Nr. 197 Erstes Blaff IH Jahrgang 5reifag,2§.Augiist 1954 Crscheml täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unlverfitätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehe». 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Die Habsburaer haben immer nur regieren können, indem sie sich in Florenz zum Nachwird er als E r st e r Malta, die maltesische Sprache anstelle des Italienischen zur Gerichtssprache zu machen, wurde in Italien zunächst infolge des Schuschnigg-Besuches nicht öffentlich zur Sprache gebracht. Jetzt aber äuhern sich die Blätter so deutlich, wie man das aus dem schon lange dauernden Geplänkel zu Gunsten der italienischen Kultur Maltas bisher nicht gewohnt war. „Piccolo" nennt die Verfügung kulturlos und wahrhaft b a b a r i s ch, wobei er hinzufügt: Das fei uns offen zu sagen gestattet. „Teuere“ spricht von gehässigen Zwangsmaßnahmen der britischen Regierung. Der „Messaggero“ nennt die Verfügung einen Anschlag auf das geistige Erbgut Maltas. Man dürfe ohne unnötige Rücksichtnahme offen aussprechen, daß diese Maßnahmen nicht nur gegen die moralischen Gesetze handeln, die jede Kullurnation zu achten habe, sondern auch gegen die einfach st en Anstandspflichten verstoßen und der Freundschaft Mit Italien zuwiderlaufen. „Popolo di Roma“ sagt, es sei des britischen Imperiums unwürdig, stark und ungerecht gegen die Schwachen und schwach gegen die Starken zu sein. Außerdem handele es sich um eine Beleidigung von Italien. Rach einem Hinweis auf den Weltkrieg, in dem beide Länder Schulter an Schulter gekämpft hätten und in dem die Freundschaft mit Blut besiegelt wurde, sagt das Blatt: Erinnern sich unsere englischen Freunde noch daran? Sie fügen uns Ungarn- stützen. Heute würde dasselbe der sein, sie würden wie einst dahin kommen. Unter st ützung Berlins zu suchen, also wäre der Nutzen Mussolinis? Ueberdies tische Entscheidung der man so viel spricht. Wenn Mussolini sich geben hat bewegen lassen, lischen zu geben. Der Konflikt zwischen der maltesischen Regierung und dem Gouverneur spitzte sich im nächsten Jahre so zu, daß der Gouverneur zur Entlassung der Regierung, Auflösung des Parlaments und Suspendierung der Verfassung schritt. Die ganzen Ereignisse in Malta haben in Italien ein außerordentlich lebhaftes Echo gefunden. Die Maßnahmen des britischen Gouverneurs sind von der italienischen Oeffentlichkeit mit ungewöhnlich scharfer Kritik begleitet worden, was bei dem seit der Gründung des italienischen Staates traditionell freundschaftlichen Verhältnis zu England besonders bemerkenswert ist. Der neuerliche Erlaß des Gouverneurs, der an die Stelle des Italienischen das Maltesische als Gerichtssprache Hinsetzt, hat denn auch in der italienischen Presse erneut Stürme der Entrüstung hervorgerufen. also ist die liberale Politik, die das hochliberale England, das Land aller Freiheiten, in Malta an- wendet, in einem italienischen Land, das italienisch bleiben wird, auch nach noch zehn anderen Dekreten dieser Art“, schreibt die „Gazzetta del Popolo“ und die „Stampa“ sagt: „Wir sind sicher, daß das Volk von Malta auch diesem neuen Sturm standhält und die Sprache Dantes weiter pflegen wird. Alle Italiener werden mit ihren maltesischen Brüdern solidarsch fein in ihren heiligen Idealen und gerechtem Kampfe.“ der Plan auf den Widerstand der Kleinen Entente, die sogar den Anschluß einer solchen Lösung vorzieht. Die Tschechoslowakei hat wiederholt erklärt, daß die Wiederherstellung der Monarchie ein Casus belli wäre. Will man den Krieg? So bleibt um die Florenzer Besprechungen ein Element der Unruhe bestehen. Die italienische Politik ist, selbst wenn sie sich gegen den Pan- germanismus zur Wehr setzt, nicht so beschaffen, daß man ihr die völlige Handlungsfreiheit lassen könnte, die sie seit einem Jahr genossen und etwas mißbraucht hat. In italienischen Kreisen halte man es für notwendig, daß Frankreich und England Abessinien zu verstehen geben, es wäre zu seinem Vorteil, sich mit der europäischen Macht zu verständigen, deren Interessen sich mit denen Abessiniens am b este n in Einklang bringen ließen. Da man politische und diplomatische Schwierigkeiten vermeiden müsse — Abessinien ist Mitglied des Völkerbundes — könne es sich für Italien nur um eine friedlich- wirtschaftliche Durchdringung Abessiniens handeln. In hiesigen französischen Kreisen ist eine Bestätigung dieser Gerüchte vorläufig nicht zu erlangen, doch weist man bereits darauf hin, daß ein Verzicht auf den Hafen Djibuti im Französisch- Somali-Land kaum in Frage komme, da dieser Hafen für Frankreichs Seeverbindungen nach feinen Besitzungen in Oslasien und nach Madagaskar dieselbe Bedeutung habe, wie Aden für England. vorbereitet, von Ohr schlecht. Er gibt dann immer wie ein Halbtauber eine gar nicht zur Frage passende Antwort, die so ähnlich wie Tunis klingt. Im Gegensatz zum deutschen „Panthersprung", der ein so trauriges Ende fand, hat sich Italien zäh und beherrlich, ungeachtet aller Rückschläge, an der „Völkertränke" häuslich eingerichtet und erntet nun die Früchte. Es denkt afrikanisch, in Rom spricht man im Gegensatz zu „Eurasien" — das ist die Verschmelzung von Europa mit Asien — von „Eurafrika" als einem natürlichen Gebilde. Man müsse es verwirklichen, zum Leben erwecken, bevor Afrika sei die große Reserve Europas, nicht Asien. Alles, was uns im ausgenützten Europa fehle, biete der früher dunkel gewesene, jetzt erschlossene Erdteil. Und Italien, wird stolz hinzu- gefügt, stehe in den Einwanderungslisten bereits an fünfter, bald aber an vierter Stelle, obwohl ihm die anderen Nationen zeitlich weit voraus seien. In der Tat zählt man in Gesamtafrika heute 1 100 000 Buren, 950 000 Engländer, 900 000 Franzosen, 300 000 Spanier und 250 000 Italiener (Griechen, Portugiesen und Belgier zusammen 175 000 — die Deutschen fehlen in dieser italienischen Statistik). Bereits ist ein Buch unter dem Titel „Euraafrica" erschienen, in dem sich der Verfasser D'Agostino Orsini di Camerota leidenschaftlich für die erträumte Landverschmelzung einsetzt, wobei er eine Menge von Beweggründen anführt. Es fragt sich nur, ob die politische Eifersucht der Afrika bereits beherrschenden Mächte dem großzügigen Gedanken Neuroms nicht den Weg versperren wird. Aus einer Statistik läßt sich schließlich auch „nachweisen", daß die vierte Großmacht, Deutschland, in Afrika nicht vorhanden ist: aber wer glaubt im Ernst, daß es sozusagen auf Lebenszeit auf seine Kolonien verzichten werde? Eurafrika, ja, aber nicht bloß für die beati possidentes. Scharfe Zuspitzung des britisch-italienischen Sprachenstreits auf Malta Lebhafte Entrüstung der römischen Preffe über den neuesten britischen Sprachenerlaß. sprachen stark gemischtes arabisches Idiom. Die englische Regierung hatte nun das Englische als die einzige Fremdsprache in den unteren Schulen eingeführt, und damit das Italienische als zweite Fremdsprache zu beseitigen begonnen. Der Bericht einer königlichen Kommission hatte erklärt, daß die Kinder weder die englische noch die italienische Sprache richtig lernten und auch das Maltesische nicht genügend beherrschten. So müsse der bisherige Zustand des Nebeneinanders dreier Sprachen beseitigt werden. Da das Italienische nur von 14 v. H. der Bevölkerung gesprochen werde, sei es notwendig, denjenigen Maltesern, die nach anderen Teilen des britischen Weltreiches auswandern wollten, die Möglichkeit zur gründlichen Erlernung des Eng- Paris, 24. Aug. (DNB.-Fuukspruch.) „Journal des Debals“ meldet aus Rom, daß in italienischen Kreisen die Möglichkeit eines ilalienisch-französisch- englischen Kolonialabkommens lebhaft erörtert werde. Es handele sich nicht etwa um die Frage einer Grenzberichtigung südwestlich der Lyren a i k a, der nordafrikanischen Kolonie Italiens, die bei dem allgemeinen französisch - italienischen Meinungsaustausch eine Rolle spielen dürfte, sondern um einen viel weitergehenden Plan, der das politisch-koloniale Schwergewicht im östlichen Afrika zu verlagern geeignet sei. Angeblich sollen Frankreich und England bereit sein, Italien in Abessinien und dem Somali- Land, an der Südküste des Golfs von Aden, freie Hand zu lassen. England hoffe, der japanischen Einwanderung nach Abessinien auf diese Weise einen Riegel vorschieben zu können und Frankreich glaube, daß damit der italienische Druck in Richtung des Tschad-Sees, also auf das französische West- asrika, abgele nkt werden könne. Italiens Kolonialansprüche sollen auf Aethiopien abgelenki werden. Wiemansich inparisundLondondieEinlösungdesDersprechensvonr91St>entt „Florenz, ein Element der Unruhe." Nervosität in Frankreich.-Was wollte Schuschnigg an der Riviera ?- Sie Habsburgerfrage. säumen, um die französischen Staatsmänner für die Sache Ottos zu gewinnen. Die Erklärung Schuschniggs, daß die Habsburger Frage nicht aktuell sei, aber Oesterreich an die Z u- r ü ck e r st a t t u n g des beschlagnahmten kaiserlichen Besitzes denke, veranlaßt „Echo de Pari s" zu folgenden Betrachtungen: Die Rückerstattung des Habsburgischen Besitzes sollte besser später und durch einen anderen erfolgen, denn wenn Schuschnigg sie vornimmt, darf man mit Recht fragen, ob sie nicht d i e polt» Malta ist eine britische Kronkolonie, die neben der Hauptinsel Malta mit der Hauptstadt La Valetta aus einer Reihe anderer zum Teil auch unbewohnter Eilande besteht. Von den 240 000 Einwohnern sind rund 200 000 Italiener, 10 000 Engländer und der Rest Araber. Die Inselgruppe war nacheinander im Besitz der Phönizier, der Griechen, Karthager, Römer, Vandalen, Ostgoten, Byzantiner, Araber und Normannen. Kaiser Karl V. belehnte 1530 den Johanniterorden mit den Inseln. 1798 besetzte sie Bonaparte, doch mußte sich die französische Garnison 1800 an die Engländer ergeben, in deren Besitz Malta seitdem geblieben ist. Die Insel ist der Mittelpunkt der englischen Schiffahrt im Mittelmeer und strategisch von besonderer Bedeutung, da die Engländer durch sie und die Festung Gibraltar das Mittelmeer beherrschen. Die Bewohner der außerordentlich felsigen Eilande nähren sich von der Verfertigung baumwollener und seidener Stoffe, von Filigranarbeiten und Zigarrenherstellung. Man bricht dort ferner Marmor und Alabaster und gewinnt auch Seesalz. Die Flora ist außerordentlich üppig. Seitdem der Faschismus das italienische Selbstbewußtsein außerordentlich gestärkt hat, ist die Stellung der Engländer auf Malta zusehends chwieriger geworden. Die 1887 verliehene Ver- assung wurde 1920 aufgehoben und eine neue Verfassung 1930 ebenfalls suspendiert. Das Kabinett des Lords Strickland geriet mit dem Vatikan in einen Konflikt über die politische Tätigkeit italienischer Geistlicher auf den Inseln. Ende 1928 kam es zur Ausweisung italienischer Mönche und im Mai 1930 zu einem Attentat auf den Ministerpräsidenten. Erst im Juni 1932 wurde der Konflikt beigelegt, die Bischöfe von Malta versprachen stärkere politische Zurückhaltung der ihnen unterstellten Geistlichen. Die Parlamentswahlen im gleichen Monat ergaben 21 italienfreundliche Nationalisten gegenüber 10 zu England neigenden Konstitutionalisten und einen Arbeiter-Abgeordneten. Unter der durch den Nationalisten Mifsud gebildeten neuen Regierung kam es sehr bald zu einem Konflikt zwischen ihr und dem englischen Gouverneur in der opra» chenfrage. Auf den Inseln wird nämlich neben in Afrika, am „vierten Ufer". Es fehlt also nicht viel und das Königreich hat einen zusammenhängenden Kolonialbesitz, der durch das rasch aufblühende Rhodos im Osten bis nach Kleinasien reicht. Ueber eine Mandatsabtretung in Palästina zugunsten Italiens wird zuweilen gesprochen, und das wäre vernünftiger als die törichten Lockungen mit Deutsch-Kamerun, die jedesmal in Paris aufgewärmt werden, wenn es dringend notwendig scheint, Italien mit Deutschland zu--------- , ... „ K £ verfeinden. Mussolini hört aber auf diesem'das „Afrika den Afrikanern Bedeutung gewinne. 3falien als Kolonialmacht. Von unserem römischen E-Korrespondenfen. Wie den Deutschen, ist auch den Italienern von den Satten vorgeworfen worden, so oft es aus politischen Gründen zweckmäßig schien, sie könnten nicht kolonisieren und hätten daher gar kein Recht auf Kolonien. Praktisch sah das für den Reisenden zum Beispiel folgendermaßen aus: Man fuhr in Algier — ich spreche nur aus eigenem Erlebnis — aufs Geratewohl ins Land hinein und geriet plötzlich an einen Wegweiser, auf dem zu lesen stand: „A Zurich". Nach Zürich? Also nichts wie hin. Und man gerät in ein Dorf, das gebaut ist wie ein Dorf im Süden Frankreichs, winzige Rentnergärtchen vor den Häusern. Nur daß die Zaunpfosten aus zugestutzten antiken Säulen bestehen. Dann sucht man das alte Cäsarea und findet schließlich auch das Mausoleum Jubas, das die Franzosen fälschlich „Grab der Christin" getauft haben, weil sie sich durch scheinbare Kreuze an den Türen der riesigen Trommel, auf der ein pyramidenmächtiger Kegel sitzt, täuschen ließen. Diese Trommel ist ringsum mit Säulen verziert, aber wo blieben denn nur deren Kapitelle? Nun, mit einiger Geduld entdeckt man sie beim „Wächter" des Grabes, der sie zur Einfassung seines Misthaufens verwertet hat. Algier ist seit hundert Jahren an Frankreich angegliedert. Im alten Rom war Cäsarea so prachtvoll ausgebaut, daß die Regierung schließlich verbot, es als Verbannungsort zu wählen, da man dort „doch nur von einem Rom ins andere komme". Dann fährt man durch Tripolitanien, das die Italiener erst 1912 halb eroberten, um während des Weltkrieges wieder bis an den Küstensaum zurückgedrängt zu werden. Erst nach Friedensschluß erweiterten sie aufs neue den Stacheldrahtgürtel der Kanonenschußweite, erst unter Mussolini drangen sie ins Innere vor, erst in der jüngsten Zeit berührten sie die südlichen Grenzen des riesigen Wüstenreiches. Aber in Tripolis ans Land gestiegen, kann man sich in einen Autobus setzen und nach Leptis Magna fahren, der im Sand versunkenen Märchenstadt, die italienischer Kultursinn über Nacht wieder hervorgezaubert hat, eine Wirklichkeit gewordene Fata Morgana. Wir fahren, die Kamelreiter in den Sand verweisend, auf trefflichen Autostraßen den Dschebel Garian hinaus, wo Urjuden ihre blitzsauberen Höhlenwohnungen tief unter der Erde haben, ganz nach dem Vorbild der Maulwurfsvillen gebaut. Wir rasen in die tief, tief drunten im schwarzen Erdteil gelegenen Oasen und fürchten nichts. Der Arm Mussolinis reicht his nach Kufra und — tuscheln die koloniesatten Nachbarn — wird bald bis zum Tsadsee reichen. Warum sollten auch die Nachkommen der Römer nich7 den Bod-m ihrer Ahnen kolonisieren können? Sie bringen schließlich etwas mit dafür. Und übrigens erkennen die Franzosen, wenn sie ehrlich sind, was auch vorkommt, wenn es aus politischen Gründen zweckmäßig scheint, durchaus an, daß Tunis von Italienern „gemacht" wurde. „Wir sind ein Volk von Bauern und Seeleuten!" rief Mussolini kürzlich durch den Sender nach Afrika und Asien hinüber, und wir wollen die Arme regen. Afrika und Asien — nicht lieber» fee. Dort trachten die Italiener nicht nach Kolonien und darin unterscheiden sie sich grundsätzlich von dem Volk von Seeleuten und Händlern, den Engländern. Ihrem Expansionsdrang liegt — vielleicht antikes Erbe — eine gewisse kontinentale Beschränkung zugrunde; sie wollen nicht gleich weiter wie echte Eroberer, sondern das neugewonnene Land sofort unter den Pflug nehmen. Ein Charakterzug, der sich in Libyen auf Schritt und Tritt verrät. Was ist, alles in zehn Jahren, aus der „Sandkiste" geworden, wie noch Nitti spottete! Die Wanderdünen sieht man durch netzartige Anpflanzungen festgelegt, der Wein blüht, Rosen wuchern wie in Schiras, und als ich nach Rom zurückkehrte und dem Duce gegenüberstand, war seine verblüffende erste Frage: „Nun, und wie sieht es jetzt dort unten aus? Ist alles grün? Es m u ß alles grün fein!" Sv spricht nur felsenfeste Zuversicht. Dabei waren wir, wie schon angedeutet, noch durch Stacheldrahtverhaue gefahren und Schrapnellscherben. Die Kolonie ist 1,5 Millionen Quadratkilometer groß, fünfmal- könnte man das Mutterland hineinstellen. Da bleibt noch für ungezählte Generationen Arbeit. Das Wasser? Vielleicht ist es wahr, daß große Teile der Wüste zur Römerzeit üppige Gärten waren, denn unter dem Sand hat man nun das Wasser gefunden. Man erbohrte zuerst eine ungenügende Schicht, aber als auch diese kühn durchstoßen wurde, brachen die Sonden in eine zweite, derart mächtige, daß der Wasserstrahl von selber die obere Schicht durchschlägt und köstliche Bäche bildet. Die Eingeborenenzahl beträgt rund eine Million, eingewandert sind bisher kaum mehr Italiener, als sie eine kleine Stadt daheim aufweist. Welche Möglichkeiten! Die Kolonie Eritrea an der Westküste des Roten Meeres und das italienifcbe Somali- 1 and am Indischen Ozean umfassen zusammen ungefähr ein Drittel des Besitzes am Mittelmeer, , masten sich aber schon stark im Einfuhrhaushalt bemerkbar. Die Bananen waren'so lange in Italien verboten, bis es „einheimische" gab, von drüben Paris, 24. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Ueber die wahren Gründe der Reise des österreichischen Bundeskanzlers an die französische Riviera will der „Quotidien" Aufschluß geben können. Das Blatt hält es für merkwürdig, daß ein ermüdeter Regierungschef das Bedürfnis verspüre, eine so weite Reise zu machen, um sich nur zwei Tage auszuruhen, wo es doch herrliche Gegenden zwischen Florenz und Wien gebe. Aber Schuschnigg sei nach Frankreich gekommen, um s i ch über zwei Fragen z u unterrichten, Die ihn besonders beschäftigen: 1. die finanzielle und wirtschaftliche Hilfe für Oesterreich, 2. die Wiedereinsetzung der Habsburger. Er habe sich zunächst politische Direktiven in Italien geholt und wende sich jetzt an Frankreich wegen einer geldlichen Beihilfe. Dollfuß habe in Genf eine Anleihe von 300 Mill. Schilling erhalten, an der Frankreich beteiligt sei. Mit diesem (Selbe, das Frankreich gegen das Versprechen geliehen habe, daß die Verfassung geachtet werden würde, habe das Kabinett Dollfuß-Starhemberg eine vonRom diktierte Politik betrieben. Schuschnigg sei gekommen, um vor der Genfer Sitzung, in der die Frage einer neuen Anleihe aufgeworfen werde, „den Puls des französischen Sparers zu fühlen". Andererseits sei er ein überzeugter Legitimist, wie übrigens alle Mitglieder seines Kabinetts. Er arbeite für bie Wieber - Herstellung ber Habsburger. Wohloer- ftanben: er werbe bas natürlich nicht offen zu- geben, solange er wisse, baß Frankreich in bieser Frage mit ber Kleinen Entente foliba» risch sei. Aber er werbe keine Gelegenheit ver- gegen bie Slaroen auf bie ben Kern ber Doppelmonarchie bilbenben D eutschen und .......... Fall b i e Wo stößt Weitere Veranstaltungen -es Nürnberger Reichsparteitags. Frankreichs Seerüstung im Norden. Cherbourg wird Flottenstützpunkt für Aermelkanat und Nordsee. Paris, 23. Aug. (DNB.) Nach dem Besuch des französischen Kriegsministers P i e t r i in Cherbourg wird eine bedeutende Umgestaltung des Hafens als Flottenstützpunkt vorgenommen. Man will große Seestreitkräfte in Cherbourg zusammenziehen, um die Hafenstadt genau wie vor dem Kriege zum bedeutendsten Sicherheitsfaktor für den Aermelkanal und die Nordsee im Kriegsfälle zu machen. Im November werden verschiedene Einheiten, die augenblicklich in den Mittelmeerhäfen Toulon und Bizerta liegen, nach Brest übergeführt und zum Teil von dort nach Cherbourg weitergeleitet. Das Cherbourger Marinearsenal, das sich nach dem Kriege mit Unterseebootsbauten beschäftigte, soll neu organisiert und in Zukunft für die Reparatur von Kriegsschiffen aller Gattungen Verwendung finden. Die Hafenanlagen werden entsprechend dem Zuwachs der Flotte ausgebaut. Man will vor allem einen neuen großen Kai anlegen, für den 20 Millionen Franks vorgesehen sind. Tagung -esökumenischenRats für praktisches Christentum. Bischof D. Heckel Vertritt die Deutsche Evangelische Kirche. Am 24. August tritt in Fanoe (Dänemark) der ökumenische Rat für Praktisches Christentum zu seiner diesjährigen Tagung zusammen. An der Arbeit des Rates, der die organisatorische Fortsetzung der Stockholmer Weltkirchenkonferenz ist, ist auch die Deutsche Evangelische Kirche durch eine Abordnung unter Führung des Leiters des kirchlichen Außenamtes, Bischof D Heckel, vertreten. Die Leitung der Konferenz liegt in den Händen des gegenwärtigen Präsidenten des Rates, des Lordbischofs von Chichester (England). Die Stockholmer Bewegung, die ihren Ursprung dem vor wenigen Jahren allzu früh verstorbenen schwedischen Erzbischof Söderblom verdankt, hat sich zum Ziele gesetzt, sämtliche christlichen Kirchen der Welt zu gemeinsamem Handeln angesichts der großen sozialen und sittlichen Probleme der Christenheit zusammenzuführen. Bei der diesjährigen Tagung wird das Problem „Staat und Kirche" im Vordergrund der Verhandlungen stehen. Es wird dabei die besondere Aufgabe der deutschen Vertreter sein, für das völkische und kirchliche Geschehen, das der Nationalsozialismus in Deutschland ausgelöst hat, gegenüber den kritischen Bedenken des Auslandes tieferes Verständnis zu erwecken. Gleichzeitig tagt in Fanoe der Weltbund der Freundschaftsarbeit der Kirchen, an dessen Arbeit jedoch die Deutsche Evangelische Kirche nicht offiziell beteiligt ist, und auf deren Verhandlungen und Beschlüsse sie daher keinerlei amtlichen Einfluß nimmt. Jägerlatein der Auslandspreffe. Berlin, 23. Aug. (DNB.) In der Auslandspresse werden Meldungen verbreitet, daß als B e - ginn einer großen Aktion gegen die Neinsager am Mittwoch von der Geheimen Staatspolizei 15 0 Personen verhaftet worden seien, die im Verdacht ständen, gegen Hitler gestimmt zu haben. Nach den Meldungen dieser Auslandsblätter soll es sich bei den Verhafteten vorzugsweise um Angehörige zweier verschiedener Gruppen, nämlich um Katholiken und um Juden handeln. Das ist nach Ansicht dieser Blätter das Signal zu allgemeinen großen Unterdrückungsmaßnahmen und zu einer Jagd auf die Neinsager. Diese Jagd besteht, wie wir von zuständige r Stelle erfahren, nur in der Phantasie der Auslandspresse. Die Meldungen sind natürlich von Anfang bis Ende erlogen. Verhaftungen aus den angegebenen Gründen sind selbstverständlich in keinem Falle vorgekommen. Es scheint, daß hier übelwollende und sensationslüsterne Berichterstatter die in den letzten Tagen vorgenommenen Verhaftungen von Kommuni st en, die im Rahmen eines seit langem laufenden Hochverratsoerfahrens vorgenommen wurden, zum Anlaß einer verleumderischen Hetze genommen haben. Gegen Saboteure der Arbeitsfront. Ein Erlaß Dr. Lehs. München, 23. August (DNB.) Der Stabsleiter der Obersten Leitung der PO. veröffentlicht folgende Anordnung: Ich habe festgestellt, daß mit dem Fortschreiten des Aufbaues der Deutschen Arbeitsfront einige wenige Kräfte versuchen, diese Arbeit zu sabotieren. Es sind dies Kräfte der alt elf Gewerkschaften und der alten Arbeitgeberverbände, die in letzter Minute versuchen, den Aufbau zu verhindern, da sie wissen, daß hiermit ein für alle Mal ihre Zersetzungsarbeit in den schaffenden Kreisen lahmgelegt ist. Einige Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront haben sich diesen Kräften dienstbar gemacht. Ich sehe mich deshalb genötigt, die Parteigenossen Brücker, Krüger und Hauen st ein ihrer A e m t e r in der NSBO. und der Deutschen Arbeitsfront zu entheben, weil sie meine Anordnungen nicht befolgten. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, und ich bin gewillt, rücksichtslos gegen jeden in» und außerhalb der Partei vorzugehen, der es versucht, den mir vorn Führer gegebenen Auftrag zu sabotieren. Wer sich zum Büttel unserer Gegner macht, hat auch die Folgen zu tragen. Ich bitte, diese Anordnung allen Dienststellen der NSDAP, und der Deutschen Arbeitsfront bekanntzugeben. (Gez.) Dr. Robert Ley. Dank des preußischen Ministerpräsidenten. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Die Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums veröffentlicht folgende Mitteilung des Ministerpräsidenten Hermann Göring: Anläßlich meines Unfalles sind mir von allen Seiten so zahlreiche Beweise der Anteilnahme übermittelt worden, daß ich leider nicht jedem einzelnen Volksgenossen persönlich danken kann. Ich bitte daher alle die, die mir in den letzten Tagen ihre Teilnahme bekundeten, meinen herzlich st en Dank auf diesem Wege anzunehmen« Son-ertagungen. Das jetzt vorliegende ausführliche Programm des Reichsparteitages 1934 in Nürnberg sieht für Samstag, 8. September, folgende Sondertagungen vor: 9 Uhr: Gau- und Kreispropagandaleiter im Apollo-Theater. Redner: Pg. Dr. Goebbels. Leiter: Pg. Hugo Fischer. 9 Uhr: Agrarpolitisches Institut im Katharinenbau. Redner: Pg. W. Darre. Leiter: Pg. Meinberg. 9 Uhr: Amt für B e a m t e im Marientorzwinger. Redner: Pg. N e e f. Leiter: Pg. Reusch. 9 Uhr: NS.-Studentenbund im Christlichen Verein junger Männer. Redner: Pg. Rudolf Heß, Pg. Rust, Pg. Dr. Wagner, Pg. Erich Derichsweiler. Leiter: Pg. Hildebrandt. 10 Uhr: Gau- und Kreisleiter im Opernhaus. Redner: Pg. Rudolf Heß, Pg. Dr. Le y. Leiter: Pg. Rudolf Schmeer. 10 Uhr: Kommission für Wirtschaftspolitik im Sebaldussaal. Redner: Pg. Bernhard Köhler. 10 Uhr: Arbeitsdienstführer im Kulturvereinshaus. Redner: Pg. H i e r l. 10 Uhr: Finanzwesen- und Verwaltung im Sitzungssaal des Rathauses. Redner: Pg. Dr. H a e p e, Pg. Lingg. Leiter: Pg. Hans Saupert. 10 Uhr: NS. -Frauenschaft in der Kongreßhalle. Redner: Pgn. Gertrud Scholz-Klink. Leiter: Pg. Erich Hi'lgenfeldt. 11.30 Uhr: Auslandsorganisation der NSDAP, im Apollo-Theater. Redner: Pg. E. W. Bohle. 13 Uhr: NS. -Juristenbund im Katharinenbau. Redner: Pg. Dr. Frank. Leiter: Dr. L. Fischer. 14 Uhr: Amt für Kommunalpolitik in der Kongreßhalle. Redner: Pg. F i e h l e r, Pg. Dr. Weidemann. Leiter: Pg. Schön. 17 Uhr: Amt für Technik im Marientorzwinger. Redner: Pg. Feder, Pg. Dr. Tod t. Leiter: Pg. Seebauer. 17 Uhr: Parteigerichtsvorsitzende im Katharinenbau. Redner: Pg. W. Buch. 17 Uhr: Gau- und Kreisschulungsleiter im Sebaldussaal. Redner: Pg. Alfred R o - s e n b e r g, Pg. Dr. Stang, Pg. Dr. Z u g - sch wert. Leiter: Pg. Otto Gohdes. 17 Uhr: NS. -Lehrerbund im Apollotheater. Redner: Pg. Roder, Pg. Schemm. 17 Uhr: NS. -Volkswohlfahrt im Opernhaus. Redner: Pg. Hilgenfeldt, Pg. Althaus, Pg. Semmel. 17 Uhr: Gau- und Kreisobmänner der N S B O. und NS. - Hago (Deutsche Arbeitsfront) in der Kongreßhalle. Redner: Pg. Rudolf Heß, Pg. Dr. Ley. Leiter: Pg. W. Schuhmann. Der Gaarland-Treuestaffel- lauf in -er Reichshauptsta-t. Große Kundgebung Berliner Turner. Berlin, 24. Aug. (DNB.) Drei der Hauptstaffeln, die von den Grenzen Ostpreußens, Schleswig- Holsteins und Oberschlesiens zur Saartreuekundgebung auf dem Ehrenbreit st ein eilen, berührten in den späten Abendstunden des Donnerstags die Reichshauptstadt. Aus diesem Anlaß marschierten die Berliner Organisationen aller Sportzweige im Lustgarten zu einer Kundgebung auf, der Gauführer der Deutschen Turnerschaft, SS.-Standartenführer B r e i t h a u p t, wies auf den Sinn der Kundgebung als Treuebekenntnis der Turner und Sportler Berlins zur deutschen Saar hin. Reichssportführer von Tscharnrner und Osten erklärte dann, die Saar müsse durch legale Erfüllung der Verträge, die uns bänden, heimgeholt werden, um damit die Schande von Versailles in diesem Gebiete auszulöschen. Als Sinnbild dieses Willens begrüßte der Reichssportführer den Saarland-Treuestaffellauf und dankte den Läufern, die sich daran beteiligen. Abschließend brachte er die Grüße und den Dank des Reichsinnenministers Dr. F r i ck. Kurze Zeit später kündigten Böllerschüsse das Eintreffen der ersten Stafetten an. Standartenführer Breithaupt verlas darauf die Treueurkunden, die von den Staf- Berlin, 21. Aug. (DRB.) Die Regierungskommission des Saargebieles hat am 8. 3uli 1934 die Vorschriften über die Aufstellung der Stimmlisten für die Volksabstimmung im Saargebiet am 13. Januar 1935 erlassen. Weiterhin hat die Volks- abstimmungs - Kommission des Völkerbundes am 20. Juli 1934 eine Bekanntmachung veröffentlicht, die nähere Vorschriften über die Abstimmungsbe- rechtigung und über die Anmeldung der Stimm- berechtigten zur Aufnahme in die Stimmlisten enthält. hiernach müssen Stimmberechtigte, die außerhalb des Saargebietes wohnen, einen besonderen Antrag auf Ein- tragung in die Stimmlisten stellen. Wer nicht in die Stimmlisten eingetragen ist, kann sein Stimmrecht nicht ausüben. Es liegt daher im eigenen Interesse aller im Reich wohnenden Stimmberechtigten, diesen Antrag mit tunlichster Beschleu- nigung einzureichen. Die Antragsfrist läuft mit dem 31. August 1 9 3 4 ab. Der Antrag, der an den „G e m e i n d e a u s- schuh" des Bezirkes gerichtet ist, in dem der Abstimmungsberechtigte am 2 8. 3 u n i 1919 d i e Einwohnereigenschaft hatte, muh folgende Angaben enthalten: 1. Die Ramen, Vornamen, das Geburtsdatum, den Geburtsort und den Beruf des Antragstellers (im Falle einer Verufsänderung denjenigen, den er am 28. 3uni 1919 ausübte), sowie die Vornamen seines Vaters Md ferner, falls es sich um eine verheica- 17 Uhr: Landesleiter der Auslandorgani- s a t i o n der NSDAP, im Goldenen Saal des Rathauses. Volksfest im Sta-iou. Arn Samstagnachmittag gegen 17 Uhr beginnt im Stadiangelände ein von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltetes Volksfest. Dabei werden u. a. ausgeführt in der Hauptkampfbahn des Stadions: 1. Aufmarsch von 1500 Sportlern, Vorführungen von Körperschulungsübungen im Sinne des Volkssports. 2. Massenspiel: „Stimmen und Stände", 1500 Personen in den Trachten aller deutschen Landsmannschaften. 3. Musikdarbietungen, Männerchöre mit Instrumentalbegleitung (200 Musiker). Diese Vorführungen werden ab 21.15 Uhr wiederholt. 17 Uhr: Hans-Sachs-Spiele im Waldtheater: aufgeführt durch die NS.-Kulturgemeinde. Auf der Zeppelin-Wiefe und den übrigen Festplätzen finden Massenkonzerte, Trachtenvor- sührungen, Volkstänze, Tonfilmvorführungen und mannigfache sonstige Darbietungen statt. Ausstellung des Amtes für Reife und Wandern der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Vorführung auf dem Dutzendteich ufw. 20 Uhr: Beginn des Feuerwerks in der Hauptkampfbahn auf der Zeppelin-Wiefe und um den Dutzendteich. Es werden u. a. in riesig großem Ausmaß vorgeführt: Bombenparaden, Gewehrfeuerbatterien, Goldregen, Rotfeuer, Fallschirmraketen, Wasserfälle, Blitz-Donner-Granaten, Rake- tengirandolen, Bombenfinale, Fächerscheinwerfer ufw. Im ganzen Gelände sind Verkaufsstände für Getränke und Lebensrnittel errichtet. Schluß des Volksfestes 24 Uhr. £eni Riefeusiahl dreht auch den Film des diesjährigen Parteitages. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Wie wir erfahren, ist die Schöpferin des vorjährigen Reichsparteitag- Films „Sieg des Glaubens", Leni Riesenstahl, über ihre damalige Aufgabe hinaus nun mit der gesamten künstlerischen und technischen Oberleitung beauftragt worden. Im Gegensatz zum vorjährigen Film sind nicht nur die Ereignisse von Nürnberg selbst einzufangen, sondern in einem abendfüllenden Film soll sich um den Kern der feierlichen Geschehnisse von Nürnberg die Geschichte der national» sozialistischen Freiheits-Bewegung ranken. Seit Wochen werden bereits in ganz Deutschland Aufnahmen für diesen Film gemacht. Zur engsten Mitarbeit wurden der Regisseur Walter R ü 11 m a n n und der Operateur Sepp All- g e i e r verpflichtet. felläufern, überbracht wurden, um von hier aus weitergetragen zu werden bis zum Rhein. Im Namen der Stadt Berlin händigte Bürgermeister Dr. M a r e tz k y den Staffelläufern eine künstlerisch ausgestattete Urkunde der Stadt Berlin aus. Michsminister Nr. Goebbels spricht bei derEröffnungsfeier der Ausstellung „Deutsche Saar". Köln, 23. Aug. (DNB.) Die Ausstellung „D e u t= s ch e Saar" Köln 1934 wird am Sonntag, dem 26. August, 10 Uhr, mit einer Feier in der festlich geschmückten großen Messehalle eröffnet. An ihr nehmen Mitglieder der Reichsregierung, leitende Persönlichkeiten der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, Reichsleiter der NSDAP sowie Vertreter der in- und ausländischen Presse teil. Ferner wird aus dem Saargebiet eine große Zahl Vertreter aller Behörden und Wirtschaftsgruppen nach Köln kommen und mit den übrigen Gästen im Anschluß an die Ausstellungseröffnung zur Saarkundgebung nach Ehrenbreitstein fahren. Die Eröffnungsansprache hält nach einer Begrüßung durch den Landesleiter der Deutschen Front im Saargebiet Pirro Reichsminister Dr. Goebbels. Die Feier wird umrahmt von Chorvorträgen des Kölner Männergesangoereins (unter Leitung von Professor Dr. Trunk) und Orgelspiel von Professor Bachem. Sie wird überalledeutschen Sender übertragen. fefe Frau handelt, die Kamen und Vornamen ihres Ehemannes (im Falle einer Veränderung des Familienstandes nach dem 28.3uni 1919 den Familiennamen, den sie an diesem Zeitpunkt trug): 2. Die Gemeinde, in der er die Einwohnereigenschaft am 28.3uni 1919 hatte. 3. Den gewöhnlichen Aufenthalt zur Zeit des Antrages. 4. Die Anschrift im Saargebiet, an die Mitteilungen zu richten sind. Die vorhandenen V e w e i s st ü ck e für die Einwohnereigenschaft im Saargebiet find dem Antrag beizufügen. Befinden sich solche Beweisstücke nicht in den Händen des Antragstellers, so ist in dem Antrag anzugeben, bei welcher Stelle des Saargebietes diese Unterlagen erhältlich sind. Sämtliche Abstimmungsberechtigten im Reich werden hiermit aufgefordert, ihren Antrag auf Eintragung in die Stimmlisten bis spätestens 30. August 1934 an den zuständigen Gemeindeausschuß im Saargebiet gelangen zu lassen. Zur Aufklärung über alle bei der Anmeldung zu berücksichtigenden Gesichtspunkte stehen den Stimmberechtigten die Saarmelde st ellen ihres jetzigen Wohnorts (das Einwohnermeldeamt, in den Städten die zuständigen Polizeireviere) sowie die Geschäfts st ellen des Bundes der Saarvereine — in Berlin befindet sich diese SW 11, Stresemannstraße 42 — zur Verfügung. Es. kvird jedem Abstimmungsberechtigten Dor der großen Saar-Kundgebmg in Koblenz. Ausruf zur Anmeldung für die Volksabstimmung im Saargebiel. dringend empfohlen, vor Absendung seiner Anmeldung die vorgenannten Stellen zum Zwecke der Beratung in Anspruch zu nehmen. UrlaubSreisende aus dem Saargebiet. Die Saarländer, welche zurZeitaufReisen sind, und deren jetziger Wohnsitz im Saargebiel sichnichtmehrin dergleichen Stadt oder derselben Bürgermeisterei befindet wie am 2 8. 3 uni 1919, dürfen nicht vergessen, zweckmäßigerweise für die Volksabstimmung im Saargebiet einen schriftlichen Antrag auf Eintragung in d i e Liste der Abstimmungsberechlig- t e n beim Gemeindeausschuß des Bezirkes im Saargebiet zu stellen, an welchem sie am 28. 3uni 1919 ihren Wohnsitz hatten. Der Antrag muß vor dem 1. September!934 bei dem Gemeindeausschuß eingegangen sein. Formulare zur Antragstellung sind bei den (Ein« wohnermeldeämtern der Polizeiverwaltung und den Saarvereinen zu erhalten. Nie zulässige Bebauung darf nicht überschritten werden. Auflockerung der Städte statt eines weiteren Anwachsens der Bevölkerungsdichte. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Jrn Zusammenhang mit den Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung ist 'N letzter Zeit vielfach das Bestreben heroorgetreten, Grundstücke in Städten durch Ueberschreiten der zulässigen Bebauung, z. B. Ausbau von Dachgeschossen, Aufstockung und dergleichen über das nach den baupolizeilichen Bestimmungen zugelassene Maß hinaus auszunutzen. Diese Bestrebungen führen häufig zu einer Vermehrung der Wohnsitze, die ebensowenig mit den städtebaulichen und bevölkerungspolitischen Forderungen, wie mit den Belangen des Luftschutzes zu vereinbaren ist. Die Forderungen des Städtebaues und des Luftschutzes verlangen die Auflockerung der Städte und die Verhinderung eines weiteren Anwachsens der Bevölkerungsdichte über das nach den heutigen Anschauungen vertretbare Maß hinaus. Der Reichskommisfar für das Siedlungswefen, Staatssekretär Feder, hat daher in Vertretung des Reichswirtschaftsministers die obersten Landesbehörden ersucht, die Polizeibehörden anzuweisen, b e t Erteilung von Ausnahmen oder Befreiungen von baupolizeilichen Bestimmungen über die Ausnutzbarkeit von Grundstücken, besonders in eng bebauten Stadtteilen, tunlichst Zurückhaltung zu üben. Gesuchen, die mit den Forderungen einer gesunden städtbaulichen Entwicklung und mit den Belangen des Luftschutzes nicht im Einklang stehen, soll nicht mehr ftattgegeben werden. Günstige Entwicklung -er Steuereinnahmen. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Das Steigen der Einnahmen an Steuern, Zöllen und Abgaben hat auch im Juli 1934 weiter angehalten. Die Einnahmen betrugen bei den Besitz- und Verkehrs st euern 370,8 Mill. Mark gegen 300,5 Mill. Mark im Juli 1933 und bei den Zöllen und Verbrauchssteuern 313,9 Mill. Mark gegen 278,8 Mill. Mark, insgesamt also 684,7 Mill. Mark gegen 579,3 Mill. Mark im vergangenen Jahre. In dem Zeitraum vom 1. April bis 31. Juli 1934 betrugen die Gesamteinnahmen 2569,9 Mill. Mark gegen 2197,1 Mill. Mark im 2. Viertel des Vorjahres. Von denjenigen Steuern, in denen sich die wirtschaftliche Entwicklung spiegelt, hat sich im Juli 1934 besonders die Lohn st euer weiter gut entwickelt. Das Juliaufkommen überstieg das des Vorjahres um 6,4 Mill. Mark. An veranlagter Einkommensteuer sind im Juli 1934 24,1 Millionen Mark mehr aufgekommen als im Juli 1933. Die Körperschafts st euer hat im Juli 1934 ein Mehr von 11,4 Mill. Mark erbracht. An Umsatzsteuer sind trotz der Senkung der Steuer für die Landwirtschaft 37,3 Millionen Mark mehr aufgekommen als im Juli des vergangenen Jahres. Das Aufkommen an Kraftfahrzeug ft euer blieb dagegen im Juli 1934 gegen das Vorjahr um 11,6 Mill. Mark zurück. Die Artamanen-Dewegung gehört zur Hitlerjugend. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Die Pressestelle der Reichsjugendführung teilt mit, daß der Führer der Artamanenbewegung, Albert W o y i r f ch , in das Sozialamt der RIF. eingetreten ist. Damit ist für die Sozialarbeit der HI. die Führertruppe des Bundes der Artamanen gewonnen worden. Das Wesen und die Geschichte der Artamanenbewegung haben sich schon seit Jahren in die vorderste Front nationalsozialistischen Aufbruches gestellt. Nicht nur, daß nach der 1931 erfolgten Neugründung der Bewegung nur noch nationalsozialistische Parteimitglieder aufgenommen wurden; auch darüber hinaus hat die Artamanenbewegung neben der Pflege volkstümlicher Feierabendge st altung größte revolutionäre Bedeutung durch die Rückgewinnung der Großstadtjugend zur Landarbeit erhalten. Sa wurde manches Dorf im Osten, das eine Artamanengruppe beherbergte, der Idee des Führers gewonnen, ganz abgesehen von der wesentlichen Pionierarbeit an der Scholle selbst. Durch ein eisernes Ausleseverfahren wurde innerhalb der Artamanenbewegung eine hervorragende Führertruppe herangebildet, die heute bei der Umschulungs- und Siedlungsarbeit ebenso unentbehrlich ist wie bei Arbeitsdienst und Landhilfe. Mitte September findet in Güstrow (Mecklenburg) ein Bundestag der Artamanen statt, auf dem der Reichsjugendführer den gesamten Bund als alte nationalsozialistische Kampfgemeinschaft in die HI. eingliedern wird. Schwere Zuchthausstrafen im Stettiner INafsenbrandstifter-Prozeß. Vor der Stettiner Strafkammer ging der 16. und lötzte Fechtner-Prozeß zu Ende. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Prozessen gegen die Brand st ifterorganisation Fechtner und Gen., die in den Jahren 1928 bis 1933 in den pommerschen Kreisen Pyritz und Greifenhagen zahllose Verbrechen der Brandstiftung und des Versicherungsbetruges begangen hat. Als die Verhandlung Ende April begann, stellte es sich heraus, daß man es mit einem Umfang von Verbrechen der Brandstiftung zu tun hatte, die bisher in ganz Deutschland beispiellos sind. Erfaßt waren nicht weniger als 110 Brandstiftungsfälle. Neben d.N eigentlichen Brandlegerv. M dererr Spitze die Gs- 16 Kilometer über -er Erde. <5osyns berichtet über seinen Gtratosphärenflug. brüber Fechtner und Ernst Sporke standen, richtete sich die Anklage auch gegen eine Reihe von Landwirten, die ihre Gebäude gegen Bezahlung hatten anstecken lassen. 181 Bauten fielen dem gewissenlosen Treiben dieser Verbrechergesellschaft innerhalb von sechs Jahren zum Opfer. Der Schaden, den die verschiedenen Feuerversicherungsgesellschaften erlitten haben, dürfte mit etwa 3 Millionen Mark noch zu niedrig angegeben sein. Das Urteil lautete wie folgt: Ernst Sporke 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und 600 Mark Geldstrafe, Emil Fechtner 6 Jahre Zuchthaus und 6 Jahre Ehrverlust, Hermann Neumann 5 Jahre 8 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und 300 Mark Geldstrafe, Kurt Fechtner 4 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrverlust und 30 Mark Geldstrafe, Ernst Steinmetz 3 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Vier weitere Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen bis zu zwei Jahren sechs Monaten bzw. acht Monaten Gefängnis. Aus aller Welt. Acilscherwerksialt in einem englischen Gefängnis. In der Druckerei des Gefängnisses von Penton- ville wurde eine Werkstatt zur Herstellung falscher amtlicher Formulare und Scheine aufgedeckt. Vor mehr als einem Jahr waren der Polizei eine Anzahl gefälschter Zeugnisse in die Hände gefallen, und noch vor vier Monaten fand die Polizei bei einer Razzia in einem Hause in West- London einen ganzen Stotz solcher Dokumente. Die bei dieser Gelegenheit verhafteten Personen wurden abgeurteilt. Die Polizei glaubte, der Sache damit ein Ende gemacht zu haben. Zu ihrem Erstaunen tauchten aber immer wieder solche Fälschungen auf. Schließlich fand man heraus, daß ein in solchen Dingen bewanderter Strafgefangener in Pentonville die falschen Formulare druckte und gegen Tabak und anderen Vergünstigungen Wärtern überreichte, die ihrerseits einen schwunghaften Handel damit trieben. Der Strafgefangene wurde sofort in Einzelhaft gesteckt. Zwei Gefängnisbeamte wurden vorläufig ihres Postens enthoben. Unpünktlichkeit bewahrt 40 Mädchen vor dem Tode. In Dudley (Worcestershire) wurden 40 in einem Kleinwarenhaus als Verkäuferinnen angestellte Mädchen durch die Unpünktlichkeit der Geschäftsführerin vor dem Tode oder doch vor schweren Verletzungen bewahrt. Die Geschäftsführerin hatte ihren Omnibus verpaßt und war daher einige Minuten später gekommen, während die Mädchen vor der verschlossenen Tür warteten. Als die Mädchen noch vor der Tür standen, stürzte plötzlich das ganze Gebäude in sich zusammen, und zwar nach der Seite, an der gerade Ausschachtungsarbeiten für den Ausbau des Warenhauses im Gange waren. Die 30 dort beschäftigten Arbeiter hatten gerade ihre Frühstückspause und sind dadurch dem Tode entronnen. Niemand wurde verletzt. Sensation in den Lüften. Zwei Chinesen wollen ihre Flugkunst beweisen. Zwei Chinesen, die in das Fliegerkorps ihrer Heimat ausgenommen zu werden wünschten, wollten ihre Flugkunst dem am Freitag mit dem Lloyd- dampfer „Bremen" in Neuyork eintreffenden chinesischen General Tsch a n g Fa kw e i vorführen. Sie probten deshalb in 700 Meter Höhe über dem Neuyorker Stadtteil Brooklyn einen Scheinkampf, wobei sie sich schließlich so nahe kamen, daß ein Flugzeug, vom Propeller des anderen durchschnitten, ab stürzte und ein Hausdach durchschlug, während das zweite mit beschädigtem Motor ein drei Kilometer entferntes Feld zu erreichen vermochte, sich dann aber überschlug. Der erste Flieger starb bald nach dem Absturz, der zweite erhielt einige Verletzungen; der Fall wird außerdem noch ein unangenehmes Nachspiel erleben, da Schaukämpfe von Zivilflugzeugen nur ausnahmsweise gestattet werden. „Graf Zeppelin- auf dem Rückflug. Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das in den frühen Morgenstunden des Donnerstag auf seiner sechsten Südamerikafahrt in Rio de Janeiro gelandet war, ist um 11.15 Uhr MEZ. zu seiner Rückfahrt gestartet. Flugpostdienst Moskau—Neuyork. Das Volkskommissariat für Verkehrswesen in Moskau hat dem amerikanischen Flieger Hutchinson die Erlaubnis erteilt, einen Flugpostdienst Moskau — Neuyork einzurichten. Der Lustpostverkehr auf dieser Strecke soll im September beginnen, sobald Hutchinson seine Probeflüge mit einer neuen Maschine abgeschlossen hat. Heihluflballou Brunners erreicht 1500 Meter Höhe. Auf dem Flugplatz der Eberswalder Fliegerortsgruppe in Finowfurth startete zum zweiten Male der Heißluftballon, über den bereits berichtet wurde. Unter Führung des Erfinders Rudolf Brunner erreichte der Ballon, der später in der Nähe von Lichterfelde am Großschiffahrtsweg landete, eine Höhe von 1500 Meter. Die Versuche, die von zahlreichen Zusauern beobachtet wurden, sanden im Beisein des Propagandaleiters des Deutschen Luftsportverbandes, Ängermund, statt. Nach der Landung erklärte Brunner, daß es ihm ein Leichtes gewesen wäre, ein Höhe von 2000 Meter zu erreichen. Algerischer Aulobus ins Meer gestürzt. — 9 Tote, 4 Verletzte. Ein schweres Autobusunglück ereignete sich bei St. Eugöne in Algerien. Der zwischen Stauli und Algier verkehrende Personenautobus stieß bei St. Eugene mit einem Auto zusammen, dessen beide Insassen schwer verletzt wurden. Der Autobus kam bei dem Zusammenstoß ins Schleudern, Durchschlug eine Brustwehr und st ü r z t e aus fünfzehn Meter Höhe ins Meer. Erst nach sechsstündigen Bergungsarbeiten konnten neun Fahrgäste als Leichen geborgen werden; zwei Personen trugen leichtere Verletzungen davon. Fünf Schwerverletzte bei einem Autounglück. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der Straße von Landeck nach Reichenstein (Nie- derschlesien). Bei dem Versuch, durch starkes Bremsen einen Zusammenstoß mit drei Radfahrern zu vermeiden, geriet ein von einer Frau gesteuerter Kraftwagen ins Schleudern und stürzte eine zwanzig Meter tiefe Böschung hinab. Die Insassen des völlig zertrümmerten Kraftwagens, Frau Göbel- Grunwald, die Ehefrau des Bahnhofswirtes L i e b e t h a l aus Glatz, das Kindermädchen Irmgard Grün und der in der Hindenburg-Baude als Sommergast weilende Kapitän Paul Fleischer aus Stettin wurden schwer verletzt ins Kran- ksnhs/us geschafft. Das 1 ^jährige Kind der Frau Göbel kam ohne Verletzungen davon. Ein Rad- Co syns und van der El st haben weitere Einzelheiten über den Verlauf ihres Aufstieges in die Stratosphäre mitgeteilt. Den stärksten Eindruck scheint auf sie die große Kälte, die sie in der Stratosphäre angetroffen haben, gemacht Zu haben. Besonders unangenehm empfanden sie es auch, daß sie sich während der 14stündigen Fahrt in der Gondel kaum bewegen konnten. Während der ganzen Zeit stellten sie wissenschaftliche Beobachtungen und Strahlenmessungen an. Die Erde war ihren Blicken meist durch dichte Wolken verborgen. War einmal ein Durchblick möglich, so bot sich ihnen die Erde als eine farbenprächtige Landkarte dar, auf der sich alle Bodenunterbrechungen und die geographischen Verschiedenheiten deutlich und scharf'ab- hoben. Der Ballon fuhr mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 85 Kilometer, was aber keinerlei Einfluß auf ihr physisches Befinden hatte. Die Gondel hielt ausgezeichnet das Gleichgewicht. Interessant ist auch, wie sich in 1 6 0 0 0 Meter Höhe der Himmel den beiden Fliegern darbot. Die Färbung fei so sonderbar gewesen, daß man sie gar Die Erträgnisse der Seefischerei nehmen heute innerhalb der deutschen Ernährungswirtschaft einen wesentlich bedeutungsvolleren Platz ein als früher. Das ist vor allem dem technischen Fortschritt zu verdanken. Denn erstens sind infolge der technischen Vervollkommnung der Fangfahrzeuge die Fischfänge sehr viel reicher geworden. Die große deutsche Hochseefischereiflotte unternimmt weite Reifen, um größere Fänge zu erzielen. Ihre Schnelligkeit und Fahrtüchtigkeit gestattet ihr, die gefangenen Fische in kurzer Zeit an Land zu bringen, damit sie für Ernährungszwecke Verwendung finden können. Zweitens aber find auf dem Gebiet der Frifcherhaltung und der Verarbeitung der Seefische große Fortschritte gemacht worden. Die deutsche Seefischerei begnügt sich heute nicht mehr damit, an den deutschen Seeküsten Fischfang zu betreiben. Ihre moderne, schnellen und leistungsfähigen Fangfahrzeuge fahren vielmehr nach fernen, fischreicheren Meeren, um von dorther Nahrung für das Sechzigmillionenvolk herbeizuholen. Als das Ergebnis dieser technischen Vervollkommnung der Seefischerei und der Verwertung der Fischfänge ist es anzusehen, daß die Mengen von Seefischen und anderen Seetieren, die die deutsche Seefischerei der Dolksernährung zugeführt, ft ä n ö i g g e ft i e g e n find. Im Jahre 1913 wurden von ihr insgesamt 1,7 Millionen Doppelzentner Fische und andere Seetiere an Land gebracht. Bis zum Jahre 1925 stiegen die jährlichen Erträgnisse der Seefischerei bis auf 2,1 Millionen Doppelzentner. Im Jahre 1933 betrugen sie aber nach der in den Vierteljahresheften zur Statistik des Deutschen Reiches veröffentlichen „Darstellung der Ergebnisse der deutschen Seefischerei" nicht weniger als 3,9 Millionen Doppelzentner. Seit dem letzten Vorkriegsjahr hat sich also die Menge der gefangenen Seefische und sonstigen Seetiere mehr als verdoppelt. Der Wert dieser Fänge wurde im Jahre 1913 auf insgesamt 46 Millionen Mark, im Jahre 1933 auf 60 Millionen Mark veranschlagt. Wenn der Wert der Fischfänge sich nicht in gleichem Maße wie die Menge erhöht hat, so beweist das nur, daß die Seefischnahrung billiger geworden ist. Die technischen Fortschritte sind also in erster Linie der billigen Versorgung der Bevölkerung mit Seefischen zugute gekommen. Diese sind in der Tat heute nicht nur ein sehr wertvolles, sondern vor allem auch ein sehr billiges Volksnahrungsmittel. Die in bezug auf die Frifcherhaltung der Fische gemachten Fortschritte haben dazu geführt, daß heute nicht mehr nur die Küstenbevölkerung im Seefisch ein sehr gesundes und billiges Nahrungsmittel erblickt, sondern daß sich auch die breiten Massen der Jndustriebeoölkerung und insbesondere der Großstadtbevölkerung in großem Umfange dem Seefischkonsum zugewandt haben. In dieser Hinsicht kann freilich durch eine systematische Auf- klürungstätigkeit noch weit mehr erreicht werden. Der deutsche Seefischverbrauch ist noch sehr ausdehnungsfähig, und schon der Preisrückgang scheint zu beweisen, daß der Konsum nicht ganz mit der steigenden Ertragsfähigkeit der deutschen Seefischerei gleichen Schritt gehalten hat. Der volkswirtschaftlich und ernährungswirtschaftlich wichtigste Seefisch ist und bleibt der Hering. Don den im Jahre 1933 von der deutschen Nordseefahrer, ein tschechoslowakischer Staatsangehöriger aus Rosenfranzberg wurde überfahren und lebensgefährlich verletzt. Bei den übrigen Verletzten besteht keine unmittelbare Lebensgefahr. Bier Tote, vier Schwerverletzte bei einem Autounglück in Frankreich. Ein folgenschweres Kraftwagenunglück, bei dem vier Personen den Tod fanden und vier andere lebensgefährlich verletzt wurden, ereignete sich auf der Landstraße von Etampes nach Paris. Ein Lieferwagen, in dem acht Personen Platz genommen hatten, geriet auf der vom Regen glatt gewordenen Straße ins Rutschen und wurde gegen einen Baum geschleudert. Vier Leichen und vier lebensgefährlich Verletzte wurden aus den Trümmern gezogen. Schweres Unwetter im Badischen. Heber Baden-Baden und dem Oostal ging ein furchtbares Unwetter mit Blitzschlag, Donner und Sturm nieder, das auch ein Todesopfer forderte. Vier Holzarbeiter aus Lichtental suchten in einer Hütte zwischen Seelach und Scherrbach Schutz vor dem Unwetter. Der Blitz schlug in die Hütte ein und tötete den ledigen 29jährigen Heinrich Maier aus Lichtenthal, der 39jährige verheiratete Johann Ihle auch Lichtenthal wurde vom Blitz- chlag gelähmt. Die beiden anderen Holzarbeiter wurden nur betäubt. Das Sturm- und Hagelwetter ging auch über dem Murgtal nieder. Dort ist die ganze Ob st ernte vernichtet. Auch vom Bühlerhöhe-Gebiet werden große Sturmschäden gemeldet. verbrennungslod einer Greisin. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich in Kassel. Eine 75jährige Frau wurde hier plötzlich von einem Unwohlsein befallen und ging im Zimmer auf und ab. Dabei kam sie dem offenen Kerzenlicht nicht genau definieren könne. Am ehesten könne man noch von einem tiefen Violettblau sprechen. Die Sonne erschien ihnen als eine ganz weiße Scheibe. Als sie in 16 000 Meter Höhe sich zum Abstieg an» schickten, befanden sie sich noch in vollster Helligkeit, während tief unten unter ihnen - die Erde schon in Dunkelheit versank. Die beiden Forscher haben während der ganzen 14ftünbigen Fahrt kaum Nah - r u n a zu sich nehmen können, so sehr waren sie mit ihren Arbeiten beschäftigt. Unerklärlich ist das nahezu vollständige Versagender. Funkverbindung. Für die Navigation waren die Flieger ausschließlich auf die Bussole und die meteorologischen Erkundigungen angewiesen, die sie vor dem Ausstiege eingezogen hatten. Cosyns erklärte, daß es seiner Ansicht nach möglich sein müsse, mit einem Ballon, der mit einem Spe^ialstoff ausgerüstet fei, Höhen bis zu 3 0 0 0 0 Meter zu erreichen. Darüber hinaus werde man aber schwer kommen. Cosyns will nunmehr in etwa zweimonatigen Studien die wissenschaftlichen Ergebnisse seines Fluges auswerten. fischerei erzielten Fängen waren zwei Fünftel Heringsfänge. Der Ertrag an frischen Heringen ist infolge der Verbesserung der Fangtechnik und der immer ausgebreiteteren Anwendung des Schleppnetzes stark gestiegen. Von der Nordseefischerei wurden im Jahre 1933 nicht weniger als 1,2 Millionen Doppelzentner Heringe im Werte von 12,3 Millionen Mark an Land gebracht. An zweiter Stelle stehen die Kabeljau sänge, die rund 586 000 Doppelzentner im Werte von 8,9 Millionen Mark, und die Schellfisch sänge, die 278 000 Doppelzentner im Werte von 6,7 Millionen Mark betrugen. Daneben wurden in größeren Mengen noch Seelachs, Rotbars und Scholle gefangen. In der Oftfeefifcherei spielen Aal und Flunder die wichtigste Rolle. Der Wert, der im Jahre 1933 aus der Ostsee gewonnenen Ale wird auf 1,9, der der Flundern auf 1,3 Millionen Mark veranschlagt. Hierzu kommen noch für 0,8 Millionen Mark Ostsee h e r t n g e, für 0,5 Millionen Mark Ostsee - zauder und für 0,3 Millionen Mark Ostsee- schollen. Aber die Ostseefischerei reicht an Bedeutung bei weitem nicht an die Nordfeefischerei heran. Im Jahre 1913 wurden an der Ostsee noch für 10,38 Millionen Mark Fische gefangen und in der Nordsee für 21,86 Millionen Mark. Bis zum Jahre 1933 hat sich dieses Verhältnis aber wesentlich zugunsten der Nordseefischerei verbessert. Im letzten Jahre entfiel auf die Nordseefischerei ein Ertrag von 52,91 Millionen Mark, auf die Ostsee- fifcherei nur ein Ertrag von 7,48 Millionen Mark. Die Nordseefischerei umfaßt vor allem die Großunternehmungen der Hochseefischerei, die steigende Mengen von frischen Heringen an Land bringt. Ebenso werden Muscheln, Austern usw. hauptsächlich in der Nordsee gefangen. Trotz der erfreulichen Steigerung der Erträgnisse der deutschen Seefischerei werden noch immer recht beträchtliche Mengen von frischen und gesalzenen Heringen sowie an Fischkonserven aus d e m A u s- lande nach Deutschland gebracht. Im Jahre 1933 wurden für insgesamt 46 Millionen Mark frische und zubereitete Fische aller Art nach Deutschland emgefuhrt, dagegen für nur 6,1 Millionen Mark aus Deutschland ausgeführt. Die deutsche Außenhandelsbilanz weist also auf diesem Spezialgebiet noch immer einen Einfuhrüberschuß von f a ft 40 Millionen Mark auf. Norwegen, England und Holland sind die Hauptlieferanten von ausländischen Seefischen, während Deutschland seinerseits hauptsächlich die Tschechoslowakei, die Schweiz, Oesterreich und Polen mit Seefischen versorgt. Der inländische Seefischkonsum ist zwar gestiegen, aber, wie schon erwähnt, nicht in genügendem Maße. Im Jahre 1913 kam auf jeden Deutschen ein Seefischverbrauch von 6,8 Kilogramm, im Jahre 1933 ein Verbrauch von 8,8 Kilogramm. Aber jeder Engländer verzehrt im Durchschnitt 20 bis 25 Kilogramm Seefische jährlich. Der Mahnruf: „Eßt mehr Seefische!" ist also nach wie vor bedeutungsvoll. Er muß freilich heute lauten: "Eßt mehr deutsche Seefische!" Denn noch immer wird ein gutes Drittel des deutschen Seefischverbrauchs durch ausländische Einfuhr zugedeckt. Aber abgesehen von einzelnen Sorten von Seefischen und Fischkonserven, die in Deutschland nicht heimisch sind, kann die hochentwickelte deutsche Seefischerei den Bedarf allein decken. zu nahe, ihre Kleider fingen Feuer und im Nu stand sie lichterloh in Flammen. Der im selben Zimmer schlafende Ehemann wurde durch die Schreie seiner Frau wach. Das Feuer wurde gelöscht, doch hatte die Unglückliche derart schwere Brandwunden erlitten, daß sie bald nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus d e r ft a r b. Drei Bergsteiger tödlich abgestürzt. Eine nach der Jungfrau aufgebrochene Berg- steigergruppe, bestehend aus einem 21jährigen Luzerner und den beiden Bergsteigern Rodert Bischof und Rudolf Brunner aus Wengen stürzte aus noch nicht genau festgestellter Ursache am 3765 Meter hohen Großhorn ab. Alle drei wurden auf der Stelle getötet. Aus Wengen ist ein Extra- zug mit einer Rettungskolonne zur Bergung der Leichen nach Lauterbrunnen abgefahren. Die beiden Bergführer sind Familienväter mit mehreren Kindern. Ein unmenschlicher Vater. Ein Einwohner des Ortes Montier bei Nancy wollte seinen siebenjährigen Sohn wegen irgend- einer Kleinigkeit dadurch bestrafen, daß er ihn in einen Koffer sperrte, in dem er die Nacht verbringen mußte. Als der Vater am Morgen den Koffer öffnete, fand er feinen Sohn erstickt vor. Der unmenschliche Vater ist verhaftet worden. Paris hat kein Geld für die Schaffung einer weiblichen Polizei. Das Mitglied des Pariser Gemeinderates Maf - fort) wirbt feit langem für die Schaffung einer weiblichen Polizei in Paris nach dem Vorbild Englands. Der Pariser Polizeipräfekt steht der Anregung nicht ablehnend gegenüber, erklärt jedoch, daß die Stadt Paris vorläufig keine Mittel für diesen Zweck aufbringen könne. Oie drei Menschentypen. Eine der einfachsten Einteilungen aus der Unzahl der Methoden der Menschenerkenntnis ist die nach Gesichts-, Ohren - und Rhythmus- mens ch e n. Vor allem ist es für jeden wichtig, 311 wissen, zu welcher dieser drei Gattungen man | ich s e I b ft zu rechnen hat. G e s i ch t s rn e n - scheu sind solche mit scharfen g e i ft i g e n Augen. Diese können sich ohne weiteres mit ihrem Vorstellungsvermögen Landschaften, Menschen, Begebenheiten der verschiedensten Art, Bücher und Noten usw. vorstellen. (Bei Noten sind in diesem Falle die Notenbilder gemeint.) Es sind die Menschen, deren geistiges Auge ihnen eine große G e - b ä d) t n i s ft ü & e gibt. Zu ihnen gehören z. B. biejenigen, bie bei irgenb einem Text aus einem Buch sich bes Inhalts bann erinnern, wenn sie sich bie Stelle in bem Buch vergegenwärtigen, bas ben Text enthält. Die Augenmenschen, bie eine Melobie spielen, sehen geistig bie Noten berselben beutlich vor sich. Unscheinbare unb bebeutungslofe Ereignisse werben von biesem Typ noch nach Jahrzehnten genau geschilbert, als ob ein Film vor ihren Augen abrollt. Die Ohrenmenschen mieberum haben ein feines Gehör für frembländische Aussprache, Dialekte, Stimmenabstufungen. Deren Gebächtnis wird zum Finben burch ben Tonfall angeregt. Sie finb vielfach musikalisch unb ahmen oft unbewußt bie Stimmen anberer nach. Zu bem brüten Typ, bem Rhythmus-Men» schen, gehören bie körperlich sehr beweglichen, wie z. B. Tänzer unb Tänzerinnen, Sporttreibenbe usw. Eine Tänzerin fühlt gewissermaßen, ohne daß sie tanzt, wie sie sich bewegt, sie erlebt bcn Rhythmus innerlich, ebenso kann sich ein Tennisspieler jeben Schlag gefühlsmäßig Dorfteilen. Meist gehören bie Menschen nicht ausgesprochen einem bieser bret Typen an, fonbern zweien ober gar allen breien, natürlich in unzähligen Abstufungen. Es ist aber überaus wertvoll zu wissen, welchem Typ man selbst hauptsächlich angehört, um ben Nutzen, ben einem bieser Typ gewährt, voll ver- verwerten zu können. Das Mahl ohne Speisen. Früher waren die Zuschauer durchaus damit zufrieden, wenn sich die Bühnenhelden an eine nur sehr spärlich gedeckte Tafel zum Festmahl niedersetzten und klappernde Becher zum Munde führten und in Blitzesschnelle leerten, um sie stets aufs neue mit einem unsichtbaren Wein aus einem schier unerschöpflichen Krug füllen zu lassen. Heute verlangt der Theaterbesucher eine etwas wirklichkeitsgetreuere Darstellung. Sv hat das moderne Schauspiel dem Mahl auf der Bühne aud) besondere Wirkungsmöglichkeiten abgewonnen, die eine ungezwungene Eß- und Trinkbetätigung der Darsteller zur Voraussetzung haben. Durch die sorgfältig einstudierte, individuell abgestimmte Art zu speisen, werden die Charaktere auch nach dem Allzumenschlichen hin ausgeformt. Das durch das Bitten und Zureichen, das Danken und Essen aufgelöste Rundgespräch einer Tafelrunde auf der Bühne wird oft zu einer besonders eindrucksvollen Milieuszene. Für Komödien und Schwänke aber ist bie Eß-Szene vielfach der Höhepunkt des allgemeinen Vergnügens. Der Zuschauer fühlt sich geradezu als unsichtbarer Gast mit in die Tafelrunde einbezogen und den Dar- stellern dieser profanen Beschäftigung verwandt. Für den Schauspieler aber sind diese Eß-Szenen sehr schwierige Partien feiner Rolle, und er muß neben der Dialoggestaltung alle mimischen Künste spielen lassen; denn was ihm vorgesetzt ist, ist wirklich aus der „Welt des Scheins". Der schäumende Champagner ist zumeist Selterswasser, die feinen Weine und Liköre find nur schwacher Tee, und die Speisen bestehen zumeist aus Attrappen und kleinen Stückchen Brot, Gebäck und Obstscheiben, die mit Messer und Gabel als Braten und Gemüse verzehrt werden müssen. Aus verschiedenen Gründen empfiehlt sich diese Verwendung von Ersatzspeisen, und zwar schon deshalb, weil der Schauspieler während des Spiels weder die Zeit noch die Aufnahmefähigkeit hat, um wirklich zu essen und zu trinken. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen. Dann handelt es sich zumeist um besonders erfahrene Spieler, die sich auf den Brettern so sicher fühlen, daß sie eine richtige Mahlzeit auf der Bühne einehmen können. So war z. B. der französische Schauspieler Lucien Guitry dafür bekannt, daß er stets ein richtiges Diner verspeiste, wenn es in der Rolle vorgeschrieben war. Viele Scherze und Bosheiten verbinden sich im Bühnenleben mit diesen „gefährlichen" Eß-Szenen. So wurde dem englischen Schauspieler Tree einmal statt kalten Tees Terpentin in den Humpen gefüllt, den er auf einen Zug ausleerte. Er fühlte plötzli chdie Hölle durch feine Kehle rinnen, besaß aber genug Selbst- beherschung und Geistesgegenwart, um seine Qual nicht zu zeigen ud in heiterster Laune zu Ende zu spielen. Hin und wieder aber wird statt des Tees auch richtiger Wein in die Gläser geschenkt, wenn das Stück ein derart improvisiertes Fest der Schau- pieter auf der Bühne gestattet. Dann erhöht sich oft die Wirkung des Spieles bedeutend. Damit fällt die Schranke zwischen Bühne und Zuschauerraum, und das Spiel wird zu einem gemeinsamen kleinen Fest. Wettervoraussage. Von den britischen Inseln her steigt der Luftdruck kräftig an und drängt die nördliche Störung nach Skandinavien hin ab. Da von ihr Ausläufer nach •ein Festland ragen, die wechselnde Winde mit verschieden temperierten Luftmassen Hervorrufen, ist noch vereinzelt mit dem Auftreten von Gewitter- törungen zu rechnen. Jedoch wird der hohe Druck diese Reststörungen allmählich auffüllen und unser Wetter beständiger gestalten. Bei vorwiegend heiterem Himmel erreichen die Temperaturen tagsüber wieder höhere Werte, und die Gegensätze zwischen Tag und Nacht verschärfen sich. Aussichten für Samstag: Vorwiegend heiter, zeitweise auch leicht wolkig, tagsüber warm, nachts frisch, ganz vereinzelt Neigung zu Gewitterstörungen. Aussichten für Sonntag: Weitere Beruhigung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 23. Aug.: mittags 24,8 Grad Celsius, abends 16,6 Grad; am 24. Aug.: morgens 14,8 Grad. Maximum 25,7 Grad, Minimum 13,5 Grad. Niederschläge 6,0 mm. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Aug.: abends 21,0 Grad; am 24. Aug.: morgens 17,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4,3 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Unioersitäts-Buch- und Steindruckerei R. Sonne, K.-G., sämtlich in Gießen. Em billiges Volksnahrungsmittel. Vom Nutzen der deutschen Hochseefischerei. Oie Geldspielautomaten. Das Staatspresseamt teilt mit: Die Mimsterial-Abteilung I a (Polizei) des Hessischen Staatsministerium hat nunmehr Richtlinien für die Handhabung der Reichsoerordnung zur Durchführung des § 33 d der Gewerbeordnung vom 25. Juni 1934 erlassen. Hierzu ist folgendes zu bemerken: Durch die Verordnung zur Durchführung des § 33 d der Gewerbeordnung von 25. Juni 1934 (RGBl. I. S. 524 ff.) ist die Zulassung von Geldspielautomaten reichsrechtlich geregelt worden. Hiernach ist die Prüfung der Spielapparate auf ihre Eigenschaft als Glücks- oder Geschicklichkeitsspielapparate ausschließlich der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin übertragen worden. Die ortspolizeiliche Genehmigung au Aufstellung derartiger Spielapparate darf nach Z 1 der erwähnten Verordnung nur erteilt werden, wenn die Art des Spiels oder der Spieleinrichtung (Mustergerät) zugelassen ist, d. h. wenn das in Frage stehende Fabrikat und Modell in der Prüfung durch die Physikalisch- Technische Reichsanstalt als Geschicklichkeitsspiel anerkannt ist. Rach § 10 der Verordnung vom 25. Juni 1934 kann bzw. muß die ortspolizeiliche Genehmigung zur Aufstellung eines durch die Physikalisch-Technische Reichsanstalt zugelassenen Geräts versagt werden, wenn gewisse weitere Bedingungen nicht erfüllt sind. Im übrigen wird in Hessen nach folgenden Richtlinien verfahren: Die Zuverlässigkeit des Ausstellers ist genau und nach strengstem INaßstabe zu prüfen. Die IBeutfcherlDetn aus ö ent leben (ßanen TDEUT5CHER.WEINTA6 25;26 AUG193* Für die Wein-Werbetage, die am 25. und 26. August im ganzen Reich veranstaltet werden, wurde d-ieses Plakat geschaffen. Die Werbetage verfolgen den Zweck, in weitesten Kreisen Verständnis dafür zu wecken, daß bei den heutigen Preisen die deutschen Weine nicht mehr ein Luxusgetränk sind, sondern ein Volksgetränk sein können. Diese Erkenntnis würde wesentlich dazu beitragen, die große Notlage der deutschen Winzer zu mildern. Zuverlässigkeit ist zu verneinen, wenn der Auf- steller nicht in jeder Hinsicht einwandfreien Leumund besitzt. Die Bedürfnisfrage ist ebenfalls einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, ebenso wie besonderes Augenmerk auf die Lage des Aufstellungsortes gerichtet wird. Das Verbot der Aufstellung von Spielautomaten ist in Hessen allgemein bereits lange vor dem 31. März 1934 erfolgt. Soweit einzelnen Ausstellern mit Rücksicht auf die bereits entrichtete Steuer usw. ausnahmsweise die Erlaubnis erteilt worden ist, ihre Apparate noch einige Zeit über das allgemein^ Verbot hinaus stehen zu lassen, stellt diese aus Billigkeitserwägungen erteilte Erlaubnis keine Genehmigung im Sinne des § 12 Abs. II der Verordnung vom 25. Juni 1934 dar, aus welcher ein Anspruch auf Behandlung nach dieser Vorschrift hergeleitet werden könnte. Für Hessen kommt danach allein eine Genehmigung nach § 1 der Verordnung vom 25. Juni 1934 in Frage. Sie darf also nur erteilt werden, wenn eine Zulassungsbescheinigung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt vorliegt. Eine Genehmigung nach § 12 Absatz I oder II ist ausgeschlossen. Die ortspolizeiliche Genehmigung ist für jedes einzelne aufzustellende Gerät besonders zu erteilen. Sie ist auf die Dauer eines Vierteljahres zu befristen. Dor jeder Neuerteilung der Genehmigung ist das Vorliegen der im § 10 der Verordnung genannten Voraussetzungen erneut schärfstens zu prüfen. Insbesondere sind dabei die während der Genehmigungsdauer gemachten Erfahrungen zu berücksichtigen. Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die seither in einzelnen Gebieten des Landes zur Aufstellung gelangten sogenannten „Warenoerkaufsautomaten mit Voranzeige", wie z. B. die Fabrikate „Dropsö" oder „Gloria", bei welchen neben bestimmten Waren noch Spielmarken zur Ausgabe gelangen, die angeblich für die Weiterbenutzung der Automaten bestimmt sind, in Wirklichkeit aber von den Wirten an Stelle von Bargeld für Genußmittel in Zahlung genommen zu werden pflegen, als Geldfpielaulomalen anzusehen und deshalb ebenfalls nach der Verordnung vom 25. Juni 1934 zu behandeln sind. Auch diese Apparate dürfen also nur dann aufgestellt werden, wenn sie von der Physikalisch- Technischen Reichsanstalt zugelassen sind. Es wird schließlich noch darauf hingewiesen, daß die Aufstellung unter dauernde und genaue Kontra lle gestellt wird, um Mißstände, die sich durch die Aufstellung ergeben können, aufzudecken. Außerdem wird bei Verstößen irgendwelcher Art unnachsichtlich durchgegriffen und gegen die Schuldigen ein Strafverfahren eingeleitet. Aus aller Welt. Das Blutbad auf der St. pxiltener Hütte. Auf der 2550 Meter hoch gelegenen St. Pöltener Hütte im Granatspitzengebiet der Felber Tauern ist eine starke Rettungsexpedition eingetroffen, um die zahlreichen Schwerverletzten, die Opfer des bereits gemeldeten fürchterlichen Verbrechens geworden find, zu Tal zu bringen. Nach allerdings noch unverbürgten Nachrichten sollen sie den zuerst als tot gemeldeten Obmann der Sektion St. Pölten des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Karl F ü r st, noch am Leben getroffen haben. Die genaue Zahl der Schwerverletzten ist noch nicht bekannt. Feststeht, daß der Hüttenwirt und der Bergführer Friedrich Steinberge r durch ad)t Reool- verschüsse getroffen worden ist, ein Beweis dafür, daß die beiden Mordbuben geradezu ein Schnel l- feuer auf die Hütteninsassen eröffnet haben müssen. Auch die Verhaftung der beiden Täter, von denen feststeht, daß sie eine Art Gangster-Ueberfall auf die Hütte durchgesührt haben, um Beute zu machen, vollzog sich sehr dramatisch. Eine in der Hütte bedienstete Magd lief sofort nach dem Ueber- fall auf dem schwierigen Bergpfad, der zum Schutzhaus führt, so schnell zu Tal, daß sie den fluchtenden Verbrechern einen Vorsprung abgewinnen konnte. Ehe diese das Salzburger Dorf Mittersil erreichten, wurden sie von Gendarmen v e r h a f - t e t. Das in Oesterreich einzigartig dastehende Verbrechen hat vor allem im Lande Salzburg das ungeheuerste Aufsehen hervorgerufen. Verheerende Großfeuer auf dem Lande. Während eines schweren Gewitters zündete der Blitz in Rhoden bei Arolsen (Waldeck) in dem Anwesen des Erbhofbauern Klaus. Der leichte Fachwerkbau stand sofort in Hellen Flammen. Das Feuer breitete sich mit großer Schnelligkeit auf die anliegenden Wohnhäuser und Scheunen des eng gebauten Ortes aus. Trotz aller Bemühungen der An die Orisgruppeli-Stiihpulikte des Kreises Gietzen. Es können noch in geringer Zahl Plaketten für die Saarkundgebung auf dem Ehren- breitstein bei der Kreisleitung Gießen, Ludwig st raße 12, zum Preise von 20 Pf. abgeholt werden. Feuerwehr brannten drei Wohnhäuser mit Scheunen und Stallungen völlig nieder. Ebenso die Scheunen und Stallungen zweier weiterer Anwohner. Die in den Scheunen eingebrachte Ernte ist völlig vernichtet, dagegen konnte das Vieh und Mobiliar zum Teil gerettet werden. Auf dem Druschplatz der Rheingemeinde Kaltenengers brach ein Großfeuer aus, durch das die gesamten Strohvorräte der Gemeinde bis auf einen kleinen Rest vernichtet wurden. Vor einigen Tagen hatte die Dreschmaschine das Getreide der Gemeinde gedroschen und war abgefahren. Zur Bedienung der Maschine hatte man eine elektrische Leitung gelegt, die plötzlich abriß. Es entstand Kurzschluß, und im Nu standen die Strohgarben in Hellen Flammen. Die herbeigeeilten Feuerwehren konnten nur noch ganz geringe Strohgarbenbestände retten. Eewinnauszug 5. Klasse 43. Preußisch-Süddeutsche (269. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 13. Ziehungstag 22. August 1934 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 1OOOO M. 144668 8 Gewinne zu 6000 M. 187013 210402 275022 286966 6 Gewinne zu 3000 M. 8279 208450 220961 10 Gewinne zu 2000 M. 51298 157226 167464 184388 273016 34 Gewinne zu 1000 M. 23155 64598 84980 88219 153585 156280 180521 210947 212532 214995 219796 254426 340191 357204 369461 373302 378730 108 Gewinne zu 500 M. 14472 24990 31030 31514 39069 43713 51608 73423 74527 74777 96785 116917 122317 138498 141810 148948 166464 171661 180151 180173 180950 201572 221990 230308 239655 243879 251604 255481 256834 258690 262887 275300 279477 280973 289849 292920 301280 302113 303844 308157 310183 316435 319349 320491 322427 326571 328970 343689 355523 370330 376726 377124 388311 393209 368 Gewinne zu 300 M. 3122 4016 5890 19250 21607 23937 26969 29482 33750 35556 35800 38061 39492 42792 43297 44586 53541 57421 59779 60051 69014 69364 69738 72623 72761 76762 77223 78310 78986 81989 82130 86419 89548 89715 91676 98268 99356 103815 107355 108453 109654 112482 112827 113333 117048 121841 124697 125752 125806 126097 128400 131837 141600 142535 143466 143476 143558 144105 144662 146621 148764 154211 155157 162902 162920 163261 164429 164774 165476 165686 169276 170522 171842 173686 174157 174561 175217 175775 176379 179165 179494 180644 185412 185639 186063 186247 186397 190925 192201 193353 195777 196805 197287 198747 198758 200689 203976 205028 206084 207448 208273 210153 212052 212205 212331 217081 217363 218578 221295 221938 223311 229641 231235 238266 238678 239136 239835 240230 240660 249736 254143 256400 257758 257924 261210 265875 269663 273315 275292 275678 277561 277943 278243 278828 281690 285013 285898 287225 287780 289723 290344 292354 294898 295709 296529 298167 299478 300273 301211 302521 303328 303864 305913 313702 319077 321137 322997 324192 329756 338586 338882 340561 340781 355832 357919 3587-04 359395 360135 366852 367237 368322 369366 369440 371009 373536 377773 377957 378774 379604 388363 391114 394938 397395 399898 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 75000 M. 246065 2 Gewinne zu 30000 M. 27264 12 Gewinne zu 3000 M. 37399 79587 128590 156831 166324 299788 14 Gewinne zu 2000 M. 4250 104665 136630 165966 213421 220530 319319 34 Gewinne zu 1000 M. 10186 23075 48106 76404 97392 108756 112282 168988 172066 200932 212105 255341 265410 307019 356599 369558 394351 88 Gewinne zu 500 M. 1069 36022 53507 57770 65502 68066 78179 83167 85843 99514 101287 139767 139881 141303 141950 142381 150346 151498 162829 179434 183736 205879 252944 254405 256029 260090 266033 278021 280333 294160 297323 301657 301962 307196 314665 334723 338685 350754 358818 369924 380611 387842 391981 396762 306 Gewinne zu 300 M. 1067 4295 7706 8493 12471 13854 29029 30498 32827 33983 36275 36320 38680 42320 43622 44837 45915 46740 50496 62235 52877 63533 60557 63003 66308 69328 70015 71632 72973 80144 82239 82287 83198 86739 89239 92418 96488 98400 100940 Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 10(10 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Numm-r in den beiden Abteilungen I und II: 101232 102443 106983 114734 117247 131279 131400 134761 135773 140196 140349 140653 142809 148714 151260 151746 152885 152917 157695 157809 158749 164220 164581 168006 168461 175227 180681 180794 182619 183895 184220 187637 192716 193480 197787 197795 198472 203339 206066 210122 214181 217956 221273 222291 228494 231648 233963 238362 243059 243696 246137 248505 257691 258405 261994 262788 263139 268815 269170 269952 276418 276439 276809 279684 280060 280133 280401 283440 287113 287735 290547 293955 296148 297252 304017 306588 309231 309276 310987 315291 315713 317982 320768 322335 325801 329132 330711 332111 332248 334881 336159 339268 343575 344035 344509 345012 345435 346194 346352 346595 347691 354293 355326 359098 359996 363261 365988 367314 372093 380107 381293 386746 390189 390799 20 Tagesprämien. 33321 56975 61573 70715 86600 94650 135621 171850 181957 328307 Im Gewinnrade verblieben: 340 Tagesprämien zu 1000 M. ferner 2 Gewinne zu 1000000, 2 zu 300030, 4 zu 50000, 2 zu 300 0, 6 zu 20000, 21 zu 10000, 120 zu 5000, 214 zu 3000, 528 zu 2000, 1090 zu 1000, 2674 zu 500. 10536 zu 300 M. 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In letzter Zeit mehren sich die Klagen, daß Hausbesitzer bei Neuvermietung ihrer Wohnungen die Miete steigern. In einzelnen Fällen wurde sogar unmittelbar darauf hingewiesen, daß die sich gegen- wärtig verschärfende Wohnungsknappheit in Gießen gestatte, hohe Mietpreise zu fordern. Eine derartige Handlungsweise ist mit dem Geiste, der im nationalsozialistischen Deutschland herrschen soll, unvereinbar. Ich werde deshalb alle Fälle von unberechtigter Mietsteigerung, die mir bekannt werden, dem Hessischen Ministerium anzeigen. 4881C Gießen, den 22. August 1934. Bürgermeisterei Gießen. __________Ritter, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Die Lieferung von Brennstoffen für die städtischen Dienststellen soll öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck, die bei uns erhältlich, sind bis zum Verdingungstermin am Donnertsag, 30. August 1934, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. 4880V Zuschlags- und Bindefrist vier Wochen. Gießen, den 23. August 1934. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt: G r a d e r t OITTo bei anders auch rranr- ZjUJIVVIIIV licke zurückgebliebene und wlcke mit ueifen Beinen gefunden und entwickeln sich überraschend schnell wenn Sie durck iedes ftuttei 1 Gßlößel voll eckteo RASSOL" mengen. Berlangen Sie nur ecktes cktastol m Originalflaschen und weisen Sie Nachahmungen mrück. Allein Hersteller:Engelavotbekeließen 'n baden »n allen Avotdeten «4?a Barkredite evtl, in 6 Tagen durch,Svar-Da", Gießen, Franks. Straße 43. Unter NeichSaussicht. Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der Brühl'schen Druckerei iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Ur. 197 Zweiter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften) Zrettag, 24. August 1934 Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Den Tod der Mutter verschwiegen. B. N e u y 0 r k. Die alte Frau Marietta Bischof in Seneca (Kansas) war die Gattin eines Bürgerkriegsoeteranen gewesen und bezog seit Jahr und Tag mit größter Pünktlichkeit zum Anfang eines jeden Monats einen Pensionsscheck. Sie lebte bei ihrer Tochter Myrtle, von der jedermann wußte, daß diese, schon 55 Jahre alt, mit großer Liebe an der Mutter hing. Um so mehr Aufsehen erregte es, als man in diesen Tagen Myrtle verhaftete. Wegen Staatsbetrugs, wegen Fälschung, wegen Verheimlichung eines Todesfalles — und was sonst noch dazu kam. Frau Marietta Bischof war schon vor Wochen,' vor Monaten gar, gestorben. Die Tochter aber verschwieg den Tod ihrer Mutter, erzählte den Nachbarn, die Mutter sei, schwer krank und bettlägerig und nahm zu jedem Monatsersten den Scheck entgegen. Bis eines Tages der Postmeister sich weigerte, den Scheck herauszugeben, wenn er die Empfängerin nicht wenigstens sehen könne. Das Verhalten der Tochter kam ihm verdächtig vor und er alarmierte die Behörden. Drei Monate hatte die Tochter die Tote in ihrer Wohnung belassen. Dann erst hatte sie sie begraben ... Sie habe keine anderen Einkünfte gehabt, als diese Pension, sagte die Tochter aus. Und deshalb habe sie so handeln müssen, um nicht zu verhungern. Man hat sie inzwischen einer Irrenanstalt zugeführt. Krach um die Leopardendame. (—) London. Das wollten sich die Leute von Beighton nun doch gefallen lassen: eine Leopardenfrau „serviert" bekommen, die gar keine war! Eine Leo- parden-Dame sollte eine Frau sein, der die „un- erforschliche Mutter Natur", wie der Ansager dieser Sensation sagte, „einen Hautschmuck mitgab auf den Lebensweg, der lebhaft an einen Leoparden und dessen Zeichnung erinnert und teilweise gar den wirklichen Leopardencharakter ausweist!" Sie fresse nur Fische und lebende Frösche, rohes Fleisch und rohe Kartoffeln. Man habe diese Sensation eben aus Amerika importiert — halb Leopard, halb Weib. Also sprach der Unternehmer James Ainscow, und fein Helfer Walter Asquith pflichtete ihm bei. Die Leute von Beighton strömten in die Bude, in der man die Frau „servierte" — und kamen enttäuscht wieder heraus. Einer erkannte gar die Frau wieder, mit der er früher einmal verlobt war. Im Nu war eine Revolte im Gange, bei der von der Schaubude des Leopardenweibes nicht mehr viel übrig bleiben sollte. Die Polizei kümmerte sich daraufhin um den Fall und sollte f-est, daß die „Leoparden-Dame" niemals Amerika sah, vollkommen normale Haut hatte — mit Ausnahme eines Muttermals auf der Brust, daß aber die übrige Haut durch Tätowie- r'ingen erheblich verunstaltet war. Was man ja nicht gerade ein Original-Leopardenfell nennen kann. Auch hatte die Dame nie einen lebenden Frosch verschluckt: frisches, rohes Fleisch war ihr zuwider Sie war im übrigen die Frau des zweiten Ausrufers Walter Asquith. Einen Monat Gefängnis für jeden Unternehmer wegen falscher Angaben und Betrugs des Publikums — lautete das Urteil. Sie haben Revision eingelegt, die Herren der Leoparden-Dame. Sie seien gezwungen gewesen, ein wenig Lärm zu schlagen bei der Ausrufung, denn die — Tätowierung habe doch allein 50 Pfund Sterling gekostet... Das Ende her Ringbahn von Paris. (z) Paris. Unter den vielen altertümlichen Dingen, von denen sich der Pariser nicht zu trennen vermochte, ist bestimmt die Ringbahn die älteste Angelegenheit. Sie ist in diesen Tagen mit lautem Prusten und viel Ruß, mit Rauch und Schmutz zum letzten Male gefahren. Wenn morgens nun die in ihren Gewohnheiten so konservativen Pariser zu ihrem Bahnhof pilgern, werden sie dessen Türen verschlossen finden und davor schöne neue und strahlend elegante Omnibusse stehen sehen. Die alte Ringbahn von Paris ist in die Vergangenheit und die Geschichte von Paris eingegangen. Man glaubte sich wirklich um 30 oder 40 Jahre zurückversetzt, in die Großvaterzeit, wenn man dieses Bähnlein bestieg. Kleine Wagen, kleine Lokomotive, mal über Brucken, mal über Häuser, mal durch Tunnels fahrend, an den unmöglichsten Stellen auftauchend mitten im Häusergewirr. Es war schon so: Paris hatte darüber hinweggebaut. Die Bahn sollte die einzelnen Punkte der Peripherie miteinander verbinden. Aber sie verband nur noch einige, heute durch Untergrundbahn und Omnibus ganz nebensächlich gewordene Plätze mitten in der Stadt, die über diesen Ring längst hinausgewachsen war. Man ist hier so hartnäckig in der Liebe zum Vergangenen, daß man sie ruhig noch ein paar Jahre hätte fahren lassen, wenn nicht die Krise gewesen wäre. Die Bahn hatte nämlich ein ständiges Defizit von 12 000 000 Fr. im Jahre aufzuweisen. Das wurde auch bei der größten Liebe zum Vergangenen zuöiel. Die neuen Omnibusse sind erheblich billiger. So kam es denn, daß man den Beschluß faßte, die „Ceinture“ aus dem Betrieb zu ziehen und sterben zu lassen.*Zum Abgewöhnen läßt man noch einige Tage einen Frachtdienst laufen, ehe die Schienen endgültig zum alten Eisen geworfen werden. Die älteren Herrschaften aber, die sich nun mit ungewohnter Hast auf die Omnibusse schwingen sollen, trauern einem liebgewordenen Gefährt und Gefährten durch die Jahrzehnte nach ... Der rabiate Herr Chaffat. (ur) Nizza. Zugegeben — der Herr Jean Chaffat aus Antibes war schon immer ein wenig launisch und verblüffend in seinen Entschlüssen. Aber dieser Entschluß war der tollste, den er je faßte: Er hatte an einen Herrn Marseille einen Bazar vermietet, vertrug sich aber dann nicht mehr mit ihm und schickte ihm die Kündigung. Marseille war hartköpfig und blieb. Es folgten Debatten vor Gericht und privat. Ohne Ergebnis. Herr Marseille blieb. Bis er eines Tages merkte, daß die Rückwand feines Hauses heiß wurde und helle Flammen aus dem Dach herausschlagen sah. Da raffte Herr Marseille noch eben zusammen, was er fassen konnte Einige Minuten später stand das Haus vom Keller bis zum Dach in Feuer. Chaffat hatte sich so über seinen Mieter geärgert, daß er ihn auf jeden Fall zum Auszug zwingen wollte — und sei es selbst dadurch, daß er sein eigenes Haus an= zündete. Der Zweck war erreicht Aber man kam seltsamen Hausbesitzer, der keiner mehr war, schnell auf d'ie Spur und vertrat die Meinung, baß er keineswegs das Recht habe, fein eigenes Haus anzuzünden, nur weil ihm der Insasse nicht gefiel. Die Haqia Sophia schwankt. (z) Istanbul. Es läßt sich nicht mehr verheimlichen vor der Welt, vor den Besuchern, die erstaunt die Risse betrachten, vor den Einwohnern von Istanbul, daß dieses Riesengebäude der uralten Kirchenbaukunst erheblich aus den Fugen geraten ist. Es ist noch gar nicht so lange her, seit man unter den Kalkschichten, die die Türken nach 1453 auf die Wände legten, die uralten Wandgemälde fand. Immer neue Funde machte man in den letzten Wochen auch an den unscheinbarsten Stellen des Wunderbaues. Doch was nützt das alles, wenn die Hagia Sophia schwankt und einzustürzen droht? — Die Schichten unter der Kathedrale, vielleicht erschüttert durch den starken Straßenverkehr, geben schneller nach, als man sich träumen ließ. Mit Zementspritzen und Ankern, Drahtseilen und Bleinähten will man den drohenden Verfall aufhalten. In Straßburg, in Mainz und Lübeck hat man sich bei den dortigen Architekten erkundigt, wie sie den Schäden an ihren Kirchen abhalfen, die ähnlich waren rote die an der Hagia Sophia. Ob man sie retten kann? Ein Schneider wird gesucht. (h) Reval. Lustige (Erinnerungen an die berühmte und nicht minder berüchtigte O ch r a n a , die alte zaristische geheime Staatspolizei', sind so selten, daß man gern jene Episode aufgreift, die jetzt nach vielen Jahren der im Exil lebende General Gerassimow, ein ehemaliger Kommandant der Ochrana, erzählt. Sie stammt aus dem Jahre 1908, als das englische Königspaar in Reval das Zarenpaar besuchte. Eine an sich rein formelle Angelegenheit: In Reval war am Tage der Ankunft, am 27. Mai, „alles in Ordnung". Der Sonderzug mit dem Zaren und der Zarin war pünktlich eingelaufen. Man begrüßte das Paar am Bahnhof und führte es dann in offenem Wagen durch die Stadt. (Ein schöner Tag. Soldaten, Polizei, Matrosen und Kinder bildeten Spalier. Alles in Weiß. Aber lassen wir Gerassimow selbst erzählen: „Ich hatte natürlich meine Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Alle verfügbaren Kräfte der Geheimpolizei hatte ich nach Reval beordert, obwohl mir Asew — der große Spion und Verräter — versichert hatte, daß zur Zeit in Reval kein einziger Anarchist sei, den er kenne. Und Asew kannte sie alle. Im Hafen, im Hauptgebäude des Jachtklubs, empfing das Zaren paar die Delegierten der Bevölkerung und bestieg schließlich den „Standard". Auf ihm fuhr man dem englischen Schiff „Viktoria und Albert" entgegen, das das englische Königspaar, umringt und geleitet von acht großen Schlachtschiffen, brachte. Wie ein Spiegel, so ruhig und so glatt lag das Meer. Russische Torpedoboote kündigten bald das Herannahen der englischen Besucher an. . Alles ging programmäßig. Bis auf eine Sache, die fünf Minuten die gesamte Ochrana in Alarm brachte: Als „Standard" und „Viktoria und Albert" ihre Salut- und Begrüßungsschüsse austauschten, begannen die Engländer plötzlich mit ihren Flaggen zu signalisieren. Es waren ganz ungewöhnliche Zeichen. Die russischen Seeleute verstanden sie nicht. „W a s i st l 0 s ?" fragte der Zar, und, „Was ist da los?" fragte die gesamte russische Flotte, soweit sie zur Begrüßung in Reval lag. Ein Boot wurde aus- gesetzt und fuhr hinüber, um zu erfahren, was gewünscht werde. Ganz Reval hat gelacht, als man endlich erfuhr, weshalb die Aufregung entstanden mar! Was die Zeichen bedeuten sollten?--„Schickt einen Die Zusammenkunft von Florenz. |Bi| 1 f I M HU ■g Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg (links) und Mussolini bei ihrer Zu- sarnrnenkunft in Florenz, die hochpolitischen Besprechungen diente. Hinter Dr. Schuschnigg (von links nach rechts) der Pressechef der italienischen Regierung, G r af Ciano, der Schwiegersohn des Duce: der Staatssekretär im italienischen Außenministerium Su 0 ich : der Sekretär der Faschistischen Partei Starace. öocbfAulnacbricbten. I Inseln. Sie sind in höchster Not. furchtbaren Stöße des erschütterten Schiffs er- Seit diesem Vorfall hat man dort ein ständiges durch die Gläser. Aber sie sahen nichts Lebendiges Aber diese Vorräte drohen ständig unter der Einais den kochenden Gischt, der sich an den schwarzen Wirkung des Sturmes, der Feuchtigkeit und des Schnees zu verderben. Deshalb braucht man einen Pro- Ret- Cro- befeftigten ein Messingschild um seinen Hals, und das Wunder geschah. Erschreckt durch diese befremd- Wächter. Der erste verschied hier an Altersschwäche. Dem zweiten hat Hoffnungslosigkeit den Lebensfaden durchschnitten. Man weiß nicht einmal seinen Namen. Wer will der dritte fein? »Schön ist es, verliebt zu sein. der Antarktis gelegen, grünt auf ihm weder Baum noch Strauch, die Wasser bespülen nur erloschenes Kratergestein und vereinzeltes Dornengestrüpp. Der Dampfer bringt Mehl mit, Rauchfleisch, Konserven, Segeltuch, Leder, Benzin, Del, Reis und Dörrbohnen, Bretter und Nägel. Alles das dient zur Auffüllung des Hilfsdepots auf der kleinen Insel. Diese Vorratskammern werden von einem einzigen Menschen bewacht, einem Einsiedler, einem inmitten dieses stürmischen, unendlichen Meeres Verlorenen. Dieser Mann lebt hier erst seit einem Jahr. Seit dem Tode seines Vorgängers, der drei- zet-Jnseln. Dort hat die Gesellschaft auf einem der drei Inselchen zwei Holzbaracken aufgeführt, die etwaigen Opfern des Meeres zum ersten Unterschlupf dienen sollen. Das kleine felsige Eiland ist vom Mai bis Dezember mit Schnee bedeckt, und Insel zerschellte, gab es diesen Helfer noch nicht. Und nur durch ein Wunder wurde die Bemannung gerettet. Die dreizehn Ueberlebenben fanden dort nichts als den nackten Felsen. Bar aller Hilfsmittel und in kopfloser Verwirrung fingen sie einen Albatros, der sich, da er noch nie Menschen gesehen hatte, ihnen in argloser Neugierde näherte. Sie und jetzt vor dem Grab Hardys stand. Ein paar Felsblöcke und darüber hingeworfen ein Etwas, das einmal ein Mensch hatte fein müssen. Das, Ensemble gefällig ab. — Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus: vorher sieht man ein Sensationslustspiel unter dem Titel „Carlos schönstes Abenteuer" mit einer aufregenden Jagd nach einem entflogenen Papagei über die Dächer. Außerdem die neue Wochenschau. was einmal Arme gewesen waren, war jetzt um die (Erinnerungstafel geworfen. Trotz des Zer- ift, trägt folgende Inschrift: „Hier ruht Richard Hardy, ein Freund der Schiffbrüchigen" ... Wer null Dritter fern? Bencht von einer verlassenen Insel. 23on Hans B Waaenseil Einmal im Jahr, im Mai, fährt ein alter Dtantbampfer der englischen Gesellschaft zur tung Schiffbrüchiger von Australien nach den Professor Dr. Ernst Rodenwaldt, Direktor > „Centraal Geneeskundig Laboratoriums“ in bare Melodien beigesteuert, die sich recht wirkungsvoll von den seriösen Aida-Partien abheben. Her- Von neuem sucht man einen, der sich der Auf-, bert Ernst Groh schmettert mit Bravour den gäbe unterzieht, etwaigen Schiffbrüchigen Hilfe zu schwindelhaften Tenor, Karin Hardt macht eine leisten. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es seiner -sehr niedliche kleine Liebhaberin. In den größeren bedarf. und kleineren komischen Partien machen sich Ernst _ Denn als der Dampfer „Tamaris an der Crozet-! K e st i n , ein munterer Berliner Junge, Ralph ~*r'f —"** " v: r" Arthur Roberts, Theo Lingen und Jakob Tiedtke sehr verdient. Ernst Dumke als richtiger Kammersänger, Erika Gläßner, Elsa Wagner und Walter Steinbeck runden das Klippen brach. Albatrosse und zwei Seehunde. Das Motorboot lief mühsam in die Bucht ein. Sie setzten Fuß an Land. Sie suchten im Schuppen und in der Hütte. Nichts! Die Asche im Herd war kalt. Plötzlich hörten sie einen lauten Zuruf. Es war Petersen der Koch, der zurückgeblieben war an der Universität Heidelberg ernannt worden. Professor Dr. Victor Schilling, Direktor der IV. Medizinischen Universitäts-Klinik in Berlin, wurde auf den Lehrstuhl der inneren Medizin an der Universität M ü n st e r berufen. In den Ruhestand versetzt wurden auf Grund des § 6 des Beamtengesetzes: Professor Emil D 0 v i f a t, der Leiter des Berliner Zeitungswissenschaft» lichen Institutes, und der Professor der Theologie Dr. Otto Schmitts an der Universität M ü n st e r. Und -auf diesem Grab war es, daß man den andern, den Zweiten, fand. Der deutsche Frachtdampfer „Nereide" hatte einige Tage Sturm und Nebel erlebt und feine Besatzung hatte schon ein Vorgefühl unendlicher Einsamkeit. Regen und Spritzwasser sprühten über Deck, wenn Augenblicke lang der Sturm wuchs und heulend durch die nackten Spieren pfiff. Die Mannschaften klammerten sich als schwarze Schattenrisse, Halt suchend, an die - •_<. - . -. „ - . ... . . Stage, sanken mit dem Schiff, wenn es von einem W Mästung stürzte sich der Vogel m die Unend- Wellenkamm hinuntersauste, und tauchten wieder l'chkeit überflog, als werde er von lemandem ge- mit ihm auf, dankbar das Deck noch unter ihren W, den Ozean und liefe sich endlich, am Ende Füßen zu finden, gepeitscht vom Regen, yeblendet ^-ner.Kräfte in Freemantle nieder. Dort, an der von der Dunkelheit, unfähig zu sehen, fähig nur Westküste Australien^ e-Uz.fferte man die auf das zu fühlen, sei es mit den Händen, die, nafe und Wb emgramerte Botschaft: „Rettet unverzüglich' erfroren Reelina und Stützen gepackt hielten, ober die 13 Mann Besatzung des Dampfers Tamaris. des „< mit ihren Leibern die sich hoben und senkten, die Sie befinden sich völlig hilflos auf den Crozet- Batavia, wurde als Nachfolger von Professor furchtbaren Stötze des erschütterten Schiffs er-Inseln. Sie sind in höchster Not." Eine der un- Do Id auf den Lehrstuhl der Hygiene an der Uni- duldeten und die Wucht der Brecher, die über Deck glaublichsten (Errettungen aus bitterster Not konnte versitat Kiel berufen, hereinbrachen, ihnen den Atem aus den Lungen V> durchgeführt werden Man fand die Besatzung - - - schlugen und sie fast aus ihren Schlupfwinkeln in M nnr """ das hoffnungslose Toben der See hinemrissen... und Anstrengung. Endlich erreichten sie die Insel. Der Kapitän suchte C::i ' _______ '____ schon seit geraumer Zeit mit dem Blick die Küste Lebensmitteldepot eingerichtet. Seitdem schimmert ab, die barbarisch zur See abstürzte. Beunruhigt dort in diesem weltverlorenen Winkel des Indischen rief er seinem Steuermann. Sie beide suchten jetzt! Ozeans eine Hoffnung auf Rettung aus Seenot. |o durchgesuhrt werden Man and die Besatzung Der Privatdozent Dr. August S e y b 0 l d von der JaH) vor, erschöpft von Hunger Universität Köln ist als Nachfolger von Professor !Dr. L. I 0 st zum ordentlichen Professor der Botanik zehn Jahre hier gehaust hat und zu einem legendären Helden geworden war, zum geheimnisvollen Schutzengel aller Seeleute auf diesem wilden Meere, ist dieser Mann der erste, der sich bereit gefunden hat, der Welt zu entsagen, um Wächter auf der Insel zu werden. Er ist geheimnisvoll. Niemand kennt ihn oder seinen Namen. Man weife nur, bafe er eines Tages im Bureau der Gesellschaft in Sidney erschienen ist, um sich für diesen Posten anzubieten. Er hat sich bereiterklärt, zukünftig auf dieser verlassenen Insel zu leben, sofern weder seinem Namen nachgefragt würde noch seiner Vergangenheit. Man nahm an. Man bezahlt ihm 500 Mark im Jahr, und feine Ausgabe besteht darin, zu warten, bis ein Schiff an seiner Felsbank Havarie erleidet — und den Schiffbrüchigen die Depots zu öffnen. Er wird dafür bezahlt, bafe er tausend Kilometer von allem Lebendem entfernt lebt, als der ausgeftofeenfte Mensch der Welt. Man weife nur, bafe er Deutscher ist, und wie [ein Vorgänger hat er auf der Ueberfahrt zu feiner freiwilligen Verbannung kein Wort gesprochen. Man erzählte auch von eben diesem Vorgänger, dem ersten Wächter der Insel, dem Mann, der nie sprach, und der seine Post, die er einmal im Jahre erhielt, über tausend Kilometer von der nächsten menschlichen Ansiedlung entfernt. Ständig von den Wogen ! . , ......—u.. des Meeres umbrandet, unweit der ewigen Eiszone : racke, in der der Körper lag; bann setzte er bie der Antarktis gelegen, grünt auf ihm weder Baum! Asche bei und rollte einen großen Stein über dieses noch Strauch, die Wasser bespülen nur erloschenes bescheidene Grab. Das Brett, das darauf befestigt ungeöffnet ins Feuer warf. An einer Stelle feines Logbuches findet man folgende (Eintragungen: „Sturm seit 37 Tagen. Dichter, fast undurchdringlicher Nebel Ich höre das ständige Krachen der (Eisberge gegen bas Riff. Ich wache ... allein. Ich muß jetzt ungefähr 61 Jahre alt fein." Dreizehn Jahre lang hat dieser Ausgestoßene so gelebt indem er täglich bie Lebensmittelvorräte kontrollierte, ob ihnen bie Feuchtigkeit nicht schabe. Manchmal kamen Seehunbe auf die Insel. Nach dreizehn Jahren starb er. Allein ... „ . , |uywtll.vcl ..... c.uct ^lcraHviunujW utmuuu wu» Ein Walfischfänger, der eines Tages an der Insel Entsc^uß von der Welt der Menschen ge- beibes ben Leuten viel Vergnügen bereitet.' Willi anlegte, um seine Vorräte zu ergänzen, fand dort schieden war. Ein Namenloser, em (Eremit, em Ge- Engel-Berger hat ein paar leichte und fang« den Leichnam im Zustande der Auflösung. Mit he'mmsvoller. — ' • - ' *1 B Hilfe seiner Mannschaft legte er Feuer an die Ba- ! Von neuem ist der Posten frei. vnrfn in X a »■ h.. C^v X -a (aa. hntin lotofo OY h i ö Ein unter der Regie von Walter Janssen, der früher als jugendlicher Held am Frankfurter Schau- W,3.5WSWS. S» srs ^«eiflung. fortgesetzten Verwechslung eines armen, aber mit ^oz^t-Jnsel war also tot. Kem schöner Naturstimme begabten Bühnenarbeiters und nbkr# em!m eine5 hachberühmien Kammersängers beruhen. Wie Leben em Ende bereitet hatte. Em Unbekannter QU5 der Überschrift hervorgeht, ist dieser Kulissen- Ln»m ^rSmfe,t ?^a$enLer QU5 schwindel mit einer Liebesgeschichte verquickt, was Pmprrpm ruf mhin nnn hör MQolh hör STDonirhon nn- ■ ° 1 . •_____ Schneider anBo rd!" — Jawohl, einen Schneider brauchte man an Bord des englischen Schiffes, auf dem der König fuhr. Dieser Alarmruf hatte eine fröhliche Vorgeschichte, die die Ochrana, neugierig wie sie nun einmal war, ermitteln konnte: Als Eduard VII. sich Reval näherte, stellte er fest, daß seine Uniform zu eng geworden war. Er mußte nämlich nach den Vorschriften der Etikette die Uniform des Dragoner-Regiments von Kiew anlegen, dessen Kommandant er ehrenhalber war. Wenigstens an Bord des „Standard" mußte er in dieser Uniform erscheinen. Aber so war es unmöglich. Deshalb signalisierte man nach einem russischen Schneider. Die „Standard" hatte zufällig einen guten Schneider an Bord, der sich nun, während die Schiffe ihre Fahrt verlangsamten, fieberhaft an die Arbeit machte. Zu einer Ideallösung war es zu spät. Die Uniform mußte mindestens zuzuknöpfen sein. Und das erreichte der Schneider denn auch. Aber jeder sah, daß der englische König mühsam hineingepreßt war und daß er sich kaum umdrehen durfte. So schneidig die Dragoner, die zur Begrüßung an Land erschienen waren, ihre Aufgabe erledigten, so jammervoll sah der englische König in seiner Zwangsjacke aus. — Man kürzte das Programm, um ihn zu erlösen. Und er sah wirklich glücklicher aus, als er nachher eine passende Uniform auf dem Leibe hatte. Wirtschaft. Oie Führer der hessischen Wirtschaft. Führer des Wirtschaftsgebietes Hessen ist der Reichsführer des Handels Professor Dr. Liier, Frankfurt a. M. Im Rahmen des organisatorischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft sind für das Wirtschaftsgebiet Hessen folgende Industrieführer ernannt: Hauptgruppe I (Eisenindustrie) Kommerzienrat Köhler, Buderuswerke Wetzlar; Hauptgruppe II (Maschinenindustrie) May, Motorenfabrik AG., Darmstadt; Hauptgruppe III (Eisen- waren) Mauser, Mauserwerke GmbH., Waldeck; Hauptgruppe IV (Steine und Erden) v. Scherbe- n i n g, Vereinigte Deutsche Barytindustrie Dr. A l - berti & Co., Sontra; Hauptgruppe V (Chemie) Dr. Hermann, IG.-Farbenindustrie AG., Frankfurt a. M.; Hauptgruppe VIII (Handwerk) Landeshundwerkführer Gamer, Worms; Hauptgruppe IX (Handel) Spörle, Elektroindustriebedarf Ludwig Spörle, Frankfurt a. M.; Hauptgruppe X (Banken) A v i e n y , Nassauische Landesbank, Frankfurt a. M.; Hauptgruppe XI (Versicherung) Dr. Weiß, Hessen-Nassauische Lebensversicherungsanstalt Wiesbaden; Hauptgruppe XIII (Energiewirtschaft) Richardt, Städtische Werke, Kassel. Für die Hauptgruppen VI (Textil), VII (Lebensmittel) und XII (Verkehr) stehen die Ernennungen noch aus. Oie Regelung des Kartoffelmarktes. Die Neuordnung des Frühkartoffelmarktes hat sich gut bewährt und schnell zur Beseitigung vorübergehend aufgetretener Störungen geführt. Der Reichsnährstand hat deshalb den Reichsbeauftragten Johannes Boettner bevollmächtigt, Anordnungen zur Regelung des Absatzes der Spätkartoffeln zu treffen. Die wichtigste Maßnahme ist die Festsetzung von Mindestpreisen für Speisekartoffeln. Diese Festpreise dürfen keinesfalls unterschritten werden. Insbesondere darf der Kartoffelhandel keine Minderungen des Preises wegen einer wirklichen oder angeblichen geringeren Beschaffenheit der Ware vornehmen. Der Erzeuger darf nur einwandfreie Kartoffeln liefern, ist aber dafür vor ungerechtfertigten Beanstandungen und unter allen Umstänoen vor Preisabzügen geschützt. Der Reichsbeauftragte ernennt außerdem Gebietsbeauftragte für die Landesbauernschaften, sowie Bezirksbeauftragte und nötigenfalls Ortsbeauftragte. Zunächst bleiben die in der Absatzregelung der Frühkartoffeln tätig gewesenen Beauftragten bis zum 31. August in ihrem Amt. Die Gebietsbeauftragten können eine Staffelung der Kartoffelpreise durch Festsetzung von Zuschlägen zu den Mindestpreisen für die hochwertigeren Kartoffelsorten vornehmen. Geschieht das, so sind außer den Mindestpreisen auch die Zuschlagspreise für besonders hochwertige Speisekartoffeln unbedingt einzuhalten. Der Handel darf zu den Erzeugerpreisen angemessene Preisspannen hinzuschlagen, wobei er aber die Ziele und Grundsätze der nationalsozialistischen Marktregelung nicht außer Acht lassen darf. Die Kartoffelversorgung ist bekanntlich unter allen Umständen gesichert, auch wenn die diesjährige Kartoffelernte etwas hinter den Durchschnittsernten, die in den letzten Jahren etwa 40 Millionen Tonnen Kartoffeln erbrachten, zurückbleiben sollte. Von dieser Kartoffelernte werden nur wenig mehr als 30 Prozent für die menschliche Ernährung verwandt. Etwa 38 bis 39 Prozent werden an das Vieh verfüttert, und 14 Prozent werden zur Aussaat gebraucht. 10 Prozent der Kartoffelernte gehen in der Regel durch Schwund, sei es beim Erzeuger, sei es beim Handel oder bei den Verbrauchern, verloren. Hier können durch sachgemäße Aufbewahrung und Behandlung die Verluste verringert und die für die Ernährung zur Verfügung stehenden Kartoffelmengen' vermehrt werden. In jedem Fall besteht angesichts des in der letzten Zeit gefallenen reichlichen Regens keinerlei Anlaß zu irgendwelchen Besorgnissen hinsichtlich der deutschen Kartoffelversorgung. Die Kartoffelpreise Ab Donnerstag, 23. August, gelten im Bezirk der Landesbauernschaft Hessen-Nassau beim Aufkauf vom Erzeuger folgende Preise, die nicht unterschritten werden dürfen: Weißfleischige Sorten je Ztr. 2,70 RM. Runde, gelbfleischige Sorten „ „ 3,— „ Lange, gelbfleischige Sorten „ „ 3,50 „ Die Preise gelten ohne Sack. Ore llnterstutzungsaktion in der Zigarettenindustrie. Dor einiger Zeit konnten wir von einem Unterstützungsangebot berichten, das die Großfirmen der Zigarettenindustrie den notleidenden Klein- und Mittelbetrieben im Rahmen einer freiwilligen Quotisierung gemacht hatten. Wie der DHD. jetzt erfährt, haben von den in Betracht kommenden 28 Herstellungsbetrieben von diesem Unterstützungsangebot im Juli 23 Betriebe Gebrauch gemacht. Vier Betriebe haben eine Beteiligung zunächst noch zurückgestellt, während bei einem Betrieb die Teilnahmemöglichkeit augenblicklich noch ungeklärt ist. Es wurden im Juli 3 v. H. auf den wertmäßigen Verlust (Kleinoerkaufspreis) gegen den Monatsdurchschnitt des Steuerjahres 1933/34 verteilt. Im allgemeinen wird die monatliche Auszahlung zwischen 3 und 4 v. H. schwanken, je nach dem Verhältnis der Umsatzverluste der Klein- und Mittelbetriebe gegenüber den Gesamtumsätzen der Großbetriebe. Im Juli wurde außerdem ein entsprechender Betrag aus der Ausgleichskasse abgezweigt, um solche Fabrikanten zu unterstützen, die auf Grund ihres Umsatzes von unter 500 000 Stück im Durchschnitt des Steuerjahres 1933/34 an und für sich nicht teilnahmeberechtigt gewesen wären, aber in besonders große Not geraten waren. * * Etwa 50 000 Mann beim Reichsautobahnbau beschäftigt. Auf den Baustellen der Autobahnen sind laut „Kraftverkehrswirtschaft" dzt. rd. 50 000 Personen beschäftigt. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß bis zum Herbst die Einstellung weiterer 10 000 Mann im Autobahnenbau erfolgen kann .— Die Zahl der dzt. überhaupt im Straßenbau (Straßen aller Art einschl. Ortsstraßen) unmittelbar Beschäftigten wird mit rund 146 000 Mann angenommen. * Fühlungnahme der öffentlichen und privaten Bausparkassen. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und der Führer des Reichsverbandes Deutscher Bausparkassen haben ein Uebereinkommen getroffen, wonach der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und der Reichsverband Deutscher Bausparkassen in Zukusft alle gemeinsam interessierenden Fragen in regelmäßigen Besprechungen erörtern wollen. Mit dieser Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt in der deutschen Bausparbewegung eingeleitet worden, um zu einem friedlichen Nebeneinanderarbeiten in der Zukunft zu gelangen. frankfurter Börse. Mitlagsbörse still, uneinheitlich. Frankfurt a. M., 23 Aug. Die Börse blieb mangels besonderer Anregungen still und weiterhin uneinheitlich. Einige Sonoerwerte behaupteten ihre Festigkeit, dagegen bröckelten die»meisten Kurse angesichts der Geschäftsschrumpfung leicht ab. Farben gaben 0,25 v. H., Erdöl 0,25, Metallgesellschaft 0,75 o. H. nach. Gut behauptet Rütgers, Scheideanstalt erstmals wieder etwa 1 v. H. höher. Elektrowerte zumeist eine Kleinigkeit gebessert, nur Schuckert 0,40, Siemens 1,25, Gesfürel 0,13, Bekula 0,25, dagegen AEG. 0,40 v. H. leichter. Sehr ruhig lagen Zellstoffwerte, Aschaffenburger knapp gehalten, Waldhof 0,40 v. H. freundlicher. Von Kunstseide Bemberg unv., AKU. 1,25 v. H. höher. Schiffahrtswerte nur unwesentlich verändert. Nordlloyd 0,25 v. H. niedriger, Hapag 0,25 v. H. befestigt. Montan- wetre ziemlich ruhig in den Umsätzen, uneinheitlich bei kleinster Kursverschiebung. Stahlverein bröckelten 0,25 v.H., Phönix 0,50 o. H., Gelsenkirchen 0,25 werte ziemlich ruhig in den Umsätzen, uneinheitlich v. H. ab. Buderus behaupteten ihre gestrige Steigerung, Mansfeld zogen 0,25 v. H. an. Im einzelnen waren Westdeutscher Kaufhof erneut 0,75 d. H. fester, auch Junghans um 1, Daimler 0,75, Reichsbank 0,40, Zement Heidelberg 0,50 v. H. höher. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig, Reichsanleihe gegen den Vortag kaum verändert, späte Schuldbücher 94,40, Altbesitz 95, Stahloereinbonds 78,90. Auslandsrenten still. Im weiteren Verlauf trat an den Aktienmärkten eine Kurssteigerung ein. So gewannen Kali Aschersleben 1, Westeregeln 1,50, von Montanwerten Phönix 1,65, Klöckner 0,90, Stahlverein 1 v.H. AKU. beachtlich gestiegen auf 64 gegen gestern abend 61. Die übrigen Märkte verzeichneten Kurssteigerungen von 0,25 bis 0,50 v.H. Auch IG. Farben bis 147 erhöht. Im Freiverkehr hörte man Wayß und Freitag 75, Adlerwerke 39,65, Growag 59. Sehr still und ohne Veränderung lag der Pfandbriefmarkt, auch Stadtanleihen ruhig. Fest lagen Auslandsrenten, so wurden Schweizer Bundesbahnen 3 bis 4 o. H. höher verlangt. Tagesgeld 3 o. H.. Abendbörfe: uneinheitlich. Die uneinheitliche Bewegung der Aktienmärkte im Mittagsverkehr setzte sich an der Abendbörse fort. Insbesondere lagen Montanwerte nicht ganz einheitlich, Phönix verbesserten sich um 0,50 v. H., Harpener blieben behauptet, während Ilse Genüsse 0,50 v.H. und Kali Aschersleben 0,75 v.H. nachgaben. Don Spezialpapieren bröckelten Farben 0,40 v. H. ab, dagegen konnten Scheideanstalt ihren bisherigen Kursabstieg abbremsen und 2 v.H. zurückgewinnen. Die Kursverschiebungen kamen im allgemeinen auf Basis geringer Umsätze zustande. Noch größere Ruhe herrschte am Rentenmarkt, jedoch wollte man verschiedentlich eine kleine Belebung der Nachfrage bemerken. Kursmäßigen Ausdruck fand diese Stimmung jedoch noch nicht. Im Verlaufe entwickelte sich am Aktienmärkte ziemlich einheitlich ein freundliches Bild, kleine Kurssteigerungen bis etwa 0,75. v.H. überwogen bei weitem. Am Rentenmarkt kamen Altbesitz behauptet Geld zur Notiz. An der Nachbörse nannte man: Altbesitz 95 G, Farben 146,75, Phönix 48,25, Gesfürel 109,75. Kurse: Altbesitz 95, 6 v. H. Franks. Hyp. Gold R. 16: 89,75, Reichsbank 155,50, Gelsenkirchen 61, Harpener 106, Ilse Genüsse 132, Kali Aschersleben 124,25, Klöckner 76,50, Mansfeld 77,75, Phönix 48,25, Rheinstahl 89,50, Stahlverein 41, AKU. 63,50, Bekula 144,75, IG. Chemie volle 183, Conti Gummi 130, Daimler 47, Scheideanstalt 224, IG. Farben 146,75, Gesfürel 109,75, Grünfinger 220, Holzmann 68,50, Moenus 71,25 rat., Schuckert 89,25, Reichsbahn-VA. 112,40, Nordd. Lloyd 30,25. Schweirreurarki t:t GrÄttVerF. + Grünberg, 23. Aug. Der Auftrieb betrug 746 Stück. Folgende Preise wurden erzi'^: Ferkel bis sechs Wochen alt 10 bis 12 Mark, ,echs bis acht Wochen alt 12 bis 16 Mark, ucyr bis dreizehn Wochen alt 17 bis 22 Mark. Marktoerlauf: lebhaft, geringer Ueberftanb. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 23. Aug. Auftrieb: Rinder 84 (am letzten Donnerstagmarkt 74), davon Ochsen 16, Bullen 4, Kühe 27, Färsen 35. Kälber Siegende Jugend marschiert für die Zukunft des Reiches am 1. und 2. September in Frankfurt am Rlaln. Jugend stellt aus und zeigt, daß sie sich ihrer hohen Aufgabe bewußt ist! Auf zur Ausstellung „Kampf und Sieg der t)3.“ Frankfurter Messegetände: 19. August bis 5. September. „Tag der Hunderttausend — Aufmarsch tatbereiter Jugend am 1. und 2. September in Frankfurt am Main. 1060 (869), Hämmel 99 (87), Schafe 64 (51), Schweine 575 (553). Notiert wurden pro ein Ztr. Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 45 bis 46, b) 39 bis 44, c) 32 bis 38, d) 23 bis 31. Lämmer und Hämmel b2) 33 bis 35, c) 30 bis 32, d) 25 bis 28. Schafe e) 29 bis 30, f) 25 bis 28. Schweine a) 51 bis 53, b) 50 bis 52, c) 47 bis 52, d) 44 bis 50. Das übrige nicht notiert. Marktoerlauf: Kälber, Hämmel und Schafe ruhig, ausoerkauft. Schweine mittelmäßig, ausverkauft. Fleischgroßmarkt. Beschickung: 1077 Viertel Rindfleisch, 235V2 ganze Kälber, 21 ganze Hämmel, 677 Schweinehälften. Preis für 1 Ztr. frisches Fleisch in Mark: Ochsenfleisch II 48 bis 52. Rindfleisch II 42 bis 47. Bullenfleisch 47 bis 50. Kuhfleisch II 36 bis 42, III 25 bis 30. Kalbfleisch II 62 bis 65, III 52 bis 60. Hammelfleisch 70 bis 75. Schweinefleisch I 67 bis 73. Geschäft des Fleischgroßmarktes: ruhig. Die Milchmarktregelung. Ein besonderes Kapitel in der Landwirtschaft ist bis vor Jahresfrist die Milchwirtschaft gewesen. Dauernd war sie den unangenehmsten Preisschwankungen unterworfen, so daß der Bauer aus ihrem Erlös kaum noch die notwendigsten Unkosten decken konnte. In den Großstädten wurden die Preise bis aufs äußerste herab gedrückt und die Herstellung von Butter rentierte sich infolge der Einfuhr ausländischer Butter kaum noch. Die Verteilung der Milch im Reiche war in vielen Fällen so unpraktisch wie nur möglich. Die Großstädte bezogen ihre Milch z. T. nicht aus der nächsten Umgebung, sondern von weit her, so daß die Bauern in der Nähe der Großstadt ihre Milch nicht los wurden und sie verarbeiten mußten. Hier mußte Abhilfe geschaffen werden. Sie geschah einmal durch die Regelung der Einfuhr aus dem Auslande, zum andern aber durch die des Jnland- abfatzes. Die Regierung kontingentierte die Einfuhr und diese Mengen wurden auf die einzelnen Monate entsprechend verteilt. Bezüglich des Jnlandabsatzes wurde den Bauern verboten resp. Einschränkung auferlegt, Trinkmilch selbst auf den Markt zu bringen, ebenso Landbutter selbst herzustellen. Sie müssen jetzt die Milch ihnen zugewiesenen Molkereien abliefern. Von dort aus wird sie nach Maßgabe der Marktverbände verteilt, das sind die Milchversorgungs, und die Milch- wirftchaftsverbände oder die Spitzenorganisation der deutschen Milchwirtschaftsvereinigung. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist nicht ausgeblie- ben. Der deutsche Bauer erhält heute d»rch den Festpreis der Butter eine angemessene Entschädigung für seine Mühe und Aufwendungen. Bei der Trinkmilch ist dieVerteilerspanne durch die neue Marktregelung wenigstens um 2 bis 3 Pfennig herabgesetzt worden zugunsten des Erzeugers. Die Milchpreise sind für längere Zeiträume festgesetzt worden, wodurch es dem Bauern möglich geworden ist, seine Erzeugung der stetigen Preisentwicklung anzupassen. Daß eine bedeutende Besserung der ganzen Lage eingetreten ist, erhellt daraus, daß die meisten Milcherzeuger heute 2 bis 3 Pfennig pro Liter mehr erhallen, als vordem, wobei besonders hervorzuheben ist, daß dadurch der Verkaufspreis nicht erhöht zu werden brauchte. Welches ist nun aber das Ziel, das die neue Marktregelung auf dem Gebiete der Milcherzeugung anstrebt? Sie will dem Bauern einen entsprechenden Milchpreis auf weite Sicht garantieren. Deshalb ist es auch erforderlich, >daß die durch die Marktregelung festgesetzten Pflichten genauestens befolgt werden, wenn nicht die alte, liberalistifche Abfatzgestaltung wieder einreißen soll, an der ja das Bauerntum fast zugrunde gegangen mar. Der Milchpreis spielt bekanntlich in der Wirtschaft des Bauern eine große Rolle und deshalb ist die Möglichkeit infolge des Festpreises, auf lange Sicht kalkulieren zu können, für ihn von großem Werte. Aus diesem Grunde wird auch jeder einsichtige Bauern gern die kleinen Pflichten, die sich aus der Neuregelung des Milchmarktes ergeben, auf sich nehmen. Wenn man bedenkt, welch große Umwälzungen die neue Marktregelung hervorgerufen hat, so ist es staunenswert, daß schon heute völlig befriedigende Resultate vorliegen. Der Verbraucher braucht, wie schon oben gesagt, keinen höheren Milchpreis zu zahlen, als bisher. Dadurch, daß der Weg vom Erzeuger zum Verbraucher umgestaltet worden ist, kann der Erzeuger 2 bis 3 P f. pro Liter mehr erhalten ' Es wird außerdem daraufhin gearbeitet, daß die Milchpreise in den verschiedenen Bezirken nach Möglichkeit einander angeglichen werden. Feststehende Tatsache ist es jedenfalls, daß einerseits die Einnahmen des Bauern aus dem Milchverkauf sich merklich erhöht haben, anderseits aber der Verbraucher dadurch nicht belastet worden ist. Natürlich läßt sich nicht mit einem Male alles hundertprozentig umstellen. Es bleiben auch hier noch einige Mängel zu beseitigen. Auch sie werden verschwinden, und Erzeuger, Händler und Verbraucher werden bald erkennen, daß mit der bekannten nationalsozialistischen Zähigkeit auch auf diesem Gebiete das begonnene Werk bis zum Ende durchgeführt wird; denn es gilt ja das Wohl der Volksgemeinschaft, deren Leitspruch immer und überall heißt: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz." G e f s. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse '.yranfiur. u. UI Berlin $r/,% Franks Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandvriese 6Ki% ehern. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Ltyu.-Goldpse. 6% ehern. 8% Pr Landespfand- briesanstalt, Pfandbriefe R 19 8% ehern. 7% Pr. LanbeSpfand- briesanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutich. Verrechnungskurs 25 1 78 SdntiiDeti Patzenhofer ..... Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg............... E stoss Waldhos stoss Aschaffenburg .... imer Gas ............. Daimler Motoren Deutsche Linoleum Orensrein & Koppel Leonhard Tietz ............ Thade ..... VsurMlatore^FÄÄ''";'! SontMhnnmt............. Buder»» Deutsche Erdöl .............. Gelsenkirchener Harpener ................. Voesch Sisen—Sölrr-Neuesse« .. Ase Bergbau ............. Ilse Bergbau Genüsse Klücknerwerke ........ ...... oianneSmann-Sköbren........ Grttzne,........ Qi ÄXÄ‘E i| Datum Mansselder Bergbau.........0 Kokswerke ........... 0 Phönix Bergbau 0 Rheinische Braunkohlen .... 10 Rheinftahl .................0 Bereinigte Stahlwerke ....... 0 Olavi Minen ............ 0 Kaliwerke Aschersleben 5 Kaliwerke Westeregeln b Kaliwerke Salzdetfurth IVi Ä.I4.®............... Bekula............. ? SS?' b^erungSgestüschaft"' e Lichl und Kraft ** a Selten & Guilleaume .. . n «hÄült*!’reiC,ZIiU. Serie II ........... 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 8,1 4,3 8,1 4,3 — — 4^,%Rumän.vereinh.Rentev.l9i3 6,95 4% Rumaniscüe vereinh. Rente .. 914% Anatolier 4,1 34,9 4 34,65 4,1 34,9 35 22-August 23-August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Seid Brie. Geld Brie' Buenos Aires 0,682 0,686 0,681 0,685 Brüssel..... 58,98 59,10 58,90 59,02 Rio de Jan. . 0,184 0,186 0,184 0,186 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 56,24 56,36 56,22 56,34 Danzrg.... 82,02 82,18 82,02 82,18 London.... 12,595 12,625 12,59 12,62 HellingsorS. 5,559 5,571 5,554 5,566 Paris ..... 16,50 16,54 16,50 16,54 Holland ... 169,73 170,07 169,73 170,07 Italien .... 21,64 21,68 21,61 21,65 Japan..... 0,747 0,749 0,747 0,749 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 Oslo..... 63,29 63,41 63,26 63,38 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,44 11,46 11,435 11,455 Stockholm.. 64,93 65,07 64,89 65,01 Schweiz ... 81,67 81,83 81,67 81,83 Spante»... 34,32 34,38 34,32 34,38 Prag...... 10,44 10,46 10,44 10,46 Budapest .. — — — Neuyork... 2,480 2,484 2,477 2,481 Feld Briet 2,429 2,449 58,74 58,98 56,17 56,39 12,545 12,605 16,46 16,52 169,31 169,99 21,49 21,57 63,09 63,35 64,72 81,49 64,98 81,81 34,18 34,32 ■ — Nr. 197 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien) Zreltag, 24. August 1934 Aus Oer Provmzialhauptstavt. Spätsommerliche Freuden. Noch ist nicht Herbst. Die Jahreszeit ist wie eine Frau, von der Bewunderer sagen: „Wie schön ist sie noch .. wie herrlich muß sie gewesen sein!" lieber den Laubwäldern liegt ein ganz kleiner gelber Schimmer, die Stoppelfelder sind noch goldfarben, sanfte Fäden ziehen sich durch die Luft und legen sich wie Spinnweben um unser Gesicht, unsere Hände. Die Scheuern sind voll, die Pflaumen hängen blau an den Bäumen, im Wald riecht es nach Pilzen und Preißelbeeren In den Weinbergen bereitet sich alles zur Reife vor, bald wird das große Fest der Lese anfangen. Es ist eine wunderbare Jahreszeit, so still, so besinnlich, so mild. Es ist, als hielte die Natur den Atem an, um ihn nicht zu schnell verströmen zu lassen und mit ihm den Sommer. Die Erde liegt so bereit da, sie hat alles fast gegeben, was sie in diesem Jahr zu geben hatte, und nun feiert sie noch ein bißchen in der sanfter gewordenen Sonne, ehe sie sich wieder in sich verschließt. Jede Jahreszeit hat ihre ganz bestimmten Freuden, und die entdecken am besten die Kinder. Spätsommer und der beginnende Herbst bedeuten: Dra- chensteigenlassen, Kartoffelfeuerchen, über die Stoppelfelder jagen und die vergessenen Aehren sammeln, Pilze finden und in den vollen Scheuern Versteck spielen. Aber bas schönste dieser Spiele ist doch der Drachen. Welche Wissenschaft allein sein Bau! Hundert Theorien laufen um, es wird über die Länge des Schweifes, über seine Form und Größe gestritten, es werden ernsthafte Gespräche geführt über die Art, wie er hochzubringen und in der Luft zu halten sei Und dann, der erste Tag mit kahlen Feldern, mit gutem Wetter und frischem Wind! Die Drachen, diese Wunderwerke, sind startbereit. Und sie steigen!! Was für ein Stolz, wenn sie höher und höher schweben, welche Wonne, wenn man selbst die Schnur immer mehr und mehr auslaufen lassen kann, während der stolze Riesendrachen des Nachbarn jämmerlich zehn Meder über dem Erdboden dahinkriecht. Man rennt, um sie hochzubringen, man bleibt stehen unb hält sie, man sieht ihnen nach mit der ganzen uralten Sehnsucht des Menschen: fliegen zu können. Warum spielen eigentlich nur Kinder dies herrliche Spiel? Warum machen wir leider so schrecklich Erwachsenen es ihnen nicht nach? Gewiß wird der Vater nichts von seiner Autorität einbüßen, wenn er um die Wette mit seinen Jungen über die Felder tobt, den selbstgebauten Drachen an der Schnur haltend, ... glücklich über die erreichte Höhe.. Amtsgenchisrat Steinberger 70 Jahre alt. Am morgigen Samstag, 25. August, kann der Amtsgerichtsrat i. R. Karl August Steinberger in Gießen in bester Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar stammt aus Friedberg, wo er am 25. August 1864 geboren wurde. In seiner Vaterstadt besuchte er zunächst die Volksschule, dann in Darmstadt das Maurersche Institut, hierauf das Gymnasium in Darmstadt und anschließend das Gymnasium in Gießen. Von Ostern 1885 bis Ostern 1888 studierte er an der Universität Gießen Jura, das Fakultätsexamen bestand er Ostern 1888. Seine Accessistenzeit verbrachte er in Gießen und in Friedberg. Im Herbst 1891 bestand er das Staatsexamen, hierauf war er als Gerichtsassessor in Hungen, Groß-Umstadt und in Gießen tätig. Eine zeitlang hatte er auch die Stelle eines Handelskammersekretärs in Gießen inne. Im Juli 1895 wurde er zum Amtsrichter in Ulrichstein ernannt, im Jahre 1899 zum Oberamtsrichter in Hungen. In gleicher Amtseigenschaft wurde er im Jahre 1915 nach Langen versetzt, wo er von Ende 1918 Gießen treu zu Führer und Saar. ......-.-"»"■■'■"T- -V, '■ v »ww n 14 Die Urkunde der Stadt Gießen, das Treuegelöbnts zum Führer, das durch den Hauptlauf II der Saarland-Treuestaffel nach Ehrenbreitstein gebracht wird. Die Urkunde trägt auf der Titelseite das Wappen der Stadt Gießen. ab die schwere Zeit der Besetzung durch die Franzosen durchzumachen hatte. Im Jahre 1923 kam er wieder nach Gießen, wo er als Amtsgerichtsrat beim hiesigen Amtsgericht Dienst tat. Nach Erreichung der Altersgrenze trat er Ende 1929 in den Ruhestand. Amtsgerichtsrat Steinberger hat sich allezeit als vorbildlicher, aufrechter und gerechter Richter, als Mann von bester nationaler Gesinnung und als warmherzig mitfühlender Mensch erwiesen, der sich nicht nur in seinen Berufskreisen, sondern auch darüber hinaus in der Bevölkerung beste Wertschätzung erwarb. Seinen Ruhestand verlebt er als unser geschätzter Mitbürger in Gießen. Sonderzug zur Saarkundgebung am 26. August auf dem Ehrenbreitstein Abfahrt des Sonderzuges (26. August) um 6.17 Uhr ab Gießen. Für diesen Zug gelten nur die Fahrkarten, die zum Preise von 2,40 Mark von der Kreisleitung Gießen und dem Verkehrsverein ausgegeben wurden. Da die für diesen Sonderzug uns zur Verfügung gestellte Zahl der Karten weit unter der Zahl der Meldungen zurückbleibt, wird Gelegenheit gegeben, mit den fahrplanmäßigen Zügen mit verbilligten Sonntagskarten nach Koblenz zu fahren. Der Preis ist in diesem Falle ermäßigt und beträgt 3,85 Mk. Die Zahl der zu diesem Preis zur Verfügung stehenden Karten steht noch nicht endgültig fest, da die Verhandlungen mit der Reichsbahn noch nicht abgeschlossen sind. Den politischen oder den Beauftragten der Ortsgruppen wird Gelegenheit gegeben, die Karten für ihren Bereich abzuholen Die genaue Anweisung steht am Samstag in der Presse. Die fahrplanmäßigen Züge, die in Frage kommen, gehen in Gießen ab: 5.39 Uhr für die Gießener Teilnehmer, 8.06 Uhr für die Teilnehmer aus dem Kreis. Die verbilligten Sonntagsfahrkorten für die Züge Gießen ab 5.39 Uhr und 8.06 Uhr können am Samstag, 25. August, im Reisebüro, Seltersweg, abgeholt werden. Zur Abholung berechtigt sind nur solche Personen, die im Besitz eines Ausweises ihrer Ortsgruppe sind, der sie berechtigt, für ihre Ortsgruppe die bei dieser bestellten Karten abzuholen. Den Teilnehmern aus dem Kreise wird empfohlen, zur Rückreise den Zug zu benutzen, der um 17.57 Uhr in Koblenz abgeht, da sie bann in Gießen noch ihre Anschlußzüge erreichen. Die anberen Teilnehmer fahren um 20.33 Uhr bzw. 22.12 Uhr. Gegen unberechtigte Mietpreis« steigerungen. Die Bürgermeisterei Gießen roenbet sich in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil gegen unberechtigte Mietpreissteigerungen, biß in letzter Zeit bei ber Neuvermietung von Wohnungen unter Hinweis auf bie Wohnungsknappheit vorgenommen würben. In ber Bekanntmachung wirb betont, baß berartige Mietpreissteigerungen mit bem Geiste bes nationalsozialistischen Deutschland unvereinbar seien und daß die Bürgermeisterei alle Fälle von unberechtigter Mietpreissteigerung bei der Regierung zur Anzeige bringen wird. Heichsbund Volkstum und Heimat. Ottering Gießen. Samstag, 25. d. M., 20 Uhr pünktlich, treffen sich die Singkreismitglieder an der Universitätsbibliothek zu einem Gang nach dem Forst- garten. Klampfen und Geigen mitbringen! Sonntag, 26. d. M., 7 bis 9 Uhr, botanischer Rundgang durch bie stäbtischeli- Anlagen. Führung: Universitäts-Professor 2)r.' Funk. Treffpunkt: Ecke Wernerwall-Dammstraße. Unsere Mitglieber werben zu reger Beteiligung auf» geforbert. Gäste willkommen! HS.-Gemeinschaft„KrastdurchFreude" Kreis Gießen. Wo fahren wir hin? 1. Vom 8. bis 16. September: Hamburg mit anschließenber Seefahrt. Dampfer „Monte Olivia", nach Norwegen. Anmelbe- termin bis 26. August. Kosten 53 Mark 2. Vom 15. bis 23. September: Schwarzwalb (Donautal, Quartierorte zwischen Beuron, Sigmaringen unb Ehingen). Abfahrt ab Frankfurt a. M. 15. September mittags; Rückfahrt am Sonntag, 23. September; Anfahrt Frankfurt am Main, Schwetzingen, Karlsruhe, Offenburg, Triberg (850 Meter hoch), Donaueschingen; Rückfahrt Ulm, Stuttgart, Bruchsal, Frankfurt a. M. Anmeldetermin bis 2. September. Kosten 28.50 Mark. 3. Vom 22. September bis 1. Okt 0 ber: O st preußen. Letzte Bäderfahrt an die Sam- ländische Bernsteinküste. Abfahrt am 22 September früh mit einer Uebemachtung nach Hohenstein, Tannenberg, Königsberg. Von dort erfolgt die Unterbringung an den Küstenorten nordwestlich Königsbergs Die Rückfahrt erfolgt am 30. September früh. Besichtigung von Marienburg, Uebernach- tung in Berlin, Ankunft am Montag, 1. Oktober, abends Anmeldetermin bis 11. September. Kosten 51 Mark. 4. Vom 29. September bis 7. Oktober: Bayerischer Wald. Fährt in den herbstlichen Hochwald der bayerischen Ostberge. Unterkunftsorte Zwiesel usw. am Fuße des Arbers, mit den Hochwäldern und Wildbächen, mit den herzlichen Menschen; die gute Kost, die bekannten Glasbläsereien locken zur zweiten Fahrt. Anfahrt über Passau, die Rückfahrt über Regensburg mit Gelegenheit zur Besichtigung und Verpflegung dort Abfahrt am 29 September abends. Rückkehr am 7. Oktober nachmittags Anmeldetermin bis 18. September. Kosten 31 Mark. Rheinfahrt am 9. September. Die dritte Rheinfahrt der NSG. „Kraft durch Freude" findet wegen des großen Winzerfestes nicht am 2., sondern am 9. September statt. Anmeldungen werden noch bis zum 25. August entgegengenommen. Fahrt zur Samländifchen Küste am 22. September. Die ür 1 bis 11 September vorgesehene Fahrt an die amländische Küste (Ostpreußen) ist mit Rücksicht auf den Aufmarsch der HI. in Frankfurt a. M. und auf den Reichsparteitag auf den 22. September verschoben worden. Die abgegebenen Anmeldungen bleiben für den neuen Termin bestehen. MachiundZauberderGprache von Werner Klaus. Es gibt nichts vom Menschen Geschaffenes, was dem Wunder des Wortes gleichkommt. Es ist die immateriellste, zugleich sanfteste und stärkste Kraft auf der Welt, feelenformend und erschütternd, unfaßlich in ihrer Wirkung, tötend und lebenserweckend in der Hand dessen, der es in allen seinen Möglichkeiten beherrscht. Nur weil uns das Sprechen so selbstverständlich geworden ist wie das Atmen, das Essen, das Schlafen, und was sonst zu den primitivsten Gegebenheiten unseres Daseins gehört, überkommt uns so selten eine Ahnung von den Kräften, mit denen wir spielen, wenn wir uns der Sprache bedienen Im Anhören eines Gedichtes, das uns durch seine Wortwahl und Wortfügung zwingt, im Rhythmus der gleichen Gefühle zu schwingen, die den Dichter beseelten, oder in bedeutsamen Situationen unseres Lebens, in denen Entscheidungen davon abhängen, ob wir den richtigen und überzeugenden Ausdruck für unser Wollen und unsere Gefühle finden, begreifen wir noch am ehesten den Zauber des Wortes. Wer im Ausland den Kampf unterdrückter Minderheiten um das Recht auf die eigene Sprache miterlebt hat, wird auch darum wissen, was Sprache als Ganzes für eine Gemeinschaft bedeutet und wie sehr sie Trägerin seelischer und kultureller Werte ist. Gemeinhin aber bleibt uns die Macht der Sprache und unsere Abhängigkeit von ihr unbewußt — um so stärker sind wir durch sie bedingt und leben in ihrem Bann Ein bisweilen allzu geistreicher Kritiker der Sprache hat einmal gesagt, alles Sprechen sei im Grunde ein Akt der Suggestion, bei dem wir im Gesprächspartner mit Hilfe von Worten eine Reihe von Vorstellungen hervorzurufen suchen. Diese Feststellung trifft den Kern des nüchternen Tatbestandes, wie er sich uns für gewöhnlich darbietet, wenn wir von tieferen Sinndeutungen absehen; Sprechen ist eine gegenseitige und allgemein geübte Suggestion, und zwar auf Grund eines bis ins Feinste entwickelten Systems von Zeichen, das jeweils bei einer Volksgemeinschaft m Geltung ist. Nun aber beginnt bei näherem Zusehen das Wunder: wir entdecken, daß sich in diesen riesigen, kaum übersehbaren Zeichensystemen bestimmte Wesenszüge der Völker, bestimmte Möglichkeiten und Neigungen ihres Denkens und Fühlens und zugleich die verschiedenen Phasen ihrer geschichtlichen Entwicklung niedergeschlagen und verdichtet haben. Wir entdecken, daß die Verschiedenheit der Sprache kein bloßer geschichtlicher Zufall ist, sondern der Verschiedenheit der schöpferischen Substanzen entspricht, die hier am Werke waren: jede Sprache hat ihre unübersetzbaren „Urworte", ihre unnachahmlichen Wendungen und unwägbaren Bedeutungsnuancen, in denen ein ganzes Volk seinen Charakter offenbart. Und von hier aus begreifen wir die große innere Bedeutung, die die Muttersprache für den einzelnen besitzt: denn sie bildet ihn in jenem umfassenden Sinne, daß sie ihm den gan- Schatz von Vorstellungen, Gefühlen, Wertungen und Denkmöglichkeiten, die seinem Volk eigentümlich sind, gleichsam unbewußt vermittelt und ihn so in eine große seelische Gemeinschaft einreiht, an der die Lebenden und die Toten in gleicher Weife beteiligt sind. Bevor einer selbst beginnen kann, mit Hilfe der Sprache Suggestion zu üben, ist er bereits ihrem Einfluß unterworfen und durch ihn geformt, und er kann gar nicht anders, als sich innerhalb ihrer Grenzen und Möglichkeiten zu bewegen. Nur darf man sich dieses Abhängigkeitsverhältnis nicht allzu einseitig vorstellen; alle Sprachenentwicklung beweist ja, welche schöpferische Rolle dem Menschen in diesem Verhältnis zugewiesen ist. Es ist auch nicht richtig, die Sprache eines Volkes seiner Seele gleichzusetzen: oft genug gibt es Perioden, in denen die Sprache hinter der seelischen Entwicklung eines Volkes zurückbleibt und nicht imstande ist, feinen inneren Zustand widerzuspiegeln: da werden bann alle bereits vorhandenen und geprägten Ausdrucksformen als unzulänglich und sinnverfälschend empfunden, bis eine Reihe von sprachschöpferischen Menschen dem neuen Fühlen neue Sprachverkörperungen gibt. Sprache ist eben nichts Abgeschlossenes und nichts, was für sich besteht, als „objektiver Geist", wie es manche Theoretiker wahrhaben wollen, sondern sie gleicht in der Art ihres Seins der Pflanze, die nicht leben kann ohne Erdreich und Licht und Luft, aus denen sie ihre Wachstumskräfte zieht und ohne die sie verdorrt. Immer bedarf sie der fühlenden, erlebenden und denkenden Menschen, um nicht starr und unlebendig zu werden; wie der Baum kennt sie dürre Zweige und welkes Laub, kennt sie Zeiten des Ueberwinterns, wo ihre Kräfte sich tief ins Innere zurückgezogen haben, und Zeiten der Blüte und der Frucht, wo das Innerste offenbar wird. Die Frage nach dem geschichtlichen Ursprung und der Entstehung der Sprache hat Generationen von Denkern und Forschern beschäftigt. Heute find uns die spekulativen Erörterungen und die Forschungs- versuche um diese Probleme gleichgültiger geworden, weil wir ihre Vergeblichkeit erkannt haben; um so wichtiger scheint die Frage nach dem Wesen und den WachstumsbedinLungen der Sprache und nach ihrer Bedeutung im Leben der Völker und des einzelnen. Da ist vor allem dies als Erstes und Sicherstes zu sagen: alle Sprache ist Ausdruck und Ergebnis der inneren Begegnung des Menschen mit der Welt, sie ist die Beschwörung und Ordnung der dunkel gefühlten und erkannten Wirklichkeit durch Lautsymbole. Dieser Akt der Beschwörung und inneren Ordnung der Wirklichkeit ist die wesentlichste und erste Voraussetzung aller menschlichen Kultur, ja, wenn man will, des Mensch-Seins überhaupt; durch ihn erst gewinnt der Mensch die Möglichkeit einer souveränen Haltung gegenüber der Welt. Sprachschöpfung geht ja niemals auf ein bloßes geistiges Abbilden der Welt, sondern enthält einen sehr charakteristischen Zusatz menschlichen Fühlens, menschlicher Wertung und Sinndeutung, im einzelnen Wort nicht weniger als in der Verknüpfung der Worte zu Sätzen. Sie bedeutet eine innere Anverwandlung, Anähn- lichung der Welt an das Wesen und die Auffassungsmöglichkeiten des Menschen: das handgreiflichste Beispiel ist die Zuerteilung eines Geschlechts an die Wörter, wie man es in den indogermanischen Sprachen findet. Sie bedeutet zugleich aber, in ihren tiefsten Augenblicken, eine Sichtbarmachung geheimster Wesenszüge der Wirklichkeit und eine Zusammenschau des innerlich Verwandten und auseinander Bezogenen. Aus den Frühstufen der Kultur zeigt, sich das unmittelbar in der Entstehung mythenyaltiger „Urworte": Sprachschöpfung ist hier oft wesentlich religiös bestimmt. In den Hoch- und Spätzeiten, in denen die Wirkung der „Urworte" verblaßt ist, äußert sich dieselbe Tendenz viel mehr in der Durchgeistigung. Sublimierung und Sinnbereicherung schon vorhandener Worte. Immer aber bringt Sprache über die Funktion bes bloßen Benennens unb Mitteilens hinaus in bie Sphäre ber Weltbeutung. Das Merkwürbigste an ber Sprache ist ihr unwirklich-wirklicher Charakter, ihreBinbung an bieRea- lität unb ihre gleichzeitige Freiheit unb Selbstherrlichkeit. Schon bie Tatsache, bah ein Satz, ber eine Lüge enthält, sich in nichts von einer wahrheitsgetreuen Aussage zu unterscheiben braucht, unb baß wir bie gleichen gesteigerten Ausbrücke in ehrlicher Erregung aussprechen können ober ohne innere Beteiligung aus kühler, berechnenber Absicht, zeigt biefe Zweiheit ber Möglichkeiten. Sprache ist eben jebem Mißbrauch ausgesetzt, sie bietet ihr Arsenal von Worten unb Ausbrucksformen auch bem an, ber sie entgegen bem Sinn ber Wirklichkeit für feine Zwecke Derroenbet.llnb neben jener Suggestion, bie sie als Trägerin geglaubter Gehalte besitzt, ist ihr auch ein unwägbarer Zauber eigen, ber nur mit ber Musik ihrer Laute unb bem Reiz ihrer Silber zusammen- hängt unb sie zur gefährlichen Verführerin macht. Aber so elastisch unb souverän bas Verhältnis ber Sprache zur Wirklichkeit ist, so verträgt sie boch auf bie Dauer nicht ben Mißbrauch unb bie Entfrem- bung von der Realität: sie entwertet sich dadurch selbst und verliert zuletzt jedes Gewicht und jede Geltung. Ein Beispiel aus der Nachkriegszeit ist das Schicksal gewisser politischer Schlagworte, die durch bie Tatsachen roiberlegt unb schließlich wirkungslos gemacht würben. „David Copperfields" Serienreife. Als bie Kunbe kam, baß eine amerikanische Gesellschaft bie Absicht habe, ben „Davib Coppersielb", Charles Dickens' berühmtesten Roman, zu verfilmen, erhob sich sofort ein Rätselraten, wer bie Rolle bes kleinen Davib, biefer rührenben Knabengestalt, übernehmen solle. In Hollywood unb in Englanb machte man sich auf bie Suche nach einem Jungen, ber jener Romanfigur „ähnlich" ist, das heißt der in seiner Erscheinung und in seinem Spiel alle bie Vorstellungen der treuen Dickensleser erfüllen könne, die sich in der ganzen Welt bei jung unb alt mit ber Erinnerung an bies Buch unb seinen Titelhelben verbinben. Unter siebenhunbert kleinen Knaben ist nunmehr Fredbi Barthelonew, ein zehnjähriger braunlockiger ßonboner Junge, für bie Rolle ausersehen worben; in Begleitung feiner Tante hat er bie Reise über ben' großen Teich angetreten, um im Filmlanb Hollywood den kleinen David Copperfield zu einem leibhaften Leben auf der Leinwand zu erwecken. Seine Abreise aus England war sehr dramatisch, denn Freddie durfte nur zu einer Serienreife England verlassen, und „offiziell" darf man es gar nicht wissen, daß er ein „David Copperfield" werden will. Das Gesetz verbietet nämlich, daß ein britischer Untertan unter vierzehn Jahren schon als Schauspieler außer Landes gehen darf, und wenn der kleine Freddie sich auch bereits in englischen Filmen bewährte, so muß er doch mit Schwierigkeiten rechnen, wenn er seinen eigentlichen Ausreisegrund bekannt gibt. Seine Tante hat ihn deshalb kurzweg zu einer Serienreife in die Staaten mitgenommen, und fein eigener Vater versichert, daß er den heimlichen Zweck der Reise erst erfahren habe, als es nicht mehr in feiner Macht stand, feinen Jungen wieder zurückzuhvlen. Wie werden nun die englischen Gesetzeshüter den kleinen Süm- fchauspieler bei seiner Rückkehr empfangen, werden sie ihn wegen seines Ausreißens bestrafen ober ihm Glauben schenken, baß es nur eine kleine Serienreife ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen ist? Vielleicht gelingt es dem Knaben David Copperfield auf der Leinwand den kleinen Sreddie herauszupauken und Dickens' schönste Kindergestalt rührt den gestrengen Sinn seiner Landsleute so sehr, daß sie ihrem Verkörperer im Jahrhundert bes Kinbes gern Verzeihung gewähren. Winzerfest in Gießen. Von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in Gießen wird uns geschrieben: „Alles spricht vom Winzerfest am 1. und 2. September in der Volkshalle zu Gießen. Es ist erstaunlich, wie beliebt die Veranstaltungen der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in der kurzen Zeit des Bestehens der Organisation bei allen Volksgenossen geworden sind. Es ist das gute bei diesen Veranstaltungen, daß bei einem so billigen Preis so vielAußerordentliches geboten wird. Auch der Volksgenosse mit dem niedrigsten Einkommen kann an diesem Winzerfest teilnehmen, denn der Eintritt kostet nur 20 Pf. Dafür erhält man außerdem ein Programm mit den Texten von vielen Rheinliedern und der Wein- und Speisekarte. Ferner kostet das Glas Ausschankwein nur 25 Pf. Der Wein ist ausgesucht gut, wie wir uns bei einer Kostprobe überzeugen konnten. Da in diesem Herbst keine Großveranstaltung, wie etwa in dem vergangenen Jahr die Braune Messe, sein wird, ist das Winzerfest am 1. und 2. September das Ereignis des Tages. Es ist ja auch kein Wunder, denn die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hat in diesem Sommer bewiesen, daß sie es versteht, die Großveranstaltungen so aufzuziehen. daß sie für alle ein Erlebnis werden. Wir denken noch gern zurück an die große Saarkundgebung am Pfingstsamstag, an das Gleibergfeft und an das Sommerfest in Kloster Arnsburg." — Tageskalender für Freitag. Ortsgruppe Gießen-Ost, 20.30 Uhr, „Liebigshöhe", Mit- glieder-Versammlung. — NS.-Frauenschaft Gießen- Mitte, 20 Uhr, Haus der Arbeit, Ortsgruppenabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schön ist es, verliebt zu sein". * ** Lieferungsvergebungen. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Lieferung von Brennstoffen für die städtischen Dienststellen zur Vergebung aus. Die Direktion der Landes-Heil- und Pflegeanstalt fordert ebenfalls im heutigen Anzeigenteil zur Abgabe von Angeboten auf die Lieferung von Lebensmitteln der verschiedensten Art auf. Die interessierten Geschäftsinhaber seien auf die beiden Bekanntmachungen hingewiesen. ** D i e Feuersirenen werden am morgigen Samstag um 15 Uhr probeweise in Betrieb gesetzt. Zur Beunruhigung ist also beim Klange der Sirenen kein Anlaß gegeben. HauswirtschastlichesZahr für Wochen. Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat an die Direktionen der höheren Schulen und an bie Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet: Der Herr Reichsminister des Innern hat uns die ihm durch den Herrn Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übermittelten Richtlinien für das „Hauswirtfchaft- liche Jahr für Mädchen" übersandt, zu dem die Frauenschaft der NSDAP, und das Deutsche Frauenwerk, die Reichsjugendführung und die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung kürzlich aufgerufen haben. Danach soll die Durchführung des „Hauswirtschaftlichen Jahres für Mädchen" nach Kräften gefördert werden. Im Schreiben des Herrn Reichsministers des Innern heißt es: „Insbesondere bitte ich die Unterrichts- und Wohlfahrtsverwaltungen, auf die jungen Mädchen und deren Eltern in geeigneter Weife dahin einzuwirken, daß sie von dem Hauswirtfchaftlichen Jahr Gebrauch machen. Der Präsident der Reichsanftalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat sich hierzu wie folgt geäußert: ,Zu der Werbung von Haushaltungen muß sich auch im besonderen Maße die Aufklärung der jungen Mädchen und Eltern gesellen. Bis jetzt muß leider festgestellt werden, daß der Wert des Hauswirtschaftlichen Jahres noch nicht überall richtig eingeschätzt wird, und daß vor allssm die Eltern an dem Fehlen einer geldlichen Vergütung Anstoß nehmen. Die Berufsschullehrerinnen dürften durch ihre Verbindung mit den Jugendlichen und ihren Eltern sehr geeignet sein, dieser falschen Einschätzung entgegenzutreten. Es liegt m. E. durchaus auch im Sinne der Berufsschulerziehung, wenn recht viele Mädchen, die Ostern in keine Lehr- oder Arbeitsstellen vermittelt werden konnten, von dieser beruflichen Bildungsmöglichkeit Gebrauch machen/ In naher Verbindung zu den Elternkreisen, deren Kinder durch das Hauswirtschaftliche Jahr erfaßt werden sollen, stehen auch die Wohlfahrtsämter. Sie können gleichfalls darauf hinwirken, daß sich kein junges Mädchen ohne Tätigkeit in der Familie aufhält, für das vielleicht noch Unterstützung gezahlt wird. Gerade die rechtzeitige Bindung an geregelte Arbeit ist auch geeignet, junge Mädchen von einer Gefährdung fern zu halten, die in späteren Jahren zu einer Belastung der öffentlichen Mittel führt." Wir beauftragen Sie hiernach, zu veranlassen, daß in allen Schulen bei jeder sich bietenden Gelegenheit, insbesondere auch gegen den Schluß des Schuljahres, die Schülerinnen des letzten Jahrganges bzw. die zur Entlassung kommenden Schülerinnen, sowie deren Eltern ober Erziehungspslich- tigen auf bas „Hauswirtschaftliche Jahr für Mäb- d)en" aufmerksam gemacht werben. Die Schulämter unb bie Schulleitungen sinb gehalten, bie Verbin- bung mit allen in bieser Frage zustänbigen Stellen, insbesonbere mit ben Wohlfahrtsverwaltungen, aufzunehmen unb zu pflegen, bamit bie Lehrkräfte jeberzeit sachbienlich beraten werben können. Gießener Vuchdmüer im deuMenÄanzig Die Reichsbetriebsgemeinschaft 8 „D r u ck" hatte vor einigen Tagen zu einem Reichstreffen b e r graphischen Arbei - ter im b e u »Wen D a nzig eingelaben. Tausend von Volksgenossen unb Volksgenossinnen aus bem ganzen Reiche folgten biefem Rufe. Eine Anzahl Arbeitskameraben unb Betriebsführer aus Gießen unb Umgegenb ließen es sich nicht nehmen, unseren beutschen Brübern unb Schwestern in Danzig bei dieser Gelegenheit einen Besuch abzustatten. Mit großer Freube konnte auch ich ber mittelalterlichen Stabt Danzig einen Besuch ab= statten, ber mir burch Herrn Betriebsführer R. Lange, Verleger bes Gießener Anzeigers, ermöglicht würbe. Danzig bleibt beutfch, war bie Parole! Bekanntlich würbe bie alte beutfche Stabt Danzig durch Artikel 100 ff. des Vertrages von Versailles am 10. Januar 1920 vom Deutschen Reiche abgetrennt und mit einem Teil des umschließenden Laubgebietes am 15. November 1920 zu einem selbständigen Staatswesen erklärt. 18 Sonderzüge rollten nun durch die deutschen Gaue, um die Teilnehmer in das abgetrennte Gebiet Danzig zu befördern. Verschiedene Sonderzüge benutzten dazu den Seeweg Swinemünde-Zoppot, die restlichen jedoch mußten durch 'den polnischen Korridor fahren. Auch ich hatte das „Vergnügen", den polnischen Korridor zu durchfahren. Am 10. August, 9.28 Uhr, war unser Zug im Bahnhof Chojnice (Könitz) eingefahren. Wir befanden uns nun auf polnischem Gebiet, der Korridor war erreicht. Alles lehnte sich aus den Fenstern. Was nun? Polnische Polizei, polnische Zollbeamte und polnische Eisenbahner belebten den Bahnhof. Ein polnischer Zollbeamte bediente sich in deutscher Sprache des Rufes „Gepäck öffnen", kurz darauf passierte ein anderer die Wagenabteile und durchstöberte das Reisegepäck ..ach verzollb ien Gegenständen. Es konnten nur mitgefühct werden: Ausstellung „Kampf und Sieg der Hitlerjugend^. Der Gauobmann des NSLB., Gau Hessen-Nassau, Ministerialrat Ringshausen, veröffentlicht folgende Mitteilung an bie Erzieher unb Erzieherinnen bes Gaues Hessen-Nassau: „Die anläßlich bes Gebietsaufmarsches am 1. unb 2. September 1934 veranstaltete Ausstellung „Kampf unb Sieg ber Hitlerjugenb" würbe am Sonntag. 19. August, in ber Festhalle zu Frankfurt a. M. eröffnet. Sie spiegelt an Hanb von Dokumenten aller Art ben Entwicklungsgang ber Hitlerjugenb burch Kampf unb Sieg, bie Arbeit von Tausenben, bie im Geiste bes Führers täglich in ber Front ber Hitlerjugenb zähe Arbeit leisteten. Die Ausstellung, bie bis zum 5. September läuft, muß jeber Erzieher, auch mit feiner Klasse (wenigstens ber Ober- unb Mittelstufe) auf sich wirken lassen. Der Eintrittspreis beträgt pro Schüler 10 Pfennig. Ein Bescheinigungsbericht über ben erfolgten Besuch ber Ausstellung ist über bie Kreisobleute an ben Unterzeichneten umgehenb ein- zusenben. Damit ber Besuch reibungslos vor sich gehen kann, melben bie Schulgruppen — möglichst kreisweise — mit genauer Abressenangabe (Fernruf) bie Anzahl ber Teilnehmer unb ben gewünschten Besuchstag an bie Ausstellungsleitung von „Kampf und Sieg der Hitlerjugend", Willy Ruder, Frankfurt a. M., Festhalle (Haus der Moden, Fernruf 73 430) und warten auf Abruf. Von dort ergeht noch Weisung über Fahrpreisermäßigung bei der Bahn an die Kreisobleute des NSLB." ZumTag ÖerlOOOOO inFrankfurta.M. Der Präsident ber Hessischen Hanbwerkskammer, Fritz Müller, erläßt ben nachstehenben Ausruf: Am 1. September veranstaltet bie Hitlerjugenb des Gaues Hessen-Nassau ein großes Treffen in Frankfurt am Main. Jeber, ben es angeht, muß sich an seinem Teil nach besten Kräften bemühen, dieser Jugendtagung zu einem weithin sichtbaren Erfolg zu verhelfen. Insbesondere richte ich an die Lehrmeister teilnehmender Lehrlinge den nachdrücklichen Appell, ohne irgendwelche Einschränkungen und ohne Anrechnung auf Urlaub den 1. September freizugeben! Unsere Gegenwart bedeutet nichts; die Zukunft, unsere Jugend: Alles. Stets müssen wir uns bewußt sein, das Aeußerste für sie zu tun, um ihrer einstigen Kritik standhalten zu können. Oie Zugehörigkeit zu Gesangvereinen. Das Staatspresseamt teilt mit: In Ergänzung ber Anorbnung bes Hessischen Staatsministeriums, wonach „Turnen unb Sport Pflicht jebes hessischen Beamten" ist, hat ber Herr Staatsminister in Anerkennung ber kulturellen Bebeutung bes beutschen Gesangvereins verfügt, „baß bei ben aktiven Sängern, soweit sie Beamte unb Mitglieber von Gesangvereinen sinb, nur eine Pflichtübung im Monat verlangt wirb, baß sie auch nicht verpflichtet sinb, Mitglieber von Turn- unb Sportgemeinben zu werben unb ben entsprechenben Mitgliebsbeitrag zu zahlen". Bezüglich der monatlichen Pflichtübung ergeht seitens des HSB. an bie einzelnen Gesangvereine besonbere Weisung. Chorleiter und Gesangvereine. Das Staatspresseamt gibt bekannt: Wir machen unsere Vereine wieberholt barauf aufmerksam, baß gemäß ber zwischen ber Reichsmusikkammer unb bem Deutschen Sängerbunb getroffenen Vereinbarung die Auswechselung eines nebenberuflich tätigen Chorleiters gegen einen Berufschorleiter nur nach sorgfältiger Prüfung durch den zuständigen Leiter ber Laubes- ober Ortsmusikerschaft unb ben zustänbigen Kreiswalter bes Deutschen Säuger- bunbes (Hess. Sängerbunb) zu erfolgen hat. Jeber Eingriff in bie Belange eines Vereins, insbesonbere Prüfung von Kassenbüchern, Akten usw. burch Unberufene, ist. verboten. Laut Anorbnung bes Buu- bes- unb Gauführers muß ber Singstunbenbetrieb unter allen Umftänben aufrechterhalten werben. Anberslautende unb irreführenbe Veröffentlichungen in ber Presse, Uebergriffe unb Zuschriften von irgendwelcher Seite sind sofort an die Geschäftsstelle ds HSB. (Darmstadt Stadthaus) zu melden. Gez.: Born, stellv. Bundesführer. MOMMMisl. Vornan von Gert Nothberg. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 23 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Farnhorst hatte ihr die Hand gestreichelt. „Liebe Tante Greta, ich liebe Helge, und ich bekomme ganz bestimmt die Einwilligung Noras. Ich kenne sie doch!" „Ja, Helge sagte mir schon so etwas. Aber trotzdem: Sie haben doch Helge hier kennengelernt, weil das ungehorsame Kind den Garten verlassen hatte", sagte Tante Greta. Aber ein wenig erleichtert fühlte sie sich doch, als Farnhorst so bestimmt versicherte, er werde die Einwilligung Noras schon bekommen zu seiner Heirat mit Helge. Und schließlich hatte ihn Tante Greta sogar noch eingeladen, zum Kaffee unb zum Abenbbrot bazubleibeu. Unb barüber war er nun hoch sehr glücklich. Aber sie bat ihn ängstlich, seine Besuche einstweilen einzustellen. Erst müsse Nora hier sein. Doch sie könnten sich ab unb zu einmal sehen und sprechen, Helge und er. Sie würde einfach öfters ihre alte Freundin, die Frau Pastor Holm, besuchen. Dort könnte man an neutralem Ort sich unterhalten. Darüber waren nun Helge unb Farnhorst sehr froh, unb Helge fiel ber Tante Greta stürmisch um ben Hals. Woche um Woche verging. Aber Nora kam noch immer nicht. Es waren nun nicht sechs Wochen bes Wartens geworben, sonbern elf. Unb es war nun Herbst! Ein wunbervoller Spätherbst! Die Rosen blühten noch in voller Pracht. Vielleicht, baß zwischen ihnen schon welke Sommerblumen ftanben, baß an bem roten Taubenkraut bie Blätter bürr unb hellgelb waren. Aber sonst hatte ber Garten kaum etwas von feiner Pracht eingebüßt. Da kam an einem Abenb Nora Norbström! Sie hatte ben Wagen schon eher verlassen, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Unb aufatmenb blieb sie ab unb zu stehen. Wie schön boch ihre Heimat war! Wie unenblich schön unb voll Frieben! Unb nun wollte sie acht lange Wochen hierbleiben! Unb sie wc>llte biefen Frieben genießen in vollsten Zügen. Wie sie sich auf Helge freute! Unb auf Tante Greta! Unb auf ben Garten! Nora Norbström roanbte sich um. Dort unten uhr langsam ber Wagen, ber ihre Koffer nach Haus Omslö hinaufschaffte. Dämmerung! Drüben auf bem Felsen, ber bicht am Meer hoch- tieg, schimmerte ein Helles blaues Licht. Es strahlte ternenförmig, würbe langsam rötlich unb war plötzlich verschwunden. Das Berglicht grüßte mich!, dachte Nora Norb- tröm und faltete die Hände. Man soll sich etwas wünschen, wenn man das Berglicht sieht. Ich wünsche mir, daß ich noch ein einziges Mal im Leben Fritz Farnhorst wiedersehe. Auch wenn er an der Seite einer anderen Frau ist. — Große schwere Tränen tropften auf Nora Nord- ftröms gefaltete Hände. Und doch wußte sie jetzt so gut wie damals, daß die Trennung von Farnhorst sein mußte. Oder — würde sie sich ein zweites Mal nicht von ihm trennen? Würde sie ein zweites Mal nicht kühl und vernünftig ihr Alter neben feine blühende junge Männlichkeit stellen und einfach vom Schicksal das unerhörte Geschenk seiner Liebe annehmen? „Käme er ein zweites Mal auf meinen Weg, dann würde ich ihn nicht fortschicken. Dann würde ich denken: Das Schicksal selbst will es so." Die schlanke, schöne Frau ging weiter. Immer weiter. Kam gerade vor dem Hause an, als der Wagen hielt und Tante Greta höchst verwundert zum Verandafenster herausspähte. „Nora! Du bist gekommen. Kind, warum schriebst du nicht noch mal? Nun hat dich niemand erwartet. Keine Blumen sind in deinem Zimmer. Nein, aber auch so etwas!" Tante Greta rief ins Haus hinein: H^ge — schnell, Nora ist gekommen!" Und da kam es im nächsten Augenblick den schmalen Gartenweg entlang gestürmt. Helge warf sich der Schwester an die Brust. Schluchzte vor Freude. Küßte und liebkoste. „Nora, daß du endlich gekommen bist! Diesmal hab ich doch so sehnsüchtig auf dich gewartet!" Glühende Röte lag auf dem reizenden Gesicht. Und der Schwester Hände legten sich um den feinen Kopf Helges. „Verbirgst du etwas, Helge?" „Nein! Tante Greta weiß alles." „Dann ist es gut, Kindskopf!" Nora Norbström war beruhigt. Irgendein Wunsch. Vielleicht ein Reitpferd? Die Kleine sprach mir schon einmal davon. Aber diesen Wunsch erfülle ich ihr nicht, bestimmt nicht! Denn ich hätte keine Ruhe mehr, weil ich sie immer verunglückt liegen sehen würde!, dachte sie. Helge lief vor ihr her ins Haus hinein. Und Nora folgte lächelnd. Kindskopf!, dachte sie noch einmal lächelnd. Lieber, goldiger Kindskopf! — Drinnen wurde es sehr gemütlich. Vorläufig mußte Nora erzählen. Und Tante Gretas alte Getreue packte inzwischen droben in Noras Stube die Koffer aus. Liebkosend strich ihre Hand über die seidene Wäsche, über bie wunbervollen Kleiber. Drunten im traulichen Wohnzimmer fragte Nora, nachbem man gegessen unb sie von sich selber alles Wesentliche erzählt hatte: „Nun, Helgekinb, beine Neuigkeit! Was willst bu mir sagen?" Da würbe bas junge Gesicht ernst. Seltsam gereift sah es aus. Helge sagte: „Nora, hier ist jemanb, ber bich gut kennt. Er hat so sehnsüchtig auf bich mit mir zusammen gewartet. Morgen wirb er kommen. Denn ich soll ihn boch gleich benachrichtigen, wenn bu kommst." Nora erschrak: „Doch nicht — Haimar Bergen? Es hätte keinen Zweck. Ich will keine Versöhnung. Unb — Haimar würbe sich nie änbern. Was sollte es also? Ganz abgesehen davon, daß ich ihn nicht mehr liebe." „Nein, Nora — Fritz Farnhorst will dich sprechen." Nora Norbström war aufgesprungen. Das Zimmer brehte sich um sie. Die schönen, blaugrünen Augen waren unnatürlich weit geöffnet. Sie zitterte am ganzen Körper. „Helge, Fritz Farnhorst ist hier? Er wartet auf mich?" Helges junges Gesicht - war traurig. In ben großen Kinberaugen lag ein unenbliches Weh. Helge aber war in biefem Augenblick fein Kind mehr. Sie verstand auf einmal alles! Alles! Heiß strömte ihr das Blut zu Herzen. Laut und anklagend sagte sie: „Du — hast Fritz Farnhorst sehr gut gekannt?" „Ja! Sehr gut. Ich schickte ihn fort, weil ich glaubte--Helge, ich kann das mit dir nicht besprechen. Du bist ein harmloses, fröhliches Kind. Was verstehst denn du von den Stürmen des Lebens! Aber ich freue mich, Fritz Farnhorst wieber- zufehen. Und nun möchte ich zur Ruhe gehen. Die Reife war anstrengend genug. Morgen früh ganz zeitig machen wir zwei einen weiten Spaziergang. Ja, Kleine?" „Ja, Nora, ich werde zeitig fertig fein. Unb ber Morgen ist am schönsten. Gute Nacht, Nora. Tante Greta bringt bich sicherlich hinauf. Ich werbe es ihr gleich sagen." „Gute Nacht, Helgekinb. Schlaf süß!" Nora küßte bie junge Schwester herzlich unb jpurte nicht bie kalte Abwehr, bie von Helge zu Gebrauchte (Begenftänbe für ben persönlichen Bedarf für bie Reise, Lebens- unb Genußmittel für bie Dauer ber Reise, bis zu 25 Zigaretten ober 10 Zigarren usw. Paßkontrolle fanb nicht statt, ba sie burch Sammelvisum bes zustänbigen Transportführers ersetzt würbe. Der Zug fuhr weiter. Etwas Walb, bebautes unb viel öbes Laub, einzelne Bäume unb Baumgruppen, hier unb ba ein Bahnwärterhäuschen, auch einige Häuser, Eisenbahner unb Bauern gaben das Gepräge eines anderen Volkes. Nach zweistündiger Fahrt waren wir in Tczew (Dirschau) und hatten damit den Korridor durchfahren. Freiweg fuhr der Zug jetzt nach Danzig, wo wir in einer Stunde glücklich ankamen. Die 19ftünbige Hinfahrt war geschafft. Eine SS.-Kapelle, sowie bie Danziger Bevölkerung bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Gegenüber bem Bahnhof war eine Wechselstelle eingerichtet worben, bort bekam ich für 10 Mk. 11,70 Danziger (Bulben. Ein Fackelzug, eine Kunbgebung der graphischen Jugenb, Gesang ber vereinigten graphischen Sänger Danzigs unb Königsbergs, ein Sprechchor bes graphischen Stoßtrupps unb Begrüßung ber Teilnehmer auf bem Langen Markt, beschlossen ben ersten Tag. Noch 21/2 Tage ftanben mir zur Verfügung bis zur Abfahrt mittels Sonberzuges in bie Heimat. Darum hieß es, sich etwas beeilen. Schon in aller Frühe ging’s nach bem Stranbdad Heubude, den Strand entlang nach Weichfelmünde, mit einer Fähre über die Tote Weichsel nach Neufahrwasser und wieder zurück nach Danzig. Während die Amtswalter tagten unb ernste Arbeit verrichteten, fuhr ich noch einmal nach Heubude, um einmal in der Ostsee ein Bad zu nehmen. Ein fast unbeschreibliches Erlebnis. Nachmittag und Abend waren dem Seebad Z o p p o t gewidmet. Mit dem Dampfer „Ru- gard" wurde eine zweistündige Fahrt in die Ostsee angetreten. Seekranke kannte man nicht. Aus dem Dampfer herrschte reges Treiben, auch wurde eifrig getanzt. Ein großzügig angelegtes Schlachtenfeuerwerk auf der Ostsee, welches ich mir vom Zoppoter Strand aus ansah, war fabelhaft und beschloß wieder einen Tag. Am Sonntagvormittag fanb ein Aufmarsch im Forster-Stabion zu einer gewaltigen Kunbgebung statt. Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter C o l e r wib- mete hierbei bem bahingefchiebenen beutschen Reichspräsibenten Generalfelbmarschall von Hin- benburg warme Worte für feine Ruhmestaten gerabe im beutschen Osten. Der Nachmittag brachte für mich noch eine Hafenrunbfahrt an ber Westerplatte vorbei in bie Danziger Bucht. Die Westerplatte hat leiber ihre Schönheit verloren, ba bie Polen in bas Grün ber Natur eine hohe Backsteinmauer haben aufrichten lassen. Hinter ihr sinb als Wache für bas polnische Munitionslager auf ber Westerplatte 88 polnische Solbaten unb 1 Major stationiert. Nun ging’s roieber in bie Stabt, um die Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, die so reichlich in Danzig vorhanden sind. Ich führe hier einige davon an: ber Artushof, geschaffen von ben Patriziergeschlechtern für ihre gesellschaftlichen Veranstaltungen (erbaut 1477—1481), bas Rathaus (erbaut um 1378), bie Marienkirche, an ber 160 Jahre gebaut mürbe, bie fünftgrößte Kirche ber Welt, wirb zur Zeit einer gründlichen Renovierung unterzogen, bas Uphageuhaus in ber Langgasse 12, bas Krantor (erbaut 1443), ben Stockturm, ben Milchkannenturm, bas Zeughaus usw. Deutsch ist bie Kunst, bie bie herrlichen (Bebäube erstehen ließ, Deutsche waren bie Künstler, bie an ber Ausschmückung bieser (Bebäube arbeiteten. Die Zeit war vorgeschritten, unb ich mußte Abschieb nehmen von ber gastfreunblichen Bevölkerung Danzigs. Wir Deutschen hoffen mit heißem Herzen, baß sich unser Sehnen bereinft erfüllen möge: „Danzig bleibt beutfch, unb reichs- beutfch muß es roieber werben!" H. B. Daten für Freitag, 24. August. 79 n. Ehr. (bis 26.): Pompeji, Stabiae unb Her- culanum durch Vefuvausbruch verschüttet; — 1572: Bartholomäusnacht (Pariser Bluthochzeit): Nieder- metzelung zahlreicher Hugenotten; — 1869: Dr.-Jng. ehrenhalber Julius Dorpmüller, Generaldirektor der Reichsbahn, geboren. ihr herüberwehte. Nora sah der jungen Schwester nach, bis die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte. Still war es in bem behaglichen, schönen Zimmer. Nora Norbström aber sagte ganz laut in biefe Stille hinein: „Ein zweites Mal schicke ich ihn nicht fort. Er konnte mich nicht vergessen, er kam hierher in meine Heimat, um mich zu erwarten. Unb nun will ich nicht mehr Schicksal spielen, nun soll alles an mich herankommen. Ich werbe mich treiben lassen." In bieser Nacht lag Nora Norbström noch lange wach unb bachte voll Glück: Fritz Farnhorst ist gekommen. Er hat hier auf mich gewartet. Alle Kämpfe waren umsonst. Unb alle schmerzliche Entsagung auch. — Und einige Zimmer weiter schlief auch Helge nicht. Mit großen, brennenden Augen starrte sie in die Mondnacht hinaus. Warum hat Fritz mir nicht alles gesagt? — das war ber eine Gebaute, ber ftänbig in ihrem Hirn kreiste. Plötzlich richtete sich Helge auf. „Ich liebe ihn! Unb nun ist biefes Mißverstäubnis in Nora. Nun glaubt sie, Fritz Farnhorst sei ihretwegen hierhergekommen. Was soll nun geschehen? Unb wenn Fritz Nora sieht — wirb er sie bann nicht roieber lieben müssen, meine schöne, rounber» schöne Nora? Unb ich liebe ihn boch auch? Aber roas liegt an mir, wenn es sich um Nora hanbelt?" Wieber lag sie ba, bie kleine Helge, unb bie Tränen liefen über bas feine, schmale Gesicht. „Ich sterbe, wenn man ihn mir nimmt. Ich kann nicht mehr von ihm lassen", wimmerte sie leise unb brückte bas Gesicht in bas Kissen. * Strahlen!) schön kam ber neue Tag heraus. Unb strahlenb schön unb jung staub Nora Norbström im Garten unb wartete auf bie Schwester. Blaß unb mübe kam sie enblich. „Kiub, wie siehst bu benn aus?" fragte Nora erstaunt. Sie strich liebkosenb über ben blonben Kopf. Unb babei bachte sie: Wie ähnlich sie mir wirb! Ist es nicht, als sei meine eigene Jugenb noch einmal auferstaubeu? — Aber Nora, biefe kluge, feinsinnige Frau, dachte nicht ein einziges Mal daran, daß sie in einem furchtbaren Irrtum befangen fein könne. Sie ahnte nicht, daß gerade diese von ihr so abgöttisch geliebte junge Schwester ihr ben Stempel unter bas eigene Alter brücken würbe. Ein weiter Spaziergang. Gegen neun Uhr waren bie Schwestern roieber baheim. Unb gegen elf Uhr erwartete man Doktor Farnhorst. (Schluß folgt) Oberheffen. Gemeinderat in Schotten. Schotten, 23. August. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung der Bürgermeister unseren verstorbenen Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Gemeinderat erhob sich zu Ehren des großen Toten. Dem Gemeinderatsmitglied Kreisleiter K r o m m wurden anläßlich seines gestrigen 55. Geburtstages die herzlichsten Glückwünsche des Gemeinderats durch Ortsgruppenleiter Zeschky und den Bürgermeister ausgesprochen. Der W a l d w i r t s ch a f t s p l a n für das Rj. 1935 wurde durchgesprochen; nach ihm sind 800 Festmeter Holz für den Einschlag vorgesehen. Das Ergebnis der Ausschreibung des Einbaues einer Zentralheizung im Finanzamts- g e b ä u d e wurde bekanntgegeben. Eine Unklarheit wird noch mit dem Landesfinanzamt bzw. dem Reichsbauamt besprochen, alsdann wird der Gemeinderat den Zuschlag erteilen. Der Bau des Ehrentempels auf der Warte war ausgeschrieben worden. Das Angebot des H. W. Schütz (Schotten) war annehmbar und am billigsten. Mit dem Bauamt werden noch einige Punkte über den Bau, den man bis zum Spätherbst einweihen will, besprochen. Die alte Herberge ist sehr baufällig und kann in diesem Zustand unmöglich belassen werden. Nach eingehender Besprechung der Herbergsfrage beschließt der Gemeinderat die Wiederherstellung und den Einbau eines weiteren Zimmers im Dachgeschoß. Die Oeffa stellt zwecks Arbeitsbeschaffung weitere Mittel zur Verfügung. Um sich an dem großen Werk der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu beteiligen, beschließt der Gemeinderat, die Stadtbach, soweit sie noch offen ist und zu steten Verunreinigungen Anlaß gibt, zuzulegen, so die Strecke am Kreisamtsgarten, innerhalb der Stadt u. a. Es wird Klage über den schlechten Z u - stand der Oberwald st raßen geführt, die mit dickem Material eingedeckt sind, ebenso über die hohen Benutzungsgebühren für die Autobusse, wodurch der Fremdenverkehr stark leidet. Mit den maßgebenden Stellen soll eine Aussprache stattfinden. Unter Hinweis auf die große Vertrauenskundgebung des deutschen Volkes für unfern Führer und Kanzler Adolf Hitler bei der Abstimmung am Sonntag schließt der Bürgermeister mit einem Sieg- Heil auf den Führer die Sitzung. 28. Oberhessischer provinzial- Feuerwehrtag in Bad-Nauheim. * Bad-Nauheim, 24. Aug. Unsere hessische Vadestadt hat am Rande der Taunuswälder einen Fest- und Sportplatz in diesen Tagen fertiggestellt. Der schöne Waldfestplatz findet seine erste Verwendung bei dem großen Oberhessischen Feuerwehrfest, das in Verbindung mit dem 2 8. Provinzial - Feuerwehrtag vom 25. bis 27. August hier durchgeführt wird. Ditz Anmeldungen zu der Veranstaltung sind bei der Festleitung, an deren Spitze der in Feuerwehrkreisen bekannte Ober-Brandmeister Albert Fisch steht, in großer Zahl eingelaufen. Zum Festsonntag allein sind fünfzig'große Wehren mit rund 20 Musikkapellen und Spielmannszügen zu erwarten. Die Delegierten und Feuerwehrgäste aus dem rhein-mainischen Bezirk, besonders aus den oberhessischen Orten (rund 400 an der Zahl) treffen bereits am Samstag zum 28. Oberhessischen Feuerwehrtag ein, der nachmittags in der Turnhalle der Turngemeinde durch Branddirektor Braubach (Gießen) mit der Begrüßung der parteiamtlichen und der Behördenstellen eröffnet wird und anschließend wichtige Verbandsfragen zu behandeln hat. Der Samstagabend bringt auf dem neuen Festplatz einen Festkommers, in dessen Dienst sich die Turngemeinde, Radfahrer-Vereinigung, der Gesangverein „Frohsinn-Liedertafel" und die Feuerwehrkapelle mit sportlichen und musikalischen Darbietungen zeigen werden. Am Festsonntag findet nach der Gefallenenehrung am Ehrenmal der Stadt Bad-Nauheim und nach dem Empfang der auswärtigen Wehren am Vormittag in der Trinkkuranlage eine Schulübung der Bad-Nauheimer Wehr statt. Gleichzeitig werden auf der Adolf-Hitler-Straße die Vorbereitungen getroffen zu einer großen Brandangriff-Schauübung, an der außer der Feuerwehr auch die gesamte Bad-Nauheimer Sanitätskolonne mitwirkt. Die umsichtige Vorbereitung der Veranstaltungen bietet Gewähr dafür, daß die Vorführungen sich zu wertvollen Lehrdarbietungen gestalten und jedem Besucher einen nicht alltäglichen Anschauungsunterricht erteilen werden. Der Festzug am Nachmittag durch die Straßen der Stadt zum Festplatz hat eine Ausdehnung von 1200 Meter. Es werden rund 3000 Feuerwehrleute aufmarschieren. Eine besondere Note werden diesem festlichen Aufmarsch die historischen Gruppen geben, die Bilder aus der Geschichte des Feuer- lösch- und Feuerwehrwesens darstellen. Die hessische Badestadt ist gerüstet zum Empfang ihrer Gäste aus Nah und Fern. Sie wird alles aufhieten, um den ersten Oberhessischen Feuerwehrtag im Dritten Reich zu einer würdigen und eindrucksvollen Kundgebung für die unter dem Wahlspruch „Einer für alle, alle für einen" stehende gemeinnützige Tätigkeit unserer Feuerwehren und zu einem Bekenntnis für Führer und Volk zu gestalten. Man beachte die heutige Anzeige. Gefallenen-Gedächtnisfeier. :/: Eichelsdorf, 23. August. Anläßlich der 2 0. Wiederkehr des Kampftages von Anloy, an dem die Hessische Division erstmalig im Weltkrieg in die Kampfhandlung eingriff und nach sehr verlustreichem Angriff die stark verschanzten Franzosen zurückwarf, fand gestern Abend in der Kirche eine ergreifende Gedächtnisfeier statt. Die Parteiorganisation nebst ihren Nebengliederungen (SA., HI., BdM., Frauenschaft und Jungvolk), Krieger-, Turn- und Gesangverein sowie eine große Anzahl anderer Gemeindeglieder füllten den Raum bis zum letzten Platz. Pfarrer V o t h würdigte in großen Zügen das gewaltige Geschehen im Weltkrieg und die unvergleichlichen Heldentaten des deutschen Heeres, das einer Welt von Feinden trotzigen und erfolgreichen Widerstand leistete. Er schilderte eingehend die Kampfereignisse des 22. August, die siegreich endeten, aber eine Wolke der Trauer über die hessischen Lande deckten. In mahnenden Worten, in Treue, Dankbarkeit und Stolz der Gefallenen zu gedenken, die für die Größe des Vaterlandes starben, schloß sich, während sich die Fahnen senkten, das Lied vom guten Kameraden an. Anschließend führte Lehrer Würz- Eichelsdorf die Kampfteilnehmer und die übrigen Versammelten imLichtbild auf das Schlachtfeld von Anloy, zeigte die Anmarschwege der verschiedenen hessischen Regimenter, die Brennpunkte des Kampfes und die Ruhestätte der Gefallenen. Die Franzosen, die an diesem Tage weit größere Verluste aufzuweisen hatten, ruhen mit unseren gefallenen Brüdern auf einem Friedhof. Die feierliche Gedenkstunde fand ihren Ausklang mit dem von dem Gesangverein „Eintracht" (Chorleiter Ad. Rau) vorgetragenen Chor „Wach auf, du deutsches Land". t!aiiöriTie '»»'nen „)( Großen-Linden, 24. Aug. Die noch sehr rüstige Witwe Christina P e p p l e r, Wirtin „Zur Linde", feiert am morgigen Samstag ihren 8 4. G e- b u r t 5 t a g * Allendorf (Lahn), 23. Aug. Am gestrigen Mittwochabend stürzte kurz vor unserem Orte der 29 Jahre alte Unterfeldwebel August Heid von hier, der von Gießen kam, mit seinem Motorrad so unglücklich, daß er einen Bruch des linken Beines und Prellungen am Oberkörper davontrug. Der bedauernswerte Soldat wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen nach der dortigen Chirurgischen Klinik gebracht. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert. * Lich, 24. Aug. Die am Montagabend auf der Landstraße Hattenrod—Lich durch Auffahren mit ihrem unbeleuchteten Fahrrad auf ein ebenfalls unbeleuchtetes Holzfuhrwerk schwer verunglückte Maria Jüngel aus Saasen befindet sich im hiesigen Krankenhause erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung. Lebensgefahr besteht für das bedauernswerte Mädchen nicht mehr. Kreis Schotten. □ Laubach, 23. Aug. Der Landwirt und Alt- neteran Konrad Salzmann beging gestern bei voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 8 5. Geburtstag. Kreis Lauterbach. * Lauterbach, 23. Aug. Aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Herbstein wurde gestern eine Zigeunergesellschaft von 7 Männern und 3 Frauen in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Die Gesellschaft hatte man in Altenschlirf beim Wäsche- diebstahl erwischt und verhaftet. Da sich die Verwahrungsräume in Herbstein nicht als ausreichend erwiesen, mußte die Diebesbande hierher gebracht werden, um für die Diebstähle und das Landstreichertum der gerichtlichen Verurteilung entgegenzusehen. 60 we Laubacher Schüheuvereiu. Jubiläumsfeier und < L a u b a ch, 23. Aug. Auf den mustergültigen Schießanlagen des Laubacher Schützenvereins wurde am vergangenen Sonntag und Montag die Feier des 60jährigen Bestehens des Schüt- zenvereins Laubach, verbunden mit einem Freundschaftsschießen der dem seitherigen Bezirksschützenverband Hessen-Nassau angehörigen Vereine abgehalten. Die Beteiligung war sehr gut. Vertreten waren die Vereine von Alsfeld, Bad Homburg, Betzdorf, Biedenkopf, Butzbach, Gießen, Haiger, Kirchen (Sieg), Laasphe, Laubach, Lich, Marburg, Nidda, Neunkirchen (Sieg), Schotten, Sieaen, Wallau, Wehbach (Sieg) und Wetzlar. Geschossen wurde auf 22 Ständen, und zwar auf Feld (300 Meter), Stand (175 Meter), Auflage (100 Meter), Wildstand (60 Meter) und Kleinkaliber (50 Meter). Nachdem am Samstagabend die Schießkommission die letzten Vorbereitungen getroffen hatte, wurde der Sonntagvormittag mit dem Gesell- scbaftswettschießen begonnen, an dem sich zehn Vereine beteiligten. Den ersten Preis errang die Mannschaft des Gießener Schützenvereins (Gg. Appel, W. Georg und Gg. Schilkin g) mit 547 Ringen von Marburg mit 539 Ringen. Nachmittags entwickelte sich auf dem Festplatz, wo die Kapelle des Laubacher Musikoereins konzertierte, reges Leben. Abends fand im Schützenhof ein Tanzvergnügen statt. Das Schießen wurde von Montagfrüh bis zum Eintritt der Dämmerung fortgesetzt. Um 11 Uhr trafen sich die Schützen zur letzten Gautagung des durch die Neueinteilung in Auflösung befindlichen Bezirks-Schützen-Verbandes Hessen-Nassau im Festzelt. Aus dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden Kamerad Gg. Kramer (Biedenkopf) war zu ersehen, daß die Schützensache auch im letzten Jahre Ireundschastsschießen. wieder in der gewohnten Weife gefördert worden war. Die Rechnungslegung ergab keinen Anstand. 2luf allgemeine Anregung hin wurde beschlossen, die seit Jahren unter den zusammengeschlossenen Vereinen bestehende enge Kameradschaftlichkeit durch alljährliches Abhalten eines Freundschaftsschießens weiterhin aufrechtzuerhalten. Mittags fand die Jubiläumsfeier anläßlich des 60jährigen Bestehens des Laubacher Schühenvereins stall. Zunächst begrüßte der 1. Schützenmeister Friedrich Rudolf Stotz I. die zahlreich erschienenen Gäste und Schützenbrüder und gab einen eingehenden Rückblick a u f bi« Vereinsgeschichte. Gauschießsportleiter Kramer beglückwünschte sodann den Verein zu seinem Jubelfeste und gab dahingehend seiner Hoffnung Ausdruck, daß der Geist der Gründer auch für die Zukunft alle Schützen beseelen möge. Er überreichte als Geschenk der Gast- oereine einen silbernen Fahnennagel. Mit einem Treugelöbnis zu Führer, Volk und Vaterland schloß Kamerad Kramer seine trefflichen Ausführungen. Anschließend wurde das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gemeinsam gesungen. Bürgermeister H ö g y sprach als Vertreter der Stadt Laubach und dankte gleichzeitig in seiner Eigenschaft als 2. Schützenmeister dem Gausportleiter Kramer sowohl für das schöne Geschenk als auch für feine jahrelange treue Führung des aufgelösten Bezirks- Schützen-Verbandes Hessen-Nassau und forderte zur weiteren gemeinsamen Arbeit zum Wohle des Deutschen Schützenbundes auf. Nachdem das Fest bei herrlichem Wetter einen guten und reibungslosen Verlauf genommen hatte, wurde abends im Schützenhof die Preisverteilung oorgenommen, die auf den Fe st scheiben folgendes Ergebnis hatte: Ä. 100 Meter Auflage: 1. H. Becher (Betzdorf); 2. K. Biedermann (Alsfeld); 3. F. Möbs (Gießen); 4. H. Griebel (Marburg); 5. W. Hahn Lich); 6. A. Morgenschweiß (Wehbach); 7. O. Müller (Siegen) 8. H. Sauer (Gießen); 9. E. Stahl (Siegen); 10. Dr. Roßbach (Laubach); 11. E. Högy (Laubach); 12. K. Neumann (Schotten); 13. I. Elmshäuser (Marburg); 14. W. Georg (Gießen); 15. I. Rkiffenrath (Neunkirchen); 16. G. Thome (Wallau); 17. Fr. Stotz Laubach); 18. F. Kräh (Kirchen); 19. H. Germann (Wetzlar); 20. W. Vetter (Marburg); 21. A. Balser (Wallau); 22. K. Ruppel (Alsfeld); 23. Ludw. Hohmann jun. (Laubach); 24. H. Buchhammer (Alsfeld); 25. I. Wießler (Butzbach); 26. F. Oßwald (Würgendorf); 27. W. Stauf (Siegen); 28. K. Becker (Laubach). B. 17 5 Meter freihand: 1. O. Müller (Siegen); 2. F. Kräh (Kirchen); 3. H. Vetter (Marburg); 4. I. Dingeldey (Alsfeld); 5. W. Georg (Gießen); 6. H. Müller (Schotten); 7. G. Schilling (Gießen); 8. W. Ruppertsberg (Marburg); 9. W. Neumann (Schotten); 10. E. Stahl (Siegen); 11. H. Becher (Betzdorf); 12. A. Manegold (Marburg); 13. H. Dippel (Gießen); 14. F. G. Ermert (Herrn- dorf). C. 300 Meter freihand: 1. H. Müller (Schotten); 2. H. Griebel (Marburg); 3. A. Vogt (Laasphe); 4. O. Müller (Siegen); 5. H. Sauer (Gießen); 6. G. Kramer (Biedenkopf); 7. I. Elms- Häuser (Marburg); 8. H. Appel (Gießen); 9. K. Neumann (Schotten); 10. H. Buchhammer (Alsfeld); 11. O. Dula (Marburg). D. Lorenz-Gewehr-Fe st scheibe: 1. G. Schilling (Gießen); 2. A. Manegold (Marburg); 3. O. Müller (Siegen). — Die Ergebnisse der übrigen Scheiben werden mir noch veröffentlichen. 1. Kreisfest der Turnerinnen am 25. und 26. August zu Grünberg. Endlick ist nun auch das Frauenturnfest heran- gefommtn. Am nächsten Sonntag (26. d. M.) kämpfen in Grünberg über 300 Turnerinnen des Turnkreises Lahn-Dill um den Eichenkranz. Jedem für deutsches Turnen empfänglichen Menschen bereitet es Freude, unsere Turnerinnen bei der Arbeit zu sehen. Was sie leisten, das zeigen sie am nächsten Sonntag. Es sind spannende Wettkämpfe und Gemeinschaftsübungen, sowie anmutige Volkstänze zu erwarten. Geturnt wird in vier Stufen. Turnerinnen-Ober- und Unterstufe sowie Jugendoberstufe bestreiten einen Sechskampf, bestehend aus zwei Geräteübungen, zwei gymnastischen und zwei volkstümlichen Hebungen. Die Jugendunterstufe ringt in einem Fünfkampf um den Sieg. Grünberg hat das Fest gut zugerüstet und ist bereit, seine Turnergäste mit Willkomm zu empfangen. VfB.-Heichsbahn-Leichtachletik. 0. Luh startet in Kassel. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Gau XII Nordhessen in Kassel ein Olympia-Werbesportfest, verbunden mit den Gau-Mehrkampfmei- sterschaften. Auch der VfB.-Reichsbahn will bei dieser erstklassigen Prüfung vertreten sein. Er entsendet deshalb seinen bekannten Leichtathleten O. Luh nach Kassel. Luh bestreitet den Werfer- Fünfkampf, bestehend aus Kugel, Diskus, Stein, Hammer und Schleuderball. Ferner nimmt er am Kugelstoßen und am Schleuderballwerfen als Einzelkämpfer teil. Luh trifft auf erstklassige Konkurrenz aus dem Reich, da zu dieser Veranstaltung ast sämtliche Spitzenkönner eingeladen worden inb. Er muß also mit allem Ernst bei der Sache ein, wenn er Erfolge erringen will. Bei seiner derzeitigen guten Trainingsform sollte er immerhin gut abschneiden. Man hofft, daß er auch in Kassel die Gießener Leichtathleten ehrenvoll vertritt. Gauliga Termine von Nordheffen. 2. 9.: Spielv Kassel — Langenselbold; Germania Fulda — Hessen Hersfeld. 9. 9.: Kurhessen Kassel — Germania Fulda; Hessen Hersfeld — SC. 03 Kassel; Borussia Fulda — Spielv. Kassel; Langenselbold — Hanau 93; VfB. Friedberg — Sport Kassel. 16. 9.: Hanau 93 — VfB. Friedberg; Germania Fulda — Sport Kassel; Hessen Hersfeld — Borussia Fulda. 23. 9.: Sport Kassel — Hanau 93; Langenselbold — Kurhessen Kassel; VfB. Friedberg — Kassel 03; Germania Fulda — Borussia Fulda. 30. 9.: Kassel 03 — Spielv. Kassel; Hanau 93 — Kurhessen Kassel; VfB. Friedberg — Borussia Fulda; Germania Fulda — Langenselbold. 7. 10.: Borussia Fulda — Kassel 03; Kurhessen Kassel — VfB. Friedberg; Langenselbold — Hessen Hersfeld. 14. 10.: Sport Kassel — Spielv. Kassel; Hessen Hersfeld — Kurhessen Kassel; Hanau 93 — Germania Fulda; Kassel 03 — Langenselbold. 21.10.: Kurhessen Kassel — Kassel 03; Hanau 93 — Spielvereinigung Kassel; VfB. Friedberg — Germania Fulda; Borussia Fulda — Sport Kassel. 28.10.: Hessen Hersfeld — Sport Kassel; Spielverein Kassel — Kurhessen Kassel; Kassel 03 — Germania Fulda; Borussia Fulda — Hanau 93; Langenselbold — VfB. Friedberg. 4.11.: Sport Kassel — Kassel 03; Germania Fulda — Spielverein Kassel; Hanau 93 — Hessen Hersfeld. 11.11.: Kurhessen Kassel — Borussia Fulda; VfB. Friedberg — Hessen Hersfeld; Langenselbold — Sport Kassel. 18.11.: Kassel 03 — Hanau 93; Spielverein Kassel — Hessen Hersfeld; Borussia Fulda — Langenselbold. 25.11.: Sport Kassel — Kurhessen Kassel; Spiel- verein Kassel — VfB. Friedberg. Der Gau Nordheffen im Zeichen der Gaartand-Treuestaffet. 150000 Läufer bewältigen 17068 Kilometer. Wie bekannt, wird in den Tagen vom 20. bis 26. August die große Saarlandtreuestaffel gelaufen, die sich aus 10 Hauptläufen und 73 Nebenläufen in einer Gesamtlänge von 17 068 Kilometer zusammensetzt. Das bedeutet, daß fast der halbe Erdumfang durchlaufen wird.) Die Zahl der Beteiligten, die von sämtlichen deutschen Turn- und Sportverbänden gestellt werden, soweit sie dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen angehören, beläuft sich auf 15 0 0 0 0 Läufer. Mit der Organisation der großen Treuestaffel ist vom Reichssportführer die Deutsche Turnerschaft beauftragt worden, die auch die beiden Vorläufer dieses größten aller Staffelläufe, den Lauf zum Völkerschlachtdenkmal 1913 und den Hermanns-Lauf zum Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald im Jahre 1925 (137 000 Turner und Turnerinnen) in vorbildlicher Weife durchgeführt hat. Die 10 Hauptläufe der Saartreuestaffel nehmen ihren Ausgang von geschichtlich bedeutsamen Grenzstätten unseres geeinten Vaterlandes und führen zum Ehrenbreit st ein zur großen Saarkundgebung am 26. August, bei der auch unser Führer sprechen wird. Durch das Gebiet unseres Gaues Nordheffen gehen nicht weniger als vier der Hauptläufe und drei Nebenläufe. Insgesamt haben nahezu 6000 Läufer in unserem Gau 1000 Kilometer zurückzulegen. Gauoberturnwart R. Paul (Gießen), der für unser (Saugebiet verantwortliche Organisator, hat den Laufplan bis in alle Einzelheiten ausgearbeiket; feine Laufleiter und Streckenobleute unterstützen ihn bei der Durchführung des großangelegten Planes. Durch unser Gaugebiet führen vorn 25. zum 26. August die Hauptläufe I, II, III und X. Hauptlauf 1, der bereits am 20. August in der ostpreußischen Grenzstadt Eydtkuhnen begonnen hat (wir berichteten darüber) und mit 1773 Kilometer der längste aller Läufe ist, tritt bei Hann.-Münden in das Gebiet des Gaues Nordheffen über, führt über Kassel, Bad Wildungen, Biedenkopf, Dillenburg, Westerburg Montabaur zur Gaugrenze und von da in kurzer Zeit zum Ehrenbreitstein. (Laufleiter für das Gaugebiet ist Kreisoberturnwart Hausse, Kassel, Pressebegleiter: DT.-Kreispressewart Dr. Lauterbach, Kassel.) Hauptlauf II, ZU dem am 22. August an der oberschlesischen Grenze gestartet wurde, erreicht am 25. August, 18.30 Uhr, bei Berka die Gaugrenze, führt dann über Hers- seld, Schlitz, Lauterbach, Alsfeld nach Gießen (26. August, 2.35 Uhr), von hier aus über Braunfels, Wetzlar, Weilburg, Limburg, Dietz, Bad-Ems zur Gaugrenze am Ehrenbreitstein. (Laufleiter innerhalb des Gaues Nordhessen ist Gauoberturn- \Aroteen dar Moni Fulda 'FMedbery Jer 6au Nordhessen v. dieSaarlreue&afti. ton (kn D Haupt läufst Oer SavtreueOrtetführen romib-26: Äugest durch dm bebtet des Gaues Jt Nordhessen BteHaupHäuftflJ tndr.&rriedu Ntotnläufclfig unatngt. Ehren- breitstem f en Schotten 0. 5| Hemau Saodand-Treuesfafel vom2O-26. August 1934 Hauptlauf« j Webenlauf« [ Karte }ur Die Karte zeigt den Verlauf der Saarland-Treuestaffeln im Gebiet des Gaues XII, wart Paul, Gießen, Pressebealeiter: Gaupresseführer Oßwald, Bad-Nauheim). In Gießen nimmt Hauptlauf II die durch das Gaugebiet führenden Nebenläufe auf. Dom Herkules bei Kassel führt der Neben- lauf II f durch die alten chattischen Stammlande über Wabern, Homberg a. d. E., Ziegenhain, Treysa, Kirchhain, Marburg, Lollar nach Gie - ß e n zum Hauptlauf. Von der südlichen Gaugrenze nimmt, von Bad Vilbel ausgehend, Nebenlauf II g 1 seinen Weg durch die Wetterau über Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach nach Gießen. In Bad-Nauheim, wo in mitternächtiger Stunde eine kleine Feier stattfindet, mündet der Nebenlauf II g, vom Vogelsberg (hoherodskopf) kommend und über Schotten, Nidda, Reichelsheim und Dorheim führend, in den Lauf Vilbel—Gießen ein. Streckenleiter für die Nebenläufe sind: Kassel— Gießen: Bezirksturnwart Ries (Kassel) und Kreisoberturnwart M. Textor (Marburg); Vilbel—Gießen: Kreisoolksturnwart Wenzel (Glauberg); hoherodskopf — Bad-Nau- Heim: Kreisoberturnwart Dr. S i e g e r t (Stockheim) und Kreisjugendturnwart Betz (Kefenrod). Hauptlauf Hl, der am 24. August in Zittau (Sachsen) begonnen hat, führt bei Geisa in der Rhön in unser Gaugebiet. berührt dann Hünfeld, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau (Feier!), tritt dann in das Gebiet des Gaues XIII Südwest über, erreicht aber bei Lorchhausen wieder den Gau Nordhessen, der bei Horchheim (kurz vor dem Schluß des Laufs am Ehrenbreitstein) wieder verlassen wird. (Laufleiter für den Gau ist Kreisoberturnwart P u n g s (Hanau), Pressebegleiter DT.-Kreispressewart N i k - kes (Hanau). Hauptlauf X, hat am 22. August in Nordschleswig an der deutsch- dänischen Grenze seinen Anfang genommen. Er führt über Hamburg, Schwerin, Lanz bei Lenzen (Geburtsort Jahns), Braunschweig, Hannover, Hildesheim und tritt bei Wrexen in das Gebiet des Gaues Nordhessen. Von hier geht es durch das waldecksche Land über Arolsen, Corbach nach Herz- Hausen am Edersee und von da weiter über Frankenberg, Battenberg, Hatzfeld zur Gaugrenze des westfälischen Turngaues. (Laufleiter im Gau Nord- Hessen ist Kreisoolksturnwart Voßhage (Cor- bach), Pessebegleiter DT.-Kreispressewart Müller (Corbach). hunderttausende tragen in diesen Tagen die Urkunden mit den Treuebekenntnissen zum Führer und zur deutschen Saar, von Ort zu Ort und treten damit ein für unsere Volksverbundenheit, für die es «mr eine Losung geben kann: „heil dem Führer!" „Deutsch ist die Saat!“ Schlageters Bruder: Staffel-Läufer. Der Lauf 6 (Baden), der am Denkmal Albert Leo Schlageters in Schönau (Schwarzwald) ihren Anfang nimmt, hebt sich im Rahmen der Saarland-Treueftaffel insofern hervor, als der Bruder Leo Schlageters als Anfangslaufer den Kocher in Empfang nimmt. Schlageter wird auch auf dem Ehrenbreitftein in Koblenz mit den Urkunden als Schlußläufer dem Führer persönlich übergeben. Ringkampf Saarbrücken-Gießen verschoben. Der für Samstag, 25. August, vorgesehene Freundschaftskampf im Ringen Saarbrücken — Gießen muß aus Anlaß der Saarkundgebung in Koblenz auf Samstag, 1. September, verlegt werden. Schwedensieg im Modernen Fünfkampf Bei Stockholm wurde ein Wettbewerb des modernen Fünfkampfes mit dem 4000-Meter-Gelände- lauf abgeschlossen. Die überraschenden Ergebnisse brachten eine ziemliche Umwälzung des bisherigen Gesamtstandes. Sieger des 4000-Meter-Laufes wurde der Schwede Lt. von B o i s m a n in 14:38,2 Min., eine in Anbetracht der großen Hitze sehr gute Zeit. Auch auf dem 2. Platz endete ein Schwede, Rittmeister Oxenstierna. Oblt. Birk konnte den 3. Platz behaupten. Oblt. h a n d r i ck wurde 5., Oblt. P ü t t m a n n 10., Oblt. Ein - Wächter 16. Im Gesamtergebnis konnte der schwedische Lt. Thofelt, der als Zehnter einkam, die Führung behaupten und damit den Wettbewerb als Gesamtsieger beenden vor seinem Landsmann Oxenstierna. Oblt. Birk rückte gegenüber dem Vortag auf den 3. Platz vor, wahrend Oblt. Einwächter diesen mit dem 8. vertauschen mußte, noch vor ihm placierte sich Oblt. Handrick. Gesamtergebnis des Modernen Fünfkampfes: 1. Oblt. Thofelt (Schweden) 26 P.; 2. Rittm. Oxenstierna (Schweden) 26,5 P.; 3. Oblt. Birk (Deutschland) 27 P.; 4. Lt. Orban (Ungarn) 27,5 P.; 5. Lt. von Boisman (Schweden) 28,5 P.; 6. Oblt. Handrick (Deutschland) 33 P.; 7. Lt. Almgren (Schweden) 38 P.; 8. Oblt. Einwäch - ter (Deutschland) 39,5 P.; 17. Lt. Püttmann (Deutschland) 67 P. Länderwertung: 1. Schweden 8 P.; 2. Deutschland 17 P.; 3. Ungarn 25 P.; 4. Finnland 44 P. Gchmelina-Neusel. Boxkampflag in Hamburg. Der Boxsport zum Wochenende steht im Zeichen des großen Hamburger Kampfes zwischen Max Schmeling und Walter N e u s e l. Die ehemalige Hamburger Dirt-Track-Bahn ist auf ein Fassungsvermögen von 120 000 Personen umgearbeitet worden. Der Kampf ist recht interessant. Max Schme- ling, ehemals Weltmeister im Schwergewicht und der erste deutsche Boxer, der die Weltmeisterkrone in Amerika erringen konnte und der stürmisch nach vorn drängende Westdeutsche Walter N e u s e l sind zwei Boxer erster Klasse, wobei man jedem den Sieg von Herzen gönnen kann. Für beide steht bei diesem Kampf viel auf dem Spiele, das meiste allerdings für Neusel, der im Begriff steht, eine große Karriere zu machen, die durch eine Niederlage gegen Schmeling vielleicht eine vorläufige Unterbrechung erfahren kann, während Schmeling durch einen Sieg über den Westdeutschen wieder Jemen Anschluß an die Weltklasse finden kann. Der Kampf geht über zwölf Runden und wird durch em umfangreiches Programm umrahmt. (5pneifter Hans Schönrath trifft auf den fchlagftarken Spanier Gastanaga, Adolf Witt (Kiel) kämpft mit Adolf Heuser (Bonn) um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht und Stegemann boxt gegen Köhler um die deutsche Meisterschaft im Leichtgewicht. Der Start zum ersten Rad-Länderkampf Deutschland — Polen, der in Gestalt einer Fünf- Etappen-Fahrt von Berlin nach Warschau durchgeführt wird, am Morgen des 22. August in Berlin-Friedrichsfelde. : v'i - W ' 4 ■ ■ MW -- * » W Scheller gewinnt auch die 2. Etappe. Auch die zweite Etappe der Radfernfahrt Berlin- Warschau, die gleichzeitig als Länderkampf zwischen Deutschland und Polen gewertet wird, endete mit einem deutschen Siege. Wieder war es der Bielefelder Scheller, der als Erster am Ziel in Pofen ankam. Er benötigte eine Fahrzeit von 3:21,30 Stunden, für die 103 Kilometer und schlug Hauswald-Siegmar im Endspurt nur um eine Länge. Die Polen schnitten diesmal besser ab. Ihr bester Mann, Kielbasa, kam auf dem dritten Platz ein. Im großen Ganzen schnitten die Polen wesentlich besser ab als auf der ersten Etappe, sie konnten den deutschen Sieg aber nicht gefährden. Auch im Gesamtergebnis konnte Deutschland seinen Vorsprung wieder vergrößern, denn unter den zwölf schnellsten Fahrern befanden sich nur drei Polen. Gesamtergebnis des Länderkampfes nach zwei Etappen: 1. Deutschland 65:55:32,4 Stunden, 2. Polen 69:39:02,0 Stunden. Zwei Jahre Gefängnis für Frankfurter Kommunistenkührer. Frankfurt, 23. Aug. (LPD.) Der I. Senat des Volksgerichtshofes verurteilte am Donnerstag den 36jährigen Leiter der Trotzki-Gruppe in Frankfurt a. M., Wilhelm Dort er, wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Aufrechterhaltung des organisatorischen Zusammenhaltes einer verbotenen Partei zu zwei Jahren Gefäng- n i s. Der Angeklagte war durch seine Tätigkeit am Institut für Sozialwissenschaft in Frankfurt mit der marxistischen Lehre in Berührung gekommen und dann auf dem Wege über die KPD.-Opposition zur sozialistischen Arbeiterpartei (SAP.) übergetreten, deren linken Flügel, die Trotzki-Gruppe, er in Mainz und in Frankfurt leitete. Das von ihm herausgegebene illegale Schriftenmaterial hatte er versehentlich am 11. September v. I. in einem Straßenbahnwagen liegen gelassen. Bekanntmachung betreffend den Ankauf von volljährigen Truppen- Pferden im Herbst 1934. Vorn 15. August 1934. Nachstehend bringen wir eine Bekanntmachung des Herrn Reichswehrministers vom 24. Juli 1934 über den Ankauf volljähriger Truppendienftpferde im Herbst 1934 zur Kenntnis. 4890V Darmstadt, den 15. August 1934. Abteilung le (Landwirtschaft) im hessischen Staatsminifterium. Gez.: Dr. Wagner. Berlin, den 24. Juli 1934. Vergessen Sie bitte nicht bei Ihren Einkäufen Sejctilfiaus Graf Ankauf volljähriger Truppendienstpferde im Herbst 1934. 1. Zum Ankauf von volljährigen Reit- und Zugpferden sollen im Freistaat Hessen die nachverzeichneten öffentlichen Märkte abgehalten werden: am 17. September 1934, 9.00: Alzey in Rhein- Hessen), am 18. September 1934, 9.00: Darmstadt, am 20. September 1934, 9.00: Friedberg (Ober- Hessen), am 21. September 1934, 9.00: Alsfeld (Oberhessen). 2. Beim Ankauf werden die Anforderungen zugrundegelegt, die für den Remonteankauf maßgebend sind. Da die Pferde für den sofortigen Truppengebrauch erforderlich sind, wird allgemein ein scharfer Maßstab angelegt werden. Es werden nur Pferde angekauft im Alter von 4XA bis zu 14 Jahren und in einer Größe von 1,56 । bis 1,65 m Stockmaß (ohne Eisen gemessen). Füllenscheine sind erwünscht, jedoch nicht unbedingt erforderlich. Schimmel und tragende Stuten sind vom Ankauf ausgeschlossen. 3. Die angekauften Pferde werden sofort abgenommen und den Truppenteilen unmittelbar überwiesen. Die Bezahlung erfolgt gegen Quittung mittels Schecks. 4. Pferde mit Hauptmängeln, die gesetzlich den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises, der Besorderungs- und sonstigen Kosten zurückzunehmen, desgleichen solche Pferde, die sich binnen 45 Tagen nach dem Ankaufstage als Klophengfte erweisen oder Stuten, deren Trächtigkeit nachträglich festgestellt wird. Da dies häufig erst in vorgeschrittener Entwicklungsstufe möglich sein wird, muß vor dem Verkauf gedeckter Stuten gewarnt werden. Die gesetzliche Gewährfrist wird für periodische Augenentzünduna (innere Augenentzündung, Mond- blindheit) und Rotz auf 28 Tage, für Kehlkopf- pfeifen (Rohren) auf 21 Tage verlängert. Mit Rücksicht auf die Zurücknahme für den Verkäufer entstehenden Unkosten wird empfohlen, die Pferde vor dem Verkauf besonders auf Kehlkopfpfeifen eingehend zu untersuchen. Zur Anzeige eines Hauptmangels eines Pferdes an den Verkäufer nach § 485 BGB. ist nicht nur die Remontierungskommifsion berechtigt, die den Kauf abgeschlossen hat, sondern auch jede andere Stelle der Heeresverwaltung, also auch der Truppenteil, dem das Pferd überwiesen ist. 5. Verkäufer, die Pferde vorführen, die nicht ihr Eigentum sind, müssen sich gehörig ausweisen können. 6. Der Verkäufer ist verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindslederne Trense mit glattem, starkem, einfach gebrochenem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 m langen Stricken unentgeltlich mitzugeben. 7. Die Verkäufer werden ersucht, die Schweife der Pferde nicht übermäßig zu beschneiden und die Scbwanzrübe nicht zu verkürzen. Der Reichswehrrninisier. vormals J. Schmücker Nachfolger . Gießen, Marktstraße 4 — 8 Das Haus der guten Qualitäten der großen Auswahl der Preiswürdigkeit und der äußerst zuvorkommenden Bedienung 4883 A .... und zum Bauen übermann. LMks-M'M MmuM Wen Der Bedarf an: 1. Fleischwaren usw., 2. Backwaren, 3. an sonstigen Verzehrungsgegenständen (Del, Essig. Zucker, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Margarine, Marmelade usw.), 4. Verbrauchsgegenständen (Reinigungsmaterialien, Seifenflocken usw.), 5. Rauchwaren soll im Wege des öffentlichen Anerbietens für das Halbjahr vom 1. Oktober 1934 bis 31. März 1935 Zur Lieferung vergeben werden. Die in Anlage A ?ono$Va^cs öcr hessischen Ministerien vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen betreffend, enthaltenen Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen sowie die hiesigen Lieferungsbedingungen liegen nur vom 29. bis 31. August 1934, vor- mittags von 9 bis 12 Uhr, bei uns offen. Die Angebotsformulare können gegen Erstattung der Selbstkosten von uns bezogen werden. und versehen mit der „Angebot zu der am 23. August 1934 ausgeschriebenen Lieferung" bis zum Eroffnunqs- termln: 4879D Donnerstag, den 13. September 1934 vormittags 10 Uhr hierher einzureichen. In den Angeboten sind die Bedingungen anzuerkennen. Die einzureichenden Warenmuster müssen getrennt von den Angeboten verpackt und mit der Aufschrift „Muster zum Ausschreiben vom 23. August 1934" versehen fein. Gießen, den 23. August 1934. Direktion der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen. Deutscher Wein - ein Volksgetränk! 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