s Nummer 55 Hreltag, den 28. April hrgang 1959 aui bie n. en sich,, Mad< t. nbertrot. Ml betet zum Hause der schönen Frauen 1)1 nüber! ff® Schalk unter meinen K.ä-», (“B über die Bosheit und Schlechtigkeit der v « k i?m der Lebensodem ausgegangen wäre, wenn Ihn mir die anderen i'tyt entrissen hätten. m . ,, 9n Straßburg trat Ich in die erste Lehre 6et einem Bogner, der mich Vilich hielt und mir die Handgriffe, so viel er sie wußte, rechtschaffen b eijfflJ »'n lei, J ein J le«, 4 nteutrto le nb 8M bie til lit!" 1 i Wen | Nebel M t ein rod sich lo, il ch°n gutil en über h tanjen e er ’£Ü Lfii g-K Hl 'X\ rtnÄfK' AA äre”' ietzenerZamilienblimer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger echt, will bar nerqiu als n |«6 hätte ich des ®«f|n । schritt, i i. Nur, i bie NW i sie ginge1 etjen; J | Dorf Ml bsches lli«1 n und M üdjiig. ,J \ im Sinn* toeitergiii • Weg k oernebnv braucht« ii m Fräs' etwas h«'- !Dlen|d|f«r chl Ms itel ow fl »eiter W.' , als (tilf m Ichi«^ laufend " er überles hält-,«' mit chr f ■ni« - j, die ► ’llen*’ DER HEILIGE Novelle von Conrad Ferdinand iUeyer 1. Fortsetzung. gönnen." Der Chorherr nickte billigend zu diesem weisen Worte, und der Bogner fuhr fort: „Drei Jahre verblieb ich in der Heldenstadt, die Tage verflogen mir im Wettlaufe der Arbeit und an den Abenden ergötzte Ich mich, da mir nach und nach die arabische Zunge geläufig wunde, ohne Wein und Streit in den luftigen, offenen Hallen, roo sie Märchen er« hm ich einmal aus dem Munde eines braunen, fllut« dem sie am liebsten lauschten, denn er verstand es. Der Prior rühmte an diesem Poeten, daß er ein frommer Heide ge- nJen und Gott ihm zum Lohne seiner Tugenden prophetische Straft eigehaucht, so daß in seinen Versen die hochgelobte Mutter mit den, Anbe sich spiegle und deutlich zu erkennen sei. Daher kam es, daß die Me aus der ich lernte, ganz von Messerstichen durchlöchert war. In tun Johannisnacht, da ich von Allerheiligen schied, und bevor ich den Sprung über die Mauer tat, habe auch ich hineingestochen zu dreien Noten, nach inbrünstiger Anrufung der drei heiligen Namen, und die Sorte getroffen: sagittas, calamo, arcui. Und Wrgilius hatte wahr gestochen: mit Pfeil und Bogen hab' ich all mein Lebtag zu tun gehabt. So genoß ich denn meiner raschen Füße wieder und eilte durch das Hioldgevirg' dem Elsaß zu, den großen Bogen des Rheins mit einer graben Linie abschneidend. Gegen Mittag kam Ich vor einem festen he auf eine Wiese, wo von allerlei Volk ein Bogenschießen abgehalten müde. Ich war schon unterwegs wie berauscht von dem Obern der Erde Wb der Lust, meine Glieder zu brauchen, und da ist es nicht zu ver- ro indem, daß ich mir in dem Lustlager und Getümmel der Schießenden cm den ausgelassenen Gesellen, die der verlaufene Mönch ergötzte, einen Lagen in die Hand geben ließ und bann, mit vorgestrecktem Fuße &anb fassend, Schuß um Schuß aus Ziel schickte. Mein Blick, sei Euch gijagt, ist scharf und sicher von Natur und hat mich von Kindheit an ec betrogen. Ich glaube, daß sie mich, der den Becher verlernt hatte, trunken inchten, daß ich in der Glut die Aermel aufstreifte und die Kutte bis an bie Schenkel schürzte, und mir steht dunkel und ärgerlich vor Augen, daß 16 zuletzt unter Spott und Gelächter mit nackten Armen und Beinen im Nurentriumphe herumgetragen wurde. Am srühen Morgen, in der Knechtstracht, die mir ein guter Gesell gischenkt welterwandernd, betrachtete ich nicht ohne Scham den Stand meiner Dinge. Ein beflecktes Wappen lag rechts und eine zerrissene Sitte links hinter mir am Wege. Nichts blieb mir als das Handwerk, unö ich suchte mir eines, das mich von ritterlichen Leuten und Dingen acht ganz entferne und feinen Mann ernähre in Kriegs- und Friedens- Wien. Da erhellte sich mir die Losung des Virgllius, und ich beschloß, ■tii Bogner und Armbruster zu werden. Aller Anfang ist schwer, lieber Ifrrr; und neben den müßigen Gewöhnungen des Wegelagerers und des lNonches hatte ich noch viel Torheit eines weichen Herzens zu über« la nden. Ich mußte zu festem Stande kommen; denn, ob ick) schon einen Iloben getötet und ein Klostergelübde gebrochen, so hätte mich dock; mein Ihimmes Gemüt fast in eine dritte Missetat gestürzt. Dies will ich Euch »' ch erzählen — vom übrigen werde ich kurz fein. Ich war, gen Straßburg wandernd, unter eine Bande von fahrenden Shülern geraten, und wir zechten in einer Schenke gegenüber den N auerwerken und Turmspitzen der berühmten Stadt. Da fiel mir ein, in e mein Mütterlein mir weiland viel geredet halte von einer frommen Nähme, die in einem Straßburger Kloster ein heiliges Leben geführt, u»b deren Fürsprache im Himmel sie, wenn das SB aff er des Elends ihr bs an den Mund flieg, mit Nutzen anzurufen pflegte. Solches dachte Ich oi f meinen Irrenden Wegen auch zu tun. Also ging ich einen der Ehrenden, der ein Helles, offenes Gesicht hatte und, wie er jagte, bie Siabt von früher her wohl kannte, mit freundlichen SBorten an, ob er Kit bas Kloster nicht weifen könne, wo meine Muhme SBillibirg im Bruche der Heiligkeit gestorben fei. -Lieber*, antwortete er, .flehest du dort den achteckigen Turm mit dem itbigefl Dache? Und daneben das lange Gebäude an der Stadtmauer l ®’rt hat deine Muhme gewaltet.' t . ,, ... Da warf ich mich auf die Knie und rief, nach dem Haufe hinüber« W'tfenb, bie heilige Frau inbrünstig an, mir zu allem guten und heil- A°men Werke behilflich zu fein. Was höre ich hinter mir? Ein unter- wiiftes Gekicher, ein toll ausbrechendes Gelächter, und, rafch den Stopf I«endend, sehe Ich den Fahrenden, der die Zipfel feines Gewandes zu |M langen Ohren gestaltet hatte, die er neben den meinigen winken ■if'b wedeln läßt. Zu gleicher Zeit lachten die anderen unbändig: .Der Ml betet zum Haufe der schönen Frauen hinüber! ... Aber schon lag 1,® Schalk unter meinen Knien, während ich schwere Tranen fallen 1*6 über die Bosheit und Schlechtigkeit der Welt und ihn würgte, daß I er hi"s >e hols l beibrachte. Doch war er ein Mann des Brauches und der Gewohnheit, der den Kopf eigenfinnig schüttelte zu den Verfeinerungen und Ausbildungen, deren das Wesen und die Gestalt der Armbrust fähig ist, und die damals aus Engelland und Flandern, besonders aber aus dem heidnischen Granada bis zu uns In das Deutsche Reich hereindrangen. Mir aber, der einen jungen und neugierigen Geist hatte, lieft es, nach den einmal überwundenen Anfängen, keine Rast noch Ruhe; denn, lieber Herr, in jeder, auch der geringsten Kunst ist ein Ziel der Vollendung verborgen, das uns ruft und lockt, ihm Tag und Nacht sehnsüchtig nach- zuziehen. Oft hab' Ich damals im Traume eine Armbrust gebaut und einen Bolzen gebildet, die noch weiter trugen als das sarazenische Schießzeug, aber im Frühlicht verblichen meine Fündlein wie höhnische Irrwische; denn es waren plumpe Tastungen oder willkürliche Gedanken, da ich tuo 1)1 einige Griffe, aber noch nicht die Gründe und Gesetze meiner Kunst erkannt hatte. So beschloß ich zu wandern und bei den Meistern zu lernen. Durch Frankreich und Aquitanien wanderte ich und Überstieg den 'Pyrenäen- berg und erblickte jeden Abend in den roten 'Wolken des Sonnenniederganges Sie Wunderstadt Granada, wohin mich meine Seele zog, bis sie zuletzt wahr und wirklich vor mir auf dem Abendhimmel stand. Und es war mir vergönnt, die Weltpracht, die sie dort aufgerichtet haben zu betrachten, das durchbrochene Schmuckwerk ihrer Paläste, die Palmen und Zypressen ihrer Zaubergärten und die aufftelgenben Strahlen ihrer rauschenden Wasserkünste." „Und du bist unbeschnitten an Leib und Glauben wieder zurückge- kehrt, armer Hans?" warf Herr Burkhard ein. „Zweifelt nicht daran, und mit einem weit klügeren Kopfe auf den Schultern, als ich ihn hingetragen hatte. Was aber meinen Christenglauben betrifft, Herr, fo habe ich ihn gegen einen großen Philosophen behauptet, dem ich die Röhren, wodurch er den Gang der Gestirne beobachtete, vervollkommnen half. Allnächllich zeigte er mir die langsam wandelnden Heere des Himmels und erklärte mir, wie von Ewigkeit her die menschlichen Geschicke an diese leuchtenden Zeichen und Figuren, diese Tiergestalten und Wagen geschmiedet seien, so daß keine Hand, weder menschliche noch göttliche, in die sich drehenden Speichen des Feuerrades greifen könne, und kein Raum bfclbe, weder für die menschliche Wahl noch für den Zorn und die Gnade Gottes. Ich aber glaubte ihm nicht und berief mich auf die Gewitterslut der Reue, wann ich meine Sünde vollbracht hatte. Im übrigen fand und lernte ich in Granada, was ich dort zu suchen gekommen war. Es ist nur die Wahrheit, lieber Herr! die heidnischen Bogner sind unübertroffen. Haben sie doch vorzellen mit klugem Witze aus dem Umfange des Bogens die gedrungene und handliche Gestalt der Armbrust gezogen, wie die Sage lautet und ich gerne glauben will: denn Gott hat den Heiden viele Kunst und Wissenschaft gegeben, Mathe- mailt, Mechanik, Baukunde, alle Lehre, wo gezählt und gewogen wird, um ihnen, wie ich meine, vor dem ewigen Tode einen kurzen Stolz zu zählen. Dort vernahm Ich einmal aus dem Munde eines braunen, glut« -■•glgen Burschen, dem sie am liebsten lauschten, denn er verstand es, ..e Gebärde beider Geschlechter und jeden Alters und Standes mit be« möglichem Mienen- und ölieberfplele darzustellen, eine Geschichte, nicht besser und nicht schlechter als seine übrigen: sie scheint Euch abroeges; aber ich lasse sie nicht liegen, denn sie gehört zur Sache. Es ist das Märchen vom Prinzen Mondschei Ein junger Fremdling sei von einer gegen Mitternacht gelegenen Jnftl nach Kordova gekommen und habe sich dort bei dem Stahlen In Gunst gesetzt durch den Zauber seiner Gestalt und Rede und durch seine Meisterschaft im Schachspiele. Daneben habe er trotz feiner anmutigen Jugend eine solche Schärfe des Verstandes und politische Weisheit besessen, daß der von ihm beratene Stalife ohne Krieg und Blutvergießen durch die bloße Anwendung der Staatskunst in nicht langer Zelt der mächtigste der maurischen Könige geworden sei. Darum habe er den Prinzen Mondschein — so nannten die Kordovaner den Fremdling um der Blässe und Sanftmut seines Antlitzes willen — ganz närrisch lieb« gewonnen und ihm ohne Bedenken die schönste feiner Schwestern zum Weibe gegeben, Prinzessin Sonne, die, nachdem sie einmal den Fremdling erblickt, ihre leuchtenden Augen nicht mehr von ihm habe abwenden können. Sanne und Mond seien aber nicht über einen Jahreslauf zusammengeblieben, da die Geburt eines Mädchens die Prinzessin das Leben gekostet. Hierauf hätten hundert neidische Höflinge gegen den t Fremden, dessen Stellung sie erschüttert glaubten, sich heimlich verschmoren. Der Kluge habe sie entlarvt, doch in milder Gesinnung für ihr Leben gebeten. Da seien eines Tages von königlichen Sklaven zehn Maultiere, mit ebenso vielen Säcken beladen, durch die Pforten seines Palastes getrieben worden, und als das Gesinde die Säcke geöffnet, seien die abgeschnittenen Köpfe feiner hundert Feinde auf den Marmorboden des Hofes gerollt. Der Beschenkte aber sei beim Anblicke der blutigen Gabe erblassend in seine Gemächer zurückgetreten und habe nach eingebrochener Nacht sein Kind aus der Wiege gehoben, ein Pferd bestiegen und die schlummernde Korüova verlassen. Mit chm aber habe Glück und Macht dem König auf immer den Rücken gewandt. Der Märchenerzähler ver-schwor sich int Feuer seines Vortrages, den Prinzen Mondschein persönlich gekannt und ihn oft auf den Plätzen vor Kordova mit über der Brust gekreuzten Armen demütig begrüht zu haben. Sie seien nicht sehr verschieden an Alter, und nicht zehn Jahre seien vorüber feit jenen Begebenheiten. Er war überzeugt, daß er die Wahrheit rede, aber ich nicht völlig; denn die Mauren, ehrwürdiger Herr, lügen mit mehr Aufrichtigkeit als wir, weil ihnen ihre rasche Einbildungskraft das Nichtgefchehene täuschend wie das Geschehene vorgaukelt. Kurz vor meiner Abreise dann hörte ich den braunen Gesellen die Märe vom Prinzen Mondschein zum anderen Male erzählen und — diese Gerechtigkeit widerfahre ihm! — ohne merklichen Ausschmuck oder Umbau. Das fiel mir auf. Doch hatte ich nicht Zeit, ihn auszufragen, denn ich selber bereitete mich damals daraus vor, wie Prinz Mondschein, aus diesen fremden Sitten und Gebräuchen mich in der Stille nach der Christenheit heimzusinden. Ich unternahm eine Meerfahrt nach Engelland, wo es mir bald gelang, bei dem vornehmsten Bogner in der Stadt London selbst Arbeit zu finden. Er hatte seine Werkstätte an der Themse unweit des festen Stadtturmes ausgetan und arbeitete mit vielen Gesellen. Da seine Kunst von König und Ritterschaft gesucht wurde, war fein Gut grotz angewachfen, und man hätte ihn einen angesehenen Mann nennen können, wäre er nicht, wie alle vom Handwerk, von fächstschem Geblüte gewesen. Die Sachsen aber werden seit der Eroberung von ihren normännischen Herren unehrlich gehalten und auf eine unchristliche Weise unterdrückt." „Oho!" unterbrach Herr Burkhard. „Ist das die Rede eines Mannes, der ein halbes Menschenalter hinter Herrn Heinrich getrabt und stolziert hat?" Hans warf dem Chorherrn einen gescheiten Blick zu und erwiderte ohne langes Besinnen: „Es kommt, o Herr, beim Urteilen wie beim Schießen lediglich auf den Standpunkt an. Damals, mitten unter den Sachsen lebenD, drückte ich mich beiseite oder zog die Mütze, wenn «in Zug Normannen aus ihren gepanzerten Rossen vorübersprengte. Hernach, als ich selber droben saß, hätte es meine Ehre nicht gelitten, mich von einem Sachsen anders als barhaupt ansprechen zu lassen. Jetzt, da Sachsen und Normannen für mich verblichene Bilder sind, habe ich, nebst der Weisheit meiner grauen Haare, einen mittleren und mäßigen Stand und spreche: Macht und Eroberung sind von Gott gesetzt, und da die Normannen schärferes Blut und ungestümere Geister haben, so sind sie die Herrscher. Aber derselbe Gott hat Knechtsgestalt angenommen und uns alle mit seinem teuern Blute gekauft: darum mache der Herr fein Gesinde nicht bitter und vergreife sich nicht an dem Weibe und Kind« seines Knechts I Solches aber geschah meinem Meister, dem zu seinem Unsegen eine schöne Tochter Im Hause wuchs. In Wahrheit, die goldhaarige Hilde war die schönste Magd in London, und ich konnte kein Auge von ihr verwenden, wann sie uns nach der Despermahlzeit, ohne sich allzulange bitten zu lassen, ihre Balladen vor- Bon Erinnerung überwältigt, wiegte der Bärtige seine breit vor- ragcnde Stirn und summte in unmelodischen Tönen: „In London was Young Beichan born, He longed Strange countries kor to see —“ „Wohin verläufst du dich, Hans?" rief Herr Burkhard, der das Englische nicht verstand, mit beginnendem Mißmut. Der Armbruster fuhr aus seinem Traume auf, und in den etwas abgespannten Zügen seines alten Zuhörers lefend, daß diesem der Einleitung zu viel und die Weil« zu lang werde, sprach er ihn heftig an: „Wisset Ihr, Herr, von was diese Ballade, welche Jung Hilde uns vorlang, handelt? ... Bon der Geburt eines Heiligen aus dem Schoße einer Sarazenin, desselben heiligen Thomas, dessen Geschichte Euch zu erzählen ich hier bin!" Die plötzliche Wendung, mit welcher Hans sein Schisslein aus dem Fahrwasser des eigenen Lebens in die Strömung eines größeren hinein- teuerte, gab dem Chorherrn einen Stoß; er richtete sich in seinem Sessel o steil und so rasch in die Höhe, als sein Alter es zuließ, und rief er- taunt: „Sarazenenblut in den Wern des heiligen Thomas? Lieber, bist du bei guten Sinnen?" „Hättet Ihr das Pergament geduldig gelesen, das Euch die Frau vom Münster, wie Ihr sagt, geliehen hat, Jbr würdet mich nicht mit so.entsetzten Augen anschauen. Denn gerade dieser Punkt, will ich wetten, ist darin schön heroorgehoben. Hat sich doch die ganze Psaffheit von London stark der Sache angenommen und die Heidin, bevor sie dieselbe in eine christliche Ehe treten ließ, sorgsältig bekehrt! Sie tauften sie auf den Namen Gracia oder Grace, was deutsch lautet: Gnade. Um der großen Gnade willen, welche die Mutter Gottes der Ungläubigen erwiesen! In der Brautnacht der Sarazenin aber hatte eine prophetische Nonne zu London ein Gesicht und sah aus dem neuen Ehebunde eine weiße Lilie, das ist einen Heiligen, entsprießen und gen Himmel wachsen. Und .s geschah, wie die Nonne gesehen hatte. Aber viel lmt es gebraucht, bis aus dem Heidenkinde der Heilige herauswuchs: Blut und unendlichen Jammer, den Sturz eines Königs und, wo nicht den Untergang, doch die Erschütterung eines Königreiches! Ich will nun ganz nach der Ordnung, wie es Euch bequem ist, Herr, erzählen, wer die Eltern des Thomas Decket gewesen sind. Die Geschichte ist mir verftauk; denn sie war die Freude der blonde, Hllde, weiche damals noch jung und unschuldig war und das Wunde natürlich fand, daß zweie, die sich lieben, über Land und Meer zusammen kamen. Bor vielen Jahren begab es sich einmal, daß ein Handelsmann aus London mit Namen Gilbert Decket nach dem Morgenlande fuhr uni dort von einem mit (einen Reitern und Herden in der Wüste ziehende, Fürsten überrascht und gebunden wurde. Die eigene Tochter des Heide, aber erbarmte sich seiner Bande und zerschnitt sie. Bor Jahresfrist bar« floh sie dem Sachfen nach; denn sie hatte ihr Herz an ihn verloren, un) in Engelland fingen und sagen sie, daß die vornehme heidnische Ma^I obwohl ihrem Willen und Gedanken nur zwei Worte zu Gebote standen: London und Gilbert, mit diesen den Weg zu ihrem Lieblinge gesucht un) gefunden habe." „Höre, Hans", gab der Chorherr einem aufsteigenden Zweifel Aus druck, „du reitest das geflügelte Rößlern der Fabel nicht schlechter als beit brauner Freund, der Märchenerzähler in Kordova. Es fehlt nur noch, das auch du darauf schwörest, du seiest dabei gewesen." Der Bogner zuckte gleichmütig die Achseln. „Nicht ich, lieber Herr; mein Meister aber in London, der ein püntb licher und trockener Mann war, hat mir oft gesagt, wie er, ein junget Geselle, durch die Straßen der Stadt hinter der fahrenden Sarazene: hergelaufen sei. Denn diese habe jeden Vorübergehenden ungehalten und ihn gefragt: .Gilbert?' Dadurch fei sie stadtkundig geworden, |i daß ihr am Ende viel' Volk nachgezogen, um mit ihr .Gilbert!' $: rufen. Die einen aus Mitleid mit dem schönen, ausgehungerten Frauen bilde, das vor Kümmernis jede Speise zurückwies, die andern der Tom spottend, die einen Gilbert aus Tausenden in London, wo der Nmni gemein ist, herausfinden wollte. Endlich sei b*r wahre Gilbert an seit Fenster und vor seine Schwelle getreten, habe die Heidin bei der Hon) I ergriffen und an seinen Herd geführt. Wann aber der Meister so erzählte, ermangelte er nie, anzufügen i .Fahrende Heidinnen, Hans, bringen uns Christen nichts Hutes. Wim I doch das Wüstenkind in seinem Zelte geblieben, statt nach unserm (Engel' I land zu schwimmen und uns hier den Kanzler auf die Welt zu setze«, I den Verräter an seinem Volke!' Der Kanzler, der weltberühmte Kanzler von Engelland, die Wonne i und Weisheit des Königs, die Bewunderung und der Neid der New I mannen, der Haß und geheime Schrecken der Sachsen, war damals üi I aller Munde. , I Sein rasch ausleuchtender Stern, die wie aus einem unerschöpflich« I Füllhorn über ihn ausgeschütteten Gnaden und Würden, seine Turm«, I Burgen, Abteien, seine Zaubergärten und unbegrenzten Wälder, seA Gefolge von hundert und dann tausend Rittern, die goldenen Geschim I seiner Rosse und Mäuler, die üppigen Tafeln seiner Feste und die unafr I sehbaren Reihen der Geladenen, seine köstlichen Gewände und blitzend« I Steine — das alles gab den Leuten von London zu wundern und H | reden von Morgen bis Abend. In der Werkstätte konnte ich mir während der Arbeit die Ohren nidtl verhalten, und so klangen sie mir unablässig von dem Sohne des Sachs« I und der Sarazenin. Daß ihm seine Landsleute alle schwarzen Fr««! I nachredeten, setzte mich nicht in Erstaunen und lag in den Staatsverhäll' I nissen, da der Kanzler der einzige Sachse war, der im Sonnenlichte bet I königlichen Gnade wandelte. Aber denkwürdig bleibt es immerhin, b«S I die Väter an demselben Manne keine gute Faser fanden, den die Söhmi I jetzt auf den Knien anrufen. Ein schlechter Sohn sei er gewesen, der den Geruch der väterlich« Oelsässer und Warenballen verabscheut habe. In den Dienst eines schweb gerischen normännischen Bischofs sei der Jüngling zuerst getreten, dort habe er Französisch lispeln gelernt, und kein ehrliches sächsisches ÜBont sei mehr über feine Lippen gekommen. Um feinen von Bakerseite säch | sifchen Ursprung zu verwischen, habe er von den Händen dieses Normen' nen, als ein Leichtfertiger, die ersten Weihen empfangen. Dann, rei«j geworden durch den Tod des Vaters, fei er über Meer gefahren, hab« ün Calais feine treuen sächsischen Diener verabschiedet, welsches Gesinde Düngen, köstliche Gewände gekauft und sich als Ritter auf getan. Durofl Aquitanien und Spanien fei er an die maurischen Höfe gezogen, oo" seinem mütterlichen heidnischen Blute getrieben, und beim Könige DM Kordova in die höchste Gunst gekommen. Dort habe er mit Weisen andern Morgenlande Sterndeutung und geheime Wissenschaft getriebeir, worin er seine Meister bald übertroffen, so daß es ihm nach seiner fjeinr kehr habe glücken können, König Heinrich durch höllische Sympathie un' vergänglich an sich zu ketten. Herr, darin war das Gvldkorn der Wahrheit schwer zu finden. Um ü- mehr wuchs meine Begierde, diese lebendige Fabel mit Augen zu schäum! aber lange mußt' ich mich gedulden, denn Thomas Becket weilte Dann® mit dem Könige jenseits des Meerarms in Aquitanien, das, wie Ihr tW zu Dem Weibergute feiner Königin gehörte. Endlich kam der Tag. Ich schnitzte in Der Werkstatt an einem Bogm Da fängt es an, auf Der Straße unruhig zu roerDen, zu treiben und W summen. Meine Gesellen verlassen ihr Zeug, steigen auf Schemel uie> Bänke unD drücken Die Köpfe in Die Fenster. Pauken unD Zimbeln schm« tern. Hinter den berittenen Spielleuten folgte ein Herold mit Den d«> Pardeln auf Der Brust und bereitete Den Weg dem Sohne Der Heidui Grazia. Ein schöner Mann war er unD fürstlich wie König Salomo. Mit bei normännischen Herren konnte er sich wohl nicht messen an Frische de-1 Antlitzes und Macht des Wuchses. Aber er lenkte mit unvergleichliches I Anstande seinen goldgeschirrten, tanzenden Araber, unD [ein farblos« I Antlitz besaß eine ernste Lieblichkeit. Wie ich Damals, mitten unter Dem Niedern Volte stehend, ihn betoum Deute, ließ ich mir nicht einfallen, Daß ich selbst über ein kurzes in d« Dienst Des Königs treten und Dort Diesem wundersamen Herrn tägn®' ja stündlich begegnen würde. (Fortsetzung folgt.) Oer Schafhirt. Von Ruth Schaumann. Tyrnene, sang der Hirt, Der Hirt Dorkon, Wenn Sommer Winter wird, Wenn Wolle Mantel wird. Wenn Wols zur Hürde irrt. Was wird mein Lohn? Wenn Sommer Winter ward, O Hirt Dorkon, Wächst dir der erste Bart, O Hirt Dorkon. Hast du getreu gespart. Ein Lamm der schwarzen Art, Ein Lamm der schwarzen Art, Das wird dein Lohn. Hab ich getreu gespart, Ich Hirt Dorkon, Hab ich getreu gespart. Trotz allem Hohn: Ein Lamm wie du so zart, Ein Lamm der weißen Art, Das wird mein Lohn. ihren, i it ast Ä O jUii? n Sarojn i angchb jerooriw, ,Gilberts rlen grenz rn der I: o der K (bert an s Mi der je i, mzO, Butes. $: njerm (Eue reizvoll, gestaltete sich von Hamm aus einigermaßen beschwerlich und unschön. Die Kleine litt schwer und leider durch Schuld der Mutter. ,Was möchtest du noch? fragte sie, nachdem unser Zug eben den Bahnhof Hamm passrert hatte, worauf das Kind antwortete: ,Drops.' Und erst von dem Augenblick an wurd es so schlimm ... Ach, lieber Botho, jung oder alt, unsere Wünsche bedürfen doch beständig einer strengen und gewissenhaften Kontrolle. Dieser Gedanke beschäftigt mich seitdem unausgesetzt, und die Begegnung mit dieser liebenswürdigen Frau war vielleicht kein Zufall in meinem Leben. Wie oft habe ich Kluckhuhn in diesem Sinne sprechen hören. Und er hat recht. Morgen mehr. Deine Käthe." ra Botho schob die drei Karten wieder ins Kilvert und sagte: „Ganz Käthe. Welch Talent für die Plauderei! Und ich könnte mich eigentlich freuen, daß sie so schreibt, wie sie schreibt. Aber es fehlt etwas. Es ist alles so angeflogen, so bloßes Gesellschaftsecho. Aber sie wird sich ändern, wenn sie Pflichte» hat Oder doch vielleicht. Jedenfalls will ich die Hoftnung darauf mcht will einen gelbenSarg haben un blauen Beschlag. Aber nich zu viel.. „Gut, Frau Nimptsch." „Un ich will auf'n neuen Jakobikirchhos liegen, Hintern Rollkrug un trnj weit weg nach Britz zu." „Gut, Frau Nimptsch." „Un gespart hab ich alles dazu, schon vordem, als ich noch sparen konnte. In es liegt in bet obersten Schublade. Un da liegt auch das Hemd un das iamijol, un ein Paar weiße Strumpfe mit N. Und dazwischen hegt es. „Wut, Frau Nimptsch. Es soll alles geschehen, wie Sie gesagt haben, lud is sonst noch was?" Aber die Alte schien von Frau Dörrs Frage nichts mehr gehört zu haben, mb ohne Antwort zu geben faltete sie bloß die Hände, sah mit emem frommen und freundlichen Ausdruck zur Decke hinaus und betete: „Lieber Gott in Hiinmel, nimm sie in deinen Schutz und vergilt ihr alles, was sie mir ölten Frau getan hat." ,. „Ah, die Seite“, sagte Frau Dörr vor sich hin und setzte dann hinzu: »Das wird der liebe Gott auch, Frau Nimptsch, den kenn ich, und habe mch keine verkommen sehen, die so war wie die Lene und solch Herz und stkche Hand hatte." , ~ , Die Alte nickte, und ein freundlich Bild stand sichtlich vor ihrer Seele. So vergingen Minuten, und als Lene zurückkam und vom Flur her ot die Korridortür klopfte, faß Frau Dörr noch immer auf der Fußbank mb hielt die Hand ihrer alten Freundin. Und jetzt erst, wo sie das Klopsen 1 außen hörte, ließ sie die Hand los und stand aus und öffnete. (| Lene war noch außer Atem. „Er ist gleich hier... er wird gleich kommen. ygfetJrieJBörr sagte nur: „Jott, die Doktors", und wies auf die Tote. 1 wir in- onnölittiD | le8ten J eä Mi! i er Wn-liJj toten i, > »te iitiinr I « sch»» IL \,s»” I Ipile h-ii leinet | «« lote •ft ja fe lals M ch. am Hofer M len chi Aesle - e mit fe ' steckt, Im r die Rech i bis unk i ) bildet» I Jten N; in Moos ; wir k» er „Samen roieini i, öffnete! elfalot g» litet hatte im Wch I stolz auf j[(enbnii| I niemani die P ■ den ffii» urück uni denn nm kräftig« ichen leise n m finfk» i i-flaue* i1 ,ser W mitmsil - tten ®t" I itgftlich •• | dem leist ! vorüber-1 tig unfinji h beg«”*| ihlen u» l cild eigen’ efe in bet os W-s!« -iden Asi' den techd Stob bet n werd’"! e Rinde«' war d«’ *,5 OaQesZfo. iuten. In Magdeburg war Goltz am Bahn- hm geschrieben, ich tarne. Wie gut und lieb mmer der Beste, der Aufmerksamste. Goltz harz, d. h. am 1. Juli fängt er an. — Der vährt eine Viertelstunde, was ich benutzt ahnhose gelegenen Platz anzusehen: lauter, tstandene Hotels und Bier-Etablissements, u Stile gebaut ist. Die Hannoveraner, wie Wiennen es die .Preußische Bierkirche', bloß Wie schmerzlich dergleichen! Die Zeit wird Das walte Gott. — Die Kleine knabbert fj. ) zu beunruhigen anfängt. Wohin soll das lich reizend und hat mir schon alles erzählt. iehenerKmMnbMer Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Untex diesen Worten hafte die robuste Frau der alten Nimptsch eine Colour & Grey Control Chart Black Grey White