®ine __________ i SietzenerZamilienbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Montag, den 50. Januar Nummer 9 fihrgang 1939 Boot, Mch Siet einen i ein 19. Fortsetzung. Aber herausbringe stderte sie die Lade it huste Ernst Christoph hikigen Zeiten ein se schecht sei und er selb herausbringen mußte sie, wer diese Person war. Hastig durch- ihres Sohnes. Das war keine Mühe. Fürs Schreiben 5, DOM sagen, im Krieg ist's manchmal verdammt langweilig... Hat Er also tßeiber, ladend at sich mierig, heiich inget' werde Sitze e aus finier, bläu* int ) nichts übrig. Selbst aus dem Felde kam nur alle sechs Zeilen langer Brief. Daß das Wetter gut oder selber gesund. Um so schwererwiegend und bedrohlicher jet i» en bet Neger jotnoli' Böller' ms der iahten Stab! id hort ichi S- tneitiffl1 anbeti gemacht ädjrnet' ichi i” ist bei re Aai , Enbi Wahei len müssen. Ein Pläsier muß der Mensch schließlich haben. Und ich kann di sagen, im Krieg ist's manchmal verdammt langweilig... Hat Er also :e ries liefe * n M* wer dieses fast vier Seiten lange Konzept. Im Sekretär fand die Rabin nichts. Dafür in der Tasche seines neuen wi ßen Reitermantels, den er nicht ins Feld mitgenommen hatte, einen Settel mit dem Vermerk: bei der Kerzelmacherei des Aloisius Brand für Mzelten und Kerzen 17 Gulden 23 Kreuzer. Brand, da hatte sie es jal Bi: Tochter von einem Kerzelmacher war also die künftige Schwieger- ie sich nieder' Siegel darii anjeln i Harri schein! rt. Sii ng der chänerr [en gt1 Ser kerzelmacher von Sankt Stephan Ein heiterer Liebesroman von Alfons o. Ezibulka Eopgrlght bg A. G. Cotta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart ’eijjen seine ischlatz bigem rndei' fron' Nateri igenbe durch mben- re ge. breit Und zu so haarsträubender Verschwendung hatte ihn die Kanaille , JJI arih noch verleitet! Das Brieskonzept wie eine Fahne schwingend, stürmte sie in das Zlnmer ihres Mannes, der gerade am offenen Fenster eine Patience legre. Sie schien verzwickt zu fein, denn der alte Baron gab lange keine Mwort, als sie mit allem Stimmaufwand trompetete: „Auf Euren shmmhalter könnt Ihr Rabenaus Euch etwas einbildenl" Der Baron tnulte sich den schmalen, hageren Schädel, legte eine Karte, nahm sie (ander auf, suchte eine andere. Dann erst antwortete er: „An dem Zu- st »bekommen dieses mißratenen Reises warst du meines Wissens nicht Wz unbeteiligt, ma obere ... Na, was ist denn los mit dem Christel?" $ sah den Brief in ihrer Hand: „Hat er gefeilt? Dann werden wir zah- guut?" । ,,®ejeut! — Da, lies!" Der Baron setzte feine Brille auf und durchflog das Schreiben: „Und dchwegen diese Emotion, meine Liebe?" ..Aus der Haut könnte man fahren bei deiner phlegmatischen Hunt ir! Eine Bürgerliche!" Ihr Mann zuckte mit der Achsel: „Glaubst du, daß ich als Leutnant, ch« ich in dir das Glück meines Lebens fand, keiner Bürgerlichen die Sour geschnitten habe? Das Mädel wird halt hübsch sein ..." Die Rabin krächzte: „Kannst du nicht lesen? Er will sie doch heiraten!" Das gibt sich schon wieder. Ueberdies hat die Demoiselle ohnehin litt viel Chancen, fürcht ich. Du weißt doch, daß die Kaiserin den ! ästet ä tout prix mit der Hartenberg verheiraten will. Erst vor vier- ’,gri Tagen hat sie mir das wieder nahegelegt. Wenn du also sonst keine 5: gen hast..." Er hob mit spitzen, schon ein wenig zittrigen Fingern Inn Treffbuben ab und legte ihn auf den Treffzehner. Das hieß, daß die Audienz beendet war. Die Rabin flatterte erbost in ihr Zimmer, riß am Glockenzug. Aber ti dauerte ihr wohl zu lang. Sie fegte ins Stiegenchaus und rief: „Die Stufte! Aber tout de suite!" Aus der gegenüberliegenden Türe trat gerade die Grand'mere. Sie tat eine Nähschachtel. Auf ihren schwarzen Krückstock gestützt kam sie til^r: „Warum so echauffiert? Uebrigena bonjour, Marie-Listse!" Sie iajt» es ein wenig spöttisch. Die beiden hatten einander heute noch nicht pichen." sn.Pardon, Grand'mere, aber ich bin außer mir." Hl „Bas kann ein Blinder sehen und ein Tauber hören. Mais pourquoi?" Sie zog die Türe hinter sich zu. .Der Christl will die Tochter vom Kerzelmacher bei Sankt Stephan Giraten." Sie hielt ihr den Brief hin. . .Quel malheur! Da bekommt Ihr wenigstens di« Lebzelten billiger ür Eure Faschingsfeten." . Narie-Luise wurde zornig: „Mtt euch Rabenaus kann man nicht ver- nrtig reden." Warum hat Sie dann einen geheiratet, wenn Ihr an ihnen nichts 'tt)' ist? ... Eh bien, was will Sie tun, Marie-Luise. Dem Frauenzimmer meine Meinung sagen!" Pauvre petite!“ Die kleinen Augen der Greisin zwischen den hundert litten Fältchen blitzten belusttgt. Ein alter Diener in kaffeebrauner Livree meldete die Sänfte. Die Rabin \v, ( lauschte hinaus. Unten auf der Straße befahl sie: „Zum Kerzelmacher am r Slei'hansplatz!" j in schwarzem Kleide, mit kerzengeradem Oberkörper saß sie in der 'Melgrünen, hochrot gepolsterten Sänfte. Abweisend und streng durch ihre Lorgnette blickend, nickte sie nach rechts ober links, wenn irgend eine Bürgerkanaille, ein Handwerker, ein Lieferant sich ehrerbietig vor dem Wappen der Rabenau verneigte. Marie-Luise von Rabenau war noch immer eine imponierende, stattliche Erscheinung. Die Person konnte sich freuen! Sollte ihr einer einen Fall nennen, in dem sie nicht ihren Willen durchgefetzt hätte! Aber wieso kam sie eigentlich dazu, sich mit diesem Frauenzimmer abzugeben? Damit die Person dann überall herumerzählte,, daß die Frau Baronin vor ihr einen Kniefall habe tun müssen, um den Herrn Leutnant wieder loszueisen. Kniefall würde sie zwar, weiß Gott, keinen tun! Aber man kannte doch das Pack. Aergerlich trommelte sie mit der Lorgnette an die Scheibe. Der vordere Träger wandte den Kops. Die Rabin befahl: „3n die Burg!" Daß ihr das nicht gleich eingefallen war! Ihr Mann, dieser alte Esel, hatte sie dach daran erinnert, daß die Kaiserin den Christel ä tout prix mit der kleinen Hartenberg verheiraten wolle. Da brauchte sie der Kaiserin dach nur zu sagen, daß dieses Frauenzimmer ihr bei ihrem Plan ins Gehege kam. Dann würde diese Affäre sehr rasch zu Ende fein. Zur Kaiserin selbst würde sie ja heute wohl nicht kommen. Aber es genügte, wenn es die Khevenhllller, die Oberhofmeisterin, erfuhr. Sie und di« Rabin waren ja Freundinnen noch vom Kloster her. Gistgeladen und siegesgewiß ging die Rabin die Marschallstiege hinaus. Die Lebzelterin würde sich wundern! Seit einigen Tagen speisten die Rabenaus im Zimmer des Barons. Es war die einzige friedliche Insel in diesen Tagen des Scheuerns und • Fegens. Der alte Baron hatte geschworen, jeden zu erschienen, der mit einem Besen oder einem Spüleimer sein Zimmer betrete. Wenn schon geputzt werden müsse, dann solle man warten, bis er in Hradek sei. Während man die Suppe löffelte, wandte er sich an seine Frau: „Run, Marie-Luise, was hast du heute vormittag getan, um zu verhindern, daß das Wappen der Rabenau mir einem Lebzeltenherzen verfchönl wird?" In (einer Stimme schwang fröhlicher Spott. Die Rabin antwortete hoheitsvoll: „Ich war bei der Kaiserin." Die Kheoenhüller hatte ihr sozusagen eine Jmmediataudienz verschafft. Die Grand'mere bewegte belustigt den Kops: „Voyons! Bei der Kaiserin! Und ich hab gedacht, bei der Person." „Werd mich hüten, mich zu beschmutzen." Ihr Mann fragte hohnooll: „Und was hat, wenn man fragen darf, die Majestät dazu gesagt, ma obere, daß du ihr mit solchen Sottisen kommst?" Marie-Luise von Rabenau drohte zu platzen. Immer traf dieser alte Schöps den Nagel auf den Kopf. „Sottisen" hatte die Kaiserin zwar nicht gesagt, dafür aber gemeint: „Alles recht und schön und wahrscheinlich eine Eselei von dem Herrn Leutnant. Aber wo glaubt Sie, soll ich die Zeit hernehmen, meine liebe Rabenau, mich um derlei Affären zu kümmern?" Daß fie um das Eheglück des Leutnants von Rabenau nicht mehr so brennend besorgt war, weil die kleine Hartenberg vor zehn Tagen zur Verwunderung der Kaiserin plötzlich Hals über Kopf einen schon recht bejahrten polnischen Magnaten geheiratet hatte, sagte sie der Rabin nicht. So wenig wie diese jetzt den Ausspruch der Monarchin wiedergab. Wann hätte sie jemals eingestanden, daß ihr Mann recht gehabt habe. Als der Diener den Braten serviert hatte und auf einen Wink verschwand, gab sie triumphierend zur Antwort: „Was die Kaiserin gesagt hat? Sie wird sich in den nächsten Tagen dieses Frauenzimmer kommen lassen, und ich darf dabei sein." Daß der Rabenau plötzlich doch diese Brand heiraten wollte, paßte der Kaiserin nämlich auch wieder nicht. Erstens gab es ja außer der kleinen Hartenberg auch noch andere Komtessen, die auf einen Eheherrn warteten, und zweitens erschien ihr ein« Heirat zwifchen einem vom Adel und einer Wachszieherin wider die Ordnung der Dinge. Aus dieser Mariage konnte nichts werden. Seit achtundzwanzig Jahren wußte die Grand'mere, daß ihre Schwiegertochter eine exaltierte Gans war. Aber für so dumm hätte sie di« gute Marie-Luise doch nicht gehalten, daß sie wegen dieser Affäre gleich zur Kaiserin lief. Entweder war es eine kleine Leutnantsliebe, bann war es unnötig, es der Majestät zu sagen. Man wußte doch, daß sie illegitime Amouren nicht mochte. Oder es war dem Christi ernst. Dann war es erst recht dumm, in die Burg zu laufen und sich die Ungnade der Kaiserin zuzuziehen, die den Herrn Leutnant doch an die kleine Hartenberg verheiraten wollte. Der Grand'mere war es ja recht, daß die Marie-Luise dem Mädel nicht gleich die Augen ausgekratzt hatte. Aber anschauen hätte sie die Demoiselle doch wenigstens sollen. Und das wollte Grand'mdre auch tun. Sie mußte doch sehen, was der Christi für einen Geschmack hatte. Und war es wirklich eine durchtriebene Person: grob zu werden, verstand sie auch. Nur mit mehr Vernunft als ihre Schwiegertochter. Nach der Nachmittagsschokoiade ließ sie sich in die Sänfte heben. Das schon dunkel. Sie flüsterte Er mir einen Brief?" gewiß nicht kränken. Aber roic wär's, wenn die Enkel verzichten töt und dafür eine sehr splendide was Eben hatte die Grand'mdre die Sänfte bestiegen, als der Baron, sonst kaum geschah, in das Zimmer seiner Frau gekommen war und mit seltsam veränderter Stimme erzählt hatte, daß der Christl gefangen und verwundet sei. Diesmal anscheinend schwer. Eben sei der Bursche aus dem Hauptquartier gekommen. Hadik habe ihn selber zu wahren?" - ........ Die Lisl wurde wieder rot. Aber sie schüttelte den Kopf und lachte hell. Das hatte sie der Wimmer auch schon gefragt. „Wo denken Ihrs Gnaden hin? Ich hab doch nur einmal mit ihm gesprochen, mit ... mit dem ..." „Na, sag Sie ruhig: Christl!" Also nur einmal hatten di« beiden miteinander gesprochen. Die alte Dame schüttelte verwundert den Kopf, legte den Krückstock quer vor sich auf den Nähtisch, griff nach beiden Händen der Lisl, zog sie zu sich heran und sagte warm: „Komm Sie, setz Sie sich da neben mich! So — und jetzt erzähl Sie!" geschickt. Marie-Luise von Rabenau sah in sein plötzlich gealtertes Gesicht Die Angst schüttelte sie. Sie fragte beklommen: „ßebt er überhaupt noch?" Ihr Mann hob die Hände, ließ sie wieder sinken, zuckte mit den Schultern: „J’espere ...“ Da sank sie mit einem leisen Ausschrei zusammen. Später sprach sie dann selbst mit Christls Burschen. Was er berichtete, beruhigte sie nicht. Sie mußte sich zu Bett legen. (Fortsetzung folgt.) bei (fjneftl®eile stand sie dann noch am Fenster und sah aus den Dom, an dellen Gemäuer schon die blauen Schatten des Abends fliegen. Doch dann hielt sie es in ihrem Zimmer nicht aus-- Selbst das Haus scbien ihr zu eng sür ihr Glück. Irgendeinem Menschen mußte sie von dem Wunder erzählen. Mit dem Vater konnte sie nicht sprechen. An Märchen glaubte der nicht. Eher schon die Dielgratterin. Aber die war ihr w- wider. Sie beschloß, zu Matthias Wimmer zu gehen. Doch wollte sie vorher noch einen Spaziergang machen, über Graben und Freyung. Zu sehr noch stürmte ihr Herz. Als sie gerade am Stock im Eisen vorüberkam, merkte sie, wie ein Soldat an ihr vorbeieilte, stechen blieb und dann hinter ihr cherging. Rascher schritt sie aus, denn es dämmerte schon. Da horte sie eine Stimme neben sich: ,Hch muß der Demoiselle was sagen ... Elisabeth Brand lief beinahe. Da klang wieder die Stimme: „Grad hab ich zur Demoiselle wollen. Ich bin nämlich der Bursch vom Herrn Leutnant... Unwillkürlich verhielt Ne den Schritt. Sie wußte: es war gegen allen Anstand. Aber sie konnte nicht anders. Sie fragte leise zuruck: ,Lst denn der Herr Leutnant in Wien?" „Das nicht. Wenn die Demoiselle mich halt anhören wollt!" Er überholte sie, ging vor ihr her. Nach hundert Schritt verschwand er tn einem Hause. Die Lisl sah sich ängstlich um. Wenn sie wer sah! Dawär für die Frau Taut ein Freßen! Sie duschte ins Tor. Es war ein Durchgang. Menschen eilten durch die Höfe. Doch in der Ecke hinter dem Tor, wo der Dragoner stand, war es schon dunkel. Sie flüsterte ihm zu: „Und jetzt mach Er schnell! Bringt Er mir einen Brief?" Der Soldat schüttelte betrübt den Kops und schwieg. Elisabech Brand erschrak. Sie griff hastig nach seinem Arm: ,Zsi ihm was zugestoßen? Ist er ..." . , , m „Nein, das nit ... G'sangen habens ihn halt. Dor drei Togen bei Demoiselle auf meinen Enkel verzichten töt und dafür eine sehr splendide Zuwendung sür eine andere Mariage bekäme?" Elisabech Brand warf zornig den Kops in den Nacken: „Was denkt die Frau Baronin von mir?" Dann fragte sie leiser, unsicher: „Weiß der Leutnant voii Rabenau davon?" Ihr« Augen füllten sich mit Tranen. „Natürlich nicht, mein Kind. Der Christi töt mir die Augen auskratzen, wenn er's wüßt. " Sie lächelte verlegen. Sie wußte, der Borschlag war nicht schön gewesen. Ader sie hatte ihn machen müssen. Das war sie ihrem Hause doch schuldig gewesen. Es war doch wahrscheinlicher, daß das Mädel aus Berechnung handelte, als daß sie ein Engel war. Aber jetzt war sie unschlüssig. Doch eine Frage mußte sie noch stellen. Schließlich war ihr Enkel Leutnant und pudeljung. Sie sagte, zögernd: „Werd Sie jetzt nicht gleich wieder bös! Aber das eine muh ich Sie schon noch fragen: liegt es daran, daß die Demoifelle heiraten muß, um.... na ja, um di« Dehors äSÄÄ’ÄÄÄ BsÄ &ÄSWE Di» Kreilin hörte aufmertfam zu. Der Zauder dieser warmen, schwin- gen^n Mädchenstsmme nahm sie'aesangen War dos l-tz«ine «roß. Dummheit oder eine große Liebe? Oder gehörter' Torhe,: und Liebe zu fnmm»n? Und wie es ausqing, entschied dann das Gluck, ^tyr.e «tugen fa^en voll Güt7°F das Vädel. ' fear ja schließlich erstemal daß eine Wachszietzerin das Blut der Rabenau versüßte. Nach dem Dr'eifüaiähriaen ^ieq war's schon einmal ge-Hetzen. War zwar damals eine Nünrbermr Patriziertochter gewesen. Aber als einfach- Kerzelmacher hatten diese Nürnberger Patrizier doch wohl auch einmal b^Als^das Mädel schwieg, streichelte die Greisin lange ihre Hand. Also wieder ein Rabenau und eine Lebzelterin! Na, ihr konnte es recht sein. Aber ein Theater würde das geben! Bor allem bei der Kaiserin. Cie erhob sich langsam, nickte nachdenklich und sagte: „Jetzt kann ich also mit meiner Weisheit wieder nach Hause gehen und muß dem Malheur einen Lauf laßen ... Oder kann Sie mir sagen, was werden soll? Das liebe gütige Gesicht der Greisin unter dem schneeweißen Haar machte der Lisl Mut. Der Schalk lachte ihr aus den Augen, als sie jep knickste und sagte: „Wenn uns halt die Baronin bei dem Malheur ein ditzl helfen töt!" Sie beugte sich über die schmale, zittrige Greisinnen ^Die Baronin nickte und strich ihr über den Scheitel: „Wird wohl °^ü!der^rvar°es^der°Lisl' wie damals unter den blühenden Bäumen SÄÄäÄÄ« MÄSÄ Ä HäTISSw?* N7- tir fÄ A Die Baronin dankte freundlich, blieb aber stehen. „Laß Sie! Sie hob ein wenig die Spitze ihres Stocks: „Sie hat doch eine Tochter? lieber die Brandfchen Familienoerhältniße war sie schlecht informiert Das Gesicht der Bielaratterin rötete sich schamhaft: „Ich bin nur die Xont, Euer Gnaden. Ich führ dem Brand das Haus, feit ferne Frau g starben is, vor achtzehn Jahren " So so — nur die Tont." Mutterlos ausgewachsen also. Das war bös" Sie [agte kurz: „Ich mochte die Demoiselle sprechen. „Darf ich fragen, Euer 'Gnaden..." „Gar nichts darf Sie. Allez, führ Sie mich!" Die SBielgratterin öffnete gehorsam die Ture, die hinaus aus die Stiege ührte, unb ging über die Treppe voraus. Hinter ihr aus den Stufen (lang das Aufschlagen des Stocks wie das nahende Schicksal. Sie stieß eine Tür auf, ließ die Besucherin ein. Elisabeth Brand saß, über einen Strickrahmen gebeugt, am offenen Fenster. Ge»en die schon fief über das Domdach sich neigend« Sonne war ihre Gestalt nur wie em Schattenriß zu sehen. Nur ihr Haar war von einem Leuchten umstrahlt. Tauben {(alterten neben ihr vom Fensterbrett auf. Sie wandte den Kops, legte den Stickrahmen auf ein Tischchen, grüßte freundlich und blieb wartend stehen. Die alte Baronin drehte (ich nach der Bielaratterin um: ,,Mern! Und jefet geh Sie wieder in den Laden hinunter! Die Frau Tant verschwand. Aber der (Sranb’mere genügte das nicht. Sie blieb einen Augenblick lang stehen, ging dann zur Türe, stieß sie auf. Ein We-^aut war zu Horen. Grand'mdre schob den Kopf vor und sah auf den Gang hinaus, hinter die Türe: „3n den Laden soll Sie gehen, hab ich gesagt! Sie trat wieder in das Zimmer zurück: „Horchen kann ich nämlich nicht lewen. Elisabeth Brand stand noch immer wartend und ein wenig verwundert am Fenster. Sie wußte nicht, was das alles bedeuten sollte. Die Greisin trippelte an ihr vorbei und setzte sich aus das Taburett vor den Nahtisch. „Und jetzt laß sich die Demoiselle einmal anschauen! Das volle Sonnenlicht glitzerte und stammte auf der Gestalt des Mädels. Die alte Baronin itütztc sich mit der Linken auf den Krückstock, neigte sich zurück, wie ein Maler vor seinem Bilde, und nickt« anerkennend: „Ist Sie aber hübsch! Geschmack hatte der Christi. Das mutzte man sagen. e Die ßijl sah sie belustigt an und knickste: „Darf Ich Madame ^"0 Dürfen schon ... Aber Sie braucht es nicht. Ich sag'« Ihr auch so ... Wer ich bin, weiß Sie natürlich nicht?" , Elisabeth Brand antwortete fröhlich: „Drum hab ich ja fragen wollen. Seit dem Piestingtal war sie wieder vergnügt. ©ranb’mtr« neigte den Kopf auf die Schulter, sah di« List an und lächelte fein: „Aber wer der Leutnant von Rabenau ist, weitz Sie wohl? Die Lift wurde feuerrot. Doch den Blick senkt« sie nicht. Sie wußte, jetzt begann der Kampf. Sie wollte ihn kämpfen. Die Baronin lacht«: „Kann Sie sich jetzt denken, wer ich bin?" Das Mädel dachte nach. Christls Mutter war sie wohl nicht. Die alte Dome hier mutzte hoch in den Siebzig sein. Sie antwortet« zögernd: „Madame la granb’mfere vielleicht? ... . Erraten! Dumm ist sie also auch nicht.....Na, und wie denkt Sie sich die Geschichte?" Ein leiser Hochmut lag jetzt in den Augen der Greisin. Sie fragte kurz: „Mariage?" Elisabeth Brand nickte. , ,, „ Die Grand'mere wiegte bedächtig den Kopf. Dann lachte sie vergnügt: „Was für Phantasien, mein Kind... Das ist doch nicht Ihr Ernst! Wieder nickte das Mädel. Die alte Baronin besah sich interessiert da-- Blumenmuster auf dem Stickrahmen und dachte nach. Das Mädel war bildhübsch, und es gefiel ihr. Ader der Standesunterfchied war halt ein bitzl grotz. Und sie kannte doch die Welt. Der Borschlag, den sie ihr jetzt machen wollte, war ihr peinlich, aber sie machte ihn doch. Sie hob langsam den Kops, sah die Brand an und fügte gütig: „Hör Sie mich einmal an! Ick) will Sic ,r* "‘~,L x- —”” Olmütz ..." Sie atmete auf. Gefangenschaft war schlimm. Aber wenigstens brauchte sie nicht mehr um fein Leben zu bangen. Und bis zum Herbst würde dieser dumme Krieg wohl zu Ende sein. Sie lächelt«: „Aber gesund ist er doch?" Wieder schüttelte der Bursche den Kops: JBerrounbet! Als «in ea'sunder laßt sich unser Leutnant nit fangen ..." Sir schrie leise auf: „Schwer?" Er nickte. Tränen standen in seinen Augen. Er liebte feinen Herrn. Er begann zu erzählen. Sie fchluchzte und zitterte. Neugierige Blicke der Vorübereilenden wandten sich ihr zu. Endlich bezwang sie sich und sagte: „Hier können wir nicht bleiben. Kann ich Ihn noch einmal fprechen?" „Freilich. Sagens nur wo, Demoiselle!" Sie überlegte: „Komm Er morgen um neun tn den Laden!" Es war ihr eingefallen, daß der Baier morgen in aller Früh über Land muhte. Und um neun war auch die Bielgratterin nicht im Laden. Der Bursche nickte: „Ich komm g'wih." Er schien zu überlegen, hob plötzlich den Kopf, fah sie treuherzig an und sagte: ..Wann die Demoiselle halt zum Herr Leutnant fahren töt!" Elifabeth Brand lächelte schmerzlich: „Wo denkt Er denn hin?" War Marie-Luise von Rabenau auch hochfahrend und herrifch: ihren Sohn liebte sie. ■ W »ol MM ais• lärch hr 9 Sm . Sot Bat®' nen *' hB fei * K J gen hi nijfi« i H-kt i. 6t i) olf alfjet soll! hn« ie j<| alljtt inner tl“ 6 ) tri hl $t oar d hlnii i W t BW fich w eiinW Es°» >r fi°® ii>en. icn, h" Dein" in», leint; tat M N 1 be ta nfad; MU gefit ifcerWJj: mit i* k »ie ei «jin; ie ein lifaiii ich!« int..: W yinil «,Nach Golde drängt, am Golde hängt.. Eine Geschichte von Carola Ihlen bürg. Nichts ist auf einer Autoreise spannender, als der Augenblick, wenn bit Motor anfängt unregelmäßig zu klopfen, zu niesen und ein bißchen Aszusetzen. Der Blick irrt von der Benzinuhr auf den Oelstand, dann diickt man auf den Starterschlüssel, schaltet die Gänge, mißhandelt dn Gashebel und sagt endlich: „Nanu?" Nachdem man dann mit möglichst sachverständiger Miene ausge- stegen ist und die Motorhaube geöffnet hat, betrachtet man das verirrende Gebiet, das sich darunter befindet. Man kann auch die Ben- Aizufuhr und einiges andere zu untersuchen scheinen, aber recht vor- sthtia, damit man sich nicht die HaMchuhe verbrennt. Wenn ein solches Ereignis sich in einer Ortschaft abspielt, hat man Od. Es ist eine Gelegenheit, ein Gasthaus aufzusuchen und dort eiwas ganz Unzeitgemäßes zu sich zu nehmen, zum Beispiel einen Grog tot Vormittag oder Spiegeleier zum Nachmittagskaffee. Ich sinde über- h-upt, eine Panne ist etwas sehr Behagliches. Sie kommt als unoor- hrgefehene Abwechslung, sie schaltet sich ein in die Gleichförmigkeit der grhrt als eine Paufe, ein Zwischenakt. Meistens erlebt man etwas »bei, einen ulkigen Gastwirt oder einen Wunderhund oder einen philosophischen Tankwart oder eine Hochzeit, wenn nicht gar eine Dorf- sdlägerei. Ein richtiger Autofahrer sollte sich die Erinnerung an seine Pannen sammeln. Als wir das letztemal eine hatten, wollten wir gerade um den zier» lihen Marktplatz eines alten Städtchens herumfahren. Als der Wagen endgültig von selber bremste und noch ein paar Meter weit ausgerollt Sitte, stand er vor dein Eingang des Gasthauses „Zum vollen Mond". Ein .dtter und ein Hausdiener eilten heraus, um uns in Empfang zu nehmen, fahren Sie nur noch um einige Zentimeter näher an den Bürgersteig heran!" bat der Hausdiener. Das war leicht gesagt, aber wir konnten nicht. Der Wagen glaubte, seine Schuldigkeit getan zu haben, md reagierte auf kein Zureden mehr. Also stiegen wir erst einmal aus, Verteilten den weisen Mann aus der Reparaturwerkstatt und traten in btt „Vollen Mond". Schon im Vorraum roch es nach einem ausgezeichneten Ragoüt fin, worauf wir sofort beschlossen, welches zu essen. Im Gastzimmer sahen vier oder fünf stattliche Männer und tranken ®er. Sie redeten sehr laut. Es war zu vermuten, daß sie schon recht lange hier saßen und Bier tranken. Offenbar waren sie in ein sehr tltfes Gespräch verstrickt, aus dem sie nicht recht wieder herauskommen Hinten. Die ersten Worte, die wir verstanden, hießen: .„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles, ach, wir Annen!', sagt Goethe." Diese Bemerkung kam von einem Mann, der sehr schlicht gekleidet »tr und dessen Hände noch viel Arbeit aussahen. Ein anderer, der ihm ggenüber saß, zuckte die Achseln und entgegnete laut: „Das sagt gar nicht Goethe! Du immer mit deinem Goethe!" — Hierauf der erste: „Ra, wer sagt es denn? Wenn du schon immer alles besser weiht!" Der Besserwisser war entrüstet, dachte scharf nach und behauptete schließlich: ,^Jch sage ja nur, daß es nicht von Goethe ist! Weiter sage ich ja gar nichts! Aber darauf möchte ich wetten!" Jetzt legte der Mann mit dem schlichten Anzug fich mächtig ins ’ H:ug: „Und ich wette dagegen! Um was soll es gehen?" Beschwichtigende und anfeuernde Reden begleiteten den Lärm, der sich gleich darauf erhob. Der Besserwisser hatte nämlich in einem Zuge fein Glas wieder geleert, knallte es auf den Tisch und schrie: ,Hch wette in hundert Mark, daß das Wort nicht von Goethe ist!" Der andere eichleichte, aber unter feinen Augen erschienen rötliche sskcken. „Ich halte die Wette!" schrie er dagegen, obgleich seine Stimme jinnlich kraftlos war. Es wurde daraufhin ziemlich still an dem Tisch Otr Zechbrüder. An unserem eigenen Tisch wurde ebenfalls fein Wort hit. Es gibt Situationen, in die man sich eben nicht einmischen kann. Man öffnet wohl hundertmal die Lippen, aber man sagt doch nichts. Man hat in seiner Jugend schlechte Erfahrungen gemacht mit solchen i kinmischungen, die immer unerwünscht sind. Man ist zu der etwas Ahmütigen Ueberzeugung gekommen, daß man die Leute in Ruhe Hen soll, die einen nicht gefragt haben. Das Ragout fine dampfte vor ii'5 in den Muscheln, und in den Schoppengläsern glänzte ein vorziig- W»er Rheinwein. Trotzdem schmeckte es uns nicht so recht, denn wir Aren wieder einmal die unfreiwilligen Zeugen von menschlicher Maß- loigteit, Eitelkeit und jener trüben Leidenschaft, die manche Leute sich Mi Kopf und Kragen, bringen läßt. Wie es schien, war die Wette bereits abgeschlossen und sollte gelten, fer nun legte sich der Wirt ins Mittel, indem er sagte: „Augenblick, im ine Herren! Ich bin hier der Wirt! Ich verlange jetzt, daß die beiden, li: hier wetten wollen, noch fünf Minuten Bedenkzeit einhalten! So- latge kann jeder der beiden noch von der Wette zurücktreten, in welchem Stile ich eine Lage ausgeben würde!" Diese Worte wurden offenbar respektiert, wenn auch die beiden i Aigner mit scheinbarer spöttischer Gelassenheit weitertranken und Wichten. Im Raume stand fast greifbar die Summe von hundert Mark, fee große Summe, wenn man sie mit seiner Hände Arbeit erwerben Traum in Musik. Von Herybert Menzel Heute lag ich ohne Schlaf, Lauschte dem Konzert der Sterne, Das aus blaugewölkter Ferne Mich wie Regen traf. Mein Oemüte Eine Blüte War im Paradies. Bis die Flöte Morgenröte Und Erwachen blies. muß ober wenn man sie durch Pfennigoerdienste ober burch mühsames Denken und Streben zusammenscharren soll. Dieses Gastzimmer vom „Vollen Mond" war jedenfalls kein Spielsaal in Monte Carlo, sondern ein wohlfeiler Ausschank in einer kleinen Ackerbürgerstadt. Jeden Augenblick der endlosen fünf Minuten war einer von uns bereit, zu jenem Stammtisch hinüberzugehen und die Wette zu hinter- treiben. Dabei wußten wir alle sehr genau, daß dies recht eine unglückliche Lösung herbeigeführt hätte. Schließlich hätte der Gewinner uns ja haftbar machen können, und wir hatten alle zusammen keine hundert Mark übrig. Die Sekundenzeiger tickten ihre schnellen Kreise, die Minutenzeiger der Uhren rückten nach. Auch der Besserwisser hatte sich langsam ver- färbt, er starrte jetzt düster in sich hinein. Vielleicht dachte er in seinem Trotz plötzlich an alle die Dinge, die man von dem vielen Geld bezahlen konnte. Vielleicht an seine Frau, vielleicht an seine Werkstatt. Der andere dagegen schien immer ruhiger und gelassener zu werden. Als vier und eine halbe Minute verstrichen waren, sagte er plötzlich leise, indem er an seinem schäbigen Anzug Hinuntersah: „Ich trete von der Wette zurück!" Man atmete auf, der Wirt lächelte und machte sich ans Einschenken der versprochenen Lage. Der Besserwisser dagegen versuchte ein wegwerfendes Lächeln. Aber der Zwischenfall war dennoch erledigt, die Gegner stießen miteinander an, und das Gespräch verdichtete sich allmählich wieder zu einem gewöhnlichen Stammtischgespräch. Mehrmals aber sahen wir, wie der Mann, der von der Wette zurückgetreten war, ein heimliches Lächeln zu uns herüberwarf. Wir lächelten halb erstaunt, halb verlegen zurück. Als wir unseren Wein ausgetrunken hatten, kam der Schlosser aus der Reparaturwerkstatt und meldete, daß unser Wagen wieder starten könnte. Während des Aufbruchs kam der verarbeitete Mensch, der Goethe zitiert hatte, unauffällig auf uns zu, lächelte noch einmal und flüsterte: „Sagt nämlich Gretchen im .Faust'! Ich hab's aber zu genau gewußt, um zu wetten!" Wir verliehen den „Vollen Mond" ziemlich schweigsam und fuhren ebenso schweigsam weiter in die sinkende Nacht hinein. Ununterbrochen hämmerte in mir der Rhythmus: „Nach Golde drängt, am Golde hängt ..." Oie Stadt mit den drei Gesichtern. Von Otto Grnelin. Es wird wohl kaum eine große Stadt auf der Welt geben, in oer so schroffe Gegensätze von Bau- und Lebensstil nebeneinander, ja durcheinander und ineinander gewachsen sind wie in der Hauptstadt Mexiko. Es sind nicht nur die sozialen Gegensätze, wie wir sie in allen großen Weltstädten linden, die schroffen Gegensätze von Arm und Reich, von Not und Luxus, sondern es sind völkische und rassische Gegensätze, die sich in diese sozialen hineinschieben. Denn es sind da drei (Elemente, die lebendig an der Stadt gewirkt haben und noch immer wirken: Das Indianische, das Spanische und das Amerikanische. Das vorläufig noch immer vorherrschende Element ist das Spanische, wie ja auch die spanische Sprache, wenn auch schon in einer Sonderentwicklung gegenüber dem spanischen Spanisch begriffen, die Volkssprache ist. Nur noch ganz wenige Gegenden im Land soll es geben, wo noch indianische Mundarten lebendig find. Spanisch ist der Baustil der zahllosen kleinen und großen Kirchen, es ist oft beste spanische Renaissance und schönster spanischer Barock. Spanisch find die Häuserreihen des Mittelstandes, die das Haus mit den kleinen Balkon en an den Fenstern zeigen, das Haus, dessen wichtigster Raum der Patio ist, der große Hof in der Mitte, der von den Säulengängen wie von einem Kreuzgang umgeben ist; dort, mit dem Blick auf die blühende Schönheit, die im Patio wuchert, auf die blauen Celestines, die lilafarbenen Bugambilias, kann man noch die spanische Matrone finden im Schaukelftuhl, sttckend, das Hauswesen leitend, dem mehrere Dienstboten zur Verfügung stehen. Spanisch aber sind vor allem, um nur das Wesentliche zu erwähnen, die „Toros", die Stterkämpfe, die immer noch eine Angelegenheit des ganzen Volkes sind. Spanisch sind die Märkte, der große Blumenmarkt, der „Diebsmarkt", eine Art Trödelmarkt. Das lärmende Bild der Straße in ihrer monumentalen Geste, ihrem Korso, ihrer festlichen Groharttgkeit und Lebhaftigkeit. Aber all dies steht nun doch zwischen zwei ganz anderen Elementen, in die es da und dort allmählich übergeht oder von denen es sich schroff abhebt. Denn kommt man ins eigentliche Zentrum der Stadt, in die Gegenden um die Avenida San Franzisco, die erste Gefchäftsstraße, fo wird das Tempo des Lebens rasender und man möchte sagen kälter. Riesentürme von modernen Geschäftshäusern, modernste Läden mit ihrer sachlichen Eleganz, von Lichtreklamen in allen Farben überflammf, von schnittigen Wagen, die lautlos über den Asphalt gleiten, durchsaust, und zwar in einem tollen Wirbel und mit ungeheuren Geschicklichkeiten; da sind die Drugstores, die kecremesalons, da ist die ganze ratternde, niemals Zeit habende, ganz auf Business eingestellte Geschäftswelt, und sie erobert immer mehr Raum im Lauf der Jahre. Aber mitten in diesem Wirbel der modernsten Yankeelike=Stabt sausen die Zeitungsjungen barfuß, mit ihren schönen dunklen Augen, mit ihren durchdringenden, singenden Jndiofttmmen, mit ihrer urwaldhasten Gelenkigkeit; und an den Ecken stehen die dunklen Süßigkeiten-Verkäuser. Aber dann kann es geschehen, daß du nur um eine Ecke biegst, und im Halbdunkel eines Kirchenportals hockt in Lumpen ein Jndioweib und säugt ihr Kind; sie trägt den Rebozo, das Umschlagtuch über den Schultern; gewahrt sie den Fremdling, fo streckt sie ihm murmelnd die kleine Bettel- Hand entgegen. Und wiederum, geht man nur wenige Straßen weiter, wo ein alter Brunnen in ein schönes Becken Wasser sprudelt, so kann man einem Zug beladener Esel begegnen, die einem Lastauto ausweichen müssen; der Eseltreiber ist ein gelbhäutiger Pelado mit schwarzem Schnurrbart, in weißem — natürlich nicht mehr sehr weißem — Hemd und Leinen- Hose den Zarape über den Schultern, die bunte Manteldecke, den hohen Strohhut mit breitem Rand aus dem kleinen, charaktervollen Schädel, Oder auch du siehst eine Indiofrau, ihr Kleinstes auf den Rucken gebunden ein anderes Kind an der Hand führend in einem seltsamen Trab der noch aus Urzeiten stammen muß, barfuß am Bordstein her- lausen- oft hat sie eine Zigarette im Mund, Und ist auch ihr Gesicht nicht nach unseren Begriffen schön, so sind doch die wunderbaren dunklen Augen aus denen etwas wie Trauer zu blinken scheint, unvergeßlich. Wenn man am „Zocalo" eine der ausgezeichneten elektrischen Vorortbahnen besteigt, die zu den schnellsten und besten der Welt gehören und die ungewöhnlich weit ausgedehnte Stadt mit ihrer teilweise sehr reizvollen und abwechslungsreichen Umgebung verbinden, so durchfährt man auch die eigentlichen Indioviertel mit ihren langgestreckten, geraden, langweiligen Straßen, Aber besser noch, man nimmt sich die Zeit sie gemächlich zu durchwandern. Hier sind die Eseltreiber, die die Holzkohlen für die kleinen Braseros bringen immer noch häufiger als das Lastauto; hier trinken die Männer in den mit bunten Seidenpapierfransen behängten „Pulquerias" den gräulichen Saft der Agave, deren eintönige Felder weite Strecken vor der Stadt bedecken; die Pulquerias tragen wunderbare, typisch spanische Namen wie „El triunfo de la Revolution". Hier sind die kleinen Berkaufsläden, die „tiendas", in denen Persil, Ddol und Nioeacreme trotz der schreienden amerikanischen Reklame immer noch siegreich sind. Hier sind Geschäftchen mit alten Grammophon-Apparaten und Schlagerplatten, Radiozubehör und Motorradersatzteilen; aber im Schatten eines Baumes oder auch im Staub der sonnenglühenden Straßenecke hockt ein Jndioweib und bäckt „tamales" oder „Tortillas", Maiskuchen, in Del, die sie zusammen mit der stark gepsefserten grünen Ahuacate-Tunke den Vorüberkommenden verkauft. Irgendwo kann man auch im Schatten eines Häuschens eine Familie ihr Mahl zu sich nehmen fehen, Melonen, rot und saftig, frijoles, kleine dunkle Bohnen, und vielleicht noch klebriges süßliches Brot. Ueberall ist ein Duft und Dunst von Schweiß, Staub, Del, Pulque und Mezcal, dem scharfen Schnaps. Aber wieder nur wenige Schritte weiter ist ein Kino und die riesigen Bilder eines Herrn im Frack, der einer Dame in Gesellschaftstoilette und großem Decolleiä — unverkennbar Marlene Dietrichs Vampgesicht — einen Revolver vorhält. Symbolisch ist das Bild des sonntäglichen Corsos im Park von Chapultepec: Auf den gepflegten Alleen zwischen alten Zedern und wundervollen Rasenflächen zu Fuß des Schlosses gleiten Rolls Royces mit Damen nach letztem Schrei der Pariser Mode; Herren begegnen ihnen in der alten Tracht des eleganten Ranchero, anliegende gelbe Lederhosen mit Fransen, bunt bestickte Lederjacken, breitrandige, hochspitzige graue Filzhüte mit Silbertroddeln aus dem schmalen, braunen Kopf. Eine Musik spielt modernste Schlager Am Straßenrand hocken Weiber und Kinder und horchen auf Ne Musik, die Kinder in zerrissenen Kleidchen. Aber umformierte Herren, hoye Dffiziere, reiten vorüber: sie haben dieselben Gesichter wie die Kinder, auch chre Väter und Großväter haben noch dort in den niedrigen Lehmhütten gewohnt, Ne zwischen alten Ahuehuetes-Zedern und großen Drganos-Kakteen grau und staubbedeckt am Stadtrand stehen. Mitten im Paseo de la Reforma, der breiten Prachtstraße nach Chapultepec steht das Cuautemoc-Denk- mal, das Denkmal des aztekischen Freiheitshelden, Die Straße ist eine spanische Anlage, die Autos, die vorübersausen, kommen aus den Vereinigten Staaten, aber über alles hebt sich das malte indianische Volt in seinem Helden, Oer heilige Kris. Von G, Gruber. Die Dschungel von Java sind die herrlichste Dekoration für exotische Filmaufnahmen. Ich war glücklich, als ich mich der Expedition der Regisseur« Albert Balink und Maunus Franken anschließen durste, die nach dem wildromantischen Bantam gingen. Als wir frühmorgens aus Batavia aufbrachen, fragte ich den schweigsamen Balink, was für ein Film das eigentlich werden sollte. „Ich habe keine Ahnung", sagte er, „eigentlich will ich nur Studien machen, aber ich Hoss«, daß wir in Bantam eine Handlung erleben werden und dann wird gedreht, daß die Kamera raucht." Die Aeußerung Valinks mag merkwürdig klingen, aber es zeigte sich, daß nur diese Freiheit es möglich machte, einen wirklichen javanischen Film zu drehen. Die Eingeborenen sind Kinder, man müsse sie zutraulich machen. Unsere Karawane hatte noch nicht di« Hälft« des beabsichtigten Weges hinter sich, als uns ein entsetzlicher Wolkenbruch überraschte. Eben war der Himmel noch strahlend blau und in der nächsten Minute rauschte der Regen toi« ein Wasserfall. Eine Stunde lang goß es in Strömen, dann hört« das Unwetter ebenso plötzlich auf, wie es begonnen hatte. Dafür aber fchwoll der Fluß, an dessen Ufer wir uns befanden, derart an, daß die Räder unserer Autos dis über die Radnaben im Wasser standen. Die eingeborenen Träger wurden von einem panischen Schrecken ergriffen. „Bandjir! Bandjirl" schrien sie. „Der Fluß kommt über uns!" Die Ueberschwemmung wuchs. Die von den vulkanischen Bergen strömenden Bäche schwellten den Fluß in unglaublich kurzer Zeit, und wir wären am liebsten auf die Bäume geklettert wie die Affen. Leider gab es hier nur Djitibäume, deren schlanker Stamm glatt ist wie gemasert, und deren spärliches Blätterbüschel hoch sich im Winde wiegt. Diese Djitibäume zu erklettern, erfordert eine akrobatische Geschicklichkeit. über die weder ich noch di« beiden Regisseure verfügten. Bloß zwei der Eingeborenen bezwangen die glatten Stämme und zogen unfere kostbaren Apparate an Stricken hinauf, denn zu allererst muht« man dies« m Sicherheit bringen. Sie hockten oben in Gesellschaft der Da-Da- Jm Hause Trouros, des alten Dorfrichters, quartierten wir uns ein. Anfangs war er sehr mißtrauisch, nach einigen Tagen aber war er zutraulich wie ein Kind. Von ihm bekam Balink auch die Grundidee des Filmes und Tagina, feine Tochter, spielte die Hauptrolle. Seither ist ihr keiner ihrer Freunde mehr gut genug. Sie träumt bereits von Hollywood als dem Lande, in dem die Frau herrscht und der Mann untertan ist. Der alte Trouro erzog seine Tochter mit eine paar saftigen Dhrseigen. Aus Java gibt es wahrhaft paradiesische Zustände, wir nahmen mit Befriedigung diese erzieherische Maßnahme zur Kenntnis. Ernes Morgens erschien Trouro und trug mit feierlicher Gebärde ein Bündel vor sich her. „Was ich euch jetzt zeige, Freunde", jagte er, „Hai noch kein weißer Mann gesehen. Mein Großvater erbte es von seinem Vater, ich erbte es von meinem Vater, und mein ältester Sohn wird es von mir erhalten. Das Glück und die Macht unseres Hauses kommt von diesem heiligen Dinge." Neugierig besahen wir das Bündel Seidentücher, der Alte aber erzählte zuerst die Geschichte, ehe er uns das Heiligtum zeigte. „3n alter Zeit jagte der Königssohn Ardjuno hier in Bantam. Sein goldenes Zelt stand, wo mein Haus steht. Ardjuno war ein schrecklicher Jäger, die Tiere des Waldes zitterten vor seinen Pfeilen und sogar der Tiger, der brüllende Fürst des Dschungels, konnte sich vor ihm nicht in Sicherheit bringen. Ardjuno wollte eben die Jagd beenden, als ein wütendes weißes Einhorn auftauchte und ihn angriff. Ardjuno hatte keine Zeit mehr, feinen Pfeil anzulegen, er riß den heiligen Kris aus dem Gürtel und warf ihn auf das Tier. Und siehe, es geschah das Wunder. Ein Blitz schlug nieder aus blauem Himmel, das Einhorn verschwand, und an seiner Stelle lächelt« ein kleiner See. Ardjuno war bezaubert von dem lieblichen Wasser, er opferte den heiligen Kris dem blauen See und versprach, niemals mehr im Urwald zu jagen. Lange Zeit nachher erschütterte ein Erdbeben unser Land, Feuer loderte aus bcm See und fraß ihn. Und als Ne Erde wieder ruhig war, da fand mein Ahne den heiligen Kris." Der alte Trouro wickelt« das Heiligtum aus den Tüchern während er eine leise, geheimnisvolle Weife fang. Die letzte Seidenhülle fiel, und es zeigte sich ein schöner Kris, das zweischneidige Schwertmesser der Malaien, mit goldenem Griff, der mit geschliffenen Edelsteinen besetz« war. Mit einem merkwürdigen Singsang rief er seine Tochter Tagina, die .^ee und Blumen brachte. Dann preßte er den Kris ehrfurchtsvoll an ö»e otirn senkte ihn, tauchte die Spitze in den Tee und streifte mit der scharfen Schneide die Plumen. „Auf daß du die Krankheiten ^rjagft und den Badjir zum Stillstand bringst", sagte er feierlich. „Ztuf daß du die bösen Geister fernhältst und Glück und Segen bringst über mein Haus und das meiner Freunde." Unter ehrfürchtigen Zeremonien wickelt« er den Kris wieder ein und trug ihn in fern Versteck. Mannus Franken und Albert Balink sahen einander an, und ich wußte, in diesem Moment ist die Handlung des Films geboren worden. ■ Die Auswahl der Schauspieler machte keinerlei Schwierigkeiten mehr. Die Javaner sind geborene Schauspieler, sie bewegten sich so natürlich tzs Kamera, als hätten sie ihr Lebtag nichts anderes getan und Zr.TlT, M Isolat echt aus, nicht gestellt. Das harmlos heitere Ck ld) Rollen ein. Schließlich mußte Balink sogar ^.emsen, denn Binnet und Zabut, zwei Burschen mit Körpern wie @ ""turecht, daß der eine dem anderen beinahe die Kehle durchbiß. m^Fklärung.für die Schauspielkunst des orientalischen Menschen f~n ganzes Geben, er verrät niemals, was in feinem Innern, ferner Seele vor geht, er ist immer ein anderer, als ef ।ajeint und es ist ihm ein Leichtes, den Charakter eines anderen darzustellen. m -»ar die Expedition ein Märchen aus Taufend und einer ^°ch-.Ach ^^e ,hn nie vergessen, den wilden, prangenden Urröald, „idyllischen Dorschen mit den einfachen, naturnahen Menschen und die Mädchen mit den schlanken, geschmeidigen Gliedern und Augen, die einem ins Herz sehen. Die Flucht vor dem Bandjir war nicht so einfach. Mahmud, der Fischer, einer unserer Darsteller, schwamm mit kräftigen Armen zwischen den treibenden, entwurzelten Baumstämmen, als plötzlich ein Krokodil hinter ihm auftaucht«, das sich auf der Suche nach einem fetten Gabelfrühstück befand. Der Kameramann kurbelte aus Leibeskräften und gab acht, daß Krokodil und Frühstück nicht aus dem Blickfeld des Dbjettios kamen, und bann erledigte Franken das hornige Ungeheuer mit einem Schuß ins Auge. Mahmud war zu Tode erschrocken, er zitterte und schwur, nie mehr mitzuspielen. Er beruhigte sich erst, als Balink ihm eine herrliche rotweiß getupfte Krawatte fchenkte. Affen, Me sich kaut schimpfend über uns unterhielten,.immer frecher wurden und aus sicherer Entfernung fteinharte Brotfrüchte auf uns schleuderten. Glücklicherweise dauerte di« Ueberraschung nicht lange, die Wasser verschwanden so rasch wie sie gekommen, und wir waren frei, weiter- ären. Das gewaltige Schauspiel des Bandjir aber hatte Regisseur lus Franken inspiriert und später wurde bann ber interessanteste Teil des Films, eine Ueberschwemmung, gedreht, die wir in Sübb-antam aufnahmen. Allerdings unter bequemeren Umständen, denn wir brachten sofort bei Beginn des Regens uns und untere Apparate in Sicherheit und sahen, unsere Pfeife rauchend, in Ruhe zu, wie die Wasser stiegen. Rur die eingeborenen Darsteller befanden sich in gefährlicher Lage, weil sie lebensecht die Flucht vor dem Banjir, der Ueberschwemmung spielen mußten. Sie taten es ungern, weil sie eine traditionelle Furcht vor dem Bandjir haben, ber die größte Plag« ihrer herrlichen Insel ist. Verantwortlich. vr. Han-Thyriot. - Druck und Verlag: Brühlsche UniversitätSdruckerei R. Lange, Gießen. 0 Montag, den 2. Januar Mrgang 1939 Ar Kerzelmacher von Sankt Stephan tärwlnb xmei Colour & Grey Control Chart tzadik an 20 19 18 13 Z £ t7 S 9 L 8 6 14 15 16 17 9 10 11 12 sie gestern abend, Tochter herrichtete, gefunden. Darum X' t»_ inho 4 5 6 7 8 schließlich nicht zu weit treiben. . .. . Endlich öffnete sich die Flügeltüre zum Arbeitszimmer der Kaiserin. Der Kämmerer vom Dienst verneigte sich ehrfurchtsvoll vor dem Kaiser und dann mit betonter Höflichkeit vor dem Herzog von Bevern. Der Preuße trat ein. Mit freundlichem Gruß verließ Kaiser Franz die Antikamera. t Später kamen die Minister und die andern dran. Hadik mußte noch - warten. Daß was im Gange war, spürte er schon lang. Dicke Luft witterte er wie ein Leutnant, der von seinem'wutschnaubenden Obristen zum Rapport befohlen ist. Es war fast ein Uhr, als der Kämmerer sich auch vor Hadik Ocm 1 2 3 verneigte. , Die dicke Luft stimmte schon. Das merkte er gleich. Mit ernstem Gesicht sah die Kaiserin vor ihrem Arbeitstisch. Als er eintrat, schob sie einen kleinen, rosafarbenen Brief unter ein Aktenstück. Aber das sah er Nicht mehr. Diesen mit fettigen Punkten gesprenkelten Brief hatte -■ ' ’ als sie selbst den Geburtstagstisch für ihre jüngste unter dem Lebkuchen mit dem silbernen Zuckerherzen also hatte das Mädel die Schachteln ä tout prix hvm.nion mnffonf Ilm nnrfctM’ nnrh bftft—SRriP-ff'Hin NKL---—-- jxuvtrnuu ueuunem zivxr vujj ei uuuj gu uvitvn gvijunv, uiv mädel ins Unglück brachten, hätte sie ihm gar nicht zugetraut. Zu welchem Zwecke sonst machte er sich an die Brand heran? Der Rabenau konnte noch froh sein, daß sie sich nur zur Kassierung seines Urlaubs und Forcierung seiner Heirat mit der Hartenberg entschloß. Aber dem Hadik wollte sie die Meinung über die Moral seiner Offiziere schon f deren. Als der General mit gegrätschten Beinen an der Düre stchen-blie-b und seinen Dreispitz seit«7' hielt, winkte sie ihn herrisch heran und fragte böse: „Hat er setzt endlich einen Offizier, der seine Panduren alarmiert?" „Jawohl, Jhro Majestät!" Maria Theresia sah auf, fragte scharf: „Welchen?! — Em feder ist da nicht zu brauchen. Ist eine Sache von importance." Das hätte ihr gerade noch gefehlt, daß ein anderer als der Rabenau ritt. „Also wer ist's?" „Der Leutnant von Rabenau wird reiten, Jhro Majestät." -cm »emierui muie. -uei tymwi wm niun/it- pn; sein Frühstück. Was wohl wieder los war? Um halb zwölf zur Kaiserin? War ooch ohnehin heute nachmittag Konferenz um drei! Als Andreas von Hadik drei Stunden später die Antikamera betrat, warteten erst wenige Menschen. Es war noch Zeit. Auch berichtete der Hofsekretär an seinem Fenstertisch, daß es heute noch lange dauern werde. Ihre Majestät habe sich sogleich, nachdem sie vom Hochamt für die Erzherzogin zurückgekommen sei, an ihren Schreibtisch gesetzt und wünsche einstweilen nicht gestört zu werden. Hadik war das gleich. Bei den Soldaten lernte man das Warten. Er sah sich nach Bekannten um. Es waren einstweilen nur wenige Leute da: zwei Obristen, die ins Feld abgingen, irgendein italienischer Monsignore mit einem großen, goldenen Kreuz auf der violetten Soutane, der preußische Generalleutnant Herzog von Braunschweig-Bevern, den die Oesterreicher kurz vor Leuthen gefangen, mit einem kaiserlichen Major, den man ihm während seiner Gefangenschaft als Ehrendienst beigegeben, ein juwelenfunkelnder ungarischer Magnat und ein französischer General des verbündeten Allerchristlichsten Königs. Dem Franzosen hatten die Reiter des Hadik bei einer Affäre die Nase zersäbelt, weil sie ihn im Morgengrauen beklagenswerterweise für einen Preußen gehalten. Auf Wunsch der Kaiserin hatte er seine Blessuren den Winter über unter der Obhut eines berühmten Wiener Chirurgen kuriert. Diese Höflichkeit hatte wohl sein müssen. Das sah hadik ein. Aber den Hieb gönnte er dem General. Er mochte diese Pariser Alliierten nicht. Darum rief er ja seinen Burschen Wenzel Manchmal „Kaunitz". Mit polternder Herzlichkeit begrüßte er die beiden Obristen und verneigte sich dann höflich vor dem Monsignore und dem ungarischen Magnaten. Dem Franzosen nickte er nur flüchtig zu. Die Nase war ja ohnehin wieder angewachfen, und das genügte ja wohl. Dann verbeugte »y v-» .»»• *'* •. | y v**» *•/ | | *•«■**■ I' V I***/ *’* *"* ** * V* die Garden standen. In angeregtem Gespräch plauderten der Herzog oon Bevern und der kaiserliche General. Da ging die kleine Tapetentür gegenüber dem Fenster. Strammstehen, Sporenklingen und tiefes Verneigen. Kaiser Franz trat lächelnd ein, winkte mit der Hand den Grüßenden zu. Er wußte, daß die Kaiserin wüte, trotz des Geburtstags, übelster Laune war und die Audienz noch auf sich warten lassen werde. Er wollte den Wartenden die Zett vertreiben. Das tat er gern, in feiner wienerischen Art. Er nickte feinen Offizieren und Ministern zu und schüttelte dem Preußen herzlich die Hasid: „Guten Morgen, lieber Herzog! Ich gratuliere Ihnen. Gestern hat die Kaiserin den von Seiner Majestät Ihrem König schon unterzeichneten Ranzionierungsvertrag unterschrieben. Darum sind Eure Hoheit zur Audienz gebeten. Sie werden reisen können, sobald es Ihnen beliebt. Ich freue mich für Sie. Aber vorher bitte ich Sie, heute abend noch einmal in kleinem Cercle unser Gast zu sein. Green Grey 2 Blue White Red Grey 4 Cyan Grey 1 Yellow Grey 3 Magenta Black In diesem verdammten Kriege werden wir dazu nicht sobald wieder die Gelegenheit haben." Erst jetzt schien der Kaiser den französischen General zu sehen, der ' Söbritte eurücktrat, mit großer Gebärde seinen Dreispitz oanesZx ng und sich tief vor der Majestät verneigte, pictaxy mdkuß über sich ergehen, den er bei seinen und sagte aufgeräumt: „Ah, Monsieur le las« ist also wieder ganz, wie ich sehe." Er en Schultern, drehte ihn zum Fenster herum geflickt hat sie der Chirurgus. Das mutz man en Sie sich beim Hadik da bedanken, daß läse zerschlagen haben." wie ein lebendiges Fragezeichen aus. ■fers blitzte der Spott: „Ihre Rase ist nämlich war sie krumm. Jetzt ist sie grad." Lautes \ll fZ Der General biß sich wütend aus die Lippen, ie Herren Franzosen nicht. Der Kaiser nickte m Herzog von Bevern. ffomatisch gewesen. Der Franzose war schließ- |fer Franz hatte noch immer nicht fein Loth- ■ ■ er einen Franzosen sah, über kam ihn die ’zwtrr. Aucy^ waren "Mner Meinung nach die Franzosen nicht gar so wichtig mehr. Seit Roßbach hatte man in Wien so seine eigenen Gedanken über sie. Man empfand sie nur mehr als Last am Bein. Man machte mit ihnen nun ähnliche Erfahrungen wie in dm erfien Schlesischen Kriegen der Potsdamer König. Kaiser Franz nahm den Herzog bei der Hand, zog ihn neben sich aus das kleine, rotsamtene Sofa, das zwischen der Tapetentür und dem weihen, schimmernden Kamin stand: „Wenn's nach mir ginge, lieber Herzog, wären wir mit euch gegen die dort alliiert." Er machte eine Kopfbewegung gegen den Franzosen, der mit gesenktem Kopf -gekränkt am Fenster stand und sich ausgeregt mit dem Monsignore unterhielt. Aber diesmal hatte der Kaiser leise gesprochen. Man durfte den Affront SichenerZamilienblä Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger 21 22