten. Diese Besucher werden allerdings nicht vorgelassen, sondern an den Privatsekretär des Königs verwiesen, der auch die schriftlichen Gesuche bearbeitet. Daß der König kaum die Möglichkeit hat, in allen Fällen zu helfen, ist selbstverständlich. Der Kabinettsherr bestimmt, in roefäjer Reihenfolge die Besucher vorgelassen werden. In der Regel wird es so gehandhabt, daß die Besucher in der Folge, wie sie anlangen, Vortritt erhalten. Den Vorzug vor dem Zivil haben jedoch Militärs und Deputationen; und von den Zivilpersonen wieder hochgestellte Persönlichkeiten aus dem Staatsdienst vor dem einfachen Mann. Gesichter, wie man sie im Wartezimmer des Zahnarztes sieht, sindet man auch hier. Ueberhaupt ist der Unterschied zwischen beiden Wartezimmern nicht sehr groß. Dieselbe zugeschnürte Kehle, das Herz im Halse und der heiße Wunsch: Oh, wäre doch alles vorbei! „Aus welchem Grunde wünschen Sie eine Audienz bei Seiner Majestät?" fragt mich der Kammerherr. — „Ich mochte ihm sagen, wie sehr ich sein Land liebe und wie mich die grandiose Landschaft immer wieder packt, sooft es mir vergönnt ist, hier oben zu weilen" — „Sie sind Deutscher, wie ich an Ihrem Akzent höre? Da darf ich Sie leider nicht vorlassen. Der Empfang beim König ist nur für feine Untertanen bestimmt." — Das war natürlich ein Strich durch meine Rechnung. — „Bester Herr Hofmarschall, können Sie nicht einmal eine einzige Ausnahme machen? Sehen Sie, ich habe mich so sehr auf diese Audienz gefreut." — Aber alles Bitten war vergeblich. Das einzige, was er mir zugestand, war, daß ich, wenn der nächste Besucher zum König hereingelassen wurde, einen Blick durch den Türspalt werfen durfte. G Und da sah ich den ranken, schlanken König von Schweden mit einem, stillen, freundlichen Gesicht am Schreibtisch sitzen. Doch ehe ich Zeit hatte, einmal Atem zu holen, schloß sich die Tür zum Aller- heiligsten vor meiner Nase. Das Früchtchen Franziska. Die junge ungarische Schauspielerin Franzisko Gaal, die in Deutschland überraschend schnell Karriere gemacht hat — hier sah man sie in „Gruß und Kuß, Veronika" und „Skandal in Budapest" — fand in ihrem jüngsten Lustspiel eine Paraderolle vor, die ihrem angeborenen Temperament, ihrem Scharm und ihrem darstellerischen Naturtalent jegliche Entfaltung bot: sie spielt eine berühmte Sängerin, die sich eines Tages in ein ganz kleines Mädchen im kurzem Kleidchen und in Wadenstrümpfen verwandelt, um ihrer ebenfalls noch jugendlichen Mama aus einer peinlichen Verlegenheit zu helfen. Es würde zu weit führen, das genauer zu erläutern; die Tatsache genügt, um dem Zuschauer und Zuhörer eine lustige und unterhaltsame Stunde zu bereiten. Franziska Gaal hat sich nicht auf eine schwankhafte Auswertung der Situation beschränkt, sondern sich dem komödiantischen Reiz der Verwandlungsrolle mit einer Mischung von Naivität, Humor und weiblicher Ueberlegenheit hingegeben, die den von Richard E i ch b e r g geleiteten Film zu einer amüsanten Angelegenheit macht. Sehr reizend: Leopoldine K o n st a n t i n , die man leider nur selten sieht, als junge Mama. Hermann Thimig ist für die ihm zugedachte Rolle des guten Onkels wie geschaffen. Von den übrigen zeichnen sich vor allem E d t h o f e r, Theo Lingen, der diesmal wirklich komisch ist, Margarete Kupfer, Tibor v. Hal- may und der freche Filmknabe Hans Richter aus. — Im Beiprogramm zeigt das Lichtspielhaus einen Konzertfilm (das Berliner Stadtopernorchester unter Stiedry spielt die Ouvertüre zu den „Lustigen Weibern") und die Wochenschau mit aktuellen Bildern. Zeitschriften. — Friedrich Loy stellt im Maiheft der „Zeitwende" (Verlag C. H. Beck, München-Berlin) die Frage: „Warum braucht die Kirche ein Bekenntnis?" Loy beantwortet sie klar, lebendig und oer- ständlich, jenfeäts alles kirchenpolitifchen Streits, nur aus der Sache heraus. Gerade dadurch zeigt er um fo deutlicher, daß der Kampf um das Bekenntnis nicht ein höchst überflüssiges Theologengezänk ist, sondern daß „dabei nicht mehr und nicht weniger als Auftrag und Wesen der Kirche auf dem Spiel" steht. Deshalb «ist biefer Kampf — trotz manchen schmerzlichen und beschämenden Begleiterscheinungen — nicht zu beklagen. „Kämpferische Zeiten sind nicht nur für ein Volk, sie sind auch für Kirche zuletzt immer ein Segen gewesen. Aengstllche und unsichere Gemüter mögen darüber jammern, die tapferen und getrosten Herzen grüßen sie- Zeiten unbedrohter Sicherheit und unbewegter Ruy sind immer Zeiten kirchlicher Lähmung. Kirchlich Kämpfe um die christliche Wahrheit, wenn sie m geistigen Waffen geführt werden, zeugen voni*De und dienen dem Leben." mit dem Deutschen Sängerbund entscheiden wird. Diese Entscheidung ist endgültig. Berlin, am 9. Mai 1934. gez.: Meister, Bundesführer des DSB. -Der Präsident der Reichsmusikkammer. I. 21.: gez. Ihlert. Mr bringen vorstehende Anordnung hiermit zur Kenntnis der Bundesvereine des Gaues XII des DSB. (Hess. Sängerbund) und ersuchen die Dereins- w alter, unverzüglich den Kreiswaltern die geforderten Angaben zu machen. Gaugeschäftsstelle des DSB. gez.: Wilk, Gaugeschäftsführer. Hofstraße, „Früchtchen". — Deutscher Heimarbeiter« und Hausgehilfen-Verband, Zellen Mitte und Nord, 20.30 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Zellenabend. E hr e n v o l le E i n la d u n g. Der Direktor des Umv.-Tierzuchtinstitutes Oberer Haritthof, Prof. Dr. K r a e m e r , wurde von dem Regierungsrat des Kantons Bern und von der Universität Bern zu der vom 1. bis 3. Juni stattfindenden Jahrhundertfeier der Universität Bern als Ehrengast eingeladen. Prof. Dr. K r a e m e r war als Ordinarius während der Jahre 1900 bis 1908 an der Universität Bern tätig. ** Fällige Stromgelder. Die Direktion der Elektrizitätswerke und der Ueberlandanlage Gießen macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die fälligen Stromgelder für den Monat März noch bis zum 5. Juni ohne Kosten bezahll werden können. ** Feuerwehr-Uebung. Heute morgen klangen die Signale der Feuerwehr in einigen Straßen unserer Stadt. Wie wir auf Anfrage beim Depot erfahren, rückte die Feuerwehr lediglich zu einer Hebung aus. Freizeit in Zeltlagern der HL. Aufrufe au die Arbeitgeber. Landesmusikenschaft Hessen-Nassau des Fachoerbandes B in der Reichsmusikkammer Darmstadt. gez.: Fichtmüller. * Mit Bezug auf die veröffentlichte Vereinbarung, die zwischen dem Deutschen Sängerbund und der Reichsmusikkammer getroffen worden ist, fordern wir sämtliche Berufsmusiker, die gewillt sind, die Leitung eines Männer-Chores zu übernehmen und die die dazu nötige Befähigung nachweisen können, auf, sich sofort bei der unterzeichneten Ortsmusikerschaft zu melden. Geschäftsstelle Hit- I e r w a 11 12. Arbeitgeber! Das Gebiet Hesien-Rassau bet Hitlerjugend wird im Laufe dieses Sommers eine große Anzahl von Zeltlagern an den schönsten Punkten des Landes errichten. Sie sollen der Hitlerjugend, besonders den Werktätigen in ihren Reihen, die Möglichkeit geben, in Gemeinschaft der Kameraden ein, einst an der arbeitenden deutschen Iugend gesündigt wurde, und den Willen, Euren Teil beizutragen an der Heranbildung eines starken Geschlechts. heil Hitler! Die Gebietsführung HesfenRafsau der Hitlerjugend, gez.: Kramer. ?brlmgen im jetzigen die Verhältnisse unter GA.-Ependeiag in Gießen zwei, drei Wochen in deutschen Augen ein ungebundenes, doch diszipliniertes Jungenleben zu führen, deutsche Landschaft zu erleben, nationalpolitische Schulung zu genießen, bei Ausspannung von harter Arbeit neue Kräfte für ihren Beruf zu gewinnen zur Ehre der Arbeit, zur Ehre des Volkes. An Euch Arbeitgeber geht darum die Bitte: dem marxistischen Regime. Sodann überreichte der Obermeister den jungen Gesellen die Lehrbriefe. Altgehilfe Schermuly gab den jungen Gesellen einige gute Lehren mit auf ihren Lebensweg. Ich mache mir den vorstehenden Aufruf der Ge- bietsführung der HI. vollund gänz zu eigen und richte die dringende Bitte an alle Führer der Betriebe, an die Eltern und Erzieher, mitzuwirken, daß die Zeltlager allen jungen Deutschen, insbesondere aber der HI., zugänglich gemacht werden. Dort soll ein freis deutsches Geschlecht im n a- tionalsozialislischen Sinne nach den Zielen Hitlers erzogen werden. Frankfurt a. 211., 24. Blai 1934. gez. Sprenger. Ortsmusikerschaft Gießen des Fachverbandes B in der Reichsmusikkammer, gez.: Kasten. Lossprechung der Friseur-Lehrlinge durch die Innung Gießen. Im kleinen Saale des Restaurants „Aquarium" fand dieser Tage die Lossprechung der Lehrlinge ,r- - , ri , ~ _ - r - ;(Öebt den Jungarbeitern (Eurer Betriebe, den Jung- Fr'^gew°rb°s statt Ob°rm°ist°r Schäfer ha^rkern Eurer Werkstätten dle ihnen im na- begrüßte bte Kollegen unb Kolleginnen, insbeonbere auch die Angehörigen der teilnehmenden Lehrlinge, ^wna sozialistischen Staat zustehende Freizeit, Er wies kurz auf das erfreuliche Verhältnis zwischen ^ami* Zeltlager besuchen können. Bekundet Meistern, Gehilfen und Lehrlirmen im jetzigen damit Eure Bereitschaft, wieder gut zu machen, was Staat hin und erinnerte an - Er empfahl den jungen Leuten insbesondere, auch einmal in die Fremde zu gehen, Land und Leute kennenzulernen und sich den beruflichen Gesichtskreis zu erweitern. Der junge Gehilfe müsse darauf sehen, daß er mehr und mehr zum Qualitätsarbeiter werde. Mit der vollendeten Lehrzeit sei die Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen. Jeder müsse noch viel lernen. Der Vorsitzende der Handwerkskammernebenstelle Oberhessen, Pg. S t ü h l e r beglückwünschte die Lehrlinge zu ihrer abgeschlossenen Lehrzeit und empfahl. den jungen Gesellen, sich durch eigenen Fleiß weiterzubilden, damit man auch im Ausland eines Tages wieder von der Qualitätsarbeit im deutschen Friseurgewerbe sprechen könne. Gerade der deutsche Friseur werde im Ausland sehr bevorzugt. Mit dreifachem „Siea-Heil!" auf unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler wurde die Feier geschlossen. Geselliges Beisammensein beschloß den Abend. Daten für Freitag, 25. Mai. Anläßlich des am 2 6. und 27. 211 a i 1934 slatt- findenden GA -Gpendeiags finden in Gießen folgende Deranstallungen statt: Samstag, 26. Mai 1934: 18—19 Uhr: Platzkonzert des 2Nufikzuges des Reserve-Sturmbanns 1116 in der Plock- straße — Johannesstraße. 20.30 Uhr: Zapfenstreich! Aufstellung: am Standartengebäude (Landgraf-Philipp-Plah). Der Zapfenstreich marschiert durch folgende Straßen: Landgraf-Philipp-Plah, Sonnen- ftcaße, Reuen Bäue, Ludwigslraße, Alicen- straße, Seltersweg, kaplansgasse, Reustadt zum Oswaldsgarten. Sonntag, 27. Mai 1934: 6.30 Uhr: Wecken. 11—12 Uhr: Platzkonzert des 2irufikzuges des Reserve-Sturmbannes 1116 in der Plock- siraße — Iohannesstraße. 12—13 Uhr: Platzkonzert des Rlusikzuges der Standarte 116 in der Walltorslrahe, Ecke Dammstraße. 14 Uhr: Propagandamarfch durch die Stadt (Aufstellung am Standartengebäude). 17—18 Uhr: Platzkonzert des 2Nusikzuges des Reserve-Sturmbanns I 116 am Selterstor. 18—19 Uhr: Plahkonz ert des 2Nusikzuges der Standarte 116 am Oswaldsgarten. Volksgenossen! Bekundet eure innere Verbundenheit mit den braunen Kämpfern durch reichliche Spenden! Oberheffen. 1015: Grundsteinlegung zum Straßburger Münster. — 1809: Schill besetzt Stralsund. — 1818: geb. der Kunsthistoriker Jakob Burckhardt in Basel (gdft. 1897). — 1855: geb. der Maler Leopold Graf von Kalkreuth in Düsseldorf (gest. 1928). — 1865: geb. Friedrich August III., ehem. König von Sachsen, in Dresden (gest. 1932). — 1932: gest. der Admiral Franz v. Hipper in Altona (geb. 1863). BornoNzcn. — Tageskalender für Freitag: 18 Uhr, Hotel Hindenburg, wichtige Besprechung der Führer sämtlicher Gießener Vereine über die am 3. Juni stattfindende große Kundgebung. — Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Tosco". — Lichtspielhaus, Bahn- 53. Hauptversammlung des VHC rl. Gedern, 23. Mai. Am nächsten Samstag und Sonntag wird sich in unserem Städtchen eine große Anzahl wander- und heimatfroher Menschen zur 5 3. Hauptversammlung des D H C., unseres Vogelsberger Heimatbundes, zusammenfinden. Unter ihnen werden auch, wie schon kurz gemeldet, der Reichsführer des Verbandes der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Werner, und der Gauführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Ministerialrat Ringshausen, sein; beide sind langjährige VHC.-Mitglieder. Pros. Werner wird hier die von den Wanderschwestern des Gesamtoereins gestiftete Bundesfahne weihen; fleißige Werber des Bundes werden ausgezeichnet, und auch über den zukünftigen Namen des VHC. wird auf dieser Tagung entschieden werden. Ein Begrüßungsabend am Samstag, Wanderungen in die schöne Umgebung Nachdruck verboten! 14 Fortsetzung In seinem kleinen Zimmer sank er auf feinen Schemel und stützte den Kops in die Hand. „Der Kerl sah fürchterlich aus — fürchterlich! Eine kalte, brutale Natur. Ein ganz hemmungsloser Mensch. Woher kennt er sie? Sie — Ellen — Ellen!? Und mir warst du eine Heilige!!" Von Zweifeln gequält, fand Bernd Cahler in dieser Nacht keinen Schlaf. Sein Ideal — Ellens reines, leuchtendes Bild war beschattet. Die ganze Nacht hindurch arbeitete er wie ein Rasender. In ihrem Zimmer aber schluchzte Ellen wild m die Kissen. . . Vorhin noch erschien ihre Kameradschaft der einzig ruhende Pol zu fein — jetzt fühlte sie deutlich den Riß, der bitter schmerzte. Sie sah die Gesichter der drei Manner, die sie so frech und begehrlich angeschaut hatten: Holm, Olsen, Donnert. Sie fröstelte. Wieder war dos Zittern m allen Gliedern, das sie schon den ganzen Abend über so schwach, so willenlos gemacht hatte. War sie am Ende ihrer Kraft? Ein haltloses Schluchzen durchbebte den zarten Körper. Sie war am Ende ihres Wollens, gab sich dem bitteren Schmerze hin, der aus ber Tragik ihrer Schönheit kam und sie zu vernichten drohte. Muttchen, liebes Muttchen! Du hättest deinem Kinde geglaubt. Gewiß, ich hätte ihnen ein paar erklärende Worte sagen müssen; aber ich dachte, sie müßten mich doch kennen. .. Schaurig klang das Weinen durch die Dunkelheit ^Jhre^zl'rmarterten Nerven suchten und suchten, aber sie fand keinen Halt Erst als ihre erregte tRhrmtafie Rainer von Rakemus Bild formte, wurde sie ruhiger und ein glückhaftes Lächeln grub sich um ihren Mund. Doch das Lächeln erstarb - sie sah die Frau an seiner Sette. Die schone, mter- essante, elegante Frau! Zwölftes Kapitel. Doktor Olsen warf einen sichernden Blick m den Rückspiegel und legte den rassigen Wagen scharf m(Erietannkebie Stelle, an der er die Straße nach Merseburg verlassen mußte. Schattete und fuhr den knirlchenden Kiesweg in Richtung des Ausflugs- Sommer war der Parkplatz vor den Terrassen besetzt Olaf Olsen kannte ihn wie manchen anderen in Europa. llnd NUN, Ellen? Vornan von Käthe Mehner. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlog, Holle (S.) Noch gähnte der Wächter, zog bann aber schnell bie Mütze. Olsen ging in bas Lokal. Leere Tische überall... Hilfsbereite Kellner, aber kein Gast. Er reichte ben runben, hellgrauen Hut hin, ließ sich ben eleganten Staubmantel abnehmen und erhaschte mit Kennerblicken eine verschwiegene Ecke. „Mokka", sagte er kurz und fuhr glättend über das dichte schwarze Haar. Er wartete. Ueberlegungen gaben seinem Gesicht einen interessanten Ausdruck. „Sie wirb kommen — muß kommen." Olsen kannte feine Wirkung auf Evelyn von Rakenius. Er hatte sich nicht getäuscht. Ganz in gebämpftes Weinrot gekleidet, der Farbe ihres Wagens haargenau angepaßt, stand sie nach wenigen Minuten mit einem spitzen Lachen vor ihm. Die beiden Menschen maßen sich einen Blick lang. Jeder versuchte, die Empfindung des anderen zu ergründen. „Ich hatte nicht die Absicht zu kommen", sagte die Frau mit dem streng nach hinten gekämmten kurzen Haar, bas kastanienbraun schimmerte. Olsen blieb vollkommen gleichgültig. „Warum nicht?" So kalt kam bie Frage, baß schon ber erste prickelnde Reiz im Herzen der Frau aufstieg. Sie wußte ja selber, baß sie diesem Manne nicht widerstehen konnte, nie hatte widerstehen können. „Du machtest ber Tochter bes Generalkonsuls so auffallend den Hof. Ich sollte annehmen, bu hättest sie hierher gebeten — nicht mich, Olaf." Die Wirkung war erreicht. Olsen lächelte. Darm sah er bie gepflegte Frau burchbringenb an. „Eifersüchtig, kleine Ev?" Evelyn von Rakenius wechsette bie Farbe. „Egoist", kam es kurz zurück. Olsen überhörte bie Bemerkung. „Ich glaube nicht, baß eine glücklich verheiratete Frau eifersüchtig um einen Junggesellen sein könnte." „Glücklich verheiratet?" Diese Worte allein waren in Evelyn haften geblieben, hatten Wiberspruch ausgelöft. Fleißige Männer, bie mit allen Kräften ber Erfüllung ihrer Mission zustreben, also schon bie Reife erreicht haben, bie bie Frau nie erreichen will, finb wenig geachtet. Man schätzt sie, aber man liebt sie nicht. Begehrt finb nur bie Männer, bie täglich ihre Wirkung auf anbere Frauen erproben, die ihre Ehe nur als Ausgangspunkt genießerischer Leichtsinnigkeit ansehen. Aehnlich dachte wohl in biesern Augenblick auch Evelyn von Rakenius. Ihr Mann schien ihr, an Olsen gemessen, ein Trottel. Nur Arbeit unb wieber Arbeit — fein Verstäubnis bafür, daß das Paradies ber Freuben im Diesseits liegt. „Ich glaube nicht, baß wir hier zusammengekommen finb, um die mehr ober weniger glückliche Ehe ber. Evelyn von Rakenius zu besprechen. Ich nahm an, Ev von Ledorque interessiere bich mehr." Das kam allerbings Olsens Wünschen entgegen." „Hast schon recht. Vielleicht ist es tatsächlich noch so. Allerbings habe ich zu bedenken, ob ich auch wirklich Ev von Ledorque vor mir habe." Ein vielsagender Blick, dann schob sich eine gepflegte Frauenhand kontaktsuchend über ben Tisch. Der Mann ergriff sie, beugte sich gelassen bar- über. Doch bie Frau entzog sie ihm schnell. „Du willst spielen, Ev... Ich bin alt geworben." Ein leises, aufreizendes Lachen kam als Antwort. Der schöne, tiefrot geschminkte Munb zuckte nervös. Olsen war vollkommen befriebigt. Das Resultat dieser kleinen Komödie war besser, als er zu hoffen gewagt. Die Frau', die ihm hier gegenüber« saß, gehörte ihm noch immer mit ganzer Seele. „Die Verhandlungen mit der Chemie-Aktiengesellschaft kommen nicht zu Ende, Ev." „Um so besser. Um so länger wirst du hierbleiben müssen." „Liegt dir daran?" Die Frage klang leidenschaftlich. Sie wurde mit einem Augenaufschlag beantwortet, der Evelyn bildhübsch und begehrlich machte. Diskret schaltete der Ober den Lautsprecher ein. Melodien übermalten die leise Unterhaltung. „Ja, mir liegt daran. Ich langweile mich, Olaf. Du mußt es doch sehen." „Sehen? Oh — ja — das kann ich wohl sagen. Doch bas allein hilft mir nicht weiter. Geschäft!" Eine Unmutsfalte trat zwischen die braunen Augen ber Frau. „Geschäft und Olaf Olsen sind untrennbare Begriffe, Ev. Du mußt mir helfen." Die Leidenschaft der Frau verebbte. Ueberlegungen kamen. Sie erkannte klar, wohin Olaf Olsen steuerte. Es war nicht das erste Mal... Wenn er wieder irgend eine Forderung stellte? Blitzschnell arbeiteten ihre Gedanken. Sekundenlang tauchte auch die Frage auf, woher es nur komme, daß dieser Mann eine so dämonische Gewalt über sie hatte. Doch bann ging wieber alles unter in bem betörenben Rauschen ihres Blutes. Damals? Sie hatte Olaf Olfen bie Geheimnisse ber Farbenwerke verraten, benen ihr Vater vor- ftanb. Die Folge war bie katastrophale Nieberlage ihrer Familie — aber auch eine Zeit unsagbarsten Glückes an Olsens Sette. Olsen schien ihre Gebanken zu erraten: „Unsere mehrmonatige Schlittenreife burch Schweben, Ev..." Die Frau neben ihm zuckte zusammen. Dasselbe hatte sie eben auch gedacht. Wie glühenbe Lava floß bas Blut burch bie Abern — tobte — raste — und schwemmte alle klaren Gedanken fort, „Genug", stieß Evelyn nur hervor. Sie hob ben Blick unb entbeckte wieber jenen brutalen Zug in ben Augen bes Mannes, ben verbissenen Munb, ber gleich wieder zu lachen imstande war. Gederns am Sonntagmorgen, die eigentliche Haupt- Versammlung, ber Festzug und der daran anschließende Nachmittag bei Musik und deutschem Tanz wollen allen Teilnehmern in anregenden Stunden Kraft und Freude zur neuen Arbeit an Heimat und Volkstum spenden. Brände in Oberheffen. Schadenfeuer in Lrtenberg. * Ortenberg, 25. Mai. Am Mittwoch gegen 22.45 Uhr brach in ber Scheune bes Landwirts Heinrich JünglingII. auf bisher noch ungeklärte Weife Feuer aus. Die Flammen hatten in ben Strohvorräten reiche Nahrung, so daß sie schnell um sich griffen. Die Drtenberger Feuerwehr war rasch zur Stelle unb griff bas Feuer energisch an. Wenn es auch nicht gelingen konnte, bie Scheune selbst zu retten, so konnte doch eine zweite Scheune, die von ben Flammen bereits ergriffen worben war, erhalten werben. Neben den Strohvorräten fielen auch einige landwirtschaftliche Maschinen dem Brand zum Opfer. Nach etwa einstündiger angestrengter Arbeit hatte die Feuerwehr die Gefahr beseitigt. Der durch das Feuer entstandene Schaden ist nicht unbeträchtlich und nur zumTei 1 durch die Versicherung gedeckt. Scheunen- und Wohnhausbrand in Bernsburg. * Bernsburg, 25.Mai Gestern erscholl in unterem Dorfe Feueralarm. In der Scheune bes Landwirts Karl Köhler war gegen 1 Uhr Feuer ausgebrochen, das außerordentlich rasch um sich griff. Die in ber Scheune aufbewahrten Heu- unb Strohvorräte gaben den Flammen reiche Nahrung und erschwerten die Löscharbeiten außerordentlich. Es konnte nicht verhindert werden, baß von bem Brande auch das Wohnhaus in Mitleidenschaft gezogen wurde und etwa zur Hälfte ben Flammen zum Opfer fiel. Die Bernsburger Feuer- wehr ging dem Feuer energisch zu Leibe und konnte mit Hilfe des starken Wasserstrahles aus der Hochdruckwasserleitung ein weiteres gefährdetes Gebäude schützen und dem Feuer Einhalt bieten. Der entstandene Schaden ist recht erheblich, da neben den Vorräten in der Scheune auch Maschinen vernichtet wurden. Das Vieh, das sich im dicht dabei liegenden Stall befand, konnte gerettet werden, da ein neues festes Vetondach bem Feuer Widerstand bot. Die Ursache der Entstehung des Brandes konnte bisher nicht ermittelt werden. VaitDirete O>.*i neu * Wieseck, 25. Mai. Die Ortsgruppe Wiefeck des Deutschen Stenografenbundes macht darauf aufmerksam, daß am kommenden Dienstag, 5. Juni, ein Anfängerlehrgang beginnt. (Siehe heutige Anzeige.) 00 Klein-Linden, 24. Mai. Am Mittwochabend wurde auf Anregung der NSDAP, im Saale des Gasthofes ,Lur deutschen Eiche" der Film „Kreuzer Emden" vorgeführt. Vorher wurden in der Ufa-Wochenschau wichtige Abschnitte aus dem Leben unseres Volkskanzlers vom verflossenen Jahre gezeigt. Der Film, der von hier und aus der Zelle Mendorf a. d. Lahn außerordentlich stark besucht war, yinterließ tiefen Eindruck bei allen Besuchern des Abends. T Leihgestern, 24. Mai. Am zweiten Pfingsttag feierten die noch lebenden Männer und Frauen, Die im Jahre 1884 in unserer Kirche konfirmiert wurden, ihr goldenes Konfirmationsjubiläum. Pfarrer R e u s ch hatte jeden der noch Lebenden eingeladen, und alle bis auf zwei, die weit weg wohnen, waren der Einladung gefolgt. Wie einst vor fünfzig Jahren, so gingen beim Auskttngen der Glocken elf der Jubilars mit dem Pfarrer an der Spitze ins Gotteshaus. Pfarrer Reufch hatte als Textwort für feine Predigt dasselbe Bibelwort gewählt, das einst der damalige Seelsorger den Konfirmierten zugerufen hatte. Einer der alten Zeugen, ihr einstiger Lehrer, Rektor i. R. Jung, spielte die Orgel. Am Nachmit- ,Lch verstehe aber nichts von Verhandlungen, will auch nichts verstehen. Begreif doch, Olaf..." „Du willst es nicht! Sage doch, daß du es nicht willst! Meinetwegen — auch gut. Dann dürsten wir wohl fahren können." Eisiger Ernst lag in den Worten. Die Frau hiett krampfhaft ben starken Arm des Mannes. „Bleib, Olaf! Du bist herzlos, manchmal..." „Herzlos... Vielleicht kommt alles aus meinem Herzen? Vielleicht..." Ein Aufflammen in Evelyns schönem Gesicht. Olsen nahm es wahr. „Wenn du diesmal vernünftig wärest, blieben wir für immer zusammen. Ich kann mir nicht denken, daß du an der Sette eines Mannes weiter- lebst, der dir ein Verhältnis zu einer anderen zumutet. Das sieht einer Evelyn von Ledorque wahrhaftig nicht ähnlich." Evelyn schnellte auf. Ihr Mund stand leicht geöffnet. Erregung zuckte über das brünette Gesicht. „Rainer — eine andere Frau?" Sie hatte sich von der ersten Ueberraschung erholt. „Ich muß lachen, Olaf — lachen ..." Olsen hatte den Stolz der Frau geweckt. Das lag in feiner Absicht. Auf dem Wege nach feinem Ziel. „Ich glaube nicht, daß du mich in solchen Dingen als Witzbold in Erinnerung hast, Ev." In Evelyn wurde das Mißtrauen wacher. Olsen sprach so ernst. Was wußte er? Sich selbst, wie alle Frauen ihrer Art, außerhalb aller Konvention glaubend, war sie erbost über ben mutmaßlichen Seitensprung ihres Mannes: „Du kennst die Frau, Olqf?" ,Zch kenne sie. Doch was hat das damit zu tun? Für mich ist die Sache hiermit erledigt. Vielleicht überhaupt falsch, daß ich dir davon sprach. Aber schließlich" — er kniff die Augen leicht zu und hielt so dem Blick der Frau stand —, „ein bißchen Gefühl für bie einst so pikante Evelyn von Ledorque ist wohl noch immer in mir." Jetzt war Evelyn wach. Helle Empörung flammte in ihrem Gesicht. Sie begehrte mehr zu wissen, viel mehr — alles. Und wußte doch, baß keine Silbe mehr über Olfens Lippen kommen würbe, wenn sie ihm fein Versprechen gab ... „Ist es nicht genug, wenn ich meine Ehe aus Prestigegründen aufrechterhatte?" Diese Worte, die ihr Mann damals gebraucht hatte, drangen ihr plötzlich wieder stechend ins Bewußtsein. So also sah es in Wahrheit aus? Hinter Rainers angeblicher Arbeitsüberlastung, hinter seiner Uninteressiertheit an allen Fragen bes gesellschaftlichen Lebens steckte eine Frau. Unb bas mutete er ihr zu? Nicht eine Sekunbe kam der verwohnten, egoistischen Frau ber Gebaute, wie ihr eigenes Tun unb Treiben auf den Mann wirken mußte. Nur verletzte Eitelkeit stachelte sie auf. Fortsetzung folgt.) tag trafen sich Die Jubilars noch einmal ln der Gastwirtschaft von Sern, um gemeinsam mit ihrem alten Lehrer Erinnerungen auszutauschen. Pfarrer R e u s ch hielt eine Ansprache. Von den ehemals 23 Konfirmierten sind noch 13 am Leben. ckd Langsdorf, 23. Mai. Heute wurde die älteste Einwohnerin unseres Dorfes begraben, Frau Elisabeth Schmidt, geb. Sommer. Sie war am 31. Dezember 1842 zu Griedel geboren, starb also im 9 2. Lebensjahre. In ihrer Jugend hatte sie in Gießen den Hebammenberuf erlernt, den sie 36 Jahre lang ausübte. Noch vor kurzem erzählte sie anschaulich von ihrer Lehrzeit bei Professor von Ritgen, wohl einem Bruder des bekannten Wartburg- und Gleiberg- erbauers Hugo von Ritgen. Die alte Frau war bis in ihr höchstes Alter hinein von großer Geistesfrische. Am nationalen Geschehen des vorigen Jahres nahm sie lebhaften Anteil. Unter dem Dorfnamen „die Aeller" erfreute sie sich bei jung und alt großer Verehrung um ihres fast sagenhaften Alters willen. Kreis Schotten. ch Groß-Eichen, 23. Mai. Der hiesige Db ft* bauoer ein hielt gestern abend bei Mitglied Ed. Rahn seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Obmann Gartner Bork begrüßte zunächst die Versammlung und gedachte des verstorbenen Mitglieds Rud. B ä r in der üblichen Weife. Alsdann wurde der Jahres- und Kassenbericht erstattet. Zwei neue Mitglieder konnten gewonnen werden, während ein Mitglied leider ausgeschieden ist. Der Obmann berichtete über die Pflege und Spritzung der Obstbäume im vergangenen Jahre. Der Kassen- Oi- 7!^. ruft! Kämpfe mit für Mutter und Kind! bericht ergab einen kleinen Ueberschuß. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß der Obmann die Versammlung. Wieder ein Rasseschänder in Schuhhast LPD. D a r m st a d t, 23. Mai. Das Staatspresseamt teilt mit: Der 25jährige Jude Erich Scheier aus Mainz unterhielt schon längere Zeit geschlechtliche Beziehungen mit Mädchen arischer Abstammung. Kurz vor Pfingsten wurde er beobachtet, als er in der Wohnung feines Vaters ein 17jähriges arisches Mädchen mißbrauchte. Der Mainzer Bevölkerung bemächtigte sich eine derartige Empörung gegen den Rasseschänder, daß er sich freiwillig in Schutzhaft begab. Scheier wurde auf vier Wochen in das Konzentrationslager Osthofen verbracht. Neuer Kreisleiier in Dillenburg. Dillenburg, 24. Mai (LPD.) Pg. Josef Schimmel in Frankfurt a. M.-Höchst ist zum kommissarischen Kreisleiter der NSDAP, des Dillkr^ises bestellt worden. Der bisherige Kreisleiter Thiele wird künftig nur noch den Kreis Biedenkopf betreuen. Kreisleiter Schimmel ist gleichzeitig zum neuen Bürgermeister der Stadt Dillenburg in Aussicht genommen. Eröffnung der Hochschule für Lehrerbildung in Friedberg. ♦ Friedberg, 24. Mai. Heute vormittag fand hier im Saale des Hotel Trapp die feierliche Eröffnung der Hochschule für Lehrerbildung in Anwesenheit von Ministerialrat Ringshausen statt. Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Volk ans Gewehr" sprach der Rektor der neuen Hochschule, Oberstudiendirektor Faber. Seinen Ausführungen entnehmen wir folgendes: Es ist eine bedeutungsvolle Stunde: der Beginn des ersten Semesters der Hochschule für Lehrerbildung und die feierliche Verpflichtung der Studierenden. Die nationalsozialistische Revolution hat den Grund bereitet, auf dem wir bauen sollen; sie hat auch den Weg frei gemacht zur deutschen Seele. Jahrhunderte hindurch war echtes deutsches Volkstum verschüttet durch fremdes Wesen und fremdes Wollen. Unsere Kunst und Dichtung entstand aus fremder, ausländischer Kunstauffassung heraus. Die größten Werte deutschen Geisteslebens waren dem Volke fremd. Es ging ein Riß durch unser Volk zwischen Gelehrten und Ungelehrten, zwischen Hand und Kopf. Und beide verstanden gegenseitig nicht mehr ihre Sprache. E i n e m ist es gelungen, unser Volk wachzurütteln: Adolf Hitler. Durch ihn wissen wir, daß nur durch die Reinerhaltung des Volkstums unsere Kraft bedingt ist. Darum hat sich jeder Volksgenosse den Geboten des Volkstums zu unterwerfen. Alle Stände des Volkes, deren jeder feine eigene Art behalten möge und behalten soll, bilden doch eine Volksgemeinschaft, weil in jedem einzelnen die gleiche Seele lebendig ist mit grundsätzlich gleichgerichtetem Denken und Handeln. An der Erziehung in diesem Sinne hat die nationalsozialistische Schule einen großen Anteil. Wir freuen uns, daß unser Ministerialrat Rings- h aus en trotz seiner vielen Arbeit es sich möglich gemacht hat, heute zu uns zu kommen, und wir geloben alles zu tun, daß sein Plan der neuen Lehrerbildung Wirklichkeit werde. In dem Begriff der Heimat sch ule liegt alles eingeschlossen. Höchste Aufgabe des Staates ist die Entfaltung aller Kräfte, die im Volkstum lebendig sind. Jeder einzelne muß zur Mitarbeit am Staat erzogen werden. Körper- und Versiandeskräfle sind in der Schule so auszubilden, daß der Wensch dienendes Glied am Ganzen wird. Das muß das Ziel aller Erziehung sein, denn in diesem Ziele eingeschlossen ist der O p f e r g e d a n k e und auch alle religiöse Erzieh u n g. Es kann nicht mehr Glück und Wohlfahrt des einzelnen das Ziel sein, sondern die Wohlfahrt des Gan - z e n. Aus dieser Zielsetzung heraus ergeben sich die Richtlinien für die Ausbildung des Lehrers. Alles was nicht notwendig ist, hat dabei auszuscheiden, alles was er für seine Tätigkeit in der Gemeinde braucht, muß er mitbekommen. Er muß angeregt werden, selbst heimatkundliche Forschungen vorzunehmen und muß auch über die Grundzüge des deutschen Rechtes unterrichtet sein. Unterrichtsführungen sollen ihn mit allen Gebieten des Lebens vertraut machen. - Die Hauptsache bleibt die Lehrer Persönlichkeit. Denn alles Wissen kann die Wärme eines Erziehers nicht ersehen. Was in Jahrhunderten nicht erreicht wurde und nicht erreicht werden konnte, das will jetzt Wirklichkeit werden: die deutsche Volksgemeinschaft! _ , Sodann sprach der Führer der M a i n z e r Stüde n t e n s ch a f t vom vergangenen Semester, Kamerad W-ppstein. Wir haben uns nicht leichten Herzens von Mainz getrennt, führte er u. a. aus. Wenn wir von dem Drusussturm die Blicke schweifen ließen über das 2000jährige Mainz, dann stieg deutsche Vergangenheit herauf, und die Geschichte sprach in gewaltigen Denkmälern zu uns. Er sei der Uebergeugung, daß die Studentenschaft sich auch in Friedberg mit seinen Altertümern des Taunus, des Vogelsberges und der Wetterau bald heimisch fühlen werde. Es habe früher nur einen Weg der Wissenschaft gegeben, und dieser habe zwar zu einem göttlichen Tempel geführt, aber durch ein Labyrinth, in dessen Gängen sich mancher verirrt habe und statt zu dem Tempel zu irgendeinem Götzenbild gelangt sei. Jetzt gebe es zwei Wege: Wissenschaft und Erziehung. An diesem zweiten Wege sei die Studentenschaft selbst beteiligt. Jugend solle durch Jugend geführt werden. Dieser Satz war ein Kern- sutz des Nationalsozialismus, den bezeichnender- roeufe die Reaktion nicht verstanden habe und auch nie verstehen werde. Oberstudiendirektor Faber nahm sodann die feierliche Verpflichtung durch Handschlag der etwa 250 Studenten und Studentinnen der neuen Hochschule vor. Hierauf ergriff, mit stürmischen Beifall begrüßt, Ministerialrat Ringshausen das Wort. Er sagte u. a.: Wenn ich mich in dieser Stunde an die deutsche Jugend wende, so deshalb, weil sie aus freier Entschließung einen Weg gehe, der freiwillig übernommenen Pflicht, der sie zu ihrer Lebensaufgabe führen solle. Wir muffen heute Deutschland so formen, daß es Jahrhunderte und Jahrtausende zu bestehen vermöge. Ihr, deutsche Jugend, werdet das Ergebnis Eurer Arbeit nicht von heute auf morgen vor Euch sehen, und was Ihr heute schafft, das wird sich erst in seinem Werte zeigen, wenn die junge Generation groß geworden und Träger des deutschen Schicksals ist. Deshalb muß der deutsche Erzieher die größte Freude haben an seinem Wirken und seiner Pflichterfüllung. Diese aber kann nur bestehen, wenn in dem Menschen selbst von Natur aus bestimmte Voraussetzungen vorhanden sind. Der Erzieher muß sich lösen von liberalem Geist und marxistischer Einstellung, denn was er gestaltet, ist die Ge- staltung des gesamten künftigen Dob k e 5. Jeder andere Berus gestaltet auf dem oder jenem Gebiet. Der deutsche Erzieher aber gestaltet den' Menschen, und diese Erziehung wird sich einmal auswirken auf allen Lebensgebieten. Der deutsche Erzieher fett vor allen Dingen Erzieher fein und sich lösen von der Einstellung, daß er nur Lehrer fei. Der deutsche Erzieher in der vergangenen Zeit war leider nur Lehrer und kein Erzieher. So mußte es geschehen, daß der Begriff „Schulmeister" zu etwas Erniedrigendem wurde. Niemand aber wird lächerlich gemacht, der nicht selbst etwas Lächerliches an sich hat. Wir wollen einen Erziehertyp, dem mit allem, was er tut, zwei Begriffe stets vor Augen stehen: Volk und Vaterland. Nicht nur Schü- ler, sondern alle Menschen soll der Erzieher formen, nicht nur Stunden- und Lehrpläne hat er zu ersul- len: der größte Lehrplan ist für ihn die Pflicht- erfüllung gegenüber Volk und Vaterland. Wer Erzieher fein will, muh selber das fein, wozu er andere erziehen soll: ein ganzer Kerl. Wer das nicht in sich trägt, kann nie Erzieher sein. Wir haben hier an dieser Hochschule keine haar- spaltenden Methodereien zu treiben, sondern um den inner ften Kräften unserer Seele zum Durchbruch zu verhelfen, wollen wir uns in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Ihr sollt Euch stets als K a m e r a d e n fühlen und als Glieder eines Ganzen. Die größte Kameradschaft wurde geboren im Schützengraben der Front, und echte Kameradschaft wird sich stets zeigen in Notzei- ten eines Volkes. Wir hatten in den letzten 15 Jahren kein Vaterland und keinen Glauben mehr. Darum wollen wir einen Erziehertyp, der zugleich der Typ eines politischen Soldaten ist. Wer diese Kräfte in sich auswirken läßt, der ist im wahren Sinne des Wortes revolutionär. Wir wollen eine deutsche revolutionäre Ju- g e n b schaffen, und gebe Gott, sie bleibe immer revolutionär. Denn diese Kräfte echten Volkstums müssen ewig sprudeln, und wenn sie nicht mehr sprudeln, bann formt sich nicht mehr der Wille zur Tat. Weber ber „feine Herr", noch der „Krawallmacher", fonbern ber politische Mensch ist bas Erziehungsziel bes Dritten Reiches. Es kommt nicht barauf an, baß ein Lehrer alles formgerecht erfüllt hat, fonbern wie er es erfüllt hat, barauf kommt es an. Denn bie Saat, bie ber Erzieher in bie Herzen ber jungen Menschen legt, kommt nie aus bem Wissen, fonbern immer nur aus tiefftem Herze n. Ihr» jungen Stubenten sollt bie Plattform bilben, auf welcher ein neues beutsches Wollen entstehen kann. Unser Führer hat bie Quellen neu aufgeschlossen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, daß sie weiter sprudeln können. Ich gebe mich ber Hoffnung hin, baß ihr bie Träger biefes neuen Erziehungsgebankens werbet, baß ihr stark unb aufrecht unb gerabe burch das Leben geht unb als euer höchstes Hanbeln fühlt euern Dienst am Volk! Nach bem Deutfchlanblieb unb bem Horst-Wessellieb unb bem breifachen Sieg-Heil auf ben Führer, womit bie Eröffnungsfeier ihr Enbe erreicht hatte, marschierte bie Stubentenschaft geschlossen zum Dorlesungsgebäube 'zur Flaggenhissung. Danksagung. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Weimar, geb. Koch Gießen, den 25. Mal 1934. 3138 D Für die wohltuenden Beweise der Teilnahme an unserem schweren Verlust danken wir herzlich. Meiner werten Kundschaft zur gefL Kenntnisnahme, daß ich das seit 32 Jahren von meinem verstorbenen Manne betriebene Zigarren- Spezial- Geschäft in unverändert.Weise weiterführe. Ich bitte, das meinem Manne entgegengebrachte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen Frau Meta Friesleben Witwe Bahnhofstraße 48 3128 D Fw die Badezeit Badeanzüge, reine Wolle, reliefartig gestrickt, mit A QE tiefem Rückenausschnitt........3 50, fceUU Badeanzüge, besond. schwere Qual., mottensicher, A EA mit eingearbeitetem Büstenhalter 5.50, SeUU Herren-Badehosen, reine Wolle, guter Sitz, in den Farben 4 QA schwarz, marine, königsblau.....2.25, leUU Kinder-Badeanzüge in hübscher Ausmusterg., in allen Far- A AE ben vorrätig, Größe 32 ...........2.95, fceCÄJ Bademäntel, nur moderne Formen, voll weit gescheit- O AE ten, besonders preiswert ........7.50, Ub£v Frottiertücher Badetücher Badehauben In größter Auswahl vorrätig! 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