184. Jahrgang Gietzener Anzeiger OerAbschied vom Vater des Vaterlandes ‘•1 Ergreifende Trauersitzung des Reichstags I* 1 W - * ■■ fr Der Wrer und Reichskanzler Adolf Hitler p s ? B 2 P 5 P .9 S, 5 .Z S Z :(D 8 " M la P o b -5 °r c<< auswärtigen Mächte, die Verwandten des Generalfeldmarschalls und die übrigen geladenen Gäste, so- wie die Mitglieder des Reichstages. Das ganze Haus erhob sich von den Plätzen. Der Präsident stellte fest, daß sich der Deutsche Reichstag zum Zeichen des Andenkens und der Trauer von den Plätzen erhoben habe. Die Trauerfeier wurde dann eingeleitet durch die Coriolan - Ouvertüre von Beethoven, die das Staatsorchester unter Leitung von Professor Heger zum Vortrag brachte. Nachdem die Musik verklungen war, erteilte Präsident Göring dem Führer und Reichskanzler das Wort. Reichskanzler Adolf Hitler betritt die Tribüne und wendet sich zunächst an den trauernden Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten. Dieser erhebt sich und dankt dem Führer mit dem deutschen Gruß. rechtigkeit zu entsprechen, mit der Erforschung die- ser Erscheinung beginnen, ermessen wir erst den Umfang und den Inhalt eines Menschenlebens, das in solcher Größe in Jahrhunderten nur selten wiederkehrt. Wie hat sich das Gesicht dieser Welt verwandelt seit jenem 2. Oktober 1847, da Paul o. Hindenburg geboren wurde? Inmitten einer Revolution nahm dieses Leben seinen Anfang. Der Geist des politischen Jakobinis- muß ließ Europa damals nicht zur Ruhe kommen. Die Ideen einer neuen, vermeintlichen Menschlichkeit rangen gegen die Elemente und Formen einer überalterten Ordnung. Als das Jahr 1848 sein Ende nahm, schienen wohl die hellen Flammen erstickt, allein die innere Gärung war geblieben. Die Welt kannte damals noch kein Deutsches Reich, kein Italien. In Preußen regierte Friedrich Wilhelm IV. Das Erzhaus Habsburg beherrschte nicht nur den Deutschen Bund, sondern auch Venetien und die Lombardei. Die Balkanstaaten aber waren tributäre Provinzen des Türkischen Reiches. Preußen selbst, genau so wie die anderen Staaten des Deutschen Bundes, ist innerlich zu schwach und unfähig, die Menschen mit einer wirklich tragenden Idee zu erfüllen. Die Schande von Olmütz brennt in den Herzen der wenigen Patrioten. Prinz Wilhelm wird König von Preußen. Der Knabe Hindenburg aber erlebt nun das große Triumvierat der politischen und militärischen Reorganisation unseres Volkes. Vismarck. Woltke und Roon treten ein in die Geschichtet Während die amerikanische Union siegreich den Bürgerkrieg überwindet, geht Preußens Weg von den Düppeler Schanzen nach Königgrätz. In diesen Regimentern aber marschiert mit ein blutjunger Sekondeleutnant, tapfer und begeistert: PaulvonHindenburg. Ein Schrap- nell zerschlägt seinen Helm und gibt dem jungen Kämpfer für des Reiches Einigung damit dis hielt dann folgende Rede: Herr und Frau von Hindenburg! Verehrte Trauergemeinschaft! Abgeordnete, Männer des Deutschen Reichstages! Seit Monaten litten wir unter einer schweren Sorge. Die Nachricht von der Erkrankung des hochehrwürdigen Alten Herrn erfüllte Millionen deutsche Herzen mit innerer Bangigkeit um das Leben eines Greises, der uns mehr war als nur das Staatsoberhaupt. Denn dieser Mann, den seit nunmehr bald 87 Jahren der Allmächtige in seinen Schuh genommen hatte, war für uns alle zum symbolischen Ausdruck der unzerstörbaren, sich stets erneuernden Lebenskraft unseres Volkes geworden. Der schicksalhafte Wille der Vorsehung hatte ihn sichtbar emporgehoben über das Maß des Alltäglichen. Als die Nation,ihre höchste Würde in seine Hände legte, wurde diese Stelle erst zur h ö ch - st e n Würde gebracht. Unzertrennlich ist uns allen der deutsche Reichspräsident verbunden mit dem ehrwürdigen Namen des nunmehr Dahingeschiedenen. Jetzt, da wir uns anschicken, dem teuren Toten die letzten Ehren zu erweisen, überfällt uns erst die Erkenntnis von dem Umfang und der Größe dieses einzigartigen Lebens. Und wir beugen uns demütig vor dem unerforschlichen Willen, der mit dem scheinbar Zufälligen oder gar Belanglosen einer Lebensgestaltung dient, die der forschende Mensch erst nachträglich in der ganzen wunderbaren Notwendigkeit der Zusammenhänge sieht und erkennt. Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg ist tot. Wenn wir uns bemühen, die Empfindungen zu erklären, die das ganze Volk im Innersten bewegt, möchten wir auf deutsche Art m immerneuerDankbarkeituns des großen Dahinqeschiedenen erinnern. Indem wir aber, befangen von dem Wunsche, der geschichtlichen Ge- Kabinett am Regierungstisch Platz zu nehmen. Der Reichskanzler trug ebenfalls die braune Uniform. Neben ihm nahmen der bisherige Vizekanzler von Papen Platz. Daran schloffen sich Reichsaußenminister v. N e u r a t h , der Stellvertreter des Führers, Minister Heß» und die übrigen Kabinettsmitglieder. An den weiteren Regierungstischen hatten die Minister der deutschen Länder und die Staatssekretäre des Reiches und der Länder Platz genommen. Vor den Abgeordnetenplätzen waren drei Stühle aufgestellt, die von Oberst von Hindenburg und Gattin und Staatssekretär Dr. Meißner, eingenommen wurden. Der Beginn der Sitzung. Reichstagspräsident Göring eröffnet die Trauersitzung und begrüßte insbesondere die Vertreter der 2 oten. Sie Worte Adolf Hitlers waren em tz chwur, ein Glaubensbekenntnis. Der bsnburgs wird über uns wachen, der Geist des tz-eneralfeldmarschalls und Reichspräsidenten wird l den, wenn wir alle schon gestorben sein werden. 1 nd der Führer, Adolf Hitler, wird darüber wachen, tnß das Erbe nicht nutzlos vertan wird. Nicht Trauer allein blieb in unseren Herzen: nein, der Stolz, daß der Tote uns erhalten bleibt, r-enngleich er gestorben ist, leuchtete aus aller L ugen. Es war eine Feier, die nicht niederdruckte, Hndern die erhob, aufwärts zu den Sternen und n die Unendlichkeit. Weitweg über allem Irdischen ochte in den stillen Minuten des Gedenkens das ^uge Adolf Hitlers die Seele des Dahingegangenen Er der Lebende, hielt während der Trauer- nufiT Zwiesprache mit ihm dem Totem Beide werden einst zusammen -mg-h-n in die Geschichte als ke Retter unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Das Bild der Straße. B e r l i n , 6. August. (DNB.) Vom Krollgebäude, vo heute mittag die erste der großen offiziellen 2 rauerveranstaltungen für den verstorbenen Reichspräsidenten, die Trauersitzung d e s D e u t- scheu Reichstags stattfindet, wehen die Fahren halbmast. Die Zugangsstraßen sind schon seit t?n frühen Vormittagsstunden von SS. flankiert. 5*ie Außenfront des Krollgebaudes hat würdigen ^.rauerschmuck angelegt. Bis zur ersten Etage ist die ganze Front mit frischem Tannengrun ver- ! kleidet, nach oben von einer Kette weißer Bluten, einer Hortensienart, sogenannter Hydrangen, ab- . geschlossen. Von den Balkonen hängen lange chwarze Schleifen, und zu jeder Seite des Haupt- i portals sind auf je sieben hohen Masten große um- lorte Banner in den Reichsfarben aufgestellt. Das i Portal ist vollständig mit schwarzem Trauerflor abgefaßt. Die Türen sind von Lorbeerbäumen, ' Efeuranken und Hortensienbüschen flankiert. Das Innere des Krollgebäudes ist in mystisches Halbdunkel getaucht, da sämtliche Lampen und Spiegel mit Trauerflor verhängt sind. Alle Pfeiler sind mit Tannengrün verkleidet. In der Eingangshalle, wo sich die Garderoben befinden, ist m Der Mitte der riesige, fast drei Meter hohe Kranz des Diplomatischen Korps mit einer schwarzen Schleife aufgestellt, je zur Hälfte aus roten Rosen und weißen Lilien bestehend. Einzigartig ist auch die Ausstattung des großen Sitzungssaales. Die Stirnseite des Saales die Wand'hinter dem Präsidium, an der sonst das gewaltige Hakenkreuz, flankiert von schwarzweißroten Fahnen leuchtet, ist in voller Hohe mlt schwarzem Flor verkleidet, ebenso alle Tribunen, die a ß - dem mit Lorbeerranken eingefaßt sind. Alles L ch ist schwarz verhängt. Der rote Fußbodenbelagist mit schwarzem Plüsch überdeckt worden. Zubeiden Seiten der Bühne senken von^.den Tribunen Trauerweiden ihre Zweige herab. Dle groß Psi empöre mit den Regierungstl chen lst m ein B Blütenmeer von seltene Lilien H°r nsieri n Astern getaucht. Inmitten dieser schneeweißen Pracht erhebt sich, von Lorbeer umgeben, eine weiße Bupe des verstorbenen Reichspräsidenten. „ Oie Anfahrt der Trauergaste. Zu der Trauersitzung des Reichstages kannte nur für geladene Gäste Zutritt erfolg . aUer Reichstagsabgeordneten waren »nfchaft der Stände und Organisationen, der B Reichswehr, der Arbeitsfront, d begann eingelaben w°fden Dw Ansahtt d 0.^ bereits gegen 11 Uhr Dem g hatte eine Ehrenkompanie der Feld'jäqerei, Abordnungen der Landespoliz , -Sturm der Flieger, des Arbeitsd.enstes und em Ausstellung genommen. Auf dem »° 8^ trotz des beginnenden Reg nsXra»eraft beizu- w7h^en^de7Ärch Lautsprecher auf den Platz übertragen wurde. , . Oer Reichskanzler erscheint. „ .... nhr „ar der Saal bereits dicht besetzt. Um 1145. J” fan ausschließlich m ihren Die Abgeordneten Parteiuniformen erschienen, braunen und schwarzen s! |d)maw Anzug wahrend auf benDfr1,omatCnloge hatte das Dipla- ube.r®°fl’ Sorcs unter Führung des Apostolischen NuntLs Ö?,enig° vollzählig, zum Tell nut EF» Reichskanzler Adolf Vunft 12 ^er Traueroersammlung stehend nut krhobener Hand begrüßt, tm Saale, um mit dem Der Führer — links oberhalb der mit Lilien umkränzten Büste des Heimgegangenen Reichspräsidenten stehend — bei seiner Trauerrede. Hindenburgs Vermächtnis. (Eindrücke unseres H. W.-Miiarbeiiers von der Trauerfeier des Reichstages. Das Erleben dieser kurzen Stunde läßt sich mit Dorten nicht beschreiben. Schon die Anfahrt über die regennaßen Straßen, mitten hindurch zwischen bin Mauern der hoch aufgerichteten SS.-Männer, Darbei an den Hunderttausenden schweigender Volksgenossen, die den Weg zum Reichstag umsäumten, vor ein unauslöschliches Erlebnis. Vor einigen ' Wochen erst die Auffahrt zu der denkwürdigen Sitzung des 13. Juni, heute die Trauerverfamm- Ung für den greifen Feldmarschall, der damals ich dem Führer den Rückhalt, die stolze Gewiß- it strengster Pflichterfüllung gegeben hatte. Es ist noch nicht so lange her, als Generalfeld- parschall von Hindenburg selbst Zeuge war n Totenfeier, in der man im Gedenken an die Millionen gefallener Kämpfer des Weltkrieges an eefer Stätte, in der Krolloper, gegenüber der iegesfäule und im Angesicht des Reichstages, ver- -Mmelt war. Viele von uns ahnten damals be- nts, daß es mit dem greifen Staatsoberhaupt k rperlich nicht zum besten bestellt war. Wir wuß- tin davon, daß es bergab gehe mit feiner eisernen l?>esundheit. Und gerade darum war uns damals de Tragik des Augenblickes bewußt, als das weiße fciupt des ehrwürdigen Mannes sich senkte vor der Wgewalt des Todes. Nun war der gleiche Reichstag, der die Erhebung d's Volkes in der nationalsozialistischen Revolution s o sehen hat, Zeuge einer Trauerfeier, wie sie ernster mb würdiger nicht zu denken ist. Umflort die leuch- tnben Farben des alten und des neuen Reiches; umflort die strahlenden Leuchter und Kandelaber; mit dunklem Grün die Emporen und Balustraden; Und vor uns, inmitten der schweigenden Menge der Abgeordneten, der Gäste und Vertreter aller Döl- k' der Erde, gerade vor den Plätzen des Obersten C3n Hindenburg und seiner Gattin, sowie Des kkaatssekretärs Meißner die Büste des Verewigten at5 weißleuchtendem Marmor. Es war ein erschütterndes Erleben, als Reichs- kcmzler Adolf Hitler dem großen Toten zum Gedächtnis sprach. Niemals sah man den Führer sc innerlich ergriffen und aufgewühlt, wie in diesen Minuten, als die ganze Welt den Atem anhielt, um $CUge zu sein der Trauer des deutschen Volkes, es war die Erschütterung eines tiefempfindenden brutschen Mannes, der sich uns offenbarte; eines Menschen, der zu Menschen sprach; eines Propheten, br den Geist des großen Verstorbenen beschwor, um durch ihn an alle Nationen der Welt die ernste, eindringliche Mahnung zu richten, daß Frieden sein Höge, Frieden um der Völker, um der Lebenden Villen. Gerade diese Sprache des Friedens im Gedanken an den toten Soldaten wird ihren tiefen (üindruck nicht verfehlen. Wir alle wissen es, wie , Ist natisch Reichspräsident von Hindenburg bei aller abgeklärten Milde den Frieden liebte, wie uner- Mütterlich sein Bekenntnis war, wenn es galt, die Kiriegsschuldlüge zurückzuweisen, wie er immer und v jeder betonte, daß nur die Einigkeit des Volkes es befähigen würde zu großen Taten. Diesem politischen Testament des Staatsober- puptes diente die Trauerrede des Führers. Sie f ßen in ihren Logen, die Diplomaten der Natio- ren. Der riesige Kranz des „Corps diplomatique log zu Füßen der Marmorbüste. Die Pressevertreter d-r ganzen Welt waren versammelt, um ihren Ein- kutf zu verzeichnen. Er kann und wird nur so ge- v-eien sein, daß sie erkennen mußten: hier, in uuemorian eines Helden, wie ihn die Jahrhunderte hum jemals hervorbringen, sprach ein Staats- ruoiHi, den ein gütiges Geschick uns als würdigsten Nachfolger des großen Feldmarschalls schenkte, hrach aber auch ein Mann, der tief durchdrungen var von Der alles überschattenden Bedeutung Des 82 Erstes Blatt 184. Jahrgang Dienstag, 7. August 1934 scheint täglich, außer MVA M Annahme von Anzeigen Sonntags unD Feiertags rv für die Mittagsnummer Beilagen: Di- Illustriert- /jT ▲ ▲ Lä ▲ A, A. Ak ÄA AA A ▲ Ak A. ▲ AvK bi-8-/,Uhrd--Dorm.ttag- f-mä AiZ4>iii>r V8IIaAIOizr ssjä Monats Bezugspreis: ■ ■ W R RRk H H H ff H H R 4k III Rr H Breite 7 Rpf., für Text- Nit 4 Beilagen RM. 1.95 U V IM R «KL R W «Kk R R wgjL Q jgT HH R R R R Rk R anzeigenvon70mmBreite Ohne Illustrierte , 1.80 W H M R HL R 60Rpf.,Platzvorschrift oder gastellgebühr .. „ -.25 R R R schwieriger Satz 25°/« mehr vsn^ einzelnen^ Nummern Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewalt r Stellen-., Vereins-, gemein- WMZ General-Anzelger für Oberhessen WWW r djten. Anzetg 6 behördliche Anzeigen 6Rpf. hansturt am Main' 11688 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatz-Vuch- und Zteindruckerei n. Lange in Giehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Mengenabschlüsse staffel ö Feuertaufe. Vier Jahre später hat ihn das Schicksal erwählt, Zeuge zu sein in der Stunde der Geburt des Deutschen Reiches. Da Bismarck die Proklamation über des neuen Staates Kraft und Herr- kichkelt und seinen Willen, sich zu mehren an den Gütern des Friedens und der Kultur, beendet hat und des neuen Reiches Kaiser zum erstenmal leben läßt, fährt auch der Degen des Leutnants von Hindenburg empor und kreuzt sich zum Schwur für Kaiser und Reich. Lin Leben der Arbeit für dleses neue Reich nimmt nun seinen Anfang. Der große Kaiser stirbt, ein zweiter und dritter kommen, Bismarck wird entlassen, Roon und Wollte schließen die Augen, Deutschland aber wächst als ein Garant des Friedens und einer wirklichen europäischen Ordnung. Die Welt erhält ein neues Gesicht. Auf allen Gebieten der INenschheitsentwicklung löst eine umwälzende Erfindung die andere ab. Immer von neuem erweist sich das Bessere als des Guten Feind. Deutschland wird Großmacht. Dem Leben dieses Reiches und unseres Volkes ununterbrochen dienend, nahm der Kommandierende General von Hindenburg am 18. März 1911 als 64jähriger Mann seinen Abschied. Damit schien sein Dienst beendet zu sein. Ein namenloser Offizier unter all den anderen Zehntausend, die stets ihre Pflicht erfüllen, dem Vaterland dienen und dennoch unbekannt vergessen sind. Als daher der Weltkrieg über Deutschland hereinbricht und das deutsche Volk in der heiligsten Ueberzeugung, u.nschuldig angegriffen zu sein, sich zum Widerstand erhebt, da trifft in schwerer Stunde der Ruf des Kaisers einen Mann, der, im Ruhestande lebend, an Krieg und Kriegsbeginn so unschuldig war, wie es nur irgendjemand in dieser Welt sein konnte. Am 22. August 1914 erhielt Hindenburg den Auftrag, den Oberbefehl einer Armee in Ostpreußen zu übernehmen. Acht Tage später erfahren zum erstenmal das deutsche Volk und die Welt von dieser Ernennung und erhalten damit Kenntnis vom Namen des neuen Generalobersten. Wolffs Telegraphisches Büro meldet amtlich: „Unsere Truppen in Preußen unter Führung des Generalobersten von Hindenburg haben die vom Rarem vorgegangene russische Armee in der Stärke von fünf Armeekorps und drei Kavallerie-Divisionen in dreitägiger Schlacht in der Gegend von Gilgenburg und Ortelsburg geschlagen und verfolgen sie jetzt über die Grenze. Der Generalquartiermeister: v. Stein." Tannenberg war geschlagen! Von nun ab ist das grüßte Ringen der Weltgeschichte unzertrennlich verbunden mit diesem Ramen. Er hat mit seinen großen Gehilfen die Krise des Jahres 1916 wieder gewendet und als Ehef des deutschen Feldheeres die Ration so oft vor der Vernichtung gerettet. Wäre die politische Führung unseres Volkes in dieser Zeit gleich würdig der militärischen gewesen, so würde Deutschland die schwerste Demütigung vor der Geschichte erspart worden sein! Als die November-Revolution endlich doch das Deutsche Reick und das deutsche Volk zerbrach, da wurde durch die schon geschichtlich gewordene Erscheinung des Generalfeldmarschalls wenigstens die ärgste- Katastrophe vermieden. Zum zweitenmal trat der Heerführer in den Ruhestand. Und ein zweites Mal wurde er wieder gerufen. Am 26. April 1925 erwählte ihn das deutsche Volk zum Präsidenten des Reiches, und ohne daß man es damals ahnte, damit zum Schirmherrn der neuen nationalen Revolution. Und hier erfülle ich nun die Pflicht einer wahrheitsgetreuen Feststellung, wenn ich vor dem deutschen Volke in ergriffener Dankbarkeit auf das unmeßbare Verdienst Hinweise, das sich der Generalfeldmarschall geschichtlich erworben hat durch die in seinem Hamen geschlossene Versöhnung der besten deutschen Vergangenheit mit einer heiß erstrebten besseren deutschen Zukunft. Seit der Stunde, da ich als Kanzler des Reiches in feine ehrwürdige Hand den Eid ablegen durfte, empfand ich steigend immer mehr die Gnade eines Schicksals, das uns diesen väterlich-gütigen Schirmherrn gegeben hat. Gleich einem mystischen Bogen spann sich das Leben dieser Erscheinung von der verworrenen Revolution des Jahres 1848 über einen unfaßbar langen Weg zur nationalen Erhebung des Jahres 1933. Das deutsche Volk kann nur beglückt fein über die Fügung einer Vorsehung, die feine deutscheste Erhebung unter den Schuh und Schirm seines ehrwürdigsten Edelmannes und Soldaten stellte. Wir, die wir nicht nur das Glück besaßen, ihn zu kennen, sondern jeder zu unserem Teil mithelfen durften am Wunder dieser neuen Auferstehung unseres Volkes, wollen in dankbarer Erinnerung das Bild dieses großen Deutschen fest in unser Herz einschliehen. Wir wollen es bewahren als ein teueres Vermächtnis einer großen Zeit und wollen es weitergeben an die Geschlechter, die nach uns kommen. Wer feinem Volke fo die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen fein! Da das Schicksal uns bestimmt hat, Reich und Volk weiter zu führen, können wir nur den Allmächtigen bitten, er möge unsere Arbeit und unser Ringen zum Glück unseres Volkes gedeihen lassen. Er möge auch uns die Kraft geben, uns jeder- zeit einzusetzen für des V o l k e s Freiheit und die Ehre der deutschen Nation, und insbesondere möge er uns gnädig stets die richtigen Wege finden lassen, um unserem Volk das Glückdes Friedenszusichern und es vor dem Unglück des Krieges zu bewahren, so wie der große Verstorbene es selbst immer aufrichtig und mit ganzem Herzen gewollt hat. Abgeordnete des Deutschen Reichtages! Männer und Frauen! Deutsches Volk! In dieser weihevollen Stunde bitte ich alle, nunmehr vom vergänglichen Augenblick in die Zukunft zu sehen. Lassen wir eine starke Erkenntnis einziehen in unser Herz: Der Herr Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg ist nicht tot, er lebt, denn indem er starb, wandelt er nun über uns inmitten der Unsterblichen unseres Volkes, umgeben von den großen Geistern der Vergangenheit als ein ewiger Schuhherr des Deutschen Reiches und der deutschen Ration. Als der Führer geendet, geht er zu den Angehörigen des Generalfeldmarschalls, um ihnen sein Beileid auszusprechen. Wehmütig und doch erhebend steigt die Trauermusik aus der „Götterdämmerung" empor. OieGchlußanspracheGörings Am Schluß der Trauerkundgebung wendet sich Reichstagspräsident Göring noch einmal an den Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten: Herr Oberst von Hindenburg! Der Deutsche Reichstag spricht Ihnen und der gesamten Familie am Schluß der Trauerkundgebung sein tiefempfundenes Mitgefühl zu dem schmerzlichen Verlust aus. Was uns der große Verstorbene ist, das hat in nicht zu übertreffenden Worten der Führer und Reichskanzler ausgesprochen. Seine Mahnung, daß der Dahingeschiedene unter uns und über uns leben soll und daß wir in unseren Herzen sein Gedenken treu zu tragen hoben, wird, heg mbgen Sie versichert sein, in- londerheit die Vertretung des deutschen Volkes in ihrem Herzen bewahren. Die Mitglieder der Reichsregierung verlassen die Estrade und begeben sich zu den Familienmitgliedern, um sich dem Beileid des Hauses noch persönlich anzuschließen. Dor dem Verlassen des Saales grüßen in schweigender Ehrfurcht die Abgeordneten wie zum Abschied die Büste des großen Toten mit erhobener Rechten. Damit schließt der Reichstagspräsident die Trauerkundgebung, nach deren Beendigung sich die Kabinettsmitglieder und andere Trauergäste zu dem Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten begeben, um ihm persönlich noch ihr Beileid auszudrücken. Oie Heimfahrt des Führers. Als der Führer vor dem Kroll-Gebäude erschien, verharrte die Menge in tiefem Schweigen. Sie grüßte Adolf Hitler mit erhobenen Händen. Reichswehr, Arbeitsdienst und SA. marschierten vor dem Führer vorbei, der von den Mitgliedern des Reichskabinetts und anderen Trauergästen umgeben war. ! Der Fährverkehr in der Wilhelmstraße und atu Pariser Platz ruhte während dieser Stunde vollkommen. Nach Beendigung der Trauerkundgebung zogen neue unübersehbare Massen zu der Straße, die der Wagen des Führers nehmen mußte. Hinter dem SS.-Spalier standen die Menschen in 40 bis 50 Gliedern. Am Kreuzungspunkt Unter den Linden—Wilhelmstraße standen Zehntausende. Alle Fenster und Dächer der umliegenden Häuser waren mit Menschen besetzt. Durch die Wilhelmstraße war nur eine schmale Fahrbahn offengehalten. Wenige Minuten vor 13 Uhr fuhr der Wagen des Führers in langsamer Fahrt durch das Brandenburger Tor über die Mittel- Promenade der Linden und bog an der Wilhelmstraße ein, um den Weg in die Reichskanzlei zu nehmen. Lautlos, in ehrfurchtsvollem Gedenken an die große Schicksalsstunde der Nation, reckten die Hunderttausende, die den Weg säumten, den Arm zum Gruß und Treueschwur. Dem Wagen des Führers folgten diejenigen des preu- ßischen Ministerpräsidenten General Göring, der Reichsminister Goebbels und Heß, sowie der übrigen Regierungsmitglieder und der hohen SA.- und SS.-Führer. WM Die Aufbahrung des Generalfeldmarschalls in seinem Neudecker Arbeitszimmer. Der Heimgegangene ruht unter dem schwarzen Mantel eines Ehrenkommendators des Johanniter-Ordens. Oes Führers Flug nach Ostpreußen Marienburg, 6. Aug. (DNB.) Der Führer hat sich am Montagnachmittag im Flugzeug nach Ostpreußen begeben. Etwa um 14.30 Uhr startete in Berlin zunächst das Flugzeug mit Oberst von Hindenburg und Frau, dem Feldbischof Dohrmann und den Staatssekretären Meißner und Funk nach Marienburg. Bald darauf erhob sich die rote Ju 52 des Ministerpräsidenten General Hermann Göring und bann das Flugzeug des Führers, in dessen Begleitung sich Gruppenführer Brückner, Reichspressechef Gruppenführer Dr. Dietrich und Oberführer Schaub befanden. Während Berlin regenverhängt war, klärte sich das Wetter schon über Pommern auf, und die Weichselniederung und Marienburg lagen in strahlendem Sonnenschein. Neudeck, 6. Aug. (DNB.) Gegen 20 Uhr rüstet man in Neudeck zur letzten Stunde der Angehörigen des verblichenen Feldmarschalls mit ihrem großen Toten, zu einer letzten Stunde des Gedenkens, zur Stunde des A b - s ch i e d s. Vom Parktor von Neudeck bis hinauf zum Gutshaus ein enges Spalier von Reichswehrsoldaten mit Fackeln. In der Halle des Gutshauses Neudeck steht auf dem Katafalk der Sarg. Die Kriegsflagge deckt ihn, darauf liegen Helm und Säbel, auf einem Tischchen davor auf einem Kissen der Marschallsstab und die Kissen mit den Orden. Zwei Hauptleute und zwei Kapitänleutnants halten die« Totenwache. Durch das geöffnete Fenster hinter dem Kopfende des Sarges rauschen die Bäume des Parkes von Neudeck das letzte Lied. Nun wird es dunkel. Die Türen der Halle schließen sich, die Angehörigen kommen und nehmen Platz, die Kinder, die Enkel und Urenkel. Rechts von der Wand leuchtet aus dem goldenen Rahmen das Bild des Generalfeldmarschalls, so wie er in der Tannenbergschlacht stand, an der linken Seite ein Bild stürmender Soldaten in einer der Materialschlachten des Großen Krieges, zwei Landschaften 3U beiden Seiten des Sarges an der Wand: ein Bild aus Oberbayern, das Hindenburg darstellt, so wie er lebte, und ein Bild ostpreuhischer Landschaft mit knorrigen Kiefern. Um den Sarg herum Kränze, die Kränze der 2Ing et) origen mit den Schleifen den blauweißen Hindenburg'schen Hausfarben. Der Kranz des Führers, folroie der Kranz, den Staatssekretär Meißner im Namen der Beamten und Angestellten des Büros des Reichspräsidenten am Sarge niederlegte. Außer der Familie sind die Angestellten des Hauses Neudeck in der Halle erschienen Auch der Postbeamte, der den Postverkehr für den Reichspräsidenten versah, nimmt an der Trauerfeier teil. Feldbischof Dohrmann spricht mit gedämpfter stimme von dem großen Toten. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden", so beginnt er (eine Trauerpredigt. Und dann spricht er van dem guten Kampf, den der Tote gekämpft seiner Gläubigkeit und von seiner Treue. Psalm 62, Vers 2 ist es, den er feiner Trauerpre- Die Flugzeuge wurden in Marienburg von den Stürmen der SS., SA. und des Deutschen Luft- sportverbandes empfangen. Eine Staffel aus Sportflugzeugen war außerdem den Apparaten entgegengeflogen, um sie nach Marienburg zu geleiten. Nach dem Abschreiten der Front der Ehrenformationen begab sich der Führer und Reichskanzler im Auto ins ostpreußische Land hinein, um sich dann morgen nach Tannenberg zu begeben. Ueberall entbot die Bevölkerung stumm mit erhobenem Arm den Deutschen Gruß. Ueberall wehen die Fahnen halbmast. Das weite ostpreußisck. Land hatte sich noch einmal in spätsommerlichei Pracht geschmückt, an dem Tage, an dem sein größter Feldherr und größter Sohn seine letzte Fahrt antreten wird. digt zu Grunde legt: „Meine Seele ist still zu Gott, der mir hilft." Dann spricht er von der stillen Stunde, die die Familie mit dem Toten verlebt, ehe sie ihn hinausgibt an das Volk, dem er gehört und dem er ein Vater des Vaterlandes war. Er weist darauf hin, daß das Wort des Psalms dem Verewigten besonders lieb und teuer roar. Aus feiner Stille jju Gott, aus seiner Gläubigkeit habe er die Kraft gewonnen, das zu tragen, was das Schicksal an Großem und Schönem und auch an Bitterem ihm auferlegte. Das schöne und tiefe Wort „M e i n" ist es, mit dem die Angehörigen den großen Toten nennen konnten. Das verbindet sie mit ihm besonders über jenes Band hinaus, das alle Deutschen mit ihrem Hindenburg verknüpft. Feldbischof Dohrmann weist auf den Tod der treuen Lebensgefährtin Hindenburgs hin, spricht von jenen Minuten, als er in die Einsamkeit ging. Und er rühmt seine Geduld, seine wunderbare Gelassenheit und seine Hoffnung mit den Menschen. Aus seinen gefalteten Händen auf dem Totenbett haben wir alle noch einmal die Stille gefühlt, in der er uns Bild und Vorbild wahrer Frömmigkeit und Herzengüte war. „Er dankte dort, wo er hätte gebieten können, er bat, wo er hätte fordern können." Noch einmal dankte Feldbischof Dohrmann dem Toten für alles, was er feiner Familie, dem deutschen Volk und darüber hinaus der Welt gegeben und geschenkt hat. Dann sprach er den Segen. Aus .bem dunklen Park tönt mehrstimmig durch das Fenster zu Häupten des Sarges fast wie unter- irdische Stimmen herein der Psalm „Sei getreu bis in den Tod!" Der Freystadter Gemischte Ehor, der schon oft vor dem Lebenden fang, bringt ihm das letzte Lied. Feldbischof Dohrmann spricht das Gebet, dann Helle jugendliche Stimmen: Die Neu- beeter Schulkinder: ,Zaß mich gehen, laß mich gehen, daß ich Jesum möge sehen? Sie fingen den letzten Choral. Weither aus dem dunklen Park 1 i Die Aufbahrung des geschlossenen Sarges im Arbeitszimmer von Neudeck. AM W>; ■■ k ite. ML 5 i ■ Der Abschied der Familie in Aendeck. challen bann bie S)Örntr der Gutsforster. „Jagd I vor dem Gutshaus, wo ein größerer Kreis Zeuge orbeil" blasen sie. der Stunde sein wird, da der Gutsherr von Neu- Die letzte stille Stunde ist vorüber. Nun öffnen deck, der Feldmarschall des großen Weltkrieges, der ich die Türen des Parks von Neudeck, und die Präsident des Deutschen Reiches, sein Haus für )fsiziere tragen Len Sarg hinaus auf den Katafalk1 immer verläßt. Der Auszug des Mrschalls aus Wett Neudeck, 7. Aug. (DNB.) Unter einer nächt- ichen Trauerparade von erschütternder jröhe vollzog sich Montagabend zwischen 21 und 2 Uhr der Auszug des toten General- eldmarschalls von Hindenburg aus dem )utshaus von Neudeck nach dem Tannenbergdenk- tnaL lieber Neudeck bricht langsam die Dämmerung herein. Die Bäume heben sich dunkel von dem hel- |en Sommernachtshimmel ab. Nur der Marschschritt ter zur Trauerparade anrückenden Kolonnen und kirze Kommandorufe unterbrechen die feierliche Stille. Ein Bild von düsterer Tragik entwickelt sich, rnd dennoch leuchtet der Abglanz eines gewaltigen ßoldatenlebens, stolz, männlich und für jeden, Der liefe Stunde miterleben durfte, unvergeßlich über liefet Stunde. Schweigend stehen die grauen Ko- lonnen. Matt glänzen wie eherne Mauern die Stahlhelme über harten, ernsten Soldatengesichtern. Knirschend fährt die leere Sarglafette vor. Unruhig scharren die sechs schwarzen Rappen, die die Sarglafette ziehen, so daß die Lafette mehrmals um las Rondell vor dem Schloßportal herumgeführt Derben muß. Auf dem Rasenplatz vor der Freitreppe stehen zwei Musikkorps des Jnfanterieregi- nents 3. Links vom Schloßeingang steht die Ehren- bmpanie des Infanterieregiments 3 aus Deutsch- kylau. Von der Allee bis zum Gutseingang bil- let eine zweite Kompanie Spalier. Nach Beendigung der Familienfeier im Schloß ammen in rötlich-gelbem Schein in weitem Umreis Taufende von Fackeln auf. In ihrem Ratterndem Licht leuchtet die hellgelbe Front des Schlosses hell auf. In diesem Augenblick erscheint in Generalsuni- brm Ministerpräsident Göring. Er begibt sich in las Schloß und legt einen herrlichen Kranz mit sharz-weih-roter Schleife am Sarge nieder. Der Feldbischof spricht dann den Segen, — ein Augenblick unaussprechlichen schweigenden Schmerzes. Dann flammen gewaltige Magnesiumfackeln auf und überstrahlen ein Bild von unvergeßlicher heroischer Größe. Die Lafette fährt von rechts vor die Stufen des Portals. Wieder ein kurzes Kommando: „Präsentiert das Gewehr!" Die Fahnen senken sich, der Sarg des Feldmarschalls wird auf die Lafette gehoben. Unter den Klängen des Chorals: „Jesus meine Zuversicht" formiert sich die Trauerparade und rückt in einem Spalier von Fackelträgern und anderen zur Landstraße Freystadt—Deutsch-Eylau, wo sich die berittenen Truppenabteilungen in den Trauerzug eingliedern. Die Trauerparade unterwegs. Das Dunkel der Nacht zwischen ben hochragenden Bäumen der Allee, der Schein der Fackeln, der sich weithin durch das schweigende Land ziebt, bie Stahlhelme und Gewehrläufe, bie mächtigen Klänge ber Trauermusik, bie ben Zug begleiten, bas unbewegliche militärische Spalier: alles bas vereint sich zu einer stolzen Symphonie bieses großen Helbischen Lebens, besten Inhalt uns als ein unsterbliches Vermächtnis verbleibt. An ber Spitze ber Trauerparabe marschiert bas Trompeterkorps ber 2. Abteilung des Artillerie-Regiments Nr. 1. Es folgt bie 2. Schwadron bes Reiterregiments 2, bann bie Ehrenwachkompanie vom 2. Bataillon des Infanterie-Regiments 3 mit ben Fahnen. Hinter ben Fahnen geht ber Chef bes Stabes ber 1. Division Oberst H o e p n e r, ber auf einem Kisten ben Marschallstab Hindenburgs trägt, gefolgt von Offizieren mit ben Orbenskissen bes Marschalls. Tiere ihre Kopfe tief herunter. Und ein fünftes Bild ist hier noch zu nennen, ber graue Zug der roten Soldaten, der wie eine Vision von vielen Personen in der Gegend von Neudeck in der Dämmerung gesehen wurde, obwohl dort gar keine Straße verlief und man dort eigentlich nichts hätte sehen können: Ein Fata Morgana warf das Bild auf Straße marschierender Truppen an anderer Stelle zurück und schuf jene Vision. Dorf um Dorf durchfahren wir, und hinter uns knattern die Motoren der Kraftfahrkolonnen, die den Trauerzug eröffnen. Dann folgen die Motorkanonen. Eine Lafette trägt den Sarg des teuren Toten. Immer wieder ziehen sich Girlanden von Baum zu Baum, mit Aehrenkronen und Kränzen find sie geschmückt, von denen schwarze Schleifen hangen, und an manchen Stellen hat man Früchte des Feldes hineingeflochten. 3n Osterode flankieren flammende Pylone die Straße. Die Laternen find schwarz verhängt, ebenso viele Fenster, hinter denen lange Talglichter brennen: Ein düsterer und doch überwältigender Eindruck. In vielen Schaufenstern steht das Bild des Reichspräsidenten, mit Blumen umkränzt, von Fahnen umgeben. Ganz Osterode ist auf den Beinen. Aus ber ganzen Umgegenb sind Zehntausend hierhergefahren, um an dieser Stelle Abschied zu nehmen vom Generalfeldmarschall. Plötzlich über einer Straße ein großes Ehrentor, darauf die Dörte: „Einen letzten Gruß die Stadt Osterode ihrem Ehrenbürger." Und solche Ehrentore treffen wir noch viele. Immer wieder stehen auf ihnen letzte Grüße von Verbanden und von Orten. Reichenau ist vorbei. Wir sind schneller gefahren und haben den Trauerzug weit hinter uns gelassen. UeberaU stehen hier die Menschen schon feit Stunden in stiller Trauer und harren des Zuges. Bei Frögenau biegen wir von der großen Straße ab, und jetzt geht der Weg des Trauerzuges vorbei an dem Ort Tannenberg mit de? Ordenskirche. Später führt der Weg vorbei am Feldherrnhügel, wo ein Denkmal daran erinnert, daß von dieser Stelle aus ©eneralfelbmar* schall von Hinbenburg bie Tannenbergschlacht leitete. Bei bem Orte Paulsgut schwenkt ber Zug wieder nach Norden ein, nach Hohen st ein, und von dort aus hinauf zum Tannenbergdenkmal. Wohl noch Stunden wird es dauern, bis der Trauerzug dort fein wird, aber schon ist alles in Erwartung. ' 1 ■... • • M -z' W V 'IP ! ' I ' Des Führers letzter Gruß an den Reichspräsidenten ist ein riesiger Kranz aus Lorbeer und weißen Nelken. Der Trauerkondukt am Tannenberg-Denkmal. Der letzte Zapfenstreich vor dem Heim. Dann öffnen sich die Flügel des Portals zum -tztenrnal für den greifen Gutsherrn von Neudeck, "cchts und links vom Portal rauschen im flackern- en Scheine der Fackeln bie ruhmreichen ahnen ber brei Regimenter, mit benen ber elbrnarschall befonbers eng oerbunben war: Die Qemaligen Snfanterieregimenter 91, 147 sowie bas Garberegiment zu Fuß. Der Kommanbeur ber irauerparabe, Generalmajor Wobrig, gibt bas ’.-ommanbo: „Präsentiert bas Gewehr!" Unbeweglich stehen, von ben Fackeln umloht, bie Kompa- ien. Offiziere tragen den mit der Kriegsflagge, fc-m Helm und dem Degen des Feldmarschalls beleckten Sarg heraus und setzen ihn vor dem Portal rieber. In biefem Augenblick rauscht es, gespielt von ben feiben Musikkorps, empor burch bie Nacht im stockelglanz: „Befiehl bu beine Wege". Es folgt ber Rapfen ft r e i d) ber preußischen Infanterie, bie schmetternben, mutigen Klänge, bie dampfen Wirbel ber Tromeln. Die feierlich getragen r-n Weisen bilben in biefer Stunbe eine eigenartige Heldensymphonie, in ihrer soldatischen Kraft k greifender als Trauermärsche. Dann brechen die ÜLusikkorps ab. Hinter den Bäumen klingt der Zapfen st reich der Kavallerie auf, ge- ielt vom Trompeterkorps der zweiten Abteilung i>5 Artillerieregiments 1. Das Trompeterkorps d)t in einiger Entfernung aufgestellt. So rauschen । e Klänge wie ein Gruß von den Schlacht- rldern O st Preußens aus dem Dunkel des larfs hervor. Dann wirbeln dumpf die Trommeln. Das alte iommanbo hallt burch bie Nacht „H e l m a b zum ?ebet!" Feierlich erklingt wie ein letztes Be- inntnis aus biefem von ber Vorsehung so wunber- :m gesegneten Leben ber alte Choral auf: „Ich >rte an bie Macht ber Liebe". Felbbischof Dohrmann spricht, schlicht und clbatisch: „Nun nehmen wir Abschieb von bem toter unb Herrn dieses Hauses, indem wir das letzte Vaterunser beten". Von sechs Rappen gezogen folgt bann bie Sarglafe11e. Sechs Offiziere Les Art.-Regts. 1 führen bie Zügel. Hinter bem Sarg gehen die Angehörigen unb nächsten Freunbe bes verewigten Felbrnarschalls. Dann folgt bie Generalität bes Reichsheeres, an her Spitze Gruppen- fommanbeur I Generalleutnant v. Nundstebt, unb ber ostpreußische Wehrkreiskommandeur Generalleutnant von Brauch itsch. Hinter ber Generalität marschieren bie Musikkorps. Die Reste ber zur Trauerparabe fommanbierten Teile bes Jnf.- Regiments 3 und eine Batterie bes Art.-Regts. 1 bilden unter Führung bes Kommandeurs ber Trau er parade Generalmajors Wobrig ben Schluß bes Zuges. Langsam ^ücft bie Trauerparabe zwischen kilo- meterlangen Spalieren fadettragen- ber SA. unb S S. in Richtung Heinrichsau vorwärts. Dumpf klingt ber. Tritt der Kompanien, die Räber ber Protzen unb Lafetten unb bie Hufe ber Pferbe klappern auf her Lanbstraße. Der Mythos, ber den toten Marschall mit bem Heer des Großen Krieges verbanb, wird in biefer Nacht lebenbig. Es ist, als ob ein Geisterheer ben Sieger von Tannenberg zu ben alten Schlachtfelbern heimgeleitet. Es ist, als ob in biefer unfaßbaren gewaltigen Stunbe noch einmal vor bem ganzen beut- fchen Volke alle Tragik und Größe unserer opferreichen Geschichte lebendig werden sollte, deren Verkörperung der tote Feldmarschall ist. Nach zwei Kilometer wird die erste Trauer- parabe von einer zweiten Trauerparabe abgelöst, bie aus einer motorisierten Abteilung unb einer Kraftrad-Schützenkompanie besteht. Noch einmal präsentiert bie erste Trauerparade bas Gewehr, und ber Sarg des Feldmarschalls wird von Offizieren von der ersten Lafette auf eine Motorlafette überführt. An einem ununterbrochen nenSpalier fackeltragender ost preußischer Menschen entlang bewegt sich nun in etwas beschleunigter Fahrt der Trauerzug in Richtung Tannenberg. In allen Dörfern läuten die Glocken. Ostpreußen geleitet feinen Feldmarschall zur letzten Ruhe an ber Stätte seines größten Sieges. Die Fahrt durch den flammenden Weg. Hohenstein, 7. Aug. (DNB.) Nun haben bie Reichswehrfoldaten, die ben Weg vorn Guts- ijius von Neudeck zum Parktor umsäumen, ihre Jäckeln entzündet. Nun beginnt unsere Fahrt durch ben flammenben Weg, burch bie -locht, jenen flammenben Weg, an bem bas Volk Ostpreußens Abschied nimmt vom Gene ralfelbmarschall. Sterne stehen am Himmel. Durch bunkle Wälber geht bie Fahrt, bann oieber burch Dörfer, an Felbern vorbei, auf benen bie Ernte steht, ber Hinbenburgs letzte Gebauten gelten, bie Ernte für bas Volk, von ber Leben unb Sein bes Volkes abhängt. Die Straße ist mit Tannengrün bestreut, mit weißem Sanb unb mit Blumen. All' bie verschwenberische Pracht ber oft- p eußischen Gärten ist aufgeschüttet auf biefe Straße. Weiße Dahlien, bann roieber rot, grün unb blau unb gelb leuchtet es. An der Straße ein einzigartiges unendliches Spalier der Menschen. Äm Vordergründe die SA., deren blutgetränkte Slturmfahnen am 30. Januar 1933 Generalfeld- irorschall von Hindenburg segnete, als er b(tm Führer die Macht übergab. Diese Sturmfah- mn stehen nun am Wege und senken sich zum Iitzten Male vor dem großen Toten. Dnnn wieder PO., die Ortsgruppen der NSDAP, iriit ihren Fahnen, Hitler-Jugend, Bund deutscher M ädel, Arbeitsdienst, Deutscher Luftsportverband, bi- Feuerwehren, die Förster, der Kyffhäuserbund, L'amtenverbände, Reichsbahnbeamte, Postbeamte in ihren Uniformen. Die ganze Vielgestaltigkeit des amen Lebens spiegelt sich an dieser Straße. Kleine j Mädchen in weißen Kleidern, dann wieder tief 6 verschleierte Frauen. An einer Stelle sind golb = q> [ b e Aehren unb roter Mohn auf bie Lrahe gestreut. Dazwischen bie letzten blauen Kornblumen. Aus bem Dunkel der Nacht tauchen Mer auf Gendarmeriebeamte, die die Straße fiqern. An allen Straßenkreuzungen überall eine Me von Autos aus allen Teilen Deutschlands. Alle Gaue und Landschaften haben ihre Men- Schen entsandt, und alle sind beteiligt an diesem letzten hundert Kilometer langen flammenden Spalier, wie es wohl die Welt noch nicht gesehen hat. Line feierliche mystische Stimmung liegt über dem Ganzen. Lautlos und ruhig ist alles. Wan hört kaum ein Wort. Niemand spricht, und die Gedanken sind alle beim toten Hindenburg. Man fühlt es instinktiv, daß er in diesen Herzen fortlebt, daß sein Leib tot ist, daß aber sein Geist immer über dem deutschen Volke schweben wird. In Deutsch-Eylau wehen von allen Häusern schwarz verhängte Fahnen. Trauergirlanden sind über die Straßen gezogen. Die ganze Straße ist dicht besät mit Blumen und Grün, und das Spalier der Menschen ist viele Gliederungen tief Aus dem Marktplatz sind Ehrenformationen der SA. und SS. angetreten. . Hinter Deutsch-Eylau nimmt uns bie Nacht roie- ber auf. Und wieder geht die Fahrt durch D f , durch Flecken, durch Wälder und Feldern An einer Stelle tritt Rotwild an die Straße. Ohne Scheu vor den Menschen bleibt es minutenlang stehen, als wollte es Abschied nehmen vom Schirmherrn des deutschen Waldes, vom größten deutschenJager und Heaer denn ber „Alte vom Preußenwalb hat ben Lb unb bas Wild geliebt wie memge. Als wir auf der Straße nach Oste rod durch den Wald fahren, fallen i m>r uns lilberne Funken vom Himmel. Zehn 6* e:T«:: ,™ den toten Nelchsprast fast unmittel- ? Wß heraus als der Trauerzug dar an die Straß 9 rtckcn blieb, bis der Mo- fich näherte, und ,urückscheuchte. An anderer torlarm es in Öen einer3^oppe[, kamen die Pferde, Stelle wiederum, , ueran und steckten ihre ahn« (Satter als die Lafette mit dem Kopfe "ber tD'ar als wenn sie den Ernst unb9bk®rö5= ^ber Stund- sühlt-n. fo neigten bie ben Drben, Helm unb Degen unb bem Felbmar- schallstab tragen. Oie Uebernahme des Garges. Nur wenige Minuten bauert bas Herüberheben bes Sarges. Dann fetzt sich unter bumpfem Trommelwirbel ber Trauerkonbukt roieber in Bewegung. Nun führt Paul von Hinbenburgs letzte Fahrt hinauf zu ber Stätte feines größten Sieges, bie auch feine letzte Ruhestätte fein wirb. Choräle Hingen auf, Lieblingschoräle bes toten Felbmar- fchalls: „Ach bleib mit beiner ©nabe" unb „Jesus, meine Zuversicht". Den ganzen Weg burch Hohenstein hinburch bis zur Höhe bes Denkmals säumen Arbeitsbienft, SA. unb SS. ben letzten Weg. Dahinter steht, oft viele ©lieber tief, bie Bevölkerung, erschüttert. Oas Entzünden des Opferfeuers. Schon seit etwa 5 Uhr hört man im Tannen- bergbentmal bie herannahenben Klänge ber Trauer- musik. Das gibt bas Signal zum Entzünben ber riesigen Opferpfannen auf bem flachen Terrain ber- acht hohen Türme bes Denkmals. Schwarze Rauchfahnen lobern zum wolkenlos blauen Himmel empor. Der Morgenwinb bauscht bie langen schwarzen Fahnen, bie von ben Türmen herabhängen. Jm Zeldherrnturm. Nun schwenken bie beiben Schwabronen links unb rechts vom Eingangstor ein, zwischen ihnen hinburch nimmt bie Fahnenkompanie ihren Weg ins Denkmal hinein, ©ebämpfte Kommanbos erklingen. Der Sarg wirb von ber Lafette gehoben unb von zwölf Offizieren bes Heeres unb ber Marine in ben Felbherrn- türm getragen. Von hort aus wirb er nach ber Trauerfeier in ben bem Felbherrnturm gegen« überliegenben Ma r s ch a 111 u r m getragen wer- ben, wo er feine enbgültige Stätte finbet. Der folgenbe Teil bes Trauerkonbuktes zieht bie Chaussee weiter hinauf. Nachbem bie Fahnenkompanie ber Reichswehr ben Hof bes Tannenbergbenk- mals roieber verlassen hat, ruht bas Denkmal wieder still in ber Frühe bes Morgens. Das zweite Runb bes Denkmalshofes ist leer. Die schwarzbezo- genen Bänke sind unbesetzt. Lediglich einige SS.« Abordnungen, die Absperrungen vornehmen, geführt von Gruppenführer von bem Bach, Gruppenführer Erbprinz Walbeck und den Oberführern Kaul und Dr. Reiner, befinden sich im Hof, dazu einige Reichswehroffiziere und die ©auleitung. Erst gegen 7 Uhr werben bie ersten ..... nach unb nach bis 10 Uhr Gegen ben frühen Morgen wird es kalt. Die Formationen treten weg, da die Ankunft des Trauerkonduktes sich erheblich verzögert hat. An der Straße haben sick inzwischen eine große Zahl von Menschen eingefunden, insbesondere Bewohner weitentfernt liegender Dörfer; außerdem Abteilungen des NSKK. Nach einem unwahrscheinlich schonen Sonnenaufgang gegen 4 Uhr trifft die Nachricht ein, daß der Trauerkondukt von Paulsgut herannaht, und um 4.30 Uhr vernimmt man von ferne das Knattern der Motoren. Von fern hört man die Lokomotiven der Sonderzüge, die in immer dichterer Folge in den Bahnhof Hohenstein einlaufen. Um 4.45 Uhr ist ber Trauerkonbukt heran. Auf ber rechten Seite stehen unter präsentiertem Gewehr bie Infanterie-, Kavallerie- unb Marine-Formationen. Daneben parkt auf ber linken Straßenseite ber motorisierte Trauerkonbukt, ber von ber Kraftfahrabteilung I, ber motorisierten Abteilung bes Artillerieregiments I gestellt ist. Neben ber Lafette hält ber Mannschaftswagen, ber bie „ • Motorlafette mit dem Sarg des toten Marschalls l Gaste erwartet, bie bann führt, barauf bie acht Offiziere, bie bie Kissen mit1 ben Denkmalshof füllen werden. Hohenstein, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Gegen 2 Uhr nachts hat der Trauerkondukt Reichenau erreicht, und wenig später, während bas Dunkel sich zu lichten beginnt unb ein strahlender Sommermorgen heraufdämmert, geht es am Feldherrnhügel von Frögenau vorbei, jenem Hügel, von bem aus Paul von Hinbenburg die Tannenbergschlacht leitete. Aus der Dämmerung schälen sich allmählich die Konturen des Gedenksteins. Gleich darauf hält der Traue r- k o n d u k t, um einen Augenblick an jener Stelle zu verweilen, wo Deutschlands größter Feldherr feinen berühmten Sieg errang. Auf der Straße zwischen Hohenstein und Paulsgut hat sich zwischen der Eisenbahnkreuzung und Hohenstein inzwischen der Trauerkondukt aufgestellt, der hier von motorisierten Formationen ben Sarg bes großen Toten übernehmen soll. An ber Spitze ein Musikzug eines Reiterregiments, bann zwei Schwabronen, barauf ein Mufikzug eines Infanterieregiments, die Fahnenkompanie mit den ruhmreichen alten Regimentsfahnen und dahinter, schwarz umkleidet, bie Lafette, bie den Sarg zum Tannenberg-Denkmal tragen soll. Sechs Rappen sind davorgespannt, jeder geführt von einem Offizier. Darauf folgen wiederum zwei Kompanien Infanterie, ein Bataillon Marineinfanterie und zwei Batterien der reitenden Abteilung des Artillerieregiments 1. Ein schöner Sonnenaufgang. Die letzten Stunden vor der Beisetzung. Tannenberg-Denkmal, 7. August. (DNB. Funkspruch). Nun ist ber Tag heraufgestiegen, bie Sonne steht schon hoch am blauen Himmel. Im satten Grün bes Rasens häufen sich um bas Kreuz, unter bem 20 unbekannte Krieger ber Tannenbergschlacht ruhen, bie Kränze. In allen Farben leuchten ihre Bänber mit ben Wibmungen. Schlank unb steil steht bas patinagrüne Kreuz über bem Solbaten- grab gegen ben Himmel. Dort, wo am 27. August 1933 ber Sessel bes Felbrnarschalls stanb, steht heute ber Katafalk. So wirb ber Marschall nun noch einmal bort sein, wo er bem Führer bie Hänbe brückte unb zum letzten Male im Tannenberg-Denkmal sprach. Hinter bem Katafalk bie Kanzel. Vor ben Eingängen zum Felbherrnturm unb zum Marschallturm stehen Posten. Der Eingang zum Felbherrnturm, in bem ber braune, mit ber Reichskriegsflagge bebeckte Sarg steht, ist schwarz verhängt. Inzwischen läuft auf bem Bahnhof Hohenstein Sonberzug auf Sonberzug em. Auf bem Parkplatz am Tannenberg-Denkmal stauen sich bie Kraftwagen. Im Denkmal füllt sich langsam bas Runb. Nun marschieren bie Fahnen Der SA., SS., HI., bes Arbeitsbienstes unb bes NSDFB. ein. Lautlos werben sie hereingetragen unb gegrüßt. Auf ben Umgängen zu ben einzelnen Türmen nehmen Solbaten mit Gewehr bei Fuß Aufstellung. Polizeigeneral D a l u e g e unb Oberführer Fritsch treffen letzte Anorbnungen. Gleich barauf erscheint auch ber Gruppenführer ber ostpreußischen SS., von bem Bach-Zeleski. Draußen um bas Denkmal herum marschiert Verband auf Verband auf, so die Regimentsoereine des Kyffhäuferbundes und viele andere. Volk strömt zu Zehntausenden von allen Seiten heran. Alle halbe Stunde sieht man vier Hauptleute mit ernsten Gesichtern zum Feldherrnturm hinübergehen — die Ablösung der Ehrenwache. Viele alte Uniformen sieht man im Tannenberg-Denkmal, darunter auch Abordnungen des ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 147 „von Hindenburg" und des 3. Garde-Regiments zu Fuß, aus dem der Feldmarschall einst hervorging. Von den Türmen des Denkmals schweift der Blick weit ins Land hinein. Auf den Feldern steht goldgelb die Ernte. Doch heute ruhen alle Hände, unb bie Felber finb verwaist. Am Bahnhof überwacht Polizeigeneral D a - l u e g e selbst bas Eintreffen ber einzelnen Sonber- züge. In wenigen Minuten finb bie Züge geleert, unb es vergehen kaum weitere fünf Minuten, unb schon finb Hunberte von Personen abtransportiert. Vom Bahnhof zum Denkmal ist mit etwa 50 Omnibussen ber Berliner Verkehrsgesellschaft, ber Reichspost unb anberer Gesellschaften ein laufender Penbelverkehr eingerichtet worben. Auf bem Bahnhof Hohenstein ist auch ein langer Sonder- zug aus Polen angekommen, der viele Deut- sche aus den verlorenen Gebieten gebracht hat, darunter eine Abordnung aus Posen, bie bie Grüße ber Geburtsstabt Hinbenburgs übermittelt. Auch eine Aborbnung Dort Saarlänbern ist nach Tannenberg gekommen. Fast alle volksbeutschen Gruppen im Ausland haben Vertretungen entfanbt. Alle, bie mit ben Sonberzügen bas Korriborgebiet berührten, berichten, daß bie Stimmung dort freundlich und ernst gewesen sei. Das Eintreffen der Diplomaten. Nun trifft das Diplomatische Korps ein. Fast alle Stauten der Welt sind vertreten. Man sieht schillernde Uniformen aus aller Herren Län- der, viele fremde Offiziere, dann Diplomatenfracks mit Zweimastern. Auch viele Abgeordnete und Staatsräte, die Regierungen aller Länder, alle Reichsstatthalter, alle Gauleiter der NSDAP., die meisten Gruppenführer der SA. und SS. sind schon da. Man bemerkt weiter den Reichsjugendführer Baldur von Schir ach, den Gruppenführer Prinz August Wilhelm und gleich darauf auch den ehemaligen hat den Leichenkondukt seines Vaters die Nacht hindurch begleitet und ist ebenfalls bereits im Tannenbergdenkmal. 0er Einmarsch der Abordnungen. Gegen 9 Uhr beginnt der Einmarsch der Ehrenabordnungen der verschiedenen Verbände, die sich am hinteren Turm im Stadion gesammelt haben und nunmehr in das Innere des Denkmals einziehen. Um 10 Uhr wird auch das EhrenbataillonderReich swehr im Senf», mal Aufstellung nehmen. Auf dem Bahnhof werden ganze Waggons von Kränzen ausgeladen und in Lastwagen zum Denkmal geschafft. „Hindenburg-platz" in Berlin. Berlin, 6. Aug. (DNB.) Der Polizeipräsident von L e v e tz o w hat mit Genehmigung des preußischen Staatsministeriums und auf Anregung des Oberbürgermeisters der Hauptstadt Berlin den Platz „Dor dem Brandenburger-Tor" in „Hindenburg- platz" umbenannt. Oie Volksabstimmung. Bekanntmachung der Reichspropagandaleitung der NSDAP. Berlin, 6. August (DNB.) Die Reichspropagandaleitung der NSDAP, gibt bekannt: Die Durchführung des Wahlkampfes zur Volksabstimmung am 19. August 19 3 4 liegt in den Händen der Reichspropagandaleitung der NSDAP. Anschrift: Reichspropagandaleitung der NSDAP., Berlin W, Doßstraße 9, Telephon A 1 Jäger 0014. Dr. Goebbels Reichspropagandaleiter der NSDAP. Verleumder des Reichs- jugendführers verhaftet. Berlin, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wegen Verbreitung unwahrer Gerüchte über den Jugend- sührer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, wurden, wie die NSK. meldet, in verschiedenen Gegenden des Reiches zahlreiche Personen fe ft genommen, die sich die Lügenmeldungen zweier ausländischer Sender zu eigen gemacht hatten. Der Reichsjugendführer, der eben erst als G a st des Führers in der Reichskanzlei weilte, nimmt mit seinen Mitarbeitern an den Trauerfeierlichkeiten in Tannenberg teil. Durch diese Tatsachen dürfte das Geschwätz der ausländischen Sender und gewissenloser Kolporteure widerlegt sein. Oie Verlustlisten der Aufständischen in Kärnten. Wien, 6. Aug. (DNB.) Die Blätter veröffentlichen noch immer Einzelheiten aus den Kämpfen des 25., 26. und 27. Juli. Bemerkenswert sind die darin auf Grund amtlicher Erhebungen f e st- gestellten Verlustlisten der Aufständi- schen in Kärnten. Danach beträgt die Zahl der toten Aufständischen in Kärnten allein etwas über 100. Gefangengenommen wurden 1600 Personen — für das kleine Land eine ganz außerordentlich hohe Ziffer. Nach Südslawien g e - flüchtet sind aus Kärnten etwa 7 0 0 Personen, davon 335 aus dem Lavanttal. Desgleichen wird eine Verlustliste der Regierungstruppen für Steiermark mit Ausnahme des Bundes- Dank und Gelöbnis der deuischen Saarländer. 3m Geiste Hindenburgs in den Abstimmungskampf! Der Führerrat der Deutschen Front des Saargebietes hat folgenden Aufruf erlassen: „In tiefer Trauer und schmerzlicher Ergriffenheit fühlen wir in der Deutschen Front zusammengefaßten Saardeutschen gerade in diesen dunklen Tagen der Trauer um den verehrungswürdigen Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg uns mit unserem deutschen Daterlande innig st verbunden. Wir hörten und lasen die ergreifenden Worte, die die deutsche Reichsregierung dem deutschen Volke und damit auch uns als einem untrennbaren Teil dieses ganzen Volkes zu sagen hatte. Es ist ein tragisches Geschick, daß es unserem verehrten Reichspräsidenten nicht mehr vergönnt war, den Tag zu erleben, an dem nach langen Jahren der Knechtschaft endlich die Befreiungsstunde für die Saar schlagen wird. Dir wissen, wie sehr dem teueren Entschlafenen von jeher das Schicksal des Saargebiets am Herzen gelegen hat. Er nahm stets an allen einzelnen Vorgängen regen Anteil. Tausende von Saarländern, die das Glück hatten, den Herrn Reichspräsidenten persönlich kennenzu- lernen, wissen dies aus eigener Erfahrung. Wie sehr hat er sich auf den Tag gefreut, an dem auch im Saargebiet die Befreiungsglocken läuten! Mehr als einmal hat er erklärt, daß er es sich nicht nehmen lassen würde, die deutschen Saarländer im deutschen Saargebiet persönlich zu begrüßen, wenn dieser Tag gekommen sei. Wie sehr haben wir uns alle auf den hohen Festtag gefreut, an dem wir unseren verehrten Reichspräsidenten an der Seite unseres geliebten Führers und Reichskanzlers hätten in unserer Mitte sehen können. Das Schicksal hat es anders gewollt. Was uns der Herr Reichspräsident hinterlassen hat, ist ein heiliges Vermächtnis, das zu erfüllen Ehrenpflicht eines jeden Deutschen an der Saar ist. Für einen Hindenburg bedeutete das ganze Leben nichts als unermüdliche Pflichterfüllung gegenüber Volk und Vaterland; für ihn gab es kein Ruhen und Rasten. Noch in einer Zeit, in der andere der wohlverdienten Ruhe pflegen, wurde er zu den größten in der Weltgeschichte dagewesenen Aufgaben berufen. Niemals hat er sich versagt, wenn an ihn der Ruf des Volkes erging. Er wußte, daß persönliche Bedenken immer hinter der Sache zurückzustehen haben. Wir kennen Hindenburg als den größten Mahner zur Einigkeit im Volke; immer wieder erhob er seine mahnende Stimme; immer wieder war es sein Ziel, das ganze deutsche Volk zur Lösung der größten nationalen Aufgaben, zu einem einzigen und geschlossenen Werk zusammen- zuführen. Ein gütiges Geschick hat es ihm vergönnt, sein Volk so einig zu sehen, wie nie zuvor in der deutschen Geschichte. So wurde uns an der Saar Hindenburg zum leuchtenden Vorbild. Gerade jetzt, wo er nicht mehr unter den Lebenden weilt, geloben wir, sein Gedächtnis stets in hohen Ehren zu halten, nicht durch Worte, sondern durch die Tat. Wir geloben in dieser ernsten Stunde, unserem Hindenburg nacheifern zu wollen in der Liebe zu Volk und Vaterland. Wir geloben, unsere ganze Kraft in den Dienst unseres Vaterlandes zu stellen, unermüdlich und selbstlos wie er. Wir geloben, das ganze Saarvolk noch enger als bisher zusammenzuschliehen und alles Trennende zu vergessen gegenüber der großen Aufgabe, die wir noch zu lösen haben. In feinem Geiste wollen wir roeiterarbeiteru In feinem (Bei ft e wollen wir die große Schlacht schlagen, die vor uns liegt. Wir haben dabei die erhebende Gewißheit, daß der Sieg unser sein wird. Unser einmütiges Bekenntnis zu Deutschland und feinem Führer wird die schönste Ehrung sein, die wir dem Andenken unseres Hindenburg bringen können. Pirro, Landesleiter." Heeres ausgegeben. Dort sind fünf Gendarme, 25 Heimatschützler, 3 Freiheitsbündler und 5 Ange- hörige der Ostmärkischen Sturmscharen gefallen. Keine unmittelbare Lebensgefahr für Dr. Aintelen mehr. Wien, 6. Aug. (DNB.) Im Befinden des ehemaligen Gesandten Dr. Rintelen hat sich in den letzten Tagen keine wesentliche Aenderung ergeben. Während die Schußverletzung einen normalen Heilverlauf nimmt, sind jedoch linksseitige Lähmungserscheinungen aufgetreten. Es besteht noch immer Anlaß zu ernster Besorgnis, doch alauben die Aerzte, daß eine unmittelbare Lebensgefahr nicht mehr vorliegt. Oie Llnruhen in Algier. Paris, 7. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Heber bie blutigen Zwischenfälle in Constantine liegen nunmehr nähere Einzelheiten vor. Es bestätigt sich, daß die muselmanische Bevölkerung durch das Verhalten eines betrunkenen jüdischen Soldaten, der in eine Moschee eingedrungen war, gereizt worden ist. Das jüdische Viertel von Constantine gleicht einem Trümmerhaufen; der Sachschaden ist noch nicht zu übersehen. 25 Personen sind bei den Zusammenstößen ums Leben gekommen, darunter 2 2 Juden. Unter den Opfern befinden sich auch acht Kinder. Die Zahl der Verletzten wird von der einen Seite mit 30, von einer anderen Seite sogar mit annähernd 200 angegeben. Mehrere der getöteten Juden sind als Geldverleiher stadtbekannt. Man glaubt deshalb, daß sie eher persönlichen Racheakten einiger Geldnehmer als dem religiösen Fanatismus zum Opfer gefallen find. Bezeichnend ist, daß kein Europäer zu Schaden gekommen ist. Sämtliche im C h e 11 o liegenden Häuser, die die Aufschrift „Christlich trugen, sind verschont geblieben. Auch einige jüdische Gehöfte in der Umgebung von Constantine sind von der muselmanischen Menge angegriffen worden. Zwei jüdische Grundbesitzer kamen dabei ums Leben. Die Zahl der von der Gendarmerie und Militär vorgenommenen Verhaftungen beträgt 40. Es sind alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, um bei einem etwaigen Wiederaufflackern der Unruhen sofort durchgreifen zu können. Aus aller Wett. Ein Ehrendenkmal für U-Boot UC 57 In den finnischen Schären. Am 12. August wird auf Hamnskär, einer kleinen Klippe im finnischen Meerbusen vor der Einfahrt zur Stadt Lovisa ein Ehrenmal für das deutsche Unterseeboot UC 57 errichtet. UC 57 brachte im November 1917 Waffen und Munition für die weiße Armee des Generals Manne r h e i m nach Finnland. Außerdem war ein Sonderkommando von acht finnischen Jägern an Bord. Nach einer gefahrvollen Fahrt durch die russische Minensperre setzte UC 57 auf Hamnskär feine wertvolle Last an Land. Von da an ist über das Schicksal von UC 57 nichts bekannt. Es hat nie mehr feinen deutschen Heimathafen erreicht. Die Errichtung den Denkmals für UC 57 ist ein Verdienst des finnischen Denkmalkomitees, vor allem feines rührigen Vorsitzenden Prof. Herman Gummerus. Auch die übrigen Mitglieder des Komitees: Fil. Magister E. A. F a b r i t i u s, Med. Dr. Martti I. M u st a k a 11 i o, Oberstleutnant Heikki N u r m i o, Fit. Magister Emerkk DI f o n l, Generalmajor Päln8 Valve, Oberst Verner G u st a f s o n, Hauptmann A. Bjur, Schutzkorpsoffizier Verner Seger, c r a n tz, Bankdirektor H. V a l a n n e, Direktor Oscar Lindholm, Freiherr Carl von Bor n, Oberlotse Anton F o r s e l l tragen sämtlich Namen, die aus dem finnischen Freiheitskriege, aus der Ge. schichte der finnischen Jäger- und Aktivisten-Bewe- gung bekannt sind und die im finnischen Schutzkorps, wesen einen guten Klang haben. An der Feier der Denkmalsenthüllung werden der Präsident der Re. publik Svinhufvud und die Spitzen der fin« Nischen Armee, Flotte und Luftstreitkräfte teilneh. men. Ein großer Teil der Ehrengäste wird an Bord des modernen finnischen Panzerkreuzers „Väinomäinen" der Feier beiwohnen. Von deutscher Seite wird das Marineschulschiff „Gorch Fock" die deutsche Flotte vertreten. Zahlreiche Begleitdampfer werden die übrigen Gäste an den Platz der Feier bringen. Bei einem Bankett der Fußboden eingebrochen. — Eine Tote, siebzig Verletzte. In einem alten Palast in Oza (30 Kilometer süd. östlich von La Coruna) brach während eines Essens zu Ehren von Kongreßteilnehmern aus Santiago de Compostela der Fußboden des Festsaales ein. Alle Gäste fielen in einen tiefen Kellerraum und konnten erst nach längerer Zeit geborgen werden. Eine Frau war sogleich tot. Die übrigen Teilnehmer wurden verletzt. Viele trugen lebensgefährliche Verwundungen davon. Der Kongreß war am Sonntag, vormittag in Santiago vom Staatssekretär des Unterrichtsministeriums eröffnet worden. Kunst und Wissenschaft. Glückwunsch des Frankfurter Oberbürgermeisters an Knut Hamsun. Anläßlich des 75. Geburtstages des großen nor« wegischen Dichters Knut Hamsun hat Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs in Frankfurt folgendes Glückwunschtelegramm an den Jubilar gerichtet: „Im Namen der Stadt Frankfurt a. M. beglückwünsche ich Sie auf das herz, lichste zu Ihrem 75. Geburtstage. Mit dem ganzen, deutschen Volk gedenkt heute auch die Bevölkerung der Stadt Frankfurt a. M. des Dichters Knut Hamsun, der als einer der stärksten Vertreter nordisch-urwüchsigen Volkstums in das deutsche Kulturleben mit unsterblichen Werken eingegangen ist. Gez. Dr. Krebs, Oberbürgermeister und Pr. Staatsrat/ Wettervoraussage. Das britische Tief hat sich südöstlich fortbewegt und befindet sich mit seinem Kern über Frankreich. Sein Einfluß wird sich vorübergehend auch in Deutschland bemerkbar machen und Anlaß zu Gewitterstörungen geben. Da aber über Skandinavien sich ein Hochdruckgebiet aufbaut, von dessen Südseite wir vorwiegend Zufuhr kontinentaler Luft erhalten, so wird sich nach den vorübergehend aus- tretenden Störungen wieder besseres und meist auf« heiterndes Wetter einstellen. Aussichten für Mittwoch: Nach Gewitterstörungen mit vorübergehender Abkühlung wieder warmes und auch aufheiterndes Wetter. Aussichten für Donnerstag: Zeitweise aufheiternd, vorübergehend auch wolkig, warm und meist trocken. Lufttemperaturen am 6. August: mittags 25,3 Grad Celsius, abends 16,5 Grad; am 7. August: morgens 15,9 Grad. Maximum 26 Grad, Minimum 12,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. August: abends 23,1 Grad; am 7. August: morgens 18,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 13,2 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den üorigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine Hebe, herzensgute Frau, meine stets treusorgende Mutter, Schwiegermutter, unsere liebe Großmutter, Schwester, Gote und Tante Frau Marie Döll, geb. Albach nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 64 Jahren durch einen sanften Tod zu erlösen. In tiefer Trauert Philipp Döll, Zimmermeister Familie Wilhelm Döll Rödgen, den 6. August 1934. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. August, nachmittags 3 Uhr statt ______________________________03844 Verschiedenes Teilhaber f.rentabl. Unternehmen der Lebensmittelbranche ges. Erford. 2000 RM. Näh. b. Herrn. Kirchner Am Nahrungsb.16 Tel.4167 4568D Mo durch 4559D Hermann Kirchner Fernruf 4167. Dünnes, golden. Armband m.Sektzipfel aus dem WegeHorst- Wessel-Wall-Ali- censtr. verloren. Gegen Belohng auf d. Fundbürc abzugeben, ossn Heute morgen 5 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet meine Hebe Frau, unsre gute Schwester, Schwägerin und Tante Frau Margarete Volkmann geb. Steinmüller im Alter von 57 Jahren Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Volkmann VIII. Heuchelheim, Amerika, den 6. August 1934 Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 8. August, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause in Heuchelheim, Schillerstraße 11, aus statt ______________________________________________________________4570 D Bis 22. August verreist Dentist Stroh 03839 Ste sind Xu duk! Hera, Leber Darm, Niere usw. arbeiten besser, wenn Sie mindestens 10 Pld. abnehmen. Schlank sein, heißt gesund »ein. Schlank sein, heißt auch schön «ein. Beginnen Sie noch heute mit der ettzehrenden „Retnin“ - Kur, den unschädlichen Entfettungstab letten. RM 1.75. In allen Apotheken erhältlich Verlangen Sie nur „ReiHin1'. 4 560 V Marmelade aus allen Fruchten Rezept Opekta Aus Früchten gewonnen 4 Pfund entsteinte Pflaumen oder Zwetschen, Aprikosen# Pfirsiche, Mirabellen, Reineklauden usw. — einzeln ode# In beliebiger Mischung — sehr gut zerkleinern und mH 4 Pfd. Zucker zum Kochen bringen. Hierauf 10 Minuten stark durchkochen, dann 1 Normalflasche Opekta zu 86 Pfg« hinzurühren und in Gläser füllen. — Ausführl. Rezepte sowie Etiketten für Ihre Marmeladengläser liegen Jeder Flasche bei. Trocken-Opekta (Pulverform) wird gerne für kleine Mengen Marmelade, Gelee und für Tortenübergüsse verwendet. Päckchen für 3l/a Pfund Marmelade 45 Pfg., für Torten* Überguß 23 Pfg. — Genaue Rezepte sind aufgedruckli •MU Ofietia J/ke «Mabmetacle AUiiyebl Früher — ohne Opekta — nahm man auf 4 Pfund Früchte etwa 3 Pfund Zucker; das wared zusammen 7 Pfund. Man mußte jedoch eine Stunde und noch länger kochen, bl» die Masse endlich fest wurde; dann war aber durch das stundenlange Kochen eilt Drittel bis fast die Hälfte eingekocht. Von 4 Pfund Früchten und 3 Pfund Zucker# also von zusammen 7 Pfund, erhielt man nur etwa 4x/a bis höchstens 5 Pfund Marme* lade. Solche Kochverluste gibt es mit Opekta nicht mehr; denn die Kochzelt be* tr4flt Ja heute nur noch 10 Minuten. Und jetzt Überlegen Sie einmall Man erhölii JHÄ 0*eMa L» LS LS 8us 4 Pfund Früchten und 4 Pfund Zucker etwa 8 Pfund Marmelade Wenn man Opekta verwendet, erhält man also so viel an Marmelade mehr, daß man das Opekta nicht allein ganz umsonst hat, sondern daß außerdem noch Jede» einzelne Pfund Marmelade erheblich blUftger to der Herstellung wUcL M. 182 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien) Dienstag, 7. August 1934 werden das Weltgefühl und die Lebenshaltung des Chinesen doch kaum je die uralte Bindung an die oeheiligte Ueberlieferung verlieren. Dieses völlige Anderssein offenbart sich in unzähligen Alltäglichkeiten, die dem fremden Besucher auf Schritt und Tritt die Verschiedenheit enthüllen. Einige solcher Züge seien hier zusammengestellt: „Der Chinese lacht, wenn er uns von dem Hinscheiden seines nächsten Verwandten erzählt, und drückt damit seine Trauer aus; dagegen jammert die glückliche Braut, wenn sie ihrem Zukünftigen in das neue Heim folgt. Der Chinese erkundigt sich nicht nach unserem Befinden, sondern fragt: „Haben Sie Ihren Reis genossen?" Ja, er stellt noch eine Menge anderer indiskreterer Fragen, die sich bis auf die Verdauung erstrecken; dies gilt sogar als ein Zeichen besonderer Höflichkeit. Wenn man ihn aber nach der Gesundheit seiner Frau oder seiner Kinder fragt, so empfindet er das als einen Verstoß gegen den guten Ton. Während wir den Hut abnehmen, wenn wir in einen Raum eintreten, bedeckt er sich schleunigst, wenn er einen Gast empfängt. Er schüttelt seine eigenen Hände, anstatt zum Gruß die des anderen zu ergreifen. Während wir nicht gern vom Sterben sprechen, zeigt er voll Stolz einige für seinen Sarg bestimmte Bretter, mit denen ihm seine Kinder eine große Freude gemacht haben. Die Trauerfarbe ist weiß. Das chinesische Buch fängt da an, wo das unsere endet, weil der Chinese von rechts nach links schreibt, in senkrechten Reihen von oben. Der Titel des Werkes steht nicht am Kopf, sondern unten auf der Seite. Die Anmerkungen finden sich nicht unten, wie bei uns, sondern über dem Text. Der Lehrer steht der Klasse nicht gegenüber, sondern er wendet ihr den Rücken zu; das chinesische Zeitwort pei = aufsagen bedeutet ursprünglich „Jemandem den Rücken kehren". Der Kuß in der Öffentlichkeit ist in China wie in Japan unbekannt und gilt als grenzenlose Schamlosigkeit. Die Mutter drückt ihr Kind zärtlich an ihre Rase. Die chinesische Mahlzeit beginnt mit ein- gemachten Früchten und schließt mit der Suppe. Der Chinese steigt von rechts auf sein Pferd. Die Räder chinesischer Maschinen drehen sich stets in entgegengesetzter Richtung wie die Uhrzeiger. Das Schönheitsideal ist ebenfalls von dem unseren ganz verschieden. Eine Tochter des himmlischen Reiches wird dann gepriesen, wenn sie ein rundliches Gesicht in der Form einer Wassermelone und eine stark abgeplattete Rase hat. Bei uns gilt es für anständig, die Nägel zu beschneiden; der vornehme Chinese läßt sie ins Endlose wachsen, so daß sie manchmal eine Länge von zehn Zentimetern erreichen Oer Führer über den deutschen Friedenswillen. Eine Unterredung mit einem englischen Pressevertreter. London, 6. August. (DNB.) Der bekannte Reisekorrespondent der „Daily Mail", Ward P r i c e, berichtete, daß er gestern abend von dem Führer und Reichskanzler empfangen wurde, der während etwa einer Stunde die an ihn gerichteten Fragen beantwortete. Es handelt sich nicht um ein vorbereitetes Interview, und der Reichskanzler hatte keine vorherige Kenntnis von den Fragen. Einleitend sagt der Korrespondent: So ereignisreich auch die letzten Wochen für den Reichskanzler gewesen sind, sie haben keine Spuren auf seinen Gesichtszügen hinterlassen. Er sieht tatsächlich g e - sünder aus als im Februar, wo ich ihn das letzte Mal sah. Die erste Frage des Korrespondenten bezog sich aus die allgemeinen Rüstungen und die internationalen Spannungen. Hitler erwiderte: Soweit es an Deutschland liegt, wird es keinen neuen Krieg geben. Deutschland kennt die schlimmen Folgen eines Krieges besser, als irgendein anderes Land. Fast alle Mtglieder der nationalen Regierung kennen persönlich seine Schrecknisse. Sie wissen, daß er nicht ein romantisches Abenteuer, sondern eine gräßliche Katastrophe ist. Es ist die Ueberzeugung der nationalsozialistischen Bewegung, daß Krieg niemand Ruhen bringt und nur Ruin zur Folge haben kann. Uns würde ein Krieg keinen Gewinn geben. 1918 war für uns eine Lehre und eine Warnung. Wir glauben, daß die Probleme des Heuligen Deutschland nicht durch Krieg geregelt werden können. Seine dem übrigen Europa gegenübergestellten Forderungen schließen keine Gefahr eines solchen Unglückes in sich, denn sie beschränken sich darauf, was die Rationen als ihre elementarsten Rechte betrachten. Wir verlangen nur, daß unsere jetzigen Grenzen aufrechterhalten bleiben sollen. Wir werden bestimmt niemals wieder kämpfen, außer in Rotwehr. Ich habe den Franzosen wiederholt versichert, daß es nach Regelung der Saarfrage keine territorialen Schwierigkeiten zwischen uns geben wird, während ich an unserer Ostgrenze unsere friedfertigen Absichten durch Abschluß eines Paktes bewiesen habe. Der Reichskanzler fuhr fort: Baldwin hat gesagt, die Defensivgrenze Englands liege künftig am Rhein. Vielleicht wird ein französischer Staatsmann noch weiter gehen und sagen, ob Frankreich an der Oder verteidigt werden muß, oder Rußland wird vielleicht behaupten, seine nationale Verteidigungslinie erstrecke sich längs der Donau. Man kann Deutschland bei dieser Lage schwerlich einen Vorwurf daraus machen, wenn es nationalen Schutz innerhalb seiner Grenzen sucht. Zu Ihnen, als einem Engländer, sage ich, wenn England uns nicht angreift, werden wir niemals einen Streit mit England haben, sei es am Rhein oder anderswo. Wir wollen nichts von England. Auf die Zwischenfrage des Korrespondenten: Richt einmal Kolonien?, erwiderte der Führer mit erhobener Stimme: Ich würde nicht das Leben eines einzigen Deutschen fordern, um irgend eine Kolonie der Welt zu erlangen. Wir wissen, daß die vormals deutschen Kolonien in Afrika ein kostbarer Luxus sogar für England sind. Die Vermehrung der britischen Luftflotte erregt nicht die geringste Erbitterung in Deutschland. Die Engländer können ihre Flotte verdoppeln und vervierfachen, sie können sie auf jede beliebige Stärke bringen, es geht uns nichts an, da wir nicht beabsichtigen, sie anzugreifen. Der Korrespondent warf ein, England baue Flugzeuge, weil es glaube, daß Deutschland eine große Luftflotte baue, so wie es vor dem Weltkriege baute. Hitler erwiderte: Die Engländer haben sich nicht bedroht gefühlt, als Frankreich eine große Luftflotte baute. Warum sollten sie über deutsche Maßnahmen der Selbstverteidigung erregt sein? Großbritannien liegt außerhalb unserer Berechnung. Unsere Schritte, wie wir sie tun, sind bestimmt, der Tatsache gerecht zu werden, daß wir auf dem Kontinent von einem Ring von mächtigen Feinden möglicherweise umgeben sind, die eines Tages Forderungen an uns stellen könnten, die wir nicht annehmen können. Es ist nicht das Ausmaß der Rüstungen, das die Gefahr eines Krieges schafft, sondern die Ungleichheit der Rü st ungen. Sie ermutigt die stärkeren Nationen, ehrgeizige Pläne zu hegen, die die schwächere Nation nicht dulden kann. Der Korrespondent stellte eine Frage wegen O e st e r r e i ch. Hitler antwortete bewegt: Wir werden Oe sl erreich nicht angreifen, aber wir können Oesterreich nicht verhindern, zu versuchen, ihre frühere Verbindung mit Deutschland wieder herzusiellen. Diese Staaten sind nur durch eine Linie getrennt, und beiderseits dieser Linie leben Völker derselben Rasse. Wenn ein Teil Englands künstlich von dem Rest getrennt würde, wer würde seinen Einfluß daran verhindern zu wünschen, wieder mit dem Rest des Landes vereinigt zu sein? Bis zum Jahre 1806 waren Deutschland und Oesterreich vereinigt. Streben Eure Exzellenz eine Wiederherstellung des Heiligen Römischen Reiches an? fragte der Korrespondent. Der Kanzler erwiderte: Die Frage ist nicht ein Problem des heutigen Tages. Ich bin sicher, daß die ganze Angelegenheit geklärt werden würde, wenn in Oe st erreich eine geheime Abstim- m u n g stattfände. Die österreichische Unabhängigkeit liegt außerhalb jeder Diskussion und niemand stellt sie in Frage. In dem alten österreichischen Reich bekundeten die verschiedenen Nationalitäten Zuneigung zu den Nachbarn ihrer eigenen Rasse. Es ist natürlich, daß die Deutschen Oesterreichs einer Bereinigung mit Deutschland zuneigen. Wir wissen alle, daß dieses Ziel gegenwärtig nicht zu erreichen ist, denn der Widerstand des übrigen Europas würde zu groß sein. Der Korrespondent erwähnte die ungeheure Macht und Verantwortlichkeit, die jetzt in Hitlers Händen vereinigt sei. Hitler erwiderte: In jedem Jahre unterbreite ich meine Machtbefugnisse bei irgendeiner Gelegenheit dem deutschen Volke. Dieses hat die Möglichkeit, sie zu bestätigen oder zu verweigern. Ihre „wilden Deutschen" sind bessere Demokraten als andere Rationen. Der Korrespondent fragte: Behalten Sie das vereinigte Amt des Staatsoberhauptes und Kanzlers auf Lebenszeit? Hitler erwiderte: Es wird dauern, bis eine nationale Abstimmung der jetzigen Regierung ihre Grundlage entzieht. Der Korrespondent sagte: „Vor 5 Wochen war die Welt Überrascht durch Zeichen einer Spaltung unter den nationalsozialistischen Streitkräften und durch die strengen Maßnahmen, durch die sie beseitigt wurde. Sind Sie überzeugt, daß die Partei völlig einig ist? „Der Führer erwiderte mit blitzenden Augen: Die Partei ist stärker und solider als sie jemals war." Der folgende Teil der Unterhaltung bezog sich auf Deutschlands wirtschaftliche Aussichten. Hitler erklärte, er sei überzeugt, daß Deutschland sich von Rohstoffen aus dem Auslande unabhängig machen werde, wenn es dazu gezwungen würde. Er erinnerte an frühere Erfahrungen während Napoleons Kontinentalsperre und während des Weltkrieges. Ueber die Weltwirtschaftslage in ihrer Gesamtheit sagte der Kanzler, drei Dinge seien notwendig für die Erholung der Welt, nämlich die Aufrechterhaltung des Friedens, das Vorhandensein starker , wohlorganisierter Regierungen in jedem Lande und die notwendige Energie, die Weltprobleme in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen. Die Deutschen feien bereit, mit anderen Nationen in dieser Richtung zusammenzuarbeiten, wenn diese die gleiche Haltung zeigten. Aus die Anfrage über eine Rückkehr Deutschlands zum Völkerbund erklärte Hitler: wir haben den Völkerbund aus bestimmten, deutlich bezeichneten Gründen verlassen. Ls war unmöglich für meine Regierung, weiterhin an Verhandlungen teilzunehmen, bei denen wir auf der Grundlage der Minderwertigkeit behandelt wurden. Wenn unsere völlige Gleichheit anerkannt ist, werden wir vielleicht zurückkehren. Die britische Regierung hat sich zugunsten der Deutschland und Frankreich früheren Chefs, hat uns Schmerz bereitet, aber wir find der Ansicht, daß er seit längerer Zeit a u f g e - hört hatte, Soldat zu fein. Schleicher, so erklärte General von Reichenau u. a. weiter, sei ein rüsteter Länder und eine uneingestandene Rüstung stellt, kann kein Vertrauen zwischen uns bestehen. Sie haben uns die Gleichberechtigung versprochen. Halten Sie Ihre Versprechen, und wir werden Ihnen zeigen, daß die deutsche Wehrmacht keine Vorherrschaft anstrebt, sondern nur den legitimen Platz, der ihr in der Welt nach der Gröhe ihrer Vergangenheit zukommt." Zu dieser Unterredung fügt der französische Pressevertreter folgende Schlußbemerkungen an: Man kann über die Ideen des Generals verfchie- dener Ansicht sein, muß aber immerhin unterstreichen, daß er die Notwendigkeit einer deutschen Aufrüstung nicht verneint hat. Er hat die Gleichberechtigung für sein Land gefordert, und diese Auffassung teilt er mit jedem guten Deutschen. Paris, 6. Aug. (DNB.) Im „Petit I o u r - n a l" veröffentlicht Stanislaus de la Rochefoucauld eine Unterredung mit General von Reichenau, in welcher er einleitend feststellt, daß der Führer die Zusammenlegung der beiden höchsten Reichsämter so schnell und so leicht vollziehen konnte, weil er in voller Ueberein ft immun g mit der Reichswehr stand. Der dem Führer geschworene Treueid der Reichswehr unterstreiche deutlich die enge Zusammenarbeit zwischen Hitler und dem Generalstab. Ueber die Ereignisse vom 3 0. Juni befragt, hat General von Reichenau nach dem „Petit Journal" erklärt: „Diese Ereignisse haben der Welt, wenn sie es nicht schon vorher wußte, bewiesen, daß die SA eine politische und keine militärische Formation ist. Der Reichskanzler hat fein Wort gehalten, als er den Versuch Röhms, die SA. in die Reichswehr einzugliedern, im keim erstickte. Wir lieben ihn, weil er sich als wahrer Soldat gezeigt hat. Die Wehrmacht bewundert ihn wegen seines persönlichen Mutes, und ich unterstreiche die Worte, die er kürzlich gesprochen hat: „Die Reichswehr kann sich auf mich verlassen, wie ich mich auf sie verlasse". Unsere Treue zur Regierung ist unbegrenzt. Wir stehen geschlossen hinter dem Führer, und wir schätzen an feiner Seite besonders den General Göring, der mit einer unerschütterlichen Treue zum Führer die Fähigkeiten eines Staatsmannes verbindet. nichts anderes, als sich in der Legalität entwickeln. „Es mißfällt uns, als Parias behandelt zu werden. Alle Deutschen wollen geschützt sein durch einen Rüstungsstand, den sie für die Sicherheit des Landes als unentbehrlich ansehen. Die Wehrmacht hat den Wunsch, die Abmachungen zu beachten, aber man darf nichts Unmögliches Solange man uns eine Ber- Die Behauptung, daß wir einer reaktionären oder von ihr verlangen Solange man uns eine Der- geborener Verschwörer gewesen, und der Gedanke, mit Hilfe der SA. wieder an die Macht zu kommen, sei bei einem ehemaligen Reichswehrminister unverständlich. Seine Verbindung zu Röhm sei bekannt gewesen. Es sei auch sicher, daß er ernstlich auf Frankreich hoffte, das ihm seine Regierungsaufgabe erleichtern werde. „Ich bezichtige keineswegs Ihr Land, ich sage lediglich, daß Schleicher auf Frankreich rechnete. Der Gedanke ist traurig, daß Offiziere so leicht die Eigenschaften ihres Berufs in der Politik verlieren können. Das war das Unglück im Fall Schleicher. Er hat vergessen, daß der Gehorsam erstes militärisches Gebot ist." Auf die Frage des französischen Pressevertreters, ob General von Reichenau eine Abrüstungskonvention wünsche, antwortete er: „11 nb ob i ch s i e wünsche! Aber für mich muß die „Gleichberechtigung" Hand in Hand mit der französisch-deutschen Annäherung gehen, sonst werden sich technische Schwierigkeiten von neuem einstellen, sobald man der Konvention eine neue Form würde geben müssen. Denn der ständige Fortschritt der Rüstungen verlangt gebieterisch, daß das richtige Verhältnis von Zeit zu Zeit in Uebereinstimmung aebracht wird. Wenn die Konvention nicht der Anfana einer neuen Politik ist, wird es immer Schwierigkeiten zwischen unseren beiden Ländern geben. Es ist bedauerlich, daß Frankreich kein Verständnis dafür hat, daß das einzige Land, das ihm seine Siche rh eit in Europa voll gewährleisten kann, Deutschland ist. Wir sind Nachbarn. Wir haben beide hervorragende militärische Ueberlieferungen. Wir brauchen niemanden mehr zu fürchten, und Sie würden von dem Albdruck der Sicherheit befreit sein." Auf den Einwurf des Franzosen, welche G a - rantien dafür vorhanden wären, daß Deutschland die Konvention einhalten würde, antwortete der General, die Reichswehr wolle „Mensch ohne Namen." Lichtspielhaus. Ein Ufafilm, nicht aus der jüngsten Produktion, aber ohne Zweifel zum Besten gehörig, was aus Neubabelsberg hervorgegangen ist; er behandelt ein Motiv, das in feiner Urfasfung ziemlich alt ist, aber die Literatur immer wieder beschäftigt und durch den Krieg und in den Nachkriegsjahren neue Nahrung und eine neue, meist sehr traurige Aktualität gewonnen hat — nicht nur in Dichtung und Phantasie, sondern auch im wirklichen Leben: es ist die Geschichte vom totgeglaubten Heimkehrer. * Man hat die im Mittelpunkt der Handlung stehende Gestalt einen anderen Enoch Arden genannt; aber das ist nicht ganz zutreffend insofern, als der hier nach sechzehn Jahren Wiederkommende keineswegs wie jener stumm verzichtet, sondern im Gegenteil den Kampf aufnimmt — den Kampf um seine rechtliche Existenz, um sein Leben, um seinen Namen, der doch von Amts wegen ausgelöscht ist, um seine Frau und um seinen materiellen Besitz, der mit seiner Frau längst in die Hände eines anderen übergangen ist. * Man weiß aus dem Leben, aus der Zeitung (es fei nur an den italienischen Canella-Prozeh erinnert, der vor einiger Zeit fast die ganze Welt beschäftigt hat), daß dergleichen Fälle vorgekommen sind und nicht einmal selten waren. Verhältnismäßig ungewöhnlich sind hier freilich die Voraussetzungen und die näheren Umstände, unter denen das Drama sich abspielt. Ein deutscher Reserveoffizier ist während eines Angriffs bei Dünaburg zum letzten Male gesehen worden, wird als vermißt gemeldet, für tot erklärt (auf einen späteren Antrag seiner Frau), ist aber am Leben geblieben, hat freilich damals mit dem Bewußtsein auch das Gedächtnis verloren, arbeitet nach Kriegsende in einer russischen Fabrik und findet durch einen Zufall nach Jahren wieder den Weg zurück in die Vergangenheit und das schon ausgelöschte frühere Leben: eine deutsche Delegation besichtigt das russische Werk, einer der Herren hat eine deutsche Zeitschrift bei sich, in die der namenlose Arbeiter einen Blick wirft; und mit den Bildern aus seiner Heimat kommt ihm die Erinnerung, er kehrt heim nach Deutschland und beginnt als ein Wiederauferstandener gleichsam den Kampf um ein neues ober um sein altes Leber unverwischbares Fragezeichen übrig ein ober bleiben. * sehen sein. -r- Gesicht oder Gestalt in einer kurzen Szene flüchtig erscheint und wieder verschwindet. ♦ Der Film wird morgen zum letzen Male hier zu Helene Thimig erscheint als die Frau des Verschollenen; sie gibt hier ihre erste Filmrolle, aber mit der ganzen Innerlichkeit und der fraulichen Zartheit des Gefühls, die man auf der Bühne Alles anders als bei uns. In China, dem Lande der ältesten Kultur, ist eine so großartig geschlossene Weltanschauung entstanden, wie sie in der Geschichte der Menschheit sonst wohl nur dem klassischen Griechentum be- schieden war. Aber dieser Geist des Ostens, der passiven Hingabe an die Geheimnisse des Weltalls, ist der aktiven Meisterung der Natur durch den Westen entgegengesetzt, und mögen auch heute Technik und Wissen des Abendlandes im Riesenreich der Mitte manche Umwandlung Hervorrufen, so Diesen Kampf nun schildert der Film mit einer Spannung, einer Eindringlichkeit und Lebensnähe, die zugleich unheimlich und erschütternd ist; was da vor den Augen des Zuschauers und Hörers abrollt, weckt Empfindungen, die man mit dem klassischen und heute ein wenig aus der Mode gekommenen Begriff „Furcht und Mitleid" bezeichnen möchte. Es würde zu weit führen, den Kampf in allen Einzelheiten und allen Phasen zu beschreiben; das kann auch nicht die Aufgabe eines Berichtes fein, der nur die Umrißlinien der Fabel anbeuten unb barüber hinaus sagen will, was von grundsätzlicher Bebeutung erscheint: ber einzige schwache unb für unser Gefühl angreifbare Punkt im Gefüge bes inneren unb äußeren Geschehens ist bie Tatsache, baß bie eigene Frau ben Heimkehrer nicht erkennt, wenn ihn schon von all ben anbern, bie ihn früher kannten, niemanb mit feinem Namen anreben will. (Allerbings ist bie Gestalt der Frau, sehr geschickt, bis zuletzt nicht völlig durchschaubar und immer ein wenig verschleiert, zweideutig ober ungewiß in bem, was sie sagt, bentt unb tut bei biefer ungeheuerlichen, urnfturaenben unb verwirrenben Begegnung ober Wleberbegeg- Regie führt Gustav U c i ck y ; er hat sich längst di- Sporen uerbient und sein Sonnen bewiesen, aber wir vermögen aus dem Gedachin.s keine stärkere Leistung von ihm ZU nennen als diese. Stan fpütt, wie die Fabel ,hu gereizt und gefesselt Nntttch dieser Stoff gerade für eine filmische ®e- nnihina neeianet war, unb ihm gelang hier bie Verschmelzung eines handgreiflich-nüchternen Nea- Sug mit jenem Visionären Spukhaften unb fii^erorünbigen, bie uns ein Wesensmerkmal bes Bramas »om Mann ohne Namen zu fein scheint. Die ungemein feinfühlige unb technisch beherrschte Inszenierung wird unterstützt durch ein Ensemble von Schauspielern, bas sich prachtvoll ergänzt unb selbst für kleine Chargen den richtigen Mann zur Verfügung stellt. Im Zentrum dieses ungewöhnlichen Ensembles steht Werner Krauß, ben man leider nur selten im Film zu sehen bekommt, obwohl er heute unbestreitbar zu ben fünf ober sechs ganz großen Schauspielern in Deutschland gehört. Er scheint merkwürdigerweise, für diese Rolle nicht weniger geschaffen als für den Wallenstein oder den Gneisenau oder den Napoleon. Der Umkreis seiner Gestaltung und die Kraft seiner Ausstrahlung können unmöglich mit der Benennung des Heldenfaches umschrieben fein. Er ist nicht nur einer der männlichsten Schauspieler, sondern ein Menschenbarsteller von hohen Graden, der von innen her spielt, spricht, lebt, kämpft und mit- zuteilen weiß, was in einem vorn Schicksal Geschlagenen vorgeht; so rundet sich unvergeßlich die Gestalt eines Mannes, der ein Liebender und ein Leidender ist, ein Revenant unb ein Michael Kohl- Haas bes Weltkrieges. rJer^L nie zu einer wirk-! an ihr so oft bewundern konnte. — Maria Bard bas Problem ift tn ML $ ^naen — es gibt (Kraußens Frau) ist bas Gegenbilb, seelisch unb üd) befriebigenden L s g 3 scheinende äußerlich, sprühend von Temperament unb deweg- teine, auch bie verh obschließt In ber viel-sicher Einsatzbereitschaft. Falk en st ein, längst r’tf *' ^'m^ffb lfi.n? de? gleichen unterschieblich ab-! verstorben, taucht hier wieder auf in einer seiner faltigen Gestaltung be ^^ch auch — seit schönsten unb beherrschtesten Rotten; Wiemann, °EnvL Ärb-n" - all- 'mög-ich°n Zungen versucht Äint-rst-in, ®ü1ftorff unb Braus -- (Snod) Kirben au ersucht, unb immer i m e 11 e r können nur eben genannt werben, ob- roorben, «der eben im Wenn und Ader! wohl jeder von ihnen ausführlicher beschrieben zu und überall wird noch ein i 6 ~ 3ei(f.cn übrig I werden verdiente neben manchem andern, dessen Aus aller Welt ;rie- elt- überboten werden kann. Die Information" möchte behaupten, die alten Bande zwischen Deutschland und Oesterreich seien noch so geartet, „wie man sie jetzt in Berlin anspinnen wolle". Das Blatt fragt zum Schluß, welche Unterpfänder gebe der Führer des Reiches für feine Aufrichtigkeit? Der Eindruck in Italien. Mailand, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Unterredung des F ü h r e r s mit dem Vertreter der „Daily Mail" findet in der italienischen Presse größte Beachtung. Sämtliche Blätter geben ausführlich, teilweise wörtlich, die Antworten des Führers wieder. Insbesondere bringen die Blätter die Stellen, in denen sich der Kanzler zum Frieden bekennt, sowie die Ausführungen über Oesterreich. Die „St-ampa" überschreibt ihre Meldung mit großer Schlagzeile „Friedensoffensive Hitlers". Oas Echo in Dänemark. Kopenhagen, 6. Aug. (DRB.) Die Unterredung, die der Führer dem Berliner Korrespondenten der „Daily Mai l" gewährt hat, wird in den Kopenhagener Abendblättern in großer Aufmachung wiedergegeben. Heroorgehoben wird besonders die Erklärung, daß es zu keinem neuen Kriege kommen werde, soweit dies von Deutschland abhänge, ferner die Aeußerungen des Führers über die Kolonien, das Verhältnis zu Oesterreich usw. Eigene Stellungnahmen der Blätter fehlen noch. In einer Ueberschrift weist „Ber- linste Tidende" jedoch auf die „entscheidenden Friedensäußerungen" hin, während „Ekstrabladet" von einer „st aatsmännischen Aeußerung von friedlich st em Charak- t c r" spricht und hervorhebt, daß die Antwort des Führers dem entspreche, was man von einem großen verantwortlichen Staatsmann erwarten müsse. Starker Eindruck in Amerika. Reuyork, 6. Aug. (DRB.) Die amerikanische Presse steht weitgehend unter dem Eindruck der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg, lieber die Vorbereitungen zur Beisetzung werden ausführliche Berichte gebracht Auch die Trauerfeier des Reichstags am Montag, sowie der volle Text der Rede des Führers und Reichskanzlers Adol Hitler erschien in großer Aufmachung auf den ersten Seiten der Blätter. In verschiedenen Kirchen Reu- yorks wurde beim Gottesdienst am Sonntag des verstorbenen deutschen Reichspräsidenten gedacht. erheben, das Todesurteil. Rach dem Bericht von Price, dem wir hier wörtlich folgen, sollte Holzweber zuerst sterben und — entgegen anderen Meldungen — ein Gnadengesuch ausgeschlossen sein. Bei der Verkündung des Urteils, berichtet Price, sah ich auf die beiden dem Tode Geweihten. keine Wimper zuckle in ihrem Gefichl. der gemeißelte Ausdruck, den sie während der ganzen Verhandlung zur Schau trugen, veränderte sich nicht um das Geringste. An planetta war überhaupt keine Veränderung zu bemerken. An Wie planetta und Holzweber starben Ein erschütternder Bericht eines englischen Augenzeugen. st i m m e, die zweifellos einer gebildeten Person an- gehörte, wiederholte den Ruf. Wahrscheinlich durch diese Antwort angeregt wiederholte auch Holz- weder diesen Nazigruß n o ch m e h r e r e M a l e, und es war das grauenhafteste Erlebnis, ihn von den toten Mauern des Gefängnisses, an denen man kein menschliches Wesen sah, widerhallen zu hören. Kein Zweifel, dieser Mann st a r b m t e ein Held. Durch die Ungeschicklichkeit der Bedienung des Galgens, vielleicht auch durch das un- menschliche Würgesystem des Galgens selbst, dauerte es nach meiner Uhr zwölf Minuten, bis er tot mar. 3n dieser Ewigkeit zwischen Leben und Tod bekannte er sich zu seiner Idee, bis die Merkmale der Würgung seine Stimme langsam erstickten. Diese Verzögerung mußte Otto Planetta in einer Tür des Henkerhofes angesichts seines mit dem Tode ringenden Kameraden abwarten. Er stand neben dem von ihm gewünschten, in der katholischen Bevölkerung Wiens sehr bekannten und geliebten Priester. Als Holzweber endlich nach einer entsetzlich langen Zeit vom Galgen gelöst war, bestieg Planetta das Gerüst. Er stieß die Henker die sich seiner bemächtigen wollten, beiseite und sagte mit lauter Stimme: „Ich gehe im Gnadenschuß meines Glaubens zu Gott. Es lebe Deutschland, es lebe Hitler!" Als alles zu Ende war, suchte ich den Priester auf. Es ging ein Leuchten von ihm aus, nicht so, als ob er eben einem Hingerichteten den Trost der Kirche gespendet hätte. Ich fühlte, daß die Kraft des Glaubens stärker ist als der Tod. Die beiden Leichen wurden in der Nacht auf dem Zentralfriedhof in Wien verbrannt, die Asche den beiden jungen Frauen der Toten zur Verfügung gestellt. Selbst den Toten gegenüber noch Llnmenschlichkeiten! Wien, 5. Aug. (DNB.) Arn Samstag fand die Einäscherung der Leiche des Hingerichteten Holzweber statt. Das Krematorium war von einer starken Polizeiabteilung mit Maschinengewehren umstel l t. Nur die engsten Angehörigen wurden zur Einäscherung zu- gelassen. Die Gattin Holzwebers wollte auf den Sarg ein Lautenband werfen, das noch aus der Zeit der deutschnationalen (großdeutschen) Kämpfe vor dem Kriege stammte. Sie wurde von der Polizei jedoch daran gehindert. Auch wurde der evangelische Pfarrer verwarnt, da er in der Trauerrede bemerkte, daß Holzweber für sein deutsches Ideal gestorben sei. Von den Behörden waren auch die Trauerkarten zensiert worden. Sie durften nur die Bemerkung tragen: „Franz Holzweber, der plötzlich verschied. Holzweber konnte man vielleicht eine Verstärkung seines selbstbewußten und treuen, fast trotzigen Ausdrucks bemerken, den er die ganze Verhandlung hindurch zur Schau getragen hatte. Drei Stunden später fand die Vollstreckung des Urteils statt, die um 16.30 Uhr angesetzt war. Sie fand in einem dunklen, engen, dreieckigen Hof zwischen dem Gefängnis und dem Gerichtsgebaude statt. Der kleine Hof heißt nicht nur im Volksmunde, sondern auch in der Gerichtssprache der „Galgen- h o f". Durch ganz besondere Umstände, berichtet Price an sein Blatt, war es mir möglich, zur gegebenen Zeit diesen Hof völlig zu übersehen und so Augenzeuge der Hinrichtung der beiden Verurteilten zu werden. Der Hof ist umgeben von den sieben bis acht Meter hohen Wänden des Ge- richtsgefängnifses. Diese Wände sind nur von Heinen Löchern unterbrochen, in die die Ventilatoren für die Zellen eingearbeitet sind. Ein traurigeres Bild als dieser kaum 30 Meter lange, dreieckige Hof ist kaum denkbar. Als ich meinen Beobachtungsstand einnahm, war die eine Seite des kleinen Dreiecks bereits von Soldaten mit aufgepflanz- tem Bajonett eingenommen; die Richter des Kriegsgerichts erschienen gleich darauf und stellten sich im rechten Winkel zu den Soldaten auf. In dem so gebildeten rechten Winkel erhob sich das Blutgerüst. Es interessierte mich natürlich, den Galgen kennenzulernen, der nach österreichischer Me- thode mehr einem langsamen Würgegerät, der in Spanien üblichen Garotte, als einem Hängegal- gen, wie er bei uns üblich ist und schnell zum Tode führt, glich. Neben diesem merkwürdigen Postament warteten Drei Henker, die schwarze Anzüge mit schwarzen Pelzkappen und schwarzen Seidenhand- schuhen trugen. Dem Urteil entsprechend mußte H o l z w e b e r als erster sterben. Er wurde in Begleitung eines evangelischen Geistlichen auf den düsteren Hof geführt. Festen Schrittes bestieg er das Gerüst und sagte mit weithin schallender Stimme: „Ich hätte gedacht, daß die militärischen Rich- ter uns wenigstens die ehrliche kugel des Soldaten gegönnt hätten. Die Schande des hängens fällt nicht auf uns, sondern auf sie zurück. Ich sterbe für die Zukunft des deutschen Volkes. heil Hitler!" Dieser Ruf hallte wie durch ein Wunder von den Mauern des Gefängnisses wider und in der Aufregung bemerkte ich erst nach einigen Sekunden, daß er eine vielseitige Antwort durch die Ventilationslöcher der Zellen gefunden hatte. Besonders eine Helle, durchdringende Frauen- durch Feuer vollkommen zerstört. Der Brand wurde erst bemerkt, als der Dachstuhl bereits in Hellen Flammen stand. Das Feuer griff über auf den Glockenstuhl, wodurch der Turm einstürzte und die Mauern die Glocken unter sich begruben. Im Schiff der Kirche wurde die neueingebaute Orgel mit dem Gebläse zerstört, wie auch die wertvollen Fresko-Malereien verloren sein dürften. Heber die Brandursache sind bis jetzt keine Anhaltspunkte gegeben, doch wird vermutet, daß Brand stiftung vorliegt. 3m Kanu über den Aermelkanal. Ein 22jährlger Deutscher, Josef F i n k aus Köln a. Rh., hat den Kanal von Calais nach Dover in 5 Stunden 50 Minuten im Kanu überquert. Er fuhr um 13.10 Uhr von Calais ab und traf um 19 Uhr in Dover ein, wo er von einer zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde. Fink erzählte, daß er auf dem ersten Teil seiner Fahrt ziemlich starken Wellengang und Nebel angetroffen habe; später sei das Wetter besser geworden. Der junge Kölner beabsichtigt, mit dem Dampfer nach Calais zurückzukehren. Hitlerjugend besucht ein englisches Pfadfinderlager. 22 Mitglieder der Hltlerjug end besuchten ein großes Zeltlager von Pfadfindern bei New Castle-on-Tyne, in dem nicht nur englische, sondern auch andere ausländische Trupps kampieren. Die Gäste, die auf einer Wanderung durch England sind, verbrachten die Nacht im Freien und setzten dann ihren Marsch nach Edinburgh fort. Schreckensfahrt eines betrunkenen Autolenkers. Vier Tote, drei Verletzte. In einem Dorfe in der Nähe von Gent ü b e r - fuhr ein kleiner stark besetzter Personenkraftwagen zwei alte Leute. Der Wagenlenker raste weiter, ohne sich um die Unerfahrenen zu kümmern, die bei der Einlieferung ins Krankenhaus starben. In dem nächsten Ort überfuhr der Wagen eine Frau, die auf der Stelle t o t war. Schließlich rannte das Auto gegen einen Leitungsmast und zerschellte. Der Wagenführer und Besitzer, ein Bäckermeister namens Devuyst aus ieire, wurde getötet, während seine Frau schwer verletzt und zwei andere Insassen leichter verletzt wurden. Devuyst hatte eine Kirmes besucht und betrunken die Heimfahrt angetreten. Rauschgiftschmuggler in die Falle gegangen. Wie aus Neuyork gemeldet wird, wurden dort am Sonntag zwei Rauschgiftschmuggler verhaftet, die die Bundespolizei für Angehörige einer der größten internationalen Schmugglerbanden hält. Das Hauptquartier der Bande, das sich in Paris befindet, verkehrte mit feinen Agenten in Neuyork mit Hilfe von verschlüsselten Kabeltelegrammen. Die Polizei kam in den Besitz des Schlüssels und ließ eine falsche Mitteilung absenden, in der eine Zusammenkunft mit den Agenten vorgeschlagen wurde. Zur angegebenenZeit traf an dem bezeichneten Ort ein Kraftwagen mit zwei Männern ein, die sofort verhaftet wurden. Einer der Männer wurde bei der Festnahme in einem Feuergefecht verwundet. In dem Kraftwagen fand man Heroin, Opium und Morphium im Werte von 125 000 Dollar. In der Wohnung der beiden Verbrecher wurde auch eine große Anzahl von Nadeln und Injektionsspritzen vorgefunden. 500 Autos verbrannt. In Buffalo (USA.) brach in einer riesigen Auto- garage ein GroHfeuer aus, das sich so schnell ausbreitete, daß der größte Teil der dort stehenden Kraftwagen nicht mehr gerettet werden konnte. 500 Kraftwagen wurden durch das Feuer zerstört. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollar beziffert. London, 4. Aug. (DNB.) Der Sonderberichterstatter der „Daily Mail", Ward Price, hatte Gelegenheit, der Vollstreckung des Todesurteils an den wegen Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß und wegen Hochverrats zum Tode verurteilten Aufständischen Dlanetta und Holzweber beizuwohnen. Er drahtete seinem Blatt hierüber aus Wien: So schrecklich auch die Erschießung des Bundeskanzlers und der damit verbundene Hochverrat war, kann doch keiner, der Ehre hat und der Verhandlung beiwohnte, bestreiten, daß Planetta, der den Bundeskanzler erschoß, und Holz- weder, der die ganze Aktion gegen das Bundeskanzleramt leitete, beides sehr tapfere Manner waren, vor denen jedermann Achtung haben muh. Ich habe dem ganzen Ablauf des Verfahrens gegen sie von Anfang bis zu dem bitteren Ende beigewohnt und sah keinen von beiden auch nur den geringsten Augenblick durch ein Wort, durch einen Ton, eine Bewegung, ober durch einen sonstigen Ausdruck auch nur das geringste Zeichen von Furcht oder Zurückweichen verraten, obwohl sie von Anfang an wußten, welcher Würgetod sie in dem düsteren kleinen Hoi hinter den vergitterten Fenstern des mit Menschen vollgestopften Saales erwartetet, in dem die Verhandlung vor sich ging. Die letzten Worte, die sie in der Oessentllchkeit mit scharfer militärischer Stimme und In strammster militärischer Haltung sprachen, werden mir für meine Lebzeit unvergessen bleiben. „Ich glaube kaum", sagte Otto Planetta zum Gerichtshof, „ob ich die Sonne von Morgen noch werde aufgehen sehen. Aber ich bin kein feiger Mörder, und nichts lag mir ferner, als den Bundeskanzler zu töten. Die unmotivierten Bewegungen, die er mit feinen Armen machte, die unruhlgen Schatten, die dadurch hervorgerufen wurden und mich streiften, die ungeheure Aufregung, in der ich mich befand, hat vielleicht die Schüsse hervorge- rufen. In meiner Absicht lagen sie nickt, und es ging auch dem schärfsten Befehl zuwider, den wir erhalten hatten. Ich bedauere den tödlichen Ausgang und bitte hier in aller Öffentlichkeit, der Witwe des Kanzlers mein schmerzliches Bedauern zu übermitteln." Planetta sprach in lautem Ton und überragte wohl alle, die ihn pörten. Rüskungsgleichhett ausgesprochen, die den haupl- prüfstein bildet, aber leider ist es ihr nicht gelungen, andere Regierungen auf den gleichen Standpunkt zu bringen. Die anschließenden Worte Hitlers galten der Notwendigkeit, der Kriegspsychose ein Ende zu machen. Er sagte, er habe aus ein besseres Einvernehmen mit Großbritannien hingearbeitet und tue es noch immer. Zwei germanische Nationen sollten durch die bloße Kraft des natürlichen Instinktes Freunde fein. Die n a - tionalfoziallstische Bewegung würde einen Krieg gegen England als ein D er - brechen geg en die Raffe ansehen. Er wies baraf hin, daß Engländer, die Deutschland besuchen, sich immer gut mit den Deutschen verständigen, und es wäre wünschenswert, wenn noch mehr Engländer kämen, um sich selbst von den Zuständen in Deutschland zu überzeugen. Hitler schloß: Es ist traurig, daß unser alter Marschall Hindenburg gestor- b e n i st. Hätte er noch ein paar Jahre gelebt, so würde er, wie ich glaube, einen Weg gefunden haben, Deutschlands aufrichtigen Friedenswunsch der Welt noch deutlicher zum Bewußtsein zu bringen. Große Beachtung in ber Londoner presse. London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die letzten Erklärungen des deutschen Reichskanzlers haben in ber Londoner Presse große Beachtung gefunden und werden von ber Mehrzahl der Blätter redaktionell besprochen. Die unabhängig-konservative „Daily Mail" hebt in einem Leitaufsatz die Aeußerungen hervor, „die ber hervorragendste und am häufigsten erörterte Mann der Gegenwart" am Sonntag einem Vertreter des Blattes gegenüber abgegeben hat. Diese Aeußerungen, so sagt „Daily Mail" waren besonders eindrucksvoll wegen ihrer Freimütigkeit und ihres „vernünftigen Tones". An die Spitze feines Programms stellt der Führer des Reiches feinen Wunsch nach Frieden. Diese mit solcher Bestimmtheit von ihm abgegebene Erklärung muh als ungemein wichtig für Europa betrachtet und begrüßt werden. Er hat keine chauvinistische Gesinnung bekundet, sondern durch seinen nachdrücklichen Hinweis auf die Notwendigkeit des Friedens bewiesen, daß er ein Staatsmann ist und mit scharfem Blick die Probleme erkennt, die Deutschland und die well lösen müssen. Als besonders roichtig erscheint dem Blatt die Erklärung, daß Deutschland sich von Rohstoffen aus dem Auslände unabhängig ma- chen werde, wenn es dazu gezwungen würde. Diese Warnung nennt „Daily MaiU höchst bedeutungsvoll für Südafrika, Australien und andere britischeGebiete und ermahnt die maßgebenden Männer, sie in ihrer ganzen Wichtigkeit zu würdigen. Frankreichs schlechter Wille. Paris, 6. Aug. (DNB.) Das Interview des Führers des Reiches in der englischen „Daily Mail" findet in der französischen Presse wenig Verständnis. Der am häufigsten wie- verkehrende Einwurf ist der Zweifel an ber „Aufrichtigkeit" ber Erklärung. Der „Ternp s" begnügt sich mit bem Abbruck eines Auszuges bes Interviews, ohne bazu Stel- Dann sprang H o l z w e b e r auf, lebhaft, wie währenb ber ganzen Verhandlung. „ S i e m ü f • fen s i ch kurz fasse n", mahnte ihn ber Z i - v i l r i ch t e r, ber ein spitzes und unsymphatisches Gesicht hatte. Unangenehm berührt durch diesen Vorstoß gegen einen Totgeweihten sah ich in diesem Augenblick nach dem Gerichtstisch. Da saß der ältere geistreiche General in der Witte, rechts und links von ihm zwei Oberste, und ich muhte feststellen, daß diese alten, harten Kriegssoldaten im Gegensatz zu dem Zivitrichter mit unverhohlener menschlicher Sympathie auf diesen elektrisch geladenen ehemaligen Soldaten blickten, der im Sinne feiner Idee die Regierung eines ganzen Landes zu verhaften versucht hatte. Diese Offiziere waren im Begriff, den Mann zum Tode zu verurteilen, aber sie erkannten in ihm den Typ eines prachtvollen Stabsfeldwebels — schneidig, kühn, aufrecht und korrekt in jedem Zoll seiner Haltung. Holzweber hatte die fatale Gabe ber Beredsamkeit, die ihm an diesem heißen, sonnigen Nachmittag bas Leben kostete. Denn zweifellos hat er seine Rolle als Führer ber Stürmer Des Bunbes- kanzleramtes nur ber klaren Form seiner Gedanken zu verbauten, ber alle anberen folgten, die feine Ibeale teilten. Holzweber sprach viel besser als bie drei Berteibiger, bie für bie Angeklagten vergebens pläbiert hatten. „Getreu dem Grundprinzip bes Führers aller Deutschen habe ich bie Aufgabe ber Besetzung bes Bunbeskanzleramtes nur unter ber Bedingung unb Voraussetzung übernommen, baß sie nicht mit Blut befleckt sein bürste. Ich mußte auch annehmen, baß bas Gesamtministerium versammelt war, unb vor allem, baß Dr. R i n t e« len zur Stelle sei. Denn wir gingen von ber Voraussetzung aus, baß Dr. Rintelen uns als neuer Kanzler mit seiner Autorität becken würde. Als ich festgestellt hatte, daß der neue Kanzler nicht anwesend war, besprach ich mit dem Minister Fey ganz freundschaftlich die Bedingungen, auf denen mir die Aktion ohne Blutvergießen abblasen könnten. Ich sagte ihm, daß ein großes Mißverständnis vorliegen mühte, und daß ich nun nicht mehr wüßte, was ich ohne Gefährdung einerseits meiner Leute, andererseits der verhafteten Minister zu tun hätte. Minister Fey gab uns sein Ehrenwort als Offizier, daß uns nichts passieren würde. Wenn er dieses Dort bricht, wird es sich an ihm rächen. Für alles, was sich später ereignete, übernehme ich für meinen Teil die volle Ver- antwortung. Und ich wiederhole noch einmal, daß nicht nur die mir gegebenen Befehle, fon- dern auch die von mir selbst ausgehenden Befehle in der schärfsten Form dahin gingen, daß nicht ein einziger in dem von uns besetzten Bundeskanzleramt verletzt werden dürfte." Franz Holzweber fuhr dann mit erhöhter Stimme fort: „Alles, was i ch getan habe, tat i ch für mein weites Vaterland. Ich bin ganz und gar darauf gefaßt, die Konsequenzen meiner Handlungsweise auf mich zu nehmen." Für eine Viertelstunde nur zogen sich bann bie vier Richter hinter einen Vorhang zurück, um bas Urteil zu beraten. Als sie zurückgekommen waren, haspelte ber Zivilrichter mit einer nachlässigen, gleichgültigen Stimme eine Wiederholung ber Anklage herunter und murmelte, ohne auch nur bie Stimme um ein geringes zu lung zu nehmen. Das „Journal bes Döbats" vergleicht bie Erklärungen bes Führers mit „sogenannten Friedensoffensiven, die Deutschland während des Weltkrieges von Zeit zu Zeit unternommen habe, unb die nicht loyale Friedensangebote gewesen jeien, sondern nur Manöver, um die Feinde Deutschlands zu veruneinigen unb zu schwächen." Auch bie „Libert e" wartet mit einem überaus gehässigen Kommentar auf. Der Kommentar biefes Blattes ist wenn möglich, noch verstänbnisloser unb zeugt von einer sturen unb gewollten Blinbheit für Die tatsächlichen unb psychologischen Verhältnisse im nationalsozialistischen Deutschland, die kaum noch „Graf Zeppelin" unterwegs. Die Deutsche Seewarte in Hamburg teilt mit, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Montagnachmittag mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometer fuhr und um 19.30 Uhr (MEZ.) die Kap Vertuschen Inseln erreichte. Der Himmel war wolkenlos, bie Temperatur betrug 23 Grab Celsius. Die Toten der deutschen Himalaja-Expedition noch nicht geborgen. Bon ber beutschen Himalaja-Expebition ist dem Drahtlosen Dienst folgender Kabelbericht zugegangen: „Die Bergung ber toten Kameraben Merkl, Wielanb unb Welzenbach war wegen anbauernber Schnee st ürme oberhalb bes Lagers 4 trotz übermenschlicher Anstrengungen unb wegen späterer Weigerung ber Träger unmöglich. Lager 4 bis Lager 1 finb durch Balti-Kulis oronungsmäßig geräumt. Die Expedition wartet auf das Eintreffen der noch benötigten Träger aus Doian und wird voraussichtlich am 3. August vom Hauptlager aus den Rückmarsch anLcten. Es ist beabsichtigt, bis zum endgültigen Abreisttag aus Indien auf Hausbooten in Srinagar, der Hauptstadt von Kaschmir, zu bleiben." Motorradfahrer tödlich verunglückt. Wie aus Aschaffenburg gemeldet wird, ereignete sich auf ber Haibacher Höhe bei Grunmorsbach cm schweres Verkehrsunglück. Ein Motorrab- fahrer, ein Monteur aus Frankfurt namens Eduard Nanninger, der mit feiner Frau auf dem Soziussitz die Straße heraufkam, stieß in der Kurve mit einem Personenkraftwagen zusammen. Der Motorradfahrer kam unter bas Auto zu liegen unb erlitt fo schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport zum Krankenhaus starb. Seme Frau trug nur leichte Verletzungen davon. Schwere Strafen für Devisenschieber. Das Schnellschöffengericht verurteilte in Stuttgart nach anderthalbtägiger Verhandlungsdauer die Angeklagten Gustav Grau, Richard Ebers- b ä ch e r, August Gunzenhäuser, sämtlich aus Stuttgart, die zusammen mit dem ins Ausland geflüchteten Baron Arthur von Hunnius vom März 1931 bis Januar 1934 insgesamt weit über eine halbe Million Reichsmark ins Ausland verschoben und zum Ankauf deutscher Wertpapiere verwendet hatten, zu Zucht- hausftrafen von 2 bis 4 Jahren. Der mitangeklagte Fritz Mayer erhielt drei Jahre Gefängnis Sämtliche Angeklagten wurden außerdem noch zu hohen Geldstrafen verurteilt, an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle weitere Freiheitsstrafen treten. In ber Begründung wurde festgestellt, daß die Angeklagten einen volkswirtschaftlichen Schaben von minbeftens 500 000 Reichsmark angerichtet haben. Lin Beil ist kein Spielzeug! Daß gefährliche Gegenstänbe nicht in Kinber- hänbe gehören, zeigt roieberum ein Borfall in Wis- en bei Betzdorf. Dort hantierte ein sechs Jahre alter Junge mit einem Beil und schlug dabei einem vierjährigen Spielkameraden einen Finger glatt ab. Kind vom Lastauto lotgefahren. Der sechsjährige Junge des Schuhmachermeisters Hunold m Olpe (Westfalen) geriet unter bas Lastauto einer Bierbrauerei. Vermutlich ist bas Kinb auf die Verbinbung zwischen Lastwagen unb Anhänger geklettert und beim Fohren herunterge- fallen, wobei es überfahren und tödlich verletzt wurde. pfälzische Kirche aus dem 11. Jahrhundert eingeaschert. Die aus dem 11. Jahrhundert stammende protestantische Kirche in Herxheim a. Berg (Pfalz) roufDe Nr. 182 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen) Dienstag, 7. August 1934 Die Schicksalsschlacht bei Tannenberg. Genie gegen Masse. — Rätsel und Wunder. — Spieler und Gegenspieler. Von Alfred H. Troß. Der Gedenkstein für die Schlacht bei Tannenberg auf dem Feldherrnhügel bei F r ö g e n a u, von wo aus Hindenburg in den entscheidendeü Stunden des 28 August 1914 die Schlacht leitete. Hier hat der qUq der die sterblichen Reste des verewigten Feldmarschalls von Neudeck nach dem Tannenberg- Denkmal überführte, für zwei Minuten gehalten. P r i t t w i tz, die ihm unterstellten Divisionen nach eigenem Ermessen dort zu vereinigen, wo der drohende Einfall der gefürchteten russischen Schwadronen und Bataillone zuerst Abwehr und Angriff heischte. Rußland entsandte gegen Ostpreußen sofort zwei gewaltige Heeressäulen. Die eine, aus Richtung Kowno aufbrechend, unterstand dem General Renne n k a m p f und brach bei Stallupönen über die Grenze. Ihr wurde die deutsche Hauptmacht entgegengesandt. Alsbald entwickelte sich Gefecht auf Gefecht, die Deutschen hielten stand, schlugen meist die Russen, aber der Feind füllte seine Verbände auf und drückte mit ungeheuren Massen gegen Königsberg vor. ’ Als finsterste Bedrohung wuchtete aus Richtung Warschau gegen die ostpreußische Südostgrenze eine zweite Armee unter dem General S a m s a n o w heran mit dem Ziel, ebenfalls die Deutschen gegen Norden, in die Ostsee zu drücken, sie westlich zu überflügeln, in einen Kessel zu treiben, zu vernichten — dann war es um Ostpreußen geschehen, und der Weg nach Berlin lag frei. Die nächstdrohende Gefahr war die Armee Rennenkampf, die bereits auf deutschem Gebiet sengte und mordete. Ihr einen Damm entgegenzusetzen, war erstes Bedingnis. Und daraus entwickelte sich Vorspiel und Voraussetzung zu Tannenberg: Oie Schlacht bei Gumbinnen. Ein Feldpostbrief aus jenen schweren Tagen des bedrohten Ostpreußens erzählt: Kaum war die Kriegserklärung heraus, da fielen ganze Grenzdörfer den Russen zum Opfer; die Mu- schiks und Kosaken führten sich als Mordbrenner auf. Wagen, überlastet mit Vertriebenen und Flüchtlingen, suchten in Gumbinnen Schutz. Schon am 2 August durcheilte die schauerliche Kunde die Stadt: „Die Russen sind bis zur Rominter Heide vorgedrungen!" Am 3. waren sie in Eydtkuhnen. In wahren Heeressäulen wälzten sich die Flüchtlinge zurück und drohten die Anmarschwege der deutschen Truppen zu verstopfen. Die Stadt war zum Heerlager geworden, Verband auf Verband durchstürmte die Straßen und wandte sich ostwärts. Und nun kamen die beiden Tage, Mittwoch und Donnerstag, der 19. und 20. August, die Tage der Schlacht bei Gumbinnen, die sich im nördlichen und östlichen Teil des Kreises abspielte. Bereits am Dienstag sah man ganze Kolonnen hinausrücken. Der Feind war sengend und brennend durch die Kreise Pillkallen, Ragnit und Stallupönen in Ostpreußen eingefallen, hatte sich stark verschanzt und harrte des Angriffs. Mittwoch früh. Ferner Kanonendonner kündigt den Bewohnern an, daß beide Parteien im Vorgehen gegeneinander sind. Gegen Mittag wird das Getöse immer lauter und vernehmbarer, und ich begebe mich auf einen erhöhten Punkt außerhalb der Stadt, um diesem grausigen Schauspiel als Beobachter beizuwohnen. Dort finde ich bereits eine große Schar von Zuschauern, teils mit Gläsern bewaffnet, teils mit Karten. Schwarze dicke Wolken steigen hinter einem Walde vor mir auf, dort muß ein großes Gut durch Granaten in Brand gesteckt sein. Die Brandstellen mehren sich, und das Knattern der Gewehre und Maschinengewehre wird immer heftiger vernehmbar. Allmählich senkt sich dunkle Nacht auf die von wildem Kriegsgeschrei erfüllten Fluren. Blutrot färbt sich der Himmel, der ganze Horizont gleicht Oas eiserne Spiel hebt an. In leuchtender Pracht steigt der August des Jahres 1914 herauf. Gleichzeitig senkt er ein schweres Schicksal über unser Vaterland: Krieg! Zunächst gilt es, nach zwei Fronten hin die Heimat zu schützen. Und Deutschland ist darauf seit langem vorbereitet; der geniale Generalfeldmarschall von Schliessen hat schon vor Jahren die Parole ausgegeben: Angriff im Westen — Abwehr im Osten! Und auf diesen Schliesfenschen Plan greift der Generalstabschef von Moltke sofort zurück. Alle verfügbaren Kräfte werden im Westen gegen Frankreich eingesetzt, um diesen Feind mit stürmischem Elan zu überrennen. Im Osten, im Ostpreußen, im Gebiet östlich der Weichsel werden nur die als zum Schutz der dem russischen Zugriff besonders ausgesetzten Landesteile unumgänglich notwendig erachteten Truppen belassen. Die Schicksalsschlacht von Tannenberg in ihren Ausmaßen, ihrer genialen Anlage und als Erlösung von schwerster Gefahr recht zu verstehen, müssen zunächst einmal nüchterne Tatsachen gegeben werden. Es sind diese: Hinter einem Schleier schwacher Grenzsicherungen versammelte sich zum Schutze seiner heimatlichen Fluren das 1. Armee-Korps bei Gumbinnen und Insterburg; das I. Reserve-Korps stand bei Angerburg-Nordenburg, das XX. Armee-Korps bei Allen- stein, das XVII. bei Soldau; die Kavallerie-Division setzte bei Kriegsausbruch sofort über die Grenze. Diese wie eine Kordonstellung aus fridericianischer Zeit anmutende weitläufige Verteilung der Truppenkörper — 8. Armee genannt — erlaubte dem Oberkommandierenden im Osten, dem General von 1 ■ *T £ :< Der Trauergottesdienst im Berliner Dom, der am Sonntag durch Reichsbischof Müller abgehalten wurde. D ■i tz s v_ d < , # X •* ■ • Zf ■■■'■■ v,f 1 ■ M -Äff einem gewaltigen, schier endlosen Feuermeer. Dazwischen sieht man weiße kleine Wölkchen auf- steigen, die von den zerplatzenden Granaten und Schrapnells herrühren. Ich verlasse meinen Posten. Doch selbst in der Nacht ruht der tobende Kampf nicht. Am Donnerstag in aller Frühe vernimmt die Einwohnerschaft von Gumbinnen von neuem das Brüllen der großen Haubitzen, die nun in den Kampf eingegriffen haben. Lange Reihen von Munitionswagen, die unentwegt die todbringenden Geschosse im scharfen Trab heranschaffen, beleben die drei Kunst- straßen nach Tilsit, Pillkallen und Stallupönen, und lange Züge von russischen Gefangene n werden bereits nach der Stadt zum Abtransport mit der Bahn zum Bahnhof oder den leerstehenden Kasernen geführt. Ich bin schon wieder auf meinem Beobachtungsposten. Vor mir breitet sich das weite Schlachtfeld in ganzer Größe aus. In weiter Ferne bei den Dörfern Springen, Brakupönen, dem Remonte- depot Kattenau und den Nachbardörfern, deren Einwohner schon lange ihre Heimstätten verlassen haben, wogt der Kampf, der um 12 Uhr vormittags seinen Höhepunkt erreicht. Wie die Figuren auf dem Schachbrett bewegen sich die einzelnen Truppenmassen hin und her. Jetzt saust in Sturmeseile auf ihren schnellen Pferden eine deutsche Kavalleriebrigade quer Über das Schlachtfeld, um eine Attacke auszuführen, und verschwindet, umhüllt von einer undurchsichtigen Staubwolke, in weiter Ferne. Erst nach drei Tagen soll sie mit einer großen Zahl gefangener Russen wieder zurückgekehrt sein. Ich hatte mich wohl zu weit vorgewagt, geriet in die Feuerlinie der rechts von der Chaussee nach Stallupönen auffahrenden Artillerie. Da kommt mit einem Male Leben und Bewegung in die langen Züge von Muntions-, Bagage- und Gepäckwagen. Zurück nach der Stadt! Die Schrappnells fliegen über die Chaussee und unsere Köpfe hinweg. Aber als das Ergebnis der mörderischen Schlacht am Donnerstag, den 20. August, nachmittags, bekannt wurde, als allein durch Gumbinnen fünftausend russische Gefangene trotteten, ohne den Blick von der Erde zu erheben, da wurde manches Auge feucht. Unsre Feldgrauen hatten Wunder an Tapferkeit verrichtet. Die Schlacht stand günstig, fest waren die Deutschen in die Russen verbissen, von denen ungefähr sechzig Mann' auf einen Deutschen kamen. Da meldeten deutsche Flieger: „Russische Heeressäulen aus Richtung Warschau gegen Linie Ortelsburg-Soldau im Anmarsch!" Die furchtbare Bedrohung aus dem Süden naht; die Armee Samsonow drückt nach Norden, versucht die Umgehung von Westen her. Die 8. Armee kann von ihren rückwärtigen Verbindungen abge- schnitten werden. Wenn sie die Armee Rennenkampf nicht sofort endgültig vernichtet, um sich dann auf Samsonow zu werfen, droht der einzigen Armee des Ostens ein vernichtendes Sedan. priitwih verliert die Nerven. Er glaubt nicht mehr an die Möglichkeit einer Vernichtung der Armee Rennenkampf, obgleich die Schlacht bei Gumbinnen günstig steht. Immer wieder Drahtgespräche mit dem Großen Hauptquartier in Koblenz. Gesuche um frische Truppen — Gesuche, denen leider Moltke stattgibt! Truppenverbände werden aus der Westfront gelöst; sie kommen nicht einmal mehr zum Eingreifen in die Schlacht von Tannenberg; diese Gigantenschlacht vollendet sich auch ohne sie; aber sie fehlen alsbald an der Marne — man geht kaum fehl mit der Behauptung, daß ihre Abwanderung nicht nur die Marneschlacht, sondern damit indirekt sogar den Ausgang des Weltkrieges entschieden hat! Moltke warnt und warnt vor übereilten Entschlüssen. Aber Prittwitz läßt nicht mehr mit sich reden; er ahnt Katastrophen; er will feine Armee erhalten —: er gibt den Rückzugsbefehl! —: Abbrechen der im günstigen Stadium befindlichen Schlacht bei Gumbinnen und Rückzug der ganzen Armee über die Weichsel: Ostpreußen ist preisgegeben! Die Unterführer sind verzweifelt, glauben an den nahen endgültigen Sieg; aber sie müssen gehorchen. Also: zurück. — Und in die Schrecken des Rückzuges mischt sich das Elend der von Haus und Hof vertriebenen Flüchtlinge. Wagen auf Wagen verstopft die Chausseen, letzter Hausrat wird mitgeschleppt, Betten, Truhen, ein bißchen Vieh. Weinen und Jammern. Und: „Platz für die Truppe! Herunter von der Straße!" Die Truppe ist wichtiger. — Und das Chaos ist da, alles scheint verloren. (Fortsetzung folgt!) Geschenke. Don 3o Hanns Rösler. Die junge Frau stand vor dem schmalen Fenster des Juweliers, der in einer Nebengasse sein Dasein fristete. Sie betrachtete versorgt die wenigen billigen Stücke der Auslage. Uhrketten zu Dutzend ge- bündelt und an eine Pappenscheibe aufgenäht, dünne Goldringe mit dürftigen roten, grünen und blauen Steinen, vierzig nebeneinandergesteckt und jeder mit einem Preis versehen, zwischen ihnen billige Weckeruhren und ein versilberter Tafelaufsatz vermehrten die Trostlosigkeit des Anblicks. Eine Kollektion vergoldeter Manschettenknöpfe zog das Interesse der jungen Frau auf sich. Noch einmal trat sie in die Zuflucht eines Toreinganges, nestelte umständlich ihre abgegriffene Geldbörse heraus und zählte die wenigen Silbermark, die darin lagen. Dann ging sie über die Straße zurück und öffnete die Tür in das Geschäft. „Guten Tag", sagte sie und blieb an der Tür stehen. Hinter einem Vorhang hervor kam mühsam schnell ein alter Mann. Er drehte eine elektrische Birne über dem Dunkel des Tisches an. „Sie wünschen?", fragte er. „Ich möchte einen Manschettenknopf. „Nur einen?" „Ja. Nur einen. Aber aus echtem Gold muß er sein." Der alte Juwelier brummte etwas Unverständliches und holte aus einer Schublade ein Brett mit grauem Samt. Dann öffnete er das Fenster und brachte einige Papierstreifen mit Manschettenknöpfen. „Ich kann sie aber nur als Paar verkaufen", sagte er. Sie sah auf die Knöpfe. „Ich habe kaum das Geld zu einem Knopf", antwortete sie müde. Nehmen Sie doch vergoldete Knöpfe. Sie sind wesentlich billiger und sehen genau so aus." Nein, nein", sie sagte es fast erschreckt, „es muß echtes Gold fein. Mein Mann hat einmal goldene Knöpfe getragen und vor zwei Jahren den einen verloren Jetzt will ich ihm einen ähnlichen Knopf dazu kaufen, damit er wieder zwei Knöpfe hat. Wir haben morgen unseren zehnjährigen Hochzeitstag. Ich möchte meinem Mann-gern etwas schenken. Er war jetzt erst neun Monate ohne Arbeit." Der Juwelier räumte die Stücke wieder in die Auslage und ging wortlos hinter den Verschlag. Nach einigen traurigen Minuten kam er zurück. „Ich habe hier einen einzelnen Knopf — reines I Gold — gefällt er Ihnen?" „Ja. Er ist sehr schön." „Paßt er zu dem anderen Knopf? „Nein. Aber das macht nichts. Es muß nur echtes Gold fein. Mein Mann wird sich sehr freuen. Was kostet er?" v ± , „Ich werbe Ihnen nur den Goldwert rechnen. Neunzehn Mark." Die junge Frau schüttete den Inhalt ihrer Geldbörse auf den Tisch. . . „Es sind acht Mark und vierzig Pfennige sagte sie, „mehr konnte ich mir seit einem Jahr nicht sparen. Aber ich möchte Ihnen meine goldene Ke te verkaufen — bitte — nehmen Sie sie für den Rest. Sie löste eine dünne, kurzgliedrige Kette von ihrem Hals. Der Juwelier spürte kaum ihr Gewicht und versuchte, sie zurückzuschieben. . „Nehmen Sie sie — bitte", wiederholte die junge Frau," sie ist echtes Gold. Mein Mann brachte sie mir zur Hochzeit. Vor zehn Jahren. Und ich mochte doch morgen so gern meinem Mann etwas schenken. * Sie war sehr froh, als sie am nächsten Morgen erwachte. Unter ihrem Kopfkissen suhlte sie das kleine Papier mit dem goldenen Knopf. Ob sie Erich wohl küssen würde in feiner ersten Freude? Ihre Augen fielen auf Blumen, die auf dem Bett lagen. „Vor zehn Jahren, Katherine — lch hebe dich noch immer wie damals Sie suchte seine Hand. f. , „Ich habe dich noch viel, viel heber! „ .Neben den Blumen hegt „em kleines Geschenk. „Ein Geschenk? Für mich? (fr mnr nerleaen wie em Schuljunge ff« mfrh T)ir aefaüen. Du hast es Dir gewünscht. „Es wird Dl g I Heine goldene Kette, Ein goldenes Kreuz für■uein., f, mirtt Du die ich Dir vor zehn Jahren schenkte. Jetzt wir,t ^u beides tragen können. 2Iber —" 2lugen. Ihr Mund zitterte. Tranen füllten ihre äugen > batte ich •x?reÄ t Shp ich meinen goldenen Manschet- 7^- Unbnf°fa2rt bet’mk geblieben ift. Ich werde U nk wieder einen Zeiten dazu bekommen. Und Tin haft jetzt dafür Dem Kreuz. Katharine weinte, als fk ihm ihr Geschenk hin- "WMa Knop'in'der^anb und ihre Trbne7ftek77us'd"as^^ne. Kreuz. Dann strich ^„ISk sind ärm?Me^chen", jagte sie, auch dann, wenn wir feiern. Freunde in der Noi. Don Karl Ludwig Este. Man muß einmal in eine große Not geraten fein, um zu erfahren, auf welche Menschen man als wahre Freunde rechnen darf, aber auch um zu wissen, wer man selbst ist. Es gibt Dinge, fühlt man nun vielleicht, die reicher machen als Geld und Besitz, die auch dem Aermsten gehören, wenn er sie nur haben will, die ihn lehren, feinem Los nicht gram zu fein. Aber nicht alle können fo fühlen. Nicht alle haben soviel Kraft zur Freude. Nicht alle auch haben soviel Phantasie, aus ihrem Leben wie aus einem bösen Traum herauszutreten. Mancher ist dem Schönen gegenüber blind geworden vor Bitterkeit und schleppt an seinem Leden schwer wie ein Kettensträfling, so unversöhnlich ist seine Not. Wer glaubt, daß nicht der Haß, sondern die Liede die Welt verwandelt, trifft hier wohl auf Menschen, die in ihrer Armut dumpf und stumpf dem Peiniger nichts als ein Knurren zeigen. Notzeiten find Prüfzeiten — auch der Freundschaft, und das Wort von den taufend Freunden, die auf ein Lot gehen, erweist sich jetzt wieder als ein Wahrwort. Wie freundlich und beziehungsreich erscheinst du dir von Menschen umgeben, solange du ein Mann bist in Amt und Würden und ebenso freigiebig beim Pokulieren wie mit deinen Gefühlen. Wie sehr geliebt von Freunden, fo denkst du, ist dein gastliches Haus, hörst du des Abends bei deren Eintritt fröhliches Lachen und hörst du es gleichfalls noch beim späten Händedruck, da du hinterm Rücken des letzten der Freunde das Tor schließest. Wenn außer dem Frohsinn auch mancher fein Leid zu dir hinträgt, wie bis du stolz, daß er's tut, daß er gerade zu dir kommt und sich dir anvertraut in seinem Kummer. Wievielen darfst du ein Helfer fein aus ihrer Not und willst nichts von Dank hören, bist beschämt gar, wenn man sich in deiner Schuld fühlt. Du arbeitest froh und freust dich doppelt deiner Erfolge, weil du weißt, daß es Menschen in deiner Nähe gibt, die du kannst daran teilhaben lassen. Ach, wieviel Glückwünsche glaubst du willig dem freundlichen Schmeichler, und auch fein Bedauern: „Es tut mir aufrichtig leib", wenn du ihm von kleinen Sorgen, kleinen Verlusten und schmerzlichen Enttäuschungen erzählst. Deine schwachen Stunden, deine Zweifel und nagenden Angstgefühle — welcher Stärkste hat nicht einmal darunter zu leiden — wie aufrichtig bist du, sie den Freunden mitzuteilen. Denn Aussprache lockert den Schmerz und heilt die verschwiegenen Wunden. Vielleicht scheint es dir manchmal zuviel des Guten, rote fte dich trösten wollen, wie gar leicht sie Worte hoben unb bamit zuzubecken glauben, was bich be« brückt. Aber baß sie sich hinter beinern Rücken über bich lustig machen, baß sie boshaft bewitzeln können, was bu im Augenblick ber Schwäche ihnen vertraut, wie könntest bu fo gering von ihnen benken? Ja, welch ein kostbares Gut ist Freunbfchaft unb welch ein Verbrechen, bie Axt bes Mißtrauens gegen ihre Wurzel zu heben. Du schiltst bich einen Undankbaren, einen Unwürdigen und verachtest wohl noch den Warner, der dir deiner Freunde Spottlust zuträgt, weil es ihn empört, wie sie sich bei dir zu Tische setzen und dich doch heimlich zum Gespött machen. Den Ohrenflüsterern, die mit glattem, mit feilem Lächeln dir begegnen, die Ja sagen, wenn du unrecht tust, und dich umgarnen mit billigem Lob, lauschst du gläubig. Der dir aber wohl will und harte Worte nicht scheut, der zu dir redet als dein Gewissen, wenn bu ihn fragst, unb schweigt, wenn bu nicht fragst, bem magst bu zuzeiten gar zürnen und magst dir einreden, daß er nichts ist als ein hämischer Neider deines Erfolges. Du feierst Triumphe und siehst ihm beim Feste beiseite stehen, fo wenig achtest bu seiner, ja, wirst ihn burch Seinen Hochmut vielleicht noch vertreiben von beinern Tische. Einmal aber finb alle Worte unb Gelöbnisse ber Freunbfchaft wie Spreu, in bie Winbe gefegt — wenn bie Not mit ihren Spinnenfingern an bein Tor pocht unb bir auf allen Weaen wie ein Schatten bie Sonne verstellen will. Da harrst du umsonst der Freunde, der lustigen Brüder. Dein Haus bleibt verlassen und stumm, ein Totenhaus, so scheint es bem Frembling, unb roartenb stehst bu bir brinnen selber im Weg. Zu ahnen, sie schämen sich beiner, bie beine Freundschaft beschämte, zu fühlen, sie meiden dich, die dich einst suchten, zu wissen schließlich, sie lachen mit deinem Feinde, denen du nie feind warst, um wieviel vereinsamter lebt so ber Geselliae. Noch möchtest bu bezweifeln, daß Treue unter Menschen ein wandelbar Ding ist, und oebft aus dem Haus, ein paar Zeugnisse ber Freundschaft einzusammeln, einen aufmerksamen Blick, einen Händedruck unb Gruß. Du benFft wohl babei: „Die Freunde wollen sich dir nicht auf- drängen in deinem Schmerz". Aber sie äugen scharf, wenn du kommst, eh du's merkst, und flüchtige Spuren nur lassen sie dir zum Besinnen. Einer noch bleibt und begegnet dir mit fragenden Blicken. Der zu Unterst an deinem Tische saß ober ber ungekonnt an beinern Haus vorüber ging, wäh- renb brinnen beine Freunbe mit bir lachten unb feierten, er reicht bir feine Hanb, er spricht dir Mut zu. Unb nun erst, ba bu ben Freunb in ber Not gefunben, weißt bu, welch ein kostbares Gut dies ‘ ist: Freunbfchaft. Aus her Vrovinzialhaupiffadi Das letzte Kuder. Don K. K Neuberi. Es war schon dunkel, als Hein das letzte Fuder Korn in den Hof lenkte. Aber draußen auf dem Feld standen noch ein paar lange Garbenreihen, wenigstens vier Fuder noch. Die hatten sie heute am Samstag nicht mehr hereinbekommen. Dabei hatten sie geschafft, was das Zeug hielt. Die Hemden waren durchgeschwitzt. Die Gesichter brannten braunrot unter den breitkrempigen Strohhüten. Die Hände waren hart von Schwielen. Wie im Takt war das Gabeln vor sich gegangen. Der Sohn des Bauern hatte mit dem Knecht um die Wette geschafft. Die Lader auf dem Wagen hatten nichts au lachen gehabt. Die Garben flogen ihnen nur so vor die Nase. Da hieß es zupacken, wenn die Schicht sitzen sollte. Und wehe, wenn eine Garbe dem Gabler wieder vor die Füße flog. Dann donnerte ein kräftiger Fluch hinauf, daß die Pferde erschrocken anzogen. So war die ganze Woche vergangen. Früh um vier krochen sie aus den Betten und um 22 Uhr sanken sie wieder hinein. Mittags hatten sie eine Stunde Ruhe. Die gönnten sie mehr den Pferden als sich selbst. Wie die Luft summte vor Hitze. Wie das Land aufatmete, wenn der Wind von den Hügeln blies. Dunkel stand drüben der Wald. In der Kaffeepause starrte man herüber und nahm sich vor, Sonntag dorthin zu gehen und in der kühlen Stille zu ruhen. Alle träumten vom Sonntag. Der Bauer wollte in die Kircke fahren und nachher Verwandtschaft im Nachbaroorf besuchen, der Sohn wollte sich ausschlafen und Lene abends tanzen gehen. Aber nun standen noch vier Fuder draußen, und die Wetteransage im Radio hatte ein Gewitter angekündigt, da konnte der Bauer die Pferde nicht vor den Kutschwagen spannen, da mußten sie auch am Sonntag vor die Erntewagen, und der Sohn mußte aus dem Bett springen, denn der Bauer brüllte über den Hof. Eine halbe Stunde später fuhr das erste Gespann aufs Feld. Im Nachbardorf läuteten die Glocken. Fuhren sie nicht aus zu einem Gottesdienst? Der blaue Himmel der letzten Woche war verschwunden. Eine dicke Wolkenwand stand im Osten und schob sich immer weiter herauf. Es war schwül. Im Hof war die sonntägliche Stille einem fieberhaften Werktagstreiben gewichen. Die beiden gestern abend noch in die Scheune gefahrenen Fuder mußten abgeladen werden. Hein stach ab. Lene konnte nicht rasch genug abnehmen und Hein schimpfte. Als der Wagen endlich leer war, spannte Hein seine Gäule davor und fuhr im Trab los. Als er aufs Feld kam, hatte der Bauer gerade das erste Fuder fertig. Als sie das dritte Fuder luden, war die Wolkenwand schon ganz dicht herangerückt. In der Ferne grollte es dumpf. Ein Wetterleuchten begann am Horizont. „Wir schaffen es noch!" sagte der Bauer. Und so luden sie das vierte Fuder, damit nichts verderbe auf dem Felde. Konnten sie denn wissen, wann sie sonst die letzten Garben hereinbekamen? Vor zwei Jahren war ihnen ein ganzer Acker Korn auf dem Felde verfault. Viel Mühe war umsonst gewesen. Die Pferde begannen unruhig zu werden. Das Gewitter rückte näher. Es stand noch jenseits des Flusses und schien nicht hinüberzukönnen. Die ersten Tropfen fielen. Da schwankte das letzte Fuder auch schon vom Felde. Auf der Landstraße liefen die Gäule Trab. Wie ein vorsintflutliches Riesentier bewegte sich das Fuder durch die verfinsterte Landschaft. Es war ein mächtiges Fuder. Die letzten Garbenpuppen hatten darauf noch Platz finden müssen. Da das Laden aber so rasch vor sich hatte gehen müssen, saßen die Schichten nicht so fest, und durch das schnelle Fahren gerieten sie ins Rutschen. Die ganze linke Ecke sackte ab. Der Sohn wollte langsamer fahren, aber der Bauer schrie ihn an: „Fahr zu!" Im nächsten Augenblick gab es einen Die Trauerfeierlichkeiien in Gießen. In Ergänzung der Ankündigungen ergehen im folgenden die endgültigen Anweisungen für Dienstag, den 7. August: 1. Vormittags 11 Uhr: Trauerfeier der Gießener SA. auf dem Trieb vor der Volkshalle. An dieser Feier nehmen sämtliche Behörden und die Mitglieder der Betriebe teil, soweit sie nicht schon als Mitglieder der $21. teilnehmen. Die Behörden, die geschlossen anmarfchieren, treffen um 10.45 Uhr auf dem Trieb ein. 2. Auf dem Landgraf-Philipps-Plah ist sämtlichen Volksgenossen um 11 Uhr Gelegenheit geboten, die Uebertragung der Feier vom Tannenbergdenkmal abzuhören. 3. Dienstag abend 7.30 Uhr Trauerfeier der B$DAP. und ihrer Gliederungen auf dem Land- graf-philipps-plah. An dieser Feier nehmen teil die vier Gießener Ortsgruppen und die Gießener Mitglieder der N$BO., NS.-hago, Jl$£B^ NS.-Beamtenfach- fchaft. N$.-Frauenschaft. Eintreffen spätestens 7.15 Uhr auf dem Land- graf-Philipps-Plah. Die politischen Leiter der PO. stehen bereits um 7 Uhr mit Fahnen. Außerdem nehmen teil: Ehrenstürme der $21., $$., Abordnungen der FAD., der HI., des Jungvolks, des BDM. Antreten 7.15 Uhr auf dem Ver- anstaltungsplah. Die Feier wird ausgestaltet durch Musikvorträge des Orchesters des $tadttheaters und eine Ansprache des Oberbürgermeisters und Kreisleiters z. b. V. Pg. Ritter. $ie wird abgeschlossen durch die Uebertragung der Trauerfeier vom Tannenbergdenkmal. Die Bevölkerung Gießens wird aufgefordert, an diesen Trauerfelern Anteil zu nehmen. Von allen Teilnehmern wird strengste Disziplin erwartet. Das Rauchen ist verboten, der Feier ist mit entblößtem Haupte beizuwohnen. Von den Formationen wird kein Spiel gerührt. Lieder werden beim An- und Abmarsch nicht gesungen. Kreisleitung Gießen 'z In Vertretung: ' x- hopfenmüller, stellvertretender Kreisletter. AEOAP., Ortsgruppe Gießen-Nord. Alle Partei- und Volksgenossen werden aufgefordert, heute abend 7.30 Uhr auf dem Landgraf- Philipp-Platz an der Trauerfeier teilzunehmen. Oie Beteiligung der Deutschen Arbeit-. front an den Trauerfeierlichkeiten. LPD. Wie das Propagandaamt der Deutschen Arbeitsfront Hessen-Nassau in Verbindung mit der Landesstelle des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda mitteilt, wird für Dienstag, 7. August, empfohlen, ab 10.30 Uhr die Betriebe für die Dauer der Uebertragung geschloffen zu halten und allen Angestellten und Arbeitern Gelegenheit zu geben, an den öffentlichen Trauerkundgebungen teilzunehmen oder eigenen gemeinschaftlichen Empfang zu veranstalten. Wo dringende Gründe dieser vorübergehenden Schließung der Betriebe entgegenstehen, haben sich die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront an dem abendlichen G e m e i n s ch a f t s e m p f a n g zu beteiligen. Kundfunkprogramm des Reichssenders Frankfurt a. M. Dienstag, 7. August. LPD. Anläßlich der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg hat das Programm des Reichssenders Frankfurt für den heutigen Dienstag folgendes Aussehen: 11 Uhr: Von Königsberg: Reichssendung: Trauer der Reichsregierung am Tannenbergdenkmal. Anschließend Funkstille. 20: Von Königsberg: Reichssendung: Wiederholung der Trauerfeier am Tannenbergdenkmal. Anschließend Funkstille. 22.20: Nachrichten. Funkstille. Donnerschlag, daß sich die Pferde vor Schreck bäumten und dann wild davongingen. Das Fuder schwankte wie eine Schaukel. Die rechte Ecke sackte nun auch ab. Aber jetzt konnte man schon den Hof sehen. Verregnet, mit halbem Fuder, außer Atem aber mit Gesichtern wie Sieger, so fuhren sie in den Hof ein. Breit standen die Tore der Tenne offen. Die Bäuerin winkte. Oie Uebertragung der Trauerfeier der Reichsregierung in Gießen. Auf dem Landgraf-Philipp-Platz waren gestern auf Veranlassung der Kreisleitung der NSDAP, und der Stadtverwaltung Gießen Vorkehrungen getroffen worden, um die Trauerfeier für den verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg in der Rundfunkübertragung aus dem Reichstagsgebäude empfangen zu können. Es waren zwei große Lautsprecher angebracht. Der Landgraf-Philipp-Platz war in einer dem Ernst der Stunde entsprechenden Weise geschmückt worden. Zahlreiche Fahnen, auf Halbmast gehißt, flatterten im Winde, außerdem war eine hohe Wand errichtet, die mit Hakenkreuzflaggen verkleidet worden war, über denen zum Zeichen der tiefen Trauer breite schwarze Flore lagen. Zur Uebertragung selbst fanden sich zahlreiche Beamte und Angestellte fast sämtlicher staatlicher und städtischer Behörden (die Beamten der Polizei traten geschlossen an), sowie zahlreiche Volksgenossen ein, die den feierlichen Klängen der Musik und den Worten des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler mit großer Andacht lauschten. Die Uebertragung der Trauerfeier aus dem Reichstag gestaltete sich für alle Zuhörer zu einer würdigernsten feierlichen Stunde. Spenden für die NSV. Der Amtsleiter des Amtes für Volkswohlfahrt bei der obersten Leitung der PO. hat den Dienststellen der NSV. genehmigt, anläßlich des Todes des Reichspräsidenten an Stelle von Kranzspenden gestiftete Beträge für Wohlfahrtszwecke entgegenzunehmen. Anordnung an die Direktionen der hessischen höheren Schulen. Das Staatspresseamt gibt bekannt: Am 2. August ist Herr Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg nach einem unvergleichlich verdienstvollen und für unser deutsches Vaterland so bedeutsamen Lebensweg in die Ewigkeit abberufen worden. Aus diesem Anlaß findet in allen Schulen am ersten Schultag na d) den Sommer- ferien in der ersten Stunde schulgruppenweise eine Trauerfeier statt, die in einer würdigen Weise zu umrahmen ist und in der die von heiliger Vaterlandsliebe und Pflichttreue erfüllte Persönlichkeit des Dahingeschiedenen hervorgehoben wird. Im Anschluß an die Feier fällt der Unterri ch t a u s. * gez. Ringshausen. VM.MIkMlM Vornan von Gert Höchberg. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Endlich richtete er sich wieder auf. Aber wenn jetzt jemand ihn gesehen hätte, so wäre er vor diesem harten, fast eisernen Gesicht erschrocken. Fritz Farnhorst ging an seinen Schreibtisch. Ganz sorgfältig glättete er das Schreiben Noras. Noch einmal sah er lange und traurig auf die geliebten Schriftzüge, dann legte er das Schreiben in ein Kästchen. Legte ein paar Veilchen mit hinein, die in einer Vase auf dem Schreibtisch standen, und dann schloß er den kleinen, schönen Kasten und stellte ihn in den Schreibtisch zurück. Tot, begraben, was mir Leben und Inhalt war!, dachte er. Und ganz fest preßte er die Lippen zusammen. In den nächsten Tagen hatte er sehr viel Arbeit, da der Chef verreist war. Und er war froh darüber. Er kam meist erst am späten Abend aus dem Büro herüber in seine Wohnung. Und hier arbeitete er meist auch noch einige Stunden. Nur so war es ihm möglich, über diese trostlose Zeit hinwegzukommen. Er würde Nora Nordström nie vergessen. Nie! Und was sie ihm da geschrieben hatte von einem späteren großen Glück, das würde nie kommen können, weil er sie nicht vergessen konnte. Und weil eine andere Frau seine wahre große Liebe verlangen konnte, die er ihr nicht zu geben vermochte. Und somit war diese Frage für alle Zeiten gelöst! Arbeit! Welch eine Trösterin! Welch eine Wohltäterin war sie! Und am Abend, meist mitten in der Nacht, unternahm er noch weite Spaziergänge. Einmal war er viele Stunden gelaufen, war bis an Schloß Tobern herangekommen. An der Gartenmauer hatte er gelehnt, hatte hinaufaesehen, wo Nora Nordström mit ihrer wundersamen Stimme einst das Lied vom müden Wanderer gesungen. Und auch, wo sie das jauchzende Lied der Liebe hatte erklingen lassen! Vorbei! Nora kehrte nie wieder zu ihm zurück! Es war einmal! Ein süßes, wundersames Weihnachtsmärchen war alles bloß gewesen. Nur ein Märchen mit seinem wehen Satz: Es war einmal! Fritz Farnhorst preßte die Stirn an die kalte Mauer. Blieb lange Zeit so stehen. Dann war auch das vorüber! / Bis nach Schloß Tobern lenkte er seine Schritte nicht mehr! Am 13. Januar kam Richard Feller zurück. Sie hatten gleich eine Besprechung, die mehrere Stunden dauerte. Der junge Direktor erhielt mehrere Anweisungen vom Chef. Also vier bis fünf Wochen wird die Reise dauern. Für diese Zeit müssen Sie gewappnet sein. Ich kenne Sie doch. Gewissenhaft bis ins kleinste, wie Sie sind. Im großen und ganzen haben Sie aber Vollmacht in allem. Also, wir verstehen uns?" „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Herr Feller!" „Morgen komme ich noch einmal ins Büro. Leben Sie wohl einstweilen, Herr Farnhorst." „Auf Wiedersehn, Herr Feller." Mit großen Schritten ging Richard Feller darauf seiner Villa zu. Dort empfing ihn das Mädchen mit der Nachricht, daß die gnädige Frau vorhin umgefallen sei. Gnädige Frau klage über Kopfschmerzen und Herzklopfen. Sie hätte die gnädige Frau zu Bett gebracht. Richard Feller zuckte zusammen. Verstellung!, dachte er. Und der schwere Verdacht brannte ihm im Herzen. Er ging in das Schlafzimmer, wo Doris lag. Sie hatte die Augen geschloffen. Auf ihrer Stirn lag ein kalter Umschlag, den er jetzt behutsam erneuerte, denn seine Frau kam ihm doch sehr blaß vor. Und er bereute schon wieder, häßlich gedacht zu haben. „Doris?" Sie sah ihn einen Herzschlag lang an, dann schloß sie die Augen wieder. „Mir ist gar nicht gut, Richard." Es war nur ein Flüstern. Da beugte sich der Mann nieder und küßte sie. „Doris! Bleib liegen! Ich sorge mich um dich. Du bist sehr blaß." Sie hatten die Tage in Berlin ein sehr gutes Leben miteinander geführt. Doris war nicht kokett und oberflächlich gewesen. Und er wurde an sich, an ihr und all den Gedanken irre, die er in letzter Zeit gehegt. Doris strich über seine Hand. "Du bist sehr gut, Richard. Sorge dich aber nicht. Es geht schon vorüber." Da ging er leise wieder hinaus. Wenn sie jetzt schlief, war es vielleicht schon bald wieder behoben, dieses Unwohlsein. Als er das Zimmer verlassen hatte, richtete sich Doris sofort auf. „Es ist geglückt! Ich bin krank! Und auf diese langwierige Reise gehe ich bestimmt nicht mit!" sagte sie leise vor sich hin. Dann legte sie sich wieder zurück. Es blieb dabei. Doris sagte, sie müsse sich erkältet haben, und sie könne unmöglich jetzt eine längere Reise mitmachen. So bliebe doch viel lieber hier, wo sie es gemütlich habe. Und Richard möge doch lieber nicht gar so lange bleiben, dann sei man doch auch wieder beisammen. Und ihr würde sicherlich die Ruhe sehr gut tun. Richard Feller biß die Zähne zusammen. Also doch! Doris blieb hier, um Doktor Farnhorst bei sich 3u empfangen! So viel wußte er nun! Und mit diesem Bewußtsein kam zugleich die Erkenntnis, daß Doris auf der Berliner Reise durch ihre anschmiegende Liebenswürdigkeit ihm gegenüber nur abermals ein verwerfliches Spiel getrieben! Daß sie ihn nur hatte in Sicherheit wiegen wollen. Sei es drum! Dann also jetzt gleich den letzten Schnitt ins Herz! Je eher, desto besser war es sowieso. „Das tut mir aber sehr leid, Doris. Ich hatte mich wirklich sehr auf diese Reise mit dir zusammen gefreut. Dann muh ich aber allein reifen, wenn du dich nicht wohlfühlst. Ich werde mich also tunlichst beeilen — werde sehen, recht schnell wieder bei dir zu fein." „Das ist lieb von dir, Richard." „Ich denke, daß die Reise aber trotzdem drei bis vier Wochen dauern wird." Er bemerkte nur zu gut, wie sie heimlich aufatmete, und eine jähe Lust kam ihm, der Frau, die ihn mit zynischer Selbstverständlichkeit betrügen wollte, die weiße Kehle zuzudrücken. Aber er trat zurück. „Wann reift du?" „Ich werde heute abend noch packen. Ich reise am besten schon morgen früh, da ich ja nun auf deine Reisevorbereitungen keine Rücksicht zu nehmen brauche. Möchtest du jetzt nicht lieber schlafen?" „Ja! Ich glaube, ich schlafe ein bißchen!" Er beugte sich zu ihr, küßte sie. Aber er wußte, daß er mit dieser Liebkosung gelogen hatte. Denn er haßte diese Frau bereite in dieser Minute. Schnell ging er hinaus. Doris aber sah ihm unter halb geschlossenen Lidern nach und dachte: Du Tor! Du leichtgläubiger Tor du! Oh, könnte ich doch aus dieser Ehe wieder heraus! Am anderen Tage reifte Feller gegen neun Uhr früh. Da Doris nie zeitig aufstand, jetzt, da sie vorgab, krank zu fein, dieses Aufstehen gleich gar nicht zu erwarten war, ging er zu ihr ins Schlafzimmer, um sich von ihr zu verabschieden. Er hatte es so eingerichtet, daß er in höchster Eile war, und so war der Abschied nur kurz. Als ihr Mann unten mit dem Wagen davonfuhr, dachte die leichtsinnige Frau: Richard war sonderbar! Hat er Verdacht geschöpft? Dann aber lachte sie und streckte sich wohlig aus unter der seidenen Decke. Er hat keinen Verdacht geschöpft. Ich bin ja Erfunden und erlogen. Vom Gaupresseamt wird mitgeteilt: Es liegt Veranlassung vor, erneut darauf hinzuweisen, daß die von dem Luxemburger Sender aufgefteUten Behauptungen, der Reichsjugendführer Baldur von Schirach sei mit zwei Millionen Mark flüchtig und an der Grenze angeschossen worden, frei erfunden und erlogen sind. Baldur von Schirach ist unlängst auf das leider auch von unverantwortlichen Volksgenossen weiter- getragene und aufgebauschte Schwindelmanöver in einem Zwiegespräch am Mikrophon des Deutschlandsenders eingegangen und hat klargestellt, daß die Gerüchte erfunden sind, um Glauben, Vertrauen und Achtung in Deutschland zu unterminieren. Es ist Pflicht jedes einzelnen, gegen weitere Gerüchtemacher rücksichtslos einzuschreiten und sie in jedem Fall der Polizei zur Bestrafung zu übergeben. Heichöfachschast für Badebetriebe. Lin Aufruf des Gruppenleiters. Als Leiter der Reichsfachschaft für Badebetriebe, Gruppe Kaltwasserbäder, die in der Reichsarbeitsgemeinschaft der Berufe im sozialen und ärztlichen Dienst und als solche in der Gesundheitsfront aufgestellt ist, unterstehen mir die Belange des gesamten deutschen Kaltwqsserbade- roefens. Dasselbe umfaßt sämtliche privaten Strandbäder, Schwimmbäder und Hallenbäder. Außerdem gehören zu meiner Gruppe sämtliche Pächter von privaten oder städtischen Badeanlagen Deutschlands. Ich fordere hiermit die oben angeführten Besitzer oder Pächter von Strand-, Schwimm- und Hallenbädern Deutschlands auf, sich bei mir zum Eintritt in die Reichsfachschaft anzumelden. Mit der Mitgliedschaft zur Reichsfachschaft ist die Zugehörigkeit zur Deutschen Arbeitsfront verknüpft. Sämtliche Interessen und Wahrnehmungen ihrer Berufsbelange finden die oben angeführten Berufszweige nur in der mir unterstellten Reichsfachschaft. Die genaue Anschrift lautet: Otto Mackh, kommissarischer Leiter der Reichsfachschaft für Badebetriebe, Gruppe Kaltwasserbäder, Frankfurt a. M.-Eschers» heim, Strandbad Mackh. Heil Hitler! Gez. Otto Mackh, kommissarischer Gruppenleiter der Reichsfachschaft für Badebetnebe, Gruppe Kaltwafserbäder. Gewerbefreiheit — Berufsstand. Von der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: Die Industrie- und Handelskammer Gießen macht darauf aufmerksam, daß es den Grundsätzen nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik zuwiderläuft, wenn Aufträge zur Beförderung von Personen und Lasten an sogenannte Gelegenheitsfuhrunternehmer vergeben werden. Für die Ausführung derartiger Transporte ist nur das ortsansässige Gewerbe der Kraftwagen- und Fuhrunternehmer heranzuziehen. Wer in Zukunft noch solche Aufträge an Firmen ober Unternehmungen gibt, die nicht ausdrücklich diesem Gewerbezweig angehören, und in diesem hauptberuflich tätig sind, schädigt bewußt und absichtlich das notleidende Fuhrgewerbe. Schwarzarbeit ist grundsätzlich verboten. Wir werden gegen diejenigen, die solche Aufträge in Schwarzarbeit vergeben, und gegen diejenigen, bie sie ausführen, in Zukunft vorgehen. Kapital- und Kleinrentner. Von der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes der deutschen Kapital- und Kleinrentner wird uns geschrieben: „Der Reichsbund der deutschen Kapital- und Kleinrentner in Berlin W 30, Münchener Straße 33, ist die einzige offiziell anerkannte Organisation für diese Gruppe von Volksgenossen im Rahmen des ständischen Aufbaus des Staates; eine Ortsgruppe dumm, so etwas zu denken. Und nun soll Fritz Farnhorst erst einmal beweisen, ob er wirklich so kalt und unnahbar bleibt, wie er sich immer zeigt — mir gegenüber zeigt! Fünftes Kapitel. Acht Tage nach der Abreise Fellers erhielt Fritz Farnhorst folgenden Brief: „Sehr geehrter Herr Doktor! Es war mir bisher nicht möglich, mit Ihnen allein einmal länger zu sprechen. Ich muh aber doch einmal aus der Vergangenheit etwas berühren. Darum bitte ich Sie, auf ein Stündchen zum Tee zu kommen. Meine Schwiegermutter ist auch auf Besuch, und so ist ja jeder Anstand gewahrt. Die alte Dame wird uns eine Viertelstunde allein lassen. Die Sache ist schnell besprochen. Werden Sie kommen? Heute gegen 20 Uhr erwarten wir Sie. Mit freundlichem Gruß Doris Feller." Eine harmlose Sache. Eine Sache, die durch die Anwesenheit der alten Frau Kommerzienrat Feller vollständig sanktioniert wurde. Er konnte also hingehen. Obwohl er nicht wußte, was diese Frau noch mit ihm aus der Vergangenheit zu besprechen hätte. Wenn es eine Falle wäre? Nein! Was dachte er denn da für einen Unsinn zusammen?, Das war ausgeschlossen. Und Doris würde es niemals wagen, sich derart in die Hände ihrer Dienstboten zu gebe*n. Diese Einladung an ihn konnte sie wirklich nur an ihn ergehen lassen, wenn ihre Schwiegermutter anwesend war. Er mußte wohl hin. Wenig genug lag ihm daran. Und er wußte aus den Worten des Chefs, daß der ihm vertraute. Nicht nur in geschäftlicher Hinsicht vertraute, sondern wohl in erster Linie auf seine Ehrenhaftigkeit baute, die Ehe eines anderen hochzuhalten. Fritz Farnhorst war mittags ein Stündchen herübergekommen. Hatte den Brief vorgefunden. Ohne Marke, ohne Stempel. Ein Dienstbote muhte ihn aus der Villa Feller herübergebracht haben. Farnhorst sah sich um. Alles war ihm fremd geworden, nichts erschien ihm mehr lieb und vertraut. Alles war kalt, gab ihm nichts mehr. Und erst war dieses kleine Heim mit eigenen Möbeln sein Heiligtum gewesen. Nora! Nora Nordström, die schöne, wunderschöne, liebe Frau, die er noch immer liebte, und die sich doch hinter ihrem Alter versteckte, um ihm die Tatsache leichter zu machen, daß sie nur mit ihm gespielt hatte. Denn wie hätte sie ihn sonst verlassen können für immer? Hatte er nicht an ihre Wiederkehr geglaubt? Vorbei! Alles vorüber, was fein Leben auf kurze Zeit f» unendlich reich und schön gemacht hatte! Nora kam nicht mehr zu ihm zurück! (Fortsetzung folgt.) befindet sich hier in Gießen bei Herrn Wilhelm Ma des, Hitlerwall 47. A - Klasse: 6. Nauborn I Somit heraus: Preisverteilung bei den Segelfliegern in 1. 2. 3. 4. 5. 1. Steinbach II 2. MTV. Gießen I 3. Dornholzhausen I Ballersbach I Steinbach I 1846 Gießen II Hörnsheim I Holzheim I 6 Punkte 5 „ 3 „ 0 „ 4 „ 2 „ 0 „ 10 Punkte 7 7 „ 4 „ 2 „ 0 „ SJixfport Gießener Leichtathleten in Offenbach und Diez In den nun folgenden Entscheidungsspielen dec beiden ersten Sieger stellte sich folgende Siegerfolge für sich entscheiden konnte. B - Klasse 1. Gruppe: Dornholzhausen I Alsfeld I Krofdorf I Blasbach I 2. Gruppe: Steinbach II MTV. Gießen I Holzheim II wurde zwischen Gießen und Steinbach ein Spiel um den 2. und 3. Platz nötig, das Steinback Der Bund erstrebt eine auf gesetzlicher Grundlage beruhende Altersversorgung der durch Geldentwertung ihrer Alterssicherung beraubten Dolks- rwie den Schutz der Rechte des Sparers Ausklang auf der Wafferkuppe. Nachdem durch die sonntäglichen überragenden Streckenflüge das Gesamtergebnis und auch eine Reihe von Einzelresultaten noch wesentliche Veränderungen erfuhren, wurde die für Sonntag vorgesehene Preisverteilung und Siegerehrung auf Mon- tag verschoben. In Abwesenheit des Präsidenten des Deutschen Luftsport-Verbandes, Bruno L o e r z e r, der am Sonntag wieder abreisen lnußte, nahm der Leiter des Wettbewerbes, Prof. Dr. Georgii- Darmftadt, die Siegerehrung vor. Prof. £>r. Georgii dankte den Teilnehmern für die in diesem Jahre besonders hervorragenden Leistungen. Am erfolgreichsten schnitten na urllch die Rekordleute Heini D i t t m a r und Wolf H l r t h ab^ aber auch Peter Riedel, Ludwig H o f m a nn Wt eg- meyer und verschiedene Jungflieger sind m der Siegerliste verzeichnet. Aus der Siegerliste. schauung kennen zu lernen, sogar selbst zu fliegen. Ein wichtiger Augenblick ist es, zum ersten Male in der Maschine zu sitzen. Die ersten Hebungen erfolgen auf dem Boden. Interessanter ist es wieder, wenn man sich nachher schon etwas darüber erhebt. Die innere Erregung wird niedergekämpft, nach einigen gelungenen Sprüngen ist man vollkommen ruhig und vertraut der Maschine und dem eigenen Können. Wie schnell lernt sich doch das Segelfliegen! Nach 15 Starts finden sich schon einige, die die A-Prüfung ablegen. Sie erfordert eine Flugdauer von 30 Sekunden. Dabei wird eine Strecke von etwa 400 Meter geflogen und eine Hohe von einigen Metern erreicht. Die A-Prüfung wurde von neun Teilnehmern abgelegt, bei etwas mehr Schulung wären vielleicht alle dahin gekommen. Aber es Sääss sä h° ' A id^der SeÄugsport gegenwärtig eifrig be> in unlerer engeren fieimat. In Nieder- ÄX71. Juli bi- 28. Juli ein Segel- m-a?rkur us^ftatt Das Fliegerlager lieat am Ost- fliegerturfu ) i Westen schweift der Blick de- vhmwles ^cacy (m ^^^rgrunde in di^Labnberge übergeht, nordwestlich erhebt sich die Amöneburgs die weite Umgebung beherrschend. Schon allein der Aufenthalt an diesem herrlichen Nlake wirkte erhebend aus leben Teilnehmer, viel- mebr noch der Gedanke, das Segelfliegen, von dem man schon so viel gehört hat, nun aus eigener An- hatte. Dieses „von feiten", „von meiner Seite" usw. richtet heute meist in der Form „seitens", „meiner- ieits", „Ihrerseits" usw. viel Unheil an. Eine Bekanntmachung: „Seitens der Badedirektion wird verfügt..." wäre dem eigentlichen Wortlaut nach so zu verstehen, daß nicht die Direktion selbst, sondern nur jemand von ihrer Seite die Verfügung erläßt. Diesen Sinn will die betreffende Stelle aber sicher nicht in ihre Worte gelegt wissen. Also schreibe man nie unbestimmt: „seitens, meinerseits, Ihrerseits" usw., wenn bas bestimmte: „Von mir, von Dir, von Ihnen" usw. gemeint ist. In den Fehler verfällt man nicht, wenn man die Tatform und nicht die lateinischer Schreibart nachgeahmte Leideform gebraucht. Also: „Die Badedirektion ordnet an... (nicht: „Don oder gar seitens der Bade- direktion wird angeordnet"). „Wir lehnen die Haftung für den Schaden ab" (nicht: „Don uns ober gar unsererseits wirb bie Haftung abgelehnt"). läge liegenbe Platz ist von der Altersvereinigung 1879/1929 errichtet worden. Die Schutzhütte auf der Theodorsruh ist f. Z. von der „Heimatvereinigung Schiffenberg" und Dem Verkehrs- und Verschönerungsverein gemeinschaftlich errichtet worden. Zur Markierung der Wege zur „Theodorsruh" durch den DHC. hat auch die „Heimatoereinigung Schiffenberg" zehn Mark gestiftet. ** „Seiten s", „meinerseits" und ähnliches. Der Zeitschrift „Deutscher sprich deutsch" des Deutschen Sprachvereins entnehmen wir: Die Wendungen „von feiten", „von dieser Seite", „von meiner Seite" usw. gebrauchte man früher, wenn mit der Bemerkung ein unbestimmter Jemand und keine bestimmte Stelle gemeint war. In dem Satz: „Don feiten des Klägers kam der Einwand...", war es also offen gelassen, ob der Kläger selbst ober irgenbjemanb von seiner Seite, vielleicht sein Rechtsanwalt, ein von ihm bestellter Sachverstänbi- ger ober ein Zeuge, bie Behauptung aufgestellt ketten erhielten 1. Heini Di11mar, Peter R i e» b e l unb Hanna Reitsch für 581 Kilometer, 2. Hofmann, Wiegmeyer, Philipp für 473 Kilometer unb 3. Schmibt-Königsberg, Pernthaler-Dessau unb Carius-Leipzig für 289 Kilometer. Der Preis mürbe unter bie brei Ketten im Verhältnis ber erzielten Flugstrecke verteilt. Von bem mit 1500 RM. ausgestatteten Dauerflugpreis fielen 540 RM. an ben Leipziger Carius mit einem Flug von 8:59 Stunben, 500 RM. an Caroli-Heilbronn für einen Flug von 8:12 Stunben unb 460 RM. an Hakenjos-Schwenningen für einen Flug von 7:49 Stunben. Der Preis für bie größte Streckensumme würbe in zwei Klassen ausgeflogen unb unter folgenbe Bewerber verteilt: Klasse Al: Lub- wig Hofmann-Mannheim für 1177 Kilometer Gesamtstrecke 800 RM: U t e ch - Darmstabt für 544 Kilometer 375 RM.: Philipp- Berlin für 474 Kilometer 325 RM. — Klasse Bl: Fischer- Darmstabt für 432 Kilometer 580 RM.: S p ä t h e - Chemnitz für 378 Kilometer 515 RM. unb Bergens- Berlin für 299 Kilometer 405 RM. Den Milseburg- unb Nehring-Ge- bächtnispreis erhielt Lubwig Hofmann- Mannheim. Den Preis für bie größte Gesamt-Flugbauer erhielten Fälsche- Frankfurt mit über 30 Stunben, Hofmann- Mannheim mit 29 Stunben unb Fischer- Darmstabt mit 25 Stunben. Der Höhenpreis unb Preis für bie größte Höhenfumme kann erst nach Prüfung ber Barographen ber von ihren sonntäglichen Ueberlanbflü- gen zurückgekehrten Piloten zugesprochen werben. entroertuna ihrer Alterssicherung beraubten Volksgenossen, sowie den Schutz ber Rechte bes Sparers unb seines Eigentums. Er arbeitet mit aller Tatkraft baran, bah insbefonbere den au Almosenempfängern heradgewürbigten ehrenhaftesten Volksgenossen eine ihren Derbiensten um bie Allgemeinheit entsprechenbe Bewertung unb bie Wieberher- stellung ihrer schuldlos vernichteten Ehre zuteil werde unb sie wieber als vollwertige Glieder unseres nunmehr geeinten Volkes anerkannt werden. Durch das von der nationalsozialistischen Regierung am 5. 7. 1934 verabschiedete „Kleinrentner» Hilfe-Gesetz" ist regierungsamtlich den Kapital- und Kleinrentnern eine Ehrenerklärung und Anerkennung zuteil geworden, die ihnen im nationalsozialistischen Staat den Platz zuteilt, den sie infolge ihrer Vergangenheit und ihres Anteils an Deutschlands Größe verdient haben. Dadurch, daß den Kleinrentnern durch das neue Gesetz wesentliche Verbesserungen unb Vorteile geboten werden, hat war nicht bie Absicht der Veranstalter, hohe fliegerische Leistungen zu erzielen. Es galt vielmehr das Interesse für Die Segelfliegerei allgemein zu wecken unb für ihre hohen Jbeale zu begeistern. Deshalb wurde auch sehr viel von ber Wissenschaft bes Segelfluges geboten. Sehr interessant waren bie theoretischen Unterweisungen über Flugzeugbau, Kerabynamik, Jnstrumentenkunbe, Wetterkunde, ein Vortrag über die Entwicklung des Segelflugsports ufro. Auch in den Modellbau wurde eingeführt. Don jedem Kursteilnehmer wurde eine Flugzeugmodell hergestellt, unb bann fanb ein Wettbewerb in ber Flugdauer ber Mobelle statt. Eines erreichte babei eine Flugzeit von 1 Minute 8 Sefunben bei sehr ungünstigem Winb Den Abschluß bes Lehrganges bildete eine gemeinsame Fahrt auf die Wasserkuppe. Hier ist die hohe Bedeutung der Segelfliegerei für unser Volk am ehesten zu erkennen. Als die Teilnehmer auseinandergingen, fühlte sich jeder verpflichtet, an dem weiteren Ausbau der Segelfliegerei mitzuwirken unb es wurde beschlossen, die herzliche Kameradschaft, die alle während der kurzen Wochen verband, auch weiterhin zu pflegen. Endspiel im Fauslbatt des 8. Turnkreises. Bei herrlichstem Wetter konnten die Spiele auf dem landschaftlich schön gelegenen Universitätsplatz ausgetragen werden. Die Spiele waren von dem Faustballobmann des Kreises, Dr. Wilhelm Loh, gut vorbereitet und konnten unter der Leitung des Kreisschiedsrichterobmannes D r o l s b a ch flott durchgeführt werden. Zwischen zwei Spielgruppen nahm der Kreisführer Daupert das Wort zu einer Gedenkfeier für den verstorbenen Reichspräsidenten. Im einzelnen sind die Ergebnisse des Wettbewerb- folgende: ... und MTV. bei den Oranienkampsspielen in Diez. Bei bestem Sportwetter tarnen am vergangenen Sonntag die VII. Oranien-Kampfspiele in Diez an der Lahn zum Austrag. Die Anzahl der Teilnehmer war wohl gegenüber dem Vorjahre etwas geringer, doch sorgten bie teilnehmenden erstklassigen Kräfte aus Frankfurt, Darmstabt, Wiesbaden, Bonn usw. für recht gute Leistungen. So ist besonders zu erwähnen: Der Weitsprung von Has- singer-Frankfurt mit fast sieben Meter, der 400- Meter-Lauf von Kopp-Wiesbaden, der Speerwurf der hervorragenden Mehrkämpferin L. Pastors- Bonn mit fast 40 Meter (bie übrigens vor wenigen Wochen bie Weltrekorbhalterin Frl. Schuhmann- Essen schlagen konnte) u. a. m. Der Mio. Gießen war bei biefer Veranstaltung nur durch Else Bickelhaupt vertreten. Sie konnte sich durchweg schön durchsetzen und errang einen ersten Sieg, einen zweiten und zwei vierte Plätze. 100-Meter-Lauf: 1. E. Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 13,7 Sek.; 2. L. Nelles, FV. Bonn, 13 Sek., Handbreite zurück; 3. L. Diehl, Spvg. 1900 Gießen. Ein sehr scharfes Brust-an-Brust-Rennen zwischen Frl. Bickelhaupt, Mtv. Gießen, und Frl. Nelles-Bonn, das bie Mtv-erin burch gute Ziel- banbtechnik für sich entscheiden konnte. 200-Meter-Lauf: 1. L. Nelles, Bonn, 28,4 Sek.; 2. E. Bickelhaupt, Mtv. Gießen, ca. 3 Meter zurück; 3. L, Pastors, Bonn. In diesem Rennen konnte sich Frl. Nelles, Bonn, durch kraftvollen Lauf für bie erlittene Nieberlage über 100 Meter revanchieren unb entschieb bas Rennen in ben letzten Metern für sich. Kugelstoßen: 1. L. Pastors, FV. Bonn, mit 10 Meter; 2. F. Gerkes, Wiesbaben, mit 9,80 Meter; 3. L. Nelles, Bonn, 9,48 Meter; 4. E. Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 9,45 Meter. E. Bickelhaupt war von bem kurz vorher burchgeführten 200- Meter-Entscheibungslauf noch stark ermübet, kam aber trotzbem mit einem Wurf glatt über bie 10- Meter-Grenze, boch trat sie hierbei leiber über. L. Pastors stellte mit biefer Leistung ihre bisherige Bestleistung auf. Speexwurf: In biefer Konkurrenz war bie Platzierung genau die gleiche wie beim Kugelstoßen, boch lag hierbei Frl. Pastors weit vor. Auf diese Erfolge feiner Vertreterin kann der Männerturnverein Gießen sehr stolz sein, waren boch alle Erfolge mit harten Kämpfen oerbunben. ber Nationalsozialismus gezeigt, baß er keine Versprechungen macht, wohl aber Taten vollbringt. Mitglieb bes Reichsbundes kann jeher rein arische Volksgenosse werden, dessen Alterssicherung durch die Geldentwertung ganz oder teilweise vernichtet bzw. geschädigt worden ist oder der in Wahrung seiner oder seiner Angehörigen Rechte die Bestrebungen des Bundes unterstützen will. Der Bund tritt grundsätzlich nur für seine Mitglieder ein. Wer nicht Mitglied ist, verzichtet also freiwillig auf die Leistungen des Reichsbundes. Empfänger von Renten aus der Sozialversicherung, soweit sie nicht ausreichendes Kapital durch die Inflation verloren haben, gehören nicht in ben Reichsbunb, sonbern in ben Gesamtverbanb ber deutschen Arbeitsopfer. Das Gleiche gilt sinngemäß für Empfänger von Angestellten-, Kriegsbe- fd)äbigtenrente ober kleinen Pensionen; besaßen solche Rentner aber zugleich auch ausreichende Vermögen, so baß sie von ben Erträgen hätten leben können, so können sie im Reichsbund ausgenommen werden." Gietzener Wochenmarktpreise. * Gießen, 7. Aug. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Lanbbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10%, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25, (gelb) 25, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 9, Kartoffeln (neue) 6 bis 6% Pf., ber Zentner 5 bis 5,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 15 bis 25 Pf., Falläpfel 5 bis 8, Pfirsiche 25 bis 35, Brombeeren 25 bis 30, Preißelbeeren 35, Aepfel 15 bis 25, Birnen 20 bis 35, Pflaumen 12 bis 15, Zwischen 20, Mirabellen 20 bis 25, Reineclauden 18 bis 20, Suppenhühner 80, Tauben, bas Stück 50, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 Pf. * ** Personalien. Das Personalamt bes Hessischen Staatsministeriums gibt bekannt. Ernannt würben: ber Kanzlist Heinrich Scharmann bei dem Amtsgericht Darmstadt, zur Zeit in Gießen, zum Gerichtsvollzieher mit bem Amtssitz in Gießen; ber Kanzleigehilfe bei bem Forstamt Lich, Otto E m m e l zu Lich, unter Berufung in bas Beamtenverhältnis zum Kanzlisten; ber Kanzleigehilfe bei dem Forstamt Grünberg, Georg Mar kart zu Grünberg, unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Kanzlisten; der Polizeihauptwachtmeister auf Probe Karl Jost in Gießen unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Polizeihauptwacht- meifter. — Der Pfleger an der Universitätsklinik für physische und nervöse Krankheiten zu Gießen, Julius O e l s ch 1 ä g e r, wurde auf Nachsuchen und unter Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober in ben Ruhe- Das spielerische Können besonders ber Siegermannschaften war sehr gut, so daß ihr Ausstieg in bie nächst höheren Klassen diese um gute, nicht zu unterschätzende Gegner bereichert. 150 Meldungen zum Sauschwimmfest des Gaues in Nidda. Für bas Gauschwimmfest des Gaues XII am kommenden Sonntag liegen jetzt über 150 Meldungen vor. Um allen Anforderungen für diese Veranstaltung gerecht werden zu können, wurde noch ein viertes Sprungbrett angebracht. Die deutschen Tennis-Meisterschaften. Oer erste Tag in Hamburg. Die internationalen Tennis-Meisterschaften von Deutschland 1934 nahmen am Samstag in Ham- burg-Rothenbaum ihren Beginn. Da ben ganzen Vormittag Regen fiel, konnte mit den Spielen erst am Nachmittag begonnen werben. Vor Beginn der Kämpfe hielt der frühere Präsident des Deutschen Tennis-Bundes, Dr. Weder, eine Gedenkrede für unseren verstorbenen Reichspräsidenten v. Hindenburg. Den Reigen der Treffen eröffneten bann im Herren - Einzel der deutsche Meister Gottfried von (Tramm und ber Ungar Kiß, der gegen von (Tramm nichts zu bestellen hatte. Von (Tramm siegte sehr sicher 6:3, 6:3, 6:4. Don ben übrigen Treffen des ersten Tages — es wurde nur im Herren-Einzel gespielt — ist besonders bas gute Spiel des Düsseldorfers Po h Ihausen gegen den Engländer Tüder) zu erwähnen. Pohlhausen hatte mehrfach Gelegenheit zu Satzgewinn, verlor aber schließlich doch mit 10:8, 4:6, 6:8, 3:6. weitere Ergebnisse: (Tasca (Tschechei) — Dr. Heitmann 6:1, 6:2, 6:3; Tinkler (England) — ©opfert 6:2, 6:2, 6:2; Quist — Kuhlmann 6:2, 6:2, 6:3; Dr. Dessart — Henke 6:1, 8:6, 6:3; Maier — Bruns 6:3, 7:5, 7:5; Ser» torio — v. Gustke 6:4, 6:1, 6:3; Puncec (Jugoslawien) — R. Heydenreich 6:4, 7:5, 8:6; Jänecke — Kühl 6:4, 7:5, 8:6; Turnbull (Australien) — Dr. Kleinschroth 6:1, 6:4, 7:5; Jones (USA) — Schwenker 6:3, 6:2, 6:0; W. Menzel — Hildebrandt 7:5, 3:6, 6:1; Burwill — H. Heydenreich 6:1, 4:6, 6:1, 6:1; Siba (Tschechei) — Tübben 6:3, 6:3, 6:3. Oer zweite Tag. Auch ber zweite Tag ber Internationalen Tennis- Meisterschaften von Deutschland hatte etwas unter der ungünstigen Witterung zu leiden. Auf ben Plätzen am Rothenba^m hatten sich aber trotzdem zahlreiche Zuschauer eingefunben, die aber von den Leistungen der deutschen Nachwuchsspieler stark enttäuscht wurden. Wie schon am Dortage, so schied auch am Sonntag einer nach bem anderen von ben Nachwuchsleuten im Herren-Einzel aus. Teilweise war bie Deklassierung geradezu beschämend. In dieser Beziehung sind besonders die Niederlagen von Werner Wenzel und Gustav Jänecke anzuführen. Werner Wenzel ließ sich von dem jungen Engländer Tinkler 3:6, 3:6, 3:6 ausschalten und Jänecke wurde von Tuckey nicht weniger beschämend mit 2:6, 1:6, 2:6 geschlagen. Zu allem Ueberfluß konnte auch ber Kölner Davispokalspieler Nourney in der zweiten Runde an dem gewiß nicht überragenden Italiener Sertorio nicht vorbeikommen. Ser- torio gewann 10:8, 6:4, 5:7, 7:5. Gottfried von (Tramm gab zwar gegen den Sübslawen Puncec einen Satz ab, siegte aber boch schließlich sicher mit 6:4, 5:7, 6:1, 6:2. In ber oberen Halste bes Herren- Einzels stehen nur mehr Gottfried von Cramm unb Dr. Dessart, in ber unteren Hälfte haben sich Henkell! und G o 11 s ch e w s k y gehalten. Bei ben Damen gab es keine überraschenden Ergebnisse. Am Sonntag wurde das Einzel in Angriff genommen. Cilly Äußern, bie in ber ersten VfB.-Neichsbahn beim BSC. Offenbach. Wie es zu erwarten war, hatte bas „Fest der Leichtathletik" bes Ball-Spiel-Clubs 1899 e.V. Offenbach, an bem bie DsB.-Reichsbahner am vergangenen Sonntag teilnahmen, eine glänjenbe Besetzung gefunden. Es war für die Gießener schon immer schwer, sich gegen die starke Frankfurter Konkurrenz durchzusetzen. Ader auch diesmal waren bie DsB.-Reichsbahner oft schwer zu nehmende Konkurrenten. Lediglich Luh gewann seine Wurfkonkurrenzen sicher. Der DfB.-Reichsbahn schnitt gut ab unb errang drei erste, vier zweite und einen dritten Sieg, bei starker Gegnerschaft aus Frankfurt, Hanau, Darmstadt, Mainz usw. Ergebnisse. Fünfkampf: 1. Acker, Stadtspv. Ffm., 3533 Punkte; 2. Luh, DsB.R., 3211; 3. Witzel, Eintracht Frankfurt, 2929 Punkte. 100 Meter, Klasse III: 1. Kühn, Eintracht, Ffm., 11,12 Sek.; Rodriguez, DfB.-R., 11,24 Sek.; 3. Zamp, Eintracht Ffm., 11,36 Sek. Rodriguez muß im Wettkampf mehr Energie entfalten, um sein wahres Können zu zeigen. 1500 Meter, Klasse III: 1. Burkhard, Tv. Offenbach, 4.26,12 Minuten; 2. Sobezak, DfB.-R., 4.30,03; 3. Sichelschmidt, Pol. Darmstadt, 4.33 Min. Eine feine Leistung des 19jährigen Sobezak, der mit seiner ihm eigenen Kampfkraft noch viel erreichen wird. Diskus, Klasse II: 1. Luh, DfB.-R., 36,81 Meter, 2. Eckard, Pol. Darmstadt, 36,70; 3. Leux, SpCl. 1880 Ffm., 34,16 Meter. Speerwerfen, Klasse II: 1. Jakob, Turnv. Raunheim, 50,80 Meter; 2. Pieh, DfB.-R., 50,55; 3. Kehlmann, Tv. Rumpenheim 44,40 Meter. Der seitherige Reichsbahner Jakob startet nach beendigtem Studium wieder für seinen Heimatverein. Ja- tob und Pieh sind in guter Form. Ihre Leistungen erstklassig. , Kugelstoßen, Klasse I: 1. Luh, DfB.-R., 13,62 Meter; 2. Diehl, Allianz Ffm., 12,62; 3. Leux, SpCl. 1880 Ffm., 12,34 Meter. Luh ist nicht mehr der sichere Techniker. Diskus, Klasse I: 1. Luh, DfB.-R., 37,99 Meter; 2. Leux, SpCl. 1880 Ffm., 36,94; 3. Baß, Eintracht Ffm., 35,97 Meter. Luh gewinnt sicher. Auch hier könnten seine Leistungen höher sein. Weitsprung, Klasse I: 1. Acker, Stadtspv. Ffm., 6,47 Meter; 2. Witzel, Eintracht Ffm., 6,15 Meter- 3 Luh, DfB.-R., 6,03 Meter. Mit diesem Platz hat sich Luh wieder in fünf Konkurrenzen durchgesetzt. Der Fernsegelflugpreis von 4500 RM. wurde Heini D i 11 m a r für fernen ^^.Kilometer- Flug und Wolf H i r t h für seinen Flug oon 351 Kilometer zugesprochen, und zwar erhielt Dtttmar 2330 RM Hirth 2170 RM. In den F e r n z i e l f lug preis teilen sich Wolf Hirth und ber Ber- ,in-r°PhülpP mit j- 2000 RM D.e ch°°r°n Bedingungen des Zi-lslug-s sur Flugzeug ketten erfüllten die Stuttgarter Bau r, H a k e n to as WLSWWx |?Ä ’i» ™ Segelfliegerkursus in Rieder-Ofleiden Gin Teilnehmer erzählt. ftanb versetzt. ** Versetzungen von Forst beamten. Mit Wirkung vom 1. Juli 1934 würben in gleicher Diensteigenschaft auf Grunb ber Neuorganisation folgende Versetzungen von Forstbeamten vorgenommen: E. Oberheim von der Försterei Liß- berg des Forstamts Konradsdorf in bie Försterei Schwickartshausen bes Forstamts Konrahsborf; K. Kipper von ber Försterei „Häuser Berg" bes Forstamts Lich in bie Försterei Langsborf bes Forstamts Lich; R. Hofmann von ber Försterei Schwickartshausen bes Forstamts Konrabsdorf in die Försterei Ober-Lais bes Forstamts Konrabsdorf; Fr. Reeg von ber Försterei IHfa bes Forstamts Eichelsborf in bie Försterei Eichelsborf bes Forstamts Eichelsborf; K. F r a n k von ber Försterei Stornfels bes Forstamts Eichelsborf in bie Försterei Rainrob bes Forstamts Eichelsborf; Ab. Bauer von ber Försterei Altheim bes Forstamts Dieburg in bie Försterei Merlau bes Forstamts Nieder- Ohmen; W. Sann von ber Försterei Frankel bes Forstamts Walb-Michelbach in bie Försterei Elben- rob bes Forstamts Euborf; K. Ahlbranb von der Försterei Konrabsdorf des Forstamts Konrads- borf in die Försterei Glaubzahl des Forstamts Nidda; R. Göbel von ber Försterei Kirtorf bes Forstamts Kirtorf in bie Försterei Meiches bes Forstamts Stornborf; O. H e ß von ber Försterei Leihgestern bes Forstamts Schiffenberg in bie Försterei Gambach bes Forstamts Butzbach; J-Hch Urbach von ber Försterei Pferbsbach des Forstamts Bübingen in die Försterei Düdelsheim des Forstamts Düdelsheim; W. Klipstein von ber Försterei Ober-Lais des Forstamts Konradsdorf m bie Försterei Bayerseich des Forstamts Kranichstein. ** Mufgehobene Straßensperre. Aus ber Provinzialstraße Gießen—Londorf ist die Straßensperre in der Ortsdurchfahrt Daubringen wieder aufgehoben worben. ** Unsere Gießener Walbungen in Wort unb B i l b". Der im Gieß. Anz. vom Samstag, 4. August, erschienene Aussatz „Un ere Gießener Walbungen in Wort unb Bild" bebar in einigen Punkten ber Richtigstellung: Der Weg mm Hirtenbrunnen zweigt nicht von ber vierten, sondern von ber fünften Schneise am Alten Steinbacher Weg ab. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, beabsichtigt ber DHC. Gießen, ber bie Einlage unb Unterhaltung ber Markierungen im Umkreise unserer Stabt betreut, bie Anbringung eines hinweisenben Schilbes. (Wie sehr wir übrigens mit un erem Aufsatz ben Wünschen ber naturliebenben Bevölkerung entgegengekommen sinb, beweist ber Umftanb baß gerabe ber Hirtenbrunnen am Sonntag bas Ziel zahlreicher Spaziergänger war.) — Der Platz am Lubwigsbrunnen würbe von ber Altersvoreinigung 1882/1932 (nicht 1883/1933) her- gerichtet. Der etwa 100 Meter hinter biefer An- Runde Rast hatte, schlug Frl. Hein muhelos 6:2, 6:1. Frau Krahwinkel-Sperling blieb über Frl. Trede 6:2, 6:2 erfolgreich. Bei den Damen ist die erste Runde durchgespielt, auch die zweite wurde mit wenigen Ausnahmen erledigt. Die..letzten Acht" im Herreneinzel. Bei den Internationalen Deutschen Tennismeisterschaften in Hamburg wurden am Montag die „letzten Acht" im Herreneinzel ermittelt. Erfreulicherweise befinden sich unter ihnen neben Meister von Cramm auch die beiden Nachwuchsspieler Henkel II und Gottschewsky, während Dr. Dessart (Hamburg) von dem Australier Quist ausgeschaltet wurde. Gottfried von Cramm besiegte sicher den Polen Hebda mit 6:0, 6:4, 7:5, wobei er sich im dritten Satz anstrengen mußte, den Kampf ohne Satzverlust zu beenden. Henkel II warf den englischen Juniorenmeister Hare 7:5, 6:3, 6:0 aus dem Rennen und der junge Kieler Gottschewsky besiegte den Tschechen Cernoch 7:5, 6:1, 6:3; die drei siegreichen Deutschen gaben also keinen Satz ab. Dr. Dessart spielte gegen den australischen Davispokalfpieler Quist eine hoffnunglose Partie, Quist siegte 8:6, 6:2, 6:4. Unter den „letzten Acht stehen noch die Engländer Tuckey und Tinkler, der Italiener Sertorio und der Amerikaner Burwell. Die Ueberraschung des Tages war der Sieg Sertorio s über den schwach spielenden Australier Hopman, der Italiener gewann 6:4, 8:6, 7:5. Tuckey schlug den Tschechen Bodicka 6:4, 6:3, 4:6, 4:6, 4:6; Tinkler bezwang den Amerikaner Jones 4-6, 6:2, 8-6, 7:5 und Burwell warf den letzten Tschechen, Siba, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3, 7:5 aus dem Rennen. Der Montag brachte noch einige Doppelspiele, bei denen es aber keine Ueberrafchungen gab. .Tag des Pferdes- und großes Reitturnier in Darmstadt. Der diesjährige „Tag des Pferdes", der mit einem großen Reit- und Fahrturnrer verbunden fein wird, findet in Darmstadt am Samstag den 1. und Sonntag, den 2. September 1934 statt. Es ist diesmal ein besonders großes Programm vorgesehen mit einer Anzahl erstklassiger Wettbewerber es werden die bedeutendsten Turnierreiter und Reiterinnen Deutschlands erwartet. Im Mittelpunkt be« diesjährigen Turniers steht der „Preis der Stadt Darmstadt", ein schweres Jagdspringen. Außerdem enthält das Programm eine große Anzahl Dressurprüfungen für Jagdpferde und mehrere Fahrkonkurrenzen für städtische und gewerbliche Gespanne. Auch ein Einspännerfahren und em Zweispännerfahren sind ins Programm ausgenommen. Ein weiterer besonders wichtiger Wettbewerb wird die große Vielseitigkeitsprüfung für die SA.- Reiterstürme sein; vervollständigt wird das diesjährige Programm wieder durch eine Anzahl Schaunummern. Am 1. und 2. September wird also Darmstadt wieder im Zeichen des Pferdes stehen. sich im Leuchten verzehre, so habe unser Reichspräsident und Generalfeldmarschall von Hindenburg mit seiner ganzen Kraft bis in die letzten Tage vor feinem Tods, dem deutschen Volke und Vaterlande gedient. Mit dem Gesang des Liedes „Harre meine Seele" wurde die Gottesdienftfeler geschlossen. Preußen. Ehrenmalweihe in Hanau verschoben. * Hanau, 6. August. Der A r bei t s a u s ° schuh Ehrenmal und Frontkämpfer- t a g Hanau teilt mit, daß die für den 11., 12. und 13. August angesetzte Weihe des Ehrenmales für die im Weltkrieg gefallenen Sohne von Hanau Stadt und Land sowie der damit in Zusammenhang stehende Frontkämpfertag aus Anlaß der Landestrauer um den verstorbenen Reichspräsidenten abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt ver- schoben werden mußten. Kreis Wetzlar. * Raunheim, 6. Aug. Beim Stroh ab - laden in der Scheune stürzte ein hlesiaer Einwohner vom hoch beladenen Erntewagen in die Tiefe und zog sich u. a. einen B r uch de r W i r - belsäule zu. An den schweren Verletzungen ist er g e st o r b e n. Der Fall ist umso tragischer, als der Verstorbene nur einem Bekannten beim Dreschen geholfen hatte. Oberwesterwaldkreis. * Vom Westerwald, 6. August. Der vor einigen Tagen beim Ueberschreiten der Straße verunglückte Landwirt Eberhard Wehr aus Lichter- möhrendorf, der von einem Motor r a d» fahrer angefahren wurde und mit einem schweren Schädelbruch sowie mit einem Bruch des linken Beines in die Chirurgische Klinik nach Gießen eingeliefert werden mußte, ist in der Klinik seinen schweren Verletzungen erlegen. Erweiterung der Gleisanlagen des Opel-Bahnhofes. LPD. Rüsselsheim, 6. Aug. Infolge der anhaltenden Produktionssteigerung werden bie Gleisanlagen des hiesigen Opel-Bahnhof es erweitert. Außerdem ist man damit beschäftigt, Ausschachtungsarbeiten für einen großen mehrstöckigen Fabrikneubau uni) eine geräumige Lagerhalle vorzunehmen. Die Arbeiten haben sich natürlicherweise auf dem Arbeitsmarkt vorteilhaft ausgewirkt. Wirtschaft. Oberheffen Landkreis Gießen. § Beuern, 6. Aug. In unserer Gemeinde ist der merkwürdige Fall zu verzeichnen, daß von einer Familie vier Generationen (Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und Kinder) nicht nur noch leben, sondern daß in allen Generationen beide Ehegatten noch am Leben sind und daß sie alle zusammen im gleichen Hause wohnen, wie dies ja wohl nur auf dem Lande vorkommen kann. Erwähnt darf vielleicht noch werden, daß sie auch einig beieinander wohnen. Es ist dies die Familie des 79jährigen Landwirtes Jakob Walther und seiner Ehefrau Lina, geb. Hof. ? Lich, 6. Aug. Am Sonntagnachmlttag ereignete sich am Ortsausgang in Rieder-Bessingen ein folgenschwerer Motorradunfall. Don einem mit drei Personen besetzten Motorrad stürzten zwei bei hoher Fahrtgeschwindigkeit ab. Der Schreiner Fritz Bender aus Lich blieb in schwerverletztem Zustande besinnungslos liegen. Außer schweren Gesichtsverletzungen erlitt er eine G e - Hirnerschütterung; der zweite Gestürzte erlitt nur geringfügige Verletzungen. Bender wurde in das hiesige Städtische Krankenhaus eingeliefert. Kreis Büdingen. M Nidda, 6. Aug. Am Sonntag gegen 18 Uhr ereignete sich auf der Straße zwischen Nidda und Bad Salzhausen ein schwerer Motorrad- unfalL Der Sohn des Schlossermeisters Reu sch von hier begegnete, als er nach Bad Salzhausen fahren wollte, unterwegs seinen Eltern und Bekannten, die bei der Familie Reuß zu Besuch weilten. Der Motorradfahrer sah sich dabei nach seinen Eltern um und verlor dadurch, als er gerade in eine Kurve einbiegen muhte, die Richtung und fuhr heftig gegen einen Baum. Er erlitt bei dem Anprall einen Bruch des linken Armes und des linken Oberschenkels. Eltern und Bekannte, vor deren Augen er verunglückte, leisteten dem bedauernswerten jungen Manne die erste Hilfe. Der Verunglückte mußte sofort in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Sein Befinden ist den Umständen entsprechend gut. Krets Smotten. V Schotten, 6. Aug. Die Anteilnahme der Stadt am Heimgang unseres unvergeßlichen Reichs- präsidenten ist allgemein sehr groß. Die ganze Stadt hat Halbmast geflaggt. Zwei Trauergottesdienste, in denen Dekan Widmann des großen Toten gedachte, waren überfüllt. Die politischen Organisationen, SA., HI., Jungvolk usw. nahmen geschlossen teil. * Glashütten, 6. August. Dieser Tage wurde hier im Scharmannschen Saale auf Anregung und im Beisein von Regierungsrat Schwan vom Kreisamt Schotten und Kreisfeuerwehrinspektor E b e r h e i m auch in unserem Orte eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Die hiesige Wehr ist, wie Regierungsrat Schwan u. a. ausführte, in den 53 Gemeinden des Kreises Schotten die 50. Freiwillige Wehr. Der Gründungsabend nahm einen schönen Verlauf. Kreis ?usield. # Ober-Ohmen, 6. Aug. Auf der Omnibuslinie Ulrichstein—Mücke verkehrte dieser Tage erstmalig ein Wagen im neuen Farbengewand e der Reichspost. Das Helle Rot, abgesetzt mit einem weihen Streifen rings um den Wagen, sowie das Hoheitsabzeichen der NSDAP, zu beiden Seiten geben dem Wagen ein gefälliges Aussehen. § Ober-Ohmen, 6. Aug. Im Zusammenhang mit dem großen Brand, dem kürzlich hier mehrere Scheunen, Stallungen und ein Wohnhaus zum Opfer fielen, ereignete sich eine rührende Begebenheit. Der Landwirt Heinrich Krebs, dessen Stallungen leerstehen, da er den Betrieb infolge seines Alters aufgegeben hat, hatte das Vieh des Landwirts Heinrich 011 e r b e i n, dessen Ställe beim Brand geräumt werden mußten, bei sich eingestellt. Kurze Zeit danach kam auch das Pärchen Stallschwalben aus dem brennenden Gehöft nach einigem Hin- und Herkreisen angeflattert und nistete sich bei dem Vieh in dem neuen Stall ein. ss. Grebenau, 5. August. Am Freitagabend fand in unserer Kirche ein Gottesdienst anläßlich des plötzlichen Hinscheidens unseres unvergeßlichen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg statt. Pfarrer Müller (Grebenau) sprach ernste Worte und ermahnte alle, nach dem Vorbld unseres hochverehrten Reichspräsidenten zu leben und zu wirken. Wie eine strahlende Kerze Festpreise für Futtermittel. Bei der Festsetzung der Preise für Brot- und Futtergetreide ist bereits angekündigt worden, daß sinngemäß auch eine Preisbildung bei den wichtigsten Futtermitteln erfolgen soll. In Verfolg dieser Ankündigung hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft die neugeschaffenen Organe der Getreidewirtschaft angewiesen, unverzüglich Festpreise und Handelszuschlage für Kleie festzusetzen. Der Sinn dieser Regelung ist, die Preise für Kleie in ein angemessenes Verhältnis zu den Festpreisen für das Getreide und zu den Preisen für sonstige Futtermittel zu bringen. In Anwendung dieses Grundsatzes werden ferner in Kürze auch die Preise und Handelszuschlage für zuckerhaltige und andere wichtige Futtermittel gebunden werden. Schvttener Sommermarkt. X Schotten, 6. Aug. Bei schönstem Wetter wurde heute der altbekannte Sommermarkt begonnen. Reicht fein Viehmarkt auch nicht mehr an die Bedeutung der Vorkriegsjahre heran, so waren doch gute Anzeichen zur Wiederbelebung festzustellen. Eine große Menschenmenge hatte sich heute morgen eingefunden. Der Pferdemarkt war sehr gut beschickt und fand viele Interessenten. Aufgetrieben waren etwa 100 Fohlen und etwa 70 Pferde, teils schönes Material. Zum Verkauf auf dem Nutzvieh m a r f t waren etwa 50 Stück Großvieh und 30 Stück Kleinvieh, ferner Bullen und Jungvieh aufgetrieben. Der Handel war lebhaft. In den Straßen der Stadt sind zahlreiche Verkaufsstände aufgeschlagen, so daß das Stadtinnere das altbekannte Bild des Svmmermarktes bietet. Wegen der Trauer um unseren Reichspräsidenten fallen heute und morgen die Lustbarkeiten aus. Morgen findet der Schweinemarkt statt. Am Mittwoch spielt sich der Hauptmarkttag mit Krämermarkt in der üblichen Form ab. Mark und bis zu dreizehn Wochen bis zu 18 Mark. — Auf dem Ziegenmarkt wurden bei Muttertieren und Ziegenlämmern mehrere Verkäufe abgeschlossen und bei der von dem Kreisziegenzuchtverein Gießen abgehaltenen Versteigerung von Zuchtböcken je Stück von 40 bis zu 108 Mark erlöst. Mit dem Ziegenmarkt war eine Prämiierung verbunden. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 6. August. Auftrieb:' Rinder insgesamt 1461 (am letzten Montagsmarki 1209), davon 525 Ochsen, 95 Bullen, 344 Kühe und 497 Färsen. Kälber 508 (576), Hammel 30 (33), Schafe 31 (9), Schweine 4180 (3865). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in RM.: Ochsen al) 33 bis 34, a2)--, b) 30 bis 32, c) 27 bis 29, d) 22 bis 26. Bullen a) 30 bis 31, b) 28 bis 29, c) 25 bis 27, d) 22 bis 24. Kühe a) 30, b) 26 bis 29, c) 20 bis 25, d 13 bis 19. Färsen a) 33 bis 34, b) 31 bis 32, c) 27 bis 30, d) 23 bis 26. Kälber Sonderklasse nicht notiert, andere a) 42 bis 45, b) 37 bis 41, c) 32 bis 36, d) 24 bis 31. Hammel b2) 34 bis 35, c) 31 bis 32. Schafe e) 32. Schweine a) 50 bis 52, b) 49 bis 52, c) 48 bis 51, d) 44 bis 49, e und f)--, gl) 44 bis 46, g2) 40 bis 43. 101 Schweine der Klaffe al) wurden zum festen Preis von 50 RM. aus dem Markte genommen. Jrn Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt blieben Rinder und Schweine unverändert, nur Bullen konnten sich um 1 bis 2 befestigen, ferner waren Kälber um 3 bis 4 RM. erhöht. Marktverkauf: Rinder ruhig, nahezu ausverkauft. Kälber, Hammel und Schafe ruhig, geräumt. Schweine anfangs rege, später abflauend, ausverkauft. Fleischgroßmarkt: Beschickung: 620 Viertel Rindfleisch, 79 ganze Kälber, 7 ganze Hammel und 266 Schweinehälften. Preis für 1 Zentner frisches Fleisch in RM.: Ochsenfleisch II 48 bis 52, Rindfleisch II 42 bis 47. Bullenfleisch 45 bis 50. Kuhfleisch II 36 bis 42, III 25 bis 35. Kalbfleisch II 64 bis 68, III 52 bis 62. Hammelfleisch 70 bis 75. Schaffleisch nicht notiert. Schweinefleisch I 66 bis 72. Geschäftsgang des Fleischgroßmarktes: lebhaft. Frankfurter Getreidebörse. Ferkel- und Ziegenmarkt in Hungen. I Hungen, 6. Aug. Zu dem heute hier abgehaltenen Ferkel- und Ziegenmarkt waren aufgetrieben: 366 Ferkel und 147 Ziegen (Böcke, Muttertiere und Lämmer). Der Handel auf dem Ferkelmarkt war mittelmäßig; es verblieb lieber« stand. Es kosteten bis sechs Wochen alte Ferkel 7 bis 9 Mark, sieben bis acht Wochen alte 10 bis ------- --- ----- -----,-r- , ~ . 11 Mark, neun bis zehn Wochen alte 12 bis 14 Nächster Getreidegroßmarkt am Mittwoch, 8. August. Frankfurt a. M., 6. Aug. Der Frankfurter Getreidegroßmarkt blieb heute, 6. August, aus An- llaß der Trauerfeierlichkeiten angesichts des Hinscheidens des Herrn Reichspräsidenten geschlossen. * SY?Gor f’UnYrat.hoAmfötnnrPY nm SYDiHmnrfl R HO IIft. 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Die Listen bzw. Karteien sind zu geeigneten Stunden auszulegen, so daß alle Schichten der Bevölkerung ausreichende Gelegenheit zur Einsichtnahme haben. Dies gilt insbesondere für den 12. August 1934, der auf einen Sonntag fällt. Werden Einsprüche gegen die Stimmlisten und Stimmkarteien nach § 19 der Reichsstimmordnung erhoben, dann muß die Entscheidung des Kreisausschusses spätestens am 17. August 1934 gefällt und den Beteiligten bekanntgegeben sein. Etwaigen weiteren Anordnungen in dem Rundfunk oder in der Presse wollen Sie Jhre Beachtung schenken und für deren umgehende Durchführung Sorge tragen. Die Bestimmungen der Reichsstimmordnung können im Reichsgesetzblatt 1924 Teil I, Seite 173, nachgeschlagen werden. Die Bürgermeister macht das Kreisamt für die sofortige und gewissenhafte Durchführung der getroffenen Anordnungen persönlich verantwortlich. ♦ Betr.: Gesuch der Grube Abendstern zu Hungen um Erlaubnis zur Wasserentnahme aus der Horloff. Die Buderusschen Eifenwerke in Wetzlar benötigen für den Waschprozeß ihrer Cisenerzgrube Abendstern in Flur XII und XIII der Gemarkung Hungen größere Wassermengen. Da infolge der Trockenheit des diesjährigen Sommers die vorhandenen Wasfer- üorräte fast erschöpft sind, beabsichtigt die Firma, die für die Aufrechterhaltung des Betriebes erforderlichen Wassermengen mittels einer zirka 800 m langen Wasserleitung aus dem Mühlgraben der Horloff zu entnehmen. Die Entnahme soll nur während der Trockenheit und bei Nacht geschehen. Pläne und Beschreibung der geplanten Anlage liegen 14 Tage lang vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet auf der Bürgermeisterei Hungen zur Einsicht der Beteiligten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist schriftlich ober zu Protokoll bei der Bürgermeisterei Hungen vor- Zubringen. Nach Ablauf der Frist angebrachte Einwendungen können nicht mehr berücksichtigt werden.