Jahrgang 1940 Mittwoch, -en 24. Ianuar Nummer 7 Erstes Kapitel. der Sägerei und Holzhandlung der Gebrüder unter Verwandten und Knechten keinen Feind. 1. 1967 Das .Loch", wie di« Gegend der Säg« hieß, gewährt« einen öden Anblick. Das Ufer blinkte hier weiß von Steinen und Sand. Nur em Restlein Kiefernwald wehrt« sich noch gegen den Schwenrmsturz der Baches. Ewige so im Die tausenöjährige Maße Roman von Ernst Jahn Copyright 6y Deutsche Verlags-Anstalt Ätuttgact-Verlin SietzenerZamllieMMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Man wechselte gern mit ihm ein freundliches Wort. Em Eindruck sck)öner menschlicher Gelassenheit ging von chm aus, leuchtete aus seinem glatten, fast zarten Gesicht mit dem Hellen, s«hr blonden Haar, in dem man die grauen Fäden nicht bemerkte, und gewann ihm überall Freunde. Kein Mensch trug mehr ein Troddelkäppchen, wie es auf seinem Kopfe sah, aber Tobias hatte nicht den Ehrgeiz, zur neuen Zeit zu gehören, und Otwin, der Knecht, sagt«, die Kappe sei Walkers Kennzeichen: sein Wesen sei geradezu samtig. Der Knecht Otwin Dorta muß vor allem Gesinde auf der Staldener Säge zuerst genannt werden. Er kam aus der Südschweiz. Sein Vater war em Liviner, seine Mutter «ine Urnerin gewesen. Schwarzes Haar und em runder schwarzer Bart, ein« braune Hautfarbe und unter starken schwarzen Brauen hervor finster und streng blickende Augen verrieten sein welsches Blut: aber sein Wuchs, der lange, hagere, zähe Körper gemahnten an das Kargland oben am Gotthard. Vater Tobias hatte den düsteren Mann, das Kind einer Schwester, die mit ihm hn Hause Zuflucht gesucht, vor Jahren, und nachdem er herangewachß-n, als Säger emgestellt und an ihm bald Eigenschaften entdeckt, die ihn veranlaßten, ihn zu einer Art Aufseher zu befördern. Er verstand fein Handwerk wie nicht gleich einer, kannte das einheimische Holz bis in jede Faser und diente seinem Arbeitgeber mit einer verlassenen Treue, die ein Teil seines Wesens, aber auch der Ausfluß einer verhehlten Dankbarkeit war. Es schien manchmal, als habe er sich den Walkers und ihren Interessen mit Leib und Seele verschrieben. Tobias war Witwer. Seine vier Kinder schloßen sich an den schutzhaften Knecht an, und weil er von eigenen Leuten und eigenem Land nicht wußte und spürte, wie jene sich gleichsam in den sicheren Schatten seiner Kraft begaben, nahm sein Herz sie als eigen an, und gelangte er nach und nach zu einer Art Pflegevater amt. " Bei seinem Mitgesinde galt Otwin als ein Ausbund. Sie liebten ihn "icht: aber sie anerkannten feine geistige und körperliche Ueberlegenheit An Kraft und Wuchs allen voran, übertraf er sie auch an Gefchicklich- keit in Handhabung der Werkzeuge und der Maschinen, wußte Bescheid da» Material und die Ansprüche der Kundschaft und besaß eine solche Einsicht Jene, wenn ihm die blonde Candida Gesellschaft leistet«. Sie tri, »u>» last ein Kind, erst der Schule enltonnen; aber sie war ein fturesi?*»^ -if d)en mit breiten Hüften, vollen Armen, schlanken und doch stäE »«tnen unb mit einem Kopf, der eite Ausstellung von lieblichen ffls’ bedeutete blondem Haar, einem roten, kleinen Mund und blauen untti*k öen starken Brauen wie Veilchen hervvrleuchtenden Augen Die Augen waren das Wesentliche. Ein frühreifer Ernst, der leicht in Bitterkeit umschlug, erfüllte sie; ober sie konnten auch in rascher Freude oder Begeisterung auchsitzen und verklärten dann das Antlitz mit ihrem jugendlichen Glanz Wenn in den Ställen ein Jungtier, Kalv, Lamm oder Füllen zur Welt kam, fuhrt«. Otwin Candida hin. ,.Du mußt wißen, wie schwer Mutter es hab«! sagte er. Manchmal brachte er ihr auch aus den Bergen seltene Bilanzen oder Kristalle mit. Und dazu sprach er: Lern d-.e Natur kennen! An der ist mehr als am Menschen, der meint" dar- uber hinausgervacksen zu jein." Gern hörte Candida ihn erzählen. Aus i^r Schweizer Geschichte, aber auch aus dem Leben der Walkers ihrer einstigen Armut unb bem späteren Aufstieg. Er mußte sich viel mit diesen Dingen beseitigt haben, denn er kannte alle Einzelheiten. In feiner geräumigen Kammer stand ein Regal mit Büchern, in denen er las wenn er Muße hatte, lieber die Familiengeschichte aber mußt« e. wohl von Pater Tobias, der ihm schrankenloses Zutrauen schenkte, manches gehört haben. Er war ein langsamer, gründlicher, grübelnder. Erzähler und sagt«, es gebe für den Menschen nichts Wichtigeres als die ' Ireue jur Heimat und zum angestammten Geschlecht. Manchmal ging Eandida ganz benommen und erschüttert von ihm. So als er eimnÄ Allen, die auf dem Weg« sind, wünsche ich glückliche Fahrt. Ob uns die Füße noch rege sind, ob sie schon müde und trage sind. Wandern ist Pflicht uns und Art. Tausendjährig bCe Straße liegt zwischen Verwelken und Blühn, wo wir allein und zu zwei'n geschmiegt, diese geschlagen, die unbesiegt, uns um «in Ziel bemuhn. Hofsnungstrunken braust einer her, einer voll Stolz und Zorn, der ein Sünder, ein Kerner der, aber im Grunde ist keiner mehr als nur im Sturme ein Korn. Die großen Gebäude der Sägerei und Holzhandlung der Gebrüder Walker standen am stach abfallenden Seeufer, bort, wo durch ein Kiesbelta ein wasserreicher Bach sich in den See ergießt. Der kleine inner- schweizerische, zwischen sanft ansteigende grüne, wenig bewaldete Wiesen gebettet« und gleich einem ruhigen schönen blauen Auge aus friedlichem Angesicht zum Himmel schauende See spiegelt an feinem Subende die weißen ansehnlichen Häuser des Fleckens Stalden und im Norden das um seiner vielen wetterbraunen Hütten willen viel dunklere Dorf Ros- wil. An den übrigen Ufern wächst viel gelbes Schilf vor schwarzgrünem Buschwerk. Wer da ein Mensch ist, jauchzt und büßt, daß er die Welt darf lehn. 3i)r, die ihr mit mir schreiten müßt, Wanderer, seid gegrüßt Dorübergehnl M. An den gelben Holzbauten, der Säge selbst, den Bretterschuppen bem großen kahlen Wohnhaus war nichts Airsehnliches. Ein paar ^Wttsisi'n. di« von einzelnen Gesimsen des letztem hingen, mühten sich, wie^Änunchmuck am Half« einer häßlichen verdroßenen Frau, umsonst, chm Womie unb Anmut zu geben. Das Wahrzeichen des ganzen An- wesens wdr. Arbeit. Ringsum unb bis bicht an den See hinunter sah man rohe und behauene Stämme, schwere Eichen unb Buchen und schlanke weiße, für Telegraphenstangen bestimmte laimen liegen. Haufen von Spänen unb Rindenltücken unterbrachen die geradlinigen Schichten der Balken unb Bäume. Welßgelbes Holzmehl lag bä und dort über den nttt spärlichem Unkraut bewachsenen Boden gestreut. Dom Morgen zum Abend zischten, schnarrten und schrien die Sägen, unb hämmerten, zersplitterten unb entrindeten die Beile. Dam Morgen zum Abend waren die Holzknechte unb bie Fuhrleute geschäftig. Schwere Fuhrwerke rollten ein unb aus. Frachtkrastwagen unb Traktore schnauf- tm unb keuchten. Das Geschäft der Gebrüder Walker hatte einen weiten Ruf. Wie sehr es gewachsen und aus kleinen Anfängen sich zum Großbetrieb gestaltet, das bedachte manchmal sttll für sich Vater Tobias, der «eine alte Mann, mit der abgetragenen Quastenmütze auf dem kahlen Kopf, der, ohne sich noch groß einzumischen, durch die Räume der Säge trippelte und auf den Deckplätzen herumstrich, unb er verhehlte süh nwht, daß der Zug ins Große, der in den Betrieb gekommen, seinen Söhnen zu verdanken war. Er selbst war eher ein langsamer, vorsichtiger Mensch gewesen, der dem Gluck mehr zu danken hatte als dem eigenen Unternehmungsgeist, und bem es auch nicht schwer gefallen war das Regiment aus der Hand zu geben, als Me Söhne sich als tüchtia und selbständig erwiesen. und Tagen der groben wird wenig hob wieder an. Dann begaben sich auch die Walkers ins Haus. Candida saß mit einer Näherei an einem der Fenster Wohnstube. Bei chr traten die Männer ein. „Ungeschickt das mit dem Dienst", klagt« Later Tobias. Da wollte auch Candida wissen, was los sei. Josef überlegte: „Eine Eingabe an die Militärdirektion Aber der aus sein« fiunbigleU stolz« Briefträger behauptete nun auch roieber, daraus könne setzt der Staat keine Rücksicht "w>es begab sich nach seiner Kammer, um noch seinem Militärzeug zu sehen. Ihm folgt gleich darauf Niklaus, während Christian, der SpringinsjelD, sich noch einmal nach dem Werkplatz zurückbegab. Tobias naljm jein Käppchen vom Kops und setzte sich zu Candida. „Will'» Gott bleibt der Krieg über den Grenzen", murmelte er „Sonst müssen wir es tragen wie andere auch", erwiderte Candida. Dabei erschien in ihrem Gesicht ein Zug von Härte. Tobias sah sie an. Ihre Herbheit kam ihm wieder einmal zum st wuhtftin. Aber er schwieg. Seine Sach« war Härte nicht, auch nicht Kampf. Und fein Leben glitt chm weiter durch den Sinn, dieses leben, während dessen es ihm gut gegangen und der Erfolg sich ohne allzugrotze Mühe eingestellt. , , . ___, k „Gott erhalte uns, was wir haben , murmelte er noch einmal uiw legte Die Finger ineinander. , ' Candida führte die Nadel. Hestig und ruckweise fuhr die Hand aus und nieder. Es war nichts Weiches noch Schwaches an der blonden »Trat. Zweites Kapitel. Weih und weich wie Mehl lag der Staub aus den Stratzen, die aus Bellen, ins Land hinaus führten. Wie Schleier und Spinnweb Hebte er an den Büschen und Bäumen zu chren beiden Seiten unb erstickte ihr Sommergrün. Ein Eindruck von Derburften ging von ihnen aus Um o lebendiger war das brennend« Blau des Himmels. Die sonn« bildete ein einziges Büschel flammender Strahlen. Das Auge vermochte liche Gestalt nicht zu erfassen. Glühend log der lag über den schmalze" Schieferdächern, und die Gassen und Gatzlein glichen steinernen Offen. Den Menschs, die sie durchschritten, brach der Schweih aus allen Poren Steil ragten die drei Burghügel, di« Wahrzeichen der stodtz w» dem Häuserhauftn. Aber auch auf ihnen flammt« Die Hitze £ Auf dem niedersten diefer Hügel hatte sich eine Anzahl Sgjdolen. di« von einem frühen Ausmarsch zur Ruh« in die »aruckgetehri waren, auf die Schattenseite dieses Gebäudes, eines früheren mittel I alterlichen Schlosses, zurückgezogen. Die Rufern« mit chren fchiebfchartenahnlichen laüenlofen Fenstern, ihren Türmen und Wehrgängen, gewährt« einen kühnen unb flogen an- blirf Hier und auf den beiden Schwesteichügeln hatten einst die Vogte der drei alten Lande Uri, Schwyz unb Unterwalden gesessen und den dem Herzog von Mailand entrissenen ßanbestfil regiert. Jetzt war di« Rasern« bis m den letzten Raum von Truppen besetzt. Soldatengesichter schauten durch die Fenster, und Soldaten standen unter allen Türen. Die Truppe die sich im Raum ,wischest Kaserne und Ringmauer gesammelt, lieh fidi wohl sein Die Leut« lagen und sahen mit aufgeknopf- ten Uniformen, barhaupt, der und jener wohl auch des engen Rockes völlig lebig, und mit aufgekrempelten Hemdärmeln herum. Auf den Stufen einer Treppe hatte der Wachtmeister Niklaus Ball« feinen Platz und bih an einer Strohzigarre herum, deren spärlicher Rauch in der heihen Lust rettungslos und rasch ertrank. Ihm gegenüber auf der Mauer bockten die Rekruten seines Zuges, darunter der Helle Christian mit dem hübschen feinen Gesicht, dem die Uniform prall und schmuck am Blanfen Körper sah Man unterhielt sich vom eben beendeten Ausmarfch, nen Strapazen und dem, was fröhlich daran gewesen. Dann glitt das Gespräch auf Di« Offizier« ab. 'Fortsetzung folgt) ihm herüber. ... «_ . Dann jagte diefer Die Arbeiter, bi« noch säumten, mit der Mahnung an ihre Posten zurück: „Schluß jetzt mit dem Schwatzen! W i r können nicht laulenzen wie die, die der Bund bezahlt." Der Briefträger zog beleidigt ob. Das Lied der Aexte sagte: „Du bist di« einzige Tochter. Du wirst eines Tages kein« Walkerm I 1 mehr fein. Um fo mehr mußt du dich gegen alles Fremd« wehren unb i am Ererbten festhalten. Die Walkers sind ein tüchtiges Volk, es darf sie keiner an einen Fremden verraten." So unbeugsam war diese Forderung zur Anhänglichkeit an die Ihrigen, daß sie zuweilen ihren Widerspruch erregte und etwas in ihr gegen di« tyrannische Art dessen sich auflehnte, der trotz seiner Verwandtschaft ein Untergebener war. In hellen Zorn, der beinahe mit Hatz gemischt war, verfiel sie einmal, als Otwin einen jungen hübschen Mittnecht, der über Later Tobias lose Reden geführt, mit der Faust auf das Lästermaul schlug, daß ihm das Blut aus Lippen und Zähnen schoß. Das Rohe, Gewalttätige des starken Mannes dem noch fast bubenhaften Knechtlein gegenüber, der wie ein getretener Hund auf (ein Zimmer lief und doch nicht wagen würde, sich bei Tobias Walker über feinen Angreifer zu beklagen, empörte sie. Im Laufe der Zeit machte sie weitere Entdeckungen, die ihr zu denken gaben: In Otwins Gesicht flog manchmal bei der Begegnung mit ihr eine jähe Glut, die sich nicht durch Erröten verriet, sondern nur in (einem Blick (lockerte. Fast meinte sie dann, daß Otwin mehr für sie empfinde als die Anhänglichkeit des Hausfaktotums an die Meisterstochter. Als Ergebnis dieser Ahnung blieb ihr ein verhehltes Mißtrauen, dessentwegen sie sich selbst zürnte. Otwin liebte aber auch die Buben. Bei chnen trat er mehr aus sich heraus. Er hatte sie. von Nein auf zu allerlei körperlichen Hebungen angehalten, sie im Scheibenschießen unterrichtet und in der Jagd auf arme Spatzen. Sie waren ihm zutzewachjen, |deuten an ihm faft mehr I als am eigenen Vater empor, unb orbnelen sich auch jetzt noch, ba sie I erwachsen waren, bereitwillig unter. Joses unb sein jüngster Bruder Christian glichen dem blonden Vater. Josef war weich und behäbig von Wesen und Gliedern, Christtan schlank, mit glatten, fast mädchenhaft hübschen Zügen. Beide waren tüchtige und arbeitsame Burschen. NiNaus, der im Alter zwischen beiden stand, schlug mehr der lang verstorbenen Mutter nach. Gedrungen von Wuchs, schwarzkopsig und von bleicher Gesichtsfarbe, hatte er eine vorsichtige, sparsame, fast knauserige Art. Aber er ergänzte damit nur die beiden andern. Es kam auch dem Betrieb zugute, wie diesem ihre Einigkeit und ihre Anhänglichkeit aneinander allezeit zum Vorteil war.-- . I Gerade jetzt regnete es Aufträge für Die odgeret zum „Loch . Die Prinzipalschaft und die Arbeiter bis zum letzten Holzknecht hinab hatten alle Hände voll zu tun. Der große Krieg, der rings um das kleine Schweizerland tobte, ging seinem Ende zu. Gerüchte wollten wissen, die eine oder andere kriegführende Macht werde sich den Durchzug ihrer Armeen durch neutrales Gebiet erzwingen. Auch die schweizerische Armee stand noch immer an den Grenzen. Zu den Baracken, die überall gebaut wurden, hatten die Walkers immer neue Holzlieferungen ju leisten. Eines Samstagvormittags erschien im .Loch" der Briefträger mit drei gleich aussehenden Amtsbriefen. Als der leutselige und überall gern gelittene Postknecht auf den Werkplatz trat, stockte dos Hammern, Spalten und Sägen. Mann um Mann von denen, die da mit Hobeln unb Beilen unb anberen Instrumenten am Werk gewesen, wendeten sich nach dem Boten um. Man konnte jetzt nie wissen, was Neues einem abgetragen wurde. Das Grühgolt flog hin und her. Kasimir Gamma, vir ! Briefträger, wandte sich aber der Tür zum Wohngebäude zu, m der Josef, der älteste Haussohn stand. ,^etzt geht'» in den Krieg", meinte er während er ihm di« drei Amtsbriefe übergab. Der junge Walker sah auf Die Briefe nieder. Sie trugen (eine unb (einer Br über Anschriften „Wir haben schon lange auf fo etwas gewartet", antwortet« tr, „aber brti auf einmal ist viel." Er erbrach sein eigenes Schreiben. „ . „Es wird immer mehr Volk ou(geboten , plauderte der Bote und ] blieb neuigteitslüftern stehen. „Donnerszeug . fuhr der lesend« Joses auf, „jetzt, wo wir vor Arbeit nicht aus und ein wissen!" Inzwischen waren von zwei «eilen auch bi« Brubtr Niklaus unb Christian herangekommen. Auch sie nahmen und lasen ihre Briefe. Alle drei auf einmal", schalt auch der dunkle NiNaus. Josef war Oberleutnant, Niklaus Wachtmeister. Der junge Christian hatte vor kurzem erst («ine Rekruten(chule hinter sich gebracht. „Man hort, daß es aufs Aeußerste geht", orakelte der Briefträger. Di« Werkleute ließen ihr« Arbeit vollends im stich und liefen auf einen Haufen zusammen. ■ . ... jiur nimi" Doria legte bas lange Beil nicht fort, mit dem er drüben entrindet« „Was (oll es denn da für eine Landgemeinde M?" rief er mißbilligend berübej. ^Der eine und aobere kehrte, feinem Beispiel folgend, zur Arbeitsstelle zurück. Aber der Haupthaufe blieb und besprach das Vorkommnis und C ,?Den ^taat rührt es nicht, wenn unser Geschäft zu Schaden kommt", nr°3ok?lübcd«flt«. „So muß halt der Vater noch einmal «insteheii", '"'"otroin ist ja da", gettostete sich Christtan. Er hatte gegen ein« Abwechslung, wie sie der Militärdienst bracht« nichts emzuwenden. Das Wort von Otwin ging von Ohr zu Ohr, von Herzen zu Herzen. Sie wußten alle, daß im Geschäft kein Schad« entstehen wurde, folange Der junge Christian geriet in Feuer. „Wir drei zusammen in den Dienst", sprang tr die Brüder an. „Das kann doch einmal em «patz werden Hier in Stalden ist ohnehin nichts los. - „Wenn es euch nur nicht an den Kragen geht , unrie der Bncrtrager. In diesem Augenblick ttal Baler Tobias unter bi« Grupp« und fragte, ""^,Eüirück!n müssen wir, all« drei, und zu gleicher Zeit", gab Josts Auskunft. _ t Wer weitz wie lang , zürnte vcuioui?. .« «« .. Tobias schüttelte den Kopf, bah bi« Quaste der BW: flog. JRan kann mir doch nicht drei Buben auf einmal wegnehmen , mißbilligt« er. Dann fällt wir tes Lebens Licht! Ein ugen von dem neuer naa). .uei i —Weg obschneiten! — - jMr ' Der Regen sticht — ohne die b< yfc Engländer n Kokark'tn zu sehen. B o msser zeigt 500 Meter. Trichter sind unten, - schwarze Bäume. Müde zieht das graue Wasser der Somme. Rauchwolke^ Ileigen. ^Der" Freund gleitet wieder in weiter Kurve vorbei. Deutlid) stehl bas schwarze Kreuz auf weißem Feld am braunen Rumpsi Scheinbar un» beschädigt. Er sitzt geduckt am Steuer, ganz sorgender «chatten, — ganz Kamerad. ^Röen! Boelcke beißt die Zähne zusammen, daß die Kiefer schmerzen. Der Überflügel biegt sich ächzend. Slofsetzen flattern. Noch 400 Meter schätzt er. Die Wolken jagen grau und schwarz . Boelcke sitzt unbeweglich. Sein Gesicht ist starr unter der dunklen Lederhaube. Das Herz klapst. Soll das doch das Ende fein. Nicht einmal ÖUr«öen1Crütte?n. Die Holme knarren grell. Schwarz flattert etwas weg. Der Höhenmeffer fingert um 300 Meter. Unendliche Müdigkeit legt sich über Boelcke. Es ist ihm, als wäre das schon geschehen, was die nächsten Minuten bringen werden Das Fluazeuq wird abmontiert! Wie der Tommy damals gar nicht weit von hier, — und der bei Verdun, — und Nummer 23, — und damals der Moräne! Boelcke macht die Augen schmal. 40 Siege, — Pour le merite — Er schüttelt kurz den Kopf. Das ist es ja nicht! Ich kauere hier hinter meinen beiten Gewehren ja nicht um Ruhm und nicht um Anerkennung und nicht aus Lust am Toten. Ich will ja nur den Kameraden da unten helfen. — will nur, wie sie, die ^'üie Walken find schwarz Der Wald ist schwarz. Die Böen rütteln. Das Flugzeug stöhnt. Boelckes Gesicht ist starr. ™ , „... mit meinem Leib ...” spricht er vor sich hm. „Vater, JiUDer Motor stuckert hart. Boelcke schallet die Zündung aus. Die Schraube schlägt noch ein paar mal und steht dann f^rag »ie eine schwarze Latte Es ist ungewohnt still. Nur die Lust rauscht über Flügel '"^Boelcke^blinzelt über die Lederpolster ter Karosserie. Die Bäume find größer geworden. In den Trichtern steht Wasser. Die Graben laufen ^'^Grau^saßt^ihn der Nebel. Nässe schlägt ihm ins Gesicht. Böen rucken Er preßt die Lippen zusammen, wie im Schmerz. Holz ächzt. Raum merklich gehl er mit dem Knüppel nach. ,, Reue Böen prasseln hart. Das Flugzeug bäumt sich Er druckt e- rnü fünfter Faust. Die Lust pfeift in ten Kabeln. Fetzen fliegen dunkel. Der überflügel biegt sich durch. . s,„ ( Er lieht es. ohne ten Kops Dci kleine JäDowirm-^. .—(.v. - Richlhofen wird's schon machen! Chn macht er die Augen schmal hinter den Kokarden werten größer. Er legt sich lest 8 (i . . Etwas rieben! — Das Fadenkreuz steigt Gme Lo reiht den linken Flüael hach. Das Flugzeug springt. Die Faust fuhrt kmim merklich den Steuerknüppel. — Nun etwas drücken!— Jetzt liegen Kimme und Korn eben unterhalb des Kopfes des englischen Piloten. Boelckes Daumen drückt auf die lafte am SnuppeL 0art badt bas rechte MG Der Engländer gehl steil m die Kurve unb schwimmt nach Verantwortlich: Dr. 5r. 9B. Gange.—» Druck und Verlag: Drühlsch« Universitätsdruckerei, II. Lange, Gießen. . jur Offiziersbaracke. Die Soldaten ich im Vorbeigehen dem Äorporal die toit Propeller brausen dumpf, — singen hell, — summen fern und oerkstngen im All. Flügel glitzern. Hinter den Steuern sitzen Männer in feinem Geist. L. Ä s te lr"*1 w Ich fmpfahl mich beim Rittrnerster und dann ging es, hangauf, banqub roieber in bte Batterie zurück. Nicht weit von der Stellung erwischte mich -'n französischer Feuerubersall. Ich warf mich hin und wartete. Der Franzose schoß wie irrsinnig, ober endlich ließ auch das Feuer nach und rch lehrte in d,e Batterie heim. . Kaum dort angelangt, kam mich dorthin franzSstsches Feuer nach und haute wütend in die Geschütze. Ich konnte nicht mehr In die OfhUers« taoerne fjinauf, ich blieb bei der Mannschaft unten. Die Kaverne war tief in den Stein gesprengt, kalt und feucht. Steinchen brodelten nieder, öas IW erlosch ein paarmal, wenn die Treffer über uns sahen. Ick, wollte oorn beim Beobachter an fragen, ob man im Graben an einen Angriff glaube — das Gespräch riß ab, am Summer hörte man, daß die Leitung durch war, nun log das Feuer so dicht und deckte so genau die Batterie, daß ich keinen Telefonisten auf Leitung schicken konnte Die pol- mschen Soldaten sahen zusammengekrümmt, hatten die Rosenkränze herausgejogen und beteten. 3m Kavernenelngang stand neben mir der Feuerwerker, ein alter, langerbienenber Unteroffizier Er rief etwas auf ble Kaverne zurück und deutete auf das Flugdach über dem oierten ©6^110: d>e Maskierung halte zu brennen begonnen, die Binse,», matte flammte auf. Da sprang ein junger Korporal an mir vorbei, hort« IW, wie ,ch ihn nef sprang mitten zwischen die hochgehenden schwarzen Erdtrichter, rannte gebückt unter den surrenden Sprengstücken durch jagte auf das brennende Flugdach xu, griff zwischen dessen Sparren,’ holte etroas heraus, was ich nicht sehen konnte, barg es in seiner Bluse und reyrte in mächtigen Zickzackspriinaen atemlos wieder in die Sauern» zuruck. t wißen °>us der Geschützführer da geborgen hatte und ich sah deshalb den Leuten, bte sich alle zu dem Keuchenden niederbeugten über die Schulter. Der Korporal griff in die Bluse und zog ein Netz heraus mit schnabelsperrenden, zwitschernden kleinen Vögleim Es waren kleine Schwalben. Die Soldaten knieten und hockten die Rosenkränze noch in den Händen, um den Korporal und achteten 'nicht mehr der herabbrockelnden Steine und de. Toben, der berstenden fflra- m 2k.b?# treuer eingesetzt hatte, war e, verstummt. W,r hatten Gluck gehabt, feiner der Unfern war verwundet. ""Uehen die Kaverne und blickten nach dem Himmel. Ich dachte, sie hielten nach ben französischen Fliegern Ausschau, die nun kommen muhten, um das Trefferbild aufzunehmen, aber sie deuteten auf ein Schwalbenpaar, da, durch den abziehenden Rauch in weitem Bogen herangeschwirrt war und die verbrannte Maskierung de, Geschützes umkreiste. " Die Leut- warfen frische Zweige und Matten über da, Holzgerüst und der Korporal schob das Nest wieder zwischen die Balten. 3d> konnte mit den Polen nicht sprechen, dazu reichte e, nicht Sie erneuerten draußen überall die Maskierungen an den anderen Geschützen, hm und wieder liefen sie zum Schwalbenest, und al, die Alten wirklich slugelwippend unter das Gebälk flogen, lochten alle und freuten sich wie die Kinder. Air hoben dir einmal geschworen Nun finb-wir au, immer dein. Ale Bäche im Strome verloren Münden wir in dich ein. Auch wenn mir dich einmal nicht fassen 'Werben wir mit dir gehn. Einst wirst du un» schauen lassen. Was du vor uns gesehn. Herzen wie erzene Schilde Haben wir um dich gestellt. Und es ist uns, als hielte Gott durch dich seine Welt. Das Schwalbennest. Bon Bruno Brehm. ein wenig abseits, der mazedonische Kriegsschauplatz, und ich blieb auch nirnt lange dort; denn als die ersten ruffischen Bataillone auf- tauchten, zog ich als ehemaliger russischer Austauschinvalide es vor, an die italienische Front zu verschwinden. Aber das Vierteljahr, tn dem ich da unten eme Gebirgsbatterie kommandierte, war schön und ist mir unver- geblieben mit jedem seiner großen Sonnenuntergänge über den glühenden Feldern von rotem Mohn. Schon die Hinreise zur Front erfüllte mein Herz mit Freude Die Stabte Uestüb und Beles durchstreifte ich, glücklich darüber, so weit in der Fremde zu sein; hinter den grauen Fronten der verschlossenen Häuser verbargen sich grünende Höfe mit kühlen Brunnen, hin und wieder trat der Fuß auf den honiggelben, durchsichtigen alten Marmor der Griechen, auf ein altes Kapitell fiel der Blick voll tiefer Ergriffenheit. An den neuen Straßen arbeiteten buntgekleidete Albanesen mit kühnen Raubvogelgesichtern und die Wagenführer der deutschen Krastsahrkolon. nen, die dort bei vierzig Grad Hitze hinter dem heißen Motor sahen, hatten wirklich nichts zu lachen. Dann setzt« ich mich ein wenig auf die vielen kleinen, zur Munitions. beförderung gebauten Seilbahnen (auf eigene Gefahr dies mußte ich beftätigen) und ließ mich über di« tiefen Wasierrisie gleiten. Mein Bursche, Leichenraseur auf dem Wiener Zentralfriedhof, fand wenig Gefallen an dieser Art der Weiterbeförderung. Er mar mit dem Tode zu sehr vertraut, als daß er besondere Steigung zu ihm gezeigt hätte. Beim Batterietvain traf ich einen Reserveleutnant, einen klassischen Philologen, der sich in der einsamen Bergwildnis so verlassen fühlte wie Durb in der Verbannung am Pontijchen Meer«. In der ersten Freude, eüien Zuhörer gesunden zu haben, los er mir ein Dutzend Oben in den schwierigsten Versmaßen vor (nicht ohne mich vorher auf die jeweiligen Feinheiten aufmerksam gemocht zu haben), die sich alle mit seiner Aus» geftoßenheit und Berlasienheit in dieser Gegend befaßten. Ach, der frühere Batteriekommanbant habe nur Briefmarken gesammelt unb sein bester Freund, ein beutfther Oberlehrer, der hier in der Nähe des öfteren Binder gehütet habe, sei mit seinem Schlachtviohdepot auch weiter» gewandert. Bon fernher knurrte die Front zwischen diese Oden hinein und bleiche Scheinwerfer fegten ben Himmel mit ihrem dünnen Besen, als staube eine ordentliche Frau Stenilem um Sternlein ab. Am nächsten Morgen empfahl ich n»ich vom Train "unb fuhr mit bem Batteriewagen los. Unb zuwü«<».'i»h''°n wie feit Rußland nicht nuT Huzulen,.,erbchen, kletternd -- „„ „ Fahrer selbst, ein Pole, zu allem lächelnd, als wäre diese Art zu fahren i»e einzig richtige. Mittags übernahm ich die Batterie und sah mir die l!eute an: die Mannschaft waren Polen, die perfhuiben gerade die beut- ichen Kommandos, bk Unteroffiziere und Telefonisten oerftanben etwas beffer beutfrti. aber auch nicht Piel, bi# Offiziere waren: ein Deutscher, ein Tscheä-e, ein Ungar und ein Slowene. Der Batterie lag noch die Schlacht bei Monastir ein wenig in den Änortjen. die eben erst abgettungen mar und die noch Immer in heftigen Seueruberfaöen der franzöfifchen Artillerie imchiobte. Ich wollte mir aües ansehen und ging oft auf Leitungspatrouille. Das Land dort ist ein kahles Plateau, von kleinen Bächen ttes burchlchnitten. Unten In ben Tälern grünte und blühte es wie im Paradiese oder wie im „Afsenlonbe". So nannte sein Tat ein deutscher Rittmeister, der vor der bulgarischen t*ront hauste und alles mögliche Gemüse anbaute, und vor Wut nur bann tobte, wenn ihm morgen» französische Flieger Bomben tn den Affen- lanbjülat warfen. Er begrüßte mich, zeigte mir die Sorten seines Ge- mufes, das er da für die Bulgaren baute: „Sie müssen wissen, diese «ute sind bodjjnelft Gärtner, sie bekommen von der ewigen gleichen Fleischnahrung Skorbut. Als Gegenmittel gibt man ihnen abends nach dem Appell meist eine Handvoll Gras unb, damit sie e» hinunterbringen, Soldat. Von Josef Weinheber. Hie Saurekrut, hie General: Soldaten sind wir nun einmal. Der Schimmel tanzt, die Fahne weht, der Säbel blitzt, die Reihe steht. Mit Schultert! Fertig! Ruht! Habtacht! im Frieden ist es eine Pracht, nicht Handgranate noch MG. tut irgendwem im Frieden weh. Was Ueberzeit, was Hausarrest: , Schuft, wer fein Mädel warten läßt. Dagegen ist, gradaus und schlicht, der Krieg kein Honiglecken nicht. Die Trommel dröhnt, die Reih marschiert, wer desertiert, wird füsiliert, so geht es über Stock und Stein Hurra! in Feind, in den Feind hinein. Beschirm uns, Gott, auf deinem Thron, ist jeder einer Mutter Sohn, unb lohn uns bu nach unferm Stand: Wir sterben für das Baterlanb. Ich ""'ßie einen Soldaten fragen, warum diese Leute dort solch eint tirr*,ube todjwafben hatten, ober der Mann zuckte die Achsel, vorschriftswidrig fuhren ihm die Hände in die Höhe, er hielt eine lange Bebe, von der ich nur einen Teil verstand. Aber so viel reimte ich mir ooch zusammen: die Polen feien abergläubisch und glaubten, die Schmal» ben brächten dem Glück, unter dessen Dach sie nisten. Deshalb habe der Korporal das Feuer isicht gescheut unb fein Leben daran bas Rest Zu retten. vH Ich ging durch die Batterie hinauf x\ lachten über bas ganze Gesicht, als ich ft._____ _________ w ijanb schüttelt«. Der junge Mensch leuchtete vor Glück. Oben ange kommen, schaute ich In bas Tal hinab. Da tarnen, wie Salamander noch dem Regen, auch (djon wieder die armen mazedonischen Bauern heraus, die man aus ihren Hütten hinter der Front nicht vertreiben konnte, unb brefdien bas spärliche Korn, Inbem sie ihren kleinen an gepflegten Esel im Streife herumtrieben. Es war ein seltsames Lanb, dieses Ma-ebonlen und alles dort war wie verzaubert. Meinen Kameraden erzählte ich die ®e» jrtiichte oom.^walbeneft nicht, denn drinnen in der Baracke spielte da, dem Hauserhause gräßlichen Schlager, der also begann: ,Hch txn der '’Xjpuf dem niebeb hab' im Auge so was Mübes ....' 3n solch ein-m "" [nem frühen her bas Schwalbennest nicht ‘ auf die Sa,. — '• ' ” * ' len «xhlosses, zu. - u---