Gießener Kmiilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Jahrgang 1(959 Montag, den 3<. Juli Nummer 58 Eine Armee meutert SGHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Ein Bericht von p. E. Ettighoffec Lop v«igh-t b y Bertelsmann Gütersloh 13. Fortsetzung. Die Masse der Lauen, der leicht Begeisterten und desto leichter Entmutigten, diese Masse aber läßt den Kopf hängen und gerät in Aufregung. Einige Stimmen schreien schon wieder Verrat wie damals zu leer Väter Zeiten, als die Preußen die kaiserlich französische Armee bei Sedan in die Zange ihrer Kanonade nahmen, oder wie neulich, nach den Refechten um Charteren, als die französischen Grenzkorps kopfüber einen mehr als ungeordneten Rückzug antreten mußten, auf den Fersen die deutschen Ulanen. Ja, diese Menschen haben jetzt wieder Oberwasser und fühlen sich in iljrem Recht. Seht, da oben scheint'? nicht zu stimmen. An der Front ereignen sich geheimnisvolle Dinge. Was ist überhaupt los an der Front? Der Heeresbericht dieses ersten Kampftages klingt seltsam, man möchte iast sogen, resigniert und traurig. Wo bleibt die Erwähnung des lang ingekündigten und oftmals versprochenen Durchbruchs? Wo bleibt die Flucht der Deutschen, eine regellose Flucht über den Aisnekanal hinweg, ja sogar über die Maas, über den Rhein? „Wiederholt heftige Gegenangriffe nördlich von Ville-aux-Bois brachen mit beträchtlichen Verlusten für den Feind in unserem Feuer zusammen", o heißt der Schlußsatz des Heeresberichtes. Klingt so ein Bericht, der jiegesfroh sein will? Nein, ein Feind, der zum Gegenangriff schreitet, ist veder erschlagen, noch auf der Flucht, noch ohnmächtig, noch besiegt. Dagegen der deutsche Heeresbericht, dessen Schlußsatz lautet: „Die Gruppe sieht, den kommenden schweren Kämpfen voll Vertrauen entgegen." -1 Die deutschen Regimenter schreiten zum Gegenstoß und brechen aus hren zertrümmerten, eingeebneten Stellungen vor, nach zehntägigem Trommelfeuer, finden nach dieser Zeit des Entsetzens und der Furchtbarkeit noch den Mut und die Disziplin zum Gegenstoß. Nicht nur das. Die sehen den kommenden schweren Kämpfen voll Vertrauen entgegen. Herr General Nivelle, wer hat gesiegt an diesem 16. April 1917? Herr general Nivelle! Es ist Ihre Tragik, Ihre große Tragik, daß Ihre Gegner deutsche Soldaten sind. Die Feldgrauen jagt man nicht vor sich her. Cs mag in den Zeitungen noch so glühend und bunt darüber berichtet oorben sein. Ihr Plan ist groß, „General Durchbruch", Ihr Plan ist oiirbig des Gegners, aber auch dieser Gegner ist groß und würdig Ihrer Taktik. Niemand von der Gegenseite, kein einziger deutscher Soldat, wird ft einen Stein auf Sie werfen, General Nivelle. Niemals wird man ihnen von uns aus einen Vorwurf der Unfähigkeit entgegenschleudern, s »ie es vielleicht Ihre Untergebenen und persönlichen Feinde tun werden. Sie haben nur einen einzigen Fehler begangen, Herr General, sie toben uns, die Feldgrauen, unterschützt!! Letzte Hoffnungen. — Letzte Schläge. Am späten Abend des 16. April erscheint ein Schriftleiter der großen Leitung „Le Temps" auf dem Büro der Militärzensur und legt, wie all- iiglich, den noch feuchten Bürstenabzug der Morgenausgabe zur Durch- jcht vor. Im Lause der letzten Monate hat man bei den Redaktionen die tosten Erfahrungen gesammelt über das, was gebracht werden darf, und tos, was eigentlich gefährlich ist und von der Zensur sowieio gestrichen t>irb. Es lohnt sich wirklich nicht, Dinge zu versuchen die vor dem trengen Auge der Zensuroffiziere nicht standhalten werden. Die Zeltun- lsn wissen genau, wie sie auch die bittersten Pillen und auch die trost- »sesten Nachrichten in gesund erscheinenden Optimismus zu kleiden haben, llnb fo will der Schriftleiter des „Temps" den unhaltbaren Gerüchten, Lesern in allen Straßen und Häusern herrschenden „Defaitismus Halt . Sebieten durch einen kurzen, aufklärenden Artikel. Er ist geradezu ein Meisterwerk, dieser Aufsatz, vom Hauptschriftleiter persönlich verfaßt, (Teuf) nach den Vorfällen im Bannmeilenbahnhof und angesichts der Gerüchte in der Stadt. Der Artikel ist ein kurzes Stück, das die volle Wahr- toit sagt, ungeschminkt, fast grob und grausam, wenn auch noch scheinbar .'srsteckt: . , . „Unsere Heeresleitung war von der Gewißheit durchdrungen, daß ein ^ormarsch stattfinden wurde. Deshalb hat man auch jene Vorsorge aus finitärem Gebiet nicht getroffen, die notwendig wird, wenn die ungrei- ! nde Arme sich in relativer Ordnung zurückzieht. Die Einheiten, die sich r»ch rückwärts wendeten, wurden keineswegs durch Kaoallerieabsper- i tongen aufgehalten. Deshalb geschah es, daß zahlreiche Soldaten vielleicht nur übermüdet, oder stark erregt, oder leicht verwundet, die Feldlazarette stillten, sehr zum Nachteil der Schwerverwundeten---" Weiter liest der Zensor nicht. Er wischt sich über die Augen, er glaubt zu träumen, er blickt den scheinbar teilnahmslos dastehenden Schriftleiter an, schlügt auf den Tisch und schreit: „Mein Herr! Das ist Verrat! Wissen Sie, was das heißt, Verrat in Kriegszeiten? Wissen Sie, was darauf steht! Verrat habe ich gesagt und nehme das Wort nicht zurück. Was hier geschrieben steht, ist furchtbar, ist entsetzlich." „Aber die Wahrheit, Herr Oberst, leider nur die Wahrheit, eine beschönigte, überzuckerte Wahrheit sogar noch. Wir müssen Frankreich beruhigen, wir müssen sorgen, daß die Panik nicht auch noch in der Heimat ausbricht. Wir müssen---" „Was müssen wir? Nichts müssen wir! Wie kommen Die überhaupt zu diesen Unterlagen und zu diesen Veröffentlichungen?" Und der Schriftleiter, ganz ruhig: „Es ist nur das, was man in Paris an allen Straßenecken hört. Aber man hört's dort anders. Herr Oberst, bemühen Sie sich doch bitte mal auf die Straße und vernehmen Sie die Meinung des französischen Volkes und hören Sie, wie stark die Panik schon durchgedrungen ist. Sie werden entsetzt sein und Sie werden dann finden, daß dieser Artikel kein Defaitismus ist, sondern ein lobenswerter Versuch, die öffentliche Meinung zu beruhigen. Warum hat man wochenlang, monatelang die französische Meinung mit Vorschußlorbeeren gefüttert? Warum hat man Frankreich sicher und bombenfest diesen Sieg und die Befreiung der vom Feind überschwemmten Gebiete versprochen? Ein solches Versprechen muß eingelöst werden, Herr Oberst. Der Poilu hat sein Blut hergegeben, um dies Versprechen des Oberkommandierenden einzulösen. Das Blut des Poilu falle auf jene, die es angeht, und auch noch auf jene, die mitschuldig sind, weil sie nicht rechtzeitig ein Veto einlegten und nicht zur rechten Zeit mit scharfer Zensur die systematische Vergiftung der französischen Volksseele unterbanden. Nein, Haß mußte gesät werden, Haß und Verachtung gegen den Gegner. Nun, Herr Oberst, nun hak der Gegner gezeigt, baß er keine Verachtung, sondern Achtung verdient. Hier stimmt etwas nicht in unserer Rechnung, so will mir scheinen!" Der Oberst winkt müde ab. Er hat die Antwort verstanden. Sein Gerechtigkeitssinn verbietet ihm, sich gegen die harten Worte des Schriftleiters aufzulehnen. Endlich einer, der in Ordnung ist. Aber der Artikel wird trotzdem nicht erscheinen. Nein, unmöglich, das wäre ja eine Katastrophe, nicht nur für die Zeitung, sondern für die ganze Öffentlichkeit. Wer weiß, was Nivelle noch im Schilde führt. Morgen ist auch noch ein Tag. Jawohl, morgen ist auch noch ein Tag! Und dieser Tag bricht jetzt an, beginnt mit einem neuen wütenden Aufflackern des Trommelfeuers oben zwischen Reims und Soissons. Nochmals trommelt die französische Artillerie zwischen dem scharfen Aisne- Knie und Maronvilliers. General Nivelle befindet sich um diese Zeit im Hauptquartier des Generals Micheler. Nochmals überprüfen die beiden Generäle die Karten, erwägen alle Möglichkeiten, überlegen, wie es kommen konnte, daß nun der Kampf immer noch in der deutschen Hauptlime tobt, statt ins weite Feld vorgetragen zu sein. Noch steht eine Möglichkeit offen, eine ganz große Möglichkeit sogar. Völlig unangetastet, völlig ohne Verluste wartet am rechten Flügel der französischen Angrisfsfront die IV. Armee unter General Anthoine. Ihr linker Flügel stößt an die Front vor Reims, und ihr rechter Flügel hängt am Bergmassio bei Maronvilliers. Ueberhaupt, hat Nivelle bisher nicht planmäßig gearbeitet? Nach seinen Versprechungen und den Aufgaben, die er sich selbst stellte, durfte er kaum höhere Erwartungen hegen. So wenigstens tröstet er sich über die Lage, Kopf an Kopf mit Micheler über die Karte gebeugt. Im trüben Schein einer elektrischen Birne bringt von draußen das auflebende Rollen des Trommelfeuers durch die dichtverhängten Fenster. Manchmal schüttern die alten, lose sitzenden Scheiben in den morschen Fassungen. Draußen bricht ein kalter, fahler, nebelgrauer Tag an, der Morgen des 17. April, der Morgen des zweiten Tages. „In vierundzwanzig, spätestens in achtundvierzig Stunden", so hat General Nivelle immer wieder gesagt und in allen Konferenzen betont, „muß die Offensive siegreich fein. Sollten wir dann, das heißt, nach diesem Zeitpunkt, nach nichts vollbracht haben, dann hat alles für uns kein Jn- tereffe mehr, bann werden wir ganz einfach und ohne Scham den Kampf einftellen." L Genau so hat Nivelle gesprochen. Kein Grund, endgültig zu verzweifeln. General Nivelle hat ja noch 24 Stunden Zeit. Das Gesicht der Schlacht kann sich noch vierundzwanzigmal wenden. Erst am 18. April, in der Frühe, muß planmäßig die Offensive abgebrochen werden, wenn sich bis dahin die Unmöglichkeit eines Durchbruchs gezeigt haben sollte. Aber das Work „unmöglich" steht nicht im französischen Wörterschah, wenigstens nicht in dem eines französischen Ge- nerals. So hat schon Napoleon I. gesagt. Und Nivelle hat sich diesen Ausspruch zu eigen gemacht. Noch stehen die Verfolgungsdivisionen des Generals Duchesn« unangetastet bereit. Gestern sind sie nicht zum Angriff und, zur Entfaltung gekommen. Gestern muhten all« diese Reiter, die Jäger, die Kürassiere, die Dragoner, alle diese tatendurstigen Menschen auf herrlichen Pferden, begleitet von wildblickenden Spahis mit flatterndem Burnus, langsam, bittere Enttäuschung in der Seele, zurückreiten ins rühmlose Quartier. Ein Atemholen nur, hat man ihnen gesagt, eine Verschiebung um 24 Stunden, weiter nichts. Morgen ist auch noch ein Tag, jawohl, morgen ist ein Tag. Und dieser Morgen ist do; der 17. April ist angebrochen, grau und sahl. Noch ehe die geringste Bewegung unternommen werden kann, setzt Schneetreiben ein. Es schnük und regnet und hagelt. Eisig peitscht der Sturm ein wildes Wetter über die Hochebene, und die Feuchtigkeit setzt sich in die schweren Mäntel, in die dicke Wollkleidung der Poilus, macht alles noch schwerer. Die Mannschaften werden dadurch noch unbeholfener. Wieder stehen alle Stäbe und alle Befehlsstellen bereit, trotz des schlechten Wetters. Es muß diesmal gezwungen werden. Das Schicksal hat sich gegen Frankreich und seine Poilus verschworen. Dennoch, diesem Schicksal muß man die Stirn bieten. Es muß heute etwas erreicht werden. Es müssen unter allen Umständen Namen auf den Heeresbericht dieses zweiten Tages. Dem Leser, überhaupt jedem nachdenkenden Franzosen, ist es keineswegs entgangen, daß nicht einmal ein Name im Heeresbericht erwähnt wurde. Eine mit ungeheuren Mitteln ausgestattete angreifende Armee muß doch wenigstens Dörfer und wichtige Punkte im Gelände wegnehmen, und der Heeresbericht mühte dann diese Wegnahme als Sieg feiern können. Aber nein, nichts ist geschehen. Mehr als hundert Dörfer befinden sich in der Feuerzone zwischen dem scharfen Aisne-Knie und Moronvilliers, mehr als hundert Dörfer und Weiler, von strategischen Punkten wie die Hurtebise-Ferme ganz zu schweigen. Und trotzdem ist kein einziger dieser Punkte in französischer Hand geblieben. Nichts konnte der französische Heeresbericht melden, nichts. Aber heute, heute wird es sein! General Nivelle glaubt an sich und sein Können. Die zwölf unangetasteten Divisionen der IV. Armee unter General Anthoine werden die Scharte auswetzen. Auf ihren Spuren wird der Durchbruch erfolgen. Eine andere Landschaft wird also den französischen Sieg sehen, aber immerhin eine französische Landschaft wird es fein. Und wer weih, Mangin wird doch"Uoch Laon holen, auf den Bajonettspitzen seiner Senegalneger. Er wird die Landschaft an der Serre und darüber hinaus mit seinen Farbigen überschwemmen, nur mit einem Tag Verspätung, weiter nichts. Aber er wird sein Ziel erreichen. Und nun ist die Stunde für General Anthoine gekommen. Die horizontblauen Sturmlinien erheben sich. Noch kämpft der Tag mit der Dunkelheit, noch ist das Schneetreiben so bidjt, dah kaum hundert Meter weite Sicht möglich ist. Der Zeitpunkt ist günstig wie nie. Die Feuerwalze Nivellescher Erfindung rollt und tastet Meter für Meter und Schritt für Schritt das Gelände nach hinten ab, langsam, aber sicher. Keine Ecke läht sie aus, keinen Sappenkopf, keinen Unterstandsgraben, kein Maschinengewehrnest. Und da sind die Infanteristen des Generals Anthoine in den vordersten deutschen Linien. Hier hat man i>ie vorderste Linie auf gegeben und zum Vorfeld erklärt. Die deutsche Heeresleitung hat auch hier nur schwache Kräfte, sozusagen Schützenfchleier mit leichten Maschinengewehren in der Kampfstellung belassen, um weiter zurück die Hauptlinie erbittert verteidigen zu können. Auf diese schwachen Postierungen stoßen nun die Sturmdivisionen des Generals Anthoine. Deutsche Signalraketen versuchen, die Schneewehen zu durchleuchten, um der Artillerie die Alarmnachricht rnitzuteilen. Aber hinten ist nichts zu sehen. Zerschossen sämtliche Kabelleitungen. Nur einigen todesmutigen Gefechtsläufern gelingt es, bis zur Haupwerteidigungslinie durchzukommen und den erkannten französischen Angriff zu melden. Wer inzwischen ist aus der ganzen Angriffsftont das Jnfanteriefeuer entfesselt und mahlt und knattert und peitscht in höchster Wut. Badische und westfälische Regimenter sind's, die hier den wuchttgen Stoß der Armee Anthoine auffangen und vereiteln. Nicht nur das: aus der Tiefe steigen die deutschen Bataillone zum Gegenstoß und fangen den sranzösischen Angriff im Nahkampf ab. Im Krachen der Handgranaten, im Belfern der Maschinengewehre ersttckt auch hier die groß angelegte sranzösische Offensive. Nur einige Höhen haben die Franzosen besetzen können. Der große Durchbruchsversuch der Armee Anthoine ist gescheitert. Aus mehr als 20 Kilometer Frontbreite ist die verschneite Landschaft mit Toten und Verwundeten bedeckt. Kompanieweise hasten die Leichtverwundeten zurück ins Hinterland. Um 8 Uhr in der Frühe ist bereits alles erledigt, ist die Schlacht geschlagen, die Niederlage am rechten Flügel der großen Ofsensivfront endgültig besiegelt. Französische Batterien überschütten die hartnäckige Verteidigungssront mit einem Hagel von Brisanz- und Gasgranaten. Schwere Schisfsgeschütze und Eisenbahnbatterien mischen sich ein, ohne Rücksicht auf Munitionsverbrauch, und schicken chre zentnerschweren Geschosse in die deutschen Bereitschaftsstellungen. lieber die breite Angrifssfront, die nun wieder die vielgenannte Schlachtsekdleere zeigt, belfern hin und wieder noch ftanzösische Maschinen- gewehre letzte Ohnmacht. Deutscher Heeresbericht vom 18. April 1917. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Schlachtfeld an der Aisne ruhte gestern vormittag der Kamps; der Franzose führte seinen Durchbruchsstoß nach dem Mißerfolg des Vortages im Hinblick auf die erlittenen Verluste mit den abgekämpften Divisionen nicht fort. Erst in den Abendstunden setzten Teilangriffe des Gegners ein .. Von den Höhen von Craonne und nordwestlich 6a Ville-aux--Bois angen unfruchtvaren ueocr- t das letzte Geschoß und die ij, cht zur Verfügung gestellt. , JSn Nen. Wir fi * ein (Fortsetzung folgt.) ü«l ' "in. - ni IlJ't um der litte. $ * unb Um St ■«W peilte Beiten I B wrlan ■N; t hör a eine allerletzte Möglichkeit, die Anerkennung feiner Niederlage und bas Abblasen des Angriffs. Aber was u’„- !*““** an‘* er da vor dem Urteil der Geschichte, dieser Oberbefehlshaber, der Wochen- lang, monatelang seiner Nation lichte Hoffnungen auf den Sieg und den Durchbruch der Feindfront vorgaukelte, der das Land zur letzten unb gewaltigsten Machtensaltung ausstachelte, um dann zu versagen, am zweiten Dag der Offensive schon, weil er den erhofften Durchbruch nicht beim ersten und nicht beim zweiten Ansturm erreichen konnte. Ja, wie wnd dieser General vor dem strengen Urteil der Geschichte stehen, wenn er Oie Toten des Weltkriegs. Don Gerhard Schumann. Weil diese starben, steht für euch die Fahne. Erfchauert ihr und beugt euch stumm hinab. Reißt sie ins Herz, daß sie euch brennend mahne: Sic weht, weil einer sich zum Opfer gab. Sie weht, weil immer wieder einer wild Dem Sinkenden sie aus den Fäusten riß. O wie dies heranquellend herbe Bild Uns stumm macht in das Schicksal und gewiß. Ihr wahrt dies Bild den Kindern, die da kommen. Und reicht die heilige ewige Flamme fort. Unb lehret sie mit mutigen unb frommen Unb festen Herzen dieses dunkle Wort: Das Leben lebt, weil einer sich verschwendet, Der mehr als sich die wehende Fahne liebt. Das stürmische Leben, welches niemals endet. Solange einer sich zum Opfer gibt. * lani f nidjt । bstag t te St «ft WMd bitten Senn > Men, Litnten »n R hn3« Mfie smarf Gi n X (o ch ihr Sögen | pilängli I taiffl brachen feine Sturmwellen Im Feuer zusammen ober wurden im Nahkampf zurückgewiesen. . k , Die am frühen Morgen einsetzenden Angriffe der Franzosen in der Champagne brachen nach stärkster, feit Tagen bereits gesteigerter Rückwirkung in etwa zwanzig Kilometer Breite vor. Der auch dort vom Feinde erftrebte Durchbruch wurde in unseren Riegelstellungen ausgesan- gen. Im Gegenangriff wurde den dort kämpfenden französischen farbigen Divisionen bereits erreichte Waldstücke zwischen Moronvilliers unb Auberioe wieder entrissen und ihnen an 500 Gefangene und eine Anzahl von Maschinengewehren abgenommen... Die Gefangenenzahl hat sich auf über 3000 erhöht... Die 48 Stunden des Oberbefehlshabers sind um, sind rettungslos versickert im unendlichen Schoß der Ewigkeit. Niemals wird eine, auch nur eine einzige Stunde zurückzuholen sein. Und tnas geschah, das bleibt geschehen, unb nichts wird die Niederlage rückgängig machen können, und kein Heeresbericht kann sie beschönigen. Nur 48 Stunden und keine weitere Stunde darüber verlangte Nivelle für seine Durchbruchsschlacht. Gut, bas gegen. Gut, Frankreich soll nicht vergebens sein Schicksal in Nivelles Hand gelegt haben. Der Oberbefehlshaber wirb durchhalten. Es wird feine Tragik fein, das eigene Wort zurücknehmen zu muffen. Sich selbst und seinen früheren Behauptungen muß er untreu werden. Aber er wird es tun. Daß er der Nation viel versprochen hat, Erfolge, die er nun nidH nachweisen kann, liegt an der ganzen Einstellung des Volkes, liegt an dieser unseligen, von verantwortungsloser Presse genährten Kriegspsychose. — General Nivelle ist in diesem Augenblick der tragische Feldherr, der sich selbst vor der Zukunft und vor der Geschichte verdammt. Nur seine Nation, die ihm blindlings verttaute, nicht in einen Taumel Entmutigung fallen zu lassen. i l ujr s x ' tot “fyl > menzcyen- M M auch ferner NM ha ... -----------------------, , • Ml Reih, Deshalb gibt es für General Nivelle jetzt nur noch eine Möglichkeit, Hntenl " ' ' —........ "Anerkennung feiner Niederlage und bas to'fcn g wird die Weltgeschichte sagen? Wie steht ',7, Trommelfeuers und bes anschließenden, tiefgegliederten Jnfanteriestoßes aufgeben müsfen. Aber die ausgebluteten, ausgedörrten unb menschenarmen deutschen Regimenter haben gehalten. Und sie werden auch ferner halten, in prachtvoller Disziplin stehen und den Durchbruch verhindern. ||| Schicksal hat sie ihm bewilligt. Die Stunden sind verronnen, unb der Deutsche sieht, steht immer noch eisenfest in seinen Verteidigungslinien. Es wurden ihm Gräben genommen, es wurden ihm einzelne Unterstände entrissen. Maschinengewehr- nester und Minenwerferbettungen wurden vom Poilu überrannt unb zer- ...... stört. Einzelne Höhen und Geländestreifen hat man unter der Wucht bes »eilige Trommelfeuers unb bes anschließenden, tiefgegliederten Jnfanteriestoßes MM uni I it, die । -4e de 1 Hein Kd * m Ul dich, ’itwo "'m 0, jetzt die Offensive abbläst? Die Geschichte, das weiß General Nivelle, wird ihn sicher entschuldigen, wirb ihn unter Umständen loben unb jene Selbftüberroinbung preisen, die den eigenen Stolz niebertrat, nur um der Heimat unnütze Verluste zu ersparen. Die Geschichte aber ist die Stimme der Zukunft, unb jetzt befindet sich Frankreich in der harten, kriegerischen Gegenwart. Unb dies« harte Gegenwart erfordert Handeln unb keine langen unfruchtbaren Ueber- legungen. Die Nation hat den letzten Mann, das letzte Geschoß und die iw; uner letzten Spargroschen für diese Durchbruchsschlacht zur Verfügung gestellt. , Diese Nation kann mit Fug unb Recht verlangen, baß alles nun nicht p vergebens war. I j ™ Erfolge, Erfolge! Nur der Erfolg entschuldigt. Jawohl, einem erfolg- ,, reichen General wird man sogar die blutigsten Eigenverluste verzeihen I können. Ader einem Oberbefehlshaber ohne Erfolg wird man jeden Ver- mundeten nachweisen. Man wird ihn für jede unnütze Patrone, für jedes ■ n Verbandpäckchen, für jede vorkommende Kleinigkeit verantwortlich machen, H Hat man dem großen Kaiser Napoleon Vorwürfe gemacht, als er immer und immer wieder von der Nation die größten Geldopser unb Blutopser verlangte? Nein, gern unb jubelnd hat Frankreich alles hergegeben, roeu j*l jj“ der Erfolg auf seinen Fahnen geschrieben stand. Erst dem alternden, bem is müden, dem an der Beresina geschlagenen Kaiser murrte das Volk eilte , N titi «oi iW im* Oie Krieasfreiwittigen. Bon Kilian Soll. Der Verfasser, der als sechzehnjähriger Kriegsfreiw-illiger zum erstenmal verwundet wurde, ist der Urheber des Films „Urlaub aus Ehrenwort". i;* pro >rich dB • W lei» tii üi dl* n* * ito ein, wie ein aus. Nach fast ifcestag von Langemarck in tragischer Weise geschehen. Aus Begeisterung ging mancher ins Feld, der dem Grauen des Krie- jt, nicht standhielt. Wer dann durchgehalten hat trotz seiner kindlich über» liitj j W rr, N ur f not I mut' i * tte toi» f^' em: n. M 6 ta |l» odjtt b bei Hl' M tue mir! feierlichem Abfchied stieg ich in den Zug und fuhr noch Hause. Die Fahrt war unheimlich. Ueberall muhte der Zug warten, vielfach lagen wir aus freier Strecke fest, und Truppentransporte rollten an uns vorüber, mit grünen Zweigen geschmückte Wagen, Kreidezeichnungen, luftig, sieges» gewiß leuchteten neben den Fenstern. Im Abteil sprachen sie durcheinander, ein jeder wußte etwas Neues. Mit stundenlanger Verspätung kamen wir in Breslau an. Die abendlichen Straßen, wir sahen es von den Abteilsenstern aus, waren überfüllt, die Stadt gärte. Ihr Bahnhof brauste. Die Stimmen brandeten durcheinander. Ich sah die ersten Reservisten, von ihren Familien begleitet, sah weinende Frauen, ernste Männer, sah entschlossene, tatbereite Gesichter und hörte Über allem: „Das ist der Krieg". Am Vormittag des nächsten Tages endlich kam ich in Löwenberg in Schlesien an. Die Eltern waren bereits in größter Sorge. Mutter hatte verweinte Augen (ich war ihr Einziger), Vater drückte mir sest die Hand. „Ich melde mich natürlich freiwillig", das war das Erste. Vater nickte. „Selbstverständlich." Mutter nahm meinen kleinen Koffer und trug ihn in mein Zimmer hinüber. Schon eine Stunde später stand ich vor meinem Direktor, mit mir meldeten noch acht andere Mitschüler ihren Entschluß, sich sofort als Freiwillige ins Heer zu melden. Wir sprachen vom Krieg, von den einzelnen Truppenteilen, wir waren keine Primaner mehr, wir waren Soldaten. Die Kriegserklärung brauste wie ein gewaltiger Sturm Über das Land hin. Das Alltagsleben stand völlig still. Am dritten Tag nach der Kriegserklärung hatte ich endlich meine Papiere zusammen, vor allen Dingen meinen Freifahrtschein als Kriegsfreiwilliger. Der Abschied vom Vater war ernsthaft, entschlossen, von Mutter bezwingend herzlich und sehr schwer. Die Liegnitzer Grenadiere waren mein Ziel, denn Löwenberg halte keine Garnison. Mit mir fuhren ausschließlich Reservisten. Und ein Lied erklang: „Die Vöglein im Walde, die sangen so wunder-wunderschön. In der Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn..." In Liegnitz ging ich sofort zur Kaserne. Und hier wartete die erste große Enttäuschung auf uns; wir standen mindestens zwanzig im großen Schreibzimmer des Rekrutendepots, um uns als Freiwillig« zu melden. Ein freundlicher Unteroffizier zuckte die Schultern: „Wir stellen keine Freiwilligen mehr ein..." . t . Am Abend dieses Tages erreichte ich Breslau, mit mir fuhren noch vier Kameraden von denen, die auch vergebens in Liegnitz waren. Die Fahrt bis Breslau wurde zum Erlebnis. Unaufhörlich kreuzten wir Truppentransporte, singend, siegesgewisse Soldaten, Infanterie, Artillerie, Kavallerie, unter allen auch ein Lazarettzug... Breslau stand im Zeichen des Krieges, Uniformen über Uniformen, immer wieder zogen blumengefchmückte Truppenteile durch die Straßen, voran die Musikzüge, neben ihnen Hunderte und Tausende, die ihnen das Geleit gaben, Blumen wurden aus den Fenstern gestreut, und ein Lied darüber: „O Deutschland, hoch in Ehren..." Auf Grund unseres Freiwilligenscheines wurden wir von den jungen Hilfsschwestern des Roten Kreuzes bewirtet, erhielten Zigaretten Scho- kolade, Kaffee, Kakao, und schließlich eine Anweisung auf ein Strohsacklager. Obwohl ich Verwandte in Breslau hatte, bei denen ein weiches Bett mich gewiß erwartete, zog ich das Strohsacklager vor. Und in aller Frühe des nächsten Tages machten wir uns auf den Weg. Zuerst zu den Elfern, dann zu den Einundfünfzigern, bann zur Artillerie. . Ueberall ein freundliches Achselzucken, überall die gleiche Antwort: „Wir stellen nicht mehr ein, warten Sie, bis die ersten Ausgebildeten ins Feld 9C!,$Bi'r sind bis zum späten Abend hinein in Breslau von Kaserne zu Kaserne gelaufen. Niemand wollte uns haben. Niedergeschlagenheit ergriff uns und mit ihr die Augst, wir werden zu spät kommen. Die Nacht hindurch fuhren wir zu dritt, die übrigen fuhren nach Schweidnitz, nach Glogau in der zuversichtlichen Hoffnung, daß dort in der Festung unser heißer Wunsch erfüllt würde. Zerschlagen tarnen wir an der heiße Kaffee weckte uns wieder auf, hoffnungsvoll gingen wir in 'die vom Leben durchtosten Straßen. Aber auch hier hatte man keinen Blak mehr für uns. Ein Feldwebel meinte: „In Tarnowitz bei den reitenden Jägern werden noch Freiwillige eingestellt." Tarnowitz lag am anderen Ende Schlesiens. Wir drei trennten uns voneinander, ich fuhr nach Tarnowitz, die anderen beiden wollten ihr Glück in Berlin versuchen. Ich fuhr den ganzen Tag hindurch, immer an neuen Truppentransporten vorbei. Auf dem Umgehungsweg, der unseren Zug um Breslau herumführte, begegneten wir dem ersten Lazarettzug, der von Der Front zurückkam. Breslau hatte geflaggt, die ersten Siege wurden gefeiert 3« Oppeln blieb unser Zug liegen. Erst im Morgengrauen ging es weiter. Um die Mittagsstunde kam ich in Tarnowitz an. Nachdem ich mich auf der Roten-Kreuz-Station, die hier wie auf allen Bahnhofen Des Reiches aufgebaut war, gestärkt hatte, galt mein erster Weg der Jägerkaserne. „Ja, junger Mann, wenn Sie Ihr eigenes Pferd mitbringen, rönnen S^Wahrhastim ich war den Tränen nahe. Trostlos fuhr ich wseder zurück kam abends in Breslau an, sielte mich schlaflos auf einem Strohsack- lager und machte mich in aller Herrgottsfrühe erneut aus den Weg. Am spaten Vormittag betrat ich die Artilleriekaserne am Schießwerder. Em dicker Wachtmeister musterte mich von oben bis unten, nickte und jagte. Gut, morgen früh um neun Uhr zur Untersuchung!" Das war eine Freude! Ich nahm die fleischige Hand des Feldwebels, drückte fic und machte vor ihm den schönsten Diener meiner Knaben,zeit. Er grinste über das ganze Gesicht. Nun besuchte ich meine Verwandten: Jetzt ja! Onkel Georg, ein ehemaliger Kapitulant und nunmehriger Oberpostsekretär, führt« mich abends aus. Wir haben auf den neuen Soldaten dann zusammen einen geschmettert daß sich nachts alles gedreht hat. Am nächsten Morgen wurde ich für tauglich erklärt. Sofort ging es an das Sachen packen, zunächst fteilich nur schwere Stiefel, Unterwasche, 61,11 Daß sie ihrem innersten Wunsch folgten und stolz als Feldgraue kf.ausmarschierten, ist nicht verwunderlich; selbst die Zehnjährigen wären l!™ Imtgegangen, hätte man es ihnen nur erlaubt. Den Zustrom der allzu ™ fizgendlichen unterband die Heeresführung erst, als sie sich auf eine unab« TlSbar lange Kriegsdauer einzurichten begann und ihren künftigen Er- 1nicht mehr vorzeitig ins Feuer laffen wollte. Solches ist an dem „Extrablatt! Extrablatt!!" Nach Minuten bangen, wie erstarrten Erwartens wußten wir es: b r Kriegszustand war ausgerufen worden. b Wie ein Blitz schlug die Nachricht in die Erstarrung 0: tinerrolien brandete nun das Rusen, Schreien, Lärmen ch andre steigert. Die harten und schon kampferprobten Gedienten, die einst die gelich- Iten Reihen der Regimenter mit Halbwüchsigen sich anfüllen sahen, bereiten den begeisterten Knaben einen herben Empfang. Der Soldat wertet lir Den Soldaten, mildernde Umstände billigt er nicht zu. Es war das [fame, erschreckende Erlebnis jedes „Kriegsmutwilligen", daß seine eren Kameraden ihn durchaus nicht milde anfaßtem Im Gegenteil! Jjrer Fuchtel und ihrem harten Wort unterworfen, mußte er über die ilgemeine Anstrengung hinaus Sonderdienste leisten und für die um Siebten Handreichungen herhalten, die das Leben des Feldsoldaten täg- lldi verlangte. Bei solch erbarmungslosem Beginn hat mancher schlapp Macht; andere aber setzten sich durch, bis sie sich in der Kameradschaft ich vor allem im Gefecht ihren Platz errungen hatten oder bis man sie ki ihr ehrliches Soldatengrab bettete. Mögen diese Knaben den Schrecknissen eines Feldzuges anfangs nur irjulänglid) gewachsen gewesen sein: ihre Bereitschaft zum Sterben machte t den Männern ebenbürtig. Wenn aus den Heldenzeiten des Altertums richtet wird, daß dreihundert Männer einen Engpaß mit ihren Leibern kften, fo rühmt Deutschland sich jener Armee von Heranwachsenden, die itr einem Vierteljahrhundert als Schildträger des Vaterlandes bluteten, tis unermeßliche Opfer unserer kindjungen Kriegsfreiwilligen findet erst iienllich heute feine militärische Rechtfertigung: aus der Vergangenheit lochtet das Beispiel der Früheren, die sich ohne Maß und ohne Berech- ing in das Opferfeuer hineinwarsen und zu Unzähligen darin ver- unnten. Wir betrachten das erloschene Gesicht des gefallenen Kriegsfreiwilligen ü-hl mit der Rührung, die das Ungelebte in uns erweckt; gleiche Ehrsucht aber erweisen wir jedem, der sein Leben willig oder freiwillig opferte. Aus ruhmreicher Vergangenheit steigend, steht Grohdeutschland teilte und immer auf Freiwilligkeit und auf Gehorsam; es würde sinken, Dinn eine dieser Säulen zerbräche. Weiter als Sieg ober Niederlage mcht also die Glut der Opferkraft! Sie kann ein besiegtes und zertretenes Ito zu neuem Glück emportragen. Die Jugend blicke auf dieses Licht, Iks die Freiwilligen von 1914 entzündeten. Denn eine berechnende Jii- llmd, die sich vorsichtig zurückhält, wäre ihres Vaterlandes nicht wert: Imrde der Krieg gewonnen, an dem teilzunehmen sie zögert, so würde Mch ein künftiger unerbittlich für immer verloren. ! Wir bereuen die Opfer nicht, die einst gebracht wurden oder di« wir llfoer in Freiwilligkeit gebracht haben. Soldatenblut ist keine Handel-- II®re; selbst wo es in Strömen vergossen wird, werte man es nicht mit II k- bloßen Vernunft. Das lehrt überzeugend die Gegenwart, die uns als jjkr erworbene Anspruch unseres Volkes auf eine Größe erscheint, welche || (einen Opfern im Weltkrieg an gemeßen ift Aus der prima ans Geschütz. Erzählt von I. Schimmel-Falkenau. Sm Jahre 1914 drückte ich die Bank der Prima des Löwenberger I Sialgtjmnafiums, und im Oberschlesischen verlebte ich meine großen |t Serien. Im tiefen Frieden leuchteten die Tage, bis gegen Juli-Ende eine | goß« Unruhe auf die Menschen hier im Waldgebiet des Moleparttis, i «t)t an der damals russischen Grenze, Übergriff. Waldarbeiter brachten Nachrichten über Trupvenansammlungen jenseits der Grenze, ungewisse Nachrichten freilich, aber gerade darum kanruhigten sie so sehr. An einem der letzten Jutttage kam mein Onkel «le der Kreisstadt Lublinitz zurück, sein Gesicht war ernst, er legte nur I ™ Hand auf die Schulter und sagte: „Koffer packen, mein Junge, und nach Hause", er sah über mich hw- | und ries dem Hilssförster zu: „Lassen Sie bitte einspannen, in zwei I Eiunden geht der Zug." .. . i Der Bahnhof Lublinitz war ein Heerlager, in überstürzter )agten W'sende durcheinander, drängten sich rücksichtslos aus dem Bahnste g, bt jeder fast hatte eine Zeitung in der Hand, und dann schrie es plotzl ch ’in weither: Wenn wir in Friedenszeiten die Sechzehn- und Siebzehnjährigen * | Frachten, so begreifen wir kaum, daß wohl hunderttausend dieser Heran- »Uchsenden in den ersten Kriegsmonaten freimütig ins Feld gezogen sind. । J allen Regimentern dienten und starben jene, Deren Lebensalter kaum ! irt Den Jünglingsjahren zugerechnet werden konnte. »psönchichen Seele, wer dann fteiwillig im Felde blieb, der schürte für ihre den Opfergeist feiner Truppe. Man kann einen Krieg nicht nur mit unwilligen fuhren; aber ebenso wenig nur mit Verpflichteten. Zwischen «licht und Opferlust webt ein unsichtbarer Zusammenhang, indem jedes MN t Verantwortlich: Dr. Hans Lhhrlot. — Druck und Verlag: Drühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen. ünholb slitrD ü mrd tis dies holte «jdejl ■lieelle, >11 9« u Gefangenschaft ist der Blick ’m den Rücken des Krieges, wasfenbs, tatenlos, unnötig in einer Zeit, dessen ehernes Gesicht die Bruder iet Front prägen. Was bleibt? Der Grund, die Antwort auf das „Warum!" Deutsch land! Stumme Selbstverständlichkeit, geheime Quelle, die nicht »erfL.gt und das letzte Lächeln des Trotzes nicht löschen kann. I'tuvci ^luuini yvviuu/i yuiix, UUfj Ul« -LrUVlllüH u-ieses yiuiiviu/'-'* | ältesten deutschen Heeres, dieser kleinen, aber mustergültigen, so rühm«"' fechtenden und nie, auch nicht im kleinsten Gefechte besiegten öfterrcitW" ungarischen Flotte einst einaehen werde in die Ueberlieferung des gesan>’ deutschen Heeres. Damals schon ahnte ich das. Und darum hat fast l«S5i j Wort, das ich schrieb, diesem heiligen Ziele gegolten. wie ich sie bisher mein Leben lang noch nicht getragen hatte, so derb und rauh, dazu Drillichhosen und Drillichjacke, Halsbinde und Rekrutenkappe und — Fußlappen. Daraus fiel mein Stolz, meine schöne Tolle. In aller Freude empfand ich hier einen heftigen Schmerz. Einer Kor- poralschast wurde ich zugeteilt, ein Korporalschaftsführer blies mich gleich so heftig an, daß der ehemalige Primaner und das verwöhnte Muttersöhnchen einfach fortgeweht wurden, nur der Rekrut blieb übrig. Ich schrieb einen langen Brief an die Eltern. Nach zwei Tagen trafen sie in Breslau ein und besuchten mich. Mutter war sichtlich erschrocken, als ich in meinem Drillichanzug mit schweren Stiefeln wuchtig auftretend, vor ihr stand. Aber Datei lachte stolz und froh. Nun ja, Vater war ehemaliger Hirschberger Jäger. Er legte mir die Hand auf die Schultern und meinte: „Da wollen wir mal zusammen essen gehen, ich habe für dich Ausgang erwirkt." Ich antwortete knapp, aber begeistert: „Jawohl, das wollen wir..." Sechs Wochen später wurde ich bereits nach beendeter Ausbildung der Ersatzbatterie zugeteilt und nach weiteren fünf Wochen, der Herbst wehte schon über das Land, standen Vater und Mutter an der Rampe, ich in meiner neuen feldgrauen Uniform bei ihnen, einen Blumenstrauß am Karabinerlauf und Blumen am Helmüberzug. Als wir abfuhren — es ging nach Westen — mußte Vater Muttern stützen, aber sie lächelte doch, sie lächelte unter Tränen mir nach, als der Zug langsam anfuhr. Ein Lied setzte ein, wir nahmen es alle aus: ,La, mit Herz und Hand fürs Vaterland..." und dann: „Die Vöglein im Walde, die sangen so wunder-wunderschön. In der Heimat, in der Heimat, da gibt? ein Wiedersehn.. Äschm ji aufbü Sil dies *er ? «$rar ün her hlh eil J 3ron i in ein «, illers Ijwi iWlht '?«. Wi l.”l ch -* «m äf i’oirbi !,<10« ( Bom schwarzgelben Reiter zum Soldaten des Reiches, Von Alfons F r e i h « r r n v. C z i b u l k a. Als Leutnant mit Wartegebühr — Wartegeld — beurlaubt, weil id, Maler werden wollte — das Schriftstellern kam erst später —, erlebte q aus der Buchgewerbeausstellung in Leipzig den Augenblick, in dem üe Militärkapelle, deren Klänge über die fröhliche, unbeschwerte Menge ier Ausstellungsbefucher hinfchmetterten, mitten im Spiel plötzlich abbrah, und eine Stimme das Telegramm vom Morde in Semjewo verlas. Si gen, die ich als Ordonnanzoffizier überbrachte, bald brandenburgisch^', bald steirischen, bald bayerischen, bald rheinländischen, sächsischen od-a würtlembergischen Regimentern, bald ungarischen oder egerländisch«» Truppen galten, bald Kroaten, Pommern öder Kärntnern, da wußte daß es nicht Deutschland und nicht Oesterreich-Ungarn waren, sonder« immer noch das alte heilige Reich, das unter zwei Fahnen wohl, ab-n unter dem einen deutschen Kommandowort um Sein oder Nichtsein fofit, wie einst in den Tagen des Prinzen Eugen. Nahe bei Alexandrovac, der Sommerresidenz des serbischen Königs war es, daß ich, der österreichische Dragoneroffizier, an einem November tage eine Patrouille preußischer Husaren führte, die einst im Sieben- jährigen Krieg, bei Kolin, mit meinem Regiment die Klingen getreu,4 hatten. In dieser Stunde geschah mir das Wunder, daß ich mit einem Male die Gemeinsamkeit alles deutschen Soldaten tu unerkannte. Und nicht nur das. Immer, wenn hinter mir der GaloppsäM der preußischen Reiter pochte, die Fähnlein von den Husarenlanzen sinterten — der Husarenzug, der uns zugeteilt war, hatte keinen Offizier -- wußte ich, daß einmal wieder kommen werde, was einst schon gewesen: das Reich aller Deutschen. Gefangenschaft. Von Rudolf Ahlers. Es kann hier nicht tn>. Erinnerungen gehen. Der Krieg gab. mehr; er hämmerte eine Wirklichkeit ohne Gnade in die Gemüter, die ihren Sinn ein Menschenleben hindurch behält. Er hämmerte sie in die Gedanken der jungen Menschen zumeist und dies in jener Lebensspanne, die allem Erleben und Aufnehmen von Eindrücken weit sich öffnet, um später aus gewonnenen Erkenntnissen in eine Haltung hineinzuwachsen, die das Gesicht des Mannes zeichnet und feinen Charakter ausmacht. Gefangenschaft aber ist ein Zustand, der dem Wesen des Krieges widerspricht. Krieg ist Bewegung, ewige Wandlung vom Heute zum Morgen, Ungewißheit unbekannten Schicksals ist der tägliche, ja stündliche Begleiter. Gefangenschaft ist Verharren, dumpfer Zustand des Wartens, sinnloser Zustand tagtäglicher Wiederholung der gleichen Gesichte, der gleichen Bilder. Sie ist der ewige Kreislauf gleichbleibender Gedanken, die vor den Stacheldrähten halt machen und nicht weiter können. Es gibt keine Zukunft, es gibt weder Spannung noch Frage nach einem Morgen, denn dieses gesellt sich brudergleich dem Heute, häuft im gleichen Inhalt Tage zu Wochen, Wochen zu Monaten und diese zu Jahren, so wie die gleichgeschnittenen Karten eines Spiels aufeinander liegen. Gefangenschaft widerspricht der Haltung des Soldaten. Seine Kraft nährt den Kampf. Sein Glaube gilt dem Sieg. Er ist eingegliedert in diese große Bewegung seines Volkes, mitgeriffen von einer Flut, die den Gegner ertränken will. Seine große Befreiung ist immer die Tat. Gefangenschaft trägt das Brandmal der Besiegten auf der Stirn. Das ist ihre größte Bitterkeit. Gefangenschaft ist ohne Tat, ohne Befreiung und !— im letzten Grunde würdelos. Das ist ihre Not. Sie geschieht ohne Schuld. Sie geschieht plötzlich und unvermutet in jenen Minuten, in denen ein Grabenstück abgeriegelt, eine Patrouille abgeschnitten, eine Welle angreifender, heiß erregter Menschen unterlaufen wird. In diesen Minuten ist für sie der Krieg zu Ende. Sie blicken nicht mehr in fein gnadenloses Gesicht einer ehernen Notwendigkeit: Mannes- tum, Einsatz, Bereitschaft können sich nicht mehr bestätigen im Spiegel seines Antlitzes. Der Soldat stirbt in dieser Stunde. Seine Ehre wird ihm genommen in dem Augenblick, wo der Gegner seine Masse lächelnd in den Händen wiegt. Es bleibt nur noch der Mensch und dieser hat sich einzurichten mit dem, was bleibt. Es bleibt der Trotz und später nach den ersten Monaten endloser Pendelgänge am Stachelzaun die gleichgültige Gelassenheit allem Geschehen gegenüber als einzige Waffe sich, zu schützen gegen ein Dasein, das diesen Namen nicht verdient. Sein bestes Teil heißt Warten. Letzte Revolte gewaltsamen Entschlusses bleibt der Fluchtversuch und. dreißig Tage Dunkelarrest sind nicht zu teuer für den Rausch bezahlt, in dem der Ansturm, die Freiheit zu gewinnen, für einen Augenblick erlösend auf- flamnüe. Dann aber umgrenzt wieder der Zaun ein Dasein, das nur noch Warten heißt. Seine Gefahr bleibt, in einem Zustand zu erstarren, dann wird es dumpf, gedankenlos, gleichgültig und die Gewohnheit walzt es platt. Die Besten, die Gesundesten erinnern sich immer wieder daran und halten das Gehör wach für die Zeit, die — dennoch wandert über die blutenden Länder. Front ist Bewegung, Marschieren heißt Ferne. Der Gefangene lebt die Nähe. Gemeinschaft? Kameradschaft? Was zu sagen ist, ist längst gesagt. Sie kennen einander wie ihre Hosentasche, jede Falte, jede Geste, jeden Gedanken, jede Stimmung und — was schlimmer ist — jede Schwäche. Sie reiben sich aneinander wie es Tiere tun in Freiheitsdrang und Ungestüm, die zusammengepfercht auf langen Transporten stehen. Zu nahe hat die Zeit sie verfrachtet, die Reise hat kein Ziel, sie scheint ohne Ende. Die Wachen wissen es und tragen dem Umstand Rechnung. Wohl spannt sich einend über sie der Bogen gemeinsamen Blutes, der Heimat, aber Schicksalsverbundenheit will Bewegung und Tat, sonst erkaltet sie und wärmt nicht mehr. AII Mik Mt, 'Men. ?h° Ntln. ■= »eitet * Mn, M $ Und später, in dem heroischen Kampfe an der Hochgebirgsfront uir) während der österreichisch-deutschen Offensive von Flitsch und Tolmem, i wurde es mir zur Gewißheit, daß einst die ganze stolze Tradition dieso- altösterreichischen Heeres, das so beispiellos gefochten und geblutet, l®51 Preußisch-Schlesien vor russischem Einbruch bewahrt, das siegreich die .1S Riesenschlachten am Jsonzo geschlagen, das den Alpenwall über M z menschliche Möglichkeit gehalten, das pro Regiment bis zu 45 'M bataillone ausgestellt und die höchsten Blutopfer aller im Weltkrieg kam»- fender Staaten gebracht hatte, daß die Tradition dieses glorreichen uiro ! , w rtflöffen hflitKÄxaCa aavaa XIaTa«* f a fllhttlDÖ«* I , • s< SietzenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Jahrgang 1939 Montag, -en 3. Juli Nummer 50 um Colour & Grey Control Chart de ran verb lutet — / 22 16 11 10 9 6 Z £ t7 S 9 L 8 6 Magenta Black mten zu Nivelle nicht mehr? Daun aller- t der Republik den angebotenen Rücktritt kin Zwischending gibt es nicht mehr ange- veits zu sprechen begonnen haben." weicht augenblicklich. Poincare und Palm bitten Nivelle, den Oberbesehl zu behalten, st und trotzig und lehnt energisch ab. Und obener Stimme: 19 20 21 12 13 14 15 17 18 Eme Armee meutert SCHIGKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Lin Bericht von p. S. Ettighosfee Lopgright b y Bertelsmann Gütersloh 4 5 7 8 nden uns im Krieg und müssen daher i als sonst. Es geht nicht um uns, es gcht nt der Französischen Republik könnte ich sch Ihrem Posten zu verbleiben, aber ich ' den, denn ich weih, daß dieser Appell an ygre vaterianMsche WWmmg nicht ungehört verhallt." Der Kriegsminister und die anderen Herren und anwesenden Zivilisten umringen Nivelle. Sie beschwören ihn, auf seinem Posten zu verbleiben. Er weist auf die Quertreibereien hin, entlarvt schonungslos die Eifersüchteleien seiner untergebenen Generäle. Er redet sich allen Zorn der letzten Wochen von der Seele, und das beruhigt ihn. Und Petain erklärt: „Generali Was soll Frankreich von Ihnen denken, wenn Sie jetzt, im entscheidenden Augenblick, zurücktreten? Das Heer steht bereit, der letzte Poilu erwartet von Ihnen, daß Die ihn zum Siege führen, wie Sie es versprochen haben. Und nun wollen Sie nicht mehr?" Da braust Nivelle noch ein letztes Mal auf: „Wer will nicht? Ich will nicht? Jawohl, ich will! Aber man möchte mich im Stich lassen, man möchte mich dieser Ausgabe nicht gewachsen sehen. Aber ich bin dieser Aufgabe gewachsen, meine Herren, ich bin es! Gut, so werde ich denn bleiben. Frankreich soll mich nicht fahnenflüchtig sehen. Gut, meine Herren, ich bleibe!" Stumm reicht der Präsident der Republik dem Oberbefehlshaber die Hand, drückte sie lange. Das Vertrauen ist wiederhergestellt. „Endlich ein Mann, ein voller Mann, an der Spitze der franwliicftet» .ar-....." s.—l -------------- ...i - r h Tagen bedeutend gesteigert. Besonders von Angres bis zum Südufer der Scarpe lag gestern in Zeitwellen starkes Feuer aller Kaliber aus unseren Stellungen. Mehrfach vorstoßende englische Erkundungsabteilungen wurden von unsrer Grabenbelatzung zurückgeschlagen. Auch an der Aisne-Front kam es int Anschluß an unser gestern gemeldetes, in dem beabsichtigten Umfange voll geglücktes Unternehmen bei Sapigneul, nördlich von Reims, zu lebhaftem Feuerkamps. Wir haben dort 15 Osfiziere, 827 Mann gefangen, 4 Maschinengewehre und 10 Minenwerfer mit viel Munition erbeutet ... Oberleutnant Freiherr von Richthofen hat seinen 35. und 36. Gegner abgeschossen ... Der Erste Generalquartiermeister: Ludeudorsf. Ein geglücktes Unternehmen bei Sapignsul? Dazu noch im Abschnitt der kommenden, großen Ereignisse! Was ift's um diesen deutschen Vorstoß? Nur ein kleines Teilunternehmen, weiter nichts, kaunt erwähnenswert angesichts der Dinge und Ereignisse, die gleich das Gesicht des großen Schlachtfeldes verändern werden. Die 10. Reserve-Division unter Generalleutnant Dallmer hat südlich von Berry-au-Aac aus dem linken ■ -was tmro Nivelle nun sagen? Nivelle erhebt sich. Er blickt langsam rundum, blickt in lauter verschlossene Gesichter, in lauter Feindseligkeit und eisige Abwehr. „Herr Präsident! Es hat keinen Zweck mehr, meine Ausführungen #u wiederholen. Ich sehe es ein. Man will mich nicht verstehen, man ®rtl mich nicht anerkennen. So bleibt mir denn nichts übrig, als Ihnen, *ent Präsidenten der Französischen Republik, mein Amt als Oberbesehls- »aber zur Verfügung zu stellen." _ Nivelle setzt sich. Schweigen lastet bleischwer. Draußen über dem Salonwagen peitscht der Frühjahrssturm dünne Schneeslocken durch das wch tote Gehölz. Manchmal weht es von fern daher ganz laut und ’T r?" -?*e Front brüllt. Im Artois, am linken Flügel, eröffnet Mar- "lall Haig mit feiner Artillerie in diesem Augenblick das Vorbereitungs- Mvell^ Sewaltigen Durchbruchsschlacht nach dem Plan des Generals Hier, im engen Raum des Salonzuges, mitten im düstern Wald von ^omptegne, hören es die Menschen und empfinden, daß es jetzt kein mehr geben darf. Nein, zuviel der Worte. Jetzt muß die Tat precheu. Warum noch zögern, warum nicht auch einmal alles, aber 'W ades, den letzten Mann, das letzte Pferd und die letzte Patrone, n die Schlacht werfen?! Ocm 1 2 3 ganzen Kräfte der Nation sollen eingesetzt werden." Können" wir dies verantworten, frage ich Sie? Wir können es nur, wenn das erreichte Ziel den Einsatz, der ohne Zweifel sehr blutig sein wird, rechtfertigt. Wir müssen verhindern, daß unser Heer sich hi_____ So spricht der Kriegsminister Painleoe und will sich in langen Darlegungen ergehen, doch Nivelle unterbricht ihn fast barsch und erklärt: „Alles, was gesagt werden muß, ist bereits wiederholt gesagt worden und in der Konferenz zu Chantilly festgelegt. Außerdem bin ich allein verantwortlich für die gesamte Durchführung dieses Unternehmens, dessen Plan von mir stammt. Ich werde diese Verantwortung zu tragen wissen. Ich habe diesen Worten nichts mehr hinzuzufllgen." Nivelle blickte kampsesmutig um sich. Jedem einzelnen Anwesenden Ichaut er scharf in die Augen. Und siehe, alle werden unruhig. Sie ver- fieren die Nerven. Poincare bittet nunmehr Franchet d'Especey um feine Meinung. Und dieser General berichtet von ungeheuren Schwierig- teiten in feinem Frontabschnitt, hervorgerufen durch den planmäßigen Rückzug der deutschen Truppen anläßlich des „Unternehmens Alberich". Tranchet d'Efperey hält es für ratsam, in seinem Befehlsbereich den Angriffsplan zu ändern. Nun soll Micheler seine Ansicht kundtun. Er verwickelt sich in scharfe und wird mehrfach von Nivelle zu Verbesserungen ge- Blue White Cyan Grey 1 Green Grey 2 Yellow Grey 3 Red Grey 4 General de Eastelnau erhebt sich und weist mit der Hand gegen Nordwesten, wo Arras liegt und das Kampffeld um Birny, aus dem um diese Minute der britische Feuerorkan entfesselt brüllt und tobt. „Meine Herren", sagt er, „hören Sie das Lied der Schlacht da draußen! Während wir hier sitzen und unfruchtbar überlegen und reden und reden, nimmt das Schicksal seinen unerbittlichen Laus, lieber unsere Sorgen und Erwägungen hinweg geht der Krieg einfach zur Tagesordnung über. Es gibt in dieser ernsten Stunde nur zwei Erwägungen: _«^»rung Vertrauen zu Nivelle? Wenn sie dies pi^äW ' jede Handlungsfreiheit gewähren. v t fein, sich in die Pläne des Generals zu