ßreitag, den 50. Juni Nummer Hy Jahrgang 1959 und Aschen l’rf *> 6 batte 4 lend m mW Hfl Mm- fragte d 5 die w, SeileitgiJ ins Portal len. |f| breitet m tter unb ;-i nir joriiol Segler tjl )e. Ich otalfl irde sie | it gewchM Solch litt! ch nicht. M mir gleit! rten sicher! zm W| Lim Armee meutert SGHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917 Em Bericht von p. -.Lttighoffec Lvptzright 6 y Bertelsmann Gütersloh 4. Fortsetzung. Letzte Vorbereitungen zur Schlacht. eine nie® en ... ■ ’M; m djt in P en tjinunls jemertle i Hoile ein tuten -• der Ast' i den w > zwei P ch im ®i! alle, *=! War er es ml» ® irden |»e| @en»!-' die» es mit' f ; mar * ibarteiU" leifte#| ide g«r iene m*l । < 6** » ter S"1 unb„ J tt Über J 'ielMi, -I über d le bäumet- und ich d 1®* ** Der deutsche Ruchzug in die Slegsriedstellung hat zwischen Oise lisne neue Verhältnisse geschossen. Der linke Flügel des Nivelleschen S-roßangrisss wird nun nicht mehr an der Oise liegen, sondern an der tvfsaux-Ecke. Von dieser Frontstelle nach rechts herüber bis Moronvilliers tr. der Champagne sind seit Mitte Februar fieberhafte Vorbereitungen im ß-ange. Das Trommelfeuer soll viele Tage dauern. Die Artillerie wird in mehreren Linien sinnvoll gegliedert stehen. Es kommt darauf an, die Kinenwerfer so dicht wie nur möglich an die deutschen Gräben heran- chchieben, vielleicht sogar bis in die vordersten französischen Stellungen, eilt alle diese Waffen müssen Bettungen gebaut werden. Die Munition Ixrf nicht im Freien liegen, sondern mutz in tiefen Stollen splitter- und i uersicher untergebracht werden. Zwischen der Lafsaux-Ecke und Reims werden 5345 Geschütze auf- l’iteüt, das heißt, durchschnittlich auf je acht Meter ein Feuerschlund, ledem dieser Geschütze stehen ungezählte Munitionsmengen zur Ber- ’igung. Es braucht nicht gespart zu werden. General Nivelle hat nicht reuiger als 6'/- Millionen Feldartillerieschuß für den Angriff an- esordert. Tag und Nacht werden die Granaten in endlosen Zügen herangefäh- im, ab geladen und durch anamitische Trägerkolonnen in die frisch- i-bauten Batteriestellungen gebracht. Dann rollen schwere Vier- und iechstonnen-Lastwagen an. Ihre Federn ächzen unter dem Gewicht der Granaten. Diese Lastwagen bringen 1 778 000 Schutz schwerer und schwerer Kaliber. Auch diese Munitionsmengen müssen bis zum Tage des imgriffs, bis zum „Tag I", verschossen fein. Alsdann wird man eine । Mite« gleich große Menge längst wieder bereitgestellt haben, um die Wbringenben französischen Sturmtruppen durch wirksame Feuerkraft zu i eiterstützen. , Nicht genug! Eine Million Grabenminen stehen bereit. Ihr höllisches brachen wird den Menschen da drüben die letzte Besinnung rauben. Eine IMillion Grabenminen auf einer Frontbreite von noch nicht ganz 50 Kilo- | Metern. Welche Furchtbarkeit, welches Entsetzen! Wird ein einziger Mensch l lebend dieser Hölle entrinnen? Wird überhaupt noch eine Fliege, eine - Satte, eine Laus am Leben bleiben? • Nein, alles Leben wird erstarren und ersterben unter dem Donner r»n 1778 000 Schutz schwerer Granaten, unter dem höllischen Zischen : nd Krachen von 6% Millionen Feldartillerieschuß, unter dem Nieder- » nachten von einer Million Grabenminen. Neunmillionenzweihundertacht- andachtzigtausend Explosionen werden die 50 Kilometer dieses deutschen irontabschnittes erschüttern. Mehr als 180 Explosionen auf den laufenden Keter Frontlänge werden es fein. , n s. Hat die Menschheit solche Schrecken schon einmal erlebt? Wird es ■ ftB-'i-r, sein, diese Hölle noch zu steigern? Der große Plan muß gelingen. Ihb Ni re lies Kavalleriemassen werden ungehindert über ein Totenfeld tiiten und Furcht und Schrecken im Hinterland verbreiten. Außer den angegebenen Munitionsmengen liegen noch etwa 20 Millio- n n Gvanatcn aller Kaliber als Ergänzungsmenge bereit. Es wird mog- Ich fein, täglich weitere 400 Eisenbahnwagen Munition zu liefern. Die Erstürmenden Jnfanteriemassen bergen in den Munitionskalten ihrer ' -I aschinengewehrabteilungen 170 Millionen Infanterie-Patronen. An der Spitze der Angriffswelle sollen auserlesene Stoßtruppler schrer- Saft 7 Millionen Handgranaten werden sie mitschleppen, m Sand- l Wen quer über der Brust. Die gefürchteten Gewehrgranaten werden | ’-iini Vorgehen auf die Stellungen des Gegners niederprasfeln und dort | enen Regen von Tod, Feuer und 3V» Millionen Explosionen ausspeien. | » ZweimillionenfechshuNderttausend Franzosen werden mit Wucht den 7 'Sriff in die deutschen Linien tragen. Allein im engeren Rahmen der | r -rchbrachsschlacht, im Aisne-Bogen, werden 1200 000 Baionette funkeln , als starrender Wald von stahl und Willen den erschütterten feld- ! 3 muen Gegner vor sich hertreiben. „ . ..... .. I lu/*1® dann werden 5 Kavallerie-Divisionen, glänzend ausgerüstet, imr rilten dfnrdematerial, in die Bresche springen und werden reiten, reiten, dem linken Flügel der gewaltigen Schlacht sollen 100 000 Belgier Mchen Dixmuiden und Steenstraate den Totentanz gegen die feldgraue -röfsuen, zusammen mit den 1800 000 Tomnties des Feld- Wrschall Haig. Biermillwnenfünfhunderttausend allierte Soldaten werden zweimillio- nensiebenhuirdertdausend Feldgrauen gegenüberstehen. Es wird unmöglich fein, diesmal nicht zu siegen! Die Zeit der letzten großen Schlacht naht. Geld oder Arbeitskraft oder sonstiger Aufwand zählen nicht. Große Umgehungsbahnstrecken find gelegt. Auf 420 Kilometer Normalspurbahn bringen 872 Eisenbahnzüge mit zusammen mehr als 26 000 Wagen die erste Munitionsrate heran in den Bereich der Feuerzone. Von hier aus rollen Tausende von Loren auf 50 Kilometern neu gelegter Schmalspurbahn bis in die einzelnen Munitionsdepots. Fast 100 Kilometer Straßenbau find im Aufmarschgebiet notwendig geworden. Einerlei, spielt Überhaupt keine Rolle. Es spielt auch keine Rolle, daß Über den Aisne-Kanal und die verschiedenen mehr oder weniger breiten Wasserläufe, die von Osten nach Westen hinziehen, 4500 laufende Meter schwere Brücken, 1160 Meter Uebergänge für die Artillerie, 460 laufende Meter Brücken für die Kavallerie und 800 Meter Stege für Infanterie gelegt werden müssen. Hunderttausend Anamiten, zweihuuderttausend weiße Schanzarbeiter und hundertachtzigtausend Mann Territorialtruppen sind unermüdlich mit dem Herrichten dieser Anmarschwege und mit sonstigen Vorbereitungen beschäftigt. Tag und Nacht rollen die Lastwagen mit Werkzeug und Material. Tag und Nacht — Nacht und Tag. Unter dem Material soll Deutschland ersticken, unter diesem Material des Gegners. Hat je schon einmal eine Schlacht in der Weltgeschichte größere Vorbereitungen gesehen? Hier ist eine Materialschlacht, die selbst die wundervoll erdachten und diszipliniert ausgeführten Angriffe auf Verdun weit in den Schatten stellen. Kein Verhältnis zwischen den damaligen deutschen Vorbereitungen und den Rüstungen zur Nioelleschen Durchbruchsschlacht! Frankreich wirft feinen letzten Poilu, seine letzte Granate, seinen letzten Frank, seine letzte Hoffnung in die Waagschale. Und diesem Frankreich wird es nun angst vor solchem Tun. Dieses Frankreich, das sich anschickt, seine letzten Kräfte rückhaltlos einzusetzen auf Gedeih und Verderb, bekommt plötzlich. Bedenken. Das Gewissen regt sich und dies Gewissen heißt: Parlament! Was hat das Parlament zu sagen, wenn das Schwert spricht? Läßt sich vom grünen Tisch aus Krieg führen? Sie sollen sich in der Sicherheit ihrer Etappe verkriechen, sie sollen daheim bleiben, diese überängstlichen Parlamentarier! Aber nein! In Frankreich hat der Abgeordnete das Recht, auch einem kommandierenden General auf die Finger zu schauen und zu versuchen, militärische Entschlüsse zu beeinflussen. In diesen kritischen Tagen der Vorbereitungen zur Schlacht reifen mehrere Abgeordnete an die Front, besuchen die einzelnen Heerführer, um die Stimmung der Truppe zu erforschen. Und hierbei stoßen sie auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen Nivelle und den ihm untergebenen Generälen. Besonders General Micheler, der Führer der eigentlichen Durchbruchsarmee, fällt von Tag zu Tag mehr in einen düsteren Pessimismus. Er glaubt nicht mehr an den Ersolg. Ja, was soll die Truppe sagen, wenn solcher Defaitismus bei ihren hohen Vorgesetzten herrscht. Wie kann der kleine Leutnant ohne Zaudern in den Tod gehen, wie kann der Regimentskommandeur von seiner Truppe, angefangen beim ältesten Stabsoffizier bis herunter zum letzten Poilu, jenen rücksichtslosen und freudigen Einsatz verlangen, wenn beim Armeeführer General Micheler schon eine traurige Hoffnungslosigkeit herrscht! Es herrscht weiterhin, das erkennen die umherreisenden Parlamentarier, eine scharfe Meinungsverschiedenheit zwischen General Micheler und seinen beiden Unterführern General Mangin und General Mazel. General Mangin ist mit Nivelle, dem Kameraden vom Douaumont, seelisch verwandt und steht ihm auch sonst miltärisch näher. Er glaubt an Nivelle und an den Erfolg. Er allein ist beseelt von jenem Angriffsgeist, der nötig ist, eine Schlacht siegreich zu schlagen. Die andern Generäle bekennen sich innerlich schon als Besiegte, ehe überhaupt noch der erste Schuß gefallen ist. . Ganz am rechten Flügel, der bei Moronvilliers tief in die Champagne-Front hineinragt, dort am Angelpunkt der großen Drehschlacht, di- Hindenburgs Stellung für immer aus den Angeln heben soll, sieht man einen dritten Pessimisten. Es ist General Petain, der sich zwar entschlossen zu der ihm gestellten Aufgabe bekennt, jedoch unverblümt zugibt, daß er Nioelles Plan für Unfug hält. Petain ist für weise und abwägende Taktik, nicht für ungestümes Borwärtsstreben. Und die Pvilus, die Träger des Angriffs, die Namenlosen, auf deren Bajonettfpitzen der Sieg ruht, ja, wie stehen sie zur bevorstehenden Schlacht? Die Parlamentarier horchen und schnüffeln umher. Sie gehen in die Massenquartiere, die man dicht hinter der Front in Wäldern angelegt hat. Sie besuchen die Ortsunterkünfte, sie horchen auf den Pulsschlag der Armee. Und dieser Pulsschlag ist regelmäßig und gut und MeMerMnlienblätler Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger gesund. Der namenlose Frontsoldat, Offizier, Unteroffizier und Poilu, lst rückhaltlos begeistert. Was kaum der Poilu bei dieser Schlacht schon gewinnen? Für sich persönlich nichts, gar nichts. Di« Ehr«, di« seine Truppe einheimsen wird, gilt nicht ihm und seiner kleinen und winzigen Person, sondern der Fahne. Ihn erwartet mehr Mühe, Gefahr, Verwundung und vielleicht sogar der kalte Tod. Aber dennoch ist der Frontsoldat begeistert. Es ist das Los des namenlosen Frontsoldaten, hüben und drüben, nicht mehr mit dem Morgen zu rechnen, nicht mehr an sich zu denken, an seine kostbare eigene Person. Nein, das alles ist emsgewischt, untergegangen in einer großen schönen Kameradschaft angesichts der Gefahr und des Todes. Er weiß nicht, der kleine Poilu, wann die Schlacht losbrechen wird. Er kennt nur die Formel und die lautet: „Beginn der Endschlacht dieses Krieges ist am ,Tag 3'." Der Oberbefehlshaber allein wird den „Dag 3" bestimmen. Di« Stunde des Losbrechens heißt „Stunde H". Am „Tag I" zur „Stunde $)“ wird man marschieren, man wird freudig marschieren, um mit diesem Spuk endlich mal Schluß zu machen. Viel zu lange schon hat er gedauert, dieser blutige Krieg. Wann wird endlich der „Tag I" anbrechen? Zur„Stunü« 5> + 60 Minuten" wird man zwei Kilometer ties in die feindlichen Stellungen gedrungen sein. Ium Donnerwetter, laßt endlich den Tag und die Stunde kommen! Der Poilu ist geradezu in Hochstimmung. Wehe, wenn man ihn jetzt enttäuscht! Ach wäre das jetzt eine Enttäuschung, wüßte der Poilu von der Uneinigkeit da oben beim Stabe! Nur die Parlamentarier wissen davon und haben einwandfrei erkannt, daß glühende Eifersüchteleien das Schicksal Frankreichs gefährden. Wahrscheinlich wollen Nivelles Untergebene einen offenen Streit herbeifichren, verbunden mit dem unvermeidlichen Stellungswechfel im Oberbefehl. Wer weiß, vielleicht wird den einen oder anderen von ihnen dieser Befehlswechsel nach oben spülen. Während in rastloser Arbeit bei Tag und bet Nacht ohne Ermüdung und ohne Weichheit, die große Durchbruchsschlacht vorbereitet wird, durch Bereitstellung von Menschen und Material in unerhörten Ausmaßen, haben auch auf deutscher Seite die Abwehrarbeiten begonnen. Man weih,, daß die „Heeresgruppe Deutscher Kronprinz" den Hauptstoß ausfangen soll. ^Jn rasender Eile werden nun, nach Eintritt der Schneeschmelze urrd des Tauwetters, rückwärtige Stellungen ausgehoben. Ein zweites Verteidigungssystem entsteht auf der Kuppe jenes von Osten nach Westen gerichteten Höhenrückens, der mit dem Damenweg gleichläuft. Und weiter zurück, schon tief in der Ebene, die General Duchesnes Kavallerie-Divisionen überreiten sollen, bauen deutsche Armierungskolonnen neue Stellungen, bewehrt mit den neuzeitlichsten Verteidigungsanlagen. Die Armee von Boehm wird in der Mitte des Nivelleschen Durchbruchsversuches liegen. Ihre Divisionen werden die ganze Wut öes vorbereitenden Trommelfeuers zu spüren bekommen. Auch bei den Stäben der Generäle von Einem'und von Below herrscht um diese Jett eine fieberhaft« Tätigkeit. Dem Poilu gilt di« „Heeresgruppe Deutscher Kronprinz" sozusagen als rotes Tuch. Die Kronprinzenarmee ist feit den Tagen von Douau- mont, Vaux und Fleury ein Begriff in Frankreich geworden. Und nun soll der Poilu gerade diese gefürchtete Heeresgruppe anpacken, ihr den Todesstoß versetzen, Rache nehmen für die Tage und Wochen und Monate im Trichterfeld beiderseits der Maas. Jeder Soldat Frankreichs wird sein Letztes an Kraft und Opfermut hergeben, um die Kronprinzenarmee endlich zu schlagen, damit rechnet Nivelle, und diese Rechnung war auch entscheidend für die Wahl der Angriffsfront. Di« härtesten Soldaten, die kampferprobtesten Krieger und die besten Führerköpfe der beiden Nationen stehen sich an der Aisne und in der Champagne erzbereit gegenüber. Jene alarmierenden Berichte der Parlamentarier, die vom Besuch der Armeestäbe zurückkehren, bleiben nicht ohne Einfluß auf die Regierung. Der Kriegsminister Painleve beschließt, hier Klarheit zu schaffen, und lädt die am Angriff beteiligten Generäle zu einer Konferenz auf den 3. April. Die Zusammenkunft findet im Krieasministerium zu Paris statt. Anwesend sind General Nivelle, dann Ministerpräsident Ribot, dann die drei Minister der nationalen Verteidigung Admiral Lacaze, her Muni- tionsministcr Albert Thomas und d«r Kriegsminister Painlevä. Cs ist ferner anwesend der Kolonialminister Maginot. Der Kriegsminister hat vorerst von einer Ladung der einzelnen Armeeführer abgesehen. Er versucht jetzt ein letztes Mal, Klarheit zu schaffen. Er will auch Zusammenstöße vermeiden. Der Kriegsminister verheimlicht Nivelle gegenüber keineswegs jene Bedenken, die anläßlich des Besuchs der Parlamentarier bei den Stäben wach geworden find. Das ist für den Oberbefehlshaber gerade das richtige Thema. Darauf scheint er gewartet zu haben. Er springt aus, er schlägt mit der Faust aus den Tisch und schreit: „Meine HerrenI Das ist eine bodenlose Feigheit. Was haben überhaupt dies« Zivilisten in meinem Armeegebiei verloren! Noch hab« ich zu befehlen. Ich lasse mich nicht von sensationslüsternen Kammerabgeordneten befchnüsseln. Ich duld« nicht, daß meine Maßnahmen hinterlistig durchkreuzt werden. Ich verbitte mir ein für allemal diese Reisen von Männern, die besser daran täten, als Armierungssoldaten mit der Schippe in der Hand vorn« zu schanzen, als Unfrieden und Mißtrauen zu säen. Ich werde sofort Anweisung geben, daß jeder Zivilist, der sich im Bereich der Angrifssarmee sehen läßt, unverzüglich sestgenommen und wegen versuchter Spionage vor ein Kriegsgericht gestellt wird." Diesen Ausbruch nehmen die Anwesenden keineswegs tragisch. Sie kennen den leicht erregbaren Charakter des Oberbefehlshabers. „Ich würde nicht iuföen, daß in Ihrem Dienstbereich jemand gegen Sie konspiriert oder spioniert, Herr General", sagt der Kriegsminister ruhig und sachlich. „Aber ich bitt« Sie, mir zu glauben, daß nur die Sorge um das Wohl der Armee dies« Männer zu ihrer Rundreise veranlaßt hat. Herr General, das Leben des französischen Poilus steht auf >?m Spiel. Das kostbarste Gut, das Frankreich augenblicklich besitzt, sind seine Soldaten. Deshalb wertden Sie die Sorge der Parlamentarier m stehen können. Ihr« untergebenen Generäle sind nicht ganz vom ©elingen des großen Angrisfsplanes überzeugt. Man spricht viel von der ftir! ausgebauten Hindenburg-Linie. Wie es heißt, soll St. Quentin von Deutschen uneinnehmbar ausgebaut worden fein. Der Durchbruch zwischen Reims und Soissons wird als stärkstes Unternehmen bezeichnet, weil tit Deutschen gerade in diesem Abschnitt in letzter Zeit starke Befestigungen anlegen und Tag und Nacht schanzen. Und dann befürchten Ihre Generile die Ungunst der Witterung--" General Nivelle wehrt ungeduldig ob: „Haben Sie mich deswcgn kommen lassen, Herr Minister? Wurde diese Konferenz wegen folqei Kleinlichkeiten angesetzt? Ich erkläre Ihnen und den andern verfannrel ten Herren hiermit, daß dies alles für mich kein Hindernis bedeutet. Sie angeblich uneinnehmbar befestigte Hindenburgstellung ist ein« Attrappe, weiter nichts, ein Blendwerk, mit dem unsere leichte und mittlere Sr tiUerie schnell fertig werden. Für di« Infanterie bedeutet diese Hindu- burg-Linie nur einen Graben mehr auf dem Weg nach vorne, wobei dreh so mannigfaltige Gräben weggenommen werden müssen. Was die Stadt St. Quentin anbetrifft, so kann ich Ihnen oerrdm, daß diese Verteidigungsanlage nur in der Phantasie unseres Nachricht^ dienstes existiert. Werfen Sie bitte einen Blick auf die Karte. Sie werken fehen, daß St. Quentin eigentlich schon in der Zange der Armee t« Generals Franchet d'Esperey liegt. Sie haben Bedenken wegen der Durchbruchs zwischen Reims und Soissons? Diese Bedenken teile ich nicht Ich sage es zum letztenmal, unsere Durchbruchsarmee wird die eij« beiden Stellungen mit geringen Eigenverlusten wegnehmen. Ich twij genau, daß man diese beiden ersten Stellungssysteme erst wegnehmi muh, will man die dritte und vierte Linie unschädlich machen. Keine Ais regung darüberI Ich weiß sernerhin, daß ich nur bei gutem Weiter den Befehl jm Angriff erteilen werde. Die Sonne des Sieges, meine Herren, die di! Sonne von Austerlitz wird den ,Tag 3‘ bescheinen. Unsere Nordarn« wird sich spätestens drei Tage nach dem Borbrechen unferer ©turmtot* nen nördlich des Serrefiufses mit der Aisne-Armee vereinigen und l)t die Hand zur großen beginnenden Verfolgungsschlacht reichen. Was befürchtet man eigentlich, meine Herren? Ich verstehe Ihre 8k' denken nicht. Ich habe es bereits gesagt und schon einige Male in Befehtti und Anordnungen wiederholl, daß nur Schnelligkeit und Brutalität zm Ziel führen werden. Ich setze mir selbst eine Frist von 24, sagen wir ®\ 48 Stunden. Sollte innerhalb dieser Zeit der beabsichtigte Durchbrq nicht erreicht sein, dann hat es keinen Zweck mehr, noch daraus P drängen, denn ich möchte keine zweite Sommeschlacht beginnen, ein zn- mürbenbes Langsamtreten auf engem Raum mit ungezählten Verlust« und unerhörtem Materialverbrauch. Nein, ich will den raschen Durchbruch. Und ich werde ihn erreichen!" Nach stundenlangen Gesprächen und Beratungen kommt man z« folgendem Ergebnis: „Der Oberbefehlshaber wird den Beginn der Offensive zum Zeitpu.» der günstigsten moralischen, physischem und meteorologischen Bedingung für die französische Armee festsetzen. Er wird sich vor einem zu friitm und unnützen Opfer an Menschen und Material hüten und di« Jnsantm erst nach der restlosen und gründlichen Zerstörung der beiden vorderste feindlichen Stellungen aus den eignen Gräben schicken." General Nivelle reift ins Große Hauptquartier zurück. Wieder einrnd hat er diesen blassen Zivilisten da hinten die soldatische Stirn gebe-:--' und ihnen unverblümt seine herzhafte Meinung gesagt. Er freut sich fühlt sich siegesbewußt im vollen Recht seines Tuns. Diese Auseinanim fetzung, so glaubt et, war bestimmt die letzte. Jetzt haben diese wehleidigst Federn da hinten zu schweigen, jetzt muß die Tinte aufhören zu fließ»!«, denn das Schwert will sprechen. J Am gleichen Tag, dem 3. April, melden sich die von der Front zur»«' gekehrten Parlamentarier beim Präsidenten der Republik Raymo» Poinoare. Sie beschwören das Staatsoberha,upt, noch einmal feinen sti sönlichen Einfluß einzusetzen, um diese Offensive, die sicher zu eW Massenschlächterei französischer Soldaten ausarten wird, vor Beginn » letzter Stunde zu verhindern. „General Micheler, der Führer der Durchbruchsgruppe", so jagen,|k „hat uns gegenüber di« erschütternde Erklärung abgegeben, daß es hsst stens zu der Wegnahme eines schmalen Geländestreifens in 10 bis 12 SW meter Tiefe kommen könnte, also einem Ergebnis, das in keiner SM den Vorbereitungen und dem gewaltigen Einsatz von Menschen und M terial gerecht sein wird. Das schlechte und naßkalte Wetter wird wff nur die Manövrierfähigkeit der Durchbruchsarmee herabmindern, sond-B auch dem Poilu am zweiten oder dritten Tag jede Lust am weite«' Kampf nehmen." Die Parlamentarier bitten den Präsidenten der Republik, seinen W zen Einfluß einsetzen zu wollen, um diese Offensive zu verhindern wenigstens ihren Beginn bis zur schönen und wärmeren Jahresz-'- hinauszuzögern. . .... Paineare möchte sich Klarheit verschaffen. Was wird nun etgentw gespielt? Frankreich ist der Vernichtung preisgegeben, wenn seine * rille nicht einig sind Das ist ja beginnende Meuterei, aber von ottt herab. Sofort wird für den 6. April in Compiegne eine Besprechung •»'* beraumt. Jm Salonwagen sährt Poinearä hin. Es ist derselbe Wow> in dem 19 Monate spater Marschall Foch nach Compiegne fahren I um hier die deutsche Wasfenstillstandskommission zu empfangen, Wr * schmachvollsten Bedingungen zu überreichen, die je ein Heerführer I«NU' tapferen Gegner zu überreichen wagte. Der Sonderzug des Präsidenten der Republik wird im Walde c-x Compiegne aus ein Nebengleis geschoben und steht etwa dort, wo im November 1918 durch Zufall oder mit Absicht stehen wird. sieht jener düstere, von Granatfeuer gelichtet« Ißato die Schicksalssrur der Welt, steht Leben ober Tod der beiden Völker. Diesmal, am 6. W 1917, will Frankreichs schwerste Stund« gerade beginnen. (Fortsetzung folgt.) Trotz entstanden« Revolution bald genug aus Wege geriet, Ne der Beilegung nicht ohne Grund den Borwurf der Rückständigkeit und deS Akademismus einh-ugen. Overbeck selber, diese Rose ohne Dornen im Kunstgarten des Nazarenerin ms, war ganz gewiß nicht der Mann, der Schule als deren Oberhaupt den Geist kräftiger Männlichkeit einzuhauchen. Daran hinderte ihn schon seine bis zur Nachahmung sich stet- gernde Raffael-Verehrung, obwohl auch das in einer Weise geschah, die seiner Gesinnung Ehre macht. Sein Mld in der Münchener Neuen Pinakothek, das die Schwestern „Germania und Italia" darstellt, zeugt davon. Es sollte einem vom Schicksal beschlossenen Freundschaftsbund gewidmet sein, in welchem nordischer Geist und südliche Schönheit sich „inj gegenseitiger Würdigung" zusammenfinden. Aus der Gemeinfchaftsidee, die der Lukasbrüderschast zugrunde lag, erwuchs als ihre schönste Frucht die Wiedererweckung der Monumentalmalerei im Sinne der alten italienischen Meister. Auch hier hieß die Losung: gegen die Barocktradition, gegen die Akademie, die sie pflegte! Man darf es ohne Einschränkung aussprechen: die heute in der Nadional-Galerie befindlichen Fresken der Casa Bartholdy und die etwas jüngeren Wandgemälde in der Billa des Fürsten Massimi in Rom sind auf lange Zeit hinaus die besten Dokumente einer der Architektur und ihren Gesetzen verpslichteten Malerei großen Stils gewesen, und an beiden Unternehmen war Overbeck maßgebend beteiligt. So wenig er in ihnen die Milch der frommen Denkungsart verleugnet: Bilder wie der Berkaus Josephs und die „mageren Jahre" oder die Aus- malung des Tasso-Zimmers in der Villa Massimi sind die letzten Zeugnisse einer damals schon verlorenen Kunstübung, über ihre geschichtliche Bedeutung hinaus aber auch Zeugnisse einer künstlerischen und menschlichen Haltung, die allein schon uns berechtigt, diesem Deutsch-Römer mit dem Kinderherzen als einem der wenigen neueren Maler zu huldigen, denen die Kunst Priesterdienst war. faustische Straßen. Von Egmont Colerus t. Der Verfasser unseres Beitrages ist der kürzlich verstorbene, bekannte österreichische Romanschriftsteller und Mathematiker, dem wir hervorragende Werke über Leibniz, Marco Polo uno über die Geschichte der Mathematik verdanken. Wenn irgendwo und irgendwann aus dieser Erde das Licht einev großen Idee angezündet wurde, dann strahlt es in breitem, unerschöpflichem Strom hinaus in die Unermeßlichkeit des Raumes und in dis Ewigkeit der Zeit. Und es beleuchtet alle Dinge in einem Glanz, der sie nicht nur anders erscheinen, sondern wirklich anders fein läßt. Bis endlich das Licht aus den Dingen wieder in die Seele zurückkehrt und diese Seele mit der Idee erfüllt. . „ Wir werden uns jetzt sogleich den Sinn dieses Geheimnisses klar- machen. Straßen hat es auf der Erde gegeben, feit an die Menschen dick Notwendigkeit herantrat, Reisende, Lasten, Armeen über größere Entfernungen und über schwierigeres Gelände zu transportieren. Auch Baugedanken, die ganze Länder und Raume erfaßten, gab es in der Geschichte bei manchen Völkern. Wir erinnern uns bloß an das alte Aegypten, an China, an das römische Imperium. , . . s m •„ Auch Berkehrstechnik gibt es um uns herum und auch anderswo in der Welt. Aber nirgends gibt es noch das achte Weltwunder der Reichs- Wir fuhren, um eigene Erlebnisse zu schildern, an einem Augustmorgen des Jahres 1937 um 7.30 Uhr früh von Saalselden über Loser an die damalige Landesgrenze am Steinpaß. Hieraus em weiteres Stuck in der Richtung Reichenhall bis zur berühmten Alpenguerstraße, die durch ihre Breite und durch die Romantik der durchfahrenen Landschaft an und für sich sehenswert ist. Trotz ihrer Schönheit ist ste aber doch nur eine Alvenstraße und wir genossen sie nicht einmal voll, da in uns ein sonderbar prickelndes Gefühl der Erwartung aufstieg^ wenn wir auf einer der zahlreichen Richtungstafeln das Zauberwort ,Reichsautobahn lastn Ehe wir uns recht versahen, gerieten mir förmlich zwangsläufig in das Wunder Kleine Ortschaften, ein Gewirr von Straßen und Kurven, und etwas vor uns das wie ein schmales Hochplateau oder ein großer Damm aus» (ab Wir erwarteten Schlagbäume, Wächterhäuser, erwarteten Absperrung oder Amtsorgane, die uns Maut (Wegezoll) abnehmen, uns belehren und ermahnen wurden. Warum wir das erwarteten, ist mir heute noch nicht ganz klar. Wahrscheinlich, weil wir in allzu konservativen Darstellungen befangen waren und etwas für ein „Unternehmen hielten, was in Wahrheit einen ganz anderen Sinn hat. Doch davon jpäter. linfer Wagen also war durch all die Pfeile und Tafeln unabwendbar in die Bahn gelenkt worden. Sie lag plötzlich vor uns Weit, saft leer und großartig.^ So großartig beinahe wie der erste Anblick des Meeres. Ein breites, glattes Band, in dessen Mitt« der schwarze Strich lauft. Breiter als sehr breite Hauptstraßen. Das aber war ja nur die eine Balm Die parallele zweite Bahn, die das Wesen dieses Bauwerkes ist, lag? durch ein breites Rasenband getrennt, viele Meter weit von uns '"‘Sn kann kaum schildern, was das bedeutet. Der Wagen schien vor Seligkeit aufzujubeln, als er auf dem herrlichen Belag in ansteigendem Tempo dahinsauste. Sechzig, achtzig, hundert Kilometer fühlt man über« hauch nich? Der Wagen steht gleichsam im leeren Raum wie ein Flug- tua und darf laufen. Denn es lauert keine einzige der üblichen Gefahren. Es kommt nichts entgegen, es gibt keine Kurve, bei der man sich mäßigen muh Und es gibt keine Kreuzung. Das einzige was einem Wagender no*"nicht aus den hohen Dauerdurchschnitt konstruiert ist, passieren kann, Ä6!“”!™ Ä W«SÄi(». s-iu d--»« ästhetische und weltanschauliche Seite ist noch viel großartiger Devar mir davon ftrechen, müssen wir unsere Fahrt weiter verfolgen. Nach kurzer Zrit bemerkten mir, daß die Reichsautobahn souverän über die Land- chiaft gelegt ist wie ein Band, das ein Riese, ohne ,ede Rücksicht aus Bisheriges, möglichst gerade und möglichst landschastsbeherrschend gestreckt hat. Was es an Hindernissen gab, wurde in titanischem Drang uber- Oer römische Brunnen. Von Conrad Ferdinand Meyer. Aufsteigt der Strahl, und fallend gießt Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überflieht In einer zweiten Schale Grund: Die zweite gibt, sie wird $u reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht. Oer Prior der Lukasbrüder. Ium 150. Geburtslage von Friedrich Overbeck am 3. Juli. Von Er nst v. N i e b e l s ch ü tz. Im Jahre 1806 ließ sich auf der Wiener Kunstakademie ein siebzehn- itiriger Jüngling als Schüler eintragen, dessen sanften, fast weiblichen Michtszügen wohl keiner der Lehrer in der Mal- und Zeichenklasse den lustigen Revolutionär angemertt haben wird. Es war Friedrich Iverbeck aus Lübeck, Sohn des damaligen Senators, späteren Bür- ameifters der gut protestantischen Hansestadt. Wie das alte Heilige Reich li Deutschen, lag auch die Akademie, die unter Fügers Leitung als der brt der barock-klassizistischen Ueberlieferung in Deutschland galt, künstlich in den letzten Zügen. Der junge Overbeck, der schon in Lübeck von trier Erneuerung der Kunst im Geiste der altdeutschen Meister geträumt litte, sah sich in Wien bitter enttäuscht. „Man lernt — so schreibt er spä- ir — einen vortrefflichen Faltenwurf malen, eine richtige Figur zeichnen, licnt Perspektive, Architektur, kurz alles, und doch kommt kein Maler fraus. Eins fehlt in allen neueren Gemälden — Herz, Seele, Empsiu- Lng!" So gründete er denn zwei Jahre später, angeregt von der literari- ben Romantik der Schlegel, Tieck und Wackenroder, zusammen nut äranj Pforr und anderen Gleichgesinnten seine „L u k a s b r ü d c r- [fjafrals einen Treubund, in welchem sich die ganze Opposition gegen !>n Akademiebetrieb zusammenfand. Was man erstrebte, mar nichts ge= tngcres als eine vollständige Wiedergeburt der christlichen Kunst und irr Gesinnung, die sie möglich gemacht. Die Widerstände, die in dem ver- iiderten Zeitgeist lagen, glaubte man durch Herzenseinsalt, bas Beispiel mes reinen Lebenswandels und den unerschütterlichen Glauben an die feiügfeit der eigenen Mission überwinden zu können. Mit größerem Realismus ist wohl nie eine „Sezession" ins Leben gerufen worden als Mer Bund der Lukasbrüder, die später den Spottnamen „Naza- rener erhielten. , _ . . Denn eine Sezession war es. Schon 1810 trennten fuf) Daerbect mb die Seinen von der Akademie — übrigens in den gesellschaftlich l'ften Formen — und zogen wie Pilger, die das Heil ihrer Seele suchten, c n Rom. Das erscheint auf den ersten Blick als eine Inkonsequenz, als in Abfall von dem so leidenschaftlich proklamierten Ideal: Erneuerung i r altdeutschen Malerei. Allein es zeugt doch auch von der geistigen &eite des Bundes, dem Genius des Vaterlandes und der italienischen iunft gleichzeitig zu huldigen, Dürer, Memling und Rassael gleich- sm zu einer einzigen Person zu machen. Daß die Synthese nicht gelang, !°ß mindestens bei Overbeck, das italienische Element, wie es in dem loffael der florentiner Periode Gestalt gewonnen hatte, das altdeutscye hmer mehr zurückdrängte, lag in Overbecks Formanschauung selbst be- xiindet. Er war mehr Zeichner als Maler, der süße Wohlklang der Lime i: bei allen seinen Bildern, namentlich in den herrlichen Zeichnungen, hmer bas Ausschlaggebende, und wer hätte diesem Drang zum rhyty- risch und musikalisch bewegten Umriß mehr Nahrung geben können ms $:rabe der junge Raffael? Er hat einmal drei verschiedene Wege bezeuch- tot, aus denen der echte Künstler in den Tempel der Unsterblichkeit ge- lngen könnte: die Natur, die gedankliche Phantasie und die ideale 2chon- H Der erste habe Wirklichkeitssinn, der zweite unerschrockenen Wahr- t itsmut zur Voraussetzung; wer aber weder am Alltag Genüge sande Dch das Ungeheuere fassen könne. Der solle getrost den dritten Weg h schreiten, der uns das paradiesische Reich des Ideals eröffne. Daß auch wie die beiden anderen, Gefahren birgt, unter denen die Verführung in flauer Gefälligkeit die größte ist, ist freilich nicht in Abrede zu stellen, i'id gerade Overbecks religiöse Bilder beweisen es peinlich deutlich. Das ist seine heimliche Tragik, daß er eben auf dem Gebiet, das er Ur sein eigenstes hielt und dem alle seine Anstrengungen galten, am wenigsten befriedigt. Es ist im Grunde die schärfste Kniik, die »ir » k m üben können, wenn wir uns heute, um seinen Ruhm zu P^unben, «i die Zeichnungen und die Bildnisse halten müssen. Ihm selber galten fe wenig im Vergleich zu seiner umfangreichen Bibel- und Legenden- r alerei. Er wollte ein Prediger des Evangeliums sein, indem er da am impfte, wo seiner Meinung nach die christliche Kunst ausgehort hat, m (mißen Symbolen zur Menschheit zu sprechen: beim 15. und frühen Jahrhundert. Da es mit nie wankender Treue zu dem emmM als r?hr und richtig Erkannten geschah, haben mir kein Recht, die Echtheit nner religiösen Gesinnung anzuzweifeln, so wenig uns fern md) h sch, s udern rein erbaulich aufgefaßtes Christentum zusagen mag s s h r-ir denen beipflichten müssen, die in Overbeck den Stammvater Mer Üblichen Devotionalienmalerei sehen, die seither, namentlich m der katyo- Wen Kirchenkunst, gang und gäbe ist. In Rom, wo er und die meisten der Bruder zum KatholiZ! taten, hat er bis zu seinem Tode 1869 gelebt, anfangs intem He tun erlassenen Kloster San Jstdoro, das diesem sonderbaren,, m wonchnfcher Abgeschlossenheit lebenden Malerkonvent als Hauptquartier diente und j1 dessen Refektorium sie sich gegenseitig Modell standen. Es --rötest gegen den Individualismus des Jahrhunderts es mar der, fteilich '-r?ebliche, Versuch, die mittelalterliche W e rk st a t tg em e >n schab Rruckzurufen, den Künstlern und das Kunstwerk vor der immer droh °ren Not der Vereinsamung zu retten - ein Unterfangen, kws gerade 'Ute wieder unseres Verständnisses, ja unserer Ehrfurcht sicher '^^ß 'n ^'tern mußte, lag allerdings nicht bloß am "^Widerstand s p ^rst, sondern nicht zum geringsten daran, daß di« aus jug l TO wunden. Wir fahren über Brücken von unwahrscheinlichen Dimensionen, die ganze Dörfer überschatten, wir fahren durch riesige Einschnitte, das Band hebt sich auf Höhen, senkt sich in Täler, schmiegt sich an Hänge. Plötzlich blaut neben uns der Chiemsee. Auch hier tiefste, eindrücklichste Landschaftsstille eines Werktagsoormittags. Zwei schwarz uniformierte Männer stehen am Rande der Bahn. Wir halten, da wir wieder eine Kontrolle argwöhnen. Lächelnd sagt uns einer der Hünen, seinetwegen Hütten wir nicht stehen bleiben miissen. Er sei von der Reichsautobahngendarmerie. Eigentlich aber gelernter Automechaniker wie sein Kollege. Sie patrouillierten die Bahn ab und ständen den Reisenden bei Defekten mit ihren Kemrtnissen zur Verfügung. Er warnte uns noch vor dem starken Radfahreroerkehr in München. Dann plauderten wir über Dinge, die im damaligen Oesterreich durchaus nicht als loyal angesehen worden wären. Wir fuhren weiter, stets berauschter und entrückter von den Weiten, die uns gehörten, von den Forsten, die wir durchquerten, von all dem blauen Himmel und dem Gefühl grenzenloser Freiheit. Ein Zufall wollte es, daß wir außerdem noch deutsches synthetisches Leunabenzin getankt hatten, dessen Gleichmäßigkeit und Antriebskraft das Naturbenzin bedeutend übertrifft. Wir stellten staunend fest, daß wir mit unserem, auf 90 Kilometer Höchstgeschwindigkeit konstruierten, braven Dreißiger-Steyr einen Durchschnitt von 100 Kilometer erzielt hatten, und wurden plötzlich, fast unmerklich, um etwa 10.30 Uhr in die Stadt München hineingeschüttelt, wie man ein Körnchen durch einen Trichter in eine Flasche schüttelt. Wir hatten das Wunder hinter uns, waren aus dem automobilistischen Himmel wieder auf den gewöhnlichen irdischen Boden gelangt und mußten sehr aufpassen, daß wir die Herrschermanieren eines Reichsautobahn- fahrers ablegten. Denn es kamen wieder Fahrzeuge entgegen, es gab unerwartete Kurven und Kreuzungen, Fußgänger, Radfahrer Verkehrsposten, Verbotstafeln und all das, was eben der Erde eigentümlich ist. Ich bin mir bewußt, daß meine Beschreibung nur einen Schimmer der Wirklichkeit geben kann. Den Anblick des Meeres oder himmelstürmender Gletscherketten kann man auch nur sehr annähernd schildern. Was man aber mit Worten feststellen kann, ist die weltanschauliche Seite unseres Erlebnisses. Und die künstlerische Seite dieses unglaublichen Baugedankens, den man im vollsten Sinne des Wortes als Königsgedanken bezeichnen muß. Ich bin vor allem überzeugt davon, daß es sich, kulturphilosophisch betrachtet, hier nicht mehr um Technik, sondern um ein hohes Stadium der Ueberwindung von Technik durch Ideal und Kultur handelt. Hier wurde scheinbar Technisches zu einem faustischen Gesamtkunstwerk so ungeheurer Vielfältigkeit, daß das Wort Straße auf diese Pulsadern des Deutschtums kaum mehr anwendbar ist. Und dabei handelt es sich nur um einen Teil, einen verhältnismäßig kleinen Teil des deutschen Aufbauwerkes. Ueberall dieselbe anonyme Kunst, derselbe Geschmack, dieselbe selbstverständliche Größe, die vom Prunkhaften ebenso weit entfernt ist wie vom Ungebändigten, Disziplinlosen. Wenn das Wort Freiheit überhaupt einen Sinn haben soll, wenn das Wort Kultur irgend etwas bedeutet, wenn Natur, Erhabenheit, Stil, Ideal für uns Begriffe sind, die wir bejahen, dann sind alle diese Begriffe in höchstem Maße in den „Straßen des Führers" verwirklicht, sind dort gebändigte Wirklichkeit geworden. Dabei habxn wir noch gar nicht vom Hochgefühl des einzelnen gesprochen, dem all dies ohne irgendein Entgelt zu eigen ist. Sogar der Fremde, der nicht einmal mittelbar an diesen Straßen mitgeschaffen, ja der sie vielleicht einmal sogar bespöttelt oder verdächtigt hat, darf cm den Früchten, die sie tragen, mitgenießen. Wer schon an diesem einen Beispiel nicht begreift, was wirklicher Sozialismus ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Diese Straßen sind ein riesiges Gleichnis. Ein Stein und Stahl gewordenes Bekenntnis des faustischen Geistes, der uns hinaufführen wird zu Höhen, die wir kaum noch ahnen. Oie Kinder Manitous. Bon Lawrence G. Green. Das Städtchen Gallup in Reu-Mexiko liegt in der Sonne hingebreitet: feine die Hügel hinauf und hinunter führenden Straßen schmücken wie schnrale Silberbänder die Sandhänge. Unter dem blauen Sommerhimmel sind weiße Männer emsig damit beschäftigt, Bvatroste aufzurichten, auf denen ganze Tiere gebraten werden können. Sie bringen Schafe, Ziegen und Rinderviertel angeschleppt: denn sie rüsten zu dem alljährlich stattfindenden Stammestrefsen der Indianer. Weit fort, jenseits der Alkali-Ebenen, hinter den Schneebergen, zählen an jedem Lagerfeuer, in jedem Dorf und jedem Wigwam die Rothäute die langsam verstreichenden Tage. Ein Knoten von einer Reihe von Knoten an einer Schnur wird aufgeknüpft, ein Stein von einem Steinhaufen an der Wasserstelle wird abgetragen: so verzeichnet der Indianer die Zeit. Die alljährliche Feier ist eine rein indianische Angelegenheit. Die Burger von Gallup spielen die Rolle der Gäste, treffen die Vorbereitungen und bezahlen die Kosten. Die Feier ist seit 1921 zu einer ständigen Einrichtung geworden, nachdem die indianischen Schaustellungen auf dem alljährlich stattfindenden Jahrmarkt sich von einer überrascben- den Anziehungskraft erwiesen hatten. Heute ist eine Weltsensation daraus geworden, zu der Tausende von Besuchern aus jedem nordamerikanischen Staat und aus einem Dutzend fremder Länder kommen. Wenn die Woche, in der das Fest stattfindet, herankommt, halten die stamme ihren Einzug in Gallup. Aufrechte, schlankgewachsene Manner, geschmeidige Frauen reiten durch eine kaktusbewachsene Welt aus gelbem Sand, die von roterdigen Schluchten geädert ist. Reiten durch das tiefe Schweigen, das durch den dünnen hohen Ruf eines Steppenreiters auf unsichtbarem Pfad zerrissen wird: „Ko-la-re-ne". Und über die trennenden Fernen hinweg, über denen Adler kreisen, antwortert ein anderer Reiter, während das Echo von den tiefen Cansnschluchken bis $u einem ersterbenden Gewisper zurUckgew»ch, wird. Navayos kommen aus dem Tafelland und den Bergen ,yre. töllOl» Hektar großen Reservation angeritten, singend, die Nächte durchtanz bis die Sterne verblassen und ein kalter Wind über die Ebene strich und das Heraufkommen des neuen Tages verkündet. Von den sich» Hügeln des „Friedliebenden Volkes" ziehen dis kleinen breitbrüsliz«, Hopis herab. Aus Arizona kommen die Apachen, ehemals Beutematz, und Totschläger, heute aber Händler von Pferden und erlesen schön g,, slochtenen Körben. Aus Taos und Zuni kommen die Pueblo-Jndiax-r Dieses friedliche, ackerbautreibende Volk bestellt den Boden, den f«, Urgroßväter vor ihm bestellt haben. Sie sprechen fünf voneinander «, schiedene Sprachen. Die Taos sind groß, schmuck und stolz? Die lern» klein, lustig und fröhlich. Die Queres streng unnahbar. Die Zuni; ei« primitives mystisches Volk: die Hopis friedliebend und einsam. Von Colorado in Richtung auf Utah reiten die vorsichtigen Uten Oklahoma entsendet die üppig mit Perlen und Federn geschmückten Sie was, Pawnees, Komanschen und Kaws. Süd-Dakota die tapferen Siwz Siebentausend Indianer, dreißig Stämme, kommen zu Fuß, beritten i't Planwagen oder Autobussen auf dem Lagerplatz an. Der Ort erteil unter dem Schlagen der Trommeln: Zedernholzrauch hängt schwer in I« Luft. Die Apachen haben ihre weidengeflochtenen Schlafkärbe; die Snuj schlafen in ihren rauchigen Wigwams: der Navayo hat seinen Satti als Kissen und die Sterne als Decke. _ Die Eräffnungsparade durch die Straßen von Gallup ist ein jinf Kilometer langes Schauspiel von primitiver Pracht. Die Navayo-Mäam tragen weiße Hosen mit gehämmerter Silber- und Kupferarbeit, * kisen- und muschelbedeckte buntsamtene Hemden. Die Kiowas sind ule Vögel im Hochzeitskleid mit ihren gefiederten Reifen um Stirn, Am, Knöchel und Rücken, nebst Perlen und Glöckchen und kleinen, blitzemN Spiegeln. Die Apachen in den Teufelstanzmasken haben eine wid, drohende Schönheit. Zuni-Mädchen ziehen vorüber, große, irdene Mass«- trüge herrlich auf dem Kopf belancierend. Die Schmetterlingsmädqn aus Hopiland kommen als nächste: sie tragen kleine Zweige fri|*| Grüns in ihren puppenkleinen Händen. Taos-Frauen in farbenpr#] tigen Kleidern stapfen in hochschäftigen weißen Hirschlederfchuhen nrteit ihren großen, stolzen Männern in schneeweißen Hemden. Mit Tamtm, und Glocken und Flaschenkürbissen, trällernden Stimmen und tanzerx: Füßen zieht ein unabsehbarer Zug von Indianern durch die Stadl.. Die Ausstellungshalle ist mit kostbaren Navayo-Teppichen ausge«- hängt. Hier stehen Körbe und Töpfereien, gehämmertes Silber rin) Kupfer, kostbare und geheiligte Ornamente aus Muscheln und Türkis««. Im Mittelpunkt der Halle beginnt an jedem der drei Festtage iw Sonnenaufgang ein Ncwayo-Medizinmann eine symbolische Bildlez« ck von religiöser Bedeutung auszulegen. Er macht sein Bild auf ei nir Fläche aus reinem braunen Sand mit Linien und Verbindungen uns farbigem Ton. Die Darstellung berichtet die Geschichte eines legendär Helden. Sie ist sehr verwickelt und schön und muh bei Sonnenuntergang beendet sein. Dann, nachdem sie durch Gebet und Blütenstaub gefegi« worden ist, wird sie weggewischt. Die Nachmittage sind Pferderennen, Spielen und Geschicklichkeitsuktt bewerben gewidmet. Ringsum sieht man Indianer, die singen, Sdj* Ziegen und Rinder rösten, einander Besuche abstatten, tanzen, sich wf ein Pferd setzen und Tauschhandel treiben; Staub, Rauch und LaW erfüllt die Luft. Die Sonne geht unter; die Dämmerung bricht über Gallup her« ein orangenfarbener Herbstmond hängt tief am Firmament. RieW Scheiterhaufen sind an den Enden der Tanz-Arena angezündet roorbiti die Flammen knistern, tanzen und werfen ihre geisterhaften, riestz!' Schatten. Jetzt durchläuft die weihen Zuschauer auf den Tribünen e'«| Bewegung. Ein Rascheln von Federn, das leise Stampfen der mokaM« bekleideten Fühe und die lange Reihe der Tänzer, die Einzelsänger, Vorsänger treten in den Kreis des gelben Lichtes. Trommeln schlagen; Klappern und Flaschenkürbisse, schwankem» Gestalten und stampfende Füße; die Nacht bebt vor Erregung, da Fand«! Bewegung und Lärm in eins verschmelzen. Die Taos-Jndianer führen ihn«» Reifentanz auf; ihre Leiber gleiten durch die Reifen wie fließendes 2ßaW Zuni-Krähentänzer erregen durch ihr vollendet possenhaftes Nachahmen 0H lüchter. Die Nacht wird tiefer. Das Tanzen dauert an. Die Kiowas ütos mit einem taktmäßig zuckenden Rhythmus hypnotischen Zauber. M Pueblos führen ihre Iagddramen, ihre Gebete um Zuwachs auf. D> Teufelstanz der Apachen ist unheildrohend. Das Raffeln und Schütt und Stampfen des Kriegstanzes der lltah durchhallt den Platz geff* den Berg. Dann treten die Navayo-Zauberer auf. Sie pflanzen .ein Getreue körn in den Boden, und unter ihrem Gesang sproßt es aus der Sr» hindurch durch ein Tuch, und wiegt sich im Nachtwind, hoch, ährenSi« hangen und grün. Sie stecken eine Feder in einen Flechtkorb, und ri ihren Stimmen bezaubern sie die Feder, daß sie zu schwanken uni) |< tanzen beginnt. Plötzlich stürzen aus der Dunkelheit schwarze, mußt aschebemalte Tänzer hervor, umtollen das Feuer, springen darüb.ck. baden gleichsam ihre Leiber in den Flammen, rundum und um, schnell und immer schneller, bis sie zurück in die Finsternis gleiten. Plötzlich herrscht Stille. Die Weißen frösteln ein wenig in baj kühlen Nachtwind und eilen zu ihren geparkten Automobilen, ftOT wieder mit der Wirklichkeit der Maschinen in Berührung zu komm«» Mit Sonnenaufgang nach der letzten Nacht begeben sich die Roth仫 auf den Heimweg, fingen auf dem ganzen Zug zu ihren Farmen u !1 Rauchen, zu ihren zeltleinenen urväterlichen Schlupfwinkeln, ihren Safte feuern an fernen, einsamen Wasserlöchern in der Wüste. Die Nava'ii- Ziehen als die letzten ab. Und lange, nachdem sie am Horizont va» schwunden sind, nachdem sich sogar der müde Staub auf ihre Spu^ gesenkt hat, tragen undeutliche Worte ihre Gesänge zurück: „Piki yo-y^ i Dahin gehe ich ... (Aus dem Englischen von Hans B. Wagense'^ Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühlsche UniversitätSdruckerei R. Lange, Gießen. Nummer 41 Zreitag, den 2. Juni rgang 1939 Colour & Grey Control Chart Blue White in« tourt* 19 8 7 6 9 L 8 6 item. t-e Herren willigten in guten oder bösen Gedanken und Absichten - igeji I h« s» lenlit ten ere : ijülli bltl iritz Kilt» r in Will Dflljtti lin ntbeln riech« es «1 i. OH 'M le J(; ! '“<* I 10# chii feint» W n i« jnoii Mi ir uni öfi* d eii ,..., da'ihn seine Kriege in ancm» m i weniger als früher für den Vater der Christenheit übrig blieb. B« git M > gdi» [ufrf ch«H 9 10 inanvern in em er v-ittunu niuji ruyeiu ... - " 7" „Bleibt mir vam Leib mit nichtigen Zahlen!" grollte der Armbruster. „Ein anderes ist es", fügte er, seines unwirschen Wortes sich sogleich bemüht, mildernd hinzu, „ob einer noch im Tagewerk und in der Zeit steht, ober ob der Tod fein Lebensbuch geschlossen hat. Ist einmal das letzte Sandkorn verrollt, so tritt der Mensch aus der Reihe der Tage und Stunden hinaus und steht als ein fertiges und deutliches Wesen vor dem Gerichte Gattes und der Menschen. Beide haben recht und unrecht, Eure Chronik und mein Gedächtnis, jene mit ihren auf Pergament gezeichneten Buchstaben, ich mit den Zeichen, die in mein Herz gegraben sind. Aber haltet mich nicht aus! Mich verlangt zu enden, lieber Herr. Denn ich erblicke ein blutiges, totes Haupt vor mir und den gegeißelten Rucken meines Königs. Sl fte s Kapitel. Am Abend des Tages, da mein Herr und König durch fein blindes Wüten sich selbst geschändet und vor seinen Knechten erniedrigt hatte, saß ich niedergeschlagen und einsam, voll Scham und Trauer um meinen Herrn, auf einem Mäuerchen bei den Stallungen. Da erhielt Ich unversehens einen Schlag auf die Schulter, und Herr Richard, der nach seinen Hengsten geschaut, schwang sich, leutselig, wie er mit den Knechten war, rittlings neben mich auf die Mauer. 4 5 inb lii Mb finM h, w) annt« t* Heus» htB ig •ibijBl °!9.nes^S pictalQT '[ar, Herr? Erkennet Ihr, welche Last Ocm 1 2 3 ein, daß Prinz Heinrich neben seinem Vater gefrönt werde, und es krönte und salbte den Jüngling der normännische Bischof von Jork. Darauf folgte ein der Gelegenheit würdiges Festmahl, und dabei begab es sich, wie ich hier vor einem Jahre Euern Brüdern, den Herren im Stift, vorgemacht und nach Wahrheit beteuert habe, daß mein Herr dem Jungkönige Heinz bei Tische diente und ihm eigenhändig die Speise —' hin idi einer schweren Bürde ledig geworden!' rief er DER HEILIGE Novelle von Conrad Ferdinand Mester (an, hier habt Ihr den Schlüssel dazu, pergleichliche Edelstein der bischöflichen rönung der englischen Könige. Dadurch, log, wurde die Primaswürde vernichtet kt. So rechnete mein König und ergriff feine Seite auf den Thron zu hebens r werde sich damit begnügen, das schim- upte im Spiegel zu betrachten und es ten zu lassen. ► staatsklug wie weiland die Ratschläge 2* t abgestorbenen Kanzlers? vie Herr Heinrich kein schlimmeres hätte Yellow Grey 3 Wenige Wochen später jetgte es sich. Zwei Unheilskunden langten an dem gleichen Tage in Windsor an. Die eine erzählte, Jungkönig Heinrich fei, den wetterwendischen Herrn Gottfried mit sich ziehend, nach Paris geritten unter dem Vorwande eines Turniers, in Wahrheit aber, um die jenseits der Meeresenge gelegenen Länder des Normannenreiches unnötiger- und schmählicherweise von dem Kapetinger zu Lehen zu nehmen. Die andere lautete, der verborgene Herr Thomas sei in einer französischen Stadt zu Pfingsten an den Tag getreten und habe unter dröhnendem Glockenschlage die brennenden Kerzen auf dem Hauptaltare des Doms mit dem Hauche seines Mundes gelöscht, den Bischof von Port, der in die Rechte des Stuhles von Canterbury gegriffen, mit dem Banne schlagend. Wie der alte König, denn diesen unlieben Namen mußte mein Herr feit der Krönung feines Sohnes tragen, diese zwei Botschaften erhielt, gebärdete er sich wie ein wahnsinniger Mann. Er tobte, entgürtete sich vor seinen Knechten, warf sich stöhnend auf fein Lager, zerfetzte die seidenen Decken, riß mit den Zähnen die Wolle aus den Polstern und zerschlug sich die Brust mit verzweifelten Fäusten. .Löset mir den verruchten Vampir vom Herzen!' heulte er, den Schaum vor dem Munde, und meinte Herrn Thomas, ,er zernagt mir Green Grey 2 Magenta Black Red Grey 4 Cyan Grey 1 ie6enerjrammenblmter Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger Unit"1 il(|i4 4|L r-’* »*•* VWIWTO wwujjvtmiiv t;nvvi Kiw yvi wvi WI»» O1W‘* Der heute gutgelaunte Herr hob den Buben auf, liebkoste *r tnb drückte ihm ein Silberstück in das Händchen. .Halte fest, mein wie!' sagte er. Da sprang die Mutter, die sich in einer ersten An- ’ 6|i3ung von Ehrfurcht und Zittern hinter einen Baumstamm geduckt •Wf mit brennenden Augen hervor, entriß dem Kinde die Münze und Ml sie entsetzt ins Dickicht, als wäre es einer der dreißig verfluchten , ’ 1 rlinge. Ich eilte herbei, um die Freche, welche mit dem Kinde auf ilu ^rme davonrannte, zu ergreifen. Herr Heinrich aber sprach: .Hans, ’ ? e laufen!' und wandelte fürbaß mit verdorbener Laune, seufzend '»»nachdenklich. , . i«g und Nacht ging alles Träumen und Sinnen meines Königs «uM Wn, wie er Herrn Thomas seiner Primaswürde, an der, wie er In inrebete, die Verehrung der Sachsen hing, rechtsgültig und für S:r entkleide. Darüber habe ich ihn oft, die Faust auf die stirne wirft, grübeln und brüten sehen. Eines Morgens trat er mit triunv wnnbem Angesichts aus feiner Kammer — er glaubte das Rätsel iM ilJ• i- roar am Tage der Himmelfahrt unseres Herrn, daß Herr Heinrich JE-, Versammlung seiner Barone trat und ihnen vorstellte, sein weit .IrL'etes Reich bedürfe eines zweiten Hauptes, und er würde sich, die 1 tüt feinem Erstgeborenen teilend, die Last und Sorge erleich !-nnoch zögerte der Heilige Vater, für Herrn Thomas ohne Rückhalt tgtreten. Er konnte kein rechtes Vertrauen zu ihm fassen und in ‘rW j «et Geiste den verfolgten Bischof von dem ehemaligen Kanzler nicht I inden. Diesen hatte er wiederholt als einen durchtriebenen Staats- ’.on erfahren, und es erschien ihm verdächtig, daß er jetzt von seiner litun keinen Gebrauch mache, sondern sich verfolgen lasse wie ein großer Up« el der ersten Kirche oder ein schwärmerischer Ketzer der jüng- Iwn Zeit. (!> wurde mir von glaubwürdigen Zeugen versichert, und, wie ich tierr.; Thomas kannte, hielt ich es für Wahrheit, er habe feine Sache frt; gehalten und seine Hände rein von jedem Verrat an seinem Herrn i ck tönige, den Papst nicht weiter in Anspruch genommen und vom I Ntinger nichts verlangt als eine Klosterzelle, wohin er fein Haupt M> . Bergeftalt ging er denn, vom Heiligen Vater aufgeopfert, die Hof- i:> des Kapetingers vermeidend, am Wanderstabe des Elends von ®ter zu Kloster, und oft verloren sich feine Spuren. Während so feine Oenchkeit in Frankreich abnahm und schwand, wuchs seine Macht und lÄije Gegenwart in Engelland und stand über den trauernden •«en wie der Vollmond in der Nacht. Oder, wenn Ihr lieber wollt. 22 16 c £ 20 21 14 15 17 18