NetzenerZamiliemMer Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Errungen ^ötrrungen Roman Son Theodor Fontane L Fortsetzung. „Ja. Wenigstens hat er es versprochen." . „Nu sage mal, Lene", fuhr Fran Dörr fort, „wie tarn es denn eigentlich? Nt'ter Nimptsch sagt nie was, un wenn sie was sagt, denn is es auch man Xer so so, nich hü un nich hott. Und immer bloß halb un so konfuse. Nu a« du mal. Is es denn wahr, daß es in Stralau war?" Ja, Frau Dörr, in Stralau war es, den zweiten Ostertag, aber schon owarrn, als ob Pfingsten war, und weil Dina Gansauge gern Kahn fahren mtte, nahmen wir einen Kahn, und Rudolf, den Sie ja wohl auch kennen, m der ein Bruder von Lina ist, setzte sich ans Steuer." „Jott, Rudolf. Rudolf is ja noch ein Junge." .Freilich. Aber er meinte, daß er's verstünde, und sagte bloß immer: Mchens, ihr müßt stillsitzen; ihr schunkelt so', denn er spricht so furchtbar ictinsch. Aber wir dachten gar nicht dran, weil wir gleich sahen, daß es nit seiner ganzen Steuerei nicht weit her sei. Zuletzt aber vergaßen wir s Diner und ließen uns treiben und neckten uns mit denen, die vorbeikamen ml uns mit Wasser bespritzten. Und in dem einen Boote, das mit unsrem >iel-lbe Richtung hatte, saßen ein paar sehr feine Herren, die beständig Mten, und in unsrem Uebermut grüßten wir wieder, und Lina wehte ioltr mit dem Taschentuch und tat, als ob sie die Herren kenne, was aber sM nicht der Fall war, mid wollte sich bloß zeigen, weil sie noch sehr jung ist. Hit; während wir noch so lachten und scherzten und mit dem Ruder bloß öspielten, sahen wir mit einem Male, daß von Treptow her das Dampfschiff nif uns zukam, und wie Sie sich denken können, liebe Frau Dörr, waren vit auf den Tod erschrocken und riefen in unserer Angst Rudolfen zu, daß er tt| heraussteuern solle. Der Junge war aber außer Rand und Band und iu -rte bloß so, daß wir uns beständig int Kreise drehten. Und nun schrien vit und wären sicherlich überfahren worden, wenn nicht in eben diesem ilmeublicke das andre Boot mit den zwei Herren sich unsrer Not erbarmt tolle. Mit ein paar Schlägen war es neben uns, und während der eine mit in m Bootshaken uns fest und scharf heranzog und an das eigne Boot inl'ppelte, ruderte der andere sich und uns aus dem Strudel heraus, und uu einmal war es noch, als ob die große, vom Dampfschiff her auf uns ivl mmende Welle uns umwerfen wolle. Der Kapitäit drohte denn auch mtllich mit dem Finger (ich sah es inmitten all meiner Angst»; aber auch id ging vorüber, und eine Minute später waren wir bis an Stralau heran int die beiden Herren, denen wir unsre Rettung verdankten, sprangen ans llfe: und reichten uns die Hand und waren uns als richtige Kavaliere beim tefteigen behilflich. Und da standen wir denn nun auf der Landungsbrücke lei Tübbeckes und waren sehr verlegen, und Lina weinte jämmerlich vor ich hin, und bloß Rudolf, der überhaupt ein störrischer und großmäuliger 8t gel is und immer gegen's Militär, bloß Rudolf fah ganz bockig vor sich fiit, als ob er sagen wollte:,Dummes Zeug, ich hätt euch auch rausgesteuert." „Qa, so is er, ein großmäuliger Bengel; ich kenn ihn. Aber nu die beiden huren. Das ist doch die Hauptsache..." „Nun, die bemühten sich erst noch um uns und blieben dann an dem itibcsn Tisch und sabeu immer zu uns rüber. Und als wir so gegen sieben, und schummerte schon, nach Hanse wollten, kam der eine und fragte ob er litt sein Kamerad uns ihre Begleitung anbieten dürften? Und da lacht ich Hermütig und sagte, ,fie hätten uns ja gerettet, und einem Retter dürfe mn nichts abschlagen. Uebrigens sollten sie sich's noch mal überlegen, denn eit wohnten so gut wie am andern Ende der Welt. Und sei eigentlich eine lütife'. Worauf er verbindlich antwortete: .desto besser'. Und mittlerweile bk auch der andre herangekomnien... Ach, liebe Fran Dörr, es mag wohl litt: recht gewesen sein, gleich so freilveg zu sprechen; aber der eine gefiel mir, und sich zieren und zimperlich tun, das hab ich tue gekonnt. Und so jiiiijett wir denn den weiten Weg, erst an der Spree und dann an dem &iial hin." ; „Und Rudolf?" . „ „a . „Der ging hinterher, als ob er gar nicht zugehöre, sah aber alles und i>°ß:e gut auf. Was auch recht war; denn die Lina is ja erst achtzehn UN noch :ii gutes, unschuldiges Kind!" „Meinst du?" . , ~ , i „Gewiß, Frau Dörr. Sie brauchen sie ja bloß anzusehn. So was sieht hm gleich." , , „Ja, mehrstens. Aber mitunter auch nich. Und da haben sie euch denn Mit Hause gebracht?" „Ja, Frau Dörr." „Und nachher?" „Ja, nachher. Nun, Sie wissen ja, wie'S nachher kam. Er kam dann den andern Tag und fragte nach. Und seitdem ist er oft gekommen, und ich freue mich immer, wenn er kommt. Gott, man freut sich doch, wenn man mal was erlebt. Es ist oft so einsam hier draußen. Und Sie wissen ja, Frau Dörr, Mutter hat nichts dagegen und sagt immer: ,Kind, es schad't nichts. Eh man sich's versieht, is man alt."' „Ja, ja", sagte die Dörr, „so was hab ich die Nunpt,chen auch schon sagen hören. Und hat auch ganz recht. Das heißt, wie man's nehmen will, und nach'm Katechismus is doch eigentlich immer noch besser und sozusagen überhaupt das beste. Das kannst du mir schon glauben. Aber ich weiß tooll, es geht nich immer, und mancher will auch nich. Und wenn einer nich will, na, denn will er nich, un denn muß es auch so gehn und geht auch mehrstens, man bloß, daß man ehrlich is un anständig und Wort hält. Un natürlich, was denn kommt, das muß man aushalten und darf sich nicht wundern. Un wenn man all so was weiß und sich immer wieder zu Gemüte führt, na, denn is es nich so schlimm. Un schlimm is eigentlich man bloß das Einbilden." „Ach, liebe Frau Dörr", lachte Lene, „was Sie nur denken. EinbildenI Ich bilde mit gar nichts ein. Wenn ich einen liebe, dann lieb ich ihn. Und das ist mir genug. Und will weiter gar nichts von ihm, nichts, gar nichts; und daß mir mein Herze so schlägt und ich die Stunden zähle, bis er kommt, und nicht abivarten tarnt, bis er wieder da ist, das macht mich glücklich, das ist mir genug." . . „Ja", schmunzelte die Dörr vor sich hin, „das ts das richtige, so muß es sein. Aber is es denn wahr, Lene, daß et Botho heißt? So kann doch einer eigentlich nich heißen; das is ja gar kein christlicher Name." „Doch, Frau Dörr." Und Lene machte Miene, die Tatsache, daß es solche Namen gäbe, des weiteren zu bestätigen. Aber ehe sie dazu kommen konnte, schlug Sultan an, und im selben Augenblick hörte man deutlich vom Hausflur her, daß wer eingetreten sei. Wirklich erschien auch der Briefträger und brachte zwei Bestellkarten für Dörr und einen Brief für Lene. „Gott, Hahnke", rief die Dörr dem in großen Schweißperlen vor ihr Stehenden zu, „Sie drippeu ja man so. Is es denn so ne schwebende Hitze? Un erst halb zehn. Na, soviel seh ich woll, Briefträger is auch kein Vergnügen. Und die gute Frau wollte gehn, um ein Glas frische Milch zu holeii. Aber Hahnke dankte. „Habe keine Zeit, Frau Dörr. Ein andermal." Und damit ging er. Lene hatte mittlerweile den Bries erbrochen. „Na, was schreibt er?" . , Er kommt heute nicht, aber morgen. Ach, es ist so lange bis morgen. Ein Glück, daß ich Arbeit habe; je mehr Arbeit, desto besser. Und ich toer&e heut nachmittag in Ihren Garten kommen und graben helfen. — Aber Dörr darf nicht dabei sein." — „I, Gott bewahre." . . . Und danach trennte man sich, und Lene ging m das Vorderzimmer, um der Alten das von der Frau Dörr erhaltene Spargelgericht zu bringen. Viertes Kapitel. Und nun war der andere Abend da, zu dem Baron Botho sich angemeldet hatte. Lene ging im Vorgarten auf und ab; drinnen aber, in der großen Borderftube, faß wie gewöhnlich Frau Nimptsch am Herd, um den herum sich auch heute wieder die vollzählig erschienene Familie Dürr gruppiert hatte. Frau Dörr strickte mit großen Holznadeln an einer blauen, für ihren Mann bestimmten Wolljacke, die, vorläufig noch ohne rechte Form, nach Art eines großen Vlieses auf ihrem Schoße lag. Neben ihr, die Beine bequem übereinandergeschlagen, rauchte Dörr aus einer Tonpfeife, während der Sohn in einem dicht am Fenster stehenden Großvaterstuhl saß und fernen Rotkopf an die Stuhlwange lehnte. Jeden Morgen bei Hahnenschrei aus dem Bett, war er auch heute wieder vor Müdigkeit eingeschlafen. Gesprochen wurde wenig, und so hörte man denn nichts als das Klappern der Holznadeln und das Knabbern des Eichhörnchens, das mitunter aus seinem Schilderhäuschen herauskam und sich neugierig umsah. Nur das Herdfeuer und der Widerschein des Abendrots gaben etwas Licht. Frau Dörr saß so, daß sie den Gartensteg hinaufsehen und trotz der Dämmerung erkennen konnte, wer draußen, am Heckenzaun entlang, des Weges kam. .. „ , „Ah, da kommt er“, sagte sie. „Nu, Dörr, laß mal deine Pfeise ausgehen. Du bist heute wieder wie'n Schornstein un rauchst und schmalst den ganzen Tag. Un so'n Knallerballer wie deiner, der is nich für jeden." Dörr ließ sich solche Rede wenig anfechten, und ehe seine Frau mehr sagen ober ihre Wahrsprüche wiederholen konnte, trat der Baron ein. Er war sichtlich angeheitert, kam er doch von einer Maibowle, die Gegenstand einer Klubwette gewesen war, und sagte, während er Frau Nimptsch die Hand reichte: „Guten Tag, Mütterchen. Hoffentlich gut bei Weg. Ah, und Frau Dörr; und Herr Dörr, mein alter Freund und Gönner. Hören Sie, Dörr, was sagen Sie zu dem Wetter? Eigens füi Sie bestellt und für mich mit. Meine Wiesen zu Hause, die vier Jahre von fünf immer unter Wasser stehen und nichts bringen als Ranunkeln, die können solch Wetter brauchen. Und Lene kann's auch brauchen, daß sie mehr draußen ist; sie wird mir sonst zu blaß." 1 ,Das ist es auch wirklich", lachte Lene. ,Run sieh, das trifft sich gut. Und so sahr ich denn fort: Ja, gnädigstes Da stehen Himmel und Hölle offen. Komtesse, da begegnen sich unsere Geschmacksrichtungen. Ich ziehe die Sächsische Schweiz ebenfalls jedem anderen Teile der Welt vor, namentlich auch der eigentlichen Schweiz. Man kann nicht immer große Natur fchwelge«, nicht immer klettern und außer Atem sein. Aber Sächsische Schweiz! Himin- lisch, ideal! Da hab ich Dresden; in einer Viertel- oder halben Stunde bi, ich da, da seh ich Bilder, Theater, Großen Garten, Zwinger, Grünes G«, wölbe. Versäumen Sie nicht, sich die Kanne mit den törichten Jungfrau-, zeigen zu lassen, und vor allem den Kirschkern, auf dem das ganze Vater- unser steht. Alles bloß durch die Lupe zu sehen." „Und nun sag ich: Irre ich nicht, meine gnädigste Komtesse, so sah ich Sie gestern in der Flora, Sie imb Ihre Frau Mama. Nicht zu verwundere Das Wetter lockt ja jetzt täglich heraus, und man könnte schon von Reist, weiter sprechen. Haben Sie Pläne, Sommerpläne, meine gnädigste Gräfin? Und nun antwortest du, daß leider noch nichts feststünde, weil der Pap, durchaus nach dem Bayrischen wolle, daß aber die Sächsische Schweiz mit dem Königstein und der Bastei dein Herzenswunsch wäre." „Ja", sagte Frau Dörr, „anders klingt es. Aber es gefällt mir nicht recht... Wenn ich einen Knallbonbon ziehe..." „Nun?" „Da darf nichts von Hölle vorkommen; da will ich nich hören, daß es so was gibt." „Ich auch nicht", lachte Lene. „Frau Dörr hat ganz recht; sie hat überhaupt immer recht. Aber das ist wahr, wenn man solchen Vers liest, da hat man immer gleich was zum Anfängen, ich meine zum Anfängen mit der Unterhaltung; denn ansangen is immer das schwerste, gerade wie beim Briefschreiben, und ich kann mir eigentlich keine Vorstellung machen, wie man mit so viel fremden Damen enug zu tun bei uns, und Fritz Thomsen braucht nidjt mehr zu befürchten, nod» einmal stellungslos zu werde» wie im Frühjahr 1931, kurz nachdem tr Sie kleine Hanna geheiratet hatte, die weitläufig mit mir verwandt mit überhaupt ein nettes Mädchen ist. An einem Donnerstagabend hatten wir noch ganz vergnügt zu britt bei Thomsens zufammengesesse» unb Pläne geschmiedet, bie um ein Lochenendhüuschen kreisten. Unb vierunbzwanzig Stunden später kam $rlu mit ber Bvtfchast nach Haus, bast ihm gekündigt worben sei, weil mangels Beschästiguug nbgebaut werben müsse. Die Aussicht, anderwärts Mrzukommen, war damals so gut wie nicht vorhanden, unb ihre Erspnr- itilfc gingen rasch zur Neige. Jedesmal, men» ich Fritz und Hanna besuchte, teile sich irgendein Möbelstück, von ber Standuhr bis zum Klavier, aus iislrete Wauderschast begeben. So was zählt bei gefunben, jungen Leuten jwer noch nicht als Tragik, aber es erhöht and) nicht gernbe bie Behag- Weit bes Levens. Da traf id) eines Tages Hanna auf ber Strotze; halb freubifl unb halb Mummen erzählte sie mir, batz Fritz soeben ein Angebot aus ber Schweiz tetommen habe unb wohl schon Ende ber Woche (eine neue Stellung in Üec Maschinenfabrik von Oehri und Zuppinger antreleii würde. Ich gratulierte, denn die Firma war mir dem Namen nach als angesehen und We bekannt. „Freust du dich, nach Rorschad) zu kommen?" fragte ich .ljoima. Sie machte ein verlegenes Gesicht und wollte zunächst nicht mit Üer Sprache heraus. „Fritz fährt allein Die Leute suchen nämlich einen unverheirateten .Jnjenieur, weiht du. Wir hielten es für besser, Ihnen nichts davon zu |agtn, datz Fritz verheiratet ist." Ich bat sie, Fritz zu grüsten, falls ich ihn vor seiner Abreise nicht mehr lehr» sollte, und wünschte ihm alles Gute, obwohl mir bei der Geschichte nicht recht wohl zumute war. • „Unb was machst du?" Hanna zuckte bie Achseln und lächelte ein bißchen Mhmütig. In meinen Gedanken sah ich, wieder einmal, eine glücklich begonnene Ehe durch das leidige Geld in bie Brüche gehen. Unterwegs fiel Mir ein, dast Fritz gelegentlich mal erzählt hatte, sein Vater sei mit dem eilen Zuppinger auf dem Polytechnikum befreundet gewesen. Daher also t»it Verbindung, dachte ich — aber sie mustte recht lose sein, denn Vater Thomsen war schon in jungen Jahren gestorben. Und daß Hannas Existenz I» ganz einfach unterschlagen und in ein Nebelwölkchen aufgelöst werden tonnte, sprach auch nicht für eine nähere Bekanntschaft zwischen den $«imllen. Dann hörte ich geraume Zeit nichts mehr von dem Ehepaar Thomsen. •6» kam kein Brief aus Rorschach, die kleine Hanna war wie vom Erdboden »estchwunden, und an den Fenstern ihrer Wohnung klebten weihe Zettel, 'M sie „per sofort" zu vermieten sei. Ich erkundigte mich bei gemeinsamen Smoanbten, aber sie wußten nicht mehr als ich. Nach Jahressrist ungefähr Wuptete eine Tante, deren Aussagen niemals historischen Duellenroert Hessen hatten, daß Hanna einem älteren Herrn in Dresden den Hans- IW führe. Ja — so war das in jenen vergangenen Tagen, und nun fitzt das ühevaar Thomson wieder in Deutschland, gar nicht weit von mir, nur 3r»i Straßen entfernt, und ber ältere Herr in Dresden scheint wieder ein- ml eine Gefchichtssälschung meiner Tante Friederike gewesen zu fein. ■®as allerdings in Rorschach geschehen ist, und wie es dem Ehemanns !$rif) als „Junggeselle" dort erging, das habe ich erst gestern abend erfahren. Wir faßen in Thomsens hübscher Wohnung, wo rot eher eine Standuhr bie Zeit mit Domierschlägen verkündet unb ein Flügel auf »och ungeborene Genies wartet, und ein guter Wein löste allmählich des Ehemannes Zunge, al» Hanna mit dem Ausruf: „Wenn id) noch an den Weihnachtsabend in Norfcl)ach denke!" das Signal zu Geständnisse« gegeben hatte. „Heute kann id) cs dir ja sagen", Hub Fritz an, „dast damals eine schwere Zeit für uns war und dast sie in mancher Beziehung bürd; das Verschweigen unserer Heirat am allerfchwersten wurde. Aber was sollte«» »vir in unserer trostlosen Lage machen? Dursten wir die einzig« Chance, die |id) uns bot, abweisen? Es wurde mir verdammt schwer, damals Hanna zurückzulassen." „Na, na", machte Hanna und löd-elte ein bißchen spöttisch, „das sagst du heute!" Fritz nahm einen überzeugten Schluck, gleichsam zur Bekräftigung seiner Worte: „Doch, es war so, und bas Gefühl, ben alten Herrn Zuppinger zu belügen, machte die Situation wahrhaftig nid)f angenehmer. Aber, wie gefügt, verhungern wäre auch nicht fdiön gewesen. Der alle Zuppinger, fo ein richtiger, ehrenfester Eidgenosse mit einer Portio«) Bauernfchläue, nahm mich schon am Bahnhof in Empfang, und ich must sagen: herzlicher bin ich niemals in einer Stellung empfangen worben. Gearbeitet würbe beim alten Zuppinger, dast es nur fo dampfte, da hätte sogar Henry Forb noch) roas lernen können. Aber das machte mir nichts, ich war heilfroh, endlich wieder Arbeit zu haben. Id) merkte, dast ber Alte meine Arbeit scharf unter die Lupe nahm und mid) mal hier und mal dort einfetzte, wo ihm irgenbetmas verbesserungsbedürftig zu Jein schien. Nach kurzer Zeit schon kamen Bemerkungen von den Herren Kollegen, dast ber Alte anfcheinend besondere '2lbfid)te«i mit mir habe Er lud mich auch des Öfteren in fein Hans ein, wo ich feine Frau und bie beiden Töchter kennenlernte." „Hört, hört!" ladjtc Hanna unb nickte mir uieljagenb zu. „Von der Frau des Hanfes ist nicht viel zu sagen. Ich glaube, sie war in ihren Gedanken immer damit beschäftigt, Wäsche zu zahlen. Die ältere Tochter war verlobt mit einem Rohseideuhiiiidler aus Zürich, aber die jüngere — die war noch nicht verlobt! Söhne hatten Zuppinger» nicht, was den Alten wegen der Fabrik rourmte. Siehst du, id) bin in solchen Dingen etwas schwer von Begrisf." „Wie bie meisten Männer; tröste bid), Fritzchen", sagte Hanna. „Aber nad) zwei Monaten wurde es sogar mir klar, warum der Alle einen unverheirateten Ingenieur gesucht hatte. Und bie ehemalige Bekanntschaft mit meinem Vater mochte wohl aud; ein bißchen mitgefpielt haben. Es ist nie deutlich ausgesprochen worden, aber ein blindes Pferd konnte es mit dem Spazierftock merken: id« sollte Veronika heiraten. Da fast ich nun — verheiratet und gleichzeitig aus dem besten Wege zur Verlobung. An und für sich, verstehst du, unter andern Umständen, wenn ich nidjt schon mit Hanna.—" „Ist es nicht gemein, wie dieses Scheusal von Mann meine Existenz bereut hat", unterbrach ihn Hanna — „kaum drei Monate meiner lieben Brust entwöhnt!" „Schweig, holdes Weib!" bornierte Fritz, „ich sagte klar und beutlid): unter andern Umständen. Zugegeben, dast Veronika ein kluges und |t)«n<- pathisches Mädchen war, man konnte sie sogar ohne Uebertreibung hübsd) nennen, wenn Hanna aud) hundertmal die Nase kraus zieht, weil Vero- ack« zu, „denn Andrea liegt dann ja bi« an die Nasenspitze in Gips.“ Minne sah mit verkniffenen Augen hinüber zum Platt. Der Grat darüber, von silbernen Schneesahnen überschleiert, die der kalte Wind au ihm entlunatrieb, leuchtete schon im Licht. Wenn die Sonne den langen Hang bi« hinab in« Tal bestrahlte, würden neun Mädchen... „Los 1" sagte et und sprang von dem FelSblock, auf dem sie gesessen hatten, hinab hi den Schnee. Er schnallte au und spurte voran«, ohne aus den Freund zu warten. War da« noch ein Freund? Dort drüben sollten in ein paar Stunden nenn Mädchen einer Gefahr ausgesetzt lverden, von der sie nicht« mußten. Die Hangsttecke war gestern abgesteckt ivorben, die Plätze für die Aufnahmegeräte lagen fest — alle« gut, e« gab längere Abfahrten und schwierigere, Teip Grund im ganzen, eine bewährte Freundschaft in« Wanken zu bringen. Kein Grund? Gründe genug. Gestern schien die Sonne. Der Schnee wurde naß. In der Nacht fror er zu eisglattem Harsch. Winne, al« et heute morgen vor die Tür der Hütte trat, erschien dieser Harsch beinahe wie das gröstte Unglück seine« Leben«. Winne überlegte im eiligen Lausen, wa« er für Andrea tun könnte. Er muhte verhindern, dass sie die Bretter überhaupt anschnallte. Die Draht« seilbahn würde herausgeschtvebt kommen, und irgendwo mühten die Mädchen bann anschnallen. In diesem Augenblick mußte er zur Stelle fein. Da« einfachste war, et ließ einen ihrer Schier mit Schwung den Hang hinab- sausen. Wa« dann? In der Platthütte gab e« viele Bretter zu leihen, zu viele, um sie alle dem ersten nachzuschicken. Winne grübelte und überlegte vor sich hin, aber alle« Nachdenken blieb umsonst. Hätte er doch mit Andrea sprechen können! Er hatte sie bisher immer nur von weitem gesehen... „Willst du mir helfen oder nicht?“ fragte er Ajack«, al« die Bretter zcim auberumal mit den Schaufeln im Schnee staken. Sie luaren jetzt mit dem Platt auf einer Höhe, nut eine breite Mulde voller Geröll und vereister Feistrümmet trennte sie noch von ihm. „Dir? Immer, fo gut ich kann.“ „Ach, mir... Willst du zulassen, daß Andrea etwa« geschieht?" „Ich sagte dir doch, e« geschieht ihr nichts.“ „Ja, ich werde dafür sorgen.“ c , Hör einmal zu, kleiner Winne“, sagte A,ack« und drückte mit einem Stockteller Sternmiister in den körnigen Schnee. „Wir haben un« mit. einander immer so gut vertragen, Ivie viele Jahre schon, seit der ersten Schulzeit. Und nun diese Andrea. Bor ein paar Tagen muhtest du noch g«, nicht, daß e« sie überhaupt gibt. Morgen fährt sie mit der ganzen Gesellschaft wieder weg. WaS weiter? Was soll dann werden? Keine Antwort. „ „Sag mal... warst du... warst du schon einmal verliebt?' Zögern. Ein kleine« Kopsschütteln. „Ach so!“ „Warum... dachtest du?“ „Mann, und du hast noch kein Wort mit ihr geredet?' Nein. E« ging nie.“ Ajack« nach einem Schweigen: „Weiht du, wir lassen das Platt, wii steigen zur Fladeralm aus und haben nachher die lange Abfahrt auf bet Schattenfeite, wo der Schnee trocken und fübrig ist." Sie begannen die Mulde zu queren, und jetzt war e« Ajacks, den schwere Gedanken bedrückten. Muhte sich denn immer Scherz in Ernst verwandeln? Vielleicht lag es noch in feiner Hand, diesem Ernst ein Ende zu machens es war wohl auch an der Zeit dafür. Winne war weit voran«. Er hatte schon die kräftiger besonnte Seite bet Mulbe erreicht, wo der Harsch körnig und hart war. Al« Ajacks auf die rauhe Eiskruste kam, hörteii seine Bretter auf, ihm zu gehorchen. Falsch gewachst, dachte er ärgerlich und versuchte, ob der Harsch ihn ohne die Schneeschuh« tragen würde. E» mochte gehen. Er schulterte die Latten und zog Winne nach. Jetzt begriff et, wo das ganze dickflüssige Skarewachs geblieben war. Winn- mufite es aufgebraucht haben, kein Wunder, daß fein Vorsprung sich immet mehr vergrößerte. Ajack« begann zu rufen und zu laufen, er brach ein und stürzte; kaum wieder auf den Füßen, glitt er ans und rutschte ein Stüst bergab. Schliehllch sah er den Freund hinter dem Rand der Mulde »et- schwinden. Mit einem Blick übersah Winne das leuchtende Platt und bte Werte bei gewellten Hanges bis in« Tal. Er sah die vielen Menschen, die Gruppe bet Mädchen und unter ihnen Andrea in ihrem blanweihen Isländer. Er sah, bufi oie Abfahrtstrecke nicht anders abgesteckt worden Ivar. Er kannte diesen Hang. Hie Strecke mußte bei diesem vereisten Schnee anders gelegt werben. Aucb dann war sie noch halsbrecherisch genug. Er sah die Leute an den Aufnahmegeräten, hier und da über die Bergflanke verteilt. Auf dem Plast winkten sie ein Flaggenzeichen. Aus dem Tal, einem winzigen, hüpfenden Farbpnnkt, kam Antwort. Die Mädchen stellten sich auf. Winne tat ein paar | gleitende Schritte, die Lust um ihn her begann zu zischen. Im felben Augenblick löste sich Andrea au« der Mädchengruppe, und nun jagte daS Rubel ihr nach. Winne ließ e« auf alles ankommen. Die Strecke, schräg znm Hang gelegt, führte anfangs auf ihn zu. So konnte et sie vor Andrea erreichen. Laugfamcr, langsamer! Die Bretter rannten ihm unter den Beinen weg; Köruerharsch, der schollig barst, firner Schnee, gleich darauf blankes Eis, dann Windharsch, der die Füße nach hinten und den Körper üoranriß... aber da kam Andren, sie fchoß dahin, und e« gab kein Wort, das kurz genug war, um von Ihr verstanden zu werden. Ich muß sie einholen, dachte Winne, ich muß es, um ihr den richtigen Weg und die Wenden zu zeigen, um aus den Brettern, die ihr längst nicht mehr gehorchen, die Fahrt zu bringen. Wieder schpitt er einen Winkel bet Strecke ab, er verschwand zwischen Felsblöcken und tauchte, eine Fahne Pulverschnee hinter sich herziehend, wieder aus, die Stauten seiner Hölzer flatterten übet die Glätte und schrien über Wehen von Graupeln dahin — Andrea! Andrea! Immer nähet kam da« Mädchen, aber noch war es zu schnell. Als er in einer kleinen Senke griffigem Schnee spürte, setzte er zum Christiania an, und da polterte e« schon wieder unter den Latten; quer zur Fahrt stauben sie, nun war nichts mehr zu ändern, mit allen Gliedern schliss Winne über den härtesten, rauhesten Harsch dahin, Skier, Beine und Stöcke miteinanbri verflochten, den Rucksack im Genick. Etwa« sirrte vorüber, blau und weist, acht Schatten hinterdrein. Von nun an wußte der Große Junge nicht mehr, was er tat. Wieder fang der Fahrtwind um ihn her. Von nun an war es Fliegen ohne Gewicht, Schnelligkeit ohne Rausch und Wille ohne Besinnung. Er Ivar leicht wie nie, und alle« Gelingen war leicht, es wär ein Spiel, in dem seine Glieder sich leise und schwebend rührten. Vor ihm lief Andrea: er war in ihr, sein Wille lenkte sie, so konnte Ihr nicht« geschehen. Al« fie zwischen den Tannen im steilen Hohlweg verschwand, erlebte er Sekunden entsetzlicher Angst, bi« et sie dann wieder sah und seine Augen sie wieder hielten. Nein, e« geschah ihr nichts... der Steilhang, die welligen Kessel, bet Hohlweg und endlich das Hineinschießen in die sauste Hemmung de- fladjcrn Auslauf«, ES geschah Andrea nicht«. Sie hielt in einer silbern aufftäubenben Wolke, nnd er glitt an ihr Vorüber. Die Wolke kühlte fein brennendes Gesicht- Er wendete, immer noch von der Verzaubernng betäubt. Sein Bli eile ...................... 1 ............... . ii ....... «i '........ 1 Jahrgang 1939 * Freitag. den 3. Februar Hummer 10 bet [eres er- Er fuhr sich mit dem Tuch über die Augen. .Seit heute früh oanes, plcta ärin ■ 1 er,. oon - Sein 4 icher ofl«t । ihm t als hatte 1 aus bas ver- Steel fljet oon an« f®l‘ mir ms. hen obil bei. gab tios tem unb' eine. dem Aussicht." aM Sie Baronin lächelte: „Untraut verdirb! nicht, Majestät. ar zu hören. In tiefer Verneigung stand Aloisius ie. Die Kaiserin dankte ihm nicht. Sie wandte nur e herrisch: „Ich hab doch Seine Tochter befohlen meister sah auf, krümmte wieder den Buckel und „Ihrs Majestät, ich komme selbst, weil ..." Also war ist? .. Tret Er näherl" t neben dem Schreibtisch der Monarchin, vor dem die alte Rabenau sah. „Halten zu Gnaden, Jhro Achter ..." Er stockte. „ sah, daß seine Knie zitterten und ihm der Schweiß von der Stirne rann. Sie fragte sanfter: „Was ist mit Seiner Tochter? Ist sie krank?" „Nein, Jhro Majestät ... verschwunden." Die Stimme versagte ihm. Die Baronin in ihrem Lehnstuhl hob den Kopf. Die Kaiserin lehnte sich zurück und fragte erstaunt: „Verschwunden? Na hör Er — Seit wann?" Maria Theresia erhob sich, sagte erfreut: „Die Grand'mere", ging auf sie zu, nahm die Greisin an der Hand und führte sie zu einem hohen, gepolsterten Stuhl neben ihrem Schreibtisch: „Das ist aber schön, daß Sie kommt. Wir haben uns eine ganze Ewigkeit nicht gesehen." Sie warf einen Blick nach der Uhr: „Aber wo bleibt Ihre Schwiegertochter? Für Viertel nach elf hab ich die Brand bestellt." Die alte Baronin berichtete. Maria Theresia streichelte tröstend ihre Hand: „Was, der Raoenau ist gefangen und wieder verwundet? Davon mar wußte ich ja gar nichts. Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie es Yellow Grey 3 Cyan Grey 1 Green Grey 2 Magenta Black Red Grey 4 3lte 'Mite ■ .—------ Lor RbKrimnriw tum Sankt Wolmn I Angst bekommen. Oder hatte es ein schlechtes Gewissen. „Führ Er ihn Colour & Grey Control Chart „Seit heute früh? — Dann kann Er sich seine Sorgen sparen ... Dann kommt sie schon wieder. Sie hat nur Angst vor mir gehabt. Tut auch gut daran. Hab ihr schon lang den Kopf waschen wölken ... Aber ich seh, Er will was sagen ... Na, so red Er schon!" Brand dienerte: „Halten zu Gnaden, Eure Majestät, es ist nicht wegen der Audienz. Wie wir heute früh meine Tochter im ganzen Haus gesucht haben, hab ich'? erst auch geglaubt. Aber dann hab ich den Brief gefunden, den sie zurückgelassen hat, und daraus gesehen, daß es wegen der Audienz nicht sein kann .. " Tränen standen in seinen Augen. Die Stimme der Kaiserin klang milder: „Ja, weshalb denn? ... Schreibt sie wenigstens, wohin sie ist?" Der Wachszieher zögerte. Dann sagte er leise: „Ja, Jhro Majestät ... zur preußischen Armee." Er wußte ja nicht: vielleicht war das schon u erhob sich mühsam. Sie wollte gehen. Daß das kam, gefiel ihr nicht. Maria Theresia drückte sie zurück: „Es ist mir lieb, wenn Sie bleibt, Grand'- lber sieht." Sie setzt sich wieder an den Schreibsiscb: zimmer kein schlechtes Gewissen hätt, täte es wohl len." Marie-Luise der Kaiserin das Mädel gefchltvert hatte, es war wvht Lesser, wenn Grand'mere bei der Audienz assistierte. Wie hantig die Kaiserin werden konnte, wußte man ja! Als die Grand'mere vor Zwei Jahren zum letzten Male in Audienz Hewefen war, war ihr der Hofknicks noch gelungen. Diesmal aber wollten die Knie nicht mehr. Auf ihren Stock gestützt, stand sie an der hohen, weißen Türe im Arbeitskabinett der Kaiserin, machte eine hilflose, bedauernde Handbewegung und entschuldigte ihr Unvermögen mit einem liebenswürdig-verlegenen Lächeln. MS fanb jrenb unb bet ie}etjl gina, 500« reifte । leiten M ringst ■ ein Sali«' bW mehl« ürlith unb eitere i jojot toie ie die 15 11 11»* ,beB ein« rrfalb- nseh"' lug^ II l|l ll|llll|llll|lll!|llll|llll|lllipill|llll|llll|llll|llll|llll|HII|llll|llll|llll|'lll|l||||llll 'm 123456789 10 6 8 L 9 l|’ lggar' ein bißchen Vorsehung spielen und den Herrn Leutnant für ein paar Wochen ins Quartier nach Jaunitz legen wollen. Auch der Komtesse habe ich geschrieben und Ihr geraten, gleich von allem Anfang an recht rieb mit ihm zu fein. Aber die Preußen machten mir einen Strich durch ; Sie Rechnung. Rabenau kam nicht nach Jaunitz, und sogar die Briefe l| fingen sie ab. Und jetzt schreibt mir ihr Vater, daß sie plötzlich einen H alten polnischen Grafen geheiratet habe. Muß Hals über Kopf gegangen ein. Denn als mir die Komtesse nach dem Fasching Adieu sagte, war non jo rascher Beendigung ihres jungfräulichen Standes nicht die Rebe ..." Kleine Frivolitäten (lebte die Grand'mere. Sie zwinkerte mit den affigen Aeuglein und sagte: „Vielleicht war's umgekehrt, und der fo j plötzlich verlorene Jungfernstand nicht die Folge, sondern die Ursache der Mariage." Maria Theresia stutzte: „Na, sei Sie so gut! ... Aber jetzt sag Sie n mir, Grand'mere, was macht Ihr Herr Enkel für Geschichten?" „Die Kleine ist halt bildhübsch und allerliebst, Majestät." „Ich weiß. Aber kennt Sie sie denn?" „Ich hab sie mir angeschaut." Die Kaiserin drohte lächelnd mit dem Finger: „Für alle Fälle. Wie? .. Na, und zu welchem Ergebnis ist Sie gekommen?" „Daß ich sie, wenn ich ein Mannsbild wäre, vom Fleck weg hei- aten tat." „Ader Grand'möre!" Die Uhr auf dem Schreibtisch schlug. Der Kämmerer vom Dienst ' rat ein und meldete: „Der Brand, Jhro Majestät!" „D i e Brand meint Er roohl, mein Lieber „Ich bitte untertänigft um Vergebung, Jhro Majestät: der Brand!" Iipill|llll|llll|lllipi|llll|lllipill|llll|llll^ 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 £ P £ Z Greisinnenköpf: „Ich schon. Maseflät!" Für einen Augenblick zuckte ein Schmunzeln über das Antlitz der Monarchin Sie halte verstanden. Sie wandte sich wieder an den Wachsziehermeister: „(Eine unternehmende Tochter hat Er. Das muß man Ihm lassen ... Er kann sich also nicht denken, warum Seine Tochter zu den Preußen ist?" Brand verneinte betrübt. „Auch nicht, wenn ich Seinem Gedächtnis nachhelf und Ihn an den Leutnant von Rabenau erinnere?" Erst erschrak der Kerzelmacher. Hatte also auch schon die Kaiserin von der Geschichte gehört? Aber bann lächelte er trotz seines Kummers: „Da können Majestät ohne Sorge (ein. Wegen der Dummheit hab ich ihr schon längst den Kopf zurechtgesetzt." Die Kaiserin warf einen Blick auf die Grand'mLre, bann sah sie wieder Brand an: „Fragt sich nur, ob's auch was genutzt hat, mein Lieber!" Dieser Zweifel an seiner väterlichen Gewalt schien ihn zu kränken. Er sagte mit Ueberzeugung: „Doch, Jhro Majestät! Meine Tochter heiratet den Sohn vom Nußdorfer Weinhändler Kirndorfer und damit punktum!" Maria Theresia unterdrückte vergeblich ein Lächeln. „Und damit punktum" pflegt in diesem Raume nur sie zu lagen. Sie lachte: „Noch ein Heiratskandidat? Ihr scheint mir ja eine komplizierte Familie zu sein. Aber hält Er noch viel von Seinem .Punktum', wenn ich Ihm sag, daß der Leutnant von Rabenau blessiert und von den Preußen gefangen ist?" Brand begriff nicht gleich. Doch dann starrte er entsetzt die Kaiserin an. An diese Möglichkeit hatte er bisher nick>t gedacht. Er hob beschwörend die Hände: .‘Das kann nicht fein, Jhro Majestät!" „Es ist nicht anders. Tut mir leib, daß ich Ihm das sagen muß!"