Jahrgang <939 Zreitag, den 2r. Oktober Nummer 83 >■1 ?i !I Herz, wo liegst du im Quartier? ltl4 ' •■9 Wl tilg I ilt ;-:i ■I >, 6 'M Wl ti|M m- iii Gilbert erfüllt den Wunsch des Mitreisenden und entleert Ballastsäcke, mcht um ihm nachzugeben, sondern weil der Ballon sinkt. Zwar hat die Sonne ihre Strahlen nicht weggenommen, aber das Wige Gefährt segelt im Bereich einer maßlosen Kühle. „Warum sinken mir?" fragt Prince. Gilbert vermag sich rechtzeitig einer Erklärung Godards zu erinnern, er will um keinen Preis unwissend erscheinen, Empfindung, daß er des Respektes seines Mitreisenden MetzenerZamilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger Gilbert ist kein Gedankenleser. Und Herr Prince verbirat ia Verlangen geschickt. Ja, vielleicht bekämpft er es sogar 1 * Engländer hat niemals allzu große Wiedersehensfeste mit den Gestalten und Ereignissen seiner jungen Vergangenheit gefeiert Was in grüner Äugend gewesen ist, muß im ersten goldenen Mannes- üben flid?r?rieber t?eri>en' Eilbert hat nie daran gemacht, die Godard- nOd) e'nmal aufzunehmen. Die Erinnerung ist nicht nur ein Buch, m dem man blättert, sie ist auch ein Grab au? dessen ^n ein Denkmal mit der Aufsch'rift:' „Damals" als ich "°Netz? »t»Js»* SÄ.?? W,°L u,’«~wb ...umarmt das Abenteuer die Stunde, es freut sich auf den Auaen- blick, in den, sich die gleichmütige Reife in Gefahr verwandelt. $ o„f„rs, $eint aber; als wolle der Himmel den Ballon fallen lassen Gott * unzuverlässig wie sein Name. Je tiefer der Ballon sinkt desto stiller wird die Luft. Gilbert sieht es beinahe er weist es- kein Blau “PW" unt" •N. to« SÄmch,» raS“ Ä4S SS; ÄTÄÄ® i“ vermag nicht zu treiben, wenn der Wind ruht. ' hält der ausgeworfene Ballast das Auf und Ab in der Waaae n?°xr m-n?< der Ballon wieder mit bösartigem Beharren der Abkühlung des Gases allein daran schuld, am Ende ist die Hülle undicht? Gilbert grübelt ' Hüll^des Ballons." und untersucht, so gut es geht, die < _^r prince widmet solcher Arbeit einen ängstlichen Blick. Wenn ?e5 Mitfahrer durch einen unglücklichen Zufall abstürzt?^Dann ist er hilflos zwischen Himmel und Erde, er allein, und davor hat er Angst ° ra„ ungewöhnliche Stunde brennt nicht etwa Schlacken aus dem I -Prince. Nein, das Feuer des Abenteuers hat ihn nicht Frhn>ytert'f Eharakter ist in dem Alter, dem Prince zuneigt, meist schon verkrustet und nut der Patina des „So bin ich nun mal" überzogen I daß es vergeblich wäre, etwas anderes von ihm zu erwarten als Eaois' mus^ Gold ist Gold. Und Kiesel ist Kiesel. Herr Prince ist Kiesel. Gilbert sieht im Tauwerk den Käfig mit den Brieftauben hängen mi» &iMä)en re0en J?1.1, kH^ffen Flügeln auf dem Boden des Bauers wi«? Klumpen. Es geht ihnen nicht gut. Vielleicht streift sie ausströmendes Da entdeckt Gilbert, daß sich am Ventil zwischen Rand und Klavve entweicht 0e6ltt>et ^at- °us der mit kaum hörbarem Zischen Füllung v, 9Hi,n9to,,n e,rin™rt. sichdaßGodard in einer bestimmten Ecke der Gon- del stets allerlei Materialien für besondere Fälle gestapelt hat. Lag?n verklebtflnM bato t,en Sitt- mit er die Lücke in dicken Unterdes ruht Prince wie eine fleischgewordene Träne auf seinen Depeschensacken. Er ist scheinbar entschlossen, in dem Ballon nur ein Ve- n05mltte' unZ) 3war ein höchst unzulängliches, zu sehen „Wenn wir steigen wollen, müssen wir Ballast opfern", sagt Gilbert. Prmce fühlt dumpf, daß die Fahrt ein« Kühnheit ist: ein alter Ballon «m man vermessen den Namen „Das Glück" gegeben hat, soll sich die Freiheit erobern. Ach, die Freiheit ist der Wind, aber der Wind schweigt . »Wir haben aber keinen Ballast mehr!" sagt Gilbert. „Wir müssen einer Ihrer Depeschensacke opfernI Prince breitet die Hände aus, als müsse er die Fracht vor so kühnem Verlangen schützen. 1 ’ „Stie, mein Herr!" sagte er mit einer seltsamen Entschlossenheit. - ®rler baß der Abwurf der Depeschensäcke an einer unzugänglichen Stelle im Falle der Not erlaubt, ja geboten ist. Herr Prince weiß es, aber er läßt es trotzdem nicht zu. Er ist hartnäckig, stur und stumpf. v Er hält seinen Eigensinn für Tugend, die er belohnt sehen möchte . Duldet er schon Gefahr, hat er tapfer sein müssen, will er auch den Lohn kassieren. Es soll nicht heißen: Prince har Depeschen geopfert Er sieht auch nicht ein, weshalb dies jetzt geschehen soll. Gilbert erklärt es ihm: man sei ohne Frage noch im Bereich der Deutschen. Eine vorzeitige Landung gefährde alles: die Depeschen, die Brieftauben und — die persönliche Freiheit! Gerade diese möchte aber E-lbert am wenigsten drangeben, denn schließlich hat er eine bestimmte Absicht mit der Fahrt gehabt. „Absicht? Welche?" fährt der Beamte hoch. „Sie haben den Ballon zu fuhren! Das ist Ihr Auftrag!" Gilbert erkennt die andere Seite seines Wagnisses. Hier ist nicht mehr >!r er sogleich anwendet, -nn er hat die Empfind edarf. „lieber Wäldern und Seen ist es eben kühl", sagt er. Cs ist so still hier oben, daß die Reisenden die Laute des Waldes ren den Schrei eines Raben, den scheppernden Ruf einer ängstlichen sek und das Gebell eines Hundes. 2>e Stille redet chre stumme Sprache. Ein Hymnus, nicht aus Wor- ,. vvb Tönen, sondern aus klarstem Licht könnt« die Dahinschwebenden tzucken und befreien, denn die Erde ist von der Einsamkeit der Luft Freiheit herrscht unter dem Schirm des Aethers. Aber das Herz des Herrn Prince ist nicht bereit, Schönheit zu Mpfangen. „Wir sind aber nicht über Wäldern und Seen, sondern in der Luft!" ’tmertt er wie ein Mann, der sich nichts einreden läßt. .."2a, aber über einem riesigen Wald! Der WiM sck^nkt nicht nur der wbe Kühlung, sondern er sendet sie auch in die Mst empor! Und große urre Heidestrecken erhitzen zum Beispiel die Luft! Es ist alles natürlich!" ^Won spricht wie ein Schulmeister und fühlt sich nicht avohl dabei. behauptet das?" fragt Prince, dem diese Erklärung zu einfach ist. Gilbert hat den lebhaften Wunsch, das hartnäckige Wortspiel fallen zu --Die Erfahrung lehrt es", meint er im Tone der Ueberlegenheit. „Aber die Gefahr wird geringer, wenn wir höher gehen?" fragt piJice. »®je mißbrauchen das Wort Gefahr", erwidert Gilbert. "Ah, und die Schüsse?" r c. £’aie Prince hat recht, man müßte höher gehen. Vielleicht um j^.^bhaftere Luftströmung zu gezvinnen und damit aus dem Besatzungs. Zu kommen, das sich noch wer weiß wie weit um Paris und ins hinein zu entfächern scheint. t.,( in Wahrheit redet Herr Prince nur so, eigentlich steht in seinem ist der Wunsch, bald die Luft mit der Erde zu vertauschen. Aber 1 Eln hellerer Roman von Kurt Heynkcke Copyright 6p Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart ' 18. Fortsetzung. „Die Deutschen noch!" sagt Prince erschrocken zu Gilbert. »3a , erwidert Gilbert, „sie schießen!" . PsE seufzt erschrocken und schickt sich an, den alten Platz auf einem ^Postsacke einzunehmen, als ob dort ein Bereich unzerstörbarer Ruhe ’a\ P/ince sorglos zu scheinen, „mögen sie schießen! Ich richte mich ein, so gut ich kann, hier oben an unserer Kugel hcinoend! Es beunruhigt mich nur, daß der Wind uns nicht rasch genug'voranbläst!" UrinCe £uf dem Depeschensack. „Wersen Sie Ballast, stsien Sie den Ballon hoher steigen! Vielleicht trifft er auf geschwindere Strömungen", rat der Beamte lebhaft. „Sie irren, es geht voran", belehrt der junge Engländer. Diese Luftreise ist, das spürt seine erregte Seele nun doch, etwas ganz anderes als die Fahrten mit Godard. Ausgewogen war damals die Last der Führung, Eugen Godard trug ite allein und gab davon noch Belehrung nach Gutdünken an den »schuler ab. llrtb friedlich und befriedet war das Land. Cs war der Mutterschoß, n den die flüggen Mutwilligen zurückkshren. Der Boden, auf dem der n langsam nach geöffnetem Ventil zusammensank, war volle gute itzt aber wird die Erde zum Gegner, denn der Krieg beherrscht sie. tem Gluck^isser nod) die Fahrt ist die Landung heute ein Spiel mit * * 5 P ’Wi tt l.'lt Itt »in, mi Bi nicht Rb es i| MM i «3° ^'"Vom^^Walde zum Dorf führt eine unwahrscheinlich schnurgerade Straße. Aber es ist nicht dieser Weg, der die Blicke des Herrn Prince | fcffeit Es sind Reiter, die aus dem Dorf kommen. „Deutsche!" lispelt Herr "Deutsche!" gibt Gilbert als Echo zurück und schreit: „Hatten Sie Ihre Depeschen geopfert!" , -. _... Der Beamte der Postinspektion greift nach einem der schweren Sacke, krallt sich daran fest und schickt sich an, ihn über Bord zu werfen. Es ist ein lächerliches Mühen. „Lassen Sie das!" schreit ihn Gilbert an. „Ballast! Ballast abwerfen!" keucht Prince. „Es ist zu spät. Sie Narr! Verhalten Sie sich ruhig! Herr Prince sieht es ein. Die Erde kommt auf ihn zu. Ach, ganz anders, als er erwartet hat. Wie ein Verhängnis, wie eine schwarze Woge rollt sie heran. _. Die Reiter sind auf ein Kommando von den Pferden gesprungen. Sie machen Jagd auf die Fangleinen. Eine schnelle stumme Jagd, unheimlich und von einer fast maschinenartigen Sicherheit, als seien die Reiter mit solchem Tun lange vertraut. Da schneidet Gilbert die Schnüre, die das Ankertau halten, durch. Der Anker fällt, reißt Erde auf, schleift und haftet dann am Rande eines Wassergrabens. „ ■ .. JUington packt das Seil des Ventils. Das Ventil, schon lange die Ursache des Niedergangs, klafft, endlich völlig aufgerisfen, wie ein böses Maul und stößt Gas aus. ' Es gibt eine gute glatte Landung. Sie zerstört die Plane der Luftreisenden. Herr Prince wird vorerst nicht nach Tours kommen, und was mit Gilbert geschieht, wissen die Götter. v: 'M K A Sil ■j? Zch bin Engländer, mein Herr!" sagt Gilbert zu dem Retteroffizier. Der Führer der Abteilung, ein sonnenverbrannter Leutnant, dem em dunkles Schnurrbärtchen keck im Gesicht steht, schickt seine flinken Augen rundum ^Äuch die Brieftauben dort", befiehlt er. Er fleht alles, nur die beiden Luftfahrer scheint er nicht zu sehen. Es lind bäurische Chevauxlegers, die nun die langsam zusammen» sinkende Hülle umstehen und die Depeschensäcke und Instrumente bergen. Daß deutsche Reiter bei der Landung helfen wurden, kann weder Godard geahnt haben, noch hat Gilbert es erwartet. f>enr Pf'"" versinkt in dem Meer der Enttäuschung, m das er durch ferne eigene Schuld gesallen ist. Ihm ist wie einem Ertrinkenden zumute, der sich nicht mehr retten kann und der die Arme des Schwimmens müde sinken läßt. Aber so nahe ist selbst für Herrn Pnnce der Untergang nicht. Die Reiter lassen eine Wache zurück und nehmen Gilbert und Pnnce in die Mitte. Dann wenden sie sich dem nahen Dorfe zu. Nun weiß Gilbert, weshalb dem Ballon bei der Landung kerne Bauern zu Hilfe gekommen sind. Sie haben die Deutschen, welche tue schwebende Kugel schon seit langer Zeit verfolgten, nach dem Ballon jagen sehen. Gilbert verwünscht Sir Anthony Moreland, Ann Moreland, Tante Divian, seinen Traum, Godard und Herrn Prince. Ach nein, Ann ist allein an allem schuld. Könnte Gilbert nicht noch iefct an der Themse sitzen und träumen? . Es ist mitunter süßer, an eine Frau zu denken, als ihr nachzujagen. Aber bei solcher Jagd gejagt zu werden, da hört die Liebe auf zu lächeln und wird zum Höllengelächter. Wie gut, daß Gilbert Jllingion nicht viel Phantasie hat. Der Mnsel solcher Phantasie würde die Zukunft schwarz malen wie die Nacht. Aber Gilbert ärgert sich zunächst nur, daß man ihn, einen Engländer, nicht beo^tet. ßorj) @i[bert Mngton! Hier ist mein Paß!" schreit Gilbert. Er direit herrisch und taut, denn er will nicht überhört werden. Keiner der Reiter aber wendet sich nach ihm um. Dem Führer ist, scheint's, ein Wort seines Gefangenen nicht mehr als das Gezirp irgendeiner Grille am Wegrand. Das Schweigen ist drohender als ,ede Ber» " wird ©UberTauf einmal klar, daß seine Füße nicht mehr dorthin gehen, wohin er will. Die Depeschensäcke ruhen bildlich gesprochen, auch au Gilberts Schultern. Gemeinsam mit Herrn Prince, mit dem er nichts gemein hat, trägt er sie: in den Augen der Deutschen ein Vergehen, auf das Untersuchung und Gefangenschaft stehen. „Sie werden zum Divstionsstab gebracht! Es ist das erste Wort des Offiziers. , StA bin Enal...", will Gilbert von neuem aufbegehren Aber der Leutnant unterbricht: „Der Ballon kommt aus Paris. Die Depeschen beweisen es. Die Tauben gurren es uns vor! Sie sind meine Gefangenen! Sie und Ihr Begleiter! Was Sie", fugt er weiter hinzu, „gewiß ohne allzu große Mühe bereits bemerkt haben." ♦ Ann Moreland bewahrte Haltung. Sie bestieg den Leiterwagen wie eine Königin die Staatskarosse. Ann trug zwar den Kopf oben, aber ihr war zumute wie jemandem, der ihn verloren hat. Kelling vermied, sie anzusehen. Eigentlich versuchte er es nur aber es gelang ihm nicht ganz. Auch Ann bemühte sich, seine Anwesenheit zu vergessen. Sie war gar nicht imstande, über ihre Cmpiindungen nQteie’nJuWe weder, ob sie Kelling liebte, noch ob sie ihn haßte er war einsach da wie die anderen Reiter, wie die Häuser des Dorfes, wie ' die Bäume an der Landstraße, und es war ihr völlig einerlei, was 1 nun mit ihr geschehen würde. .. v. , . . .. .. Ja, der einzige Gedanke, den sie in diesem Auf und Ab, in dieser ! heulenden Berg- und Talfahrt ihrer Gefühle in sich trug, war ber Wunsch, in andere Hände zu kommen, vernommen zu werden, sprechen Herr Prince antwortet nicht. Seine Augen sind starr. Er ist kreidebleich. Seine Lippen bewegen sich, aber er sagt kein Wort! Gilbert folgt ha, b< f Benn im, b Äopf Jun ii gel jede! ,ta imei ,3a, Run fer, i ter Sportflug von einst Der Ballon und sein Führer schweben In einet | Crngn Jllingtons Herzen meldet sich Widerstand. Er hat sich alles so klar I i vorgestellt. Schneller Flug, glatte Landung, Reise an einen M)"6" Ort, am besten gleich nach England, von dort Nachforschungen mit der Hüse unb mit dem Gewicht diplomatischer Verbindungen! Das Schicksal will es anders. ,La Fortune" heißt der Ballon. Ach, “ Immerhin ^ach^Gilbert ein gutes Gerechtigkeitsgefühl, daß der Beamte der Postinfpektion sich mit Recht in eine Strenge steigert, bie feinen Mut herbeiruft und aus dem Pflichtgefühl gespeist wird. „Ueberbies", grollt Herr Prince, „können wir ruhig landen. Ich sehe, der "Wald ist zu Ende." . . Es blitzen Wiesenstreifen, fern leuchten die Turme einer Stabt. Ober glauben Sie etwa, die Deutschen sind auch hier. , I Es ist ein schwingender Hohn in der Stimme des Herrn Prince: die 1 Sehnsucht verwirrt die Vernunft. Der Wunsch, nun nicht mehr in einer toroantenben an bie Luft verlorenen Kugel unbekannten „Gefahren ausgesetzt zu fein, ist so mächtig, daß er die Ueberlegung jururfbrangt. Herr I Prince sehnt sich nach ber Erbe, er will Grund unter die Fuße. ’Rein" sagt Gilbert, „nein, ich hatte eine Landung für sejälj• Bedenken Sie die Windstille. Wir sind kaum sehr weit von Paris! Wir müssen wieder höher! Die Depeschen! Opfern Sie wenigstens einen der Säcke!" Gilbert ist kein jähzorniger Mann. Gilbert ist ein wohlerzogener Engländer. Doch hätte er, im Faustkampf von Jugend ®uf “"5^7 feinen Gegner in diesem Augenblick gern zu Boden .gestreckt und darnach seinen Willen durchgesetzt. Aber die Gondel ist kern Ring für Faust- So packt Gilbert Herrn Prince in einer jähen Aufwallung an den Aufschlägen seines Mantels, um ihn herzhaft emporzuziehen und die Depeschensäcke von ihrem Beschützer zu befreien. fierr! Um dieser Depeschen willen sind wir aus Pans geflogen! schreit Prince. „Und Sie wollen doch nicht sagen, wir seien ,n Lebens- 8t,a®ilberts Hände entkrampfen sich und werden schlaff. Bei Gott! Sein Gewissen ist nicht untadelig. Hat ihn Godard nicht aus Gefallen und alter Anhänglichkeit in „Das Glück" gefetzt? Ist Gilbert nicht ein Mann, der diese LÜftreise aus klaren eigensüchtigen Gründen macht? Schwebt über ihm etwa ein großer Gedanke? Hat er das Recht, feine Ausfällung von Pflicht über die Anschauung des Herrn Pnnce zu setzen? ] Ja, hat er überhaupt eine Pflicht zu vertreten? Und nun ist es auch zu spät, um den Ballast zu kämpfen. Jetzt, „Öa Fortune", war dir auch der Himmel nicht gnädig, mach wenigstens deinem Namen Ehre, wenn du den Boden berührst! Herr Prince ist aufgeftanden und hält sich am Rande der Gondel fest. Ach, es ist ihm recht, daß er landet. Der Himmel ist nicht sein Arbeitsgebiet Vier-Wände, ein Tisch, ein Stuhl, Akten und Listen: dahin SCt,Unben>enn diese Dinge ihn im Augenblick nicht umgeben, so ist doch fester Grund, guter Boden hier, ja, hier ist keine belagerte Festung, hier ist freies Frankreich, Stille, Ruhe und Friede. Der Wald liegt einige hundert Meter hinter ihnen. Von den Türmen der Stadt ist aus der geringen Höhe nichts mehr zu sehen, aber drüben zwischen Busch und Baum, inmitten abgeernteter Felder und blaßgruner Herbstwiesen stecken rote Dächer ihre Giebel auf. Die Fangseile sind länger als das Ankertau, schon schleifen sie über bie Erde. Sie sind leicht zu fassen. - Gilbert sucht mit dem Glas die Weidestriche ab, er hofft, daß Bauern, Feldhüter, Hirten herbeieilen: denn er fürchtet eine harte Landung, und ein paar kräftige Männer, welche sich an die Fangseile hangen, sind m solcher Minute willkommene Helfer. m Aber seltsam, die Gegend ist menschenleer. Gilbert wundert sich. Man muß doch den Ballon gesehen haben. „Keine Seele", sagt er, „verstehen Ürm fci| .51ui Aden Mut | *5 »let $ Die Gefangenen hockten auf dem Wagenboden. Die Fahrt war hart weil die Sttahe schlecht war. Wenn die Räder über ein Loch sprangen ober über eine steinige Strecke stolperten, wurden die Insassen bis ui bie Eingeweide durchschüttett. . Sie sprachen kein Wort miteinander. Sie waren ja nicht jufaUiR zusammengeweht. Sie hatten sich nichts Neues zu lagen, und alles andere wußten sie. .,, _ ... . Aber der Erstelle gefiel das Schweigen nicht. Darum verspottete 1» Theophil, der sich ruhig von dem Schwall überschütten ließ. Es war eine ziellose lärmende Geschwätzigkeit, di« Germaine erlöste, weil = nun nicht mehr auf die Angst achtete, die sie im Herzen trug. Ho«- das begleitende Fußvolk sie schon über ihre Zukunft beunruhigt, vor den Ulanen fürchtete sie sich. Der Wechsel in der Begleitung fteigerte in ihren Augen den Emst der Lage. Germaine verschonte jetzt den Mair«, sie verteilte ihre Aufmerksam teil gerecht zwischen Poiporence, Saba tut und Ann Moreland. Ann verwirrt und verstört, beachtete die Genossen der Fahrt kaum Es geschah aus Stumpfheit und nicht aus bösem Willen Was dachte Germaine, sie spricht nicht mit mir? Ist sie nicht meine Kumpanin, meine Genossin in dem Spiel: „Mitgesangen, mitgehangen Ueberhaupi war auf dem Leiterwagen eine Stimmung, als I jeder jedes Feind! Während man doch eigentlich zusammengehotte! Germaine schlug Ann Moreland auf die Schulter: „Siehst du, me> I Püppchen, nun haben Sie dich auch erwischt! Hast du ein« Ahnung I was mit uns geschieht?" • Die derbe Anrede erschreckte Ann. Sie sah, obwohl sie nicht wen« wie durch einen Schleier. Sie sah auf ßabatut, dessen traurige W wie eine Anklage waren. Er hatte für sie gebürgt, er war ein ®enu man. Aber sie war gegen ihn nicht fair gewesen. Dafür hatte der Himw auch die Flucht mißlingen lasten. rFortfetzung folgt.) Ich Jd llülid) i „Sra p uitb I kf au p h, *• beir Ilster, I n W11 lauere i:N | ij'ben. ( Mn «liche ( Me echt die Verzweiflung aus feiner Kehle schreit! Wie er dem büren« starken Alten die Armbrust aus den Händen reißt und zu Boden schleudert! Jakin taumelt zurück, wie von einem schweren Hieb getroffen. Fohl ist fein Gesicht, wutverzerrt. „Dunjascha!" rüst er. „Dunjascha!" Er lehnt an seinem alten Wagen und starrt ins Weite. „Jetzt ist es aus mit mir! Was bin ich ohne dich, Dunjascha, mein Täubchen, was ist der alte Satin ohne Dunjascha —" „Ich geh doch nie von dir fort, Vater Jakin, nie und nimmer!" schluchzt Dunjascha dazwischen. „Nein, du gehst nicht, hahaha! Aber der da, der wird den guten Sinn auslodern aus deinem Herzen. Ach, was liegt an mir altem Narren! Geh, Dunjascha, geh mit ihm —" „Nein, nein! Er will ja mit uns gehen, Vater Jakin, aber so hör doch nur, er will mit uns gehen, durch Dörfer und Städte, über alle Straßen. Bitte, stoße ihn nicht von dir, er ist kein Graf, kein Herzog, bitte, hör mich doch, Bater Jakin —" Sie umschlingt ihn mit zärtlicher Leidenschaft, sie flüstert ihm etwas ins Ohr, das den Alten sofort aufrichtet. Der Junge steht vor ihm. Sie blicken einander lange an. „Ach so" seufzt Jakin. „Ach so ist es! Na, und was ist denn dein Metier, du?" „Seilkunst! Und Jnstrumentalkomik!" „Hei ho! So großartig!" Immer mehr wächst Jakin aus sich heraus. Er atmet tief und stößt die Luft hastig aus. Nun lacht er laut, unbändig froh. „Mensch, warum hast du das nicht gleich gesagt?" Eine Hand streckt sich dem Jungen entgegen. Dunjascha küßt den Alten, küßt den Jungen und macht einen sauberen Ueberschlag. > Das Publikum tobt vor Begeisterung: „Bravo! Das war eine Vorstellung! Es geht wieder aufwärts, Jakin!" ^eichsrebell oder Volksheld Der politische Wille der Gegenwart ist ganz auf die Zukunft des deutschen Volkes gerichtet. Auch die Geschichtsauffassung unserer Zeit hat sich an dieser inneren Dynamik ausgerichtet und gewandelt. Das geschichtliche Leben eines Volkes stellt sich stets als die lebendige Wechselwirkung zwischen schöpferischen und empfangenden Kräften dar, vollzieht sich immer wieder unter der Form des Ringens um die fruchtbaren Antriebe und Ziele einer Zeit. Denn nur, was fruchtbar ist und Kräfte weckt, ist im letzten Gegenstand der Geschichte. Wenn Heinrich von Treitschke vor einigen Jahrzehnten das wesentliche Wort sprach: Männer machen die Geschichte, so wissen wir Heutige erst um den tiefen Sinn dieses Ausspruches. Er ist gewissermaßen zum Leitmotiv unserer Volksgeschichte geworden, und ein Historiker unserer Tage hat dieses Grundgefühl einmal fehr anschaulich au-gedeutet: „Streichen wir aus dem Weltgeschehen die großen Männer, so löst sich die Spannung zwischen Wellenberg und Wellental und die Gebirge sinken zusammen. Es bleibt nur die Ebene der Gleichheit, einförmige Oede. Im Dreiklang Idee, Masse und Persönlichkeit ist die Persönlichkeit das Entscheidende. Die Ideen sind wie die Sterne der Astrologie:-sie strahlen aus und machen geneigt, aber sie zwingen nicht. Massen sind die gewaltigen Gewichte der Weltenuhr, aber sie wirken nur, wenn sie irgendwo sich anhängen, wenn sie ein formender Wille eingliedert. Diese Wille geht von Persönlichkeiten aus: sie sind die Schicksale, Uhrwerke, Triebkräfte und Zwinggewalten der Welt." Kein Ereignis unserer Geschichte hat sich dem deutschen Menschen so tief ins Bewußtsein gesenkt wie der Dreißigjährige Krieg, der bis heute als eine wahrhaft völkische Passion empfunden wird, als eine Heimsuchung von nie erlebter Gewalt, maßlos und grenzenlos — als ein nationales Unglück, das durch ein ganzes Jahrhundert auf das deutsche Volksleben feinen düsteren Schatten warf. Und keine Gestalt dieses Krieges hat die Phantasie des Volkes bis in die Gegenwart so in Bann gezogen, wie der kaiserliche „General-Obrist-Veldthauptmann , der „General des ozeanischen und baltischen Meeres", der „Herzog von Friedland": Wallenstein. Es gehört zu seinem Bilde, daß dieser Mann „unvergänglichen wiewohl noch zweifelhaften Andenkens" zum volkstümlichen Mythos werden konnte. Und es ist ebenso kennzeichnend, daß nicht die Geschichtsschreibung den Namen Wallenstein unsterblich machte, selbst nicht der größte Historiker Ranke, sondern daß dieser Volksmythos dem schöpferischen Geist unseres großen nationalen Dramatikers Schiller entstammt. Die ganze Tragödie dieses einmaligen und einzigartigen Lebens mit all ihren inneren und äußeren Spannungen faßte Schiller in die tiefsinnige Formel, die er dann später zur Achse seiner Dichtung machte. „Wallenstein Hel, nicht weil er Rebell war, sondern er rebellierte, weil er fiel" — ein Wort, schwerwiegend und sinnvoll in einem, dem er noch die vernichtende Feststellung hinzufiigte: „ein Unglück für den Lebenden, daß er eine siegende Partei sich $um Feinde gemacht hatte — ein Unglück für den Toten, daß ihn dieser Feind überlebte und feine Geschichte schrieb". Nach der Katastrophe von Eger war das besondere Bemühen Habsburgs darauf gerichtet, die namentlich im protestantischen Deutschland gegen den Kaiser gerichteten Anklagen durch eine Reihe von Flugschriften über Wallensteins „Schuld" zu entkräften. Diesen Flugschriften verdankt man das Bild des Reichs-Rebellen, das für lange Zeit die geschichtliche Darstellung beherrschen sollte. Die Hauptstütze hierfür gab das hinterlistige Werk „Alberti Fridlandi perduellionis Chaos“ (1644), als dessen Verfasser Heinrich von Srbik den Jesuiten und Hofprediger Johannes Weingartner nachgewiesen hat. Durch Schiller wurde erstmalig die Gestalt Wallensteins in das Blickfeld unbefangener und zugleich großartiger Betrachtung gerückt. Es folgten dann eine Anzahl Darstellungen, die versuchten, Wallenstein von dem Verdacht des „Verrats" zu reinigen. Aber erst Ranke erhebt sich durch eine völlige Beherrschung des inzwischen aufgefundenen Quellenmaterials zu einem freieren, weltgeschichtlich ausgerichteten Durchblick. Er sah die Dinge wesentlicher als alle vor ihm Das Scheitern Wallensteins führte er darauf zurück, daß „zwilchen den Ansichten einer erblichen Gewalt, welche eine unvordenkliche Der- Zwischen Zetten. Von Heinrich Spiero. Auf der Chaussee sind schon die Bäume bleich. Und langsam lösen sich die gelben Blätter — In meinem Garten ist noch Sommerreich, Er trägt und grünt in Kraft durch alle Wetter. Die blaue Pflaume leuchtet matt am Stamm, Von Bienen ist der Aepsel Rot umflogen, Kastanien fallen platzend auf den Damm, Den nachts schon erster Herbstfrost überzogen. Zwiefach ist die Gebärde solcher Zeit: Halb spendet sie noch aus des Sommers Milde, Und halb schon mit des Herbstes Abschiedsleid Wischt sie den vollen Glanz vom eigenen Bilde. Spiel um Ounjascha. Von Peter E r n st t h a l. 3a, das ist Dunjascha, die kleine, blonde Dunjascha Chrjapow. Wenn sie tanzt, auf der Angerwiese, vor dem bunten Schausteller- Hagen, bann bleiben die Leute stehen, als wenn sie träumen und legen in Kopf schief auf die Schulter, bis der Klang der Harmonika verstummt inb Dunjascha wie ein prächtiger Falter in den Wagen fliegt. Der alte Jitin geht mit dem Tellerchen zu den Leuten, das klimpert und klappert, Md jedesmal verbeugt sich der Alte tief. „Nun müssen wir weiter!" sagt er zu Dunjascha, als sie im Wagen die kipfernen Münzen zählen. „Ja, Vater Jakin", erwidert Dunjascha, noch heiß vom Tanz. Nun klappert der Wagen über holprige Landstraßen, durch Flecken und Wrfer, unsagbar müde und langsam, denn es gibt nichts, das Eile recht- firtigt. Jakin, ach Jakin, was ist denn übrig von dir, wenn Dunjascha ihrjapow nicht mehr für dich tanzt, durch Dörfer und Städte, durch deine alten Tage wie ein letzter, heller Sonnenstrahl. Du hast ihr einst deinen alten, wackligen Wohnwagen zur Heimat gemacht, das ist wahr, und sie ! nicht undankbar, die kleine Dunjascha, und nennt dich „Vater Jakin". nd es ist eine endlose Reise von Anger zu Anger, immer in die schwarzen husten von Menschen hinein, die Jakins bunten Wohnwagen begrüßen. „Jo ho! Jakin gibt wieder eine Vorstellung! Alles her zu Jakin!" ho, jo ho! Nun wohl! Der Alte steigt also vom Bock, geht an bas Fenster bes Wagens und klopft zögernb an bie tlirrenbe Scheibe, als fei et noch recht unentschlossen, bas Mäbchen zu stören. Doch ba steckt Dun- Isicha schon ben blonben Kopf zum Fenster heraus, schlingt bie Arme Mich um ben Alten unb gibt ihm einen Kuß aus bie Wange. „Bravo!" rufen bie Leute, „Bravo, Dunjascha! Da geht bie Sonne auf unb küßt ben Walb!" Ja, so ist es wohl, wie Sonnenschein auf bem Walbe! Ein Teppich eirb aufgerollt. Dann schreit in Jakins Hänben eine Ziehharmonika. Schon hat sich ber Ring ber Zuschauer enger geschlossen. Dunjascha flattert As bem Wagen, unsagbar leicht unb beschwingt, gehüllt in armseligen Flitter, ber ihrer Körperschönheit nicht Abbruch tut. Sie tanzt erst ein nenig nach ben Weisen ber Harmonika, bann macht sie Kautschuk, Erb- liupe, Ueberschlag, bah ein erstauntes Raunen burch bie Reihen ber Zu- lijauer geht; ber Alte lächelt, lächelt wie ein selig Träumenber. „Ja, bas ist Dunjascha —" Aus ber Wanb ber vielen Gesichter kommt dir Beifall wie eine braufenbe Welle. Jakin setzt bie Harmonika auf ben flohen. Sein Blick geht von einem zum anbern Gesicht, eine Angst ist es, fe ihn dazu treibt: ba ist er roieber, ber junge Mann. Dieses schmale, dleiche Gesicht, bas ihn verfolgt von Ort zu Ort, seit Tagen schon. Jakin tthebt sich auf schwankenben Beinen. Dunjascha sieht, wie er taumelt, it eilt auf ihn zu, um ihn zu stützen, boch er schiebt sie beiseite unb holt fe Armbrust aus bem Wagenkasten. Es ist fein gespielt. Die Leute klatschen. Ein wenig bleich ist Jakin. „Nun zum zweiten Teil unserer Vorstellung!" sagt er mit heiserer Stimme, aus ber es wie heimliches Grollen zittert. Dunjascha stellt sich wr ben Wagen unb legt sich einen roten Apfel auf ben Kopf. Der Alte Ifannt bie Armbrust. „Ach!" rufen bie Zuschauer enttäuscht. „Jetzt kommt ber Tellschuß! Das Ist aber ein ausgescheuerter Stein, Jakin, Älter!" Niemanb gibt mehr itoas auf ben Tellschuß, bas ist nichts Neues mehr, nein! Da gibt es Zünftler bie werfen Dolche nach Menschen, bie machen Cornett unb Flick- zlack! Jakin, alter Mann! Deine Hanb zittert wegen eines lumpigen Zuschusses! - „ ., Dunjascha ist voller Vertrauen. Sie steht ganz still am Wagen unb Schelt. m _ Unter ben Zuschauern ist plötzlich Bewegung. Ein junger Mann prangt durch die Mauer ber Menschen, kommt auf ben Schützen zu, ber eben zu Itinem Pfeilschuß anfetzen will. Er legt bie Hanb auf die Armbrust, als Denn er sie vor einer Untat bewahren will: „Bitte, schießen Sie nicht, legt er stehend zu Jakin. „Ihre Hand zittert. Bitte, ich flehe Sie an, Hießen Sie nicht auf Dunjascha!" Jakin läßt die Armbrust sinken. Seine Augen starren den Jungen an. »ho ho!" schreit er, „ho ho, Bube! Kümmre dich um Gott und laß mein ®rot ungeschnitten!" „Ich liebe Dunjascha —" . , „Er liebt Dunjascha! Kunststück, bummer löffel! Für emen Grasen ist lit mir nicht wohlfeil, nicht für einen Herzog! Mit einem Anfall von Wut |6ßt er ben Jungen von sich. Sein Lachen klingt wild unb aufpettschenb. »5d)er bich zum Teufel!" , _ . .., Das Publikum klatscht. So hat Jakin in seinen besten Jahren nicht Spielt. Er muß in Ungarn gewesen sein, die letzten Jahre, unb ber Adere, bas ist sicher sein neuer Partner. Man ist sehr gespannt, wie bie beschichte weitergeht. Jakin legt bie Armbrust wjeder an. , . „Sie dürfen nicht schießen!" ruft der Jüngling unb stürzt sich auf ben ®ten./„6ie dürfen nicht schießen!" aus- M in ?• ht Verantwortlich: vr. Fr. W. Lang e. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, Gießeo. fei l*ll: Rttej »St •'m “S ■iS Er einem eie t üermi nunfl Du I 'Jni> e -icher lchs L° I-Milet „6 De I ;enuöl I 'iojen, I Babe Ab Rch oie h Eine 'lejrgi Ult e. '!" in Raffet I ^purei I. ®r SS !»?' Werb «mt t u Dji s-u ü 3nt Reich -er alten Libyer. Bon vr. Leonore Kühn. Das Atiasgebirge Nordafrikas ruft schon mit seinem Namen di« Er. innerung an uralte Mythen wach — an den Riesen Atlas, der den Himmel mit seinen Schultern stützt und, nach der griechischen Saqe, ein- E von H-rkules abgelolt wurde als er die Aepfel der „Hesperiden", das hecht der „Westlichen" —, der „Atlastöchter", ihm beschaffen mußte welche ewige Jugend verleihen, wie die Aepfel der Jdun in der Nord- rnytye. Hf. 9*' ^as ganze Gebiet dieser Gebirgszüge erfüllt von ^testen Traditionen, die noch zum Teil erstaunlich lebendig weiterleben, sogenannte Teilatlas (Hügelatlas) und der Hohe Atlas die afrikanischen Gebiete nach dem Atlantischen Ozean zu und in Ma- rok ° durchziehen, ist der Sahara-Atlas mit seinem Hauptteil in Süd- ,8,e,r. gelegen, es ist das Gebirge, das die gleichnamige Wüste von dem Kustenieil des Landes abriegelt; nur einzelne Ausläufer gehen noch bis Tunis. Der höchste und schonst« Teil des Sahara-Atlas das Auresgebirge mit stattlichen Bergen von etwa 2300 Meier Höhe — zum Xetl waldreich, zum Teil mit schon wüstenhaft-nackten Felsrücken — hat besonders viel uraltes Blut und Kulturgut festgehalten. Denn der Aures her «pbrherbev^afbl)h? 'm Rmdalgiercin sogenanntes „Rückzugsgebiet" mnr^r?errr^(; " Nachkommen der alten Libyer betrachtet werden. Einstmals stießen diese Stamme sogar bis weit nach Osten vor, bis nach Aegypten dessen frühe Herrscher auch libysches Blut haben. Auch jener ßonlg Sesenk oder Schischonk der 21. Dynastie, dessen Grab kürAich bei Tanis in Aegypten aufgedeckt wurde, war ein Tahennu, ein Tuimah oder t dws° libyschen Eindringlinge von den Aegyptern genannt wurden. Tamahu ober auch Tahennu — diese Namen, die man ihnen hk BarVnm^h überlieferten Beschreibungen bei antiken Autoren und hnrnnf M vlten Libyer auf ägyptischen Wandmalereien weisen r^tin ?n' baß sie zedensalls große Leute mit rötlichem Haar und relativ Heller Hautfarbe waren. Sie kamen von Westen (Kanaren) oder Nordwesten, spatere Elemente wohl auch noch von Norden wenn sie rai^e aemilck,? Ä” be( »'erlicheren schwarzhaarigen Mittelmeer, raffe gemischt haben müssen und auch mit anderen „dunklen" Elementen Die Libyer waren also schon eine Mischrasse. n Heute trifft man im Auresgebirge zwar noch viele blonde Berber" oder ledenwlls Menschen, die schon äußerlich weder einen mittel« rneerischen noch einen negerischen oder irgendwie orientalischen Cindnnl machen, im Gegensatz zu den dortigen Arabern. Aber die Wellen non«.l discher Araberstämme find schon seit dem 7. Jahrhundert n. Ehr |a häufig und so nachdrücklich über das ganze Verbergebiet gegangen M man schon achtgeben muß, um unter der arabischen Hülle — auch i £ der Sprache — noch jene „alten Libyer" zu erkennen, die einst unter den verschiedensten Namen das ganze Land bewohnten und beherrschte, wie auch die „lydischen Amazonen" der Antike. Es sind jene Völker de, nordafrikanischen Raumes, von denen die Schriftsteller der Griechen und Römer und die Geschichte Aegyptens uns immer wieder berichten — ob sie nun Maxyes oder Mazyes, Mashuash, Mazilken oder Jther-Melen (Adyrmachigen) jeweils benannt wurden oder sich auch selber so nannt-ir Die heutigen Berber, sofern sie noch stammesbewußt sind, nennen sich