SietzenerZamilienbliitter | Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger Ulte Atz ton * -fe rb Sb inltfl Nummer <0 Zreitag. den 26. Mai rgang 1959 mtlti :n 8i ir * im# o Mi (jträl i< sämtlichen „relheberechtigten" Äckerleute einander völlig als gleich und d«i rneutn r U- :r(i* mbra; Wi li 1 t eien St ich b d I»! >. fc tont ber fi mitte i, tz wer; n ei» ran ei Das Keft der Herde. Von Dr. Johannes Günther. Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen: es grünten und blühten Feld und Wald: auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken Uebten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel; Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründe^, Festlich heiter glänzte der Himmel und sarbig die Erde ... Zu Pfingsten in der kleinen Stadt. Von Herybert Menzel. Zu Pfingsten in der kleinen Stadt Da ziehn die Schützen auf, Mit Schellenbaum und Paukenschlag. Sieh da: der Kaufmann wird Soldat. Ob das Gewehr wohl schießen mag? Pfingstrosen trägt sein Lauf. Zu Pfingsten in der kleinen Stadt Stehn Birken vor der Tür, Nach Kalmus duftet es im Haus, Die Mädchen fchaun nach Burschen aus. Ach, wer daran nicht Freude hat, Der ist zu alt boh'ir So lerne doch vom Schwalbenflug Und komm zum Karussell. Sieh da: zwei Schimmel sind noch frei Für eine Fahrt durch Lust und Mai. Heut sind wir grab noch jung genug. Das Leben fährt so schnell. Schon blühn uns alle Sterne auf. Und trunken schaut der Mond, Der sieht so viel nicht wie der Tag. O Orgelsang und Paukenschlag! Wie süß das Leben uns belohnt — Tanz, Liebe und Geraus! ie* in«.,. jiF )td# gieren bunt ■ je!» milk' nb 6 W s teilen f ni#: leii iri Ui IN ’n diesen wenigen Versen hat G o e t h e die ganze Jungsommerfreude >•> Deutschen ausgedrückt, in dieser meisterlichen Kürze hat er die ganze i fy* Wngstwonne umschrieben, die das Naturgefühl des Deutschen auf heiter- Ifc Höhe zeigt. Schöner, treffender als mit diesem Natur-Stimmungs- bibt konnte Goethe sein reizvolles Tier-Epos „Reinicke Fuchs" nicht ein« teei. Denn für den naturliebenden und in unserer Zeit zum bäuerlichen Llirchtum zurückfindenden Deutschen ist Pfingsten das Fest des Tieres, «besonderen allerdings des nützlichen Tiers, das Herden-Fest. . .Der Kühe und Menschen Ziel am Pfingstmorgen", schreibt Heinrich oerjchinaust werd, ist in schönstem Blumen-, Laub- und Bänderschmuck zu sehen. Man empfindet ihn nicht als Schlacht-Objekt, als Genußmittel, das für sich selber keinen Daseins-Wert hat; nein, man sieht in ihm noch irgendwie das geheiligte Opfertier, das ja auch für die Gemeinschaft der Menschen sein Leben läßt. Das Viehaustreiben in beobachteter Reihenfolge, das gemeinsame Hinausgehen oor’s Dorf, auf den Pfingstanger, zeugt wie vieles in den althergebrachten Lebensformen des Volkes von der Freude an der großen, man kann sagen: chorischen, Bewegung, am festlichen Auszug, am fröhlich-feierlichen Umzug! Auch sonst werden, altem Brauchtum zufolge, Umgänge um die Felder, Umzüge durch die Dorfstraße von den Pfingst-Freudigen veranstaltet. Der „Pfingst-Butz" wird herumgeführt. Butz, noch in „Butzemann", „Bauzemann" enthalten, auch in „potztausend!" u. ähnl., ist ein altes Wort zur Dämonen-Bezeichnung. Ein Knabe oder Mann aus dem Dorfe nun wird ganz umkleidet, umwunden, umwickelt mit Grün, mit Blumen, mit Laub, wird versteckt, gesucht, erkämpft, gefunden, werd dann in lustigem Aufzuge herumgeführt; man macht sich einen besonderen Spaß daraus, hochgestellte Personen, Amtleute, Geistliche, raten zu lassen, wer in der Vermummung stecke. Wenn am Ende der Lustbarkeit der Pfingst-Butz ins Wasser gesteckt oder gar unter dem Mist „begraben" wird, dann soll ihm damit nicht der Garaus gemacht werden, sondern man will anbeuten, baß er, ber Fruchtbarkeitsgeist, wieder in sein Element, ins Feuchte, ins Warme, ins Zeugende, zurückkehrt. „Pfingst-Ouack" heißt auch dieserhalb kultische, halb nur noch mimische Spaß; Quack — man denke an unsre Wörter quick (lebendig) und Quecksilber — bedeutet soviel wie Leben, fortzeugende Bewegung. Das bayrische „Psingstreiten", mehr oder weniger ins Zeremoniell-Kirchliche abgewandelt, so besonders die Pfingstreiter-Prozession von Kötziing, hängt natürlich auch mit dem Pfingst-Quack zusammen. Eine sehr nette P singstgep flögenheit erzählt Heinrich Sohnrey (in seinem volkskundlich inhaltsreichen Buche „Die Sollinger"), nämlich vom Pfingst-Singen im Weserberglande, und zwar in dem Dorfe Oldenrode. Dort üben, von der Osterzeit an, die Schulkinder in den Pfingstlauben das Lied: „Nun bitten wir den heiligen Geist" ein, jenes ja schon um 1200 auftauchende Lied, das von Luther als erste Strophe seines bekannten Chorals beibehalten wurde. Die Schulkinder streben eine finge» risch formvollendete Wiedergabe des Liedes an, achten streng auf eine tiefe chorische Verbeugung bei den Worten „Lehr uns Jesuni Christ erkennen allein ..." und beglücken dann mit diesem so gewonnenen Kunstwerkchen das ganze Dorf: am zweiten Pfingsttag, — morgens um zwei Uhr! —, beginnen sie und halten aus bis zum späten Nachmittag. Sie gehen in jedes Haus, ja in jede Wohnung eines jeden Hauses, und fingen dort das Lied. Ihr Anführer verkündet jeweils den Namen des Wohnungsinhabers, dem zu Nutz und Frommen gefangen wird. Gewiß ist diese Gepflogenheit eintönig, abwechslungslos, soll aber, vielleicht gerade dadurch, einfältig im schönsten Sinne des Wortes, irgendwie rührend schön sein. Die mit dem Liede Erfreuten müssen natürlich alle riet Essens-Kram spenden — wie denn all die pfingstlichen Umzüge mit Ein- fammeln von schmackhaften Gaden verbunden sind. Die Pfingst-Belustigungen bestehen im Pferderennen und Kranz- Stechen, im rhythmischen Peitschenknallen, das im Weserberglande sorgfältig geübt wird, in geradezu karnevalistischem Treiben, das auch mit Aufführungen von dramatischen Scherzen verbunden ist, in öffentlichen Speisungen der Kinder und der Erwachsenen und — im „Pfingst-Bier", das ber ganzen Fröhlichkeit den umfassenden Namen gibt. Dies Fest wird von den sogenannten „Bier-Schaffern" geordnet, die sich die schönsten Mädchen des Dorfes als „Bierjungfern" wählen dürfen. Die Bier-Schaffer — es sind nur ihrer zwei — laben förmlich die Männer, junge und ältere, zum Werfest ein. Am zweiten Pfingsttag zieht man auf den Festplatz hinaus zu Trank und Tanz, zu Spiel und Freuden. „Bierknechte" heißen die teilnehmenden Männer. Sie sind natürlich nicht allein. Die lustigen Dorf-Madchen sind habet. An diesem Tage ist es ihr Vorrecht, den Mann, den sie mögen, zum Tisch- und Tanz-Ge- noffen auszuwählen, sie beschenken ihn mit „Pfingst-Westen" — ein Mädchen sucht das andere zu übertreffen an Schönheit eines solchen Kleidungsstücks — und mit Pfingstfträußen. Farbe und sommerlichen Schmuck hat zur Pfingstzeit das ganze Dorf — ja auch an den Häusern der Stadt wird Birkengrün angebracht, sog. „Maien". — „Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen ...I" beginnt das alte Lied. Als Zeichen der Liebe, als Zeichen der untertänigen Ehrung, als volksverbindender Ausdruck der Freude, ja als Wahrzeichen eines Ortes — man denke an die pfingstliche Schmückung des Gipfels über Questenberg am Harz — putzt man Bauten und Zimmer, Brunnen, Plätze und Höhen mit grünem Laub. Freilich bleibt das Bewußtsein für die Begriffe „verdient" und „unverdient" dabei wach: wer sich unehrenhaft benahm, bekommt ein „Schand-Maien" vor die Tür oder ins Zimmer gesetzt, in Gestalt eines Besens, eines Strohmannes. Das tut der allgemeinen Lust keinen Abbruch. Sprit ■ --------yv ____ _____i-/-- xz— — ------„ . , , a|s- dfanrey, „ist der Pfingstanger, jener freie, große, herrliche Wiesen» j|t jif | IW hart am Dorfe, der keinem eigen ist und doch allen gehört, vor dem liiM’ l sämtlichen „reiheberechtigten" Ackerleute einander völlig als gleich und ik, t | verweise berechtigt erscheinen. Gleiches Recht, aber auch gleiche Pflicht. ;. | P der Pfingstmorgen da, dann zieht die ganze Gemeinde mit Ochsen Kühen zum gemeinsamen Hüten auf den Anger. So wird das ganze n jiti1! faffvolk auf dem Pfingstanger zu einer einzigen Familie Bereinigt — . KW eben das ist des Pfingstangers Herrlichkeit und Segen." . ?n der Tat ist es in vielen Gegenden Deutschlands ein althergebrachtes । j ?r-Recht, daß für den Psingst-Sonntag eine besondere, und besonders W\ ,t e Weide freigehalten wird, die erst an diesem Tage vom Vieh betreten ..«■ ■« ttn*y ______ irgendwie bist du an diesem Kind ja auch beteiligt. HC lUHUJUHl lui -- Ow"‘ Owx ........... ' ---. ' " ' ' . wandte den Kopf ab. Ich stand aus und ging zu den Kindern, um mich m ; yll« irh nnrfi einer .Zeit wieder nach der Bank ol I Ni 4 U !ü|tl »n 1 M lii ,s«i 8ii ttinJ J-tz W dchii M t* idht » blicken sein kann, lieber den Baumen siegt der yupiter. «on «n .... geht schon der Nachtwind. Und in einem Wipfel sitzt die Amsel utw • die ganze Gegend mit ihrem Gesang. Da sagt mein Mann: .Sie ®,r0J $| nicht mehr lange singen!1 Unb mich erfaßt plötzlich etwas wie eine w ihr Spiel zu mischen. Als ich nach einer Zeit wieder nach der Bank s-s war sie leer. Später traf ich sie in Gesellschaft ihres Mannes, der au dem Geschäft zurück gekommen war, und es war alles wie immer. Das war wohl im Mai des letzten Jahres gewefen. Was nun folg weiß ich nur aus ihrer Erzählung. Im Juli gegen Ende erfuhr ich ra Otto, daß sie wieder Mutter zu werden erwartete. Ich weiß nicht, ob a weißt wie das ist, wenn einem der Blitz vor den Füßen in die Er» fährt. Ich habe es erlebt in Estland, als vor meinen Augen wahren! eines Gewitters eine Pappel vom Strahl getroffen zusammenkrachte. Ji ersten Moment hätte ich Otto vor die Pistole nehmen können; ich hch während des ganzen Lebens nie einen Mann so unaussprechlich gelM wie ihn Ich suhlte selbst, wie alles Blut mein Gesicht verlieh. Ich sch auch wie er mich anstarrte und ebenfalls bleich wurde. In mir sagte r: , Jetzt nur schnell weg, bevor ein Unglück geschieht, um Gottes willen O'me ein Wort zu erwidern, drehte ich mich um und ging davon. ha"'» packte ich sofort einen Koffer. In derselben Nacht schon befand ch mich an Bord eines Schiffes nach Südamerika. Bis zum ersten Stur, stand und ging ich herum wie ein Gestorbener. In den Tropen uberM uns aber ein solcher Orkan, daß wir alle mit unserem Leben adschlossm Als er überstanden war, Hieb für meinen Teil die Tatsache stehen, N Oi» Amsel. Eine Pfingsterzählung von Jakob Schaffner. Zwischen deinen Maschinen und Einrichtungen, Menschenkind, blühen j alle Geheimnisse der Natur weiter ungestört in alter Heiligkeit und Herr- , lichkeit Höre zu, einen kleinen Beweis dcksür will ich beibringen, und ich glaube nicht, daß du ihn bald vergessen wirst , 9 Die tote Freundin hast du mit mir gerade gesehen. Ruhig und |tiU liegt sie da mit dem seltsam mutigen und tühnen Zug um die geschlossenen A^aen der sie uns so lieb machte, und all der Gute und Großherzigkeit, die um ihren schönen Mund spielten. Jetzt erinnern die Zuge an verlassene Lieblingstiere einer verstorbenen Königin, und wenn dich nur eins von ihnen' ansieht mit dem stumm fragenden tiefen Blick, fo will sich dir das Herz umdrehen. Nun, wir haben alle miteinander ausgehalten und leben weiter. Im Halbdunkel flackern jetzt dort d,e unwissenden Lichter weiter. Die Uhren sind gestellt, die Spiegel verhängt Em verlorener Mann hockt irgendwo in einem Winkel und würgt an seinem Jammer, und mutterlose Kinder schleichen verstört umher. Es ist alles, wie es bei uns immer und überall ist, wenn der Tod eine Wohnung besucht hat. Was du aber wohl nicht gehört hast, das war die Amsel, die vor dem Fenster draußen fang. Ich habe nichts fo Wildes und Lebensheißes von Boqellied gehört. Die Kerzen wiffen nichts, das stimmt, aber die Amsel i weiß schon eine ganze Menge, wenn sie auch von dem da drinnen keine Ahnung hat, und obwohl sie an der ganzen Sache beteiligt ist. Aber darin beruht das Geheimnis, von dem ich erzählen will | Wir haben jetzt Pfingsten. Frühe Pfingsten An diesen PfinMen wird der Mann dort denken, und wenn er hundert Jahre alt wird. Die Bogel singen schon alle; damals sangen die meisten noch — unter anderen diese unheimliche Amsel. Es ist ein besonders starkes heftiges Tier; wie viele Nachmittage haben wir sie beobachtet von der offenen Veranda aus. ©ie duldete keinen Genossen im Garten. Sie flog sogar nach anderen Gärten hinüber, um fremde Amselhähne daraus zu vertreiben. Den ganzen Tag war sie im Kampfzustand. Wir sahen sie auch >.m Krieg mu einer Krähe, die ihr Nest mit vier nackten Jungen plündern wollte. Sie setzte dem großen Feind so zu mit Geschrei und mit Angriffen, und umtobte ihn so gewitterhaft, daß er sichtlich verwirrt das Rem er räumte und nicht wiederkam. Nachher saß sie auf dem Gipfel des nächsten Birn- I bnums und sang aus vollem Hals ein Siegeslied — wenn wir eine neue Musik aus dieser Tonart bekämen, dann würden uns die Herzen aus der Brust herausstürzen wollen, um ohne Waffen zu kämpfen, und wir waren I für ein Jahrtausend unbesiegbar. Die Katzen hielt sie nicht nur in Achtung, sondern sie herrschte geradezu über sie. Du begreifst also, daß der Gesang einer solchen Kreatur nicht dasselbe sein kann wie irgendein Amsellied. Wenn Siegfried fang, so war es ebenfalls nicht, wie wenn andere Manner sangen. Man muß jede Sache richtig verstehen, dann wird man nie I an Langeweile oder an Weltschmerz leiden. Du weißt einigermaßen Bescheid über die näheren Verhältnisse, m denen unsere Freundin lebte. Füns Kinder sind da von elf bis fünf Jahren Beim letzten ist sie beinahe geblieben, und die Aerzte verboten ihr bei ihrem Leben, eine sechste Mutterschaft zu wagen. Nun, fünf gesunde, wohlgebildete, schöne Kinder liefen im Haus herum. Dabei konnte sie sich eigentlich beruhigen und trösten. Mele andere finden, daß sie mit weniger genug getan hätten. Du weiht, daß wir Martha manchmal scherzhaft eine | Walküre nannten; damit meinten wir eine Wesensart, die nur em Teil j der Frauen hat, von der aber das ganze Geschlecht und sogar der gesamte I Staat lebt: ein Einschlag von Stahl im Blut. Da ist so etwas klar Klingendes, wenn es angesprochen wird, etwas kühn Gesanghaftes, nobel Freimütiges, großmütig Aufrechtes. Sobald du bas seltene ©lud mMt, vor eine solche Frau zu stehen zu kommen, weißt du: die will nicht das Ihr« । Ich weiß, was ich sage, denn ich habe ja die Gegenerscheinung, das Weib als bloßen Gesühlswert und als Genußtier, jahrelang genau unterricht und dargestellt, so daß manche meiner guten Freunde schon anfingen, j ür mich Angst zu bekommen. Die Sorge war unnötig: ich lag gut und icher vor Anker bei unserer Freundin. Du siehst mich an. Ich kann es jetzt jagen: ich liebte sie. Nach ihrem Gatten bin ich der nächste Leidtragende unter allen Männern. Ich denke, daß Otto es wußte. Auch ihr wird es nicht verborgen geblieben sein, obwohl nie ein Wort zwlschm uns gewechselt wurde. Ick) bin eben zu spät gekommen, das ist mein Schicksal. Ich kämpfte noch — längst nach Friedensschluß — im Osten, da war Otto schon wieder in der Heimat und in Amt und Stellung; als ich zw rückkam, war er auch der Besitzer der herrlichsten Frau, die ich weiß. Ich sagte: „Gott segne sie ihm!" Als sie mich zum erstenmal sah — es war noch in meiner abgescheuerten Uniform der Eisernen Division —, machte sie auf einen Moment große Augen, und es zuckte etwas durch die klare Tiefe darin, bevor sie sich zu einem Begrüßungswort gesammelt hatte; über das helle, rassig schmale Gesicht hastete derweil eine Röte bis jum Hals hinunter, so daß Otto sie verwundert ansah. Währenddem bemerke er zum Glück nicht, daß ich ebenfalls rot wurde. Daß mein Herz ein paar harte Schläge der Ueberrumpelung tat, hätte er ohnehin nicht sehen tonnen Nach dieser Vorstellung wußte ich, daß nun nichts Großes weiter für mich kommen würde, es wäre denn ein Befreiungskrieg für unfer Vaterland. t , . _ Nun gut. Nach dem letzten Kind hatte der Arzt gesprochen, und sie fügte sich, obwohl sie sagte: „Der erste Junge ist der Ersatz für meinen Bruder Heribert, der zweite für Fritz, jetzt mühte ich nach den drei Mädchen eigentlich noch einen Jungen für mich kriegen." Sie erzog ihre Kinder, besorgte ihr Haus, und wieviel von ihrer jungen Lebenskraft der Garten bekam, weißt du selbst. Der Garten war sozusagen ihr sechstes Kind. Sie wußte darum und suchte das Beste und Schönste daraus zu machen. Aber wenn ich sie manchmal so dastehen und über ihre blühenden Gewächse hinwegsehen sah, bemerkt« ich wohl die Sehnsucht in ihrer Haltung, und in'mir sagte es: „Aus den Augen ihrer Blumen schaut sie hr ungeborenes sechstes Kind an.“ Ich glaube, mit diesem Kind sprach chr Herz unausgesetzt. , .. .. ., „ Sie war eine große Mutter. Einmal sah ich mit ihr zusammen. Um fie herum tobten ihre fünf Kinder. Sie sah ihnen lange zu. Endlich rid)tQ fie die Augen auf mich mit einem eigentümlichen Blick voll Verlange und Mangel und sagte: „Sie sind ja hübsch und jung, aber ich habe sch°e lang kein eigentliches Verhältnis zu ihnen. Ich mußte noch zehn Iah« lang immer etwas ganz Kleines auf dem Schoß haben. Das mären mein besten Zeiten." Ich verstand sie zu gut, und es lag zu viel unausfprech liches hinter dem Wort, als daß ich mit einer alltäglichen Redensart bei auf antworten konnte. Wir sahen uns noch ein Weilchen an. Dann routfo fie langsam rot — zum zweitenmal im Lauf unserer Bekanntschaft — urj 1 . . * r < cs «. -.»C ..mX 4»;MA ->i« hrtn (Einhorn um mi* Kl ich: xtietie mm icy wiener! ^even mm ict) wiener! uno nuy weiter hängen und schmachten kann, denn ich bin kein Backfisch, 1° ein Weib in den besten Jahren. Ich weiß nicht, ob ein Mann das verstehen kann. Für den üc« । . die Liebe eine Ausübung unter andern; für uns ist fie das t^ben 1«". Ich fühle mich sinken und sinken, als ob ich ins Grab sinken sollte den Schoß unsrer Allmutter. Dann HSre ich mir selbst zu, wie 'm schwerer Zunge wie im Untergehen hervorbringe: ,Ein Kino w>■ U wieder!' Wie von einem anderen Stern höre ich, wie Otto lPr,(v* ich abgeschlossen hatte. , , ,, Vollkommen klar und nüchtern sagte ich nur auf den Kops zu, «tz mein Haß gegen Otto nicht oder keineswegs allein in meiner Angst « das Leben feiner Frau bestand. Von niemand hatte ich Abschied genommen; nur ihr schrieb ich m paar gesellschaftliche Zeilen, um mich zu entschuldigen. Als ich die wichtigsten Städte und Landschaften von Südamerika sehen hatte, fühlte ich mich so weit losgelöst und beruhigt, daß-ich an!I» Rückkehr denken konnte. In Buenos Aires erreichte mich em Kärtchen ml ihr mit den Worten: „Ich verstehe und grüße Sie herzlich. Sie ko« zurückkommen, wann Sie wollen". Ich stand und las. Dann saß ich, » I trachtete und studierte die wenigen Sätze, und besonders oen letzten, w I anderen Morgen erkundigte ich mich nach der schnellsten Möglichkeit to ® Rückkehr. Wenn der letzte Satz einen Sinn haben sollte, so konnte er iM P ' - „Es wäre doch trostreich, dich in der Nähe zu wissen, te « enoroie bist du an diesem Kind ja auch beteiligt." "Als mir dieser Gedanke zum ersten Male kam, schoß mir eine wv brennende Blutwelle ins Hirn. So sind wir: immer denken wir M-m^ nur zuerst an uns! Eine geliebte Frau kann in den Tod gehen mit ° > J nen Augen als Heldin; wir aber rennen davon, weil es nicht nach unser i Erwartungen zugegangen ist! Ich rechnete. Im Juli erfuhr ich von m werdenden Dingen. Hier wurde es Herbst. Wenn dort der Frühling °»i a ausbrach, öffnete sich auch diese Knospe des Schicksals. Äh hatte ,1 höchste Zeit, um vorher noch zu beweisen, daß ich tatsächlich nur » a Freund war — und ein Liebender. Ohne mich lang zu fragen, was r ■■ I dazu denkckn werde, telegraphierte ich: „Ankomme Anfang Marz - Jetzt liegt sie dort still und bleich, ülusgeblutet das hohe, edle LeMj Als ich sie zum ersten Male wiedersah, liefen mir die. Tränen aus » Augen, ohne daß ich meinte oder daß ich etwas dagegen tun fonmi Sie sah mich lange und ernst an und nickte dann langsam. Auch I ergriffen, aber sie hatte ja einen anderen Mittelpunkt als ich. Ich g« i an fie, fie dachte an das Kind. So laufen die Geschlechter einander in®" I nach und erreichen einander nie. Otto war noch im Geschäft. Wir |<® | auf der Veranda. Um sie herum blühte ihr Winterflor, den sie zum | selbst gezogen hatte, Azaleen, Zinnerarien, eine wunderbare Amarya und draußen fang die Amsel. Das Fenster stand offen; es war bereit schöne, warme Frühlingstag. Im Garten blühten Schneeglöckchen, w*' felblumen, Krokus und Anemonen. Lange hörten mir schweigend aus Amsel. Dann nachn sie das Wort. a „Die Amsel ist eigentlich schuld", sagte sie lächelnd, wahrend sie £ mit ihren ein wenig tiefer liegenden Augen liebevoll ansah. Um Augen lag ein Glanz, der mich gleich beim ersten Sehen beunruhigt y» Aber es lag kein Sinn darin, es mit irgend jemand zu besprechen, pa mit Otto, der mit allem ganz zufrieden zu sein schien. „Sie erinnern an unser Gespräch über die Kinder? Von diesem Gespräch an tam nicht wieder zur Ruhe. Sie gingen zu den Kindern, und was sollten anders tun? Auch mir blieb nichts anderes übrig, als meinen Mama empfangen, der bald darauf nach Haufe kam. Ein paar Tage spater H? ich mit ihm abends vor dem Nachtwerden allein auf der Veranda ist still. Der Abend wird so weit und tief, wie er es in den lebten blicken fein kann. Ueber den Bäumen steht der Jupiter. In den bhfa Verzweiflung: .Wenn sie einfach so verstummt und alles geht zu wie immer, fo geht es nicht gut!1 Was das ist, das nicht g® 8 « könnte, frage ich nicht, und ich will es auch nicht wissen. Nur eines * ich: Liebe will ich wieder! Leben will ich wieder! Und daß ich 1° teri irden. statt- umi Oer >vno<>siii>d)fe. Von Hans Iüng st. pfingstlicher Mond. Von Georg Britting. Der Mond lockt vom Himmel, groß und rot Alle Straße krümmen sich, zu ihm hinan zu springen, Alle Dächer funkeln und wollen zu ihly sich schwingen. Hoch hängt er'im Blau, hoch überm höchsten Schlot. Alle Türme heben die Lanzen zu ihm. Alle Fenster brennen, zu prahlen wie er. Alle Häuser tanzen auf Füßen schwer Und streben hinan zu ihm. Der Mond lockt vom Himmel. Groh und schwer Und rund kreist die Stadt, voll Begehr Zu liegen an seinem feurigen Mund Keiner brennt so rot wie er. Vorstellungen erhebt. Ganz verstört ist er schließlich. Aber da s'ngt die imlel wie ein Bote aus der Welt der Fruchtbarkeit. Und hinter Otto «eben irgendwo Sie und warten. Ich ober fühl«, wie ich immer schwerer mö tiefer werde, als ob ich mich in eine andere Erde verwandeln sollte. geben Sie, so ging es zu." . Wir sitzen und schweigen. Die Amsel schreit und tost wie em Held der eien Feit. Sie tanzt aus ihrem Ast und fächert di« Schwanzfedern. Ihre i uaen werfen Blitze, und dem goldgelben Schnabel entströmen Kaskaden ter iützesien wildesten, rücksichtslosesten Liebeslieder aus das Leben. ,İ j° s° ist -s zugegangen!" sage schließlich auch ich. Was soll und l,nn ich sonst sagen. Wenn eine Frau über ihr Leben entschieden hat, lleibt dem Mann wenig mehr zu bemerken. Jetzt liegt sie dort, eine bleiche, stumme Siegerin. Das Kind lebt, und L !» ein Junge. Ihr brechender Blick war ein mütterlicher Triumphblick •adi dem Empfang der Nachricht. So stark und überlegen kann ein Weib fln, daß sie uns erwachsene, ernsthaste Männer einstweilen geradezu ils 'ihre Waisen hinterlassen hat. , . , , Morgen sollen wir sie begraben. Es wird noch ein hartes Stuck Arbeit Heldinnen begräbt man nicht gern. Der Pfingsttag zog Herauf, «in herrlicher Frühjahrsmorgen, strahlend im Sonnenschein schon um sünf Uhr. Anna-Ilse lag um dies« Stunde noch im besten Morgenschlummer, als wiederholtes Rufen vom Obstgarten her sie schließlich weckte. Si« sprang aus dem Bett. Auf dem Rasen unter den Apfelbäumen stand Li-beth und winkte der Freundin, herunterzukommen. Wenig spater steckten die Mädchen im Garten die Köpfe zusammen und tuschelten. Lisbeth, die lose, leichte Lisbeth, erfuhr manchmal auch über Nacht, wenn andre Leute schliefen, Neuigkeiten. Sie wußte haarklein, was zwischen den Burschen im „Krug" geredet worden ... Anna-Ilse wurde glührot vor Entrüstung und schüttelt« empört das krause Haar, es tanzte in der Morgensonne wie züngelnde Flämmchen. Was fiel dem Anton, diesem Protzen ein! Und vor allem Mannsvolk so zu tun als habe er ausgerechnet sie, die Anna-Ilse, schon fest! — „Warte, dir zahl, >ch s heim!" — Ein Gedanke geht ihr durch den Kops. — „Komm, Lisbeth. Und sie zieht die Freundin tiefer in den Garten. Sie flüstern an den Himbeerhecken und trennen sich unter Lachen. „Die Musikanten sind auch schon da", ruft Lisbeth über die Hecke zurück. „Ich hab sie gesehen, gestern abend!" Sie tanzt und kreiselt den Weg entlang, als hör« sie bereits Fiedel und Klarinette. — , .. „ .. Vor Antons Hof hielt der Leiterwagen, zu beiden Setten mit grünen Reisern besteckt. Es leuchtete von hellen Mädchengesichtern und bunten, nagelneuen Kleidern. Die Burschen standen und begutachteten den Pfingstochsen, den Anton ins Joch spannte. Em Wunderwerk, dieser Ochse, an Natur und Kunst. Besonders an Kunst! Nicht nur daß ihm grüne blaue, rote und gelbe Bänder an den Geschirrsetten rieselten und von Stirn und Hörnern herunterhingen, nein, die Horner selbst hatte dieser Wetterkerl Anton vergoldet und versilbert, das rechte Horn mit goldener das linke mit silberner Bronze überzogen. So einen Pfingst. M» StoW. ..» '-mm. -°ch-. W. man Lisbeth sagen. „Ihr sollt schon zusahren. Beinah hatte ich das Der- $ ^Anton knallte dreimal mit der Peitsche. Der Ochse zog an. Di« Mad- chen schwankten, kreischten, nahmen ihre Kleider m acht Die Burschen hatten die Hände in den Hosentaschen und standen mttdurchgedruckten Knien und sahen di« Mädchen prüfend an. Anton schritt neben seinem Festochsen, einer war schöner als der andre ... . Aus dem Marktplatz gruppierten sie sich um den Maibaum, wie sich s gehört ... Wo in aller Welt blieb Anna-Ilse? Sie wurden unruhig und drehten die Hälse. . , „ ot. Der Kantor kam. Mit dem Kantor war nicht, zu spaßen. Als er vollends seine Brille auf die Nafe befördert hatte, wagte nlemandmehr einen Einspruch — mochte Anna-Ilse sehen, wie sic zurecht kam! Schnell ""^Die°älterenJahrgang« waren erledigt. Sie hockten, Mcklich gepaart, wieder oben auf dem Leiterwagen. Die Schar der Mädchen schnwlz zu» iammen Nun mußte Anna-Ilse an die Reihe kommen. Selbst Lisbeth, die eine der jüngsten, fast die letzte war wurde unruhig. Anton st,erte vor sich hin. Jürgen sah ihn von der Seite an und sand, Anton fei feinem Ochsen nicht ganz unähnlich. Jürgen klimperte mit seinen Talern in der Tasche — sie machten seine gesamte Ersparnis aus. Anton horte das Klimpern und schoß Jürgen von unten her nut einem schweren Blick an Anna-Ilse!" schnarrte der Kantor. Ein klingendes „Hier!" antwortete, sie fuhren alle zusammen. E- dränate jemand durch die Reihen, und Anna-Ilse stand vor ihnen. Aber war das wirklich Anna-Ilse? Eine Vogelscheuche war das! Anna-Ilse hatte sich das Haar straff und steif ms Genick 9«ftregelt, es glänzte von Wasser. Und sie verschwand fast m einem uraltmodischen Kleid, das ihr trift bis auf die Fußspitzen hmg. Kem Reizchrer runden Glieder ihrer anmutigen Haltung drang durch diesen Wust von Falte Niemand zum ersten, niemand zum zweiten. — „Zum dritten. Schasskopft" jagte 'Anton halblaut neben ihm und versuchte em OöÄpm bas fidi säuberlich über fein Gesicht hinzog. „Die hattest du für S tZler haben können", meinte er. „So billig kaust man kein« Anna-Itte-" rief Jürgen. Der Kantor schlug ihm das Mädchen zu, Antonsteigertesich die Lisbeth. Ganz billig war sie nicht zu haben. Aber so viel wie Anna-Ilse brachte sie auch diesmal nicht. - Jürgen brauchte sich seiner Tänzerin nicht zu schämen. Sie kam mtt übermütigem Lockenkopf ins Tanzzelt, ihr Kraushaar mar fäneU[gegen ÄWÄ 'S ^Dtt°guecksilbrige Lisbeth war kaum wiederzuerkennen, so steif, so anädia lieft sie sich von Anton herumdrehen. Er geriet oröentlirf) m Kcbwntz über seinen Bemühungen und merkte nicht, daß Lisbeths sMiinon nm so lebhafter gingen und geheim« Verbindung knüpften. Pro 1 monoyeuer u . n^nsten aneinander vorüber m den nacht- 1 iAe-n“sdnitten der Bäume. Von fernher tönte gedämpft Tanzmusik -- : stand daheim im Stalle neben seinem Pfingstochsen m» ' takelte ihn ab Er hatte viele Mühe, dem Tier die Horner zu säubern ba5 goldene recht« und das filbeme linke Horn Anton hatte den schwersten Ochsen im Stalle stehen, und dieser . 6*e Ochse durste morgens zum Pfingstfest den langen Leiterwagen toller Mädel und Burschen durchs Dors ziehen, hm zum Danzzelt, das lei den Weiden an der Pferdekoppel aufgeschlagen war. Einstimmig war die Wahl, von Sachverständigen ausgeubt, auf Antons Ochsen ge- flUen und Anton tat sich nicht wenig darauf zugute, zumal er Ser ’ igfte Hofbesitzer war und noch nicht einmal verheiratet. Am Abend des Pfmgstsamstags saß die gesamt« junge Mannschaft m Krug" und besprach beim Bier das bevorstehende Ereignis des Gfinaittehens. Morgen war es wieder so wett: aus dem Marktplatz unter dem Maibaum nahmen rechts die Mädchen Aufstellung hnts die «urschen, und der Kantor wird wieder feine Stahlbrille aussetzen, die List« aus der Tasche ziehen und di« Namen der Madel aufrufen. D e «urschen werden bieten, jeder auf ferne heimliche oder auf in« Me er gerne hätte. Und wenn einer so mel bietet, ^as,keiner >hn über teigem mag, gibt er dem Kontor das Gew, der wirft s m dieBuchfe, inb der Bursche hat sich seine Tänzenn für den Pfingsttag erkauft ... So war es hierzulande Sitte, seit Menschen denken können. Da saßen sie im Tabaksdunst an den blankgescheuerten Tischen, rieten drauflos, welche Paare wohl zusammenkommen wurden, ereiferten sich über ihren Vermutungen, wetteten. Mädchennamen schwirrten durch die Lust, billige und teure. Einige wurden mit Gelachter g er i n,g s chaß t gab- getan, anderen folgte hitziger Wortstreit, oder ehrfurchtsvolles Räuspern, ^Shejtigilten gingn es" um Lisbeth her, di« zierliche Lisbeih mit den braunen Augen. Mancher hätte sie gern gehabt, aber sie galt höchst unsicherer Besitz, ihre Launen hatte mehr als emer erfahren. Sie, war imstande und kümmerte sich den Teufel um den Ausfchl g M 91 ichens. Da gibst du dein gutes Geld, und hernach fliegt Lisbeth von einem Arm in den andern! tfinnen? Alles blickte plötzlich auf Anton! Der wird sie doch MMten tonnen? Der stramme Anton und Besitzer ,des Pfingstochsen! — „Was meinst du, Anton? Nimm dir die Lisbeth!" ..... ( reer Anion zog die Mundwinkel schief. Trank gemach«ich sein Glas leer. Biand mit einem Ruck auf, das heine Hufeisen an s«, Kirrt«. - „Die Lisbeth? Ich glaub«, ihr seid verrückt all«! Er schm« tert« die Faust auf den Tisch. „Die Anna-Ilse hol ich mir daß 'Yr- Sng W« $8oS?^!?xÄtnÄ%unttum. Da stand sein won Schönheit, ihre blauen Augen blendeten jeden, ber f Lrinafte -war das untadeligste Mädel obendrein keiner konnteich: das J r^ngs Aachsagen. Da..g°lt es schon tief in die Tasche greifen für dem, der Anim -Ilse zum Pfingstlehen haben wollte. Dönges Jahr bekam I g mußte sich das Geld geliehen haben .. . . »achtern Jürgen stand an der Theke, der einzig«, der noch ! 9 schmunzelnd war. Er pfiff hinter Anton her, zahlte sein Glas zündetet Jdjmunäeiri eine Zigarre an, bot freundlich Gutenacht und ging « f ' orateln, l'chen Jungmannschaft war für diesmal di« Freud, weiter zu »rarem, verleidet. Bald Ina verlassen und dunkel. DER HEILIGE Novelle von Conrad Ferdinand Hieyec 8. Fortsetzung. Der Primas verneinte mit bem Haupte. Ein überirdisches Licht umglänzte plötzlich seine Stirn. Er erhob den Hagern Arm, daß der Aermel der Kutte weit zurückfiel und zeigte nach oben. Da erstaunte mein Herr und König und erschrak in den Tiefen seiner Seele. Das Staatssiegel entglitt seiner Hand und fiel klirrend aus den Marmorboden. Ich trat hinzu und bückte mich nach dem kostbaren Geräte, dessen Griff von purem Golde war. Als ich es prüfend besichtigte, siehe, war es zersprungen, und eine seine Spalte lief mitten durch den edeln Stein und das Wappen von Engellandl Schweigend stellte ich es auf den Tisch mit den vier Drachenfüßen, der neben dem Sessel meines Königs stand. Als ich mich wieder nach den beiden wandte, hatte sich mein Herr gefaßt und sagte in gewaltsam scherzhafter Laune: .Sankt Jörg steh' mir bei! Du hast mir einen frommen Schreck eingejagt, Thomas! Jetzt aber genug der Ueberraschungen und Kunststücklein! ... Setze dich zu mir, wie immer, und laß uns die trockenen Geschäfte vornehmen/ Er warf sich in seinen Stuhl, und ich rückte einen anderen, etwas niedrigeren, aber ebenso reich verzierten für den Kanzler herbei, denselben, auf welchem er immer neben dem König gesessen. Aber Herr Thomas blieb in ehrsurchtooller Entfernung vor dem Könige stehen. .Erhabener Herr, gib mir Zeit und gedulde dich', sagte er. .Ein halbes Leben habe ich gebraucht, um die Verhältnisse und Rechte deines Reiches zu erforschen, — wie könnte ich diejenigen der heiligen Kirche, in deren Dienst du mich gestellt hast, und der ich lange fremd blieb, ja feindselig entgegenstand, von heute auf morgen erkannt haben? Darum trage mich mit Geduld.' .Zur Sache, Thomas, zur Sache!' drängte der König. .Dir ist wohl bewußt, warum ich dich zu meinem Primas gemacht habe! Laß uns nun gemeinsam die geistliche Gerichtsbarkeit aufheben und vernichten.' ,Du sollst mich geneigt finden', antwortete der Bischof nachdenkend. .Sind doch in meinen Augen diese Rechte, über die hin und her gestritten wird, veränderliche Gestaltungen, wechselnde Formen, irdene Gefäße, tauglich oder untauglich, je nachdem sie den Wein der ewigen Gerechtigkeit rein bewahren oder vergiften. Ich will mich an den Meister selbst wenden mit der Frage, wie er es meine.' .Bei wem willst du dich erkundigen, Thomas?', lachte der König, .bei der heiligen Dreifaltigkeit?' ,Jn den Evangelien', flüsterte Herr Thomas, .bei ihm, an dem keine Ungerechtigkeit erfunden wurde.' ,So spricht kein Bischof!' rief Herr Heinrich in ehrlicher Entrüstung, ,so redet nur ein böser Ketzer! Das hochheilige Evangelienbuch gehört auf eine perlengestickte Altardecke und hat nichts zu tun mit dem Weltwesen und der Wirklichkeit der Dinge. Blicke mir ins Auge, Thomas! Entweder willst du mein Feind werden, oder du hast mit unsinnigem Fasten die herrliche Klarheit deines Geistes getrübt. In Kürze: bringe mit die geistliche Gerichtsbarkeit um, Thomas! Dafür, nur dafür habe ich dich auf meinen schönen Stuhl von Canterbury gesetzt. — Ich will nicht, indem ich die Frevel meiner Pfafsheit ungerochen lasse, die Blitze des göttlichen Gerichtes auf mich und mein Haus herablenken. Jüngst noch hat ein sächsischer Kleriker das Werk und den Ruhm meines Ahns, des Eroberers, auf der Kanzel rebellisch gelästert und ein normännischer sich an der Unschuld eines Kindes vergriffen.' .Herr', versetzte der Primas, und seine eingefallene Wange flammte, .sei gewiß, daß ich die Sünden meiner Kleriker härter ahnde als kein weltliches Gericht tun würde! ... Abscheuliche Dinge! ... und das Abscheulichste ...', hier hielt er inne und schloß dann mit sinkender, veränderter Stimme ... .Aufruhr und Empörung gegen deine Ahnen und dich — christliche Könige. — Hier erkenne ich den Willen Gottes. — Ob er mir aber die in meine Klöster geflüchteten Sachsen ihren Peinigern, deinen Baronen, auszuliefern gebietet, das frag' ich mich und zweifle.' Jetzt erkannte Herr Heinrich deutlich, daß der Primas ihm die geistliche Gerichtsbarkeit nicht zurückgeben wollte und seinen heiligen Spott mit ihm trieb. .Ich bin ein Betrogener!' schrie er und sprang von seinem Sitze empor. In diesem Augenblicke begannen die im Burghofe harrenden Sachsen, vielleicht um ihre Besorgnis für den Primas zu beschwichtigen, eine neue Litanei. Sie sangen das siegesgewisse .Vexilla Dei prodeunt'. Da stürzte der schon gereizte Herr Heinrich ans Fenster und blickte hinunter. .Thomas', gebot er, .heiße die Schächer schweigen, die du hinter deinen Fersen nachziehst. Das Geheul deiner verhungerten Meute ist mir widerlich.' Herr Thomas regte sich nicht. .Mag auch ein Bischof den Armen und Mühseligen verbieten, dem Kreuze zu folgen?' fragte er demütig. Da geriet der König in bleiche Wut. ,Du wiegelst mir die Sachsen auf, Rebell! Verräter!' schrie er und tat einen Schritt gegen den Primas. Seine blauen Augen quollen aus den Höhlen, und er griff mit den nervigen Händen in die Luft, als wolle er den ruhig vor ihm Stehenden erwürgen. Da öffnete sich die Türe. Frau Ellenor stürzte herein und warf sich, in Tränen aufgelöst, dem Primas zu Füßen .Ich bin die grüßte der Sünderinnen!' schluchzte sie, .und nicht wert, den Staub von deinen Sandalen wegzuküssen, du heiliger Mann!' , Herr Thomas neigte sich zu ihr und beschwichtigte sie mit milden Worten. Dieses Schauspiel gab meinem Herrn die verlorene Fassung wieder. Er betrachtete fein zu den Füßen des Bischofs liegendes Weib eine ge- raume Weile. Dann zuckte er die Achseln, schlug eine Lache auf, wandte den Rücken und verließ die Halle. Zehntes Kapitel. An jenem Tage verwundete ein Giftpfeil das Herz König Heinrichs. Erst war der Stich nur klein, und mitunter schien es, als wolle er heilen. Aber in der Tiefe eiterte er fort und fraß immer schmerzhafter ins Fleisch, bis zuletzt von diesem einzigen Punkte aus Herrn Heinrichs ganzes Wesen untergraben und fein Königsleben zerstört wurde. Schnell zwar kam das Verderben nicht über ihn, denn meines König, starke, freudige Natur leistete ihm Widerstand. Im Drange der Geschäfte, im Wetten und Wagen des Lebens verbiß und vergaß er wohl auch seinen Groll. Zu Nacht aber fuhr er, kaum eingeschlummert, aus unruhigen Träumen empor, sprang von seinem Lager und stellte, rastlos in der Kammer auf und niederschreitend, den undankbaren Liebling, der ihn als nächtliche Scheingestalt heimgesucht und erschreckt hatte, zur Rede, bald beleidigt und drohend, bald aber auch liebreich mit kosenden Worten. Er hielt ihm alle Beispiele des Undankes vor, deren er sich aus biblischer und weltlicher Historie entsann, und überwies ihn, der seinige sei der größeste. Keines Menschen Mund schildert, was mein König litt. Anwesend und abwesend verfolgte ihn Herr Thomas gleicherweise. Stand der Primas leiblich als ein stiller Dulder vor dem Könige, so ergrimmte dieser über den erbarmungswürdigen Anblick: hielt sich Herr Thoma? abseits vom königlichen Angesichte im Frieden seiner bischöflichen Wohnung, so zürnte und klagte Herr Heinrich um so herzzerreißender, daß sein Vertrautester, früher die Seele feiner Ratschläge, der ihn kenne, wie keiner, sein Herz verrate, sich von ihm entferne und sondere, die Schärfe einer übermenschlichen Klugheit gegen ihn wendend. Und doch ließ es der Primas nicht fehlen az, versöhnlichen Worten und unterwürfigem Entgegenkommen. Dann fuhr der König zu und faßte hastig die bedingungsweise gebotene Hand, welche der über dies triumphierende Zugreifen Erschrockene schon wieder erkältet zurückzog. Ebensogut hätte mein König eine Wolke umarmt, als seinen ehemaligen Kanzler, diesen schlanken, schmeidigen Aal, festgehalten. Aber auch wenn der Primas über einen streitigen Punkt ein wahres und wirkliches Zugeständnis machen wollte, durfte es nicht gelingen. Entweder stieß er auf der Fahrt nach Windsor mit einem weltentfremdeten Einsiedler zusammen, der gerade jenes Tages aus seiner Höhle kriechen mußte, um den übertreuen Bischof zu bejchwören, die Rechte Gottes und der Armen, seiner Kinder, nicht dem Fürsten der Welt preiszugeben. Oder es vertrat ihm, wenige Schritte vor der königlichen Schwelle, ein verzückter Mönch, das Kreuz in der Faust, den Weg und trieb mit schwärmerischen Worten den Demütigen nach Canterbury zurück. Wollt Ihr die Wahrheit erfahren? Eine vermittelnde Formel, welche die englische Königsmacht und die Rechte der barmherzigen Kirche zu gleichen Teilen geschont und gesichert hätte, wäre schon vorhanden und der Klugheit des Kanzlers erfindlich gewesen, wie ich meine. War doch der König nicht unmenschlich, und Thomas kein erhitzter Eiferer! Aber die Herzen der beiden Herren kannten sich nicht mehr, und wann sie den letzten Schritt zueinander tun wollten, trat das Gespenst ihrer gestorbenen Liebe als blasse Feindschaft zwischen sie. Dann sei nicht vergessen, daß Frau Ellenor jetzt als züchtiges Eheweib nicht mehr von meinem Herrn wich und ihm seit ihrer Bekehrung Tag und Nacht in den Ohren lag, den Heiligen Gottes nicht zu beleidigen, womit sie den König erboste und verhärtete. Gehetzt und gezischelt, Glut gelegt und ins Feuer geblasen wurde gleichfalls nach Hofgebrauch. Der normännische Adel insgesamt hatte seinen Haß und Abscheu geworfen auf den gottseligen Rebellen, der den entlaufenen Hörigen der eroberten Güter die unerstürmbare Zuflucht seiner Klöster öffnete. Täglich und stündlich wurde dem Herrn hinterbracht, wie der Bischof zunehme und groß werde im Volke der Sachsen und seine gleisnerischen Hände überall und allezeit hilfreich und segnend ausstrecke. Er unterwühle das Reich mit einem heimlich brütenden frommen Aufruhr der Seelen, gefährlicher als ein offener und körperlicher, weil er sich nicht mit Waffen niederwerfen lasse. Wurde dem König solcher Argwohn eingeraunt, so gab der Gereizte seinem liebsten Rüden einen Tritt und behandelte auch mich unwirsch, besonders wenn ich ihm eines jener subtilen Schreiben überreicht hatte, in welchen der Primas mit der ängstlichen Linken zurücknahm, was feine großmütige Rechte gegeben. Dann geschah es wohl, daß der Herr das trüglidje Schriftstück fluchend in der Faust zerdrückte und zur Jagd blasen ließ, ob er seinem Unmut auf freier Heide verwinde. Aber es gelang ihm nicht. Wurde ihm der Edelhirsch zugetrieben, und reichte ich ihm die Armbrust, so erblickte er statt des geängstigten Wildes seinen Verfolger, stöhnte qualvoll: ,Häte dich, Thomas Schlankhals!' und durchbohrte dem Tiere das Herz. Endlich entschloß sich Herr Heinrich, forderte den Primas vor ein Gericht feiner Barone, ließ ihn als Reichsverräter verurteilen und vertrieb ihn auf ewig aus seinen Landen. Am selben Tage aber, da Herr Thomas wie ein Verbrecher über Meer entfliehen mußte, wich Fran Ellinor von ihrem Gemahl und verließ Schloß Windsor mit einem weit vernehmbaren Wehegeschrei. Jetzt begann das Ohr meines Herrn und Königs Tag und Nacht über Meer zu lauschen, was Herr Thomas drüben beginne. . Zuerst verlautete, der Kapetinger habe ihn an der jenseitigen Küste mit Ehrfurcht empfangen, und um seinen Segen gebeten, ihn versichernd, er, als ein christlicher Fürst, habe wahrlich" sein Leben lang nie einen Mönch beleidigt, geschweige einen Bischof. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. - Druck und Verlag: Brühlsche Universttätsdruckerei R. Lange, Gießen. SiehenerMilienblätter Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger Nummer 3$ Freitag, -en 5. Mai 5 Jahrgang 1959 Colour & Grey Control Chart * f 22 16 11 6 c £ t7 § 9 L 8 6 s lh G en »er 15* Tip ijte ® itinr xiW -erf 6» I* Id k| er|*| nuw re* M* jw i* frei« i# rerfte' Roß, um es in etwas raschere Gangart zu setzen. Ich aber en alten Mann in sein Haus zurück und entzog ihn den höhnen- er miet) sann um meine yeunat oesragre uno erfuhr, ich stamme von unweit des schwäbischen Meeres her, schenkte er mir aus seinen harten Runzeln einen aufmerksamen Blick. .Treue Leute, die Schwaben, und deren sind wir hier zu Hofe bedürftig', sagte er. .Hältst du dich aufrichtig, Deutscher, so mangelt es hier nicht an Gnaden und Lohn. Du trittst in eines gewaltigen Herrn Dienst.' Und er hob an, daß Wesen der normannischen Könige mit großen Worten zu preisen und mir ihre Reiche und Herrschaften aufzuzählen. .Diesseits und jenseits des Meeres sind sie mächtig, rühmte er, mnd was sie ergreifen, das lassen sie nimmermehr los.' Dabei zeigte er mir die Panzerhemden und Kronhelme des Eroberers und seines Sohnes, welche, an den Mauern der langgestreckten Halle, zuvorderst in einer endlosen Reihe von Rüstungen und Waffen- Herrn Wilhelm dem Rothaarigen Lebensfaden zerschnitten. Aber was tut's? H* i*- h.? ife M 19 20 21 12 13 17 18 14 15 ;v- !äi$ 4* X 9 10 4 5 7 8 6 ■ie. Ocm 1 2 3 stücken hingen. .Eines nur', fuhr er kopfschütelnd fort und wehrte mir, einen verrosteten Pfeil zu berühren, der unter der Rüstung des zweiten Königs auf den Steinfliesen lag, .eines nur, das les Herren haben allesamt ein böses Sterben. ! Teufel wissen, wer ihn abschoß — hat He mitten im lustigen Jagen den Lebensfader Glänzende Donnen gehen blutig unter.' seiner Jugend erinnert, wie behend der Böse in solchen Fällen sein Netz «swirft und zuzieht! Eines Tages wurden der Meister und ich auf ein etliche Meilen von Lndon gelegenes Schloß gerufen, um einem normännifchen Herrn die Daffenkammer einzurichten. Es wird ein verabredetes Spiel gewesen sein. Wir wurden unter allerlei Dorwand dort aufgehalten, und als wir nach L.ndon heimkehrten, war Jung Hilde verschwunden — gewaltsam ent- fihrt, nach der Aussage der Nachbarn, die nächtlicherweile Pferde- ztrappel und eine jaigmernde Stimme gehört hatten, willig folgend, wie ii> feigen Gesellen und furchtsamen Mägde logen, da sie der Meister zur Hebe stellte. }Jch warf meinen Verdacht auf Gui Malherbe — was sage ich? Die Liche war mir gewiß, und so riet ich meinem Meister, dem Kanzler teenb den Weg zu verlegen, wenn er an unserer Werkstatt vorüberritte i«f) dem festen Turme von London, zu dessen Kastellan der König ihn erhoben hatte, und nicht zu weichen, bis er ihm Gehör gebe und seinen OTmännir' (Z. rx z*».-!1 DER HEILIGE Novelle von Conraö Ferdinand Weyer 2. Fortsetzung. Green Grey 2 Als ich auf Schloß Windsor zum ersten Male vor den König von ffinnoKrinh trat, zitterte mir das Herz im Leibe, denn er war von gewal- oanes/X lebärde, und seine blauen, unbeschatteten pictayy nmen b^te mich zuerst ungnädig an, sich handelte, mehr aus der dargebotenen nden Worten, nahm, spannte sie, legte den mster und schoß nach einer Krähe, welche ir, bewegungslose Fahne des Schloßturms ichen ging über sein Antlitz, wie sich die ternd in die Dachrinne stürzte. : dem Finger Senne und Drücker, dann Blick zu. .Das ist mit Kunst gemacht, mein i.Da, trag es in meine Rüstkammer und als meinen Dienstmann; denn du bleibst t mir die Armbrust aus die' Pirsch nach- Cyan Grey 1 Yellow Grey 3 Blue White ,uch wenn mein eigenes Herz nicht danach zu versuchen als das Höchste im Weltspiel. Adj zu mir sprach, kam sein Dritter, der yawwMMge $)err orrcyarv, yereingesprungen mit dem Jubelrufe: .Vater, die normännifchen Hengste sind da! Prächtiges Blut!' und Herr Heinrich ließ sich von seinem Lieblinge fortziehen. Jetzt erhob sich aus einer tiefen Nische, wo er, ohne von mir erblickt zu werden, vor einem mit Schriftstücken belegten Marmortisch gesessen hatte, ein vornehmer, bleicher Mann in köstlichen Gewänden urti> trat, diese schön und langsam bewegend, zu mir, als trüge er Verlangen, auch seinerseits über meine Erfindung sich unterrichten zu lassen. Es war der Kanzler. Ich wiederholte meine Lehre mit mehr Verwirrung — könnet Ihr es glauben? — als vor dem Könige; denn mir wurde bange, da er, aufmerksam lauschend, mich ganz ausreden ließ, und mir schien, als ertöne meine einsame Rede viel zu keck und laut in der hochgewölbten Halle. .Eure Gnade', endigte ich, ,ist ein Gelehrter und hat wohl kein Gefallen an Kriegszeug?' Er senkte die dunklen Augen und antwortete leutselig: .Ich liebe das Denken und die Kunst und mag es leiden, wenn der Verstand über die Faust den Sieg davonträgt und der Schwächere den Stärkeren aus der Ferne trifft und überwindet.' Mit diesem schönen und einsichtigen Lobe der Armbrust, lieber Herr, köderte mich der Kanzler, ohne es zu wollen, und ich hätte ihm meine 'männischen Knecht zur Rechenschaft ziehe. So geschah es eines Tages. Mein armer Meister warf sich vor dem achtig geschirrten Zelter des Kanzlers in den Staub und heischte, seinen auen Bart raufend, mit erstickter Stimme und mit tränenbedeckten p Gerechtigkeit gegen den Räuber seines Kindes, der mit trotziger ängte den „-------------- ------ , , "'n Blicken und verächtlichen Scherzreden der den Kanzler geleitenden A-iterfchar. . Nun folgten jammervolle Tage, an die ich noch heute nur mit Bitter- 'et zurückdenke; damals glaubte ich sie kaum zu überstehn. Es wurde »chts besser, als eines Tages die arme Hilde unversehens, da es dunkelte, der verlassenen Werkstatt saß, den Vater erwartend, von dem sie wußte, ■«B er bei einbrechender Nacht mit eigenen Händen Laden und Türe «irriegelte. . .Ich habe nie erfahren, ob der Normanne Malherbe seine Gefangene ir iwillig zurückgab, weil er ihrer müde geworden, oder ob der Kanzler seiner verborgenen Weise einen Druck auf ihn ausgellbt hatte. . Eines dagegen sah ich deutlich: der Meister trieb mich in treuer Ab- sl'cit aus dem Hause. Er war gesonnen, sein zertretenes und scheu ge- ebenes Kind einem Angelsachsen aus seiner Verwandtschaft, der in der i nsrkstatt arbeitete und Trustan Grimm hieß, einem ungeschlachten Rot- M zum Weibe zu geben. Dabei wollte er mich nicht zusehen laßen. ?* lag er mir täglich an, eine bessere Stellung zu suchen, und da ich in |e™r Zeit, um Groll und Gram zu verwinden, eine Armbrust erfand, die ;v!iter trug und sich leichter spannen ließ als alle damaligen — ein j’noes Werk, wenn ich es auch später abermals übertroffen habe —, so redete er mir zu, meine Erfindung König Heinrich, der ein Förderer und Plleger der ebeln Wurf- und Schießkunst war, persönlich zu überbringen und zu empfehlen. Ich sah, er meinte es gut mit mir, und ich befolgte seinen Rat. Viertes Kapitel. Rad_______Magenta Grey 4 Black