fünf bet Doch Sinbe jung erten tuet. Tischten letten । bet Die irube t»or Stich > bet allen Bitten n tue lang, quer litten illen- lande . und ■ring- J ... und t, als inten eine :f die (gern Druck dende künde shalt- über Blei- igbie leeren t des gung, Wie n der will» ■ und > »Oll ipsloe ihlien erbttt- 4 - afigen t UM dann rnden i hing len - d die eisig« nach nttnb’ nii>S: üSoge .r und _ ein Md° je des t auf* । »oin fgra«« I»5' Kummer 8 Zreitag, den 2Z. Januar hrgang 1939 Siebener Samilienblatter UnterhattungZbeilage zum Gießener Anzeiger gebeten. Er will mit der Armee in Verbindung bleiben, und das ist "°Rabenau'^win-e lieber geblieben. Hadik befehligte mit den Generalen Serbelloni und Laudon den Vortrab des Marschalls Daun, der endlich eine Stellung in Böhmen verlassen hatte und langsam heranzog. Daun wollte wohl die Entsatzschlacht schlagen. In die Schlacht zu reiten wäre Rabenau lieber gewesen als der Festungsdienst, bei dem für einen Reiter keine Ehre einzulegen war. Er sagte das Hadik auch. Aber es half ihm nichts. . , „ Mit seinem Burschen und einem Pikett Dragoner ritt er am nächsten Morgen wohlbehalten in Olmütz ein. Den Festungskommandanten mußte er erst suchen. Schließlich sand er ihn bei der Batterie neben dem The- resientor Tor und Batterie standen in schwerem Feuer. Das hatte Rabenau schon gemerkt, als er sein Pikett ins Quartier geschickt hatte, und allein über den Oberring zum Tore ging, lieber den Dächern heulte und fauchte es. Schindeln und Ziegeln flogen auf. Balken und Schutt polterten von den Dächern. Die Bürgerwehr rasselte mit Feuerspritze und Wasserwagen durch die Gassen. Verwundete humpelten ihm entgegen. Am Theresientor riß ihn gerade noch ein Offizier der Torbesatzung in die schützende Torfahrt hinein. Dann fuhr krachend die Bombe ins Strahen- pf lasier. r „ - Rabenau fragte, ob er wisse, wo der Feldzeugmeister sei. Er müsse sich melden. Der Offizier deutete mit dem Kopf hinter sich: „In der Batterie links vom Tor. Auf die haben es die Preußen abgesehen seit heute nacht. Was daneben geht, bekommen wir aus unsere unschuldigen Häupter." Er wies gegen die Decke des Gewölbes, von der eben wieder der Kalk rieselte. Rabenau wartete die nächste Bombe ab, bann sprang er aus der Torfahrt .heraus Hinter ihm lachte der Offizier: „Angenehme Himmelfahrt, Herr Bruder!" Mit wenigen Sprüngen war Rabenau bei der Batterie. Das erste Geschütz war demontiert. Zwei Tote lagen neben den Rädern. Drei Kanonen feuerten noch, lieber den zerslatternden Morgennebeln, über Pulver und Dampf schwamm wie ein Urwelttier die breite Masse der Tafelbergs, von dem die feindlichen Batterien schossen. Es waren keine fünfzehnhundert Schritt. Man konnte manchmal die Bedienung mit den Wischern hinter den Faschinen sehen. Der Feldzeugmeister von Marschall stand am zweiten Geschütz neben dem Richtvormeister, der eben über das Rohr visierte. Oben aus dem Tafelberg blitzte es zweimal rötlich auf. Dann rauschte und heulte es heran Auf der Mauerkrone und dicht hinter der Batterie flammte es krachend auf. Die Splitter surrten. Der Richtvormeister duckte sich und wandte den Kopf. Der Feldzeugmeister knurrte: „Geht dich gar nichts an, mein Sohn! Schieß lieber los! Der Vormeister sprang von der Lafette, hob den Arm. Brüllend fuhr der Dampf aus dem Vierund- zwanzigpfünder. Als er sich verzogen hatte, staubte es drüben am Tafelberg unter der Kreuzkapelle. Die Kanoniere stießen den Wischer ms ^Freiherr von Marschall sah den Richtvormeister mißbilligend an: „Was meinfte, mein Sohn, wie die Preußen jetzt über dich lachen? Das kommt davon, wenn man sich um die feindlichen Bomben kümmert statt ums Visieren. Zwei Strich höher und ein halb Zoll nach links kalkulier ich." „ . „ , , . . Wieder brüllte der Schuß. Aus der Kreuzkapelle fuhr eine Stichflamme zum Himmel. Ein dumpfer, donnernder Schlag polterte über die Stadt. Der Feldzeugmeister lachte: „Siehfte, mein Sohn, jetzt haben d'e dort drüben ein Pulvermagazin weniger und du einen Silbertaler mehr." Er richtete sich auf, machte ein paar Schritte, wohl um beim nächsten Geschütz einen ähnlichen Sermon zu halten. Da bemerkte er den Leutnant Er ging auf ihn zu. Rabenau meldete. Aber dem Alten schien es keinen Eindruck zu machen, daß der Leutnant vor einer Stunde mit zehn Mann glücklich durch die preußischen Linien geritten war. Er sagte nicht danke und nicht guten Morgen, sondern brummte nur vorwurfs- voll: „Wieder ein paar überflüssige Esser mehr." Rabenau mochte einen anderen Empfang erwartet haben. Eine Lustpartie war der Ritt schließlich auch nicht gewesen. Er war gekrankt. Der Alte schien es zu merken. Er nahm ihn unterm Arm und sagte: „Wenn Er sonst nichts Gescheiteres vorhat, als sich hier in der Batterie ganz überflüssigerweise totschießen zu lassen, so komm Er mit! Er ging mit dem Leutnant über ein paar Stufen in den gedeckten Gong hinunter. Dort blieb er stehen, gab Rabenau die Hand: „Ra, denn also willkommen! Aber ein überflüssiger Esser ist Er doch." Rabenau meldete, daß der Feldzeugmeister doch selber um einen Offizier von der Reiterei des Generals von Hadik gebeten habe. „Weiß ich, mon eher. Ich werde Ihm später auch die Rechnung für das Essen präsentieren. Rückt mir nämlich zu langsam heran, der Daun. Kann sein, daß ich ihm Beine machen muß. Und das muß dann Er besorgen, Rabenau. Aber einstweilen hab ich nichts für Ihn zu tun ... Spielt Er Schach?" Der kerMacher von Sankt Stephan Lin heiterer Liebesroman von Alfons o. Lzibulka Eopgrlght bv J. G. Eotta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart 18. Fortsetzung. Sie legt bett Kranz auf die Bank, stellt das Mädchen behutsam auf bei Boden und steht auf. Sie ist so erstaunt, daß sie diesmal em Geschenk für den Buben vergißt. Der trollt sich enttäuscht. Sie geht aufs Haus-zu, ui, der Doktorsfrau zu sagen, was der Bub ihr gemeldet. Doch plötzlich b,sinnt sie sich. Sie ruft in den Flur, daß sie ein wenig spazierengehe. 2) r Doktorin ist es recht. Sie weiß, daß die List oft halbe Tage durch die Dulder und Wiesen läuft. Elisabeth Brand geht durch den Garten zur Straße hinab. Schon von M item sieht sie das Pferd, daneben den Reiter, der unter einem Obstbaum sicht. Sie sieht ihn nicht deutlich. Seine Gestalt verschwimmt in den griinltdjen Sonnenlichtern und Schatten. Jetzt hat er sie erblickt, tritt, das Pferd am Zugel, auf die Straße Ijtraus. Eben hat sie das letzte Wiesenstück erreicht. Ihr Herzschlag stockt. P< bleibt stehen. Langsam kommt Rabenau auf sie zu, greift nach ihrer tzmd Was er spricht, hört sie kaum. Sie sieht nur feine dunklen, lachenden Siqen Aber ihr Herz ersaßt seine Worte. Hand in Hand gehen sie über bin Steg. Das rieselnde, goldgrüne Licht des Jungwaldes hüllt sie em. L e bleiben stehen. Rabenau küßt sie. ..... Sie gehen weiter den Pfad hinauf, der ein Stuck hoher oben aus dem Mb auf einen Hügel führt. Unter einen Birnbaum, von dessen roeth Meidenden Aesten der sanfte Wind die Blütenslocken weht, setzen sie sich ite Gras. Sie halten sich an der Hand, sehen über die zwischen den Obst- bmmen glitzernde Piesting, über die weiß und gelb gesprenkelten Wiesen, itter die dunklen Wälder und zu den Felsen, zwischen denen noch die Lchneeflecken blitzen. Rabenaus Pferd weidet im Wiesengmn. Er kann nicht lange bleiben. Zwei Stunden nur hat er Zeit. Er muß in Morgen wieder in Wien sein. Die Kaiserin hat befohlen, daß er sich Mittags bei ihr melde, ehe er übermorgen wieder ins Feld abgeht. Eine Weile sitzen sie noch vor einem Bauernhaus, trinken Milch, essen Fot und goldgelbe Butter, lachen sich an, erzählen. Dann muß er reiten. Lf den Kämmen über dem Tal glühen schon die Stamme der Fohren. Eie gehen einen Feldweg hinab, der durch Mesen und junge Saat ^nunter zur Piesting führt. Auf der Straße steigt er in den Sattel, beugt jtj herab und küßt sie noch einmal. . , . Lange steht sie und sieht ihm nach. Bis sein Pferd hinter Staub und Blütenschleiern verschwindet. Dann geht sie wie im Traum zum Doktor- hius zurück. Immer schon hat sie an Märchen geglaubt. Daß er einen Tag und eine Nacht geritten war, sah man dem Leutnant d. n Rabenau nicht an, als er vor der Kaiserin stand. Sie war sehr mcidig. Sie sagte freundlich: „Ich seh, Seine Blessur ist noch nicht geheilt, hat Ihm denn der van Sroieten das Reiten schon erlaubt?" „Ich habe ihn nicht gefragt, Jhro Majestät. Maria Theresia droht ihm lächelnd. „Dann will ich Ihn auch nicht fingen. Denn ich muß gestehen, es ist mir recht lieb, daß Er reitet. Ich -gebe einen wichtigen Brief für Ihn ... Aber, was ich noch sagen wollte $r en Gäulen gellten zwei Schüsse. Da war die Patrouille schon über den Graben. Unter den Pserdebäuchen sahen sie unten im Graben die gelben Blechhauben der Preußen. Sie stolperten über Trommeln und Gewehrpyramiden, sprangen über Faschinen, Pulverkarren und Brustwehren, wischten, plötzlich aus dem Nebel auftauchend, zwischen Geschützen durch, galoppierten durch zwei Fuß tief unter Wasser gesetzte Wiesen, warfen im letzten Augenblick ihre Gäule vor einem exerzierenden Bataillon herum und waren an der March. . Deutlich waren die Wagenspuren zu sehen, die von der Böschung hinunter zur Furt führten. Einen Augenblick verhielten d e Pferde Die March ging hoch. Ihr bräunliches Wasser schäumte und toste. Auch im Glatzer Gebirge hatte das Juniwetter getobt. Rabenau gab seinem Gaul die Sporen. Die andern folgten. Fast bis zu den Packtaschen ging da- Wasser. Schüsse fielen. Hinter den Userbüschen tauchten Blechhcuiben auf. das exerzierende Bataillon hatte die Reiter doch bemerkt. Kugeln klatschten ins Wasser. Ein« spritzt« dicht vor Rabenaus Iferd aus. Der Fuchs versuchte zu bäumen, rutschte mit der Hinterhand von der Furt ab. Während Rabenau ihn mit Sporen und Schenkeldruck im seichten Wasser zu halten versuchte, rief er den Dragonern zu: „Weiterreiten I Ins Hauptquartier!" Der Fuchs verlor den Halt, glitt in die Tiefe, wurde von der Strömung erfaßt, trieb ab. Rabenau griff in die Mähne seines Gauls, schwamm neben ihm her. Die Reiter auf der Furt ritten befehlsmaßig weiter. Nur der Bursche schwamm mit seinem Goul hinter dem Leutnant her. Immer noch spritzten die Kugeln auf -en schäumenden Wellen. Aber sie blieben zurück. Die rasche Strömung trieb Leutnant und Burschen schröl. über den Fluß. An der Brücke, am andern User kletterten die Dra- gom-r die Böschung. Die waren wohl durch. Rabenau würde einige hundert Schritte weiter unten landen. Das war nicht schlimm. Da zerriß die Sonne den Nebel. Stromabwärts auf dem Damm hielten Reiter. Noch konnte Rabenau nicht erkennen, ob Freund oder Feind. Die noch tief stehende Sonne blendete. Auch die Reiter bemerkten die Pferde im Sttom noch nicht. Plötzlich wandte einer den Gaul, stutzte. Rabenau sah deutlich, wie er mit der Hand di« Augen beschattete und herüberblickte. Die Reiter ritten langsam näher. Eben hatte Rabenaus Pferd wieder Grund unter den Hufen, hob sich langsam aus dem Strom, arbeitete sich an der Uferböschung hoch. Hundert Schritte dahinter schwamm noch der Bursche. Jetzt erkannte Rabenau die Kalpake preußischer Husaren. Sie hielten wieder. Rabenau gab seinem Pferd die Sporen. Vielleicht kam er noch durch. Die Reiter waren noch gut drei Pistolenschußweiten entfernt. Aber die Böschung bröckelte Unten am Wasser war fetter, glitschiger Lehm. Immer wieder rutschte die Hinterhand des Fuchsen in das seichte Wasser zurück. Doch jetzt schien es zu gelingen. Mit den Vorderhusen hatte das Pferd festen Stand. Es setzte zum Sprunge an. Da kamen die Husaren angefegt. Rabenau zog den Pallasch. Die Pistolen waren je doch naß. Vom Userdamm blitzte ein Säbelhieb auf ihn herunter. Rabenau parierte. Er hatte Mühe damit. Sein Pferd hing noch an der steilen Böschung, da zischte ein zweiter Hieb. Die Parade kam zu spät. Rabenau schwankte, verlor den Halt, stürzte aus dem Sattel, rollte den Damm hinunter und blieb halb im Wasser liegen. Der Fuchs, seines Reiters ledig, stand mit einem Satz auf dem Damm. 1 Der Bursche zwang seinen Gaul in die Strömung zurück. Helfen konnte er ja doch nicht. Er wollte wenigstens versuchen, ins Hauptquartier zu kommen. Als er sich an einer Biegung des Flusses noch einmal u.iwlickte, sah er, wie zwei Retter die Böschung hinunterkletterten, den Leutnant hinaufhoben und auf die Beine zu stellen versuchten. Es schien nicht zu gelingen. Der Bursche duckte den Kopf. Kugeln zischten über ihn weg. Di« alte Rabin krächzte und stotterte durchs Haus. Sie war außer sich- Wie alle Jahre hatte sie, ehe sie Mitte Juni mit dem Baron aus dem Wiener Stadthaus nach Schloß Hradek an der Moldau übersiedelte, das Haus auf den Kopf stellen lassen. Eine Woche lang scheuerte und fegt« dann di« ganze Dienerschaft, die Kutscher und Stallknecht« und alle Tür- stcherssrauen der Himmelpsortgasse. Sogar ihre Schwiegermutter, die ®rani>’mere, wie man sie in der Familie und selbst bei Hof nannte, wurde aus diesem Anlaß regelmäßig von ihrem Witwensitz Rotbuch im Waldviertel heranbefohlen. Es gab ja allerlei zu flicken und zu nähen. Und selbst rührte die Rabin keinen Finger. Sie „schaffte nur an". Dse Grand'mere aber kam gern. Sie war die Hilfsbereitschaft selber und liebte es überdies, einige Frühlingswochen in Wien zu verbringen. Bei diesem großen Kehraus hatte die Rabin im Sekretär ihres Sohnes das Konzept eines Briefes an eine Demoiselle Elisabeth Brand gefunden, aus dem afsreuserweise hervorging, daß er diese Person zu ehelichen gedachte. Eine Bürgerliche! Zum Haarausraufen war das. Sie fiel über dies« Entdeckung nicht in Ohnmacht, wie ihr Sohn das gefürchtet hatte, und der gute van Swieten brauchte nicht seine Hoss- mannschen Tropfen an sie zu verschwenden. Der, auf den dieser Schwäche- anfall einzig und allein berechnet sein konnte, war ja nicht da. Ernst Christoph raufte sich irgendwo mit den Preußen herum. Und dem alten Baron imponierten diese Ohnmächten schon feit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Selbst die gute Grand'mdre pflegte, wenn die Rabin ersterbend auf ein Sofa sank — niemals daneben —, mit fröhlicher Bosheit zu mahnen: „Marie-Luise, du wirst dir die Rob« und die Frisur deran- gieren." (Fortsetzung folgt.) Rabenau war über diesen Rösselsprung des Generalsgehirns erstaunt. Er lachte: „Sogar recht passable, Ihrs Exzellenz! Marschall schlug ihn auf die Schulter: „Magniftque! — (Ein Quartier hat Er doch wohl noch nicht? Wie? ... Also dann wohn Er bei uns! Der Leutnant dankte respektvoll. Der General blitzte ihn fröhlich an. „Zu danken ist da gar nichts. Er wird gleich sehen ... Meine Frau spielt nämlich auch Schach, leidenschaftlich und übrigens vorzüglich Aber ch selber spiel nur mäßig, und ihre Partner sind alle auf den Basteien und Wällen Da langweilt sie sich abends und hält mir Dortrage, wie inan Olmütz noch zweckmäßiger defendieren könnte. Also tu Er nur den Gefallen und spiel Er Schach mit ihr!" .. Drei Wochen lang spielt« Rabenau nach dem Abendessen Schach mit der Marschallin Zur Freude des Feldzeugmeisters, der dann meist be- haalich in seinem schwarzledernen Lehnstuhle saß, die Karte studierte oder in einem Buche las. Manchmal freilich versuchte seine Frau es doch ihm einen Rat wegen des Defendierens zu geben. Sie wollte ihren Namen „Marschallin" noch einmal von Rechts wegen führen. Aber dann winkte der Alte nur ab und sagte lachend: „Gib lieber aufs Spiel acht, meine Liebe! Sonst nimmt dir der Leutnant hie Dame." Rabenau war über diese Schachpartien nicht böse. Denn erstens spielte die Feldzeugmeisterin wirklich vorzüglich, fast so gut, wie sw kochte Und was hätte er zweitens in dieser verdammten Festung auch sonst tun sollen? Aus die Straße konnte man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr, ohne Hals und Beine zu brechen. Das Straßenpflaster war aufgeriffen, damit die feindlichen Bomben sich verschlugen. Alle hundert Schritte rannte man gegen eine Barrikade, eine Sperrkette oder gegen spanische Retter. Denn der Herr von Marschall wollte, auch wenn Daun nicht kam, den, wie er sagte, allmählich der Satan holen solle, Olmütz bis auf das letzte Kellerloch halten. In die Gaschauser konnte man auch nicht, weil ein Teil bereits ihre Vorräte an die Besatzung und di« Lazarette abgegeben hatten und die anderen zerschossen waren. Selbst in der Kavalierstube des „Römischen Kaisers", in der damals das Raudenberger Abenteuer begonnen hatte, klaffte ein Loch wie ein halbes Scheunentor in der drei Fuß dicken Mauer. Erft hatte Rabenau noch alle Tage einen Brief an die Demoiselle Brand geschrieben; unter der Adresse des Regenschori von Sankt Stephan. Wie sie das im Piestingtal ausgemacht hatten. Aber dann kamen die Feldpostreiter nicht mehr durch. Auch di« Wiener Sttahe war jetzt vom Feinde gesperrt. Die preußischen Laufgraben rückten immer näher an die Mauern heran. Vor den Trümmern der Bastion am Kcttharmen- tor waren sie nur mehr vier Schritte vom Glacis entfernt. Auf die Wälle und in die Werke lieh der Feldzeugmeister Herrn von Rabenau nicht mehr. Erstens verstehe ein Reiter ja doch nichts davon, und zweitens habe er keine Lust, sich durch den frühzeitigen Tod des Leutnants um die Zeche prellen zu lasten. Denn er wollte ihm ja, wie gesagt, noch die Rechnung für das überflüssige Esten präsentieren. Was hätte Rabenau anderes tun sollen als Schach zu spielen? Der Herr von Marschall war des Abends jetzt immer seltener in feiner Wohnung. Meist verbrachte er die Nachte oben auf dem Rathausturm. Als die Türmerstube dann gleichsam nur mehr auf einem Beine stand, weil eine Bombe den halben Turm unter ihr weggerissen hatte, war der Feldzeugmeister nachts meist draußen bei den hinter der Bresche am Theresientor in Bereitschaft stehenden Truppen. Wieder waren die Marschallin und der Leutnant allein. Der Lieblingsplatz des Feldzeugmeisters, der schwarze Lehnstuhl im Erker, war leer. "Draußen prasselte und rollte der Donner. Es war das erste Gewitter dieses Jahres. Alle Augenblicke flammten die Scheiben der schmalen Erkerfenster auf, gegen die der wolkenbruchartige Regen klatschte. Als das Unwetter sich verzog, mischte sich Geschützfeuer in das letzte Grollen des Donners. Erst waren es nur einzelne Schüsse, dann tobte die Hölle über den Dächern. Immer wieder glühten die Fenster. Von berstendem Einschlag oder von den feurigen Bahnen der Bomben, die wie fallende Sterne über den nachtschwarzen Himmel fuhren. Unruhig horchte der Leutnant von Rabenau auf das höllische Orchester. Der Feind wollte Olmütz wohl sturmreif schießen. Ohne Unterlaß klirrten und zitterten jetzt die Scheiben, lieber den Dächern fauchte und jaulte es wie von tausend Katzen. Brände schwelten wie Fackeln. Der polternde Einsturz von Mauern war zu Hörem Doch die Marschallin ließ sich nicht stören. Immer wieder mahnte sie: „Der Herr Leutnant ist am Zug." Es war fast Mitternacht, als sie ihren rechten Läufer aufs nächste Feld fetzte: „Schach matt! Das kommt davon, wenn man, statt vernünftig zu spielen, auf das Gepumper hört." An Kaltblütigkeit war sie ihrem Feldzeugmeister ebenbürtig. In seinem Zimmer horchte Rabenau noch lange auf das Donnern und Toben. Es schien ihm, als wäre das Feuer der eigenen Batterien schwächer geworden. Es wurde spät, «he er einschlief. Er glaubte keine Stunde geschlafen zu haben, als ihn ein Klopfen weckte. Er erkannte die Stimme des Festungskommandanten: „Steh Er auf, Rabenau! Zieh Er sich an und komm Er in den Garten hinunter!" Rabenau ttat ans Fenster. Brandgeruch war zu spüren, lieber verkohlten Dächern und zerrissenen Manern stand schon ein heller Schein. Als der Leutnant den mit Balken, Ziegeln, Schutt und Mörtel besäten Garten betrat, kam ihm der General schon entgegen, zog ihn an einem Knopf feines Waffenrocks zu sich heran und sagte: „Rabenau, jetzt muß ich Ihm die Rechnung präsentieren. Ich fürcht«, sie ist teuer. Aber Er muß zum Daun." Er beschrieb mit dem Arm einen Bogen über dem Garten: „So sieht es nämlich auch draußen in den Werken aus. Zwölftausend Bomben hat Olmütz diese Nacht auszuhalten gehabt. Auch am Reindltor klafft jetzt eine Bresche, breit wie eine Kompaniefront. Sag Er dem Saun, daß, wenn er nicht bald die Entsatzschlacht schlägt, Olmütz der Teufel holt. Acht Tage kann ich noch Hinhalten/ Der General zwinkerte mit den kleinen, wäßrigen Aeuglein. „Unter uns gesagt, noch vierzehn. Aber sag Er ihm acht! Ich kenn doch den Daun." Rabenau lachte. „Also nehm Er sich drei Reiter! Präg er einem jeden die Meldung ein! Einer wird schon durchkommen. Laß Er sich das kleine Tor an der Das Bratapfel-Lied. Von Johann Otto Bringezu. Wenn der Ofen kracht und glüht, purpurrot die Flamme blüht, wenn die Scheite knisternd springen, hell im Rohr die Funken singen, wenn an kalten Scheiben weitze Blumen treiben und die Stürme polternd toben, soll mein Lied den Apfel loben. Tröster du in grauen Tagen, Balsam wider Frost und Plagen, außen prall und innen mehlig, sommerrreif und sonnenselig. Wie er zischt und brutzeltl Wie er rings verhutzelt! Perlend aus der braunen Hülle quillt der Saft in goldner Fülle. Und aus dunklen Ofengrüften steigt ein Traum auf fühen Düften ... Felder wogen, Sensen klingen, ferne geht ein leises Singen über Rain und Wiesen, schwebt auf Silberfützen in den blauen Himmel, weit in die Sommerseligkeit — Hebt die Nasen, spitzt die Zungen, seht, wie ist er wohlgelungen! Honiggelb drängt aus der Schale sich der milde Kern zum Mahle, schmilzt, kaum willst du nippen, dir schon auf den Lippen ... Ach, von allen Wintersreuden mag ich dich am liebsten leiden! Darum: wenn der Ofen glüht purpurrot die Flamme blüht, wenn die Scheite knisternd springen hell im Rohr die Funken singen, wenn an kalten <5d)eiben weihe Blumen treiben und die Stürme polternd toben, soll mein Lied dich, ja immer dich nur loben. Geschichte aus Finnland. Von Andrs Baron Foelckersam. Toivo stapfte, das Gewehr über der Schulter, durch den stillen weißen Wald. Am Gurt seines kurzen Schafspelzes hing, mit zufammengebun- tenen Hinterläufen, ein Hase. Die offenen Augen des Hafen starrten ins Weite, zwischen seinen Schulterblättern lief ein purpurfarbenes Band und rerlor sich im hellen Fell, lieber dem Schnee, aus dem hier und da junge tannen wie winzige weiße Hügel ragten, wuchsen tiefblaue Schatten; ler Himmel hinter dem Walde färbte sich zartrofa. Der Mond, noch blaß tnb ohne Wcht, stand wie ein weißes flaumiges Flöckchen über den reg- l»fen Birken. Die Luft war kalt und klar und durchsichtig wie Glas. Toivo Heg eine Anhöhe hinauf; vor ihm lag eine Lichtung; in langen Reihen lehnten sich frifchgefchichtete Holzstapel. Toivo stieg die Lichtung hinab, kr stapfte ohne stehenzubleiben durch den tiefen Schnee. Sein rundes Besicht unter der großen Lammfellmütze war rot und heiß. Plötzlich blieb er mit einem Ruck stehen, schob die Mütze über den Ohren höher und kielt den Atem an. ' Alles blieb stehen. Toivo wartete eine Weile, bann ging er weiter. Er dachte wieder an Helmi. Er sah ihr Gesicht vor sich mit den beiden Klübchen und den weit auseinanderliegenden hellgrauen Augen unter den breiten dunklen Brauen. Sobald es zu dämmern begann, wollte er den Hasen vor die Tür des roten Häuschens legen, in dem sie mit ihrer tonte lebte, ans Fenster klopfen und sich hinter dem Ziehbrunnen ver- flecken. Er sah Helmi aus der Tür treten, den Hafen aufheben und sich erftaunt in den blauenden Abend umfehen. Toivo lachte. Er dachte daran, wie er Helmi am letzten Samstag nach dem Tanz im Dorf heimbegleitet, md rote sie sich im dunklen Wäldchen geküßt hatten. Heute war wieder Samstag, heute abend war Tanz im Dorf; heute gingen sie wieder zu- fcmmen heim, durchs dunkle Wäldchen. . Der rosige Schimmer hinter den Baumstämmer verblaßte. Towo ging kufcher. „Halt!" rief eine Stimme. Toivo blieb stehen und wandte sich um. Sieben einem der langen Holzstapel stand ein Mann in hohen schwarzen Wzstiefeln, ein Gewehr über dem Rücken. Die abstehenden Ohrenklappen filner Fellmütze glichen riesigen, zottigen Ohren. Der Waldhüter! Toivo wollte losrennen, aber er blieb wie gelähmt stehen. „Rühr dich nicht von der Stelle oder ich schieße! Verfluchter Bengel! »ei Gott, ich schieße!" Toivo sah den Alten auf sich zulaufen. ,Zch werd' bi