Nr. M Erster vlatt 18<. Jahrgang vienrtag,15.Mai 1934 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugsprelr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: grenffurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Staatssekretär Feder hat darüber instruktive Ausführungen gemacht, die die verschiedenen Probleme berührten und Ziele aufstellten: Sanierung der Altstädte, Schaffung von vorstädtischen Arbeitersiedlungen, Landesplanung mit Bildung neuer Mittelpunkte von nicht zu großem Umfange, alles das im Zusammenhang mit den damit verbundenen Notwendigkeiten für die Gestaltung des Verkehrs und der Dezentralisation der Wirtschaft. Reichsminister Dr. Darrs hat in seinen Reden in Pommern und Schlesien das Gebiet der Agrarsiedluna aufgerollt und in großen Zügen umrissen. Der deutsche Osten soll wieder Bauernland werden, ohne den Großgrundbesitz allgemein zu zerschlagen. Er hat auf die westdeutschen Verhältnisse hingewiesen, die eine „gesunde Mischung" der Betriebsgrößen aufweisen, die stellenweise sogar eine zu große Zersplitterung zeigen, während im Osten der umgekehrte Zustand dominiert. Das Problem der inneren Kolonisation ist nicht neu, und der Streit um die Ursachen der heutigen Besitzgrößen ist ebenfalls ältesten Datums. Der Gegensatz zwischen Großgrundbesitz und Bauerntum ist, wie Reichsminister Darrs ausführte, am stärksten in Mecklenburg und gewissen Teilen Pommerns, also solchen Gebieten, die sich des Bauernschutzes der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich des Großen nicht zu erfreuen hatten. Wenn dort die Ausdehnung des Großgrundbesitzes auf Kosten des Bauernlandes vor sich ging, so waren das die Auswüchse des Feudalismus und des Grundherrentums. Im Südwesten Deutschlands hatte der Bauernkrieg mit seinem unglücklichen Ende den Bauernstand tief hinabgedrückt und ihn zum großen Teil in die Erbuntertänigkeit gebracht. Der Dreißigjährige Krieg hatte bann die Besitzverhältnisse verdunkelt und große Teile des Bauerntums vernichtet. In weiten Gebieten des Ostens zog der Großgrundbesitz daher das Bauernland an sich. Hier hat das „Bauernlegen" begonnen, von dem so viel gesprochen worden ist. In Preußen siel die Erbuntertänigkeit durch die Gesetzgebung von 1810. Damit aber hörte auch der Schutz des Königtums auf, und der privatrechtliche Erwerb von Bauernstellen durch den leistungsfähigen Großgrundbesitz nahm seinen Lauf. Die bäuerlichen Dienste und Abgaben wurden abgelöst, entweder durch die staatlichen Rentenbanken 'oder durch die Abtretung von Grundbesitz an den Gutsherrn. Dadurch erlitten im damaligen Preußen die Bauern einen Gesamtverlust von rund 800 000 Morgen, das sind etwa 3 v. H. der früheren Fläche. Durch die gleichzeitig stattfindende Aufteilung von gemeinsam benutzten Flächen ist allerdings ein Zuwachs für den .Privatbesitz entstanden, der diesen Verlust wieder aufwog. Seit jener Zeit ist aber das Gemeindeeigentum des Bauerndorfes — Wälder, Wiesen usw. — im Osten fast ganz verschwunden. Dazu trat die Entwicklung des 19. Jahrhunderts, die Deutschland zu einem Getreideaus- fuhrland'machte. Daraus entstand ein Uebergewicht zu Gunsten des Großbetriebs, bis Ende der siebziger Jahre die Ausfuhr nachließ und der Ruf nach Schutzzöllen erhoben wurde. Die neue Bauernpolitik will den Großgrundbesitz einschränken und dasBauerndorf wieder zum Mittelpunkt der ostdeutschen Wirtschaft machen. Nicht überall wird der Gutshof der Siedlung weichen müssen, denn verdiente Geschlechter sollen für ihren Besitz das Recht des Erbhofbauern erhalten, auch ist nicht jeder Boden für die intensive Wirtschaft des Bauernbettiebes geeignet. Die verschuldeten Großbetriebe werden vielfach nur durch Landabgäbe ihrer Lasten lebig werden. Damit wächst der Land- vorrat für die Bauernsiedlung. Die Landarbeiterfamilien, soweit sie dafür geeignet sind, sollen Dauernstellen erhalten. Die zweiten und dritten Söhne der Bauernfamilien, für die auf dem heimischen Erbhof kein Platz mehr ist, können sich eine neue Heimat .schaffen. Das alte Ideal ber inneren Kolonisation gewinnt Aussicht auf Erfüllung: Bauernhof an Bauernhof entlang der ganzen Ost- arenze, ein Wall deutschen Bauerntums soll entstehen. SA. und Nationalsozialistischer Frontkämpserbund (Stahlhelm). Ein Erlaß des Stabschefs. Berlin, 14. Mai. (DNB.) Das Presseamt d e r O b e r st e n S A. - F üh r u n g teilt mit: Bei der Obersten SA.-Führung sind aus allen Gruppenbereichen Beschwerden eingelaufen, wonach die Aufstellung des NSDFB. (Stahlhelm) dem Sinn und dem Wortlaut der Gr un- dungsverfassung nicht entspricht. Danach ift versucht worden, NSDFB.-Manner vom Eintritt in die SA. R. I a b z u h a l t e n und soweit sie schon SA.-Männer waren, wieder^ zu m Austritt zu bewegen. Vielfach ist der N-vDFB. als die Vereinigung dargestellt worden, die allein berechtigt wäre, Frontkämpfer zu erfassen und ihren Geist zu vertteten. „ . ,r Stabschef Röhm hat infolgedessen einen Befehl erlassen, in dem er sich gegen diese Methoden wendet. Trotz der unfreundlichen Haltung des NSDFB. (Stahlhelm) verbietet jedoch der Stabs- che-f den SA.-Einheiten, mit Einzelaktionen gegen den NSDFB. vorzugehen. Er weift aber ausdruck- lid) darauf hin, daß sich Hunderttausende von Frontkämpfern der SA. ange- schlossen haben, weil sie den staatlichen Willen der Frontkämpfer und das geistige Erbe der Regierungskommission und Franzosen über den Bericht des Gaarausschuffes verärgert. Oie erste Ratssitzung. Die Saarfrage im Mittelpunkt des Interesses. Gens, 14. Mai. (DNB.) Zur Tagung des Döl- kerbundsrates sind die Abordnungen der 15 im Rate vertretenen Länder schon ziemlich vollständig eingetroffen. In der Wandelhalle des Völkerbundes, die feit vielen Wochen verödet war, sah man heute zum ersten Male wieder ein lebhafteres Bild. Die Saar frage ist in den letzten Wochen schnell in den Vordergrund der europäischen Politik gerückt. Die an dieser Frage besonders interessierten Kreise sind daher hier durch Abordnungen oder Beobachter vertreten. Die Abgesandten der Deutschen Front werden noch im Laufe dieses Tages vollzählig hier eintreffen. Neben den alten Führern der Saarbevölkerung, unter denen Kommerzienrat Röchling besonders bekannt ist, wird diesmal auch der Führer der Deutschen Front, Pirro, in Gens anwesend sein. Im Gegensatz zu früheren Tagungen ist diesmal auch die Regierungskommisfion des Saargebietes vollständig eingetroffen. Präsident Knox, das saarländische Mitglied C o ß - mann und der südslawische Vertreter Zori - tschitsch weilen schon in Genf. Das französische Mitglied Morize wird heute ankommen und der Vertreter Finnlands in der Regierungskommission, von Ehrnrooth, wird Mitte dieser Woche in Genf erwartet. Der französische Außenminister Barth ou, der ja in Genf neu ist, wurde bei seinem Eintreffen im Völkerbundspalast natürlich besonders beachtet. England ist durch den Lordsiegelbewahrer Eden, Italien durch Baron A l o i s i vertreten. Um 11.30 Uhr wurde die öffentliche Sitzung des Dölkerbunds- rates eröffnet. Der Rat erledigte im Eiltempo einige kleinere Fragen. Die Berichte fanden einstimmige Annahme. Die nächste Sitzung des Döl- kerbundsrates findet morgen statt. Knox vor dem Dreier-Ausschuß. Frankreichs Kampf um die internationale Polizeitrnppe. Genf, 14. 211 ai. (DRV.) In einer gemeinsamen Beratung des Dreierausschusses für die Saarabstimmung mit den vier in Genf weilenden Mitgliedern der Regierungskommisfion hat Präsident Knox seinen Standpunkt in der bekannten Weise vertreten, während das saarländische Mitglied der Regierungskommission, Lohmann, eine abweichende Meinung zum Ausdruck brachte. Die Beratung soll sich im übrigen noch nicht auf die eigentlichen politischen Fragen erstreckt haben. Man habe sich darauf beschrankt, über die technischen Probleme der Saarabstimmung zu sprechen. Französische Sonderberichterstatter wollen wissen, dah die ausländischen Mitglieder der Regierungskommission über den Bericht des Dreierausschufses verärgert seien, weil er angeblich den Forderungen von Knox und seinen Mitarbeitern nicht genügend Rechnung trage. Der französische Vertreter des Regierungsausschusses, M o r i; e, soll sogar seinen Rücktritt angekündigt haben. Die Regierungskommission des Saargebiets beklage sich vor allem darüber, dah der Dreierausschuh seinen Bericht ohne eine engere Fühlungnahme mit den Mitgliedern des Regierungsausschusses ausgearbeitet habe. Frankreich fordere die Besetzung des Saargebietes durch eine internationale Streitmacht. (!) Die Außenpolitikerin des „Oeuvre“ will sogar wissen, dah die französische Regierung mit dem Austritt aus demVölkerbund drohen würde, wenn sie keine Genugtuung erhielte. Durch einen Beschluß des völkerbundsrakes aus dem Jahre 1926 sei die Besetzung des Saargebiets durch fran« zösische Truppen vorgesehen, falls sich die Mächt« nicht über die Entsendung einer internationalen Streitmacht einigen könnten. Französischerseits scheine man aber wenig Neigung für eine derartige Mahnahme zu haben, weil man befürchte, dah eine solche Herausforderung das Abstimmungsergebnis noch mehr zugunsten Deutschlands be« e i n f l u H e n würde. Varthou werde deshalb bemüht sein, eine oder mehrere Mächte für diese Auffassung zu gewinnen. Oie Antwort an Knox. Eine Denkschrift der »Deutschen Sronf1' für den Völkerbundsrat. Saarbrücken, 14. Mai. (DNB.) Die Deutsche Front im Saargebiet hat dem Völkerbundsrat eine Denkschrift übersandt, in der der Standpunkt des deutschen Volkes an der Saar zur Frage der Abstimmung und der Zukunft des Saargebietes noch einmal zusammenfassend dargelegt wird. Die Denkschrift, die die Unterschriften des Leiters der Deutschen Front, Pirro, sowie der Führer der Fraktion .Deutsche Front" des Saarländischen Landesrates, Levacher, Röchling, Kiefer trägt, erklärt u. a.: Die Zahl der Mitglieder der „Deutschen Front" beträgt j e tz t s ch o n ü b e r 4 5 5 0 0 0. Die in der „Deutschen Front" zusammengefaßten Abstimmungsberechtigten machen mehr als 93 v. H. der gesamten stimmberechtigten Bevölkerung im Saargebiet aus. Die Führung der „Deutschen Front" hat damit den unumstößlichen Beweis erbracht, daß sie allein berechtigt ist, im Namen der Saarbevölkerung zu sprechen. Die Deutschen des Saargebiets haben, wie dies bei allen Völkern der Fall ist, über ihre völkische Zugehörigkeit in dem Augenblick schon entschieden, da sie als Kinder ihrer deutschen Mütter das Licht der Welt erblickt haben. Eine Volksabstimmung darüber, ob die Saarländer zu Deutschland oder nicht zu Deutschland wollen, bedeutet an sich eine Mißachtung und Geringschätzung des Saarvolkes. Die „Deutsche Front“ und somit die Deutschen an der Saar wollen sich einer Volksabstimmung gewih nicht entziehen. Sie hätten aber gewünscht, dah das Angebot des deutschen Reichskanzlers, die Saarfrage auf friedlichem Wege zu lösen, von der Gegenseite angenommen worden wäre. Durch diesen friedlichen Akt hätte der Weg sreigernachk werden können zu einer endlichen Aussöhnung der beiden grohen Nachbarvölker. Die Denkschrift geht sodann auf die Berichte des Präsidenten der Saarregierung Knox ein, in denen von „Terrormaßnahmen der Deutschen Front" und „Putschplänen" gesprochen wird. Die „Deutsche Front" weist darauf hin, daß Präsident Knox Mittel und Wege sucht, die Notwendigkeit internationaler Hilfspolizei zu beweisen. Zu dieser Beweisführung wären Terrorakte die geeignetsten Mittel. Die „Deutsche Front" lehne jedoch jeden Terror ab und.verlange von ihren Mitgliedern strengste Disziplin, insbesondere die genaueste Beobachtung der saarländischen Gesetze. Die Denkschrift erinnert daran, daß die Saarbevölkerung in den vergangenen 15 Jahren unter den allerschwierigsten Verhältnissen Ordnung und Ruhe bewahrt habe, obwohl sie in den Jahren 1918 bis 1924 13 Todesopfer durch das französische Militär zu beklagen gehabt habe. Es wird dann auf einen Ausspruch des Präsidenten Stephens hingewiesen, in dem festgestellt wird, dah die aus der Bevölkerung rekrutierte örtliche Gendarmerie des Saargebietes mustergültig sei. Diese vorzügliche Polizeitruppe habe die von dem Präsidenten der Regierungskommission Knox geleitete Abteilung des Innern mit aus Deutschland geflüchteten Emigranten durchsetzt. Die „Deutsche Front“ sieht, wie in der Denkschrift ausgeführt wird, in der Einstellung solcher Leute in die saarländische Polizei eine Provokation gegenüber der Saarbevölkerung und glaubt an- nehmen zu können, dah viele der Beschwerden, die die Regierungskommission an den Völkerbundsrat gerichtet hat, von diesen unsauberen Elementen herrühren. Die angeblichen „Putschpläne" werden mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß die Mitglieder der „Deutschen Front" nicht so töricht seien, ihre sichere Rückkehr zum Deutschen Reich Anfang 1935 dadurch z u gefährden, daß sie wenige Monate vor diesem Termin einen lächerlichen Putsch in Szene setzen. Zum Schluß der Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß die Saar- regierung 3 2 Organe der „Deutschen Front" auf insgesamt 367 Tage verboten habe, während in der gleichen Zeit — seit Mai 1933 — nur drei Separatistenblätter auf zusammen 30 Tage verboten wurden. Schützengrabenfront in der SA. am besten verkörpert untbin ihr vertreten wissen. Männer aller^ dings, die sich bereden ließen, nicht in die SA. R. I einzutreten, oder den Austritt aus ihr zu vollziehen, feien für die SA. nicht zu gebrauchen. Sie sollen ausfcheiden. Aber es sei auch gleichzeitig dafür Vorsorge zu treffen, daß sie nie wieder in die SA. aufgenommen werden. Der SA.-feindlichen Haltung des NSDFB. stellt Stabschef Röhm die Haltung des Kyffhäuser- bundes entgegen, der sich nicht nur durch die Pflege alter kameradschaftlicher Sol- datentradltion bewährt habe, sondern der auch in seinem gesamten Verhalten, in seiner rest- losen Mitarbeit an den Aufgaben der S A. R. II eine Kameradschaft der Frontkämpfer bildet, die dem nationalsozialistischen Staat wertvolle Dienste zu leisten verspricht. Der Stabschef befiehlt daher der SA., den Kyffhäuserbund in jeder Weise zu unterstützen. Die Landeshandwerksfübrer ernannt. Berlin, 14. Mai. DNB. Auf Grund des Reichsgefetzes über den vorläufigen Aufbau der Organisationen des deutschen Handwerks ist im Februar 1934 ber Reichshandwerksführer durch den Reichswirtschaftsminister und den Reichsarbeits- minifter ernannt worden. Für die weitere Durchführung des Aufbaues einer geschlossenen Organisation des Handwerks, die sowohl geeignet ist, die Wirtschaftsführung als auch die Menschenführung im Sinne ber nationalsozialistischen Volksgemeinschaft zu garantieren, sind nunmehr durch den Reichshandwerksführer nach vorheriger Zustimmung des Reichswirtschaftsministers Landeshandwerksführer ernannt worben und zwar für den Treuhänderbezirk Hessen Elektromeister Pg. Garner, Worms, Vorsitzender des Reichs- verbanbes des Elektro-Jnstallateur-Gewerbes, und für den Treuhänderbezirk Rh einland Elektro- und Klempnermeister Pg. R ö d i n g, Koblenz. Vornehmste Aufgabe der Landeshandwerksführer ist es, für ein reibungsloses Arbeiten der Handwerksorganisationen in den Treuhänderbezirken Sorge zu tragen, bei der Durchführung des Führerprinzips in engster Verbindung mit der zuständigen PO.-Leitung die nationalsozialistischen Handwerksmeister und Handwerksgesellen auszuwählen, welche als Führer von Handwerkerorganisationen geeignet sind und alle Fragen der Handwerkerbewegung und der Handwerkswirtschaft innerhalb ihres Gebietes im Sinne einer nationalsozialistischen Volksgemeinschaft zu ordnen. Oie Aufgaben des Reichs- kultusministeriums. Die neue Ressortteilung mit dem Reichsinnenministerium. Berlin, 14. Mai (DNB.) Reichskanzler Adolf Hitler hat am 11. Mai einen Erlaß über die vom Reichsministerium des Innern an das Reichs- minifterium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung abzugebenden Aufgabengebiete unterzeichnet. In der Neuregelung wird bestimmt, daß aus dem Geschäftsbereich des Reichsministeriums des Innern folgende Angelegenheiten in das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung übergehen: 1. Wissenschaft: Allgemeine Angelegenheiten der Wissenschaft, auch in ihren Beziehungen zum Auslande, Physikalisch- Technische Reichsanstalt, Chemisch-Technische Reichsanstalt, Reichsanstalt für Erdbedenforschung, reichswichtige wissenschaftliche Anstalten des In- und Auslandes, wissenschaftliches Büchereiwesen, Volkskunde, Archäologisches Institut; 2. Erziehung und Unterricht: Hochschulangelegenheiten, Studentenhilfe, Reichsfachschaftsführer der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen, allgemeine Schulangelegenheiten, Volksschulen, Höhere Schulen, Privatschulen, Berufs- und Fachschulen, deutsches Schulwesen im Auslande, Auslandsschulen; 3. Jugendverbände; 4. Erwachsenenbildung: In dem Erlaß heißt es dann weiter: Auf den bezeichneten Gebieten ist der Reichsmini st er für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung für alle Ausgaben einschließlich der Gesetzgebung federführend. Für die Beteiligung der übrigen Reichsminister gelten die allgemeinen Grundsätze. Oie Habsburger regen sich wieder. Basel, 14. Mai. (DNB.) Otto von Habsburg, der Sohn des verstorbenen Exkaisers Karl, der nut seiner Mutter, der Exkaiserin Zita, in Belgien lebt, traf in Basel ein, wo er während zweier Tage als Gast des Erzherzogs Eugen im Hotel „Drei Könige" weilte. Otto von Habsburg hatte mit seinem Verwandten eine Besprechung über die gegenwärtigen politischen Verhältnisse in Oesterreich sowie auch über die Möglichkeit der Rückkehr der früheren Kaiferfami1 ie nach Oesterreich. Bekanntlich hat Erzherzog Eugen kürzlich die Ermächtigung erhalten, in Oesterreich zu leben. Wieder ein Innsbrucker llniversitäts- profeffor seines Amtes entboben. Innsbruck, 14. Mai. (DNB.) Außer Professor Dr. B e l b o k ist auch der Professor für Geographie Dr. Friedrich Metz seines Amtes enthoben worden. Metz war im Februar in das Lager Wöllersdorf eingeliefert und vor einigen Wochen daraus wieder entlassen worden. Professor Metz ist Vorsitzender der Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland und hat sich vor allem um das zahlreiche Schrifttum über das Grenzlanddeutschtum verdient gemacht. Er hat bereits eine ehrenvoll- Berufung an die Universität Erlangen erhallen« Dürftiges Ergebnis der römischen Wirtschaftsverhandlungen. Italiens Abkommen mit Oesterreich und Ungarn. Rom, 14. Mai. (DNB.) Mussolini hat mit dem österreichischen Gesandten Rintelen und dem ungarischen Gesandten Baron Villay getrennte Abkommen unterzeichnet, die die wirtschaftlichen Protokolle von Rom vom 17. März in die Praxis umsetzen. Das italienisch-österreichische Abkommen enthält: a) Präferenzen zugunsten Oesterreichs für eine beträchtliche Zahl von Jndustrieprodukten. Sie wird die normalen Beziehungen des italienischen Marktes nicht stören und auch das finanzielle Interesse dritter Länder auf diesem Markt nicht beeinträchtigen; b) Zollerleichterungen zugunsten Italiens für eine gewisse Anzahl von Produkten, deren größter Teil typisch italienische Produktion bedeutet. Das italienisch -ungarische Abkommen enthält: a) Die Verpflichtung Italiens der Gesellschaft „Safni" den Ankauf von einer Million Doppelzentner ungarischen Getreides zu erlauben zu einem Preise, der Ungarn eine angemessene Auswertung seines Produktes gestattet; b) Die Verpflichtung Ungarns, der „Safni" das Optionsrecht auf den Ankauf einer weiteren Million Doppelzentner ungarischen Getreides zu geben; c) Die Verpflichtung Ungarns, Zollerleichterun- aen, die der Meisdbegunftigungsklausel unterliegen, sowie ferner den Abbau der für den Import eingeführten Beschränkungsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Die zweiseitigen Verträge, die für den Jmvort bestehen und unter den Namen „Semmering-Verträge" bekannt sind, sind zu verbessern. Der italienisch-österreichische Durchgangsverkehr durch den Hafen von T r i e st und der ungarische Durchgangsverkehr durch den Hafen von Fiume ist zu entwickeln. Ferner stellt Ungarn die Aufwertung (Valorisation) von weiteren 2 200 000 Doppelzentnern ungarischen Getreides sicher und Oesterreich sichert die Verbreiterung des ungarischen Marktes für seinen industriellen Export. Erschließung einer neuen Wasserstraße für die schlesische Wirtschaft. Oie Reichsminister Rudolf Heß und Eltz von Rübenoch legen den Grundstein für den Adolf-Hiiler-Kanal. Cosel-Hafen, 14. Mai. (DNB.) Hier fand die feierliche Grundsteinlegung für den Adolf-Hitler- Kanal statt. Glockengeläut und Sirenengeheul leiteten den Festakt ein. Nachdem Reichsminister Rudolf Heß die Urkunde der Grundsteinlegung im Namen des Führers unterzeichnet hatte, sprach Gauleiter und Oberpräsident Helmut Brückner als Chef der Oderstrombauverwaltung und im Namen Schlesiens Begrüßungsworte. Mit einem Sieg- Heil auf den Führer erklärte der Oberpräsident den Festakt als eröffnet. Jieichsverkehrsminister Freiherr Eltz von Rübenach führte nach einem geschichtlichen Rückblick u. a. aus: Der Kanal, zu dem wir den'Grundstein legen, ist ein Teil jenes großen Wasserstraßenbauprogramms, welches die preußische Regierung für das Flußgebiet der Oder ausgestellt und die Reichs- reaierung erweitert hat. Das Programm der preußischen Regierung knüpft an den Bau des Mittellandkanals an, der das Ruhrgebiet mit Berlin verbinden soll, und war dazu bestimmt Schlesien einen Ausgleich für die Vorteile zu schassen, die der Mittellandkanal dem Westen bringen würde. Die Reichsregierung wird es nicht zulassen, daß Oberschlesien in seinem Absatz von Kohlen und Eisen von seinem natürlichen Markt in Berlin durch den Mittellandkanal verdrängt wird, und Oberschlesien mag in dem Kanal, dessen Inangriffnahme in diesem Zeitpunkt es der besonderen Initiative des Herrn Oberpräsidenten Brückner zu verdanken hat, die Bürgschaft dafür sehen, daß es in seinen Lebensrechtcn von der Reichsregierung gestützt wird. Der Führer persönlich hat in seinem Weitblick den Befehl zum Beginn des Kanalbaues gegeben, und ihm wird in Treue und Dankbarkeit ein ewiges Denkmal gesetzt, indem dieser Kanal den Namen „21 b o I f-H itl e r-Ka n a l" tragen wird. So bleibt der Name Adolf Hitlers, unseres Retters und Befreiers aus Schmach und Knechtschaft auf immer verbunden mit Schlesien und dem deutschen Osten, der deutsch ist und sich als ein untrennbares Glied fühlt im wiedererwachten einigen Deutschen Reiche. Mit den Worten „Der Arbeitsnot zur Wehr, Schlesien zum Verkehr, Adolf Hitler zur Ehr" mauerte der Minister die Urkunde in den Grundstein ein. Hierauf ergriff. Reichsminister Rudolf Heß den Hammer und vollzog die Hammerschläge mit dem Spruch „Diene dem Frieden, diene der Pflicht, so dienst du Deutschland!" Oberpräsident Brückner vollführte drei Hammerschläge mit den Worten: „Dies Land bleibt deutsch". OerGtellverireterdesFirhrers führte dann etwa aus: Das große Kanalwerk, das 40 bis 50 Millionen Tagewerke Arbeit und dem gefährdeten deutschen Wirtschafts- und Lebensraum neue Zukunftssicherung bringen soll, steht im Namen des Führers. Unsere deutsche nationale und sozialistische Weltanschauungsbewegung findet ihren Hauptausdruck in arbeitschaffenden Werken. Spätere Generationen werden nur noch an den schaffenden Werten und Werken das Wesen und Wirken jenes Mannes ablesen, dessen Leben in unserer Zeit die Beglückung unseres Daseins ist: Adolf Hitler! Unser Reich sucht in schöpfender, ehrender Arbeitsleistung nach seinem historischen Ausdruck. Während andere Nationen Riesengeschuhe, Riesenflugzeuge, Riefenschlachtschiffe, Riesentanks und viel andere neuartige Waffen der Zerstörung bauen, faßt Deutschland seine Arbeitskraft zusammen zur Gestaltung von Werken des Friedens und des kulturellen Fortschritts. Dienen diese Werke Frieden und Fortschritt, so sind sie zugleich Sinnbilder höch- sten und echte st en Sozialismus. Weitschauend für die kommenden Geschlechter gebaut, werden sie in ihrem Gesamtwirken dazu beitragen, die soziale Stellung des einzelnen durch die Hebung des Lebenshal- tungsniveaus der Gesamtheit ebenfalls zu heben. Vergessen wir als deutsche Sozialisten nicht, daß nur das gemeinsame Schaffen aller den Plan dieses Kanals zur Wirklichkeit gelangen lassen konnte. Der Führer gab dem deutschen Volke Kraft, Glauben und inneren Lebensmut wieder, aus dem der Wille zu schaffender Arbeit erst emporwächst. Der Wirtschaftler erkannte die Notwendigkeit dieses Neubaues, der Ingenieur errechnete seine technische Durchführung, der Arbeiter setzte seine ganze Kraft in die endgültige Formung des Werkes. Der Oberpräsident setzte es durch, auf daß es Wirklichkeit wurde. Der Wert der Arbeit aller für das schaffende Volk ist der gleiche. Als höchste Ehre kennt der Nationalsozialismus nur die Ehre der Arbeit. Nationalsozialisten, deutsche Arbeiter, wir kennen den schweren Weg zur deutschen Einheit, zum deutschen Staat Adolf Hitlerscher Prägung. Nur Arbeit schweißt unseren neuen Staat, den Staat des Nationalsozialismus, zusammen. MchodenundAielezentrMWirtschasWhrung. Präsident piehsch und Or. Grünig vor den Führern des Handwerks. schäft, deren Einkommen der Staat ja weitgehend durch seine Preispolitik bestimmt. Der Staat beeinAuf Anregung des Reichsstandes des deutschen Handwerks sprachen der Wirtschaftsberater des Stellvertreters des Führers, Präsident P i e tz s ch und sein Mitarbeiter Dr. Grünig über Voraussetzungen und Probleme der zentralen Wirtschaftslenkung. Präsident Dietzsch entwickelte die wichtigsten grundsätzlichen Zusammenhänge und Probleme des volkswirtschaftlichen Kreislaufes. Er zeigte die tatsächlichen wirtschaftlichen Vorgänge, besonders die Güterströme, die der „Geldschleier" gewöhnlich dem — fälschlich in Geld denkenden — Laien und Wirtschaftspraktiker verdeckt. Dr. Grünig brachte ein interessantes Tatsachen- und Zahlenmaterial, das geeignet ist, die Unterlagen für eine zentrale Wirtschaftslenkung und Wirtschaftsplanung zu schaffen. Aus dem Inhalt der Vorträge sollen hier nur wenige Gedankengänge herausgehoben werden. Was ist Wirtschaftslenkung? Die erste Aufgabe der Wirtschaftslenkung besteht darin, Störungen planmäßig zu verhüten und zu bekämpfen. Die zweite 2lufgabe ist, die Wirtschaftsströme in gewünschter Richtung zu beeinflußen und zu lenken. Die dritte Aufgabe ist schließlich die Aufstellung eines Zieles, eines Wirt- jchaftsprogramms auf weite Sicht. Auf Wirtschaftslenkung kommt es an, nicht aber auf eine Planwirtschaft, die die private Initiative drosselt oder abtötet. Cs soll ein Rahmen für die Anregungen und Hilfestellungen geschaffen werden, die der Staat mit seinem Ueberblick den Unternehmern geben kann und soll. Warum staatliche Wirtschaftslenkung? Infolge der Entwicklung der letzten Jahrzehnte bestimmt der Staat für 90 v. H. der Bevölkerung das Einkommen, denn vom ganzen Volke entfallen 40 v. H. auf die öffentliche Wirtschaft und Verwal- tung, 28 v. H. auf die sonstigen nach Tarifen entlohnten Arbeitnehmer, 22 v. H. auf die Landwirt- flußt aber nicht nur die Einkommen, sondern er wirkt auch anderweitig auf vielen Wegen auf die Wirtschaft ein, so durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Devisenbewirtschaftung, Zölle, Kontingente, Mietfestsetzungen, Zinseingrisfe. So ist die Wirtschaft unvermeidlich zum größten Teil staatlich gebunden; der Staat hat eine ungeheuere Verantwortung für das wirtschaftliche Wohlergehen des Volkes. Dieser Verantwortung ist sich der neue Staat durchaus bewußt. Darum muß und will er die Wirtschaft so tief und rasch durchleuchten, daß er seine verschiedenartigen Maßnahmen einheitlich, bewußt und planvoll einsetzen kann. Veränderte WirtschaftSverhältniffe. Rechnet man in Reichsmark von der Kaufkraft von 1932/33, dann hat das deutsche Volk im Zähre 1929 64 Milliarden erarbeitet und verbraucht; 1932 waren es nur noch 45 Milliarden, nach dem Stande von Ende 1933 aber schon wieder 50 Milliarden; bei voller Beschäftigung der Wirtschaft können es 80 Milliarden fein. Steuern und Zinsen betrugen vor dem Kriege nicht viel über 20 v. H., 1929 fast 30 v. H., 1932 mehr als 40 v. H. des Volkseinkommens. Welche Wirtschaftsbelebung gegenüber dem Tiefstand von 1932 wir bis Ende 1933 erreicht haben, das zeigen schon wenige Zahlen: 0,5 Milliarde Mehr- erlas bei der Landwirtschaft, 2,5 Milliarden Mehr- erzeugung an Investitionsgütern, 1 Milliarde Mehrerzeugung an Verbrauchsgütern, 0,5 Milliarde Wertschopfung beim Arbeitsdienst, bei Landhelfern, Notstandsarbeitern usw., zusammen 4,5 Milliarden zusätzlicher Erzeugung. Diese ist allerdings nur zum kleineren Teil in den privaten Verbrauch gegangen, zur Hauptsache aber in die Investition, d. h. die H e r st e l l u n g Haushaltsgestaltung als aktive Konjunkturpolitik. Wirtschaften ist Dienst für das Volksgonze. - Ein Vortrag des Reichs» finanzministerS. Berlin, 14. Mai. (DNB.) Dor der Derwal- tungsakademie Berlin sprach Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk über „Haushaltgestaltung im Dritten Reick?'. Der Minister yiies auf die jetzige Form der Verabschiedung des Haushaltes durch das Kabinett hin. Da auch die Entlastung vom Kabinett selbst erteilt werde, so komme der Rechnungsprüfung durch eine unabhängige Stelle, den Rechnungshof, entscheidende Bedeutung zu. Die Frage: „Wer gibt der Stelle, die den Haushalt erlaßen hat, die Entlastung?" werde auch bei dem künftigen Gemeindeoerfassungsaesetz eine besondere Rolle spielen. Auch hier werde von entscheidender Bedeutung die Durchführung einer unabhängigen Prüfung sein. Der Minister ging dann ausführlich auf die wichtigsten Steuerposten ein, wooei er besonders die Ehestandszuschüsse würdigte. Nachdem der Minister auf die in den.sinkenden Zolleinnah- men liegenden Gefahren für die Ausfuhr und Einfuhr und weiter aus die Notwendigkeit hingewiesen hatte, immer wieder zu betonen, daß wir ausländische Rohstoffe nur kaufen könnten, wenn das Ausland unsere Waren a b n e h m e, andernfalls wir zu einer immer stärkeren Selb st Versorgung gezwungen wären, beschäftigte er sich mit der Einnahmeseite und hier insbesondere mit der aus der Veräußerung liquider Werte zu erwartenden Beträge für mehrere hundert Millionen Mark. Wenn Die Regierung damit dem Grundsatz, einmalige Einnahmen nicht für laufende Ausgaben zu verwenden, verlasse, so sei das mit Rücksicht auf die ^Notwendigkeit einer Haus» haltskonjunkturpolitik erfolgt, ohne die wir die Wirtfchaftsbelebuna des Jahres 1933 nicht erlebt hätten. Auch der Kredit des Reiches habe für die Auftrags- und Entlastungspolitik notwen- digerweise eingesetzt werden müssen. In einer solchen aktiven Kredit- und Konjunkturpolitik liege ganz naturgemäß eine Vorausbelastung der Zukunft, die keineswegs leicht zu nehmen war. Es sei jedoch kein Zweifel, daß die Belastung, die einschließlich der Fehlbeträge der letzten Jahre 6 Milliarden ausmache, durch die infolge der Wirt- schaftsbelebung mit Bestimmtheit zu erwartenden vermehrten Einnahmen in den nächsten fünf Jahren abgedeckt werden könne. Dazu fei allerdings notwendig, daß auch in den kommenden Jahren auf der Ausgabeseite des Haushalts äußer st e Sparsamkeit geübt werde. Nur so könne das unverrückbare Ziel: Unbedingte Sicherhaltung der Währung und des Kredits des Reiches erreicht werden. Wenn wir feit dem Frühjahr 1933 überhaupt vorwärtskamen, dann fei das auf das Vertrauen in eine politische Stabilität zurückzuführen. Die Maßnahmen der Reichsregierung könnten nur in- soweit Erfolg und Bestand haben, als tatsächlich eine innere Umstellung in der Wirtschaft und im Einzelmenschen vor sich gehe. Jeder müsse sich darüber klar sein, daß es beim wirtschaftlichen Handeln, ob es das Arbeiten des einfachen Arbeiters oder das Handeln des großen Wirtschaftsführers sei, nicht ankomme auf das Verdienen und das eigene Interesse, sondern, daß all dies aufgefaßt werden müsse als Pflicht und Dien st für d i e Gesamtheit. von wirtschaftlichen Daueranlagen, und zwar besonders in die öffentliche. Arbeitsbeschaffungsprobleme. Um die Arbeitsbeschaffung zu finanzieren, hat man den Kredit ausgeweitet. Damit ist die öffentliche Schuldenlast gestiegen. Praktisch beträgt ihr Druck aber nur einen Bruchteil der aufgewendeten öffentlichen Mittel, denn gleichzeitig werden mit dem Erfolg der Arbeitsbeschaffung die öffentlichen Haushalte entlastet; auf der einen Seite durch vermehrte Steuereingänge, auf der anderen durch verminderte Arbeitslosenlasten. Die Arbeitsbeschaffungswechsel sind in der Regel von privater Seite gekauft worden. Soweit das nicht möglich war, ist auch die Reichsbank eingesprungen. Eine Geldschöpfung zu Arbeitsbeschaffungszwecken ist solange unbedenklich, wie die Wirtschaft diejenigen Werte herstellen kann, die mit dem vermehrten Gelde gekauft werden sollen, solange also der vermehrten Geldmenge auch eine gestiegene Gütermenge gegen- übersteht. Nicht unbedenklich ist es allerdings, wenn durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hauptsächlich einseitige Güterströme (aufbauend auf Steuern, Zinsen und Verschuldung) geschaffen werden, die man durch immer neue öffentliche Mittel im Gang erhalten muß. Viel wertvoller sind geschlossene Güterkreisläufe (Tauschkreis), die sich selbsttätig weiter auf der einmal erreichten Höhe halten. Sie zu schaffen ist die wichtigste Aufgabe planvoller Wirtschaftslenkung. Wirtschaftsverflechtungsziffern. Dr. Grünig will aus dem Gewirr der Milliarden von Umsätzen in der Wirtschaft diejenigen Güterströme bloßlegen, die für die Wirtschaftspolitik entscheidend sind. Deshalb teilt er die Wirtschaft in einige wenige große Gruppen auf: auf der einen Seite d i e Er^eugergruppen, nämlich die Ernährungs-, Kleidungs, Wohnungs-, Dienftlei- stungs- und Jnvestitionswirtschaft auf der anderen Seite die Derbrauchergruppen, nämlich erstens die eben genannten Erzeugergruppen, die selbstverständlich gleichzeitig Verbraucher sind, und zweitens die reinen Verbraucher im Sinne der Güterwirtschaft, beispielsweise die Verwaltungsbeamten oder die Zins- und Rentenempfänger. Es stellt sich dann heraus, daß etwa ein Fünftel der erzeugten Güter wieder in der gleichen Wirtschaftsgruppe verbraucht wird, in der sie hergestellt werden; auch die übrigen Tauschbeziehungen werden zahlenmäßig verfolgt und „Wirtschaftsverslechtungsziffern" berechnet, die einen Anhalt dafür geben, welche Rückwirkungen bei anderen Wirtschaftsgruppen eintreten, wenn man die Verhältnisse bei einer bestimmten Wirtschaftsgruppe ändert. Ermöglicht man z. B. bei der Herstellung von Investitionsgütern eine Mehrproduktion von einer Milliarde, so steigt daraufhin die Erzeugung von Verbrauchsgütern um etwa 0,9 Milliarden. Die voll beschäftigte Wirtschaft. Ziel der Wirtschaftsbelebung ist die voll beschäftigte Wirtschaft. Sie kann nahezu die doppelte Erzeugung und das doppelte Volkseinkommen wie die Wirtschaft auf dem Tiefstand von 1932 umfassen. Sie wird selbst für Zinsen und Steuern sehr trag« fähig sein. Wenn man jährlich 3,8 Milliarden für große öffentliche Aufgaben oorsieht und die Beamtenbezüge um rund 15% erhöht, wird die Steuer und Zinsenlast nicht mehr als 27% des Volkseinkommens ausmachen. Die voll beschäftigte Wirtschaft ist bei richtiger Wirtschaftslenkung erreichbar. Wege zum Ziel. Das Geheimnis erfolgreicher Wirtschaftsbelebung liegt in dem gleichzeitigen Einsatz aller erforderlichen Hilfen; ein einseitiger Verstoß, beispielsweise auf dem Gebiete öffentlicher Investitionen, genügt nicht. Zugleich mit vermehrten Investitionen muß auch der Verbrauch gehoben werden. Um die nötigen Rohstoffe zu beschaffen, muß man die Ausfuhr mit allen binnenwirtschaftlich vertretbaren Mitteln fördern. Was die Einfuhr betrifft, so ist es zwar privatwirtschaftlich richtig, dort zu kaufen, wo es am billigsten ist; der volkswirtschaftliche Gemeinnutz dagegen erfordert, dort zu kaufen, wo Wirtschaftskreisläufe sich schließen. Um die Wirtschaft zu lenken, muß man sie ständig von zentraler Stelle beobachten, volkswirtschaftliche Bilanzen aufstellen und verfolgen, jede Auswirkung getroffener Maßnahmen möglichst kurzfristig nachprüfen, auf Gefahrenmomente rechtzeitig Hinweisen und überhaupt jedes zahlenmäßige Material für die Entschlüsse der Wirtschaftsführung bereitstellen. Bei gutem Willen und geeigneter Organisation der aesamten Statistik müssen sich die jeweils wichtigen Daten in höchstens ein bis zwei Monaten beschaffen lassen. Entscheidend ist dabei die willige Unterstützung der ganzen Wirtschaft, das Mitgehen der Unternehmer und darüber hinaus jedes an der Erzeugung und am Verbrauch beteiligte Wirtschaftsglied. Der Staat muß über den Wirtschaftsgruppen stehen, schirmend, schlichtend und ordnend. Dabei wird er unmittelbare Eingriffe in den empfindlichen Wirtschaftsorganismus nur in den Ausnahmefällen zu machen haben, bei denen es auf schnelle Abhilfe besonders ankommt; im übrigen soll er seinen Einfluß mittelbar durch sein geistiges, moralisches und materielles Uebergewicht zur Geltung bringen. Oie Wahrheit auf den Kopf gestellt. Herausfordernde Verdrehungen in Doumergues Rundfunkrede. Paris, 14. Mai. (DNB.) Ministerpräsident Doumergue hielt am Tage vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments eine Rundfunkrede, in der er zur Außenpolitik erklärte: Die Regierung bleibt der bekannten Haltung treu. Die loyal hingestreckte Hand für alle, die ohne Hintergedanken in sie einschlagen wollen, kein territoriales ober an« beres ehrgeiziges Ziel, fein Haß gegen irgendwen, aber ein Wunsch unb ein heißes Bebürfnis nach Sicherheit. Auf biefe ernstlichen und wirksamen Garantien können wir um so weniger verzichten, als wir seit Kriegsenbe ftänbig unsere Effektivbestänbe unb unsere Rüstungen herabgesetzt haben. Wir wissen sehr wohl, baß, während wir unsere Militärstreitmacht herabsetzten, andere offen und hintenherum ihre Effektivbestände erhöhten, ebenso auch ihre Rüstungen. Und dies alles geschah in Verletzung der Friedensverträge. Niemals wird Frankreich die Initiative zu einem Angriff ergreifen, das weiß jeder. Unsere Haltung und die weit ausgreifende Ab- r ü ft u n g , die bei uns schon durchgeführt ist, sind dafür der beste Beweis. Nur diejenigen können so tun, als ob sie an unseren Absichten zweifeln, die ihre Absichten verstecken wollen. * Die Rundfunkrede des Ministerpräsidenten wird sehr beifällig ausgenommen. So schreibt „Echo de Paris", Doumergue habe die richtigen Worte gefunden, um auf die Herausforderungen zu antworten, die in den letzten Tagen von der anderen Seite des Rheins ausgegangen waren. Der „Quotidien" zieht aus den innerpolitischen Ausführungen des Ministerpräsidenten die Schlußfolgerung, daß Doumergue demnächst erweiterte Vollmachten von der Kammer fordern werde. Die Frage sei nur, ob es sich dabei um regelrechte diktatorische Vollmachten handeln werde ober nicht. Oer frühere Reichsminister Hermes vor Gericht. Vor ber XI. Strafkammer des Berliner Landgerichtes findet der Prozeß gegen den früheren der Zentrumspartei angehörenden Reichsernährungsund Finanzminister in den Jahren 1920 bis 1923 Andreas Hermes, statt, dem fortgesetzte Untreue in mehreren Fällen sowie Vergehen gegen das Genossenschaftsgesetz vorgeworfen wird. Die Anklage erhebt gegen Hermes den Vorwurf, daß er aus Rationalisierungsmitteln im Betrage von etwa 3,5 Millionen Reichsmark, die 1923 der Landwirtschaft von der Preußenkasse zugeteilt wurden, etwa 1,5 Millionen Reichsmark nicht zum Zwecke der Rationalisierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften, sondern im wesentlichen zur finanziellen Stärkung der w i rtschaftspol i t i- schen Ziele der christlichen Bauernvereine, deren Präsident Hermes damals war, verwendet hat. Als Präsident der christlichen Bauernvereine bezog Hermes ein Jahresgehalt von 18 000 Mark. Als Präsident des Einheitsverbandes erhielt er außerdem 12 000 Mark und weiter standen ihm noch 12 000 Mark Pension als früherer Reichsminister zu. Für die Sanierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften im Jahre 1927 sollten 75 Millionen bewilligt werden. Dem Angeklagten Hermes wird vorgeworfen, daß er 1,5 Millionen für die Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine, deren Präsident er war, verwandt hat. Am letzten Derhandlungstag kam der Vorsitzende auf die Behauptung des Angeklagten zu sprechen, wonach die Gelder der Preußenkasse mit derenWissen undWillen gezahlt worden seien. Wenn die Preußenkasse bas hätte tun wollen, so hätte sie doch die Buchungen gam klar vornehmen können. Das sei tatsächlich n i ch t geschehen und auffallend berühre der Umstand, daß Hermes die 3% Millionen Mark zur persönlichen Verfügung gestellt wurden. Die Ausgabe dieser Summe sei von der Preußenkasse auf das Konto einer Genossenschaft gebucht worden, die agr nicht bestanden habe. Hierzu erklärte der Angeklagte, daß dies deshalb geschehen sei, weil man vor der Oeftentlichkeit verschleiern wollte, daß die Preußenkasse eine so große Summe gezahlt habe. Der Vorsitzende wies dann darauf hin, daß in einem Protokoll einer Vorstandssitzung der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft auf die Zahlung einer R e st- summe gedrängt wird, weil mit dem Weggang des damaligen Präsidenten der Preußenkasse, Klepper, zu rechnen sei und dann ein parlamentarischer Untersuchungsschuß eingesetzt werden könnte. Die Furcht vor einem drohenden Untersuchungsausschuß versuchte der Angeklagte Hermes damit zu erklären, daß er behauptete, die Regensburger Genossenschaft hätte die Zuteilung von IV2 Millionen dringend gefordert. Er habe sich nun bemüht, diese Summe, die er für zu hoch hielt, herabzudrücken und um die Regensburger trotzdem zu halten, habe er sie durch den Hinweis auf einen drohenden Untersuchungsausschuß, an den er selbst nicht geglaubt haben will, gefügig machen wollen. Großes Treffen der dänischen Nationalsozialisten. Kopenhagen, 14. Mai. (DRV.) Am Sonntag fand in Slagelsee der Gautag der dänischen nationalsozialistischen Arbeiterpar- t e i (DNSAP.) Gau Seeland statt, an der auch die Bewegung „Boden, Arbeit, Kapital" und die ' LS.-Bewegung (Zusammenschluß der Landwirte) teilnahmen. Aus allen Teilen des Landes hatten sich zahlreiche Teilnehmer ein- gefunden, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung und allen Altersstufen zusammensetzten. Man schätzt die Zahl der Anwesenoen auf 4—5000. Die Veranstaltung begann mit einem Feldgottesdienst, den Pastor 'M a l l i n g aus Nordschleswig hielt. Anschließend marschierten die Rätionalsozlalisten, mit zahlreichen Fahnen, die weiße Hakenkreuze auf rotem Grunde zeigten, in mustergültiger Ordnung durch die Straßen zu einer öffentlichen Versammlung. Hier sprach Dr. Fritz Clausen, der Führer der dänischen Nationalsozialisten. Don der Grundlage der Rasse ausgehend bekennen sich, so sagte er, die Nationalsozialisten zu einem kräftigen nationalen Idealismus, der auf dem alten Gedanken der B l u t s g e m e i n- schäft aufbaue. Die Schaffung einer Volksgemeinschaft und die Erneuerung des Volkes seien die Ziele. — Ein Arbeiter teilte mit, daß man Unterschriften für eine Adresse an den König sammeln wolle, in der die Auflösung des Folketings verlangt, werde. für Kleine politische Nachrichten. Alle Rundfunkteilnehmer werden besonders auf die am M i t t w 0 ch , 16. Mai, erfolgende Reichssendung aufmerksam gemacht, die diesmal unter dem Leitwort erfolgt: „Unsere Saar. — Den W e g frei zur Verständigung!" * Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft, Dr.-Äng. Oskar Staebel, ist von dem Führer des VDA., Dr. Steinacher, in den Reichsführerrat des'Volksbundes für das Deutschtum im Auslande berufen worden. * Eine Abordnung der p 0 l n i s ch e n L a n d w irisch a f t traf in der Reichshauptstadt ein. Die Führer der Abordnung wurden im Reichsernährungs- miuifterium vom Reichsminister D a r r 6, Staatssekretär Backe und Ministerialdirektor Dr. Köhler empfangen. Im Anschluß an diese Begrüßung machten die Herren dem Führer des Stabsamtes des Reichsbauernführers Dr. R e i f ch l e und Reichshauptabteilungsleiter Dr. Winter einen kurzen Besuch. Die Gesandten Estlands und Lettlands über- reichten der litauischen Regierung die Antwort auf deren Denkschrift über eine engere Zusammenarbeit der baltischen Staaten. Beide Regierungen nahmen den litauischen Vorschlag als Unterlage f weitere diplomatische Verhandlungen an. Kunst und Wiffenschaft. Die 5. Schachpartie remis. Die 15. Partie im Schach-Weltmeister- s ch a f t s k a m p f, die letzte Münchener, wurde am Samstag beendet. Bogoljubow, der bei Abbruch der Partie eine'recht ungünstige Stellung hatte, verstand es durch zähes Spiel, die Gewinnversuche des Weltmeisters A l j e ch i n zu durchkreuzen. Nach dem 70. Zuge wurde die interessante Partie auf Vorschlag Aljechins remis gegeben. Die 16. Partie wird in Bayreuth gespielt. Stand des Kampfes: 9:6 bei 10 Remisen für Dr. Aljechin. Zum ersten Male im Verlaufe des Wettkampfes wurde am Sonntag in Bayreuth der Königsb-auer gezogen. Es kam zu einer spanischen Partie, die recht verwickelt wurde. Weltmeister Dr. Aljechin opferte, wie schon oft, einen Bauern auf Angriff. Der deutsche Meister Bogoljubow gab ihn zurück, um Gegenspiel zu erlangen. Der Weltmeister jedoch kam zum Zuge und stellte durch eine Reche feiner Opfer seinen Vorteil sicher. Die Partie wurde im 40 Zuge abgebrochen; der Weltmeister dürfte jedenfalls das Spiel für sich entscheiden. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft. Vom 1 bis 2. Juni findet in Lübeck unter Dor- sitz von Reichsstatthalter Hildebrandt d.e erste Reichstagung der Nordischen G- ell- l ch a s t statt, zu der die Vorsitzenden und Vorstande der Kontor- und Sektionen der G-sellschast mit den Mitgliedern des Großen Rates zusammenkommen werden, um die Richtlinien für die weitere Arbeit der Gesellschaft zu beraten. Reichsleiter Alfred Rosenberg wird auf einer Kundgebung auf bem Marktplatz sprechen. Sachreferate sind vorgesehen von Gesandten Werner D aitz - Berlin, Pro estör Dr Sven H e l a n d e r - Nürnberg, Relchsge- schäftsführer Dr. T i m m - Lübeck. Am Abend des ersten Tages wird ein Mitternachtskonzert m der angestrahlten Marienkirche unter Mitwirkung von Frau Bergliot Ibsen-B j 0 r n f 0 n und Domorganist Raasted stattfinden. Die ,,Tschetjuskin“-Vesahung auf der ^imreife Der Dampfer „Smolensk", der aus Wladiwostok nach der Providence-Bucht entsandt worden war, um die geretteten „Tschelju f k i n.-Leute aufzunehmen, ist am Montag nach vielwochigem Kampf mit den Eismassen in der Lawrence-Bucht emge- troffen. Dem Dampfer ist es gelungen, sämtliche „Tscheljuskin"-Leute an Bord zu nehmen. Die „Smolensk" kehrt nunmehr nach Wladiwostok zurück. Den amenkamschenMnschenrä'ubem entronnen. Millionär Gettle und Zune Robbles überraschend freigeloffen. Wilde Schießerei mit einer Straßenräuberbande. Neuy 0 rk, 14. 2TlaL (DJIB.) Der Versuch eines Vertreters der Familie Getute, die Verbindung mit den Entführern des Oelmagnaten Herzutellen und einen Betrag von 60 000 Dollars a l s Lösegeld auszuzahlen, ist, wie aus Los Angeles gemeldet wird, unter aufsehenerregenden Umständen gescheitert. Als der Vertreter nach Empfang verschiedener, offenbar von den Entführern lammenden Zettet, die Anweisungen über die Auszahlung des Lösegeldes enthielten, an dem angegebenen Treffpunkt angelangt war, bemerkte er, daß mehrere Kraftwagen ihn einzufchliehen versuchten. 3n der lleberzeugung, daß die Insassen der Kraftwagen nicht die Entführer, sondern andere Banditen waren, die ihm das Lösegeld entreißen wollten, schoß der Vertreter auf die Kraftwagen und entkam nach lebhaftem Kugelwechsel den Banditen, die sofort seine Verfolgung ausgenommen hatten. Die Polizei sperrte sofort nach der Schießerei das ganze Gebiet ab und »nahm zwei verdächtige Personen fest. Einem Funkspruch aus Neuyork zufolge haben die Menschenräuber am Montagabend zwei ihrer Opfer freigelafsen. Es handelt sich um den Petroleummagnaten William Gettle, der in seinem heim bei Los Angeles überfallen und zum Mitgehen gezwungen worden war, ferner ist die sechs Jahre alte June Robbles auf freien Fuß gesetzt worden, die schon vorher entführt worden war. N e u y 0 r k,'15. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie zu der Freilassung des Petroleummagnaten Gettle und der sechsjährigen June Robbles bekannt wird, sind beide von den Menschenräubern ohne jedes Lösegeld auf freien Fuß gesetzt worden, und zwar fast gleichzeitig. Gettle wurde mit zweien seiner Entführer in einem Haus des bei Los Angeles liegenden Ortes Glendale aufgefunden. Die kleine June Robbles entdeckte man etwa 15 Kilometer von Tucfon im Staate Arizona in einer grabartigen Höhle. Sie war sehr erschöpft. Die Auffindung der June Robbles war nur dadurch möglich, daß anscheinend die Entführer selb st den Gouverneur des Staates Arizona durch einen Luftpostbrief, der in Chikago aufgegeben war, mitteilten, daß die Kleine 150 Schritte nördlich einer einsamen Landstraße in der Umgebung Tucsons in einer Höhle versteckt sei. Sofort wurden vom Gouverneur Nachforschungen angestellt, und man fand dabei tatsächlich in einem verdeckten Loch, das nur etwa zwei Meter lang, etwa 85 Zentimeter breit und ein Meter tief war, das kleine Mädchen auf. Die Füße des Kindes waren gefesselt. Neben ihm stand ein Krug und lag etwas vertrocknetes Obst und einige Drangen. Das Kind starrte vor Schmutz und Ungeziefer. Es war so schwach, daß die Höhle tatsächlich bald sein Grab geworden wäre. Die Befreiung Gettles ist wohl darauf zurückzu- führen, daß man nach dem U e b e r f a l l auf den Vertreter der Familie Gettle, der den Entführern, wie gemeldet, 60 000 Dollar als Lösegeld überbringen sollte, die Spur eines Mannes verfolgt hat, der neue Verhandlungen mit den Angehörigen Gettles aufnehmen sollte. Man überraschte ihn beim Telephonieren und ging ihm dann nach. Dabei entdeckte man, daß er in dem Hause verschwand, in dem man Gettle und zwei seiner Entführer auffand. Großmütterchens Vrauttleid erregt Aussehen. Oer Kamps um die schlankste Taille der Welt. In England werden, wie bei uns, von Zeit zu Zeit Modeschauen veranstaltet, die aber dort „Modenkavalkaden" heißen. Bei einer solchen Modenkavalkade ereignete sich ein sehr amüsanter Vorfall. Die Leiter der Modeveranstaltung hatten für ihre Besucher eine besonders reizvolle Überraschung vorbereitet. Neben den modernen Modeschöpfungen sollte als sensationelles Glanzstück der guten alten Zeit ein prachtvoll gearbeitetes Brautkleid oor- geführt werden, das vor siebzig Jahren von einer jungen Dame getragen worden war. Die Vorführung dieses Brautkleides aus Großmutters Tagen war als Höhepunkt der Modenkavalkade gedacht. Niemand von den Veranstaltern hatte sich jedoch träumen lassen, daß sich dabei unerwartete Schwierigkeiten einstellen würden. Als der Augenblick gekommen war, da ein junges schlankes Mannequin in das Brautkleid schlüpfen sollte, stellten die Herren Direktoren zu ihrer maßlosen Verwunderung fest, daß das Kleid in der Taille viel zu schmal war. Die Taille hatte einen Umfang von nur 40 Zentimetern. Während die versammelten Besucher ungeduldig den großen Augenblick herbeisehnten, befanden sich die Leiter der Modenschau in größter Verlegenheit. Nun, da sie mit einem riesenhaften Reklameaufwand für Das alte Brautkleid Propaganda gemacht hatten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als ein geeignetes Mädchen mit der notwendigen schlanken Taille ausfindig zu machen. Im Nu waren sämtliche verfügbaren Mannequins, lauter junge Damen mit über- fchlanker Figur, zufammengetrommelt. Eine nach der andern mußte das Brautkleid aus dem vorigen Jahrhundert anprobieren, aber keine war schlank genug. Die Vorführung dieses Prunkstückes mußte dahev auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Es erhob sich die Frage: gibt es überhaupt in England ein Mädchen, das einen Taillenumfang von nur 40 Zentimetern hatte? Waren .mfcre Großmütter schlanker als es die Mädchen von heute sind? Darüber konnte nur ein Inserat in einer großen Londoner Zeitung Aufschluß geben. Dieses Inserat war von verblüffender Wirkung. Aus allen Gegenden des Landes meldeten sich junge Mädchen, die sich einbildeten, die s ch l a n k st e Taille der Welt zu haben. Unzählige Male mußte das Brautkleid der unbekannten Großmutter angezogen und wieder ausgewogen werden. Als die Hoffnung schon aufgegeben war, meldete sich die 17jährige Miß Angela B 0 0 t h , ein zartes Geschöpf von einer geradezu überirdischen Schlankheit. Unter atemloser Spannung versuchte das Mädchen in das Kleid zu schlüpfen, und siehe da — es paßte ihr wie angegossen. Das Mädchen mit der Wundertaille wurde gebührend bewundert und zahllose Male von begeisterten Anhängern der schlanken Mode geknipst. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Miß Angela Booth auf diese sonderbare Weise ihren Weg machen wird. Vielleicht erhält sie ein verlockendes Filmengagement ober ein Schlankheitsfanatiker bewirbt sich um ihre Hand. Die schlanke Miß wird sicher für das sensationelle Hochzeitskleid recht bald Verwendung haben. Aus aller Well. Riesenfeuer in Unterfranken. — 16 Wohnhäuser und 22 Scheunen eingeäschert. In der unterfränkischen Gemeinde Poppenroth wütete ein verheerendes Großfeuer, dem nicht weniger als 16 Wohnhäuser und 22 Scheunen zum Opfer fielen. Das Feuer, das in einer Scheune ausgebrochen war, verbreitete sich, vom Wind begünstigt, in rasender Eile über die ganze Häuserreihe. Bei dem Wassermangel erwiesen sich die ersten Bekämpfungsmaßnahmen als völlig unzureichend. Erst als die Feuerwehren von Bad Kiffingen, Hammelburg, Schweinfurt und zwei anderen Orten mit ihren Motorspritzen eingreifen konnten, gelang es, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Der Ort bietet ein Bild der Zerstörung. Der Schaden ist noch gar nicht abausehen. Das Unglück trifft die Bevölkerung um so härter, als es sich meist um minderbemittelte Leute handelt. Durch den Brand sind über 100 Einwohner obdachlos geworden. Durchs einstürzendes Mauerwerk und Balken wurden zahlreiche Bewohner verletzt, so daß in fast 30 Fällen die Sanitäter Hilfe leisten mußten. Sofort nach Benachrichtigung von der Katastrophe eilte der Gauleiter Dr. Hellmuth an Ort und Stelle, um helfend einzugreifen. Verheerende Feuersbrunst in einer bulgarischen Stadt. In einer der letzten Nächte brach im Geschäftsviertel der nordbulgarischen Stadt Plewen ein Großfeuer aus, das 14 Geschäftshäuser und zahlreiche Wohnhäuser bis auf die Grundmauern einäscherte. Im Kellerraum eines Geschäftshauses befand sich ein Spreng st offlager, das mit lautem Getöse in die Luft flog. Sechs Personen, darunter der Kommandant der Feuerwehr, wurden, zum Teil schwer, verletzt; ein Verletzter ist bald Darauf g e ft 0 r b e n. Die Löscharbeiten gestalteten sich infolge des starken Windes äußerst schwierig. 15 Feuerwehrleute erlitten schwere Rauchvergiftungen. Erst in den späten Morgenstunden konnte das Feuer gelöscht werden. Heber 100, meist arme Familien, haben ihr Obdach verloren. Der Sachschaden ist sehr groß. Das Urteil gegen den kommunistischen Kindesmörder Schutz aufgehoben. Wegen durchgreifender Bedenken verfahrens- wie fachlich-rechtlicher Art hob das Reichsgericht das am 15. Februar d. I. ergangene, wegen Mordes auf Todesstrafe lautende Urteil des Schwurgerichts Schweidnitz gegen den 35jährigen früheren kommunistischen Landtagsabgeordneten Richard Schulz aus Dittersbach (Kreis Waldenburg m Schlesien) auf und verwies die Sache zur n 0 ch - maligen Verhandlung an das Schweid- nitzer Gericht zurück. Das Schwurgericht hatte während der neuntätigen Hauptverhandlung bei Ausschluß der Oeffentlichkeit, bet der Behandlung der Beweisanträge und in einigen anderen Punkten prozessuale Verstöße begangen, die einen sog. absoluten Revisionsgrund abgaben und daher zwangsläufig zur Aufhebung des angefochtenen Urteils führten. Aber auch in fachlicher Hinsicht waren nach Auffassung des Reichsgerichts keine ausreichenden Feststellungen über die Ueberlegung des Angeklagten bei Ausführung der Tat getroffen worden. Schulz, der bereits am 20. September 1932 wegen Mißhandlung feines älterem Sohnes Werner au vier Jahren Gefängnis verurteilt worden war, hat feinen feit den Sommerferien 1932 verschwundenen jüngeren Sohn Horst umgebracht und die Leiche dann in die Weistritztalsperre bei Breitenhain geworfen, wo sie später geborgen wurde. Der Beweggrund zur Tat soll die Absicht gewesen sein, sich an seiner geschiedenen ersten Frau durch Beseitigung ihres Lieblingssohnes zu rächen und zugleich einen unbequemen Zeugen im Ehescheidungsverfahren aus dem Wege zu räumen. Vater und Sohn tödlich verunglückt. Aus Wiesbaden wird gemeldet: An der Bahnunterführung an der Armenruhmühle auf der Mainzer Landstraße ereignete sich ein schweres Motor- radunglück. Der Gastwirt Volland aus Biebrich kam mit seinem elfjährigen Sohn auf dem Motorrad aus Erbenheim den steilen Erbenheimer Weg herunter und prallte unten an der Biegung in großer Geschwindigkeit mit der Maschine gegen d i e Mauer der Unterführung. Mit schweren Verletzungen kamen Vater und Sohn ins Biebricher Krankenhaus, wo sie kurz nacheinander gestorben sind. Verhängnisvoller Treppensturz zweier Kinder. In Eschwege stürzten zwei kleine Kinder im Alter von IV2 und 6 Jahren eine Treppe hinunter, wobei das jüngere so schwere Verletzungen erlitt, daß es bald darauf ft a r b. Das zweite Kind liegt in bedenklichem Zustand darnieder. Die Toten vom Schlepper „Hierfür“ noch nicht geborgen. Vom Norddeutschen Lloyd Bremen erfahren wir zu dem Unglück des Schleppers „Merkur" noch folgende Einzecheiten: Die angestrengtesten Versuche, die in dem kieloben treibenden Schlepper eingeschlossenen Besatzungsmitglieder zu retten, mußten seioer erfolglos bleiben, da bei Niedrigwasser nur ein ganz kleines Bodenstück des vorderen Schlepperteiles nicht vom Wasser überflutet roar. Es wurden verzweifelte Versuche unternommen, durch Sauer st offgebläfe Zugang zum Innern zu erhalten. Die Arbeiten wurden vor allem durch die starke Strömung außerordentlich erschwert. Die nach dem Ab-sinken des Schleppers „Merkur" noch eine zeitlang gehörten Klopfzeichen waren schon stundenlang verstummt, als man schließlich die Rettungsversuche aufgeben mußte. Nur schweren Herzens entschlossen sich die an der Unfallstelle anwesenden Sachverständigen zur Aufgabe der Rettungsarbeiten, da sie erkennen mußten, daß diese Arbeiten unter den obwaltenden Umständen gänzlich aussichtslos waren. Die Bergung des Wracks durch die Hebeschiffe „Straft" und „Wille" wird im Auftrage der Reichs- stromverwaltung vorgenommen. Die Leichen werden aller Voraussicht nach erst geborgen werden können, wenn der Schiffskörper gehoben ist. Zwei hitlerjungen beim Baden im Rhein ertrunken. Drei Hitlerjungen, die oberhalb Rodenkirchens im Rhein badeten, gerieten in einen Strudel. Nur einer der Jungen konnte gerettet werden. Die beiden anderen, die 17 Jahre alt waren, fanden den Tod im Rhein. Mord an einem SA.- Mann. — Der Täter richtet sich selbst. Die Kriminalpolizei Lünen (Westfalen) teilt mit: Am Sonntagmorgen fand ein Anwohner, als er feine Kühe in den Wald trieb, in Lünen-Horstmar eine männliche Leiche und rief die Polizei. Kurze Zeit danach fand ein anderer Fußgänger, »etwa einen Kilometer von genannter Stelle entfernt, eine weitere männliche Leiche. Beide Leichen wiesen Schußverletzungen auf. Nachts waren von Anwohnern mehrere Schüsse vernommen worden. Es handelt sich bei den beiden Toten um den SA - Mann Erich Teßmer aus Lünen-Horstmar und um einen gewissen Karl Fröhlich, ebenfalls aus Lünen-Horstmar. Die Ermittlungen zur Aufklärung der Bluttat haben ergeben, daß SA.-Mann Erich Teßmer von dem früheren KPD.-Angehörigen Fröhlich durch fünf Schüsse in den Rücken getötet worden ist. Der Mörder hat sich nach der Tat entfernt und dann felbft gerichtet. Bei der Leiche des Fröhlich wurden zwei Pistolen und eine Menge Munition gefunden. Verheerender Wolkenbruch in Palästina. — 21 Todesopfer. In der Altstadt von Tiberias am Genezareth-See ging plötzlich ein gewaltiger Wolkenbruch nieder. Zahlreiche Häuser sind e i n g e ft ü r 5 t. Aus den eingestürzten Häusern find bis jetzt 21 Todesopfer geborgen worden. Viele Personen werden noch vermißt. Die Zahl der Obdachlosen ist sehr groß. Besonders schwer gelitten hat das Zentrum des Ortes mit dem Markt. Viele Häuser wurden durch Steinlawinen zerstört. Der Regen war so heftig, daß das Wasser in einzelnen Straßen zwei Meter hoch stand. Militär und Polizei sind zur Hilfeleistung eingesetzt. Nach oberflächlicher Schätzung beträgt der Schaden mindestens 30 000 Pfund Sterling. Deutscher Substratosphärenballon „Bartsch von Sigsseld“ überfällig. Bis Montagmittag war in Bitterfeld keine Landungsmeldung von der Mannschaft des Subftratofphärenballons „Bartsch von Sigs- f e l b" eingetroffen, der am Sonntag früh kurz nach 8 Uhr auf dem Bitterfelder Ballonfüllplatz aufgeftiegen ist. Man befürchtet deshalb das schlimmste. Da in großer Höhe aber stärkste Luftgeschwindigkeiten herrschen, ist es auch möglich, daß der Ballon sehr weit, vielleicht nach Polen, Rußland oder auch auf die hohe See abgetrieben worden ist. Das Auswärtige Amt ist von der Sachlage unterrichtet worden, damit den Balloninsaffen bei einer etwaigen Notlandung im Auslande jede mögliche Unterstützung zuteil wird. Der Ballon ist der größte deutsche Freiballon. Er faßt 9500 Kubikmeter. Die Führung hatte Dr. Jng. S ch r e n cf (Berlin). Die deutsche Flagge an zweiter Stelle im Suez-Kanalverkehr. Am 4. Juni findet, wie aus Paris gemeldet wird, die Hauptversammlung der Suez-Kanal - A G. statt. Der hierzu vom Verwaltungsrat ausgearbeitete Bericht weist für das Jahr 1933 folgende Ziffern aus: Die Zahl der Schiffe, die den Kanal durchfuhren, betrug 5423 mit einem Nettotonneninhalt von 30 677 000. Diese Ziffern bleiben um 8,3 v. H. hinter dem Rekordverkehrsjahr 1929 zurück, bedeuten aber gegenüber dem Jahre 1932 eine Steigerung um 8,2 v. H. Die Zahl der durch den Suez-Kanal beförderten Passagiere blieb mit 253 940 um 7834 hinter der des Jahres 1932 zurück. Großbritannien stellte den größten Teil der Schiffe, nämlich 54,5 v, H. An zweiter Stelle behauptet sich die deutsche Flagge, deren Tonnageziffer gegenüber 1932 um 254 000 Tonnen gestiegen ist. Dann folgen der Reihe nach die Niederlande, Frankreich, Italien, Norwegen und Japan. Wettervoraussage. Noch immer fließt an der Rückseite der nördöst- lichen Störung Kaltluft südwärts und gestaltet unseren WitLerungscharakter wechselhaft und kühl, wobei vereinzelt auch leichtere Schauer auftreten dürften. Stellenweise gehen in der Nacht die Temperaturen bis in die Gefrierpunktnähe zurück. Mit dem Herannahen einer neuen Störung vom Atlantik her wird die Kallluftzufuhr abgeschnitten, so daß später wieder Temperaturanstieg zu erwarten ist. Aussichten für Mittwoch: Wechselndbewölkt mit Aufheiterung, noch kühl, vereinzelt leichtere Schauer. Aussichten für Donnerstag: Etwas wärmeres, aber noch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 16 Grad Celsius, abends 8,7 Grad; am 15. Mai: morgens 6 Grad. Maximum 16,5 Grad, Minimum 2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 17,3 Grad, am 15. Mai: morgens 12,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. — Niederschläge 1,5 Millimeter. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 34: 11200. Druck uno Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen. Zum Sonnenbad stets Leckrem Aus dem Turnqau Jioröfyeffen OT. Vad-Nauheim rüstet für das DT.-Tennislurnler. 3n Bad-Nauheim, wo vom 17. bis 19. August das Tennisturnier der Deutschen Turnerschaft (verbunden mit dem zweiten Länderturnier) stattfindet, weilten am Samstag und Sonntag zu vorbereitenden Arbeiten und Besichtigung der Platzanlagen der Tennis-Obmann der DT. Hofer (München) und Gau-Tennisobmann Breitenstein (Kassel).. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Verkehrsamt und der turnerischen Ortsleitung wurden alle Einzelheiten über Aufbau und Durchführung der DT.- Großveranstaltung besprochen. Die zwölf Plätze fassende Turnieronlage, herrlich inmitten des Kurparks gelegen, wurde als mustergültig befunden. Es erfolgte in großen Zügen die Festlegung des Programms, das in seiner technischen und gesellschaftlichen Gestaltung den nach der hessischen Badestadt kommenden besten Tennisspielern aus allen Gauen der DT. erlebnisreiche Tage bereiten wird. Spielvereinigung 1900 Gießen. ' 1900 (Ciga) — Alsfeld (Liga) 0:0. Die Gießener Blauweißen konnten trotz größter Feldüberlegenheit das Gesellschaftsspiel gegen den Sportw^rein 06 Alsfeld nur unentschieden gestalten. Das Mickspiel fand der nationalen leichtathletischen Wettkämpfe wegen schon am Samstagabend statt. Es stand unter der einwandfreien Leitung des Schiedsrichters Rüspeler (Gleiberg). 1900 hatte in letzter Minute noch Aenderungen an der Mannschaftsaufstellung vornehmen müssen. So spielte für Wittmann Schmidt im Tor. Im Angriff fehlte Roth. Erstmals dagegen stand Keul (früher Aßlar) auf dem Posten des Mittelläufers, und man kann schon nach diesem ersten Spiel sagen, daß er für die Gießener Elf eine wertvolle Verstärkung ist. Vorweg sei gesagt, daß das Schlußdreieck und die Läuferreihe in ausgezeichneter Verfassung wirkten und da- durch dem Gegner kaum die Chance eines Erfolges überließen. Die Geschehnisse auf dem Spielfeld wickelten sich fast ausschließlich in der Alsfelder Spielfeldhälfte ab. Der Gegner kam nur zu einem halben Dutzend durchbruchartiger Angriffe. Schmidt im 1900-Tor hatte nicht einen einzigen schweren Ball zu meistern. Daß die Alsfelder trotzdem zu diesem schmeichelhaften Unentschieden kamen, ver- danken sie der vorzüglichen Leistung ihres Torhüters und der vollkommenen Unfähigkeit der Gießener Angriffsreihe, auch nur eine einzige der zahlreichen Situationen zu Treffern auszuweiten. Aus dem Spielverlauf ist deshalb auch nichts weiter zu berichten, als daß die Hiesigen das ganze Spiel hindurch das Alsfelder Tor berannten, ohne den guten Hüter zu überwinden. Gute plazierte Schüsse der Gießener sah man nur selten. Es wurden aber viele der besten Chancen versiebt, wobei . es ein Leichtes gewesen wäre, den Ball mühelos ins feindliche Gehäuse zu tragen. Die Läufer hatten mit ihren mehrmals versuchten Torschüssen und auch mit einigen wuchtigen Strafstößen kein Glück. Und so blieb es trotz aller Anstrengungen der Hinter- mannschast bei dem 0:0. Alsfeld hat gegen frühere Begegnungen im Feldspiel stark nachgelassen. Die Elf war aber auch nicht in stärkster Aufstellung nach Gießen gekommen. Trotzdem war sie sehr eifrig in der Zerstörung der Gießener Angriffe. Das Treffen nahm einen sehr fairen Verlauf. __________ Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Am Sonntag gastierte die zweite Mannschaft des SV. Bad-Nauheim in Leihgestern und mußte eine verdiente Niederlage von 7:3 hinnehmen. Die Blau- Weißen waren vom Anstoß weg im Vorteil und konnten auch halb in Führung gehen, dem bald darauf das zweite Tor folgte. Nun wurde auch Bad-Nauheim gefährlich und schließlich verkürzten die Gäste auf 2:1. Die Platzbesitzer vergrößerten aber ihren Vorsprung durch einen Foulelfmeter und durch einen schönen Schuß des Halblinken auf 4:1. Mit diesem Resultat wurden die Seiten gewechselt. Die Badestädter gingen in der zweiten Hälfte vom Anstoß weg sofort vor das gegnerische Tor, und der Torwart der Blau-Weißen mußte einen lieber- raschungsfchuß passieren lassen. 4:2. Leihgestern war dauernd feldüberlegen und schließlich vergrößerten der Mittelstürmer und der Halblinke den Vorsprung auf 6:3. Der Mittelstürmer der Gäste schoß dann aus fünf Meter abermals ins Schwarze und verkürzte auf 6:3. Fast mit dem Schlußpfiff zusammen fiel aus einem Gedränge noch ein siebentes Tor für die Blau-Weißen. Mit 7:3 Toren muß- tcn die Badestädter eine verdiente, auch in dieser Höhe, Niederlage hinnehmen. Vorher spielte die Zugendelf der Blau-Weißen gegen die Jugend des FC. Allendorf (Lahn) und fertigte diese mit 5:2 Toren ab. Die Ueberlegenheit der Einheimischen war so groß, daß das Ergebnis leicht zweistellig hätte lauten können. Sportabteilung des Tv. Wieseck. Lollar I — Wieseck I 1:2 (0:2). Am Samstagabend standen sich in Lollar diese Mannschaften im Freundschaftsrückspiel gegenüber. Beide Mannschaften traten mit je einem Ersatzmann an und zeigten von Spielbeginn ein flottes, scharfes Spiel. Wieseck fand sich zuerst besser und drückte zeitweise etwas. Schon nach zehn Minuten gelang es ihm, in Führung zu gehen. Lollar ging nun mehr aus sich heraus, doch zerschellten alle seine Angriffe an der guten Abwehr des Schlußtrios der Gäste. Noch vor Halbzeit erhöhten diese das Resultat auf 2:0. Nach Seitenwechsel gab es auf beiden Seiten wohl schöne Momente, doch zeigte der Sturm der Gastgeber wenig, was zu Erfolgen führen konnte, während auf der Gegenseite manch schöner Schuß neben oder über die Pfosten gejagt, oder von dem Hüter der Gastgeber gut pariert wurde. Erst in der Schlußminute kam Lollar mit viel Glück zum Ehrentor. Wieseck I — Grünberg I 7:3 (3:2). Am Sonntag war Grünberg mit zwei Mannschaften in Wieseck zu Gast. Im Spiel der ersten Mannschaften stellten sich dem Unparteiischen, Offenbacher (Lollar), die Gäste komplett, Wieseck mit Ersatz. Grünberg griff sofort schnell an mit dem Erfolg, daß es in wenigen Minuten zwei Tore erzielt hatte. Wieseck hatte bann, abgesehen von einigen Durchbrüchen, stets mehr vom Spiel, doch gelang es ihm erst nach zwanzig Minuten, zum ersten Gegentreffer zu kommen, bem auch balb der Ausgleich folgte. Wohl versuchten die Gäste durch großen Eifer die technische Ueberlegenheit der Gastgeber auszugleichen, sie konnten aber trotzdem nicht verhindern, daß Wieseck die Führung übernahm. Halbzeit 3:2. Nach Seitenwechsel erhöhte Wieseck sofort auf 4:2, doch stellte ein schöner Schuß des Gästehalbrechten ebenso schnell die alte Tordifferenz wieder her. Dann wurde Wieseck stark Werfegen, rmv Grllnderg soft ganz tn feiner Hkkkfte festgehalten. Eine ganze Serie von Ecken war Oie Ausbeute, in deren Verlauf noch drei Tore für Wieseck fielen. Erst gegen Schluß wurde das Spiel wieder ausgeglichener, doch reichte es auf beiden Seiten nicht mehr, um zu Erfolgen zu kommen. Mit Kreß und Ezepan. Deutsche Fußball-Elf für das dritte Derby County-SpieL Der Deutsche Fußvall-Bund hat jetzt seine Mann- schäft, die am Mittwoch, 16. Mai, in Düsseldorf das dritte „Lehrspiel" gegen die englische Profi-Ligamann- schäft Derby County austrägt, aufgestellt. Nachdem nun im deutschen Meisterschafts-Spielbetrieb eine kurze Zwischenpause eingetreten ist, kann der DFB. auch auf die seither beschäftigten Spieler zurück- greifen. So kommt es, daß in der neuen deutschen National-Mannschaft diesmal auch Kreß (Dresdener SC.) und Czepan (Schalke 04) stehen. Es spielen: Kreß (Dresdener SC.); Haringer (Bayern München), Schwarz (Dikt. Hamburg); Janes (Fortuna), Tz span (Gchalk), «krev (Wacker München); Schn«k (Augsburg), Hohmann (Benrath), Conen (Saarbrücken), Sifsiing (Waldhof), Kodierst! (Fortuna). Wieseck U — (Brünberg II 9:1. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften erprobten diese Mannschaften chre Kräfte. Die Gastgeber waren ihrem Gegner technisch und taktisch überlegen und führten bereits bei Halbzeit mit 3:0 Toren. Nach Seitenwechsel gab Grünberg wohl alles her, konnte jedoch nicht verhindern, daß Wieseck, obwohl es nur noch mit zehn Mann spielte, noch sechsmal erfolgreich war. Erst kurz vor Schluß kam Grünberg zu seinem Ehrentore. Derby Lounty nicht in Berlin. Die englischen Berufsspieler von Derby County sollten am Pfingstdienstag, 22. Mai, noch ein fünftes Spiel gegen eine deutsche Nachwuchsmannschast austragen. Auf besonderen Wunsch der Leitung des englischen Clubs hat nunmehr der Deutsche Fuß- baübunb bas geplante Spiel abgesetzt. Gau Aor-heffen OT. 8. Kreis Lahn-Dill. Am Sonntag fanben an mehr als 500 Orten Deutschlanbs in ben Turnkreisen der Deutschen Turnerschaft (DT.) Tagungender Vereins- führer statt. Auch der Kreisführer unseres Krei- ses Lahn-Dill hatte seine Gefolgsleute zusammengerufen. Kreisführer Daupert (Wieseck) konnte außer dem Führerring die Vertreter von über 70 Vereinen willkommen heißen. Sein besonderer Gruß galt einem Ehrengast, dem ersten Vertreter des früheren Kreises Mittelrhein, Turnbruder A. P fe i- f e r aus Wetzlar. Vor Eintrit in die Tagesordnung gedachte der Kreisführer des kürzlich verstorbenen Ehrenmit- gliedes Georg Kling (Gießen). Die Versammlung ehrte ben Entschlafenen in üblicher Weise. Weiter gab ber Kreisführer bekannt, baß an Stelle bes nach Worms versetzten Bezirksführers Dr. R a u Turnbruder Dr. Drucke (Kirchhain) berufen worben ist. In längeren Ausführungen zeichnete ber Kreisführer bie Lage ber Deutschen Turnerschaft im neuen Reich. Wir wollen vertrauensvoll vorwärts schauen. Der Glaube an bie DT. unb an bie von ihr jahrzehntelang geleistete Arbeit, bie beste deutsche Kulturarbeit war, muß uns bie Kraft unb Zuversicht zu weiterem Schaffen geben. Unb wenn von oben bis unten jeber Führer mit Kraft unb gutem Willen freubig an seine Arbeit geht, dann wirb auch ber Erfolg nicht ausbleiben. Der Kreisführer stellte bann bie Richtlinien f ü r bie Arbeit im Kreise unb in ben Vereinen klar unb bestimmt heraus. Aus der Besprechung klang stets hervor, daß die Turner allezeit marschbereit hinter dem Reichssportführer und dessen Plänen stehen. Die Ausführungen waren überaus vielseitig, es 4ann nur aus wenige Punkte zusammenfassend hingewiesen werden. Mit den politischen Formationen ist auf kameradschaftliche Zusammenarbeit zu achten. Wo sich dennoch Schwierigkeiten ergeben, sind kurze, treffende Sachberichte an unsere Führer einzureichen. Die Zusammenarbeit ist an vielen Orten I gut, unb ba wir ja bas gleiche Ziel haben, nämlich: eine gesunde, starke Jugend im nationalsozialistischen Staate heranzubilden, sollte es auch gelingen, in harmonischer Zusammenarbeit den Weg zu diesem Ziele zu gehen. Die unlösliche deutsche Volks- und Schicksalsgemeinschaft mit dem Saarland und unsere Bruderschaft mit den Turnern bes Saargebietes soll burch bie große Saartreue-Staffel zum Ausbruck kommen. Jeber Verein unb jebes Vereinsmitglied muß Mitarbeiten, baß biese große Kunbgebung glänzenb verläuft. lieber den Bezug der Gauzeitung herrscht noch viel Unklarheit. Don allen über 14 Jahre alten Mitgliedern eines Turnvereins erhalten 6 Prozent die Zeitung unentgeltlich. Nötig ist, daß die Der» einsfuhrer Die Namen derjenigen Mitglieder, an bi< je ein Stück gefanbt werben soll, bem Gaugeschäftsführer, Turnbruder Chr. Siebert zu Hersfeld, melden. Auch der Poftbeftellort ist anzugeben. Gauschwimmwart Sauer berichtete über bie' Reichsschwimmwoche. Er forberte wieberholt auf, die übersandten Erhebungskarten ausgefüllt an den Kreisschwimmwart Wilhelm Luft, Wetzlar, einzuschicken. Das erste Kreisfest des Kreises Lahn- Dill findet in Großen-Linden statt. Es soll für alle Turner zu einem großen Erlebnis werden. Großen-Linden gibt sich große Mühe, das Fest gut vorzubereiten. Alle Vereine haben sich mit Fahne an dem Kreisfest zu beteiligen. Mit Beifall und Dank ausgenommen wurden wertvolle Mitteilungen, die Ehrenmitglied Pfeiffer- Wetzlar gab. Kreisführer Daupert zeichnete im Schlußwort nochmals scharf und klar den Weg der Deutschen Turnerschaft im neuen Reich und versicherte, daß die Turnerschaft nicht nur lebhaften Anteil nimmt an allem Geschehen unserer Zeit, sondern daß sie sich auch gern und freudig hineinstellt in die Arbeit für Heimat, Volk und Vaterland. In das „Gut Heil" auf den Reichspräsidenten von Hindenburg, auf den Volkskanzler Adolf Hitler und auf das deutsche Vaterland stimmte der Führertag mit Begeisterung ein.Z 3i>ad MM H H L. Tzvk. ■ ; M JK v i r ■ L So lautet das zur Pflichterfüllung und Verantwortungsbewußtsein ermahnende Geleitwort des Reichsministers Dr. Goebbels für das kleine Heft zu Gunsten des Hilfswerkes „Mutter und Kind". Es ist ein Mahnwort für den deutschen Mann und die deutsche Frau. Jeder deutsche Volksgenosse hat heute schon erkannt, daß wir einen zahlreichen, gesunden Nachwuchs brauchen, um Deutschlands Zukunft zu sichern. Die bevölkerungspolitische Aufklärungsaktion der Reichsregierung hat der Oeffentlichkeit die Augen geöffnet, daß der Geburtenrückgang in Deutschland zum Stillstand kommen muß. Ein Volk ohne Nachkommen ist ein Baum ohne Wurzel. Die echt deutsche Wertung von Sippe und Familie, Mutterschaft und Kinderglück muß wieder zur Selbstverständlichkeit im Leben und Denken und Fühlen des ganzen Volkes und jedes einzelnen werden. All die praktischen Maßnahmen, die die NS. - Volkswohlsahrt mit ihrem Hilfswerk „Mutter und Kind" ins Leben ruft, können nur segensreich gedeihen und Früchte bringen, wenn zuvor diese Gesinnung Eingang findet in Herzen und Seelen deutscher Männer und Frauen, deutscher Jünglinge und Mädchen. Hierzu aber möge das vom Amt für Volkswohlfahrt herausgegebene Heft „Mutter und Kind" beitragen. Es ist zum Preise von 10 Pf. durch die Ortsgruppen der NS.-Volkswohl- fahrt zu beziehen. mer noch, die Zahl drei ist die beste. Wenn es mehr find, gibt es leicht zu lebhafte Gespräche, oder gar Meinungsverschiedenheiten. Dann wird das Schönste vergessen. Die Betrachtung der Natur. Zu zweien ist es auch sehr schön. Aber auch ganz allein zu wandern, hat tausend Reize. Das muß jeder selbst ausprobieren. Nun aber genug der Theorie! Hinaus mit frohem Mut in die Ferne! w. Krersbetriebszellenabteilung Gießen. Die Betriebszellenobleute von Firmen mit über 15 Arbeitnehmern werden zu einer dringenden Besprechung für Donnerstag, 17. Mai 1 934, in das Haus der Arbeit, Schanzenstraße 18, einberufen. In Firmen, wo kein Betriebszellenobmann vorhanden ist, hat ein Vertreter des Vertrauensrates zu erscheinen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Besprechung müssen wir um pünktliches Erscheinen dringend ersuchen. Die Herren Wirtschaftsführer werden gebeten, den betreffenden Personen Urlaub zu geben. Zeit 18 Uhr. Heil Hitler! gez. Hermann Wagner, Kreisbetriebszellenobmann. An sämtliche Ortsgruppen; und Stützpunktamtsleiter der NSV. Vetr.: Sammlung am 16. und 17. 2Hai „TNutler und Kind". Diejenigen Ortsgruppen, welche die Sammellisten, Abzeichen usw. noch nicht abgeholt haben, werden letztmals aufgefordert, die Sachen sofort bei der Kreisamtsleitung Gießen, Amtsgericht, Zimmer Nr. 202, abzuholen. Laut Rundschreiben sind die Ortsgruppen- und Stützpunktamtsleiter für die Durchführung dieser Sammlung verantwortlich. Heil Hitler! Gez. K l ö ß, Kreisamtsleiter. Für die Richtigkeit: gz. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer. NSDAP., Amt für Volkswohlfahrt. Kreisamtsleitung Gießen. Vetr.: Kasse. Auf Veranlassung des Gaues sind vorläufig Ueberweisungen für Mitgliederbeiträge, Aufnahmegebühren usw. nicht oorzunehmen. Weitere Anweisungen erfolgen in den nächsten Tagen. Heil Hitler! gez. K l ö ß, Kreiswalter der NSV. F. d. R.: gez. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer der NSV. AusparteiamtlichenBekanntmachungen Im NSLB., Kreis Gießen, findet am morgigen Mittwoä;, 15,30 Uhr, im Hause der Deutschen Arbeitsfront in Gießen, Schanzenstraße, eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft Volksschule statt. Alle an der Volksschule hauptamtlich tätigen Erzieher des Kreises Gießen müssen zu dieser Tagung erscheinen. Vorher um 14 Uhr Besprechung der Bezirks- und Schulgruppenobleute und der Kreisarbeitsleiter. und die ewigen Kriegsdienste für Oesterreich, die Bedingung für die Anerkennung der Königswürde, fraßen am Mark des Landes, und trotz alles glänzenden Kriegsruhmes waren keine Truppen verfügbar, um im Nordischen Kriege die eigenen Grenzen zu schützen. Diese Krone war allzu schwer für den jungen Staat. Es galt, die breite Unterlage zu schaffen, die dem Königstum erst Sinn und Berechtigung gab. Die ganze Wucht dieser Aufgabe fiel auf Friedrich Wilhelm I. Es bedurfte seines harten Pflichtgefühls, feiner unermüdlichen Arbeitskraft und feines tiefen Gottvertrauens, um an dieser Erbschaft nicht zu verzweifeln. Was fand er vor, als er mit 25 Jahren zur Regierung kam? Einen durch Kriege und höfischen Prunk zerrütteten Staat ohne inneren und äußeren Zusammenhang, von Memel bis Mörs über ganz Deutschland verzettelt, von ehrgeizigen Nachbarn umgeben, von fremden Truppen' durchzogen, Ostpreußen wie heute vom Staatskörper abgetrennt und durch Kriegsnot und Seuchen verödet; in der Staatsverwaltung Wirrwarr und Korruption, leere Kassen, die Staatsdomänen, damals die Haupteinnahmequelle, verpfändet ober in Erbpacht gegeben; jede durchgreifende Reform durch die Nebenregierung selbstsüchtiger Landstände, die Vetternwirtschaft in den Stadtverwaltungen und ein verarmtes, dumpf hindämmerndes Volk gelähmt. Nur ein klarer Verstand, ein eiserner Wille und ein organisatorisches Genie konnte aus diesem Chaos herausführen. Ein Staat wie das damalige Preußen konnte sich nicht den Luxus leisten, Athen und Sparta zugleich sein zu wollen. Unter dem ersten König war dieser Versuch kläglich gescheitert; selbst das reiche Sachsen war unter August dem Starken fast daran zugrunde gegangen. So zwang Friedrich Wilhelm, dem dies doppelte abschreckende Beispiel stets vor Augen stand, seinen jungen Staat rücksichtslos in die Bahn Spartas: statt des königlichen Scheinglanzes eine Wohlfahrtsdiktatur, statt des Durcheinanderwirtschaftens Ordnung und Einordnung, statt der Hofschranzen Soldaten und Beamte, statt der Schlösser Bürgerwohnungen, statt der Akademien Volksschulen und gemeinnützige Anstalten — und vor allem ein starkes Heer, die Voraussetzung jeder selbständigen Politik. Friedrich Wilhelm hat sich selbst als „Republikaner" bezeichnet. Er war es durch seine restlose Hingabe an das Gemeinwohl. Er war sogar Revolutionär, wie jeder Neuschöpfer, einer jener Revolutionäre von oben, wie sie Deutschland zu feinem Glück immer wieder gehabt hat. Er hat Widerstände egbrochen, brachliegende Kräfte in das Joch des Staatsdienstes gezwungen, mit überlebten Einrichtungen schonungslos aufgeräumt, um neue, zweckmäßige und zeitgemäße an ihre Stelle zu setzen. Seine Persönlichkeit und seine Schöpferkraft waren so stark, daß seine Neuordnung 200 Jahre überdauert hat. Er hat einem ganzen Volke den Schwung zur Arbeit gegeben, ihm Pflichttreue und Ehrbarkeit anerzogen, einen Haufen zerstückelter Provinzen von ganz verschiedener sozialer Struktur zu einem einheitlichen Staatsgebilde zusammengeschweißt und ihm eine musterhaft sparsame Verwaltung gegeben. Dank ihm vermochte Preußen den steilen Weg zur Höhe emporzuklimmen, stiefmütterlich bedacht von der Natur, vom Schicksal auf die härtesten Proben gestellt, stets gezwungen, sich jedes Recht zu erkämpfen, zu siegen oder unterzugehen. So ist der Staat Friedrich Wilhelms f. zum Vorbild und Rückgrat Deutschlands und zur Grundlage seiner späteren Einheit geworden. In seine Gedanken ist eine Welt hineingewachsen. Noch in der jüngsten Gegenwart ist Italien seinem Vorbild gefolgt. Er hat zwei Menschenalter vor der Französischen Revolution den alt- römischen Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht erneuert, und der von ihm geschaffene „preußische Militarismus" hat im Siebenjährigen Kriege die Feuerprobe gegen ganz Europa bestanden; erst im letzten Weltkriege ist er nach Leistungen ohnegleichen einer erdrückenden Ueberzahl von Feinden und dem Dolchstoß von hinten erlegen. So steht die strenge Gestalt des „Soldatenkönigs" entscheidend und richtunggebend an der Schwelle der neueren Geschichte. Oer Keise-Ziegeubock von Lissa. Auch unsere Eisenbahnordnung ist nicht fertig dem Haupte der Athene entsprungen; ein besonders lustiges Verkehrskuriosum, das vor einem Dreivierteljahrhundert eine gewisse Berühmtheit erlangte, kann seine Entstehung auf das damalige Realement zurückführen: der Reise-Ziegenbock von Lissa. Aus Gründen, die dem einfachen Menschenverstand nicht ohne weiteres einleuchten, war es niemanden, selbst nicht dem zum Kranken berufenen Arzt ober der Hebamme ober sonst Menschen aus Berufen, in bem Eile sehr not tut, gestattet, sich auf auf einem Güterzug ber Eisenbahn be- jörbern zu lassen; selbst bann war die Beförderung ausgeschlossen, wenn dem Güterzuge „richtiae^ Personenwagen angehängt waren. Nur wenn oer zu Befördernde Begleiter eines lieben Viehes war, konnte er den Güterzug benutzen. Ein Industrieller aus Lissa fand nun ein originelles Mittel, um der Eisenbahnbehörde ein Schnippchen zu schlagen. Er hielt sich einen Ziegenbock, den er auch seinen Mitbürgern als Vermittler einer Fahrkarte auf dem In der Ortsgruppe Gießen-Süd findet am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, im Hotel Hop- feld Zellenabend der Zellen Frankfurter Straße (4) und Bahnhöfe (5) statt. Prof. Fischer spricht über „Deutschtum in Rumänien" (Lichtbildervor- trag). Die Ortsgruppe Gießen-Nord der N S. - H a g o (GHG.) hält am morgigen Mittwoch, 20.15 Uhr, im „Aquarium" ihre Mitgliederversammlung ab, zu ber alle Mitglieber zu erscheinen haben. In der Ortsgruppe Gießen-Norb hält bie Zelle 4 am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, Zellenabenb im Kaufmännischen Vereinshaus ab. Redner: Bannführer Käufer. Amt für Dotkswohtfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Mittwoch, 16. Mai, findet um 17 Uhr in der Geschäftsstelle Crednerftraße eine Brot- und Mehlausgabe für die Hilfsbedürftigen statt. 10 Pf. sind mitzubringen. Hauptversammlung der Männer- und Irauenvereinigung der Matthäusgemeinde. Gestern abend fand im Matthäussaal die diesjährige Hauptversammlung der Männer- und Frauenoereinigung der Matthäusgemeinde statt. Pfarrvikar Balz eröffnete die Versammlung und betonte dabei, daß die Arbeit in den evangelischen Gemeinden grundsätzlich umgestellt werden müsse auf das große Ziel. Neu bei dieser Umstellung sei, daß sich auch bie evangelischen Gemeinbe- vereine auf ben Bvben bes Nationalsozialismus stellen. Es sei erfreulich, baß bie nationalsozialistische Bewegung bie Arbeit ber evangelischen Gemeindevereine weitgehenb unterstütze. Es gebe keinen Gegensatz zwischen Volk unb Kirche, sowie zwischett Staat unb Kirche. Die Kirche habe kein Recht, sich in die Angelegenheiten des Staates zu mischen, ebensowenig werbe sich ber Staat in bie Angelegenheiten ber Kirche einmischen. Es gehe barum, baß man sich als Nationalsozialist zur Kirche bekenne und mitarbeite. Kirche und Staat wollten nicht gegen-, sondern miteinander arbeiten. Die einberufene Versammlung solle zunächst nur der Umorganisation dienen. Zur Tagesordnung übergehend erstattete zunächst Verwaltungsamtmann Schüllermann den Rechenschaftsbericht. Danach betrugen die Einnahmen der Männer- und Frauenvereinigung einschl. Sterbehilfe im Jahre 1933 insgesamt 2448,98 Mark, die Ausgaben 2403,05 Mark. Der Ueberschuß von 45,93 Mark wurde mit Zustimmung der Versammlung dem Reservefonds zugeführt. Das Vermögen des' Vereins (Reservefonds) beträgt z Z. 10 155,14 Mark. Die Zahl der Mitglieder ber Männer- unb Frauenvereinigung beträgt 532, bavvn finb 82 nicht ber Sterbehilfe ber Vereinigung angeschloffen. Bei ber folgenden Beratung der neuen Satzungen der Männer- und Frauenvereinigung wurde von Pg. Thomas beantragt, ben Zusatz beizufügen, baß nur derjenige Mitglied der Vereinigung werden kann, der arischer Abstammung ist. Lanbge- richtspräsident i. R. Neuenhagen wies darauf hin, daß die evangelische Männer- und Frauenvereinigung nur ein Teil der Gemeinde sei unb baher von sich aus keine Bestimmung treffen könne, solange nicht bie Gemeinde selbst zu dieser Frage Stellung genommen habe. Pfarrvikar Balz vertrat ebenfalls die Auffassung, daß die Aufnahme einer derartigen Bestimmung in die Satzungen nicht möglich sei, solange die Reichskirche bzw. Landeskirche zu dieser Frage nicht endgültige Bestimmungen erlassen habe. Im übrigen wurden die neuen Satzungen der Männer- und Frauenvereinigung einstimmig angenommen. Es folgte die Wahl des Vereinsführers. Auf Vorschlag von Landaerichtspräsident i. R. Neuen- Hagen wurde Verwaltungssekretär Jäckel, der seither schon mit der Führung der Geschäfte der Güterzuge gegen eine Gebühr von 50 Pfg. pro Station zur Verfügung stellte. So fuhr eines Tages sogar ein bekannter polnischer Magnat Graf P. als Begleiter eines Ziegenbocks. Der „Reiseziegenbock" wurde bald weit und breit berühmt und als Verkehrsunikum bestaunt, bis die Eisenbahngesellschaft dahinterkam und das Reglement derart änderte, daß dem erbarmungswürdig „bewegten" Leben des Reiseziegenbockes durch wohlverdiente Versetzung in den Ruhestand ein Ende gemacht wurde. Zeitschriften. — Im Maiheft der Deutschen Zeitschrift (Verlag Callwey, München) gibt u. a. Josef Dün- ninger in seinem Beitrag „Der politische Ort des Volkes", eine zeitgemäße Klärung ber Begriffe „Volk, Gemeinschaft, Kollektivum" unb rechtfertigt damit zugleich bie sozialpolitischen Maßnahmen ber neuen Staatsführung zum Aufbau einer neuen Volksgemeinschaft, lieber „Das Fernostgebiet ber Sowjetunion", bas mehr und mehr in bas weltpolitische Interesse gerückt wird, gibt Klaus Meh- nert auf Grunb ber neuesten, sehr eingehenben unb umfangreichen Nachrichten eine zusammenhängende unb knappe, burch Kartenskizzen unb statistische Angaben unterstützte Darstellung. Zum Thema „Deutschlanb — Oesterreich" nimmt vom Stanb- punkt ber gesanttbeutschen Solidarität ber „Kürenberger", ein den Kernpunkt bieses beutschen Problems scharf erfassenber Anonymus, Stellung, lieber Marie von Ebner-Eschenbach wirb ein prächtiger Essai aus dem Nachlaß Josef Hofmillers beigesteuert; als Leseprobe wirb bie bekannte Erzählung „Krambambuli" ber Dichterin beigegeben. Ulrich Christosfel macht uns näher mit bem Münchner Maler Hans Gott bekannt, von besten Werken sieben Gemälbe und Zeichnungen roiebergegeben werden. „Vom Wesen des Spiels bei Mensch und Tier" handelt ein Beitrag von Armin Müller. Im literarischen Teil ist noch bie „Geschichte vom guten Pferb" bes Vlamen Antoon Coolen zu nennen. Buch- unb Filmberichte schließen das gebiegene Heft. £od)fdnilnacbricbten. Professor Dr. L. Walbecker, Orbinarius für Staats-, Verwaltungs-, Völker-, Finanz- unb Steuerrecht an ber Universität Breslau ist an bie Universität Köln versetzt roorben. Der Hallenser Privatbozent Dr. Rubors ist als orbentlicher Professor für Pflanzenball und Pflanzenzüchtung unb als Direktor bes Instituts für Pflanzenbau unb Pflanzenzüchtung an die Universität Leipzig berufen worden. Imker hielten am Sonntag im „Tannhauser eine Versammlung ab, die einen überaus starken Besuch aufzuweisen hatte. Insbesondere waren neben vielen Jungimkern auch die neu eingetretenen Mitglieder erschienen. Nach der Begrüßung sprach der Ortsgruppenführer Bodenbender - Gießen über das Thema: „Wie erreicht man zur rechten Zeit tarke Völker und wie verhütet man in der Höhe des Jahres Kraftzersplitterung?" Er führte dabei u. a., aus, daß die nun eintretende Höchstvolkstarke ausschließlich der Honigsammlung dienstbar gemacht und alles darangesetzt werden müsse, das Schwärmen zu verhindern. Wenn schon der Schwarmtrieb erwacht sei, so solle er in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Er sprach weiter über den Wert des Baurähmchens, als dem „Barometer des Bienen- tocks" und hob den Wert der Wahlzucht von Edel- königinnen hervor. In Zukunft müsse jede Schwarmkönigin durch Edelzucht im Ausleseoersah- ren und unter Berücksichtigung hochwertiger Dater- tiere (Drohnen) ersetzt werden. Nicht auf die Zahl der Völker, sondern auf den Höchstertrag der Volker komme es jetzt an. Um gerade die jungen Imker in die Praxis der Kömginzucht einführen zu können, sollen am Stande Des Vortragenden in nächster Zeit Lehrgänge veranstaltet werden. Weitere Behandlungspunkte betrafen das Einheitsglas und die dazu gehörenden Gewährftreifen, die Regelung von Schadensfällen durch den Verficherungs- verein deutscher Imker bei Feuer-, Einbruch- und Frevelschäden, sowie die Erledigung von Haft- Pflichtschäden. Zur Unterstützung erwerbsloser Bienenzüchter und vor allem zur Erhaltung ihrer Mitgliedschaft in der Reichsfachschaft wurde eine Sammlung durchgeführt, die ein gutes Ergebnis brachte. Weiter machte der Ortsgruppenführer Mitteilung über die Verhältnisse auf der Königinbelegstation im Krofdorfer Forst, und er könnte dabei bekanntgeben, daß im ersten Drittel des Juni dort zwei hochwertige Dröhnerige Der Stämme Sklenar und Ried aufgestellt würden. Aus der Versammlung heraus wurde dringend angeraten, ein sorgsames Augenmerk auf seuchenverdächtige Völker zu haben, um die Verbreitung der in anderen Bezirken austreten- Den Faulbrut zu verhindern. Nachdem noch ein Film „Die Bienenzucht" vorgeführt worden war, der die Entwicklung der Imkerei von ihren Anfängen bis zur Jetztzeit behandelt, wurde die Tagung in üblicher Weise geschlossen. ** D e r Reichsbund „Volkstum und Heimat", Ortsring Gießen, veranstaltete am Sonntag vormittag einen Gang durch die Flora des Schiffenberger Waldes. Der Führer des Lehrganges, Rektor i. R. Helwig, konnte an dem Sammelplatz bei Der Universitätsbibliothek über 20 Teilnehmer begrüßen und führte dabei u. a. folgendes aus: Der Muttertag sei gerade dazu geeignet, bei strahlendem Sonnenschein und herrlichem Vogel- gesang einen Gang durch die im schönsten Hochzeltskleide prangende Ällmutter Natur zu machen, aus Der wir in allen Lebenslagen Kraft unb Hoffnung unb Lebensmut zu schöpfen vermögen. Seiber bestehe Die große Gefahr, Daß wir Den nachfolgenden Geschlechtern ein Trümmerfeld auf dem Gebiet der heimischen Pflanzenwelt überlassen, wenn nicht m letzter Stunde Maßnahmen au ihrer Erhaltung getroffen und durchgeführt werden. Allein in der nächsten und näheren Umgebung seien in den letzten fünf Jahrzehnten über 180 verschiedene Pflanzenarten ausgerottet worden. Auch die besten gesetzgeberischen Maßnahmen blieben ohne Erfolg, wenn sie nicht durch Unterstützende Mithilfe weiterer Bevölkerungskreise gefördert würden. Darum gelte es, die Jugend in Liebe zur Natur zu erziehen, die Schulsäle Dürften nicht zu Leichenhallen für Pflanzen unD Pflanzenteile werDen, fonDern Der lebensvolle unD lebensnahe NaturkunDe- und Heimat- kunDeunterricht gehöre in Den „Garten Gottes", an Die Wuchsstätte Der Pflanzen. In mehrstündigem Marsche wurDen Dann Die Pflanzenschönheiten unD Seltenheiten Des Schiffenberger Waldes aufgesucht, Die Lebensverhältnisse Der in Betracht kommenden WalDblumen kennengelernt, Der Name mit irgenD einer Eigenart erklärt unD, wo es anging, Der Volksmund, z. B. Teufelsbiß und Blutwurz, spre- chen lassen. Besonderen Eindruck auf die Teilnehmer machte eine in weiß leuchtende Bärenlauchwiese. An den Steinbrüchen bei dem Schiffenberg fand der Lehrgang sein Ende. Nachdem noch dem Führer der Dank der Teilnehmer zum Ausdruck gebracht worden war, wurde in der Höhe Des Mittags Der Rückweg angetreten. Dem allseits geäußerten Wunsche, noch mehr solcher WanDerungen zu veranstalten, soll im Laufe Des Jahres entsprochen werden. AG.-Hago, Ortsgruppe Süd. Bereinigung betraut war, einstimmig zum Vereinsführer gewählt. Dieser dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und betonte, daß er sich der Schwierigkeit der übernommenen Aufgabe bewußt sei, er hoffe aber auf die tatkräftige Mitarbeit der Mitglieder, die er wünsche, dann sei es auch möglich, Die Vereinigung auf der Höhe zu erhalten und darüber hinaus noch aufzubauen. Es fei aber für die Folge unmöglich, für einen Beitrag von monatlich 10 Pf. ein Sterbegeld von 100 Mark zur Auszahlung zu bringen, besonders wenn man berücksichtige, daß in 50 Jahren nur 60 Mark Beitrag gezahlt würden. Die Aus,Zahlung eines Sterbegeldes von 100 Mark sei seither nur möglich gewesen, weil hierzu teilweise die Gelder der Vereinigung selbst verwendet worden seien. Die Mit- glieDerbeiträge der Vereinigung müßten für an- dere Zwecke Verwendung finden. Bei der Beratung der Satzungen der Sterbehilfe wies Verwaltungsamtmann Schüller mann Darauf hin, Daß Die Einnahmen Der Sterbehilfe in Den Jahren 1928 bis 1933 insgesamt 3650,00 RM. betrugen, Die Ausgaben 3436,00 RM. Es seien also in Den 6 Jahren nur 214 RM. Dem Reserve- fonDs Der Sterbehilfe zugeführt worDen. Der aus Mitteln her Vereinigung ftammenhe ReservefonDs, Der bei Der GrünDung Der Sterbehilfe 2322,37 RM. betragen habe, sei in Der Hauptsache Durch Zinsen unu Zuwendungen aus Mitteln Der Männer- und Frauenvereinigung gespeist worden. Dadurch sei ab-'r die eigentliche Arbeit der Vereinigung gehemmt worden. Wenn für die derzeitigen Mitglieder der Sterbehilfe ein Sterbegeld von 100 RM. -us^zahlt werden solle, müßten 45 000 RM. aufgebracht werden. Der Reservefonds betrage heute kaum 10 000 RM. Es sei unmöglich, die fehlenden 35 000 RM. aus Beiträgen unb Zinsen aus- zubringen. Es sei daher unmöglich, bas Sterbe- gelb in der seitherigen Höhe zu belassen. Auch die Satzungen ber Sterbehilfe würben entsprechen!) ben Vorschlägen ber zur Vorbereitung eingesetzten Kommission einstimmig angenommen, mit ber Aende- rung, baß ein Sterbegelb von minbeftens 50 RM. (bie" Kommission hatte vorgeschlagen: in ber Regel 50 RM.) zur Auszahlung gelangt. Die Voranschläge ber Männer- unb Frauenver- einigung, in Einnahme unb Ausgabe mit 1500 RM. abschließend unb ber Sterbehilfe mit 890 RM. würben genehmigt. Im weiteren Verlaufe ber Verhanblungen be« stimmte ber Vereinsführer Pg. Reinholb Kirch- n e r zum Rechner ber Vereinigung unb ber Sterbe- Hilfe. Außer biefem würben in ben Führerrat berufen bie Herren Neuenhagen, Schüller- mann, Simon, sowie ber jeweilige Pfarrer Der MatthäusgemeinDe (z. Zt. Pfarrvikar Balz). Als Rechnungsprüfer wurDen gewählt Die Herren Schüllermann unD B e n D e r. Der Dereinsführer teilte noch mit, Daß Der Helferdienst neu organisiert werden solle. Er hoffe auf weitgehende Mitarbeit ber Mitglieber. Weiter soll im Lause bes Sommers ein Gemeinbetag abgehalten werben. Am Schluß ber Verhanblungen brachte ber Vereinsführer ein breifaches Sieg-Heil auf unseren Führer unb Dolkskanzler Aböls Hitler aus. Bezirksbesprechung der ländlichen Kreditgenossenschaften. Die Kreisstelle Oberhesseu West im Ländlichen Genossenschaftsoerband Rhein - Main - Neckar hatte für Samstag ins Hotel Hopfelb in Gießen zu einer Rechner-Besprechung ber ländlichen Kreditgenossenschaften im Kreise Gießen eingelaben. Zahlreich war man der Einladung gefolgt. Oberrevisor Hartmann (Gießen) schilderte in seinem einleitenden Vortrag die Umorganisierung der ländlichen Genossenschaften. Der neue Kreis- derbanb (Kreisbauernschaft) Friedberg bestehe aus den Kreisen Friedberg, Gießen, Bübingen und Usingen unb zähle ungefähr 500 Genossenschaften. Der Vortragende empfahl gutes Einvernehmen zwischen der Führung der örtlichen Genossenschaften und ber politischen Leitung und besprach bann in längeren Ausführungen die zukünftige Durchführung ber Revisionen. Eine eifrige Werbetätigkeit habe überall einzusetzen. Der Kleinsparoerkehr sei befonbers zu pflegen. Enge Verbindung zwischen örtlichen Kredit- und Warengenossenschaften sei unbedingt notwendig und stets nutzbringend. Mündelgeld könne jetzt ebenfalls bei jeher Dorfgenossenschaft eingelegt werden, da die Deutschlandkasse hierfür die Bürgschaft übernehme. Für tüchtige und befähigte Genossenschaftler, die keine Kaution stellen könnten, sei jetzt die Uebernahme eines Rechneramtes in der Dorfgenossenschaft möglich. Mit der Versicherungsgesellschaft Regeno sei nämlich ein Abkommen geschlossen worden, wonach diese Kautionsversicherungen abschließe. Zuletzt behandelte der Vortragende noch die landwirtschaftliche Entschuldung und die Zinspolitik. Dem Vortrag folgte eine rege Aussprache, an ber sich Kreisbauernsührer Dörrschuck und mehrere Sparkassenrechner beteiligten. Mit einem kurzen Schlußwort wurde bann bie anregend verlaufene Versammlung geschlossen. Giesrcner Wochenmarktpreisc * Gießen, 15. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: ßanbbutter, bas Pfunb 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün, frisch) das Pfund 20, Spinat 10, Spargel 30 bis 50, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln (neue) 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln Pf., ber Zentner 3,20 bis 3,30 Mark, Aepfel, bas Pfund 20 bis 25 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Salat 10 bis 15, Salatgurken 40 bis 50, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 15, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf. Vornotizen. —Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22,30 Uhr „Die Förfterchriftl". — Stabtkirche, 20,15 Uhr, Orgelkonzert von Martin Günther Förstemann. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Spione am Werk". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Aus dem Stabt theaterbureau. Morgen, Mittwoch, 19.30 Uhr, bas Trauerspiel „Fiesco" von Schiller als 4. Aufführung ber Oberhessischen Kulturwoche. (Siehe heutige Anzeige.) — E i n Lichtbilbervortraa über m o - berne Kleinphotographie fmbet am morgigen Mittwoch, 20 Uhr, in ber Aula ber Universität statt. Dr. Wolter (München) spricht dabei über bie „Contax"-Kamera. (Siehe gestrige Anzeige.) * * Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf ber Provinzialstraßenstrecke Ortsdurchfahrt Beuern ist wieder aufgehoben. * * Die Bienenzüchter ber Ortsgruppe Gießen der Reichsfachschaft deutscher Gestern abend sand im Saale des Gasthauses Hindenburg eine Versammlung der N S. - Hago, Ortsgruppe Gießen-Süd, statt. Im Gegensatz zu den letzten NS.-Hago-Dersamm- lungen, die immer nur schwach besucht waren, zeigte die gestrige Versammlung ein ganz anderes Bild: sie war überfüllt, die Versammlungsteilnehmer saßen sogar bis in die vorderen Gastzimmer hinein. Zur Bereicherung des Abends brachten Mitglieder der SA.-Reseroe-Kapelle 1/116 gute Musik zu Gehör, die von den Besuchern mit dankbarem Beifall ausgenommen wurde. Ortsgruppenleiter Franz S o l d a n gab in seiner Begrüßungsansprache seiner Genugtuung über den sehr guten Besuch der Versammlung Ausdruck und betonte Dabei, wie früher schon, erneut die drin- Denhe Notwendigkeit, in Handel, Handwerk unb Gewerbe e n gste Tuchfühlung zu halten und gute Kameradschaft im Geiste Des Nationalsozialismus zu pflegen, um das Zusammen- geHörigkeitsgefühl stets wachzuhalten. Sodann berichtete der NS.,Hago-Führer und Vorsitzende ber Handwerkskammernebenstelle für Oberhessen, Ludwig Stühler, über die Vorbereitungen zu ber großen Saarkundgebung der NS.-hago in Mainz, bie Dort am 2. Pfingstfeiertag stattfindet. Er betonte bie starke moralische Verpflichtung aller NS.-Hago-Mitglieder, an dieser Treuekundgebung für bas deutsche Saarland teilzunehmen, insbesondere machte er auch allen Mitgliedern der NS.- Hago, bie Kraftwagen besitzen, bie Beteiligung an Der gemeinsamen Fahrt nach Mainz unD an ber gewaltigen Kundgebung zur Pflicht. Aus allen Teilen des Reiches ist bereits eine riesige Beteiligung gemeldet, so daß voraussichtlich mit etwa 250 000 deutschen Volksgenossen zu rechnen ist, bie an Der Kundgebung auf dem Kleinen Sanb in Mainz teilnehmen werben. Pg. Stühler teilte mit, daß bei der Kundgebung Reichsinnenminister Dr. Frick, der Reichsamtsleiter Dr. von R e n t e l n, der Führer Der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, der Leiter von der Saar Simon, Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, falls er bis dahin von seiner Erkrankung genesen ist, und vielleicht sogar ber Führer selbst sprechen werben. Die Kundgebung solle und werde ein gewaltiges Bekenntnis bes nationalsozialistischen Deutschland zu dem deutschen Saarland unb zu seinen beutschen Bewohnern werben. lieber Einzelheiten der gemeinsamen Fahrt von Gießen nach Mainz und über bie Dispositionen für ben Dortigen Aufenthalt werben wir noch näher berichten, heute sei nur schon besonders Darauf hingewiesen, Daß die kraftwagenbesiher unter den RS.-hago-Mitgliedern noch heute ihre Beteiligung an ber Fahrt bei ben Blockwarten anzumelden haben, weil die Fahrtleitung bis morgen mittag der vorgesetzten Dienststelle Meldung zu erstatten hat, bei Der unser Heimatgau vor ben Gauen Ost- und Nord- deutschlands usw. nicht zurückstehen barf. Don Pg. Stühler wurde betont, daß den Autobesitzern Die Unkosten für Brennstoff unD Oel bei dieser Autofahrt aus den Mitteln des allgemeinen Unkostenbeitrages voll ersetzt würden. Jeder Autobesitzer müsse sich verpflichtet fühlen, an dieser Fahrt teilzunehmen. Im Anschluß an die mit starkem Interesse aufgenommenen Mitteilungen über Die Saar-Kunb- gebung sprach bann Ortsgruppenleiter Franz Sol- b a n über aktuelle Aufgaben der NS.-hago. Er bezeichnete es einleitend als unerläßliche Pflicht aller NS.- Hago - Mitglieder, den Nationalsozialismus in die Tat umzusetzen nach dem Leitwort: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Für jeden deutschen Volksgenossen, insbesondere auch für die Angehörigen des Mittelstandes, müsse dieses Leitwort immer die maßgebende Richtschnur für das Handeln sein, weil nur auf diesem Wege ber Wieberausbau bes beutschen Daterlanbes in gebeihlicher Weise erfolgen könne. Sobann beschäftigte sich ber Rebner eingehenb mit ber Jubenfrage, wobei er hervorhob, baß ber Nationalsozialismus bie Juben nicht bekämpfe aus Haß gegen bie silbische Rasse, fonbern weil er bas Jubentum als Feinb bes Deutschtums ansehe. 3n dem überwundenen politischen System habe sich bas Jubentum eingebilbet, Das bevorzugte Volk her Welt unb Deutschlanbs zu sein, unb es habe ich in bem Deutschlanb bes Weimarer Systems eine Rolle in ber Staatsführung unb im politischen Leben überhaupt verschafft, bie ihm in keiner Weise gebührte unb Seren Beseitigung ber Nationalsozia- ismus mit aller Kraft unb schließlich auch erfolgreich angestrebt habe. Der Rebner las sobann Zitate aus bem neuen Buche „Juben sehen bich an" vor, erner wies er auf bie starke aktive Beteiligung jübischer Emigranten an ber Greuelpropaganba gegen bas neue Deutschlanb, sowie auf bie Tätigkeit jübischer Führer in ber Arbeiterbewegung Der Vorkriegszeit unD Des marxistischen Zwischenreiches hin. Er machte Dabei Den Vorkriegsregierungen, wie auch Dem Bürgertum, Der Intelligenz überhaupt, Den Vorwurf, Daß sie es nicht oerftanDen unD zum großen Teil aus Klassenhaß auch nicht beabsichtigt hätten, Den Deutschen Arbeiter zu seinem Deutschen Staate heranzuziehen unb ihn als gleichwertiges Glieb Der Deutschen Volksgemeinschaft anzuerkennen. DaDurch sei Der Keim zur Zerreißung Der Volksgemeinschastsbanbe aller Deutschen gelegt worDen, zugleich habe DaDurch Das JuDenturn die Möglichkeit erhalten, den deutschen Arbeiter mit dem Gift bes Marxismus zu Durchsetzen unD ihn gegen Die Volksgemeinschaft aufzuhetzen. Erst Der genialen Führung ADolf Hitlers unD seiner machtvollen nationalsozialistischen Bewegung sei es gelungen, Den Deutschen Arbeiter wieher zur deutschen Volksgemeinschaft zurückzuführen, den Gedanken der Volksgemeinschaft zum herrschenden Gesetz zu machen unb baburch unser beutsches Vater- lanb vor bem Chaos bes Bolschewismus zu bewahren. Abolf Hitler habe unser Volk wieher zum klar erkannten unb bewußten Deutschtums- empfinben zurückgeführt, unb er werbe auch weiterhin alle seine Kraft einsetzen, um bem Deutschtum überall zum Siege zu verhelfen. Dazu gehöre aber auch, baß alle beutschen Volksgenossen zusammen- ftünben, um niemals wieher das Jubentum zur Herrschaft über Deutsche kommen zu lassen. Der Redner machte sodann seinen Hörern den Gedanken der deutschen Volksgemeinschaft eindringlich klar, der keine Wertung nach Geburt, sozialer Stellung oder Besitz zuläht, sondern bei dem als einziger Wertmaßstab nur ber Charakter, die Persönlichkeit und ihre Leistung gilt. Von dieser Grundlage aus fei jeder deutsche Volksgenosse, ganz gleich welchen Berufs ober welcher Geburt, als gleichwertig anzusehen, solange er sich selbst auf dieser Grundlage der Volksgemeinschaft würdig erweise. Zum Schlüsse seiner eindrucksvollen Ansprache wandte sich der Redner energisch gegen bas Mies- machertum und bie Tätigkeit der Wühlmäuse, zu deren scharfer Bekämpfung er alle deutschen Volksgenossen aufforberte. Er betonte dabei, baß der Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler schon im ersten Jahre seiner Regierung zur Genüge bewiesen habe, wie unermüdlich und erfolgreich er zum Wohle des deutschen Volkes und zum Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes arbeite. Angesichts dieser Sachlage habe der Spießer, der die üble Hinterlassenschaft des früheren Systems anscheinend schon vergessen habe, kein Recht und auch keinen Anlaß zur Kritik. Es gelte vielmehr, mit unerschütterlichem Vertrauen dem Führer zu folgen, ben schwungvollen revolutionären Geist ber nationalsozialistischen Erhebung zu bewahren, wie er in der SA. sorglich gepflegt werde, um für unser deutsches Volk die Früchte bes Dritten Reiches sicherzustellen. (Lebhafter Beifall.) Anschließend wurden zur strafferen Durchgliederung der Ortsgruppe innerhalb der Zellen Blockwarte bestimmt. In Zelle 1 sind von jetzt ab Blockwarte: O. Hochstä11er, Erich Reuter, Karl Reuß; in Zelle 2: Reh, Ebelstraße, Herrmann, Wil- helmstraße, Klingelmeyer, Ludwigstraße, Link, Wilsonstraße; in Zelle 3: Bäckermeister Schilling, Schneidermeister Karpf und Bäckermeister W e nz. Ortsgruppenleiter Soldan richtete in seinem Schlußwort den ernsten Appell an die Versammlung, bei Einkäufen und Arbeiten nur die deutschen Geschäfte, die deutschen Handwerker unb die deutschen Gewerbetreibenden zu unterstützen, damit jeher deutsche Volksgenosse seinen Anteil zur Stärkung des anderen deutschen Volksgenossen beitrage. Ueberaü müsse nach dem Bibelwort „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" der Egoismus bekämp t und allez nach denk großes Vorbild dez Führerz unb Volkskanzlers Adolf Hitler eingerichtet unb getan werden. Der Redner brachte zum Schluß dreimalige Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler aus, die von der Versammlung mit Begeisterung aufgenommen wurden. Mit dem gemeinsamen Gesang ber ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes chloß der Abend. Tagung der Kirchengesang- vereine in Gießen. Schon seit dem Jahre 1910 besteht die schöne Sitte, daß sich die K i r ch e n g e s a n g v e r e i n e des Dekanats Gießen alljährlich einmal zu einem größeren Fest treffen. Da die Zahl der Vereine von Jahr zu Jahr zunahm und jetzt auf 19 gestiegen ist, so war in den letzten Jahren die Abhaltung des Festes an einem Ort nicht mehr möglich, weil es in den Festorten vielfach an größeren Räumen fehlte, um die Sänger alle unter- zubringen. Die Vereine waren deshalb in drei Gruppen eingeteilt worden, die an drei verschiedenen Orten ihr Fest feierten. In diesem Jahre war von dieser Regelung Abstand genommen und das Fest für alle Vereine des Dekanats nach Gießen gelegt worden. Die Waldbühne war der geeignete Platz für den weihevollen Gottesdienst, der am Sonntagnachmittag das Fest einleitete. Der Posaunenchor von Klein-Linden spielte zu Beginn. Gewaltig erklang danach Der von etwa 2000 Festteilnehmern gesungene Choral „Ich finge Dir mit Herz und Mund ..." Durch Den weiten WalDes- Spenden für die NSV. werden eingezahtt auf Konto Nr. 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen. Dom. Pfarrer Trapp von Der Petrusgemeinde baute feine PreDigt auf Das Pauluswort Epheser 5, Vers 19 bis 20 „Rebet untereinander ..." auf. Er sprach von Dem Singen als einem göttlichen Werk, ferner von Dem schönen Erbe an Gottes- liebem, bie wir Luther, Paul Gerharbt unb anderen Gottesmännern zu banken haben. Viel sei für bas Lieb gekämpft worben, unb wir alle hätten bie Pflicht, Gott au bitten, baß uns bas Lieb erhalten bleibe, benn Lieb unb Wort müßten sich ergänzen zum gemeinsamen Danken gegen Gott. Den er- hebenben Gottesbienst verschönten ein Massenchor ber gemischten Chöre „Komm heiliger Geist", geleitet von Lehrer Römer (Großen-Linben), unb ein Choral ber vereinigten Frauenchöre, von Finanzbeamten Sommer (Watzenborn-Steinberg) geleitet. Das gemeinsam gesungene Lieb „Ach bleib mit beiner ©nabe" beendete ben Festgottesdienst, der mit einem Nachspiel des Posaunenchors von Johann Sebastian Bach einen passenden Abschluß fand. Die recht ansehnliche Kollekte kommt der Sache der Kirchengesangoereine zugute. Sodann marschierte die große Festgemeinde zurück zur Stadt, wo in der Liebigshöhe die Nachversammlung tattfand. Leider erwies sich der große Saal noch als zu klein, um die Festteilnehmer alle aufnehmen zu können, so daß viele mit einem Platz außerhalb des Saales vorlieb nehmen mußten. Der Vertrauensmann her Kirchengesangvereine Pfarrer Staubach (Watzenborn-Steinberg), begrüßte bie Gäste aus nah unb fern unb widmete bem am Freitag verstorbenen Mitarbeiter an ber guten Sache ber Kirchengesangvereine, Oberstubien- rat i. R., Prof. Dr. Weimar, einen herzlichen Nachruf. Die Festteilnehmer ehrten ben Verstorbe- nen in üblicher Weise, währenb ber Posaunenchor ben Choral „Wie sie jo sanft ruhn" spielte. Pfarrer S t a u b a ch überbrachte noch bie Grüße des Propstes von Oberhessen, Pfarrer Knodt, ferner grüßte er herzlich Oberkirchenrat D. Wagner und Dekan G u ß m a n n (Lollar-Kirchberg) und dankte namentlich dem ersteren für sein warmherziges Eintreten für die Kirchengesangvereinssache, ber er auch jetzt noch als aktiver Sänger seine Kraft wibme. Sein Gruß galt auch bem neu in ben Dekanatsverband aufgenommenen Frauenchor Klein-Linden, ber zum erstenmal am Fest teilnahm, unb dem Verein von Lich, der nun schon einigemale als Gastverein beim Fest mitwirkte. Dekan G u ß m a n n gab bann einen Rückblick auf die Geschichte der Dekanatsvereine, die vor nun 24 Jahren zum erstenmal, damals in Beuern, feierten. Die Angerung zum Zusammenschluß sei damals von Pfarrer Dr. Schlosser (Gießen) ausgegangen. Die Zahl der Vereine habe sich ständig gehoben, heute stände das Dekanat Gießen mit 19 Vereinen mit an der Spitze von ganz Hessen. Allenthalben sei in ben Vereinen ein Aufwärtsstreben zu beobachten. Sein Wunsch gehe dahin, baß bie Vereine innerlich geschlossen als ein festgefügtes Organ in unserer evangelischen Kirche ftünben. Pfarrer Ausfelb grüßte im Auftrag des hiesigen Gesamtkirchenvorstandes unb wünschte, baß die Vereine den Geist Gottes in Treue in unsere Gemeinden hineintragen möchten. An dem Singen ber Einzelvereine beteiligen sich alle Chöre, mit nur einer Ausnahme. Die Leistungen standen auf beachtlicher Höhe und gaben Zeugnis von ber gewissenhaften Arbeit der Dirigenten und Sänger. Man hörte geistliche Lieder mancherlei Art, aber auch schöne Volks- unb Daterlanbslieber aus unserem unerschöpflichen beutschen Lieberschatz erfreuten die Zuhörer. Nachfolgend seien bie teilnehmenden Vereine angeführt: Allendorf a. b. Lahn (Dirigent: Lehrer Kimmel), Alten-Buseck (Musiker Schreiner), Beuern (Musiker Schorn- b e r), Durkharbsfelben (Steinhauer Alba ch) Gro- ßen-Buseck (Pfarrer Müller) Großen-Linben (Lehrer Römer), Hausen (Finanzbeamter Som- m e r), Heuchelheim (Rektor K n a b), Klein-Linben (Kreisbaumwart Germer), Leihgestern (Lehrer R ö m e r^, Lich (Lehrer Stein), Oppenrob (Lehrer I l g e), Steinbach (Musiker Schleuse), Treis a. d. Lumda (Lehrer Walter), Watzenborn-Steinberg (Finanzbeamter Sommer), Gießen, Gesamtge- meinde, (Lehrer L i n b e n st r u t h), Gießen, Luther- gemeinbe (Lehrer Roth) und Gießen, Petrusge- meinde (Lehrer Kröll). Pfarrer <5 taub a d) dankte zum Schluß allen Festteilnehmern, ermahnte in begeisternden Worten, unserem Führer, unserm Volk und unserer evangelischen Kirche die Treue zu halten und bat um Gottes Segen für unser Volk. Das Bekenntnis der Treue zu Volk und Führer fand in dem gemeinsam gelungenen Deutschlandlied und dem HocAWessel- Lieb seinen, Ausdruck, REEMTSMA CIGARETTENFABRIKEN G. M. B. H. ALTONA -BAHI Die Cigaretten s methoden, die zi uer Fabrikations- r HyN£lluAg auf sämtliche Tabake zweimal Mundstück hergestellt. Dl ERNTEN 26 BIS 30 ♦ MUSTERCIGARETTEN + MISCHUNGSNUMMER R 6 o/M satflagen unseres technischen Muster i, völlig neuen Methoden hergestellt. Der ungewöhnlich zarte und reine Charakter dieser Mischung beruht darauf, daß Diese Cigaretten werden in den Fawika] betriebes in Altona Bahrenfeld nac^el Der Arbeitsdienst der Abiturienten. Die Hauptmeldestelle für den freiwilligen Arbeitsdienst im Arbeitsgau 22, Kassel, teilt mit: Da sich die Zuerkennung der Hochschulreife an die Abiturienten, die Ostern dieses Jahres ihre Prüfung bestanden haben, erheblich verzögert hat, konnte der für die Einstellung in den Arbeitsdienst vorgesehene Termin nicht eingehalten werden. Erst in den letzten Tagen sind der Hauptmeldestelle die ersten Mitteilungen über die Zuerkennung der Hochschulreife an Abiturienten einzelner Schulen im Bereich des Arbeitsgaues 22 vom Oberpräfidium der Provinz Heffen-Naffau, Abt. f. höh. Schulwesen, zugegangen. Diejenigen Abiturienten, über deren Zuerkennung der Hochschulreife eine behördliche Mitteilung an die Hauptmeldestelle ergangen ist, werden unverzüglich zum Arbeitsdienst einberufen, so daß sie noch vor Pfingsten mit ihrem Eintritt in den Arbeitsdienst rechnen können. Für einen Teil wird jedoch die Einberufung erst für die Woche nach Pfingsten stattfinden können. Irgendeine Benachteiligung wird den Abiturienten der Provinz Hessen-Nassau, die unverschuldet ihr Diensthalbjahr erst verspätet antreten können, nicht erwachsen. Jnsbe- sondere wird ein Nachdienen der verloren gegangenen Zeit nicht in Frage kommen. preutzen. Verminderung der Arbeitslosigkeit durch ZnstandsehungSzuschüsse. LPD. Biedenkopf, 14. Mai. Im Kreise B.iedenkopf wurden insgesamt 2350 Anträge auf Reichszuschüffe für Wohnungsinstandfetzungen gestellt. Die dem Kreise zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Mittel belaufen sich aus 341000 Mark. Die Bautätigkeit wurde durch diese Zuschüsse derartig angeregt, daß eine große Zahl gelernter Arbeiter aus der näheren und weiteren Umgebung eingestellt werden konnte. Der Zweck der Maßnahme, die Arbeitslosigkeit zu vermindern, wurde im Kreise Biedenkopf über alle Erwartungen hinaus erfüllt. Wühlmäuse werden angeprangert. LPD. Biedenkopf, 14. Mai. Der Landrat des Kreises hatte vor kurzem eine Bekanntmachung erlassen, wonach alle Personen, die unberechtigterweise gegen Behörden und Parte-idienststellen Hetzen und stänkern, öffentlich angeprangert werden sollen. Diese Ankündigung hat der Landrat nun erstmalig wahrgemacht, indem er den Namen eines Maurers aus dem Kreisort Dernbach, der dem Bürgermeister seines Ortes alle möglichen unschönen Handlungen nachgesagt hatte, deren Haltlosigkeit die gerichtliche Untersuchung ergeben hat, der Oeffent- keit bekanntgibt und ihn als eine Wühlmaus bezeichnet. Kreis Wetzlar. (D Krofdorf, 14. Mai. Zu dem bereits mitgeteilten Motorradunfall ist noch folgendes zu berichten: Am Sonntagabend fuhren der verunglückte Bauunternehmer K. D r e s ch e r und der Handlungsgehilfe Fritz Bremer von hier die Straße nach Rodheim. In der Nähe des Steinbruches kam ihnen eine Fußgängergruppe entgegen, bei der sich ein Iuvalide auf seinem Dreirad-Fahrzeug befand, das von einem anderen Krosdorser Bewohner gedrückt wurde. Das Motorrad fuhr mit voller Wucht in das Fahrzeug hinein, wobei der Besitzer und sein Begleiter stark verletzt wurden. Während diese Erfülle deine pflicht! Kämpfe gegen die Arbeitslosigkeit! beiden in ihre Wohnungen verbracht wurden, mußten die beiden Motoradfahrer mit dem Sanitäts- auto in die Klinik nach Gießen befördert werden. Die Ermittlungen über den Hergang des Unglücks sind im Gange. Das Motorrad wurde stark demoliert. Kirche und Schule. Oorfkirchentagung in Merlau. t Merlau, 14. Mai. Die diesjährige Dorfkirchenvorstehertagung findet am Montag, 28. Mai, in M e r l a u statt. Im Festgottesdienst (um 9.30 Uhr) wird Propst Knodt (Gießen) predigen. Nachmittags hält Pfarrer Geißler (Stümperten- rod) einen Vortrag über das Thema „Das Kirchlein der Heimat". Befonäers empfehle ich MAGGI5 SUPPEN denn MAßßllegtgroßen Wert auf Qualität • 1 Würfel nur 10 Pf. Eine vorzügliche Spargelsuppe Zutaten: 1/2 Pfund Suppenspargel, 1 ’/4 Xifcr Wasser, 2 Würfel Maggi's Königin-Suppe*), Salz nach Geschmack. Zubereitung: Den gut geputzten und gewaschenen Spargel in kurze Stücke schneiden und in dem Daffer ohne Salz zum Kochen bringen. Inzwischen die beiden Suppenwürfel fein zerdrücken, mit etwas kaltem Wasser glattrühren, unter llmrührcn zum kochenden Spargel gießen und bei kleinem Feuer in 25 Minuten garkochen. *) aber auch zu Maggi'S Familien-, Frühling- und Regierte Suppe läßt sich Druchspargel wie oben vorzüglich verwenden. W 3. GELD LOTTERIE 404170 GEWINNEND PRÄMIEN M500000 SospcetsUZM. ZIEHUNG:21.-2*1.JULI 1934 Soin üAexa£i xu Aa&in • Vermietungen HinleifHt mit £>of zu gewerblichen Zweckengeeign., zu vermiet. 02553 Löw eng ässe 281. Ecke Bahnhofstr. 4-Ziuim.Wohn. nebstBadezinun. zum 1. Juli zu vermieten. 02557 Näh. Schnhert- straße II. 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Die Prämiierung bezieht sich nur aus Herdbuchtiere. Es bleibt vorbehalten, etwa angemeldetes und aufgetriebenes Vieh, das nicht im Herdbuch eingetragen ist, besonders zu richten und evtl, zu prämiieren. b) Ziegen nach bekannter Klasseneinteilung. Anmeldungen zur Rindviehprämiierung sind bis zum 19.2Hai an uns erforderlich, haben jedoch spätestens bis zum 22.2Nai bei uns zu erfolgen. Anmeldungen zur Ziegenprämiierung sind sofort an den Vorsitzenden des Zuchtvereins zu richten. Anschließend an die Prämiierung findet die Vullenversteigeruug statt. Günstige Kaufgelegenheit für Gemeinden, Private und Händler. An beiden Markttagen nachmittags Volksbelustigung, Konzert und Tanz. Am RUttwochnachmittag Umzug der prämiierten Tiere. Lich, den 14. Mai 1934. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Büfeti- und Servier sriiulein für Bertrauens- rwsten in erstem, altrenommiert. Gasthaus n. dem Lande gesucht. ES kommen nur Bewerbung.mit ganz emrormöfr. Zeugniss. u. Le- bensl. in Frage. Scbr. Angeb. m. 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Mai, um 20.45 Uhr pünktlich ■Flvl'V Erscheinen aller Sangesbrüder ist Pflicht! 2933d “ULVer" ATA hält. ATAbloibtmicdemSill feste Puhkraft überall! was es verspricht rO CO O n < 3um Geschirrwaschen, Spülen und Reinigen Henlel's @) Nr. M Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Dienstag, (5. Mai 1954 Kamerun-^eift. IX. Beim „Sultan" von Bamum und beim „King" von Bali. Von Dr. Paul Rohrbach. B a m e n d a, März 1934. Es ist bald dreißig Jahre her, daß ich zum ersten Mal nach Nordwest-Kamerun kam und Njoja in Furnban besuchte. Den Häuptling Fonjong von Bali habe ich damals nicht gesehen, weil mich mein Weg anderswohin führte. Jetzt ist Njoja tot, und der Bali King lebt noch, em alter Mann von 75 Jahren. Wir waren eben bei ihm und haben in ihm noch ein ganz altes, konservatives Stück Afrika gefunden, im Gegensatz zu Njoja, der schon 1907 afrikanischer „Modernist" durch und durch war. Es ist viel über ihn geschrieben worden, und ohne Zweifel war er einer der interessantesten Neger, vielleicht der interessanteste, der je gelebt hat Er hat eine Schrift für die Bamum- sprache erfunden, eine Karte seines Landes gezeichnet, er besaß eine Leibwache, die nach deutschem Muster exerziert war, wenn auch mit Spießen statt mit Gewehren, er hatte auf seinem Schreibtisch (!) ein Bild des deutschen Kaisers, und an der Wand gegenüber hing sein eigenes in Lebensgröße in der ihm verliehenen Uniform eines Ulanenrittmeisters. Don den Franzosen hat er nie etwas wissen wollen. Er weigerte sich, nach der Erklärung des französischen Mandats über Kamerun „Citoyen Francois" zu werden, obwohl; man ihm diese „Würde" wiederholt anbot, blieb dauernd in Oppositionsstellung und wurde schließ, lich nach Jaunde verbannt, wo er im vorigen Jahr gestorben ist. Ich war gespannt, wie ich F u m b a n wiederfinden würde. Don der hohen doppelten Lehmmauer, die früher die Stadt umgab, sind nur noch schwache Reste vorhanden. Statt durch den alten Zickzackeingang fuhren wir durch einen modernen hölzernen Torbau in die Stadt ein, die eigentlich mehr ein umwalltes Stück Landschaft ist, als eine eigentliche Stadt. Auf einem Raum, wo 100 000 Menschen städtemäßig gedrängt leben könnten, wohnen nur 8000 in zerstreuten Häusern und Hütten, zwischen Aeckern und Bananenhainen. Die Idee der Anlage war, daß sich in Kriegszeiten ein großer Teil des Volkes hierher zurückziehen und Nahrung finden sollte. Wir fuhren erst zu dem französischen Verwaltungsbeamten, der den Häuptling kontrolliert, dann in das Museum, wo allerlei alte Bamumkunst in Schnitzereien, Metallarbeiten, Masken, Trommeln und Waffen zu sehen ist, und dann zum Sultanspalast. Der jetzige Sultan — die Franzosen haben ihm diesen Titel gegeben — ist ein jüngerer und unbedeutender Sohn N j o j a s, der viele hundert Frauen, und wie behauptet wird, etwa 300 Kinder hatte. Njoja hatte einen anderen, tüchtigeren Sohn zur Nachfolge bestimmt. Als die Franzosen diesen nicht anerkannten, wanderte er, angeblich mit 50 000 (die Zahl ist Wahrscheinlich viel zu hoch gegriffen) Bamumleuten nach Britisch-Nigerfa aus, wo man den Zuzug einstweilen noch durch Steuerfreiheit begünstigt. Njoias alter Palast in afrikanischem Grasland- stil, in dem ich ihn besucht hatte, brannte noch zu seinen Lebzeiten ab. Er ließ nach seinem eigenen Plan einen neuen, halb europäischen Bau aufrichten, mit einer großen, von vier rund gemauerten und weißgetünchten Pfeilern getragenen Thron- Halle. Sein Thron, ein runder Sitz ohne Lehne, ganz bedeckt mit blauer Perlenstickerei, steht noch da. Der Sultan, der etwas Französisch spricht, empfing uns selbst schon draußen vor dem Eingang, führte uns durch die Räume und zeigte mit Stolz die ledernen Taschen, in denen Njojas Urteilssprüche, in seiner Schrift ausgezeichnet, verwahrt werden. Außerdem soll Njoja sich eine Sammlung von allen Witzen, Geschichten und Schnurren angelegt haben, die ihm europäische Besucher erzählten. Er ist als Mohammedaner gestorben, und sein Grab, ein einfache Tonplatte unter einem Schutzdach von Palmblättern, unterscheidet sich von den Gräbern seiner heidnischen Dorgänger, die nur durch einen armhoch aus dem Boden her- vorragenden Stein bezeichnet sind. Ich zählte 6 oder 7 Steine. Neben jedem ist das obere hohle Ende eines Elefantenzahnes eingegraben. Das Elfenbein ist schon stark zerfallen, aber man erkennt noch die Struktur. Früher wurde hier wm Totenopfer Mimbo, Palmwein hineingegossen. „Heute tut man das nicht mehr", sagte der Sultan mit einem etwas verlegenen Lächeln. Er ließ sich ohne Weiteres neben seines Daters Grab photo- graphieren. Njoja liebte es auch, photographiert zu werden, aber daß dieser Sohn ein Mann von schwächerem Kaliber ist, als sein kraftvoller Dater war, sah man auf den ersten Blick. Unmittelbar vor dem Palasteingang ist Njojas Mutter be- graben. Sie war eine gewaltige Frau, kolossal an Körper und Willen; ihr Grab trägt noch eine deut- sche Inschrift. Die Häuptlingsmutter hat im Gras- land, wo die Neger zu einer Art von Staatenbildung fortgeschritten sind, große Autorität und gilt als mit magischen Kräften begabt. Von Fumban nach Bali fährt man über die alte deutsche Militärstation Bamenda. 25 Kilometer vor Bamenda kreuzten wir die Grenze zwischen dem« französischen und dem englischen Mandatsteil von Kamerun. Ein Bach bildet die Grenzscheide. Bis an die Brücke führt die gut gehaltene breite französische Fahrstraße; jenseits des Baches, auf englischem Gebiet, setzt sie sich als kümmerlicher Feldweg fort, der nur mit Vorsicht befahren werden kann. Der Unterschied ist so frappant, daß man nicht begreift, wie die Engländer es über sich gewinnen, von allen anderen Gesichtspunkten abgesehen, im Wegebau eine so schlechte Figur neben den Franzosen zu machen. Beiläufig möchte ich bemerken, daß die Inschrift auf dem französischen Grenzpfahl „Camä- roun Fran^ais" falsch ist. Es muß heißen „Camäroun sous Mandat Franxais". Das macht einen großen Unterschied. Auch die Engländer haben sich kürzlich dazu bequemt, in allen offiziellen Kundmachungen, auch auf den Briefmarken, nicht „British Cameroons" zu sagen, sondern Cameroons unber British Mandate". Im Rasthaus von Bamenda, das noch von den Deutschen gebaut ist, trafen wir die deutsche Filmexpedition von Paul Liebere n z, die einen Tag zuvor aus dem tiefsten afrikanischen Busch, mit glänzenden Erfolgen, eingetroffen war. Frau Lieberenz und der Ornithologe Graf Schwerin waren mit von der Partie, und es wurde ein sehr gemütlicher Abend. Heute früh ging es nach Bali, wieder 25 Kilometer auf schlechter Straße mit Brücken, die für unseren schweren Wagen gerade eben noch tragfähig waren. Erst machten wir einen erfrischenden Besuch bei einem jungen Missionars-Ehepaar. Schweizern namens Zürcher, von der Baseler Mission. Ein Wort wie dies, daß man durch d»n Missionsunterricht den Neger nicht seiner Scholle entfremden, ihn nicht durch fein bißchen Schreiben und Lesen dazu bringen dürfe, sich zu „höheren" Berufen berechtigt zu fühlen, ist Goldes wert, besonders aus missionarischem Munde. Herr Zürcher begleitete uns auch zum Bali King. Jeder Häuptling heißt auf Pidschen-Englisch King, auch wenn er nur ein Dorf im Urwald hat. Der Bali King ist aber noch ein wirklicher Negermonarch, dem die Engländer, anders als die deutsche Verwaltung, etwas zu reichliche Befugnisse belassen haben. Er empfing uns im Kreise seiner Würdenträger, eine große Figur, ganz mit Rotholz eingerieben; auch sein Gewand, ein langer Talar, war von dem Holzpulver rot gefärbt. Die Unterhaltung war zuerst nur konventionell. Der Missionar sprach Bali zu einem Vertrauten des Häuptlings, und. dieser erst durfte die Worte dem Alten weitergeben. . So fordert es die Etikette bei einem großen King. Zuletzt wurde der alte Fonjong etwas wärmer und sagte, daß er sich gern der deutschen Zeit und seiner deutschen Besucher von damals erinnere. Wir durften auch noch das Innere feines Gehöftes und das berühmte, mit vielen Holzskulpturen verzierte Trinkhaus besichtigen und find sehr befriedigt wieder im Schatten des alten Forts von Bamenda gelandet. Der Schiffszusammenstoß bei Bremerhaven. In der Weserrnündung rammte der „Albert Ballin" den Schlepper „Merkur", der ihn abgeschleppt hatte, nach dem Loswerfen der Seinen. Der „Merkur" sank innerhalb weniger Minuten und nahm sieben Mann und eine Frau mit in die Tiefe, während nur fünf Mann der Besatzung gerettet werden konnten. — Unser Bild zeigt die beiden Schiffe unmittelbar nach dem Zusammenstoß von einem vorüberkommenden Dampfer aus. Allbekannte deutsche Helden. Als der Weltkrieg für eine halbe Stunde stillstand ... „Eigentlich erzähle ich ja sonst nicht davon —" erklärt der ehemalige Schutztruppenhauptmann Gustav Schmidt. „Die Sache- wie ich zu der Rettungsmedaille kam, klingt z u unwahrscheinlich . . ." Doch da liegt eine englische Zeitung auf dem Tisch. Rot angestrichen der Bericht über eine Rede, die Baldwin vor dem Veteranenbund hielt. Der Name des Leutnants Schmidt springt in die Augen. „Das war ich", sagt der Hauptmann. Gerade noch vor Torschluß. Als Architekt und Eisenbahner reifte Schmidt im Juli 1914 nach Deutsch-Ostafrika, zum Bau der Ruanda-Bahn. Sein Schiff konnte gerade noch vor Erklärung des Kriegszustandes in den Hafen von Tanger hineinrutschen, nach Meldung beim Schutztruppenkommando ging es bei Nacht und Nebel wieder an Bord und mit verdeckten Lichtern, an toten Leuchtfeuern vorbei heimlich nach Daressalam. Doch beim Bahnschutz, dem der Leutnant Schmidt zugeteilt wurde, war nichts los — die Araber verhielten sich ruhig und den Engländern lag die Strecke zu weit ab; der Leutnant war froh, als er nach einigen Wochen zur kämpfenden Truppe an das heiß umstrittene Norweftufer des Victoria- Sees versetzt wurde. Im Bezirk Bukoba saß nur noch der Resident mit feinen paar barfüßigen Pfeil- und Boaenträ- gern, als sich das „Detachement am See , eine verwegene Schar von ein paar Offizieren mit rund 120 Äskari in Richtung Bukoba in Marsch setzte. Im ganzen 300 Gewehre zählte es, als es auf» brach, um das Westufer zu besetzen — ein Gebiet, fast so groß wie die Provinz Brandenburg. Dreifacher Tod. Durch Sumpf, Urwald und dichten Busch, oft bis zum Kragen im Schlamm arbeitete sich die Truppe zum Ngonvfluß vor, hinter dem Kifum- biro, ein Neoerdorf, das die Engländer zu einem regelrechten Sperrfort ausgebaut hatten, das das ganze Flußgebiet beherrschte. „Die Engländer waren in unmittelbarer Nähe", erzählt Hauptmann Schmidt weiter, „außerdem wimmelte der Fluß von Krokodilen. Aber wir mußten rüber, es blieb keine andere Wahl. Kaum waren wir am anderen Ufer, meine Kameraden Kleist, Dachfold und ich, als wir plötzlich Hilferufe hörten, entsetztes ersticktes Schreien und das verdammte Plätschern und Schurren, mit dem Krokodile vom Ufer aus ins Wasser gleiten. Eines der morschen Rindenkanus war umgeschlagen, drei unserer Askari in voller Ausrüstung mit Gewehr und je 90 Schuß Bleimunition kämpften mit dem Ertrinken. Es war purer Irrsinn, kann man sagen, aber fast gleichzeitig sprangen Kleist, Dachsold und ich in den Fluß. Wir hatten die Wahl, von den ertrinkenden Askari auf den Grund gezogen, von den Engländern abgeknallt oder von den herum- wimmelnden Krokodilen zerfleischt zu werden. Aber es ging gut, und sogar noch ein zweites Mal, als wir nach den alten 71er Knarren tauchten, die uns mehr wert waren, als es in Frankreich uns vielleicht ein MG.-Zug gewesen wäre. Kriegsverbrecher oder — Ritter. Zwei Tage dauerte der Kampf um Kifumbiro, bis die Engländer ihre Stellung räumten. Wie die deutschen Offiziere das leere Fort besichtigen, entdecken sie in einer Lehmhütte einen vergessenen Bogen Papier — den noch nicht beendeten Bericht eines Sergeanten an das britische Oberkommando .. „Es war das schönste Dokument der Ritterlichkeit, das es im Krieg geben konnte" sagt Schmidt. „Ein Beweis menschlicher Kameradschaft, die über die Verschiedenheit der Uniform hinweg von Mann zu Mann reicht! In dürren Worten meldete der Sergeant, er habe mit feiner Patrouille den deutschen Flußübergang in allen feinen Phasen be- Oer Arbeitstag des Siedlers beginnt. Von Heinrich Hauser. Der Mann schläft. Ties und ruhig geht fein Atem. Er liegt auf dem Rücken, hat die Hände unter dem Kopf gekreuzt. Hart ist die Matratze, hart das Eisenbett, schwarz gelackt mit dünnen Messingknäu- fen. Die Nacht ist lau. Die Fenster stehen auf. Der Mann hat die dünne Wolldecke sich schlafend von der Brust geschoben. Breit ist seine Brust, tiefatmend. Noch schläft er fest. Aber vor den Fenstern steht schon Dämmerung. Don den Linden im Garten fällt der Tau. Sand ist der Boden; er fängt die Tropfen wie ein offener Mund, saugt sie wie ein Schwamm. Fast kann man den Boden knistern hören, wie einen heimlichen Brand. Die Sonne ist aufgegangen. Der Himmel im Zenit wird blau, wird ganz Kristall, durchsichtig, tief: Aquamarin. Die Sonne steigt über den dunklen Streif der östlichen Wälder. Bewegung kommt in die Lust: im leichten, puffenden Zügen zieht der Morgenwind. Die Blätter der Bäume zittern, blank von Nässe. Die Netze der Spinnen scheinen silberne Gewebe. Der Schlaf des Mannes verliert an Tiefe; schneller geht fein Atem, kleine Schauer der Morgenkühle laufen über feine Brust. Die Pflanzen erwachen: noch sind ihre Blatter gefaltet, ihre Blüten geschloffen und gesenkt. Trau- menb noch, schlaftrunken von kühlem Tau stehen sie, aber die Berührung der Sonne weckt Zelle auf Zelle, und die Nachricht pflanzt sich fort bis m die tiefen Wurzeln: der neue Tag ist da, bte Safte beginnen zu kreisen. „„ x ., Da erwacht ber Mann. Er öffnet bie Augen, richtet sie gegen bas Licht: Da sind bie Gipfel ber Sm» den norm Fenster, grünes Gold. Es singt in ihnen wie in einem siedenden Kessel: da sind die Bienen. Jede Blüte ist eine strahlende, winzige Sonne Er vernimmt, wie der Boden leise fluten und die Wände. Es geht ein rauschender Rhythmus durch das Haus: das Mühlrad. Dem Mann scheint es, als ob er träume. Als wäre das Haus em Wagen und führe durch die Welt auf diesem großen Rad. Aber im wachsten Augenblick biegt sich sein Leib, und mit einem Ruck schnellt er sich aus dem Bett' Mit nackten, tapsenden Sohlen geht er über den zitternden Boden. Es klirren bie Gläser, bie auf bem Waschtisch stehen. Er beugt sich hinaus, geblen- bet unb gebabet in Sicht. Ein berber Körper, bas Gesicht braun unb verwittert. Gekalkt finb bie Wänbe bes Zimmers, hell finb Dielen, Kiefernbvhlen ungebeizt. Kein Teppich. Waschtisch unb Schränke aus bem gleichen Kiefernholz, grobfaserig, durchästet, gebeizt wie Helle Rinbe. In ber Ecke ein Ding wie eine Litfaßsäule, gelb unb faltig. Ein Vorhang aus Oeltuch um einen Ring gespannt. Darick verschwindet der Mann. Man hört ihn tappen in der Gummiwanne. Wasser plätschert: Ein hölzerner Eimer ist an einen Galgen gehängt, mit einer Schnur zum Kippen. Es prüftet und platscht kräftig mit seifigen Händen auf nasser Haut; es schrubbt mit Bürsten, und auf einmal pfeift es. Während es immer stärker ajis dem Eimer braust, vernimmt man eine Art von Schlachtgesang. Jetzt steht der Eimer völlig auf dem Kopf: mit einem Sprühregen von Tropfen, sich schüttelnd wie ein Hund, lange nasse Fußtapfen hinterherziehend, tappt der Mensch nach feinem Badetuch: zieht rubbelnd die körnige Fläche über feine Haut; das Blut steigt herauf und rötet sie mit Striemen. Es bläht sich bas Hemb, sinkt kühlluftig über seinen Rumpf zusammen wie ein schlaffer Ballon. Eilig wehen Hosenbeine. Mit einem leichten Stöhnen schnürt er bie festen Stiefel zu: unb währenb er noch ben Gürtel festzieht, hält er schon bie Jacke an ber Schlaufe zwischen ben Zähnen: kurz ist der Tag und wird voll Arbeit sein. Wie steht es mit dem Fernsehen? Das Fernsehen ist in wenigen Jahren zu einer hohen Vollkommenheit entwickelt worden, ist doch seit dem ersten Fernsehen einer bewegten Schere, bie aber kaum zu erkennen war, erst kurze Zeit verflossen. Es ist jetzt so weit, daß man hofft, auf der nächsten Funkausstellung im August dieses Jahres einwandfreie Fernsichten mit Tonbegleitung senden zu können. Und ooch sind bis dahin noch gewaltige Aufgaben zu lösen. Es gilt vor allen Dingen, ben Auf- roanb von Schaltmitteln unb Röhren bei ben Fernsehempfängern so weit zu senken, baß biefe Empfänger von weiten Käuferschichten bedient und erworben werden können. Man hat bereits ein solches Muster fertiggestellt, nach bem eine Reihe von Ge- rätey zu Versuchszwecken hergestellt werben soll. Die Senbungen werden hierzu auf ber 7-Meter-Welle gegeben werben, unb bie Bilder sollen in 180 Zeilen abgetastet werden. Der Gleichlauf bes Empfängers mit bem Senber soll nach einem von Telefun- ken entwickelten Verfahren erzwungen werden. Seiber flimmern bie Fernsichten immer noch etwas. Währenb man beim stummen Film 16 Silber in ber Sekunbe gibt, beim Tonfilm aber auf 24 gegangen ist, hat man bie Bilbzahl beim Fernsehen bis jetzt schon auf 25 erhöht. Das reicht aber zur Beseitigung bes Flimmerns immer noch nicht, so baß man auf 36 bis 40 Silber in ber Sekunbe gehen will. Damit wirb man ja bas Ziel wohl erreichen, aber natürlich schafft biefe ungeheure Erhöhung ber Silbpunfte eine Menge neuer Schwierigkeiten. Die wichtigste bavon ich folgenbe: Eine so hohe Silbpunktzahl kann man nur auf Ueberkurzwellen übertragen, also nicht auf ben üblichen Runbfunkwellen. Die Ueberkurzwellen haben aber bie teils angenehme, teils unangenehme Eigenschaft, baß sie sich in ihren Ausbreitungseigenschaften benen ber Sichtwelle nähern, z. S. nur bis zum Horizont reichen. Da nun bie Erbe eine Kugel ist, so bekommen alle Empfänger außerhalb bes Horizontkreises bie Senbungen nicht mehr. Man müßte also eine sehr große Zahl von Fernsehsenbern in Deutfchlanb aufstellen — eine vielfach größere als wir Rundfunksender haben — unb biefen bie Fernsichten über Kabel zuleiten, ähnlich wie dies jetzt bei Tonübertragungen von einem Sender auf einen anderen geschieht. Aber da liegt der Hase im Pfeffer, denn Kabel für so rasche Stromschwankungen von etwa 1 Million in der Sekunde können wir noch nicht bauen. Wir haben ja erst kurz vor dem Kriege gelernt, die Tonschwankungen der Sprache, die sich in den Hunderten und unteren Tausenden von Schwingungen in der Sekunde bewegen, über Kabel zu übertragen. Diese Möglichkeit zu vertausendfachen, wie es zur lieber» mittlung der Fernsichten über Kabel erforderlich ist, das ist eine Aufgabe, an deren Söfung man schier verzweifeln möchte. Aber vielleicht gelingt es doch? Das Reichspostzentralamt hält die Seitung der Versuche fest in ber Hanb unb verfügt über vorzügliche Sachverständige auf biefem Gebiete, bie selbst schon viel zur Verbesserung bes Fernsehens beigetragen haben. In Verbindung mit den Versuchsstätten unserer Rundfunkwerke werden sie sicher in absehbarer Zeit das Fernsehen für Jedermann möglich machen. Sollte es bis zur nächsten Funk- ausftelhmg nicht gelingen, so dürfen wir doch hoffen, spätestens ein Jahr später im Vesitz von verhältnismäßig billigen, brauchbaren unb leistungsfähigen Fernsehempfängern zu jein. M. F. Kunstausstellung im Marburger Museum. Das Marburger Museum im Universitäts-Kunst- institut beherbergt zur Zeit in einer Sonberaus- stellung Werke von brei Meistern verschiedenster Prägung. So zeigt z. S. der Gießener Maler Hans Ewald Kleine eine Fülle von Sühnenbild- und Sühnenkostümentwürfen. Ueberall Farbe in buntem Wechselspiel und freudigem Zusammenklang, ausgestrahlt von den langen Reihen der meist sehr originellen Entwürfe, welche von einem wahrhaft fen Verständnis des Malers für Sühnenbau- und dazu paffende Kostüme Zeugnis ablegen. Aus ber Fülle ber Entwürfe greifen wir z. S. biejenigen für Schillers „Kabale unb Liebe" heraus, welche sich in ihrem Rokokostil sowohl bes Sühnenaufbaues wie auch ber Kostüme sehr wohl bem Inhalt des Stückes anpassen. Wie geisterhaft wirkt daneben der Sühnenbildentwurf für Ibsens „Gespenster", während in bem Entwurf für bie „Zauberflöte" eine große Porzellanmuschel ben Hauptteil ber Sühnenbekoration barstellt. Wenn in ver- schiebenen anberen Entwürfen, z. S. für „Macbeth" bie Szenerien in moberner Weife nur noch angedeutet finb, so vermögen sie boch fehr gut die Stimmung für die in Frage kommenden Szenen zu vermitteln. Daneben noch eine Reihe von Rokoko-, sowie kriegerischen Szenen in Federzeichnungen, welche durch ihre große Leichtigkeit und Freiheit Kleine als einen Meister rhythmischer Seme- gungsbarfteüung kennzeichnen. Das gleiche kann man auch über einige Steinzeichnungen von Tier» bressuren mit der außerordentlichen Seweglichkeit und Anmut ihrer Darstellung sagen. — In einem zweiten Saal zeigt ber bekannte österreichische Graphiker Alfreb K u b i n eine lange Reihe von farbig angelegten Zeichnungen. Aus ben zahlreichen, von reinem und starkem Empfinden zeugenden Darstellungen kann man eine Vorliebe des Malers für die Darstellung des Schreckhaften, Traumhaft- Phantastischen im menschlichen Leben ersehen, z. S. aus den Silbern „Strafe", „Unbewohntes Haus", „Tod im Saum" ober „Damoklesschwert" — Fünfzig farbige Ansichten von malerischen rheinischen Orten und Landschaften, in den Jahren 1792 bis 1798 von zwei Wiener Künstlern, L. Jan t sch a und S. Ziegler, unter regster Anteilnahme be» damaligen Kurfürsten von Mainz gezeichnet bzw. in Kupfer gestochen, vervollständigen die sehenswerte, Ausstellung. W. Oie Landhilfe höchstens 12,— RM. von I I Wirtschaft 10.30—11.30 14.00—15.00 16.30—17.30 unter 15 Jahren von 16 bis 18 Jahren 14,- 16,- 18,- Arbeitsamt Gießen.. Der Vorsitzende: Dr. List. Geschäftsstille an. Am Rentenmavkt waren Neubesitz anleihe bei Börsenbeginn gefragt und etwa 0,13 v. H. fester, im freien Markt stiegen sie bis auf 16,10, später wichen sie aber wieder auf 15,80 n. $)., lagen also noch unter dem Eröffnungskurs von 15,95 v. H. Altbefitz bröckelten ebenfalls gering ab, während sonst keine Veränderungen von Belang eintraten. U. a. notierten: Neubesitzanleihe 15,95 bis 15,80, Altbesitzanleihe 94,90, 6proz. Stahlverein-Bonds 67,50, 5^proz. Rhein. Hyp. Bank Liquidation 91,40, Schutzgebietsanleihe von 1914 9,10, DD.-Bcmk 54,25, Reichsbank 149,50, Gelsenkirchen 60,50, Har- pener 88,50, Mannesmann 63, Phönix 47,50, Rheinstahl 91,13, Stahlverein 40,50, AKU. 57,50, Bekula 132,75, Conti Gummi 150, Scheideanstalt 184,25, Daimler 44,75, Deutsche Linoleum 56,75 bis 57, JG.-Farben 132,75, Gesfürel 94,25, frankfurter Schlachtvicstmarkt. Frankfurt a. M., 14. Mai. Auftrieb: Rinder insgesamt 1364 (gegen 1244 am letzten Montagmarkt), darunter 500 Ochsen, 123 Bullen, 397 Kühe, 344 Färsen. Kälber 889 (541); Schafe 39 (31), darunter 27 (26) Hämmel; Schweine 4533 (3716). Notiert wurde pro ein Zentner Lebendgewicht in Mk.: Ochsen al) 36, b) 34 bis 35, c) 31 bis 33, d) 27 bis 30; Bullen a) 32 bis 33, b) 30 bis 31, c) 28 bis 29, d) 26 bis 27; Kühe a) 30 bis 32, b) 27 bis 29, c) 22 bis 26, d) 14 bis 21; Färsen a) 35 bis 36, b) 32 bis 34, c) 29 bis 31, d) 26 bis 28. Kälber a) 51 bis 54, b) 47 bis 50, c) 41 bis 46, d) 31 bis 40. Hümmel bl) 34 bis 36; Schafe nicht notiert. Schweine al) 50, a2) 39 bis 42, b) 39 bis I 42, c) 38 bis 41, d) 36 bis 41, e) 35 bis 40, f) —, tehen, daß eine c. o traglich sichergestellt ist. Dte Zuschus e der anstatt sind für das Jahr 1934 wesentlich gesenkt. In Zukunft werden nur noch bezuschußt: Männliche Landhelfer eben Mittwoch der dritten Woche des Monats (16.5., 20.6., 18.7., 15.8., 19.9.): Grünberg von 9.00—10.00 Uhr Schotten w 11-30—12.30 „ Köddingen . Iß’SnZnSn * Homberg « 16-30 17.30 „ eben Mittwoch der vierten Woche des Monats (23.5., 27.6., 25.7., 22.8., 26.9.): Gedern von 8.30— 9^0 Uhr Grebenhain w 10.30—11-30 „ Lauterbach * 13.30—14.30 e Alsfeld •• 16.00—17.00 „ I n Gießen täglich von 7.30 b i s 10.00 U hik (außer Mittwoch). Jeden Mittwoch der zweiten Woche des Monats (11.4., 9.5., 13.6., 11.7., 8.8., 12.9.): Butzbach von 8.30— 9.30 Uhr Friedberg Büdingen Nidda (Gasthaus Rullmann) 19 bis 21 Jahren von 22 Jahren und darüber Es muß aber bei Bewilligung des Zuschusses fest- ' ' ’ angemessene Helfervergütuna oer- ;llt ist. Die Zuschüsse der Reichs- Weibliche Landhelfer unter 15 Jahren höchstens RM. von 16 bis 18 Jahren „ 10,50 „ von 19 bis 21 Jahren „ 12,50 „ von 22 Jahren und darüber „ . 14,~” ** Weitere Auskunft erteilt das Arbeitsamt. Wir bitten, Anfragen möglichst mündlich an den Sprechtagen zu halten. Sprechtage werden abgehalten: Die zweite Börsenstunde brachte eine weitere Ge- chäftsschrumpfung, und infolgedessen bröckelten die Kurse überwiegend leicht ab. Montanwerke blieben recht schwach, auch Kunstseide Aku gaben nochmals 0,65 v. H. nach, andererseits lagen Reichsbank 0,75 v. H. und Rheinstahl 0,25 v. H. fester. Farbenindustrie blieben zu 132,25 v. H. unverändert. Die später notierten Werte lagen alle von 0,50 bis 1 v. H. schwächer. Deutsche Anleihen waren kaum mehr verändert, Neubesitz hielten sich zirka 15,80. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen-blieben gut behauptet, Liquidationspfandbriefe bröckelten meist ab. Stadtanleihen lagen uneinheitlich, Staatsanleihen ruhig. Tagesgeld 3,25 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse hatte eine freundliche Grund- timmung, was sich auch zumeist in geringprozen- tigen Kursbesferungen gegenüber dem Berliner Schluß ausdrückte. Indessen war die Umsatztätigkeit infolge des nur kleinen Ordereinganges seitens des Publikums sehr klein, zumal auch die Kulisse nur wenig Eigengeschäfte tätigte. Interesse zeigte sich u. a. für Farbenindustrie mit plus 0,13 v. H., Deutsche Linoleum mit plus 0,25 v. H., ferner waren einige Montan-, Elektro- und Schiffahrtspapiere geringfügig erhöht. Im Verlaufe hielt die * A b 15. Mat auch A n b i e t u ng s p f li ch t von Forderungen gegen Ausländerin inländischer Währung. Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Arn 15. Mai 1934 läuft die Frist zur Anbietung aller bis jetzt entstandenen Forderungen in inländischer Währung gegen Ausländer oder Saarländer ab. Später erworbene Forderungen dieser Art sind in gleicher Weise anzubieten wie bisher die Forderungen in ausländischer Währung gegen Ausländer oder Saarländer. Während also bisher Forderungen gegen Ausländer oder Saarländer nur dann anbietungspflichtig waren, wenn sie auf ausländische Währung lauteten, unterliegen jetzt auch Forderungen in inländischer Währung gegen Ausländer und Saarländer der gleichen Anbietungspflicht. Wegen der Einzelheiten wird jedem Interessenten dringend empfohlen, sich alsbald mit der Reichsbank, oder einer Devisenbank in Verbindung zu setzen. Frankfurter Börse. Mtlagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 14. Mai. Auch am Wochenanfang zeigte die Effektenbörse ein sehr stilles Aussehen, da wiederum jegliche Anregung fehlte. Daneben erteilte die Bankenkundschaft nur in minimalem Umfange Aufträge, während die Kulisse in ihrer Lethargie verharrte. Die Kursgestaltung war im Vergleich zum Samstagsschluß uneinheitlich, wobei sich aber Abschwächungen und Besserungen die Waage hielten. Mit Interesse sieht man den weiteren Mitteilungen über die Transferbesprechungen, die morgen nach kurzer Unterbrechung ihren Fortgang nehmen, entgegen. In diesem Zusammenhang interessieren Ausführungen des Vorsitzenden der Transfer-Konferenz, Fraser, die er anläßlich einer Sitzung der BIZ. getan hat, wobei er den allgemeinen Derständigungswillen für einen Erfolg der Transfer-Verhandlungen erneut betonte. Am Montanmarkt war die Haltung matt, stärker gedrückt wurden Klöckner und Mannesmann mit je minus 2,13 v. H., ferner Gelsenkirchen und Stahlverein um je 1 v. H., dagegen aber Rheinstahl 1 v. H. fester. Kali Aschersleben lagen auf voraussichtlich wieder 5 o. H. Dividende 0,75 v. H. höher. Elektroaktien verkehrten uneinheitlich, Schuckert fest und 1,50 v. H. höher, sonst meist von 0,25 bis 0,75 v. H. niedriger. Am Chemiemarkt eröffneten Farbenindustrie 0,40 v. H., Goldschmidt 1,25 v. H. schwächer, Deutsche Erdöl 0,50 v. H. und Rütgerswerke 0,25 v. H. freundlicher. Zellstoff-, Kunstseide- und Schiffahrtsaktien bröckelten bis 0,50 v. H. ab, auch Daimler verloren 0,50 v. H., während Reichsbank, Conti Gummi, Reichsbahn-Vorzugsaktien und Deutsche Linoleum bis 0,50 v. H. China, Afghanistan und Ostafrika. Im selben Zuch - haus wie später Ghandi saßen 40 v. H. der deutschen Offiziere, von dort schickten sie nach Friedens- schluß Anfragen und Kabeltelegramme m die Heimat, in der die Revolution tobte. Keine Antwort, Monate und Monate lang. Doch, im November 1919 ein Telegramm der Regierung: „Es muß von den dortigen Kriegsgefangenen unbedingtes Vertrauen zur Regierung erwartet werden. Gez. Erzberqer" .... Damals verloren viele Leute den Kopf und machten Schluß —" sagt Hauptmann Schmidt. Zwei Prozent Irrsinnige starben in der Gefangenschaft, ebensoviel Jrrsinniae brachten wir 1920 in die Heimat zurück, die. Hälfte von uns war ruhrkrank. Aber in Deutschland kümmerte man sich nicht um uns . . ." 5000 Sitzplätze zu vermieten. lieber ein Jahr lief der ehemalige Schutztruppenhauptmann stellungslos in Berlin herum. Als die Not ihm wie damals der Schlamm des Ngono bis an den Kragen reichte, gründete er eine Firma, die heute einzig in Deutschland dasteht: er vermietete Sitzplätze. Mit zwei Handgriffen wird ein Brett in eine achtsitzige Bank verwandelt, acht Wagen dieser Bretter bedeuten Sitzplätze für 5000 Personen — genug, um alle Tennis- und Reitturniere, Avusrennen, Kundgebungen und Versammlungen zu beschicken. .,, , „ „Wer drüben in Deutsch-Ostafrika nicht locker gelassen hat, wird es hier auch nicht tun —" sagt der Hauptmann. v „ Erst im Jahre 1928 rettete er wieder em Menschenleben, diesmal in Berlin, und von der Glienicker Brücke aus. Aber er macht fein Aufhebens davon. anzogen. Am Rentenmarkt bestand in der Neubesitzanleihe weitere Abqabeneigung (—40 Pf.), auch Altbesitz, späte Schuldbücher je 0,13 v. H. und Stahlverein- Bonds 0,75 v. H. schwächer. Ungar. Goldanleihe lagen unverändert. I gl) 35 bis 39, g2) 30 bis 34. Im Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt zogen Bullen, Kühe und Färsen je 1 Mk., Kälber 1 bis 2 Mk. an, Ochsen und Hämmel blieben unverändert, Schweine gaben 1 Mark nach. Marktverkauf: In allen Gattungen mittelmäßig, ausverkauft. Fleischgroßmarkt: Beschickung: 815Viertel Rindfleisch, 98 ganze Kälber, 537 Schweinehälften. Preis für ein Zentner frisches Fleisch in Mark: Ochsen- und Rindfleisch I 53 bis 58, II 49 bis 53; Bullenfleisch 48 bis 55; Kuhfleisch II 38 bis 46, III 30 bis 38. Kalbfleisch II 72 bis 80, III 65 bis 72. Hammelfleis ch75. Schweinefleisch 60 bis 66. Geschäftsgang des Fleifchgroßmarktes: ruhig. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14. Mai. Der Getreidegroßmarkt verkehrte zwar in ruhiaer, aber steter Haltung. Für einige bevorzugte Artikel blieb die Haltung fest, so für Roggen, der bei knappem Angebot auch über Notiz bezahlt wurde. Hafer war gleichfalls weiter fest und im Preise höher, auch für Gerste erhielt sich etwas Nachfrage. Im Weizen war das Angebot dagegen ausreichend, nur vereinzelt erfolgten Abschlüsse zum Mühlenfestpreis. Futtermittel waren kaum verändert und ruhig, auch in Kleie ist die Nachfrage ruhiger geworden. Heute wurden erstmals eine Reihe anderer Mühlennachprodukte notiert, für die sich die Preise etwa auf Basis der an anderen südwestdeutschen Märkten festgestellten Preise bewegten. Das Mehlgeschäft zeigt' noch keine Belebung, Roggenmehl ist jedoch laufend gefragt. In Weizenmehl werden die alten Verpflichtungen befriedigend ab gerufen. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen 205, Roggen 178,50, Sommergerste 170 bis 173,50, Hafer 172,50 bis 174, Weizenmehl Type 563 (Spez.0 aus Inland- weizen) Festpreisgebiet W X 28,90 plus 0,50 Frachtausgleich, do. Festpreisgebiet W VII 28,60 plus 0,50 Frachtausgleich, Roggenmehl Type 610 (0 bis 60 v. H. Ausmahlung) Festpreisgebiet R VIII 25,25 plus 0,50 Frachtausgleich, do. Festpreisgebiet R VI 25,25 plus 0,50 Frachtausgleich, Weizenmehl VIB 16,50, Weizennachmehl 15,50, Weizenfuttermehl 11,70, Weizenkleie fein 10,60, do. mittel 10,85, do. grob 11,10, Roggennachmehl 16,50, Roggenfuttermehl 12 bis 12,25, Roggenkleie 11,20, Soyafchrot 15,50 bis 15,65, Palmkuchen 13,90 bis 14,10, Erdnußkuchen 16,20 bis 16,40, Treber 13,90, Trockenschnitzel 10,25, Heu 6, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt ober gebündelt 2. Kartoffeln: Industrie hiesiger Gegend 2,90 Mark (unverändert) > per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. Tendenz: , ruhig. Die Landhilfe hat sich seit ihrer Einführung im Frühjahr 1933 als wirksame Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung für Jugendliche und zur Hilfeleistung für bäuerliche Betriebe erwiesen. Der Herr Präsident der Reichsanstalt hat nunmehr neue Bestimmungen in einem Erlaß vom 7. 5. 1934 herausgegeben, nachdem weiterhin als Helfer zuzulassen sind Empfänger von Arbeitslosen- und Krisenunterstützung und Wohlfahrtsunterstützungsempfanaer und Arbeitslose, die infolge jugendlichen Alters die Anwartschaftszeit nicht erfüllen konnten, aber nach ihrer Herkunft und Vorbildung für den Eintritt m eine praktische gewerbliche Berufsausbildung in Frage kommen. Landhelfer dürfen am Zeitpunkt der Zulassung das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben; möglichst bis zu 19 fahren sind fie zu bevorzugen. Die Gesamtzahl der Landhelfer ist kontingentiert worden. Für den Arbeitsamtsbezirk Gießen ist das Kontingent erreicht, so daß im Augenblick weitere Anträge auf Gewährung von Landhilfe nicht mehr entgegengenommen werden können. Die Verträge sollen auf die Dauer von 6 Monaten abgeschlossen werden. Eine Verlängerung auf 12 Monate ist nur dann möglich, wenn im Anschluß an die 6 Monate ein weiteres Jahr sichergestellt wird. Don diesem Jahr werden dann nur 6 Monate gefördert, 6 Monate werden freier Arbeitsvertrag. Im allgemeinen wird der Betrieb sowohl, wie der Landhelfer nicht lanaer als 12 Monate gefördert. Nach 12 Monaten soll der Landhelfer soweit ausgebildet sein, daß er landwirtschaftliche Arbeitsstellen im freien Arbeitsverhältnis annehmen, kann. Zur Ausbildung besonders geeignete Betriebe können bei übereinstimmender Auffassung des Arbeitsamtes und des Kreisbauernführers auch über 12 Monate hinaus gefördert werden, wenn nach 12 M.cmaten ein neuer Landhelfer eingestellt wird und die Landhilse nicht als ein Mittel zu finanzieller Entlastung angesehen werden kann. Wichtige Voraussetzung Der Förderung ist die Zusätzlichkeit der Landhelferstelle. Die Höhe der Beihilfe und ihre Zahlung sind unabhängig von der Vergütung, die dem Landhelfer nach dem Arbeitsvertrag zusteht. obachtet. Obwohl seine Leute nur auf sein Korn- mando zum Feuern warteten, hätte er es nicht geben können, ohne sich als Schuft vorzukommen, und hätte stillschweigend das Ufer geräumt . . . Weiter stand nur noch zu lesen, daß er bereit fei, für sein Verhalten voll einzustehen. Erst viel später fiel der Bericht wieder in englische Hände und wurde dadurch auch der Regierung bekannt. Doch der Name des Sergeanten ist weiterhin trotz aller Rückfragen unbekannt geblieben . . . Oie Brückensprengungskolonne. Im Süden des Kampfgebiets, am Kilimandscharo, waren alle Versuche den wichtigsten Derbindungs- strana der Engländer zum Kongogebiet, die Ugandabahn zu zerstören, fehlgeschlagen. Eine einzige geringe Chance blieb noch: eine der 25 Meter hohen Brücken, die sich 500 Kilometer hinter der englischen Front über die Felstäler des Nilquellgebiets spannen, in die Luft zu sprengen . . . „Fünf Prozent standen die Aussichten", erzählt Hauptmann Schmidt. „Mit einem weißen Kameraden und sechs Trägern schlugen wir uns in den Urw«ld. Achtzehn Tage waren wir schon unterwegs, lebten von Tee und Reis, Reis und Tee, litten unter Malaria und Dysenterie, wurden fuß- krank und — hatten seit acht Tagen berittene Engländer hinter uns. Dreihundert Kilometer hinter ihrer eigenen Front riegelten sie uns endlich ab — über 500 Mann und 400 eingeborene Speerträger! — nahmen uns nachts gefangen und schleppten uns im Triumph nach Mombassa. —" Ahemdnagar, hinter Bombay, war das Konzentrationslager für die Deutschen der „Königsberg", der „Emden" und der .„Raider Wolf", für die Kolonialgefangenen aus Mesopotamien und Siam, Kunst und Wissenschaft. „An die unsterbliche (Beliebte.“ Unter diesem Titel erscheint soeben im Verlag Wolfgang Jeß in Dresden ein Band mit Briefen berühmter Musiker an ihre Bräute und Frauen. Herausgeber ist der bekannte Musikhistoriker Dr. Erich H. Müller. Bisher zum Teil unbekannte und unveröffentlichte farbige Bilder der geliebten Frauen geben dem Band besonderen Reiz. 7. Kongreß für Psychotherapie in Bad-Nauheim. Der zweite Tag des Bad-Nauheimer Kongresses brachte einen grundlegenden Vortrag von Dr. Dr. C. G. Jung-Küsnacht (Zürich) über Komplex- theorie. Interessante Erläuterungen zu Jungs tiefgründigem Vortrag gaben die beiden skandinavischen Forscher, der Präsident der schwedischen Psycho- therapeutischen Gesellschaft Dr. P. B j e r r e (Stockholm) und der Präsident der dänischen Psychothera- peutischen Gesellschaft Dr. Olaf Brüel (Kopen- Hagen). Ein Vortrag von Professor Dr. M e i n e r tz (Worms) berichtete über „Wissenschaftliche Haltung und Weltbild in der Psychotherapie". Die späteren Sitzungen brachten in erster Linie den Zusammen- schluß der in Bad-Nauheim vertretenen Ländergruppen. Schwedische, dänische, holländische, Schweizer und deutsche Delegierte wählten im Auftrag ihrer Ländergruppen Dr. C. G. Jung zum Präsidenten der überstaatlichen Gesellschaft für Psychotherapie. Nundfunkprogramm. Mittwoch, 16. Mai. 5.50 Uhr: Gymnastik. 6.55: Frühkonzert. 1. Streif- zua durch sämtliche Johann-Strauß-Operetten. 8.20 bis 8.40: Gymnastik. 10.10: Schulfunk. 11: Werbe- konzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13.20: Mittagskonzert II (Schallplatten). Aus Ju- gendwerken deutscher Klassiker. 14: Mittagskonzert III (Schallplatten). Was wär die Welt ohne Liebe und Wein? 14.30: 3X15 Minuten aus dem Senderbezirk. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: „Arbeitsdienst ist Ehrendienst am Vaterland!" Vortrag von Oberstfeldmeister Max Freiherr von Meysenbug, Kassel. 17.45: «Stunde der Jugend. Winnetou und die Goldgräberbande. 18.20: „Wie lege ich ein Familienarchiv ‘ an?" Vortrag von Hans Trenkle, Pfarrer. 18.35: Junge deutsche Dichtung: Heinrich Zerkauten. 18.50: Griff ins Heute. 19: Münchhausens letzte Lüge. Von Dransmami. Ausschnitte aus ber Oper (zur Uraufführung). 20.10: Von Frankfurt a. M.: Reichssendung: „Unsere Saar". Den Weg frei zur Verständigung! 20.30: Ja, ja, die Schwarzarbeiter! Eine heitere Hörfolge mit ernstem Unterton. 21: Aus Franz von SuppLs Operetten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdlskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 vH. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M Zranksur, a. 2)1. Berlin Schluß» tard Schlußk. Abend- börse Schluß- fur< Schlußk. Mittag» börse Datum 12-5- | 14-5. 12-5- 14-5- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 95,5 95,65 96 96 6% eljem.7% Tt. ReichSanl. v. 1929 99,9 99,9 99,9 99,9 6^1% Doung-Anlelhe von 1930 .. 91,4 91,5 91,75 91,9 Deutsche Anl.-Ablvl.-Schuld mit 95,13 94,9 95 AuSlos.-Rechten ............ —— DeSgi. ohne AuSios.-Rechte...... 16,2 15,8 16,05 —— 6% e6em.8% Hess. BolkSstaat 1929 94 (rückzahlb. 102%) ............ 94 94 94 6% Hess. Landesbank Darmstadt 91 Gold R. 12.................. 91 91 — byt% Hess. Landes-Hypotheken- 90,75 90,25 ban! Darmstadt ßtqui......... —» Oberhessen Provinz-Anleihe mit 95 94,5 Auölvs.-Rechten ............ — Deutsche Komm. Sammclabl. An- 93,1 93,1 leige Serie 1 mit AuSios.-Rechten 93 93 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Bank 91 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 91 —— •% ehern. 7% Franks. Hgp.-Bank Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 91 91 6Vi% ehem. 4V,% Franks. Hyp^ Bank-Ltqu.-Psandbriese....... 90,5 90,5 — — ehem.